<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd">
  <channel>
    <title>Radiowissen</title>
    <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/488</link>
    <description>Die ganze Welt des Wissens, gut recherchiert, spannend erzählt. Interessantes aus Geschichte und Archäologie, Literatur, Architektur, Film und Musik, Beiträge aus Philosophie und Psychologie. Wissenswertes über Natur, Biologie und Umwelt, Hintergründe zu Wirtschaft und Politik. Und immer ein sinnliches Hörerlebnis.</description>
    <lastBuildDate>Mon, 09 Mar 2026 03:00:00 +0100</lastBuildDate>
    <image>
      <url>https://img.br.de/d929eac0-bfca-4039-b6c5-4f4cba5137f0.jpeg?fm=jpg&amp;w=1800</url>
      <title>Radiowissen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/488</link>
    </image>
    <category>Science</category>
    <language>de-DE</language>
    <generator>BR Podcast</generator>
    <copyright>©2026 Bayerischer Rundfunk</copyright>
    <itunes:author>Bayerischer Rundfunk</itunes:author>
    <itunes:summary>Die ganze Welt des Wissens, gut recherchiert, spannend erzählt. Interessantes aus Geschichte und Archäologie, Literatur, Architektur, Film und Musik, Beiträge aus Philosophie und Psychologie. Wissenswertes über Natur, Biologie und Umwelt, Hintergründe zu Wirtschaft und Politik. Und immer ein sinnliches Hörerlebnis.</itunes:summary>
    <itunes:image href="https://img.br.de/d929eac0-bfca-4039-b6c5-4f4cba5137f0.jpeg?fm=jpg"/>
    <itunes:explicit>clean</itunes:explicit>
    <itunes:type>episodic</itunes:type>
    <itunes:category text="Science"/>
    <itunes:owner>
      <itunes:name>Bayerischer Rundfunk</itunes:name>
      <itunes:email>podcast@br.de</itunes:email>
    </itunes:owner>
    <atom:link href="https://feeds.br.de/radiowissen/feed.xml" rel="self" title="Radiowissen" type="application/rss+xml"/>
    <item>
      <title>‚Das kann ich schon alleine!‘ Warum wir uns schwertun, uns helfen zu lassen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-kann-ich-schon-alleine-warum-wir-uns-schwertun-uns-helfen-zu-lassen/2101140</link>
      <pubDate>Mon, 09 Mar 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">80ec12e3-cb19-4594-85fb-e60007411b37</guid>
      <description>Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das wissen wir alle. Wir sind aufeinander angewiesen und füreinander da. Wir sind bereit zu helfen. Aber oft tun wir uns schwer damit uns helfen zu lassen. Warum ist das so? (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21035904" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101140/c/feed/das-kann-ich-schon-alleine-warum-wir-uns-schwertun-uns-helfen-zu-lassen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:54</itunes:duration>
      <itunes:author>Andreas Hauber</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das wissen wir alle. Wir sind aufeinander angewiesen und füreinander da. Wir sind bereit zu helfen. Aber oft tun wir uns schwer damit uns helfen zu lassen. Warum ist das so? (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ca4b618a-0b14-4d5d-bffe-662a8525e2bc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch ist ein soziales Wesen. Das wissen wir alle. Wir sind aufeinander angewiesen und füreinander da. Wir sind bereit zu helfen. Aber oft tun wir uns schwer damit uns helfen zu lassen. Warum ist das so? (BR 2024)</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Andreas Hauber<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Susanne Schroeder, Thomas Birnstiel<br/>Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Jeanine Grütter, Psychologin, München; <br/>Michael Brugger, Theologe, Klinikseelsorger, Klinikum St. Georg, Leipzig</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Das Spenden - Warum wir Menschen teilen: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-spenden-warum-wir-menschen-teilen/bayern-2/12995707/">HIER ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Treue - Vom Wert der Loyalität: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/treue-vom-wert-der-loyalitaet/bayern-2/13131109/">HIER ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast: </strong>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong>Schmidbauer, Wolfgang: Hilflose Helfer – über die seelische Problematik der helfenden Berufe, Rowolth Verlag, 22. Auflage, 1992<br/>Parianen, Franca: Teilen und Haben – Warum wir zusammenhalten müsse, aber nicht wollen, Dudenverlag 2021</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kuscheltiere - Mehr als nur niedliches Spielzeug</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kuscheltiere-mehr-als-nur-niedliches-spielzeug/2102952</link>
      <pubDate>Mon, 09 Mar 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d2394e2c-f5b0-4dab-8511-d38f4a2e62a7</guid>
      <description>Kuscheltiere gefallen nicht nur Kindern. Aber Erwachsene verheimlichen ihre (alte) Liebe oft. Denn Stoffmäuse oder Plüschbären erzählen von der Sehnsucht nach Trost und Geborgenheit. Auch wenn es Projektionen und Fantasien sind, es wirkt! (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21502464" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102952/c/feed/kuscheltiere-mehr-als-nur-niedliches-spielzeug.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Kuscheltiere gefallen nicht nur Kindern. Aber Erwachsene verheimlichen ihre (alte) Liebe oft. Denn Stoffmäuse oder Plüschbären erzählen von der Sehnsucht nach Trost und Geborgenheit. Auch wenn es Projektionen und Fantasien sind, es wirkt! (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bba57e87-8fe5-4c5f-ba60-53825a26a4ba.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kuscheltiere gefallen nicht nur Kindern. Aber Erwachsene verheimlichen ihre (alte) Liebe oft. Denn Stoffmäuse oder Plüschbären erzählen von der Sehnsucht nach Trost und Geborgenheit. Auch wenn es Projektionen und Fantasien sind, es wirkt! (BR 2025)</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Justina Schreiber<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprach: Xenia Tiling<br/>Technik: Roland Böhm<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Manuela Scheininger, Stofftierhändlerin<br/>Ursula Frischkorn, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Psychoanalytikerin<br/>Prof. Dr. Maurice Saß, Kunsthistoriker<br/>Smila, Kind (mit Mama)</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast: </strong>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Doomscrolling – Im Sog der Negativnachrichten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/doomscrolling-im-sog-der-negativnachrichten/2103227</link>
      <pubDate>Fri, 06 Mar 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e2186913-e874-4603-984c-76f4b7beca66</guid>
      <description>Klima, Kriege, Krise: Im digitalen Zeitalter ist die nächste Katastrophe immer nur einen Klick entfernt. Dabei zieht uns die Endlos-Flut negativer Nachrichten oft gegen unseren Willen in ihren Bann. Wie kommen wir da raus?</description>
      <enclosure length="22399872" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2103227/c/feed/doomscrolling-im-sog-der-negativnachrichten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Dominik Kalus</itunes:author>
      <itunes:summary>Klima, Kriege, Krise: Im digitalen Zeitalter ist die nächste Katastrophe immer nur einen Klick entfernt. Dabei zieht uns die Endlos-Flut negativer Nachrichten oft gegen unseren Willen in ihren Bann. Wie kommen wir da raus?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7a7632bf-23f3-4a55-860c-740ed18e51e8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Klima, Kriege, Krise: Im digitalen Zeitalter ist die nächste Katastrophe immer nur einen Klick entfernt. Dabei zieht uns die Endlos-Flut negativer Nachrichten oft gegen unseren Willen in ihren Bann. Wie kommen wir da raus?</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Dominik Kalus<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Sophie Rogall, Gudrun Skupin<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Sandra Müller, Protagonistin<br/>Leonard Reinecke, Medienforscher<br/>Sabine Trepte, Medienpsychologin<br/><br/><strong>Podcast-Tipps:<br/></strong><strong>Neuer Podcast über Kindergesundheit: Mein Hausbesuch. </strong>Host Veronika taucht ein in den herausfordernden Alltag von Familien, die vor einer wichtigen Gesundheitsentscheidung stehen, bei denen ein Kind krank ist oder eine Entwicklungsstörung hat. <a title="JETZT ENTDECKEN" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:b17c5946e31dba17/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast. </strong>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Ted-Talk von Jodie Jackson: Beyond fake news: how to heal a broken worldview: <a title="Hier geht es zu YouTube" href="https://www.youtube.com/watch?v=VeDAlYYlbbk">Auf youtube</a></strong></p>
<p><strong>Reuters Digital News Report 2024: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/94461/ssoar-2024-behre_et_al-Reuters_Institute_Digital_News_Report.pdf?sequence=4&amp;isAllowed=y&amp;lnkname=ssoar-2024-behre_et_al-Reuters_Institute_Digital_News_Report.pdf">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Studie zum Zusammenhang von Medienkonsum und Angststörungen in Bezug auf die Corona-Pandemie: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32691135/">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Streitfall Freundlichkeit - Stärke, Schwäche, Chance?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/streitfall-freundlichkeit-staerke-schwaeche-chance/2090762</link>
      <pubDate>Fri, 06 Mar 2026 02:30:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7e53582f-cb94-465a-ad45-048777c0e8fd</guid>
      <description>Freundliche Menschen gelten oft als schwach, naiv, nachgebend. Dabei braucht jeder Mensch und jede Gesellschaft Freundlichkeit und zu Verlierern macht diese Eigenschaft den Einzelnen auch nicht. (BR 2024)</description>
      <enclosure length="23476608" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2090762/c/feed/streitfall-freundlichkeit-staerke-schwaeche-chance.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:27</itunes:duration>
      <itunes:author>Marie Schoeß</itunes:author>
      <itunes:summary>Freundliche Menschen gelten oft als schwach, naiv, nachgebend. Dabei braucht jeder Mensch und jede Gesellschaft Freundlichkeit und zu Verlierern macht diese Eigenschaft den Einzelnen auch nicht. (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cd90b2d0-d155-4b3d-95d1-b0b8114704ec.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Freundliche Menschen gelten oft als schwach, naiv, nachgebend. Dabei braucht jeder Mensch und jede Gesellschaft Freundlichkeit und zu Verlierern macht diese Eigenschaft den Einzelnen auch nicht. (BR 2024)</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Marie Schoeß<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Katja Bürkle, Peter Weiß, Katja Amberger<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Claudia Hammond, Journalistin, Dozentin für Psychologie<br/>Prof. Dr. Hans Bernhard Schmid, Professor für Philosophie an der Universität Wien</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Die Lösung - Der Psychologie Podcast von Puls, der Psychologiepodcast für alle, die ein wenig Ordnung ins Gefühlschaos bringen wollen. Denn gemeinsam grübeln ist immer besser als alleine. Und klar: Die eine große Lösung gibt es selten – aber jeder Schritt zählt! <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/die-loesung-der-psychologie-podcast-von-puls/62608382/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast:Jeder Mensch &#39;tickt&#39; anders - doch warum? Psychologie hilft, unsere Wahrnehmung zu schärfen und sich und andere besser zu verstehen. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Europas indigenes Volk in Sapmi - Leben in acht Jahreszeiten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/europas-indigenes-volk-in-sapmi-leben-in-acht-jahreszeiten/2103543</link>
      <pubDate>Thu, 05 Mar 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">21b79768-a829-46d5-bb39-2c72035ae37b</guid>
      <description>Ganz im Norden Skandinaviens ist Europas einziges indigenes Volk zu Hause: die Sami. Sie leben mit und von der arktischen Natur. Ihre jahrtausendealte Geschichte ist auch eine Geschichte der Kolonialisierung. Heute stehen sie vor neuen Herausforderungen.</description>
      <enclosure length="21864960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2103543/c/feed/europas-indigenes-volk-in-sapmi-leben-in-acht-jahreszeiten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Andreas Pehl</itunes:author>
      <itunes:summary>Ganz im Norden Skandinaviens ist Europas einziges indigenes Volk zu Hause: die Sami. Sie leben mit und von der arktischen Natur. Ihre jahrtausendealte Geschichte ist auch eine Geschichte der Kolonialisierung. Heute stehen sie vor neuen Herausforderungen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7c361a23-c1e0-411e-8c57-d9197302d2de.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ganz im Norden Skandinaviens ist Europas einziges indigenes Volk zu Hause: die Sami. Sie leben mit und von der arktischen Natur. Ihre jahrtausendealte Geschichte ist auch eine Geschichte der Kolonialisierung. Heute stehen sie vor neuen Herausforderungen.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Andreas Pehl<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Christian Baumann, Katja Schild, Rahel Comtesse<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Mari Boine (OV weiblich), Kyrre Frank, Henrik Gaup, Andreas Klein, Rune Norman (OV männlich), Bjørnar Julius Olsen (OV männlich), Liss Ellen Ramstad (OV weiblich)<br/></p>
<p><br/>Podcast- und Dokutipp:</p>
<p>Zum ersten Mal seit den legendären Apollo-Missionen fliegen wieder Menschen zum Mond. Die ARD Wissen Doku „Artemis 2 - Zurück zum Mond“ folgt der Crew hautnah im Training und an Bord von Orion – mit Alexander Gerst und Matthias Maurer, die erklären, warum diese Mission so wichtig ist. Jetzt in der ARD Mediathek streamen: <a href="https://1.ard.de/artemis2?pod=rw">https://1.ard.de/artemis2?pod=rw</a></p>
<p>Begleitend zur Doku produziert der Podcast &quot;Die großen Fragen in 10 Minuten&quot; fünf extra Folgen rund um die Artemis 2 Mission: <a href="https://1.ard.de/DGF">https://1.ard.de/DGF</a></p>
<p><br/><strong>Diese hörenswerte Folge von Radiowissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Das Rentier - Überlebenskünstler in der Arktis: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-rentier-ueberlebenskuenstler-in-der-arktis/bayern-2/13058637/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:<br/></strong><strong><a title="Hier gehts zur Website." href="https://sametinget.no/">Samisches Parlament</a><br/></strong><strong>Wahrheits- und Versöhnungskommission: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.stortinget.no/no/Stortinget-og-demokratiet/Organene/sannhets--og-forsoningskommisjonen/">HIER</a><br/></strong><strong><a title="Hier gehts zur Website." href="https://uit.no/startsida">Universität Tromso</a><br/></strong><strong><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.mariboine.no/">Mari Boine</a><br/></strong><strong>Felskunst in Alta: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.altamuseum.no/en/">HIER</a> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Blut - Elixier des Lebens</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/blut-elixier-des-lebens/2102997</link>
      <pubDate>Thu, 05 Mar 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">475be299-7cb6-4ae3-839d-fb5a8a79e0af</guid>
      <description>Blut ist nicht gleich Blut, es besteht aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die alle gleichermaßen für unser Leben und Überleben existentiell sind. Deshalb suchen Forschende nach Alternativen aus dem Labor. (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22207104" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102997/c/feed/blut-elixier-des-lebens.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:07</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Blut ist nicht gleich Blut, es besteht aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die alle gleichermaßen für unser Leben und Überleben existentiell sind. Deshalb suchen Forschende nach Alternativen aus dem Labor. (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/96e4bee9-2d6c-48b5-9226-78410dcdeb86.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Blut ist nicht gleich Blut, es besteht aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die alle gleichermaßen für unser Leben und Überleben existentiell sind. Deshalb suchen Forschende nach Alternativen aus dem Labor. (BR 2025)</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle, Florian Schwarz<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof.em. Gregor Bein, Transfusionsmediziner, Justus-Liebig-Universität Gießen<br/>Dr. Sven Peine, Transfusionsmediziner, Eppendorf, Hamburg<br/>Prof. Torsten Tonn, Transfusionsmediziner, Technische Universität Dresden</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
 
<strong>Fettgewebe - Das unbekannte Organ: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:856044d9f6aecad6/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>
 
<strong>ARD alpha: Blut und Blut spenden - Das solltet ihr über Blutkörperchen, Blutgruppen und Sepsis wissen: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardalpha.de/wissen/gesundheit/blut-bluterkrankheit-blutgruppen-bestandteile-aufgaben-erkrankungen-100.html">HIER ENTDECKEN</a></strong>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der große Knall - Geschichte des Schießpulvers</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-grosse-knall-geschichte-des-schiesspulvers/2102883</link>
      <pubDate>Wed, 04 Mar 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8492c080-a380-4d67-bacc-80cf14d48f1a</guid>
      <description>Als das Schießpulver im Mittelalter aus Fernost nach Europa kam, machte es rasch Karriere im Militär. Mit der Mischung aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter, die über Jahrhunderte im Wesentlichen unverändert blieb, machte sich der Mensch die Welt untertan.</description>
      <enclosure length="20731008" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102883/c/feed/der-grosse-knall-geschichte-des-schiesspulvers.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Als das Schießpulver im Mittelalter aus Fernost nach Europa kam, machte es rasch Karriere im Militär. Mit der Mischung aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter, die über Jahrhunderte im Wesentlichen unverändert blieb, machte sich der Mensch die Welt untertan.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6f61cf38-30ee-41ea-ab35-2d0925aaaaa5.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als das Schießpulver im Mittelalter aus Fernost nach Europa kam, machte es rasch Karriere im Militär. Mit der Mischung aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter, die über Jahrhunderte im Wesentlichen unverändert blieb, machte sich der Mensch die Welt untertan.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Thomas Grasberger<br/>Regie: Thomas Morawetz</p>
<p>Regie: Kirsten Böttcher</p>
<p>Technik: Monika Gsaenger          </p>
<p>Sprecher: Thomas Birnstiel, Irina Wanka, Peter</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Benedikt Sepp, Historisches Seminar der LMU München, Abt. Neuere und Neueste Geschichte<br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Dynamit - Ein Sprengstoff macht Geschichte: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/dynamit-ein-sprengstoff-macht-geschichte/bayern-2/95612524/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - Der History-Podcast</strong></a><br/><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks: <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Tulpe - Zwiebelgewächs mit Geschichte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-tulpe-zwiebelgewaechs-mit-geschichte-2/2115980</link>
      <pubDate>Wed, 04 Mar 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">980232c6-6dcb-4552-9899-1cc36cff86df</guid>
      <description>Was kann das Herz mehr erfreuen als ein Strauß Tulpen an einem trüben Vorfrühlingstag? Die Tulpe war einst eine Kostbarkeit. Ihre wechselvolle Geschichte birgt viele Rätsel und Aufregungen.</description>
      <enclosure length="20906924" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115980/c/feed/die-tulpe-zwiebelgewaechs-mit-geschichte-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Brigitte Kohn</itunes:author>
      <itunes:summary>Was kann das Herz mehr erfreuen als ein Strauß Tulpen an einem trüben Vorfrühlingstag? Die Tulpe war einst eine Kostbarkeit. Ihre wechselvolle Geschichte birgt viele Rätsel und Aufregungen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0c5c462e-0d78-4977-8abe-8d529da35617.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was kann das Herz mehr erfreuen als ein Strauß Tulpen an einem trüben Vorfrühlingstag? Die Tulpe war einst eine Kostbarkeit. Ihre wechselvolle Geschichte birgt viele Rätsel und Aufregungen.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Brigitte Kohn<br/>Redaktion: Gerda Kuhn<br/>Regie:  Frank Halbach<br/>Sprecher: Jennifer Güzel, Heinz Peter</p>
<p>Interviews mit:<br/>Dr. Ehrentraud Bayer, Botanikerin<br/>Prof. Dr. Jürgen Wasim Frembgen, Ethnologe</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Higgs-Boson - Das Gottesteilchen und die Weltmaschine</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-higgs-boson-das-gottesteilchen-und-die-weltmaschine/2102841</link>
      <pubDate>Tue, 03 Mar 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">571e5fd7-dd01-4598-a916-4b2550d980f8</guid>
      <description>Um herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält, reichte dem Physiker Peter Higgs eine einzige Idee: das nach ihm benannte Higgs-Teilchen. Die Suche danach erforderte einen gigantischen Teilchenbeschleuniger, Milliarden von Euro und Geduld.</description>
      <enclosure length="22289664" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102841/c/feed/das-higgs-boson-das-gottesteilchen-und-die-weltmaschine.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Franziska Konitzer</itunes:author>
      <itunes:summary>Um herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält, reichte dem Physiker Peter Higgs eine einzige Idee: das nach ihm benannte Higgs-Teilchen. Die Suche danach erforderte einen gigantischen Teilchenbeschleuniger, Milliarden von Euro und Geduld.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ed2f138d-7297-41f1-9928-1cb97679e70a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Um herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält, reichte dem Physiker Peter Higgs eine einzige Idee: das nach ihm benannte Higgs-Teilchen. Die Suche danach erforderte einen gigantischen Teilchenbeschleuniger, Milliarden von Euro und Geduld.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Franziska Konitzer<br/>Regie: Sabine Kienhhöfer<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Thomas Birnstiel, Robert Dölle, Christopher Mann, Sisi Forster<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong></p>
<p>Giulia Zanderighi, Max-Planck-Institut für Physik, Garching<br/>Sandra Kortner, Max-Planck-Institut für Physik, Garching<br/>Marumi Kado, Max-Planck-Institut für Physik, Garching</p>
<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung: <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Offizieller Mitschnitt des CERN des Coloquiums am 4. Juli 2012  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://atlas.triumf.ca/stelzer-chilton/talks/higgs_lhc_july5_2012.pdf">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Leon Lederman, „The God Particle“, 1993 erschienen, allerdings nie auf Deutsch</p>
<p>Frank Close, „Elusive: How Peter Higgs Solved the Mystery of Mass“, eine Biografie über Peter Higgs, die auch als fast allgemeinverständliche Biografie über das Higgs-Teilchen funktioniert</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Simultandolmetschen – Die Macht der schnellen Übersetzung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/simultandolmetschen-die-macht-der-schnellen-uebersetzung/2103440</link>
      <pubDate>Tue, 03 Mar 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">189bb40b-f3bf-45d9-91fa-5185b90b0627</guid>
      <description>Dolmetschen fast ohne Zeitverzögerung. Ohne diese Gleichzeitigkeit wäre heute internationale Politik und Globalisierung kaum denkbar. Welche Verantwortung haben Dolmetscher? Und was, wenn KI ihre Aufgabe übernehmen würde?</description>
      <enclosure length="21283200" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2103440/c/feed/simultandolmetschen-die-macht-der-schnellen-uebersetzung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:10</itunes:duration>
      <itunes:author>Hans Christoph Böhringer</itunes:author>
      <itunes:summary>Dolmetschen fast ohne Zeitverzögerung. Ohne diese Gleichzeitigkeit wäre heute internationale Politik und Globalisierung kaum denkbar. Welche Verantwortung haben Dolmetscher? Und was, wenn KI ihre Aufgabe übernehmen würde?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/05ab934d-7077-4c0a-bd44-5a4181b5f607.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dolmetschen fast ohne Zeitverzögerung. Ohne diese Gleichzeitigkeit wäre heute internationale Politik und Globalisierung kaum denkbar. Welche Verantwortung haben Dolmetscher? Und was, wenn KI ihre Aufgabe übernehmen würde?</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Hans Christoph Böhringer<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprach: Thomas Birnstiel<br/>Technik: Josef Angloher<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Jennifer Kearns, Dolmetscherin bei der UN in Wien<br/>Elke Limberger-Katsumi, Konferenzdolmetscherin Nürnberg<br/>Alexander Waibel, Informatiker am KIT, Dolmetsch-Technologie-Pionier<br/>Martina Behr, Forscherin an der Uni Innsbruck (nur Hintergrund)<br/>Thilo Hatscher, Dolmetscher, Berufsverband AIIC (nur Hintergrund)</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
 
<strong>Tiere verstehen? Zwischen Deutung und Forschung: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tiere-verstehen-zwischen-deutung-und-forschung/bayern-2/78753298/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/>Jesús Baigorri Jalón  „From Paris to Nuremberg: The Birth of Conference Interpreting“ – erzählt die Geschichte des Konferenzdolmetschens in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Privatleben im NS - Im Zugriff der Diktatur</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/privatleben-im-ns-im-zugriff-der-diktatur/2115912</link>
      <pubDate>Mon, 02 Mar 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">31516cc2-962d-41d4-b765-87d7daee394b</guid>
      <description>Wie privat war das Privatleben im Nationalsozialismus? Die NS-Diktatur zielte auf den ganzen Menschen und versuchte in die intimsten Bereiche der menschlichen Beziehungen einzudringen - bis hin zum Sexualleben.</description>
      <enclosure length="22215212" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115912/c/feed/privatleben-im-ns-im-zugriff-der-diktatur.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Renate Eichmeier</itunes:author>
      <itunes:summary>Wie privat war das Privatleben im Nationalsozialismus? Die NS-Diktatur zielte auf den ganzen Menschen und versuchte in die intimsten Bereiche der menschlichen Beziehungen einzudringen - bis hin zum Sexualleben.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/905d0ebc-bac7-4118-8b17-32a9241a6c53.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie privat war das Privatleben im Nationalsozialismus? Die NS-Diktatur zielte auf den ganzen Menschen und versuchte in die intimsten Bereiche der menschlichen Beziehungen einzudringen - bis hin zum Sexualleben.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Renate Eichmeier<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie:  Irene Schuck<br/>Technik: Heiko Hinrichs     <br/>Sprecher: Thomas Birnstiel, Berenike Beschle</p>
<p>Interview mit:<br/>apl. Prof. Dr. Johannes Hürter, Institut für Zeitgeschichte</p>
<p>Literatur:<br/>Dagmar Herzog, &quot;Die Politisierung der Lust&quot;, eine erhellende Studie über sexuelle Freizügigkeit im NS – sofern alle Beteiligten, den rassistischen Vorgaben entsprachen <br/>Götz Aly, &quot;Hitlers Volksstaat – Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus&quot; – beschreibt anschaulich und detailreich, wie eng die Träume vom schönen Leben der sogenannten &quot;Volksgemeinschaft&quot; mit den NS-Verbrechen verknüpft waren</p>
<p>Weiterführende Links:<strong> <br/></strong>Internetseite des Gesprächspartners <a href="https://www.ifz-muenchen.de/das-institut/mitarbeiterinnen/ea/mitarbeiter/johannes-huerter">Johannes Hürter</a><strong><br/></strong>Internetseite zum Forschungsprojekt <a href="https://www.ifz-muenchen.de/aktuelles/themen/das-private-im-nationalsozialismus">&quot;Das Private im Nationalsozialismus&quot; </a><br/><a href="https://www.proradok.de/">Dokumentationszentrum Prora</a></p>
<p>Hör-Tipp:<br/>Während der NS-Zeit widersetzten sich zahlreiche Jugendliche dem Drill und der Kontrolle durch das Regime. Das Aufbegehren reichte vom politischen Widerstand bis zum Ungehorsam &quot;wilder Jugendgruppen&quot;, die sich Freiräume jenseits der Werte des Nationalsozialismus erkämpften: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:b0acf435be68ca4c/">Jugendliche im NS-Widerstand - Gegen den Strom</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Essbares am Wegesrand - Vom Wildkraut bis zum Kaktus</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/essbares-am-wegesrand-vom-wildkraut-bis-zum-kaktus/2091389</link>
      <pubDate>Mon, 02 Mar 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e8f5926c-d922-459e-9b32-ae0469c47c82</guid>
      <description>Löwenzahn, Holunderbeeren, Aloe Vera: Wild wachsende Pflanzen sind oft sehr robust. Denn sie müssen sich in der Natur immer wieder behaupten. Das tun sie zum Beispiel mithilfe von Bitterstoffen. </description>
      <enclosure length="21753216" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2091389/c/feed/essbares-am-wegesrand-vom-wildkraut-bis-zum-kaktus.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Löwenzahn, Holunderbeeren, Aloe Vera: Wild wachsende Pflanzen sind oft sehr robust. Denn sie müssen sich in der Natur immer wieder behaupten. Das tun sie zum Beispiel mithilfe von Bitterstoffen. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1523de32-74d7-4653-b1eb-0b59abc6d474.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Löwenzahn, Holunderbeeren, Aloe Vera: Wild wachsende Pflanzen sind oft sehr robust. Denn sie müssen sich in der Natur immer wieder behaupten. Das tun sie zum Beispiel mithilfe von Bitterstoffen. </p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprach: Katja Schild<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Manuel Larbig, Wildkräuter-Guide, Buchautor<br/>Dr. Maik Behrens, Geschmacksforscher am Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München<br/>Dr. Katja Witzel, Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren<br/>Dr. Franziska Hanschen, Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau, Großbeeren</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>

<strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/zimt-die-wuerze-des-lebens/bayern-2/78756848/">Zimt - die Würze des Lebens</a></strong>
<strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/chili-heisse-schoten/bayern-2/78751130/">Chili - Heiße Schoten</a></strong>
<strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-heisst-hier-unkraut-alles-natur/bayern-2/94808188/">Was heißt hier Unkraut? - Alles Natur</a></strong>
<strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/neophyten-die-eingeschleppten-pflanzen-alles-natur/bayern-2/94798094/">Neophyten, die eingeschlepptenn Pflanzen - Alles Natur</a></strong>

 

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wegwerfgesellschaft - Wie Müll die Menschheit prägt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wegwerfgesellschaft-wie-muell-die-menschheit-praegt/2115831</link>
      <pubDate>Fri, 27 Feb 2026 10:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2e1e95e5-ac6c-4cc8-8e31-10880735f381</guid>
      <description>Stinkende Berge an Land, gigantische Strudel im Ozean, Mikroplastik schon im Mutterleib: Das Ausmaß, in dem Menschen mit Abfällen ihre Umwelt verändern, sind enorm. Wie konnte es soweit kommen? Und werden wir unser Müll-Problem je lösen?</description>
      <enclosure length="21872684" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115831/c/feed/wegwerfgesellschaft-wie-muell-die-menschheit-praegt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Sebastian Kirschner</itunes:author>
      <itunes:summary>Stinkende Berge an Land, gigantische Strudel im Ozean, Mikroplastik schon im Mutterleib: Das Ausmaß, in dem Menschen mit Abfällen ihre Umwelt verändern, sind enorm. Wie konnte es soweit kommen? Und werden wir unser Müll-Problem je lösen?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ff615a65-1f4b-4305-9088-7d17c866037d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Stinkende Berge an Land, gigantische Strudel im Ozean, Mikroplastik schon im Mutterleib: Das Ausmaß, in dem Menschen mit Abfällen ihre Umwelt verändern, sind enorm. Wie konnte es soweit kommen? Und werden wir unser Müll-Problem je lösen?</p><p>Credits:</p>
<p>Autor: Sebastian Kirschner</p>
<p>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p>Regie: Martin Trauner</p>
<p>Sprecher: Thomas Birnstiel, Sebastian Fischer, Susanne Schroeder</p>
<p>Interviews mit:</p>
<p><strong>Dr. Roman Köster</strong>, Universität der Bundeswehr München: <a href="https://www.unibw.de/geschichte/prof/wst/pers/koester">https://www.unibw.de/geschichte/prof/wst/pers/koester</a></p>
<p><strong>Prof. Sarah Gabbott</strong>, Paläobiologin, Universität Leicester: <a href="https://le.ac.uk/people/sarah-gabbott">https://le.ac.uk/people/sarah-gabbott</a></p>
<p><strong>Prof. em. Jan Zalasiewicz</strong>, Paläontologe, Universität Leicester,  <strong>Prof. Gilian Gerke</strong>, Abfallwissenschaftlerin, Hochschule Magdeburg-Stendal mit eigenem Podcast: <a href="https://dasabfallgut.de/ueber-uns/">Über uns – dasAbfallGut</a> </p>
<p><strong>Prof. Oliver Schlaudt</strong>, Hochschule für Gesellschaftsgestaltung Koblenz: <a href="https://hfgg.de/hochschule/team/oliver-schlaudt/">Oliver Schlaudt - Heisenberg-Professur für Philosophie und Politische Ökonomie</a></p>
<p>Podcast- und Dokutipp:</p>
<p>Zum ersten Mal seit den legendären Apollo-Missionen fliegen wieder Menschen zum Mond. Die ARD Wissen Doku „Artemis 2 - Zurück zum Mond“ folgt der Crew hautnah im Training und an Bord von Orion – mit Alexander Gerst und Matthias Maurer, die erklären, warum diese Mission so wichtig ist. Jetzt in der ARD Mediathek streamen: <a href="https://1.ard.de/artemis2?pod=rw">https://1.ard.de/artemis2?pod=rw</a></p>
<p>Begleitend zur Doku produziert der Podcast &quot;Die großen Fragen in 10 Minuten&quot; fünf extra Folgen rund um die Artemis 2 Mission: <a href="https://1.ard.de/DGF">https://1.ard.de/DGF</a></p>
<p><br/>Podcast-Tipps: <br/>Uralter Müll zeigt, wie Steinzeitbauern erstmals lernten, mit Abfall zu leben. Bei IQ – Wissenschaft und Forschung: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c3069613e87a4589/">Steinzeit-Müll – Das verraten Abfälle über unsere Vorfahren</a></p>
<p>Das 20. Jahrhundert ist die Ära der Mülldeponien. Gefährliche Abfälle aus der Industrie lagerten auf denselben Kippen wie auch der Hausmüll. Gestank, Ungeziefer und Giftstoffe machten sich bald bemerkbar und aus der Abfallwirtschaft wurde eine Wissenschaft. Hier geht’s zu Radiowissen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:51c68f5cd2e1f4dd/">Müll – Ein Abfall mit Geschichte</a></p>
<p>Stoff war seit der Frühzeit ein wertvolles Gut, in das lange mehr Arbeitszeit floss als etwa in die Produktion von Nahrung. Die teuren Textilien wurden deshalb auf kreative Weise weiterverwendet. Hier geht’s zu Radiowissen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9f28909ea08694c3/">Wertvolle Fasern – Die Geschichte des Textilrecyclings</a></p>
<p>Literatur-Tipps:<br/>Roman Köster, „Müll – eine schmutzige Geschichte der Menschheit“ (2023): Anschaulich und fundiert zeigt Historiker Roman Köster, wie sehr Müll die menschliche Existenz bis heute prägt.</p>
<p>Oliver Schlaudt, „Zugemüllt – eine müllphilosophische Deutschlandreise“ (2024): Wirtschaftsphilosoph Oliver Schlaudt reist durch die Republik und zeigt: Niemals zuvor waren wir so besessen von Sauberkeit und zugleich so sehr von Müll umgeben.</p>
<p>Sarah Gabbott / Jan Zalasiewicz, „Discarded – how technofossils will be our ultimate legacy“ (2025): Müll wird das ultimative Erbe der Menschheit sein – diese provokante These stellen Sarah Gabbott und Jan Zalasiewicz auf. Die Argumente der Paläobiologen sind gleichsam überzeugend wie unterhaltsam.</p>
<p>David Macaulay, „Motel of the Mysteries“ (1979): Ein Klassiker der Graphic Novels, der mit dem Gedanken spielt, was Archäologen im Jahr 4022 einmal von unserer Gegenwart finden werden. Sehr witzig.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kaffeebraun statt Schneeweiß? Eisbären im Klimawandel</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kaffeebraun-statt-schneeweiss-eisbaeren-im-klimawandel/2115830</link>
      <pubDate>Fri, 27 Feb 2026 09:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1e4cdc29-018a-455c-8bd6-bb2d1cfb09ea</guid>
      <description>Das ewige Eis taut. Der perfekt an die Arktis angepasste Eisbär verliert sein Reich. Zugleich verschwimmen die Grenzen zwischen Arten. Wo Eisbären und Grizzlys aufeinandertreffen, entstehen Cappuccinobären: Warnung oder Sinnbild für Anpassung?</description>
      <enclosure length="21776684" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115830/c/feed/kaffeebraun-statt-schneeweiss-eisbaeren-im-klimawandel.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:41</itunes:duration>
      <itunes:author>Andreas Pehl</itunes:author>
      <itunes:summary>Das ewige Eis taut. Der perfekt an die Arktis angepasste Eisbär verliert sein Reich. Zugleich verschwimmen die Grenzen zwischen Arten. Wo Eisbären und Grizzlys aufeinandertreffen, entstehen Cappuccinobären: Warnung oder Sinnbild für Anpassung?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5624cbaf-9522-4958-bc4e-34ed872ae8f2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das ewige Eis taut. Der perfekt an die Arktis angepasste Eisbär verliert sein Reich. Zugleich verschwimmen die Grenzen zwischen Arten. Wo Eisbären und Grizzlys aufeinandertreffen, entstehen Cappuccinobären: Warnung oder Sinnbild für Anpassung?</p><p>Credits:<br/>Autor: Andreas Pehl<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie:  Martin Trauner<br/>Technik: Tim Höfer<br/>Sprecher:  Susanne Schroeder, Johannes Hitzelberger</p>
<p>Interviews mit:<br/>Jon Aars (Eisbärenforscher, Norwegisches Polarinstitut in Tromsø)<br/>Frank Hailer (Universität in Cardiff, Naturschutzbiologie und Genetik),<br/>Markus Rex (Polar- und Klimaforscher, AWI Bremerhaven)</p>
<p>Weiterführende Links: <br/>Internetseiten der Gesprächspartner:<br/><a href="https://www.awi.de/ueber-uns/organisation/mitarbeiter/detailseite/markus-dietrich-rex.html">https://www.awi.de/ueber-uns/organisation/mitarbeiter/detailseite/markus-dietrich-rex.html</a><br/><a href="https://npolar.no/nyhet/portrett-jon-aars/">https://npolar.no/nyhet/portrett-jon-aars/</a><br/><a href="https://profiles.cardiff.ac.uk/staff/hailerf">https://profiles.cardiff.ac.uk/staff/hailerf</a></p>
<p>Eisbärenforschung – Norwegisches Polarinstitut: <a href="https://npolar.no/arter/isbjorn/">https://npolar.no/arter/isbjorn/</a> </p>

<p>Podcast-Empfehlung: „Weltwach – Abenteuer. Reisen. Leben.</p>
<p>Im Weltwach Podcast trifft Erik Lorenz jede Woche auf AbenteurerInnen, WissenschaftlerInnen, SchriftstellerInnen und andere Reisende. Von der Aktivistin Dr. Jane Goodall, zum Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens bis hin zur Langstreckenwanderin Christine Thürmer – sie alle sprechen über aufregende Expeditionen und lebensverändernde Streifzüge, aber auch über kulturelle, ökologische, soziale und politische Themen. Und liefern Denkanstöße dafür, selbst aufzubrechen und ausgetretene Pfade zu verlassen.<br/>Hört jetzt rein – überall, wo es Podcasts gibt! www.weltwach.de </p>
<p>Weitere Podcast-Tipps:<br/><br/>Die Folgen des Klimawandels bedrohen das ewige Eis: Gletscher, Eisschilde, Meereis und Permafrostböden tauen auf. Infolgedessen wird es vermehrt zu Überflutungen, Lawinen, Erdrutschen und Steinschlägen kommen. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:83baef809646018c/">Eisschmelze - Das große Rauschen</a><br/>Klimawandel und Wildtierwanderungen - Wenn Tier neue Wege gehen müssen: Zugvögel, Meeressäuger oder Huftiere verändern wegen der Erderwärmung ihr Wanderverhalten. Sie nehmen Umwege, um an Wasser und Nahrung zu gelangen, suchen neue Verbreitungsgebiete, wo sie anderen Arten ins Gehege kommen. In den kälteren Lebensräumen wird es eng: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d442c4bc6d879897/">Klimawandel und Wildtierwanderungen - Wenn Tier neue Wege gehen müssen</a><br/>Sie fressen sich eine dicke Fettschicht an, bekommen ein dichtes Fell, verfärben sich weiß wie der Schnee, ändern ihren Speiseplan, verschlafen Schnee und Eis - oder hauen einfach ab in den Süden. Die Anpassungsmechanismen der Tiere an die kalte Jahreszeit sind so vielfältig wie überraschend. Und viele ihrer Überlebenstricks sind auch für die moderne Forschung hochinteressant. Bernhard Kastner im Gespräch mit dem Biologen Thassilo Franke: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:1d5b5db2098ac597/">Tiere im Winter – Alles Natur</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Münchhausen unterm Hakenkreuz - Erich Kästner als Drehbuchautor</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/muenchhausen-unterm-hakenkreuz-erich-kaestner-als-drehbuchautor/2105971</link>
      <pubDate>Thu, 26 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f1c5d515-66f7-4539-86cc-1e1db59a3db2</guid>
      <description>Das NS-Regime hatte eine riesige Propagandamaschinerie und so lief auch die Filmproduktion auf Hochtouren. Zu den berühmtesten Filmen dieser Zeit zählt &quot;Münchhausen&quot;, die Abenteuer des Lügenbarons. Das Drehbuch ist ausgerechnet von Pazifist Erich Kästner.</description>
      <enclosure length="22651008" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2105971/c/feed/muenchhausen-unterm-hakenkreuz-erich-kaestner-als-drehbuchautor.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Michael Marek</itunes:author>
      <itunes:summary>Das NS-Regime hatte eine riesige Propagandamaschinerie und so lief auch die Filmproduktion auf Hochtouren. Zu den berühmtesten Filmen dieser Zeit zählt &quot;Münchhausen&quot;, die Abenteuer des Lügenbarons. Das Drehbuch ist ausgerechnet von Pazifist Erich Kästner.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b5f73fea-dded-4bb1-a2ec-d5a66d987aa2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das NS-Regime hatte eine riesige Propagandamaschinerie und so lief auch die Filmproduktion auf Hochtouren. Zu den berühmtesten Filmen dieser Zeit zählt "Münchhausen", die Abenteuer des Lügenbarons. Das Drehbuch ist ausgerechnet von Pazifist Erich Kästner.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Michael Marek<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann, Clemens Nicol<br/>Technik: Andreas Caramelle<br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong><a href="https://www.film.uzh.ch/de/team/professuren/emeritiert/flueckiger.html">Barbara Flückiger</a>, emeritierte Professorin für Filmwissenschaft<br/><a href="https://www.sprachlit.lmu.de/de/die-fakultaet/personen/kontaktseite/sven-hanuschek-635e3bd2.html">Sven Hanuschek</a>, Professor für Germanistik</p>
<p>Sven Hanuschek leitet außerdem bei der Internationalen Jugendbibliothek in München eine wissenschaftliche Tagung zum Thema Kästner in der NS-Zeit vom 26. Bis 28. Februar 2026: <a href="https://www.ijb.de/veranstaltungen/aktuelle-veranstaltungen/single/erich-kaestner-zwischen-1933-und-1945">Erich Kästner zwischen 1933 und 1945 Regimegegner – innerer Emigrant – Opportunist? - Internationale Jugendbibliothek</a></p>
<p><a href="https://www.ijb.de/spezialbibliothek/die-erich-kaestner-forschungsstelle">Internationale Jugendbibliothek - Die Erich-Kästner Forschungsstelle</a></p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen und Alles Geschichte - Der History Podcast könnten Sie auch interessieren:<br/></strong><strong>Trümmerliteratur - Schreiben in der Nachkriegszeit: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/truemmerliteratur-schreiben-in-der-nachkriegszeit/bayern-2/94670642/">JETZT ENTDECKEN</a><br/></strong><strong>NS-Terror - Euthanasie als Beginn der Massenmorde: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/ns-terror-euthanasie-als-beginn-der-massenmorde/ard/14109557/">JETZT ENTDECKEN</a><br/></strong><strong>NS-Terror - Eingeschleust nach Auschwitz: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/ns-terror-eingeschleust-nach-auschwitz/ard/14110055/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Literatur: <br/></strong></p>
<p>Peter Reichel: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus. Carl Hanser Verlag, München 1991. </p>
<p>Sven Hanuschek: Keiner blickt dir hinter das Gesicht. Das Leben Erich Kästners. Carl Hanser Verlag, erweiterte Neuausgabe München 2024.</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Bundeszentrale für plitische Bildung: Themenschwerpunkt NS-Filmpropaganda: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/geheimsache-ghettofilm/153344/film-im-ns-staat/">HIER</a><br/>Kurzinformationen zum Film &quot;Münchhausen&quot;: <a href="https://www.filmportal.de/film/muenchhausen_f827ffaac9804d95a321338fab25323b">HIER</a><br/></strong><strong>Institut für Zeitgeschichte Berlin / München: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ifz-muenchen.de/aktuelles/artikel/forschungsprojekt-ueber-ns-vorbehaltsfilme-gestartet">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Jahr nach Kriegsende 3/3 - Niemandszeit in einer bayerischen Gegend</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-jahr-nach-kriegsende-3-3-niemandszeit-in-einer-bayerischen-gegend/2115775</link>
      <pubDate>Thu, 26 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5c8cfe3c-9736-4ad0-a5ed-d50571544ce5</guid>
      <description>Die US-Besatzer wollen nach Kriegsende ein antifaschistisches Deutschland errichten. Doch ohne NS-Mittäter und Mitläufer scheint sich kaum ein Staat machen zu lassen. Auch nicht in Burghausen, wo man ohnehin lieber nach vorn schaut ...</description>
      <enclosure length="22296620" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115775/c/feed/das-jahr-nach-kriegsende-3-3-niemandszeit-in-einer-bayerischen-gegend.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Die US-Besatzer wollen nach Kriegsende ein antifaschistisches Deutschland errichten. Doch ohne NS-Mittäter und Mitläufer scheint sich kaum ein Staat machen zu lassen. Auch nicht in Burghausen, wo man ohnehin lieber nach vorn schaut ...</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/601aedef-06e8-4714-b56d-ed66b55060ac.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die US-Besatzer wollen nach Kriegsende ein antifaschistisches Deutschland errichten. Doch ohne NS-Mittäter und Mitläufer scheint sich kaum ein Staat machen zu lassen. Auch nicht in Burghausen, wo man ohnehin lieber nach vorn schaut ...</p><p>Credits:<br/>Autor: Lukas Grasberger<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak, Thomas Morawetz<br/>Regie:  Kirsten Böttcher<br/>Technik: Stefan Oberle<br/>Sprecher: Peter Weiß, Christopher Mann</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. em. Marita Krauss, ehamalige Professorin für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg<br/>Dr. Helmut Gruber, Burghauser Zeitzeuge von Kriegsende + Neuanfang, Herausgeber „Gratwanderungen – Lebenserinnerungen von Wolfgang Gruber. Pionier, Alpinist und Chefchemiker<br/>Prof. Barbara Stelzl-Marx, Professorin für europäische Zeitgeschichte und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung in Graz, Wien und Raabs.<br/>Ilse Haft, Burghauser Ortschronistin und Zeitzeugin von Kriegsende und Neuanfang</p>
<p>Literatur-Tipps:<br/>Dietmar Grypa: Studien zu Kriegsende und Neuanfang im Landkreis Altöting. Burghauser Geschichtsblätter<br/>Wolfgang Gruber: Gratwanderungen. Lebenserinnerungen von Wolfgang Gruber (1886-1971), Pionier, Alpinist und Chefchemiker<br/>Marita Krauss: Traum und Albtraum: Feldafing im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit<br/>Marita Krauss, Friedrich Prinz: Trümmerleben. Texte, Dokumente, Bilder aus den Münchner Nachkriegsjahren<br/>Barbara Stelzl-Marx: Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft - Amerikanische und sowjetische Kriegsgefangene im Stalag XVII B Krems-Gneixendorf </p>
<p>Hör-Tipp:<br/>Rezepte des Überlebens - Dreiteilige Geschichte einer Familie: Iska Schreglmann findet im Nachlass ihrer Mutter ein Kochbuch von 1871. Und sie erfährt, dass ihre Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg als Kinder nicht genug zu essen hatten - wie Millionen von Menschen in Europa. Schon in der ersten Podcast-Folge wird klar: Unser Umgang mit dem Essen ist bis heute durch die Erlebnisse unserer Vorfahren geprägt. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e8bd64b7f06e8c9a/">www.ardaudiothek.de</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ein halber Liter Blut - Die Geschichte der Bluttransfusion</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ein-halber-liter-blut-die-geschichte-der-bluttransfusion/2115697</link>
      <pubDate>Wed, 25 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8129fc57-a112-4626-a002-6f7553d1b367</guid>
      <description>Als James Blundell 1818 die erste Bluttransfusion durchführt, ist das eine aus heutiger Sicht Nobelpreis würdige medizinische Sensation. Vorausgegangen waren viele tödliche Versuche. Eine Geschichte waghalsiger Experimente und mutiger Ärzte.</description>
      <enclosure length="21982892" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115697/c/feed/ein-halber-liter-blut-die-geschichte-der-bluttransfusion.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:53</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Als James Blundell 1818 die erste Bluttransfusion durchführt, ist das eine aus heutiger Sicht Nobelpreis würdige medizinische Sensation. Vorausgegangen waren viele tödliche Versuche. Eine Geschichte waghalsiger Experimente und mutiger Ärzte.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1dcd840a-19ee-44ef-97c4-9e612961304b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als James Blundell 1818 die erste Bluttransfusion durchführt, ist das eine aus heutiger Sicht Nobelpreis würdige medizinische Sensation. Vorausgegangen waren viele tödliche Versuche. Eine Geschichte waghalsiger Experimente und mutiger Ärzte.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Roana Brogsitter<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Technik: Laura Picerno<br/>Sprecher: Hemma Michel, Sebastian Fischer, Clemens Nicol</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. Dr. Robert Offner, Leiter Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Regensburg<br/>Prof. Dr. Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm</p>
<p>Literatur:<br/>Blundell. James: Observations on transfusion of blood. The Lancet, II, #302. S. 321-324, 1828-29.<br/>Offner, Robert: Anfänge der wissenschaftlichen Indikation der Bluttransfusion und die Geburtshilfe im 19. Jahrhundert. Journal of History of Culture, Science and Medicine Vol. 6, No. 11 (2015), S. 236-245<br/>Bauer, Axel W.: Die erste Bluttransfusion beim Menschen durch Jean-Baptiste Denis im Jahre 1667 aus medizinhistorischer Perspektive. Transfusionsmedizin 8 (2018) S. 33-39<br/>Bauer, Axel W.: Karl Landsteiner: Entdecker der Blutgruppen in Wien - Nobelpreisträger in New York. Transfusionsmedizin 8 (2018), S. 164-169.</p>
<p>Weiterführende Links:<br/><a href="https://www.deutschlandfunk.de/vor-350-jahren-in-paris-die-erste-bluttransfusion-bei-einem-100.html">Vor 350 Jahren in Paris: Die erste Bluttransfusion bei einem Menschen</a><br/><a href="https://www.deutschlandfunk.de/medizin-transfusion-des-ganz-besonderen-saftes-100.html">Transfusion des ganz besonderen Saftes</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Jahr nach Kriegsende 2/3 - Niemandszeit in einer bayerischen Gegend</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-jahr-nach-kriegsende-2-3-niemandszeit-in-einer-bayerischen-gegend/2115731</link>
      <pubDate>Wed, 25 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">35800bba-fb6c-4b32-ae89-9e3b76422926</guid>
      <description>Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war für viele eine Zeit langer Wanderungen und Bevölkerungsverschiebungen: Viele strandeten dabei - oder blieben, wo sie befreit wurden. Konflikte zwischen solcherart Entwurzelter und Einheimischer waren häufig.</description>
      <enclosure length="19297964" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115731/c/feed/das-jahr-nach-kriegsende-2-3-niemandszeit-in-einer-bayerischen-gegend.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:06</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war für viele eine Zeit langer Wanderungen und Bevölkerungsverschiebungen: Viele strandeten dabei - oder blieben, wo sie befreit wurden. Konflikte zwischen solcherart Entwurzelter und Einheimischer waren häufig.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2959004d-5533-4e3b-907a-a19bc8a6830a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war für viele eine Zeit langer Wanderungen und Bevölkerungsverschiebungen: Viele strandeten dabei - oder blieben, wo sie befreit wurden. Konflikte zwischen solcherart Entwurzelter und Einheimischer waren häufig.</p><p>Credits:<br/>Autor: Lukas Grasberger<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak, Thomas Morawetz<br/>Regie:  Kirsten Böttcher<br/>Technik: Stefan Oberle<br/>Sprecher: Werner Härtl, Peter Weiß, Christopher Mann</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. em. Marita Krauss, ehamalige Professorin für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg<br/>Dr. Helmut Gruber, Burghauser Zeitzeuge von Kriegsende + Neuanfang, Herausgeber „Gratwanderungen – Lebenserinnerungen von Wolfgang Gruber. Pionier, Alpinist und Chefchemiker<br/>Alois Remmelberger, Ortsheimatpfleger von Burgkirchen an der Alz<br/>Prof. Barbara Stelzl-Marx, Professorin für europäische Zeitgeschichte und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung in Graz, Wien und Raabs.<br/>Ilse Haft, Burghauser Ortschronistin und Zeitzeugin von Kriegsende und Neuanfang</p>
<p>Literatur-Tipps:<br/>Dietmar Grypa: Studien zu Kriegsende und Neuanfang im Landkreis Altöting. Burghauser Geschichtsblätter<br/>Wolfgang Gruber: Gratwanderungen. Lebenserinnerungen von Wolfgang Gruber (1886-1971), Pionier, Alpinist und Chefchemiker<br/>Marita Krauss: Traum und Albtraum: Feldafing im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit<br/>Marita Krauss, Friedrich Prinz: Trümmerleben. Texte, Dokumente, Bilder aus den Münchner Nachkriegsjahren<br/>Barbara Stelzl-Marx: Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft - Amerikanische und sowjetische Kriegsgefangene im Stalag XVII B Krems-Gneixendorf  </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Anatomie des autoritären Charakters - Was macht Menschen zu Faschisten?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/anatomie-des-autoritaeren-charakters-was-macht-menschen-zu-faschisten/2102553</link>
      <pubDate>Tue, 24 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1097f96a-9370-48f5-9826-a2bebd4a48cc</guid>
      <description>Was macht Menschen anfällig für rechtsradikale Ideologien? Diese Frage stellten sich schon Denker der Frankfurter Schule wie Erich Fromm, und Theodor W. Adorno. Mit Psychoanalyse und Marx entwickelten sie den Begriff des &quot;autoritären Charakters&quot;.</description>
      <enclosure length="25276800" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102553/c/feed/anatomie-des-autoritaeren-charakters-was-macht-menschen-zu-faschisten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:26:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Jerzy Sobotta</itunes:author>
      <itunes:summary>Was macht Menschen anfällig für rechtsradikale Ideologien? Diese Frage stellten sich schon Denker der Frankfurter Schule wie Erich Fromm, und Theodor W. Adorno. Mit Psychoanalyse und Marx entwickelten sie den Begriff des &quot;autoritären Charakters&quot;.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7fd5890b-b5fc-4b3f-b79f-c4dafb732f4a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was macht Menschen anfällig für rechtsradikale Ideologien? Diese Frage stellten sich schon Denker der Frankfurter Schule wie Erich Fromm, und Theodor W. Adorno. Mit Psychoanalyse und Marx entwickelten sie den Begriff des "autoritären Charakters".</p><p>Credits:<br/>Autor dieser Folge: Jerzy Sobotta<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Johannes Hitzelberger, Hemma Michel, Katja Schild, Peter Weiß<br/>Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Im Interview:<br/>Prof. Dr. Philipp Lenhard, Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München. Autor von „Café Marx. Das Institut für Sozialforschung von den Anfängen bis zur Frankfurter Schule.“ (Ch. Beck 2024)</p>
<p>Prof. Oliver Decker, Sozialpsychologe und Direktor des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für Demokratieforschung an der Universität Leipzig. Co-Herausgeber der Leipziger Autoritarismus-Studie.</p>
Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:
 
Demokratie - Ein umkämpfter Begriff: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/demokratie-ein-umkaempfter-begriff/bayern-2/94578852/">JETZT ENTDECKEN</a>
 
Hunger nach Demokratie - Das Superwahljahr 1946: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hunger-nach-demokratie-das-superwahljahr-1946/bayern-2/94184616/">JETZT ENTDECKEN</a>
<p>Linktipp:<br/>Hier kann man testen, wie man auf der F-Skala abschneidet (englisch): <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.idrlabs.com/f-scale/test.php">IDRLABS</a></p>
<p>Literatur:<br/>Theodor W. Adornos Beitrag zu den „Studien zum autoritären Charakter“ erschien auf Deutsch erst 1974 bei Suhrkamp.</p>
<p>Für ein breiteres Publikum analysiert Leo Löwenthal 1949 in „Falsche Propheten“ die Techniken faschistischer Agitatoren.</p>
<p>Philipp Lenhard gibt in „Café Marx“ einen fesselnden wie detailreichen Überblick über die Geschichte des Instituts für Sozialforschung und ihrer Protagonisten.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Jahr nach Kriegsende 1/3 - Niemandszeit in einer bayerischen Gegend</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-jahr-nach-kriegsende-1-3-niemandszeit-in-einer-bayerischen-gegend/2115696</link>
      <pubDate>Tue, 24 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8e412f99-6c54-458d-afd0-637db99098fe</guid>
      <description>Der Zweite Weltkrieg ist aus in Bayern - aber ist er auch wirklich vorbei? Die Wochen und Monate nach Ende der Kämpfe, nach dem Einmarsch der Amerikaner erlebten die Bewohner von Burghausen und Umgebung als gefährliche und aufregende Zwischenzeit.</description>
      <enclosure length="25508396" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115696/c/feed/das-jahr-nach-kriegsende-1-3-niemandszeit-in-einer-bayerischen-gegend.mp3"/>
      <itunes:duration>00:26:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Zweite Weltkrieg ist aus in Bayern - aber ist er auch wirklich vorbei? Die Wochen und Monate nach Ende der Kämpfe, nach dem Einmarsch der Amerikaner erlebten die Bewohner von Burghausen und Umgebung als gefährliche und aufregende Zwischenzeit.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c9f72b7b-243b-4d68-b4da-3372a269f3d6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Zweite Weltkrieg ist aus in Bayern - aber ist er auch wirklich vorbei? Die Wochen und Monate nach Ende der Kämpfe, nach dem Einmarsch der Amerikaner erlebten die Bewohner von Burghausen und Umgebung als gefährliche und aufregende Zwischenzeit.</p><p>Credits:<br/>Autor: Lukas Grasberger<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak, Thomas Morawetz<br/>Regie:  Kirsten Böttcher<br/>Technik: Stefan Oberle<br/>Sprecher: Werner Härtl, Peter Weiß, Katja Schild, Christopher Mann</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. em. Marita Krauss, ehamalige Professorin für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg<br/>Dr. Helmut Gruber, Burghauser Zeitzeuge von Kriegsende + Neuanfang, Herausgeber „Gratwanderungen – Lebenserinnerungen von Wolfgang Gruber. Pionier, Alpinist und Chefchemiker<br/>Alois Remmelberger, Ortsheimatpfleger von Burgkirchen an der Alz<br/>Prof. Barbara Stelzl-Marx, Professorin für europäische Zeitgeschichte und Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung in Graz, Wien und Raabs.<br/>Ilse Haft, Burghauser Ortschronistin und Zeitzeugin von Kriegsende und Neuanfang</p>
<p>Literatur-Tipps:<br/>Dietmar Grypa: Studien zu Kriegsende und Neuanfang im Landkreis Altöting. Burghauser Geschichtsblätter<br/>Wolfgang Gruber: Gratwanderungen. Lebenserinnerungen von Wolfgang Gruber (1886-1971), Pionier, Alpinist und Chefchemiker<br/>Marita Krauss: Traum und Albtraum: Feldafing im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit<br/>Marita Krauss, Friedrich Prinz: Trümmerleben. Texte, Dokumente, Bilder aus den Münchner Nachkriegsjahren<br/>Barbara Stelzl-Marx: Zwischen Fiktion und Zeitzeugenschaft - Amerikanische und sowjetische Kriegsgefangene im Stalag XVII B Krems-Gneixendorf  </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Saharastaub - Wenn sich der Himmel trübt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/saharastaub-wenn-sich-der-himmel-truebt-1/2102473</link>
      <pubDate>Mon, 23 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cfc0cb8b-3de4-4d3a-a0a3-2e62f76227fc</guid>
      <description>Im Mittelalter galt er als böses Omen. Dabei steckt hinter Blutregen und Blutschnee nur Saharastaub. 200 Millionen Tonnen trägt der Wind pro Jahr bis in die Arktis. Der Staub kann unter Umständen der Gesundheit schaden. Aber er ist auch ein wertvoller Dünger und sorgt für Regen. Von Roana Brogsitter</description>
      <enclosure length="21720960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102473/c/feed/saharastaub-wenn-sich-der-himmel-truebt-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:37</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Im Mittelalter galt er als böses Omen. Dabei steckt hinter Blutregen und Blutschnee nur Saharastaub. 200 Millionen Tonnen trägt der Wind pro Jahr bis in die Arktis. Der Staub kann unter Umständen der Gesundheit schaden. Aber er ist auch ein wertvoller Dünger und sorgt für Regen. Von Roana Brogsitter</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ecfec902-b99f-4346-9109-176acc5cbf43.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im Mittelalter galt er als böses Omen. Dabei steckt hinter Blutregen und Blutschnee nur Saharastaub. 200 Millionen Tonnen trägt der Wind pro Jahr bis in die Arktis. Der Staub kann unter Umständen der Gesundheit schaden. Aber er ist auch ein wertvoller Dünger und sorgt für Regen. Von Roana Brogsitter</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Roana Brogsitter<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprach: Julia Fischer<br/>Technik: Ursula Kirstein<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Patric Seifert, Leibniz-Institut für Troposphärenforschung<br/>Prof. Anke Friedrich, Institut für Geologie Ludwig-Maximilians-Universität München<br/>Prof. Dennis Nowak, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen und IQ Wissenschaft und Forschung könnten Sie auch interessieren:<br/></strong>
 
<strong>Wetterballons - Datenspione des Himmels: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wetterballons-datenspione-des-himmels/bayern-2/12949449/">JETZT ENTDECKEN</a><br/></strong><strong>Tornado, Twister, Windhose - </strong><strong>Die Macht der Wirbelwinde: </strong><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tornado-twister-windhose-die-macht-der-wirbelwinde/bayern-2/10653317/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Leibniz-Institut für Troposphärenforschung:  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/aralsee-hat-zentralasien-deutlich-staubiger-werden-lassen">HIER</a> und <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.tropos.de/aktuelles/pressemitteilungen/details/welche-gesundheitsrisiken-bergen-staubstuerme">HIER</a> <br/></strong><strong>Deutscher Wetterdienst: </strong><strong><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv3=102384&amp;lv2=102248">HIER</a><br/></strong><strong>Deutsche Meterologische Gesellschaft: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.dmg-ev.de/2024/01/02/staubcirrus-welche-auswirkungen-kann-staub-in-der-atmosphaere-haben/">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Erdlöcher - Unbekannte Welt im Untergrund</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/erdloecher-unbekannte-welt-im-untergrund/2115672</link>
      <pubDate>Mon, 23 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">31683cbf-d4f7-4b4a-acca-f49aeafef946</guid>
      <description>Erdfälle, umgangssprachlich Erdlöcher genannt, können in bewohnten Gebieten großen Schaden anrichten. Manche Erdfälle werden von menschlichen Aktivitäten wie Bauarbeiten ausgelöst, andere haben natürliche Ursachen.</description>
      <enclosure length="22955180" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115672/c/feed/erdloecher-unbekannte-welt-im-untergrund.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:54</itunes:duration>
      <itunes:author>Katrin Kellermann</itunes:author>
      <itunes:summary>Erdfälle, umgangssprachlich Erdlöcher genannt, können in bewohnten Gebieten großen Schaden anrichten. Manche Erdfälle werden von menschlichen Aktivitäten wie Bauarbeiten ausgelöst, andere haben natürliche Ursachen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/35135b36-2138-4cef-9d24-ab1d18c0bb15.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Erdfälle, umgangssprachlich Erdlöcher genannt, können in bewohnten Gebieten großen Schaden anrichten. Manche Erdfälle werden von menschlichen Aktivitäten wie Bauarbeiten ausgelöst, andere haben natürliche Ursachen.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Katrin Kellermann<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Sprecher: Thomas Birnstiel, Rahel Comtesse          </p>
<p>Interviews mit:<br/>Susanne Bonitz, Bayerisches Landesamt für Umwelt, Landesaufnahme Geologie, Geogefahren, Hof/Saale<br/>Professorin Charlotte Krawczyk, Leiterin des Departments Geophysik am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam<br/>Dr. Hans-Joachim Götz, 1. Obmann Abteilung Karst- und Höhlenkunde, Naturhistorisches Museum Nürnberg</p>
<p>Podcast-Tipp:</p>
<p>&quot;Science TeaTime“ der neue Podcast, in dem Caro Matzko und Frank Seibert junge Forschende bei einer Tasse Tee zu inspirierenden Gesprächen einladen. Hier erfährst du etwa, wie viel Sternenstaub in uns steckt, wie Kinder mit KI lernen können und ob Exoplaneten unser neuer Lebensraum werden könnten. Komm mit in die faszinierende Welt der Wissenschaft und erfahre, wie das Gehirn unser Essverhalten steuert oder wie generative KI unsere Zukunft verändert: <a href="http://1.ard.de/scienceteatime">http://1.ard.de/scienceteatime</a></p>
<p>Linktipps:<br/><a href="https://www.umweltatlas.bayern.de/mapapps/resources/apps/umweltatlas/index.html?lang=de">www.umweltatlas.bayern.de</a><br/><a href="https://gfzpublic.gfz.de/rest/items/item_5010990_5/component/file_5011011/content">https://gfzpublic.gfz.de</a><br/><a href="https://www.nhg-museum.de/main.php">Naturhistorisches Museum Nürnberg</a><br/><a href="https://www.planet-wissen.de/natur/landschaften/erdfaelle/index.html">www.planet-wissen.de</a></p>
<p>Hör-Tipps von Radiowissen:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:6622ea5ec8c7c381/">Karst und Karstlandschaften - Wenn Korrosion die Landschaft prägt</a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:3e798025adbed7b2/">Steine - Grundlage von Leben und Zivilisation</a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:5cae82b3bcfc5e1c/">Nach der Zerstörung: Biotop - Lebensraum Steinbruch</a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d055384a34da54e3/">Bilderhöhlen in Südfrankreich. Steinzeitkunst am Fuß der Pyrenäen</a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c0bd8fad45b58fc1/">Der Saum der Landschaft - Was existiert zwischen Feld, Bach und Wald?</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das frühe Radio - Zwischen Aufklärung und Propaganda</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-fruehe-radio-zwischen-aufklaerung-und-propaganda/1863777</link>
      <pubDate>Fri, 20 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">39f2593c-0aeb-4686-ab21-b88b1baa4ca9</guid>
      <description>Das frühe Radio erreicht Millionen. Ein modernes Massenmedium, das verzaubert und verführt. Hoffnung und Krise, Aufklärung, Utopie und Propaganda - nirgends durchdingen sie sich so intim, wie in den Anfängen des Rundfunks.</description>
      <enclosure length="21665664" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1863777/c/feed/das-fruehe-radio-zwischen-aufklaerung-und-propaganda.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Jerzy Sobotta</itunes:author>
      <itunes:summary>Das frühe Radio erreicht Millionen. Ein modernes Massenmedium, das verzaubert und verführt. Hoffnung und Krise, Aufklärung, Utopie und Propaganda - nirgends durchdingen sie sich so intim, wie in den Anfängen des Rundfunks.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/600ce734-83a3-43ad-af8b-c537f47d1817.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das frühe Radio erreicht Millionen. Ein modernes Massenmedium, das verzaubert und verführt. Hoffnung und Krise, Aufklärung, Utopie und Propaganda - nirgends durchdingen sie sich so intim, wie in den Anfängen des Rundfunks.</p><p>Credits:<br/>Autor dieser Folge: Jerzy Sobotta<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann, Peter Weiß<br/>Technik: Michael Krogmann<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/><br/><strong><a title="Alles Geschichte - Der History-Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-der-history-podcast/urn:ard:show:fdb83c5530d71150/">Alles Geschichte - Der History-Podcast</a></strong>hat eine spannende Staffel zum Thema Krieg und (Des)information:<br/><br/>KRIEG UND (DES)INFORMATION - Im Ersten Weltkrieg: <a title="Jetzt auf Alles Geschichte anhören!" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/krieg-und-des-information-im-ersten-weltkrieg/1850505">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>KRIEG UND (DES)INFORMATION - Beispiel Kosovo: <a title="Jetzt auf Alles Geschichte anhören!" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/krieg-und-des-information-beispiel-kosovo/1850506">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>KRIEG UND (DES)INFORMATION - Kriegsberichterstatterinnen: <strong><a title="Jetzt auf Alles Geschichte anhören!" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/krieg-und-des-information-kriegsberichterstatterinnen/1850507">JETZT ANHÖREN</a><br/></strong><strong><br/>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Jurij Murašov: Das elektrifizierte Wort. Das Radio in der sowjetischen Kultur der 1920er und 30er Jahre. Paderborn 2021. <br/><br/>Russia in the Microphone Age: A History of Soviet Radio, 1919-1970. Oxford 2015.<br/><br/>Michele Hilmes: Radio Voices: American Broadcasting, 1922-1952. Minneapolis 1997.<br/><br/>Peter Dahl: Arbeitersender und Volksempfänger. Proletarische Radio-Bewegung und bürgerlicher Rundfunk bis 1945. Frankfurt 1978.<br/><br/>Carole E. Scott (State University of West Georgia): The History of the Radio Industry in the United States to 1940. eh.net</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
 
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Fasten - Verzicht und innerer Gewinn?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/fasten-verzicht-und-innerer-gewinn/1517789</link>
      <pubDate>Fri, 20 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d2b0f317-7de9-44d3-bb5c-b1738f1b477b</guid>
      <description>Fasten gehört zur Evolution des Menschen. Sei es als unfreiwilliger Nahrungsverzicht, dem Hungern. Oder als in der Religion unentbehrliches Ritual für Körper und Kopf.</description>
      <enclosure length="23289984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1517789/c/feed/fasten-verzicht-und-innerer-gewinn.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Johannes Marchl</itunes:author>
      <itunes:summary>Fasten gehört zur Evolution des Menschen. Sei es als unfreiwilliger Nahrungsverzicht, dem Hungern. Oder als in der Religion unentbehrliches Ritual für Körper und Kopf.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0f16c8a9-8d70-41ea-9c9d-e6353d4e379d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Fasten gehört zur Evolution des Menschen. Sei es als unfreiwilliger Nahrungsverzicht, dem Hungern. Oder als in der Religion unentbehrliches Ritual für Körper und Kopf.</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autorin dieser Folge: Johannes Marchl<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Thomas Loibl, Andreas Neumann, Katja Schild<br/>Technik: Susanne Herzig<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Manfred Heim (Kirchenhistoriker, LMU München)<br/>Godehard Brüntrup (Philosoph an der Hochschule für Philosophie, München)<br/>Schwester Helene (Äbtissin im Benediktinerinnen-Kloster Neustift bei Passau)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Detox mit Fasten - Die Mär vom Entgiften? <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/detox-mit-fasten-die-maer-vom-entgiften/bayern-2/93924956/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Esskultur 1945 bis heute - Vom Jägerschnitzel zu Sushi <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/esskultur-1945-bis-heute-vom-jaegerschnitzel-zu-sushi/bayern-2/78751858/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Mäßigung - Heilmittel für eine zügellose Zeit? <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/maessigung-heilmittel-fuer-eine-zuegellose-zeit/bayern-2/10826393/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frauen in der Steinzeit -  Geschlechterverhältnisse in grauer Vorzeit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frauen-in-der-steinzeit-geschlechterverhaeltnisse-in-grauer-vorzeit/2101759</link>
      <pubDate>Thu, 19 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b87e7d73-b22c-4e24-85b8-fe5d569caeaa</guid>
      <description>Dass Frauen in der Steinzeit nicht in einer Kinderschar ums Feuer saßen und auf den Familienernährer warteten, ist inzwischen weitgehend bekannt. Doch wie lebten Frauen dann? Welche Beweise gibt es, welche Thesen, welche Schwierigkeiten? </description>
      <enclosure length="22171392" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101759/c/feed/frauen-in-der-steinzeit-geschlechterverhaeltnisse-in-grauer-vorzeit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:05</itunes:duration>
      <itunes:author>Silke Wolfrum</itunes:author>
      <itunes:summary>Dass Frauen in der Steinzeit nicht in einer Kinderschar ums Feuer saßen und auf den Familienernährer warteten, ist inzwischen weitgehend bekannt. Doch wie lebten Frauen dann? Welche Beweise gibt es, welche Thesen, welche Schwierigkeiten? </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7c919033-37b4-4518-8f8e-5d5feeafb398.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dass Frauen in der Steinzeit nicht in einer Kinderschar ums Feuer saßen und auf den Familienernährer warteten, ist inzwischen weitgehend bekannt. Doch wie lebten Frauen dann? Welche Beweise gibt es, welche Thesen, welche Schwierigkeiten? </p><p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Silke Wolfrum<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Christoph Jablonka, Julia Fischer<br/>Technik: Lorenz Kersten<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p>Im Interview:<br/>Prof. Dr. Brigitte Röder (Fachbereich Ur- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Archäologie Uni Basel),<br/>Claudine Cohen, Directrice d&#39;études de l&#39;EHESS (renommierte Uni für Sozialwissenschaften), Philosophin und Wissenschaftshistorikerin</p>
Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/>
 
Alles Geschichte - History von Radiowissen
STEINZEIT UND DANACH - Überleben in der Eiszeit
Vor 30.000 Jahren hatte die Eiszeit Europa noch fest im Griff. Damals, in der Altsteinzeit, verdrängte der anatomisch moderne Mensch zunehmend den Neandertaler. Was wissen wir über unsere Vorfahren? Von Katharina Hübel (BR 2024) <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/steinzeit-und-danach-ueberleben-in-der-eiszeit/bayern-2/13938757/">JETZT ENTDECKEN</a>
 
oder auch wie weiteren Folgen in Alles Geschichte - History von Radiowissen  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/">HIER</a>

<p>Literatur:<br/>Claudine Cohen, „Femmes de la Préhistoire “: Eine umfassende Darstellung der Bedeutung der Frau v.a. in der Altsteinzeit, leider nicht auf Deutsch erhältlich<br/>Brigitte Röder (Hrsg.), „Ich Mann, du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?“, mit einem Vorwort von Brigitte Röder und zahlreichen konkreten Fallbeispielen</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
 
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kristall, Monokel, Gleitsicht - Die Geschichte der Brille</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kristall-monokel-gleitsicht-die-geschichte-der-brille/2102167</link>
      <pubDate>Thu, 19 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">728f3394-7951-428e-b997-67a77902da26</guid>
      <description>Von Kaiser Neros grünem Smaragd, den er sich vor die Augen hielt, über den Lesestein der mittelalterlichen Mönche bis hin zu computergeschliffenen Gleitsicht-Gläsern: Die Brille erzählt über Jahrtausende hinweg vom Wandel der Gesellschaft.</description>
      <enclosure length="21949056" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102167/c/feed/kristall-monokel-gleitsicht-die-geschichte-der-brille.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Florian Kummert</itunes:author>
      <itunes:summary>Von Kaiser Neros grünem Smaragd, den er sich vor die Augen hielt, über den Lesestein der mittelalterlichen Mönche bis hin zu computergeschliffenen Gleitsicht-Gläsern: Die Brille erzählt über Jahrtausende hinweg vom Wandel der Gesellschaft.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3dc6f676-717c-48b2-aa93-24bd3a51344d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Von Kaiser Neros grünem Smaragd, den er sich vor die Augen hielt, über den Lesestein der mittelalterlichen Mönche bis hin zu computergeschliffenen Gleitsicht-Gläsern: Die Brille erzählt über Jahrtausende hinweg vom Wandel der Gesellschaft.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Florian Kummert<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Susanne Schroeder, Sebastian Fischer<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Florian Breitsameter, Kurator für Medizintechnik, Deutsches Museum München<br/><br/><strong>Diese hörenswerte Folge von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Die unsichtbare Brille - Wie Glaubenssätze unser Leben lenken: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-unsichtbare-brille-wie-glaubenssaetze-unser-leben-lenken/bayern-2/13887395/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/>Herbert Schwind: Brillengeschichten – grandios und kurios: Eine Zeitreise (Wagner Verlag, 2015)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Von Schellack bis Streaming - Die Geschichte der Tonträger</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/von-schellack-bis-streaming-die-geschichte-der-tontraeger/2102016</link>
      <pubDate>Wed, 18 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0d177370-dc8a-49da-bbd7-0ce368e1fa67</guid>
      <description>1877 gelang es Thomas Alva Edison, Töne auf einem Tonträger zu speichern. Doch wie funktioniert das eigentlich? Und wie war der Weg von der knisternden Schellackplatte zum weltweit verfügbaren HiFi-Stream?</description>
      <enclosure length="23967744" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102016/c/feed/von-schellack-bis-streaming-die-geschichte-der-tontraeger.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Wolfgang Zehentmeier</itunes:author>
      <itunes:summary>1877 gelang es Thomas Alva Edison, Töne auf einem Tonträger zu speichern. Doch wie funktioniert das eigentlich? Und wie war der Weg von der knisternden Schellackplatte zum weltweit verfügbaren HiFi-Stream?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1abcc1e0-1336-470e-87ee-c00be2be4ed7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>1877 gelang es Thomas Alva Edison, Töne auf einem Tonträger zu speichern. Doch wie funktioniert das eigentlich? Und wie war der Weg von der knisternden Schellackplatte zum weltweit verfügbaren HiFi-Stream?</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Wolfgang Zehentmeier<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Thomas Loibl, Katja Amberger<br/>Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dipl.-Ing. Luise Allendorf-Hoefer, Hauptabteilung Technik am Deutschen Museum in München<br/>Silke Berdux, Hauptabteilung Naturwissenschaften am Deutschen Museum in München<br/>Carmen Zarrin-Naal, Eigentümerin eines Second-Hand-Schallplatten-Ladens in München</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
 
<strong>Das Deutsche Museum - Technikgeschichte zum Anfassen: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-deutsche-museum-technikgeschichte-zum-anfassen/bayern-2/13743897/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Oskar von Miller - Technik-Pionier und Museumsgründer<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/oskar-von-miller-technik-pionier-und-museumsgruender/bayern-2/12847249/"> JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Die Geschichte des Fernsehens - Von zwei Stunden in schwarz-weiß bis zu digital nonstop: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-des-fernsehens-von-zwei-stunden-in-schwarz-weiss-bis-zu-digital-nonstop/bayern-2/13096801/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Linktipp:</strong></p>
<p><strong>Eine kleine Geschichte der Schallaufzeichnung: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.mediathek.at/fuer-den-unterricht/eine-kleine-geschichte-der-schallaufzeichnung#c-33386">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bunt, laut, resistent - Wie Wildtiere sich an die Stadt anpassen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bunt-laut-resistent-wie-wildtiere-sich-an-die-stadt-anpassen/2115520</link>
      <pubDate>Wed, 18 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f53b856b-d7f2-4aa0-8c90-dd7a4be35df9</guid>
      <description>Immer mehr Wildtiere drängen in die Städte, und passen sich erstaunlich gut an. So entstehen globale, urbane, stressresistente Populationen, die andere Arten verdrängen, aber auch als Retter ihrer Artgenossen dienen können.</description>
      <enclosure length="21481388" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115520/c/feed/bunt-laut-resistent-wie-wildtiere-sich-an-die-stadt-anpassen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:22</itunes:duration>
      <itunes:author>Brigitte Kramer</itunes:author>
      <itunes:summary>Immer mehr Wildtiere drängen in die Städte, und passen sich erstaunlich gut an. So entstehen globale, urbane, stressresistente Populationen, die andere Arten verdrängen, aber auch als Retter ihrer Artgenossen dienen können.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0e7fad72-b6fe-4b64-9818-28ab1f8673c2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Immer mehr Wildtiere drängen in die Städte, und passen sich erstaunlich gut an. So entstehen globale, urbane, stressresistente Populationen, die andere Arten verdrängen, aber auch als Retter ihrer Artgenossen dienen können.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Brigitte Kramer<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie:  Christiane Klenz<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Sprecher: Laura Maire, Thomas Birnstiel, Rahel Comtesse</p>
<p>Interviews mit:<br/>Juan Diego Ibáñez-Álamo, Zoologe, Universität Granada;<br/>Elizabeta Briski, Meeresbiologin, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel</p>
<p>Podcast-Tipps:</p>
<p>Stadtgrün ist Lebensraum, Erholungsort und Klimaschützer. Doch wie kam das Grün in die Stadt? Wie hat sich die Bedeutung von Parks, Alleen und Grünflächen mit der Zeit verändert? In der Geschichte des Stadtgrüns spiegelt sich auch ein Wandel der Gesellschaft: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e66db4826049820f/">Geschichte der Landschaftsarchitektur: Wie kam das Grün in die Stadt?</a> <br/><br/>Machen Städte krank? Tatsächlich ist der Mensch evolutionsbedingt nicht für ein dauerhaftes Zusammenleben auf engem Raum geschaffen. Die Wissenschaft sucht nach (Aus)Wegen für ein gutes Leben in der Stadt: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:02222ec43f71047c/">Enge in der Stadt - Alltag und Gesundheit</a></p>
<p> </p>
<p>Für viele ist der Stadtwald eine nette Kulisse beim Spaziergang. Aber mancherorts hat sich seine alte Bedeutung erhalten: Energielieferant und Anzeichen für Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung der Bürger: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:edcb3675506a9ce7/">Der Stadtwald - Vom Energielieferanten zum Erholungsort</a></p>
<p> </p>
<p>Weiterführende Links: </p>
<p>StadtWildTiere – Seite des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung, auf der BürgerInnnen Sichtungen von Wildtieren im Siedlungsraum melden können. Das Projekt soll urbane Wildtiere sichtbar und erlebbar machen, sie erforschen und schützen: <a href="https://www.stadtwildtiere.de/">www.stadtwildtiere.de</a></p>
<p> </p>
<p>Wildtiere erobern die Stadt – Eintrag auf der Webseite des Tierschutzbundes mit Informationen zu Wildtieren in der Stadt und Tipps, wie das Zusammenleben mit ihnen klappt: <a href="https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/wildtiere/wildtiere-in-staedten/">www.tierschutzbund.de</a></p>
<p> </p>
<p>Literaturtipp:            </p>
<p>Jürgen Beuste „Die wilde Stadt – Stadtwildnis als Ideal, Leistungsträger und Konzept für die Gestaltung von Stadtnatur.“ Umfassendes Lehrbuch und Plädoyer für wildere Städte, mit bebilderter Darstellung von Wildnis in der Stadt. </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Burlesque - Von der Komik zur Erotik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/burlesque-von-der-komik-zur-erotik-1/2115488</link>
      <pubDate>Tue, 17 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">fad6eb2b-1c15-49d9-8838-4eadda2dce09</guid>
      <description>Burlesque ist in den USA entstanden und hatte ihren Höhepunkt im New York der 1930er Jahre. Burlesque ist viel mehr als ein glamouröser Striptease: Die Tänzerinnen erzählen humorvolle  Geschichten, feiern Weiblichkeit und Erotik mit einem Augenzwinkern.</description>
      <enclosure length="21128876" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115488/c/feed/burlesque-von-der-komik-zur-erotik-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Birgit Magiera</itunes:author>
      <itunes:summary>Burlesque ist in den USA entstanden und hatte ihren Höhepunkt im New York der 1930er Jahre. Burlesque ist viel mehr als ein glamouröser Striptease: Die Tänzerinnen erzählen humorvolle  Geschichten, feiern Weiblichkeit und Erotik mit einem Augenzwinkern.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c976e7f3-8e65-4b70-b788-9118d1a5b9de.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Burlesque ist in den USA entstanden und hatte ihren Höhepunkt im New York der 1930er Jahre. Burlesque ist viel mehr als ein glamouröser Striptease: Die Tänzerinnen erzählen humorvolle  Geschichten, feiern Weiblichkeit und Erotik mit einem Augenzwinkern.</p><p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Birgit Magiera<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Es sprachen: Burchard Dabinnus, Franziska Ball, Peter Veit, Kia Ahnsen<br/>Technik: Ursula Kirstein<br/>Redaktion: Andrea Bräu<br/></p>
<p>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></p>
<p>Der Mensch ist ein Tänzer - Vom Glück der Bewegung: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-mensch-ist-ein-taenzer-vom-glueck-der-bewegung-1/1814076">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Moulin Rouge - Varieté von Weltruhm: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-moulin-rouge-variet-von-weltruhm/1854568">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks: <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><br/><br/>Literatur:<br/>Jonas Eklund, The sensational body, Dissertation on the experience of bodies on stage in Circus, Burlesque and Freak Show, Stockholm, 2019<br/>Jane Briggeman, Burlesque – a living history, BearManor Media, 2009<br/>Gypsy Rose Lee, The G-String Murders, Glasgow 2017 (1941)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Burlesque - Von der Komik zur Erotik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/burlesque-von-der-komik-zur-erotik/1921930</link>
      <pubDate>Tue, 17 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1d6c94aa-e5d6-491b-8d99-10f31f26be53</guid>
      <description>Burlesque ist am Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden und hatte ihren Höhepunkt im New York der 1930er Jahre. Burlesque ist viel mehr als ein glamouröser Striptease: die Tänzerinnen erzählen humorvolle, oft emanzipatorische, Geschichten, feiern Weiblichkeit und Erotik mit einem Augenzwinkern.</description>
      <enclosure length="21810432" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1921930/c/feed/burlesque-von-der-komik-zur-erotik.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Birgit Magiera</itunes:author>
      <itunes:summary>Burlesque ist am Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden und hatte ihren Höhepunkt im New York der 1930er Jahre. Burlesque ist viel mehr als ein glamouröser Striptease: die Tänzerinnen erzählen humorvolle, oft emanzipatorische, Geschichten, feiern Weiblichkeit und Erotik mit einem Augenzwinkern.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3d314c4b-5707-486a-ac49-94a264cd69fe.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Burlesque ist am Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden und hatte ihren Höhepunkt im New York der 1930er Jahre. Burlesque ist viel mehr als ein glamouröser Striptease: die Tänzerinnen erzählen humorvolle, oft emanzipatorische, Geschichten, feiern Weiblichkeit und Erotik mit einem Augenzwinkern.</p><p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Birgit Magiera<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Es sprachen: Burchard Dabinnus, Franziska Ball, Peter Veit, Kia Ahnsen<br/>Technik: Ursula Kirstein<br/>Redaktion: Andrea Bräu<br/></p>
<p>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></p>
<p>Josephine Baker - Bananenrock und Regenbogenfamilie: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/josephine-baker-bananenrock-und-regenbogenfamilie/1026643">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Der Mensch ist ein Tänzer - Vom Glück der Bewegung: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-mensch-ist-ein-taenzer-vom-glueck-der-bewegung-1/1814076">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Moulin Rouge - Varieté von Weltruhm: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-moulin-rouge-variet-von-weltruhm/1854568">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wie Gott uns schuf - Nackt, natürlich, entblößt? <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wie-gott-uns-schuf-nackt-natuerlich-entbloesst/235353">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks: <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><br/><br/>Literatur:<br/>Jonas Eklund, The sensational body, Dissertation on the experience of bodies on stage in Circus, Burlesque and Freak Show, Stockholm, 2019<br/>Jane Briggeman, Burlesque – a living history, BearManor Media, 2009<br/>Gypsy Rose Lee, The G-String Murders, Glasgow 2017 (1941)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Poincaré-Vermutung - Das Millionen-Rätsel der Mathematik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-poincar-vermutung-das-millionen-raetsel-der-mathematik/2101928</link>
      <pubDate>Mon, 16 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a2df56c9-9694-4308-ac4f-695dcdd17295</guid>
      <description>Die Poincaré-Vermutung erfasst Geometrie höherer Dimensionen - und bringt uns damit nichts weniger als die Form des Universums näher. Über 100 Jahre blieb diese Vermutung eines der schwersten mathematischen Rätsel der Welt.</description>
      <enclosure length="19986816" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101928/c/feed/die-poincar-vermutung-das-millionen-raetsel-der-mathematik.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:49</itunes:duration>
      <itunes:author>Lavina Stauber</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Poincaré-Vermutung erfasst Geometrie höherer Dimensionen - und bringt uns damit nichts weniger als die Form des Universums näher. Über 100 Jahre blieb diese Vermutung eines der schwersten mathematischen Rätsel der Welt.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1053e491-9e55-4425-bac0-5e3a2a04ba5e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Poincaré-Vermutung erfasst Geometrie höherer Dimensionen - und bringt uns damit nichts weniger als die Form des Universums näher. Über 100 Jahre blieb diese Vermutung eines der schwersten mathematischen Rätsel der Welt.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Lavina Stauber<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprach: Berenike Beschle<br/>Technik: Roland Böhm<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p>Dieser Beitrag wurde mit dem Journalistenpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung 2025 ausgezeichnet.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Michael Eisermann, Abteilungsleiter für Geometrie und Topologie an der Universität Stuttgart<br/>George Szpiro, Mathematiker, Journalist und Autor<br/>Dr. Johann Beurich, Mathe-Youtuber „DorFuchs“<br/>Dr. Norbert Blum, theoretischer Informatiker und emeritierter Professor an der Universität Bonn</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong>Die Frauen der Familie Curie - Marie, Irène und Eve: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-frauen-der-familie-curie-marie-ir-ne-und-eve/bayern-2/12828723/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</a></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Der Geschichte des Beweises der Poincaré-Vermutung geht George Szpiro in seinem Buch  „Das Poincaré-Abenteuer: Ein mathematisches Welträtsel wird gelöst“ nach.</p>
<p>Eine Biographie über Gregori Perelman liefert Masha Gessen mit: „Der Beweis des Jahrhunderts – Die faszinierende Geschichte des Mathematikers Grigori Perelman“ </p>
<p>Einen Überblick über alle sieben ausgeschrieben Millennium Probleme beschreibt Keith Delvin in: „The Millenium Problems – The Seven Greatest Unsolved Puzzles of Our Time”</p>
<p>Und die wichtigsten mathematische Rätsel, auch diejenige, die Hilbert auf seiner Liste 1900 stehen hatte, fasst Ian Stewart in seiner Publikation „Die letzten Rätsel der Mathematik“ niedrigschwellig zusammen.  </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Commedia dell&apos;Arte - Vom Spiel mit den Masken</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/commedia-dell-arte-vom-spiel-mit-den-masken/1792672</link>
      <pubDate>Mon, 16 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cf5a49fb-a028-49da-82e1-78073a057b21</guid>
      <description>Die Commedia dell&apos;Arte war über 200 Jahre lang lebendig. Pantalone, der Dottore oder die komischen Dienerfiguren gehörten zum festen Figurenpersonal. Die Stücke waren nicht schriftlich fixiert und lebten von der Virtuosität der Schauspieler. </description>
      <enclosure length="22044839" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1792672/c/feed/commedia-dell-arte-vom-spiel-mit-den-masken.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Gabriele Knetsch</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Commedia dell&apos;Arte war über 200 Jahre lang lebendig. Pantalone, der Dottore oder die komischen Dienerfiguren gehörten zum festen Figurenpersonal. Die Stücke waren nicht schriftlich fixiert und lebten von der Virtuosität der Schauspieler. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/246046b6-eedf-42b9-905c-e3ac465b2e8e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Commedia dell'Arte war über 200 Jahre lang lebendig. Pantalone, der Dottore oder die komischen Dienerfiguren gehörten zum festen Figurenpersonal. Die Stücke waren nicht schriftlich fixiert und lebten von der Virtuosität der Schauspieler. </p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Gabriele Knetsch<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Irina Wanka, Rainer Bucke<br/>Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Florian Mehltretter, LMU</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks: <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schauspielerinnen - Wie Frauen die Bühnen eroberten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schauspielerinnen-wie-frauen-die-buehnen-eroberten-1/2115381</link>
      <pubDate>Fri, 13 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">31d11049-070e-4f94-b136-c83df3212e8d</guid>
      <description>Unerhört! 1660 öffnet König Charles II. die Bühne für Frauen. Schauspielerinnen erobern das Rampenlicht und bringen frischen Wind ins Theater - von den ersten Bühnenfrauen, über das Wandertheater mit der Neuberin, bis hin zu Marie Seebach.</description>
      <enclosure length="21831212" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115381/c/feed/schauspielerinnen-wie-frauen-die-buehnen-eroberten-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Hofmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Unerhört! 1660 öffnet König Charles II. die Bühne für Frauen. Schauspielerinnen erobern das Rampenlicht und bringen frischen Wind ins Theater - von den ersten Bühnenfrauen, über das Wandertheater mit der Neuberin, bis hin zu Marie Seebach.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/51961fd2-a038-4f31-b0ee-b37242eec4ab.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Unerhört! 1660 öffnet König Charles II. die Bühne für Frauen. Schauspielerinnen erobern das Rampenlicht und bringen frischen Wind ins Theater - von den ersten Bühnenfrauen, über das Wandertheater mit der Neuberin, bis hin zu Marie Seebach.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Susanne Hofmann<br/>Redaktion: Katharina Hübel<br/>Regie:  Rainer Schaller<br/>Technik: Andreas Caramelle<br/>Es sprechen: Burchard Dabinnus, Florian Schwarz, Rainer Schaller</p>
<p>Interviews mit:<br/><a href="https://www.theaterwissenschaft.uni-muenchen.de/institut/professuren/wagner/index.html">Professor Dr. Meike Wagner, Professorin für Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München</a><br/><a href="https://www.theaterwissenschaft.unibe.ch/ueber_uns/team/professorinnen/prof_dr_hochholdinger_reiterer_beate/index_ger.html">Professor Beate Hochholdinger-Reiterer, Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern</a><br/><a href="https://www.marie-seebach-stiftung.de/stiftung/geschichte-der-stiftung/">Ulrika Strömsted, Vorstand der Marie-Seebach-Stiftung in Weimar</a></p>
<p><br/>Podcast-Tipps:</p>
<p>Zum Lächeln, zum Weinen, zum Nachdenken, zum Aktivwerden? - Dieser Podcast zieht ins Buch: mit O-Tönen und Gespräch mit dem Autor und der Autorin, mit einem Ausschnitt aus dem Text, gelesen von Schauspielern und Schauspielerinnen. Und mit ein bisschen Musik. Oft Roman; manchmal Sachbuch, immer eine Empfehlung.</p>
<p><a href="https://1.ard.de/buchgefuehl">https://1.ard.de/buchgefuehl</a></p>
<p><br/>Mehr Geschichten von tollen Frauen, die es in die Geschichtsbücher geschafft haben – bekannteren und unbekannteren bei FrauenGeschichte auf Instagram: <a href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">FrauenGeschichte by BR @frauen_geschichte</a></p>
<p> … und bei „Ein Zimmer für uns allein“, dem FrauenGeschichte-Podcast – neu mit zweiter Staffel: <br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/">https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/</a></p>
<p>Nur die Frau von Albert Einstein? Mileva Marič war selbst eine brilliante Physikerin und anerkannte Mathematikerin, doch als Ehefrau und Mutter in der zweiten Reihe, während Einstein Welt-Ruhm sammelte; für Forschung, die er gemeinsam mit Mileva Maric entwickelt hatte:<a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:7b42921e9bd82b91/"> Mileva Marič - Die Frau hinter Einsteins Relativitätstheorie?</a></p>
<p>Peary, Franklin, Shackleton – die Namen der großen Polarforscher sind weltbekannt. Doch die Frauen an ihrer Seite, die retteten, finanzierten und organisierten, blieben im Schatten. Dabei verdanken sie ihnen oft mehr als nur einen Teil ihres Ruhms. Bei Radiowissen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:7b42921e9bd82b91/">Gefährtinnen im Eis – Die Frauen hinter der Polarforschung</a></p>
<p>Literaturtipps:<br/>Elizabeth Howe, The First English Actresses: Women in Drama, 1660-1770, Cambridge University Press, Cambrige 1992<br/>Petra Oelker, „Nichts als eine Komödiantin“, Die Lebensgeschichte der Friederike Caroline Neuber, Beltz &amp; Gelberg, Hemsbach 1993<br/>Renate Möhrmann (Hg.), Die Schauspielerin – eine Kulturgeschichte, Insel Taschenbuch, Frankfurt am Main 2000<br/><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Franz_Gensichen">Otto Franz Gensichen</a>, Aus Marie Seebachs Leben, Duncker, Berlin 1900.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Verein - Typisch deutsch?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-verein-typisch-deutsch/2101892</link>
      <pubDate>Fri, 13 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">41bbea79-33db-4a53-96e4-cf3e9efc28a6</guid>
      <description>Was machen drei Deutsche? - Einen Verein gründen. Aber ist das Vereinswesen wirklich eine typisch deutsche Leidenschaft? Es gab noch nie so viele Vereine wie heute. Und: die Mitgliederzahlen sinken. Wie passt das zusammen?</description>
      <enclosure length="22557696" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101892/c/feed/der-verein-typisch-deutsch.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Birgit Magiera</itunes:author>
      <itunes:summary>Was machen drei Deutsche? - Einen Verein gründen. Aber ist das Vereinswesen wirklich eine typisch deutsche Leidenschaft? Es gab noch nie so viele Vereine wie heute. Und: die Mitgliederzahlen sinken. Wie passt das zusammen?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/db29f499-1c4d-4a0b-9227-b87ba7bf8985.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was machen drei Deutsche? - Einen Verein gründen. Aber ist das Vereinswesen wirklich eine typisch deutsche Leidenschaft? Es gab noch nie so viele Vereine wie heute. Und: die Mitgliederzahlen sinken. Wie passt das zusammen?</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Birgit Magiera<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Thomas Birnstiel, Susanne Schroeder<br/>Technik: Anton Wunder<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Bettina Hollstein, Geschäftsführerin Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt, Habilitation zu „Ehrenamt“<br/>Dr. Arnd Kluge, Historiker, Vereinsforscher, Leiter Stadtarchiv Hof, Universität Regensburg<br/>Marie Stadler, stellvertr. Abteilungsleitung DCA beim ESV Laim, Cheerleading-Trainerin <br/>Nicole Wagner, Kulturunternehmerin „Volx-Gesang“ gemeinn. GmbH<br/>Julia Daum, 1. Vorstandsvorsitzende „Freunde des Bertolt-Brecht-Gymnasiums e.V.“<br/>Helmut Pfundstein, 1. Vorstand beim „Männergesangverein Germania Aubing“</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Generationenübergreifende Wohnmodelle - Gemeinsam statt einsam: </strong><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/generationenuebergreifende-wohnmodelle-gemeinsam-statt-einsam/bayern-2/12064461/">JETZT ENTDECKEN</a><br/></strong><strong>Gemeinsinn - Widerstandskraft in schwierigen Zeiten: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/gemeinsinn-widerstandskraft-in-schwierigen-zeiten/bayern-2/94597418/">JETZT ENTDECKEN</a><br/></strong><strong>Mitgefühl - Was Hirnforscher darüber wissen: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mitgefuehl-was-hirnforscher-darueber-wissen/bayern-2/12039557/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong><strong>Deutsche Vereinsgeschichte, Arnd Kluge, Franz Steiner Verlag, 2024<br/></strong><strong>Ehrenamt verstehen, Bettina Hollstein, Campus Verlag, 2015<br/></strong></p>
<p><strong>Weiterführende Links:<br/></strong><strong>Dynamic Cheer Athletics: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://dynamiccheer.com/">HIER</a><br/></strong><strong>Männergesangverein Germania Aubing: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.gesangverein-germania-aubing.de/">HIER</a><br/></strong><strong>Volxgesang: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://volxgesang.de/">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Petzen oder wegschauen? Umgang mit unliebsamen Wahrheiten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/petzen-oder-wegschauen-umgang-mit-unliebsamen-wahrheiten/2062402</link>
      <pubDate>Thu, 12 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4c3cbda5-c1eb-41ed-a8dd-1b371ebf45b1</guid>
      <description>Ein Kollege fälscht die Spesenabrechnungen. Das Kind der Nachbarn wird von den Eltern geschlagen. Aber  die Beteiligten streiten alles ab. Petzen oder wegschauen? Petzen hat ein schlechtes Image. Andererseits ist es manchmal nötig, Missstände zu benennen.</description>
      <enclosure length="23222400" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2062402/c/feed/petzen-oder-wegschauen-umgang-mit-unliebsamen-wahrheiten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Lamsfuß</itunes:author>
      <itunes:summary>Ein Kollege fälscht die Spesenabrechnungen. Das Kind der Nachbarn wird von den Eltern geschlagen. Aber  die Beteiligten streiten alles ab. Petzen oder wegschauen? Petzen hat ein schlechtes Image. Andererseits ist es manchmal nötig, Missstände zu benennen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f4e437d2-cdb3-45b6-8bc2-bd7129c221c6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Kollege fälscht die Spesenabrechnungen. Das Kind der Nachbarn wird von den Eltern geschlagen. Aber  die Beteiligten streiten alles ab. Petzen oder wegschauen? Petzen hat ein schlechtes Image. Andererseits ist es manchmal nötig, Missstände zu benennen.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Hemma Michel, Peter Weiß<br/>Technik: Christine Frey<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Christiane Jendrich, Systemische Familientherapeutin;<br/>Dr. Holger Flöttmann, Psychiater<br/>Dr. Nico Herold, Jurist;<br/>Johannes Ludwig, emeritierter Professor für Management;<br/>Wolfgang Weinem Altenpfleger</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Johannes Czwalina: Wer mutig ist, kennt die Angst. Brendow, 2008.</p>
<p>Kurt Singer: Zivilcourage wagen. Wie man lernt, sich einzumischen. Reinhardt, 2003.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Sherlock Holmes und sein Autor Doyle - Eine komplizierte Beziehung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/sherlock-holmes-und-sein-autor-doyle-eine-komplizierte-beziehung/1879370</link>
      <pubDate>Wed, 11 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">46219237-c4dd-49ba-be1a-2251532c56c1</guid>
      <description>Der Beziehungsstatus zwischen Sherlock Holmes und seinem Autor war kompliziert. Die Leserschaft verehrte den Meisterdetektiv, ein Autor Doyle interessierte sich ab er zunehmend fürs Okkulte. Doch Sherlock ließ sich literarisch nicht beerdigen.</description>
      <enclosure length="21433728" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1879370/c/feed/sherlock-holmes-und-sein-autor-doyle-eine-komplizierte-beziehung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Katharina Hübel</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Beziehungsstatus zwischen Sherlock Holmes und seinem Autor war kompliziert. Die Leserschaft verehrte den Meisterdetektiv, ein Autor Doyle interessierte sich ab er zunehmend fürs Okkulte. Doch Sherlock ließ sich literarisch nicht beerdigen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4a4d5a9d-00b2-4e5a-a055-2970ca972313.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Beziehungsstatus zwischen Sherlock Holmes und seinem Autor war kompliziert. Die Leserschaft verehrte den Meisterdetektiv, ein Autor Doyle interessierte sich ab er zunehmend fürs Okkulte. Doch Sherlock ließ sich literarisch nicht beerdigen.</p><p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Katharina Hübel<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Irina Wanka, Peter Weiß, Stefan Wilkening, Clemens Nicol<br/>Technik: Ruth-Maria Ostermann<br/>Redaktion: Susanne Poelchau<br/></p>
<p>Radiowissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zu faszinierenden Autoren und ihrem Schaffen:<br/>Edgar Allan Poe - Der Dichter und der Horror: <a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/edgar-allan-poe-der-dichter-und-der-horror/31760">JETZT ANHÖREN</a><br/>Bram Stoker - Der Erfinder des &quot;Dracula&quot;: <a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bram-stoker-der-erfinder-des-dracula-1/1856954">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p>Literaturtipps:<br/>Doyle, Arthur Conan: Sherlock Holmes. Sämtliche Werke in drei Bänden. Übersetzung aus dem Englischen: Marion Herbert, Heike Holtsch, Christel Körning, Felix Mayer. Anaconda Verlag. 2021<br/>Doyle, Arthur Conan: Professor Challenger. Gesamtausgabe: Die vergessene Welt, Im Giftstrom, Das Nebelland, Als die Erde schrie, Die Desintegrationsmaschine. Books on Demand 2018<br/>Doyle, Arthur Conan: A Desert Drama. Being the Tragedy of the Korosko. Independently published 2021<br/>Doyle, Arthur Conan: Erinnerungen und Abenteuer. Eine Autobiographie. Hg. von Olaf R. Spittel. Übersetzung aus dem Englischen: Mandana Bagheri, Maximilian Boßeler, Martin Fischer, Heike Holtsch, Britta Köhler, Kristina Mundt, Eva Scharenberg, Anja Schindler, Jennifer Thomas, Sara Walczyk, Constanze Wehnes und Fabienne Weuffen. In: Sir Arthur Conan Doyle. Ausgewählte Werke. Band 44. Verlag 28 Eichen. Barnstorf. 2017. (Erstveröffentlichung 1924.)<br/>Doyle, Arthur Conan: „Heute dreimal ins Polarmeer gefallen. Tagebuch einer arktischen Reise.“ Inklusive Auszug aus dem Faksimile mit Zeichnungen. Hg. von Jon Lellenberg und Daniel Stashower. Randomhouse. München. 2017<br/>Hg. von Jeffrey Meyers und Valerie Meyers: The Sir Arthur Conan Doyle Reader. From Sherlock Holmes to Spiritualism. Cooper Square Press. New York. 2002<br/>Fleischhack, Maria: Die Welt des Sherlock Holmes. Lambert Schneider. Darmstadt. 2015</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>

 
<p><br/><br/></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Von Bayern ins &quot;gelobte Land&quot; - Trainieren für &quot;Erez Israel&quot;</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/von-bayern-ins-gelobte-land-trainieren-fuer-erez-israel/2115313</link>
      <pubDate>Wed, 11 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d085f8e8-97e8-4604-8ed3-c4792cd06dd8</guid>
      <description>Etwa 200.000 Überlebende der Shoah lebten 1947 in der US-amerikanischen Besatzungszone in Süddeutschland. Noch vor der Gründung Israels machten sich tausende Jüdinnen und Juden unter hohem Risiko illegal auf den Weg nach Palästina.</description>
      <enclosure length="27132716" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115313/c/feed/von-bayern-ins-gelobte-land-trainieren-fuer-erez-israel.mp3"/>
      <itunes:duration>00:28:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Marsen Thies, Jim Tobias</itunes:author>
      <itunes:summary>Etwa 200.000 Überlebende der Shoah lebten 1947 in der US-amerikanischen Besatzungszone in Süddeutschland. Noch vor der Gründung Israels machten sich tausende Jüdinnen und Juden unter hohem Risiko illegal auf den Weg nach Palästina.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/12592f2d-0cd6-4b5d-aa0c-527e3e1a6f88.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Etwa 200.000 Überlebende der Shoah lebten 1947 in der US-amerikanischen Besatzungszone in Süddeutschland. Noch vor der Gründung Israels machten sich tausende Jüdinnen und Juden unter hohem Risiko illegal auf den Weg nach Palästina.</p><p>Credits:<br/>Autoren: Thies Marsen und Jim Tobias<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak und Thomas Morawetz<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Sprecher: Katja Amberger</p>
<p>Interviews mit:<br/>Angelika Königseder, Walter Frankenstein, Gad Willmann, Sarah Barmor, Choske Jardenaí, Otto Schwerdt, Jehuda Ben David</p>
<p>Archivmaterial:<br/>Boxmeisterschaften im Cirkus Krone – „<a href="https://youtu.be/CB41m6nmeRo?si=kV_9Sb0OZ_suwH0w">Film “Di Film Sekzje bajm Zentral </a><a href="https://youtu.be/CB41m6nmeRo?si=kV_9Sb0OZ_suwH0w">Komitet fun di bafrejtn Jidn in der amerikaner Zone in Dejtschland</a>“</p>
<p>Literatur:<br/>Benny Morris, 1948. Der erste arabisch-israelische Krieg, Leipzig 2023</p>
<p>Klaus Hillenbrand: Nicht mit uns. Das Leben von Leonie und Walter Frankenstein. Frankfurt am Main 2008.</p>
<p>Juliane Wetzel, Jüdisches Leben in München 1945–1951. Durchgangsstation oder Wiederaufbau?, München 1987.</p>
<p>Angelika Königseder/Juliane Wetzel, Lebensmut im Wartesaal. Die jüdischen DPs (Displaced Persons) im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt/Main 1994.</p>
<p>Michael Brenner, Nach dem Holocaust. Juden in Deutschland 1945–1950, München 1995.</p>
<p>Angelika Eder, Flüchtige Heimat. Jüdische Displaced Persons in Landsberg am Lech 1945–1950, München 1998.</p>
<p>Jim G. Tobias, „Sie sind Bürger Israels“. Die geheime Rekrutierung jüdischer Soldaten außerhalb von Palästina / Israel 1946 bis 1948, Nürnberg 2007.</p>
<p>Jim G. Tobias, Heimatlos. Displaced Children’s Camps in Bayerisch Gmain und Prien, Nürnberg 2021.</p>
<p>Jim G. Tobias, Neuanfang nach der Shoa auf Hitlers Flugplatz. Das jüdische DP-Camp Ainring (Obb.) 1945-47, Nürnberg 202</p>
<p>Tamar Lewinsky, Displaced Poets. Jiddische Schriftsteller im Nachkriegsdeutschland 1945–1951, Göttingen 2008.</p>
<p>Peter Fassl/Markwart Herzog/Jim G. Tobias (Hg.), Nach der Shoa. Jüdische Displaced Persons in Bayerisch Schwaben 1945–51, Konstanz 2012.</p>
<p>Marita Kraus/Erich Kasberger, Traum und Albtraum. Feldafing im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit, München 2024</p>
<p>Weiterführende Links: </p>
<p><a href="https://www.after-the-shoah.org/"><em>https://www.after-the-shoah.org</em></a><em> </em></p>
<p><a href="https://www.talmud-thora.de/"><em>https://www.talmud-thora.de</em></a></p>
<p><em>Kibbuzim am Ammersee. Eine vergessene bayerisch-israelische Geschichte: </em><a href="https://br.de/s/37bXVMu"><em>https://br.de/s/37bXVMu</em></a><em> und </em><a href="https://br.de/s/37sgSnB"><em>https://br.de/s/37sgSnB</em></a></p>
<p><em>Neubeginn im Land der Täter: 1946 strandeten jüdische Kinder in einem Waisenhaus in Franken </em><a href="https://br.de/s/6dNE4na"><em>https://br.de/s/6dNE4na</em></a></p>
<p><em>Jüdischer Neubeginn auf dem Nazi-Bauernhof - Wie der Streicherhof zum DP-Lager wurde </em><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:27f117162a126b36/"><em>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:27f117162a126b36/</em></a></p>
<p><em>Heimatlosen-Lager Föhrenwald in Bayern: Schauplatz einer Wiedergeburt jüdischen Lebens </em><a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/heimatlosen-lager-foehrenwald-in-bayern-schauplatz-einer-100.html"><em>https://www.deutschlandfunkkultur.de/heimatlosen-lager-foehrenwald-in-bayern-schauplatz-einer-100.html</em></a></p>
<p>Hör-Tipp:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:5d4ab8aa30ed11fa/">Die Staatsgründung Israels - Von der Idee zum Staat</a>: Der Weg von der Idee Theodor Herzls, in Palästina eine &quot;Heimstätte&quot; für das jüdische Volk zu schaffen bis zum Staat Israel war lang. Von Beginn an war er von Konflikten und Interessenskollisionen bestimmt.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bayern unterm Davidstern - Shoa Überlebende nach 1945</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bayern-unterm-davidstern-shoa-ueberlebende-nach-1945/2115295</link>
      <pubDate>Tue, 10 Feb 2026 09:15:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0a088a05-f465-45a7-8c37-808055a1beb7</guid>
      <description>Als die Alliierten im Frühjahr 1945 Deutschland besetzten, befreiten sie noch einige Zehntausend Jüdinnen und Juden aus den Lagern. Für sie errichtete die Militärregierung in der US-Besatzungszone eigene Lager, in denen sie Schutz und Versorgung fanden.</description>
      <enclosure length="27706412" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115295/c/feed/bayern-unterm-davidstern-shoa-ueberlebende-nach-1945.mp3"/>
      <itunes:duration>00:28:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Thies Marsen, Jim Tobias</itunes:author>
      <itunes:summary>Als die Alliierten im Frühjahr 1945 Deutschland besetzten, befreiten sie noch einige Zehntausend Jüdinnen und Juden aus den Lagern. Für sie errichtete die Militärregierung in der US-Besatzungszone eigene Lager, in denen sie Schutz und Versorgung fanden.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cb824ec0-ce99-4f65-86e2-b907fe55f8a5.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als die Alliierten im Frühjahr 1945 Deutschland besetzten, befreiten sie noch einige Zehntausend Jüdinnen und Juden aus den Lagern. Für sie errichtete die Militärregierung in der US-Besatzungszone eigene Lager, in denen sie Schutz und Versorgung fanden.</p><p>Credits:<br/>Autoren: Thies Marsen und Jim Tobias<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak und Thomas Morawetz<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Sprecher: Katja Amberger, Lissy Forster, Thomas Birnstiel</p>
<p>Interviews mit:<br/>Angelika Königseder, Juliane Wetzel, Abba Naor, Irving Heymont, Shai<br/>Lachmann, Ibi Ginsburg, Waldemar Ginsburg, Manfred Deiler, Asher Bar Nir,<br/>Abraham Mathias, Esther Barkai, Jacob Hennenberg, Chaim Shapiro</p>
<p>Archivmaterial:<br/>Proklamation des Staates Israel<br/>Zalman Grinberg auf 1. Konferenz der befreiten Juden in München 27.1.1946<br/>David Ben Gurion auf 1.Konferenz der befreiten Juden in München 27.1.1946</p>
<p>Literatur: <em><br/></em>Juliane Wetzel, Jüdisches Leben in München 1945–1951 Durchgangsstation oder Wiederaufbau?, München 1987<br/>Angelika Königseder/Juliane Wetzel, Lebensmut im Wartesaal. Die jüdischen DPs (Displaced Persons) im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt/Main 1994<br/>Irving Heymont, Among the Survivors of the Holocaust - 1945. The Landsberg DP Camp Letters of Major Irving Heymont, United States Army (Monographs of the American Jewish Archives 10), Cincinatti 1982<br/>Michael Brenner, Nach dem Holocaust. Juden in Deutschland 1945–1950, München 1995<br/>Angelika Eder, Flüchtige Heimat. Jüdische Displaced Persons in Landsberg am Lech 1945–1950, München 1998<br/>Jim G. Tobias/Nicola Schlichting, Heimat auf Zeit. Jüdische Kinder in Rosenheim 1946–47, Nürnberg 2006<br/>Jim G. Tobias, „Sie sind Bürger Israels“. Die geheime Rekrutierung jüdischer Soldaten außerhalb von Palästina / Israel 1946 bis 1948, Nürnberg 2007<br/>Tamar Lewinsky, Displaced Poets. Jiddische Schriftsteller im Nachkriegsdeutschland 1945–1951, Göttingen 2008<br/>Peter Fassl/Markwart Herzog/Jim G. Tobias (Hg.), Nach der Shoa. Jüdische Displaced Persons in Bayerisch Schwaben 1945–51, Konstanz 2012<br/>Jim G. Tobias/Nicole Grom, Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration. Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946–50, Nürnberg 2016<br/>Jim G. Tobias, Heimatlos. Displaced Children’s Camps in Bayerisch Gmain und Prien, Nürnberg 2021<br/>Jim G. Tobias, Neuanfang nach der Shoa auf Hitlers Flugplatz. Das jüdische DP-Camp Ainring (Obb.) 1945-47, Nürnberg 2024</p>
<p>Weiterführende Links:<br/><a href="https://www.after-the-shoah.org"><em><u>https://www.after-the-shoah.org</u></em></a><br/><a href="https://www.talmud-thora.de/"><em><u>https://www.talmud-thora.de</u></em></a><br/><em>Kibbuzim am Ammersee. Eine vergessene bayerisch-israelische Geschichte: </em><a href="https://br.de/s/37bXVMu"><em><u>https://br.de/s/37bXVMu</u></em></a><em> und </em><a href="https://br.de/s/37sgSnB"><em><u>https://br.de/s/37sgSnB</u></em></a><br/><em>Neubeginn im Land der Täter: 1946 strandeten jüdische Kinder in einem Waisenhaus in Franken </em><a href="https://br.de/s/6dNE4na"><em><u>https://br.de/s/6dNE4na</u></em></a><br/><em>Jüdischer Neubeginn auf dem Nazi-Bauernhof - Wie der Streicherhof zum DP-Lager wurde: </em><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:27f117162a126b36/"><em><u>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:27f117162a126b36/</u></em></a><br/><em>Heimatlosen-Lager Föhrenwald in Bayern: Schauplatz einer Wiedergeburt jüdischen Lebens </em><a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/heimatlosen-lager-foehrenwald-in-bayern-schauplatz-einer-100.html"><em><u>https://www.deutschlandfunkkultur.de/heimatlosen-lager-foehrenwald-in-bayern-schauplatz-einer-100.html</u></em></a></p>
<p>Hör-Tipp:<br/>Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland schätzungsweise zehn bis zwölf Millionen entwurzelter Menschen, meist Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Um ihnen zu helfen, wurde die UNRRA gegründet: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:cee712d66b9e6745/">Die UNRRA - Hilfe für Entwurzelte</a>.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Krähe – Galgenvogel, Nesträuber, Intelligenzbestie</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-kraehe-galgenvogel-nestraeuber-intelligenzbestie/2101794</link>
      <pubDate>Tue, 10 Feb 2026 02:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">513e6cb9-97e5-434c-ae8f-5763c78ab2c8</guid>
      <description>Krähen sind vielen Menschen unheimlich. Allerdings gehören Rabenvögel zu den klügsten Tieren, die wir kennen. Sie können strategisch denken, kooperieren und haben ein Gedächtnis, wie wir es sonst eher Elefanten zuschreiben.  Von Christian Schuler</description>
      <enclosure length="22057344" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101794/c/feed/die-kraehe-galgenvogel-nestraeuber-intelligenzbestie.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Christian Schuler</itunes:author>
      <itunes:summary>Krähen sind vielen Menschen unheimlich. Allerdings gehören Rabenvögel zu den klügsten Tieren, die wir kennen. Sie können strategisch denken, kooperieren und haben ein Gedächtnis, wie wir es sonst eher Elefanten zuschreiben.  Von Christian Schuler</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/dcb9f120-1262-4685-8dfc-ca7b813de58b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Krähen sind vielen Menschen unheimlich. Allerdings gehören Rabenvögel zu den klügsten Tieren, die wir kennen. Sie können strategisch denken, kooperieren und haben ein Gedächtnis, wie wir es sonst eher Elefanten zuschreiben.  Von Christian Schuler</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Christian Schuler<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Thomas Birnstiel, Friedrich Schloffer<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Cord Riechelmann, Biologe und Autor</p>
<p><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Die Amsel - Vom Zugvogel zum Dauergast: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-amsel-vom-zugvogel-zum-dauergast/bayern-2/12427425/">JETZT ENTDECKEN</a><br/></strong><strong>Vom Bettelruf zur Bravour-Arie - Warum Vögel singen: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vom-bettelruf-zur-bravour-arie-warum-voegel-singen/bayern-2/92081156/">JETZT ENTDECKEN</a><br/></strong><strong>Der Mauersegler - Der Vogel, der im Flug schläft: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-mauersegler-der-vogel-der-im-flug-schlaeft/bayern-2/78757314/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Cord Riechelmann. Krähen. Ein Porträt. Reihe: Naturkunden, hg. von Judith Schalansky, Berlin (Matthes &amp; Seitz) 2021 (8. Auflage)<br/>Josef H. Reichholf: Rabenschwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können. München (Langen Müller) 2022<br/>Wolfgang Epple: Rabenvögel, Karlsruhe (G. Braun Verlag) 1997. </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Erfindungsreichtum in der Not - Reparieren statt wegwerfen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/erfindungsreichtum-in-der-not-reparieren-statt-wegwerfen/2115255</link>
      <pubDate>Mon, 09 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ecfef3e9-a458-4334-8e5b-d39bb6625837</guid>
      <description>&quot;Schuhbesohlung mit dem Schraubenzieher&quot; oder &quot;Sparen bei Schnürsenkeln&quot; - Tipps der Nachkriegszeit. Welchen Wert hatten Reparatur, Erfindungsreichtum und die Idee der Nachhaltigkeit damals im Vergleich zu unserer modernen, saturierten Gesellschaft?</description>
      <enclosure length="22764716" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115255/c/feed/erfindungsreichtum-in-der-not-reparieren-statt-wegwerfen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Florian Kummert</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Schuhbesohlung mit dem Schraubenzieher&quot; oder &quot;Sparen bei Schnürsenkeln&quot; - Tipps der Nachkriegszeit. Welchen Wert hatten Reparatur, Erfindungsreichtum und die Idee der Nachhaltigkeit damals im Vergleich zu unserer modernen, saturierten Gesellschaft?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fb0087fe-b03c-4efb-a6dc-b233c072cb6b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Schuhbesohlung mit dem Schraubenzieher" oder "Sparen bei Schnürsenkeln" - Tipps der Nachkriegszeit. Welchen Wert hatten Reparatur, Erfindungsreichtum und die Idee der Nachhaltigkeit damals im Vergleich zu unserer modernen, saturierten Gesellschaft?</p><p>Credits:<br/>Autor: Florian Kummert<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Regina Staerke<br/>Erzähler: Thomas Birnstiel, Katja Amberger</p>

<p>Podcast-Tipp:<br/>Was ist da manchmal los in unserem Kopf? Verhaltenstherapeutin Maren Wiechers und Host Verena &quot;Fiebi&quot; Fiebiger gehen dieser Frage jede Woche auf den Grund. Mit Empathie und Sachverstand sprechen sie über die großen und kleinen Themen der Psychologie, die uns umtreiben: Was macht der Alltagsstress in der Rushhour des Lebens mit uns? Wie ist das mit unserer Persönlichkeit: Bleiben wir ein Leben lang gleich?<br/><a href="https://1.ard.de/die-loesung?q1=radiowissen">https://1.ard.de/die-loesung?q1=radiowissen</a></p>

<p>Hör-Tipp:<br/>Kristall, Monokel, Gleitsicht – Die Geschichte der Brille: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:406f31fde91f77bc/">ardaudiothek.de</a></p>
<p>Weiterführende Links:<br/>Website von Wolfgang Heckl: <a href="https://wolfgang-heckl.de/">wolfgang-heckl.de</a><br/><a href="https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3860-8/kulturen-des-reparierens/">Website </a>zum Buch „Kulturen des Reparierens“, hrsg. von Heike Weber u.a.<br/>iFixit: <a href="https://de.ifixit.com/">https://de.ifixit.com/</a><br/>Repair Cafés – Übersichts-Seite: <a href="https://www.repaircafe.org/de/">repaircafe.org</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
<p>Podcast-Tipp: <br/>Was ist da manchmal los in unserem Kopf? Verhaltenstherapeutin Maren Wiechers und Host Verena &quot;Fiebi&quot; Fiebiger gehen dieser Frage jede Woche auf den Grund. Mit Empathie und Sachverstand sprechen sie über die großen und kleinen Themen der Psychologie, die uns umtreiben: <a href="https://1.ard.de/die-loesung?q1=radiowissen">Die Lösung - der Psychologie-Podcast</a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der vergessene Krieg? - Polen und die Sowjetunion 1919 - 1921</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-vergessene-krieg-polen-und-die-sowjetunion-1919-1921/2115172</link>
      <pubDate>Fri, 06 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">192b7fd1-b2ad-46f9-866e-38a9d7daa55d</guid>
      <description>Für Deutschland ging der Erste Weltkrieg im November 1918 zu Ende, doch in Osteuropa dauerte er an: Im polnisch-sowjetischen Krieg von 1919-21 kämpfte das neu erstandene Polen um seine nationale Souveränität und die Etablierung seiner östlichen Grenzen.</description>
      <enclosure length="22699052" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115172/c/feed/der-vergessene-krieg-polen-und-die-sowjetunion-1919-1921.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:38</itunes:duration>
      <itunes:author>Jochen Rack</itunes:author>
      <itunes:summary>Für Deutschland ging der Erste Weltkrieg im November 1918 zu Ende, doch in Osteuropa dauerte er an: Im polnisch-sowjetischen Krieg von 1919-21 kämpfte das neu erstandene Polen um seine nationale Souveränität und die Etablierung seiner östlichen Grenzen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8d57df05-6b5a-43e3-a61a-4cf207fcffd1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Für Deutschland ging der Erste Weltkrieg im November 1918 zu Ende, doch in Osteuropa dauerte er an: Im polnisch-sowjetischen Krieg von 1919-21 kämpfte das neu erstandene Polen um seine nationale Souveränität und die Etablierung seiner östlichen Grenzen.</p><p>Credits:<br/>Autor: Jochen Rack<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Technik: Stefan Oberle<br/>Sprecherin: Susanne Schroeder</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, Lehrstuhl für Geschichte Ost- und Südosteuropas, LMU München<br/>Prof. Dr. phil. Stephan Lehnstaedt, Professor for Holocaust Studies and Jewish Studies, Touro University Berlin</p>
<p>Literatur-Tipp:<strong><br/></strong>Stephan Lehnstaedt, Der vergessene Sieg. Der Polnisch-Sowjetische Krieg 1919-20 und die Entstehung des modernen Osteuropa. München 2019</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Interozeption - Signale aus dem Körperinneren</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/interozeption-signale-aus-dem-koerperinneren/2101714</link>
      <pubDate>Thu, 05 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d7424248-b096-4e7d-8435-250b3dbf6064</guid>
      <description>Wenn wir Angst haben, schlägt unser Herz schneller, oder haben wir Angst, weil unser Herz schneller schlägt? Es ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Einige Forschende sprechen von einer Art &quot;innerem Sinn&quot;, mit dem wir Prozesse im Körper wahrnehmen.</description>
      <enclosure length="21850752" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101714/c/feed/interozeption-signale-aus-dem-koerperinneren.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Wenn wir Angst haben, schlägt unser Herz schneller, oder haben wir Angst, weil unser Herz schneller schlägt? Es ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Einige Forschende sprechen von einer Art &quot;innerem Sinn&quot;, mit dem wir Prozesse im Körper wahrnehmen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/41970aee-4f25-4acc-9fdb-82bdbed6910d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir Angst haben, schlägt unser Herz schneller, oder haben wir Angst, weil unser Herz schneller schlägt? Es ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Einige Forschende sprechen von einer Art "innerem Sinn", mit dem wir Prozesse im Körper wahrnehmen.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/>Regie:  Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Friedrich Schloffer<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Thomas Forkmann, Professor an der Universität Duisburg-Essen<br/>Beate Herbert, Professorin an der Hochschule Fresenius München <br/>Christian Roggenhofer, Psychologe und Psychotherapeut in Pforzheim<br/>Wolfgang Tschacher, emer. Professor an der Universität Bern</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
 
<strong>Der innere Kritiker - Wie man ihn verstehen und besänftigen kann: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-innere-kritiker-wie-man-ihn-verstehen-und-besaenftigen-kann/bayern-2/13601999/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Vertrauen - Wie wir es entwickeln und gewinnen: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vertrauen-wie-wir-es-entwickeln-und-gewinnen/bayern-2/85570876/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Unter Hochstaplern - Das Impostor-Syndrom: </strong><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/unter-hochstaplern-das-impostor-syndrom/bayern-2/13860769/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast: </strong>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Droge Sport - Sucht mit Entzugserscheinungen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/droge-sport-sucht-mit-entzugserscheinungen/1829023</link>
      <pubDate>Thu, 05 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">aa7a829c-a765-4ba9-89b5-7e756e55c53c</guid>
      <description>Joggen, Rad fahren, Gewichte stemmen - Bewegung und Körpertraining versprechen Fitness und Schönheit. Sport ist gesund, aber nicht immer, denn Sport kann süchtig machen. Und das ist alles andere als gesund. Denn es drohen ernsthafte Entzugserscheinungen.</description>
      <enclosure length="21496320" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1829023/c/feed/droge-sport-sucht-mit-entzugserscheinungen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Joggen, Rad fahren, Gewichte stemmen - Bewegung und Körpertraining versprechen Fitness und Schönheit. Sport ist gesund, aber nicht immer, denn Sport kann süchtig machen. Und das ist alles andere als gesund. Denn es drohen ernsthafte Entzugserscheinungen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/44be0d44-cc5e-4aa1-9b13-36efb6195cea.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Joggen, Rad fahren, Gewichte stemmen - Bewegung und Körpertraining versprechen Fitness und Schönheit. Sport ist gesund, aber nicht immer, denn Sport kann süchtig machen. Und das ist alles andere als gesund. Denn es drohen ernsthafte Entzugserscheinungen.</p><p><strong>Credits:</strong><br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.Autorin dieser Folge: Daniela Remus</p>
<p>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Julia Fischer, Gudrun Skupin, Frank Manhold<br/>Technik: Christiane Schmidbauer-Huber<br/>Redaktion: Matthias Eggert, Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Interviewpartner/-innen:<br/></strong>Robert Gugutzer (Professor; Sportsoziologe, Universität Frankfurt/Main)<br/>Jens Kleinert (Professor; Sportpsychologe, Deutsche Sporthochschule Köln)<br/>Rüdiger Reer (Professor; Sportmediziner, Universität Hamburg)<br/>Heiko Ziemainz (PD Dr.; Sportwissenschaftler, Universität Erlangen-Nürnberg)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Warum treiben Menschen Sport? - Eine Erfolgsgeschichte: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/warum-treiben-menschen-sport-eine-erfolgsgeschichte/bayern-2/78750878/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Glückshormone - Komplexe Botenstoffe mit viel Wirkung: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/glueckshormone-komplexe-botenstoffe-mit-viel-wirkung/bayern-2/93331086/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Sportpsychologie - Was bringt mentales Training: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/sportpsychologie-was-bringt-mentales-training/bayern-2/78757234/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Seilbahnen - Am Drahtseil auf Gipfel und durch Städte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/seilbahnen-am-drahtseil-auf-gipfel-und-durch-staedte-2/2115096</link>
      <pubDate>Wed, 04 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f398f370-e8b7-4249-becc-f7628acc5199</guid>
      <description>Die Idee, Lasten oder Personen an einem Seil in luftiger Höhe zu befördern, ist schon Jahrhunderte alt. Dank moderner Technik wurden Seilbahnen zu einem zuverlässigen Transportmittel und befördern heute Millionen Menschen auf Berggipfel und durch Städte.</description>
      <enclosure length="21641900" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115096/c/feed/seilbahnen-am-drahtseil-auf-gipfel-und-durch-staedte-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:32</itunes:duration>
      <itunes:author>David Globig</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Idee, Lasten oder Personen an einem Seil in luftiger Höhe zu befördern, ist schon Jahrhunderte alt. Dank moderner Technik wurden Seilbahnen zu einem zuverlässigen Transportmittel und befördern heute Millionen Menschen auf Berggipfel und durch Städte.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/08d113a8-70ff-46d8-98d2-89933a96ceac.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Idee, Lasten oder Personen an einem Seil in luftiger Höhe zu befördern, ist schon Jahrhunderte alt. Dank moderner Technik wurden Seilbahnen zu einem zuverlässigen Transportmittel und befördern heute Millionen Menschen auf Berggipfel und durch Städte.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: David Globig<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Es sprach: Andreas Neumann<br/>Technik: Ruth-Maria Ostermann<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Julia Schneeweiß (ehemals Schwärzler), Unternehmenssprecherin, Doppelmayr Seilbahnen GmbH<br/>Dr. Georg Schober, Leiter der Prüfstelle / Benannten Stelle für Seilbahnen, TÜV SÜD<br/>Prof. Klaus Bogenberger, Lehrstuhl für Verkehrstechnik, Technische Universität München</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schnarchen - Von Lärm, Luftmangel und Lösungen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schnarchen-von-laerm-luftmangel-und-loesungen-1/2115107</link>
      <pubDate>Wed, 04 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6c9c2030-4925-4117-8d9e-a546bb14c063</guid>
      <description>Die meisten Schnarcher wissen gar nicht, welchen Lärm sie verursachen. Häufig stört der Lärm vor allem den Bettnachbarn. Doch Schnarchen kann auch zu Atemaussetzern führen. Wegen des Sauerstoffmangels können die Folgen für die Gesundheit fatal sein.</description>
      <enclosure length="20768684" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115107/c/feed/schnarchen-von-laerm-luftmangel-und-loesungen-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:38</itunes:duration>
      <itunes:author>Anne Kleinknecht</itunes:author>
      <itunes:summary>Die meisten Schnarcher wissen gar nicht, welchen Lärm sie verursachen. Häufig stört der Lärm vor allem den Bettnachbarn. Doch Schnarchen kann auch zu Atemaussetzern führen. Wegen des Sauerstoffmangels können die Folgen für die Gesundheit fatal sein.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/417ce4c5-aa8a-4e62-a480-b07f2e8fc610.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Schnarcher wissen gar nicht, welchen Lärm sie verursachen. Häufig stört der Lärm vor allem den Bettnachbarn. Doch Schnarchen kann auch zu Atemaussetzern führen. Wegen des Sauerstoffmangels können die Folgen für die Gesundheit fatal sein.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Anne Kleinknecht<br/>Redaktion: Matthias Eggert<br/>Regie:  Christiane Klenz<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Sprecherin: Caroline Ebner</p>
<p>Interviews mit:<br/>Dr. Karl Haushofer, Zahnarzt mit Schwerpunkt zahnärztliche Schlafmedizin, München<br/>Ruth Schuster, Selbsthilfegruppe Schlafapnoe München<br/>Dr. Josef Wirth, Internist, Betreiber des Schnarch-Museums in Alfeld-Langenholzen (Landkreis Hildesheim in Niedersachsen)<br/>Stefan Bidinger, Zahntechniker, spezialisiert auf Gaumenspangen, Vaterstetten (Landkreis Ebersberg)<br/>Brigitta Rauscher, Apnoe-Patientin<br/>Anonymer Patient mit Schnarchschiene<br/>Prof. Clemens Heiser, Oberarzt an der HNO-Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors HNO, München<br/>Prof. Ingo Fietze, Oberarzt für Innere Medizin und als Schlafmediziner und Schlafforscher Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kaiser Marc Aurel - Der gelassene Eroberer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kaiser-marc-aurel-der-gelassene-eroberer/2115063</link>
      <pubDate>Tue, 03 Feb 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f2222139-481a-4d1c-8308-f87a7d706181</guid>
      <description>Mehr als 1800 Jahre nach seinem Tod zieht der römische Kaiser Marc Aurel die Menschen immer noch in seinen Bann. Seine &quot;Selbstbetrachtungen&quot; sind immer noch ein Bestseller, obwohl seine Politik keineswegs immer heutigen Wertvorstellungen entsprechen.</description>
      <enclosure length="22234028" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2115063/c/feed/kaiser-marc-aurel-der-gelassene-eroberer.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:09</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Mehr als 1800 Jahre nach seinem Tod zieht der römische Kaiser Marc Aurel die Menschen immer noch in seinen Bann. Seine &quot;Selbstbetrachtungen&quot; sind immer noch ein Bestseller, obwohl seine Politik keineswegs immer heutigen Wertvorstellungen entsprechen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a0dd7d79-0750-4157-960b-d32f44edab3c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mehr als 1800 Jahre nach seinem Tod zieht der römische Kaiser Marc Aurel die Menschen immer noch in seinen Bann. Seine "Selbstbetrachtungen" sind immer noch ein Bestseller, obwohl seine Politik keineswegs immer heutigen Wertvorstellungen entsprechen.</p><p>Credits:<br/>Autor: Thomas Grasberger<br/>Redaktion:    Thomas Morawetz<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Sprecher: Christian Baumann, Katja Amberger </p>
<p>Interviews mit: <br/>Dr. Marcus Reuter, Provinzialrömischer Archäologe und Leiter des Rheinischen Landesmuseums Trier<br/>Dr. Viola Skiba, Direktorin Stadtmuseum Simeonstift Trier<br/>Dr. Benedikt Dorbath, Gymnasiallehrer aus Ansbach<br/>Christopher, Gymnasiast aus Ansbach</p>
<p>Podcast-Tipp:<br/>Die Badekultur war ein allgegenwärtiger Bestandteil römischen Lebens, in Rom selbst wie an den unwirtlichen Außengrenzen des Reichs. Der Aufwand, der dafür betrieben wurde, war gewaltig: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:0ae256c906458df3/">WELTMACHT ROM - Badekultur und Herrschaft</a>.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frösche und Frankenstein - Die Geschichte der Galvanotechnik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/froesche-und-frankenstein-die-geschichte-der-galvanotechnik/2095355</link>
      <pubDate>Mon, 02 Feb 2026 03:10:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">80b0ae4a-b609-4dc4-9e30-d4021ff7753b</guid>
      <description>Was hat die Energiewende mit zuckenden Froschschenkeln zu tun? Und warum sind glänzende Schrauben und Duschköpfe etwas ganz Besonderes? Die Technik, die heute verzinkte Schrauben und verchromte Duschköpfe ermöglicht, nimmt ihren Anfang vor 250 Jahren.</description>
      <enclosure length="18579456" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095355/c/feed/froesche-und-frankenstein-die-geschichte-der-galvanotechnik.mp3"/>
      <itunes:duration>00:19:21</itunes:duration>
      <itunes:author>Aeneas Rooch</itunes:author>
      <itunes:summary>Was hat die Energiewende mit zuckenden Froschschenkeln zu tun? Und warum sind glänzende Schrauben und Duschköpfe etwas ganz Besonderes? Die Technik, die heute verzinkte Schrauben und verchromte Duschköpfe ermöglicht, nimmt ihren Anfang vor 250 Jahren.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f8732efc-d991-4d8e-82a1-797b5c326179.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was hat die Energiewende mit zuckenden Froschschenkeln zu tun? Und warum sind glänzende Schrauben und Duschköpfe etwas ganz Besonderes? Die Technik, die heute verzinkte Schrauben und verchromte Duschköpfe ermöglicht, nimmt ihren Anfang vor 250 Jahren.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Aeneas Rooch<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle, Stefan Wilkening, Katja Schild<br/>Technik: Lorenz Kersten<br/>Redaktion: Nicole Ruchlack</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Heinz Schott<br/>Katja Feige, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA<br/>Prof. Friedrich Steinle, TU Berlin<br/>Dr. Marcel Risch, Helmholtz-Zentrum Berlin</p>

<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks: <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>AD(H)S bei Frauen – Unerkannt, weil unbekannt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ad-h-s-bei-frauen-unerkannt-weil-unbekannt/2102736</link>
      <pubDate>Mon, 02 Feb 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b7dd750f-2640-4cfc-8186-2981b1197794</guid>
      <description>Gefühlt haben immer mehr erwachsene Menschen ADS oder ADHS. Dabei werden Frauen allerdings häufig übersehen, seltener und meist später diagnostiziert als Männer. Und bei Frauen wird  AD(H)S auch gern mit Depressionen verwechselt.</description>
      <enclosure length="20347776" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2102736/c/feed/ad-h-s-bei-frauen-unerkannt-weil-unbekannt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Victoria Marciniak</itunes:author>
      <itunes:summary>Gefühlt haben immer mehr erwachsene Menschen ADS oder ADHS. Dabei werden Frauen allerdings häufig übersehen, seltener und meist später diagnostiziert als Männer. Und bei Frauen wird  AD(H)S auch gern mit Depressionen verwechselt.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5c5c5322-b98f-4f79-8850-b8f5dad46fce.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gefühlt haben immer mehr erwachsene Menschen ADS oder ADHS. Dabei werden Frauen allerdings häufig übersehen, seltener und meist später diagnostiziert als Männer. Und bei Frauen wird  AD(H)S auch gern mit Depressionen verwechselt.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Victoria Marciniak<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprach: Victoria Marciniak<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz, Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie<br/>Lisa Tihanyi, Selbstständige mit AD(H)S<br/>Nina Haffer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Berliner Institut für Gesundheitsforschung in der Charité</p>
<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>
 
<strong>ARD alpha: ADHS bei Erwachsenen - Warum die Diagnose häufiger wird: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardalpha.de/wissen/psychologie/adhs-erwachsene-test-diagnostik-symptome-tipps-100.html">JETZT ENTDECKEN</a></strong>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast: </strong>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Pinguine - Die sympathischen Watschler im Frack</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pinguine-die-sympathischen-watschler-im-frack/2114928</link>
      <pubDate>Fri, 30 Jan 2026 03:02:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cdecdc13-73d9-4c5b-91c7-769b08dc0910</guid>
      <description>Minus 40 Grad sind für sie kein Problem, genauso wenig wie tropisches Klima: Pinguine sind Überlebenskünstler. Und eine der wenigen Tierarten, die auf zwei Beinen gehen - was sie bei uns Menschen überaus beliebt macht.</description>
      <enclosure length="19627052" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114928/c/feed/pinguine-die-sympathischen-watschler-im-frack.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Laura Eßlinger</itunes:author>
      <itunes:summary>Minus 40 Grad sind für sie kein Problem, genauso wenig wie tropisches Klima: Pinguine sind Überlebenskünstler. Und eine der wenigen Tierarten, die auf zwei Beinen gehen - was sie bei uns Menschen überaus beliebt macht.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6d32b38e-8b84-4811-b960-fdcf0bbb92d1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Minus 40 Grad sind für sie kein Problem, genauso wenig wie tropisches Klima: Pinguine sind Überlebenskünstler. Und eine der wenigen Tierarten, die auf zwei Beinen gehen - was sie bei uns Menschen überaus beliebt macht.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Laura Eßlinger<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Regina Staerke<br/>Sprecher: Ruth Geiersberger, Johannes Hitzlberger, Christian Schuler       </p>
<p>Interviews mit:<br/>Peter Vollbracht (Tierpfleger, Allwetterzoo Münster)<br/>Dr. Sylke Frahnert (Ornithologin &amp; Leiterin Ornithologische Sammlung, Naturkundemuseum Berlin)<br/>Helen Rößler (Biologin, Mitarbeiterin Forschungsprojekt „Hearing in Penguins“, Ozeaneum Stralsund)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Salsa - Wie für Latinos ein Tanz zur Heimat wurde</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/salsa-wie-fuer-latinos-ein-tanz-zur-heimat-wurde/2114934</link>
      <pubDate>Fri, 30 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">128884e2-7e0f-45b5-b58e-ed57ed2f30b9</guid>
      <description>Ob in den Hinterhöfen kubanischer Abbruchhäuser oder im Münchner Hofgarten: Salsa ist der Tanz der Lebensfreude. Afrokubanischen Ursprungs, haben ihn lateinamerikanische Einwanderer im New York der 1970er zum globalen Phänomen gemacht.</description>
      <enclosure length="21399980" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114934/c/feed/salsa-wie-fuer-latinos-ein-tanz-zur-heimat-wurde.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:17</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Ob in den Hinterhöfen kubanischer Abbruchhäuser oder im Münchner Hofgarten: Salsa ist der Tanz der Lebensfreude. Afrokubanischen Ursprungs, haben ihn lateinamerikanische Einwanderer im New York der 1970er zum globalen Phänomen gemacht.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/174b3558-6407-4be0-b33d-3d4ca9d0a7aa.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ob in den Hinterhöfen kubanischer Abbruchhäuser oder im Münchner Hofgarten: Salsa ist der Tanz der Lebensfreude. Afrokubanischen Ursprungs, haben ihn lateinamerikanische Einwanderer im New York der 1970er zum globalen Phänomen gemacht.</p><p>Credits:<br/>Autor: Lukas Grasberger<br/>Redaktion: Katharina Hübel<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Sprecher: Katja Bürkle, Christian Baumann, Patrick Zeilhofer, Carsten Fabian</p>
<p>Interviews mit:<br/>Armando Cervantes, Salsa-Tanzlehrer und Autor „La salsa como fenómeno social de identidad cultural“, Puebla<br/><a href="https://css.loyno.edu/academics/faculty-and-staff-directory/leopoldo-tablante">Leopoldo Tablante, Forscher am College of Arts &amp; Sciences der Loyola University-<em>New Orleans</em></a><a href="https://css.loyno.edu/academics/faculty-and-staff-directory/leopoldo-tablante"> und Autor</a>: „El dólar de la salsa. Del barrio latino a la industria multinacional de fonogramas.“<br/><a href="https://www.musikundmedien.hu-berlin.de/de/musikwissenschaft/pop/mitarbeiter/sydney-hutchinson">Sydney Hutchinson,<strong> </strong>Wissenschaftlerin am<strong> </strong>Staatliche Institut für Musikforschung</a> – Preußischer Kulturbesitz Berlin, Salsa-Musikerin und -Tänzerin<br/>Miriam, deutsche Salsa-Tänzerin in Las Palmas de Gran Canaria </p>
<p>Podcast-Tipps:<br/>Eine Teenagerparty von Kool DJ Herc, jamaicanischer Auswanderer in New York, war der Ort, an dem Hip-Hop geboren wurde in den 1970er Jahren. Dort, in der Bronx, trafen sich die ersten DJs, Rapper, Breaker und Sprayer. Wie wurde Hip-Hop von der Untergrundkultur zum globalen Business? <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:521c759dcbd5ce73/">Hip-Hop – Straßenkultur aus der Bronx</a></p>
<p>Es ist ein Tanz, der lässige Lebensfreude versprüht. Entstanden aus improvisierter Musik und Bewegung schwarzer Sklaven, transportiert er bis heute auch Werte der afroamerikanischen Emanzipation wie Freiheit, Minderheitenrechte oder die Gleichheit der Geschlechter. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:09d3b72e52e87c28/"><strong>Lindy Hop. Der gleichberechtigte Swing-Tanz</strong></a></p>
<p>Tanz ist eine Rundumversorgung für Körper, Psyche und Geist. Neben dem Nutzen für das körperliche Wohl, kann er vor allem seelische Wunden lindern und neurologische Kompetenzen fördern. Daher wird er auch in der Therapie eingesetzt. Trotz seiner positiven Effekte wird Tanz in der westlichen Kultur zu wenig geachtet.<strong> </strong><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/eine-heilsame-kunst-was-tanz-mit-uns-macht/2056720">Eine heilsame Kunst. Was Tanz mit uns macht</a></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong><strong>Leopoldo Tablante: </strong>El dólar de la salsa. Del barrio latino a la industria global de fonogramas, 1971-1999, Iberoamericana, Madrid, 2014<br/><strong>Armando Cervantes:</strong> La salsa como fenómeno social de identidad cultural,  Tesis profesional, Puebla, 2004: <a href="https://catarina.udlap.mx/u_dl_a/tales/documentos/lco/cervantes_m_a/">https://catarina.udlap.mx/u_dl_a/tales/documentos/lco/cervantes_m_a/</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Philippe Pinel - Menschlichkeit und Psychiatrie</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/philippe-pinel-menschlichkeit-und-psychiatrie-1/2114933</link>
      <pubDate>Fri, 30 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e46a1843-d500-4138-9289-c6f212e3e331</guid>
      <description>Der Franzose Philippe Pinel galt lange Zeit als &quot;Vater der Psychiatrie&quot; - weil er 1793, in den Wirren der französischen Revolution, die seinerzeit sogenannten &quot;Irren&quot; von den Ketten befreite.</description>
      <enclosure length="21350828" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114933/c/feed/philippe-pinel-menschlichkeit-und-psychiatrie-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:14</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Trauner</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Franzose Philippe Pinel galt lange Zeit als &quot;Vater der Psychiatrie&quot; - weil er 1793, in den Wirren der französischen Revolution, die seinerzeit sogenannten &quot;Irren&quot; von den Ketten befreite.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1a13d974-2925-4537-a53b-f2a994823d78.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Franzose Philippe Pinel galt lange Zeit als "Vater der Psychiatrie" - weil er 1793, in den Wirren der französischen Revolution, die seinerzeit sogenannten "Irren" von den Ketten befreite.</p><p>Credits:<br/>Autor: Martin Trauner<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Technik: Ursula Kirstein<br/>Sprecher: Julia Fischer, Stefan Merki</p>
<p>Interview mit:<br/>Maike Rotzoll, Professorin für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Pablo Picasso - Der Künstler, der sich ständig neu erfand</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pablo-picasso-der-kuenstler-der-sich-staendig-neu-erfand/1968418</link>
      <pubDate>Thu, 29 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">73abac95-ade4-4d12-ace8-808deb4c222e</guid>
      <description>Rastlos war er bis ins hohe Alter. Maler, Bildhauer, Zeichner, Lithograph, Keramiker. Pablo Picasso hat neue Stile wie den Kubismus mit entwickelt. Seine spanische Heimat liebte er, doch das Spanien Francos hasste er abgrundtief.</description>
      <enclosure length="24276480" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1968418/c/feed/pablo-picasso-der-kuenstler-der-sich-staendig-neu-erfand.mp3"/>
      <itunes:duration>00:25:17</itunes:duration>
      <itunes:author>Gabriele Knetsch</itunes:author>
      <itunes:summary>Rastlos war er bis ins hohe Alter. Maler, Bildhauer, Zeichner, Lithograph, Keramiker. Pablo Picasso hat neue Stile wie den Kubismus mit entwickelt. Seine spanische Heimat liebte er, doch das Spanien Francos hasste er abgrundtief.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8f67e1e3-f5e5-4cff-b376-0a62a4c24d25.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Rastlos war er bis ins hohe Alter. Maler, Bildhauer, Zeichner, Lithograph, Keramiker. Pablo Picasso hat neue Stile wie den Kubismus mit entwickelt. Seine spanische Heimat liebte er, doch das Spanien Francos hasste er abgrundtief.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Gabriele Knetsch<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Anna Greiter, Peter Veit, Carsten Fabian<br/>Technik: Ruth-Maria Ostermann<br/>Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Interviewpartner dieser Folge:<br/></strong>Prof.  Siegfried Gohr, Kunsthistoriker</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Salvador Dalí - Künstler und Provokateur: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/salvador-dali-kuenstler-und-provokateur/bayern-2/92569842/">JETZT ANHÖREN</a><br/></strong>Man Ray - Künstler und Fotograf: <a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/man-ray-kuenstler-und-fotograf/bayern-2/10511719/"><strong>JETZT ANHÖREN</strong></a><br/></p>
<p><strong>Wir empfehlen außerdem:<br/></strong>Der Besuch des Leibarztes - Per Olov Enquists Roman, gelesen von Gert Heidenreich. In seinem historischen Roman „Der Besuch des Leibarztes“ erzählt der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist (1934-2020) vom Aufstieg und Fall des Arztes Johann Friedrich Struensee: <strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/per-olov-enquist-der-besuch-des-leibarztes/12543247/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong>Siegfried Gohr, „Ich suche nicht, ich finde“: Pablo Picasso - Leben und Werk“ – erhellende bebilderte Einführung in das Werk von Pablo Picasso – allerdings klammert Gohr das berühmteste Werk „Guernica“ aus.<br/>Fernande Olivier, „Picasso et ses amis“, die 1930 in Form von Zeitungsartikeln veröffentlichten Memoiren von Picassos erster Freundin. Anschauliche Beschreibung der Frühzeit des Malers und seiner Bekanntschaften.<br/>Carsten-Peter Warncke, „Pablo Picasso 1881-1973“, zweibändiger Bildband mit erläuternden kunsthistorischen Ausführungen zu seinen wechselnden Stilen und Werken.<br/>Jörg Martin Merz, „Guernica oder Picassos ‚Abscheu vor der militärischen Kaste‘“ – Diskussion um Titel und Intention von Picassos berühmtem Anti-Kriegsbild.<br/>Wilfried Wiegand, „Pablo Picasso mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten“ – einführende Biographie mit den wichtigsten Lebensstationen Picassos.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Mimikry - Wie täuschende Tiere enttarnt wurden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mimikry-wie-taeuschende-tiere-enttarnt-wurden/1853393</link>
      <pubDate>Thu, 29 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0a9d5108-eb45-47c1-aef9-47cef48cf7e4</guid>
      <description>Mimikry bedeutet täuschen. Einige Täuschungsmanöver der Tierwelt sind so unvorstellbar, dass Biologen sie erst Mitte des 19. Jahrhunderts enttarnt haben. Diese Forscher waren Abenteurer und Eigenbrötler - und ihre Erkenntnisse sind heute noch maßgeblich.</description>
      <enclosure length="21979776" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1853393/c/feed/mimikry-wie-taeuschende-tiere-enttarnt-wurden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:53</itunes:duration>
      <itunes:author>Jenny von Sperber</itunes:author>
      <itunes:summary>Mimikry bedeutet täuschen. Einige Täuschungsmanöver der Tierwelt sind so unvorstellbar, dass Biologen sie erst Mitte des 19. Jahrhunderts enttarnt haben. Diese Forscher waren Abenteurer und Eigenbrötler - und ihre Erkenntnisse sind heute noch maßgeblich.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fa85138c-e00a-4dd7-9453-540b84ceee00.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mimikry bedeutet täuschen. Einige Täuschungsmanöver der Tierwelt sind so unvorstellbar, dass Biologen sie erst Mitte des 19. Jahrhunderts enttarnt haben. Diese Forscher waren Abenteurer und Eigenbrötler - und ihre Erkenntnisse sind heute noch maßgeblich.</p><p>Autorin: Jenny von Sperber<br/>Es sprachen: Irina Wanka und Johannes Hitzelberger<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Zoologe, Zoologische Staatssammlung München, Mollusken<br/>Dr. Thassilo Franke, Biologe, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns</p>
<p>Dr. Katharina Schmidt-Loske, Biologin, Leitung des Biohistoricums (Forschungsarchiv zur Geschichte der Biologie) im Museum Koenig, Bonn</p>
<p>Hier gibt es außerdem eine spannende Podcastfolge von IQ &quot;Alles Natur&quot;:<br/><a title="Alles Natur: Tarnen und Täuschen" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/alles-natur-tarnen-und-taeuschen/1853421"><strong>ALLES NATUR: TARNEN UND TÄUSCHEN! ISKA SCHREGLMANN IM GESPRÄCH MIT DEM BIOLOGEN THASSILO FRANKE</strong></a></p>
<p>Im „Darwin Correspondence Project“ der Universität Cambridge kann man nachvollziehen, mit welchen anderen Wissenschaftlern Charles Darwin Briefkontakt pflegte: <strong><a title="Darwin Correspondence Project" href="https://www.darwinproject.ac.uk">www.darwinproject.ac.uk</a></strong><br/><br/>Die Internetseite des Naturkundemuseums Biotopia Bayern, unseres Bayern2-Kooperationspartners, ist auch rund um die Uhr für Sie geöffnet:<br/><strong><a title="Biotopia - Naturkundemuseum Bayern" href="https://biotopia.net/de">BIOTOPIA - NATURKUNDEMUSEUM BAYERN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Triggerwarnung - Können Bücher wirklich gefährlich werden?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/triggerwarnung-koennen-buecher-wirklich-gefaehrlich-werden/2105669</link>
      <pubDate>Wed, 28 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f39dde8f-ea16-43d9-a52b-2b3cf5f490ee</guid>
      <description>Vorsicht: Dieser Text handelt von Sex und Gewalt! Literarische Produkte werden heute gern mit Triggerwarnungen versehen, um Leser/-innen vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Besteht etwa die Gefahr, dass das Publikum entmündigt wird?</description>
      <enclosure length="20431872" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2105669/c/feed/triggerwarnung-koennen-buecher-wirklich-gefaehrlich-werden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Vorsicht: Dieser Text handelt von Sex und Gewalt! Literarische Produkte werden heute gern mit Triggerwarnungen versehen, um Leser/-innen vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Besteht etwa die Gefahr, dass das Publikum entmündigt wird?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5deb2336-6a02-4e49-8f97-5b3196805260.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Vorsicht: Dieser Text handelt von Sex und Gewalt! Literarische Produkte werden heute gern mit Triggerwarnungen versehen, um Leser/-innen vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Besteht etwa die Gefahr, dass das Publikum entmündigt wird?</p><p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Justina Schreiber<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle, Thomas Birnstiel<br/>Technik: Helge Schwarz<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p>Im Interview:<strong><br/></strong>Prof. Dr. Melanie Möller, Altphilologin und Literaturwissenschaftlerin an der FU Berlin, <br/>Dr. Andrea Müller, Programmleiterin Populäre Belletristik, SF, Fantasy &amp; everlove beim Piper Verlag</p>
<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „Ein Zimmer für uns allein“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/>Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Melanie Möller: Der entmündigte Leser. Für die Freiheit der Literatur. Eine Streitschrift. Galiani, Berlin 2024. 240 Seiten, 24 Euro. Ein äußerst kritisches, auch umstrittenes Buch, das Argumente versammelt gegen – wie Möller findet – „übervorsichtige“, aber politisch korrekte Maßnahmen von Verlagen und AutorInnen. <br/>Johannes Franzen: Wut und Wertung. Warum wir über Geschmack streiten. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024. 432 Seiten. Das gut zu lesende Buch regt dazu an über die Frage nachzudenken, warum wir uns über Kunst so sehr aufregen können, warum es z. B. Literaturskandale gibt oder vernichtende Urteile über Bücher gefällt werden.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Drohne - Kriegsgerät und Lebensretter</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-drohne-kriegsgeraet-und-lebensretter/2114858</link>
      <pubDate>Wed, 28 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8f7b8658-c03e-4f31-afd3-ac3594b9ba50</guid>
      <description>Sie sind tödlich, retten aber auch Leben. Sie transportieren, spionieren und klären auf: Drohnen. Ohne Pilot an Bord sind sie klein, effizient und da, wo es gefährlich ist. Wie genau funktioniert die neue Macht am Himmel?</description>
      <enclosure length="21259820" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114858/c/feed/die-drohne-kriegsgeraet-und-lebensretter.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Wolfgang Zehentmaier</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie sind tödlich, retten aber auch Leben. Sie transportieren, spionieren und klären auf: Drohnen. Ohne Pilot an Bord sind sie klein, effizient und da, wo es gefährlich ist. Wie genau funktioniert die neue Macht am Himmel?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c102c250-926d-4491-8c05-d2268a174580.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie sind tödlich, retten aber auch Leben. Sie transportieren, spionieren und klären auf: Drohnen. Ohne Pilot an Bord sind sie klein, effizient und da, wo es gefährlich ist. Wie genau funktioniert die neue Macht am Himmel?</p><p>Credits:<br/>Autorin: Wolfgang Zehentmeier<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Sprecher: Johannes Hitzelberger</p>
<p>Interviews mit:<br/>Gordon Strickert, stellvertretender Abteilungsleiter der Abteilung Unbemannte Luftfahrzeuge am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt<br/>Robert Kluge, Kurator für moderne Luftfahrt im Deutschen Museum in München und kommissarischer Leiter der Flugwerft in Oberschleißheim<br/>Krista-Marija Läbe, Public Relations Managerin von Quantum Systems, einer weltweit agierenden Drohnen- und Softwarefirma mit dem Hauptsitz in Gilching in der Nähe von München.</p>
<p>Literatur-Tipps:<br/>Drohnen-Betrieb, Recht, Technik: Handbuch für die gewerbliche und behördliche Praxis von Ulrich Dieckert, Stephan Eich und Achim Friedl<br/>Drohnen über uns: Kontrolle und Ethik unserer Zukunft von Serhii An</p>
<p>Weiterführende Links:<br/>Alles über Drohnen. Klassen, Führerschein etc.: <a href="https://www.drohnen.de/vorschriften-genehigungen-fuer-die-nutzung-von-drohnen-und-multicoptern/">www.drohnen.de</a><br/>Drohnenvorschriften der EU: <a href="https://www.easa.europa.eu/en/domains/civil-drones">www.easa.europa.eu</a> (englisch)<br/>Drohnenabwehrzentrum: <a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/drohnenabwehrzentrum-104.html">www.tagesschau.de</a></p>
<p>Hör-Tipps von Radiowissen:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:34a78748a6525fc8/"><u>Radiowissen · Hubschrauber und Multikopter - Die Geschichte der Drehflügler · Podcast in der ARD Audiothek</u></a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:aec6b83df179d3d9/"><u>Radiowissen · Flugzeuge - Warum sie oben bleiben · Podcast in der ARD Audiothek</u></a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:60076f1b47f24364/"><u>Radiowissen · Wetterballons - Datenspione des Himmels · Podcast in der ARD Audiothek</u></a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ac19fa9948038f56/"><u>Radiowissen · Das Deutsche Museum - Technikgeschichte zum Anfassen · Podcast in der ARD Audiothek</u></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Houston Stewart Chamberlain - Der Einflüsterer der Nazis</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/houston-stewart-chamberlain-der-einfluesterer-der-nazis/2114830</link>
      <pubDate>Tue, 27 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3b494487-3e1c-44d3-88f0-f08fb17a9122</guid>
      <description>&quot;Je weniger germanisch ein Land, um so unzivilisierter ist es.&quot; Houston Stewart Chamberlain war einer der einflussreichsten Propagandisten des deutschen Nationalismus. Er war ein erbitterter Antisemit und &quot;Rassentheoretiker&quot; mit weitreichendem Einfluss.</description>
      <enclosure length="20639276" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114830/c/feed/houston-stewart-chamberlain-der-einfluesterer-der-nazis.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Robert Jungwirth</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Je weniger germanisch ein Land, um so unzivilisierter ist es.&quot; Houston Stewart Chamberlain war einer der einflussreichsten Propagandisten des deutschen Nationalismus. Er war ein erbitterter Antisemit und &quot;Rassentheoretiker&quot; mit weitreichendem Einfluss.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e9fb102a-f2c8-47cb-82f5-e82abdb5c9d4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Je weniger germanisch ein Land, um so unzivilisierter ist es." Houston Stewart Chamberlain war einer der einflussreichsten Propagandisten des deutschen Nationalismus. Er war ein erbitterter Antisemit und "Rassentheoretiker" mit weitreichendem Einfluss.</p><p>Credits:<br/>Autor: Robert Jungwirth<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Sprecher/-innen: Hemma Michel, Christian Baumann, Stefan Merki, Peter Veit</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. Sven Fritz, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Neuere und Neueste Geschichte<br/>Prof. David Clay Large, Senior Fellow at the Institute of European Studies, UC Berkeley</p>
<p>Literatur:<br/>Sven Fritz: Houston Stewart Chamberlain – Rassenwahn und Welterlösung. Paderborn, 2022<br/>David Clay Large: Hitlers München. München, 2018</p>
<p>Podcast-Tipp:<br/>Mit Rassismus, Antisemitismus und esoterisch-okkulten Ideen vergiften völkische Gruppen schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Atmosphäre in München. Sie machen Bayern zum Nährboden für den Aufstieg der Nationalsozialisten: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f9c458d59261d31a/">Bayern zwischen den Kriegen - Von der Boheme zu Barbarei</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wechseljahre der Frau - Was im Körper passiert</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wechseljahre-der-frau-was-im-koerper-passiert/2114829</link>
      <pubDate>Tue, 27 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">83b89ec3-8841-4d5c-9294-f47813da2530</guid>
      <description>Mit den Wechseljahren endet die fruchtbare Zeit der Frau. Der Hormonhaushalt ändert sich radikal. Das führt bei zwei Drittel zu Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gewichtszunahme oder Depressivität. Aber die Symptome lassen sich lindern.</description>
      <enclosure length="22685612" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114829/c/feed/wechseljahre-der-frau-was-im-koerper-passiert.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:37</itunes:duration>
      <itunes:author>Veronika Bräse</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit den Wechseljahren endet die fruchtbare Zeit der Frau. Der Hormonhaushalt ändert sich radikal. Das führt bei zwei Drittel zu Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gewichtszunahme oder Depressivität. Aber die Symptome lassen sich lindern.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2e3e9fc5-683d-42c2-a5a0-343bb8a07c86.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit den Wechseljahren endet die fruchtbare Zeit der Frau. Der Hormonhaushalt ändert sich radikal. Das führt bei zwei Drittel zu Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gewichtszunahme oder Depressivität. Aber die Symptome lassen sich lindern.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Veronika Bräse<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Technik: Anton Wunder<br/>Sprecherin: Susanne Schroeder</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. Dr. med. Nina Rogenhofer, Hormon- und Kinderwunschzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München<br/>Dr. med. Anneliese Schwenkhagen, Deutsche Menopause Gesellschaft in Hamburg<br/>Prof. Dr. med. Petra Stute, Menopausenzentrum an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Bern/Schweiz<br/>Antje aus München, Frau mit Wechseljahrsbeschwerden</p>
<p>Hör-Tipps:<br/>IQ Wissenschaft und Forschung – Hormonersatztherapie – Mythen, Chancen und Risiken <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:0a60decd78cbb543/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:0a60decd78cbb543/</a><br/>Das Thema Wechseljahre bei „Das Wissen“:</p>
<p><a href="https://www.swr.de/swrkultur/wissen/die-wechseljahre-welche-therapien-moeglich-und-noetig-sind-das-wissen-2025-10-17-102.html">Die Wechseljahre (1/2) – Welche Therapien möglich und nötig sind</a></p>
<p><a href="https://www.swr.de/swrkultur/wissen/die-wechseljahre-wie-arbeitgeber-und-gesellschaft-frauen-unterstuetzen-das-wissen-2025-10-18-102.html">Die Wechseljahre (2/2) – Wie Arbeitgeber und Gesellschaft Frauen unterstützen</a></p>
<p><a href="https://www.swr.de/swrkultur/wissen/hormontherapien-besser-als-ihr-ruf-106.html">Hormontherapien – Besser als ihr Ruf</a></p>
<p>MDR-Podcast zu den Wechseljahren: <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/wechseljahre/hormongesteuert-100.html">Hormongesteuert</a><br/><br/>Radiowissen-Folge zum weiblichen Zyklus: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2516233473256581/">Der weibliche Zyklus - Lebenskreislauf im Verborgenen</a></p>
<p>Literatur:<br/>Stute, Petra (2025): Management der Menopause, Ein medizinisches Kochbuch rund um die Wechseljahre. Springer-Verlang Berlin, Heidelberg.</p>
<p>Weiterführende Links:<br/>BR24 mit Artikel und Audio zum Weltmenopausentag und zu neuen Medikamenten, die ohne Hormone auskommen: <a href="https://www.br.de/nachrichten/wissen/weltmenopausetag-was-in-den-wechseljahren-hilft,UzsP9GR">Weltmenopausetag: Was in den Wechseljahren hilft</a><br/><br/>Ludwig-Maximilians-Universität München zu <a href="https://www.lmu.de/en//about-lmu/structure/central-university-administration/communications-and-media-relations/research-magazine/heat-01-2025/menopause/">Wechseljahren</a></p>
<p>Deutsche Menopause Gesellschaft in Hamburg: <a href="https://www.menopause-gesellschaft.de/">menopause-gesellschaft.de</a></p>
<p>Schweizer Verein menoQueens in Bern: <a href="https://www.menoqueens.com/">menoqueens.com</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Vasco da Gama - Ein Seefahrer verändert die Welt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/vasco-da-gama-ein-seefahrer-veraendert-die-welt/2101326</link>
      <pubDate>Mon, 26 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0c11d288-4c54-41db-aaa8-b2e1d1fe42b9</guid>
      <description>Seine Seereise von Portugal über Afrika nach Indien läutet Ende des 15. Jahrhunderts das Zeitalter der europäischen Dominanz in Afrika und Südostasien ein, eröffnet den Weg für Ausbeutung und Kolonialisierung.</description>
      <enclosure length="23080704" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101326/c/feed/vasco-da-gama-ein-seefahrer-veraendert-die-welt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Steffi Illinger</itunes:author>
      <itunes:summary>Seine Seereise von Portugal über Afrika nach Indien läutet Ende des 15. Jahrhunderts das Zeitalter der europäischen Dominanz in Afrika und Südostasien ein, eröffnet den Weg für Ausbeutung und Kolonialisierung.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fe0b325c-043a-4039-b837-5ed06b03e88b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seine Seereise von Portugal über Afrika nach Indien läutet Ende des 15. Jahrhunderts das Zeitalter der europäischen Dominanz in Afrika und Südostasien ein, eröffnet den Weg für Ausbeutung und Kolonialisierung.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Steffi Illinger<br/>Regie: Silke Wolfrum<br/>Es sprachen: Ditte Ferrigan, Peter Weiß<br/>Technik: Heiko Hinrichs<br/>Redaktion: Karin Becker</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dirk Friedrich, Historiker, Übersetzer, Herausgeber<br/><br/><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks: <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/>Dirk Friedrich: Vasco da Gamas erste Fahrt nach Indien 1497-1499. Ein Augenzeugenbericht. 2014<br/>Luis de Camoes: Die Lusiaden. Hrsg. Von Dirk Friedrich 2013<br/>Roger Crowley: Die Eroberer. Portugals Kampf um ein Weltreich. 2015<br/>Ulli Kulke: Vasco da Gama. Die Suche nach den Gewürzinseln. 2011<br/>Vasco da Gama:Die Entdeckung des Seewegs nach Indien. Ein Augenzeugenbericht 1497-1499, hrsg. Von Gernot Gierz, 1980</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Rotes Wien - Wohnungen für den neuen Menschen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/rotes-wien-wohnungen-fuer-den-neuen-menschen/2114799</link>
      <pubDate>Mon, 26 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d9259dec-76ef-4107-a655-439ab3afdb66</guid>
      <description>Kurz nach dem Ersten Weltkrieg konnte die Wiener Arbeiterpartei ihre Stadt umgestalten: Sie baute tausende Wohnungen, besteuerte Luxus, krempelte die Gesundheitsversorgung um. Das Rote Wien wollte anderen Städten ein Vorbild sein.</description>
      <enclosure length="22053164" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114799/c/feed/rotes-wien-wohnungen-fuer-den-neuen-menschen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Hans Böhringer</itunes:author>
      <itunes:summary>Kurz nach dem Ersten Weltkrieg konnte die Wiener Arbeiterpartei ihre Stadt umgestalten: Sie baute tausende Wohnungen, besteuerte Luxus, krempelte die Gesundheitsversorgung um. Das Rote Wien wollte anderen Städten ein Vorbild sein.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3f21928d-d61f-47a5-bf07-6988a0249e3d.png?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kurz nach dem Ersten Weltkrieg konnte die Wiener Arbeiterpartei ihre Stadt umgestalten: Sie baute tausende Wohnungen, besteuerte Luxus, krempelte die Gesundheitsversorgung um. Das Rote Wien wollte anderen Städten ein Vorbild sein.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor: Hans Böhringer<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Technik: Tim Höfer<br/>Sprecher: Thomas Birnstiel, Christian Schuler</p>
<p><strong>Interviews mit:</strong><br/>Lilli Bauer, Kuratorin und Geschäftsführerin des Museums zur Geschichte des Roten Wien im Waschsalon Karl-Marx-Hof<br/>Wolfgang Maderthaner, Historiker<br/>Gabu Heindl, Architektin und Städteplanerin (Hintergrund)<br/>Hannes Leidinger, Historiker</p>
<p><strong>Podcast-Tipp:</strong><br/>Die Wohnungsnot war groß. Der soziale Wohnungsbau war wichtig für den Wiederaufbau in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde zu einer Erfolgsgeschichte, doch heute ist das Konzept umstritten. (BR 2019) AUM: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:8b0bc8d68373c003/">Der soziale Wohnungsbau - Alles Geschichte - Der History-Podcast</a></p>
<p><strong>Weiterführende Literatur:</strong><br/>„Wien – Das Ende des Wohnbaus (als Typologie)“ ist eine Ausgabe der Architekturzeitschrift ARCH+, darin sind verschiedene städtebauliche Perspektiven gesammelt auf das Erbe des Roten Wiens.<br/>In „Das Rote Wien: Schlüsseltexte der Zweiten Wiener Moderne 1919–1934“ sammeln die Herausgeber Rob McFarland, Georg Spitaler und Ingo Zechner Artikel und Diskussionsbeiträge. Besonders interessant in dieser Sammlung sind die zeitgenössischen Texte über das Rote Wien, zum Beispiel der Artikel von Ernst Toller.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Auswanderergeschichten - Von Bremerhaven nach Übersee</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/auswanderergeschichten-von-bremerhaven-nach-uebersee/2114708</link>
      <pubDate>Fri, 23 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a645f9c8-7a7c-44ff-9c71-9062df9cb79c</guid>
      <description>Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben, Grundbesitz, endlich Reichtum - die Wünsche, mit denen Menschen in den vergangenen Jahrzehnten aus Deutschland auswandern, sind vielfach. Doch längst nicht alle finden ihr Glück.</description>
      <enclosure length="27706028" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114708/c/feed/auswanderergeschichten-von-bremerhaven-nach-uebersee.mp3"/>
      <itunes:duration>00:28:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Susi Weichselbaumer</itunes:author>
      <itunes:summary>Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben, Grundbesitz, endlich Reichtum - die Wünsche, mit denen Menschen in den vergangenen Jahrzehnten aus Deutschland auswandern, sind vielfach. Doch längst nicht alle finden ihr Glück.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2373121b-57ae-4e33-8939-33fe44dffd30.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben, Grundbesitz, endlich Reichtum - die Wünsche, mit denen Menschen in den vergangenen Jahrzehnten aus Deutschland auswandern, sind vielfach. Doch längst nicht alle finden ihr Glück.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Susi Weichselbaumer<br/>Redaktion: Katharina Hübel<br/>Regie:  Susi Weichselbaumer<br/>Technik: Daniela Röder<br/>Sprecher: Julia Fischer, Herbert Schäfer, Julia Cortis, Carsten Fabian</p>
<p>Interviews mit:<br/>Evelyn Weinheimer, Archivarin, <a href="https://www.pioneermuseum.org/">Pioneer Museum, Fredricksburg </a><br/>Simone Blaschka, Direktorin Deutsches Auswandererhaus, Bremerhaven<br/>Artur Steinmann, Weingut Pastoriushaus, Sommerhaus <br/>Werner Mündlein, Dozent für Wein- und Genusskultur, Autor</p>
<p>Literatur:<br/>Biesele, Rudolph Leopold (1987): The History of German Settlements in Texas 1831-1861<br/>Mündlein, Werner (2024): Franz Daniel Pastorius. Ausstellungskatalog. Weingut Pastoriushaus Sommerhausen</p>
<p>Podcast-Tipps:<strong><br/></strong>Im 19. Jahrhundert zogen Arbeitssuchende gern nach Amerika, wenn sie das Fahrgeld aufbringen konnten, wie die fünf Söhne einer hessischen Bauernfamilie. Eine Nachfahrin hat ihre Geschichte rekonstruiert. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:4268e66e2ae27245/">Ausgewandert nach Amerika. „Ein Leben wie im Paradies“?</a></p>
<p>1724 machen sich dutzende Familien aus dem fränkischen Gerolzhofen auf in eine unbekannte Zukunft. Sie suchten ein besseres Leben in Sanktmartin, in einer historischen Region in Südosteuropa, dem Banat. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:0f18c51015eca645/">Die Sanktmartiner. Auswanderer mit fränkischen Wurzeln</a></p>

<p>IQ Wissenschaft und Forschung mit einer Folge vor dem Hintergrund heutiger Flüchtlingspolitik: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e62fbb9495e7b0f1/">Die Wahrheit über Migration. Wer kommt, wer geht? Und warum?</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wie Chemie die Welt ordnete - Mendelejew und die Elemente</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wie-chemie-die-welt-ordnete-mendelejew-und-die-elemente/2114693</link>
      <pubDate>Thu, 22 Jan 2026 15:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">96e44e4d-3f3c-4368-bd6c-86e8b8ad8047</guid>
      <description>Als die Chemie sich zur Wissenschaft formte, waren Vorlesungen fast wie Zaubershows, die Menschen staunten. Chemie schaffte es, die Welt ganz neu zu erklären und zu ordnen. Und das Periodensystem von Mendelejew war einer der Schlüssel dazu.</description>
      <enclosure length="23114924" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114693/c/feed/wie-chemie-die-welt-ordnete-mendelejew-und-die-elemente.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:04</itunes:duration>
      <itunes:author>Simon Demmelhuber</itunes:author>
      <itunes:summary>Als die Chemie sich zur Wissenschaft formte, waren Vorlesungen fast wie Zaubershows, die Menschen staunten. Chemie schaffte es, die Welt ganz neu zu erklären und zu ordnen. Und das Periodensystem von Mendelejew war einer der Schlüssel dazu.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9fc1e8dd-f6a5-4631-ab6c-67c7ada27d6b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als die Chemie sich zur Wissenschaft formte, waren Vorlesungen fast wie Zaubershows, die Menschen staunten. Chemie schaffte es, die Welt ganz neu zu erklären und zu ordnen. Und das Periodensystem von Mendelejew war einer der Schlüssel dazu.</p><p>Credits:<br/>Simon Demmelhuber<br/>Redaktion:    Katharina Hübel<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Sprecher: Hemma Michel, Christian Baumann</p>
<p>Interview mit:<br/>Prof. Dr. Claus Priesner, Prof. em. für die Geschichte der Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität. Forschungsschwerpunkte: Entwicklung der Chemie von den ersten Anfängen zu einer modernen Wissenschaft, Alchemie, Magie</p>
<p>Podcast-Tipps:<br/>Preisgekrönt mit dem Journalistenpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung 2025: Das Radiowissen von Lavina Stauber über Geometrie höherer Dimensionen, die Poincaré-Vermutung, die uns nichts weniger als die Form des Universums näherbringt. Über 100 Jahre bleibt diese Vermutung eines der schwersten mathematischen Rätsel der Welt. Wie es geknackt wurde, bei Radiowissen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:6842b9b37ae4e292/">Die Poincaré-Vermutung – Das Millionen-Rätsel der Mathematik</a></p>
<p>Dieser Podcast erklärt, wie chemische Schwämme inzwischen nicht nur Wasser in der Wüste sammeln, sondern auch Umweltschadstoffe unschädlich machen. Hier geht’s zu IQ – Wissenschaft und Forschung: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4e091adb25850e2a/">Chemische Schwämme – Das steckt hinter dem Chemie-Nobelpreis</a></p>
<p>Nur die Frau von Albert Einstein? Mileva Marič war selbst eine brilliante Physikerin und anerkannte Mathematikerin, jedoch in ihrer Zeit als Ehefrau und Mutter in zweiter Reihe, während Einstein alleine Preise und Welt-Ruhm sammelte. Für Forschung, die er gemeinsam mit Mileva Maric entwickelt hatte. Bei Radiowissen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:7b42921e9bd82b91/">Mileva Marič – Die Frau hinter Einsteins Relativitätstheorie?</a></p>

<p>Er war ein Genie, doch seine Zeitgenossen haben das nicht erkannt. Dem Augustiner-Mönch gelang die Anwendung der Mathematik auf die Biologie. Bei Radiowissen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:8ceb9565055f5a2a/">Erbsen und Mathematik – Gregor Mendel, Vater der Genetik</a></p>
<p>Literatur-Tipps:<br/>Claus Priesner: Chemie. Eine illustrierte Geschichte. WBG 2018<br/>Claus Priesner: Geschichte der Alchemie. C.H. Beck 2011<br/>Philip Ball: Die Elemente. Entdeckung und Geschichte der Grundstoffe. Haupt Verlag 2022<br/>Jost Weyer: Geschichte der Chemie. Springer 2018.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ein Zimmer für uns allein</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ein-zimmer-fuer-uns-allein/2114685</link>
      <pubDate>Thu, 22 Jan 2026 09:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">501030e5-f694-49d2-ad41-78a705c7ce6c</guid>
      <description>Hörtipp: Im Podcast &quot;Ein Zimmer für uns allein&quot; treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über ein Thema, das sie verbindet. Zum Beispiel über Schönheitsideale, sexuelle Aufklärung, Finanzen, Care-Arbeit.</description>
      <enclosure length="1661612" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114685/c/feed/ein-zimmer-fuer-uns-allein.mp3"/>
      <itunes:duration>00:01:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Paula Lochte</itunes:author>
      <itunes:summary>Hörtipp: Im Podcast &quot;Ein Zimmer für uns allein&quot; treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über ein Thema, das sie verbindet. Zum Beispiel über Schönheitsideale, sexuelle Aufklärung, Finanzen, Care-Arbeit.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ae320f94-9846-4615-8802-6a277054f9d0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hörtipp: Im Podcast "Ein Zimmer für uns allein" treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über ein Thema, das sie verbindet. Zum Beispiel über Schönheitsideale, sexuelle Aufklärung, Finanzen, Care-Arbeit.</p><p>Hörtipp: Im Podcast &quot;Ein Zimmer für uns allein&quot; mit Host Paula Lochte treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über ein Thema, das sie verbindet. Zum Beispiel über Schönheitsideale, sexuelle Aufklärung, Finanzen, Care-Arbeit. Was waren ihre Struggles damals und heute? Was hat sich verändert, oder vielleicht sogar verbessert?<br/><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/">Zum Podcast</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der 14. Dalai Lama - Göttliches Mitgefühl und irdische Politik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-14-dalai-lama-goettliches-mitgefuehl-und-irdische-politik/1835708</link>
      <pubDate>Thu, 22 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">52010ccc-a5a0-42e6-93bc-b5457d7332de</guid>
      <description>Der 14. Dalai Lama ist weltweit zu einer Ikone für den Buddhismus geworden. Er steht aber auch für den friedlichen Einsatz der Tibeter für ihr Land, das die Volksrepublik China beansprucht. Sein Weg vom Bauernsohn zum Friedensnobelpreisträger.</description>
      <enclosure length="22463616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1835708/c/feed/der-14-dalai-lama-goettliches-mitgefuehl-und-irdische-politik.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Bettina Weiz</itunes:author>
      <itunes:summary>Der 14. Dalai Lama ist weltweit zu einer Ikone für den Buddhismus geworden. Er steht aber auch für den friedlichen Einsatz der Tibeter für ihr Land, das die Volksrepublik China beansprucht. Sein Weg vom Bauernsohn zum Friedensnobelpreisträger.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/29de8a5a-c6fb-4ee1-8bab-eec41441789b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der 14. Dalai Lama ist weltweit zu einer Ikone für den Buddhismus geworden. Er steht aber auch für den friedlichen Einsatz der Tibeter für ihr Land, das die Volksrepublik China beansprucht. Sein Weg vom Bauernsohn zum Friedensnobelpreisträger.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Bettina Weiz<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie: Eva Demmelhuber<br/>Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/>Sprecher: Beate Himmelstoß, Carsten Fabian</p>
<p>Interviews mit:<br/>Petra Maurer, Tibet-Forscherin der Bayerischen Akademie der Wissenschaften<br/>Nimgir Bembejew, kalmückisch-buddhistischer Tempel in München</p>
<p>Archivmaterial:<br/>Dalai Lama, Heinrich Harrer; Erstbesteiger der Eiger Nordwand</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Kulturgeschichte der Frisur – Eine haarige Angelegenheit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-kulturgeschichte-der-frisur-eine-haarige-angelegenheit/2114635</link>
      <pubDate>Wed, 21 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a5b5378e-4b46-4b3a-a680-6c39fb5a7f62</guid>
      <description>Das Haar ist Bestandteil unseres Körpers und damit der Natur. Als Frisur ist es aber auch Bestandteil der Mode und damit unserer Kultur. Kämmen, schneiden, flechten, rasieren: Wie das Haar getragen und inszeniert wird, ist purer Selbstausdruck.</description>
      <enclosure length="20672300" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114635/c/feed/die-kulturgeschichte-der-frisur-eine-haarige-angelegenheit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Frank Halbach</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Haar ist Bestandteil unseres Körpers und damit der Natur. Als Frisur ist es aber auch Bestandteil der Mode und damit unserer Kultur. Kämmen, schneiden, flechten, rasieren: Wie das Haar getragen und inszeniert wird, ist purer Selbstausdruck.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9d548041-abe3-4ff3-a021-78a3a0428346.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Haar ist Bestandteil unseres Körpers und damit der Natur. Als Frisur ist es aber auch Bestandteil der Mode und damit unserer Kultur. Kämmen, schneiden, flechten, rasieren: Wie das Haar getragen und inszeniert wird, ist purer Selbstausdruck.</p><p>Credits:<br/>Autor: Frank Halbach<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Technik: Anton Wunder<br/>Sprecher: Sven Hussock, Berenike Beschle</p>
<p>Interview mit:<br/>Prof. Dr. Christian Janecke, Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler</p>
<p>Literatur:<br/>Christian Janecke (Hg.): „Haartragen. Eine kulturwissenschaftliche Annäherung“, Köln 2004.<br/>Christian Janecke: „Tragbare Stürme: Von spurtenden Haaren und Windstoßfrisuren“, Weimar 2003.<br/>Gerhard Staguhn: „Und ewig lockt das Haar. Was es bedeutet, wie es wächst und warum es uns so anzieht“, Springe 2019.<br/>Museum Folkwang (Hg.): „Grow It, Show It!: Haare im Blick von Diane Arbus bis TikTok“, Berlin 2024.</p>
<p>Linktipps:<br/>Die Medusa - Schlangenhaar und tödlicher Blick: Mit ihrem Schlangenhaar und ihrem versteinernden Blick ist sie zum Inbegriff des schrecklichen Monsters geworden. Andererseits wurde ihr abgeschlagenes Haupt zum allgegenwärtigen Schutzsymbol: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:062f0f1a7dda171a/">www.ardaudiothek.de</a></p>
<p>Kristall, Monokel, Gleitsicht - Die Geschichte der Brille: Von Kaiser Neros grünem Smaragd, den er sich bei Gladiatorenkämpfen vor die Augen hielt, über den Lesestein der mittelalterlichen Mönche bis hin zu computergeschliffenen Gleitsicht-Gläsern, von der Sehhilfe zum Mode-Accessoire: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:406f31fde91f77bc/">www.ardaudiothek.de</a></p>
<p> Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Pause vom Pflichtgefühl - Auf der Spur der Freude</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pause-vom-pflichtgefuehl-auf-der-spur-der-freude/2114624</link>
      <pubDate>Wed, 21 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cd668fc3-1f3c-4b9a-9f33-4d66c937cf2c</guid>
      <description>Lange dachte man, Selbstdisziplin sei die Voraussetzung für ein gelungenes Leben. Doch anscheinend ist etwas anderes wesentlich wichtiger: nämlich die Fähigkeit zum Genuss, dem bewussten Wahrnehmen der kleinen im Alltag. Und das kann man lernen.</description>
      <enclosure length="22909868" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114624/c/feed/pause-vom-pflichtgefuehl-auf-der-spur-der-freude.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Lamsfuß</itunes:author>
      <itunes:summary>Lange dachte man, Selbstdisziplin sei die Voraussetzung für ein gelungenes Leben. Doch anscheinend ist etwas anderes wesentlich wichtiger: nämlich die Fähigkeit zum Genuss, dem bewussten Wahrnehmen der kleinen im Alltag. Und das kann man lernen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3f5007b2-b16d-4a9b-9f60-0f4d8680028d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Lange dachte man, Selbstdisziplin sei die Voraussetzung für ein gelungenes Leben. Doch anscheinend ist etwas anderes wesentlich wichtiger: nämlich die Fähigkeit zum Genuss, dem bewussten Wahrnehmen der kleinen im Alltag. Und das kann man lernen.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Karin Lamsfuß<br/>Redaktion: Susanne Poelchau<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Sprecher:  Thomas Birnstiel</p>
<p>Interviews mit:<br/>Katharina Afflerbach, Buchautorin<br/>Prof. Katharina Bernecker, Motivationspsychologin<br/>Cathi Nieling, ehemalige Projektmanagerin<br/>Prof. Tatjana Schnell, Professorin für experimentelle Psychologie<br/>Prof. Franz-Josef Wetz, Philosoph und Autor </p>
<p>Podcast-Tipp:<br/>Für alle nachdenklichen Menschen, die sich gerne intensiv mit einem Thema beschäftigen, empfehlen wir den Podcast „WDR 5 Das philosophische Radio“. Wöchentlich spricht Jürgen Wiebicke mit einer Philosophin oder einem Philosophen über ein spannendes Thema. <a href="https://1.ard.de/philosophisches-radio">Mithören, mitreden, mitdenken!</a></p>
<p>Literatur:<br/>Tatjana Schnell: Sinn finden, Ullstein 2024<br/>Franz Josef Wetz: Das Glück. Ein Provisorium, Reclam 2024<br/>Katharina Afflerbach: Zuversicht: Wahre Geschichten vom Weitermachen und Wachsen in schwierigen Zeiten, 2025, Goldegg</p>
<p>Weiterführende Links:<br/>Studie von Katharina Bernecker und Daniela Becker (engl.) <a href="https://www.researchgate.net/publication/371503023_The_Role_of_Hedonic_Goal_Pursuit_in_Self-Control_and_Self-Regulation_Is_Pleasure_the_Problem_or_Part_of_the_Solution">www.researchgate.net</a><br/>Dinner for Life: <a href="https://www.facebook.com/dinnerforlifecharity/">www.facebook.com</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Vandalen - Woher kommt ihr schlechter Ruf?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-vandalen-woher-kommt-ihr-schlechter-ruf/2114602</link>
      <pubDate>Tue, 20 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">386ba40f-7a6d-4118-9568-e3597dc73ff4</guid>
      <description>Bis heute werden Vandalen für sinnlose Zerstörungen verantwortlich gemacht. Dabei hat sich dieser germanische Volksstamm im 5. Jahrhundert einen Namen gemacht, weil er von Ostgermanien bis nach Afrika gezogen ist und dort ein eigenes Königreich errichtete.</description>
      <enclosure length="23086892" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114602/c/feed/die-vandalen-woher-kommt-ihr-schlechter-ruf.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Ulrike Beck</itunes:author>
      <itunes:summary>Bis heute werden Vandalen für sinnlose Zerstörungen verantwortlich gemacht. Dabei hat sich dieser germanische Volksstamm im 5. Jahrhundert einen Namen gemacht, weil er von Ostgermanien bis nach Afrika gezogen ist und dort ein eigenes Königreich errichtete.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7adb5692-1922-4759-94bf-a58e026dfd90.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bis heute werden Vandalen für sinnlose Zerstörungen verantwortlich gemacht. Dabei hat sich dieser germanische Volksstamm im 5. Jahrhundert einen Namen gemacht, weil er von Ostgermanien bis nach Afrika gezogen ist und dort ein eigenes Königreich errichtete.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Ulrike Beck<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Technik: Lorenz Kersten<br/>Sprecher: Susanne Schroeder, Christian Baumann, Jerzy May</p>
<p>Interview mit: <br/>Prof. Konrad Vössing, Althistoriker an der Universität Bonn, Autor des Buches „Die Vandalen“</p>
<p>Literatur:<br/>Konrad Vössing, „Die Vandalen“– umfassender Einblick in die Geschichte der Vandalen mit einer Einordnung der politischen Machtverhältnisse in der Spätantike.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die zähesten Wesen des Planeten - Überleben um jeden Preis</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-zaehesten-wesen-des-planeten-ueberleben-um-jeden-preis/2114601</link>
      <pubDate>Tue, 20 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f98dc7fb-9788-42be-ac95-ebdc628c3aa8</guid>
      <description>Der Mensch schlottert trotz Winterstiefeln - der Pinguin trappelt unbeeindruckt barfuß übers Eis. Andere Tiere können gefahrlos sogar ganz einfrieren. Aber das sind längst noch nicht die zähesten Wesen: Manche überlebten schon Massenaussterben.</description>
      <enclosure length="22167980" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114601/c/feed/die-zaehesten-wesen-des-planeten-ueberleben-um-jeden-preis.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:05</itunes:duration>
      <itunes:author>Inga Pflug</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Mensch schlottert trotz Winterstiefeln - der Pinguin trappelt unbeeindruckt barfuß übers Eis. Andere Tiere können gefahrlos sogar ganz einfrieren. Aber das sind längst noch nicht die zähesten Wesen: Manche überlebten schon Massenaussterben.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7383bb23-036d-4ed1-a301-4ba799a61d64.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch schlottert trotz Winterstiefeln - der Pinguin trappelt unbeeindruckt barfuß übers Eis. Andere Tiere können gefahrlos sogar ganz einfrieren. Aber das sind längst noch nicht die zähesten Wesen: Manche überlebten schon Massenaussterben.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Inga Pflug<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Technik: Anton Wunder<br/>Sprecherinnen: Katja Amberger, Katja Bürkle</p>
<p>Interviews mit:<br/>Ralph Schill, Zoologe, Institut für Biomaterialien und biomolekulare Systeme, Universität Stuttgart<br/>Christian Dienemann, Biologe, Zoopädagoge im Tiergarten Nürnberg<br/>Heike Feldhaar, Biologin, Lehrstuhl für Populationsökologie der Tiere an der Universität Bayreuth<br/>Gerhard Haszprunar, Zoologe, Professor emeritus an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ehem. Direktor der Zoologischen Staatssammlung München<br/>Wolfgang Kießling, Paläobiologe, GeoZentrum Nordbayern, Lehrstuhl für Paläoumwelt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg</p>
<p>Weiterführende Links:<br/><a href="https://www.gzn.nat.fau.de/palaeontologie/">www.gzn.nat.fau.de</a><br/><a href="https://www.beschaeftigte.uni-stuttgart.de/uni-aktuell/meldungen/Wuselige-Zaehlung-99-Baertierchen-Arten-leben-in-Deutschland/">99 Bärtierchen-Arten leben in Deutschland</a><br/><a href="https://tiergarten.nuernberg.de/startseite">tiergarten.nuernberg.de</a><br/><a href="https://www.toek1-feldhaar.uni-bayreuth.de/de/index.html">https://www.toek1-feldhaar.uni-bayreuth.de/de/index.html</a></p>
<p>Fossilienfinder-App: <br/><a href="https://www.gzn.nat.fau.de/palaeontologie/apps/">www.gzn.nat.fau.de</a></p>
<p><strong>Literaturempfehlung:<br/></strong>Ben, das Bärtierchen: Auf großer Reise rund um die Welt. Autor: Ralph Schill</p>
<p><strong>Hör-Tipps von Radiowissen:<br/></strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d3692ac2d173706d/"><u>Radiowissen · Die Zecke - Kleiner Parasit mit großem Risiko · Podcast in der ARD Audiothek</u></a><br/>Bärtierchen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ff43271911931564/">www.ardaudiothek.de</a><br/>Urzeitkrebse: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a7c9ba4e430cbb3c/">www.ardaudiothek.de</a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:183b902bd1d46abd/">Radiowissen · Die Geschichte des Artensterbens - Von der Urzeit bis heute</a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:238e86923799e309/">Radiowissen · Die Insel der Experimente - Ascension, die Ratten und das Paradies</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der Steuern - Zugemauerte Fenster und gestutzte Bärte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-steuern-zugemauerte-fenster-und-gestutzte-baerte-1/1854674</link>
      <pubDate>Mon, 19 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">799b3884-c19c-457e-a55b-10d337faec2e</guid>
      <description>Steuern gibt es seit Jahrtausenden. Beliebt waren sie nie, dafür manchmal kurios, wie die Fenster- oder Jungfernsteuer. Und immer sind Steuern auch ein Instrument der Macht. (BR 2017)</description>
      <enclosure length="18434304" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1854674/c/feed/die-geschichte-der-steuern-zugemauerte-fenster-und-gestutzte-baerte-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:19:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Steuern gibt es seit Jahrtausenden. Beliebt waren sie nie, dafür manchmal kurios, wie die Fenster- oder Jungfernsteuer. Und immer sind Steuern auch ein Instrument der Macht. (BR 2017)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b5892c27-1db2-4afb-953c-981c6101aab1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Steuern gibt es seit Jahrtausenden. Beliebt waren sie nie, dafür manchmal kurios, wie die Fenster- oder Jungfernsteuer. Und immer sind Steuern auch ein Instrument der Macht. (BR 2017)</p><p>Autor/in dieser Folge: Maike Brzoska<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Axel Wostry, Katja Amberger, Johannes Hitzelberger<br/>Technik: Cordula Wanschura<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Heilsame Bilder - Wie Kunsttherapie die Psyche bewegt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/heilsame-bilder-wie-kunsttherapie-die-psyche-bewegt/2012186</link>
      <pubDate>Mon, 19 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">bdc3d2f1-d37b-4bab-8e8f-e581b08f68fc</guid>
      <description>Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Kunsttherapie kann Patienten aller Art helfen, Gefühle, Ängste oder verdrängte Traumata zu erkennen und zu verstehen. Als Bild oder Skulptur treten sie aus dem Inneren der Menschen heraus.</description>
      <enclosure length="21676416" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2012186/c/feed/heilsame-bilder-wie-kunsttherapie-die-psyche-bewegt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Julie Metzdorf</itunes:author>
      <itunes:summary>Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Kunsttherapie kann Patienten aller Art helfen, Gefühle, Ängste oder verdrängte Traumata zu erkennen und zu verstehen. Als Bild oder Skulptur treten sie aus dem Inneren der Menschen heraus.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/30259cd2-bb80-4d3c-b0b8-e14cb07f6452.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Kunsttherapie kann Patienten aller Art helfen, Gefühle, Ängste oder verdrängte Traumata zu erkennen und zu verstehen. Als Bild oder Skulptur treten sie aus dem Inneren der Menschen heraus.</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Stefan Merki, Ditte Ferrigan, Julia Fischer<br/>Technik: Jan Piepenstock<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview: <br/></strong>Karin Dannecker (Kunsttherapeutin, Berlin); <br/>Jay Rebel (ehemalige Patientin)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen über die menschliche Psyche könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Angst - Vom Umgang mit einem unheimlichen Grundgefühl: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/angst-vom-umgang-mit-einem-unheimlichen-grundgefuehl/bayern-2/85613126/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Tiere als Therapeuten - Wenn Tiere Seelen heilen: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/tiere-als-therapeuten-wenn-tiere-seelen-heilen/bayern-2/12114259/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Diamonds are forever - Von Ringen und Verlobungen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/diamonds-are-forever-von-ringen-und-verlobungen/2114439</link>
      <pubDate>Fri, 16 Jan 2026 15:07:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1c3b87ca-9d49-4980-8b5f-302ec0f2f26e</guid>
      <description>Mit einem Marketingtrick hat der Diamanten-Händler DeBeers einen simplen Edelstein zu einem Symbol für ewige Liebe gemacht. Bis heute hält sich diese Illusion, deren Ursprung im Römischen Reich liegt und mit romantischer Liebe erstmal wenig zu tun hatte.</description>
      <enclosure length="21115052" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114439/c/feed/diamonds-are-forever-von-ringen-und-verlobungen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Stefanie Witterauf</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit einem Marketingtrick hat der Diamanten-Händler DeBeers einen simplen Edelstein zu einem Symbol für ewige Liebe gemacht. Bis heute hält sich diese Illusion, deren Ursprung im Römischen Reich liegt und mit romantischer Liebe erstmal wenig zu tun hatte.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e5bb1e20-4ec4-45d5-afde-8c3bf7704f46.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit einem Marketingtrick hat der Diamanten-Händler DeBeers einen simplen Edelstein zu einem Symbol für ewige Liebe gemacht. Bis heute hält sich diese Illusion, deren Ursprung im Römischen Reich liegt und mit romantischer Liebe erstmal wenig zu tun hatte.</p><p>Credits:<br/>Autor: Stefanie Witterauf<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Beethovens Sonaten - Das Neue Testament der Klaviermusik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/beethovens-sonaten-das-neue-testament-der-klaviermusik-1/2114472</link>
      <pubDate>Fri, 16 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0f509806-fc3d-496f-a088-554d46a1ba40</guid>
      <description>Beethovens Instrument war das Klavier. Ihm widmete er den größten Teil seiner Schaffenskraft. Die 32 Klaviersonaten gelten als das &quot;Neue Testament des Klavierspiels&quot;. (BR 2019)</description>
      <enclosure length="21301248" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114472/c/feed/beethovens-sonaten-das-neue-testament-der-klaviermusik-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Johannes Roßteuscher</itunes:author>
      <itunes:summary>Beethovens Instrument war das Klavier. Ihm widmete er den größten Teil seiner Schaffenskraft. Die 32 Klaviersonaten gelten als das &quot;Neue Testament des Klavierspiels&quot;. (BR 2019)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a071861e-c33c-4e66-8a8b-09942b0ee9e6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Beethovens Instrument war das Klavier. Ihm widmete er den größten Teil seiner Schaffenskraft. Die 32 Klaviersonaten gelten als das "Neue Testament des Klavierspiels". (BR 2019)</p><p>Credits:<br/>Autor: Johannes Roßteuscher<br/>Redaktion: Christian Schuler<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Technik: Miriam Böhm<br/>Sprecher/-innen: Berenike Beschle, Peter Lersch, Andreas Dirscherl</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Angriffe statt Argumente - Wird Gewalt in der Politik salonfähig?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/angriffe-statt-argumente-wird-gewalt-in-der-politik-salonfaehig/2100865</link>
      <pubDate>Fri, 16 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c5d1f158-91d6-4adc-b591-cfbd99b66575</guid>
      <description>Ob beim Aufhängen von Wahlplakaten, bei öffentlichen Veranstaltungen oder im Privatleben: Auseinandersetzungen finden immer häufiger pöbelnd, drohend und gewalttätig statt. Im Sommer 2024 kam es zu einer bis dahin nicht dagewesenen Anzahl.</description>
      <enclosure length="22419072" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100865/c/feed/angriffe-statt-argumente-wird-gewalt-in-der-politik-salonfaehig.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:21</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Ob beim Aufhängen von Wahlplakaten, bei öffentlichen Veranstaltungen oder im Privatleben: Auseinandersetzungen finden immer häufiger pöbelnd, drohend und gewalttätig statt. Im Sommer 2024 kam es zu einer bis dahin nicht dagewesenen Anzahl.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/00ede1e8-718a-4a51-9f2d-25350b8b582b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ob beim Aufhängen von Wahlplakaten, bei öffentlichen Veranstaltungen oder im Privatleben: Auseinandersetzungen finden immer häufiger pöbelnd, drohend und gewalttätig statt. Im Sommer 2024 kam es zu einer bis dahin nicht dagewesenen Anzahl.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprach: Hemma Michel<br/>Technik: Anton Wunder<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong></p>
<p>Prof. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin, Leibniz Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt/M.</p>
<p>Prof. Claudia Gatzka, Historikerin, Universität Freiburg/Brsg.</p>
<p>Prof. Wilhelm Heitmeyer, Soziologe, Universität Bielefeld</p>
<p>Prof. Nina Kolleck, Bildungsforscherin, Universität Potsdam</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
 
<strong>Diskretion - Respekt vor dem Privaten              <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/diskretion-respekt-vor-dem-privaten/bayern-2/80304288/">HIER</a></strong>
 
<strong>Der Hund oder ich - Tiere in der Partnerschaft             <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-hund-oder-ich-tiere-in-der-partnerschaft/bayern-2/13509305/">HIER</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Aktuell Studie zur Ungleichheit in der Gesellschaft:</strong></p>
<p><strong>Dorothee Spannagel, Jan Brülle: Ungleiche Teilhabe: Marginalisierte Arme – verunsicherte Mitte. WSI-Verteilungsbericht 2024. WSI Report Nr. 98, November 2024. <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008981">Download</a>: </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Alles Geschichte - Der History-Podcast</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/alles-geschichte-der-history-podcast/2114453</link>
      <pubDate>Thu, 15 Jan 2026 09:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d3ebf045-3f2a-415d-8255-5b6beb2a54f1</guid>
      <description>Hinter allem steckt Geschichte: Wir erzählen von den großen historischen Ereignissen, die die Welt verändern sollten, aber auch vom Alltag der einfachen Menschen in ihrer Zeit. Wie sahen die letzten Stunden von Ötzi aus? Warum wurde Cäsar ermordet? Wieso verschwand Nofretete am Ende ihres Lebens von der Bildfläche? Und wie wurde China zur Weltmacht? &quot;Alles Geschichte&quot; erzählt die Geschichten dazu.</description>
      <enclosure length="840576" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114453/c/feed/alles-geschichte-der-history-podcast.mp3"/>
      <itunes:duration>00:00:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Bayern 2</itunes:author>
      <itunes:summary>Hinter allem steckt Geschichte: Wir erzählen von den großen historischen Ereignissen, die die Welt verändern sollten, aber auch vom Alltag der einfachen Menschen in ihrer Zeit. Wie sahen die letzten Stunden von Ötzi aus? Warum wurde Cäsar ermordet? Wieso verschwand Nofretete am Ende ihres Lebens von der Bildfläche? Und wie wurde China zur Weltmacht? &quot;Alles Geschichte&quot; erzählt die Geschichten dazu.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4198bceb-e8b7-4f0b-af2f-5a2d47e2a0ff.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hinter allem steckt Geschichte: Wir erzählen von den großen historischen Ereignissen, die die Welt verändern sollten, aber auch vom Alltag der einfachen Menschen in ihrer Zeit. Wie sahen die letzten Stunden von Ötzi aus? Warum wurde Cäsar ermordet? Wieso verschwand Nofretete am Ende ihres Lebens von der Bildfläche? Und wie wurde China zur Weltmacht? "Alles Geschichte" erzählt die Geschichten dazu.</p><p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-der-history-podcast/urn:ard:show:fdb83c5530d71150/">Alles Geschichte - Der History-Podcast</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Als die Städte zu Riesen wurden - Urbanisierung und die Folgen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/als-die-staedte-zu-riesen-wurden-urbanisierung-und-die-folgen/2114438</link>
      <pubDate>Thu, 15 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9a98267a-9d37-413a-b2ef-403dcc46f555</guid>
      <description>Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wachsen die Städte rasant, Unterkünfte platzen aus allen Nähten. Münchens Bevölkerung zum Beispiel hat sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt. Die Folge war nicht nur Wohnungsnot, sondern auch Umwälzungen.</description>
      <enclosure length="22999680" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114438/c/feed/als-die-staedte-zu-riesen-wurden-urbanisierung-und-die-folgen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Georg Gruber</itunes:author>
      <itunes:summary>Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wachsen die Städte rasant, Unterkünfte platzen aus allen Nähten. Münchens Bevölkerung zum Beispiel hat sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt. Die Folge war nicht nur Wohnungsnot, sondern auch Umwälzungen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b73c5ed2-ed6e-4c42-a9f4-933846d42cc6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wachsen die Städte rasant, Unterkünfte platzen aus allen Nähten. Münchens Bevölkerung zum Beispiel hat sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt. Die Folge war nicht nur Wohnungsnot, sondern auch Umwälzungen.</p><p>Credits:<br/>Autor: Georg Gruber<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Sprecher: Rahel Comtesse, Carsten Fabian</p>
<p>Interviews mit:<br/>Marita Krauss, Professorin für Europäische Regionalgeschichte, Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg. Mitherausgeberin des Buches „München – Musenstadt mit Hinterhöfen. Die Prinzregentenzeit 1886-1912“<br/>Friedrich Lenger, Professor für Mittlere und neuere Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Autor des Buches „Metropolen der Moderne. Eine europäische Stadtgeschichte seit 1850“.</p>
<p>Archivmaterial:<br/>München anno dazumal – Johannes von Guenther erzählt von der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, 28.04.1970, Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.</p>
<p>Literatur:<br/><strong>Literatur zur Geschichte Münchens von 1850-1914 und der Urbanisierung Münchens </strong></p>
<p>München – Musenstadt mit Hinterhöfen. Die Prinzregentenzeit 1886-1912, herausgegeben von Friedrich Prinz und Marita Krauss, Verlag C.H. Beck 1988. Sehr lesenswerter umfangreicher Band mit Aufsätzen zu allen wichtigen Aspekten jener Zeit, mit zahlreichen Fotos und Skizzen.</p>
<p>Im Dunst aus Bier, Rauch und Volk. Arbeit und Leben in München von 1840 bis 1945. Ein Lesebuch. Herausgegeben von Reinhard Bauer, Günther Gerstenberg und Wolfgang Peschl, Piper Verlag 1989. Guter knapper Einstieg in diese Zeit mit historischen Quellen.</p>
<p>Stephan Albrecht, Martin Höppl (Hg), München. Stadtbaugeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Michael Imhof Verlag 2016. Großformatig, mit zahlreichen Fotos, Gemälden, Zeichnungen und Plänen. Interessant das Kapitel über Theodor Fischer und die Staffelbauordnung von 1904, ein erstes gesamt-städtisches Konzept für München.</p>
<p>Geschichte der Stadt München, herausgegeben von Richard Bauer, C.H. Beck Verlag 1992, umfassendes Werk zur Geschichte Münchens, beginnend im 12. Jahrhundert. Zur Phase der Urbanisierung lesenswert das Kapitel „München als süddeutsche Metropole – Die Organisation des Großstadtbaus 1870 bis 1914“</p>
<p>Michael Kubitza, Das Bier, das Leuchten und der Grant, Münchner Alltagsleben um 1900, Allitera Verlag 2019. Unterhaltsame Lektüre, mit zahlreichen Fotos. </p>
<p>Gerhard Neumeier, München um 1900. Wohnen und Arbeiten, Familie und Haushalt, Stadtteile und Sozialstrukturen, Hausbesitzer und Fabrikarbeiter, Demographie und Mobilität – Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte einer deutschen Großstadt vor dem Ersten Weltkrieg, Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1995. Dissertation, sehr detaillierte Untersuchung zu jener Zeit. </p>
<p>Soziale Räume in der Urbanisierung. Studien zur Geschichte Münchens im Vergleich 1850 bis 1933, herausgegeben von Wolfgang Hardtwig und Klaus Tenfelde, R. Oldenbourg Verlag, 1990. Wissenschaftlicher Sammelband mit Aufsätzen zu verschiedenen Aspekten der Urbanisierung, auch im Vergleich zu anderen Städten.</p>
<p>Stefan Fisch, Stadtplanung im 19. Jahrhundert. Das Beispiel München bis zur Ära Theodor Fischer, R. Oldenbourg Verlag 1988. Dissertation, sehr informativ, mit zahlreichen Details, bis hin zu den Kosten der Kanalisation.</p>
<p><strong>Literatur zur Geschichte der Urbanisierung allgemein</strong></p>
<p>Jürgen Reulecke, Geschichte der Urbanisierung in Deutschland, Suhrkamp 1985. Ein Standardwerk, nur noch antiquarisch erhältlich.</p>
<p>Friedrich Lenger, Metropolen der Moderne. Eine europäische Stadtgeschichte seit 1850, C.H. Beck 2013, sehr genauer gesamteuropäischer Überblick.</p>
<p>Clemens Zimmermann, Die Zeit der Metropolen. Urbanisierung und Großstadtentwicklung, Fischer Verlag 1996, gute knappe Einführung ins Thema, mit dem Fokus auf vier europäische Städte (Manchester, St. Petersburg, München und Barcelona)</p>
<p><strong>Quellen:<br/></strong><a href="https://de.statista.com/themen/7020/urbanisierung/#statisticChapter">Statistik zur Urbanisierung in der Gegenwart</a></p>
<p>Else Conrad, Lebensführung von 22 Arbeiterfamilien Münchens: im Auftrage des <a href="https://www.econbiz.de/Record/lebensf%C3%BChrung-von-22-arbeiterfamilien-m%C3%BCnchens-im-auftrage-des-statistischen-amtes-der-stadt-m%C3%BCnchen-kesten-conrad-else/10011497846">Statistischen Amtes der Stadt München, 1909</a></p>
<p><strong><em>Podcast-Tipp:</em></strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c21a9622156e5447/">STADTLEBEN FRÜHER – Rebellion und Mitsprache · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Braun statt Weiß-Blau - Die NS-Ministerpräsidenten Bayerns</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/braun-statt-weiss-blau-die-ns-ministerpraesidenten-bayerns/2114397</link>
      <pubDate>Wed, 14 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5a9bfcb0-c02f-4017-895e-d5bc5be0dc4e</guid>
      <description>Es ist ein weißer Fleck in der Erinnerung an bayerisches Staatsleben: Auch wenn es fast vergessen ist: Trotz Einheitsreich gab es zwischen 1933 und 1945 in Bayern weiter das Amt des Ministerpräsidenten und eine Staatsregierung.</description>
      <enclosure length="21832704" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114397/c/feed/braun-statt-weiss-blau-die-ns-ministerpraesidenten-bayerns.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Hans Hinterberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Es ist ein weißer Fleck in der Erinnerung an bayerisches Staatsleben: Auch wenn es fast vergessen ist: Trotz Einheitsreich gab es zwischen 1933 und 1945 in Bayern weiter das Amt des Ministerpräsidenten und eine Staatsregierung.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/59984676-26b9-48b0-94f4-e671bfa39794.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein weißer Fleck in der Erinnerung an bayerisches Staatsleben: Auch wenn es fast vergessen ist: Trotz Einheitsreich gab es zwischen 1933 und 1945 in Bayern weiter das Amt des Ministerpräsidenten und eine Staatsregierung.</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autor: Hans Hinterberger<br/>Regie: Kirsten Böttcher <br/>Es sprachen: Sophie Rogall, Werner Härtl und Hemma Michel<br/>Technik: Adele Meßmer<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p>Im Interview:<br/>O Töne der Ministerpräsidenten Siebert, Giesler und von Epp, der BBC und des Innenmisters Wagner<br/>Interview Dr. Daniel Rittenauer</p>
<p><strong>Link-Tipp:<br/></strong><strong>Heinrich Held - Ein Ministerpräsident und der Untergang Bayerns<br/></strong>Heinrich Held kämpft über die gesamte Zeit der Weimarer Republik vor allem für eines: für ein starkes Bayern in einem föderalistischen Deutschland. Doch ausgerechnet er wird der Ministerpräsident sein, der 1933 den Untergang Bayerns zu verkraften hat. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a649b8daaad73fc6">Von Hans Hinterberger (BR 2023)</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der neue Mann - Total von der Rolle?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-neue-mann-total-von-der-rolle-4/1972517</link>
      <pubDate>Wed, 14 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">891208bd-ff2d-422b-ae11-335f78b0e962</guid>
      <description>Wie soll er sein, der &quot;neue&quot; Mann? Auf der Suche nach einer Antwort versuchen Männer heute den Spagat zwischen Ernährer und modernem Partner, beruflich erfolgreichem Macher und sensiblem Vater, doch es fehlt an Vorbildern.</description>
      <enclosure length="21989376" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1972517/c/feed/der-neue-mann-total-von-der-rolle-4.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:54</itunes:duration>
      <itunes:author>Michael Zametzer</itunes:author>
      <itunes:summary>Wie soll er sein, der &quot;neue&quot; Mann? Auf der Suche nach einer Antwort versuchen Männer heute den Spagat zwischen Ernährer und modernem Partner, beruflich erfolgreichem Macher und sensiblem Vater, doch es fehlt an Vorbildern.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f6f80408-8653-48e9-8f44-c371b387c125.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie soll er sein, der "neue" Mann? Auf der Suche nach einer Antwort versuchen Männer heute den Spagat zwischen Ernährer und modernem Partner, beruflich erfolgreichem Macher und sensiblem Vater, doch es fehlt an Vorbildern.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Michael Zametzer<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Xenia Tiling, Carsten Fabian, Gudrun Skupin<br/>Technik: Miriam Böhm<br/>Redaktion: Gerda Kuhn</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Christoph May, Männerforscher;<br/>Dr. Reinhard Winter, Pädagoge, Geschlechterforscher </p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Helden, Softies, neue Väter - Vom Wandel des Männlichkeitsideals: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/helden-softies-neue-vaeter-vom-wandel-des-maennlichkeitsideals/bayern-2/88435782/">JETZT ANHÖREN</a></strong></strong></p>
<p>Frauen leiden anders - Männer auch: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/frauen-leiden-anders-maenner-auch/bayern-2/10298223/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Liebe in Zeiten der KI - Gibt es Nähe zwischen Mensch und Maschine?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/liebe-in-zeiten-der-ki-gibt-es-naehe-zwischen-mensch-und-maschine/2114363</link>
      <pubDate>Tue, 13 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">637d456b-fa13-4c88-bdca-a7a196d65358</guid>
      <description>Immer mehr Menschen finden emotionale Nähe bei KI-Chatbots:  Übernehmen die künstlich intelligenten Bots die Rolle von Partner:innen? Und verändert das unser Verständnis von Liebe und Freundschaft. Wenn wir eine Maschine lieben - wer liebt uns zurück?</description>
      <enclosure length="21628800" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114363/c/feed/liebe-in-zeiten-der-ki-gibt-es-naehe-zwischen-mensch-und-maschine.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Konstantin Schönfelder</itunes:author>
      <itunes:summary>Immer mehr Menschen finden emotionale Nähe bei KI-Chatbots:  Übernehmen die künstlich intelligenten Bots die Rolle von Partner:innen? Und verändert das unser Verständnis von Liebe und Freundschaft. Wenn wir eine Maschine lieben - wer liebt uns zurück?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f802da47-9c02-41d2-8fa6-795d79024aee.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Immer mehr Menschen finden emotionale Nähe bei KI-Chatbots:  Übernehmen die künstlich intelligenten Bots die Rolle von Partner:innen? Und verändert das unser Verständnis von Liebe und Freundschaft. Wenn wir eine Maschine lieben - wer liebt uns zurück?</p><p>Credits:<br/>Autor: Konstantin Schönfelder<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie:  Kirsten Böttcher<br/>Technik: Moritz Herrmann <br/>Sprecher: Berenike Beschle, Carsten Fabian, Benedikt Schregle, Hemma Michel</p>
<p>Interviews mit:<br/>Dr. Jessica Sczcuka, Prof. Dr. Eva Weber-Guskar,<br/>Prof. Dr. Silvia Knobloch-Westerwick</p>
<p>Literatur:<br/>Eva Weber-Guskar, „Gefühle der Zukunft“: eine philosophische Perspektive auf die Frage, wie emotionale KI verantwortungsvoll eingesetzt werden kann und sollte.</p>
<p>Podcast-Tipps:<br/>Menschliche Stimmen lassen sich inzwischen auf Knopfdruck klonen, in wenigen Sekunden nach Wunsch synthetisch &quot;designen&quot;. Diese &quot;KI-Stimmen&quot; eröffnen ungeahnte Möglichkeiten: für KI-Assistenten, in der Medienproduktion, um Filme zu synchronisieren usw. Doch wie transparent ist ihr Einsatz? Und welche rechtlichen und ethischen Fragen wirft diese Entwicklung auf? <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:65202efca08cd379/">KI-Stimmen - Täuschend echt?</a></p>
<p>Joseph Weizenbaum war der selbsternannte Ketzer und Dissident der &quot;künstlichen Intelligenz&quot; - die er selbst mitentwickelt hatte. Er hielt Computer für bessere Schreibmaschinen. Sein Programm &quot;ELIZA&quot; aus den 1960er Jahren war der erste &quot;Chatbot&quot;, der mit Menschen sprechen konnte. Und zugleich eine Parodie auf den Fortschrittsglauben. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:967af6949311c863/">KI-Pionier Joseph Weizenbaum - ELIZA und ihre Tücken</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Sanktmartiner - Auswanderer mit fränkischen Wurzeln </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-sanktmartiner-auswanderer-mit-fraenkischen-wurzeln/2100637</link>
      <pubDate>Tue, 13 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8902c94b-680f-489f-ad77-0a5917178316</guid>
      <description>Im Jahr 1724 machten sich dutzende Familien aus dem fränkischen Gerolzhofen auf in eine unbekannte Zukunft. Sie suchten ein besseres Leben in Sanktmartin, im Banat. Nach 300 Jahre kommen sie zurück, zu einem &quot;Familientreffen&quot;. (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22324608" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100637/c/feed/die-sanktmartiner-auswanderer-mit-fraenkischen-wurzeln.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Im Jahr 1724 machten sich dutzende Familien aus dem fränkischen Gerolzhofen auf in eine unbekannte Zukunft. Sie suchten ein besseres Leben in Sanktmartin, im Banat. Nach 300 Jahre kommen sie zurück, zu einem &quot;Familientreffen&quot;. (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bd548474-a48f-4037-95f2-1a8279a6c693.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahr 1724 machten sich dutzende Familien aus dem fränkischen Gerolzhofen auf in eine unbekannte Zukunft. Sie suchten ein besseres Leben in Sanktmartin, im Banat. Nach 300 Jahre kommen sie zurück, zu einem "Familientreffen". (BR 2024)</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Lukas Grasberger<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Johannes Hitzelberger, Susanne Schroeder<br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>Elisabeth Illich, Mitglied der Heimatortsgemeinschaft Sanktmartin, Leverkusen; <br/>Waldemar Lustig, Mitglied der Heimatortsgemeinschaft Sanktmartin, Bietigheim; <br/>Prof. Katrin Boeckh, Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, Regensburg; <br/>Bernhard Fackelmann, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Sanktmartin, München</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<strong>Die German Americans - Was wurde aus den deutschen Wurzeln <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-german-americans-was-wurde-aus-den-deutschen-wurzeln/bayern-2/94780086/">HIER</a></strong>
Gut 20 Prozent der Amerikaner geben an, sie hätten deutsche Wurzeln und Vorfahren. Doch anders als die Irish oder die Italian Americans stehen die German Americans selten im Rampenlicht (und feiern auch ihre deutsche Herkunft in geringem Maße.) Wie entwickelte sich das deutsch-amerikanische Selbstbewusstsein, das nach zwei Weltkriegen stark angeschlagen war und erst in jüngster Zeit wieder Auftrieb bekommen hat? Autor: Florian Kummert (BR 2023)
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Feldforschung in Amazonien - Auf den Spuren von Theodor Koch-Grünberg</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/feldforschung-in-amazonien-auf-den-spuren-von-theodor-koch-gruenberg/1909881</link>
      <pubDate>Mon, 12 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">bd3f79be-822d-465f-8974-00defaf200b2</guid>
      <description>Er wollte an die Quellen des Orinoco vordringen, was ihm nie gelingen sollte. Doch für seine ethnographischen Studien, seine lebendigen Beschreibungen und seine exzellenten Fotografien wurde er berühmt: Theodor Koch-Grünberg.</description>
      <enclosure length="21850368" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1909881/c/feed/feldforschung-in-amazonien-auf-den-spuren-von-theodor-koch-gruenberg.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Michael Kraus, Ulrike Prinz</itunes:author>
      <itunes:summary>Er wollte an die Quellen des Orinoco vordringen, was ihm nie gelingen sollte. Doch für seine ethnographischen Studien, seine lebendigen Beschreibungen und seine exzellenten Fotografien wurde er berühmt: Theodor Koch-Grünberg.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e6fd9229-ff3d-459f-8d25-f1e258a3d76a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Er wollte an die Quellen des Orinoco vordringen, was ihm nie gelingen sollte. Doch für seine ethnographischen Studien, seine lebendigen Beschreibungen und seine exzellenten Fotografien wurde er berühmt: Theodor Koch-Grünberg.</p><p>Autor/in dieser Folge: Ulrike Prinz, Michael Kraus<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Christian Baumann, Johannes Hitzelberger, Clemens Nicol, Patrick Zeilhofer<br/>Technik: Klemens Kamp<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/></p>
<p>Podcast-Tipps:<br/>Sie wollen mehr über Entdecker, Forscher und Expeditionen erfahren? RadioWissen hat weitere spannende Folgen zum Thema:</p>
<p>Therese von Bayern - Prinzessin, Naturforscherin, Ethnologin: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/therese-von-bayern-prinzessin-naturforscherin-ethnologin/1909893">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Georg Forster - Ethnologe und Menschenfreund: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/georg-forster-ethnologe-und-menschenfreund/1849516">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Entdecker ohne Ruhm - Indigene Helfer auf Forschungsreisen: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/entdecker-ohne-ruhm-indigene-helfer-auf-forschungsreisen/1334615">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Heinrich Barth - Der vergessene Afrika-Forscher: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/heinrich-barth-der-vergessene-afrika-forscher/31636">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/841"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks. <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kalenderblatt/kalenderblatt-708.html"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/></strong><strong><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks: <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Artenvielfalt - Wie neue Spezies entdeckt werden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/artenvielfalt-wie-neue-spezies-entdeckt-werden/2114336</link>
      <pubDate>Mon, 12 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f8dcc335-0273-492b-b46d-f57eb33068ef</guid>
      <description>Ob im &quot;Bayerischen Urwald&quot; oder auf Madagaskar - Forscher:innen entdecken immer mehr neue Spezies. Das kleinste Chamäleon der Welt beispielsweise, kaum größer als ein Daumennagel. Biodiversitätsforschung hat dank Hightech-Laboren mehr Möglichkeiten.</description>
      <enclosure length="21542016" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114336/c/feed/artenvielfalt-wie-neue-spezies-entdeckt-werden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Astrid Mayerle</itunes:author>
      <itunes:summary>Ob im &quot;Bayerischen Urwald&quot; oder auf Madagaskar - Forscher:innen entdecken immer mehr neue Spezies. Das kleinste Chamäleon der Welt beispielsweise, kaum größer als ein Daumennagel. Biodiversitätsforschung hat dank Hightech-Laboren mehr Möglichkeiten.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/34e81c3f-28cf-4a6d-b52f-d57ba17723a4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ob im "Bayerischen Urwald" oder auf Madagaskar - Forscher:innen entdecken immer mehr neue Spezies. Das kleinste Chamäleon der Welt beispielsweise, kaum größer als ein Daumennagel. Biodiversitätsforschung hat dank Hightech-Laboren mehr Möglichkeiten.</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autorin: Astrid Mayerle<br/>Redaktion: Katharina Hübel<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Sprecherin: Sophie Rogall</p>
<p><strong>Interviews mit:<br/></strong>Ellen Bückle, technische Assistentin, Zoologische Staatssammlung München (<a href="https://zsm.snsb.de/">ZSM</a>)<br/>Dr. Frank Glaw, Herpetologe, Zoologische Staatssammlung München (<a href="https://zsm.snsb.de/">ZSM</a>)<br/>Dr. Thomas von Rintelen, Co-Leiter am Zentrum für integrative Biodiversitätsentdeckung, <a href="https://www.museumfuernaturkunde.berlin/de">Museum für Naturkunde Berlin</a></p>
<p><strong>Podcast-Tipps: <br/></strong><strong>Artenschutz und grüne Energie – Lösung für beides möglich?<br/></strong>Vertrocknete Wälder, Dürre, überschwemmte Orte: Die Klimakrise ist Realität. Genauso wie das Artensterben. Für beides braucht es eine Lösung, gleichzeitig. Wissenschaftler:innen forschen daran, wie beides gehen kann: <strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2d9269d2f0b45674/">Podcast in der ARD Audiothek</a></strong></p>
<p><strong>Amphibiensterben. Gibt es Chancen für Frösche, Molche und Kröten?<br/></strong>Amphibien sind vom Artensterben bedroht wie keine andere Tiergruppe: 40 Prozent der Arten weltweit sind vom Aussterben bedroht. Ihre Lebensräume werden zerstört, klimabedingte Dürren setzen den Tieren zu und seit einigen Jahren rafft ein Pilz namens BSAL massenweise Salamander dahin. Gibt es Hoffnung für die Lurche? <strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:eaab9c4eb88c15e6/">ardaudiothek.de</a></strong></p>
<p><strong>Die halbe Erde unter Schutz. Rettungsmaßnahmen für Klima und Arten. <br/></strong>Umweltorganisationen gehen davon aus, dass nur große globale Schutzgebiete den Klimawandel und das Artensterben aufhalten können. 50 Prozent des Planeten müssten und könnten unter Schutz gestellt werden. Der einfachste Weg? <strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d1afbb32fb67a588/">ardaudiothek.de</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wortfindungsstörungen - Und andere alltägliche Aussetzer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wortfindungsstoerungen-und-andere-alltaegliche-aussetzer/2100750</link>
      <pubDate>Fri, 09 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c270a44d-3740-4c7e-bf5b-fa54488b4470</guid>
      <description>Die Fähigkeit zu sprechen und Botschaften zu artikulieren, zeichnet uns Menschen aus. Doch ab und zu kommt es - bei jedem von uns - zu Fehlern bei der Sprachproduktion. Diese kleinen kognitiven Aussetzer sind normal und meistens harmlos. </description>
      <enclosure length="21057408" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100750/c/feed/wortfindungsstoerungen-und-andere-alltaegliche-aussetzer.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Katrin Kellermann</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Fähigkeit zu sprechen und Botschaften zu artikulieren, zeichnet uns Menschen aus. Doch ab und zu kommt es - bei jedem von uns - zu Fehlern bei der Sprachproduktion. Diese kleinen kognitiven Aussetzer sind normal und meistens harmlos. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a9b2c41a-8f49-4290-b3a3-aea92bc2e61b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Fähigkeit zu sprechen und Botschaften zu artikulieren, zeichnet uns Menschen aus. Doch ab und zu kommt es - bei jedem von uns - zu Fehlern bei der Sprachproduktion. Diese kleinen kognitiven Aussetzer sind normal und meistens harmlos. </p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Katrin Kellermann<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Christian Baumann, Rahel Comtesse<br/>Technik: Heiko Hinrichs, Lorenz Kersten<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview: <br/></strong>Prof. Dr. Dr. Horst M. Müller, Ag Experimentelle Neurolinguistik, Universität Bielefeld, <br/>Prof. Dr. Sebastian Markett, Psychologe Humboldt-Universität zu Berlin, Gedächtnistrainerin Gitte Rollenhagen u. Teilnehmer, <br/>Dr. Nina Jeanette Hofferberth, Buchautorin Sprachproduktion &amp; Lehrerin </p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong>Stottern - Die Angst vor dem nächsten Hänger: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/stottern-die-angst-vor-dem-naechsten-haenger/bayern-2/12839179/">HIER</a></strong>
<strong>Gedächtnisforschung - Was hilft gegen Vergesslichkeit? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/gedaechtnisforschung-was-hilft-gegen-vergesslichkeit/bayern-2/13564439/">HIER </a> </strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Linktipps:<br/></strong><strong>Bundesverband Gedächtnistrainingb e.V. mit einer Liste zertifizierter Gedächtnistrainer: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://bvgt.de">HIER</a><br/></strong><strong>Assoziationsspiel zur Erforschung des mentalen Lexikons: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://smallworldofwords.org/de">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Oskar von Miller - Technik-Pionier und Museumsgründer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/oskar-von-miller-technik-pionier-und-museumsgruender/2066578</link>
      <pubDate>Fri, 09 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6b726e26-6e91-4693-a6b2-bf96db3b7c3a</guid>
      <description>Als der junge Bauingenieur Oskar von Miller 1881 die Internationale Elektrizitätsausstellung in Paris besucht, ist er begeistert. Er beschließt, dass auch seine Heimatstadt München elektrisch beleuchtet werden soll ...</description>
      <enclosure length="23840640" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2066578/c/feed/oskar-von-miller-technik-pionier-und-museumsgruender.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:50</itunes:duration>
      <itunes:author>David Globig</itunes:author>
      <itunes:summary>Als der junge Bauingenieur Oskar von Miller 1881 die Internationale Elektrizitätsausstellung in Paris besucht, ist er begeistert. Er beschließt, dass auch seine Heimatstadt München elektrisch beleuchtet werden soll ...</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ded4bd24-8830-4c65-884d-b66bff4e474e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als der junge Bauingenieur Oskar von Miller 1881 die Internationale Elektrizitätsausstellung in Paris besucht, ist er begeistert. Er beschließt, dass auch seine Heimatstadt München elektrisch beleuchtet werden soll ...</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: David Globig<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Friedrich Schloffer, Katja Amberger<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Theodoros Reumschüssel, Pressesprecher für die Wasserkraftaktivitäten von Uniper in Deutschland;<br/>Dr. Matthias Röschner, Leiter des Archivs des Deutschen Museums in München;<br/>Dr. Wilhelm Füßl, ehem. Leiter des Archivs des Deutschen Museums, Autor einer Biografie über Oskar von Miller</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Das Deutsche Museum - Technikgeschichte zum Anfassen: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-deutsche-museum-technikgeschichte-zum-anfassen/bayern-2/13743897/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Philipp Reis - Erfinder des Telefons: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/philipp-reis-erfinder-des-telefons/bayern-2/79550158/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Rudolf Diesel - Zwischen Genie und Versagen: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/rudolf-diesel-zwischen-genie-und-versagen/bayern-2/78755218/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Klang-Speicher - Von der Wachswalze zum USB-Stick: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klang-speicher-von-der-wachswalze-zum-usb-stick/bayern-2/80781884/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Als der Strom nach Bayern kam - Wasserkraft und Widerstand: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/als-der-strom-nach-bayern-kam-wasserkraft-und-widerstand/bayern-2/96338994/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipp:<br/></strong>Wilhelm Füßl: &quot;Oskar von Miller. 1855-1934. Eine Biographie&quot;, München 2006:</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Geht ein Mann zum Arzt<br/>An Apple a day? Es ist lange her, aber Raiko Thal traut sich endlich zum Arzt. Er erfährt alles am eigenen Leib, holt sich Fachleute ran, die ihm Hintergrundwissen vermitteln und lernt viel über sich und seinen Gesundheitszustand. <strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/geht-ein-mann-zum-arzt/94795750/">ZUM PODCAST</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Raus aus der Grübelfalle - Wenn Gedanken sich im Kreis drehen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/raus-aus-der-gruebelfalle-wenn-gedanken-sich-im-kreis-drehen/2104627</link>
      <pubDate>Thu, 08 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">48999ff3-5af1-4397-afe4-0f9e88ebcdaf</guid>
      <description>Was könnte nicht alles passieren! Warum habe ich immer Pech? Wenn sich Gedanken nur noch im Kreis drehen, lässt sich keine Lösung, kein Ausweg mehr finden. Grübeleien blockieren das Handeln. (BR 2025)</description>
      <enclosure length="20047872" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2104627/c/feed/raus-aus-der-gruebelfalle-wenn-gedanken-sich-im-kreis-drehen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Was könnte nicht alles passieren! Warum habe ich immer Pech? Wenn sich Gedanken nur noch im Kreis drehen, lässt sich keine Lösung, kein Ausweg mehr finden. Grübeleien blockieren das Handeln. (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3f126d2d-7e4e-472a-8208-c6f253b54872.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was könnte nicht alles passieren! Warum habe ich immer Pech? Wenn sich Gedanken nur noch im Kreis drehen, lässt sich keine Lösung, kein Ausweg mehr finden. Grübeleien blockieren das Handeln. (BR 2025)</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Justina Schreiber<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprach: Hemma Michel<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Thomas Ehring, Psychologe, Psychotherapeut + Lehrstuhlinhaber Klinische Psychologie und Psychotherapie der LMU München <br/>Annelie Ritschel, Psychologin + Körperpsychotherapeutin<br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Tobias Teismann, Thomas Ehring: Pathologisches Grübeln, Hogrefe 2018</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Jugendstil - Natur als Kunst, Schönheit als Revolte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/jugendstil-natur-als-kunst-schoenheit-als-revolte/1710771</link>
      <pubDate>Thu, 08 Jan 2026 02:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4133b52a-0caa-4cd4-8ecb-c91166d408ef</guid>
      <description>Die frei wuchernden Formen der Natur waren Inspiration für Künstler und Architekten, die starre Formen hinter sich ließen wie Schmetterlinge die Larvenhülle. Der Jugendstil war geboren ... (BR 2019)</description>
      <enclosure length="22288091" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1710771/c/feed/jugendstil-natur-als-kunst-schoenheit-als-revolte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Barbara Knopf</itunes:author>
      <itunes:summary>Die frei wuchernden Formen der Natur waren Inspiration für Künstler und Architekten, die starre Formen hinter sich ließen wie Schmetterlinge die Larvenhülle. Der Jugendstil war geboren ... (BR 2019)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6cc1a6f8-806a-42be-a8b5-d6e58798c75a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die frei wuchernden Formen der Natur waren Inspiration für Künstler und Architekten, die starre Formen hinter sich ließen wie Schmetterlinge die Larvenhülle. Der Jugendstil war geboren ... (BR 2019)</p><p>Credits:<br/>Autor/in dieser Folge: Barbara Knopf<br/>Regie: Eva Demmelhuber<br/>Es sprachen: Johannes Hitzelberger, Rahel Comtesse, Clemens Nicol<br/>Technik: Regina Stärke<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/><br/></p>
<p>Gustav Klimt gilt als der Maler des Wiener Jugendstils. RadioWissen hat zwei spannende Folgen zum Leben und Werk des Künstlers:<br/>Gustav Klimt - Bohemian und Künstler: <a title="Radiowissen | Gustav Klimt - Bohemian und Künstler" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gustav-klimt-bohemian-und-kuenstler/34292"><strong>JETZT ANHÖREN</strong></a><br/>Gustav Klimt - Der Kuss des Jugendstils: <a title="Radiowissen | Gustav Klimt - Der Kuss des Jugendstils" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gustav-klimt-der-kuss-des-jugendstils/188256"><strong>JETZT ANHÖREN</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schwärmer, Fans und Enthusiasten - Über leidenschaftliche Mitmenschen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schwaermer-fans-und-enthusiasten-ueber-leidenschaftliche-mitmenschen-1/1806508</link>
      <pubDate>Wed, 07 Jan 2026 15:10:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">14502496-523c-48b5-b670-46b633e81461</guid>
      <description>Enthusiasten werden gern belächelt: zu naiv, zu hingebungsvoll und zu leidenschaftlich wirken sie, als dass man ihnen einen klaren Gedanken zutraut. Aber geht irgendetwas auf der Welt voran ohne Enthusiasmus?</description>
      <enclosure length="21817887" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1806508/c/feed/schwaermer-fans-und-enthusiasten-ueber-leidenschaftliche-mitmenschen-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Mösing</itunes:author>
      <itunes:summary>Enthusiasten werden gern belächelt: zu naiv, zu hingebungsvoll und zu leidenschaftlich wirken sie, als dass man ihnen einen klaren Gedanken zutraut. Aber geht irgendetwas auf der Welt voran ohne Enthusiasmus?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/86fae228-91b5-439e-a1a2-39aec885e9ae.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Enthusiasten werden gern belächelt: zu naiv, zu hingebungsvoll und zu leidenschaftlich wirken sie, als dass man ihnen einen klaren Gedanken zutraut. Aber geht irgendetwas auf der Welt voran ohne Enthusiasmus?</p><p>Credits: <br/>Autorin: Anja Mösing<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Technik: Clemens Kamp       <br/>Sprecher/innen: Anne-Isabelle Zils, Rainer Buck, Christian Schuler, Rahel Cometesse</p>
<p>Interviews mit:<br/>Bernd Bösel, Philosoph, Privatdozent am Institut für Künste und Medien, Uni Potsdam <br/>Dieter Frey, Psychologe, Professor am Institut für Sozialpsychologie, LMU, München</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Steine - Grundlage von Leben und Zivilisation</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/steine-grundlage-von-leben-und-zivilisation/2114144</link>
      <pubDate>Wed, 07 Jan 2026 09:10:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">24aa5c07-dde7-4b39-9ed0-6644d0199c6a</guid>
      <description>Steine begegnen auf Schritt und Tritt, werden aber oft weniger beachtet als die organische Materie. Doch die Beziehung von Steinen zum Leben ist von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis der Erdgeschichte und der Geschichte menschlicher Kulturen.</description>
      <enclosure length="22128384" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114144/c/feed/steine-grundlage-von-leben-und-zivilisation.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Brigitte Kohn</itunes:author>
      <itunes:summary>Steine begegnen auf Schritt und Tritt, werden aber oft weniger beachtet als die organische Materie. Doch die Beziehung von Steinen zum Leben ist von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis der Erdgeschichte und der Geschichte menschlicher Kulturen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/66640ab5-cb01-4857-a56c-cef914692ce4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Steine begegnen auf Schritt und Tritt, werden aber oft weniger beachtet als die organische Materie. Doch die Beziehung von Steinen zum Leben ist von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis der Erdgeschichte und der Geschichte menschlicher Kulturen.</p><p>Credits:<br/>Autor/in: Brigitte Kohn<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Erzählerin: Sophie Rogall</p>
<p>Interviews mit: <br/>Professor Dietrich Erben, Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design, Technische Universität München<br/>Dr. Markus Moser, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns<br/>Privatdozent Dr. Frank Trixler, Ludwig-Maximilian-Universität München, Rieskrater Museum Nördlingen</p>
<p><strong>Podcast-Tipps:<br/></strong><strong>Der Aufbau unserer Erde - Kruste, Mantel und Kern<br/></strong>Der Erdkern ist heiß: bis zu 5.000 Grad Celsius! Da Bohrungen nur 12 Kilometer ins Erdinnere reichen, der mittlere Erdradius aber 6.371 Kilometer misst, beruht unser Wissen über den Schichten-Aufbau auf indirekten Beobachtungen. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:993db336f482e7c9/">Radiowissen · Der Aufbau unserer Erde - Kruste, Mantel und Kern</a></p>
<p><strong>Schiefer - Der Glimmerstein<br/></strong>Schiefer glitzert, Schiefer glänzt, Schiefer besticht durch den typischen Glimmer-Effekt. Dabei entsteht Schiefer, der hierzulande vor allem für das Dachdecken verwendet wurde, eigentlich aus Schlamm: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:54b99bbcb874617a/">Radiowissen · Schiefer - Der Glimmerstein</a></p>
<p><strong>Karst und Karstlandschaften - Wenn Korrosion die Landschaft prägt<br/></strong>Wenn regelmäßig Regenwasser in Kalkstein eindringt, frisst die Kohlensäure den Kalk auf. Geologen sprechen dann von der Verkarstung. Diesem Prozess, der über Jahrmillionen geht, verdanken wir spektakuläre Landschaftsformen wie Karst-Türme, Canyons, Klammen, Sinterbecken und auch gigantische Höhlen: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:6622ea5ec8c7c381/">Radiowissen · Karst und Karstlandschaften - Wenn Korrosion die Landschaft prägt</a></p>
<p><strong>Webseiten der Interviewpartner:<br/></strong>Professor Dietrich Erben: <a href="https://www.professoren.tum.de/erben-dietrich">Technische Universität München</a><br/>Privatdozent Markus Moser: <a href="https://bspg.snsb.de/sektion-mitarbeiter/markus-moser/">Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie</a><br/><a href="https://kunstareal.de/haeuser-und-institutionen/museen-und-ausstellungshaeuser/palaeontologisches-museum-muenchen?gad_source=1&amp;gad_campaignid=22185814448&amp;gbraid=0AAAAAqyIDMrAES-f8jp2MNcKAkEIAZ7al&amp;gclid=EAIaIQobChMIgbuys8ytkQMVG5mDBx3XpxlUEAAYASAAEgJfXfD_BwE">Paläontologisches Museum München</a><br/>Privatdozent Dr. Frank Trixler: <a>LMU München</a><br/><a href="https://www.rieskrater-museum.de/sonderausstellungen/">Sonderausstellung Steinige Wege zum Leben</a> – Rieskratermuseum in Nördlingen</p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Trixler, Frank (Konzept, Kuratierung, Texte) Katalog zur Ausstellung im Nördlinger Rieskrater Museum <a href="https://www.rieskrater-museum.de/wp-content/uploads/2025/07/a4ddd032.pdf">Steinige Wege zum Leben</a> (mit wissenschaftlichem Literaturverzeichnis) <br/>Sebastian, Ulrich: Gesteinskunde.  Ein Leitfaden für Einsteiger und Anwender, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2022<br/>Zalasiewicz, Jan: Die verborgene Geschichte der Erde, Haupt Verlag Bern 2023</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Giacomo Puccini - Superstar der Oper</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/giacomo-puccini-superstar-der-oper/2100496</link>
      <pubDate>Mon, 05 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e9deed1e-c423-4818-987f-42f4773c8b90</guid>
      <description>Giacomo Puccinis &quot;La Boheme&quot;, &quot;Tosca&quot; und &quot;Turandot&quot; ziehen bis heute die Menschen in die Opernhäuser der Welt. Puccini war Weltstar, Schwermütiger, Auto- und Techniknarr, eine vielseitige, oft widersprüchliche, immer aber faszinierende Figur.</description>
      <enclosure length="22892928" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100496/c/feed/giacomo-puccini-superstar-der-oper.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:50</itunes:duration>
      <itunes:author>Christian Schuler</itunes:author>
      <itunes:summary>Giacomo Puccinis &quot;La Boheme&quot;, &quot;Tosca&quot; und &quot;Turandot&quot; ziehen bis heute die Menschen in die Opernhäuser der Welt. Puccini war Weltstar, Schwermütiger, Auto- und Techniknarr, eine vielseitige, oft widersprüchliche, immer aber faszinierende Figur.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/07faf7de-dbff-4c2d-8e80-a61585cb7383.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Giacomo Puccinis "La Boheme", "Tosca" und "Turandot" ziehen bis heute die Menschen in die Opernhäuser der Welt. Puccini war Weltstar, Schwermütiger, Auto- und Techniknarr, eine vielseitige, oft widersprüchliche, immer aber faszinierende Figur.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Christian Schuler<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Hemma Michl, Jerzy May, Florian Schwarz<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Redaktion: Karin Becker</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Jörg handstein, Autor und Kritiker<br/>Volkmar Fischer, Musikjournalist (BR Klassik)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/>Max Reger - Orgelwerke und Chorfantasien <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/max-reger-orgelwerke-und-choralfantasien/bayern-2/12455141/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Enrico Caruso - Erster Superstar der Schallplatte  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/enrico-caruso-erster-superstar-der-schallplatte/bayern-2/12395991/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Richard Erkens (Hg.): Puccini-Handbuch, Gemeinschaftsausgabe der Verlage Metzler, Stuttgart, und Bärenreiter, Kassel, © Springer-Verlag GmbH, Stuttgart 2017. <br/>Giuseppe Adami (Hg.): Puccini. Ein Musikerleben, mit 240 eigenen Briefen, Berlin o.J. (vermutlich 1930er Jahre).<br/>Clemens Höslinger: Puccini. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1984.<br/>Dieter Schickling: Puccini. Biographie. München 2017.  <br/>Arthur M. Abell: Gespräche mit berühmten Musikern, Artha Buchdienst, Oy-Mittelberg, 1973. </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Freiheitsstatue - ein symbolträchtiges Geschenk</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-freiheitsstatue-ein-symboltraechtiges-geschenk/2091626</link>
      <pubDate>Mon, 05 Jan 2026 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e2cc40a5-d664-4b1d-9d5a-d2aafef6f7e2</guid>
      <description>Sie zählt zu den bekanntesten Baudenkmälern der Welt: die Freiheitsstatue vor den Toren von New York. Ein Monument der Erhabenheit und effektive Werbeträgerin für die Vereinigten Staaten.</description>
      <enclosure length="22598016" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2091626/c/feed/die-freiheitsstatue-ein-symboltraechtiges-geschenk.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Florian Kummert</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie zählt zu den bekanntesten Baudenkmälern der Welt: die Freiheitsstatue vor den Toren von New York. Ein Monument der Erhabenheit und effektive Werbeträgerin für die Vereinigten Staaten.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/602bbea8-7769-474b-a42b-7002412a75d2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie zählt zu den bekanntesten Baudenkmälern der Welt: die Freiheitsstatue vor den Toren von New York. Ein Monument der Erhabenheit und effektive Werbeträgerin für die Vereinigten Staaten.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Florian Kummert<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Andreas Neumann, Irina Wanka, Julia Fischer, Christian Baumann<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Elizabeth Mitchell, Journalistin und Autorin „Liberty’s Torch“<br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Der Stadtplaner Robert Moses - Gründer des modernen New York: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-stadtplaner-robert-moses-gruender-des-modernen-new-york/bayern-2/94810592/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>GROSSBAUSTELLEN DER GESCHICHTE – Die Brooklyn Bridge: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/grossbaustellen-der-geschichte-die-brooklyn-bridge/bayern-2/12640935/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Thomas Paine - Gründervater und Querulant: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/thomas-paine-gruendervater-und-querulant/bayern-2/94521962/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Die German Americans - Was wurde aus den deutschen Wurzeln? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-german-americans-was-wurde-aus-den-deutschen-wurzeln/bayern-2/94780086/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Der Mord an JFK - Trauma und Verschwörungsmythos: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-mord-an-jfk-trauma-und-verschwoerungsmythos/bayern-2/12912659/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Artenwandel im Anthropozän - Der Einfluss des Menschen auf die Evolution</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/artenwandel-im-anthropozaen-der-einfluss-des-menschen-auf-die-evolution/1937567</link>
      <pubDate>Fri, 02 Jan 2026 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">99abb91e-24d2-4312-aec2-5f1871ac14df</guid>
      <description>Immer mehr Elefanten oder Nashörner haben wegen massenhafter Bejagung keine Stoßzähne mehr oder bilden nur noch kleine Hörner aus - ein Mechanismus der Evolution. Was passiert aber, wenn Elefanten nicht mehr im Boden wühlen können?</description>
      <enclosure length="20939136" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1937567/c/feed/artenwandel-im-anthropozaen-der-einfluss-des-menschen-auf-die-evolution.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:48</itunes:duration>
      <itunes:author>Brigitte Kramer</itunes:author>
      <itunes:summary>Immer mehr Elefanten oder Nashörner haben wegen massenhafter Bejagung keine Stoßzähne mehr oder bilden nur noch kleine Hörner aus - ein Mechanismus der Evolution. Was passiert aber, wenn Elefanten nicht mehr im Boden wühlen können?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7b0f7670-cddd-48fa-9d06-d97a88278a96.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Immer mehr Elefanten oder Nashörner haben wegen massenhafter Bejagung keine Stoßzähne mehr oder bilden nur noch kleine Hörner aus - ein Mechanismus der Evolution. Was passiert aber, wenn Elefanten nicht mehr im Boden wühlen können?</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Brigitte Kramer<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Hemma Michel, Johannes Hitzelberger<br/>Technik: Roland Böhm<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:</strong><br/>Thorsten Reusch, Ökologe, Geomar;<br/>Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel; <br/>Jochen Wolf, Evolutionsbiologe, LMU München; <br/>Axel Meyer, Evolutionsbiologe, Universität Konstanz<br/><br/><strong> Weitere hörenswerte Folgen von Radiowissen:</strong></p>
<p>Klimawandel - Der Konfliktanheizer: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimawandel-der-konfliktanheizer/bayern-2/78758516/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Kampf gegen Klimawandel - Warum tut sich der Mensch so schwer?: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kampf-gegen-klimawandel-warum-tut-sich-der-mensch-so-schwer/bayern-2/78758512/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Neobiota - Neue Arten durch den Klimawandel: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/neobiota-neue-arten-durch-den-klimawandel/bayern-2/90095082/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Erdsystemforschung - Eine Medizin für die Erde: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/erdsystemforschung-eine-medizin-fuer-die-erde/bayern-2/12098973/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipp:<br/></strong>Spanende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BR PODCAST | BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Winterschwimmen und Kälte - Was das wirklich bringt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/winterschwimmen-und-kaelte-was-das-wirklich-bringt-1/2114094</link>
      <pubDate>Wed, 31 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">887191ff-1f4b-42cf-b18d-d8bc4668c30b</guid>
      <description>Winterschwimmen erfreut sich großer Beliebtheit. Wie sich kaltes Wasser auf den Körper auswirkt, was es bringt und welche Gefahren damit verbunden sind, dem ist Petra Martin nachgegangen. Sie ist seit zehn Jahren Winterschwimmerin.</description>
      <enclosure length="24055680" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2114094/c/feed/winterschwimmen-und-kaelte-was-das-wirklich-bringt-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:25:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Petra Martin</itunes:author>
      <itunes:summary>Winterschwimmen erfreut sich großer Beliebtheit. Wie sich kaltes Wasser auf den Körper auswirkt, was es bringt und welche Gefahren damit verbunden sind, dem ist Petra Martin nachgegangen. Sie ist seit zehn Jahren Winterschwimmerin.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ad936e68-5ef9-4eb9-9652-898ebe10cd24.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Winterschwimmen erfreut sich großer Beliebtheit. Wie sich kaltes Wasser auf den Körper auswirkt, was es bringt und welche Gefahren damit verbunden sind, dem ist Petra Martin nachgegangen. Sie ist seit zehn Jahren Winterschwimmerin.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Petra Martin<br/>Redaktion: Yvonne Maier<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Technik: Robin Auld<br/>Sprecherin: Petra Martin<br/> <br/>Interviews mit: <br/>Prof. Alexander Bartelt, Kälteforscher<br/>Marina Schwarzmüller, Physiotherapeutin, Kältekammer<br/>Gernot Fuchs, Kältekammer<br/>Winterschwimmer: Christian, Helmut, Ingrid, Ferdi</p>
<p>Podcast-Tipp: <br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e60a6c0ff31b5482/">Gefährtinnen im Eis – Die Frauen hinter der Polarforschung</a><br/> </p>
<p>TV-Tipp: <br/>Bergfreundinnen in Skandinavien. Darin wagen sich Toni, Kaddi und Lisa auf ihr bislang kältestes Abenteuer: Mit Ski und Pulka durch die eisige Wildnis Lapplands bis zum norwegischen Fjord – mit Stürmen, extremer Kälte und echten Grenzerfahrungen: <a href="https://www.ardmediathek.de/br/bergfreundinnen">Neue dreiteilige Dokuserie „Bergfreundinnen – Expedition Skandinavien“ in der ARD Mediathek</a>.<br/> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Verbotene Bücher, Ringen um Worte - Wie Zensur funktioniert</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/verbotene-buecher-ringen-um-worte-wie-zensur-funktioniert/2113938</link>
      <pubDate>Tue, 30 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0802ca60-8b0a-4c44-9687-5f9370145c9a</guid>
      <description>Dürfen Schriftstellerinnen und Schriftsteller alles schreiben? Nicht, wo Zensur herrscht. Denn Bücher stellen auch politische Systeme und Machthaber immer wieder in Frage. Trotzdem publizierten Autor:innen auch unter Zensur-Bedingungen kritische Werke.</description>
      <enclosure length="22095744" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113938/c/feed/verbotene-buecher-ringen-um-worte-wie-zensur-funktioniert.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Gabriele Knetsch</itunes:author>
      <itunes:summary>Dürfen Schriftstellerinnen und Schriftsteller alles schreiben? Nicht, wo Zensur herrscht. Denn Bücher stellen auch politische Systeme und Machthaber immer wieder in Frage. Trotzdem publizierten Autor:innen auch unter Zensur-Bedingungen kritische Werke.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b90693db-e27a-437e-abbc-6d5d8cff9ef1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dürfen Schriftstellerinnen und Schriftsteller alles schreiben? Nicht, wo Zensur herrscht. Denn Bücher stellen auch politische Systeme und Machthaber immer wieder in Frage. Trotzdem publizierten Autor:innen auch unter Zensur-Bedingungen kritische Werke.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Gabriele Knetsch<br/>Redaktion: Katharina HübelR<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Sprecher: Hemma Michel, Jerzy May</p>
<p>Interviews mit:  <br/>Prof. Siegfried Lokatis, ehem. Buchwissenschaftler an der Universität Leipzig, Schwerpunkt Drittes Reich und DDR<br/>Prof. Till Kössler, Historischer Bildungsforscher an der Universität zu Köln<br/>Prof. Ines Geipel, Schriftstellerin, Publizistin und Hochschullehrerin mit Schwerpunkt deutsche Gewaltgeschichte, Archiv unterdrückter Literatur in der DDR<br/>Helga Schubert, Schriftstellerin und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin </p>
<p>Podcast-Tipps: <br/>DDR-Literatur: Lange Zeit wurde die Literatur der DDR verächtlich abgetan: zu kniefällig, zu parteikonform. Aber es geht auch um Selbstbehauptung, Empfindsamkeit und Utopien: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c70fe72aa91af93c/">DDR-Literatur</a>.<br/>Die DDR - Auferstanden aus Ruinenin „Alles Geschichte – Der History-Podcast“ setzt sich mit der Gründung der DDR auseinander. Hier geht es zu <a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/die-fruehe-ddr-auferstanden-aus-ruinen/2001606">„Alles Geschichte“</a><br/>Vor 50 Jahren starb Diktator Francisco Franco und Spanien begann den Weg in die Demokratie: <a href="https://www.arte.tv/de/videos/118254-000-A/das-erbe-des-diktators-50-jahre-demokratie-in-spanien/">Das Erbe des Diktators Franco</a></p>
<p>Link-Tipps:<br/><a href="https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/archiv/aktenbestaende/archiv-unterdrueckter-literatur-in-der-ddr">„Archiv unterdrückter Literatur in der DDR“</a> der Bundesstiftung für Aufarbeitung, u. a. von Prof. Ines Geipel.<br/>Die Bundeszentrale für politische Bildung über <a href="https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/535791/das-wechselspiel-von-selbstzensur-und-literaturlenkung-in-der-ddr/">Zensur in der DDR</a><br/>Der MDR hat umfangreich <a href="https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/kultur/literatur-zensur-in-der-ddr-100.html">Wissen über die DDR</a> aufbereitet</p>
<p>Literatur-Tipps: <br/>Helga Schubert: Luft zum Leben. Geschichten vom Übergang. DTV 2025.<br/>Gabriele Knetsch: Die Waffen der Kreativen, Bücherzensur und Umgehungsstrategien im Franquismus (1939-1975). Vervuert 1999. <br/>Ines Geipel und Joachim Walther: Gesperrte Ablage. Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945-1989, Lilienfeld 2024. <br/>Siegfried Lokatis, u.a.: Vom Autor zur Zensurakte. Abenteuer im Leseland DDR, Mitteldeutscher Verlag 2014. <br/>Simone Barck/Siegfried Lokatis: Zensurspiele. Heimliche Literaturgeschichte aus der DDR. Mitteldeutscher Verlag 2008. <br/>Till Kössler: Franco – der ewige Faschist. Eine Biographie. C.H.Beck 2025. </p>
<p>Besonderer Podcast-Tipp: <br/><a href="https://1.ard.de/wenn-die-sonne-untergeht?radiowissen=cp">Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary sur Merals zehnteiliges Hörbuch, gelesen von Stephan Schad</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zähne fletschen und Ohren spitzen - Unsere verlorenen Fähigkeiten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zaehne-fletschen-und-ohren-spitzen-unsere-verlorenen-faehigkeiten/2113928</link>
      <pubDate>Tue, 30 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">441ce9aa-2b26-4d31-8fcd-e92115293709</guid>
      <description>Zähne zeigen, Ohren aufstellen, Fell aufplustern, blitzschnell auf Bäume klettern - solche Fähigkeiten sind beim Menschen im Laufe der Evolution verloren gegangen. Und dennoch sind sie in Ansätzen immer noch sichtbar.</description>
      <enclosure length="23071872" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113928/c/feed/zaehne-fletschen-und-ohren-spitzen-unsere-verlorenen-faehigkeiten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:01</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Zähne zeigen, Ohren aufstellen, Fell aufplustern, blitzschnell auf Bäume klettern - solche Fähigkeiten sind beim Menschen im Laufe der Evolution verloren gegangen. Und dennoch sind sie in Ansätzen immer noch sichtbar.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d677adf9-8057-462c-80c5-974467078f2e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zähne zeigen, Ohren aufstellen, Fell aufplustern, blitzschnell auf Bäume klettern - solche Fähigkeiten sind beim Menschen im Laufe der Evolution verloren gegangen. Und dennoch sind sie in Ansätzen immer noch sichtbar.</p><p>Credits:<br/> <br/>Autorin: Maike Brzoska<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Sprecherin: Laura Maire<br/> </p>
<p>Gesprächspartner:<br/> <br/>Dr. Andreas Schröer, Neurowissenschaftler, forscht an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes<br/>Professor Thomas Junker, Evolutionsbiologe und Buchautor<br/> </p>
<p>Literatur: <br/> <br/>Thomas Junker und Sabine Paul, „Der Darwin-Code. Die Evolution erklärt unser Leben“ – zeigt sehr anschaulich, warum wir sind, wie wir sind, und wie die Spuren unserer Entwicklung noch heute in unserem Körper und Alltag sichtbar sind. <br/> </p>
<p>Hör-Tipps:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:53b6f852edc6175e/">Radiowissen · Der Fisch im Menschen - Unser evolutionäres Erbe · Podcast in der ARD Audiothek</a><br/><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a40ad91fb3c613ce/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Was bleibt von Darwin? - Forschung zur Evolution heute · Podcast in der ARD Audiothek</a><br/><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d78bd7f77f548f01/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Bewegter Mensch - Der neue Blick in der Archäologie · Podcast in der ARD Audiothek</a><br/><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:7e703fe944ae74b9/">Radiowissen · Die Zunge - Ein Meisterwerk der Evolution · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
<p> <br/> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte des Artensterbens - Von der Urzeit bis heute</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-des-artensterbens-von-der-urzeit-bis-heute/2100714</link>
      <pubDate>Mon, 29 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d8ce9afc-7733-473c-971d-023332db5c13</guid>
      <description>Als vor rund 66 Millionen Jahren ein Asteroid im heutigen Mexiko einschlug, starben rund drei Viertel der Arten aus - vor allem die Dinosaurier. In dieser Größenordnung ein einmaliges Ereignis, aber längst nicht das einzige. </description>
      <enclosure length="22705152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100714/c/feed/die-geschichte-des-artensterbens-von-der-urzeit-bis-heute.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Hellmuth Nordwig</itunes:author>
      <itunes:summary>Als vor rund 66 Millionen Jahren ein Asteroid im heutigen Mexiko einschlug, starben rund drei Viertel der Arten aus - vor allem die Dinosaurier. In dieser Größenordnung ein einmaliges Ereignis, aber längst nicht das einzige. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0b0307f0-3bba-4e5c-b06e-4c9ce276f092.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als vor rund 66 Millionen Jahren ein Asteroid im heutigen Mexiko einschlug, starben rund drei Viertel der Arten aus - vor allem die Dinosaurier. In dieser Größenordnung ein einmaliges Ereignis, aber längst nicht das einzige. </p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Hellmuth Nordwig<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Rahel Comtesse, Johannes Hitzelberger, Peter Veit<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Thassilo Franke, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayern; <br/>Prof. em. Wolfgang Oschmann, Geologe, Universität Frankfurt am Main; <br/>Dr. Daniela Schwarz, Naturhistorisches Museum Berlin<br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Die halbe Erde unter Schutz - Rettungsmaßnahmen für Klima und Arten          <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-halbe-erde-unter-schutz-rettungsmassnahmen-fuer-klima-und-arten/bayern-2/12864465/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Erdsystemforschung - Eine Medizin für die Erde               <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/erdsystemforschung-eine-medizin-fuer-die-erde/bayern-2/12098973/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Paläontologisches Museum München         <a title="Hier gehts zur Website." href="https://bspg.snsb.de/palaeontologisches-museum-muenchen/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Museum für Naturkunde Berlin                     <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.museumfuernaturkunde.berlin/de">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Würfeln statt Wischen – Gesellschaftsspiele im Trend</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wuerfeln-statt-wischen-gesellschaftsspiele-im-trend/2113907</link>
      <pubDate>Mon, 29 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8993cd04-14ea-46ea-bfaa-fc020ceeb426</guid>
      <description>Spaß und Ernst, Freude und Ärger, Gewinnen und Verlieren - das alles erleben Menschen beim Spielen. Gesellschaftsspiele schaffen es, unterschiedliche Charaktere an einen Tisch zu bringen. Und man lernt sich richtig gut kennen.</description>
      <enclosure length="20618112" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113907/c/feed/wuerfeln-statt-wischen-gesellschaftsspiele-im-trend.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:28</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Spaß und Ernst, Freude und Ärger, Gewinnen und Verlieren - das alles erleben Menschen beim Spielen. Gesellschaftsspiele schaffen es, unterschiedliche Charaktere an einen Tisch zu bringen. Und man lernt sich richtig gut kennen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2ec4fd2b-9772-4c78-b479-d31480947857.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Spaß und Ernst, Freude und Ärger, Gewinnen und Verlieren - das alles erleben Menschen beim Spielen. Gesellschaftsspiele schaffen es, unterschiedliche Charaktere an einen Tisch zu bringen. Und man lernt sich richtig gut kennen.</p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Claudia Steiner</p>
<p>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p>Regie: Christiane Klenz</p>
<p>Technik: Moritz Herrmann</p>
<p>Sprecherin: Caroline Ebner</p>

<p>Interviews mit:</p>
<p>Prof. Dr. Hedwig Gasteiger, Institut für Mathematik, Uni Osnabrück</p>
<p>Prof. Dr. Jens Junge, Institut für Ludologie, Berlin</p>
<p>Dr. Volker Mehringer, Spielzeug- und Spielforschung, Universität Augsburg</p>

<p>Links:</p>
<p>Institut für Ludologie: <a href="https://www.ludologie.de/">www.ludologie.de</a></p>
<p>Spiel des Jahres: <a href="https://www.spiel-des-jahres.de/">www.spiel-des-jahres.de</a></p>
<p>Spiel in Essen: <a href="https://www.spiel-essen.de/de/">www.spiel-essen.de</a></p>
<p>Deutscher Verband der Spielwarenindustrie: <a href="https://www.dvsi.de/">www.dvsi.de</a></p>

<p>Literatur:</p>
<p>Spielforschung, Jens Junge, Karin Falkenberg, Nomos, 2025</p>
<p>Spielzeug, Spiele und Spielen: Aktuelle Studien und Konzepte, Volker Mehringen und Wiebke Waburg, Springer 2020</p>
<p>Diversity und Inklusion bei Spielzeug und Spielen, Volker Mehringer und Wiebke Waburg, Beltz, 2025</p>
<p>Elementare mathematische Bildung im Alltag der Kindertagesstätte: Grundlegung und Evaluation eines kompetenzorientierten Förderansatzes, Hedwig Gasteiger, Waxmann 2010</p>
<p>Pocdast-Empfehlung:</p>
<p>„Wie entsteht ein Pop-Hit – und kann man dafür eine Formel finden? Im Podcast-Feature von Caro Matzko probiert der Podcast aus, wie Algorithmen das perfekte Lied berechnen und ob ein Chart-Erfolg wirklich planbar ist: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/urn:ard:show:66661ab636d879c5/">„Wie berechenbar ist ein Pop Hit?“</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der gute Duft - Die Geschichte des Parfüms</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gute-duft-die-geschichte-des-parfuems/2101094</link>
      <pubDate>Wed, 24 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ca87e87f-540e-41c9-bafb-706b0e9c529f</guid>
      <description>Schon immer schätzten die Menschen den Wohlgeruch. Doch welcher Duft wurde wann und wozu angewendet? Wie entstand das erste moderne Parfum? Die Geschichte des Parfums gibt spannende Einblicke in Vorlieben, Trends und Ansichten der Vergangenheit.</description>
      <enclosure length="23306880" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101094/c/feed/der-gute-duft-die-geschichte-des-parfuems.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Silke Wolfrum</itunes:author>
      <itunes:summary>Schon immer schätzten die Menschen den Wohlgeruch. Doch welcher Duft wurde wann und wozu angewendet? Wie entstand das erste moderne Parfum? Die Geschichte des Parfums gibt spannende Einblicke in Vorlieben, Trends und Ansichten der Vergangenheit.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1d3b0e15-07dc-4590-aa73-1d63fb76bd34.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schon immer schätzten die Menschen den Wohlgeruch. Doch welcher Duft wurde wann und wozu angewendet? Wie entstand das erste moderne Parfum? Die Geschichte des Parfums gibt spannende Einblicke in Vorlieben, Trends und Ansichten der Vergangenheit.</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autorin dieser Folge: Silke Wolfrum<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Christian Baumann, Hemma Michel<br/>Technik: Josef Angloher<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Justine Diemke, wiss. Mitarbeiterin für Alte Geschichte an der Universität Hamburg<br/>Johann Maria Farina, Nachkomme des Erfinders des Eau de Cologne, geschäftsführender Gesellschafter der ältesten noch Inhaber geführten Parfümfabrik der Welt (mit Museum)</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
 
Der Duft des Göttlichen - Gerüche und ihre spirituelle Bedeutung: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-duft-des-goettlichen-gerueche-und-ihre-spirituelle-bedeutung/bayern-2/78749492/">JETZT ENTDECKEN</a><br/>
Düfte als Sprache - Kommunikation im Tierreich: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/duefte-als-sprache-kommunikation-im-tierreich/bayern-2/89894896/">JETZT ENTDECKEN</a>
 
 
<strong>Literaturtipps:<br/></strong>Collectif Nez &amp; Jeann Doré: „Parfum: Alles über die Welt der Düfte“ – umfangreiche illustrierte Informationen <br/>Andrea Dalmus: „Eau de Cologne. Farina 1709“ – anschaulicher Überblick über die 300jährige Geschichte des Eau de Cologne aus dem Hause Johann Maria Farina<br/>Joachim Mensing: „Schöner Riechen. Die magische Wirkung von Parfums auf das Wohlbefinden“ – ausführliche und detailreiche Informationen rund um Geruch, Geruchsforschung und Parfum<br/>Andrea Hurton: „Erotik des Parfums. Geschichte und Praxis der schönen Düfte“ – Überblick über die Geschichte des Parfums mit zahlreichen Anekdoten
 
 
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a>
 
Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a>
 
Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Glasmalerei - Vom Reiz Bleibendes zu schaffen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/glasmalerei-vom-reiz-bleibendes-zu-schaffen/2100020</link>
      <pubDate>Tue, 23 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">30d326ac-4499-4372-a6ce-a1af46fe1bdf</guid>
      <description>Farbige Kirchenfenster gehören zu den faszinierendsten Kunstwerken der Vergangenheit. Aber auch in der Moderne ist Glasmalerei aus vielen Gebäuden nicht wegzudenken. Technische Weiterentwicklungen haben dem uralten Handwerk zu einer neuen Blüte verholfen.</description>
      <enclosure length="22463232" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100020/c/feed/glasmalerei-vom-reiz-bleibendes-zu-schaffen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Julie Metzdorf</itunes:author>
      <itunes:summary>Farbige Kirchenfenster gehören zu den faszinierendsten Kunstwerken der Vergangenheit. Aber auch in der Moderne ist Glasmalerei aus vielen Gebäuden nicht wegzudenken. Technische Weiterentwicklungen haben dem uralten Handwerk zu einer neuen Blüte verholfen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b1062ff2-5445-477a-82ec-e1b44e509734.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Farbige Kirchenfenster gehören zu den faszinierendsten Kunstwerken der Vergangenheit. Aber auch in der Moderne ist Glasmalerei aus vielen Gebäuden nicht wegzudenken. Technische Weiterentwicklungen haben dem uralten Handwerk zu einer neuen Blüte verholfen.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Katja Schild, Johannes Hitzelberger, Florian Schwarz<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Thierry Boissel, Leiter Studien- und Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik an der Akademie der Bildenden Künste in München<br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Licht in der Malerei - Kerzen, Glanz und Sonnenstrahlern  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-licht-in-der-malerei-kerzen-glanz-und-sonnenstrahlen/bayern-2/12920065/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Maltechnik - Der Stoff aus dem die Kunst ist  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/maltechnik-der-stoff-aus-dem-die-kunst-ist/bayern-2/13386161/">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die unsichtbare Brille - Wie Glaubenssätze unser Leben lenken</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-unsichtbare-brille-wie-glaubenssaetze-unser-leben-lenken/2099701</link>
      <pubDate>Tue, 23 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d75f01b6-f3e7-4125-b645-3ee37c6816f6</guid>
      <description>Jeder Mensch trägt tiefe Überzeugungen über sich, seine Mitmenschen und die Welt in sich. Diese Glaubenssätze sind die Brille, durch die jeder seine eigene Realität sieht. Woher kommen diese Glaubenssätze und kann man negative Glaubenssätze löschen?</description>
      <enclosure length="23241600" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099701/c/feed/die-unsichtbare-brille-wie-glaubenssaetze-unser-leben-lenken.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Victoria Marciniak</itunes:author>
      <itunes:summary>Jeder Mensch trägt tiefe Überzeugungen über sich, seine Mitmenschen und die Welt in sich. Diese Glaubenssätze sind die Brille, durch die jeder seine eigene Realität sieht. Woher kommen diese Glaubenssätze und kann man negative Glaubenssätze löschen?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d6886059-5e32-4c27-8c00-c27e4aa2724c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Jeder Mensch trägt tiefe Überzeugungen über sich, seine Mitmenschen und die Welt in sich. Diese Glaubenssätze sind die Brille, durch die jeder seine eigene Realität sieht. Woher kommen diese Glaubenssätze und kann man negative Glaubenssätze löschen?</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Victoria Marciniak<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Andreas Neumann, Marlen  Reichert<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Emily, arbeitet im Bereich HR<br/>Franca Cerutti, Psychotherapeutin; <br/>Dr. Raquel Peel, Soziologin</p>
<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Harvard-Studie     <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.pressebox.de/pressemitteilung/marc-m-galal-institut/Sie-bremsen-oder-befluegeln-das-Leben-Glaubenssaetze/boxid/863550">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Podcast &quot;Psychologie to go&quot;   <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://psychologie-to-go.podigee.io/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>„The relationship sabotage scale: an evaluation of factor analyses and constructive validity“ <a title="Hier gehts zur Website." href="https://bmcpsychology.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40359-021-00644-0#citeas">HIER</a></strong></p>
<p><strong>TED-Talk von Dr. Raquel Peel     <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ted.com/talks/raquel_peel_why_do_we_sabotage_love?geo=de&amp;trigger=0s">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der heilige Raum - Resonanz zwischen Ort und Mensch</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-heilige-raum-resonanz-zwischen-ort-und-mensch/890311</link>
      <pubDate>Mon, 22 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0ee2204c-f0e4-49fa-a3c5-741814154b55</guid>
      <description>In manchen Räumen fühlen wir uns besonders wohl, andere meiden wir nach Möglichkeit. Gebäude, Orte und Plätze scheinen über ein eigenes, energetisches Potenzial zu verfügen. Der Mensch kann damit in Resonanz gehen.</description>
      <enclosure length="22569984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/890311/c/feed/der-heilige-raum-resonanz-zwischen-ort-und-mensch.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:30</itunes:duration>
      <itunes:author>Gerda Kuhn</itunes:author>
      <itunes:summary>In manchen Räumen fühlen wir uns besonders wohl, andere meiden wir nach Möglichkeit. Gebäude, Orte und Plätze scheinen über ein eigenes, energetisches Potenzial zu verfügen. Der Mensch kann damit in Resonanz gehen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/87afe7c8-d044-4442-b520-a9bb38074b91.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In manchen Räumen fühlen wir uns besonders wohl, andere meiden wir nach Möglichkeit. Gebäude, Orte und Plätze scheinen über ein eigenes, energetisches Potenzial zu verfügen. Der Mensch kann damit in Resonanz gehen.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Gerda Kuhn<br/>Regie: Gerda Kuhn, Petra Hermann<br/>Es sprachen: Beate Himmelstoß, Christian Baumann<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak, Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Gernot Candolini (Biologe, Pädagoge, Autor, Innsbruck);<br/>Stefan Brönnle (Dipl.-Ing.; Landschafts-Ökologe, Leiter der Geomantie-Schule Inana)</p>
<p><strong>Diese hörenswerte Folge von Radiowissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Klang-Räume - Musik und Akustik: <a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klang-raeume-musik-und-akustik/bayern-2/78758736/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wie wird man hundert? - Das Geheimnis des langen Lebens</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wie-wird-man-hundert-das-geheimnis-des-langen-lebens/2101000</link>
      <pubDate>Mon, 22 Dec 2025 02:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">78189525-2cb4-4294-9aa0-036dd390fc0b</guid>
      <description>&quot;Blaue Zonen&quot; beschreiben Regionen, in denen die Menschen überdurchschnittlich alt werden. Dazu gehören u.a. die griechische Insel Ikaria und die japanische Insel Okinawa. Einige Erfolgsrezepte: Familie, Bewegung, Ernährung, soziales Engagement.</description>
      <enclosure length="23793408" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2101000/c/feed/wie-wird-man-hundert-das-geheimnis-des-langen-lebens.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Bernd-Uwe Gutknecht</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Blaue Zonen&quot; beschreiben Regionen, in denen die Menschen überdurchschnittlich alt werden. Dazu gehören u.a. die griechische Insel Ikaria und die japanische Insel Okinawa. Einige Erfolgsrezepte: Familie, Bewegung, Ernährung, soziales Engagement.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9469fa57-b074-4820-9f0f-a6175dbf8223.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Blaue Zonen" beschreiben Regionen, in denen die Menschen überdurchschnittlich alt werden. Dazu gehören u.a. die griechische Insel Ikaria und die japanische Insel Okinawa. Einige Erfolgsrezepte: Familie, Bewegung, Ernährung, soziales Engagement.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor dieser Folge: Bernd-Uwe Gutknecht<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Jerzy May, Peter Veit, Andreas Dirscherl, Christian Schuler, Jenny Güzel, Gabi Hinterstoißer<br/>Technik: Stefan Oberle<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><br/><strong>Interviews:<br/></strong></p>
<p>Prof. Dr. Peter Tessarz, Alterswissenschaftler, Radboud-Universität, Nijmegen, Niederlande<br/>Dr. Laura Richardson, Professorin für Bewegungswissenschaften an der University of Michigan, USA <br/>Älteren Menschen auf Ikaría</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></strong><strong>Anderes Alter, andere Zeit - Warum ändert sich unser Zeitgefühl?      <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/anderes-alter-andere-zeit-warum-aendert-sich-unser-zeitgefuehl/bayern-2/13315281/">HIER</a></strong>
<p><strong>Glückshormone - Komplexe Botenstoffe mit viel Wirkung                   <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/glueckshormone-komplexe-botenstoffe-mit-viel-wirkung/bayern-2/93331086/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Sport im Alter - Wie sich Senioren richtig fit halten                           <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/sport-im-alter-wie-sich-senioren-richtig-fit-halten/bayern-2/12399145/">HIER</a></strong></p>
<strong>Literatur:</strong>
Peter Attia: „Outlive – wir wir länger und besser leben können, als wir denken.“ Verlag Ullstein. Ein Mammutwerk von 600 Seiten, das die Wissenschaft der Langlebigkeit fachkundig, aber gut verständlich erklärt. Alles Wichtige über die Faktoren Ernährung, Bewegung, Schlaf, Geselligkeit, Zufriedenheit, Gene.

 
Volker Limmroth: „Der Longevity-Kompass“. Verlag Ullstein. Ratschläge, wie wir die physische, kognitive und emotionale Gesundheit fördern können. Ein eher praktisches Buch mit konkreten Mitmach-Tipps. 
 
Slaven Stekovic: „Jung bleiben, alt werden“. Carl Ueberreuter Verlag. Dieses Fachbuch blickt vor allem auf die genetischen Zusammenhänge und inwiefern wir mit einem Lebensstil überhaupt unsere Gesundheit beeinflussen können. 
 

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Nie mehr Kopfrechnen? - Rechenschieber, Taschenrechner &amp; Co.</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nie-mehr-kopfrechnen-rechenschieber-taschenrechner-co-2/2099945</link>
      <pubDate>Fri, 19 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2fb5d83c-e170-4eea-8e8c-36356481594c</guid>
      <description>Abakus, Rechenschieber, Taschenrechner: Schon lange nutzt der Mensch Hilfsmittel, um nicht alles im Kopf ausrechnen zu müssen. Heute greifen wir selbst für simple Aufgaben zur Smartphone-App. Wie wirkt sich das auf unsere Fähigkeiten aus? </description>
      <enclosure length="21186476" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099945/c/feed/nie-mehr-kopfrechnen-rechenschieber-taschenrechner-co-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:04</itunes:duration>
      <itunes:author>David Globig</itunes:author>
      <itunes:summary>Abakus, Rechenschieber, Taschenrechner: Schon lange nutzt der Mensch Hilfsmittel, um nicht alles im Kopf ausrechnen zu müssen. Heute greifen wir selbst für simple Aufgaben zur Smartphone-App. Wie wirkt sich das auf unsere Fähigkeiten aus? </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5fad6733-8c2f-421f-b004-8363c1ae2bab.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Abakus, Rechenschieber, Taschenrechner: Schon lange nutzt der Mensch Hilfsmittel, um nicht alles im Kopf ausrechnen zu müssen. Heute greifen wir selbst für simple Aufgaben zur Smartphone-App. Wie wirkt sich das auf unsere Fähigkeiten aus? </p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autor dieser Folge: David Globig<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Heiko Ruprecht, Katja Schild, Clemens Nicol<br/>Redaktion: Hellmuth Nordwig</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Daniel Timms, Kopfrechen-Trainer<br/>Dr. Christina Artemenko, Fachbereich Psychologie, Universität Tübingen<br/>Prof. Hans-Christoph Nürk, Diagnostik und kognitive Neuropsychologie, Universität Tübingen<br/>Dr. Gert Mittring, Psychologe und Kopfrechen-Weltrekordler<br/>Prof. Stefan Ufer, Didaktik der Mathematik und Informatik, Ludwig-Maximilians-Universität München<br/>Caroline Merkel, Organisatorin der Junioren Kopfrechen-WM<br/>Niklas Arndt, Schüler<br/>Willem Bouman, Kopfrechen-Künstler</p>
<p>Linktipps:<br/>Junioren Kopfrechen-Weltmeisterschaft  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.juniormentalcalculators.com/">HIER</a><br/>Arbeitsbereiche Diagnostik und Kognitive Neuropsychologie der Universität Tübingen <a title="Hier gehts zur Website." href="https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/mathematisch-naturwissenschaftliche-fakultaet/fachbereiche/psychologie/arbeitsbereiche/diagnostik-und-kognitive-neuropsychologie/arbeitsbereich/">HIER</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Magengeschwür im Selbstversuch - Wie Forscher einen Mythos entlarvten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/magengeschwuer-im-selbstversuch-wie-forscher-einen-mythos-entlarvten/2113628</link>
      <pubDate>Fri, 19 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0d218a3d-f9e6-4f60-a19a-b3e784bd9047</guid>
      <description>Niemand hat ihm geglaubt. Aber Robin Warren hat nicht aufgegeben und dadurch unzähligen Menschen das Leben gerettet. Der Pathologe hat das Bakterium entdeckt, das Magengeschwüre verursacht und Jahre später den Nobelpreis für Medizin bekommen.</description>
      <enclosure length="20307456" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113628/c/feed/magengeschwuer-im-selbstversuch-wie-forscher-einen-mythos-entlarvten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:09</itunes:duration>
      <itunes:author>Justin Patchett</itunes:author>
      <itunes:summary>Niemand hat ihm geglaubt. Aber Robin Warren hat nicht aufgegeben und dadurch unzähligen Menschen das Leben gerettet. Der Pathologe hat das Bakterium entdeckt, das Magengeschwüre verursacht und Jahre später den Nobelpreis für Medizin bekommen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6702f7ef-51c7-4492-92c2-d6046b91a0c2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Niemand hat ihm geglaubt. Aber Robin Warren hat nicht aufgegeben und dadurch unzähligen Menschen das Leben gerettet. Der Pathologe hat das Bakterium entdeckt, das Magengeschwüre verursacht und Jahre später den Nobelpreis für Medizin bekommen.</p><p>Credits:<br/>Autor: Justin Patchett<br/>Sprecher/-innen: Rahel Comtesse, Johannes Hitzelberger und Friedrich Schloffer<br/>Technik: Regina Staerke<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p>Interview mit:<br/>Prof. Sebastian Suerbaum, Max von Pettenkofer-Institut</p>
<p><strong>Links:<br/></strong><a href="https://www.lindau-nobel.org/de/mensch-und-mikrobe/">Von Menschen und Mikroben – Barry Marshall</a><br/><a href="https://www.youtube.com/watch?v=5RESzO8Vvuw">Interview nach dem Nobelpreis</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Was bleibt von Darwin? Forschung zur Evolution heute</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/was-bleibt-von-darwin-forschung-zur-evolution-heute-3/2113579</link>
      <pubDate>Thu, 18 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4d65c644-2903-4930-965d-011c52457e90</guid>
      <description>Warum sind die Organismen so unterschiedlich? Charles Darwin konnte nicht alles beantworten. Doch dank biologischer Grundlagenforschung und den Möglichkeiten, komplette Genome zu sequenzieren kommen inzwischen immer neue Erkenntnisse ans Licht.</description>
      <enclosure length="22326528" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113579/c/feed/was-bleibt-von-darwin-forschung-zur-evolution-heute-3.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Prisca Straub</itunes:author>
      <itunes:summary>Warum sind die Organismen so unterschiedlich? Charles Darwin konnte nicht alles beantworten. Doch dank biologischer Grundlagenforschung und den Möglichkeiten, komplette Genome zu sequenzieren kommen inzwischen immer neue Erkenntnisse ans Licht.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cce28eba-607a-4631-8dab-94183ce58955.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Warum sind die Organismen so unterschiedlich? Charles Darwin konnte nicht alles beantworten. Doch dank biologischer Grundlagenforschung und den Möglichkeiten, komplette Genome zu sequenzieren kommen inzwischen immer neue Erkenntnisse ans Licht.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Prisca Straub<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie: Christiane Klenz <br/>Technik: Fabian Zweck<br/>Sprecher/-innen: Ditte Ferrigan, Johannes Hitzelberger</p>
<p>Interviews mit:<br/>Prof. Dr. Gerhard Haszprunar (em.), Lehrstuhl für Systematische Zoologie, Ludwig-Maximilians-Universität München<br/>Prof. Dr. Ralf J. Sommer, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen<br/>Prof. Dr. Kärin Nickelsen Lehrstuhlinhaberin Wissenschaftsgeschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München<br/>Prof. Dr. Eve-Marie Engels, Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften, Eberhard-Karls-Universität Tübingen</p>
<p><strong>Linktipp:</strong></p>
<p>Die Erde steht nicht still, sie kreist um die Sonne! Nikolaus Kopernikus löst alte Probleme der Astronomie durch eine neue Sicht auf die Bewegungen der Himmelskörper. Doch nicht alle Ungereimtheiten sind nun überwunden. Warum zum Beispiel fällt ein Stein senkrecht nach unten, wenn er fällt? Wenn die Erde sich dreht, müsste er dann nicht seitlich fallen? Die &quot;Kopernikanische Revolution&quot; war erst der Beginn der großen Wende im Verständnis der Welt und ihres Orts im Universum: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:907515f91b7f6c15/">Nikolaus Kopernikus - Revolutionär wider Willen</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frühe Fehlgeburt – der oft übersehene Schmerz</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/fruehe-fehlgeburt-der-oft-uebersehene-schmerz/2113577</link>
      <pubDate>Thu, 18 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8c828c0d-dde6-437f-a0cd-d5e032033116</guid>
      <description>Fehlgeburten sind häufig. Jede dritte Frau erlebt mindestens einmal einen vorzeitigen Schwangerschaftsverlust. Der Schmerz danach wird oft bagatellisiert, mit Folgen für die psycho-medizinische Versorgung nach einem Abort.</description>
      <enclosure length="21682560" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113577/c/feed/fruehe-fehlgeburt-der-oft-uebersehene-schmerz.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Birgit Magiera</itunes:author>
      <itunes:summary>Fehlgeburten sind häufig. Jede dritte Frau erlebt mindestens einmal einen vorzeitigen Schwangerschaftsverlust. Der Schmerz danach wird oft bagatellisiert, mit Folgen für die psycho-medizinische Versorgung nach einem Abort.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1dcff650-20e2-4e53-b1c0-5ccfd13edca0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Fehlgeburten sind häufig. Jede dritte Frau erlebt mindestens einmal einen vorzeitigen Schwangerschaftsverlust. Der Schmerz danach wird oft bagatellisiert, mit Folgen für die psycho-medizinische Versorgung nach einem Abort.</p><p>Credits: <br/>Autorin: Birgit Magiera<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Walter Ulbricht - Der Diktator der DDR?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/walter-ulbricht-der-diktator-der-ddr/2113498</link>
      <pubDate>Wed, 17 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">707ebe9b-4f9e-41bf-b807-8ee3dc1d0a04</guid>
      <description>Im Westen wurde er oft nur als Karikatur dargestellt, als nuschelnder Sachse und Funktionär von Moskaus Gnaden. Walter Ulbricht war von 1950 bis 1971 der mächtigste Mann der neu geschaffenen DDR. Er herrschte wie ein Diktator und befahl 1961 den Mauerbau.</description>
      <enclosure length="22143360" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113498/c/feed/walter-ulbricht-der-diktator-der-ddr.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Im Westen wurde er oft nur als Karikatur dargestellt, als nuschelnder Sachse und Funktionär von Moskaus Gnaden. Walter Ulbricht war von 1950 bis 1971 der mächtigste Mann der neu geschaffenen DDR. Er herrschte wie ein Diktator und befahl 1961 den Mauerbau.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d1d00b39-5af1-45dc-8b8d-24af78bbe6b0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im Westen wurde er oft nur als Karikatur dargestellt, als nuschelnder Sachse und Funktionär von Moskaus Gnaden. Walter Ulbricht war von 1950 bis 1971 der mächtigste Mann der neu geschaffenen DDR. Er herrschte wie ein Diktator und befahl 1961 den Mauerbau.</p><p>Credits:<br/>Autor: Thomas Grasberger<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der Pille - Von der Befreiung zur Gefahr</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-pille-von-der-befreiung-zur-gefahr/2099666</link>
      <pubDate>Wed, 17 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">263fe037-172e-45e1-86cb-3af70a241624</guid>
      <description>Mit der Antibabypille konnten Frauen ab den 60ern selbstständig verhüten und freieren Sex haben. Gleichzeitig übernahmen sie das Risiko von Nebenwirkungen. Heute kritisieren immer mehr Menschen die Pille.</description>
      <enclosure length="21875328" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099666/c/feed/die-geschichte-der-pille-von-der-befreiung-zur-gefahr.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Julia Fritzsche</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit der Antibabypille konnten Frauen ab den 60ern selbstständig verhüten und freieren Sex haben. Gleichzeitig übernahmen sie das Risiko von Nebenwirkungen. Heute kritisieren immer mehr Menschen die Pille.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/136bb367-9a54-4378-b27c-de2f44c57000.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Antibabypille konnten Frauen ab den 60ern selbstständig verhüten und freieren Sex haben. Gleichzeitig übernahmen sie das Risiko von Nebenwirkungen. Heute kritisieren immer mehr Menschen die Pille.</p><p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Julia Fritzsche<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Rahel Comtesse, Christian Baumann<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Karin Becker</p>
<p>Im Interview:<br/>Prof. Dr. Mandy Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum und Vivantes Klinikum Neukölln<br/>Zeitzeugin Elisabeth Osigus</p>
<p>Hör-Tipps:<br/>Von den ersten Kondomen aus Tierdärmen und Fischblasen bis zum modernen Präservativ aus Latex war es ein langer, wechselvoller Weg: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:00f6b52615a900dc/">Das Kondom - Von der Ziegenblase zum Massenartikel.</a><br/>Frauen ins Rampenlicht! Der <a href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">BR-Instagramkanal frauen_geschichte</a> versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. </p>
<p>Linktipps:<br/><a href="https://www.tagesspiegel.de/podcasts/gyncast/">Der Tagesspiegel-Podcast „Gyncast“ mit Prof. Mandy Mangler</a><br/><a href="https://www.youtube.com/watch?v=nuILnlt_3d8">BR-Video über die Nachteile hormoneller Verhütung</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Auf der Spur der Zitronen - eine Reise zu den Zitrusfrüchten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/auf-der-spur-der-zitronen-eine-reise-zu-den-zitrusfruechten/2113464</link>
      <pubDate>Tue, 16 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6052526e-7cf1-4214-ac37-e4b8eac3bcdb</guid>
      <description>Zitronen, Orangen, Pomeranzen - was wäre Italien ohne seine Citrusfrüchte? Die süß schmecken können, aber auch bitter oder sauer. Und dann dieser Blütenduft! Ohne Agrumi - wie sie dort genannt werden - ist Italien nicht denkbar.</description>
      <enclosure length="22217472" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113464/c/feed/auf-der-spur-der-zitronen-eine-reise-zu-den-zitrusfruechten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Johannes Marchl</itunes:author>
      <itunes:summary>Zitronen, Orangen, Pomeranzen - was wäre Italien ohne seine Citrusfrüchte? Die süß schmecken können, aber auch bitter oder sauer. Und dann dieser Blütenduft! Ohne Agrumi - wie sie dort genannt werden - ist Italien nicht denkbar.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a7faa6de-c10b-4f66-99a3-c1858e009071.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zitronen, Orangen, Pomeranzen - was wäre Italien ohne seine Citrusfrüchte? Die süß schmecken können, aber auch bitter oder sauer. Und dann dieser Blütenduft! Ohne Agrumi - wie sie dort genannt werden - ist Italien nicht denkbar.</p><p>Credits:<br/>Autor: Johannes Marchl<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Sprecher: Johannes Marchl und Carsten Fabian<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p>Im Interview:<br/>Dr. Hilke Steinecke, Botanikerin und Kustodin am Palmengarten Frankfurt<br/>Prof. Dieter Richter, Literaturwissenschaftler Uni Bremen <br/>Alessandro di Santis, Gärtner und Zitruspflanzenzüchter Elmo/Toskana<br/>Riccardo Palla, Koch und Restaurantbesitzer Sorano/Toskana</p>
<p>Literatur:<br/>Helena Attlee, „The Land Where Lemons Grow“, Food Book 2015, eine wunderbar schlaue und wissensreiche Geschichte Italiens und seiner Citrusfrüchte. Zudem führt die Autorin durch viele sehenswerte Parks und Gärten – ein Inspiration!</p>
<p>Peter Peter, „Blutorangen – Eine Reise zu den Zitrusfrüchten Italiens“. Peter Peter entführt in den Kosmos von Orangen, Zitronen und all den anderen Zitrusfrüchten, reich bebildert mit Anekdoten und Rezepten. Schnell und amüsant erzählt. </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Stierhoden für den Sieg - Geschichte des Dopings</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/stierhoden-fuer-den-sieg-geschichte-des-dopings/2113481</link>
      <pubDate>Tue, 16 Dec 2025 02:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d4ecab0c-a4d4-4165-88b8-eae2824c3b61</guid>
      <description>Schon in der Antike wurden Stierhoden und -blut als vermeintlich leistungssteigernde Substanzen eingenommen. Der Leistungssport unserer Tage kommt ohne Dopingtests nicht mehr aus. So manch glanzvoller Sieg wurde im Nachhinein aberkannt. Und trotzdem locken immer wieder die verbotenen Mittel. Von Erich Wartusch.</description>
      <enclosure length="21175296" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113481/c/feed/stierhoden-fuer-den-sieg-geschichte-des-dopings.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Erich Wartusch</itunes:author>
      <itunes:summary>Schon in der Antike wurden Stierhoden und -blut als vermeintlich leistungssteigernde Substanzen eingenommen. Der Leistungssport unserer Tage kommt ohne Dopingtests nicht mehr aus. So manch glanzvoller Sieg wurde im Nachhinein aberkannt. Und trotzdem locken immer wieder die verbotenen Mittel. Von Erich Wartusch.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c57cdc5c-8a2d-4037-81ab-1aa575686fb7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schon in der Antike wurden Stierhoden und -blut als vermeintlich leistungssteigernde Substanzen eingenommen. Der Leistungssport unserer Tage kommt ohne Dopingtests nicht mehr aus. So manch glanzvoller Sieg wurde im Nachhinein aberkannt. Und trotzdem locken immer wieder die verbotenen Mittel. Von Erich Wartusch.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autor: Erich Wartusch<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie: Ron Schickler<br/>Technik: Tim Höfer    <br/>Sprecher: Hemma Michel und Benedikt Schregle</p>
<p><strong>Im Interview: </strong><br/>Jutta Braun, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung<br/>Hajo Seppelt, Journalist und Anti-Doping-Experte</p>
<p><strong>Weiterführende Links:<br/></strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:79e89e265a64822c/"><em>Radiowissen · Geschichte des Skifahrens · Podcast in der ARD Audiothek</em></a><br/><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:22e41aa8e4448151/"><em>Radiowissen · Olympia-Hymnen - Musikalisches Olympia-Branding · Podcast in der ARD Audiothek</em></a></p>
<p><strong>Doping-Archiv – national und international<br/></strong>https://www.doping-archiv.de/</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Glauben - Warum es ohne nicht geht</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-glauben-warum-es-ohne-nicht-geht/2113437</link>
      <pubDate>Mon, 15 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">55cf8f81-4c20-4aab-ad52-8fd0fff9e405</guid>
      <description>&quot;Glauben kannst du in der Kirche&quot;, heißt es oft. Stimmt natürlich. Aber nicht nur. Glauben durchdringt unser Leben und unser Miteinander von Anfang an. Ohne die Fähigkeit jemandem zu glauben oder zu vertrauen würden wir uns kaum zurechtfinden.</description>
      <enclosure length="20562816" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113437/c/feed/das-glauben-warum-es-ohne-nicht-geht.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:25</itunes:duration>
      <itunes:author>Andreas Hauber</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Glauben kannst du in der Kirche&quot;, heißt es oft. Stimmt natürlich. Aber nicht nur. Glauben durchdringt unser Leben und unser Miteinander von Anfang an. Ohne die Fähigkeit jemandem zu glauben oder zu vertrauen würden wir uns kaum zurechtfinden.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c0258923-abd9-4ca9-8b57-197adde362bf.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Glauben kannst du in der Kirche", heißt es oft. Stimmt natürlich. Aber nicht nur. Glauben durchdringt unser Leben und unser Miteinander von Anfang an. Ohne die Fähigkeit jemandem zu glauben oder zu vertrauen würden wir uns kaum zurechtfinden.</p><p>Credits:<br/>Autor: Andreas Hauber<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Sprecher/-innen: Katja Amberger und Christian Baumann<br/>Technik: Laura Picerno<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Interview mit:    <br/>Prof. Dr. Florian Höhne, FAU Erlangen; Thomas Steiger, Tübingen</p>
<p>Podcast-Tipp: <br/>Im grünen Bereich - Der NDR Gartenpodcast<br/>Zwei Garten-Teams mit einem Ziel: noch mehr Spaß am Gärtnern - und vor allem viele nützliche Tipps und Gartenhacks.  Was sind die Trends, wie mache ich die Nachbarn neidisch und wie pflanze ich das neue Superfood? <a href="https://1.ard.de/imgruenenbereich1">ZUM PODCAST</a></p>
<p>Link-Tipps:<br/>Verantwortung: ein zentraler Begriff in der Philosophie. Schon im Wort selbst steckt ein zentrales Element: die Antwort. Der Mensch „antwortet“ also auf etwas oder rechtfertigt sich vor irgendjemandem - oder irgendwas: einer Instanz, einem Gericht - oder vor Gott: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4cf7c99a9d6a3926/">Verantwortung - Die große Herausforderung</a></p>
<p>Treue in Beziehungen klingt in den Ohren mancher Menschen beinahe antiquiert. Ist der moderne Mensch doch frei, selbstbestimmt und unabhängig. Und wieso sollte er das dann nicht auch in seinen Beziehungen sein? <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:bc782ea1d8e998c3/">Treue - Vom Wert der Loyalität</a></p>
<p>Literatur:<br/>El Mafaalani, Aladin: Misstrauensgemeinschaften -<br/>Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien, Kiepenheuer und Witsch, Köln 2025.<br/>Nayeri, Dina: Wem geglaubt wird – Warum die Wahrheit nicht genug ist, Kein und Aber, Zürich-Berlin 2023.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die zwei Seiten der Staatsverschuldung - Souveränität und Abhängigkeit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-zwei-seiten-der-staatsverschuldung-souveraenitaet-und-abhaengigkeit/2113436</link>
      <pubDate>Mon, 15 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8620796f-fc7e-4b4b-9e0c-fa759f2892e2</guid>
      <description>Krisen, Kriege, Infrastruktur: In der Regel müssen sich Staaten Geld leihen, um handlungsfähig zu bleiben. Doch wer sich verschuldet, macht sich auch abhängig - von Gläubigern, Finanzmärkten, Zinsen. Eine Geschichte über den Preis der staatlichen Verschuldung.</description>
      <enclosure length="22030848" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113436/c/feed/die-zwei-seiten-der-staatsverschuldung-souveraenitaet-und-abhaengigkeit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Krisen, Kriege, Infrastruktur: In der Regel müssen sich Staaten Geld leihen, um handlungsfähig zu bleiben. Doch wer sich verschuldet, macht sich auch abhängig - von Gläubigern, Finanzmärkten, Zinsen. Eine Geschichte über den Preis der staatlichen Verschuldung.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/625b6b80-0c03-444a-b623-0fffe3116ce2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Krisen, Kriege, Infrastruktur: In der Regel müssen sich Staaten Geld leihen, um handlungsfähig zu bleiben. Doch wer sich verschuldet, macht sich auch abhängig - von Gläubigern, Finanzmärkten, Zinsen. Eine Geschichte über den Preis der staatlichen Verschuldung.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Maike Brzoska<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Technik: Andreas Lucke        <br/>Sprecherin: Katja Bürkle <br/> <br/>Interviews mit:<br/>Laura Rischbieter, Wirtschaftshistorikerin und Professorin an der Universität Basel<br/>Leon Wansleben, Forscher am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln<br/>Andreas Peichl, Ökonom und Professor an der LMU München</p>
<p>Literatur-Tipps:<br/>Jan Logemann, Stefanie Middendorf, Laura Rischbieter (Hg.): Schulden machen. Praktiken der Staatsverschuldung im langen 20. Jahrhundert, Campus Verlag, 2023<br/>Cevat Giray Aksoy, Mathias Dolls, Justyna Klejdysz, Andreas Peichl, Lisa Windsteiger: Speaking of Debt: Framing, Guilt, and Economic Choices, CESifo Working Paper, 2025<br/> <br/>Links:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:882437d266ea8d7c/">Radiowissen · Weltmacht Dollar - Geschichte einer Währung</a><br/>Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Dollar zur weltweiten Leitwährung auf. Für die US-Amerikaner ist das eine sehr komfortable Situation. So können sie etwa US-Boykotte de facto weltweit durchsetzen. Denn vom dollarbasierten Finanzsystem abgeschnitten zu sein, kann sich kaum ein Staat oder größeres Unternehmen leisten. </p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c91b65667c8d43ba/">Die Geschichte des Geldes - Von der Muschel zur Kreditkarte</a><br/>Muscheln, Vieh und Steine - all das haben Menschen schon als Zahlungsmittel genutzt. Die Geschichte des Geldes ist sehr vielseitig und hat auch viel mit Vertrauen zu tun. <br/> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gastarbeiterinnen in Deutschland (2/2)</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gastarbeiterinnen-in-deutschland-2-2/2113340</link>
      <pubDate>Fri, 12 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3edfb25b-e4b3-4409-9e43-bc29fde08f40</guid>
      <description>Als die Griechin Irina Vavitsa von einer freiwilligen Zulage nur für Deutsche erfährt, ist das Fass voll. In Lippstadt kommt es zum &quot;wilden Streik&quot; und nicht nur dort. Gastarbeiterinnen kämpften für bessere Arbeitsbedingungen - für alle.</description>
      <enclosure length="21876480" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113340/c/feed/gastarbeiterinnen-in-deutschland-2-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Silke Wofrum</itunes:author>
      <itunes:summary>Als die Griechin Irina Vavitsa von einer freiwilligen Zulage nur für Deutsche erfährt, ist das Fass voll. In Lippstadt kommt es zum &quot;wilden Streik&quot; und nicht nur dort. Gastarbeiterinnen kämpften für bessere Arbeitsbedingungen - für alle.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f6e331eb-4cb3-4db5-9a4b-6cb13462ad9e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als die Griechin Irina Vavitsa von einer freiwilligen Zulage nur für Deutsche erfährt, ist das Fass voll. In Lippstadt kommt es zum "wilden Streik" und nicht nur dort. Gastarbeiterinnen kämpften für bessere Arbeitsbedingungen - für alle.</p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Silke Wolfrum<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie:  Kirsten Böttcher<br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Sprecher/-innen: Xenia Tiling, Christian Schuler, Katja Schild</p>
<p>Interviews mit:<br/>Irina Vavitsa: Gastarbeiterin aus Griechenland, arbeitete bei Hella in Lippstadt, Gewerkschaftsmitglied</p>
<p>Dr. Simon Goeke: Kurator für Migrationsgeschichte am Münchner Stadtmuseum, Autor des Buches „Wir sind alle Fremdarbeiter! Gewerkschaften, migrantische Kämpfe und soziale Bewegungen in Westdeutschland 1960-1980</p>
<p>Archivmaterial:<br/>Titel: „Tagesschau vom 17.08.1973“ – „Wilder Streik bei der Firma Pierburg in Neuss“</p>
<p>Literatur:<br/>Simon Goeke, „Wir sind alle Fremdarbeiter. Gewerkschaften, migrantische Kämpfe und soziale Bewegungen in Westdeutschland 1960-1980“, eine umfassende Darstellung der Geschichte der sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik in Verbindung mit der Migrationsgeschichte</p>
<p>Jochen Oltmer, „Migration. Geschichte und Zukunft der Gegenwart“, eine Einbettung der Debatten der Gegenwart in die Geschichte der Migration als zentrales Element gesellschaftlicher Veränderung</p>
<p>Gün Tank, „Die Optimistinnen: Roman unserer Mütter“, Roman über den erfolgreichen Kampf junger Gastarbeiterinnen gegen Lohndiskriminierung bei Pierburg in Neuss</p>
<p>Kölnischer Kunstverein (Hrsg): „Projekt Migration“ (Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung von 2005/2006 im Kölner Kunstverein). Darin zahlreiche interessante Artikel, z.B. von Helmut Dietrich über Ausländerpolitik in der BRD oder von Manuel Gogos über die deutsche Besatzung in Griechenland und die griechische Arbeitsmigration nach Deutschland</p>
<p>Weiterführender Link:</p>
<p>Millionen von Afroamerikanern verließen zwischen 1910 und 1970 den Süden der USA und zogen in den industriell geprägten Norden und Westen des Landes. Sie flohen vor Rassismus und suchten neue Hoffnung: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:1fea391dd4b2f098/xx">Die &quot;Große Migration&quot; - Afroamerikaner ziehen in den Norden der USA:</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Quantenphysik - Wahr, aber verrückt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/quantenphysik-wahr-aber-verrueckt-2/2113284</link>
      <pubDate>Thu, 11 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a862adc7-d305-433a-a2ac-dd6a7fc83ca7</guid>
      <description>In der Quantenwelt sind Dinge möglich, die völlig absurd erscheinen. Teilchenpaare sind etwa auf rätselhafte Weise miteinander verbunden, trotz riesiger Distanz zwischen ihnen. Die Quantenphysik hat unser gesamtes Weltbild verändert.</description>
      <enclosure length="20734080" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113284/c/feed/quantenphysik-wahr-aber-verrueckt-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:35</itunes:duration>
      <itunes:author>David Globig</itunes:author>
      <itunes:summary>In der Quantenwelt sind Dinge möglich, die völlig absurd erscheinen. Teilchenpaare sind etwa auf rätselhafte Weise miteinander verbunden, trotz riesiger Distanz zwischen ihnen. Die Quantenphysik hat unser gesamtes Weltbild verändert.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5b9b627b-f75b-4d9f-bd84-5ab2f6efe9fa.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In der Quantenwelt sind Dinge möglich, die völlig absurd erscheinen. Teilchenpaare sind etwa auf rätselhafte Weise miteinander verbunden, trotz riesiger Distanz zwischen ihnen. Die Quantenphysik hat unser gesamtes Weltbild verändert.</p><p>Credits: Autor: David Globig<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie:  Martin Trauner<br/>Technik: Fabian Zweck<br/>Sprecher/-innen: Katja Amberger, Florian Schwarz</p>
<p><strong>Linktipp:<br/></strong>Spanende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung: <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gastarbeiterinnen in Deutschland (1/1)</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gastarbeiterinnen-in-deutschland-1-1/2113283</link>
      <pubDate>Thu, 11 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">007ae6b5-5f07-4270-bf54-ee0533f62306</guid>
      <description>Mit 21 bricht die Griechin Irina Vavitsa ins Paradies auf und landet in Deutschland am Fließband - wie so viele Frauen. &quot;Gastarbeit&quot; war für sie ein Weg in die Unabhängigkeit und Ausbeutung zugleich. Und in den Arbeitskampf.</description>
      <enclosure length="22347648" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113283/c/feed/gastarbeiterinnen-in-deutschland-1-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Silke Wofrum</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit 21 bricht die Griechin Irina Vavitsa ins Paradies auf und landet in Deutschland am Fließband - wie so viele Frauen. &quot;Gastarbeit&quot; war für sie ein Weg in die Unabhängigkeit und Ausbeutung zugleich. Und in den Arbeitskampf.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/32ef3577-0b5a-4c25-88e9-6543f82adbda.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit 21 bricht die Griechin Irina Vavitsa ins Paradies auf und landet in Deutschland am Fließband - wie so viele Frauen. "Gastarbeit" war für sie ein Weg in die Unabhängigkeit und Ausbeutung zugleich. Und in den Arbeitskampf.</p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Silke Wolfrum<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie:  Kirsten Böttcher     <br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Sprecher/-innen: Xenia Tiling, Christian Schuler, Katja Schild         </p>
<p>Interviews mit:<br/>Irina Vavitsa: Gastarbeiterin aus Griechenland, arbeitete bei Hella in Lippstadt, Gewerkschaftsmitglied<br/>Prof. Dr. Jochen Oltmer, Historiker und Migrationsforscher, Universität Osnabrück, Mitglied des Instituts für Migrationsforschung und interkulturelle Studien</p>
<p>Literatur-Tipps:</p>
<p>Simon Goeke, „Wir sind alle Fremdarbeiter. Gewerkschaften, migrantische Kämpfe und soziale Bewegungen in Westdeutschland 1960-1980“, eine umfassende Darstellung der Geschichte der sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik in Verbindung mit der Migrationsgeschichte</p>
<p>Jochen Oltmer, „Migration. Geschichte und Zukunft der Gegenwart“, eine Einbettung der Debatten der Gegenwart in die Geschichte der Migration als zentrales Element gesellschaftlicher Veränderung</p>
<p>Gün Tank, „Die Optimistinnen: Roman unserer Mütter“, Roman über den erfolgreichen Kampf junger Gastarbeiterinnen gegen Lohndiskriminierung bei Pierburg in Neuss</p>
<p>Kölnischer Kunstverein (Hrsg): „Projekt Migration“ (Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung von 2005/2006 im Kölner Kunstverein). Darin zahlreiche interessante Artikel, z.B. von Helmut Dietrich über Ausländerpolitik in der BRD oder von Manuel Gogos über die deutsche Besatzung in Griechenland und die griechische Arbeitsmigration nach Deutschland</p>
<p> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Massaker von Wolhynien - Erinnerung in Polen und der Ukraine</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-massaker-von-wolhynien-erinnerung-in-polen-und-der-ukraine/2113247</link>
      <pubDate>Wed, 10 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9d7e04df-41b4-4c0f-a459-f8f96e007417</guid>
      <description>Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Gebiet der heutigen Westukraine zwischen 60.000 und 120.000 Polen von der ukrainischen Untergrundorganisation OUN ermordet. Als Vergeltung brachten polnische Kämpfer bis zu 15.000 Ukrainer um.</description>
      <enclosure length="23681280" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113247/c/feed/das-massaker-von-wolhynien-erinnerung-in-polen-und-der-ukraine.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:40</itunes:duration>
      <itunes:author>Jochen Rack</itunes:author>
      <itunes:summary>Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Gebiet der heutigen Westukraine zwischen 60.000 und 120.000 Polen von der ukrainischen Untergrundorganisation OUN ermordet. Als Vergeltung brachten polnische Kämpfer bis zu 15.000 Ukrainer um.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/53c55d90-fc2b-4eb6-a937-0b29f2d418b4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Während des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Gebiet der heutigen Westukraine zwischen 60.000 und 120.000 Polen von der ukrainischen Untergrundorganisation OUN ermordet. Als Vergeltung brachten polnische Kämpfer bis zu 15.000 Ukrainer um.</p>
<p>Autorin: Jochen Rack<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Sprecher/-innen: Christian Baumann, Katja Schild, Patrick Zeilhofer, Johannes Hitzelberger</p>
<p>Interviews mit:</p>
<p>Stephan Lehnstaedt, Osteuropahistoriker<br/>Andrzej Nowak, Historiker an der Universität Krakau<br/>Miroslaw Skorka, Vorsitzender der Union der Ukrainer in Polen<br/>Thomas Urban, ehemaliger Osteuropa-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung</p>
<p>Weiterführender Link: </p>
<p>Polen und Russland - Im Schatten des imperialen Nachbarn<br/>Polens Kampf um nationale Souveränität wurde über die Jahrhunderte vor allem gegen das russische Imperium geführt. Traumatische Erfahrungen der Polen mit dem imperialen Nachbarn haben sich durch den russischen Krieg gegen die Ukraine erneut ins Bewusstsein gerufen. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:72d5d969eae6b9b9/">Von Jochen Rack (BR 2024)</a> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de"><u>radiowissen@br.de</u></a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/"><u>ARD Audiothek.</u></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><u>hier.</u></a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html"><u>Netiquette </u></a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Mileva Maric - Die Frau hinter Einsteins Relativitätstheorie?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mileva-maric-die-frau-hinter-einsteins-relativitaetstheorie/2113246</link>
      <pubDate>Wed, 10 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ab9547bb-c409-4683-ac41-817f40f29e43</guid>
      <description>Nur die Frau von Albert Einstein? Mileva Maric war selbst eine brillante Physikerin und anerkannte Mathematikerin, jedoch in ihrer Zeit als Ehefrau und Mutter in zweiter Reihe, während Einstein alleine Preise und Welt-Ruhm sammelte.</description>
      <enclosure length="22322688" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113246/c/feed/mileva-maric-die-frau-hinter-einsteins-relativitaetstheorie.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Brandl</itunes:author>
      <itunes:summary>Nur die Frau von Albert Einstein? Mileva Maric war selbst eine brillante Physikerin und anerkannte Mathematikerin, jedoch in ihrer Zeit als Ehefrau und Mutter in zweiter Reihe, während Einstein alleine Preise und Welt-Ruhm sammelte.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4019631d-2049-493c-8b20-da138071b2f5.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Nur die Frau von Albert Einstein? Mileva Maric war selbst eine brillante Physikerin und anerkannte Mathematikerin, jedoch in ihrer Zeit als Ehefrau und Mutter in zweiter Reihe, während Einstein alleine Preise und Welt-Ruhm sammelte.</p><p>Autorin: Susanne Brandl<br/>Redaktion: Katharina Hübel<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Wolfgang Lösch <br/>Sprecher/-innen: Katja Amberger, Sven Hussock, Caroline Ebner</p>
<p>Interviewpartnerin:</p>
<p>Prof. Beate Ceranski, Wissenschaftshistorikerin an der <a href="https://www.hi.uni-stuttgart.de/institut/team/Ceranski-00001/">Universität Stuttgart</a>:<br/>Sie beschäftigt sich mit einer geschlechtergeschichtlichen Perspektive auf die Wissenschafts- und Technikgeschichte und forscht zur Präsenz und Absenz von Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften sowie zum Themenfeld der so genannten “unsichtbaren” Helfer in der Wissenschaft</p>
<p>Podcast-Tipps:</p>
<p>Frauengeschichte-Podcast “Ein Zimmer für uns allein”<br/>Zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage: Wie hast Du das eigentlich erlebt? Schönheitsideale, Verhütung, Finanzen, Care Arbeit – im Podcast “Ein Zimmer für uns allein” treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über die Struggles von damals und heute. Was hat sich verändert? – 2026 geht der Podcast in die zweite Staffel. Die erste Staffel gibt es <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/">hier.</a></p>
<p>Mathematik – Kein Fach für Frauen?<br/>Ein gängiges Vorurteil: Frauen und Mädchen können keine Mathe! Aber Studien zeigen, dass Frauen und Mädchen genauso leistungsfähig in Naturwissenschaften sind wie Männer. Alles eine Frage der Kultur? – erörtert <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:b501d4f380f23c4a/">IQ – Wissenschaft und Forschung.</a></p>
<p>Ob Frauen ein Recht auf Bildung haben oder überhaupt bildungsfähig sind, darüber diskutierten Männer jahrhundertelang leidenschaftlich. Und das auch noch, als erste Forscherinnen in der Wissenschaft glänzten. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:fe8953e4e2e6922d/">Forscherinnen im Schatten – Vergessene Frauen der Wissenschaft</a></p>
<p>Als Naturwissenschaftlerin ist Marie Curie weltberühmt – und sie ist die Begründerin einer Dynastie bedeutender Forscherinnen: Ihre ältere Tochter Irène wird ebenso Nobelpreisträgerin, die Enkelin bekannte Kernphysikerin. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ca801a2d14add17d/">Die Frauen der Familie Curie – Marie, Irène und Eve</a></p>
<p>Literatur-Tipps:</p>
<p>Am Sonntag küss’ ich dich mündlich: Die Liebesbriefe 1897-1903. Albert Einstein und Mileva Marić. Piper 2005.</p>
<p>Die geheimen Leben des Albert Einstein. Eine Biographie von Roger Highfield und Paul Carter, Marix Verlag 2004.</p>
<p>In Albert’s Shadow. The Life and Letters of Mileva Marić, Einsteins’s first wife, John Hopkins University Press 2005</p>

<p>Link-Tipp:</p>
<p>Mehr über historisch wichtige, manchmal dennoch weniger bekannte Frauen beim <a href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">BR-Instagram-Kanal “Frauengeschichte”</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gefälschte Fossilien – Von Knochenpuzzeln und Gipsgestein</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gefaelschte-fossilien-von-knochenpuzzeln-und-gipsgestein/2100559</link>
      <pubDate>Tue, 09 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f8d28067-1382-4240-b0d8-9356550854fc</guid>
      <description>Mit ihnen lässt sich gutes Geld verdienen - oder gar die Evolutionsgeschichte neu schreiben: gefälschte Fossilien. Von billigen Fakes bis zu kunstfertigen Manipulationen führen sie selbst Museen und Wissenschaftler immer wieder hinters Licht.</description>
      <enclosure length="21950592" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100559/c/feed/gefaelschte-fossilien-von-knochenpuzzeln-und-gipsgestein.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Marisa Gierlinger</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit ihnen lässt sich gutes Geld verdienen - oder gar die Evolutionsgeschichte neu schreiben: gefälschte Fossilien. Von billigen Fakes bis zu kunstfertigen Manipulationen führen sie selbst Museen und Wissenschaftler immer wieder hinters Licht.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5b09ae20-f8c2-49a6-a1fa-755cfa996c9c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit ihnen lässt sich gutes Geld verdienen - oder gar die Evolutionsgeschichte neu schreiben: gefälschte Fossilien. Von billigen Fakes bis zu kunstfertigen Manipulationen führen sie selbst Museen und Wissenschaftler immer wieder hinters Licht.</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Marisa Gierlinger<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Thomas Birnstiel, Julia Fischer<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Eberhard &quot;Dino&quot; Frey, Paläontologe<br/><br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Europas erste moderne Menschen - Leben in der Eiszeit              <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/europas-erste-moderne-menschen-leben-in-der-eiszeit/bayern-2/13104145/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Glockenbecher - Archäologie und Genetik der Jungsteinzeit        <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/glockenbecher-archaeologie-und-genetik-der-jungsteinzeit/bayern-2/13104111/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Corbacho, Joan /C. Sendino, &quot;Fossil fakes and their recognition&quot;, Deposits Magazine 30 (2012): 35-40</p>
<p>Feder, Kenneth L., Frauds, myths, and mysteries: science and pseudoscience in archaeology, Mountain View, California: Mayfield Publishing Company, 1990</p>
<p>Hancock, Peter, Hoax Springs Eternal, Cambridge University Press, 2015</p>
<p>Pickrell, John, Flying dinosaurs: how fearsome reptiles became birds, Columbia University Press, 2014</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Lawinenforschung - Zerstörerischer Schnee</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/lawinenforschung-zerstoererischer-schnee/1944779</link>
      <pubDate>Tue, 09 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7716b009-b380-4450-9aa4-22e172ccb0a6</guid>
      <description>Lawinen werden intensiv erforscht und die Wissenschaft weiß schon ziemlich viel. Trotzdem: Es bleibt ein Rest von natürlichem Chaos und macht die Lawinen zu Ereignissen, die der Mensch nicht vollkommen kontrollieren kann.</description>
      <enclosure length="21856896" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1944779/c/feed/lawinenforschung-zerstoererischer-schnee.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Georg Bayerle</itunes:author>
      <itunes:summary>Lawinen werden intensiv erforscht und die Wissenschaft weiß schon ziemlich viel. Trotzdem: Es bleibt ein Rest von natürlichem Chaos und macht die Lawinen zu Ereignissen, die der Mensch nicht vollkommen kontrollieren kann.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/71cfad54-68db-4f66-a312-b7510993f765.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Lawinen werden intensiv erforscht und die Wissenschaft weiß schon ziemlich viel. Trotzdem: Es bleibt ein Rest von natürlichem Chaos und macht die Lawinen zu Ereignissen, die der Mensch nicht vollkommen kontrollieren kann.</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Georg Bayerle<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Friedrich Schloffer, Katja Schild<br/>Technik: Regina Staerke<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-zerstoererischer-schnee-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Dr. Michael Bründl, Gruppenleiter Lawine und Prävention SLF;<br/>Amelie Fees, Wissenschaftliche Mitarbeiterin SLF;<br/>Ernst Flütsch, Laubaenahus St. Antönien;<br/>Pia Ruttner-Jansen, Doktorandin SLF;Dr. Christina Perez-Guillén, Wissenschaftliche Mitarbeiterin SLF;<br/>Dr. Benjamin Walter, Wissenschaftlicher Mitarbeiter SLF;<br/>Dr. Thomas Feistl, Leiter Lawinenwarndienst Bayern;</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Schnee - Faszinierende Flocken und ihre Geheimnisse<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/schnee-faszinierende-flocken-und-ihre-geheimnisse/bayern-2/78758898/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Unter dem Schnee - Wie Tiere über den Winter kommen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/unter-dem-schnee-wie-tiere-ueber-den-winter-kommen/bayern-2/78758930/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Der Berg - Abgründige Erhabenheit<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-berg-abgruendige-erhabenheit/bayern-2/83307974/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipp:<br/></strong></p>
<p>Spanende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/><a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BR PODCAST | BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p>Mehr Storys, Infos &amp; Tipps vom Berg: Der Instagram-Kanal von BR Berge. Einfach abspeichern und rausgehen! <a href="https://www.instagram.com/br_berge/">https://www.instagram.com/br_berge/</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Im Grunde gut? Das Menschenbild im Wandel der Zeit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/im-grunde-gut-das-menschenbild-im-wandel-der-zeit/2010490</link>
      <pubDate>Mon, 08 Dec 2025 15:20:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">eaf2d06a-b0fc-427e-a086-6c054875d619</guid>
      <description>Ist der Mensch im Grunde gut oder schlecht? Eine Frage, die nicht nur die Philosophie seit Jahrhunderten beschäftigt. Letztlich dient ihre Beantwortung immer auch der Legitimation von Macht. Aber wie kann der Mensch sein kooperatives Wesen entfalten?</description>
      <enclosure length="21823872" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2010490/c/feed/im-grunde-gut-das-menschenbild-im-wandel-der-zeit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Silke Wolfrum</itunes:author>
      <itunes:summary>Ist der Mensch im Grunde gut oder schlecht? Eine Frage, die nicht nur die Philosophie seit Jahrhunderten beschäftigt. Letztlich dient ihre Beantwortung immer auch der Legitimation von Macht. Aber wie kann der Mensch sein kooperatives Wesen entfalten?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/eab1a6c2-f5f2-479c-9bf7-a7b122d62722.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ist der Mensch im Grunde gut oder schlecht? Eine Frage, die nicht nur die Philosophie seit Jahrhunderten beschäftigt. Letztlich dient ihre Beantwortung immer auch der Legitimation von Macht. Aber wie kann der Mensch sein kooperatives Wesen entfalten?</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Silke Wolfrum<br/> Regie: Silke Wolfrum<br/> Es sprachen: Xenia Tiling, Burchard Dabinnus<br/> Technik: Jan Piepenstock<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Martin Oppelt, Politikwissenschaftler, Universität Augsburg; <br/>Rutger Bregman, Historiker und Autor von „Im Grunde gut“; <br/>Prof. Dr. med Reinhard Haller, Psychologe, Psychotherapeut, Neurologe, Autor von „Das Böse“</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-das-menschenbild-im-wandel-100.html">HIER</a></strong>.</p>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong>Philosophie heute - Ratgeber statt Welterkenntnis?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/philosophie-heute-ratgeber-statt-welterkenntnis/bayern-2/78752080/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Philosophie der Schönheit - Was den Menschen &quot;schön&quot; macht<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/philosophie-der-schoenheit-was-den-menschen-schoen-macht/bayern-2/89818740/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Humanismus - Wie menschlich ist der Mensch?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/humanismus-wie-menschlich-ist-der-mensch/bayern-2/78749800/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p><strong></strong>Bregman, Rutger: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit. Hamburg [Rowohlt Verlag] 2020.<br/><em>Ein spannendes Plädoyer für eine positive Sicht auf den Menschen, untermauert mit einer Vielzahl an Studien aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Bereichen</em></p>
<p><em></em>Haller, Reinhard: Das Böse. Die Psychologie der menschlichen Destruktivität. Salzburg [Ecowin] 2019.<br/><em>Ein aufschlussreiches Buch des gefragten Gerichtspsychiaters Haller über die Zusammenhänge, die zu exzessiver Gewalt bei Schwerstverbrechern führen können.</em></p>
<p><em></em>Hare, Brian &amp; Woods, Vanessa: The Survival of the Friendliest. Understanding Our Origins and Rediscovering Our Common. [Oneworld Publications] 2020. <br/><em>Eine verblüffende Theorie über die Selbst-Domestizierung des Homo Sapiens, die seiner Spezies das Überleben sicherte, ein neuer Blick auf unsere Wurzeln.</em></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frontier Females - Wie Frauen den Westen der USA eroberten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frontier-females-wie-frauen-den-westen-der-usa-eroberten/2113171</link>
      <pubDate>Mon, 08 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1a39cdff-f843-4eb7-9037-f13bf33cb416</guid>
      <description>Die Eroberung des amerikanischen Westens schreibt man weißen Männern zu. Maßgeblich waren jedoch auch Frauen, die an der Frontier zwischen europäisch geprägter Zivilisation und unberührter, wilder, oft lebensgefährlicher Natur, neue Aufgaben übernahmen.</description>
      <enclosure length="22063104" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113171/c/feed/frontier-females-wie-frauen-den-westen-der-usa-eroberten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Weichselbaumer</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Eroberung des amerikanischen Westens schreibt man weißen Männern zu. Maßgeblich waren jedoch auch Frauen, die an der Frontier zwischen europäisch geprägter Zivilisation und unberührter, wilder, oft lebensgefährlicher Natur, neue Aufgaben übernahmen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/eac5eea6-8150-49f5-9bc5-c8fd0d48df74.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Eroberung des amerikanischen Westens schreibt man weißen Männern zu. Maßgeblich waren jedoch auch Frauen, die an der Frontier zwischen europäisch geprägter Zivilisation und unberührter, wilder, oft lebensgefährlicher Natur, neue Aufgaben übernahmen.</p><p>Autorin: Susi Weichselbaumer<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Technik: Andreas Lucke        <br/>Sprecherinnen: Katja Bürkle, Berenike Beschle, Jenny Güzel, Constanze Fennel</p>
<p>Interviews mit:</p>
<p>Dr. Rowena Dasch, Historikerin und Direktorin Neill-Cochran House Museum in Austin, Texas</p>
<p>Dr. Emily Krichbaum, Historikerin an der Universität Ohio und Leiterin des National Women´s History Museums in Charlotte, North Carolina.</p>
<p>Literatur:</p>
<p>Riley, Glenda (1989): The Female Frontier: A Comparative View of Women on the Prairie and the Plains </p>
<p>Hör-Tipps:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:914fda6c21888638/">Radiowissen · Die German Americans - Was wurde aus den deutschen Wurzeln? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:0540cb1e4cdc8731/">Radiowissen · Deutsche und Amerikaner - Wie 1945 aus Feinden Freunde wurden · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d1fc7ad56906093b/">Radiowissen · Die deutsch-amerikanische Freundschaft - Eine wechselhafte Beziehung · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:06f3248d89703de6/">Radiowissen · Die Freiheitsstatue - ein symbolträchtiges Geschenk · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ea3943bfe2e0b24f/">Radiowissen · Bruce Springsteen - Die Vermessung des amerikanischen Traums · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Künstliches Licht - Vom Feuerschein zur Leuchtdiode</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kuenstliches-licht-vom-feuerschein-zur-leuchtdiode/1845879</link>
      <pubDate>Fri, 05 Dec 2025 09:10:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">10f0e70d-da38-4520-be3e-b7b3ab1cf16a</guid>
      <description>Auf künstliche Lichtquellen will niemand verzichten. Feuerschein war das erste künstliche Licht. Nach Gasglühlicht und Glühlampe revolutionierte die LED-Technologie die Lichttechnik. Was waren die Meilensteine in der Geschichte des künstlichen Lichts?</description>
      <enclosure length="20042496" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1845879/c/feed/kuenstliches-licht-vom-feuerschein-zur-leuchtdiode.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Katrin Kellermann</itunes:author>
      <itunes:summary>Auf künstliche Lichtquellen will niemand verzichten. Feuerschein war das erste künstliche Licht. Nach Gasglühlicht und Glühlampe revolutionierte die LED-Technologie die Lichttechnik. Was waren die Meilensteine in der Geschichte des künstlichen Lichts?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/49402b6a-0de3-4016-a720-c1ccb532e13e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Auf künstliche Lichtquellen will niemand verzichten. Feuerschein war das erste künstliche Licht. Nach Gasglühlicht und Glühlampe revolutionierte die LED-Technologie die Lichttechnik. Was waren die Meilensteine in der Geschichte des künstlichen Lichts?</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Katrin Kellermann<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Andreas Neumann, Beate Himmelstoß, Rahel Comtesse<br/>Technik: Christine Frey<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. rer. nat. Cornelius Neumann, Leitung der Abteilung Lichttechnik, KIT Karlsruhe;<br/>Manfred Beck, Lichtdesigner, Agentur mbeam München;<br/>Maria Meßner M.A., Archäologisches Museum Frankfurt;<br/>Dr. Frank Dittmann, Kurator Deutsches Museum </p>
<p><br/>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Essengehen - Der heiße Trend der letzten 250 Jahre</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/essengehen-der-heisse-trend-der-letzten-250-jahre/2113083</link>
      <pubDate>Fri, 05 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7fd1e1c3-3a7f-4859-9d64-7e9af612ef6d</guid>
      <description>Warum gibt es Restaurants? Warum tun wir freiwillig etwas so Intimes wie Speisen in unseren Körper aufzunehmen in einer Umgebung von fremden Menschen? Antworten darauf haben einiges mit der französischen Revolution des Geschmacks und guten Suppen zu tun.</description>
      <enclosure length="20454912" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113083/c/feed/essengehen-der-heisse-trend-der-letzten-250-jahre.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:18</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Moesing</itunes:author>
      <itunes:summary>Warum gibt es Restaurants? Warum tun wir freiwillig etwas so Intimes wie Speisen in unseren Körper aufzunehmen in einer Umgebung von fremden Menschen? Antworten darauf haben einiges mit der französischen Revolution des Geschmacks und guten Suppen zu tun.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/40635b8b-0331-4f51-aa35-3bf164dc1915.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Warum gibt es Restaurants? Warum tun wir freiwillig etwas so Intimes wie Speisen in unseren Körper aufzunehmen in einer Umgebung von fremden Menschen? Antworten darauf haben einiges mit der französischen Revolution des Geschmacks und guten Suppen zu tun.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Anja Mösing<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Josef Angloher    <br/>Erzähler: Christian Baumann </p>
<p>Interviews mit:<br/>Eva Barlösius, Prof. für Makrosoziologie u. Sozialstrukturanalyse, Uni Hannover<br/>Christoph Ribbat, Prof. für Amerikanistik, Uni Paderborn<br/>Stefan, Koch im Speisecafé Rigoletto<br/>Lena und Jette, Essengehen-Fans</p>
<p>Literaturtipps:<br/>Christoph Ribbat, „Im Restaurant. Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne“, Surkamp 2017: Höchst schmackhaft geschriebene Kulturgeschichte des Restaurants, gespickt mit historischen Fakten und Anekdoten aus Gastraum und Küche.</p>
<p>Eva Barlösius: „Soziologie des Essens. Eine sozial- und kulturwissenschaftliche Einführung in die Ernährungsforschung“, Beltz 3. Durchgesehene Aufl. 2016: Sehr erhellendes, gut verständliches Grundlagenwerk zur Soziologie des Essens.</p>
<p>Alexandros Stefanidis, „Beim Griechen“, Fischer 2010: Der deutsch-griechische Journalist beschreibt sein Aufwachsen im Restaurant seiner Eltern in den 1980er Jahren. </p>
<p>Podcast-Empfehlung:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9930bcadcf8e0e55/">MAHLZEIT! Esskultur vom Jägerschnitzel zu Sushi. </a>&quot;Kochen ohne Zucker&quot; und &quot;fettarm im Alltag&quot; - das Kochkursangebot einer Volkshochschule von heute. Eine Hausfrau im Jahr 1945, kurz nach dem Krieg, hätte über ein solches Angebot den Kopf geschüttelt. Sie war froh um jedes Gramm Fett, jede Prise Zucker. Denn in den Jahren nach dem Krieg war Deutschland am Verhungern. Die Zeiten haben sich geändert - und auch die Esskultur. Von Michael Zametzer (BR 2020)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Farbpsychologie - Die Wirkung von rot, blau, grün ...</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/farbpsychologie-die-wirkung-von-rot-blau-gruen/1853031</link>
      <pubDate>Thu, 04 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">13b529a1-dddb-4654-a6a9-a02cc76f61c5</guid>
      <description>Farben sind überall: der Himmel, die Wände in unserer Wohnung oder die Farben in einem Blumenstrauß. All die Millionen von Farbnuancen auf unserem Planeten sind nicht nur ein Produkt der Evolution, Farben nehmen auch tagtäglich Kontakt mit uns auf</description>
      <enclosure length="21129600" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1853031/c/feed/farbpsychologie-die-wirkung-von-rot-blau-gruen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Mösing</itunes:author>
      <itunes:summary>Farben sind überall: der Himmel, die Wände in unserer Wohnung oder die Farben in einem Blumenstrauß. All die Millionen von Farbnuancen auf unserem Planeten sind nicht nur ein Produkt der Evolution, Farben nehmen auch tagtäglich Kontakt mit uns auf</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/32603b52-5e66-4b04-9ca4-22c5f2534f08.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Farben sind überall: der Himmel, die Wände in unserer Wohnung oder die Farben in einem Blumenstrauß. All die Millionen von Farbnuancen auf unserem Planeten sind nicht nur ein Produkt der Evolution, Farben nehmen auch tagtäglich Kontakt mit uns auf</p><p>Autor/in dieser Folge: Anja Mösing<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprach: Irina Wanka<br/>Technik: Adele Kurdziel<br/>Redaktion: Susanne Poelchau<br/></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir empfehlen außerdem die Plattform Colour.education. Es handelt sich um ein gemeinnütziges Projekt der Bergischen Universität Wuppertal und des Deutschen Farbzentrums zur Vermittlung von Wissen und Erfahrungen aus allen Forschungs-, Theorie-, und Praxisfeldern der Farbe.<br/>Hier finden Sie aufschlussreiche Videos mit Vorträgen von Experten zum Thema Farbe:<br/><a title="colour.education" href="https://colour.education/"><strong>EXTERNER LINK | COLOUR.EDUCATION</strong></a><br/><br/><strong>BIOTOPIA Festival „SINNE – Die Welt durch andere Augen sehen!“<br/></strong>Tauchen Sie in die Welt der Sinneswahrnehmung von Mensch, Tier und anderen Spezies ein! Das BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern lädt zu seinem BIOTOPIA Festival ein – am 01. und 02. Oktober 2022:<br/><a href="https://www.biotopia.net/de/festival-sinne">EXTERNER LINK | https://www.biotopia.net/de/festival-sinne</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong><br/>Farblich sehr ansprechend gestaltetes Buch, das in viele Bereiche der psychologischen Farbforschung vorstößt und immer verständlich und mit vielen Beispielen erklärt. Ein Grundlagenbuch und ein Glücksgriff:<br/><strong>Axel Buether:</strong><strong> Die geheimnisvolle Macht der Farben, Droemer Verlag, München 2020<br/></strong><strong><br/></strong>Interessante Sammlung zu Farb-Assoziationen, basierend auf schriftlichen Befragungen von 1888 Personen:<br/><strong>Eva Heller</strong><strong>: Wie Farben wirken, Rowohlt Verlag, Hamburg 1989 und 2004</strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-wirkung-der-farben-wohlfuehlen-wohnung-evolution-auge-gehirn-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Weltreligion Hinduismus - Viele Wege führen zum Heil</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/weltreligion-hinduismus-viele-wege-fuehren-zum-heil-1/2113066</link>
      <pubDate>Thu, 04 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2086bf28-67bb-429c-bb62-7b45a579b28c</guid>
      <description>Knallbunte Götter, jahrtausendealte Texte, nagelneue Kulte: Der Hinduismus ist wohl die vielfältigste Weltreligion. Doch die verschiedenen Strömungen haben auch bedeutende Gemeinsamkeiten.</description>
      <enclosure length="21952512" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113066/c/feed/weltreligion-hinduismus-viele-wege-fuehren-zum-heil-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Bettina Weiz</itunes:author>
      <itunes:summary>Knallbunte Götter, jahrtausendealte Texte, nagelneue Kulte: Der Hinduismus ist wohl die vielfältigste Weltreligion. Doch die verschiedenen Strömungen haben auch bedeutende Gemeinsamkeiten.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/65fc76fd-fd4a-498e-b268-12072842210f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Knallbunte Götter, jahrtausendealte Texte, nagelneue Kulte: Der Hinduismus ist wohl die vielfältigste Weltreligion. Doch die verschiedenen Strömungen haben auch bedeutende Gemeinsamkeiten.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Bettina Weiz<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie:  Frank Halbach<br/>Technik: Roland Böhm      <br/>Sprecher: Ditte Ferrigan, Gudrun Skupin, Andreas Dirscherl, Laura Maire</p>
<p>Interviews mit:<br/>Aninditha Roy (Hindu, München)<br/>Prof. Dr. Axel Michaels (Indologe, Heidelberg)<br/>Vedagiri (Priester u. a. der Göttin Kundrathamman)<br/>Sundaresan Gurukkal (Priester u. a. von Shiva-Bhaktavatsaliswarar)<br/>Venkat (Initiand)<br/>R. Muttu (Hindu, Tirukkalukundram)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Challenger-Expedition - Zum tiefsten Punkt der Ozeane</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-challenger-expedition-zum-tiefsten-punkt-der-ozeane/1055219</link>
      <pubDate>Wed, 03 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d73c8385-e448-428f-b09f-94ded6860385</guid>
      <description>Die Challenger-Expedition von 1872 sollte die Tiefen der Weltmeere erkunden. Dreieinhalb Jahre dauerte die Reise des Schiffs. Die Ausbeute war enorm.</description>
      <enclosure length="21511296" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1055219/c/feed/die-challenger-expedition-zum-tiefsten-punkt-der-ozeane.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Yvonne Maier</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Challenger-Expedition von 1872 sollte die Tiefen der Weltmeere erkunden. Dreieinhalb Jahre dauerte die Reise des Schiffs. Die Ausbeute war enorm.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/58e079bd-2fc4-439f-b04e-5d77846b5103.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Challenger-Expedition von 1872 sollte die Tiefen der Weltmeere erkunden. Dreieinhalb Jahre dauerte die Reise des Schiffs. Die Ausbeute war enorm.</p><p>Credits:<br/> <br/>Autorin: Yvonne Maier<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Ursula Kirstein    <br/>Sprecher: Katja Amberger, Werner Härtl, Rainer Buck, Anna Greiter<br/> <br/>Interviews mit:<br/>Prof. Gerold Wefer, Meeresgeologe, Universität Bremen<br/>Dr. Holly Morgenroth, Universität Exeter, UK</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Nordpol und Südpol - Extreme Lebensräume</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nordpol-und-suedpol-extreme-lebensraeume-1/2113010</link>
      <pubDate>Wed, 03 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">837a58d0-a58c-4730-b7e8-8726bc4a751f</guid>
      <description>Schier endlose Eiswüsten, Temperaturen von -40 Grad Celsius und darunter: Auf den ersten Blick erscheinen Nord- und Südpol wie Zwillinge. Doch Arktis und Antarktis sind nicht nur extreme Regionen, sondern auch extrem unterschiedlich.</description>
      <enclosure length="22116096" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2113010/c/feed/nordpol-und-suedpol-extreme-lebensraeume-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:02</itunes:duration>
      <itunes:author>David Globig</itunes:author>
      <itunes:summary>Schier endlose Eiswüsten, Temperaturen von -40 Grad Celsius und darunter: Auf den ersten Blick erscheinen Nord- und Südpol wie Zwillinge. Doch Arktis und Antarktis sind nicht nur extreme Regionen, sondern auch extrem unterschiedlich.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/aa292415-615d-478d-9d97-e687246faca4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schier endlose Eiswüsten, Temperaturen von -40 Grad Celsius und darunter: Auf den ersten Blick erscheinen Nord- und Südpol wie Zwillinge. Doch Arktis und Antarktis sind nicht nur extreme Regionen, sondern auch extrem unterschiedlich.</p><p>Credits:</p>
<p>Autor: David Globig<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie:  Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Robin Auld<br/>Sprecher: Christian Baumann, Julia Fischer, Julia Cortis</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Literatur der Inuit - Hart am Rand</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/literatur-der-inuit-hart-am-rand/1842325</link>
      <pubDate>Tue, 02 Dec 2025 03:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">25535eec-17e3-43ec-aa82-552f330d03e4</guid>
      <description>Einst wurden sie als &quot;Eskimo&quot; zur Schau gestellt, im Zoo, wie Tiere. Später wurde ihnen ihre Kultur des Jagens und Sammelns ausgetrieben. Heute treten die Inuit aus dem hohen Norden zunehmend selbstbewusst auf. Besonders spannend: ihre Literatur.</description>
      <enclosure length="22091520" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1842325/c/feed/literatur-der-inuit-hart-am-rand.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Bettina Weiz</itunes:author>
      <itunes:summary>Einst wurden sie als &quot;Eskimo&quot; zur Schau gestellt, im Zoo, wie Tiere. Später wurde ihnen ihre Kultur des Jagens und Sammelns ausgetrieben. Heute treten die Inuit aus dem hohen Norden zunehmend selbstbewusst auf. Besonders spannend: ihre Literatur.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ea51c65d-59d4-4ddf-8406-171f49de5dbc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Einst wurden sie als "Eskimo" zur Schau gestellt, im Zoo, wie Tiere. Später wurde ihnen ihre Kultur des Jagens und Sammelns ausgetrieben. Heute treten die Inuit aus dem hohen Norden zunehmend selbstbewusst auf. Besonders spannend: ihre Literatur.</p>
<p>Credits:<br/>Autorin: Bettina Weiz<br/>Redaktion: Susanne Poelchau<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Technik: Roland Böhm     <br/>Sprecherinnen: Annette Wunsche, Beatrice Deer, Katja Bürkle</p>
<p>Interviews mit:<br/>Beatrice Deer, Musikerin und Schriftstellerin, Montreal<br/>Hartmut Lutz, em. Prof. für Kanadastudien, Greifswald</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schlaue Schafe – Verkanntes Nutztier mit Zukunftschancen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schlaue-schafe-verkanntes-nutztier-mit-zukunftschancen/2112974</link>
      <pubDate>Tue, 02 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">93745aff-abd2-4ae8-8be6-7fac47f978cf</guid>
      <description>Schafsgesicht, wollig, lammfromm - Schafe sind aus unserer Kultur nicht wegzudenken. Aber sind sie wirklich einfältig und gefügig? Die Realität dieses unglaublich nützlichen Nutztieres ist aus dem Blick geraten. Zu Unrecht.</description>
      <enclosure length="22274304" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112974/c/feed/schlaue-schafe-verkanntes-nutztier-mit-zukunftschancen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Seiler</itunes:author>
      <itunes:summary>Schafsgesicht, wollig, lammfromm - Schafe sind aus unserer Kultur nicht wegzudenken. Aber sind sie wirklich einfältig und gefügig? Die Realität dieses unglaublich nützlichen Nutztieres ist aus dem Blick geraten. Zu Unrecht.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/14ea131a-84c0-469b-93b1-8b12320f2836.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schafsgesicht, wollig, lammfromm - Schafe sind aus unserer Kultur nicht wegzudenken. Aber sind sie wirklich einfältig und gefügig? Die Realität dieses unglaublich nützlichen Nutztieres ist aus dem Blick geraten. Zu Unrecht.</p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Christiane Seiler<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Technik: Daniela Röder        <br/>Sprecherin: Hemma Michel</p>
<p>Interviews mit:</p>
<p>Knut Kucznik, Schäfer, Altlandsberg<br/>Ingolf Bollenbach, Schäfer, Köln<br/>Frieda Feld, Woll-Influencerin, Düsseldorf</p>
<p>Radiowissen-Links:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:39f1b9a84bebc991/">Ziegen - Weidetiere im Klimawandel</a><br/>Ziegen sind neugierige, intelligente Tiere mit einer engen Bindung an die Menschen, die sie versorgen. Wie funktionieren sie als Herde? Können sie Biotope schützen und damit einige Folgen des Klimawandels begrenzen? Im Naturschutz setzt man zunehmend auf wiederkäuende Weidetiere wie die Ziegen. Von Christiane Seiler (BR 2023)</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e7def0493eb05495/">Du kluge Kuh - Das überraschende Sozialverhalten der Kühe</a><br/>&quot;Dumme Kuh!&quot; lautet eine gängige Beschimpfung. Doch die Nutztiere sind alles andere als dumm: Rinder sind sehr soziale Tiere. Sie bauen Freundschaften auf, haben starke Bindungen zu ihrem Nachwuchs und zeigen Gefühle. Autorin: Claudia Steiner (BR 2025)</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ce1b05202b718941/">WirTier (4): Auf Kuh-Fühlung</a><br/>Steffi ist ein Bauernhofkind. Aufwachsen mit Kühen bedeutet für sie oft schmerzhafter Abschied, sie macht Schluss mit dem Landleben. Doch ein Versprechen lässt sie nicht los... WirTier-Host Julius wagt sich mit Steffi hinter den Weidezaun. Und zieht dafür doch lieber Stahlkappenschuhe an.</p>
<p>Weiterführende Links: </p>
<p>Die erwähnte <a href="https://baden-wuerttemberg.nabu.de/imperia/md/content/badenwuerttemberg/themen/praktischernaturschutz/abschlussbericht_herdenschutz.pdf">Studie des Schafzuchtverbandes Baden-Württemberg</a> zum Wolfsschutz und dem Einsatz von Herdenschutzhunden<br/><a href="https://www.genres.de/fachportale/nutztiere/rote-liste-nutztierrassen/">Die rote Liste einheimischer Nutztierrassen 2025</a></p>
<p>Podcast-Tipp: </p>
<p>Langlebigkeit ist zum Trendbegriff geworden. Doch die Wissenschaft versteht etwas völlig anderes unter dem Begriff &quot;Longevity&quot;: Den Forschenden geht es nicht um Faltenfreiheit, einen schönen Körper und feste Zähne, sondern darum die gesunde Lebenszeit zu verlängern. Wie realistisch ist das? <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a46d3e506446fcc7/">Longevity - Quell der ewigen Jugend oder einfach nur gesund bleiben?</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.<br/><br/>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Vertrauen - Wie wir es entwickeln und gewinnen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/vertrauen-wie-wir-es-entwickeln-und-gewinnen/1816703</link>
      <pubDate>Mon, 01 Dec 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">264b1232-a99f-4bfa-b7fd-ccea2b70a0cf</guid>
      <description>Vertrauen ist elementar! Ohne Vertrauen lebt keine Partnerschaft und keine Gesellschaft. Ohne Vertrauen in uns selbst, können wir keine Entscheidungen fällen. Wie aber lässt sich Vertrauen entwickeln und gewinnen?</description>
      <enclosure length="18939264" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1816703/c/feed/vertrauen-wie-wir-es-entwickeln-und-gewinnen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:19:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Mösing</itunes:author>
      <itunes:summary>Vertrauen ist elementar! Ohne Vertrauen lebt keine Partnerschaft und keine Gesellschaft. Ohne Vertrauen in uns selbst, können wir keine Entscheidungen fällen. Wie aber lässt sich Vertrauen entwickeln und gewinnen?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c81dc252-392b-4b08-9a5d-9ba30a91837b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Vertrauen ist elementar! Ohne Vertrauen lebt keine Partnerschaft und keine Gesellschaft. Ohne Vertrauen in uns selbst, können wir keine Entscheidungen fällen. Wie aber lässt sich Vertrauen entwickeln und gewinnen?</p><p>Autor/in dieser Folge: Anja Mösing<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Hemma Michel<br/> Technik: Robin Auld<br/> Redaktion: Susanne Poelchau<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-vertrauen-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wanny Woldstad – Die erste Eisbärenjägerin</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wanny-woldstad-die-erste-eisbaerenjaegerin/2100596</link>
      <pubDate>Mon, 01 Dec 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">030003b0-ac41-4c2c-b723-3af4c1c51afd</guid>
      <description>Bärenpelzmantel und Polarfuchskragen, das war Wanny Woldstads Berufung - aber nicht als Konsumentin. Sie trotzte eisiger Kälte, monatelanger Polarnacht, Einsamkeit, Lebensgefahr durch Bären und wurde als erste Eisbärenjägerin auf Spitzbergen berühmt.</description>
      <enclosure length="23343744" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2100596/c/feed/wanny-woldstad-die-erste-eisbaerenjaegerin.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:18</itunes:duration>
      <itunes:author>Andreas Pehl</itunes:author>
      <itunes:summary>Bärenpelzmantel und Polarfuchskragen, das war Wanny Woldstads Berufung - aber nicht als Konsumentin. Sie trotzte eisiger Kälte, monatelanger Polarnacht, Einsamkeit, Lebensgefahr durch Bären und wurde als erste Eisbärenjägerin auf Spitzbergen berühmt.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e912f7e1-6317-4102-bbc0-ceccc3d30198.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bärenpelzmantel und Polarfuchskragen, das war Wanny Woldstads Berufung - aber nicht als Konsumentin. Sie trotzte eisiger Kälte, monatelanger Polarnacht, Einsamkeit, Lebensgefahr durch Bären und wurde als erste Eisbärenjägerin auf Spitzbergen berühmt.</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Andreas Pehl<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Xenia Tiling, Benjamin Stedler, Silke von Walkhoff, Peter Veit<br/> Technik: Moritz Herrmann<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Marit Anne Hauan (Polarmuseum Tromsø), <br/>Harald Dag Jølle (Polarforschungsinstitut Framsenteret Tromsø), <br/>Esther Sophia Sünderhauf (Von Parish Kostümbibliothek München)<br/><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Das Rentier - Überlebenskünstler in der Arktis          <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-rentier-ueberlebenskuenstler-in-der-arktis/bayern-2/13058637/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Der Vielfraß - Unerschrockener Marder des Nordens                <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-vielfrass-unerschrockener-marder-des-nordens/bayern-2/86920400/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Polargeschichte (norwegisch)               <a title="Hier gehts zur Website." href="https://polarhistorie.no/personer/wanny-woldstad/ ">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Polarmuseum Tromsø                             <a title="Hier gehts zur Website." href="https://uit.no/tmu/polarmuseet">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Framsenteret – Zentrum für Polarforschung Tromsø                <a title="Hier gehts zur Website." href="https://framsenteret.no/ ">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Englische Ausgabe von Wanny Woldstads Buch                 <a title="Hier gehts zur Website." href="https://polarlitteratur.no/hefter/hefte/english-editions/wanny-woldstad-the-first-woman-trapper-in-svalbard/">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-pelztierjagd-woldstad-polarforschung-eisbaer-arktis-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>ZITATORIN</p>

<p>„Bärenspuren“? fragte ich mit feierlichem Flüstern. „O ja“, antwortete er, „ganz sicher.“ [...] Ich war so aufgeregt, dass ich zitterte. [...] „Angst?“, fragte er. „Unsinn“, antwortete ich mit zusammengebissenen Zähnen. Sie klapperten, aber das sollte er nicht merken.</p>
<p>01 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 901a</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Wanny Woldstads Leben begann 1894 unter schwierigen Vorzeichen … </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Marit Anne Hauan, Direktorin des Polarmuseums in Tromsø. Für sie ist Wanny Woldstad eine Pionierin für eine neue Rolle der Frau.</p>
<p>02 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 901b-902a</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Die Mutter starb, Wanny wurde weggegeben, weil der Vater es nicht schaffte, die Kinder großzuziehen. Sie ging in Tromsø auf eine Hauswirtschaftsschule, hat früh geheiratet und mit ihrem Mann Othar zwei Söhne bekommen. Ihr Mann hat ihr beigebracht, wie man jagt, wie man schießt, sie hat an Schützenfesten teilgenommen, die um 1900 in Norwegen sehr populär waren. </p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Ski knirschen im Schnee (Skitour), Eiswind</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Der Schlitten schrammte über Schnee, Eis und Fels. Geräusche, die ich bisher nie bemerkt hatte, klangen wie die Posaunen des Jüngsten Gerichts. [...] Ich umklammerte das Gewehr, fünf Patronen im Magazin und eine im Lauf. Alles war bereit. Mein Herz hämmerte bis zum Hals. </p>
<p>03 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 901c-902b-903</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Drei Jahre nach der Hochzeit wurde Wanny Witwe: Othar starb 1918 an der Spanischen Grippe. Sie heiratete den Bäcker Martin Woldstad. Und sie schlug beruflich neue Wege ein: Sie wurde die erste Taxifahrerin in Nordnorwegen. Sie war auch die erste, die im Fahrgastraum eine Heizung einbaute für ihre Gäste. Wanny hatte immer einen Drang nach vorne, nach etwas Neuem in ihrem Leben.</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Schritte im Schnee + Eiswind</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Nach etwa einem Kilometer sah ich plötzlich, wie eine gelb-weiße Masse langsam hinter einem Felsen hervorglitt. [...] Das musste der Bär sein. Er kam ruhig auf mich zu. Mindestens eine Minute lang starrte ich ihn nur an. Dann riss ich mich endlich zusammen. [...] Ich war hinter dem Schlitten in die Knie gegangen und konnte das Gewehr auf dem Rucksack ablegen. Der Abstand musste 90 oder 100 Meter sein. </p>
<p>04 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 905-906</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Als Taxifahrerin in Tromsø waren auch Pelzjäger ihre Gäste, die von Spitzbergen kamen. Wanny war fasziniert von deren Erzählungen. Ein Mann faszinierte sie besonders: Anders Sæterdal. Und der hat sie schließlich auf die Jagd eingeladen. Sie hat ihr Leben über den Haufen geworfen, gepackt, sich von ihren zwei fast erwachsenen Söhnen verabschiedet und ist mit in den Norden gereist.</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Eiswind + Schüsse</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Als der Bär sich mir zuwandte, knallte es, einmal und noch einmal. Er erstarrte, der Kopf glitt zur Seite und er brach zusammen. Die Spannung fiel von mir ab. Ich hätte jubeln können vor Freude. Aber ich wollte mir keine Blöße geben und schwieg. Ich hatte meinen ersten Bären erlegt, unglaublich! </p>
<p>05 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 920</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Wanny schrieb ein Buch über ihr Leben, das zu einem Bestseller wurde: „Die erste Frau als Pelzjäger auf Spitzbergen“. Sie wurde zu Vorträgen eingeladen, gab Interviews im Rundfunk und wurde sehr bekannt. </p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Schnelle Schritte im Schnee + Eiswind</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Etwa 20 Meter vom Bären entfernt fühle ich eine eiserne Klaue auf meine Schulter fallen, werde unsanft zurückgerissen und stehe Angesicht zu Angesicht dem keuchenden Sæterdal gegenüber, der mich wütend anfährt: „Hab ich dir nicht gesagt, dass man nicht direkt auf einen scheinbar toten Bären zulaufen darf? Weißt du, was es bedeutet, einen verwundeten Bären vor sich zu haben?“ Doch ich bin so glücklich und erregt, dass ich ihn anstrahle und lachend sage: „Der erste ist erlegt, Anders!“ </p>
<p>06 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Harald Dag 801a</p>
<p>OV Harald Dag</p>
<p>Auf Spitzbergen war es möglich, ein Leben als Pelzjäger zu führen: Man ging in die Wildnis, konnte Eisbären, Füchse, Rentiere oder Robben jagen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Harald Dag Jølle, Polarhistoriker am Forschungsinstitut Framsenteret in Tromsø. Für ihn waren die Pelzjäger auf Spitzbergen Menschen, denen Freiheit wichtiger war als Sicherheit. </p>
<p>07 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Harald Dag 801b</p>
<p>OV Harald Dag</p>
<p>Viele träumten davon, von der Pelztierjagd reich zu werden. Aber im Großen und Ganzen war es das Abenteuer, das die Leute dorthin gezogen hat. Die Freiheit, die Möglichkeit, sein eigener Herr zu sein. Ganz oft waren die Pelzjäger Menschen mit einem relativ bescheidenen Hintergrund, die zuvor als Industriearbeiter oder Bauern gelebt haben. Und dann bist du nach Spitzbergen gefahren – das war wie in die Prärie zu reisen: der Traum vom einsamen Leben in der Wildnis.</p>
<p>MUSIK 2 Kari Bremnes – Ytterste Pol - ca. 50 Sek</p>
<p>SPRECHER [Text über der ersten Strophe]</p>
<p>‚Ich kam in das magische Land, dort draußen am äußersten Pol, mit langer, undurchdringlicher Dunkelheit und gleißenden Hängen im Sonnenlicht.‘ </p>
<p>Kari Bremnes, Sängerin. Für sie ist Wanny Woldstad eine Symbolfigur für die Frauen des Nordens.</p>
<p>08 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Harald Dag 814</p>
<p>OV Harald Dag</p>
<p>Das waren spezielle Menschen. Die waren Könige in ihrem eigenen Reich beim Jagen. Und sie bekamen dadurch einen Status. Helge Ingstad, ein norwegischer Abenteurer, schrieb ein Buch: Pelzjägerleben. Das war in den 1930er Jahren ein Bestseller. Alle norwegischen Jungen haben es gelesen. Das schuf einen Mythos und weckte den Traum, Pelzjäger zu sein. </p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Braten in der Pfanne, Feuer im Ofen</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Wir nahmen das Fell und die Steaks mit auf den Schlitten, den Rest vergruben wir im Schnee, um es später abzuholen. [...] Am Abend des 12. Dezember gab es Bärenfleisch: saftiges Bärensteak mit braunen Zwiebeln. Es war spät in der Nacht, als ich endlich einschlief. Ich lag da und dachte über diesen ereignisreichen Tag nach und freute mich auf die vielen Dinge, die ich hier noch erleben sollte. </p>
<p>09 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Harald Dag 809a</p>
<p>OV Harald Dag</p>
<p>Diese Hütten sind sehr klein, oft ist es nur ein einziger Raum, in dem man schläft, isst und kocht. Dazu ein Gang, der verhindert, dass Eisbären direkt in die Hütte kommen. Ein Eisbär kann ohne Probleme eine Tür eindrücken. Deswegen gibt es oft einen engen Gang, der im 90°-Winkel zur Stube steht und in dem man Ausrüstung lagern kann. Diese Hütten waren aus Dingen gebaut, die man auf Spitzbergen fand, vor allem aus Treibholz oder Material von alten Hütten. </p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Feuer im Ofen</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Unsere Villa ist ein niedriges Häuschen, ca. acht Meter lang, drei Meter breit und gerade so hoch, dass ich meine 157 cm in voller Höhe aufrichten kann. Ein ausgewachsener Mann muss aufpassen, wenn ihm sein Schädel lieb ist. Das Haus ist in zwei etwa gleich große Räume unterteilt. Einer wird als Schlafzimmer, Esszimmer, Küche und Wohnzimmer verwendet. Bei schlechtem Wetter sägen und hacken wir dort Brennholz, tauen gefrorene Bären auf, häuten und pökeln sie. Auf der dem endlosen Meer zugewandten Seite ist ein großes Fenster [...] Der andere Raum hat zwei Schießluken. Da werden wir Bären beobachten und schießen, wenn sie nachts kommen.</p>
<p>10 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin MUSIK</p>
<p>Wanny Woldstad singt solo ohne Klavier</p>
<p>11 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 931</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Wanny dichtet, bringt andere dazu, ihre Texte zu vertonen. Im Radio erzählt sie über ihre Erlebnisse und singt … – was wäre sie wohl heute? Wäre sie Staatsministerin oder Forscherin? Hätte sie sich gegen Klimawandel und für mehr Nachhaltigkeit engagiert? Ich glaube, sie wäre eine sehr innovative Frau.</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Feuerstelle</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Auch wenn wir hier ein Leben in der Wildnis führen, scheint es gesund und lehrreich für Körper und Seele zu sein. Es fördert sicherlich keine Schwächen. Man muss lernen, sich bestmöglich zu helfen und jeder Situation, auf See, an Land, bei Krankheit und in Gefahr gelassen zu begegnen. Angst ist ein unbekanntes Wort für die, die es hierhertreibt, wo die Einsamkeit die Schatten doppelt düster macht. </p>
<p>12 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 924</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Sie musste sich selbst versorgen und beschrieb sich als eine selbstständige Frau. Sie hatte erlebt, wie der Mann gestorben ist, den sie sehr geliebt hat und von dem sie die beiden Söhne hatte. Und dann hat sie den Bäcker Woldstad erlebt, den sie verließ. Sie war von ihm noch nicht geschieden, als sie 1932 zusammen mit Sæterdal nach Spitzbergen auf die Jagd ging. Sie hatte eine klare Vorstellung: wenn du dir ein Leben aufbaust, das du gerne leben willst, dann musst du auf dich selber aufpassen. Sie musste ihr  eigenes Leben in die Hand nehmen.</p>
<p>10 MUSIK</p>
<p>Hoch: Wanny Woldstad singt solo ohne Klavier (gilt als Atmo, ca. 26 Sek)</p>
<p>13 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 923</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Eine uneheliche Lebensgemeinschaft war gesetzlich verboten – hier in Norwegen bis 1972. Wenn eine Frau zusammen im Haus mit einem ledigen Mann wohnte, dann war sie Haushälterin oder Stubenmädchen. In der norwegischen Gesellschaft war es weder gesellschaftlich noch kirchlich und auch nicht rechtlich erlaubt, so zu leben. Aber auf Spitzbergen, 1.000 km vom Festland entfernt, musste man sich darüber keine Gedanken machen. Eine Lebensgemeinschaft ist ja auch an sich eine Möglichkeit, die Frau freier zu machen. Wanny und mit ihr die Frauen, die hier im Winter auf die Jagd gingen, haben mit ihrem Vorbild uns heute die Möglichkeit gegeben, freier zu leben.</p>
<p>14 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Harald Dag 806</p>
<p>OV Harald Dag</p>
<p>Das Leben in einem solchen Winterlager war sehr beschränkt. Viel konnte man nicht mitnehmen. Die Jäger mussten die ganze Saison über selbst sammeln: Eier von den großen Vogelkolonien, Daunen von den Enten. Als Fortbewegungsmittel nutzten sie Hundeschlitten. Die Hunde brauchten Futter, also schossen sie Seehunde. Man musste das heranschaffen, was den Jäger selbst im Laufe der Saison am Leben erhielt, aber es sollte auch etwas übrigbleiben, wenn man nach der Jagdsaison zurückkam. Und das waren in erster Linie die Pelze.</p>
<p>15 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 700-701</p>
<p>Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte waren Pelze lebensnotwendig. Neben der Lebensnotwendigkeit war es immer auch ein Zeichen der Unterscheidung. Gerade Könige, Herrscher, haben Pelze getragen, und zwar von den Tieren, die als die gefährlichsten galten, Löwen, Leoparden, Tiger und eben dann auch der Eisbär. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Esther Sophia Sünderhauf, Leiterin der Von Parish Kostümbibliothek in München. Für sie sind Pelzmoden eines der düstersten Kapitel in der Geschichte der Mode.</p>
<p>16 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 706</p>
<p>Im Fotostudio haben wir überall bis weit ins 20. Jahrhundert das Eisbärenfell oder kleine Eisbärjungen ausgestopft als Zierde. Und zwar vorzugsweise für die Kleinkindfotos. Das Baby auf dem Eisbärenfell, man sieht es allenthalben. Und wenn man sich vorstellt, dass so ziemlich jedes Fotostudio in Europa so ein Eisbärfell hatte, dann kann man hochrechnen, wie viele Eisbären da geschossen worden sind.</p>
<p>17 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Harald Dag 807</p>
<p>OV Harald Dag</p>
<p>Die ersten Bärenjäger, die Ende des 19. Jahrhunderts kamen, die waren selbst draußen in der Wildnis und suchten nach Bären. Und irgendwann baute man sogenannte Selbstschussanlagen: Eine Kiste, in die man ein Gewehr einbaute mit Köder und Auslöser. Wenn der Bär den Köder holte, dann wurde er direkt in den Kopf geschossen. Das führte dazu, dass die Jagd sehr effektiv wurde und der Bestand der Bären stark zurückging. Trotzdem ging die Jagd weiter, bis das Jagdverbot 1973 kam. Bis dahin schoss man etwa 300 Eisbären im Jahr auf Spitzbergen.</p>
<p>18 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 705</p>
<p>Es musste der Winterpelz sein, weil der natürlich ein ganz dichtes Unterfell hatte, was auch weich war. Und deshalb wurde vorzugsweise im Winter gejagt. Und beim Eisbären beginnt das in der Zeit um 1795. Da war die ganz große Mode, diese riesigen Muffs zu tragen, Damen wie auch Männer. </p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Schritte im Schnee + Eiswind</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Es war ein hartes Stück Arbeit, den Bären in der Kälte und im Schnee zu häuten. Das Fleisch gefror, sobald wir das Fell und die Speckschicht abzogen. Das Schlimmste war, dass auch die Finger dazu tendierten, im gleichen Tempo wie das Bärenfleisch steif zu werden. Wir arbeiteten zielbewusst und ausdauernd mit dem Gedanken an all die Arbeit, die wir uns sparen würden, wenn wir ihn gleich hier häuteten. </p>
<p>19 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 704a</p>
<p>Es explodiert so richtig in den 1890ger Jahren. Das ist die Phase des größten Luxusgebahrens. Da ist eine Generation, die in großem Stil schon das Erbe ihrer Eltern und Großeltern verbrauchen kann. Und die zeigt das. </p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Feuer im Ofen</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Ein paar Tage später hielt unser Hundeschlitten mit dem ersten riesigen Bärenkadaver vor der Tür. Es war die große Bärin von der Selbstschussanlage nördlich des Hauses. Mit großer Mühe bugsierten wir sie in den Flur und dann in unseren Wohnzimmer/Schlafzimmer-Salon. Es war eine schwierige Aufgabe, das riesige, gefrorene Tier hereinzubringen. Es dauerte gut und gerne zwei Tage, bis der Bär soweit aufgetaut war, dass wir mit dem Häuten beginnen konnten. </p>
<p>20 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 707</p>
<p>Eine interessante Abbildung ist hier aus einer Zeitschrift Pygmalion von 1912. Man sieht hier kleine Eisbärenjungen, die wurden ‚Kapbären‘ genannt. Und sie geben das Fell ab für Kinderkleidung. Man hat ja auch diesen weißen Pelz mit Reinheit assoziiert. Also für Kinderkleidung, Mäntel, Schuhe, Mützen, Handschuhe, aber auch kleine Muffe.</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Braten / Kochen / Töpfe</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Das Filet war alles andere als zart, aber mit kräftigen Gewürzen und nach zwei Stunden Garzeit wurde es immerhin noch ein köstlicher Sandwichbelag. Wir variierten das Bärenfleisch endlos. Steak, sowohl traditionell als auch à la mode, Braten, Roulade, Frikadelle, Suppenfleisch, Fleischpastete. Mein Jungbärenfleischfrikassee – das genoss mein Partner sichtlich. Am liebsten aßen wir aber Suppe.</p>
<p>21 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 704b</p>
<p>Wenn man sich die Zeitschriften der Zeit anschaut, man sieht jede Art von Pelz. Alles, was irgendwie geschossen werden konnte und Fell hatte, wurde verarbeitet. Natürlich vor allem die seidenweichen Fellqualitäten wie der Nerz oder der Zobel und dann vorzugsweise auch Polarfüchse in weißer oder blauer Fellqualität.</p>
<p>MUSIK 3: Family reunion – siehe vorn – ca. 50 sek + </p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Ski im Schnee + Eiswind</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Endlich lag eine Falle flach auf dem Boden mit einem großen, weißen Fuchs darunter. Der halbe Körper und der Schwanz ragten heraus. Ich war völlig aus dem Häuschen, so froh, als ob wir gerade ein Vermögen gewonnen hatten. Ein besonders schöner Fuchs war das: schneeweiß bis zur Haut und mit einem feinen Fell. Als wir heimkamen, fühlte ich mich wie eine kleine Millionärin: ein Polarfuchs unter jedem Arm und einer über den Schultern, das war wie ein Sechser im Lotto.</p>
<p>22 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 715</p>
<p>Ich denke, dass der Mensch sich erst seit ganz geraumer Zeit ein Bewusstsein dafür schafft, was wir der Tierwelt überhaupt antun. Das ist eigentlich ein Wimpernschlag in der Menschheitsgeschichte. Ich glaube, in der Zeit von Wanny Woldstad war das überhaupt noch nicht präsent. Da ging es vor allem um Abenteuer und vielleicht auch um Geld. </p>
<p>23 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Harald Dag 802</p>
<p>OV Harald Dag</p>
<p>Man konnte darauf hoffen, mit einer schwarzen Null rauszukommen. Manche verdienten ganz ordentlich, vor allem wegen der Felle, wenn man viele Eisbären hatte. Aber man wurde nicht wirklich reich. Es war vor allem das Abenteuer.</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Eiswind</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Mein Begleiter hatte versprochen oder vielmehr gedroht: sobald er den ersten Fuchs vor meinen Augen gehäutet hätte, wäre ich gefälligst an der Reihe. Natürlich hatte ich große Lust, es auszuprobieren, aber ich betrachtete mit weiblicher Ehrfurcht die feinen, teuren Felle und war mir nicht ganz sicher, ob das Häuten eines Fuchses so einfach sein würde wie bei den Schafen und Kälbern zu Hause auf Sommarøy. Das war handfesteres Zeug als diese zarten, seidenweichen Dinger.</p>
<p>24 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Esther Sophia Sünderhauf 716</p>
<p>Man muss es einfach nüchtern betrachten. Aber wo ich wirklich moralisch werde, wenn ich sehe, welches Luxusgebaren die Frauen speziell in der Zeit gehabt haben. Exuberante Verwendung von Pelzen: hunderte Tiere für einen Mantel oder ein Cape. Oder auch, dass die Orang-Utans abgeschlachtet </p>
<p>wurden, damit die Damen in Europa in diesen Mänteln herumlaufen konnten.</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Schritte im Schnee + Wind + Huskies</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Am 28. Oktober hängten wir einen weiteren Weißfuchs zu seinen erlegten Artgenossen und begannen mit den Vorbereitungen für eine lange Reise zum östlichen Ende unseres Jagdgebiets. Dort wollten wir jetzt die Fallen aufstellen. Wir hatten hier die größte Hoffnung, Blaufuchs zu fangen.</p>
<p>25 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 941</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Heute denken wir: das ist barbarisch, brutal, schlimm. Aber das sind die 1930er Jahre. Da haben wir das Tierwohl noch nicht erfunden. Wir haben nicht an nachhaltige Verwaltung oder erneuerbare Ressourcen gedacht. Wir sind in einer anderen Zeit. Und wir müssen verstehen, dass diese Pelzjäger in ihrer Zeit leben. Und wir müssen aus der Zeit heraus, in der sie gelebt haben. Respekt für sie haben.</p>
<p>26 MUSIK</p>
<p>Wanny Woldstad Svalbardvise mit Klavier</p>
<p>27 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 926</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Wanny hat auch zwei, drei Lieder gemacht über ihr Leben. Zwei dieser Lieder sind erhalten.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>Hoch: Wanny Woldstad Svalbardvise mit Klavier</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>Meeresbrandung</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Die Reise zurück nach Norwegen war fast genauso aufregend wie die Hinfahrt [...]. Der Kapitän hatte versprochen, mir Bescheid zu geben, wann wir mit den ersten undeutlichen Umrissen der norwegischen Küste rechnen könnten. [...] Um drei Uhr wurde ich geweckt, eine halbe Stunde später stand ich auf dem Vordeck und untersuchte gespannt den Horizont durch das Fernglas. Ein dünner, undeutlicher Streifen weit draußen – konnte das Land sein? Es ist wohl keine Schande, zu gestehen: meine Augen wurden feucht. </p>
<p>28 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 932-921</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Es gab weitere Frauen, die zeitgleich mit Wanny auf Spitzbergen waren. Alle wurden sie gewarnt, nach Norden zu reisen: Wer weiß, ob ihr jemals wieder zurückkommt. Die ersten Frauen waren dort schon um 1896 auf Pelztierjagd. Aber Wanny Woldstad ist heute die erste Frau, die wir wirklich in ihrer Rolle als Eisbärenjägerin kennen. Meine Theorie ist:  sie war eine Vorreiterin für die neue Rolle der Frau. Sie war eine Vorreiterin für den Kampf um Gleichstellung und die feministische Politik, die kommen sollte.</p>
<p>MUSIK 4: Family reunion – siehe vorn – 1:05 Min</p>
<p>26 MUSIK</p>
<p>Wanny Woldstad Svalbardvise mit Klavier</p>
<p>30 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 925</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Nach einigen Jahren verließ sie Sæterdal und wurde Gemeinde-Hausgehilfin. Wenn eine Frau krank war und der Mann zum Arbeiten musste, konnte eine Gemeindehausgehilfin ins Haus kommen und die Arbeit übernehmen. In einem Interview wurde Wanny gefragt, wie das wäre – Taxifahrerin, Pelzjägerin, Gemeinde-Hausgehilfin. Und sie antwortete, dass das ein vortrefflicher Job sei. Man könne Familien prägen, zu einem gelingenden Leben beitragen und der jungen Generation ein gutes Leben sichern. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Am 26. Oktober 1959 wurde Wanny Woldstad beim Überqueren einer Straße von einem Lastwagen erfasst und starb. Sie wurde 65 Jahre alt.</p>
<p>31 Zsp. Wanny Woldstad–Die erste Eisbärenjägerin Marit Anne 930</p>
<p>OV Marit Anne</p>
<p>Ich würde gerne mit ihr reden. Nicht über die Jagd, sondern darüber, was es bedeutet, in dieser Zeit Frau zu sein. Das war eine sehr heftige Zeit. Wir haben den Ersten Weltkrieg, da übernehmen die Frauen, weil die Männer im Krieg sind. Dann kommen die Männer heim und fordern ihre Position zurück. Dann kommt der Zweite Weltkrieg, da geschieht das Gleiche wieder. Und Wanny zieht ihre Sache durch, sie ist selbstständig und macht ihr Ding.</p>
<p>ATMO [Archiv]</p>
<p>kleine Wellen am Strand + Wind</p>
<p>ZITATORIN</p>

<p>Ein wenig Angst hatte ich wohl, als ich zum ersten Mal ins Land des Eises fuhr. Aber jetzt gab es nur noch Sicherheit und die ungeduldige Sehnsucht, loszufahren, über das endlose Meer zu segeln, den verlassenen Strand, die Berge und unser einsames kleines Haus, das mir so lieb geworden war, wiederzusehen.  </p>
<br/>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Böse – Konzept von gestern oder Triebfeder der Weltgeschichte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-boese-konzept-von-gestern-oder-triebfeder-der-weltgeschichte/2112857</link>
      <pubDate>Fri, 28 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3787e0b8-24fe-425b-9606-4cce4d040827</guid>
      <description>Schon immer war der Mensch mit Verbrechen konfrontiert. Wo einst der Teufel am Werk war, setzt man heute auf rationale Erklärungen. Aber warum lässt sich das Böse nicht aus der Welt schaffen und wie viel Teufel steckt in uns allen?</description>
      <enclosure length="22640256" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112857/c/feed/das-boese-konzept-von-gestern-oder-triebfeder-der-weltgeschichte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Dominik Kalus</itunes:author>
      <itunes:summary>Schon immer war der Mensch mit Verbrechen konfrontiert. Wo einst der Teufel am Werk war, setzt man heute auf rationale Erklärungen. Aber warum lässt sich das Böse nicht aus der Welt schaffen und wie viel Teufel steckt in uns allen?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6cf820fd-958c-450a-a201-6f107ac8ad37.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schon immer war der Mensch mit Verbrechen konfrontiert. Wo einst der Teufel am Werk war, setzt man heute auf rationale Erklärungen. Aber warum lässt sich das Böse nicht aus der Welt schaffen und wie viel Teufel steckt in uns allen?</p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autor: Dominik Kalus<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Sprecher: Thomas Birnstiel<br/>Zitatorin: Jenny Güzel</p>
<p><strong>Interviews mit:</strong></p>
<p>Jörg Noller, Philosoph<br/>Johannes Schwanke, Theologe<br/>Nahlah Saimeh, forensische Psychiaterin<br/>Thomas Elbert,Neuropsychologe</p>
<p><strong>Archivmaterial:</strong></p>
<p>Ausschnitt MDR-Sendung „Bilder des Jahrhunderts“</p>
<p><strong>Weitere Podcasts zum Thema:<br/></strong><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ea8fcd5c62c36764/">Krieg oder Frieden - Ist der Mensch zur Gewalt verurteilt?</a> </strong>Kriege und Gewalt begleiten die Menschheitsgeschichte. Liegt dem eine biologische Basis zugrunde? Sind destruktive Kräfte der Psyche stärker als konstruktive? Antworten der evolutionären Anthropologie und der Psychoanalyse geben tiefere Einblicke. </p>
<p><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4d1c7b6b637d7dfe/">Hannah Arendt - Die Banalität des Bösen:</a> </strong>Was bringt Menschen dazu, Böses zu tun? Aus Sicht von Hannah Arendt braucht es dazu nicht mehr als kollektive Gedankenlosigkeit, jedenfalls in einem Staat, der das Böse zum Ziel erhoben hat. Nichts Anderes bedeutet die Banalität des Bösen. </p>
<p><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:6c46c448c0998e58/">DER NÜRNBERGER PROZESS – Die Täter und ihr Psychologe</a>: </strong>Gibt es eine Nazi-Psyche? Mit dieser Frage im Kopf kommt der US-Offizier und Psychologe Gustave M. Gilbert nach Nürnberg. Von November 1945 bis Oktober 1946 begleitet er die Angeklagten im Hauptkriegsverbrecherprozess. Er spricht mit ihnen in den Prozesspausen, beim Mittagessen, in ihren Zellen. Sein &quot;Nürnberger Tagebuch&quot; gibt Einblick in die Gedankenwelt der Täter. </p>
<p><strong>Literatur: </strong></p>
<p>Jörg Noller: „Theorien des Bösen“, Umfassende Einführung zum Begriff nicht nur aus der Philosophie, sondern auch aus Geschichte und Popkultur <br/>Reinhard Haller: „Das Böse. Die Psychologie der menschlichen Destruktivität“. Ein Gerichtspsychiater beschreibt reale Mordfälle und psychologische Hintergründe <br/>Nahla Saimeh: „Das liebe Böse. Warum wir gut sein wollen und nicht können“: Breite und kurzweilige Einführung zur Psychologie des Bösen, und warum es mehr mit uns zu tun hat als wir denken. <br/>Terry Eagleton: „Das Böse“, gewitzter und assoziativer Essay zum Begriff des Bösen in der Literatur. </p>
<p><strong>Weiterführender Link: </strong></p>
<p>Forensikerin Nahlah Saimeh: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:5d952d1f1e46e9d7/">Sind extreme Gewalttaten krank? </a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <strong>radiowissen@br.de</strong>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Homo Ludens - Wieso spielen wir?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/homo-ludens-wieso-spielen-wir/2112856</link>
      <pubDate>Fri, 28 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b2b3c2a7-792e-4e1c-b2f2-f42857436158</guid>
      <description>Kinder spielen mit Bausteinen, Kuscheltieren, mit ihrer Fantasie. Auch Erwachsene spielen, auch wenn das manchmal &quot;ernsthafter&quot; aussieht als bei den Kleinen. Aber: Wieso spielen Menschen eigentlich?</description>
      <enclosure length="21621888" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112856/c/feed/homo-ludens-wieso-spielen-wir.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Jonas Breitner</itunes:author>
      <itunes:summary>Kinder spielen mit Bausteinen, Kuscheltieren, mit ihrer Fantasie. Auch Erwachsene spielen, auch wenn das manchmal &quot;ernsthafter&quot; aussieht als bei den Kleinen. Aber: Wieso spielen Menschen eigentlich?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5cdc21a6-af9e-4473-8f54-2ba2d55dfb41.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kinder spielen mit Bausteinen, Kuscheltieren, mit ihrer Fantasie. Auch Erwachsene spielen, auch wenn das manchmal "ernsthafter" aussieht als bei den Kleinen. Aber: Wieso spielen Menschen eigentlich?</p><p><strong>Credits: </strong></p>
<p>Autorin: Jonas Breitner<br/>Redaktion: Yvonne Maier<br/>Sprecherinnen: Laura Maire, Caroline Ebner<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Technik: Andreas Lucke</p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<p>42: Verspielen wir unser Leben? <a href="https://www.arte.tv/de/videos/104841-010-A/verspielen-wir-unser-leben/">https://www.arte.tv/de/videos/104841-010-A/verspielen-wir-unser-leben/</a></p>
<p>National Institute for Play <a href="https://nifplay.org/">https://nifplay.org/</a><strong> </strong></p>
<p>Institut für Ludologie Berlin<strong> </strong><a href="https://www.ludologie.de/">https://www.ludologie.de/</a><strong> </strong></p>
<p>Play, Curiosity, and Cognition Junyi Chu, and Laura E. Schulz, Annual Review of Developmental Psychology, Volume 2, 2020 <a href="https://www.annualreviews.org/content/journals/10.1146/annurev-devpsych-070120-014806">https://www.annualreviews.org/content/journals/10.1146/annurev-devpsych-070120-014806</a> </p>
<p>Adult play and the evolution of tolerant and cooperative societies, Elisabetta Palagi, Neuroscience &amp; Biobehavioral Reviews,  Volume 148, May 2023, <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0149763423000933">https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0149763423000933</a><br/><br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <strong>radiowissen@br.de</strong>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Karpfen - Ein traditioneller Speisefisch mit Zukunftschancen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-karpfen-ein-traditioneller-speisefisch-mit-zukunftschancen/2112823</link>
      <pubDate>Thu, 27 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">28e6086f-f5c0-47e8-a80a-8bec239121a2</guid>
      <description>Karpfen gelten als Fische der Zukunft - ihre Zucht ist nachhaltig und die Fische kommen auch mit wärmeren Temperaturen klar. Vor allem in Franken und in der Oberpfalz hat die Teichwirtschaft eine lange Tradition.</description>
      <enclosure length="21311616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112823/c/feed/der-karpfen-ein-traditioneller-speisefisch-mit-zukunftschancen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Karpfen gelten als Fische der Zukunft - ihre Zucht ist nachhaltig und die Fische kommen auch mit wärmeren Temperaturen klar. Vor allem in Franken und in der Oberpfalz hat die Teichwirtschaft eine lange Tradition.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/85e063a0-7c2d-4b3e-8865-decf051d4885.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Karpfen gelten als Fische der Zukunft - ihre Zucht ist nachhaltig und die Fische kommen auch mit wärmeren Temperaturen klar. Vor allem in Franken und in der Oberpfalz hat die Teichwirtschaft eine lange Tradition.</p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autorin: Claudia Steiner<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Sprecherin: Katja Amberger<br/>Zitator: Peter Weiß</p>
<p><strong>Interviews mit:     </strong></p>
<p>Susanne Huber, Fischwirtschaftsmeisterin in St. Heinrich am Starnberger See<br/>Walter Jakob, Teichwirt aus Mühlhausen<br/>Dr. Martin Oberle, Institut für Fischerei in Höchstadt an der Aisch, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Arbeitsbereich Karpfenteichwirtschaft <strong> </strong></p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<p>Arte-Doku: <a href="https://www.arte.tv/de/videos/122220-004-A/re-karpfen-statt-lachs/">Karpfen statt Lachs</a><br/>Werner Bätzing, <a href="https://www.archiv.geographie.uni-erlangen.de/wp-content/uploads/publ_wba/wba_publ_270.pdf">Nutzungskonflikte zwischen Teichwirtschaft, Naturschutz und Freizeitinteressen im Aischgrund</a><br/>1000 Jahre <a href="https://karpfenteichwirtschaft-bayern.de/1000-jahre-karpfenteichwirtschaft-in-bayern/">Karpfenteichwirtschaft</a> in Bayern<br/>Infos zum <a href="https://hoechstadt-herzogenaurach.bund-naturschutz.de/">BN-Projekt Karpfen pur Natur</a><br/>Infos der <a href="https://www.lfl.bayern.de/ifi/karpfenteichwirtschaft/">Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zur Karpfenteichwirtschaft</a></p>
<p><strong>Hörtipps:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/fische-in-bayern-wie-geht-es-ihnen/bayern-2/14219643/"><strong>Fische in Bayern - Wie geht es ihnen?</strong></a><br/><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/suche/Fische%20-%20Die%20untersch%C3%A4tzten%20Lebewesen/"><strong>Fische - Die unterschätzten Lebewesen</strong></a><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-aal-ein-fisch-voller-raetsel/bayern-2/94346340/"><strong>Der Aal - Ein Fisch voller Rätsel</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <strong><a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a></strong>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frauenbewegung Ost und West - Längst nicht wiedervereinigt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frauenbewegung-ost-und-west-laengst-nicht-wiedervereinigt/2112815</link>
      <pubDate>Thu, 27 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">631d9008-31ea-42b9-bfd3-9d4128e77756</guid>
      <description>Im April 1990 trafen sich Frauen aus Ost und West zum ersten Ost-West-Frauenkongress. Auf diesem Treffen wurde deutlich, wie unterschiedlich die feministischen Standpunkte nach 40 Jahren Trennung waren. Auch heute wirkt das nach.</description>
      <enclosure length="22250112" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112815/c/feed/frauenbewegung-ost-und-west-laengst-nicht-wiedervereinigt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:10</itunes:duration>
      <itunes:author>Eva Deinert</itunes:author>
      <itunes:summary>Im April 1990 trafen sich Frauen aus Ost und West zum ersten Ost-West-Frauenkongress. Auf diesem Treffen wurde deutlich, wie unterschiedlich die feministischen Standpunkte nach 40 Jahren Trennung waren. Auch heute wirkt das nach.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/336c5613-c83d-4c34-b7a3-f720ac5cb8a2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im April 1990 trafen sich Frauen aus Ost und West zum ersten Ost-West-Frauenkongress. Auf diesem Treffen wurde deutlich, wie unterschiedlich die feministischen Standpunkte nach 40 Jahren Trennung waren. Auch heute wirkt das nach.</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autorin: Eva Deinert<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Sprecherinnen: Katja Bürkle, Katja Schild<br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Gesprächspartnerinnen:<br/></strong><a href="https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/vermitteln/wissenschaft/promotionsfoerderung-stipendienprogramm/stipendiaten/jessica-bock">Dr. Jessica Bock</a>, Historikerin; ihre Promotion: „Frauenbewegung in Ostdeutschland. Aufbruch, Revolte und Transformation in Leipzig 1980–2000“, Mitteldeutscher Verlag, 2020. </p>
<p>Ulrike Helwerth, ehemalige westdeutsche Journalistin<br/>Ihr Artikel über den Ost-West-Frauenkongress aus dem Archiv der taz: „<a href="https://taz.de/Fuer-uns-steht-jetzt-alles-auf-dem-Spiel/!1770217/">Für uns steht jetzt alles auf dem Spiel“</a> </p>
<p>Gislinde Schwarz, ehemalige ostdeutsche Journalistin; Interview mit Gislinde Schwarz und Ulrike Helwerth im <a href="https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/angebote/dossiers/30-jahre-geteilter-feminismus/es-ist-viel-zusammengewachsen">Digitalen Deutschen Frauenarchiv.</a></p>
<p><strong>Podcast-Tipps:<br/></strong>ARD Radiofeature: „<a href="https://1.ard.de/Radiofeature_Vergewaltigernetzwerk">Das </a><a href="https://1.ard.de/Radiofeature_Vergewaltigernetzwerk">Vergewaltiger-Netzwerk</a>“</p>
<p>Der Bruch - Frauen zwischen Ost und jetzt<br/>Die Podcast-Reihe des RBB portraitiert <a href="https://www.rbb-online.de/podcasts/der-bruch/frauen-zwischen-ost-und-jetzt.html">fünf ostdeutsche Frauen und ihr Leben nach der Wiedervereinigung</a></p>
<p>Diagnose: Unangepasst – Der Albtraum Tripperburg<br/>In dem <a href="https://www.mdr.de/next/podcast/tripperburg/index.html">Podcast-Mehrteiler des MRD</a> geht es um Frauen, die in der DDR in so genannten „Tripperburgen“ eingesperrt wurden. Unter dem Vorwand, geschlechtskrank zu sein, wurden Frauen, die dem SED-Regime nicht passten, zwangseingewiesen in spezielle Einrichtungen, in denen sie misshandelt wurden. </p>
<p>Die frühe DDR … Auferstanden aus Ruinen<br/>„Alles Geschichte – Der History-Podcast<a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/die-fruehe-ddr-auferstanden-aus-ruinen/2001606">https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/die-fruehe-ddr-auferstanden-aus-ruinen/2001606</a>“ setzt sich mit der Gründung der DDR auseinander.</p>
<p><strong>Weiterführende Links:<br/></strong>Der Ost-West-Frauenkongress von 1990 im <a href="https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/angebote/dossiers/30-jahre-geteilter-feminismus/der-ost-west-frauenkongress-1990">Digitalen Deutschen Frauenarchiv</a>:<br/>Der MDR mit einer Dokumentation zum Thema <a href="https://www.mdr.de/geschichte/ddr/politik-gesellschaft/gleichberechtigung-ddr-frauenpolitik-100.html">Frauen in der DDR</a><br/>Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert über <a href="https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/286988/verordnete-emanzipation/">Frauen in der DDR</a>:</p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Ulrike Helwerth und Gislinde Schwarz: „Von Muttis und Emanzen: Feminismus in Ost- und Westdeutschland.“ Die Frau in der Gesellschaft, Fischer, 1995.<br/>Annette Schuhmann: „Wir sind anders! Wie die DDR Frauen bis heute prägt.“ Hoffmann und Campe, 2025.<br/>Franziska Hauser und Maren Wurster: „Ost*West*frau.“ Frankfurter Verlagsanstalt, 2025.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Harmonie der Welt - Das schwingende Universum</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/harmonie-der-welt-das-schwingende-universum/2099022</link>
      <pubDate>Wed, 26 Nov 2025 09:51:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">eb11c8c7-75ff-4883-81fd-527b2d31a241</guid>
      <description>Bereits in der Antike war Astrophysik bzw. Astronomie und Musik eng miteinander verbunden und gipfelte in der Idee einer &quot;Sphärenmusik&quot;. Warum fasziniert diese Vorstellung viele Menschen bis heute?</description>
      <enclosure length="22801152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099022/c/feed/harmonie-der-welt-das-schwingende-universum.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Schramm</itunes:author>
      <itunes:summary>Bereits in der Antike war Astrophysik bzw. Astronomie und Musik eng miteinander verbunden und gipfelte in der Idee einer &quot;Sphärenmusik&quot;. Warum fasziniert diese Vorstellung viele Menschen bis heute?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/feb35152-c40b-44c1-ad30-64e84ad4726a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bereits in der Antike war Astrophysik bzw. Astronomie und Musik eng miteinander verbunden und gipfelte in der Idee einer "Sphärenmusik". Warum fasziniert diese Vorstellung viele Menschen bis heute?</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Martin Schramm<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Thomas Birnstiel, Hemma Michel, Jerzy May, Christoph Jablonka<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Markus Nielbock, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; <br/>Pierre Leich, Wissenschaftshistoriker, Nürnberg<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Giordano Bruno - Nichts unter der Sonne ist neu<br/>Am 17. Februar 1600 landet Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen, einer der unbequemsten und zugleich genialsten Denker der Renaissance. Wie konnte es soweit kommen?  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/giordano-bruno-nichts-unter-der-sonne-ist-neu/bayern-2/83982888/">HIER</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>


<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHER</p>

<p>Der Blick nach oben - in den klaren Sternenhimmel - seit Jahrtausenden bringt er Menschen zum Grübeln: Majestätisch ziehen die Planeten ihre Bahnen zwischen den funkelnden Sternen. Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus - der Nachthimmel wird gleichsam zur „Bühne“ für die ewige Reise der Planeten durchs All.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine „Reise“, die Fragen aufwirft: Folgt sie irgendwelchen Gesetzen? Ist sie Teil einer größeren „kosmischen Ordnung“? Ausdruck einer „universellen Harmonie“? Am Ende einer Harmonie, die man sogar hören kann?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Vorstellung einer Art „Sphärenmusik“ begeistert Menschen seit Jahrhunderten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Andere wiederum halten sie für genauso originell, wie unsinnig. Denn was genau sollte da eigentlich „erklingen“? Eine Art „Sternen-Konzert?“ Eine „Ballade der Planeten“?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und was können Wissenschaftler heute mit dieser Vorstellung noch anfangen?</p>
<p>MUSIK (Cosmos)</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Die Idee - oder: Das Schwingende Universum</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Vorstellung einer „Sphären-&quot; oder „Himmelsharmonie“ taucht bereits in der Antike, in der Gedankenwelt der Pythagoreer auf. Die Grundidee: Die Planeten erzeugen durch ihre streng gleichförmigen Kreisbewegungen Töne - eine Art kosmischer Zusammenklang, eine Harmonie stellt sich ein.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine Harmonie, die auf besonderen Zahlenverhältnissen gründet. Pythagoras macht damals nämlich einen wegweisenden Schritt: Er glaubt, dass man die schon lange vor ihm postulierte „Harmonie des Universums“ auch mathematisch erklären kann.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Zufällig entdeckt er, dass die Höhe eines Tons von der Länge der Saite und deren Schwingungen abhängt. Dass sich Intervalle also durch Zahlenverhältnisse darstellen lassen. Durch ganz besondere Zahlenverhältnisse.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eindrücklich demonstrieren lässt sich das am sogenannten „Monochord“. Einem Apparat, bei dem eine einzige Saite über einen länglichen Resonanzkasten gespannt ist.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Verändert man die Saitenlänge, stellen sich besondere Klänge ein, Klänge die wir als besonders „konsonant“ empfinden: Oktave (SOUND), Quinte (SOUND), Quart (SOUND), Terz (SOUND), Sext (SOUND) usw.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und diese besonderen „Zusammenklänge“, entsprechen besonderen „Proportionen“, den Verhältnissen einfacher, ganzer Zahlen: 1:1, 1:2, 2:3, 3:4 usw.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die faszinierende Erkenntnis: Musik folgt offenbar einfachen mathematischen Gesetzen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und diese Vorstellung wird dann schnell auf den ganzen Kosmos bezogen. D.h. auf die damalige Vorstellung einer göttlich geschaffenen Welt, in deren Zentrum die Erde steht. Eine Erde, die von „kristallinen Kugelschalen“ umgeben ist, von kristallinen „Sphären“. - Der Wissenschaftshistoriker Pierre Leich:</p>
<p>01-O-TON Leich  Sphären</p>
<p>„Ja, man hat in der Antike die Vorstellung gehabt, dass es so eine Art kristalline Sphäre aus einem himmlischen Stoff gibt, die gewissermaßen als Träger der Bewegung der Gestirne fungieren. Denn dass die Gestirne sich zumindest scheinbar um die Erde drehen, das sieht man ja unmittelbar. Und die Vorstellung, dass die Bewegungen in irgendeiner Weise fixiert werden müsste, entspricht auch dem, was wir auf der Erde erwarten würden. Wenn wir eine Uhr bauen oder derartiges. Und die Planeten, die hat man sich dann entweder auf diesen kristallinen Sphären sozusagen draufgepappt irgendwie vorgestellt. oder auch zwischen den Sphären. Beide Varianten sind durchaus immer wieder vorgekommen.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Kristalline Schalen, auf denen sich Planeten um den Nabel der Welt, die Erde bewegen - eine Vorstellung, die uns heute reichlich seltsam anmutet, die damals aber durchaus plausibel erscheint. Denn irgendetwas musste die Gestirne schließlich auf ihrer Bahn halten, dafür sorgen, dass sie nicht einfach weg drifteten. Dass unsichtbare Gravitationskräfte die Planeten leiten, sollte erst viel später ein gewisser Isaac Newton beschreiben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damals völlig plausibel erschien den Menschen auch die Vorstellung, dass Planeten, bzw. die Sphären, „Töne“ erzeugen. Es entsprach der alltäglichen Beobachtung, dass Dinge, die schwingen, die sich bewegen, eben „klingen“. - Der Astrophysiker Markus Nielbock:</p>
<p>02-O-TON Nielbock  Die göttliche Ordnung</p>
<p>„Und je nachdem in welchem Abstand von der Erde und welcher Geschwindigkeit von der Erde sich diese Sphäre mit den Planeten und am Schluss dann den Fixsternen bewegt, gibt das unterschiedliche Abfolgen von Tönen, die man mit der Musik identifizieren kann. Das ist im Prinzip der Grundgedanke dieser Sphärenmusik. Man sieht hier sozusagen die Ordnung des Kosmos widergespiegelt in Tönen, in einer Art von Musik. Und der Grundtenor ist ja, das ist die gleiche Ordnung, die gleiche göttliche Ordnung, die alles wirklich bestimmt.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Musik und Gestirne folgen den gleichen Gesetzen. Die Zahl wird zur „Klammer“, zum „ordnenden Faktor“, der Himmel und Musik verbindet.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bereits in der Antike wird diese Idee allerdings auch heftig diskutiert. Vor allem die berechtigte Frage: Wenn der Kosmos tatsächlich schwingt und tönt - warum hört man dann nichts davon auf der Erde?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die „Sphären-Harmoniker“ überboten sich durch alle möglichen Erklärungen: Von „Naja, wenn etwas ununterbrochen erklingt, dann nimmt man es eben irgendwann nicht mehr wahr, es wird zu einer Art Hintergrundrauschen“ - bis hin zur steilen These, dass eben nur Auserwählte wie Pythagoras selbst die Himmelsharmonie tatsächlich „hören“ könnten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch kritische Denker wie Aristoteles überzeugte das nicht. Er meldet Zweifel an, Zweifel an einer Sphärenharmonie, die man tatsächlich „hören“ könnte – und spart nicht mit Polemik:</p>
<p>ZITATOR 1 Aristoteles – (Vom Himmel)</p>
<p>„Die Behauptung es entstünde bei der Bewegung der Gestirne eine Musik, in dem die Töne zusammenstimmten, ist zwar fein und originell, aber keineswegs wahr….((Nicht nur ist es unsinnig, dass wir nichts hören, sondern auch, dass wir abgesehen von dieser Sinneswahrnehmung nichts merken sollten…)) es ist vielmehr wahrscheinlich, dass wir nichts hören, und die Körper keine gewaltsame Einwirkung erleiden, weil kein Ton vorhanden ist!“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Natürlich sind wir heute schlauer: In den Weiten des Weltalls ist es tatsächlich gespenstisch still. Es fehlt schlicht und einfach ein Medium wie beispielsweise Luft, das Schallwellen transportieren könnte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Stattdessen ist dort draußen vor allem eines: nichts. Ein nahezu perfektes Vakuum. Selbst wenn im All also etwas schwingt, explodiert oder kollidiert - wir können es nicht hören.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und vielleicht ist das auch ganz gut so. - Pierre Leich:</p>
<p>03-O-TON Leich  Sonne</p>
<p>“Im Falle der Sonne, denke ich, dürfen wir alle auch ganz froh sein, dass dem so ist. Denn wenn man sich vorstellen würde zwischen der Sonne und uns wäre ein Medium, was den Schall überträgt, dann wäre es ja hier auf der Erde so unglaublich laut, dass wir überhaupt nichts mehr hören könnten. ((Also hätte sich dann mit Sicherheit weder Gehör, noch Stimme entwickeln können. Also wir können sogar froh sein, dass uns da keine Geräusche erreichen.)) Aber es schwingt ja auch immer der Gedanke mit, dass es gar nicht um Geräusche im engeren Sinn geht, sondern tatsächlich nur um mathematische Proportionen.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein genialer Mathematiker - zugleich einer der profiliertesten theoretischen Astronomen um 1600, sollte die Tradition dieser pythagoreischen Harmonievorstellungen wieder aufgreifen: Johannes Kepler.</p>
<p>((SPRECHERIN</p>
<p>Dieser scharfsinnige Denker ist davon überzeugt, dass sich der uralte Glaube an ein musikalisch schwingendes Universum durchaus wissenschaftlich untermauern lässt - und zwar mit den physikalischen Gesetzen des 17. Jahrhunderts.))</p>
<p>MUSIK (Cosmos)</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Weltharmonik - oder: Die Vermessung des Himmels</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Von der Erde aus betrachtet, malen manche Planeten seltsame Linien an den Himmel, wundersame Schleifen. Vor allem der Mars scheint nicht ganz zu wissen, was er will, irrt gleichsam umher: kehrt plötzlich seine Richtung um, usw.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Passt das zum „rationalen Plan“ eines Schöpfers? Lässt Gott die Planeten tatsächlich wie „verirrte Reisende“ am Himmel wandern? Das konnte nicht sein.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Folgte man Kopernikus - und geht davon aus: nicht die Erde ist der Mittelpunkt des Kosmos, sondern die Sonne, um die die Planeten kreisen -, dann entwirren sich die Schleifen plötzlich. Plötzlich ergeben sie Sinn.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Johannes Kepler prüft Kopernikus Theorie mithilfe komplizierter mathematischer Berechnungen - und anhand der besten Beobachtungsdaten, die es damals gibt: den Daten, die der dänische Astronom Tycho Brahe gesammelt hatte.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und doch ist es ein jahrelanger Kampf, bis Kepler sich endlich dazu durchringt, ein revolutionäres Ergebnis anzuerkennen: Die Planeten bewegen sich nicht in perfekten Kreisen, sondern in Ellipsen. Und zwar nicht um die Erde, sondern um die Sonne!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kepler muss also ausgerechnet jenen vollkommenen Kreis opfern, der für Astronomen bis dahin als „Garant für Perfektion“ galt. - Markus Nielbock:</p>
<p>04-O-TON Nielbock  Traditionsbruch</p>
<p>„Das war ja auch ein Teil dieser Vorstellung, dass das alles eine göttliche Ordnung hat. Und was ist göttlicher, was ist perfekter als ein perfekter Kreis? Und Kepler hat dann später gesehen: ja geht nicht mit dem Kreis, das ist völlig unmöglich, als er dann die Marsbahn sich angeguckt hat, machen wir doch eine Ellipse draus. Und das war dann schon ein ziemlich klarer Bruch zu einer Jahrtausend langen Tradition, was die Astronomie wirklich machte.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kepler korrigiert aber nicht nur die Vorstellung perfekter Kreisbahnen, er verabschiedet auch die Vorstellung, dass sich Planten völlig gleichförmig bewegen. Er stellt fest: Die Geschwindigkeit schwankt, die Planeten laufen in Sonnennähe schneller als in Sonnenferne.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Den eigentlichen Volltreffer landet Kepler allerdings mit seinem sogenannten „dritten Gesetz“. Er entdeckt, dass es einen festen Zusammenhang gibt, zwischen den Abständen der Planeten zur Sonne und ihren Umlaufzeiten - also: Wie weit ein Planet von der Sonne entfernt ist, und wie schnell er sich dabei bewegt - das ist kein Zufall. Dahinter verbirgt sich eine nachprüfbare Gesetzmäßigkeit, ein Naturgesetz, eine Konstante, die man berechnen kann.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Den Weg hin zu dieser Einsicht schildert Kepler im 5. Buch seiner „Weltharmonik“:</p>
<p>ZITATOR 1 Kepler Weltharmonik</p>
<p>„Am 8. März des Jahres 1618 ist diese Proportion in meinem Kopf aufgetaucht. Bei der Berechnung hatte ich aber zunächst keine glückliche Hand: Ich verwarf sie als falsch. Doch dann, am 15. Mai kam sie wieder - und triumphierte in einem neuen Anlauf über die Finsternis meines Geistes. Wobei sich zwischen meiner siebzehnjährigen Arbeit an den Tychonischen Beobachtungen und meiner gegenwärtigen Überlegung eine derart treffliche Übereinstimmung einstellte, dass ich zuerst glaubte, ich hätte geträumt - und das Gesuchte in den Beweisunterlagen vorausgesetzt.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch Kepler hatte nicht geträumt. Er hat eine mathematisch nachprüfbare Gesetzmäßigkeit entdeckt. Die Formel lautet vereinfacht gesagt: „Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich zueinander wie die dritten Potenzen der Bahnradien.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Klingt kompliziert. Doch die entscheidende Botschaft ist letztlich: Alle Planeten folgen einem gemeinsamen Gesetz. Folgen einer klassischen Proportion, wie sie auch jedem antiken Mathematiker gefallen hätte.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Gesetz gilt allerdings nur, wenn man davon ausgeht, dass sich die Planeten um die Sonne, nicht um die Erde drehen. - Pierre Leich:</p>
<p>05-O-TON Leich</p>
<p>„Und insoweit hat Kepler mit dem dritten Keplerschen Gesetz nicht nur dieses Prinzip der Harmonie in den Bewegungen der Planeten des Sonnensystems wiederentdeckt, sondern er hat uns auch das für seine Zeit mit Abstand beste Argument für den Heliozentrismus überhaupt geliefert.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und: Auf Hunderten von Seiten versucht Kepler schließlich auch detailreich ganz konkrete harmonische Verhältnisse zwischen den einzelnen Planeten nachzuweisen. Dass die Abstände und Geschwindigkeiten der Planeten dabei variieren, erweist sich aus Keplers Sicht nun sogar als weiser göttlicher Plan.</p>
<p>Wenn die Abstände variieren, bedeutet das nämlich: Es gibt nicht den einen ewig gleichen Ton – es entstehen vielmehr unterschiedliche Töne - und damit Intervalle, also „Zusammenklänge“.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Konkret: Kepler berechnet ein Verhältnis – und zwar das der Geschwindigkeit in Sonnennähe und der Geschwindigkeit in Sonnenferne, für jeden einzelnen Planeten. Dieses Verhältnis ist nichts anderes ein Intervall, das er so jedem der damals bekannten sechs Planeten jeweils zu ordnen kann:</p>
<p>SPRECHER/SPRECHERIN (im Wechsel):</p>
<p>Erde: 27:28 / Mars: 5:6 / Saturn: 9:10 / Jupiter: ebenfalls 9:10 / Venus: 80:81 / Merkur: 3:4</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Intervalle der einzelnen Planeten setzt er wiederum miteinander in Beziehung, berechnet wie die einzelnen Planeten zueinanderstehen – und entdeckt dort Tonintervalle, ganzzahlige Verhältnisse, beispielsweise:</p>
<p>SPRECHER/SPRECHERIN (im Wechsel):</p>
<p>Saturn - Jupiter: 1:3 / Jupiter - Saturn: 2:1 / Erde - Mars: 3:2 / Erde – Venus: 3:5 usw.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Kepler ordnet einzelnen Planeten sogar bestimmte Tonleiterleitern zu. Doch wer jetzt fragt: „Kann man das bitte mal hören, dieses &lt;Konzert der Sterne&gt;?“ - der wird enttäuscht: Zu „hören“, bzw. akustisch zu messen auf der Erde, gibt es da auch aus Keplers Sicht eigentlich nichts.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Keplers Projekt „Harmonie der Welt“ verfolgt ein viel größeres Ziel: Getragen von einer tiefen religiösen Überzeugung will er eine Art göttlichen „Weltplan“ aufdecken: verborgene Harmonien und Proportionen, die alles durchdringen. Sprich: Kepler glaubt, dass die Welt auch im kleinsten Schneekristall eine Ordnung widerspiegelt. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Diese Ordnung im Großen und Kleinen zu entdecken, ist seine Mission. Er versucht also gleichsam Gottes Gedanken „nachzudenken“, seinen mathematischen Plan zu ergründen, wie er selbst schreibt:</p>
<p>ZITATOR 1 Kepler (Weltharmonie)</p>
<p>„Ich fühle mich von einer unaussprechlichen Verzückung ergriffen ob des göttlichen Schauspiels der himmlischen Harmonie. Denn wir sehen hier, wie Gott gleich einem menschlichen Baumeister, der Ordnung und Regel gemäß, an die Grundlegung der Welt herangetreten ist.“</p>
<p>MUSIK (Cosmos)</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Das Konzert der Sterne - oder: Alles Zufall?</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was konnten spätere Astronomen nun mit der Idee einer „Sphärenmusik“ - eines harmonisch „schwingenden Universums“, ja einer „Harmonie der Welten“ anfangen? Konnten sie an diese Vorstellung irgendwie anknüpfen?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Man nehme: die Zahlenfolge 0, 3, 6, 12, 24, 48, 96 usw., also eine Reihe in der nach der Zahl drei jede Zahl das Doppelte der vorangegangenen ist. Dann addiere man zu jeder Zahl eine 4.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Voilà, und schon kann man die Entfernungen aller bekannten Planeten von der Sonne bestimmen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Idee: die Abstände der Planeten von der Sonne lassen sich mit einer einfachen mathematischen Formel näherungsweise allein aus der Nummer ihrer Reihenfolge herleiten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Klingt erstaunlich - und diese Zahlenreihe gibt es tatsächlich. Sie nennt sich „Titius-Bode-Reihe“, benannt nach den Astronomen „Johann Daniel Titius“ und „Johann Elert Bode“ – veröffentlicht 1772.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Regel stimmt mit den tatsächlichen Verhältnissen in unserem Sonnensystem ganz gut überein. Doch es gibt auch Unstimmigkeiten: Abweichungen von bis zu 5 % und mehr - z.B. bei Mars und Saturn. Pierre Leich:</p>
<p>06-O-TON Leich  Titus Bode Reihe</p>
<p>„Man hat eine Zeit lang jetzt viele Exoplaneten gefunden. Da hat es natürlich auch Leute gegeben, die geguckt haben, ob man die Titius-Bode-Reihe bei diesen Planetensystemen auch feststellen kann. Dann gab es ein paar, dann war große Euphorie. Inzwischen hat man so viele, dass man auch wieder sagen muss, das war Zufall. Bei einigen passt das halt und bei den meisten aber nicht. Aber für den naturgesetzlichen Zusammenhang würde man schon fordern: entweder es gilt grundsätzlich immer, oder ist es halt Zufall.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch die bereits von Kepler beschriebenen ganzzahligen harmonischen Verhältnisse der Bahnen und Sonnenumlaufzeiten von Planeten können Astronomen heute durchaus beobachten.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Stern „HD 110067“ z.B. - von uns ca. 100 Lichtjahre entfernt - wird von sechs Planeten umkreist, deren Umlaufzeiten alle in ganzzahligen sogenannten „Resonanzverhältnissen“ stehen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Oder: Stern „TOI-178“ - rund 200 Lichtjahre von uns entfernt - auch er wird von sechs Planeten umkreist. Fünf davon bewegen sich in einem harmonischen Rhythmus.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und wir wissen heute auch, warum solche Effekte auftreten: Planeten oder andere Himmelskörper in einem System beeinflussen sich gegenseitig durch ihre Schwerkraft.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Folge: Es stellen sich stabile harmonische Verhältnisse ein – zwischen den Umlaufzeiten der Planetenbahnen. Offenbar als das Ergebnis eines „Reifungsprozesses“: vom Chaos zur Ordnung. - Der Astrophysiker Markus Nielbock:</p>
<p>O-TON Nielbock  Reifungsprozess</p>
<p>„Das hat was damit zu tun, wie sich so ein System, was anfänglich tatsächlich chaotisch ist, sich im Laufe der Zeit entwickelt. Und man geht heute davon aus, dass eben durch die gravitative Wechselwirkung in so einem Planetensystem sich irgendwann ein Gleichgewichtszustand einstellt, der eben durch diese ganzzahligen Verhältnisse widergespiegelt wird. Und mit der Zeit pendelte sich das so ein, dass aus dem chaotischen System ein mehr oder weniger geordnetes System sich bildet. Und das zeichnet gerade ich sage mal relativ alte Planetensysteme aus, dass wir diese Verhältnisse dort finden.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Bei jungen Systemen aber eher nicht. Sprich: Harmonische Verhältnisse sind in vielen Planetensystemen eben ein möglicher Zustand, aber eben nicht der einzige.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und: wenn Astronomen wie im Fall von TOI-178 einen „harmonischen Volltreffer“ landen, dann gibt es auch dort dennoch nichts zu „hören“.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wer tatsächlich etwas hören will, muss damals wie heute nachhelfen. Die Europäische Südsternwarte, kurz „ESO“ macht das z.B. gerne mit künstlerischen Animationen: die rhythmische Bewegung der Planeten um den Zentralstern soll so nicht nur optisch, sondern auch klanglich erfahrbar werden: Jedem Planeten wird ein Ton zugewiesen, der dann erklingt, wenn ein Planet entweder eine volle oder eine halbe Umlaufbahn vollendet hat.</p>
<p>SOUND TOI-178 https://www.eso.org/public/videos/eso2102b/</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Komplexe Ordnung soll so akustisch erfahrbar werden – wird aber eher nicht zum „berauschenden Klangerlebnis.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Löst man sich schließlich vom Gedanken, einer wirklich hörbaren Ordnung in unserer Welt - öffnet sich ein weites Feld: Unsere Welt ist durchdrungen von wiederkehrenden Formen, Mustern und Strukturen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die existieren nicht zufällig, sondern folgen gleichsam „universellen Codes“.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Z.B. der sogenannten Fibonacci-Zahlenfolge, bei der jede Zahl die Summe der beiden vorausgegangenen Zahlen ist und die eine Art „Wachstumsmuster“ in der Natur beschreibt: Blütenblätter, Äste und Samen – alles, was sich durchsetzt, wächst meist nach der Fibonacci-Folge.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Prägend ist ebenso die unendliche Konstante Pi, auch als Kreiszahl bekannt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch fraktale Strukturen sind allgegenwärtig: Muster, die verkleinerte Kopien ihrer selbst zum Vorschein bringen, wenn man sie vergrößert.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>All das können Orientierungshilfen sein, um die Wunder der Natur zu erkennen - und Forschende versuchen genau diese Ordnung und die Gesetze dahinter zu verstehen. Denn ohne Gesetze wäre unsere Welt beliebig und zufällig, was sie offenkundig aber nicht ist.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch all diese Beobachtungen, Formeln und Gesetze sind bislang eben nur „Bausteine“. Sie liefern keine allumfassende „Weltformel“, sind immer nur eine Annäherung.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und natürlich lauert auch immer die Gefahr, dass wir nur sehen, was wir sehen wollen. Bereits in Keplers „Weltharmonik“ wirkt manches doch erstaunlich konstruiert, fällt manche Proportion, weil sie nicht perfekt ist, eben unter den Tisch.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Außerdem: Wer harmonische Beziehungen sucht, findet sie auch – irgendwo, irgendwann. Das hat u.a. der niederländische Astronom Cornelis de Jager eindrücklich auf die Schippe genommen:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Er hat einfach nur vier Parameter seines holländischen Fahrrades vermessen: Pedalweg, Durchmesser des Vorderrads, der Lampe und der Klingel.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aus diesen sehr übersichtlichen vier Maßen hat er dann mit einfachen mathematischen Operationen erstaunliche physikalische Konstanten und astronomische Werte berechnet.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Den Abstand zwischen Erde und Sonne z.B. mittels „Wurzel aus Pedalweg“ mal „Kubikwurzel Durchmesser der Klingel“ geteilt durch „Durchmesser der Lampe“.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und wer hätte das gedacht: Auch die Quotienten der Massen von Proton und Elektron, die Gravitationskonstante, die Feinstrukturkonstante und die Lichtgeschwindigkeit...</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>...all das steckt bereits drin - </p>
<p>SPRECHER</p>

<p>- in einem einfachen holländischen Fahrrad.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Blitze - Extrem und zunehmend gefährlich</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/blitze-extrem-und-zunehmend-gefaehrlich-1/2112776</link>
      <pubDate>Wed, 26 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0aa6ea12-0aa8-4e09-b8be-20b211c07bec</guid>
      <description>Sie gehören zu den eindrucksvollsten und gefährlichsten Naturschauspielen - Blitze. Ihre Gesamtzahl nimmt durch die Klimaerwärmung weltweit zu. Warum ist das so und warum blitzt es in manchen Regionen weniger?</description>
      <enclosure length="21638784" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112776/c/feed/blitze-extrem-und-zunehmend-gefaehrlich-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie gehören zu den eindrucksvollsten und gefährlichsten Naturschauspielen - Blitze. Ihre Gesamtzahl nimmt durch die Klimaerwärmung weltweit zu. Warum ist das so und warum blitzt es in manchen Regionen weniger?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fb4bcaae-8a71-453e-bd6c-c7e136e35358.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie gehören zu den eindrucksvollsten und gefährlichsten Naturschauspielen - Blitze. Ihre Gesamtzahl nimmt durch die Klimaerwärmung weltweit zu. Warum ist das so und warum blitzt es in manchen Regionen weniger?</p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autorin: Roana Brogsitter<br/>Redaktion: Matthias Eggert<br/>Regie:  Rainer Schaller<br/>Technik: Susanne Harasim         <br/>Sprecher: Katja Amberger, Frank Manhold, Johannes Hitzelberger</p>
<p><strong>Interviews mit:</strong></p>
<p>Richard Fellner, CEO nowcast GmbH München<br/>Prof. Robert Holzworth, Direktor World Wide Lightning Location Network<br/>Prof. Colin Price, Universität Tel Aviv<br/>Georg Pistotnik, GeoSphere Austria</p>
<p><strong>Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Tornado, Twister, Windhose - Die Macht der Wirbelwinde: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tornado-twister-windhose-die-macht-der-wirbelwinde/bayern-2/10653317/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Hitze, Hagel, Hochwasser - Städte wappnen sich für Extremwetter: <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hitze-hagel-hochwasser-staedte-wappnen-sich-fuer-extremwetter/bayern-2/78759940/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">HIER</a>.</strong></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Norden - Kulturgeschichte einer Himmelsrichtung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-norden-kulturgeschichte-einer-himmelsrichtung/1845178</link>
      <pubDate>Wed, 26 Nov 2025 02:15:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d1bcfba6-f47a-4f1a-9ddd-4cc7fe33f41b</guid>
      <description>Norden ist da, wo der Süden nicht ist. So einfach könnte es sein; doch was &quot;der Norden&quot; ist, hat sich die Menschheit im Laufe von Jahrtausenden zusammengereimt und -erfunden. So entstand mit viel Fantasie ein bunter Strauß von Klischees, die unserem Nord-Bild bis heute anhaften. Von Christiane Neukirch (BR 2021)</description>
      <enclosure length="22343808" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1845178/c/feed/der-norden-kulturgeschichte-einer-himmelsrichtung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Neukirch</itunes:author>
      <itunes:summary>Norden ist da, wo der Süden nicht ist. So einfach könnte es sein; doch was &quot;der Norden&quot; ist, hat sich die Menschheit im Laufe von Jahrtausenden zusammengereimt und -erfunden. So entstand mit viel Fantasie ein bunter Strauß von Klischees, die unserem Nord-Bild bis heute anhaften. Von Christiane Neukirch (BR 2021)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cabf63e1-d030-4a14-b2a9-749608cdfef7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Norden ist da, wo der Süden nicht ist. So einfach könnte es sein; doch was "der Norden" ist, hat sich die Menschheit im Laufe von Jahrtausenden zusammengereimt und -erfunden. So entstand mit viel Fantasie ein bunter Strauß von Klischees, die unserem Nord-Bild bis heute anhaften. Von Christiane Neukirch (BR 2021)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Christiane Neukirch<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Christopher Mann, Sven Hussock<br/> Technik: Christiane Schmidbauer-Huber<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p><br/> Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>

<p><strong>Li</strong><strong>teratur:<br/></strong>Bernd Brunner: Die Erfindung des Nordens – Kulturgeschichte einer Himmelsrichtung. Galiani Berlin 2019<br/>Bernd Henningsen: Der Norden: Eine Erfindung – Das europäische Projekt einer regionalen Identität</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-norden-himmelsrichtung-kulturgeschichte-skandinavien-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Vampirfledermaus - Der soziale Blutsauger</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-vampirfledermaus-der-soziale-blutsauger/2099233</link>
      <pubDate>Wed, 26 Nov 2025 02:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5c9f1556-78ed-4525-9ee6-d311904d0c07</guid>
      <description>Sind Vampire nur Figuren der Legende? Tatsächlich leben in Südamerika drei Fledermausarten, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Ihre Vorliebe bringt diesen Flattertieren - die übrigens gut zu Fuß sind - einige Schwierigkeiten. Von Christiane Seiler (BR 2024) </description>
      <enclosure length="23541888" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099233/c/feed/die-vampirfledermaus-der-soziale-blutsauger.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Seiler</itunes:author>
      <itunes:summary>Sind Vampire nur Figuren der Legende? Tatsächlich leben in Südamerika drei Fledermausarten, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Ihre Vorliebe bringt diesen Flattertieren - die übrigens gut zu Fuß sind - einige Schwierigkeiten. Von Christiane Seiler (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/98057a28-2bb9-4d4b-b645-812a68b9c22f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sind Vampire nur Figuren der Legende? Tatsächlich leben in Südamerika drei Fledermausarten, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Ihre Vorliebe bringt diesen Flattertieren - die übrigens gut zu Fuß sind - einige Schwierigkeiten. Von Christiane Seiler (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Christiane Seiler<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprach: Kathrin von Steinburg<br/> Technik: Moritz Herrmann<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Simon Ripperger, Fledermausexperte, Landesamt für Umwelt in Bayern; <br/>Sebastian Stockmaier, Verhaltensbiologe in Knoxville, Tennessee; <br/>Remigiusz Kozinsky und Olga Polak, Neuer Zoo Poznan<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Warum Tiere kooperieren - Altruismus im Tierreich  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/warum-tiere-kooperieren-altruismus-im-tierreich/bayern-2/13299077/">Hier entdecken</a></strong></p>
<p><strong>Der Tanz der Vampiere - Dracula in der Musik  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-tanz-der-vampire-dracula-in-der-musik/bayern-2/10545107/">Hier entdecken</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong><br/><strong>Carter Lab: Website des Verhaltensbiologen Gerald Carter von der Ohio State University. Mit regelmäßigen Updates zur Vampirfledermausforschung und diversen Videos mit spannenden Details aus dem Leben dieser Tiere. <a title="Hier gehts zur Website." href="https://socialbat.org/">HIER</a></strong><br/><br/><strong>Literatur:</strong><br/></p>
<p>Uwe Schmidt, Vampirfledermäuse. Spektrum Akademischer Verlag; 1. Edition (7. Dezember 1995). Die Monographie, zuerst erschienen 1979, ist die einzige umfassende deutschsprachige Publikation über das Thema.</p>
<p>Sebastian Stockmaier: Bat behavioral immune responses in social contexts: current knowledge and future directions. Artikel zu Fragestellungen über das Sozialverhalten erkrankter Vampirfledermäuse</p>
<p>https://www.frontiersin.org/journals/immunology/articles/10.3389/fimmu.2023.1232556/full</p>
<p>Simon Ripperger und Gerald Carter: Social foraging in vampire bats is predicted by long-term cooperative relationships. Artikel über die Tragfähigkeit von Freundschaften unter Vampirfledermäusen. https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.3001366</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-fledermaus-vampir-rind-tollwut-altruismus-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>01 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>You can see one of them here, on the left side, between the wooden trunk and the wall. (läuft weiter, als Atmo unter folgendem Text)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Zwei Mitarbeiter des Neuen Zoos von Poznan zeigen mir eine Rarität: Die Vampirfledermäuse. 1996 bezogen die ersten Exemplare ihren Käfig im Nachttierhaus, eine Gabe des Zoologischen Instituts der Universität Bonn. Nirgendwo sonst in Europa werden Vampirfledermäuse noch im Zoo gehalten. Aber auch hier in Polen geht ihre Ära wohl zu Ende.</p>
<p>02 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>They are not endangered species. Our main task is breeding of endangered species. And we try to concentrate on this. We are not an entertainment place. We are more educational and breeding center… Polak: And today this cave is too small for bats. Kozinsky: We try to be better places for our inhabitants… </p>
<p>Sprecherin (auf vorigen O-Ton)</p>
<p>Die Vampirfledermäuse seien keine bedrohte Art, erklären Remigiusz Kozinsky, der im Zoo für die Bildungsarbeit zuständig ist, und Olga Polak, die Kuratorin des Nachttierhauses. Ihr Zoo sei nicht zum Entertainment da, sondern für Umweltbildung und die Zucht bedrohter Tierarten. Außerdem sei der Käfig mittlerweile zu klein, die Standards haben sich geändert. </p>
<p>03 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>Olga, close the door... ((läuft weiter als Atmo unter folgendem Text)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die beiden geleiten mich vorsichtig in den Lebensbereich der Vampirfledermäuse, der mit einer Glasscheibe zum Publikumsbereich abgetrennt ist. Innen brennt Licht, noch ist es Tag für die nachtaktiven Tiere. </p>
<p>04 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>Autorin: There is one … (ab hier als Atmo unter folgendem Text)</p>
<p>Musik 2: Plus minus aus: Silver kobalt –  47 Sek </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>An der hinteren Wand sehe ich einen nachgebildeten hohlen Baumstamm, darin zwei kleine dunkel behaarte Fledermäuse mit spitzen Ohren und runden aufgeworfenen Nasen kopfüber von der Decke hängen. Als wir uns nähern, verziehen sie sich weiter nach hinten, ins Dunkle. Auf dem Boden, in einer kleinen Edelstahlschüssel, steht ihre Mahlzeit bereit: Schweineblut. In dem Käfig leben vier männliche Exemplare der Art Desmodus rotundus, auf Deutsch: die Gemeine Vampirfledermaus. </p>
<p>05 OT Ripperger</p>
<p>Ja, also es gibt ja die Fledermäuse mit über 1.400 Arten, aktuell weltweit, also eine sehr große und diverse Säugetiergruppe und von den Vampirfledermäusen gibt es tatsächlich nur drei Arten, die ausschließlich in Lateinamerika vorkommen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Sagt Dr. Simon Ripperger. Er ist als Biologe beim Landesamt für Umwelt in Bayern als Fledermausexperte tätig. </p>
<p>06 OT Ripperger</p>
<p>Und der gemeine Vampir, das ist ja die häufigste Art von diesen dreien, deswegen wird er auch regelmäßig beforscht, weil, er ist einfach zu finden in der Wildnis. Man kann ihn einfach halten in Gefangenschaft und das macht ihn natürlich zu einem idealen Forschungsobjekt. </p>
<p>Musik 3: Plus minus aus: Silver kobalt – siehe oben– 19 Sek </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Neugier der Wissenschaftler erregt diese Fledermausart vor allem aus drei Gründen: wegen ihrer einzigartigen Ernährungsweise, weil sie in Lateinamerika die Rinderbestände schädigt und weil sie ein hochkomplexes Sozialleben hat.</p>
<p>07 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>Remigius: I can see some poo ... (ab hier unter folgendem Text)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>In Poznan, unter dem Schlafplatz der Fledermäuse, ist eine schwarze Substanz zu erkennen. Die Ausscheidungen der Tiere, unverdauliche Überreste ihrer Blutmahlzeit.</p>
<p>08 OT Ripperger</p>
<p>Ja, also der Kot von den Vampirfledermäusen, der ist fast teerartig, also sehr zäh, dickflüssig und schwarz und der Kot von anderen Fledermäusen ist ja eher krümelig und trocken im Normalfall.  </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Simon Ripperger hat in Lateinamerika, vor allem in Panama, Ruhequartiere der Vampirfledermäuse besucht. </p>
<p>09 OT Ripperger</p>
<p>Und sobald man nah an den Baum rankommt, riecht man sofort, dass es ein Vampirfledermausbaum ist. Weil der, also der Kot, der verströmt einen extremen Ammoniumgeruch. Und Ammonium ist wahnsinnig unangenehm, weil es eben giftig ist. Also das heißt, wenn wir in so einen Vampirbaum reingehen, man kann in diese Vampirbäume tatsächlich einfach reinlaufen in vielen Fällen, weil das einfach riesige, uralte Bäume sind, die komplett ausgefault sind, also so fast wie Höhlenbäume. Und da muss man dann natürlich einen Mundschutz tragen, also eine aktive Schutzmaske gegen Ammoniumdämpfe.      </p>
<p>10 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>(Kinderstimmen) Kozinsky: There is one... (ab hier unter folgendem Text)</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Im Nachttierhaus von Poznan ist das Tageslicht erloschen, Besucher strömen hinein. Machen neben uns vor der dicken Glasscheibe zum Vampirfledermauskäfig Halt. In der schummrigen Beleuchtung nehme ich ein Tier wahr, das sich der Blutschüssel nähert, sich an den Rand hockt, mit seltsam angewinkelten Vorderbeinen. </p>
<p>11 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>(Kinderstimmen) He is licking… Autorin: now he looks around a little bit (Ab hier als Atmo unter folgendem Sprechertext)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das Tier beschnuppert den Inhalt, sieht sich um, schnuppert vielleicht dem Menschengeruch nach, den wir im Käfig hinterlassen haben. Dann stakst es am Rand der Schüssel entlang, auf Beinen, deren gefaltete Flughäute jetzt sichtbar sind.</p>
<p>12 OT Kozinsky / Polak</p>
<p>His tongue is for licking the blood from the dish (Ab hier als Atmo unter folgendem Sprechertext)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Kurz ist eine spitze Zunge zu sehen. Das Tierchen taucht sie in den Inhalt der Schüssel. Springt dann mit einem großen Satz aus dem Blickfeld.</p>
<p>Musik 4: The brides -  1:09 Min</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Vampire, das weiß jedes Kind, sind Wesen, die Blut trinken. Geschichten von Vampiren und Untoten geistern seit Jahrhunderten durch die europäische Welt der Legenden und Mythen. Sprachwissenschaftler haben herausgefunden, dass das Wort ‚Vampir‘ in verschiedenen Varianten aus dem Slawischen stammt und seit dem ersten Jahrtausend nach Christus gebräuchlich ist. Geschichten von Untoten, die die Lebenden in verschiedenen Gestalten heimsuchen und sich an deren Blut laben, sind offenbar über die ganze Welt verbreitet. Als Eroberer und Forschungsreisende sich von Europa aus in immer entferntere Gegenden aufmachten, trat auch das Wort Vampir seine Weltreise an. In Asien, Afrika und Amerika trafen diese Abenteurer und Entdecker auf neue Mythen von mörderischen Fabelwesen. Schauergeschichten von blutsaugenden Fledermäusen machten die Runde: </p>
<p>13 OT Ripperger</p>
<p>Es gibt schon aus der Frühzeit der Besiedelung durch die Europäer in Lateinamerika solche Berichte. Als die Conquistadores angelandet sind und mit ihren Soldaten und dem Vieh, den Pferden und den Kühen ankamen, dass Schwärme von Vampirfledermäusen über Mensch und Vieh hergefallen sind. </p>
<p>Musik 5: Twelve Month - 1:25 Min</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Oft ging den Erzählern offenbar die Fantasie durch. Berichte über taubengroße Vampirfledermäuse stürzten Taxonomen, die neu entdeckte Tierarten beschreiben und benennen, in einige Verwirrung. So bezeichnete der berühmte schwedische Naturforscher Carl von Linné Mitte des 18. Jahrhunderts den großen asiatischen Flughund als „Vespertilio Vampyrus“, weil dieser, so Linné, bei schlafenden Dienern und an den Kämmen der Hähne Blut sauge. Ein Irrtum, denn ausgerechnet dieser große Flugsäuger ernährt sich ausschließlich von Obst und Nektar. Auch „Vampyrum Spectrum“, die größte Fledermausart Lateinamerikas, trägt den Namen zu Unrecht. Diese fleischfressende Art ernährt sich von kleinen Nagetieren und Vögeln. Erst ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts setzte sich bei den Zoologen die Erkenntnis durch, dass es nur in Lateinamerika jene drei klein gewachsenen Fledermausarten gibt, die sich ausschließlich vom Blut der Säugetiere und Vögel ernähren. Und manchmal, wenn auch sehr selten, vom Blut der Menschen.  </p>
<p>Musik aus</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Vampirfledermäuse haben sich eine sehr spezielle ökologische Nische erobert und nehmen dafür einiges auf sich. Blut sättigt nicht nachhaltig, eine Fledermaus wird also schnell wieder hungrig, Fasten kann für sie tödlich sein. Überwintern, wie es die Insekten-fressenden Fledermäuse hierzulande tun, ist ebenfalls nicht möglich, weil mit der Blutmahlzeit keine Fettreserven gebildet werden können. Deshalb leben Vampirfledermäuse nur in ganzjährig warmen Gegenden. Manche Fähigkeiten anderer Fledermausarten, wie etwa eine ausgefeilte Ortung durch Ultraschalllaute und akrobatische Flugkünste, spielen für sie eine untergeordnete Rolle. </p>
<p>Musik 6: 1864 –  23 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Und die Zähne? An Halloween und Karneval gehört ein falsches Gebiss mit langen spitzen Fangzähnen bekanntermaßen zur Vampir-Grundausstattung. Nur beißt die Fledermaus, anders als ein sexy Gruselfilm-Vampir, nicht mit den Eckzähnen, sondern mit den Schneidezähnen.     </p>
<p>Musik aus</p>
<p>14 OT Ripperger</p>
<p>Die oberen vorderen Schneidezähne, die sind sehr stark modifiziert. Also die sind nach vorne gerichtet, fast sichelförmig und die Innenseite ist eben rasierklingenscharf. Und mit diesen beiden Zähnen können sie eben sehr effizient die Haut einritzen von Beutetieren. Und dann haben Sie natürlich auch eine ganze Reihe von weiteren Anpassungen an das Trinken von Blut. Also im Speichel sind Gerinnungshemmer für das Blut. Also das heißt, das Blut kann dann für längere Zeit aus der Wunde herausrinnen. Sie sind tatsächlich keine Blutsauger, wie man immer sagt, sondern sie lecken mit der Zunge das Blut auf. Auch auf der Zunge ist dann eine Hornplatte, mit der sie einerseits sehr effizient Haare von der Bissstelle entfernen können, andererseits wird diese Hornplatte vermutlich auch zum Schärfen der Zähne genutzt. Also es sind völlig verrückte Anpassungen für ein Säugetier.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bevor es aber ans Blutlecken geht, wohlgemerkt nicht ans Blutsaugen, muss das Tier die Beute finden. Auch dazu hat sich die Vampirfledermaus im Lauf der Evolution besondere Fähigkeiten zugelegt:</p>
<p>15 OT Ripperger</p>
<p>Sie sind oft eben nicht im Flug unterwegs, wenn sie auf der Beute landen, sondern sie landen ein paar Meter neben der Beute und schleichen sich dann zu Fuß an. Man hat Versuche gemacht mit den Tieren, wie sie eben ihre Flügel und ihre Beine zum Laufen benutzen und hat sie auf kleine Laufbänder gesetzt. Und da hat man eben gesehen, dass die Tiere das Rennen wieder gelernt haben. Und so können die eben relativ zügig dann über den Boden sich der Beute annähern. Dann müssen sie natürlich auch einen guten Ort finden, an dem sie den Biss machen, an dem dann hoffentlich auch Blut austritt. Und dazu haben sie dann Wärmesensoren in der Schnauze, mit denen sie eben diese, ja, die Adern unter der Haut gut detektieren können.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Vampirfledermäuse überfallen mit Vorliebe schlafende Beutetiere. Bis zu einer halben Stunde lang trinkt ein Tier an der selben Wunde und scheidet dabei immer wieder den wässrigen Anteil des Blutes aus, um Platz im Magen zu schaffen</p>
<p>16 OT Ripperger</p>
<p>Und das ist wirklich verrückt, wenn man ein Tier fängt, das praktisch frisch vollgefressen ist. Die sehen wirklich aus, als wären sie schwanger. Und dann guckt man genauer hin und sieht: Nee, es ist doch ein Männchen. Und es ist einfach nur dieser prall gefüllte Bauch voll mit Blut. Und dieses Blut, die dunkle Farbe schimmert dann schwarz durch den Unterleib. Also es ist wirklich eine fantastische Erfahrung, so ein Tier in der Hand zu haben.</p>
<p>Musik 7: The Moment I’m still awake -  31 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Vor der Kolonisierung Lateinamerikas waren Vampirfledermäuse vermutlich relativ selten. Sie konnten sich nur an Wildtieren und an domestizierten Lamas oder Meerschweinchen laben. Als die Eindringlinge aus Europa große Mengen an Rindern, Schweinen und Pferden mitbrachten, änderte sich das Nahrungsangebot für die gemeine Vampirfledermaus grundlegend. Die Tiere wurden zu Zivilisationsfolgern.</p>
<p>17 OT Ripperger</p>
<p>Wenn man sich das vorstellt, heute diese Bäume, in denen die Fledermäuse ihr Quartier beziehen, an denen wir arbeiten, die stehen manchmal mitten auf der Viehweide. Die Fledermäuse fliegen aus diesem Baum raus und der Tisch ist bereits reich gedeckt. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Population der gemeinen Vampirfledermaus wuchs derartig, dass sie schon bald von den Viehzüchtern als lästige Schädlinge empfunden wurde. Denn am liebsten bedienen sich die Fledertiere an den Rindern:</p>
<p>18 OT Stockmaier</p>
<p>Kühe sind natürlich quasi so ein bisschen wie der McDonald&#39;s. Der ist einfach da, der geht nirgendwo hin. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Sebastian Stockmaier. Er hat mit Simon Ripperger in Panama gearbeitet. Heute forscht der Verhaltensbiologe an der Universität von Knoxville in Tennessee.</p>
<p>19 OT Stockmaier</p>
<p>Kühe, die bewegen sich nicht viel, die sind immer so auf ihrer Weide. Im Gegensatz zu jetzt Wildtieren, wo sie jetzt in den Dschungel müssten und sich einen Tapir suchen müssten. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wenn manchmal mehrere Fledermäuse nachts an derselben Wunde trinken, tropft das Blut, wegen der im Fledermausspeichel enthaltenen gerinnungshemmenden Substanzen, noch lange aus der Wunde. Aber das Problem mit den Fledermausbissen ist nicht der Blutverlust. Durch den Kontakt des Speichels mit dem Blut werden Krankheitserreger übertragen, vor allem das Tollwut-Virus. Dieser Zusammenhang wurde in den 30er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts erkannt und führte in den sechziger Jahren zu großangelegten Fledermaus-Vernichtungsaktionen unter anderem in Brasilien und Venezuela. Tausende Höhlen wurden mit Dynamit in die Luft gesprengt, zigtausende Fledermausquartiere mit DDT und anderen Giften ausgerottet. Dem fielen natürlich nicht nur Vampirfledermäuse zum Opfer. Heute gibt es Tollwutimpfungen. Aber Farmer sind oftmals nicht zimperlich, wenn sie Vampirfledermäuse auf ihrem Land entdecken:</p>
<p>20 OT Stockmaier</p>
<p>Was viel verwendet wird, ist „vampiricide“. Das ist ein Mix aus Rattengift und Vaseline und was dann gemacht wird: Die Vampirfledermäuse werden gefangen und dieses Gift wird denen auf das Fell geschmiert. Die Idee ist dann, dass sie zurückgehen zu ihren Artgenossen, in ihren Baum, ihren roost, und dass die anderen das dann quasi durch dieses Grooming, durch diese Fellpflege, dass das Gift dann quasi durch die Gruppe sich überträgt. </p>
<p>ATMO Fledermäuse</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Methode mit dem Vampirizid nützt das besonders soziale Verhalten der Tiere aus. Vampirfledermäuse in ihrem Ruhequartier hängen nicht einfach schlafend und reglos von der Decke, vielmehr beschäftigen sie sich intensiv miteinander. Die Jungen üben fliegen, Männchen kämpfen, und sehr viel Zeit verbringen die Tiere, alte wie junge, mit gegenseitiger Fellpflege. Nicht nur eng verwandte Tiere kraulen und belecken einander. Simon Ripperger:</p>
<p>21 OT Ripperger</p>
<p>An Forschung in Gefangenschaft konnte man eben zeigen, dass die Tiere so scheinbar Vertrauen aufbauen. Man muss natürlich auch mal darüber nachdenken, was das alles voraussetzt. Also die Tiere müssen sich erstmal individuell erkennen, dann müssen sie auch ihre, ja die soziale Vergangenheit irgendwie bewerten können. Also wenn die Tiere praktisch anfangen mit Fellpflege, müssen sie irgendwie bewerten, führt das jetzt irgendwohin oder ist das eine Sackgasse? Ja, und das ist natürlich wirklich eine tolle kognitive Leistung, solche sozialen Interaktionen zu bewerten und auch strategisch zu planen. Und man geht da immer so davon aus, der Mensch, die Krone der Schöpfung und unsere sozialen Bindunwwwgen, das ist was ganz Besonderes. Aber das, was hier die Vampirfledermäuse machen, geht tatsächlich in diese Richtung.</p>
<p>Musik 9: Plus minus – siehe vorn – 44 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Es kann Wochen oder Monate dauern, bis Vampire eine tragfähige Beziehung aufbauen. Ist sie erst einmal gefestigt, gehen die befreundeten Vampirfledermäuse noch einen Schritt weiter. Sollte eine von ihnen kein Jagdglück gehabt haben und hungrig in das Quartier zurückgekehrt sein, teilt die Freundin die Mahlzeit mit ihr, würgt Blut aus dem Magen hoch und gibt es ab, verzichtet also auf einen Teil ihrer Nahrung, damit die andere satt wird. Vampirfledermausweibchen tun dies regelmäßig für ihre Jungen und in dieser mütterlichen Fürsorge hat das Verhalten wohl auch seinen Ursprung. Aber sie teilen erstaunlicherweise nicht nur mit Verwandten. </p>
<p>22 OT Ripperger</p>
<p>Und das hat eben viele Biologinnen und Biologen über die Jahre verwirrt, wie das eben evolutionär stabil sein kann, sagt man dazu also: wie kann sich so ein Verhalten manifestieren, wenn es eigentlich einen Nachteil mit sich bringt? Aber wenn wir das als wechselseitiges Verhalten betrachten, dann macht das natürlich plötzlich Sinn. Es ist tatsächlich so: Futter zu erhalten wird am besten dadurch vorhergesagt, wem ich früher mal Futter gegeben habe. Und daraus sieht man direkt ja, wenn ich einer anderen Fledermaus in Not helfe und es ist dann sehr wahrscheinlich, dass ich was zurückbekommen, wenn ich selbst in Not bin, dann macht das Ganze Sinn. Also dann kann das eben auch stabil sein, weil man profitiert selbst eben auch von diesem Investment in der Zukunft.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Simon Rippergers Kollege Sebastian Stockmaier interessiert sich für die Frage, ob und wie Vampirfledermäuse ihr soziales Verhalten ändern, wenn sie erkrankt sind. Erste Studien zeigen, dass kranke Fledermäuse sich Artgenossen gegenüber teils reservierter verhalten. </p>
<p>23 OT Stockmaier</p>
<p>Wir haben uns das noch nicht wirklich angeschaut, ob dann Fledermäuse die krank sind und die deswegen nicht raus können und jagen können, ob die dann von anderen versorgt werden und von wem die versorgt werden, ob es dann wirklich verwandte Fledermäuse sind oder ob es auch die anderen Artgenossen sind. Ja, das wissen wir nicht. Das ist interessant. Und wir haben schon Experimente geplant in der Zukunft, um uns das anzuschauen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Viele Forschungen wurden überhaupt erst möglich durch eine neuartige Generation von Bewegungstrackern, Sensoren, die die Begegnungen unter einzelnen Tieren aufzeichnen, ähnlich der während der Pandemie ab dem Jahr 2020 gebräuchlichen Corona-App. An der Entwicklung dieser Sensoren war Simon Ripperger beteiligt. </p>
<p>24 OT Ripperger</p>
<p>Also es sind kleine Sensoren, die kleben wir auf den Rücken von Tieren auf, in dem Fall eben von den Vampirfledermäusen. Und dann fangen diese Sensoren an, miteinander zu kommunizieren und wir wissen im Sekundentakt genau, welche Tiere verbringen wie viel Zeit miteinander, sind die im Körperkontakt, sind die nur im gleichen Quartier. Und das im 24-Stunden-Takt und über ein, zwei Wochen. Und das ist natürlich eine Datenqualität, die war bis dahin undenkbar. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bis dahin ließ sich das Verhalten der Vampirfledermäuse nur in Gefangenschaft detailliert beobachten. Die neuen Sensoren ermöglichen Antworten auf viel weitergehende Fragen. Etwa ob Freundschaften zwischen Fledermäusen, die in Gefangenschaft entstanden sind, auch in freier Wildbahn halten: </p>
<p>25 OT Ripperger</p>
<p>Und nachdem wir diese Tiere freigelassen haben, in die Wildnis, konnten wir eben sehen, dass die Tiere, die sehr viel Zeit miteinander in Gefangenschaft verbracht haben und eben auch viel Zeit in Fellpflege investiert haben und gegenseitig Futter geteilt haben, dass die dann eben auch sehr viel Zeit in der Wildnis in engem Körperkontakt verbracht haben. Und das war eben ein starker Indikator dafür, dass diese sozialen Bindungen wirklich extrem stabil sind, selbst wenn sich das Umfeld der Fledermäuse komplett ändert. Und das war natürlich eine tolle Erkenntnis, weil ja, solche starken sozialen Bindungen kennt man tatsächlich nur von wenigen anderen Tierarten.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Eine weitere Fragestellung hat das Team mit Hilfe der neuartigen Sensoren bereits erforscht: Ob nämlich Fledermäuse, die im Quartier enge Beziehungen pflegen, gemeinsam auf die Jagd gehen. Auch hier kam es zu überraschenden Erkenntnissen: </p>
<p>26 OT Ripperger</p>
<p>Die verlassen das Quartier nicht zusammen, sondern einzeln, auch mit größeren Abständen, zehn, 20 Minuten oder auch länger. Und dann treffen sie sich aber wieder auf der Kuh. Und das war eben erstmal irritierend, weil die nächste Frage ist: Wie finden Sie sich denn wieder? Und da war dann eben interessant, dass wir Ruftypen aufgezeichnet haben. Also ich war dann wirklich Teil der Kuhherde und bin da mit einem Mikrofon und mit einer Videokamera mit den Kühen mitgelaufen und habe beobachtet, was die Tiere da machen. Und dort haben wir eben Ruftypen aufgezeichnet, die wir aus dem Quartier nicht kannten. Und das liegt eben nahe, dass das Signale sind für die Kooperationspartner, wo man eben zu finden ist. Und vielleicht auch ein Signal: Hier gibt es was zu fressen. Und das ist bisher nur Spekulation. Was die Funktion genau ist von diesen Rufen, das muss man in der Zukunft genau testen, wie sich die auswirken auf die sozialen Partner...</p>
<p>Musik 10: Plus minus – siehe vorn – 52 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Fragen über Fragen. Wie werden kranke Fledermäuse im Quartier versorgt? Was teilen die Tiere einander mit ihren Rufen mit? Weitere Studien werden es zeigen. Eins ist sicher: Viele mögen Vampirfledermäuse gruselig finden oder für lästige Schädlinge halten. Aber in Sachen Fürsorge für andere sind sie vorbildlich. Das findet auch Remigius Kozinski vom Neuen Zoo in Poznan:</p>
<p>27 Poznan, Atmo Kinder, (darauf zügig  O-Ton 28)</p>
<p>28 OT Kozinsky</p>
<p>We should learn to do like them. Try to help each other. In all difficult situations in our life. </p>
<p>Sprecherin</p>

<p>Wir Menschen sollten uns ein Beispiel an den Vampirfledermäusen nehmen, meint er. Und in schwierigen Lebenslagen einander helfen.</p>
<br/>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Palästina zwischen den Weltkriegen - Mandat für ein Pulverfass</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/palaestina-zwischen-den-weltkriegen-mandat-fuer-ein-pulverfass/2098383</link>
      <pubDate>Tue, 25 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b423d8fb-0412-4305-afdb-728711d045fe</guid>
      <description>Während des Ersten Weltkriegs trafen im Nahen Osten gegensätzliche Interessen aufeinander: die kriegführenden europäischen Großmächte, das späte Osmanische Reich, arabische Bevölkerung und  jüdische Zuwanderer - die Wurzeln des Nahostkonflikts.</description>
      <enclosure length="21706752" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098383/c/feed/palaestina-zwischen-den-weltkriegen-mandat-fuer-ein-pulverfass.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Rainer Volk</itunes:author>
      <itunes:summary>Während des Ersten Weltkriegs trafen im Nahen Osten gegensätzliche Interessen aufeinander: die kriegführenden europäischen Großmächte, das späte Osmanische Reich, arabische Bevölkerung und  jüdische Zuwanderer - die Wurzeln des Nahostkonflikts.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0f53e00f-eef6-4533-9af5-3ffa25893442.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Während des Ersten Weltkriegs trafen im Nahen Osten gegensätzliche Interessen aufeinander: die kriegführenden europäischen Großmächte, das späte Osmanische Reich, arabische Bevölkerung und  jüdische Zuwanderer - die Wurzeln des Nahostkonflikts.</p><p> </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor: Rainer Volk<br/> Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Thomas Birnstiel, Carsten Fabian, Katja Schild<br/>Technik: Simon Lobenhofer <br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/>Im Interview: Prof. Ulrike Freitag, Prof. Peter Wien, Prof. Michael Brenner, </p>
<p> </p>
<p><strong>Linktipps:<br/><br/></strong>BR24: Lost in Nahost - Der Podcast zum Krieg in Israel und Gaza <strong><br/> <br/></strong>Am 7. Oktober 2023 greifen Terroristen der Hamas Israel an - seitdem ist Krieg in Israel und Gaza. Was ist damals genau passiert - und warum eskaliert die Gewalt dort immer weiter? Dieser Podcast erklärt die Hintergründe - einmal mit Hilfe unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten – und indem wir mit Menschen aus Israel und den palästinensischen Gebieten sprechen, die eine sehr unterschiedliche Sicht auf den Konflikt haben. <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/lost-in-nahost-der-podcast-zum-krieg-in-israel-und-gaza/12828739/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p> </p>
<p>Alles Geschichte (2024): HINTERGRÜNDE NAHOSTKONFLIKT – Palästinenser und die Nakba<br/><br/>Seit Jahrzehnten ist der Nahost-Konflikt ungelöst. Die Hintergründe sind kompliziert. Verbunden mit der Gründung Israels 1948 wurden Hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser vertrieben oder flohen. Die Vertreibung ist in der arabischen Welt unter dem Begriff Nakba (&quot;Katastrophe&quot;) bekannt. Bis heute sind weltweit mehrere Millionen Menschen mit palästinensischen Wurzeln staatenlos. Auch für Palästinenser, die im Westjordanland leben, ist die Lage seit langem schwierig - und im Gazastreifen inzwischen verzweifelt. Ein Rückblick. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/hintergruende-nahostkonflikt-palaestinenser-und-die-nakba/bayern-2/13389471/"><strong>JETZT ANHÖREN</strong></a><br/><br/><strong><br/> </strong><br/> Alles Geschichte (2024): HINTERGRÜNDE NAHOSTKONFLIKT – Die Staatsgründung Israels <br/><br/>Am 14.05.1948 endet das britische Mandat über Palästina. Noch am gleichen Nachmittag ruft David Ben Gurion den unabhängigen Staat Israel aus. Damit geht der Wunsch vieler Jüdinnen und Juden in Erfüllung, nach den letzten Jahrzehnten der Verfolgung und Ermordung zurückkehren zu können nach Zion, dem &quot;Land der Väter&quot;. Der Weg von der Idee Theodor Herzls, in Palästina eine &quot;Heimstätte&quot; für das jüdische Volk zu schaffen, bis zum Staat Israel war lang. Von Beginn an war er von Konflikten und Interessenskollisionen bestimmt. <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/hintergruende-nahostkonflikt-die-staatsgruendung-israels/bayern-2/13389491/"><strong>JETZT ANHÖREN</strong></a><br/><br/><strong><br/></strong><strong>Und hier noch ein paar besondere Tipps für Geschichts-Interessierte:</strong></p>
<p> Im Podcast „<a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/tatort-geschichte-true-crime-meets-history/88069106/">TATORT GESCHICHTE</a>“ sprechen die Historiker Niklas Fischer und Hannes Liebrandt über bekannte und weniger bekannte Verbrechen aus der Geschichte. True Crime – und was hat das eigentlich mit uns heute zu tun?<br/><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/">DAS KALENDERBLATT </a>erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum - skurril, anrührend, witzig und oft überraschend.<br/><br/>Und noch viel mehr Geschichtsthemen, aber auch Features zu anderen Wissensbereichen wie Literatur und Musik, Philosophie, Ethik, Religionen, Psychologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Forschung, Natur und Umwelt gibt es bei <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/">RADIOWISSEN</a>. <br/><br/>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a>radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>Alles Geschichte finden Sie auch in der ARD Audiothek: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/">JETZT ENTDECKEN</a><br/><br/></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>50 Jahre Psychiatrie-Enquete - Der Anfang vom Ende der &quot;Irrenhäuser&quot;</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/50-jahre-psychiatrie-enquete-der-anfang-vom-ende-der-irrenhaeuser/2112737</link>
      <pubDate>Tue, 25 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">502d5f11-ef7d-4b68-97f7-9c70ae4fc7b2</guid>
      <description>Noch vor 50 Jahren herrschten in der westdeutschen Psychiatrie unmenschliche Zustände. Eine Enquetekommission zeigte im Auftrag des Bundestags Ende 1975 schwere Missstände auf. Die Kommission stieß Reformen an, die noch nicht abgeschlossen sind.</description>
      <enclosure length="22609152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112737/c/feed/50-jahre-psychiatrie-enquete-der-anfang-vom-ende-der-irrenhaeuser.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:33</itunes:duration>
      <itunes:author>Nikolaus Nuetzel</itunes:author>
      <itunes:summary>Noch vor 50 Jahren herrschten in der westdeutschen Psychiatrie unmenschliche Zustände. Eine Enquetekommission zeigte im Auftrag des Bundestags Ende 1975 schwere Missstände auf. Die Kommission stieß Reformen an, die noch nicht abgeschlossen sind.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3d139521-c2a4-4cdd-98f6-95726364aa44.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Noch vor 50 Jahren herrschten in der westdeutschen Psychiatrie unmenschliche Zustände. Eine Enquetekommission zeigte im Auftrag des Bundestags Ende 1975 schwere Missstände auf. Die Kommission stieß Reformen an, die noch nicht abgeschlossen sind.</p><p>Noch vor 50 Jahren herrschten in der westdeutschen Psychiatrie unmenschliche Zustände. Eine Enquetekommission zeigte im Auftrag des Bundestags Ende 1975 schwere Missstände auf. Die Kommission stieß Reformen an, die noch nicht abgeschlossen sind.</p>
<p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autor: Nikolaus Nützel</p>
<p>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p>Regie: Frank Halbach</p>
<p>Technik: Frank Brunier      </p>
<p>Sprecher: Hemma Michel, Jerzy May</p>

<p><strong>Interviews mit:</strong></p>
<p>Lena, Psychiatrie-Erfahrene</p>
<p>Prof. Michael von Cranach, ehemaliger ärztlicher Direktor Psychiatrie Kaufbeuren</p>
<p>Prof. Cornelius Borck, Leiter Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Uni Lübeck</p>
<p><strong>Podcast-Empfehlung von Radiowissen: Der Wiener Narrenturm - Die erste &quot;Irrenanstalt&quot; der Welt</strong></p>
<p>Neben Hofburg, Oper und Burgtheater steht hier der sogenannte Narrenturm. Dieses eindrucksvolle Bauwerk ist ein kreisrunder, fünfge-schossiger Turm mit meterdicken Mauern. 1784 unter Kaiser Joseph II. erbaut, beherbergte es einst das weltweit erste psychiatrische Krankenhaus - lange bevor Sigmund Freud praktizierte: <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:dfe2ae0ca2502259/">Der Wiener Narrenturm - Die erste &quot;Irrenanstalt&quot; der Welt</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <strong><a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a></strong>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Finsternis und Kreativität - Eine unterschätzte Perspektive</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/finsternis-und-kreativitaet-eine-unterschaetzte-perspektive/1842380</link>
      <pubDate>Mon, 24 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">68d1843f-b9e3-4b07-808a-6a387fbd39ac</guid>
      <description>Hell oder dunkel? Geben wir den kreativen Kräften, die sich im Finsteren entfalten, noch zu wenig Raum? Wissenschaftler untersuchen den Einfluss von Bürolicht auf die Kreativität und Manager nutzen abgedunkelte Räume, um Innovationen voran zu bringen.</description>
      <enclosure length="22643328" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1842380/c/feed/finsternis-und-kreativitaet-eine-unterschaetzte-perspektive.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Mechthild Müser</itunes:author>
      <itunes:summary>Hell oder dunkel? Geben wir den kreativen Kräften, die sich im Finsteren entfalten, noch zu wenig Raum? Wissenschaftler untersuchen den Einfluss von Bürolicht auf die Kreativität und Manager nutzen abgedunkelte Räume, um Innovationen voran zu bringen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3369705f-59f4-4119-aec7-37fe235d5bec.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hell oder dunkel? Geben wir den kreativen Kräften, die sich im Finsteren entfalten, noch zu wenig Raum? Wissenschaftler untersuchen den Einfluss von Bürolicht auf die Kreativität und Manager nutzen abgedunkelte Räume, um Innovationen voran zu bringen.</p><p><strong>Credits<br/></strong>Autor/in dieser Folge: Mechthild Müser<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Xenia Tilling, Andreas Neumann<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-finsternis-und-kreativitaet-100.html">HIER</a>.</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Anna Steidle, Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg; <br/>Michael Krüger, Schriftsteller und ehemaliger Hanser-Verleger; <br/>Michael Lück, Unternehmensberater <br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Angst vor der Dunkelheit - Was die Finsternis unheimlich macht<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/angst-vor-der-dunkelheit-was-die-finsternis-unheimlich-macht/bayern-2/96146538/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Künstliches Licht - Vom Feuerschein zur Leuchtdiode<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kuenstliches-licht-vom-feuerschein-zur-leuchtdiode/bayern-2/96146546/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Wie ideale Teams funktionieren - Gemeinsam ans Ziel<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wie-ideale-teams-funktionieren-gemeinsam-ans-ziel/bayern-2/83512568/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Paul Bogard, Die Nacht. Reise in eine verschwindende Welt, aus dem Englischen von Yvonne Badal, Karl Blessing Verlag, 2014 .</p>
<p>Quint Buchholz, Michael Krüger, Wer das Mondlicht fängt, Sanssouci Verlag, 2001.</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Tang - Bedrohter Regenwald der Meere</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/tang-bedrohter-regenwald-der-meere/2098761</link>
      <pubDate>Mon, 24 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ed406dc0-2e88-43a6-b8a7-2048b74a2b4c</guid>
      <description>Steine, darauf tausende Seeigel. Diese Unterwasserwüste war artenreicher Tangwald. Sein Verschwinden wird zum Problem, vor allem auch als großer CO2-Speicher. Höchste Zeit, eine kaum sichtbare und bedrohte Ressource zu schützen.</description>
      <enclosure length="21739392" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098761/c/feed/tang-bedrohter-regenwald-der-meere.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:38</itunes:duration>
      <itunes:author>Andreas Pehl</itunes:author>
      <itunes:summary>Steine, darauf tausende Seeigel. Diese Unterwasserwüste war artenreicher Tangwald. Sein Verschwinden wird zum Problem, vor allem auch als großer CO2-Speicher. Höchste Zeit, eine kaum sichtbare und bedrohte Ressource zu schützen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0bb36836-137d-4348-bd67-504dca69cfa5.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Steine, darauf tausende Seeigel. Diese Unterwasserwüste war artenreicher Tangwald. Sein Verschwinden wird zum Problem, vor allem auch als großer CO2-Speicher. Höchste Zeit, eine kaum sichtbare und bedrohte Ressource zu schützen.</p><p><strong>Credits<br/></strong>Autor: Andreas Pehl<br/>Regie: Sabine Kienhöfer <br/>Es sprachen: Rahel Comtesse und Julia Fischer<br/>Technik: Josef Angloher <br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Andreas Altenburger, Marianne Frantzen, Jenny Haugland Dølvik, Markus Molis, Ida Søhol, Taucher (Anita, Delphin, Niklas, Juan)<br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Der Seeigel - Das runde Stachel-Wunder: <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-seeigel-das-runde-stachel-wunder/bayern-2/10620825/">JETZT ANHÖREN</a></p>

<p>Die Seegurke oder Seewalze - Staubsauger der Meere: <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-seegurke-oder-seewalze-staubsauger-der-meere/bayern-2/10620823/">JETZT ANHÖREN</a></p>

<p>Seesterne - Bizarre Schönheiten der Meere: <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/seesterne-bizarre-schoenheiten-der-meere/bayern-2/78945216/">JETZT ANHÖREN</a></p>

<p>Forschungsprojekte zu Tang</p>
<p><a href="https://www.niva.no/prosjekter/seaweed-carbon-solutions-jip">https://www.niva.no/prosjekter/seaweed-carbon-solutions-jip</a><br/><a href="https://www.niva.no/prosjekter/new-products-from-cultivated-seaweed-for-blue-green-value-chains-gp-seaweed">https://www.niva.no/prosjekter/new-products-from-cultivated-seaweed-for-blue-green-value-chains-gp-seaweed</a><br/><a href="https://akvaplan.no/no/prosjekt/arkelp">https://akvaplan.no/no/prosjekt/arkelp</a><br/>Homepage der Tangwächter/Tarevoktere: <strong><a title="Homepage der Tangwächter/ Tarevoktere" href="https://www.tarevoktere.org/no/om-oss">EXTERNER LINK</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Bundesverfassungsgericht - Wächter des Grundgesetzes</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-bundesverfassungsgericht-waechter-des-grundgesetzes/2098726</link>
      <pubDate>Fri, 21 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a54c865c-a810-4518-b2bd-1f8dcbefaf4a</guid>
      <description>Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist seit mehr als 70 Jahren Wächter des Grundgesetzes und stärkt Bürger- und Freiheitsrechte oder setzt staatlichen Eingriffen Schranken. Aber es gibt weltweit Versuche, unabhängige Gerichte zu schwächen.</description>
      <enclosure length="24680064" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098726/c/feed/das-bundesverfassungsgericht-waechter-des-grundgesetzes.mp3"/>
      <itunes:duration>00:25:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Wolfram Schrag</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist seit mehr als 70 Jahren Wächter des Grundgesetzes und stärkt Bürger- und Freiheitsrechte oder setzt staatlichen Eingriffen Schranken. Aber es gibt weltweit Versuche, unabhängige Gerichte zu schwächen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1a3190ae-e984-40f3-a763-784a0552d9ea.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist seit mehr als 70 Jahren Wächter des Grundgesetzes und stärkt Bürger- und Freiheitsrechte oder setzt staatlichen Eingriffen Schranken. Aber es gibt weltweit Versuche, unabhängige Gerichte zu schwächen.</p>
<p><strong>Credits<br/></strong>Autor: Wolfram Schrag<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Hemma Michel und Clemens Nicol<br/>Technik: Dino Wunder<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Archivmaterial:<br/></strong>„Was wären wir ohne die roten Roben? 70 Jahre Bundesverfassungsgericht“ (Gigi Deppe (ARD-Rechtsreaktion) SWR 2022)<br/>Was ist da los am Bundesverfassungsgericht? (Klaus Hempel u.a.) (Radioreport Recht, SWR1, 28.11.23)<br/>Jahresrückblick 2023 – Die wichtigsten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts Klaus Hempel (ARD-Rechtsredaktion) (Radioreport Recht, SWR1, 9.01.2024</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Das Bundesverfassungsgericht zum 70. Geburtstag (</strong><strong>21.05.2022)</strong><br/><strong><a title="ARD Mediathek" href="https://www.ardmediathek.de/video/planet-schule/das-bundesverfassungsgericht/swr/Y3JpZDovL3BsYW5ldC1zY2h1bGUuZGUvQVJEXzExNTYwX3ZpZGVv">JETZT ANSEHEN</a></strong></p>
<p><strong>Der Mordparagraf 211 StGB - Ein Tatbestand im Wandel der Zeit (</strong><strong>radioWissen / 14.03.2022)</strong><br/>Eiskalte Killer, die auf ihr wehrloses Opfer einstechen oder Pistolenschüsse abfeuern. - So in etwa sehen meistens unsere Vorstellung von der schwersten Straftat im deutschen Strafrecht aus: dem Mord. Doch wann ist ein Mord eigentlich ein Mord? Die Antwort auf die Frage stammt bis heute aus dem Nationalsozialismus. Auch deswegen ist der Mord-Paragraf 211 StGB heute umstritten. Von Manuel Rauch (BR 2021)<br/><strong><a title="ARD Audiothek" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-mordparagraf-211-stgb-ein-tatbestand-im-wandel-der-zeit/bayern-2/92704294/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Endlose Tage am Point Zero - Erzählungen aus dem Sudan</strong><br/>Leben am „Point Zero“: Die Südsudanesin Stella Gaitano fesselt mit emphatischen, poetischen Erzählungen über Menschen am Nullpunkt, vor und hinter der Grenze des Sudan, wo Krieg regiert. Neun Stories gelesen von Simon Pearce und Xenia Tiling<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/endlose-tage-am-point-zero-erzaehlungen-aus-dem-sudan-von-stella-gaitano/13717233/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p> </p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Warum Singen glücklich macht - Von innerem Klang und gemeinsamer Freude</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/warum-singen-gluecklich-macht-von-innerem-klang-und-gemeinsamer-freude/2112613</link>
      <pubDate>Fri, 21 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c8775793-7e53-41fd-b51d-2fa947cb5ea4</guid>
      <description>Singen begleitet uns seit Urzeiten - als Ausdruck von Emotion, Gemeinschaft und Lebensfreude. Und doch fällt es vielen schwer, ihre Stimme zu erheben. Warum kann es uns so tief berühren und glücklich machen? Eine Reise zu einem ganz ursprünglichen Glück.</description>
      <enclosure length="21643392" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112613/c/feed/warum-singen-gluecklich-macht-von-innerem-klang-und-gemeinsamer-freude.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Andreas Agler</itunes:author>
      <itunes:summary>Singen begleitet uns seit Urzeiten - als Ausdruck von Emotion, Gemeinschaft und Lebensfreude. Und doch fällt es vielen schwer, ihre Stimme zu erheben. Warum kann es uns so tief berühren und glücklich machen? Eine Reise zu einem ganz ursprünglichen Glück.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7cea4b7a-c3f3-4755-a820-da3a256aa66e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Singen begleitet uns seit Urzeiten - als Ausdruck von Emotion, Gemeinschaft und Lebensfreude. Und doch fällt es vielen schwer, ihre Stimme zu erheben. Warum kann es uns so tief berühren und glücklich machen? Eine Reise zu einem ganz ursprünglichen Glück.</p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autor: Andreas Agler<br/>Redaktion: Susanne Poelchau<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Technik: Regina Staerke                                                   <br/>Sprecher: Thomas Loibl</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>Monika Lachenmeir</strong>, Sängerin und Musiktherapeutin, München<br/><strong>Prof. Dr. Eckart Altenmüller</strong>, Musikphysiologe, ehem. Leiter des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover<br/><strong>Gustavo Castillo-Estrado</strong>, Leiter des Sonntagssingens, VHS München</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p><strong>Kreutz, Gunter: „Warum Singen glücklich macht“</strong> (2014)<br/>Der Autor ist Professor für Systematische Musikwissenschaften an der Carl von Ossietzky University of Oldenburg und erklärt auf wissenschaftlicher Grundlage, wie und warum Singen positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele hat. Dabei verbindet er Forschung aus Psychologie, Medizin und Musikpädagogik mit praktischen Beispielen aus dem Alltag.</p>
<p><strong>Altenmüller, Eckart: „Vom Neandertal in die Philharmonie: Warum der Mensch ohne Musik nicht leben kann“ </strong>(2018)<br/>Eckart Altenmüller, Neurologe und Musiker, beschreibt die evolutionären, neurologischen und emotionalen Grundlagen von Musik. Er zeigt, dass Musik tief in unserer Menschheitsgeschichte verankert ist – von archaischen Ritualen bis zu modernen Konzerten. Musik sei kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis, das Gemeinschaft stiftet, Gefühle reguliert und das Gehirn stimuliert.</p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<p>Sonntagssingen VHS München: <a>www.mvhs.de<br/></a>Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin Hannover: <a>www.hmtm-hannover.de<br/></a>Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie: https://www.musiktherapie.de<br/>Bundesverband Deutscher Gesangspädagogen: https://www.bdg-gesang.de</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <strong>radiowissen@br.de</strong>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek.</a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">hier.</a></p>
<p>Wir freuen uns über eure Kommentare und Diskussionsbeiträge. Bitte beachtet unsere <a href="https://www.br.de/service/kommentare-netiquette-richtlinien-110.html">Netiquette </a>und Tipps für Kommentare.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wie rational sind meine Entscheidungen - Von Verstand und Bauchgefühl</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wie-rational-sind-meine-entscheidungen-von-verstand-und-bauchgefuehl/2112580</link>
      <pubDate>Thu, 20 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">58e9804b-2068-4c4d-b6a5-ca9ae894e08a</guid>
      <description>Bauchgefühl hin oder her. Manche Entscheidungen wollen wohlüberlegt sein, unter Abwägung aller Risiken und Chancen, auf das bestmögliche Ergebnis ausgerichtet. Kurz: rational. Warum unsere Emotionen uns dazwischenfunken - und das weniger irrational ist, als wir denken.</description>
      <enclosure length="22334976" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112580/c/feed/wie-rational-sind-meine-entscheidungen-von-verstand-und-bauchgefuehl.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Marisa Gierlinger</itunes:author>
      <itunes:summary>Bauchgefühl hin oder her. Manche Entscheidungen wollen wohlüberlegt sein, unter Abwägung aller Risiken und Chancen, auf das bestmögliche Ergebnis ausgerichtet. Kurz: rational. Warum unsere Emotionen uns dazwischenfunken - und das weniger irrational ist, als wir denken.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cbfc2518-91a5-4c68-8569-8bdd396ff762.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bauchgefühl hin oder her. Manche Entscheidungen wollen wohlüberlegt sein, unter Abwägung aller Risiken und Chancen, auf das bestmögliche Ergebnis ausgerichtet. Kurz: rational. Warum unsere Emotionen uns dazwischenfunken - und das weniger irrational ist, als wir denken.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin: Marisa Gierlinger<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Sprecherin: Ditte Ferrigan<br/>Sprecher: Christian Baumann         </p>
<p><strong>Interview mit:<br/></strong>Prof. Dr. Tilmann Betsch, Professor für Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie, Universität Erfurt</p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Damasio, Antonio. &quot;Descartes’ error: Emotion, rationality and the human brain.&quot; <em>New York: Putnam</em> 352 (1994).<br/>Gigerenzer, Gerd. <em>Bauchentscheidungen: die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition</em>. C. Bertelsmann Verlag, 2015.<br/>Kahneman, Daniel. <em>Schnelles denken, langsames Denken</em>. Siedler Verlag, 2012.<br/>Pachur, T., &amp; Spaar, M. (2015). Domain-specific preferences for intuition and deliberation in decision making. <em>Journal of Applied Research in Memory and Cognition. </em>doi:10.1016/j.jarmac.2015.07.006<br/>Remmers, Carina, et al. &quot;Go with your gut! The beneficial mood effects of intuitive decisions.&quot; <em>Emotion</em> (2024).https://psycnet.apa.org/doiLanding?doi=10.1037%2Femo0001385<br/>Simon, Herbert A. &quot;A behavioral model of rational choice.&quot; <em>The quarterly journal of economics</em> (1955): 99-118.<br/>Tversky, Amos, and Daniel Kahneman. &quot;Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases: Biases in judgments reveal some heuristics of thinking under uncertainty.&quot; <em>science</em> 185.4157 (1974): 1124-1131.<br/>Unkelbach, F., Brütting, T., Schilling, N., &amp; Wänke, M. (2025). Looking competent does not appeal to all voters equally: The role of social class and politicians’ facial appearance for voting likelihood. <em>Personality and Social Psychology Bulletin, 51</em>(1), 66–80. https://doi.org/10.1177/01461672231181465</p>
<p><strong>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.</strong></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek | Radiowissen</a>.</p>
<p>Den Text gibt es hier: <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">Radiowissen-Manuskripte</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Sehnsucht nach dem intensiven Leben</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-sehnsucht-nach-dem-intensiven-leben/2099192</link>
      <pubDate>Tue, 18 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b98af879-c427-417e-bb4f-cf7324115f9e</guid>
      <description>Gänsehautmomente reißen uns Menschen aus der Monotonie des Alltags. Alles scheint uns dann intensiv! Plötzlich sind unsere Sinne auf scharf gestellt. In solchen Momenten fühlen wir uns extrem lebendig! Von Anja Mösing</description>
      <enclosure length="20744448" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099192/c/feed/die-sehnsucht-nach-dem-intensiven-leben.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Mösing</itunes:author>
      <itunes:summary>Gänsehautmomente reißen uns Menschen aus der Monotonie des Alltags. Alles scheint uns dann intensiv! Plötzlich sind unsere Sinne auf scharf gestellt. In solchen Momenten fühlen wir uns extrem lebendig! Von Anja Mösing</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/19686e06-96ec-4a2d-a608-36b5bb27f481.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gänsehautmomente reißen uns Menschen aus der Monotonie des Alltags. Alles scheint uns dann intensiv! Plötzlich sind unsere Sinne auf scharf gestellt. In solchen Momenten fühlen wir uns extrem lebendig! Von Anja Mösing</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Anja Mösing<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Stefan Wilkening, Susanne Schroeder<br/> Technik: Moritz Herrmann<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>Dr. med. Arndt Büssing, Professor für Lebensqualität,Spiritualität und Coping an der Universität Witten/Herdecke </p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Hier und jetzt - im Fokus der Achtsamkeit   <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hier-und-jetzt-im-fokus-der-achtsamkeit/bayern-2/96128298/">HIER</a></strong>

<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Büssing, Arndt: Innehalten. Vom Einfluss ehrfürchtigen Staunens auf das Wohlbefinden. Pustet Verlag, Regensburg 2024. – Verblüffend und schlüssig erklären in diesem Buch ExpertInnen aus den Fachbereichen Medizin, Psychiatrie, Psychologie und Theologie was für einen hohen Stellenwert die Fähigkeit zu Staunen für unser Leben einnimmt. Mit einfachen Handlungsanweisungen für Selbstversuche.<br/>Garcia, Tristan: Das intensive Leben. Eine moderne Obsession.  Suhrkamp Verlag, Berlin 2017 – mitreißend geschriebener Essay des französischen Philosophen. Zeigt die Vielfältigkeit der weltumspannenden Sucht nach intensivem Leben auf, Garcia fordert eine Ethik der Intensität.<br/><br/>Kast, Verena: Mehr Zeit für die Seele. Der Weg zur Lebendigkeit. Patmos Verlag, Ostfildern 2022 - die Schweizer Psychologin zeigt, wie wir aus einem Strudel von überfordernden Aktivitäten zu ausgewählten Aktionen kommen können und uns so wieder intensiver und lebendiger fühlen.</p>

<strong>Linktipps:</strong>

<p><strong>Staunendes Innehalten - ein zweichwöchiges Interventionsmodul  - die Informationen und Hintergründe dazu <a title="Hier gehts zur Website." href="https://gkls.uni-wh.de/forschung/projekte/studien-zu-ehrfurcht-und-dankbarkeit/index.html">hier entdecken</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-lebenslust-lebensgefuehl-intensitaet-freude-glueck-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Im Freibad: Wimmelndes Leben, Sonne auf nackter Haut und der Duft von gechlortem Wasser in der Nase. Und dann: nach einigem Zögern das erste Mal vom Fünfmeterbrett ins Schwimmbecken springen! Was für ein intensiver Moment!</p>
<p>ATMO Hubschrauber </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Die Berge: Mit dem Helikopter durch ein verschneites Gipfelpanorama fliegen, sich auf einem Gipfel mit unberührtem, glitzerndem Pulverschnee absetzen lassen. Und dann auf die Skier und: Einfach nur talwärts! Was für eine intensive Erfahrung! </p>
<p>MUSIK 1 aus</p>
<p>ZSP 1    Büssing</p>
<p>Ich denke, jeder möchte gerne ein intensives Leben führen. Also ganz viele Augenblicke haben, die besonders sind. Die einen heraus holen aus dem Alltag, der ja oft genug als gewöhnlich und flach erscheint. </p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Arndt Büssing ist Mediziner und Professor für Lebensqualität, Spiritualität und Coping an der Universität Witten/Herdecke. Büssing beschäftigt sich damit, wie das Wohlbefinden von Menschen positiv beeinflusst werden kann. </p>
<p>ZSP 2    Büssing</p>
<p>Und alles, was mit Erleben zu tun hat, das ist für mich total spannend.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Viele Menschen empfinden ihren Alltag nicht als spannend. An sich geht es ihnen gut, aber ihr Leben plätschert so vor sich hin, sie fühlen sich in alltäglichen Routinen gefangen wie in einem Morast. Viele sehnen sich nach den Gänsehautmomenten ihrer Kindheit und Jugend zurück: nach intensivem Leben!</p>
<p>MUSIK 2: Forever – 35 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>„Das intensive Leben? Eine moderne Obsession!“ So urteilte der französische Philosoph Tristan Garcia in seinem gleichnamigen Essay aus dem Jahr 2017. Garcia beschreibt, wie heute einfach alles toll und großartig und intensiv sein soll. Wie wir permanent nach plötzlichen Erregungen suchen, nach starken Empfindungen: Ob es die Wandfarbe in der Wohnung ist oder der Orgasmus, die nächste Party oder der Energy-Drink, der Urlaub oder der neueste Krimi. Alles soll uns ein intensives Lebensgefühl garantieren und Schauer über den Rücken jagen. </p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Klingt anstrengend! Und irgendwie auch falsch. Arndt Büssing versucht in seinen Forschungen aber, erst mal gar nicht zu definieren, was ein richtiges und was ein falsches intensives Leben ist: </p>
<p>ZSP 3    Büssing</p>
<p>Denn jeder Mensch empfindet natürlich anders, was für ihn intensiv ist. Und dann hat jeder seine eigenen Trigger und Auslöser, die für ihn wichtig sind. Also mich interessiert vielmehr das Erleben, die Reaktionen darauf, unabhängig von dem, was die Auslöser sind und ob jemand sagt: Das war für mich besonders intensiv oder nicht. Denn es gibt natürlich die großen Situationen, es gibt die kleinen Situationen, und alle haben ihre Bedeutung, und alle können zu etwas beitragen.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Grundsätzlich könnte man sagen, intensive Erlebnisse tragen dazu bei, sich lebendig zu fühlen. Interessant ist: Vorhersagen, lassen sie sich nicht! Selbst beim teuer bezahlten Helikopter-Flug oder dem Sprung vom Fünfmeterbrett könnte auch nichts als ein flaues Gefühl im Magen oder Enttäuschung herauskommen. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wir wissen aber inzwischen gut, was im Körper abläuft, wenn wir einen freudigen Gänsehautmoment erleben, erklärt Mediziner Büssing. Es sind ganz archaische körperliche Abläufe, die schon unsere Ahnen kannten. Zum Beispiel bei der Begegnung mit einem Säbelzahntiger: </p>
<p>MUSIK 3: ARD-Labelmusik Expedition  -  1:03 Min</p>
<p>ZSP 4    Büssing</p>
<p>Ich versuche es mal einfach: Wir haben also ein limbisches System. Das ist mit der Verarbeitung dieser entsprechenden Emotionen beschäftigt, die also diese Erlebnis-Trigger auslösen: Freude und Aufregung zum Beispiel. Und dann wird das sympathische Nervensystem, also unser Alarmsystem, aktiviert. Dadurch wird Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt. Unser Herz schlägt schneller und wir atmen tiefer und schneller. Diese Stresshormone machen auch diese sogenannte Gänsehaut aus. </p>
<p>MUSIK 3 kurz frei</p>
<p>ZSP 5    Büssing</p>
<p>So und jetzt haben wir diese Sympathikus Aktivität, und die führt dazu, dass wir alles intensiver wahrnehmen. Wir sind ja quasi im Fluchtmodus. </p>
<p>MUSIK 3 kurz frei, weiter darüber:</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Alle Sinne sind jetzt auf scharf gestellt. Geschickt können wir flüchten: Vielleicht mit einem Seil auf einen Platz, den der Säbelzahntiger nicht erreichen kann. Und wir überleben die Begegnung!</p>
<p>MUSIK 3 mit Akzent kurz frei und aus </p>
<p>ZSP 6    Büssing</p>
<p>Und nun kommt dann das Belohnungssystem ins Spiel! Wenn es also ein intensives, berührendes Erlebnis ist - das kann natürlich auch ein tolles Essen sein oder besondere Menschen, mit denen man gerade zusammensitzt - dann wird dieses Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Damit wird dann dieser Neurotransmitter Dopamin freigesetzt, was mit dem Gefühl von Vergnügen und Zufriedenheit einhergeht. Davon will man natürlich immer mehr haben, um dieses gute Empfinden noch aufrechterhalten zu können. Das kann ja kein dauernder Alarmzustand sein. Und dann kommt das parasympathische Nervensystem ins Spiel, das all diese Stressreaktionen wieder herunterreguliert, uns beruhigt und aus diesem Ausnahmezustand wieder zurückholt.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Dieses System aus intensiver Aktion und rauschhaftem Glücksgefühl am Schluss war über Hundertausende von Jahren hinweg sehr förderlich fürs menschliche Überleben. Es hat unseren Mut befeuert. Wie wenige hätten sonst in archaischen Zeiten riskiert, sich beim Erlegen eines wilden Ebers eine Verletzung zu holen? Einen Knochenbruch oder tödliche Wunden? Die  Tollkühnheit bei der Nahrungsbeschaffung wurde so von körpereigenen Glücksduschen belohnt. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Und noch heute im Zeitalter von Pizza-Service und wohl temperierter Wohnung suchen viele Sensation-Seeker nach ähnlich starken Herausforderungen.</p>
<p>ZSP 7    Büssing </p>
<p>Ich denke, man fühlt sich dann lebendig und intensiv. Das ist sehr genau das, was erstrebt wird mit diesem Kick-Erlebnis. Es ist etwas Besonderes. Ich bin in einer herausfordernden Situation. Und die Gefahr wird dann manchmal auch zu dem Kick, der aber auch einen Nachteil hat: Es könnte ja auch schief gehen.</p>
<p>MUSIK 4 „something just like this“ –  51 Sek </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Viele Teenager lieben Situationen dieser Art! Dabei ist es als Kind und als Jugendlicher, sogar noch als junger Erwachsener ohnehin leicht, aufregende Dinge zu tun und sich intensiv lebendig zu fühlen. So Vieles macht man in dieser Zeit zum ersten Mal: Zum ersten Mal Klassenfahrt, zum ersten Mal glücklich verliebt, zum ersten Mal guter Sex, zum ersten Mal Urlaub ohne die Eltern. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Oft wirkt es allerdings, als würden gerade junge Leute gerne Dinge tun,  die sehr leicht schief gehen können, sich bei Erfolg aber umwerfend intensiv anfühlen: Train-Surfing an S-Bahnen, Paragliding, oder tollkühne Sprünge beim Parcouring durch die Innenstadt.  </p>
<p>(Musik aus)</p>
<p>ZSP 8    Büssing</p>
<p>Ich glaube nicht, dass es auf die Teenager begrenzt ist. Bei denen fällt es vielleicht besonders auf. Aber auch die Midlife-Crisis, in meinem Alter, wenn ich Männer sehe, die ungewöhnliche Dinge machen! Wahrscheinlich ist das genau das Gleiche: Ich will etwas Besonderes in meinem Leben erleben können. Es muss etwas Herausragendes sein, weil es eben zu einer Routine geworden ist. Ehepartner, die sind automatisch da und deswegen ist es nichts Besonderes mehr und deswegen muss es woanders gesucht werden. Und dann ist eben dieses Aufregende der Nervenkitzel. Dann fühlt man sich lebendig!</p>
<p>Musik 5: Lovers in Japan – siehe vorn – 30 Sek</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Der Klassiker: Fremdgehen! Sexuelle Abenteuer. Oder Extremsport: Marathonlaufen, Triathlon, Bodybuilding. Fern- bzw. Abenteuerreisen:   Besteigung des Mount Everest, Alpencross mit dem Mountainbike, Tauchen am australischen Great Barriere Riff.   Musik aus</p>
<p>Aber was ist, wenn man irgendwann den fünften Marathon gelaufen ist. Die Affäre zur Nebenbeziehung wird oder man alle Kontinente unseres Planeten bereist hat?</p>
<p>ZSP 9    Büssing</p>
<p>Also, dieses intensivere Leben, das wird allgemein so verstanden, dass alles, was uns reizt und fasziniert, eigentlich eine immer intensivere Ausprägung braucht. Alles muss größer, schneller und stärker werden. Aber eine größere Herausforderung, größere Intensität der Emotionen und so weiter, das hat irgendwie auch seine Grenze. Das kann ja auf Dauer gar nicht gut gehen. Denn irgendwann sind natürlich auch die intensivsten Olympischen Spiele des Lebens vorbei. Man kommt gar nicht mehr hinterher. Und was bleibt dann?</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Genau hier wird es für Emotionspsychologen richtig interessant: Wie könnten wir es schaffen, unsere Sehnsucht nach dem intensiven Leben ein Leben lang zu stillen? </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wieder Staunen zu lernen, wäre schon mal ein Anfang, meint Arndt Büssing. </p>
<p>ZSP 10    Büssing</p>
<p>Was Kindern sehr gut gelingt! Sie bleiben leichter irgendwo hängen und sind fasziniert von etwas. Was uns im Lauf des Lebens viel verloren gegangen ist. </p>
<p>MUSIK 6: Grapefruit diet – 1:04 Min </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zweijährige Kinder, die eine volle Stunde die Konstruktion eines Teebeutels bis in all seine Einzelteile erforschen. Dreijährige, die vor einer Ameisenstraße in die Hocke gehen und sie hingebungsvoll beobachten: Wir alle kennen diese Art des gebannten Staunens kleiner Kinder. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Sollte uns ausgerechnet eine kindliche Fähigkeit aus dem alltäglichen Strudel unbefriedigender Ablenkungen und Routinen retten können? Uns wieder öfter Momente mit Gänsehaut bescheren? Arndt Büssing glaubt daran und nennt die notwendige Fähigkeit ehrfürchtiges Staunen, oder staunendes Innehalten. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im Englischen nennt man es „Awe“ – Ehrfurcht! Und seit ein paar Jahren publizieren Emotionsforscher zu diesem Phänomen. Nur ist das deutsche Wort Ehrfurcht heute etwas aus der Zeit gefallen und Ehrfurcht klingt merkwürdig: </p>
<p>ZSP 11    Büssing</p>
<p>Ja! Einige Leute fühlen sich dadurch irritiert, weil die Furcht steckt darin. Und da muss ich noch jemanden Ehre erweisen. Das wurde vielleicht früher einem König entgegengebracht, den man ja verehren musste und den man auch zu Recht fürchten musste. Deswegen war eher der Versuch zu sagen: Es heißt staunendes Innehalten, um Ehrfurcht einmal anders umschreiben zu können. In den alten Büchern war das Thema Ehrfurcht immer mit Religiosität assoziiert, aber es ist keine Grundvoraussetzung. Also auch alle anderen Menschen: nicht-religiöser, nicht-spiritueller Art sind empfindungsfähig, sind von etwas berührt und bewegt. Und es kann auch ihr Leben verändern!  </p>
<p>Musik 7: De Luca et Umbra -  47 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In der Bibel gibt es die berühmte Szene, in der sich Moses vor dem brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch zunächst staunend und dann ehrfürchtig niederwirft, als Gott zu ihm daraus spricht. Das kann als klassische Ehrfurcht-Situation gelten: Als Mensch wird man klein vor so etwas Großem, auch demütig. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Im alltäglichen Leben sehen Situationen, die uns ehrfürchtig staunen lassen, natürlich anders aus als in der Bibel. Arndt Büssing selbst ist eher zufällig auf die Wirkung dieser Empfindung gestoßen:</p>
<p>ZSP 12    Büssing</p>
<p>Im Zuge dieser Forschungsprojekte, die ich gemacht hatte, bin ich immer wieder darüber gestolpert, dass einzelne Personen gesagt haben, dass etwas sie „besonders bewegt“ hat. Das war das Motiv des ehrfürchtigen Staunens. Und das gelingt auch nicht-religiösen Menschen. Auch die sind in bestimmten Situationen von etwas Besonderem fasziniert. Halten vielleicht staunend in ihrem Tun inne. Sind ganz gefangen, von etwas berührt. Und Hartmut Rosa würde das vielleicht als Resonanz bezeichnen. Das ist auch ein ganz guter und auch passender Begriff. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>„Ein vibrierender Draht zwischen uns und der Welt“, so hat es der Soziologe Hartmut Rosa in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel formuliert. Er plädiert für eine neue Art von Kontakt, die wir pflegen sollten. Und zwar nicht nur untereinander, sondern überhaupt: mit der Welt um uns herum. Und das hat viel mit Lebendigkeit zu tun, sagt Arndt Büssing:</p>
<p>ZSP 13    Büssing</p>
<p>Ich trete mit etwas in Verbindung, lass mich berühren, und es hat einen Nachklang in mir. Wenn diese Empfindungen, dann groß und tief sind, dann wird vielleicht auch mein Leben anders. Ich werde vielleicht bewusster, schaue tiefer hin, werde achtsamer. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Groß und tief sind für manche Frauen die Momente nach der Geburt ihres Kindes. Für andere sind es ihre einmaligen sportlichen Höchstleistungen, oder Momente von besonderer Kreativität, von inniger Liebe und Sex. Sie gehören zu den sogenannten „Peak Moments“: den Gipfelerfahrungen unseres Lebens. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Bedeutung solcher Momente, in denen wir komplett im Hier und Jetzt sind, wo die Zeit still zu stehen scheint und wir quasi mit der Welt verschmelzen, hatte schon der US-amerikanische Sozialpsychologe Abraham Maslow Mitte der 1960er Jahre erkannt. Maslow ist Begründer der Positiven Psychologie. Seine Forschungen zu den Ursachen mentaler Gesundheit haben gezeigt, dass Gipfelerfahrungen unbedingt dazu gehören. Sie sind so intensiv, so erschütternd, dass sie eine große Strahlkraft auf unser ganzes Leben entwickeln.</p>
<p>ZSP 14    Büssing</p>
<p>Ja! Das, was mich bewegt, macht ja auch einen Eindruck. Das heißt, dieser Eindruck wird auch in meinen Erinnerungen gespeichert. Ich werde mich immer wieder mit Freude daran erinnern und vielleicht doch die Sehnsucht haben: Kann ich das nicht wieder haben? Dann sind wir wieder in dieser olympischen Disziplin: Ich möchte immer wieder solche besonderen Augenblicke haben! Was natürlich nicht funktioniert. Und das ist eben das Schöne! Wir nennen es vielleicht einen „wunderbaren Augenblick“. Und Wunder kann man nicht reproduzieren. Und sie sollen etwas Einmaliges sein, sonst würden sie ihren Wert verlieren. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Auch Abraham Maslow glaubte, Gipfelmomente seien in jedem Leben vorhanden, aber eben etwas Seltenes. Immer wieder neue große Wunder erleben zu wollen, um sich lebendig und gut zu fühlen, das funktioniert nicht, da ist auch Arndt Büssing sicher. Was dagegen gut funktionieren kann: Das Besondere in eigenen Leben zu entdecken, indem man feiner in seiner Wahrnehmung wird. </p>
<p>Musik 8: The Dress –  46 sek</p>
<p>ZSP 15    Büssing</p>
<p>Das können natürlich auch die kleinen Erlebnisse sein, die einen kurzfristig innehalten lassen, von denen man dann vielleicht ganz fasziniert ist und die einen Lächeln lassen. Auch das hat natürlich seine Bedeutung, und ist schön und gut. Es muss nicht immer dieses große Tiefe sein, das Fantastische!</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Jeder kennt das. Wenn wir an einem gewöhnlichen Tag zufällig jemandem auf der Straße begegnen und ein paar Worte wechseln, gehen wir danach anders weiter: Belebter! In ihrem Buch „Mehr Zeit für die Seele. Der Weg zur Lebendigkeit“ beschreibt die Schweizer Psychologin Verena Kast wie wichtig für uns sinnliche Eindrücke sind: Der Duft vom Kaffee, der Dampf über der Tasse Tee. Solche kleinen Dinge. </p>
<p>Musik aus</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ähnlich wie Hartmut Rosa plädiert Verena Kast dafür, sich immer wieder Zeit zu nehmen, um sich bewusst einzulassen auf unsere Umgebung, sei es zu Hause oder in der Natur. Viele Facetten von Freude und Verbindung zu Menschen und der Welt können wir dann erleben und so immer wieder neu bemerken, dass das Leben bereichernder und schöner ist, als erwartet. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Um noch mehr über ehrfurchtsvolles Staunen herauszufinden, hat Professor Arndt Büssing eine weitere Studie begonnen:  </p>
<p>ZSP 16   Büssing</p>
<p>Wir haben uns angeschaut: Was empfindet jemand? Wie empfindet jemand? Wie intensiv? Und wie häufig empfindet jemand so etwas wie dieses staunende Innehalten? Gefühle von Dankbarkeit, die sich dann anschließend einstellen können. Da haben wir uns unterschiedlichste Personengruppen angeschaut: Meditierende, Yogaübende, Ordensleute, Normalmenschen, Studierende, Patienten mit Schmerzerkrankungen. Unterschiedlichste Menschengruppen, auch Personen mit depressiven Erkrankungen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im Ergebnis fiel auf, dass es sehr deutliche Unterschiede im Empfinden gibt: </p>
<p>ZSP 17    Büssing</p>
<p>Das ist jetzt nicht so, dass es Menschen gibt, die so etwas gar nicht empfinden würden. Aber es fällt eben deutlich dabei auf, dass diejenigen, die einen bewussten Lebensstil haben: also die Yoga-Übenden, die Ordensleute zum Beispiel, die auch eine religiöse oder spirituelle Praxis haben, die das also auch häufig einüben, so dass sie es leichter wahrnehmen, die haben viel höhere Scores gehabt als andere Personengruppen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sie haben also deutlich besser abgeschnitten hinsichtlich Erlebnissen, die als intensiv empfunden wurden. Auf der Basis der zahlreich beantworteten Fragebögen und tiefergehenden Interviews hat Büssing inzwischen ein Programm entwickelt, dass er „Staunendes Innehalten“ nennt. Der positive Einfluss von kleinen Ritualen auf das Wohlbefinden soll möglichst vielen zugutekommen.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Das ganze Programm ist kostenlos im Internet auf den Seiten der Universität Witten/Herdecke erhältlich. Für einen Zeitraum von zwei bis höchstens drei Wochen kann man mit Hilfe dieses Materials üben, wie Staunen und Innehalten im Alltag funktionieren. Und man kann dabei beobachten, wie sich der eigene Alltag dadurch verändert, wie das Lebensgefühl sich intensiviert.</p>
<p>ZSP 18    Büssing</p>
<p>Gut. Das kann also jeder so selbständig für sich gestalten, wie es zu seiner Lebenssituation passt. Dabei werden also für jeden Tag bestimmte, meditativ und anregende Texte bereitgestellt, die man dann mit in den Tag hineinnehmen kann. Werden auch weitere Vorschläge gemacht, die in einem Booklet zu finden sind, dass man sich kostenlos herunterladen kann.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Auffällig ist, dass jeder Tag durch die Vorschläge in diesem mehrwöchigen Programm einen klaren Rhythmus bekommt: </p>
<p>ATMO aus Archiv: Vogelgezwitscher morgens…</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Der Tag soll morgens mit einer kurzen Zeit der Stille begonnen werden, um sich zu sammeln und eine besondere Atmosphäre zu schaffen, seine natürliche Umwelt wahrnehmen. Und dann kommt etwas Zeit für einen speziellen kleinen Text zur Inspiration. An Tag eins handelt er von einer schönen Situation, in der man einmal Kaffee getrunken hat. Es folgt eine kleine Zeit der Meditation, egal ob im Gehen oder Sitzen. </p>
<p>ATMOS Schritte auf Kies, Kreuzblende von Vogelgezwitscher in Grillenzirpen</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Für den Nachmittag wird immer ein kleiner Spaziergang empfohlen, von dem man etwas mitbringen soll, das einen berührt hat. Diese Gegenstände bekommen für die Zeit des Programms einen besonderen Platz in der Wohnung. Auch eine kurze Zeit für einen Tee oder Kaffee soll man sich einräumen und ihn bewusst genießen. </p>
<p>ATMOS aus nach Wohnungstür zu</p>
<p>ZSP 19    Büssing</p>
<p>Besonders wichtig erscheint mir, dass auch ein Tagesrückblick am Abend erfolgt: Was mich bewegt hat, womit ich in Resonanz gegangen bin, besonders mit diesem anregenden Tages-Text. Das kann man dann noch in einem Tagebuch aufschreiben, in das man immer wieder hineinschauen kann, wenn man das Gefühl hat, nichts ist toll in meinem Leben! Man kann es wieder zu Rate ziehen und stellt fest: Doch! Mich hat etwas bewegt und berührt. Und es war eine Zeit, die kann ich vielleicht auch wiederholen: Indem ich mich daran erinnere, wie das noch mal ging. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Schon beim Anschauen des Booklets, das liebevoll mit Fotos und Texten gestaltet ist, lässt sich ahnen: Ja, das könnte etwas bewirken! So anregend sind die täglichen Aufgaben. Aber lässt sich unser Gefühl, dass wir ein intensives Leben führen, durch das ehrfürchtige Staunen wirklich steigern? Hat nicht jeder sein eigenes, persönliches Limit?</p>
<p>ZSP 20    Büssing</p>
<p>Es ist immer schwierig. Man kann Personen finden, die haben, wenn man das jetzt quantifizieren wollte, schon sehr hohe Ehrfurchts-Scores. Da kann man vermutlich nicht mehr noch mehr steigern, weil sie schon sehr bewusst sind. Aber mit Personen, wo noch Platz nach oben ist, da kann man tatsächlich dieses Erleben auch weiter trainieren. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Gerade Menschen mit depressiven Erkrankungen fällt es deutlich schwerer zu staunen oder die Lebendigkeit und Verbundenheit mit der Welt zu empfinden. Da wäre noch viel möglich, glaubt Büssing, vieles haben wir selbst in der Hand. Seine Überlegungen und Forschungsergebnisse hat er in seinem 2024 erschienenen Buch „Innehalten“ zusammengefasst. </p>
<p>ATMOS Amselgezwitscher, Park, Schritte</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wer also ein intensiveres Leben führen möchte, könnte schon heute beginnen: Ein kurzer bewusster Spaziergang wäre ein Anfang!</p>
<p>Musik 9: Grapefruit diet – siehe vorn– 36 Sek</p>
<p>ZSP 21    Büssing</p>

<p>Und dann stellt man irgendwann fest, dass es eigentlich gar nicht so schwierig, mit offenen, aufmerksamen Augen durchs Leben zu gehen. In einer bestimmten Tradition nennt man das dann Achtsamkeit. Das kann man eigentlich nennen, wie man möchte. Es geht um eine Resonanzfähigkeit, Berührungsfähigkeit, dass ich all das in Anführungszeichen „Heilige“ in meinem Leben tatsächlich wieder wahrnehmen kann. Ich kann mich vielleicht noch mehr freuen über all das, was ich mich umgibt und noch besser wertschätzen. Denn eigentlich ist nichts von all dem, was uns umgibt und unser Leben ausmacht, selbstverständlich.</p>
<br/>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Streik der Streichholzmädchen - Der Kampf um Arbeitsschutz</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-streik-der-streichholzmaedchen-der-kampf-um-arbeitsschutz/2097165</link>
      <pubDate>Mon, 17 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ad5052be-b2f1-49cd-b45f-06e2748ec8e1</guid>
      <description>1888: In London streiken die Streichholzmädchen. Dieser Streik wird viel verändern für die Arbeiterklasse in der Hochphase der Industrialisierung. Initiiert von Frauen und Mädchen, die ihr Leben in den Fabriken riskierten. Doch die Geschichte war lange unentdeckt. Katharina Hübel hat eine Nachfahrin getroffen.</description>
      <enclosure length="23274240" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2097165/c/feed/der-streik-der-streichholzmaedchen-der-kampf-um-arbeitsschutz.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:14</itunes:duration>
      <itunes:author>Katharina Hübel</itunes:author>
      <itunes:summary>1888: In London streiken die Streichholzmädchen. Dieser Streik wird viel verändern für die Arbeiterklasse in der Hochphase der Industrialisierung. Initiiert von Frauen und Mädchen, die ihr Leben in den Fabriken riskierten. Doch die Geschichte war lange unentdeckt. Katharina Hübel hat eine Nachfahrin getroffen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0cc5ea60-df27-44ac-a546-0d105d442472.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>1888: In London streiken die Streichholzmädchen. Dieser Streik wird viel verändern für die Arbeiterklasse in der Hochphase der Industrialisierung. Initiiert von Frauen und Mädchen, die ihr Leben in den Fabriken riskierten. Doch die Geschichte war lange unentdeckt. Katharina Hübel hat eine Nachfahrin getroffen.</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Katharina Hübel<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Thomas Birnstiel, Rahel Comtesse, Shirin Lotze, Gabi Hinterstoißer<br/>Technik: Daniela Röder<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Samantha Johnson, Gründerin und Vorsitzende des Matchgirls Memorial, Urenkelin von Sarah Chapman<br/>Dr. Anna Robinson, Historikerin, University of East London</p>
<p><strong>Podcasttipp: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/der-ki-podcast/urn:ard:show:65505255c703e51e/">Der KI-Podcast</a></strong></p>

<p>Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr – KI prägt unsere Gegenwart. Künstlich generierte Texte, Bilder und Stimmen sind überall ... und werden wöchentlich besser. Welche Auswirkungen bringt die KI in Arbeitswelt, Bildung und Gesellschaft mit sich? Wie kann man künstliche Intelligenz selbst im Alltag nutzen? Und was passiert, wenn jeder Inhalt im Internet auch ein KI-Fake sein könnte? Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub stellen sich jeden Dienstag den großen und kleinen Fragen der KI-Revolution – und trennen die Fakten vom Hype.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/der-ki-podcast/94632864/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>

<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>


<p><strong>Linktipps:</strong><br/>Samantha Johnson, die Urenkelin von Sarah Chapman, einer der Anführerinnen des Streiks der Streichholzmädchen 1888 und der Präsidentin einer der ersten Frauengewerkschaft in Großbritannien, hat das „Match Girls Memorial“ gegründet, das die Geschichte der Arbeiterinnen von Bryant und May aufarbeitet und weiterverbreitet. Sie hat auch das anonyme Grab von Sarah Chapman gefunden und für den Erhalt gekämpft. Sie möchte weitere Erinnerungsorte in London schaffen. <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.matchgirls1888.org/">Eine inspirierende Seite</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Francisco Franco - Bürgerkrieg, Diktatur, gespaltene Erinnerung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/francisco-franco-buergerkrieg-diktatur-gespaltene-erinnerung/2112395</link>
      <pubDate>Fri, 14 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">48e9de59-73e5-45ef-99c5-39db2e7ef47b</guid>
      <description>Es war die letzte faschistische Diktatur in Europa, und sie endete erst mit dem Tod des &quot;Caudillo&quot;, des &quot;Führers&quot; Francisco Franco im November 1975. Der General stürzte Spanien in einen blutigen Bürgerkrieg und regierte danach mit harter Hand. Bis heute entzweit das Andenken an Franco das Land. Von Julia Devlin.</description>
      <enclosure length="22208256" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112395/c/feed/francisco-franco-buergerkrieg-diktatur-gespaltene-erinnerung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Julia Devlin</itunes:author>
      <itunes:summary>Es war die letzte faschistische Diktatur in Europa, und sie endete erst mit dem Tod des &quot;Caudillo&quot;, des &quot;Führers&quot; Francisco Franco im November 1975. Der General stürzte Spanien in einen blutigen Bürgerkrieg und regierte danach mit harter Hand. Bis heute entzweit das Andenken an Franco das Land. Von Julia Devlin.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3fc5c77d-ffcf-4236-9dfe-1c1ad137c399.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es war die letzte faschistische Diktatur in Europa, und sie endete erst mit dem Tod des "Caudillo", des "Führers" Francisco Franco im November 1975. Der General stürzte Spanien in einen blutigen Bürgerkrieg und regierte danach mit harter Hand. Bis heute entzweit das Andenken an Franco das Land. Von Julia Devlin.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin: Julia Devlin<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Es sprachen: Franziska Ball und Buchard Dabinnus<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Dr. Till Kössler, Universität Köln</p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/>Till Kössler, Franco. Der ewige Faschist. Eine Biografie. München 2025. Anschauliche Biografie des Diktators, die auch zu einem besseren Verständnis gegenwärtiger Diktatoren beiträgt.<br/>Carlos Collado Seidel, Franco. General - Diktator - Mythos. Stuttgart, 2. erw. u. akt. Auflage 2025. Biografie, die insbesondere auf die Rezeption Francos eingeht. </p>
<p><strong>Weiterführende Links: </strong><br/>Pablo Ruiz Picasso - Der Künstler, der sich ständig neu erfand<br/>Rastlos war er bis ins hohe Alter. Maler, Bildhauer, Zeichner, Lithograph, Keramiker. Pablo Picasso hat neue Stile wie den Kubismus mit entwickelt. Seine spanische Heimat liebte er, doch das Spanien Francos hasste er abgrundtief. Von Gabriele Knetsch (BR 2023)<br/><a title="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2cff27f2d85d2457/" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2cff27f2d85d2457/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Unser Podcast Tipp:</strong><br/>„Mein Mensch – Begegnungen, die das Leben verändern“<br/><a title="https://1.ard.de/mein-mensch" href="https://1.ard.de/mein-mensch"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Wetterpropheten - Wie Meteorologen Sonne und Regen vorhersagen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-wetterpropheten-wie-meteorologen-sonne-und-regen-vorhersagen-1/2084038</link>
      <pubDate>Fri, 14 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">da01af68-ef39-4b09-bc7d-a0454ba44fcf</guid>
      <description>Unwetter oder Sonnenschein? Wettervorhersagen sind in den letzten Jahrzehnten immer zuverlässiger geworden. Dank des &quot;Chaos im Wetter&quot; werden sie allerdings immer ein Wagnis bleiben. Von Martin Schramm (BR 2018) </description>
      <enclosure length="21101184" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2084038/c/feed/die-wetterpropheten-wie-meteorologen-sonne-und-regen-vorhersagen-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Schramm</itunes:author>
      <itunes:summary>Unwetter oder Sonnenschein? Wettervorhersagen sind in den letzten Jahrzehnten immer zuverlässiger geworden. Dank des &quot;Chaos im Wetter&quot; werden sie allerdings immer ein Wagnis bleiben. Von Martin Schramm (BR 2018) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d88d4604-fb93-4fea-9585-b57b132fb18b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Unwetter oder Sonnenschein? Wettervorhersagen sind in den letzten Jahrzehnten immer zuverlässiger geworden. Dank des "Chaos im Wetter" werden sie allerdings immer ein Wagnis bleiben. Von Martin Schramm (BR 2018) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Martin Schramm<br/>Regie: Dorit Kreissl<br/>Es sprachen: Rahel Comtesse, Andreas Neumann, Jennifer Güzel, Clemens Nicol<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Gerhard Lux (DWD);<br/>Hans-Joachim Koppert (DWD);<br/>Felix Ament (Professor; Universität Hamburg)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Wetter und Wohlbefinden - Was steckt hinter Wetterfühligkeit?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wetter-und-wohlbefinden-was-steckt-hinter-wetterfuehligkeit/bayern-2/78749384/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wetter-und-wohlbefinden-was-steckt-hinter-wetterfuehligkeit/bayern-2/78749384/"></a></strong>Gutes Wetter, gute Stimmung? Klima und Charakter<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/gutes-wetter-gute-stimmung-klima-und-charakter/bayern-2/10668199/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/gutes-wetter-gute-stimmung-klima-und-charakter/bayern-2/10668199/"></a></strong>Hitze, Hagel, Hochwasser - Städte wappnen sich für Extremwetter<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hitze-hagel-hochwasser-staedte-wappnen-sich-fuer-extremwetter/bayern-2/78759940/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wie die Menschen sesshaft wurden - Geschichte einer sanften Revolution</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wie-die-menschen-sesshaft-wurden-geschichte-einer-sanften-revolution/2112355</link>
      <pubDate>Thu, 13 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">62605f89-a88e-4eee-9e2b-159729d57df8</guid>
      <description>Wie wurden die Menschen sesshaft? Und vor allem: Warum? Denn das Zusammenleben in größeren Gruppen bedeutete zunächst einmal vor allem eins: Probleme. Wie entstand also die Lebensweise, die unsere Welt bis heute prägt? Von Dagmar Röhrlich.</description>
      <enclosure length="22710912" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112355/c/feed/wie-die-menschen-sesshaft-wurden-geschichte-einer-sanften-revolution.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Dagmar Röhrlich</itunes:author>
      <itunes:summary>Wie wurden die Menschen sesshaft? Und vor allem: Warum? Denn das Zusammenleben in größeren Gruppen bedeutete zunächst einmal vor allem eins: Probleme. Wie entstand also die Lebensweise, die unsere Welt bis heute prägt? Von Dagmar Röhrlich.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ded34940-2f22-46ad-939c-86e24af36b9b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie wurden die Menschen sesshaft? Und vor allem: Warum? Denn das Zusammenleben in größeren Gruppen bedeutete zunächst einmal vor allem eins: Probleme. Wie entstand also die Lebensweise, die unsere Welt bis heute prägt? Von Dagmar Röhrlich.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin dieser Folge: Dagmar Röhrlich<br/>Regie führte: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Katja Amberger und Christian Baumann<br/>Technik: Daniela Röder<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Dr. Jens Notroff, Archäologe am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin <br/>Professor Gary Feinman, Archäologe am Field Museum in Chicago<br/>Ian Hodder, Archäologe an der Stanford University<br/>Dr. Julia Gresky vom Deutschen Archäologischen Institut in Berlin<br/>Professor Joachim Burger, Paläogenetiker an der Universität Mainz<br/>Dr. Eva Rosenstock, Bioarchäologin von der Uni Bonn<br/>Professor Arkadiusz Marciniak, Archäologe an der Adam Mickiewicz, University in Posen<br/>Dr. Paul Duffy (englisch) vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Kiel</p>
<p><strong>Zum Weiterhören:</strong><br/>Alles Geschichte | VERSUNKENE ORTE - Uruk und wie alles begann | ARD Audiothek<br/>Eine City der Superlative: Uruk. Die Stadt war die erste Stadt der Welt - eine Megapolis mit bis zu 50 000 Menschen. Sie entstand im 5. Jahrtausend v.Chr. im Süden des heutigen Irak mit Häusern aus Lehmziegeln, Türmen und Palästen. Kanäle leiteten frisches Wasser aus dem Euphrat in die Stadt und das Abwasser wieder hinaus. Das kreative Potential war groß. Von Christine Hamel (BR 2023)<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:dfecd78b7a5b017f/</p>
<p><strong>Unser Podcast-Tipp:</strong><br/>„7 Tage wach“ - der rbb24-Podcast mit dem etwas anderen Blick auf die Woche<br/>https://1.ard.de/7TageWach?cp=RaWi</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Proteine - Was Eiweiß wirklich kann</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/proteine-was-eiweiss-wirklich-kann/2112354</link>
      <pubDate>Thu, 13 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">847cc73c-859c-4d52-bd4d-a13bf3e5f978</guid>
      <description>Ob vegan, Superfood oder steinzeitliche Paleo-Ernährung: Bei der Nahrungsaufnahme geht es schon lange nicht mehr ums Sattwerden. Sondern auch um Lifestyle und Trends. Aktueller Hype: Proteine! Sie sind ausgesprochen wichtig für unseren Körper, fehlen aber trotzdem hierzulande kaum jemandem. Von Daniela Remus.</description>
      <enclosure length="22346880" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112354/c/feed/proteine-was-eiweiss-wirklich-kann.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Ob vegan, Superfood oder steinzeitliche Paleo-Ernährung: Bei der Nahrungsaufnahme geht es schon lange nicht mehr ums Sattwerden. Sondern auch um Lifestyle und Trends. Aktueller Hype: Proteine! Sie sind ausgesprochen wichtig für unseren Körper, fehlen aber trotzdem hierzulande kaum jemandem. Von Daniela Remus.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/95666718-a4ea-4490-9ec0-7ed7cfa5ab8b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ob vegan, Superfood oder steinzeitliche Paleo-Ernährung: Bei der Nahrungsaufnahme geht es schon lange nicht mehr ums Sattwerden. Sondern auch um Lifestyle und Trends. Aktueller Hype: Proteine! Sie sind ausgesprochen wichtig für unseren Körper, fehlen aber trotzdem hierzulande kaum jemandem. Von Daniela Remus.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin: Daniela Remus<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Stefan Wilkening, Rahel Comtesse, Karin Schuhmacher<br/>Technik: Moritz Herrmann<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Anja Carlsohn, Ernährungswissenschaftlerin, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg<br/>Prof. Mathias Fasshauer, Ernährungswissenschaftler, Universtiät Gießen<br/>Prof. em. Karin Michels, Epidemiologin, Universität Freiburg<br/>Prof. Christian Sina, Ernährungsmediziner, UKSH, Campus Lübeck</p>
<p>Homepage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zum Thema Proteine:<br/>https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/protein/</p>
<p>Homepage von Prof. Mathias Fasshauer, Universtiät Gießen:<br/>https://www.uni-giessen.de/en/faculties/f09/institutes/nutrition/human</p>
<p>Homepage von Prof. Christian Sina, UKSH, Lübeck<br/>https://www.uksh.de/Ernaehrungsmedizin_Luebeck/</p>
<p>Homepage von Prof. Anja Carlsohn, HAW, Hamburg<br/>https://www.haw-hamburg.de/hochschule/beschaeftigte/detail/person/person/show/anja-carlsohn/</p>
<p>Homepage von Prof. Karin Michels, Universität Freiburg<br/>https://www.knpm-bw.de/personalisierte-praevention-mit-individualisierter-bestimmung-und-optimierung-des-darmmikrobioms-durch-ernaehrungsintervention/</p>
<p><strong>Unser Podcast-Tipp:</strong><br/>„7 Tage wach“ - der rbb24-Podcast mit dem etwas anderen Blick auf die Woche<br/>https://1.ard.de/7TageWach?cp=RaWi</p>
<p><strong>Hör-Tipps von Radiowissen:</strong><br/>Radiowissen · Kann man sich glücklich essen? Von Genuss bis Gesundheit · Podcast in der ARD Audiothek<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f4c8a829e4a962f0/</p>
<p>Radiowissen · Produkte aus Hafer - Eine gute Alternative? · Podcast in der ARD Audiothek<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:11e4b98cd6ddc377/</p>
<p>Radiowissen · Gemeinsam Essen – Mehr als ein Ritual · Podcast in der ARD Audiothek<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a94bae2ee6de5ee1/</p>
<p>Radiowissen · Eine Prise Politik - Wie die Küche die Gesellschaft verändert · Podcast in der ARD Audiothek<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d9926975b801a58a/</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Altlasten - Das Risiko in der Erde</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/altlasten-das-risiko-in-der-erde-1/2112278</link>
      <pubDate>Tue, 11 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1ad64100-f63b-4232-a459-436a30f2f40d</guid>
      <description>Altlasten gibt es zu Hunderttausenden in Deutschland. Soll das Grundstück wieder bebaut werden, muss saniert werden - mit Hilfe von chemischer Technologie, Bakterien oder durch den Austausch des Erdreichs. Von Hellmuth Nordwig.</description>
      <enclosure length="21743616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112278/c/feed/altlasten-das-risiko-in-der-erde-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:38</itunes:duration>
      <itunes:author>Hellmuth Nordwig</itunes:author>
      <itunes:summary>Altlasten gibt es zu Hunderttausenden in Deutschland. Soll das Grundstück wieder bebaut werden, muss saniert werden - mit Hilfe von chemischer Technologie, Bakterien oder durch den Austausch des Erdreichs. Von Hellmuth Nordwig.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3c7740e0-9544-42ba-8396-c037ccd39705.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Altlasten gibt es zu Hunderttausenden in Deutschland. Soll das Grundstück wieder bebaut werden, muss saniert werden - mit Hilfe von chemischer Technologie, Bakterien oder durch den Austausch des Erdreichs. Von Hellmuth Nordwig.</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Hellmuth Nordwig<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprach: Rahel Comtesse<br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Uwe Dannwolf, RiskCom GmbH, Großweil<br/>Michael Kremer, Gesellschaft zur Altlastsanierung in Bayern<br/>Dr. Claus Haslauer, Versuchseinrichtung zur Grundwasser- und Altlastensanierung, Universität Stuttgart<br/>Prof. Michael Schloter, Helmholtz-Zentrum München</p>
<p><strong>Zum Weiterhören:</strong></p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/><a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wolken - Wetterboten am Himmel</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wolken-wetterboten-am-himmel/2112277</link>
      <pubDate>Tue, 11 Nov 2025 02:50:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c3129b96-b8e8-4610-ada5-77a12af17753</guid>
      <description>Kaum ein Phänomen beeinflusst unser Leben so wie sie. Generationen von Künstlern und Forschern haben sich an ihrem flüchtigen Wesen abgearbeitet, trotzdem bergen sie viele Geheimnisse. Wie entstehen Wolken? Und wie verändern sie sich durch den Klimawandel? Von Roana Brogsitter.</description>
      <enclosure length="23640960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112277/c/feed/wolken-wetterboten-am-himmel.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:37</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Kaum ein Phänomen beeinflusst unser Leben so wie sie. Generationen von Künstlern und Forschern haben sich an ihrem flüchtigen Wesen abgearbeitet, trotzdem bergen sie viele Geheimnisse. Wie entstehen Wolken? Und wie verändern sie sich durch den Klimawandel? Von Roana Brogsitter.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6e84fa69-9bfd-4d5f-a5ff-c6f3f3054b90.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kaum ein Phänomen beeinflusst unser Leben so wie sie. Generationen von Künstlern und Forschern haben sich an ihrem flüchtigen Wesen abgearbeitet, trotzdem bergen sie viele Geheimnisse. Wie entstehen Wolken? Und wie verändern sie sich durch den Klimawandel? Von Roana Brogsitter.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin: Roana Brogsitter<br/>Redaktion: Iska Schreglmann<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Technik: Tim Höfer<br/>Es sprachen: Ditte Ferrigan, Thomas Loibl und Jerzy May</p>
<p><strong>Unsere GesprächspartnerInnen:</strong><br/>Dr. Tina Jurkat-Witschas, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Physik der Atmosphäre<br/>Dr. Ulrich Blahak, Diplometeorologe und Senior Scientist beim Deutschen Wetterdienst<br/>Prof. Bjorn Stevens, Leiter Abteilung Atmosphäre im Erdsystem, Max-Planck-Institut für Meteorologie</p>
<p><strong>Zum Weiterhören:</strong></p>
<p>Wetterballons - Datenspione des Himmels<br/>Mit unbemannten Ballonen spionieren Wetterforscher die Atmosphäre aus. Die so gewonnenen Daten werden für präzisere Wettervorhersagen genutzt. Bis heute sind die Wetterballone unersetzlich. Welche Geheimnisse entlocken sie der Atmosphäre? Und: Können Sie auch für andere Zwecke missbraucht werden?<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:62a96231046b1992/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:62a96231046b1992/</a></p>
<p>Hagel und Klimawandel - Geschosse aus Eis<br/>Hagelschläge können extreme Schäden verursachen. Die oft mehrere Zentimeter großen Geschosse aus Eis zerstören Ernten, beschädigen Fahrzeuge und Gebäude. Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird, werden langfristig schwere Hagelschläge zunehmen.<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:edce336829adca74/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:edce336829adca74/</a></p>
<p>Hochwasserschutz - Polder, Deiche, mobile Wände<br/>Wenn der Flusspegel steigt, können Polder die Wassermassen aufnehmen. Doch es gibt zu wenige - stattdessen zwängen Deiche die Flüsse ein. Mit mobilen Wänden versuchen Städte sich vor Hochwasser zu schützen.<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:75163abfc719b478/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:75163abfc719b478/</a></p>
<p><strong>Weiterführende Links:<br/></strong>Der Internationale Wolkenatlas der WMO<br/>https://cloudatlas.wmo.int/en/home.html</p>
<p>Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt<br/>https://www.dlr.de/de<br/><br/>Deutscher Wetterdienst<br/>https://www.dwd.de/DE/Home/home_node.html</p>
<p><strong>Unser Podcast-Tipp für euch:</strong><br/>SR kultur | Fragen an den Autor | ARD Audiothek<br/>Was treibt die klügsten Köpfe unserer Zeit an? Welche Ideen stecken in den wichtigsten neuen Sachbüchern - und was bedeuten sie für unseren Alltag? Autorinnen und Autoren sprechen über ihre Recherchen, ihre Motivation und über das, was zwischen den Zeilen steht.<br/>ZUM PODCAST: <a href="https://kurz.sr.de/FadA">https://kurz.sr.de/FadA</a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Steven Spielberg - Die Erfindung des Blockbusters</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/steven-spielberg-die-erfindung-des-blockbusters/2112258</link>
      <pubDate>Mon, 10 Nov 2025 08:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">166ac522-380b-432d-a8c9-02e97c43447d</guid>
      <description>&quot;Der weiße Hai&quot; ist der Beginn der modernen Blockbuster-Ära in Hollywood, 1975. Steven Spielberg gilt als empathisches Regie-Wunderkind, der das Publikum mit &quot;E.T.&quot; und &quot;Jurassic Park&quot; ins Staunen versetzt, aber auch Persönliches wie &quot;Schindlers Liste&quot; und &quot;Die Fabelmans&quot; auf die Leinwand bringt. Von Florian Kummert.</description>
      <enclosure length="23189376" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112258/c/feed/steven-spielberg-die-erfindung-des-blockbusters.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:09</itunes:duration>
      <itunes:author>Florian Kummert</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Der weiße Hai&quot; ist der Beginn der modernen Blockbuster-Ära in Hollywood, 1975. Steven Spielberg gilt als empathisches Regie-Wunderkind, der das Publikum mit &quot;E.T.&quot; und &quot;Jurassic Park&quot; ins Staunen versetzt, aber auch Persönliches wie &quot;Schindlers Liste&quot; und &quot;Die Fabelmans&quot; auf die Leinwand bringt. Von Florian Kummert.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7a0ad877-9b8e-4502-a0d6-d7a6e1f0ca0f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Der weiße Hai" ist der Beginn der modernen Blockbuster-Ära in Hollywood, 1975. Steven Spielberg gilt als empathisches Regie-Wunderkind, der das Publikum mit "E.T." und "Jurassic Park" ins Staunen versetzt, aber auch Persönliches wie "Schindlers Liste" und "Die Fabelmans" auf die Leinwand bringt. Von Florian Kummert.</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autor: Florian Kummert<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Katja Amberger und Stefan Merki<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Rainer Rother, ehem. künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek in Berlin &amp; Berlinale-Retrospektive<br/>Michael „Bully“ Herbig, Schauspieler &amp; Regisseur<br/>Jörg Liemann und Jörg Breitenfeld, Autoren von „Steven Spielberg – Tiefenscharfe Analysen“</p>
<p><strong>Unser Film- und Podcast-Tipp:</strong><br/>Das Dokudrama “Nürnberg 45 – im Angesicht des Bösen” in der ARD Mediathek:<br/>https://1.ard.de/nuernberg-45</p>
<p>Spannende Podcasts rund um die Nürnberger Prozesse im Feed von „ Alles Geschichte – Der History-Podcast“ in der ARD Audiothek: <br/>https://1.ard.de/alles-geschichte-nuernberg</p>
<p><strong>Weitere Podcast-Empfehlungen:</strong></p>
<p>Film Noir – Düsternis auf der Leinwand<br/>Geschichten voller Gier, Lust und Mord, in denen die Moral als erstes auf der Strecke bleibt – das ist Film Noir. Kein Genre, eher ein Gefühlszustand, der das US-Kino der 1940er und 1950er Jahre geprägt hat. Bei Radiowissen:<br/><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/film-noir-duesternis-auf-der-leinwand/2092923">https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/film-noir-duesternis-auf-der-leinwand/2092923</a></p>
<p>Vom Comic ins Kino – Konjunktur der Superhelden<br/>DC und Marvel – das sind die US-Comic-Verlage, die seit 1939 die Bild-Geschichten von Superhelden wie Superman und Batman, die Fantastischen Vier oder Spiderman veröffentlichen. Ob als Comic oder Film – die Abenteuer faszinieren bis heute. Hier geht’s zu dieser Folge Radiowissen:<br/>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/vom-comic-ins-kino-konjunktur-der-superhelden/2102693</p>
<p><strong>Weiterführende Links:<br/></strong>Hier geht’s zur Shoah Foundation, die 1994 von Steven Spielberg gegründet wurde, die zahlreiche Zeitzeugen-Interviews mit Holocaust-Überlebenden dokumentiert und archiviert: <a href="https://sfi.usc.edu/">https://sfi.usc.edu/</a></p>
<p>Hier geht’s zum Buch „Steven Spielberg – Tiefenscharfe Analysen“, das in unserer Radiowissen-Folge zu Spielberg erwähnt wird: <a href="https://stevenspielbergchroniken.de/">https://stevenspielbergchroniken.de/</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Toxische Gemeinschaften - Ein Drehbuch der Manipulation</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/toxische-gemeinschaften-ein-drehbuch-der-manipulation/2112232</link>
      <pubDate>Sun, 09 Nov 2025 12:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">79c593e1-8ec6-40f2-9342-f94eb277b187</guid>
      <description>Lilly wollte einfach nur Yoga machen - und hatte dann irgendwann Sex mit einem Yoga-Guru, ohne es wirklich zu wollen. Was bringt Menschen dazu, ihren eigenen Gefühlen zu misstrauen und Grenzen zu überschreiten? Wir erklären die Mechanismen von Manipulation. Ein Podcast von Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen.</description>
      <enclosure length="21398016" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112232/c/feed/toxische-gemeinschaften-ein-drehbuch-der-manipulation.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:17</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Hawranek und Katja Paysen-Pe</itunes:author>
      <itunes:summary>Lilly wollte einfach nur Yoga machen - und hatte dann irgendwann Sex mit einem Yoga-Guru, ohne es wirklich zu wollen. Was bringt Menschen dazu, ihren eigenen Gefühlen zu misstrauen und Grenzen zu überschreiten? Wir erklären die Mechanismen von Manipulation. Ein Podcast von Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5a6b0153-7386-49fd-af37-eed05c6c3c61.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Lilly wollte einfach nur Yoga machen - und hatte dann irgendwann Sex mit einem Yoga-Guru, ohne es wirklich zu wollen. Was bringt Menschen dazu, ihren eigenen Gefühlen zu misstrauen und Grenzen zu überschreiten? Wir erklären die Mechanismen von Manipulation. Ein Podcast von Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorinnen/Sprecherinnen: Katja Paysen-Petersen und Christiane Hawranek<br/>Zitate: Clemens Nicol<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Dieter Rohmann, Psychologe und Kult-Experte<br/>Anke Richter, Aktivistin, Autorin und Sekten-Expertin<br/></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die deutsche Revolution von 1848 - Für Demokratie und Nationalstaat</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-deutsche-revolution-von-1848-fuer-demokratie-und-nationalstaat/1945117</link>
      <pubDate>Fri, 07 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ee461c8c-be26-4db9-903b-d07c86ad5f44</guid>
      <description>Im Frühjahr 1848 wurde das monarchisch geprägte Europa von revolutionären Unruhen erschüttert. Auch in den deutschen Staaten führten Massenarmut, bürgerliches Emanzipationsstreben und der Wunsch nach einem Nationalstaat zu einem Angriff auf die monarchischen Autoritäten, den diese aber letztendlich niederschlugen.</description>
      <enclosure length="21630720" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1945117/c/feed/die-deutsche-revolution-von-1848-fuer-demokratie-und-nationalstaat.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Renate Eichmeier</itunes:author>
      <itunes:summary>Im Frühjahr 1848 wurde das monarchisch geprägte Europa von revolutionären Unruhen erschüttert. Auch in den deutschen Staaten führten Massenarmut, bürgerliches Emanzipationsstreben und der Wunsch nach einem Nationalstaat zu einem Angriff auf die monarchischen Autoritäten, den diese aber letztendlich niederschlugen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/aac881b7-111b-445d-b240-36ddacfed0ca.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im Frühjahr 1848 wurde das monarchisch geprägte Europa von revolutionären Unruhen erschüttert. Auch in den deutschen Staaten führten Massenarmut, bürgerliches Emanzipationsstreben und der Wunsch nach einem Nationalstaat zu einem Angriff auf die monarchischen Autoritäten, den diese aber letztendlich niederschlugen.</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Renate Eichmeier<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Es sprachen: Christian Baumann, Christiane Roßbach<br/>Technik: Gerhard Wicho<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-die-deutsche-revolution-demokratie-nationalstaat-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Interviewpartnerin:</strong><br/>Prof. Dr. Sabine Freitag, Universität Bamberg, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte<br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Bayerns König Ludwig I. - Vorwärts, vorwärts sollst du schauen!<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/bayerns-koenig-ludwig-i-vorwaerts-vorwaerts-sollst-du-schauen/bayern-2/78759824/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Vormärz und Junges Deutschland - Zwischen den Revolutionen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vormaerz-und-junges-deutschland-zwischen-den-revolutionen/bayern-2/78751094/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>1848 - Die Revolution, die keine war?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/1848-die-revolution-die-keine-war/bayern-2/78752510/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Biedermeier - Rückzug ins Private<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/biedermeier-rueckzug-ins-private/bayern-2/96476950/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/><a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong>Freitag, Sabine: Achtundvierziger. Lebensbilder aus der deutschen Revolution 1848/49. München, 1997. (Spannende biographische Studien zu einzelnen Beteiligten).<br/>Hachtmann, Rüdiger: Berlin 1848. Eine Politik- und Gesellschaftsgeschichte der Revolution. Bonn 1997. (Detailreiche und umfassende Darstellung der Ereignisse in Berlin).<br/>Jansen, Christian; Mergel, Thomas: Die Revolutionen von 1848/49. (Sammlung von Essays zu verschiedenen Themen/Fragestellungen bezüglich der Ereignisse 1848/49).</p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gemeinsam Essen – Mehr als ein Ritual</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gemeinsam-essen-mehr-als-ein-ritual/2098413</link>
      <pubDate>Thu, 06 Nov 2025 12:11:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">eba73761-ce2f-412d-8e66-fe04b884e691</guid>
      <description>Das gemeinsame Essen ist wie das Lagerfeuer, um das sich unsere Urahnen versammelten. Beim Essen werden Geschichten erzählt, Verträge besiegelt, Kinder erzogen, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen gefeiert. Es wird gelacht, gestritten und geschmollt. Constanze Alvarez über ein uraltes Ritual, das unser Leben Tag für Tag begleitet. (BR 2024)</description>
      <enclosure length="23401728" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098413/c/feed/gemeinsam-essen-mehr-als-ein-ritual.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:22</itunes:duration>
      <itunes:author>Constanze Alvarez</itunes:author>
      <itunes:summary>Das gemeinsame Essen ist wie das Lagerfeuer, um das sich unsere Urahnen versammelten. Beim Essen werden Geschichten erzählt, Verträge besiegelt, Kinder erzogen, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen gefeiert. Es wird gelacht, gestritten und geschmollt. Constanze Alvarez über ein uraltes Ritual, das unser Leben Tag für Tag begleitet. (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f6c4f459-e033-4cfc-ae7c-af102ba8460d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das gemeinsame Essen ist wie das Lagerfeuer, um das sich unsere Urahnen versammelten. Beim Essen werden Geschichten erzählt, Verträge besiegelt, Kinder erzogen, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen gefeiert. Es wird gelacht, gestritten und geschmollt. Constanze Alvarez über ein uraltes Ritual, das unser Leben Tag für Tag begleitet. (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Constanze Alvarez<br/> Regie: Ron Schickler<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Ron Schickler<br/> Technik: Simon Lobenhofer / Atrium Studios<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Daniel Kofahl, Ernährungssoziologe<br/>Christine Ordnung, Familientherapeutin und Buch-Autorin<br/>Prof. Eva Barlösius, Soziologin, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover</p>
<p><strong>Literaturhinweise:</strong></p>
<p>Christine Ordnung mit Georg Cadeggianini, &quot;Familie am Tisch: Für ein neues Miteinander – beim Essen und darüber hinaus&quot;. Wie sich Stress am Familientisch vermeiden lässt und was Eltern über sich selbst, ihre Werte und ihre Kindheit lernen können. </p>
<p>Witold Szablowski,&quot;Die Köche des Kreml: Wie Russland mit Essen Politik macht&quot;. Spannendes Buch über die Geschichte der Sowjetunion bzw. Russland, betrachtet aus der Perspektive der Köche und Küchengehilfen der Machthaber. </p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong><br/><a href="https://www.ardalpha.de/wissen/psychologie/essen-kinder-eltern-stress-konflikte-probleme-ernaehrung-beziehung-100.html">Kein Stress beim Essen: Kinder müssen nicht alles probieren | Psychologie | Verstehen | ARD alpha</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>Zusp. 1 Szene Familie am Tisch</p>
<p>Alle: &quot;Kommt ´ne Schnecke um die Ecke, singt ein Lied, guten Appetit!&quot;</p>
<p>Mutter: &quot;Herr, Frau, Piep!&quot;</p>
<p>Kind: &quot;Nein, warum Herr Frau Piep? Das ist doch altmodisch!&quot;</p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>Eine Familie beim Abendessen. Nennen wir sie Familie Schnabel. Vater, Mutter, Kind, eine Nachbarin ist spontan zu Gast. Im Ofen: Eine Pizza. Die ganze Küche duftet danach. Selbstgemachter Teig. Die Stimmung ist gelöst, ein Traum, wie aus einer Werbung. Danach sehnen sich doch die meisten Menschen. Nach einem harmonischen Essen, bei dem sich die Familienmitglieder Zeit füreinander nehmen, das Essen genießen und sich miteinander austauschen… Oder?</p>
<p> Zusp. 2 Szene Familie am Tisch</p>
<p>Vater: &quot;Schrei nicht so laut, ich brauche Ruhe, ich habe gerade meine Steuererklärung gemacht und gekocht, und überhaupt…&quot;</p>
<p><em>blenden mit</em></p>
<p> MUSIK  Looming Shadow (light) 00:19min</p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>Da haben wir´s: Unsere Vorstellung eines idyllischen Essens hat wenig mit dem Alltag zu tun. Und trotzdem ist dieser Augenblick, an dem sich mehrere Menschen gemeinsam an einen Tisch setzen, enorm wichtig, und das gilt nicht nur für Familien. Warum eigentlich? Das hat viele Gründe. Der erste und möglicherweise wichtigste, ist, weil gemeinsam Essen uns einander näherbringt, weil es unsere Beziehung stärkt, unser Gefühl, einer Gemeinschaft anzugehören. Das ist seit Beginn der Menschheitsgeschichte so, erklärt Eva Barlösius, Professorin für Soziologie an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover: </p>
<p> Zusp. 3 Eva Barlösius</p>
<p>… Es hat damit zu tun, dass Menschen nicht allein überleben konnten. Also (..), Sie können heute mit ihrem Geld an die Supermarktkasse gehen, und sie können sich alles das kaufen, was sie zum Essen brauchen. In der Geschichte der Menschheit war das immer eine gemeinsame Arbeit, die man machen musste. Das konnte niemand alleine machen. Also, das heißt, im Grunde genommen hat diese Notwendigkeit, sich ernähren zu müssen, von Anfang an einen sozialen Zusammenhang konstituiert.</p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>Ein Tier erjagen, Beeren oder Wurzeln sammeln, die Feuerstelle bewachen – Essen zubereiten war immer schon ein kollektiver Prozess, bei dem jeder und jede seine Aufgabe hatte. Und auch wenn wir uns über derlei heute keine Gedanken mehr machen brauchen, schwingt diese Erfahrung aus der Urzeit auch heute noch mit. </p>
<p> MUSIK  Endagered 00:43min</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Dabei ist Essen mehr als nur Nahrungsaufnahme, es mit Emotionen verknüpft und besitzt eine soziale Funktion. Von Anfang an, wenn ein Neugeborenes gestillt wird, entsteht eine Bindung und damit das Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Später, wenn die Kinder groß werden, legen wir Wert darauf, dass sie alles Mögliche allein bewältigen – sich alleine anziehen, alleine auf die Toilette gehen, alleine Schlafen – nur beim Essen, da ist es uns wichtig, dass sie lernen, dass das Essen etwas Gemeinsames ist. </p>
<p> Zusp. 4 Szene Familie am Tisch</p>
<p>Alle durcheinander:</p>
<p>&quot;Habt ihr schon gehört? Im Eisladen gibt es jetzt Hunde-Eis!&quot;</p>
<p>&quot;Hunde-Eis?&quot;</p>
<p>&quot;Im Patagon?&quot;</p>
<p>&quot;Und wie soll das sein? Eis mit Fleischgeschmack?&quot;</p>
<p>&quot;Mit Fleisch-Käse-Apfelgeschmack…&quot;</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Krieg oder Frieden – Ist der Mensch zur Gewalt verurteilt?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/krieg-oder-frieden-ist-der-mensch-zur-gewalt-verurteilt-1/2112540</link>
      <pubDate>Thu, 06 Nov 2025 09:20:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3219e07d-f818-4266-a558-3c7680ae5cb2</guid>
      <description>Kriege und Gewalt begleiten die Menschheitsgeschichte. Liegt dem eine biologische Basis zugrunde? Sind destruktive Kräfte der Psyche stärker als konstruktive? Antworten der evolutionären Anthropologie und der Psychoanalyse geben tiefere Einblicke.</description>
      <enclosure length="22685184" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112540/c/feed/krieg-oder-frieden-ist-der-mensch-zur-gewalt-verurteilt-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:37</itunes:duration>
      <itunes:author>Inka Kuebel</itunes:author>
      <itunes:summary>Kriege und Gewalt begleiten die Menschheitsgeschichte. Liegt dem eine biologische Basis zugrunde? Sind destruktive Kräfte der Psyche stärker als konstruktive? Antworten der evolutionären Anthropologie und der Psychoanalyse geben tiefere Einblicke.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/19f29acd-f694-4ceb-bbd8-617164db4add.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kriege und Gewalt begleiten die Menschheitsgeschichte. Liegt dem eine biologische Basis zugrunde? Sind destruktive Kräfte der Psyche stärker als konstruktive? Antworten der evolutionären Anthropologie und der Psychoanalyse geben tiefere Einblicke.</p><p><strong>Credits:</strong><br/>Autorin: Inka Kübel <br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Regie: Frank Halbach                                                                                <br/>Erzählerin: Katja Bürkle <br/>Zitator 1 &amp; 3: Peter Weiß <br/>Zitatorin: Rahel Comtesse <br/>Zitator 2: Carsten Fabian (PS, VA)<br/> <br/><strong>Interviews mit:</strong><br/>Prof. Hans-Jürgen Wirth, Psychoanalytiker und Soziologe<br/>Prof. Carel van Schaik, Evolutionsbiologe, Anthropologe<br/> <br/><strong>Literatur:</strong> </p>
<ul>
<li>Carel van Schaik, Kai Michel: Menschsein. Rowohlt, 2023. Gut verständliche Erläuterung über den Untergrund unserer menschlichen Konstitution und welche Konsequenzen wir gesellschaftlich daraus ziehen sollten.</li>
<li>Harald Meller, Kai Michel, Carel van Schaik: Die Evolution der Gewalt. Dtv, 2024. Zeigt gut verständlich, warum der Mensch prinzipiell eher friedlich als kriegerisch ist und wie 99 Prozent der Menschheitsgeschichte nicht Krieg geführt wurde, sondern sich erst mit dem Sesshaftwerden sich als machtvolle Option zur Durchsetzung von Interessen entwickelt hat.</li>
<li>Hans-Jürgen Wirth: Gefühle machen Politik. Psychosozial-Verlag 2022. Wirth zeigt an verschiedenen Etappen und Themen bis hin zur „Zeitenwende“, wie sehr Emotionen politische Entscheidungen beeinflussen und wie wichtig es wäre, Empathie und Gefühlen wie Mitleid und Hoffnung mehr Raum in der politischen Gestaltung zu geben. </li>
<li>Horst E.Richter: Zur Psychologie des Friedens, Rowohlt, 1984</li>
<li>Olaf Müller: Pazifismus. Reclam, 2022</li>
<li>Albert Einstein, Sigmund Freud: Warum Krieg?, Diogenes 1972</li>
<li>Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur, Reclam 2016</li>
<li>Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität, Rowohlt, 2022</li>
<li>Franz-Stefan Gady: Die Rückkehr des Krieges, Quadriga 2024</li>
</ul>
<p><strong>Radiowissen-Links:</strong><br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:dec95e86fd9d88b0/">Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie</a><br/>Frieden ist ein großes Ideal, ein alter Menschheitstraum - und mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er schafft die Konflikte nicht aus der Welt, sondern hegt sie ein. Von Beate Meierfrankenfeld.</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f35c4bb087de3d6e/">Freuds Psychoanalyse - Die relativierte Revolution</a><br/>Seit ihren Anfängen sind die Heilungserfolge der Psychoanalyse umstritten. Dennoch scheint die moderne Hirnforschung vieles von dem zu bestätigen, was Freud vermutete, aber noch nicht nachweisen konnte.<br/>  <br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:98d3778b77bb07fc/">Albert Einstein - Porträt eines Genies</a><br/>Einstein warf das physikalische Weltbild seiner Zeit so gründlich über den Haufen, dass Physiker bis heute noch voller Bewunderung für ihn sind. Autor: Florian Hildebrand<br/> <br/>Weiterführender Link:<br/><a href="https://www.deutschlandfunk.de/der-neue-westen-6-koennen-wir-uns-pazifismus-noch-leisten-100.html">Können wir uns Pazifismus noch leisten?</a></p>
<p><strong>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</strong></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/urn:ard:show:a5369fa8556fcd7b/">ARD Audiothek | Radiowissen</a>.</p>
<p>Den Text gibt es hier: <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html">Radiowissen-Manuskripte</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Was Hüte verraten –  Eine Kulturgeschichte der Kopfbedeckung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/was-huete-verraten-eine-kulturgeschichte-der-kopfbedeckung/2112091</link>
      <pubDate>Wed, 05 Nov 2025 03:30:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">905b6aba-33b9-4c79-a6b5-3da10347ef56</guid>
      <description>Hüte schützen nicht nur vor Sonne und Regen. Sie machen auch größer und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Einst drückten sie den sozialen Status einer Person aus, standen für politische oder religiöse Überzeugungen. Und heute?</description>
      <enclosure length="22175232" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2112091/c/feed/was-huete-verraten-eine-kulturgeschichte-der-kopfbedeckung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:05</itunes:duration>
      <itunes:author>Julie Metzdorf</itunes:author>
      <itunes:summary>Hüte schützen nicht nur vor Sonne und Regen. Sie machen auch größer und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Einst drückten sie den sozialen Status einer Person aus, standen für politische oder religiöse Überzeugungen. Und heute?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ee0030e8-9b0e-40c3-aab7-8d51556b0aa8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hüte schützen nicht nur vor Sonne und Regen. Sie machen auch größer und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Einst drückten sie den sozialen Status einer Person aus, standen für politische oder religiöse Überzeugungen. Und heute?</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprach: Caroline Ebner<br/>Technik: <br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Johannes Pietsch, Bayerisches Nationalmuseum<br/>Kathrin Felle, Hutmuseum Lindenberg</p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der guten Mutter - Ein mächtiger Mythos (3/3) </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-ein-maechtiger-mythos-3-3-1/2098519</link>
      <pubDate>Wed, 05 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">103b3185-f8ea-4a93-9f7e-b63840aa8c47</guid>
      <description>Unser heutiges Ideal der sich naturgemäß aufopfernden &quot;guten Mutter&quot; ist historisch gewachsen: es geht auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Wie hat es sich seitdem halten können? Und was sagt die Naturwissenschaft zur Annahme, die Mütterlichkeit entspränge der Natur der Frau? Teil 3 unserer Reise durch die &quot;Geschichte der guten Mutter&quot;.</description>
      <enclosure length="22535424" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098519/c/feed/die-geschichte-der-guten-mutter-ein-maechtiger-mythos-3-3-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:28</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Becker</itunes:author>
      <itunes:summary>Unser heutiges Ideal der sich naturgemäß aufopfernden &quot;guten Mutter&quot; ist historisch gewachsen: es geht auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Wie hat es sich seitdem halten können? Und was sagt die Naturwissenschaft zur Annahme, die Mütterlichkeit entspränge der Natur der Frau? Teil 3 unserer Reise durch die &quot;Geschichte der guten Mutter&quot;.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ad690f32-1d4b-41d8-8f0b-a9537b9dfa86.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Unser heutiges Ideal der sich naturgemäß aufopfernden "guten Mutter" ist historisch gewachsen: es geht auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Wie hat es sich seitdem halten können? Und was sagt die Naturwissenschaft zur Annahme, die Mütterlichkeit entspränge der Natur der Frau? Teil 3 unserer Reise durch die "Geschichte der guten Mutter".</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Karin Becker<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Julia Fischer, Sisi Forster, Peter Weiß<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Yvonne Maier und Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Brigitte Röder, Basel<br/>Marina Ahne<br/>Prof. Barbara Vinken, München<br/>Prof. Ute Planert, Köln</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Katharina Rebay-Salisbury: Familien in der Urgeschichte. In: beziehungsweise. Informationsdienst des Österreichischen Instituts für Familienforschung. 2024. Kurzer Aufsatz zum Einstieg, der auch zeigt: wie funktioniert Mutterschafts- und Familienforschung für eine Zeit, die so lange her ist?</p>
<p>Brigitte Röder: Die Vergegenwärtigung der Urzeit: eine Kolonialisierung der Urgeschichte? In: Die Kolonialisierung der Vergangenheit. 2023 Aufsatz zum Metathema: Instrumentalisierung der Urgeschichte für heutige Anliegen.</p>
<p>Marina Ahne: Mythos Mutter. Die Frau als Mutter in der Gesellschaft. WBG 2022. Überblick über die Bedingungen des Mutterseins in Vergangenheit und Gegenwart, der immer wieder auf Widersprüche zwischen dem Idealbild, das wir sehen wollen, und den vielfältigeren Realitäten des Mutterseins stößt.<br/><br/>Hören Sie hier <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-war-das-schon-immer-so-1-3/bayern-2/13780423/">Teil 1</a> der Geschichte der guten Mutter und hier geht es zu <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-die-erfindung-der-muetterlichkeit-2-3/bayern-2/13782977/">Teil 2</a></p>
 
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Diplomatie - Die Kunst, nur die halbe Wahrheit zu sagen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/diplomatie-die-kunst-nur-die-halbe-wahrheit-zu-sagen-2/1987355</link>
      <pubDate>Tue, 04 Nov 2025 03:15:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d0785510-e0b3-4c54-a434-437e3eacbc30</guid>
      <description>Kaum ein Beruf der Neuzeit ist so geheimnisumwittert, wie der des Diplomaten. Im Vergleich scheint selbst die Tätigkeit eines Spions greifbarer. Dabei handelt es sich beim Diplomaten schlicht um einen Mann (heutzutage auch eine Frau) mit Ausbildungsberuf und Beamtenstatus. Aber Bildung, Wortgewandtheit, Diskretion, der vollendet höfliche Stil - so Vieles am Diplomaten lädt zur Glorifizierung ein, dass man darüber fast seine (oder ihre) Aufgabe vergessen könnte: zu verhandeln. Ob es um den Frieden zwischen Ländern geht, um gedeihliche Beziehungen oder die Notwendigkeit, Unangenehmes möglichst geschickt mitzuteilen, stets ist die Kunst gefragt, die Wahrheit so zu sagen, dass sie zwar verstanden wird, aber nicht verletzt. Autorin: Anja Mösing (BR 2013) </description>
      <enclosure length="22218624" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1987355/c/feed/diplomatie-die-kunst-nur-die-halbe-wahrheit-zu-sagen-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Mösing</itunes:author>
      <itunes:summary>Kaum ein Beruf der Neuzeit ist so geheimnisumwittert, wie der des Diplomaten. Im Vergleich scheint selbst die Tätigkeit eines Spions greifbarer. Dabei handelt es sich beim Diplomaten schlicht um einen Mann (heutzutage auch eine Frau) mit Ausbildungsberuf und Beamtenstatus. Aber Bildung, Wortgewandtheit, Diskretion, der vollendet höfliche Stil - so Vieles am Diplomaten lädt zur Glorifizierung ein, dass man darüber fast seine (oder ihre) Aufgabe vergessen könnte: zu verhandeln. Ob es um den Frieden zwischen Ländern geht, um gedeihliche Beziehungen oder die Notwendigkeit, Unangenehmes möglichst geschickt mitzuteilen, stets ist die Kunst gefragt, die Wahrheit so zu sagen, dass sie zwar verstanden wird, aber nicht verletzt. Autorin: Anja Mösing (BR 2013) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/185f4242-dd0c-4590-9882-cb6c2ad41d41.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kaum ein Beruf der Neuzeit ist so geheimnisumwittert, wie der des Diplomaten. Im Vergleich scheint selbst die Tätigkeit eines Spions greifbarer. Dabei handelt es sich beim Diplomaten schlicht um einen Mann (heutzutage auch eine Frau) mit Ausbildungsberuf und Beamtenstatus. Aber Bildung, Wortgewandtheit, Diskretion, der vollendet höfliche Stil - so Vieles am Diplomaten lädt zur Glorifizierung ein, dass man darüber fast seine (oder ihre) Aufgabe vergessen könnte: zu verhandeln. Ob es um den Frieden zwischen Ländern geht, um gedeihliche Beziehungen oder die Notwendigkeit, Unangenehmes möglichst geschickt mitzuteilen, stets ist die Kunst gefragt, die Wahrheit so zu sagen, dass sie zwar verstanden wird, aber nicht verletzt. Autorin: Anja Mösing (BR 2013) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Anja Mösing<br/>Regie: Anja Mösing, Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Andreas Neumann, Friedrich Schloffer, Gert Heidenreich<br/>Technik: Christine Gamel, Christiane Schmidbauer-Huber<br/>Redaktion: Brigitte Reimer, Thomas Morawetz</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-diplomatie-wahrheit-diskretion-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Anuschka Tischer, priv. Dozentin für Neuere Geschichte, Univ.Marbach;<br/>Gudrun Steinacker, Diplomatin im auswärtigen Dienst</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Sein Gesicht wahren - Philosophische Gedanken<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2ed9f0d8accd9a02/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Protokoll und Etikette - Anleitungen zum guten Auftritt<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/protokoll-und-etikette-anleitungen-zum-guten-auftritt/bayern-2/90426250/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Was ist Wahrheit? - Philosophische Annäherungen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-ist-wahrheit-philosophische-annaeherungen/bayern-2/85096394/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/><a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der guten Mutter - Die Erfindung der Mütterlichkeit (2/3)</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-die-erfindung-der-muetterlichkeit-2-3/2098485</link>
      <pubDate>Tue, 04 Nov 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f35034e9-84bd-4da2-b031-281f72613a0d</guid>
      <description>Dass Frauen Mütter werden können, daraus wurden lange Zeit ganz andere und meist weniger umfassende Ansprüche an die Frauen abgeleitet, als heute. Unser Idealbild der sich für ihre Kinder aufopfernden, liebenden Mutter entstand erst Ende des 18. Jahrhunderts. Wie kam es dazu? Teil 2 unserer Reise durch die &quot;Geschichte der guten Mutter&quot;. Von Karin Becker</description>
      <enclosure length="20910720" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098485/c/feed/die-geschichte-der-guten-mutter-die-erfindung-der-muetterlichkeit-2-3.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Becker</itunes:author>
      <itunes:summary>Dass Frauen Mütter werden können, daraus wurden lange Zeit ganz andere und meist weniger umfassende Ansprüche an die Frauen abgeleitet, als heute. Unser Idealbild der sich für ihre Kinder aufopfernden, liebenden Mutter entstand erst Ende des 18. Jahrhunderts. Wie kam es dazu? Teil 2 unserer Reise durch die &quot;Geschichte der guten Mutter&quot;. Von Karin Becker</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/101cd185-6f6d-498c-a168-706b9ef68666.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dass Frauen Mütter werden können, daraus wurden lange Zeit ganz andere und meist weniger umfassende Ansprüche an die Frauen abgeleitet, als heute. Unser Idealbild der sich für ihre Kinder aufopfernden, liebenden Mutter entstand erst Ende des 18. Jahrhunderts. Wie kam es dazu? Teil 2 unserer Reise durch die "Geschichte der guten Mutter". Von Karin Becker</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Karin Becker<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Julia Fischer, Sisi Forster, Peter Weiß<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Yvonne Maier und Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Brigitte Röder, Basel<br/>Marina Ahne<br/>Prof. Barbara Vinken, München<br/>Prof. Ute Planert, Köln</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Katharina Rebay-Salisbury: Familien in der Urgeschichte. In: beziehungsweise. Informationsdienst des Österreichischen Instituts für Familienforschung. 2024. Kurzer Aufsatz zum Einstieg, der auch zeigt: wie funktioniert Mutterschafts- und Familienforschung für eine Zeit, die so lange her ist?</p>
<p>Brigitte Röder: Die Vergegenwärtigung der Urzeit: eine Kolonialisierung der Urgeschichte? In: Die Kolonialisierung der Vergangenheit. 2023 Aufsatz zum Metathema: Instrumentalisierung der Urgeschichte für heutige Anliegen.</p>
<p>Marina Ahne: Mythos Mutter. Die Frau als Mutter in der Gesellschaft. WBG 2022. Überblick über die Bedingungen des Mutterseins in Vergangenheit und Gegenwart, der immer wieder auf Widersprüche zwischen dem Idealbild, das wir sehen wollen, und den vielfältigeren Realitäten des Mutterseins stößt.<br/><br/>Zu Teil 1 der Geschichte der guten Mutter kommen Sie <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-war-das-schon-immer-so-1-3/bayern-2/13780423/">hier</a>, und zu Teil 3 dieses großen Mythos <br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-ein-maechtiger-mythos-3-3/bayern-2/13786563/">hier</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ölpest und die Folgen - Wie steht es um das Ökosystem?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/oelpest-und-die-folgen-wie-steht-es-um-das-oekosystem/2092032</link>
      <pubDate>Mon, 03 Nov 2025 09:30:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cbf8d64e-a926-4c01-a869-f40ba3e1d5b0</guid>
      <description>Nach Ölkatastrophen gehen apokalyptisch anmutende Bilder um Welt: Schwärme toter Fische am Strand, Vögel mit verklebten Flügeln im Todeskampf. Kann sich das Ökosystem jemals von Havarien wie des Tankers Exxon Valdez oder der Bohrplattform Deepwater Horizon erholen? Es hängt von mehreren Faktoren ab, ob und wie sich die Umwelt von einer Ölpest erhol: Wind, Wetter und Meerestemperatur spielen ebenso eine Rolle wie das Tempo und der Umfang von Bekämpfungsmaßnahmen. Von Lukas Grasberger</description>
      <enclosure length="23241600" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092032/c/feed/oelpest-und-die-folgen-wie-steht-es-um-das-oekosystem.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Nach Ölkatastrophen gehen apokalyptisch anmutende Bilder um Welt: Schwärme toter Fische am Strand, Vögel mit verklebten Flügeln im Todeskampf. Kann sich das Ökosystem jemals von Havarien wie des Tankers Exxon Valdez oder der Bohrplattform Deepwater Horizon erholen? Es hängt von mehreren Faktoren ab, ob und wie sich die Umwelt von einer Ölpest erhol: Wind, Wetter und Meerestemperatur spielen ebenso eine Rolle wie das Tempo und der Umfang von Bekämpfungsmaßnahmen. Von Lukas Grasberger</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e32383e4-d81b-48ae-ba89-d7da26559a3d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Nach Ölkatastrophen gehen apokalyptisch anmutende Bilder um Welt: Schwärme toter Fische am Strand, Vögel mit verklebten Flügeln im Todeskampf. Kann sich das Ökosystem jemals von Havarien wie des Tankers Exxon Valdez oder der Bohrplattform Deepwater Horizon erholen? Es hängt von mehreren Faktoren ab, ob und wie sich die Umwelt von einer Ölpest erhol: Wind, Wetter und Meerestemperatur spielen ebenso eine Rolle wie das Tempo und der Umfang von Bekämpfungsmaßnahmen. Von Lukas Grasberger</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Lukas Grasberger<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle, Christian Baumann<br/>Technik: Daniela Röder<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Erik Johnson, Ph.D. Vogelschutzorganisation Audubon, Louisiana; <br/>Manfred Santen, Diplom-Chemiker, Team Meeresschutz bei Greenpeace; <br/>Ron Heintz, Ph.D., Forschungsdirektor Stika Sound Science Center, Alaska <br/>Jürgen Rullkötter, em. Prof. am Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Universität Oldenburg; Prof. Steve Murawski, Meeresbiologe an der University of South Florida, St. Petersburg</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Die Klimakrise ist da und zwar mit voller Wucht - aber es gibt auch viele Ideen für ihre Lösungen! Der Podcast nimmt uns mit zu Menschen, die sie bereits ausprobieren oder sie sogar längst erfolgreich umsetzen.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/mission-klima-loesungen-fuer-die-krise/73406960/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript Ölpest" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-oelpest-und-die-folgen-oekosystem-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
 ]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der guten Mutter - War das schon immer so? (1/3)</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-war-das-schon-immer-so-1-3/2098437</link>
      <pubDate>Mon, 03 Nov 2025 09:21:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5c1d6ebd-ca9f-4c8d-8aa7-95dd4e29c4a9</guid>
      <description>Eine &quot;gute Mutter&quot; zu sein, das bedeutete in der Geschichte oft alles andere, als überbordende Liebe, Zurückstellen der Arbeit und komplette Konzentration auf das Kind. Der Blick zurück zeigt: Unser heutiges Idealbild der sich aufopfernden Mutter ist jung. Und der Satz &quot;Das war schon immer so&quot; falsch. Teil 1 unserer Reise durch die &quot;Geschichte der guten Mutter&quot;. Von Karin Becker </description>
      <enclosure length="20992128" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098437/c/feed/die-geschichte-der-guten-mutter-war-das-schon-immer-so-1-3.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Becker</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine &quot;gute Mutter&quot; zu sein, das bedeutete in der Geschichte oft alles andere, als überbordende Liebe, Zurückstellen der Arbeit und komplette Konzentration auf das Kind. Der Blick zurück zeigt: Unser heutiges Idealbild der sich aufopfernden Mutter ist jung. Und der Satz &quot;Das war schon immer so&quot; falsch. Teil 1 unserer Reise durch die &quot;Geschichte der guten Mutter&quot;. Von Karin Becker </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4e69ed9c-c480-4e5e-910c-922fd91071a8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine "gute Mutter" zu sein, das bedeutete in der Geschichte oft alles andere, als überbordende Liebe, Zurückstellen der Arbeit und komplette Konzentration auf das Kind. Der Blick zurück zeigt: Unser heutiges Idealbild der sich aufopfernden Mutter ist jung. Und der Satz "Das war schon immer so" falsch. Teil 1 unserer Reise durch die "Geschichte der guten Mutter". Von Karin Becker </p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Karin Becker<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Julia Fischer, Sisi Forster, Peter Weiß<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Yvonne Maier und Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Brigitte Röder, Basel<br/>Marina Ahne<br/>Prof. Barbara Vinken, München<br/>Prof. Ute Planert, Köln</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Katharina Rebay-Salisbury: Familien in der Urgeschichte. In: beziehungsweise. Informationsdienst des Österreichischen Instituts für Familienforschung. 2024. Kurzer Aufsatz zum Einstieg, der auch zeigt: wie funktioniert Mutterschafts- und Familienforschung für eine Zeit, die so lange her ist?</p>
<p>Brigitte Röder: Die Vergegenwärtigung der Urzeit: eine Kolonialisierung der Urgeschichte? In: Die Kolonialisierung der Vergangenheit. 2023 Aufsatz zum Metathema: Instrumentalisierung der Urgeschichte für heutige Anliegen.</p>
<p>Marina Ahne: Mythos Mutter. Die Frau als Mutter in der Gesellschaft. WBG 2022. Überblick über die Bedingungen des Mutterseins in Vergangenheit und Gegenwart, der immer wieder auf Widersprüche zwischen dem Idealbild, das wir sehen wollen, und den vielfältigeren Realitäten des Mutterseins stößt.<br/><br/>Hören Sie <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-die-erfindung-der-muetterlichkeit-2-3/bayern-2/13782977/">Teil 2 </a>Der Geschichte der guten Mutter, und zu Teil 3 aus unserem Dreiteiler zu diesem mächtigen Mythos geht es <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-guten-mutter-ein-maechtiger-mythos-3-3/bayern-2/13786563/">hier</a></p>
 
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Halloween - &quot;Keltischer Kult&quot; oder Grusel-Event?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/halloween-keltischer-kult-oder-grusel-event/1808380</link>
      <pubDate>Fri, 31 Oct 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">aca08894-ae74-4bda-b19f-2bfd6daa831e</guid>
      <description>Brauch oder Event? Die &quot;Gruselnacht&quot; vom 31. Oktober auf den 1. November wird von der Jugend mittlerweile ausgiebig gefeiert. Das geht angeblich auf keltische Ursprünge zurück. Doch wissenschaftlich belegbar ist das nicht. Von Carola Zinner (BR 2020)    </description>
      <enclosure length="21454080" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1808380/c/feed/halloween-keltischer-kult-oder-grusel-event.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:20</itunes:duration>
      <itunes:author>Carola Zinner</itunes:author>
      <itunes:summary>Brauch oder Event? Die &quot;Gruselnacht&quot; vom 31. Oktober auf den 1. November wird von der Jugend mittlerweile ausgiebig gefeiert. Das geht angeblich auf keltische Ursprünge zurück. Doch wissenschaftlich belegbar ist das nicht. Von Carola Zinner (BR 2020)    </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e7f87c77-61da-4292-bcaa-fb3eb4807d65.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Brauch oder Event? Die "Gruselnacht" vom 31. Oktober auf den 1. November wird von der Jugend mittlerweile ausgiebig gefeiert. Das geht angeblich auf keltische Ursprünge zurück. Doch wissenschaftlich belegbar ist das nicht. Von Carola Zinner (BR 2020)    </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Carola Zinner<br/>Regie: Eva Demmelhuber<br/>Es sprachen: Ruth Geiersberger, Jerzy May<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong>&quot;Jetzt schlägt&#39;s aber dreizehn!&quot; - Die Geschichte des Aberglaubens<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/jetzt-schlaegt-s-aber-dreizehn-die-geschichte-des-aberglaubens/bayern-2/78757330/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/jetzt-schlaegt-s-aber-dreizehn-die-geschichte-des-aberglaubens/34417"></a>Angst vor der Dunkelheit - Was die Finsternis unheimlich macht<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/angst-vor-der-dunkelheit-was-die-finsternis-unheimlich-macht/bayern-2/96146538/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/angst-vor-der-dunkelheit-was-die-finsternis-unheimlich-macht/1845880"></a>Der Teufel hat viele Namen - Der Mythos vom Bösen<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-teufel-hat-viele-namen-der-mythos-vom-boesen/bayern-2/78756692/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Totenkult und Religion - Bestattungsrituale in den Weltreligionen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/totenkult-und-religion-bestattungsrituale-in-den-weltreligionen/1810390</link>
      <pubDate>Fri, 31 Oct 2025 02:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">38b86e5b-559f-44d8-9fdd-74ddbd9fe87f</guid>
      <description>In Europa ist die Feuerbestattung mittlerweile die vorherrschende Bestattungsform. Dabei sehen die monotheistischen Religionen vor, die Toten in der Erde zu bestatten, um ihre Wiederaufstehung nicht zu gefährden. Autorin: Daniela Remus (BR 2020)</description>
      <enclosure length="22478592" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1810390/c/feed/totenkult-und-religion-bestattungsrituale-in-den-weltreligionen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>In Europa ist die Feuerbestattung mittlerweile die vorherrschende Bestattungsform. Dabei sehen die monotheistischen Religionen vor, die Toten in der Erde zu bestatten, um ihre Wiederaufstehung nicht zu gefährden. Autorin: Daniela Remus (BR 2020)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0ba5cbce-2963-42e0-bd5c-8f798c80317a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In Europa ist die Feuerbestattung mittlerweile die vorherrschende Bestattungsform. Dabei sehen die monotheistischen Religionen vor, die Toten in der Erde zu bestatten, um ihre Wiederaufstehung nicht zu gefährden. Autorin: Daniela Remus (BR 2020)</p><p><strong>Credits<br/></strong>Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Silke Wolfrum<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Jerzy May<br/>Technik: Susanne Herzig<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Norbert Fischer (Professor; Kulturanthropologe, Universität Hamburg);<br/>Christa Frateantonio (Dr.; Religionswissenschaftlerin, Leibniz Universität Hannover);<br/>Netanel Olhoeft (Institut für jüdische Theologie, Rabbiner, Universität Potsdam);<br/>Paula Schrode (Professorin; Religionswissenschaftlerin, Universität Bayreuth)</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Wie der Tod in die Welt kam - Mythen und die große Menschheitsfrage<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wie-der-tod-in-die-welt-kam-mythen-und-die-grosse-menschheitsfrage/bayern-2/78753570/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Totenkult und Religion - Bestattungsrituale in den Weltreligionen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/totenkult-und-religion-bestattungsrituale-in-den-weltreligionen/bayern-2/83246620/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Vorstellungen vom Danach - Weiterleben, Wiedergeburt oder Rückkehr?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vorstellungen-vom-danach-weiterleben-wiedergeburt-oder-rueckkehr/bayern-2/78760124/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Angst vor der Dunkelheit - Was die Finsternis unheimlich macht</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/angst-vor-der-dunkelheit-was-die-finsternis-unheimlich-macht/1845880</link>
      <pubDate>Thu, 30 Oct 2025 15:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7d51a4bb-e9a0-4f9f-aed4-997bbd305e84</guid>
      <description>Fast jedes Kind kennt sie: die Angst vor der Dunkelheit, ein kulturübergreifendes Phänomen. Ohne sich mithilfe des Sehsinns orientieren zu können, tauchen die Menschen in eine Sphäre der Unsicherheit, viele fühlen sich unheimlichen Phantasien preisgegeben. Warum ist das so? RadioWissen ist der Angst vor der Dunkelheit auf der Spur. (BR 2021)
Autorin: Susanne Hofmann</description>
      <enclosure length="18922368" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1845880/c/feed/angst-vor-der-dunkelheit-was-die-finsternis-unheimlich-macht.mp3"/>
      <itunes:duration>00:19:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Hofmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Fast jedes Kind kennt sie: die Angst vor der Dunkelheit, ein kulturübergreifendes Phänomen. Ohne sich mithilfe des Sehsinns orientieren zu können, tauchen die Menschen in eine Sphäre der Unsicherheit, viele fühlen sich unheimlichen Phantasien preisgegeben. Warum ist das so? RadioWissen ist der Angst vor der Dunkelheit auf der Spur. (BR 2021)
Autorin: Susanne Hofmann</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ab43ba02-7f54-4051-b29e-41af0e55edb8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Fast jedes Kind kennt sie: die Angst vor der Dunkelheit, ein kulturübergreifendes Phänomen. Ohne sich mithilfe des Sehsinns orientieren zu können, tauchen die Menschen in eine Sphäre der Unsicherheit, viele fühlen sich unheimlichen Phantasien preisgegeben. Warum ist das so? RadioWissen ist der Angst vor der Dunkelheit auf der Spur. (BR 2021)
Autorin: Susanne Hofmann</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Hofmann<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Christian Baumann, Katja Amberger, Peter Lersch, Thomas Birnstiel, Chonstanze Fennel<br/> Technik: Viktor Verres<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Eva-Maria Fassot, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in der Hochschulambulanz der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.<br/>Carina Breidenbach, Dozentin der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der LMU München – Promotion zu „Poetiken der Angst und Paranoia in Textens des 20. und 21. Jahrhunderts“.<br/>Prof. Ulrich Bröckling, Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg</p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>Musik: Bitter intrigues 0‘49</p>
<p>1. ZUSPIELUNG Kinder (kürzbar)</p>
<p>„Ich hab Angst, wenn es in meinem Zimmer knackst und ich bin allein im dunkeln Zimmer … </p>
<p>Da trägt mich Papa immer ins Bett und da lassen sie die Tür ein bisschen offen, weil es mir dann zu dunkel ist – und dann kommt ein bisschen Licht rein in dein Zimmer – weil ich denk immer, dass dann Geister kommen – ganz gruselig! – da will ich lieber immer wach bleiben“</p>
<p>Hanna: oder abends allein draußen, da hab ich schon mehr Angst, weil da können auch Füchse zum Beispiel</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Angst vor der Dunkelheit oder vor dem, was da im Dunkeln alles lauern könnte, ist eine Angst, die Kinder für gewöhnlich im Alter von drei bis vier Jahren entwickeln. Diese Angst steckt uns seit Millionen von Jahren quasi in den Knochen, sie ist ein Erbe der Evolution, erklärt Diplompsychologin Eva-Maria Fassot [französische Aussprache] von der Universität Freiburg.</p>
<p>2. ZUSPIELUNG Fassot 00:10</p>
<p>„Wenn man sich überlegt, wie unsere Vorfahren gelebt haben, dann ist es schon so, dass Angst vor Dunkelheit sicherlich einen Anpassungsvorteil früher mit sich gebracht hat. Es macht heutzutage bestimmt nicht mehr so viel Sinn. Aber wenn Sie jetzt sich heutzutage auf eine Safari begeben oder im Outback sind, ist es sicherlich immer noch empfehlenswert, wenn Sie vor Dunkelheit eher Angst haben. Also Angst vor Dunkelheit hat ursprünglich bestimmten evolutionären Vorteil gebracht.“</p>
<p>Musik: Z8023888135 Cold analysis 0‘28</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Unsere frühen Vorfahren waren Raubtieren, die in der Dunkelheit lauerten, weitgehend hilflos ausgeliefert. Nur wer ein gut funktionierendes inneres Alarmsystem besaß und auf Gefahren schnell durch Flucht oder Kampf reagierte, sicherte das Überleben seiner Gene. Ebenso lebensrettend konnten in der Frühzeit des Menschen andere Ängste wirken, die Furcht vor Schlangen zum Beispiel oder vor Spinnen. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Auch diese Empfindungen sind nach Meinung einiger Wissenschaftler seitdem biologisch in uns angelegt, sie sind eine anthropologische Konstante und leben in vielen von uns bis heute fort – obwohl sie streng genommen in einer weitgehend ausgeleuchteten, schlangenfreien zivilisierten Welt keinen Nutzen mehr für uns haben, also eigentlich irrational sind. Reale Gefahren des modernen Lebens, wie den Straßenverkehr oder Ernährungsfehler, unterschätzen dagegen die meisten, weil sie sich davor nicht instinktiv fürchten.</p>
<p>Musik: Misjudgement  0‘39</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Angst vor der Dunkelheit hängt natürlich auch eng damit zusammen, wie wir Menschen uns in unserer Umwelt orientieren. Unsere Sinne sind für Aktivitäten bei Helligkeit optimiert – tagsüber können wir uns gut durch das Sehen orientieren. Sinne, die nachts von Vorteil sind, wie das Hören, Riechen und Tasten, sind beim Menschen im Vergleich zu vielen Tieren dagegen weniger ausgebildet. Und das hat Folgen, meint die Literaturwissenschaftlerin Carina Breidenbach von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie arbeitet an ihrer Dissertation zum Thema „Angst in der erzählenden Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts“ – dort nimmt die Angst vor der Dunkelheit einen breiten Raum ein.</p>
<p>3. ZUSPIELUNG Breidenbach 2.58 </p>
<p>„Kurz gesagt, stellt uns die Dunkelheit vor ein epistemologisches Problem. Also ein Problem, was mit unserem Wissen oder mit unserer Erkenntnis der Welt zu tun hat. Als Menschen können wir nicht so besonders gut hören. Wir können nicht so gut riechen wie Hunde. Das heißt, wir orientieren uns in erster Linie eben mit unserem Sehsinn. Und beherrschen dadurch auch die Natur, können uns orientieren. Und wenn es dunkel ist und uns eben diese Fähigkeit genommen wird, sind wir erst mal hilflos, fühlen uns ausgeliefert.“</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Deshalb ist die Dunkelheit für uns Menschen eine Sphäre der Unsicherheit und des Kontrollverlusts. Zumindest ist dies die eine Seite der Dunkelheit. Dass die Dunkelheit andererseits auch anziehen und faszinieren kann, was sich gerade auch in der Literatur spiegelt – dazu später mehr. </p>
<p>Musik: Incorrectness 0‘25</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Vor allem der Dunkelheit außerhalb des Hauses zu begegnen, löst bei vielen Menschen zumindest Unbehagen aus. Insbesondere Frauen nehmen lieber Umwege entlang hell beleuchteter Straßen in Kauf, als durch finstere Unterführungen oder auf unbeleuchteten Wegen zu laufen – auch aus Angst vor Kriminalität.  </p>
<p>4. ZUSPIELUNG Bröckling 1:44</p>
<p>„Was hier festzustellen ist, ist dass die Angst, an solchen Orten Opfer eines Verbrechens zu werden, überfallen zu werden, etwa sehr viel größer ist als die tatsächlich vorkommenden Straftaten an solchen Orten.“ </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Beobachtet Ulrich Bröckling, Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. </p>
<p>5. ZUSPIELUNG Bröckling 1:44</p>
<p>„Also Kriminalitäts-Furcht und das tatsächliche Kriminalitätsaufkommen weichen oft voneinander ab. Das zeigt auch, dass Furcht oder Angst oft eine Eigendynamik entwickeln.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So haben 2015 britische Wissenschaftler von der London School of Hygiene (Aussprache englisch) in einer großen Studie anhand von 62 Städten untersucht, welche Folgen es hat, wenn man das Licht in einzelnen Stadtvierteln oder Straßen nachts löscht. Das Ergebnis: Es wurden im Dunkeln nicht mehr Verbrechen verübt als bei mehr Helligkeit. Der Mitautor Dr. Phil Edwards (von der London School of Hygiene) plädierte daher dafür, künftig an der Straßenbeleuchtung zu sparen – immerhin würden dafür im Jahr rund 300 Millionen Pfund alleine in Großbritannien ausgegeben.</p>
<p>ZITATOR  </p>
<p>„In einer Zeit, in der die Behörden Ausgabenkürzungen vornehmen müssen, zeigen unsere Ergebnisse, dass bei sorgsam abgeschätzten Risiken die Straßenbeleuchtung ohne Zunahme an Unfällen und Kriminalität reduziert werden kann.&quot;</p>
<p>Musik: Nebulous thoughts 0‘20</p>
<p>ZITATOR/ZITATORIN - Collage</p>
<p>Das bleibt im Dunkeln – schwarzer Peter – schwarze Magie – schwarze Kassen – das Dunkelfeld müssen wir erhellen – da sieht es zappenduster aus! – finstere Gestalten – dunkle Mächte – das Darknet – Dunkeldeutschland</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Im deutschen Sprachgebrauch schwingt bei der Dunkelheit und dem Dunklen im Allgemeinen etwas Negatives mit – oft steht es für Gefahr, Bedrohung, das Unheimliche. Redewendungen wie „im Dunkeln tappen“ oder „im Dunkeln bleiben“ verweisen auf die Dunkelheit als eine Sphäre der Unwissenheit, einen Raum, der sich der Erkenntnis entzieht. </p>
<p>Musik: Bright ideas 0‘16</p>
<p>ZITATOR/ZITATORIN - Collage</p>
<p>Da muss Licht ins Dunkel – endlich, ein Licht am Ende des Tunnels! – da ist mir ein Licht aufgegangen – das war die Erleuchtung – Licht am Horizont – das Glück erhellte ihr Gesicht – er ist ein helles Köpfchen </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das Licht und das Helle dagegen sind im Deutschen meist positiv besetzt: Es steht für Aufklärung, für Erkenntnis und, im weiteren Sinne, für Wissen und Beherrschung der Natur, analysiert die Literaturwissenschaftlerin Carina Breidenbach von der Ludwig-Maxilimians Universität in München:</p>
<p>6. ZUSPIELUNG Breidenbach 20.00 </p>
<p>„Das Gute und das Böse sind natürlich immer mit diesen Lichtmetaphern irgendwie verbunden. Also die Schattenseite der menschlichen Natur ist irgendwie das Irrationale, Unkontrollierbare Unbewusste. Dunkle Machenschaften haben meistens mit Gewalt und Bedrohung zu tun. Eine Lichtgestalt ist in der Regel was Gutes und Positives, während ein schwarzes Schaf auf dem negativen Ende des Spektrums angeordnet ist. Hell und dunkel als Metaphern für Gut und Böse und für Wissen und Unwissen, das findet man auch in unserer Alltagssprache überall und natürlich ganz besonders deutlich in dieser Epochenbezeichnung „Aufklärung“, also die Epoche, wo es eben zu dieser noch verstärkten Beherrschung der Natur durch die menschliche Ratio, durch die Wissenschaft kam. Da hat man diese Metapher des Lichts für das Wissen noch mal ganz deutlich.“</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Assoziation der Dunkelheit mit der Sünde, ja dem Bösen schlechthin auf der einen, und die Assoziation des Lichts mit dem Guten auf der anderen Seite finden sich schon in der Bibel, genauer in der Schöpfungsgeschichte. </p>
<p>Musik: In the shadows 0‘23</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebt über dem Wasser, und Gott sprach, es werde Licht, und es ward Licht.“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Indem Gott spricht: „Es werde Licht“, kommt Licht in die Welt, die bis dahin aus Finsternis besteht. Im Johannes-Evangelium wird dann Jesus selbst mit dem Licht identifiziert, das die Dunkelheit erhellt. </p>
<p>Suspended transucent 0‘16</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“</p>
<p>7. ZUSPIELUNG Breidenbach 18:00 </p>
<p>„Also, man hat im Christentum schon ganz früh diese Assoziation von Licht und Gutem und Gott - und der Dunkelheit mit dem Bösen. Gerade im Mittelalter dann ist es natürlich besonders präsent. Also der Teufel hat ja zum Beispiel den Beinamen Fürst der Finsternis, und auch die ganzen Geschöpfe im Gefolge des Teufels, Hexen und so weiter, sind natürlich alle mit der Sphäre des Bösen und Teuflischen und des Dunklen irgendwie verbunden.“</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Sagt die Literaturwissenschaftlerin Carina Breidenbach. Sie sieht in der basalen menschlichen Angst vor der eigenen Hilflosigkeit im Dunkeln den Ursprung dieses hell-dunkel-Topos – der sich übrigens in vielen Schöpfungsgeschichten und Mythen wiederfindet.</p>
<p>8. ZUSPIELUNG Breidenbach 10:00 </p>
<p>„Geschichten werden erzählt, um etwas zu vertreiben, im harmlosesten, aber nicht unwichtigsten Fall: die Zeit, sonst und schwerwiegender: die Furcht. Also eine Funktion von Geschichtenerzählen, von Mythen, von Literatur kann eben sein: diese unkontrollierbare Natur, unsere Erfahrungen damit irgendwie handhabbar zu machen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So sah es der Philosoph Hans Blumenberg, der sich in seiner „Arbeit am Mythos“ der Funktion und Wirkung von Mythen oder, allgemeiner, der Literatur widmete. Beides, die Dunkelheit wie die Angst davor haben keine klaren Konturen – gerade deshalb fordern sie den Menschen heraus. Carina Breidenbach:</p>
<p>9. ZUSPIELUNG Breidenbach 13:55</p>
<p>„Es gibt in der Existenzphilosophie eine wichtige Unterscheidung zwischen Angst und Furcht. … Angst ist unbestimmt… also man hat dieses unwohle Gefühl, weiß aber nicht, was bedroht mich da eigentlich? Es könnte irgendwie alles oder nichts sein, und die Furcht ist eben auf der anderen Seite angesiedelt. Die ist bestimmt, weil man da ein Objekt hat, was man identifizieren kann, zum Beispiel wildes Tier oder ein bedrohlicher Mensch. Und die Furcht ist eben einfacher zu bewältigen. Man kann den Gegner bekämpfen oder man kann weglaufen. Bei der Angst ist es eben nicht der Fall. Man kann sie eigentlich nicht auflösen. Man weiß nicht, … was steht mir da eigentlich gegenüber? Und die Dunkelheit ist natürlich gerade diese Sphäre der Unbestimmtheit und das Nichts, wo wir tatsächlich diese Angst irgendwie empfinden, man beschreibt Angst manchmal als frei flottierend, sie hat irgendwie kein Objekt, man weiß nicht so richtig, wann sie anfängt und aufhört, und das macht es eben gerade so unmöglich, irgendwie mit ihr umzugehen.“ </p>
<p>Musik: Constant fear red 0‘33</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>In den Augen des Philosophen Hans Blumenberg erzeugen Menschen vor allem deshalb Kultur, um ihre vage, existentielle Angst in den Griff zu bekommen. In Erzählungen bekommt das Unbenennbare, Abstrakte Furchterregende eine Gestalt, einen Namen. In dieser konkreten Form können die Leserinnen und Leser Ängste, so auch die Angst vor der Dunkelheit, dann bewältigen – eine wichtige Funktion der Literatur.</p>
<p>10. ZUSPIELUNG Breidenbach 08:56</p>
<p>„Ein Genre, was zum Beispiel diese Funktion sehr sichtbar erfüllt, ist natürlich das Märchen, der dunkle Wald im Märchen ist ja auch so ein Topos. Also Hänsel und Gretel gehen durch den dunklen Wald, Rotkäppchen trifft im Dunkeln bald auf den bösen Wolf. Und diese diffuse Angst, die wir als Menschen verspüren, in einer Umwelt, die wir halt nicht komplett kontrollieren können, die wird halt in so einer Märchenhandlung, in so einem sehr einfachen Narrativ, irgendwie greifbar und bearbeitbar und handhabbar und dadurch irgendwie auch ab-erzählbar.“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Märchen hatten vor allem früher fast immer auch eine pädagogische Funktion. So funktionalisieren einige Märchen und Mythen die Angst vor dem Dunkeln auch, um Kinder zum richtigen Verhalten zu erziehen. </p>
<p>11. ZUSPIELUNG Breidenbach 23:00</p>
<p>„Es gibt im englischsprachigen Raum die Figur des sogenannten Bogeyman, im Deutschen haben wir den Butzemann, … oder auch den schwarzen Mann. Also das sind eben diese Gestalten, die eigentlich nur im Dunkeln rauskommen und Kinder, die sich nicht benehmen, irgendwie entführen oder auffressen. … also dieser Kinderschreck, mit dem man Kinder dazu bringt, nach der Dämmerung nicht mehr alleine draußen rumzulaufen.“   </p>
<p>Musik: Sonate für Klavier 0‘30</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>In der Epoche der Romantik tritt die Dunkelheit sozusagen ins literarische Rampenlicht. Ihr kommt nun eine besondere Bedeutung zu – auch als Gegenpol zur vorangegangenen Epoche der Aufklärung mit ihrer Betonung der Ratio. In der Nacht offenbarte sich den Romantikern die menschliche Natur mitsamt dem Unterbewusstsein.   </p>
<p>12. ZUSPIELUNG Breidenbach 24:23</p>
<p>„Es gibt eine Unterströmung in der Romantik, die sich schwarze Romantik nennt, also Tieck, E.T.A. Hoffmann gehören dazu, die sich eben mit dieser Nachtseite der menschlichen Natur sehr stark auseinandersetzen, also das, was die Aufklärung eigentlich versucht hat, auszumerzen und auszuschließen, also das Triebhafte im Menschen, das Irrationale, das Unkontrollierbare, Wahnsinn, das Böse sind eben Themen, die eine große Faszination ausstrahlen in der schwarzen Romantik, und die Dunkelheit und so etwas wie unterirdische Bergwerke stehen da eben oft für das Unbewusste und das Irrationale im Menschen also, da hat man diese Nachtseite der menschlichen Natur.“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Carina Breidenbach beobachtet, dass die Angst vor der Dunkelheit in der Literatur in dem Moment eine Hoch-Zeit erlebt, in dem die Menschen damals anfangen, die Nacht mit künstlichem Licht zu erhellen, die Wohnungen mit Kerzen- und Gaslicht beleuchten und in den Städten Straßenlaternen aufstellen. Als es also im wirklichen Leben allmählich heller wird, wird es in der Literatur dunkler: Ende des 18. Jahrhunderts entsteht das Genre der sogenannten Gothic Novel, des Schauerromans, der auch in Deutschland von Autoren wie E.T.A. Hoffmann mit seinen „Nachtstücken“ aufgegriffen wird. Darin verschwimmen die Grenzen zwischen dem Realistischen und dem Phantastischen. </p>
<p>Musik: Intermezzo (3) 0‘33</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ein Meister der Schauerliteratur ist der US-amerikanische Autor Edgar Allan Poe – auch er zelebriert die Schrecken der Dunkelheit, zum Beispiel in der Kurzgeschichte „Die Grube und das Pendel“. Darin geht es um einen Gefangenen, der zum Tode verurteilt wird, in Ohnmacht fällt und in einem stockfinsteren Kerker erwacht. </p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>„Die hohen Kerzen versanken ins Nichts, ihre Flammen loschen aus. Schwarze Finsternis siegte. Alle Empfindungen ging unter in einem tollen, rasenden Sturz, als falle die Seele in den Hades. Dann war meine Welt nur Schweigen und Stille und Nacht. Ich hätte gern die Augen geöffnet, aber ich wagte es nicht. Ich fürchtete den ersten Blick auf meine Umgebung. Es war nicht Furcht, etwas Entsetzliches zu erblicken, sondern das Grauen nichts zu sehen. Endlich, mit wilder Verzweiflung im Herzen öffnete ich schnell die Augen. Meine schlimmsten Ahnungen bestätigten sich. Schwarze, ewige Nacht umgab mich.“</p>
<p>13. ZUSPIELUNG Breidenbach ca 7:00</p>
<p>„In dem Moment, wo wir die Dunkelheit beherrschen können, zu dem Ausmaß, dass sie uns nicht mehr wirklich bedroht im echten Leben, da wird sie Gegenstand der Literatur, die eben auch Lust erzeugen kann, wo wir eben Erfahrungen machen können, die wir im Alltagsleben nicht machen können, wo wir eben nicht gefährdet sind und dann immer in diesem geschützten Raum der Fiktion bleiben, und nach der Lektüre eines Schauerromans kann man natürlich das Licht einfach wieder anknipsen, wenn man Angst hat und genau da eben diese ja diese Möglichkeit, dieses angenehmen Schauers, dieses wohligen Gruselns möglich.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nicht nur in der Literatur ist die Dunkelheit nicht immer eindeutig negativ besetzt. Vielmehr ist sie ein zutiefst ambivalentes Phänomen, beobachtet auch der Kultursoziologe Ulrich Bröckling von der Universität Freiburg. </p>
<p>14. ZUSPIELUNG Bröckling 11:20</p>
<p>„Dunkelheit hat auch ihren Reiz. Im Dunkeln kann man eben auch Dinge tun, ohne dass man dabei von anderen beobachtet wird … Die Dunkelheit übt eine große Faszination aus. Auch diese Seite sollten wir nicht vergessen. Und die Dunkelheit ist schließlich auch etwas, was Gelegenheiten schafft. Also im Dunkeln kann man dann vielleicht auch Dinge tun, bei denen man nicht nur nicht beobachtet werden möchte, sondern bei denen man vielleicht doch etwas tut, was nicht erlaubt oder was nicht den Werten entspricht, und manchmal … kommt uns die Dunkelheit auch zu Hilfe.“</p>
<p>Musik: Foreboding fate 0‘21</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Nicht nur Liebende und Verbrecher, sondern im Grunde jede und jeder von uns kann in die Dunkelheit eintauchen, eine ganz eigene Sphäre, in der die Regeln des helllichten Tages ihre Gültigkeit verlieren. Die Dunkelheit bildet so eine Art Schutzraum. Ulrich Bröckling:</p>
<p>15. ZUSPIELUNG Bröckling 2:41</p>
<p>„Die Dunkelheit ist etwas, was uns auch einen Rückzug ermöglicht. Nicht umsonst ist die Zeit, in der wir schlafen, häufig eben verbunden mit Dunkelheit. Und wenn es draußen noch hell ist, ziehen wir jedenfalls die Rollladen runter oder … verdunkeln den Raum, in dem wir uns bewegen, um uns zurückzuziehen können, um besser einschlafen, besser schlafen zu können. Also die Dunkelheit ist auch etwas, was mit Ruhe, mit Reizarmut verbunden ist, was uns von den vielen Eindrücken, die uns den ganzen Tag begleiten, temporär entlastet.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Heute, wo zumindest die Städte nachts fast taghell beleuchtet sind, taucht so etwas wie eine neue Sehnsucht nach der Dunkelheit auf. Man spricht von Lichtverschmutzung und sucht die „richtige“ Dunkelheit, die oft nur noch auf dem Land, abseits der Siedlungen zu finden ist. Carina Breidenbach:</p>
<p>16. ZUSPIELUNG Breidenbach 27.58 </p>
<p>„Und es gibt solche Phänomene, wie zum Beispiel das Dark Dining, also … dass man ins Restaurant geht, wo es dunkel ist und dann im Dunkeln isst, wo man sich fragt, warum tut man sich sowas an? Aber da ist eben die Dunkelheit irgendwie ja so eine Sehnsuchtsraum, beim Dark Dining verbunden mit so einer Vorstellung von gesteigerter Sinneserfahrung. Wenn es dunkel ist und man nichts mehr sieht, dann kann man besser schmecken und besser riechen und besser hören.“</p>
<p>Musik: Where the darkness is 0‘34</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Obwohl der Mensch der Moderne die Dunkelheit aus seinem Leben weitgehend verbannt hat, es also immer weniger Gelegenheiten gibt, sich vor ihr zu fürchten – so wird die Dunkelheit für den Menschen vermutlich immer eines bleiben: Faszinosum und Projektionsraum für die Phantasie. </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Erbsen und Mathematik - Gregor Mendel, Vater der Genetik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/erbsen-und-mathematik-gregor-mendel-vater-der-genetik-2/2111890</link>
      <pubDate>Thu, 30 Oct 2025 03:10:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5f6f5c7f-5b8d-4a43-9903-8b67ae6cf833</guid>
      <description>Er war ein Genie - doch seine Zeitgenossen haben das nicht erkannt. Dem Augustiner-Mönch gelang die Anwendung der Mathematik auf die Biologie. Heute stehen seine Vererbungsregeln in jedem Biologiebuch. Von Renate Ell.</description>
      <enclosure length="20373888" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111890/c/feed/erbsen-und-mathematik-gregor-mendel-vater-der-genetik-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Renate Ell</itunes:author>
      <itunes:summary>Er war ein Genie - doch seine Zeitgenossen haben das nicht erkannt. Dem Augustiner-Mönch gelang die Anwendung der Mathematik auf die Biologie. Heute stehen seine Vererbungsregeln in jedem Biologiebuch. Von Renate Ell.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e3798742-b774-4cd8-8a94-49e294980e55.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Er war ein Genie - doch seine Zeitgenossen haben das nicht erkannt. Dem Augustiner-Mönch gelang die Anwendung der Mathematik auf die Biologie. Heute stehen seine Vererbungsregeln in jedem Biologiebuch. Von Renate Ell.</p><p>Credits:<br/>Autorin: Renate Ell<br/>Redaktion: Dr. Gerda Kuhn</p>
<p>Im Interview:<br/>Prof. Dr. Staffan Müller-Wille, Universität Exeter<br/>Silvia Eckert-Wagner, Pöttmes, Urururgroßnichte von G. Mendel</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gefährtinnen im Eis – Die Frauen hinter der Polarforschung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gefaehrtinnen-im-eis-die-frauen-hinter-der-polarforschung/2111882</link>
      <pubDate>Thu, 30 Oct 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">bfb3a7c6-36e6-4f80-b001-efb9b4d0a124</guid>
      <description>Peary, Franklin, Shackleton - die Namen der großen Polarforscher sind weltbekannt. Doch die Frauen an ihrer Seite, die retteten, finanzierten und organisierten, blieben im Schatten. Dabei verdanken sie ihnen oft mehr als nur einen Teil ihres Ruhms. Von Lavina Stauber.</description>
      <enclosure length="23529984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111882/c/feed/gefaehrtinnen-im-eis-die-frauen-hinter-der-polarforschung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:30</itunes:duration>
      <itunes:author>Lavina Stauber</itunes:author>
      <itunes:summary>Peary, Franklin, Shackleton - die Namen der großen Polarforscher sind weltbekannt. Doch die Frauen an ihrer Seite, die retteten, finanzierten und organisierten, blieben im Schatten. Dabei verdanken sie ihnen oft mehr als nur einen Teil ihres Ruhms. Von Lavina Stauber.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/47e12670-0070-46cd-8779-0683c31d4683.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Peary, Franklin, Shackleton - die Namen der großen Polarforscher sind weltbekannt. Doch die Frauen an ihrer Seite, die retteten, finanzierten und organisierten, blieben im Schatten. Dabei verdanken sie ihnen oft mehr als nur einen Teil ihres Ruhms. Von Lavina Stauber.</p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autorin dieser Folge: Lavina Stauber<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Rahel Comtesse, Clemens Nicol<br/>Technik: Andres Caramelle<br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Dr. Barbara Schennerlein, Sprecherin des Arbeitskreises „Geschichte der Polarforschung“ der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung; Mehr Infos dazu hier: <a href="https://www.polarforschung.de/arbeitskreise/geschichte-der-polarforschung">https://www.polarforschung.de/arbeitskreise/geschichte-der-polarforschung</a><br/>Dr. Christian Salewski, Leiter des Archivs für deutsche Polarforschung am Alfred-Wegener-Institut</p>
<p><strong>Mehr Infos zum Institut hier: </strong><a href="https://www.awi.de/ueber-uns/service/archiv-fuer-deutsche-polarforschung.html">https://www.awi.de/ueber-uns/service/archiv-fuer-deutsche-polarforschung.html</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Unsere Podcast-Tipps:<br/></strong>„Pirate Queens“ – Frauen unter der Totenkopf-Flagge<br/>Sie sind Mythos: „Pirate Queens“, Seeräuberinnen, der Schrecken der Karibik. Es gab sie wirklich, sie waren reale Personen in der Geschichte der Piraterie. Als Abenteurerinnen, Kämpferinnen für Frauenrechte und leidenschaftliche Liebhaberinnen sind sie zu Ikonen der Popkultur geworden. Hier geht’s zu Radiowissen:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:459611c5b3b83776/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:459611c5b3b83776/</a></p>
<p><strong>Noch mehr historisch bedeutsame Frauen</strong> mit ihren zum Teil fast vergessenen Geschichten findet ihr beim <strong>BR-Instagram-Kanal Frauengeschichte</strong>:<br/><a href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/?hl=en">https://www.instagram.com/frauen_geschichte/?hl=en</a></p>
<p>Der Frauengeschichte-Podcast „Ein Zimmer für uns allein“ geht 2026 in die zweite Staffel:<br/>Zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage: Wie hast du das eigentlich erlebt? Schönheitsideale, Verhütung, Finanzen, Care Arbeit - alles Themen, die Frauen seit jeher betreffen, ob gewollt oder ungewollt. Im Podcast &quot;Ein Zimmer für uns allein&quot; treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über ein spezifisches Thema. Was waren ihre Struggles damals und heute? Was hat sich verändert oder vielleicht sogar verbessert? <br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/">https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/</a></p>
<p>Ernest Shackleton – Führungskunst in Extremsituationen<br/>Sir Ernest Shackleton überlebt mit seiner Crew 635 Tage im antarktischen Eis. Ohne Schiff, ohne Aussicht auf Rettung. Er bewahrt eine positive Haltung, hält die Moral hoch, inspiriert durch Vorbild und trifft kluge Entscheidungen. Eine Lektion in Krisenführung. Hier geht’s zu Radiowissen:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2b858410341455f9/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2b858410341455f9/</a></p>
<p>Fridtjof Nansen – Polarforscher, Zoologe, Diplomat<br/>Fridtjof Nansen – ein Name, der eng mit der Geschichte der Polarforschung verbunden ist. Dabei wird das dem rastlosen Leben des Norwegers nicht einmal ansatzweise gerecht. Hier geht’s zu Radiowissen:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e8b2b880e4ea6989/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e8b2b880e4ea6989/</a></p>
<p>Wettlauf zwischen Amundsen und Scott in der Antarktis<br/>Wer erreicht als erster den Südpol? Robert Falcon Scott oder Roald Amundsen? Beide Polarforscher brechen 1910 auf und liefern sich im Dezember 1911 ein Wettrennen in der Antarktis. Die Entscheidung endet dramatisch. Hier geht’s zu ARD alpha:<br/><a href="https://www.ardalpha.de/wissen/geschichte/historische-persoenlichkeiten/wer-erreichte-als-erster-den-suedpol-antarktis-roald-amundsen-robert-falcon-scott-100.html">https://www.ardalpha.de/wissen/geschichte/historische-persoenlichkeiten/wer-erreichte-als-erster-den-suedpol-antarktis-roald-amundsen-robert-falcon-scott-100.html</a></p>
<p>rbb | Der Bruch - Frauen zwischen Ost und jetzt | ARD Audiothek<br/>Von heute auf morgen ändert sich alles! Die Gesetze, die Regeln, das Leben. Was früher richtig war, ist heute falsch und umgekehrt. Ruth-Maria Thomas erzählt von ostdeutschen Frauen, die nach der Wiedervereinigung ihr Leben neugestalten mussten. Ihre oft unerzählten und ungewürdigten Erfahrungen sind heute relevanter denn je.<br/><a title="Der Bruch - Frauen zwischen Ost und jetzt" href="1.ard.de/der-bruch"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literatur-Tipps:<br/></strong>Kari Herberts „Polarfrauen: Mutige Gefährtinnen großer Entdecker“ rückt die Frauen der großen Entdecker aus zweihundert Jahren Polargeschichte in den Fokus<br/>Josephine Peary, „My Arctic Journal“: Ein persönliches Reisetagebuch, in dem Josephine Peary ihre Erfahrungen während der Arktis-Expedition von 1891–1892 schildert.</p>
<p><strong>Weiterführende Links:<br/></strong>Der Katalog der Polarforschenden des Deutschen Polararchives, in dem Frauen wie Inuit in der Polarforschungsgeschichte zu finden sind: <a href="http://adpsrv3.awi.de">http://adpsrv3.awi.de</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Trauerkultur - Der Tod und die Digitalisierung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/trauerkultur-der-tod-und-die-digitalisierung/2099949</link>
      <pubDate>Wed, 29 Oct 2025 03:01:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">71243948-9f66-4342-9962-27a42cf5f3b9</guid>
      <description>Die Digitalisierung transformiert unser Leben - und unser Ableben. Mit unserem Tod hinterlassen wir digitale Spuren, Daten und Vermächtnisse. Zudem ist es möglich geworden, an digitalen Orten zu trauern und den Verstorbenen zu gedenken. Autor: Konstantin Schönfelder (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22077312" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099949/c/feed/trauerkultur-der-tod-und-die-digitalisierung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Konstantin Schönfelder</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Digitalisierung transformiert unser Leben - und unser Ableben. Mit unserem Tod hinterlassen wir digitale Spuren, Daten und Vermächtnisse. Zudem ist es möglich geworden, an digitalen Orten zu trauern und den Verstorbenen zu gedenken. Autor: Konstantin Schönfelder (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ed64b833-8e8c-47cf-8830-cdee6a7a9424.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Digitalisierung transformiert unser Leben - und unser Ableben. Mit unserem Tod hinterlassen wir digitale Spuren, Daten und Vermächtnisse. Zudem ist es möglich geworden, an digitalen Orten zu trauern und den Verstorbenen zu gedenken. Autor: Konstantin Schönfelder (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Konstantin Schönfelder<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprach: Katja Amberger<br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Lilli Berger, Bestatterin und „Death Care Gründerin“ von „VYVYT“<br/>Matthias Meitzler, Thanatologe von der Universität Tübingen;<br/>Lorenz Widmaier, Soziologe mit Doktorarbeit zu digitalem Erbe und Trauer</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Nahtoderfahrungen - Was passiert, wenn wir sterben?  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nahtoderfahrungen-was-passiert-wenn-wir-sterben/bayern-2/13403309/">HIER</a></strong>
<br/>
<strong>Der Tod und wir - Rebellion gegen die Endlichkeit  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-tod-und-wir-rebellion-gegen-die-endlichkeit/bayern-2/78758504/">HIER</a></strong>
<br/>
<strong>Wie der Tod in die Welt kam - Mythen und die große Menschheitsfrage <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wie-der-tod-in-die-welt-kam-mythen-und-die-grosse-menschheitsfrage/bayern-2/78753570/">HIER</a> </strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Die Entscheidung  </strong></p>
<p>Politische Entscheidungen verändern unser Leben. Mal ist uns das sofort klar. Mal verstehen wir es erst hinterher. Im Podcast &quot;Die Entscheidung&quot; nehmen sich die Hosts Christine Auerbach und Jasmin Brock jeden Monat eine solche Entscheidung vor und fragen: Was ist damals passiert? Wie prägt diese Entscheidung unser Leben bis heute? Sie suchen die Geschichten hinter den Entscheidungen, befragen Menschen, die man noch nicht so oft dazu gehört hat. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/die-entscheidung-politik-die-uns-bis-heute-praegt/57448438/">HIER ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Digitaler Erinnerungsraum von VYVYT  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://vyvyt.com/erinnerungs-raum/">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-trauerkultur-tod-sterben-trauer-digitalisierung-nachlass-100.htmll"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>

<p>Wir müssen alle sterben. Doch wie wir sterben, unterliegt dem Wandel, so wie das Leben auch, das sich permanent verändert. „Tritt also der Tod den Menschen an:”, heißt es in einem klassischen Text der Philosophie, in Platons Phaidon, „so stirbt, wie es scheint, das Sterbliche an ihm, / das Unsterbliche aber und Unvergängliche zieht wohlbehalten ab, / dem Tode aus dem Wege.” Fragen wir uns also, was das Sterbliche ist, und was das Unsterbliche. Und fragen wir uns, ob es Wege gibt, die Grenze zwischen beidem zu verschieben. Ob technische Fortschritte passieren, die uns vielleicht nicht unsterblich machen. Aber doch, immerhin, als Tote ganz anders anwesend unter den Lebenden als bisher. Fangen wir dafür am Anfang an, mit unserem Ende – dem Tod. </p>
<p>O1 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Der Moment, in dem jemand stirbt, das ist immer plötzlich, auch wenn man darauf vorbereitet ist, auch wenn eine Krankheit davor war. Da steht man erstmal unter Schock. Und der Trauerprozess beginnt dann erst.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt Lilli Berger, Bestatterin. Mit 13 ist ihr bei einem Berufsinformationstag in der Schule dieser doch nicht sehr gewöhnliche Beruf vorgeschlagen worden – und als sie erwachsen war, hat sie ihn tatsächlich ergriffen.</p>
<p>O2 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Das Familiensystem bricht in dem Moment plötzlich auf. Jeder hat ja eine Rolle in der Familie. Und wenn der Mensch dann wegfällt in der Rolle, wird das erst mal neu justiert und neu orientiert und neu zusammengesetzt und in dem Moment ist der Bestatter oder die Bestatterin da und versucht, alle Bedürfnisse miteinander zu verweben. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Sie findet, dass Deutschland eine lange und gute Tradition der Bestattungskultur auszeichnet. </p>
<p>O3 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Wir haben eine ganz lebendige Erinnerungskultur. Wir schätzen alte Häuser, wir reden viel auch über den Zweiten Weltkrieg zum Beispiel. Als Gesellschaft sind wir sehr mit der Erinnerungskultur verbunden. Und das sehe ich auch in unserer Bestattungskultur. Es sind Familienbetriebe, die die Bestattungen durchführen. Wir haben keinen großen Marktanteil an Konzernen, an Bestattungskonzernen zum Beispiel, sondern wir haben wirklich kleine Familienbetriebe, die Familien teilweise auch schon über Jahre, über Generationen hinweg begleiten. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Doch die Bestattungsbranche sei durch ihre große Tradition relativ träge, Veränderungen seien immer langsam gekommen. Aber in den letzten Jahren hat sich vieles in der Welt verändert. Auch in ihrer Branche, und im Sprechen über den Tod.</p>
<p>O4 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Ich habe vor zehn Jahren die Ausbildung gemacht und in diesen zehn Jahren gab es eine ganz, ganz tolle Entwicklung, ganz viele neue Initiativen, viel mehr offenes Sprechen darüber. In den Medien wird das Thema Tod und Trauer viel öfter aufgegriffen. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Ein Grund dafür: Die Digitalisierung unserer Lebenswelt – und der des Sterbens. In diesem Bereich, den Lilli Berger auch &quot;death care&quot; nennt – die nun eben auch digitale Arbeit mit dem Tod und der Trauer – ist sie eines der prägendsten Gesichter des Wandels. </p>
<p>MUSIK:  Coldplay, 42 [Those, who are dead, are not dead, they are living in my head …] 0’27 </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Mit der Digitalisierung ist zunächst erst mal vieles, was früher physisch hinterlassen wurde, digital geworden. Einer der ersten, die das empirisch untersucht haben, ist Lorenz Widmaier – was ist ein digitales Erbe und wie konkret gehen die Hinterbliebenen mit diesem um? Erst seit kurzem sei das wirklich wichtig geworden, weil digitale Nachlässe natürlich erst in den letzten Jahren so richtig anzufallen beginnen. Zum digitalen Nachlass gehören alle Spuren, die wir zu Lebzeiten digital hinterlassen: Verträge, Passwörter, Zugänge zu bestimmten Accounts, aber auch Suchverläufe oder Aktivitäten auf Webseiten. </p>
<p>O5 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Zum Beispiel das, was wir auf Facebook oder in anderen sozialen Medien machen. Ganz wichtig sind dann auch Messenger, so was wie WhatsApp, wo zum Beispiel eine Beziehungsgeschichte oder die Geschichte mit seinem Kind sehr detailliert dokumentiert ist, den Alltag mit Sprachnachrichten, Fotos, Videos und sowas, was es eigentlich früher nie gab in der Detailliertheit. Zum digitalen Nachlass gehören nicht nur die Daten des Verstorbenen, sondern auch meine eigenen Daten, die ich über den Verstorbenen habe. Also gerade so was wie WhatsApp Verläufe.</p>
<p>Musik:  Future questions 0‘25</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Mit Hinterbliebenen hat er sich mehr als 30 dieser „digitalen Nachlässe“ angeschaut, ausgewertet und gefragt, was sie mit diesen Daten machen und was sie ihnen bedeuten. Widmaier erinnert sich an eine Mutter, die ihre Tochter verloren hat und über deren digitales Erbe zu Antworten gefunden hat.</p>
<p>O6 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Die hat dann Screenshots gefunden, die ihre Tochter von der Zugverbindung gemacht hat, die sie für ihren Suizid verwendet hat. Und diese Screenshots waren einige Wochen davor gemacht. Das heißt, sie wusste dann, „Okay, den Gedanken gab es schon einige Wochen. Das war keine Affekthandlung, die plötzlich passiert ist.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Zu Lebzeiten ihrer Tochter war es für sie unbemerkt geblieben. Im Spiegel der zusammengesetzten Daten konnte sie posthum nachvollziehen, wie sich der Zustand ihrer Tochter verschlechtert hat. </p>
<p>O7 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Sie haben dann zum Beispiel Instagram-Posts angeschaut, wo es dann ganz klar Hinweise darauf gab: Man hat mehr nachdenkliche, traurige Selfies zum Beispiel gesehen. Aber auch die Hashtags haben dann auf bestimmte Musik verwiesen, wo es um Suizid ging. Auch die kurzen Kommentare haben sich so deuten lassen. Und so konnte man einfach ein bisschen Biographiearbeit machen und versuchen, so die Gefühlslage der Verstorbenen zu verstehen. Und das war dann auch so ein Weg. Wo man seinen Frieden in gewisser Weise damit finden konnte, dass man eine gewisse Erklärung hatte. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Nicht immer sind die Daten vorhanden oder zugänglich. Manchmal sind genau die Daten, die fehlen, das wichtigste Puzzlestück im Nachlass. So erging es einer Mutter, die ihre Tochter ebenfalls durch einen Suizid verloren hat.</p>
<p>O8 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Der Mutter war es dann wichtig, die privaten Nachrichten zu lesen, die ihre Tochter an Freunde usw. geschrieben hat.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das Problem: Sie hatte den Zugang nicht. Also wendete sich die Frau direkt an Facebook</p>
<p>O9 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>und erklärt, „meine Tochter hat sich das Leben genommen, ich brauche Zugriff auf die privaten Nachrichten, ich will das verstehen usw.&quot; Und dann hat Facebook aber gesehen, dass die Tochter in den Nachlass-Einstellungen eingestellt hat – „Facebook Account nach meinem Tod löschen.“ Und jetzt war es so: Die Mutter wendet sich an Facebook, Facebook sieht, da steht drin „nach meinem Tod löschen“ und hat den Facebook-Account gelöscht. </p>
<p>Musik: Bouncing radicals 0‘32</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Was zählt mehr, die Wünsche des Verstorbenen oder die Bedürfnisse und Nöte des Hinterbliebenen?</p>
<p>1O Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Das ist eine moralische Frage, ist eine rechtliche Frage, die auch in verschiedenen Ländern anders bewertet wird. Es gibt Länder, da hätte die Mutter trotzdem das Recht drauf. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das digitale Leben ist wie eine weitere Schicht zu unserer Existenz hinzugekommen. Und wir sollten auch darüber verfügen, wie mit diesem Teil unserer Identität umgegangen werden soll, wenn wir nicht mehr da sind. </p>
<p>11 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Und wenn man dann vielleicht noch zu manchen Dingen die Wünsche vermerkt, zum Beispiel WhatsApp, bitte alle Nachrichten löschen, die zwischen uns geschrieben worden sind. Das hilft Hinterbliebenen enorm zu wissen: Was darf ich eigentlich? Niemand will gerne rumkramen in den Sachen von den Verstorbenen. Die meisten brauchen aber Erinnerung.</p>
<p>Musik:  Virtual land 0‘40</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die Digitalisierung hat einerseits dazu geführt, dass manche Dinge, die früher analog existierten, nun eine andere Form angenommen haben. Doch sie hat auch ganz neue, zuvor undenkbare Möglichkeiten geschaffen. Etwa mit der Art und Weise, wie wir Kontakt zu den Verstorbenen halten. Auf Facebook gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, das Profil eines Verstorbenen in einen „Gedenkstatus&quot; zu versetzen. So lässt sich dort trauern, erinnern, im Gespräch bleiben. Dieser Wunsch, die Verbindungen mit den Verstorbenen über den Tod hinauszuhalten, trägt in der Psychologie den Namen „continuing bonds“. </p>
<p>12 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Man spricht die verstorbene Person direkt an in diesen Posts nach dem Tod. Das ist ähnlich zu Briefen, die man früher an verstorbene Personen geschrieben hat, aber man macht das jetzt in einer kleinen Öffentlichkeit zusammen mit anderen und dann reagieren andere auf diese Posts, sei es nur mit einem kleinen Herz oder mit einem kurzen Kommentar. Und so ist diese Trauer und diese „continuing bond“ eben sichtbarer und vielleicht auch ein bisschen akzeptierter. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und die analoge Welt? Die bleibt ja. </p>
<p>13 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung - LORENZ WIDMAIER:</p>
<p>Es wird auch genauso wichtig sein, das Grab zu besuchen. Wenn ich nicht zum Begräbnis kommen kann, aus irgendeinem Grund, kann ich vielleicht über einen Facebook-Livestream trotzdem dazu kommen. Aber es wird trotzdem auch das Begräbnis vor Ort geben und das wird die gleiche Relevanz behalten. Aber natürlich, ein Pullover vom Verstorbenen, der hat denselben Stellenwert, die Möbel vom Verstorbenen. Das verliert jetzt nicht an Wert.</p>
<p>Musik:  Unbiased opinion 0‘28</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>An diesem digitalen Zusatz arbeitet auch Lilli Berger, die Bestatterin, die außerdem Film und digitales Leadership studiert hat. Auch deswegen konnte sie 2020 das Unternehmen VYVYT [Aussprache: vivit] mit zwei Kollegen gründen: In Deutschland hat sie die erste virtuelle Möglichkeit geschaffen, zeit- und ortsunabhängig Abschied zu nehmen oder Gedenkfeiern zu veranstalten.</p>
<p>14 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Man kann es zum ersten Todestag machen, zum zehnten Todestag, zum Geburtstag des Verstorbenen. Es gibt einem Raum, wo man, egal wo man gerade auf der Welt ist, für eine Stunde einfach vorbeikommt und dieser Person nochmal gedenkt, sich Erinnerungen austauscht und in dem Moment werden Erinnerungen ja wieder lebendig.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Dieser Raum ist im Grunde einer Gedenkseite gar nicht unähnlich. Es ist nur – wirklich ein Raum. Er ist dreidimensional, die Erfahrung intensiver, und dadurch vielleicht bleibender.</p>
<p>15 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Es gibt ein Vorne, ein Hinten, es können Gruppen sich bilden. Es gibt rechts, links, es gibt ein 3D-Audio. Das heißt, du hast auch wirklich das Gefühl, jemand spricht links oder jemand spricht rechts. Und wenn mir eine Geschichte erzählt wird, sehe ich vor mir zum Beispiel einen virtuellen Baum. Und in dem Moment speichert mein Gehirn das Erzählte als Erinnerung im dreidimensionalen Raum ab und das kann mein Gehirn später wieder abrufen. Und dadurch entstehen in diesem virtuellen Raum Erinnerungen, sie werden sozusagen auf einer lebendigen Art und Weise weitergegeben, dass ich mich langfristig dran erinnern kann. </p>
<p>Musik:  Finding a way out 0‘31</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Auf der Seite steuert man durch den Raum mit den Pfeiltasten am Computer und der Maus. Man kann in diesem digitalen Raum umherlaufen, stehen bleiben, die Bilder an den Wänden anschauen oder selbst welche in leere Bilderrahmen hochladen. Man kann mit den anderen ins Gespräch kommen, oder für sich bleiben. Der virtuelle Erinnerungsraum hat den Vorteil, dass er uns Freiheiten bietet, die uns im Leben häufig verwehrt sind. </p>
<p>16 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Es gibt erst mal keine Rituale, die wir in der physischen Welt ja schon haben, wie zum Beispiel, man gibt Blumenblätter oder Erde mit ins Grab oder man zündet eine Kerze an. Wir können den virtuellen Raum neu besetzen. Die Frage ist, ob wir das wollen oder ob wir vielleicht auch einfach Analoges nehmen und ins Digitale übersetzen. Das ist genauso möglich. Aber es ist ein Ort, den wir erst mal noch erobern dürfen mit unserer eigenen Trauerkultur. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Gerade für die heranwachsende Generation ist das eine Chance. Denn sie wächst mit dem Internet auf.</p>
<p>17 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Sie können für sich neue Traditionen, neue Rituale entwickeln. Und wir sind auch frei in der Art und Weise, wie wir den Raum gestalten. Also zum Beispiel finde ich total schön, wenn der Raum an etwas erinnert, was wir mit der verstorbenen Person erinnern, zum Beispiel Omas Garten. </p>
<p>Musik:  Confused images 0‘27</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Diese jüngere Generation ist ein wichtiger Teil der Nutzenden des virtuellen Gedenkraumes. Und unter ihnen insbesondere jene &quot;early adopters&quot;, die offen sind, mit neuen technischen Innovationen herumzuexperimentieren. Und auch jene, die einen ungewöhnlichen, frühen oder tragischen Tod verarbeiten müssen, greifen auf das Angebot zurück.</p>
<p>18 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Also zum Beispiel hatten wir Meves, der war 14, als sein Vater im Sterben lag, und er hat die Stammkneipe nachgebaut vom Vater. Und ein halbes Jahr, nachdem der Vater gestorben ist, gab es eine große Geburtstagsparty für den Vater in dieser Stammkneipe und es war für den Sohn so ein schöner Moment, weil er konnte seinem Vater noch mal was geben und er hat sein Vater noch mal aus ganz verschiedenen Perspektiven kennengelernt. Ein halbes Jahr nach der Beerdigung – und das tat ihm total gut. Er hat jetzt wieder angefragt und möchte gerne jetzt zum Jahrestag wieder eine virtuelle Trauerfeier veranstalten zur Erinnerungsfeier.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>In Zukunft wird es für das Unternehmen dahin gehen, öfter reale Räume nachzubauen. Das alte Elternhaus vielleicht? Oder den Ort der letzten gemeinsamen Reise? Das exakte Nachbauen realer Räume ist momentan noch sehr kostspielig und wird deshalb eher selten gemacht. Aber das Aufkommen generativer Künstlicher Intelligenz erleichtert es enorm. Und überhaupt: verändert Künstliche Intelligenz vieles, auch in der Trauerkultur. Bereits jetzt, und vor allem in der Zukunft. </p>
<p>19 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Du baust eine Verbindung zu der verstorbenen Person auf. Das ist nicht notwendig, dass der Chatbot dir diese Beziehung suggeriert. Die passiert in dir, die passiert in deinem Herzen. Sie passiert in deinem Kopf. Die passiert psychologisch in Erinnerung. Wie auch immer. Und da möchte ich gerne hinkommen, dass der Chatbot das unterstützt, </p>
<p>Musik:  Learning process 0‘26</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Gerade experimentiert sie mit einem KI-Chatbot, einem Computerprogramm, das menschliche Gespräche mit einem anderen Nutzer simuliert. Sie füttert ihn mit Daten von und über sich selbst.</p>
<p>20 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Und der wächst jetzt gerade mit all meinen Erinnerungen und persönlichen Beziehungen. Das heißt, ich baue das selber und bin richtig, richtig neugierig, wohin das geht. Und es ist ehrlich gesagt super faszinierend. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Aber das hat seine Grenzen, sie ist damit sehr vorsichtig. </p>
<p>21 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p>Gleichzeitig sehe ich aber auch die Gefahr, dass wenn man damit alleine gelassen wird, dass das problematisch werden kann. Es gibt einfach viel Unausgesprochenes. Und es gibt viele Fragen, die offen bleiben nach dem Tod. Und der Chatbot kann diese Fragen nicht beantworten. </p>
<p>MUSIK    0’35</p>
<p>Sasha Alex Sloan, Dancing with your Ghost </p>
<p>[I put the record on, wait &#39;til I hear our song, Every night, I&#39;m dancing with your ghost]</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>2020 hatte ein Video aus Südkorea Schlagzeilen gemacht: Eine Frau begegnet dem Avatar ihrer kleinen Tochter in einer Virtual Reality wieder. Das Mädchen ist nur wenige Jahre alt geworden. Die Beziehung abrupt geendet. Der Avatar fragt: „Mama, wo bist du gewesen? Hast du an mich gedacht?“</p>
<p>22 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Ein virtuelles Gegenüber, dass man eben nicht nur betrachten kann, sondern mit dem man gewissermaßen auch in einen Dialog treten kann. Also ein KI-System, das auf meinen Input adäquat reagiert. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das ist Matthias Meitzler von der Uni Tübingen. Er hat sich als Thanatologe viel mit dem Lebensende beschäftigt, war in Hospizen, Pathologien, hat über 1.200 Friedhöfe besucht und ein Buch darüber geschrieben. Zuletzt hat er zum digitalen Weiterleben von Verstorbenen anhand KI-basierter Technologien geforscht. Das Feld verändert sich gerade rapide. Und grundlegend.</p>
<p>23 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Und dann ist es eben nicht mehr so, wenn ich jetzt diese Anwendung etwas frage, dass dann einfach irgendwas schon Aufgenommenes einfach nur abgespielt wird, sondern dieser Avatar in dem Fall kann dann antworten und kann dann etwas sagen, was diese Person zu Lebzeiten gesagt haben könnte, aber sehr wahrscheinlich gar nicht so gesagt hat. Und sie kann das beispielsweise auch in der Stimmlage dieser Person tun. Man kann mittlerweile auch Stimmen schon sehr realistisch simulieren und reproduzieren und da nähert sich dieses digitale Andere sehr stark einem vermeintlich lebendigen Menschen an. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Wird der Tod durch die lebensechten, kreativen Avatare der Verstorbenen relativiert? </p>
<p>24 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Der Tod ist zunächst etwas Körperliches. Aber es gibt ja doch in vielen Fällen so was wie ein soziales Weiterleben. Dann kann durch Digitalisierung natürlich vieles verwirklicht werden, was man früher vielleicht nicht für möglich gehalten hat. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>In den USA hat sich in den letzten Jahren eine noch kleine Industrie gebildet. Für Meitzler verschärft das die grundsätzlichen Fragen, die wir uns mit dem Tod stellen.</p>
<p>25 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Menschliche Persönlichkeit ist ja auf den ersten Blick schon was Stabiles, was irgendwie über längere Jahre erhalten bleibt. Aber auf der anderen Seite sind Menschen ja auch immer in Entwicklung. Also ich spreche jetzt mit Ende 30 anders als ich mit Anfang 20 gesprochen habe. Und wahrscheinlich werde ich in ein paar Jahrzehnten noch mal anders sprechen, ich werde Dinge anders bewerten, vieles vielleicht auch einfach anders sehen, mich auch an meine Vergangenheit anders erinnern. Und jetzt kann man natürlich durchaus kritisch fragen: „Na ja, wenn wir jetzt so ein Avatar kreieren, welche Version von mir soll das eigentlich dann sein?“</p>
<p>Musik:  KI  0‘37</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Mit welchen Daten soll meine KI trainiert werden bzw. wie werden die Daten, die sich womöglich widersprechen, gewichtet? Das berührt die Frage der Identität – wer bin ich? Und zu wem werde ich, wenn ich die Form des Avatars annehme? </p>
<p>26 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Sollen das jetzt Daten sein, die ganz aktuell sind? Wenn jetzt ein Mensch stirbt, sollen es Daten sein, die er erst vor kurzem produziert hat? Oder sollen es Daten sein, die vielleicht schon Jahre oder vielleicht auch irgendwann mal Jahrzehnte alt sind? Was ist, wenn es da Konflikte gibt? </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und ganz wichtig die Frage: Wer entscheidet das eigentlich?</p>
<p>27 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Sind das dann immer die jeweils Verstorbenen, die zu Lebzeiten schon festlegen, ob sie überhaupt ein Avatar haben wollen und wenn ja, wie dieser aussehen soll und welche Daten da überhaupt verwendet werden sollen? Sollen überhaupt alle Daten verwendet werden? Oder gibt es nicht bestimmte Inhalte, wo man vielleicht aus guten Gründen sagt: „Um Gottes willen, bitte nicht nach meinem Tod das noch irgendwie bewahren?&quot; Oder sind es am Ende vielleicht auch die Hinterbliebenen, die das dann entscheiden, wenn sich die verstorbene Person da vielleicht auch gar nicht verbindlich geäußert hat? Das ist natürlich dann im Zweifel auch problematisch, gerade dann, wenn es mehrere Hinterbliebene gibt, die auch noch mal unterschiedliche Interessen haben. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Hinzu kommt das Problem, dass die Anbieter private Unternehmen sind, die ihrerseits wiederum ökonomische Interessen verfolgen und die vulnerable Situation von Trauernden ausnutzen könnten. Meitzler hat da ganz konkrete Szenarien vor Augen. </p>
<p>28 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Der Avatar sagt kurz vor Ablauf des Abos: „Bitte verlängert doch dieses Abo, zahlt doch bitte mal nach, lasst mich kein zweites Mal sterben.“ Also im Prinzip den Hinterbliebenen auch ein schlechtes Gewissen einredet. Es ist ja durchaus denkbar, dass es da vielleicht auch subtilere Formen gibt, bis hin zu Produktplatzierungen etc. Also was ist denn, noch mal ein plakatives Beispiel, wenn die verstorbene Großmutter als Avatar dann ihrer Enkelin rät, doch dieses oder jenes T-Shirt zu kaufen und auch gleich den Bestelllink schon mitliefert. </p>
<p>Musik:  Secret proofs red. 0‘30</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und trotz der Schreckensszenarien: Der Forscher glaubt, dass sich digitale Praktiken künftig in unsere Trauerkultur integrieren werden. Sie reflektieren das Bedürfnis nach Individualität, sagt Meitzler:</p>
<p>29 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung: MATTHIAS MEITZLER:</p>
<p>Damit meine ich auf der einen Seite Säkularisierung, also dass Menschen Sinn und Erklärung für bestimmte Dinge eben nicht mehr an erster Stelle in der Religion suchen, dass wir uns weniger als Teil eines großen Kollektivs verstehen, sondern eher danach schauen: Was ist denn ein bestimmter Mensch gewesen, was war seine Persönlichkeit? Und ich denke, da lässt sich auch diese Entwicklung hin zum digitalen Weiterleben ganz gut einordnen. </p>
<p>MUSIK:  Virtual land 0’33</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Wie alles Neue finden einige die Vorstellung befremdlich oder gefährlich gar. Plötzlich mit digitalen Avataren zu kommunizieren, die an unsere liebsten Menschen erinnern sollen, die wir verloren haben? Für andere mag es Trost spenden. Lilli Berger hat eine konkrete Vorstellung:</p>
<p>Musik:  Aufbruch (reduced 2) 0‘44</p>
<p>30 Zsp Trauerkultur-Der Tod und die Digitalisierung LILLI BERGER:</p>
<p></p>
<p>Also ich wünsche mir von der Zukunft, dass wir alle so einen digitalen Ort haben, an dem wir an Verstorbene erinnern. In meinem Fall zum Beispiel wäre das eine virtuelle Insel. Und da wären dann all die Menschen, die ich dann verloren haben werde. Also mein Vater bekäme dann digitale Berge, meine Mutter würde einen Platz an dem Meer haben und ich könnte mir vorstellen, dass man dann regelmäßiger solche Orte besucht und einander austauscht, um so ein bisschen die Erinnerungen zu teilen und weiterzugeben, sie wieder lebendig werden zu lassen. </p>
<br/>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Begradigung - Weshalb Flüsse nicht mehr frei fließen durften</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/begradigung-weshalb-fluesse-nicht-mehr-frei-fliessen-durften/2111838</link>
      <pubDate>Wed, 29 Oct 2025 03:00:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5f53241b-afaa-41f0-8042-aa5a3a201456</guid>
      <description>Technischer Fortschritt oder ökologische Katastrophe? Im 18. Jahrhundert wurden Flüsse begradigt, um Waren zu transportieren, Hochwasser zu kontrollieren und die Natur zu bezwingen. Eine Geschichte tiefgreifender Landschaftsveränderung, die bis heute nachwirkt. Von Julius Bretzel.</description>
      <enclosure length="21543552" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111838/c/feed/begradigung-weshalb-fluesse-nicht-mehr-frei-fliessen-durften.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Julius Bretzel</itunes:author>
      <itunes:summary>Technischer Fortschritt oder ökologische Katastrophe? Im 18. Jahrhundert wurden Flüsse begradigt, um Waren zu transportieren, Hochwasser zu kontrollieren und die Natur zu bezwingen. Eine Geschichte tiefgreifender Landschaftsveränderung, die bis heute nachwirkt. Von Julius Bretzel.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c9e2cf5b-84d0-46a1-a27c-a52dc834db24.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Technischer Fortschritt oder ökologische Katastrophe? Im 18. Jahrhundert wurden Flüsse begradigt, um Waren zu transportieren, Hochwasser zu kontrollieren und die Natur zu bezwingen. Eine Geschichte tiefgreifender Landschaftsveränderung, die bis heute nachwirkt. Von Julius Bretzel.</p><p><strong>CREDITS:<br/></strong>Autor: Julius Bretzel<br/>Regie:<em> </em>Sabine Kienhöfer<br/>Sprecher: Julia Fischer und Christian Baumann<br/>Technik:<em> </em>Simon Lobenhofer<br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Boris Lehmann, Professor für Wasserbau und Hydraulik, TU Darmstadt <a href="https://www.researchgate.net/profile/Boris-Lehmann">https://www.researchgate.net/profile/Boris-Lehmann</a><br/>Jürgen Geist, Professor für Aquatische Systembiologie, TU München <a href="https://www.lss.ls.tum.de/aquasys/willkommen/">https://www.lss.ls.tum.de/aquasys/willkommen/</a></p>
<p><br/><strong>Unsere Podcast-Tipps:<br/></strong>Die Isar – Wildfluss und ewige Baustelle<br/>Die Isar ist in Europa einzigartig: sie darf auf immerhin zwanzig Kilometern noch fließen wie vor 200 Jahren. Doch der Fluss hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wie die Isar allen Zähmungsversuchen zum Trotz doch immer ein bisschen wild geblieben ist – erzählt Radiowissen:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:262215e7f3d80369/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:262215e7f3d80369/</a></p>
<p>Alarm: Bakterien im Badesee – Wie wirkt die Hitze?<br/>Hitze und Trockenheit hinterlassen oft Spuren in den 2.300 deutschen Badegewässern: unerwünschte, krank machende Bakterien. Manchmal in so großer Zahl, dass Badestellen gesperrt werden müssen. Geht das noch: Baden im Natursee? Die Antwort gibt’s bei IQ – Wissenschaft und Forschung:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:90453d7ec7dba0f9/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:90453d7ec7dba0f9/</a></p>
<p>Badeseen – Wer schwimmt da noch mit uns?<br/>Wo wir gern reinspringen, leben unzählige Pflanzen und Tiere: Fische, Krebse, Muscheln, Algen, aber auch Mikroorganismen. Einige dieser oft unbekannten Wesen können uns Menschen gefährlich werden. Die meisten aber sind einfach nur faszinierend. Wer schwimmt da also noch mit uns? Erklärt IQ – Wissenschaft und Forschung:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2dbb88f7eff182fb/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2dbb88f7eff182fb/</a></p>
<p>Fische in Bayern – Wie geht es ihnen?<br/>Nährstoffmangel, giftige Algen und die Klimaerwärmung machen den Fischen in Bayern zu schaffen. Auch Kormorane und Gänsesäger setzen den Beständen zu. Vom Fischfang allein kann an den Seen niemand mehr leben. Hier geht es zu dieser Folge Radiowissen:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:25d33dbd7dd5cf64/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:25d33dbd7dd5cf64/</a></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>David Blackbourn: „Die Eroberung der Natur – Eine Geschichte der Deutschen Landschaft“ (DVA, 2007) erzählt eindrücklich, wie der Mensch aus Natur und Wildnis die heutige Kulturlandschaft in Deutschland machte.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Liebesbriefe - Zärtliche Zeilen und Zeitzeugnisse</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/liebesbriefe-zaertliche-zeilen-und-zeitzeugnisse/2097984</link>
      <pubDate>Tue, 28 Oct 2025 03:10:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ed804300-5f6d-46ac-8e3c-48ce5af0e93d</guid>
      <description>Liebesbriefe sind spannende Zeitzeugnisse. Sie spiegeln Hoffnung und Sehnsucht und sind eine mutige Selbstoffenbarung mit dem Risiko. Mache gewähren auch Einblick in das Auf und ab von Beziehungen. Vor allem sind Liebesbriefe tiefromantische Bekenntnisse im Versuch, das ganz große Gefühl auszudrücken und für immer auf Papier zu bannen. Autorin: Valerie von Kittlitz (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22470144" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2097984/c/feed/liebesbriefe-zaertliche-zeilen-und-zeitzeugnisse.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Valerie von Kittlitz</itunes:author>
      <itunes:summary>Liebesbriefe sind spannende Zeitzeugnisse. Sie spiegeln Hoffnung und Sehnsucht und sind eine mutige Selbstoffenbarung mit dem Risiko. Mache gewähren auch Einblick in das Auf und ab von Beziehungen. Vor allem sind Liebesbriefe tiefromantische Bekenntnisse im Versuch, das ganz große Gefühl auszudrücken und für immer auf Papier zu bannen. Autorin: Valerie von Kittlitz (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b563493e-b488-49c4-9b26-e2ed24d21508.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebesbriefe sind spannende Zeitzeugnisse. Sie spiegeln Hoffnung und Sehnsucht und sind eine mutige Selbstoffenbarung mit dem Risiko. Mache gewähren auch Einblick in das Auf und ab von Beziehungen. Vor allem sind Liebesbriefe tiefromantische Bekenntnisse im Versuch, das ganz große Gefühl auszudrücken und für immer auf Papier zu bannen. Autorin: Valerie von Kittlitz (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Valerie von Kittlitz<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Jenny Güzel, Johannes Hitzelberger, Florian Schwarz, Hemma Michel<br/> Technik: Regine Elbers<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Eva Wyss, Germanistin<br/>Johannes Kleinbeck, Literaturwissenschaftler<br/>Marie von Heyl, Künstlerin, Philosophin</p>


<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Sigmund Freud, Martha Bernays: Brautbriefe. Sie waren nie zur Veröffentlich vorgesehen und bieten nun überaus faszinierende Einblicke in die große Liebe des Vaters der Psychoanalyse. Der letzte Band ist noch nicht erschienen.</p>

<p>Johannes Kleinbeck, „Geschichte der Zärtlichkeit. Die Erfindung des einvernehmlichen Sex und ihr zwiespältiges Erbe bei Rousseau, Kant, Hegel und Freud”. Spannende Darstellung des schleppenden Wandels einer tristen Pflichterfüllung durch die Aufklärung. </p>
<p>Eva L. Wyss, Susanne Häberlin, Rachel Schmid: Übung macht die Meisterin: Ratschläge für einen nichtsexistischen Sprachgebrauch. Ein wertvoller Ratgeber.</p>
<strong>Linktipp:</strong>
Eclectic Engineering ¬– toller Philosophie Podcast von Gesprächspartnerin Marie von Heyl<strong> <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.podcast.de/podcast/1120521/eclectic-engineering">HIER </a></strong>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Sprecherin</p>

<p>In Mexiko-Stadt gibt es einen Platz, an dem Schreiber sitzen. Unter Kolonnaden, vor Hitze und Regen geschützt, betreiben sie ein uraltes Geschäft. Es kommen Menschen zu ihnen, die Hilfe suchen. Oft sind es Liebende. Die Schreiber hören zu und übersetzen ihre Gefühle in Liebesbriefe.</p>
<p>[Zitate: Wie aus der Ferne]</p>
<p>Zitatorin 1 Bachmann </p>
<p>Lieber, Du, (…) Zwei- oder dreimal hab ich einen Brief an Dich geschrieben und dann doch nicht weggeschickt. </p>
<p>Zitator 2 Celan</p>
<p>Ingeborg, liebe, nur ein paar Zeilen, in aller Eile, um Dir zu sagen, wie sehr ich mich freue, das Du kommst. (…) Ich bin voller Ungeduld, Liebe. Dein Paul. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ingeborg Bachmann und Paul Celan im Jahr 1949. Es sind die ersten Briefe der stürmischen Liebe zwischen Dichterin und Dichter. Celan überschüttet Bachmann mit Mohnblumen, die in ihrem Zimmer leuchten, bevor sie verwelken. Er schreibt Gedichte für sie – und glühende Briefe.</p>
<p>Musikakzent</p>
<p>Zeilen über das schönste Gefühl der Welt. Auf den zweiten Blick ist ein Liebesbrief allerdings gar keine so unkomplizierte Sache. Wie findet man überhaupt Worte für ein Gefühl? Den Mut, sich zu bekennen? Einmal abgeschickt beginnt das Bangen. Denn wer einen Liebesbrief bekommt, kann erfreut sein, aber auch peinlich berührt. Hoffnungen, Enttäuschungen, Verletzungen stehen auf dem Spiel. </p>
<p>Vielleicht faszinieren die Liebesbriefe großer Literatinnen und Künstler deshalb. Mit viel Fantasie und Begabung werden hier Gefühle ausgedrückt. Reihenweise füllen Editionen von Liebesbriefen berühmter Menschen die Buchhandlungen, oft sind es Bestseller. Sie gewähren Einblick in das private Leben von Personen, die wir sonst nur aus der Öffentlichkeit kennen.  Wer hätte denn gedacht, dass der “Eiserne Kanzler” Otto von Bismarck seiner Verlobten geschrieben hat, sie solle ihn benutzen, misshandeln, und seine Briefe unterschrieb mit </p>
<p>Zitator 3</p>
<p>“Dein Knecht“ ? </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Oder dass Franz Kafka von Felice Bauer verlangt hat, ihre Post einmal pro Woche pünktlich zum Sonntag zu schicken, weil ihn tägliche Liebesbriefe zu sehr mitnähmen?</p>
<p>[Ende Einleitung, nochmal Schreibmaschinengeklapper, bricht ab]</p>
<p>O-Ton 1_Eva L. Wyss, Germanistin [9 Sek.]</p>
<p>Über die Liebesriefe der Menschen aus der Mitte der Gesellschaft gab es eigentlich keine Forschungsliteratur. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Die Germanistikprofessorin Eva Lia Wyss wollte sich nicht mit der großen Literatur beschäftigen. Als Sprachwissenschaftlerin interessierte sie sich für die Liebesbriefe der Allgemeinheit. Nur: sie fand keine Quellen. </p>
<p>O-Ton 2_Eva L. Wyss, Germanistin [6 Sek.]</p>
<p>Das fand ich bemerkenswert und hab dann gedacht, ich probiere das mal aus. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>In den 90er Jahren begann sie, quer durch die Schweiz Gratisanzeigen zu schalten, in denen sie dazu aufrief, ihr Liebesbriefe zu schicken. Besonders hoffnungsvoll war sie anfangs nicht.</p>
<p>O-Ton 3_Eva L. Wyss, Germanistin [9 Sek.]</p>
<p>Meine Kolleginnen und Kollegen an der Uni Zürich damals haben mir auch gesagt, “Du kriegst sicher keine Briefe, was denkst Du Dir wohl dabei”.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Aber es kam anders. Knapp 2500 Liebesbriefe stapelten sich innerhalb von wenigen Monate auf ihrem Schreibtisch.</p>
<p>O-Ton 4_Eva L. Wyss, Germanistin [31 Sek.] </p>
<p>Briefe die nicht abgeschickt wurden, also beispielsweise nach einer Beendigung einer Liebesbeziehung, solche Bilanzbriefe. Briefe von Menschen, die mir die mit einer Erläuterung zum Entstehungsprozess auch überlassen haben. Ein Ehepaar, die haben mich zu sich nach Hause eingeladen, die wollten mich ein bisschen mustern, und schauen wer da Liebesbriefe sammelt, und haben mir dann die Briefe überreicht, auch mit Bedingungen, ob es publizierbar sei oder nicht.</p>
<p>Stimmenkollage [überlagernd]</p>
<p>Zitatorin 4</p>
<p>Mein lieber Uli! Schnell möchte ich Dir mein Lieberì ein paar Worte schreiben, Wie geht es Dir? Hoffe gut, was auch bei mir der Fall ist. Bist Du noch gut heimgekommen, am Mittwoch? </p>
<p>Zitator 3</p>
<p>Liebstes Lisel!</p>
<p>Bin nun ganz traurig dass ich Dich heute nicht telephonisch erreichen konnte. Aber weist Du, ich habe den Eindruck, es wird eben nicht sehr gefällig aufgenommen, wenn ich Dir anläute.</p>
<p>Zitatorin 4</p>
<p>Wie muss das schön sein, einmal von Dir Kinder zu haben, und sie zusammen  zu guten und lieben Menschen zu erziehen. </p>
<p>… Werden wir uns dann wohl sehen? Nun aber muss ich schnell unter die Decke, es ist schon wieder ziemlich spät. Empfange meine liebsten Grüsse und viele Küsse von Deinem Klärli. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Riesenmenge an Post überforderte Eva Lia Wyss zunächst. Der Fluss an Zusendungen brach auch nicht ab. 1997 entschloss sie sich, ein Archiv zu gründen. Dieses Liebesbriefarchiv umfasst heute um die 50.000 Zusendungen, die in Zusammenarbeit mit Universitäten in Dortmund und Koblenz archiviert, digitalisiert und weit erforscht worden sind. Es ist das größte deutschsprachige Archiv seiner Art. Mit </p>
<p>sorgsam verfassten Schriftstücken auf feinem Papier. Kreis- oder herzförmig geschriebenen Liebesbriefen, reich verziert. Aber auch Zettelchen, schnell die auf Rückseite einer Rechnung oder mit Bleistift gekritzelten Briefen. Der älteste ist von 1715. Wie erforscht man so einen riesigen Fund? </p>
<p>O-Ton 5_Eva L. Wyss, Germanistin [13 Sek.] </p>
<p>Textmuster herauszuarbeiten, das ist für die Sprachwissenschaft natürliches ganz etwas Grundlegendes, inwiefern unterscheidet sich jetzt der Liebesbrief von anderen Briefsorten. </p>
<p>Zitator 3 “Max Oberdorfer” [zügig, direkt]</p>
<p>Mannheim, d. 23. Juni 1902</p>
<p>Mein liebes Fräulein Bertha. Ich erhielt heute früh Ihr liebes Briefchen und sage Ihnen dafür meinen herzlichsten Dank. Aus dem Inhalt selbst kann ich mir eigentlich nicht ganz klar werden, jedoch weiss ich überzeugt sein zu können, dass Sie mich lieben, und gebe ich Ihnen die Versicherung, dass mein Herz nur allein für Sie meine liebe Bertha schlägt.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Ein Liebesbrief folgt einer bestimmten Struktur. Zentral Elemente sind Gruß, Abschied, und Liebesbekundung. Und jeder Brief enthält dabei Codes, sprachliche Verschlüsselungen von Gefühlen, von Begehren. </p>
<p>Zitator 3 “Max Oberdorfer” [Fortsetzung: zügig, direkt]</p>
<p>Wegen eines Andenkens bin ich mit einer Miederschnur zufrieden, die ich als winziges Andenken an Sie, meine Liebe, aufbewahren würde. Auf frohes Wiedersehen. Ich grüsse und küsse Sie herzlichst Ihr Sie liebender Max Oberdorfer. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Mal ist ein Liebesbrief sehr formal und kühl, ein anders Mal eher plump oder verspielt und poetisch.</p>
<p>Zitatorin 4 [zärtlich]</p>
<p>Heute Mittag stahl ich mich ganz leise ins Dörfchen. Von Konstanz konnte ich gleich mit dem Dampfboot heimfahren. Da find ich für Dein Bild einen vertrauten Rahmen, da haben wir uns gefunden in dieser herrlichen Natur, es liegt eine tiefe Weise darin und bürgt viel mehr für ein schönes, grosses Leben. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Ob ein Brief eher formell oder poetisch ist, hat übrigens vor allem mit dem Charakter des Schreibenden zu tun, oder einer Form von Talent. Und nur begrenzt mit Bildungsstand oder Herkunft. Verspieltes, Ästhetisierung, wie Eva Lia Wyss es nennt, findet sich klassenübergreifend und querbeet in Liebesbriefen. Und noch eines hat sie gefunden: Der Liebesbrief ist ein Männergenre.</p>
<p>O-Ton 6_Eva L. Wyss, Germanistin [28 Sek.]  </p>
<p>Der Liebesbrief ist eine männliche Gattung deswegen, weil er ursprünglich, und vor allem in 19 Jahrhundert, der Brief ist, der an Frauen gerichtet wird. Es zeigt sich schon auch dass diese Codierungen des Begehrens, die Darstellung der Imaginationen, männlich gegendert ist, also: Ich möchte Dich auf Deine Lippen küssen, ist ein Satz den man nicht liest in einem Brief von einer Frau.  </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Männern schrieben Frauen an. Neben Werbungsriefen, die sich vereinzelt finden, gibt es Brautbriefe, die regelmäßigen Austausch zwischen Männern und Frauen dokumentieren. Brautbriefe waren die Briefwechsel, die zur Verlobungszeit entstanden. Früher wurden sie häufig noch abends der Mutter vorgelesen, damit sie ihre Meinung abgab. </p>
<p>O-Ton 7_Eva L. Wyss, Germanistin [11 Sek.]  </p>
<p>Es gibt auch in den Briefstellen Hinweise dazu, dass die Frauen sehr züchtig zurückschreiben sollen, im 19. Jahrhundert und eigentlich auch lange im 20. Jahrhundert noch. </p>
<p>[Kleine Atempause]</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Das bestätigt auch Johannes Kleinbeck. Er ist Literaturwissenschaftler und hat sich mit den Brautbriefen zwischen Sigmund Freud und seiner Verlobten Martha Bernays beschäftigt.</p>
<p>O-Ton 8_Johannes Kleinbeck, Literaturwissenschaftler [20 Sek.]</p>
<p>Ach, ich muss recht lachen, wie eifrig Du immer auf dem Genuss der Gegenwart bestehst, als wärest Du eine robuste Heidin, two thousand years ago, (…) anstatt ein frommes zartes Kind des spiritualistischen 19. Jhdt. und meine Braut (…) Aber schön ist die Gegenwart doch in der man so schöne Hoffnungen hegen darf wie: ich dürfte Martchens Lehrer sein. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Solche Sätze finden sich häufig in den Briefen des berühmten Nervenarztes.  Er weist seine Verlobte regelmäßig zurecht. Für Freud passt vieles, was Martha schreibt, nicht zum damaligen Idealbild einer Braut. Mit den ambivalenten Gefühlen, die zu einer Beziehung gehören, kann er anfangs nur begrenzt umgehen. Über wenig streiten die beiden so viel wie darüber, was “Zärtlichkeit“ ist – damals ein gängiges Wort für Liebe. </p>
<p>O-Ton 9_ Johannes Kleinbeck, Literaturwissenschaftler</p>
<p>Und somit kann man schon sagen, dass diese Briefe ein Versuch sind einer Disziplinierung, in der er eine bestimmte Form von Zärtlichkeit realisiert haben möchte. </p>
<p> [kurze Pause/ Blick in die Geschichte] </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Sigmund Freud und Martha Bernays lernen sich im Jahr 1882 kennen. Freud ist auf Anhieb verliebt. Er schickt der jungen Martha täglich Rosen. Und sie ist beeindruckt und angetan von ihm. Nur zwei Monate später sind die beiden verlobt. Doch die Hochzeit muss warten. Weder kann Martha die damals übliche Mitgift liefern, noch hat Sigmund das Einkommen, um eine Familie zu ernähren. Martha Bernays lebt in der Nähe von Hamburg, Sigmund Freud in Wien. Über diese große Distanz schreiben sie sich jeden Tag, viereinhalb Jahre. Ca 1500 Briefe reisen hin und her.</p>
<p>Zitator 2 Freud</p>
<p>Mein süßes Martchen! Dein Brief, dein holder Brief, ich habe ihn erst zweimal gelesen, kann noch nicht darauf antworten. (…) Am liebsten schriebe ich nichts als: Mein teures Martchen, meine süße Martha...</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das junge Glück ist anfangs unbändig. Die Postkutsche braucht vier Tage. Die Briefe schwirren hin und her. Oft entsteht ein heilloses Durcheinander, aber die beiden sind sehr darum bemüht, klarzustellen auf welchen Brief sie sich beziehen und alles zeitlich zu verorten. </p>
<p>Zitatorin 1 Bernays</p>
<p>Gestern, Geliebter, war unser junges Glück acht Tage alt. Die Gedenkfeier jener seligen Morgenstunden konnte ich im Wald halten – unter alten, ehrwürdigen, wetterfesten Riesen, bei denen ich mir doch noch winziger vorkam als neben Dir, Du großer Mann.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Marthas Briefe haben oft einen scherzhaften Ton. Die Einundzwanzigjährige ist witzig und lebt gerne genussvoll. Aber sie kokettiert auch und macht sich dabei klein.</p>
<p>Zitatorin 1 Bernays</p>
<p>Nun habe ich eben Deinen Brief bekommen, und nun bin ich gar nicht mehr unzufrieden und undankbar. Innigen, heißen Dank, dass Du Dich in Gedanken so viel mit dem unbedeutenden Ding beschäftigst, dass sich “Martha“ nennt.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Freud reagiert wechselhaft. Mal ist er geradezu entsetzt über solche Töne, dann wieder macht er sie selbst klein. Seine Briefe schwanken zwischen heißer Liebesbekundung und trockenem Bericht. Kitsch ist ihm zuwider. Am liebsten würde er es sachlich halten. Ihn wurmt, dass Marthas männliche Künstlerfreunde wie Fritz Wahle ihr spielerisch “unendliche Liebe“ bekunden. </p>
<p>Zitator 2 Freud</p>
<p>Solche Überschwänglichkeit des Ausdrucks und der Gebärde, wie sie Fritz beliebt, mißfällt mir nun aus zwei Gründen. Zunächst an und für sich, weil es unserer Zeit mehr angemessen ist, mit den einfachsten Mitteln und dem geringsten Aufwand von Gefühlsregungen hauszuhalten, und dann, weil ich glaube, daß es auch Dir peinlich sein muß, wenn Du Dir bei denselben Worten und denselben Gebärden nicht dasselbe denken darfst. Es ist verwirrend, und der Mensch soll es nicht tun, dasselbe Wort, das ihm als Losung und als Heilwort dient, als Phrase zu gebrauchen, dieselbe Handlung einmal als eine gleichgültige, einmal als eine zauberkräftige zu verrichten. </p>
<p>O-Ton 10_ Johannes Kleinbeck, Literaturwissenschaftler [25 Sek.]</p>
<p>Was an solchen Passagen faszinierend ist, ist erstmal, dass es hier eine wirkliche Theorie der Liebe gibt, eine Theorie der Zeichen der Liebe, wann sie angemessen sind, wann sie nicht angemessen sind. Ich würde allerdings nicht sagen, dass das Eifersucht ist, beziehungsweise ich glaube, wenn man jetzt zu schnell mit so allgemeinen Begriffen wie Eifersucht herantritt, dann sieht man nicht, dass diese Gefühle immer Medieneffekte sind. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Medieneffekte: Damit meint Kleinbeck : Ein Liebesbrief steht zu jeder Zeit in einer bestimmten Tradition.  Sitten und Moralvorstellungen schreiben sich durch ihn im wahrsten Sinne des Wortes fort. Althergebrachtes und Neues werden hier verhandelt. Und Freuds gemischte Gefühle haben eben damit zu tun, dass sich seine eigene Prägung beißt mit der Art, wie sich seine Braut im Brief präsentiert. </p>
<p>Solche </p>
<p>Ambivalenzen finden sich auch darin, was uns der “Vater der Psychoanalyse“ über den Liebesbrief und unser Seelenleben lehrt. Vielleicht würde er sagen: einen Liebesbrief zu schreiben ist, wie mit angezogener Bremse zu fahren. Denn in der Regel verfasst man ihn aus einem Begehren heraus – nach Freuds Triebtheorie könnte man sagen, aus nichts anderem als dem Sexualtrieb. Und der kam in Freuds Verlobungszeit zu kurz.</p>
<p>O-Ton 11_ Johannes Kleinbeck, Literaturwissenschaftler</p>
<p>Das Interessante ist eben, dass Freud gewissermaßen schon in den Brautbriefen selbst wie dann später in der Psychoanalyse diesen spezifischen Anforderungen an das Triebleben in der Verlobungszeit eine pathogene, das heißt eine krankmachende Wirkung zuschreibt. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Leiden und Leidenschaft. Damals wie heute kann ein Brief körperliche Distanz nicht aufheben. Im Gegenteil, er ist Sinnbild dafür. Im Zweifelsfall steigert er Sehnsucht und Verlangen nur. </p>
<p>Zitatorin 1 Bernays</p>
<p>Das leere Papier gähnt einen ordentlich an, nicht wahr? Du bist mein Gedanke bei Tag und bei Nacht und wohnst – leider in der Kaiser-Josefsstraße!</p>
<p>[kleine Atempause]</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wird Martha Bernays nun respektlos von Freud erzogen? Das kann man so pauschal nicht sagen, betonen die Herausgeber der Brautbriefe, und auch Kleinbeck. Denn es gibt eine Entwicklung. Der Briefwechsel steht für das Auf und Ab einer gelebten Beziehung, in der zwei Menschen anfangs frisch verliebt sind, sich über Briefe kennen lernen müssen und sich wortwörtlich zusammenraufen. In ihrer Gänze zeugen die Briefe von Ideenreichtum, Witz und intensiver Zuneigung. Grundlage für eine lange Ehe. Die Titel der Bände verweisen auf diese Entwicklung: Der erste heißt „Sei mein, wie ich mir’s denke“. Der letzte: „Dich so zu haben, wie Du bist“.</p>
<p>Die Zeiten haben sich geändert. Freud beobachtet unter seinen eigenen männlichen Patienten eine allgemeine Misogynie – das Erniedrigen von Frauen bei gleichzeitigem Begehren. Heute wird ständig neu verhandelt, was Respekt ist. Auch im Brief.</p>
<p>O-Ton 12_Eva Wyss, Germanistin [20 Sek.]  </p>
<p>Aufgewühlterweise, zu nächtlichen Stunden, ich: Schattenfängerin, Zwischenzeit heute, morgen, Zukunft, sie schillert magisch. Ängste treiben wilde Blüten. Wer werde ich sein? Wie werde ich werden? </p>
<p>Sprecherin [evtl überlegen über file “Zwischenteil”?]</p>
<p>Eva Wyss liest einen Brief aus dem Archiv vor, der sie besonders bewegt hat. Er ist aus den Achtzigerjahren. Geschrieben hat ihn eine Frau. </p>
<p>O-Ton 13_Eva L. Wyss, Germanistin [49 Sek.]   </p>
<p>Alltägliche Winzigkeiten als Kristalle eines Liebeslebens. Du, wie Du Dir die Zähne putzt, Dein vornüber geneigtes Profil im Ausschnitt der halboffenen Türe, der nicht gekochte Tee frühmorgens, mein stummer Ärger, eine Bitte, eine Entschuldigung, eine befreiende Ironie, eine Bewegung von Haut zu Haut. Wir wachsen. Herzblättrig zu Dir… und dann der Name, die Unterschrift. Das war für mich so ein Ausdruck, oder eine Suche nach einer Möglichkeit Liebe zum Ausdruck zu bringen, relativ authentisch, also da steht nicht, ich möchte Deine Lippen küssen, ich möchte Dir in die Augen schauen, sie schickt mir ein Strumpfband. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Mit dem gesellschaftlichen Wandel haben sich Vorstellungen von Moral, von Liebesleben, von Gemeinsamkeit geändert. Auch davon, ob die eigenen Gefühle überhaupt geteilt werden müssen. Das Individuum steht im Zentrum. Den meisten Schreibenden ist damit auch bewusst, dass ihr Brief unterschiedlich aufgefasst werden kann. </p>
<p>O-Ton 14_Eva L. Wyss, Germanistin [12 Sek.]   </p>
<p>Was liest man denn, wenn man den Brief liest, was versteht man, was ist die Bedeutung für diese Person da, da gibt es unendlich viele Möglichkeiten einen Brief zu lesen. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dieses Bewusstsein ist unter anderem einer philosophischen Schule zu verdanken: Den Poststrukturalisten. Besuch im Atelier der Philosophin und Künstlerin Marie von Heyl. Sie hat sich eingehend mit zwei Vertretern dieser Schule beschäftigt: Jacques Lacan und Jacques Derrida. Beide revolutionieren in den Sechzigerjahren die Idee von Sprache.</p>
<p>O-Ton 15_Marie von Heyl, Künstlerin und Philosophin [12 Sek.]   </p>
<p>In dieser Sprachauffassung ist Sinn nicht irgendwas was schon da ist, und durch Sprache transportiert wird, sondern Sinn entsteht erst, und wird produziert, und auch erst nachträglich.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die poststrukturalistische Philosophie hat recht eigenwillige und auch komplizierte Ideen von Sprache hervorgebracht. Dabei haben Lacan und Derrida über ein Paradox gestritten: Wie kann man behaupten, dass es keine Wahrheit gibt, und das gleichzeitig als absolute Wahrheit darstellen? Letztendlich verbindet beide, dass sie sagen, dass immer etwas zwischen den Zeilen steht, auch in einem Liebesbrief. </p>
<p>O-Ton 16_Marie von Heyl, Künstlerin und Philosophin [21 Sek.]   </p>
<p>Diese Sprachauffassung die kann einen, ((und das ist diesem Poststrukturalismus auch vorgeworfen worden)), quasi natürlich ins Chaos stürzen, so kann man das sehen, dass man nirgendwo mehr Halt hat, man kann das Ganze aber auch unheimlich produktiv auffassen, dass wir, wenn wir in der Sprache sind, immer andere adressieren und dass das eigentlich ist wie Sinn überhaupt erst entsteht. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Nämlich dadurch, dass wir überhaupt miteinander reden oder uns Briefe schreiben. Andere machen etwas aus unseren Worten – und sei es etwas ganz Eigenes. Und jeder Text kann anders gelesen werden. </p>
<p>O-Ton 17_Marie von Heyl, Künstlerin und Philosophin [12 Sek.]   </p>
<p>So ein Leser zum Beispiel ist auch Derrida. Also er guckt sich Texte an, die schon hundertmal besprochen worden sind, und liest die eigentlich ein bisschen wie… wie Liebesbriefe.</p>
<p>[Langsam wieder Einblenden: zarte Musik]</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Für Marie von Heyl sind Liebebriefe Einladungen zu Denken. Sie sind auch zentraler Teil ihrer Arbeit als Philosophin und Künstlerin. Sie findet spannend und schön, dass ein Text immer wieder zu einem neuen, unerwarteten Gedanken führen kann. </p>
<p>Wer einen Liebesbrief schreibt, hat vielleicht immer auch ein bisschen Angst, missverstanden oder abgelehnt zu werden. Aber es gibt von vornherein ein Trostpflaster. Natürlich hofft man in der Regel, dass ein Brief mit Wohlwollen gelesen wird, dass unsere Gefühle erwidert werden. Wenn aber nicht – Denker wie Derrida würden sagen, es entsteht immerhin immer etwas Neues, selbst in der Verneinung. Sprache ist unendlich, und wir in ihr. Und wer einen Liebesbrief schreibt, trägt bei zum andauernden Kreislauf der Gedankenproduktion. Der verewigt sich.</p>
<p>O-Ton 18_Marie von Heyl, Künstlerin und Philosophin [12 Sek.]   </p>
<p>Ich glaube er nennt das an anderer Stelle sogar ein Testament. Für Derrida ist es so, dass Sprache den Tod enthält, und zwar weil sich Sprache von uns ablöst. Das meint er erstmal in so einem abstrakten Sinne, aber das Beispiel, das er dafür nutzt, ist eben auch ein Brief. Wenn ich einen Brief schreibe, dann kann ich nie wissen, ob der Adressat, die Adressatin noch am Leben ist. Und andersherum genauso.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Zur dunklen Kehrseite des Lebendigen gehört die Vergänglichkeit. Und letztlich ist sie ein zentraler Aspekt der Romantik, die den Liebebrief prägt. Mit Grußformel und Abschied, mit Hoffnung und tiefer Sehnsucht.</p>
<p>Zitatorin 1 Gedicht  </p>
<p>Warum ich wieder zum Papier mich wende?</p>
<p>Das musst du, Liebster, so bestimmt nicht fragen:</p>
<p>(....)</p>
<p>Weil ich nicht kommen kann, soll, was ich sende,</p>
<p>Dein ungeteiltes Herz hinübertragen</p>
<p>Mit Wonnen, Hoffnungen, Entzücken, Plagen:</p>
<p>Das alles hat nicht Anfang, hat nicht Ende.</p>
<p>Goethe. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Und heute? Welchen Stellenwert hat ein Liebesbrief? Post-its auf dem Kühlschrank, öffentliche Bekundungen in den sozialen Medien sind neue Formen von Gefühlsergüssen, Den echten Liebesbrief macht immer noch die klassische Struktur von Anrede, Abschied und Liebesbekundung aus. Die meisten schreiben ihn zu Jubiläen oder Festtagen. Für alles Alltägliche gibt es SMS oder Email. </p>
<p>Der Liebesbrief steht für den Versuch, wahre Liebe in Wort und Schrift festzuhalten. Für Sehnsucht, Romantik und Hoffnung. Für eine Verbindlichkeit – denn schnell löschen lässt sich ein Brief aus dem Postkasten nicht mehr. Für Eva Lia Wyss gibt es noch einen klaren Hinweis dafür, dass Liebesbriefe Bestand haben: dass schon Kinder sie schreiben. Das Liebesbriefarchiv enthält viele Beispiele. Kinder verfassen Liebesbriefe, sobald sie schreiben lernen – mit Pathos und Mut.</p>
<p>[Auf halber Strecke einblenden/unterlegen: zarte Musik, mit Ende zum letzten Satz hin]</p>
<p>O-Ton 19_Eva Wyss, Germanistin [47 Sek.]   </p>

<p>Nicht einfach, ich habe Dich, und hast Du mich auch, und “kreuze an”, diese Beispiele, die da immer wieder genannt werden, sondern in denen tatsächlich auch Probleme des Austausches thematisiert werden, wo man sieht, es gibt ein Interesse, diese ganze Romantik in den Griff zu bekommen. Dass zum Beispiel riesengroße Herzen gemalt werden, um zu zeigen, dass man ein Bewusstsein schon entwickelt hat von dieser vielleicht eben gefahrvollen, aber auch großartigen, existenziellen Kulturform, nicht, die da auf die Kinder wartet, der Liebe, der romantischen Liebe. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte des Aufzugs - Wie der Fahrstuhl die Welt veränderte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-des-aufzugs-wie-der-fahrstuhl-die-welt-veraenderte/1990063</link>
      <pubDate>Tue, 28 Oct 2025 02:15:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d0d69933-2d0b-48be-8b8c-0002d3e244fd</guid>
      <description>Ohne den Aufzug sähe unser Alltag um einiges beschwerlicher aus. Und die Häuser in unseren Städten hätten nie besonders weit in die Höhe wachsen können. Doch der Fahrstuhl ist keine Erfindung unserer Zeit. Seine Anfänge reichen weit zurück. Der Aufzug, wie wir ihn heute kennen, entstand schließlich ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Autor: David Globig (BR 2023)</description>
      <enclosure length="22885632" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1990063/c/feed/die-geschichte-des-aufzugs-wie-der-fahrstuhl-die-welt-veraenderte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:50</itunes:duration>
      <itunes:author>David Globig</itunes:author>
      <itunes:summary>Ohne den Aufzug sähe unser Alltag um einiges beschwerlicher aus. Und die Häuser in unseren Städten hätten nie besonders weit in die Höhe wachsen können. Doch der Fahrstuhl ist keine Erfindung unserer Zeit. Seine Anfänge reichen weit zurück. Der Aufzug, wie wir ihn heute kennen, entstand schließlich ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Autor: David Globig (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a6ff6d45-747e-46ca-8d83-3f8bf6e230e3.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ohne den Aufzug sähe unser Alltag um einiges beschwerlicher aus. Und die Häuser in unseren Städten hätten nie besonders weit in die Höhe wachsen können. Doch der Fahrstuhl ist keine Erfindung unserer Zeit. Seine Anfänge reichen weit zurück. Der Aufzug, wie wir ihn heute kennen, entstand schließlich ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Autor: David Globig (BR 2023)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: David Globig<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Kia Ahnsen<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen: <br/></strong>Dr. Heinz-Jürgen Beste, wissenschaftlicher Referent, Deutsches Archäologisches Institut Rom;<br/>Prof. Andreas Bernard, Kulturwissenschaftler, Leuphana-Universität Lüneburg;<br/>Christian Tauss, Gründer des Wiener Aufzug Museums;<br/>Beate Höhnle, Testturm-Managerin, TK Elevator, Rottweil</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Seilbahnen - Am Drahtseil auf Gipfel und durch Städte<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/seilbahnen-am-drahtseil-auf-gipfel-und-durch-staedte/bayern-2/13669787/">JETZT ANHÖREN </a></strong></p>
<p>Die Mikrowelle - Vom Radargerät in die Küche<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-mikrowelle-vom-radargeraet-in-die-kueche/bayern-2/81219958/">JETZT ANHÖREN </a></strong></p>


<p><strong>Linktipp:</strong></p>
<p>Wiener Aufzug Museum:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.aufzugmuseum.at/">EXTERNER LINK | https://www.aufzugmuseum.at/</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Newsjunkies | Ein Podcast von rbb24 Inforadio<br/>Ein Tag, ein großes Nachrichten-Thema. Das liefert &quot;Newsjunkies&quot;. Wir fragen nach dem Warum und geben Antworten und Hintergründe.<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/newsjunkies/79674976/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipp:</strong></p>
<p>Andreas Bernard: &quot;Die Geschichte des Fahrstuhls. Über einen beweglichen Ort der Moderne&quot;, FISCHER Taschenbuch, Frankfurt a. M. 2006.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ghosting - Wenn ein Mensch plötzlich weg ist</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ghosting-wenn-ein-mensch-ploetzlich-weg-ist/2097917</link>
      <pubDate>Mon, 27 Oct 2025 02:20:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">400a73f8-b529-4ec0-b58e-228fa4efe03f</guid>
      <description>Eben noch die große Liebe und im nächsten Moment will der oder die andere keinen Kontakt mehr, ist aus dem eigenen Leben verschwunden wie ein Geist. &quot;Ghosting&quot; ist der Fachbegriff für dieses Phänomen. Was passiert mit denen, die so plötzlich verlassen werden und nicht wissen warum? Und warum ghosten Menschen andere? Autorin: Katharina Hübel (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21320448" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2097917/c/feed/ghosting-wenn-ein-mensch-ploetzlich-weg-ist.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Katharina Hübel</itunes:author>
      <itunes:summary>Eben noch die große Liebe und im nächsten Moment will der oder die andere keinen Kontakt mehr, ist aus dem eigenen Leben verschwunden wie ein Geist. &quot;Ghosting&quot; ist der Fachbegriff für dieses Phänomen. Was passiert mit denen, die so plötzlich verlassen werden und nicht wissen warum? Und warum ghosten Menschen andere? Autorin: Katharina Hübel (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/62b5d552-51da-466e-b646-20b4ae3244c6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eben noch die große Liebe und im nächsten Moment will der oder die andere keinen Kontakt mehr, ist aus dem eigenen Leben verschwunden wie ein Geist. "Ghosting" ist der Fachbegriff für dieses Phänomen. Was passiert mit denen, die so plötzlich verlassen werden und nicht wissen warum? Und warum ghosten Menschen andere? Autorin: Katharina Hübel (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Katharina Hübel<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprach: Heiko Ruprecht<br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Anja Wermann, Ghosting-Ambulanz Berlin<br/>Pia Kabitzsch, Buchautorin und Psychologie-Podcasterin<br/>Michaela Forrai, Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Wien <br/>Daniela Liebsch, Betroffene</p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Pia Kabitzsch: It’s a date. Tindern, ghosting, große Gefühle. Was die Psychologie über Dating weiß. 2022. – Ein Sachbuch übers Swipen, den Algorithmus von Dating-Apps, wie wir uns besser durch den Dating-Dschungel bewegen können, ohne aus Überforderung andere ghosten zu müssen und wie erste Dates gelingen können.</p>

<p>Timmermans, E., Hermans, A. M., &amp; Opree, S. J. (2020). Gone with the wind: Exploring mobile daters’ ghosting experiences. Journal of Social and Personal Relationships, 1-19. Das ist die im Feature erwähnte Studie zu den Motiven von Ghostern. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0265407520970287"><strong>HIER</strong></a></p>
<p><br/></p>
<strong>Linktipps:</strong>
<br/>Die Studie aus dem Jahr 2023 von Michaela Forrai u. a. von der Universität Wien, in der sie untersucht welche Konsequenzen Ghosting für die Menschen hat, die selbst ghosten – in Freundschaften und in romantischen Beziehungen:<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0736585323000333?via%3Dihub">HIER</a></strong>
<br/>
Der Future Of Dating-Report von Tinder:<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://de.tinderpressroom.com/fod-report-2023">HIER</a></strong>
<br/>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-ghosting-verlassen-verschwinden-kontaktlos-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Keine erfundenen Inseln mehr - Kartographie neu gedacht</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/keine-erfundenen-inseln-mehr-kartographie-neu-gedacht/2099634</link>
      <pubDate>Mon, 27 Oct 2025 02:15:00 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">04a7dde9-2211-4b80-b1a8-38c4d8868118</guid>
      <description>Nur 39 Jahre alt ist Tobias Mayer geworden. Kein hohes Alter, selbst im Deutschland des 18. Jahrhunderts nicht. Doch in diesem kurzen Leben erneuerte er nicht nur die Erstellung von Landkarten mit aufklärerischen Gedanken; er löste auch das Längengradproblem der Seefahrer und war ein gefeierter Astronom. Autor: Philip Artelt (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22326528" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2099634/c/feed/keine-erfundenen-inseln-mehr-kartographie-neu-gedacht.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Philip Artelt</itunes:author>
      <itunes:summary>Nur 39 Jahre alt ist Tobias Mayer geworden. Kein hohes Alter, selbst im Deutschland des 18. Jahrhunderts nicht. Doch in diesem kurzen Leben erneuerte er nicht nur die Erstellung von Landkarten mit aufklärerischen Gedanken; er löste auch das Längengradproblem der Seefahrer und war ein gefeierter Astronom. Autor: Philip Artelt (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/abaa0126-d9d5-47fe-9d21-665e04de877e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Nur 39 Jahre alt ist Tobias Mayer geworden. Kein hohes Alter, selbst im Deutschland des 18. Jahrhunderts nicht. Doch in diesem kurzen Leben erneuerte er nicht nur die Erstellung von Landkarten mit aufklärerischen Gedanken; er löste auch das Längengradproblem der Seefahrer und war ein gefeierter Astronom. Autor: Philip Artelt (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Philip Artelt<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Susanne Schroeder, Friedrich Schloffer, Peter Weiß<br/> Technik: Monika Gsaenger<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Armin Hüttermann, Geograph, Tobias-Mayer-Verein<br/>Markus Heinz, stellvertretender Leiter der Kartenabteilung, Staatsbibliothek zu Berlin</p>

<strong>Diese hörenswerte Folge von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Die Politik der Landkarten - Über Macht und Größenverhältnisse  </strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-politik-der-landkarten-ueber-macht-und-groessenverhaeltnisse/bayern-2/94831910/">HIER ENTDECKEN</a>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Das Tobias-Mayer-Museum in Marbach am Neckar  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://tobias-mayer-museum.de/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Tobias Mayers Mathematischer Atlas   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.e-rara.ch/zut/doi/10.3931/e-rara-7442">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Tobias Mayers Mappa Critica von Deutschland   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-130567">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Tobias Mayers Karte Ostasiens   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-129393">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Tobias Mayers Asienkarte   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-131349">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Tobias Mayers Mondkarte   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:210-14-014865049-1">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Homanns Karte des Schlaraffenlandes   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://doi.org/10.3931/e-rara-96365">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p><strong>Thomas Knubben, „Tobias Mayer: oder die Vermessung der Erde, des Meeres und des Himmels“: Lebendig erzählte Lebensgeschichte und Porträt seiner Zeit</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>Michael Diefenbacher (Hrsg.), „‚auserlesene und allerneueste Landkarten‘: Der Verlag Homann in Nürnberg 1702-1848“: Die Geschichte des Homann-Verlages, des Fembohauses und der Kartographie in der Zeit der Aufklärung</strong></p>
<br/>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Claudio Monteverdi - Der Erfinder der Oper</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/claudio-monteverdi-der-erfinder-der-oper/32036</link>
      <pubDate>Sat, 25 Oct 2025 05:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">201103_0905_Radiowissen_Claudio-Monteverdi---Der-Erfinder-der-Oper.mp3</guid>
      <description>Claudio Monteverdi war ein Neuerer. &quot;Movere&quot;, den Hörer emotional zu bewegen, war das Ziel seiner nach &quot;Wahrheit und Natürlichkeit&quot; strebenden Musik. So schrieb er den &quot;Orfeo&quot;, die erste &quot;richtige&quot; Oper. (BR 2017) </description>
      <enclosure length="54547200" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/32036/c/feed/claudio-monteverdi-der-erfinder-der-oper.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Markus Vanhoefer</itunes:author>
      <itunes:summary>Claudio Monteverdi war ein Neuerer. &quot;Movere&quot;, den Hörer emotional zu bewegen, war das Ziel seiner nach &quot;Wahrheit und Natürlichkeit&quot; strebenden Musik. So schrieb er den &quot;Orfeo&quot;, die erste &quot;richtige&quot; Oper. (BR 2017) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/99c4e8a9-e8e9-437a-affe-767a547f92b8.jpeg?w=1800"/>
    </item>
    <item>
      <title>Nikolaus Kopernikus - Revolutionär wider Willen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nikolaus-kopernikus-revolutionaer-wider-willen/2111678</link>
      <pubDate>Fri, 24 Oct 2025 02:57:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">416ff086-b409-4a85-a107-1c05689d0cbe</guid>
      <description>Die Erde steht nicht still, sie kreist um die Sonne! Nikolaus Kopernikus löst alte Probleme der Astronomie durch eine neue Sicht auf die Bewegungen der Himmelskörper. Doch nicht alle Ungereimtheiten sind nun überwunden. Warum zum Beispiel fällt ein Stein senkrecht nach unten, wenn er fällt? Wenn die Erde sich dreht, müsste er dann nicht seitlich fallen? Die &quot;Kopernikanische Revolution&quot; war erst der Beginn der großen Wende im Verständnis der Welt und ihres Orts im Universum.</description>
      <enclosure length="20558208" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111678/c/feed/nikolaus-kopernikus-revolutionaer-wider-willen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Schramm, Martin</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Erde steht nicht still, sie kreist um die Sonne! Nikolaus Kopernikus löst alte Probleme der Astronomie durch eine neue Sicht auf die Bewegungen der Himmelskörper. Doch nicht alle Ungereimtheiten sind nun überwunden. Warum zum Beispiel fällt ein Stein senkrecht nach unten, wenn er fällt? Wenn die Erde sich dreht, müsste er dann nicht seitlich fallen? Die &quot;Kopernikanische Revolution&quot; war erst der Beginn der großen Wende im Verständnis der Welt und ihres Orts im Universum.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/205931e1-b5b9-42d8-89eb-1b384cc46023.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Erde steht nicht still, sie kreist um die Sonne! Nikolaus Kopernikus löst alte Probleme der Astronomie durch eine neue Sicht auf die Bewegungen der Himmelskörper. Doch nicht alle Ungereimtheiten sind nun überwunden. Warum zum Beispiel fällt ein Stein senkrecht nach unten, wenn er fällt? Wenn die Erde sich dreht, müsste er dann nicht seitlich fallen? Die "Kopernikanische Revolution" war erst der Beginn der großen Wende im Verständnis der Welt und ihres Orts im Universum.</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Martin Schramm<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Johannes Hitzelberger, Rahel Comtesse, Jenny Güzel<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Prof. Martin Carrier, Wissenschaftsphilosoph, Universität Bielfeld; </p>
<p>Pierre Leich, Wissenschaftshistoriker, Nürnberg</p>

<p><strong>Eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zu Website" href="https://astrogeo.de/"><strong>AstroGeo-Podcast - Geschichten zwischen Weltraum und Erde</strong></a></p>
<p>Vom größten Lavasee des Sonnensystems zur Entdeckung des Urknalls: Im AstroGeo Podcast erzählen sich Franzi Konitzer und Karl Urban abwechselnd wahre Geschichten zwischen Erde und Weltraum: AstroGeo-Podcast - Geschichten zwischen Weltraum und Erde</p>
<p><strong><br/> Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2b952e772335e2fb/"><strong>Simon Marius - Der fränkische Galilei</strong></a></p>
<p>Simon Marius hat unabhängig von Galilei die großen Jupitermonde entdeckt. Er wurde dafür aber nicht gefeiert, sondern als Plagiator geschmäht. Und es sollte fast drei Jahrhunderte dauern, bis dieser &quot;stille Held&quot; der Wissenschaftsgeschichte endlich rehabilitiert wurde. Von Martin Schramm (BR 2024) <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2b952e772335e2fb/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-kopernikus-astronom-revolution-kopernikanische-wende-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Tierdarstellungen - Was sie über Menschen von früher erzählen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/tierdarstellungen-was-sie-ueber-menschen-von-frueher-erzaehlen/1944108</link>
      <pubDate>Fri, 24 Oct 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">811f0c3d-3a87-464c-b9bf-f4958109db5f</guid>
      <description>Darstellungen von Tieren - wie zum Beispiel das Bild einer Ratte - geben versteckte Hinweise auf das längst vergangene Leben einer Stadt. Auf Fassaden, in Bildern oder Textilien erzählen sie Geschichten von den Menschen, ihrem Alltag und ihren Gefühlen. Kunsthistoriker versuchen, diese Hinweise zu entschlüsseln. Von Jenny von Sperber (BR 2023) </description>
      <enclosure length="22859136" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1944108/c/feed/tierdarstellungen-was-sie-ueber-menschen-von-frueher-erzaehlen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:48</itunes:duration>
      <itunes:author>von Sperber, Jenny</itunes:author>
      <itunes:summary>Darstellungen von Tieren - wie zum Beispiel das Bild einer Ratte - geben versteckte Hinweise auf das längst vergangene Leben einer Stadt. Auf Fassaden, in Bildern oder Textilien erzählen sie Geschichten von den Menschen, ihrem Alltag und ihren Gefühlen. Kunsthistoriker versuchen, diese Hinweise zu entschlüsseln. Von Jenny von Sperber (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/87c2681d-55c6-4650-8493-35d8092dfd27.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Darstellungen von Tieren - wie zum Beispiel das Bild einer Ratte - geben versteckte Hinweise auf das längst vergangene Leben einer Stadt. Auf Fassaden, in Bildern oder Textilien erzählen sie Geschichten von den Menschen, ihrem Alltag und ihren Gefühlen. Kunsthistoriker versuchen, diese Hinweise zu entschlüsseln. Von Jenny von Sperber (BR 2023) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Jenny von Sperber<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann, Andreas Neumann<br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p> </p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>- Prof. Maurice Saß: Kunsthistoriker, Alanus Hochschule, Institut für philosophische und ästhetische Bildung</strong></p>
<p><strong>- Prof. Stefano Riccioni: Kunsthistoriker, Uni Pisa</strong></p>
<p><strong>- Dr. Robert Bauernfeind: Kunsthistoriker, Universität Augsburg</strong></p>

<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Homo pictor - Der Mensch und die Bilder<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/homo-pictor-der-mensch-und-die-bilder/bayern-2/13558417/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Venedig - Gründung in der Lagune<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/venedig-gruendung-in-der-lagune/bayern-2/87438268/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Die Schlange - Ganzheit, Unsterblichkeit, Weisheit und List<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-schlange-ganzheit-unsterblichkeit-weisheit-und-list/bayern-2/78753186/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Das Geheimnis der Mythen - Metaphern von Ursprung und Wandel</p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-geheimnis-der-mythen-metaphern-von-ursprung-und-wandel/bayern-2/78755722/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Stefano Riccioni: „Itinerari Nel Bestiario Veneziano“, Libreria Editrice Cafoscarina 2024</p>
<p>Stefano Riccioni: „Il bestiario medievale di Venezia“, Carocci editore, Biblioteca di testi e studi</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Virtuelle Rundgänge durch die Museen Augsburgs, z.B. Schaetzlerpalais</p>
<p><a href="https://kunstsammlungen-museen.augsburg.de/digital-rundgaenge">https://kunstsammlungen-museen.augsburg.de/digital-rundgaenge</a></p>
<p> </p>
<p>Maximiliansmuseum mit Film aus dem Viermetzhof mit de Vries‘ </p>
<p>Herkules und Adler:</p>
<p><a href="https://kunstsammlungen-museen.augsburg.de/maximilianmuseum">https://kunstsammlungen-museen.augsburg.de/maximilianmuseum</a></p>
<p> </p>
<p>ein paar von Stefano Riccionis Tieren in einer Kindertour durch Venedig:</p>

<p><a href="https://macacotour.com/en/blog/venice-italy-facts-for-kids-animals-and-magic/">https://macacotour.com/en/blog/venice-italy-facts-for-kids-animals-and-magic/</a></p>
<p> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-tierdarstellung-kunsthistoriker-bilder-fassade-venedig-100.html">HIER</a></strong>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frauen und ihre Taschen - Eine desolate Lage</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frauen-und-ihre-taschen-eine-desolate-lage/2097609</link>
      <pubDate>Thu, 23 Oct 2025 03:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">514826c0-3dc4-411f-9e52-1de75b5f3a6d</guid>
      <description>Dass Frauenkleidung überhaupt Taschen hat, in die Schlüssel und Smartphone passen, ist heute Grund für Freudentänze. Dabei war die Taschenlage für Frauen längst nicht immer so düster: Vor wenigen Jahrhunderten konnten Frauen in ihren Rockfalten und Gürteltaschen noch ganze Einkäufe verstauen. Vom Kampf um Taschen- und Geschlechtergerechtigkeit. Autorin: Vanessa Schneider (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22032768" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2097609/c/feed/frauen-und-ihre-taschen-eine-desolate-lage.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Vanessa Schneider</itunes:author>
      <itunes:summary>Dass Frauenkleidung überhaupt Taschen hat, in die Schlüssel und Smartphone passen, ist heute Grund für Freudentänze. Dabei war die Taschenlage für Frauen längst nicht immer so düster: Vor wenigen Jahrhunderten konnten Frauen in ihren Rockfalten und Gürteltaschen noch ganze Einkäufe verstauen. Vom Kampf um Taschen- und Geschlechtergerechtigkeit. Autorin: Vanessa Schneider (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/60cbfb97-c886-4985-a284-fe3567e564a0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dass Frauenkleidung überhaupt Taschen hat, in die Schlüssel und Smartphone passen, ist heute Grund für Freudentänze. Dabei war die Taschenlage für Frauen längst nicht immer so düster: Vor wenigen Jahrhunderten konnten Frauen in ihren Rockfalten und Gürteltaschen noch ganze Einkäufe verstauen. Vom Kampf um Taschen- und Geschlechtergerechtigkeit. Autorin: Vanessa Schneider (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Vanessa Schneider<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Berenike Beschle, Julia Fischer, Silke von Walkhoff, Peter Weiß<br/> Technik: Laura Picerno<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Barbara Burman, Textilhistorikerin<br/>Bernadette Banner, Youtuberin und Kostümhistorikerin<br/>Hannah Carlson, Modehistorikerin</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
Die Geschichte der Frauenmode - Brust raus, Bauch rein<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/brust-raus-bauch-rein-die-geschichte-der-frauenmode/bayern-2/78748902/">HIER</a></strong>
<br/>
Wer hat die Hosen an? - Geschichte einer Bekleidung<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/einfach-mode-wer-hat-die-hosen-an/bayern-2/13515527/">HIER</a></strong>
<br/>
Frauen auf Rädern - Wie Radfahren Frauen emanzipierte<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/frauen-auf-raedern-wie-radfahren-frauen-emanzipierte/bayern-2/13506229/">HIER </a></strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong> “ICONIC – Modegeschichte mit Aminata Belli” von ARD Kultur <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iconic-modegeschichte-mit-aminata-belli/94764438/">JETZT ENTDECKEN</a> </strong></p>
<p><strong>Und: wir empfehlen den Hörspiel-Podcast &quot;Die Grandauers und ihre Zeit&quot;. Eine bayerische Familiensaga von Willy Purucker, die zwischen 1893 bis 1945 spielt. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/radiowissen-grandauers">HIER ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Alice Duer Miller: Why We Oppose Pockets for Women, 1914 <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.gutenberg.org/files/11689/11689-h/11689-h.htm#Introduction">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Bernadette Banner: Women&#39;s Pockets Weren&#39;t Always a Complete Disgrace - A Brief History: England, 15th c - 21st c  <a title="Hier geht es zu YouTube" href="https://www.youtube.com/watch?v=uaRoWPEUTI4">HIER ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Ein historischer Überblick über die Umbindetasche vom Victoria and Albert Museum <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.vam.ac.uk/articles/womens-tie-pockets">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Janet C. Myers, “Picking the New Woman&#39;s Pockets”, in: 19th Century Gender Studies, 10.1, 2014.  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ncgsjournal.com/issue101/PDFs/myers.pdf">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Rebecca Unsworth, “Hands Deep in History: Pockets in Men and Women&#39;s Dress in Western Europe, c. 1480–1630”, in: Costume, 51.2, 2017. <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.euppublishing.com/doi/10.3366/cost.2017.0022">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Jutta Zander-Seidel, “Die Lesbarkeit frühneuzeitlicher Kleidung”, arthistoricum, 2018 <a title="Hier gehts zur Website." href="https://books.ub.uni-heidelberg.de//arthistoricum/catalog/book/396">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Someone clever once said: Women were not allowed pockets – Datenanalyse zu Taschengrößen und Funktionalität in aktueller Frauen- und Männerbekleidung <a title="Hier gehts zur Website." href="https://pudding.cool/2018/08/pockets/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Die weltweite Nutzung von Taschen, New York Times, 1899 <a title="Hier gehts zur Website." href="https://timesmachine.nytimes.com/timesmachine/1899/08/28/102534376.html?pageNumber=7">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Barbara Burman &amp; Ariane Fennetaux, “The Pocket – A Hidden History of Women’s Lives”, 2019, das Standardwerk über die historische Bedeutung der Umbindetaschen für Frauenleben. Leider bisher nur auf Englisch erschienen.</p>

<p>Hannah Carlson, “Pockets – An Intimate History of How We Keep Things Close”, 2023, eine erhellende Kultur- und Geschlchtergeschichte der Taschen in Männer und Frauenbekleidung. Auf Englisch.</p>
<p>Claire Wilcox, “Handtaschen. Moden &amp; Designs im 20. Jahrhundert”, 1998. Ein Bildband über die Entwicklung der Taschen und Handtaschen – von der Umbindetasche bis zur It-Bag.</p>
<br/>
<strong>Linktipps:</strong>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Flechten - Phänomenale Überlebenskünstler</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/flechten-phaenomenale-ueberlebenskuenstler/1804500</link>
      <pubDate>Thu, 23 Oct 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">eb4adc25-4515-4f4c-bd8b-11121e08ee45</guid>
      <description>Flechten sind Überlebenskünstlerinnen: Sie gedeihen in Wüsten, in Dschungeln, als erste Wesen nach Vulkanausbrüchen und sogar in der Arktis. Aber auch in Bayern sind sie verbreitet. Dahinter steckt ein verblüffendes Erfolgsrezept. (BR 2020)  </description>
      <enclosure length="21514031" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1804500/c/feed/flechten-phaenomenale-ueberlebenskuenstler.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Bettina Weiz</itunes:author>
      <itunes:summary>Flechten sind Überlebenskünstlerinnen: Sie gedeihen in Wüsten, in Dschungeln, als erste Wesen nach Vulkanausbrüchen und sogar in der Arktis. Aber auch in Bayern sind sie verbreitet. Dahinter steckt ein verblüffendes Erfolgsrezept. (BR 2020)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8bf2e56f-33c2-40af-9a94-4a3f70035adb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Flechten sind Überlebenskünstlerinnen: Sie gedeihen in Wüsten, in Dschungeln, als erste Wesen nach Vulkanausbrüchen und sogar in der Arktis. Aber auch in Bayern sind sie verbreitet. Dahinter steckt ein verblüffendes Erfolgsrezept. (BR 2020)  </p>
<p>Autor/in dieser Folge: Bettina Weiz<br/> Regie: Silke Wolfrum<br/> Es sprachen: Anne-Isabelle Zils, Christopher Mann<br/> Technik: Christian Schimmöller<br/> Redaktion: Matthias Eggert</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>

<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong><br/> </strong>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-flechten-phaenomenale-ueberlebenskuenstler-100.html">HIER</a></strong>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Verantwortung - Die große Herausforderung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/verantwortung-die-grosse-herausforderung/2111594</link>
      <pubDate>Wed, 22 Oct 2025 03:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ae9a8361-668e-4d98-81ef-3ad0f6482050</guid>
      <description>&apos;Verantwortung‘, ein zentraler Begriff in der Philosophie. Schon im Wort selbst steckt ein zentrales Element: die &apos;Antwort‘. Der Mensch &apos;antwortet‘ also auf etwas oder rechtfertigt sich vor irgendjemandem - oder irgendwas: einer Instanz, einem Gericht zum Beispiel - oder vor Gott. Er rechtfertigt sein Verhalten, seine Handlungen und steht zu ihnen. (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="22162944" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111594/c/feed/verantwortung-die-grosse-herausforderung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:05</itunes:duration>
      <itunes:author>Magro, Jean-Marie</itunes:author>
      <itunes:summary>&apos;Verantwortung‘, ein zentraler Begriff in der Philosophie. Schon im Wort selbst steckt ein zentrales Element: die &apos;Antwort‘. Der Mensch &apos;antwortet‘ also auf etwas oder rechtfertigt sich vor irgendjemandem - oder irgendwas: einer Instanz, einem Gericht zum Beispiel - oder vor Gott. Er rechtfertigt sein Verhalten, seine Handlungen und steht zu ihnen. (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4f5a21e6-3807-4de3-a29c-f7878008d43f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>'Verantwortung‘, ein zentraler Begriff in der Philosophie. Schon im Wort selbst steckt ein zentrales Element: die 'Antwort‘. Der Mensch 'antwortet‘ also auf etwas oder rechtfertigt sich vor irgendjemandem - oder irgendwas: einer Instanz, einem Gericht zum Beispiel - oder vor Gott. Er rechtfertigt sein Verhalten, seine Handlungen und steht zu ihnen. (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Jean-Marie Magro<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Rahel Comtesse <br/>Technik: Ursula Kirstein<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/><br/></p>
<p><strong>Prof. Jürgen Nielsen-Sikora, Philosoph, Leiter des Hans-Jonas-Zentrums an der Universität Siegen</strong></p>
<p><strong>Prof. Ludger Heidbrink, Philosoph, </strong></p>
<p><strong>Christian-Albrechts-Universität zu Kiel</strong></p>
<p><strong>Prof. Gabriele Vogt, Lehrstuhlinhaberin Japan-Zentrum Ludwig-Maximilians-Universität München<br/></strong></p>

<p><strong>Podcast-Empfehlung:</strong></p>
<p><strong><a title="WELTWACH" href="https://www.weltwach.de">Weltwach – Abenteuer. Reisen. Leben. </a></strong></p>
<p>Im Weltwach Podcast trifft Erik Lorenz jede Woche auf andere Gäste und Reisende. Von der Aktivistin Dr. Jane Goodall, zum Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens bis hin zur Langstreckenwanderin Christine Thürmer – sie alle sprechen über aufregende Expeditionen und lebensverändernde Streifzüge, aber auch über kulturelle, ökologische, soziale und politische Themen. Und liefern Denkanstöße dafür, selbst aufzubrechen und ausgetretene Pfade zu verlassen.</p>
<p>www.weltwach.de </p>
<p><strong><br/>Diese hörenswerten Folgen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-schulden-wir-den-eltern-zwischen-pflichtgefuehl-und-abgrenzung/bayern-2/12638065/">Was schulden wir den Eltern? Zwischen Pflichtgefühl und Abgrenzung</a></p>
<p>Wenn die Eltern alt werden, gibt es viele offene und versteckte Forderungen an die Kinder: etwa &quot;Kümmere dich um mich!&quot;. Manche Kinder machen das gerne, andere verweigern sich - meist mit großen Schuldgefühlen. (BR 2020) Autorin: Karin Lamsfuß</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/zivilcourage-der-mut-des-buergers/bayern-2/78752240/"><strong>Zivilcourage - Der Mut des Bürgers</strong></a></p>
<p>Zivilcourage - klingt gut, fällt aber vielen nicht leicht. Es kostet Überwindung, ohne Rücksicht auf eigene Nachteile für andere und deren Unversehrtheit einzutreten. Dabei ist das Plädoyer danach ziemlich alt. (BR 2017) Autorin: Daniela Remus</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/treue-vom-wert-der-loyalitaet/bayern-2/13131109/">Treue - Vom Wert der Loyalität</a></strong></p>
<p>Treue in Beziehungen klingt in den Ohren mancher Menschen beinahe antiquiert. Ist der moderne Mensch doch frei, selbstbestimmt und unabhängig. Und wieso sollte er das dann nicht auch in seinen Beziehungen sein? Natürlich waren sich Menschen in allen Zeiten zeitweise oder auch grundsätzlich untreu. Aber nur weil das so ist, muss das nicht heißen, dass die Treue wertlos geworden ist. Von Andreas Hauber (BR 2024)</p>
<p><strong> </strong></p>

<p><strong>Weiterführende Links: </strong></p>
<p>Mehr als nur ein Philosoph der Verantwortung – Hans Jonas im Porträt. Autor: Prof. Jürgen Nielsen-Sikora: <a href="https://www.derblauereiter.de/fileadmin/user_upload/pdfs/Journal/51-60/dbr54-Portraet.pdf">https://www.derblauereiter.de/fileadmin/user_upload/pdfs/Journal/51-60/dbr54-Portraet.pdf</a></p>
<p> </p>
<p>Verantwortung. Holger Burckhart und Prof. Jürgen Nielsen-Sikora: <a href="https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-19004-0_16">https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-19004-0_16</a></p>

<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ul>
<li>Ludger Heidbrink<em> </em><em>Kritik der Verantwortung. Zu den Grenzen verantwortlichen Handelns in komplexen Kontexten.</em> Velbrück Wissenschaft Verlag, Weilerswist 2003, ISBN 3-934730-69-8.</li>
<li>  Ludger Heidbrink, Sebastian Müller (Hrsg.): <em>Consumer Social Responsibility. </em><em>Zur gesellschaftlichen Verantwortung von Konsumenten.</em> Metropolis Verlag, Marburg 2020, ISBN 978-3-7316-1439-5.</li>
<li> Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung - Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Suhrkamp Verlag 2021, ISBN 9783518399927</li>
</ul>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskirpte-verantwortung-philosophie-hans-jonas-psychologie-gesellschaft-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Polizeihund - Harte Ausbildung für Hund und Mensch</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-polizeihund-harte-ausbildung-fuer-hund-und-mensch/2111593</link>
      <pubDate>Wed, 22 Oct 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f3b40e1c-8a17-4b50-b319-0e811c3464d6</guid>
      <description>Wie werden Diensthunde bei der Polizei ausgebildet, was müssen Mensch und Hund mitbringen, um diese harte Ausbildung zu bestehen? Radiowissen hat die Diensthundeschule der bayerischen Polizei in Herzogau besucht. Autor: Simon Berninger</description>
      <enclosure length="22016256" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111593/c/feed/der-polizeihund-harte-ausbildung-fuer-hund-und-mensch.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Berninger, Simon</itunes:author>
      <itunes:summary>Wie werden Diensthunde bei der Polizei ausgebildet, was müssen Mensch und Hund mitbringen, um diese harte Ausbildung zu bestehen? Radiowissen hat die Diensthundeschule der bayerischen Polizei in Herzogau besucht. Autor: Simon Berninger</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/387b742a-6dfb-4a33-b275-5143094a8be8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie werden Diensthunde bei der Polizei ausgebildet, was müssen Mensch und Hund mitbringen, um diese harte Ausbildung zu bestehen? Radiowissen hat die Diensthundeschule der bayerischen Polizei in Herzogau besucht. Autor: Simon Berninger</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Simon Berninger</p>
<p>Regie: Martin Trauner</p>
<p>Es sprachen:  Thomas Birnstiel </p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Andreas Burghart, Thomas Ampßler, Armin Fütterer, Kora Kuster, Christoph Lipp, Matthias Barsch</p>


<p><strong>Unser Podcast-Tipp:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://open.spotify.com/show/6uuFVE5FMjGvs9kt55n5Ov?si=d80fd4ea8677429f"><strong>„tierisch! – Zwei Forscherinnen und die wilde Welt der Tiere.“</strong></a></p>
<p>Da geht es mit zwei echten Wildtierbiologinnen auf Forschungsexpedition: Lydia Möcklinghoff ist Ameisenbärenforscherin und Journalistin. Dr. Frauke Fischer hat viele Jahre lang Antilopen erforscht und ist heute Deutschlands führende Expertin für Biodiversität. In ihrem Podcast feiern die beiden mit ungebremster Begeisterung</p>
<p>https://weltwach.de/tierisch/</p>


<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:7fa5aa6d1195c909/"><strong>Hunde und ihr Geruchssinn - Die Supernasen im Tierreich</strong></a></p>
<p>Die Hundenase ist ein echtes Hochleistungsorgan. Hunde verfolgen Wild, spüren Verschüttete auf, erschnüffeln Drogen oder Sprengstoff und können sogar Krankheiten am Geruch erkennen. Ihre Nasenlöcher nehmen unabhängig voneinander Gerüche wahr. Doch nicht nur das macht die Hundenase so besonders. (BR 2021) Autorin: Claudia Steiner</p>


<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:fa34301bd3bd607a/"><strong>WirTier (3): Underdogs</strong></a></p>
<p>Hannah studiert BWL. Bis Hund Schoki einen schweren Unfall hat. Hannah beschließt, Hunden zu helfen, die krank oder alt sind, die keiner mehr haben will - und leitet heute ein besonderes Tierheim. WirTier Host Vici im Hundehimmel?</p>


<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2d959b5d9bcd4dad/"><strong>&quot;Der Hund oder ich!&quot; - Tiere in der Partnerschaft</strong></a></p>
<p>Haustiere können in Partnerschaften durchaus für Reibereien sorgen: Der Hund schläft im Bett, der neue Partner hingegen im Gästezimmer. Die Katze pinkelt auf die Klamotten des &quot;Nebenbuhlers&quot;, der in ihr Revier eingedrungen ist. Ohne viel Geduld und Kompromissbereitschaft läuft dann gar nichts. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)</p>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-polizeihund-hund-polizei-diensthund-spuerhund-hundeschule-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>



]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Stottern - Die Angst vor dem nächsten Hänger</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/stottern-die-angst-vor-dem-naechsten-haenger/1840897</link>
      <pubDate>Wed, 22 Oct 2025 01:45:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b42fee42-f3a7-44f1-a4f3-5c7dd2b7e184</guid>
      <description>Wer stottert, wiederholt unfreiwillig Buchstaben, Silben oder Laute. Betroffen sind etwa ein Prozent aller Menschen. Meist tritt Stottern zwischen zwei und sechs Jahren erstmals auf. Über die Ursachen wird immer noch geforscht, Gene spielen offensichtlich eine wichtige Rolle. Für Betroffene gibt es inzwischen vielversprechende Behandlungsmethoden. Von Claudia Steiner (BR 2021)</description>
      <enclosure length="22389504" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1840897/c/feed/stottern-die-angst-vor-dem-naechsten-haenger.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Wer stottert, wiederholt unfreiwillig Buchstaben, Silben oder Laute. Betroffen sind etwa ein Prozent aller Menschen. Meist tritt Stottern zwischen zwei und sechs Jahren erstmals auf. Über die Ursachen wird immer noch geforscht, Gene spielen offensichtlich eine wichtige Rolle. Für Betroffene gibt es inzwischen vielversprechende Behandlungsmethoden. Von Claudia Steiner (BR 2021)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ed08843f-6708-4df9-96dd-acc525034628.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer stottert, wiederholt unfreiwillig Buchstaben, Silben oder Laute. Betroffen sind etwa ein Prozent aller Menschen. Meist tritt Stottern zwischen zwei und sechs Jahren erstmals auf. Über die Ursachen wird immer noch geforscht, Gene spielen offensichtlich eine wichtige Rolle. Für Betroffene gibt es inzwischen vielversprechende Behandlungsmethoden. Von Claudia Steiner (BR 2021)</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Slke Wolfrum<br/> Es sprachen: Katja Amberger<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Matthias Eggert</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-sottern-kind-logopaeden-therapie-sprechen-schule-100.html">HIER</a>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Georg Thum (Sprachheilpädagoge und akademischer Sprachtherapeut, Stotterberatungsstelle der Ludwig-Maximilians-Universität München);<br/>Martin Sommer (Professor; Klinik für Neurologie in Göttingen);<br/>Isabella Colthorp (Stottertherapeutin);<br/>Besmir (Betroffener);<br/>Kinder (namentlich nicht genannte Kinder der Intensivtherapie &quot;Stärker als Stottern&quot; in Berg am Starnberger See)</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Sprachentwicklung mit Hürden - Legasthenie und Dysgrammatismus<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/sprachentwicklung-mit-huerden-legasthenie-und-dysgrammatismus/bayern-2/91679562/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Deng Xiaoping - Der Mann, der China mächtig machte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/deng-xiaoping-der-mann-der-china-maechtig-machte/2111560</link>
      <pubDate>Tue, 21 Oct 2025 03:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e881ffd4-b598-460c-91ee-1f3f6a950884</guid>
      <description>Vor nicht mal 100 Jahren war China ein armes Land, heute eine Weltmacht. Das war nur möglich durch Deng Xiaoping. Wie hat er das geschafft? Und wer war er? Wer China heute verstehen will, muss Deng Xiaoping kennen. Autorin: Rebecca Ricker (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21288960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111560/c/feed/deng-xiaoping-der-mann-der-china-maechtig-machte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:10</itunes:duration>
      <itunes:author>Rebecca Ricker</itunes:author>
      <itunes:summary>Vor nicht mal 100 Jahren war China ein armes Land, heute eine Weltmacht. Das war nur möglich durch Deng Xiaoping. Wie hat er das geschafft? Und wer war er? Wer China heute verstehen will, muss Deng Xiaoping kennen. Autorin: Rebecca Ricker (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d50ae0e2-4d4d-446d-9dca-8d3c995160cc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Vor nicht mal 100 Jahren war China ein armes Land, heute eine Weltmacht. Das war nur möglich durch Deng Xiaoping. Wie hat er das geschafft? Und wer war er? Wer China heute verstehen will, muss Deng Xiaoping kennen. Autorin: Rebecca Ricker (BR 2025)</p><p>Credits</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Rebecca Ricker</p>
<p>Regie: Irene Schuck</p>
<p>Es sprachen: Katja Amberger, Thomas Birnstiel </p>
<p>Technik: Daniela Röder</p>
<p>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p> </p>
<p>Im Interview:</p>
<p>-    Susanne Weigelin-Schwiedrzik: emeritierte Sinologin, früher Uni Wien</p>
<p>-    Felix Lee Journalist und Autor</p>
<p> </p>
<p>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</p>
<p><a href="https://1.ard.de/alles-geschichte">Alles Geschichte - Der History-Podcast</a></p>
<p>Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast. </p>
<p><a href="https://1.ard.de/alles-geschichte">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p> </p>
<p>Linktipps:</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-deng-xiaoping-mann-der-china-maechtig-machte-wirtschaft-mao-100.html"><strong>HIER</strong></a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Filz - Tierisch, haarig und verblüffend</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/filz-tierisch-haarig-und-verblueffend/1820357</link>
      <pubDate>Tue, 21 Oct 2025 02:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">51cef116-fd1b-4a53-8329-bde636e88477</guid>
      <description>Filz ist ein ganz besonderer Stoff. Seit Ur-Zeiten braucht er kein Spindeln, keine Stricknadeln. Und er hat viel zu bieten! Innenarchitekten schwören auf die verblüffenden Eigenschaften dieses alten Werkstoffs aus Tierhaaren. (BR 2021) </description>
      <enclosure length="21139200" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1820357/c/feed/filz-tierisch-haarig-und-verblueffend.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:01</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Mösing</itunes:author>
      <itunes:summary>Filz ist ein ganz besonderer Stoff. Seit Ur-Zeiten braucht er kein Spindeln, keine Stricknadeln. Und er hat viel zu bieten! Innenarchitekten schwören auf die verblüffenden Eigenschaften dieses alten Werkstoffs aus Tierhaaren. (BR 2021) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d4ab8610-097b-4705-9a74-9a01892f458c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Filz ist ein ganz besonderer Stoff. Seit Ur-Zeiten braucht er kein Spindeln, keine Stricknadeln. Und er hat viel zu bieten! Innenarchitekten schwören auf die verblüffenden Eigenschaften dieses alten Werkstoffs aus Tierhaaren. (BR 2021) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Anja Mösing<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Andreas Neumann, Carsten Fabian<br/>Technik: Adele Kurdziel<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>- Dr. Karl Borromäus Murr, Historiker und Direktor des Staatlichen Textil- und Industriemuseums Augsburg</p>
<p>- Georg Dicks, Geschäftsführer M&amp;K Filzfabrik in Spalt; Max Treiber, Architekt und wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten der TU München.</p>
<p> </p>
<p><strong>Diese hörenswerte Folge könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „<strong>Ein Zimmer für uns allein</strong>“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/>Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>.</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>
<p><strong> </strong></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Diwali - Das hinduistische Lichterfest</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/diwali-das-hinduistische-lichterfest/2073081</link>
      <pubDate>Mon, 20 Oct 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">62775b6b-3c11-47b8-85ec-2a7e3f246c71</guid>
      <description>Über fünf Tage hinweg wird das hinduistische Lichterfest Diwali begangen, das je nach Mondkalender im Oktober oder November stattfindet. Ein spirituelles Highlight, das auch in deutschen Hindu-Tempeln gefeiert wird und als eines der bedeutendsten Ereignisse des indischen Festtagkalenders gilt. 
Autorin: Margarete Blümel (BR 2023)</description>
      <enclosure length="21758976" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2073081/c/feed/diwali-das-hinduistische-lichterfest.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Margarete Blümel</itunes:author>
      <itunes:summary>Über fünf Tage hinweg wird das hinduistische Lichterfest Diwali begangen, das je nach Mondkalender im Oktober oder November stattfindet. Ein spirituelles Highlight, das auch in deutschen Hindu-Tempeln gefeiert wird und als eines der bedeutendsten Ereignisse des indischen Festtagkalenders gilt. 
Autorin: Margarete Blümel (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/02569c90-a564-4f41-9280-c885424e64e4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Über fünf Tage hinweg wird das hinduistische Lichterfest Diwali begangen, das je nach Mondkalender im Oktober oder November stattfindet. Ein spirituelles Highlight, das auch in deutschen Hindu-Tempeln gefeiert wird und als eines der bedeutendsten Ereignisse des indischen Festtagkalenders gilt. 
Autorin: Margarete Blümel (BR 2023)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Margarete Blümel<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Julia Fischer, Thomas Birnstiel<br/>Technik: Jan Piepenstock<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Martin Baumann, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Luzern; <br/>Dr. Johanna Buß, Indologin an der Universität Leipzig; <br/>Prof. Gaya Charan Tripathi, Indologe (emeritus); <br/>Trilok Gupta, Privatlehrer, Delhi; A.K. Jain, Religionssoziologe, Delhi <br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Das Tier und die Religion - Mitgeschöpf oder Mahlzeit?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-tier-und-die-religion-mitgeschoepf-oder-mahlzeit/bayern-2/93655774/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Die Baha&#39;i - Religion ohne Glaubensgrenzen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-baha-i-religion-ohne-glaubensgrenzen/bayern-2/78755914/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Die Religion der Massai - Die Auserwählten von Gott Engai<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-religion-der-massai-die-auserwaehlten-von-gott-engai/bayern-2/12000107/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Axel Michaels „Der Hinduismus“, der Klassiker. Sehr differenzierte Darstellung der Hindu-Religionen mit vielen ihrer Facetten, die sich nicht nicht allein auf akademische Betrachtungen reduziert, sondern auch die Alltagsrituale bebildert.</p>
<p>Johanna Buß „Hinduismus für Dummies“, gelungener Versuch, eine der ältesten Religionen der Welt plastisch, theoretisch und zum Teil auch witzig darzustellen. Für „Anfänger“ und „Fortgeschrittene“ gleichermaßen gut geeignet. </p>
<p><strong>Und noch eine besondere Podcast-Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p> </p>
<p>Paula sucht Paula <br/>Das Tagebuch der jungen Undercover-Journalistin Paula Schlier gibt uns heute, 100 Jahre später, einen seltenen Einblick in die Anfänge des Nationalsozialismus in München. Aber wer war diese Frau, was hat sie motiviert, war sie überhaupt eine Heldin? Die BR-Reporterin Paula Lochte begibt sich auf Spurensuche.<br/><strong>Paula sucht Paula | Folge 1/3 | Alles Geschichte - History von radioWissen</strong><strong><br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/paula-schlier-und-der-hitlerputsch-1923-1-3/bayern-2/12878163/">JETZT ANHÖREN</a></strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-diwali-hinduistische-lichtfest-wiedergeburt-rama-erleuchtung-100.html"><strong>HIER</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Plan B - Immer eine Alternative parat</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/plan-b-immer-eine-alternative-parat/2111529</link>
      <pubDate>Mon, 20 Oct 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8409528f-e343-423e-a1ae-44ed471ef8fb</guid>
      <description>In einer Zeit, in der feste Lebensentwürfe brüchig geworden sind, wächst die Bedeutung von Alternativen. Statt vorgezeichneter Bahnen bestimmen Unsicherheit und Wahlfreiheit zunehmend unseren Weg. RadioWissen über die Kunst, sich neu zu orientieren - und mit einem Plan B neue Chancen zu entdecken. Autorin: Susanne Hofmann</description>
      <enclosure length="21827328" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111529/c/feed/plan-b-immer-eine-alternative-parat.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Hofmann, Susanne</itunes:author>
      <itunes:summary>In einer Zeit, in der feste Lebensentwürfe brüchig geworden sind, wächst die Bedeutung von Alternativen. Statt vorgezeichneter Bahnen bestimmen Unsicherheit und Wahlfreiheit zunehmend unseren Weg. RadioWissen über die Kunst, sich neu zu orientieren - und mit einem Plan B neue Chancen zu entdecken. Autorin: Susanne Hofmann</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/80313708-66fc-417c-898e-81df359745d7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In einer Zeit, in der feste Lebensentwürfe brüchig geworden sind, wächst die Bedeutung von Alternativen. Statt vorgezeichneter Bahnen bestimmen Unsicherheit und Wahlfreiheit zunehmend unseren Weg. RadioWissen über die Kunst, sich neu zu orientieren - und mit einem Plan B neue Chancen zu entdecken. Autorin: Susanne Hofmann</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autorin: Susanne Hofmann</p>
<p>Regie:<em> </em>Sabine Kienhöfer</p>
<p>Sprecher: Christian Baumann</p>
<p>Technik:<em> </em>Andreas Lucke</p>
<p>Redaktion: Iska Schreglmann</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Prof. Alexandra Freund, Professorin für Entwicklungspsychologie am </p>
<p>Psychologischen Institut der Universität Zürich</p>
<p>Prof. Volker Depkat, Professor am Institut für America Studies der</p>
<p>Universität Regensburg</p>
<p>Dipl. Psych. Madeleine Leitner, Karriereberaterin in München</p>
<p>Veronika, Pflegemutter</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein"><strong>Ein Zimmer für uns allein</strong></a></p>
<p>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">„<strong>Ein Zimmer für uns allein</strong>“</a> – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/>Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>.</p>
<p><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:52c8f8a5bbb0d017/">Radiowissen · Priming Effekte: Wie unabhängig sind wir in unseren Entscheidungen? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f49c981ed6212fe1/">Radiowissen · Die innere Leere - Warnsignal mit Chance · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:fb67668c14ba3fe4/">Radiowissen · Zufall oder vorbestimmt? Wie das Leben läuft · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-plan-b-immer-eine-alternative-parat-ziel-umdenken-scheitern-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bettina von Arnims Armenbuch - Kampf gegen soziales Elend</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bettina-von-arnims-armenbuch-kampf-gegen-soziales-elend/2110492</link>
      <pubDate>Sat, 18 Oct 2025 10:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ae1fc0ae-124b-4730-86b2-32a36a6de3b6</guid>
      <description>Bettina von Arnim zählt zum Kreis der intellektuellen Frauen in der Romantik. Doch sie ist mehr als nur Dichterin: Sie ist auch politische Publizistin und scharfe Beobachterin des sozialen Elends im Zeitalter der beginnenden Industrialisierung. Ihre Kritik bringt sie in echte Schwierigkeiten. (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21364608" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110492/c/feed/bettina-von-arnims-armenbuch-kampf-gegen-soziales-elend.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Illinger, Steffi</itunes:author>
      <itunes:summary>Bettina von Arnim zählt zum Kreis der intellektuellen Frauen in der Romantik. Doch sie ist mehr als nur Dichterin: Sie ist auch politische Publizistin und scharfe Beobachterin des sozialen Elends im Zeitalter der beginnenden Industrialisierung. Ihre Kritik bringt sie in echte Schwierigkeiten. (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6037d8f0-0d7f-4e57-a48f-cd4758876a76.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bettina von Arnim zählt zum Kreis der intellektuellen Frauen in der Romantik. Doch sie ist mehr als nur Dichterin: Sie ist auch politische Publizistin und scharfe Beobachterin des sozialen Elends im Zeitalter der beginnenden Industrialisierung. Ihre Kritik bringt sie in echte Schwierigkeiten. (BR 2025)</p><p><strong> </strong><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Steffi Illinger<br/>Regie: Martin Trauner <br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Susanne Schroeder, Stefan Merki <br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>Prof. Wolfgang Bunzel, Romantik-Forscher vom Frankfurter Goethe-Museum</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/"><strong>Ein Zimmer für uns allein. Zwei Frauen – zwei Generationen, spannende Themen.</strong></a></p>
<p>Im Podcast „Ein Zimmer für uns allein“ mit Host Paula Lochte treffen zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander und sprechen über ein Thema, das sie verbindet. Zum Beispiel über Schönheitsideale, sexuelle Aufklärung, Finanzen, Care-Arbeit. Was waren ihre Struggles damals und heute? Was hat sich verändert oder vielleicht sogar verbessert? <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/">[HIER]</a></p>

<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2996947b519e5f05/"><strong>Astrid Lindgren. Wie der Krieg sie zur Kinderrechtlerin machte. </strong></a></p>
<p>Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, hält Astrid Lindgren als junge Frau ihre Eindrücke von der Zerstörung und Inhumanität der Nationalsozialisten in einem politischen Tagebuch fest. Es sind auch die Jahre, in denen sie Pippi Langstrumpf erfindet. <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2996947b519e5f05/">[HIER]</a></p>

<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:3a898845aa573f93/"><strong>Die ersten Salonnièren. Als Frauen mitreden wollten.</strong></a></p>
<p>Lange Zeit durften Frauen weder politisch entscheiden, noch öffentlich mitreden. Vor rund 300 Jahren hatten bürgerliche Frauen dann die Idee, Gelehrte einfach zu sich nach Hause einzuladen. In den so genannten Salons, ihren Wohnzimmern, wurde angeregt diskutiert, debattiert – und sich emanzipiert. [<a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:3a898845aa573f93/">HIER</a>]</p>

<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>-      Bettina von Arnims Armenbuch, hrsg. Von Werner Vordtriede, Insel-Verlag? 1981</p>
<p>-      Bettina von Arnim: Dies Buch gehört dem König, Holzinger-Verlag 2015</p>
<p>-      Wolfgang Bunzel: „Die Welt umwälzen“, Bettine von Arnim, geborene Brentano. Freies Deutsches Hochstift. 2009</p>
<p>-      Sulamith Sparre: Aber Göttlich und Außerordentlich reimt sich“: Bettine von Arnim (1785 - 1859), Bettine von Arnim (1785 - 1859), Muse, Schriftstellerin, politische Publizistin (Widerständige Frauen) Taschenbuch – 9. März 2009</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansurkitpe-bettina-von-arnim-armenbruch-kampf-gegen-soziales-elend-sozial-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Trailer: Die weiteste Reise</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/trailer-die-weiteste-reise/2111488</link>
      <pubDate>Sat, 18 Oct 2025 07:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7abbd29a-d9ed-43cc-a6ed-430a67f57ed8</guid>
      <description>Zum Weiterhören und Teilen: beide Teile der Reise findet Ihr hier:

Die weiteste Reise (1) - Ins Universum
https://1.ard.de/IQ_die_weiteste_Reise_1_Universum

Die weiteste Reise (2) - Bis zur letzten Grenze
https://1.ard.de/https___1_ard_de_IQ_die_weiteste_Reise_2_LetzteGrenze

Ein Podcast von Stefan Geier.  </description>
      <enclosure length="1848960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111488/c/feed/trailer-die-weiteste-reise.mp3"/>
      <itunes:duration>00:01:55</itunes:duration>
      <itunes:author>Stefan, Geier</itunes:author>
      <itunes:summary>Zum Weiterhören und Teilen: beide Teile der Reise findet Ihr hier:

Die weiteste Reise (1) - Ins Universum
https://1.ard.de/IQ_die_weiteste_Reise_1_Universum

Die weiteste Reise (2) - Bis zur letzten Grenze
https://1.ard.de/https___1_ard_de_IQ_die_weiteste_Reise_2_LetzteGrenze

Ein Podcast von Stefan Geier.  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/76505c8a-238f-416e-b66c-73d37812e5fc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zum Weiterhören und Teilen: beide Teile der Reise findet Ihr hier:

Die weiteste Reise (1) - Ins Universum
https://1.ard.de/IQ_die_weiteste_Reise_1_Universum

Die weiteste Reise (2) - Bis zur letzten Grenze
https://1.ard.de/https___1_ard_de_IQ_die_weiteste_Reise_2_LetzteGrenze

Ein Podcast von Stefan Geier.  </p><p>Zum Weiterhören und Teilen: beide Teile der Reise findet Ihr hier:</p>
<h3><br/><a href="https://1.ard.de/IQ_die_weiteste_Reise_1_Universum"><strong>Die weiteste Reise (1) - Ins Universum</strong></a><br/><br/><br/><a href="https://1.ard.de/https___1_ard_de_IQ_die_weiteste_Reise_2_LetzteGrenze"><strong>Die weiteste Reise (2) - Bis zur letzten Grenze </strong></a></h3>


<p><strong><br/></strong></p>
<p><a href="https://1.ard.de/IQWissenschaft"><strong>https://1.ard.de/IQWissenschaft</strong></a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der weibliche Zyklus - Lebenskreislauf im Verborgenen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-weibliche-zyklus-lebenskreislauf-im-verborgenen/1849537</link>
      <pubDate>Sat, 18 Oct 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a5bc2e21-1e8c-4f3d-ad77-555f77bf7546</guid>
      <description>Alle Frauen dieser Welt durchleben den weiblichen Zyklus Monat für Monat. Er beeinflusst deutlich Körper- und Selbstwahrnehmung. Für viele Frauen ist die monatliche Menstruation immer noch Anlass für Schamgefühle. Zyklusbedingte Erkrankungen sind noch zu wenig erforscht und das Wissen über hormonelle Abläufe erstaunlich gering. Von Birgit Magiera (BR 2022)</description>
      <enclosure length="21914496" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1849537/c/feed/der-weibliche-zyklus-lebenskreislauf-im-verborgenen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:49</itunes:duration>
      <itunes:author>Birgit Magiera</itunes:author>
      <itunes:summary>Alle Frauen dieser Welt durchleben den weiblichen Zyklus Monat für Monat. Er beeinflusst deutlich Körper- und Selbstwahrnehmung. Für viele Frauen ist die monatliche Menstruation immer noch Anlass für Schamgefühle. Zyklusbedingte Erkrankungen sind noch zu wenig erforscht und das Wissen über hormonelle Abläufe erstaunlich gering. Von Birgit Magiera (BR 2022)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d403a3aa-a5f3-4fd8-8596-0452a9f763ff.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Alle Frauen dieser Welt durchleben den weiblichen Zyklus Monat für Monat. Er beeinflusst deutlich Körper- und Selbstwahrnehmung. Für viele Frauen ist die monatliche Menstruation immer noch Anlass für Schamgefühle. Zyklusbedingte Erkrankungen sind noch zu wenig erforscht und das Wissen über hormonelle Abläufe erstaunlich gering. Von Birgit Magiera (BR 2022)</p><p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Birgit Magiera<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Xenia Tiling, Diana Gaul<br/> Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/> Redaktion: Matthias Eggert</p>
<p><strong>Linktipps:</strong><br/><strong>Wechseljahre: Das erwartet dich rund um die Menopause</strong><br/>Wechseljahre? Daran kommt keine Frau vorbei. Doch gegen Symptome wie Hitzewallungen und Schlafprobleme gibt es vielfältige Strategien. Wir erklären, woran ihr die Menopause erkennt und wie ihr die Hormonumstellung gut bewältigt.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardalpha.de/wissen/gesundheit/gesund-leben/wechseljahre-menopause-perimenopause-symptome-alter-100.html">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Training nach Zyklus: Wann Frauen am besten welchen Sport machen</strong><br/>Ist euch schon aufgefallen, dass euch manche Sportarten zu bestimmten Zeiten schwerer fallen? Als Frau lebt ihr nach einem monatlichen Zyklus: Hormone beeinflussen euren Körper. Das solltet ihr beachten, um besser zu trainieren.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardalpha.de/wissen/gesundheit/gesund-leben/training-zyklus-menstruation-oestrogen-fitness-sport-periode-cardio-kraft-muskel-100.html#:~:text=Lockeres%20Ausdauertraining%2C%20Yoga%2C%20Schwimmen%20oder,Daf%C3%BCr%20seid%20ihr%20voller%20Energie!">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-der-weibliche-zylklus-100.html">HIER</a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Herausforderung Patchwork-Familie – Bereichernd und konfliktreich</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/herausforderung-patchwork-familie-bereichernd-und-konfliktreich/2110446</link>
      <pubDate>Fri, 17 Oct 2025 15:57:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">14c628ec-1146-4a1a-aa6c-f1a7bdfe3228</guid>
      <description>Familienleben ist nicht immer einfach. Richtig schwierig wird es, wenn zwei Familien zusammengewürfelt werden. Dann entsteht keineswegs automatisch eine bunte und lebendige Großfamilie. Unterschiedlichen Erwartungen sorgen für Zündstoff. Von Karin Lamsfuß</description>
      <enclosure length="21246336" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110446/c/feed/herausforderung-patchwork-familie-bereichernd-und-konfliktreich.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:07</itunes:duration>
      <itunes:author>Lamsfuß, Karin</itunes:author>
      <itunes:summary>Familienleben ist nicht immer einfach. Richtig schwierig wird es, wenn zwei Familien zusammengewürfelt werden. Dann entsteht keineswegs automatisch eine bunte und lebendige Großfamilie. Unterschiedlichen Erwartungen sorgen für Zündstoff. Von Karin Lamsfuß</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/37501f8b-8e91-411c-9b73-604aebc007f2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Familienleben ist nicht immer einfach. Richtig schwierig wird es, wenn zwei Familien zusammengewürfelt werden. Dann entsteht keineswegs automatisch eine bunte und lebendige Großfamilie. Unterschiedlichen Erwartungen sorgen für Zündstoff. Von Karin Lamsfuß</p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Karin Lamsfuß</p>
<p>Es sprachen: Susanne Schroeder, Johannes Hitzelberger</p>
<p>Regie: Martin Trauner</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p> </p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/urn:ard:show:be34348e7e107ac6/"><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/urn:ard:show:be34348e7e107ac6/">https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/urn:ard:show:be34348e7e107ac6/</a></p>
<p>Jeder Mensch &#39;tickt&#39; anders - doch warum? Psychologie hilft, unsere Wahrnehmung zu schärfen und sich und andere besser zu verstehen. Ihr wollt erfahren, weshalb Dankbarkeit befreiend wirken kann, Neid uns einengt, was unsere Partnerwahl über uns aussagt, und wieso wir dazu neigen, unangenehme Dinge aufzuschieben? Das und viel mehr beantwortet unser Psychologie Podcast &quot;Wie wir ticken&quot; vom BR und SWR jede Woche mit einer neuen Folge. Immer mittwochs in der ARD Audiothek und am Freitag auf allen anderen Plattformen. Ihr habt Fragen, Anmerkungen oder Themenwünsche? Schreibt uns gerne eine Nachricht über wiewirticken@ard.de!</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ul>
<li>Lisa Jahns und Torsten Geiling: Du hast doch gewusst, dass ich Kinder habe! Verlag Goldegg, 2025</li>
<li> Katharina Grünewald: Glückliche Stiefmutter. Gut zusammenleben in Patchwork-Familien, Herder, 2018</li>
<li> Nina Weimann-Sandig: Meine Kinder, deine Kinder. Die besten Strategien für den Familienalltag von Patchwork-Eltern</li>
</ul>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-herausforderung-patchwork-familie-stiefeltern-trennung-100.html">HIER</a></strong>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Therese von Bayern – Prinzessin mit Forschergeist</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/therese-von-bayern-prinzessin-mit-forschergeist/1909893</link>
      <pubDate>Fri, 17 Oct 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c7786d7e-e600-405f-8b33-e3492a28b5e2</guid>
      <description>Therese von Bayern (1850-1925) war Ethnologin, Zoologin, Botanikerin, Reiseschriftstellerin - und Prinzessin. Dabei besuchte die einzige Tochter von Prinzregent Luitpold von Bayern nie eine Schule oder Universität. (BR 2022)</description>
      <enclosure length="22138368" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1909893/c/feed/therese-von-bayern-prinzessin-mit-forschergeist.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Therese von Bayern (1850-1925) war Ethnologin, Zoologin, Botanikerin, Reiseschriftstellerin - und Prinzessin. Dabei besuchte die einzige Tochter von Prinzregent Luitpold von Bayern nie eine Schule oder Universität. (BR 2022)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d8016337-54fa-42cf-b563-51a09202192d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Therese von Bayern (1850-1925) war Ethnologin, Zoologin, Botanikerin, Reiseschriftstellerin - und Prinzessin. Dabei besuchte die einzige Tochter von Prinzregent Luitpold von Bayern nie eine Schule oder Universität. (BR 2022)</p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Claudia Steiner<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Katja Schild, Peter Veit<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/><br/></p>

<p>Literaturtipps:</p>
<ul>
<li>Hadumod Bußmann, „Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet“, Die ungewöhnliche Geschichte der Therese Prinzessin von Bayern, C.H. Beck</li>
<li>Hadumod Bußmann (Hrsg.), Die Prinzessin und ihr „Kavalier“, Therese von Bayern und Maximilian Freiherr von Speidel auf Brasilien-Expedition im Jahr 1888, Allitera Verlag </li>
<li>Hadumod Bußmann, Prinzessin Dr. h.c. Therese von Bayern, Ihr Leben zwischen München und Bodensee – zwischen Standespflichten und Selbstbestimmung, Allitera Verlag </li>
<li>Hadumod Bußmann, Eva Neukum-Fichtner (Hrsgg.), „Ich bleibe ein Wesen eigener Art“, Prinzessin Therese von Bayern  </li>
<li>Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 2021, band 84, Heft 2, Walther Bernecker, Auf der Suche nach selbstbestimmter Freiheit, C.H. Beck</li>
</ul>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/">DAS KALENDERBLATT</a> <br/><br/></strong></p>
<p><strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. </strong><strong>Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.</strong></p>
<p><strong><a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-therese-von-bayern-prinzessin-mit-forschergeist-100.html">HIER</a></strong>.</p>
 
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Beleidigung – Die Geschichte einer Straftat</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-beleidigung-die-geschichte-einer-straftat/2111434</link>
      <pubDate>Fri, 17 Oct 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d1821324-284e-47be-9d81-faa1577849dc</guid>
      <description>Der Paragraf für die Beleidigung stammt noch aus der Kaiserzeit. Vom Offizierskasino bis zu Social Media wird immer neu verhandelt, was das Gesetz dabei schützen soll: die Ehre, die Ordnung, oder vielleicht sogar die Freiheit.Von Hans Christoph Böhringer </description>
      <enclosure length="24456192" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111434/c/feed/die-beleidigung-die-geschichte-einer-straftat.mp3"/>
      <itunes:duration>00:25:28</itunes:duration>
      <itunes:author>Boehringer, Hans Christoph</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Paragraf für die Beleidigung stammt noch aus der Kaiserzeit. Vom Offizierskasino bis zu Social Media wird immer neu verhandelt, was das Gesetz dabei schützen soll: die Ehre, die Ordnung, oder vielleicht sogar die Freiheit.Von Hans Christoph Böhringer </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f1eb1e11-8775-4488-99e3-5b7fe57b8eee.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Paragraf für die Beleidigung stammt noch aus der Kaiserzeit. Vom Offizierskasino bis zu Social Media wird immer neu verhandelt, was das Gesetz dabei schützen soll: die Ehre, die Ordnung, oder vielleicht sogar die Freiheit.Von Hans Christoph Böhringer </p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Hans Christoph Böhringer <br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Peter Weiß, Werner Härtl<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p> </p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>●     Winfried Speitkamp, Historiker, ehemals Bauhaus-Universität Weimar</p>
<p>●     Jörg Eisele, Professor für Strafrecht ua., Universität Tübingen</p>
<p> </p>
<p>●     Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht, Universität Leipzig</p>


<p>Wohin geht die weiteste Reise, die wir als Menschen überhaupt antreten können? Wir laden Euch ein auf eine ganz besondere Entdeckungsreise: Es geht bis an den Rand unseres Universums. Zum weitesten Punkt, den wir mit heutigen Mitteln überhaupt erreichen können. Bitte einsteigen: Die 2-teilige weiteste Reise findet Ihr hier: </p>
<p>Die weiteste Reise (1) - Ins Universum</p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:73d464ded5e28c16/">JETZT ENDECKEN </a></strong></p>
<p>Die weiteste Reise (2) - Bis zur letzten Grenze </p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:1a42cede94187c68/">JETZT ENDECKEN </a></strong></p>
<p>Ein Podcast von Stefan Geier.</p>

<p>Wissenschaft geht uns alle an. In IQ – Wissenschaft und Forschung berichten die Wissenschaftsjournalisten der ARD über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Technik, Astronomie, Medizin, Archäologie, Biologie, Natur. <a title="Hier geht es zu IQ!" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/urn:ard:show:66661ab636d879c5/">JETZT ENTDECKEN</a></p>

<p><strong>Diese hörenswerten Folgen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-bundesverfassungsgericht-waechter-des-grundgesetzes/2098726">Das Bundesverfassungsgericht - Wächter des Grundgesetzes</a></strong></p>
<p>Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist seit mehr als 70 Jahren Wächter des Grundgesetzes und stärkt Bürger- und Freiheitsrechte oder setzt staatlichen Eingriffen Schranken. Aber es gibt weltweit Versuche, unabhängige Gerichte zu schwächen. Das Bundesverfassungsgericht soll wehrhaft gegen Angriffe gemacht werden.Von Wolfram Schrag.</p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-bundesverfassungsgericht-waechter-des-grundgesetzes/2098726">Das Bundesverfassungsgericht - Wächter des Grundgesetzes - Radiowissen | BR Podcast</a></p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>Weiterführende Literatur:</strong></p>
<p>·         Winfried Speitkamp; „Ohrfeige, Duell und Ehrenmord – Eine Geschichte der Ehre“, 2010, Reclam</p>

<p>·         Annika Frank; „Die Beleidigung - Diskurse um Ehre, Respekt und Integrität im Kontinuum zwischen Alltag und Recht“, 2023, Erich Schmidt Verlag</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-die-beleidigung-geschichte-straftat-meinungsfreiheit-recht-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Odo Marquard - Philosoph, Entertainer, leidenschaftlicher Demokrat</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/odo-marquard-philosoph-entertainer-leidenschaftlicher-demokrat/2110414</link>
      <pubDate>Thu, 16 Oct 2025 16:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2c7b8132-b609-46bc-9b6f-000df5d8a41d</guid>
      <description>&quot;Pluralismus ist eine Form der Gewaltenteilung&quot;, sagt Odo Marquard, der Skeptiker und Sprachkünstler unter den Philosophen. Zu den &quot;Gewalten&quot;, die kritisch beleuchtet werden sollten, zählt Marquard auch Utopien und moralische Überzeugungen. Von Christian Schuler  </description>
      <enclosure length="22102272" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110414/c/feed/odo-marquard-philosoph-entertainer-leidenschaftlicher-demokrat.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:01</itunes:duration>
      <itunes:author>Schuler, Christian</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Pluralismus ist eine Form der Gewaltenteilung&quot;, sagt Odo Marquard, der Skeptiker und Sprachkünstler unter den Philosophen. Zu den &quot;Gewalten&quot;, die kritisch beleuchtet werden sollten, zählt Marquard auch Utopien und moralische Überzeugungen. Von Christian Schuler  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b8df2703-c41e-4da8-b194-21f608d71356.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Pluralismus ist eine Form der Gewaltenteilung", sagt Odo Marquard, der Skeptiker und Sprachkünstler unter den Philosophen. Zu den "Gewalten", die kritisch beleuchtet werden sollten, zählt Marquard auch Utopien und moralische Überzeugungen. Von Christian Schuler  </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p><strong>Autor/in dieser Folge: Christian Schuler</strong></p>
<p><strong>Regie: Martin Trauner</strong></p>
<p><strong>Es sprachen: Caroline Ebner, Stefan Merki </strong></p>
<p><strong>Regie: Sabine Kienhöfer</strong></p>
<p><strong>Redaktion: Bernhard Kastner</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Franz-Josef Wetz, Philosoph (Gießen)</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Links:</strong></p>
<p><strong>Der Philosoph Karl Popper - Leben ohne Utopie und letzte Gewissheit</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:6858d8b2b8a944bb/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:6858d8b2b8a944bb/</a></p>
<p>Wie funktioniert eine offene Gesellschaft und wie lässt sie sich bewahren? Wie kommt wissenschaftliche Erkenntnis zustande? Fragen, die den Philosophen Karl Popper zeit seines Lebens umtrieben. Er war ein konstruktiver Skeptiker, der rechten wie linken Gesellschaftsutopien kritisch gegenüberstand. Von Christian Schuler (BR 2024)</p>
<p> </p>
<p><strong>Platons Philosophie - Ein Gastmahl der Liebe</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:850ed47df0b9856c/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:850ed47df0b9856c/</a></p>
<p>Um 400 v. Chr. traf sich in Athen eine buntgemischte Gruppe von Männern, die über Liebe und Eros sinnierten. Unter ihnen zwei Philosophen, die wie kaum jemand sonst das Denken des Abendlandes prägen sollten: Sokrates und sein Schüler Platon. Autor: Michael Reitz</p>
<p> </p>
<p><strong>Immanuel Kant - Der Weltweise aus Königsberg</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:671c9a8a0baa3498/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:671c9a8a0baa3498/</a></p>
<p>Niemand hat Denken und Wertvorstellungen der Deutschen nachhaltiger beeinflusst als Immanuel Kant - der &quot;typisch deutsche&quot; Hang zum Grübeln etwa oder das preußische Pflichtbewusstsein. Autor: Michael Conradt</p>
<p> </p>
<p><br/></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Werke von Odo Marquard:</p>
<p>Apologie des Zufälligen. Philosophische Studien (1986)</p>
<p>Skepsis und Zustimmung. Philosophische Studien (1994)</p>
<p>Der Einzelne. Vorlesungen zur Existenzphilosophie (2013)</p>
<p>Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays. Mit einem Nachwort von Franz Josef Wetz (2020)</p>
<p>Endlichkeitsphilosophisches. Über das Altern. Hrsg. und mit einer Einleitung von Franz Josef Wetz (2021)</p>
<p> </p>
<p>Alle Bücher sind erschienen im Philipp Reclam jun. Verlag GmbH Ditzingen.</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-philosop-demokrat-skepsis-demokratie-pluralismus-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: </p>
<p> </p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Glashütten in Bayern - Handwerk und High-Tech</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/glashuetten-in-bayern-handwerk-und-high-tech/1813986</link>
      <pubDate>Thu, 16 Oct 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1fdc293a-a1ea-4f49-a849-887487c87cdf</guid>
      <description>Die Glasindustrie in Ostbayern hat eine jahrhundertelange Tradition. Es gab große Erfolge und schwierige Zeiten, gerade in den letzten Jahrzehnten. Aber Glas ist auch aus modernen Technologien nicht wegzudenken. (BR 2020)</description>
      <enclosure length="21823488" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1813986/c/feed/glashuetten-in-bayern-handwerk-und-high-tech.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Renate Ell</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Glasindustrie in Ostbayern hat eine jahrhundertelange Tradition. Es gab große Erfolge und schwierige Zeiten, gerade in den letzten Jahrzehnten. Aber Glas ist auch aus modernen Technologien nicht wegzudenken. (BR 2020)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/98d6026d-6e40-4b67-99c4-b077da1a949c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Glasindustrie in Ostbayern hat eine jahrhundertelange Tradition. Es gab große Erfolge und schwierige Zeiten, gerade in den letzten Jahrzehnten. Aber Glas ist auch aus modernen Technologien nicht wegzudenken. (BR 2020)</p><p>Noch mehr Interesse an Geschichte? – Dann empfehlen wir: </p>
<p><strong>Alles Geschichte – History von radioWissen</strong><br/>https://br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/841</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Käseland Allgäu - Geschichte der Milchwirtschaft</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kaeseland-allgaeu-geschichte-der-milchwirtschaft-1/2111398</link>
      <pubDate>Thu, 16 Oct 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">28349667-3cf2-4570-af0a-6e3185d39c23</guid>
      <description>Allgäuer Emmentaler - eigentlich ein merkwürdiger Name für einen Käse, denn er ist gleich nach zwei Regionen benannt. Aber gerade diese Bezeichnung transportiert viel von der Geschichte des Käselands Allgäu.</description>
      <enclosure length="21583872" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111398/c/feed/kaeseland-allgaeu-geschichte-der-milchwirtschaft-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:28</itunes:duration>
      <itunes:author>Ell, Renate</itunes:author>
      <itunes:summary>Allgäuer Emmentaler - eigentlich ein merkwürdiger Name für einen Käse, denn er ist gleich nach zwei Regionen benannt. Aber gerade diese Bezeichnung transportiert viel von der Geschichte des Käselands Allgäu.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/53c0e094-fa3b-469a-87fa-39ed14ec7046.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Allgäuer Emmentaler - eigentlich ein merkwürdiger Name für einen Käse, denn er ist gleich nach zwei Regionen benannt. Aber gerade diese Bezeichnung transportiert viel von der Geschichte des Käselands Allgäu.</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Renate Ell<br/> Regie: Axel Wostry<br/> Es sprachen: Julia Fischer, Johannes Hitzelberger<br/> Technik: <br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>Emmerich Heilinger, ehemaliger Geschäftsführer des Milchwirtschaftlichen Vereins Allgäu-Schwaben, Kempten</p>

<p><br/></p>
<p><strong>LITERATUR</strong></p>
<p>Milchwirtschaftlicher Verein im Allgäu: Geschichte der Allgäuer Milchwirtschaft. 100 Jahre Allgäuer Milch im Dienste der Ernährung. Kempten/Allgäu 1955</p>
<p>Jos. Buck: Handbuch für Reisende im Algäu, Lechthal und Bregenzerwald. Kempten 1856; Faksimile: Verlag Tobias Dannheimer GmbH, Kempten, 1983</p>
<p>Mittheilungen des Milchwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, 1887 ff.</p>
<p><br/><br/></p>
<p><strong>Eine Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>

<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Anstupsen oder Aufklären - Nudging und Boosting in der Verhaltenspsychologie</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/anstupsen-oder-aufklaeren-nudging-und-boosting-in-der-verhaltenspsychologie/2111399</link>
      <pubDate>Thu, 16 Oct 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3dbd294c-e6e4-4967-9f64-40985b937c68</guid>
      <description>Was hilft uns, gute Entscheidungen zu fällen und sie auch umzusetzen? Nudging und Boosting sind zwei neuere Konzepte aus der Verhaltenspsychologie, die uns dabei unterstützen sollen. Was wirkt nachhaltiger: der sanfte Schubs (Nudging) oder die Stärkung der eigenen Urteilsfähigkeit? (BR 2025)     </description>
      <enclosure length="21640320" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111399/c/feed/anstupsen-oder-aufklaeren-nudging-und-boosting-in-der-verhaltenspsychologie.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Remus, Daniela</itunes:author>
      <itunes:summary>Was hilft uns, gute Entscheidungen zu fällen und sie auch umzusetzen? Nudging und Boosting sind zwei neuere Konzepte aus der Verhaltenspsychologie, die uns dabei unterstützen sollen. Was wirkt nachhaltiger: der sanfte Schubs (Nudging) oder die Stärkung der eigenen Urteilsfähigkeit? (BR 2025)     </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/df58c368-9257-402e-94f8-9b5f4fb3c876.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was hilft uns, gute Entscheidungen zu fällen und sie auch umzusetzen? Nudging und Boosting sind zwei neuere Konzepte aus der Verhaltenspsychologie, die uns dabei unterstützen sollen. Was wirkt nachhaltiger: der sanfte Schubs (Nudging) oder die Stärkung der eigenen Urteilsfähigkeit? (BR 2025)     </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Daniela Remus <br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Peter Weiß, Irina Wanka <br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p>  </p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>- Prof. Jörn Basel, Wirtschaftspsychologe, Hochschule Luzern</p>
<p>- Prof. Timo Goeschl, Umweltökonom, Alfred-Weber Institut für Wirtschaftswissenschaften, Universität Heidelberg</p>
<p>- Dr. Stefan Herzog, Psychologe, Max Planck Institut für Bildungsforschung, Berlin </p>
<p>- Prof. Robert Lepenies. Politikwissenschaftler, Karlshochschule, Karlsruhe</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>

<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Forschung von Dr. Stefan Herzog, MPI für Bildungsforschung, Berlin:</p>
<p><a href="https://www.mpib-berlin.mpg.de/forschung/forschungsbereiche/adaptive-rationalitaet/forschungsfelder/staerkung-von-entscheidungskompetenzen">https://www.mpib-berlin.mpg.de/forschung/forschungsbereiche/adaptive-rationalitaet/forschungsfelder/staerkung-von-entscheidungskompetenzen</a></p>
<p>Herzog, S. M., &amp; Hertwig, R. (2022). Kompetenzen mit “Boosts” stärken: Verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse jenseits jenseits von “Nudging” [Strengthening competencies with boosts: Behavioral insights beyond nudging]. <em>Report Psychologie, 4</em>, 18–21. <a href="https://pure.mpg.de/rest/items/item_3378896_9/component/file_3399461/content#page=3">Freier Zugang</a></p>

<p><strong>Forschung von Prof. Timo Goeschl, Alfred Weber Institut für Wirtschaftswissenschaften, Universität Heidelberg:</strong></p>
<p><a href="https://backend.awi.uni-heidelberg.de/en/documents/755-october-2024/download">/https://backend.awi.uni-heidelberg.de/en/documents/755-october-2024/download</a></p>
<p><strong>Forschung von Prof. Jörn Basel, Hochschule Luzern</strong></p>
<p>https://www.behavioraleconomics.com/be-guide/the-behavioral-economics-guide-2025/</p>
<p><a href="http://dx.doi.org/10.38023/fe42234b-1513-413c-9000-e19010b8c6f3">http://dx.doi.org/10.38023/fe42234b-1513-413c-9000-e19010b8c6f3</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Forschung von Prof. Robert Lepenies, Karlshochschule, Karlsruhe</strong></p>
<p>-      <strong>Lepenies, R</strong>., Mackay, K. and Quigley, M., 2018. Three challenges for behavioural science and policy: the empirical, the normative and the political. Behavioural Public Policy, 2(2), pp.174-182.</p>

<p>-       Malecka, M. and <strong>Lepenies, R.</strong>, 2018. Is the Behavioral Approach a Form of Scientific Imperialism?: An Analysis of Law and Policy. Scientific Imperialism Exploring the Boundaries of Interdisciplinarity, edited by Uskali Mäki, Adrian Walsh, Manuela Fernández Pinto. Routledge Studies in Science, Technology and Society. pp. 254-273.</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-nudging-boosting-verhaltenspsychologie-psychotricks-manipulation-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Autofiktion - Wer schreibt hier eigentlich?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/autofiktion-wer-schreibt-hier-eigentlich-1/2111360</link>
      <pubDate>Wed, 15 Oct 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">77f50df4-8d6d-43a6-9b51-0eca5df973eb</guid>
      <description>Die Selbstoffenbarung ist ein boomendes literarisches Genre geworden, vom norwegischen Bestsellerautor Karl Ove Knausgard bis zur Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux. Wer autofiktional schreibt, hat aber mehr als ein narzisstisches Anliegen. Im eigenen Erleben spiegeln sich prägende gesellschaftliche Themen wie Klassenkampf und Identitätssuche. Autorin: Barbara Knopf</description>
      <enclosure length="22638336" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111360/c/feed/autofiktion-wer-schreibt-hier-eigentlich-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Knopf, Barbara</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Selbstoffenbarung ist ein boomendes literarisches Genre geworden, vom norwegischen Bestsellerautor Karl Ove Knausgard bis zur Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux. Wer autofiktional schreibt, hat aber mehr als ein narzisstisches Anliegen. Im eigenen Erleben spiegeln sich prägende gesellschaftliche Themen wie Klassenkampf und Identitätssuche. Autorin: Barbara Knopf</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b3bb12cf-3999-4136-9530-aa376165c0ed.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Selbstoffenbarung ist ein boomendes literarisches Genre geworden, vom norwegischen Bestsellerautor Karl Ove Knausgard bis zur Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux. Wer autofiktional schreibt, hat aber mehr als ein narzisstisches Anliegen. Im eigenen Erleben spiegeln sich prägende gesellschaftliche Themen wie Klassenkampf und Identitätssuche. Autorin: Barbara Knopf</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Barbara Knopf<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen:  Johannes Hitzelberger, Hemma Michel, Frank Manhold, Diana Gaul <br/> Technik: Regina Staerke <br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>Sonja Finck, freie literarische Übersetzerin, Berlin</p>
<p>Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf, Lehrstuhl Neuere Deutsche Literatur Universität Münster </p>
<br/>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-autofiktion-literaturfiktion-biographie-annie-ernaux-knausgard-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Erasmus von Rotterdam - Ein europäischer Intellektueller</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/erasmus-von-rotterdam-ein-europaeischer-intellektueller-1/2111361</link>
      <pubDate>Wed, 15 Oct 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e8ab2b1e-1e34-4157-a377-f5ba1f4d707b</guid>
      <description>Die Nachwelt nennt ihn den &quot;König der Humanisten&quot;. Bahnbrechend war er darin, dass er den Christen eine Schrift neu erschloss, die die meisten von ihnen nur vom Hörensagen kannten: das Neue Testament. Autor: Christian Schuler</description>
      <enclosure length="22258944" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111361/c/feed/erasmus-von-rotterdam-ein-europaeischer-intellektueller-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Schuler, Christian</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Nachwelt nennt ihn den &quot;König der Humanisten&quot;. Bahnbrechend war er darin, dass er den Christen eine Schrift neu erschloss, die die meisten von ihnen nur vom Hörensagen kannten: das Neue Testament. Autor: Christian Schuler</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/73c65f33-8792-4117-9ecf-74d05c09df85.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Nachwelt nennt ihn den "König der Humanisten". Bahnbrechend war er darin, dass er den Christen eine Schrift neu erschloss, die die meisten von ihnen nur vom Hörensagen kannten: das Neue Testament. Autor: Christian Schuler</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Christian Schuler<br/>Regie: Eva Demmelhuber<br/>Es sprachen: Joachim Lottmann, Stefan Zweig, Martin Luther<br/>Technik: Susi Harasim<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Professor Marc-Aeilko Aris, LMU München</p>
<p><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-erasmus-von-rotterdamm-humanismus-philosophie-theologie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Körperwäsche - Hygiene mit Maß</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/koerperwaesche-hygiene-mit-mass/1858083</link>
      <pubDate>Wed, 15 Oct 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">60f1801c-714e-4b03-b524-845732dd3d5f</guid>
      <description>Tägliches Duschen und Haarewaschen gilt heute als Muss, um sauber zu sein. Aber wieviel Wasser, Shampoo, Seife und Intimwaschlotionen sind gesund? Zerstören wir den Schutzmantel unserer Haut durch zu viel Reinlichkeit oder ist mangelnde Körperhygiene ein Risiko für die Gesundheit? Von Daniela Remus (BR 2022) </description>
      <enclosure length="21422976" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1858083/c/feed/koerperwaesche-hygiene-mit-mass.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:18</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Tägliches Duschen und Haarewaschen gilt heute als Muss, um sauber zu sein. Aber wieviel Wasser, Shampoo, Seife und Intimwaschlotionen sind gesund? Zerstören wir den Schutzmantel unserer Haut durch zu viel Reinlichkeit oder ist mangelnde Körperhygiene ein Risiko für die Gesundheit? Von Daniela Remus (BR 2022) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9bba8629-4de9-44ef-8822-f87ac4f07c28.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Tägliches Duschen und Haarewaschen gilt heute als Muss, um sauber zu sein. Aber wieviel Wasser, Shampoo, Seife und Intimwaschlotionen sind gesund? Zerstören wir den Schutzmantel unserer Haut durch zu viel Reinlichkeit oder ist mangelnde Körperhygiene ein Risiko für die Gesundheit? Von Daniela Remus (BR 2022) </p><p>Credits:</p>
<p>Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Silke Wolfrum<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Peter Veit<br/>Technik: Ruth-Maria Ostermann<br/>Redaktion: Matthias Eggert<br/><strong><br/>Im Interview:</strong></p>
<p>Prof. Silke Hofmann, Dermatologin, Universitätsklinik Wuppertal<br/>Dr. Teodora Pumnea, Dermatologin, LMU, München <br/>Dr. Ernst Tabori, Hygiene-Facharzt, Deutsches Beratungszentrum für Hygiene, Freiburg</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<p>Die Haut - Empfindliche Schutzbarriere<br/><strong><a title="Radiowissen | Die Haut" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-haut-empfindliche-schutzbarriere/1808489">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-hygiene-gesundheit-haut-koerperwaesche-sauberkeit-seife-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Störtebeker und Co - Eine wahre Piraten-Geschichte?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/stoertebeker-und-co-eine-wahre-piraten-geschichte/2110374</link>
      <pubDate>Wed, 15 Oct 2025 00:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1b87ce16-3597-47b4-ae32-8c376f08647d</guid>
      <description>Wer war Klaus Störtebeker? Die Suche nach dem berüchtigten Piraten hält einige Überraschungen bereit. So wurde er wahrscheinlich nicht 1401 in Hamburg hingerichtet, wie es die Legende bis heute erzählt. Doch es gibt genügend Spuren, die in die wahre Welt der mittelalterlichen &quot;Vitalienbrüder&quot; führen, einer Art Söldnertum zur See. Unter ihnen taucht tatsächlich ein Mann auf, der Störtebeker hieß. (BR 2025) </description>
      <enclosure length="19941120" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110374/c/feed/stoertebeker-und-co-eine-wahre-piraten-geschichte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Ulrich, Georg Florian</itunes:author>
      <itunes:summary>Wer war Klaus Störtebeker? Die Suche nach dem berüchtigten Piraten hält einige Überraschungen bereit. So wurde er wahrscheinlich nicht 1401 in Hamburg hingerichtet, wie es die Legende bis heute erzählt. Doch es gibt genügend Spuren, die in die wahre Welt der mittelalterlichen &quot;Vitalienbrüder&quot; führen, einer Art Söldnertum zur See. Unter ihnen taucht tatsächlich ein Mann auf, der Störtebeker hieß. (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b6671b73-4149-4878-ae30-cac3979cecdc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer war Klaus Störtebeker? Die Suche nach dem berüchtigten Piraten hält einige Überraschungen bereit. So wurde er wahrscheinlich nicht 1401 in Hamburg hingerichtet, wie es die Legende bis heute erzählt. Doch es gibt genügend Spuren, die in die wahre Welt der mittelalterlichen "Vitalienbrüder" führen, einer Art Söldnertum zur See. Unter ihnen taucht tatsächlich ein Mann auf, der Störtebeker hieß. (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Georg Florian Ulrich<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Berenike Beschle, Thomas Birnstiel, Christian Baumann <br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>Prof. Gregor Rohmann, Regionale Kulturgeschichte Mecklenburgs an der Universität Rostock</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4203d246b2185414/"><strong>Piraten der Adria - Wilde Zeiten an Kroatiens Küste</strong></a></p>
<p>Wo heute Urlauber über Inseln wandern trieben in früheren Jahrhunderten gefürchtete Piraten ihr Unwesen: Uskoken aus Senj, Narentaner aus Brac, Hvar, Korcula oder der Kacic-Clan aus Omiš überfielen Handelsschiffe, die zwischen Venedig und dem Nahen Osten verkehrten. Autor: Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2025)</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4203d246b2185414/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4203d246b2185414/</a></p>
<p><br/></p>
<p> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>

<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansukripte-stoertebecker-eine-wahre-piraten-geschichte-klaus-johann-hanse-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Hamburg im Mittelalter. Es ist der 20. Oktober 1401. Auf dem Grasbrook, einer Wiese vor den Toren der Stadt, hat sich eine Menschenmenge versammelt. Die Menschen strömen in Scharen heran, trotz des norddeutschen Herbstwetters. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik 2</strong></p>
<p>&quot;Stakeout&quot; - Album: McCanick (Josh C. Waller&#39;s Original Motion Picture Soundtrack) - Komponist und Ausführender: Jóhann Jóhannsson - Länge: 0&#39;58</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Sie umringen eine Gruppe gefesselter Männer. Viele der Gefesselten sind kräftig gebaut, ihre Gesichter von den Jahren auf See sonnengegerbt. Es sind Vitalienbrüder, Freibeuter. Jahrelang haben sie Nord- und Ostsee unsicher gemacht, Handelsschiffe der Hanse ausgeraubt. Jetzt hat eine Flotte von Hamburger Kaufleuten sie endlich dingfest gemacht. Auf Seeräuberei steht die Todesstrafe. Eine Gruppe Wachleute schiebt die Menge der Schaulustigen beiseite, öffnet einen Kreis. Der Scharfrichter tritt in die freigewordene Fläche. In seinen Händen das lange Richtschwert. Der Anführer der Seeräuber ist als erstes dran. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 3</strong></p>
<p>&quot;Attack on Gerhardts&quot; - Komponist: Jeff Russo - Album: Fargo Year 2 (Score from the Original MGM / FXP Television Series) - Ausführende: Jeff Russo &amp; USC Drum Corps - Länge: 0&#39;21</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Das Hemd wird ihm ausgezogen, er muss sich auf den Boden knien. Ein letztes Mal blickt er auf seine Mannschaft. Sein Name: Klaus Störtebeker. Ein Priester erteilt ihm die Absolution, dann ist es soweit. Der Scharfrichter hebt den Kopf Störtebekers auf. Er wird ihn mit einem großen Eisennagel an einem Pfahl befestigen.</p>
<p><strong>ATMO Hammerschläge</strong></p>
<p>Als Abschreckung an alle Seeräuber. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>So wird die Legende vom Seeräuber Klaus Störtebeker gerne erzählt. Doch wessen Kopf rollte an diesem Tag wirklich? Die meisten Historiker sind sich heute sicher: Der Kopf von Klaus Störtebeker – war es nicht. Denn für einen Seeräuber mit diesem Namen finden sich in dieser Zeit keine Belege. In keiner Quelle, keinem Bericht taucht ein Klaus Störtebeker als Seeräuber auf. Obwohl die Kaufleute der Hanse sonst jede Begebenheit mit fast erbsenzählerischer Genauigkeit festhielten. Vor allem, wenn es ums Geld ging. So wissen wir, dass es im Oktober 1401 tatsächlich eine Hinrichtung auf dem <a name="_Hlk201670527">Grasbrook</a> gab. Unter „Diverses“, findet sich die Abrechnung des Scharfrichters: Fünf Pfund, in etwa der Wochenlohn eines Handwerkers - fürs Enthaupten der „Vitalienbrüder“. Sauber notiert in den Geschäftsbüchern der Stadt – Geschäftsleute sind eben Geschäftsleute. Aber: einen Klaus Störtebeker sucht man in den Aufzeichnungen der Stadt vergebens. </p>
<p><strong>Sprecher: </strong></p>
<p>Doch wenn man sich durch die Quellen arbeitet, stößt man auf eine Spur. <a name="_Hlk201654962">Professor Gregor Rohmann </a>ist Mittelalter-Historiker. Sein Spezialgebiet: Seeräuber in der Nord- und Ostsee. Er hat sich auf die Suche nach dem „echten“ Störtebeker gemacht.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-Ton 1 Rohmann</strong></p>
<p>Wenn man sich die archivalischen Quellen, die es zu dem Namen Störtebeker gibt, mal zusammensucht und quasi das Puzzle zusammensetzt, dann ergibt sich, dass dahinter mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ein Danziger Kaufmann und Seemann steht.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Der wahre Störtebeker - also gar kein „echter“ Pirat, sondern ein Kaufmann?</p>
<p>Sein Name wäre dann übrigens auch gar nicht „Klaus“ – sondern Johann Störtebeker. Doch dieser Johann könnte der Ursprung der Legende gewesen sein.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik 4 </strong></p>
<p>&quot;Sento d&#39;amor la fiamma&quot; - Album: Aremorica - Land of Elves-Ausführende: Jessica Baran-Surel - Komponist: Lorenzo Da Firenze - Länge: 0&#39;47</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Johann Störtebeker, geboren in Danzig, etwa um 1360. In der Stadt leben damals etwa 10.000 Menschen. Ihre Zahl wächst, auch weil die Deutschordensritter Danzig als Anlaufpunkt für ihre Eroberungszüge nutzen. Die Stadt ist ein wichtiger Handelsknotenpunkt. Auf den Straßen hört man neben Niederdeutsch und Polnisch auch Russisch, Englisch, Französisch oder Latein. Fast jeden Tag trifft ein neues Schiff ein. </p>
<p>Auf den Märkten bieten Händler aus Russland Pelze und Honig an, es gibt Bernstein aus dem Baltikum, Wein aus Frankreich, gesalzene Heringe aus Lübeck, Tuche aus Flandern und – aus England. </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Es sind diese Tuche aus England, die aus dem Kaufmann Johann Störtebeker einen Kaperfahrer machen werden. Während er in der Hansestadt aufwächst, geraten die Kaufleute dort immer wieder in Streit mit den englischen Kaufleuten. Lange hatten sich die Danziger mit dem Tuchhandel eine goldene Nase verdient. Sie brachten billige Wolle aus England nach Flandern, um sie dort zu teuren Tüchern verarbeiten zu lassen. Und diese verkauften sie dann im Baltikum, wo die Tücher gefragt waren. Internationaler Modehandel – im Mittelalter. Doch die Engländer wollen nicht länger zusehen, wie andere mit ihrer Wolle Geld verdienen. Sie fangen an, selbst Tücher herzustellen. Und wollen die auch selbst verkaufen. Das passt den Danziger Kaufleuten natürlich nicht. Immer öfter kommen sich die Kaufleute aus England und Danzig in die Quere. Englische Kaperfahrer nehmen Danziger Händlern ihre Ware ab, die verhaften daraufhin englische Kaufleute. Noch schlimmer: Der englische König fordert ab 1401, dass die Kaufleute der Hanse wieder Zoll zahlen, wenn sie in England Handel treiben wollen. Für die Danziger ist das Maß voll. Sie fordern ein Handelsverbot für die Engländer, wollen deren Vordringen in den Ostseeraum ein Ende setzen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik 5 </strong></p>
<p>&quot;Thirteenth Dalai Lama&quot; - Album: Kundun - Komponist: Philipp Glass - Länge: 0&#39;27</p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>In dieser Zeit sticht Johann Störtebeker das erste Mal mit einer eigenen Mannschaft in See. Der Kaufmann will nicht mehr nur Handel treiben. Seine Mannschaft und er schließen sich den Fahrten gegen die Engländer an. Sie werden das, was man in der Zeit Vitalienbrüder nennt. </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Vitalienbrüder – sind das nicht Piraten? Nicht ganz. Den Begriff gibt es zu Störtebekers Zeiten schon länger, und Störtebeker und seine Kumpane sind nicht die ersten, die so bezeichnet werden. Ursprünglich kommt der Name aus dem Französischen. Als <em>vitailleurs</em> wurden Seeleute bezeichnet, die sich in Kriegsdienste begaben. Z. B. in dem sie die Truppen mit Viktualien, also Lebensmitteln versorgten. Aus den französischen <em>vitailleurs</em> wurden im Deutschen dann die Vitalienbrüder. </p>
<p> </p>
<p><strong>OT 2 Rohmann:</strong></p>
<p>Mir hat das mal eine Altgermanistin erklärt, dass ganz oft bei Übernahme solcher Begriffe aus dem Französischen im deutschen oft ein -Brüder drangehängt wird. Also Söldner werden zu Gardebrüdern und vitailleurs werden dann eben Vitalienbrüder.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Die Vitalienbrüder beschränken sich jedoch nicht auf die Versorgung mit Lebensmitteln. Bald übernehmen Gruppen, die sich so nennen, auch andere „Dienstleistungen“: Überfälle, Blockaden, Angriffe auf feindliche Schiffe. Viele agieren nebenbei weiter als Kaufleute. Doch wo immer bewaffnete Seeleute gefragt sind, füllen sie die Marktlücke – gegen entsprechenden Lohn. Sie sind Söldner der Meere.</p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Genau solche Männer sind in Johann Störtebekers Zeit gefragt. Störtebeker braucht Leute, die die Seefahrt und das Kriegshandwerk verstehen. Die Männer schlafen meist auf dem offenen Deck, Kabinen gibt es auf den Mittelalterlichen Koggen nur selten. Sie müssen Wind und Wellen trotzen, auf Stürme genauso gefasst sein wie auf feindliche Schiffe. Ihre Waffen bringen die Kämpfer oft selbst mit. Armbrüste, Schwerter, Bögen. Das Meerwasser setzt den teuren Waffen zu. Doch sie müssen auch auf See einsatzbereit sein, und ihre Besitzer wissen, wie man mit ihnen umgeht. Bei Störtebekers Mannschaft handelt es sich nicht um eine Horde ungebildeter Raufbolde. Sie sind Profis. Und sie haben es auf die englischen Schiffe abgesehen.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 6</strong></p>
<p>&quot;Thirteenth Dalai Lama&quot; - Album: Kundun - Komponist: Philipp Glass - Länge: 1&#39;00</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>

<p>Bald nachdem sie in See stechen, macht sich Störtebeker mit seiner Mannschaft erstmals einen Namen. Er ist mit anderen Kapitänen in der Nordsee unterwegs, und bringt englische Schiffe auf. Zurück im Hafen beklagen sich englische Händler. </p>

<p><a name="_Hlk198801822"><strong>OT Englischer Bericht 1 (ZITATOR als Overlay)</strong></a></p>
<p><em>One called Strotbeker, by force of armes, and by the assistance of the men of Wismer and Rostok, and others of the Hans, did upon the Sea neere unto Norway </em><a name="_Hlk201580553">[ausblenden]</a><em></em></p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR</strong></p>
<p>Jemand namens Strotbeker, hat mit Waffengewalt und mit Unterstützung von Leuten aus Wismar […], bösartig und ungerechterweise bei Norwegen Wachs, Tuch und Eisen im Wert von 467 Goldmünzen entwendet! </p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>OT Englischer Bericht 2 (ZITATOR als Overlay)</strong></p>
<p><em>Stertebeker, with others their accomplices of the Hans, unlawfully took upon the sea a certain ship of </em>[ausblenden]<em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>ZITATOR </strong></p>
<p>Störtebeker mit anderen Komplizen der Hanse, entwendete ein Schiff und fuhr es nach Marstrand in Schweden, dort haben sie den Schiffsmeister ausgeraubt, Möbel und Salzfische mitgenommen!</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin: </strong></p>
<p>Storbiker, Strotbeker Stertebeker. Immer wieder taucht Johann Störtebeker in englischen Schadensverzeichnissen auf. Die englischen Händler notierten alles minutiös, sobald ihnen ein Schaden entstanden war, alles minutiös auf. In der Hoffnung, irgendwann Schadenersatz zu erhalten. Diese Vermerke haben sich bis heute erhalten. Etwa fünf Jahre lang, von 1394 bis 1399 macht Störtebeker die Nordsee unsicher. Englische Kaufleute hüten sich, ihm auf See zu begegnen.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Sollten sie doch das Pech haben, liefen die Begegnungen oft nach einem ähnlichen Muster ab. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 7</strong></p>
<p>&quot;Lasa &amp; Zabala (Titulos)&quot; - Komponist: Pascal Gaigne - Album: Lasa &amp; Zabala (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;41</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Am Horizont taucht ein fremdes Schiff auf. Von weitem lässt sich kaum ausmachen, wer an Bord ist. Ist es ein befreundeter Händler? Oder doch eine Bedrohung? Schwer zu sagen. In dieser Zeit gibt es keine Fernrohre oder ähnliches. Vielleicht hat das andere Schiff Neuigkeiten, wäre zu einem Handel bereit? Man nähert sich. Sobald die beiden Schiffe nebeneinander sind, wird es ernst. Man verständigt sich in einer Mischung aus Niederdeutsch und Englisch. Bald wird klar. Es sind Vitalienbrüder, und sie wollen das Schiff übernehmen. Die meisten Seeleute im Mittelalter waren bewaffnet. Doch kein Schiff besaß Waffen, die das andere Schiff hätten versenken können. Wollte man die Kontrolle über ein anderes Schiff übernehmen, musste man die gegnerische Mannschaft überwältigen. Und hier waren Vitalienbrüder meist im Vorteil.</p>
<p> </p>
<p> </p>




<p> </p>
<p> </p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Voltaire - Dichter, Philosoph, Freigeist</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/voltaire-dichter-philosoph-freigeist/1897786</link>
      <pubDate>Tue, 14 Oct 2025 03:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1a8e9620-6ef0-4933-86a6-8906e02f712b</guid>
      <description>In Frankreich wird das gesamte 18. Jahrhundert nach ihm benannt: &quot;Le Siècle de Voltaire&quot;. Der Mann, der als die Stimme der Aufklärung und als einer der ersten modernen Intellektuellen gilt, war ein scharfer Geist und ein brillanter Spötter. Seine Schriften zu lesen, ist bis heute ein Vergnügen. Von Christian Schuler (BR 2022) </description>
      <enclosure length="22953600" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1897786/c/feed/voltaire-dichter-philosoph-freigeist.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:54</itunes:duration>
      <itunes:author>Christian Schuler</itunes:author>
      <itunes:summary>In Frankreich wird das gesamte 18. Jahrhundert nach ihm benannt: &quot;Le Siècle de Voltaire&quot;. Der Mann, der als die Stimme der Aufklärung und als einer der ersten modernen Intellektuellen gilt, war ein scharfer Geist und ein brillanter Spötter. Seine Schriften zu lesen, ist bis heute ein Vergnügen. Von Christian Schuler (BR 2022) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/785a1186-4c18-4864-9c90-7e82cb0c8be7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In Frankreich wird das gesamte 18. Jahrhundert nach ihm benannt: "Le Siècle de Voltaire". Der Mann, der als die Stimme der Aufklärung und als einer der ersten modernen Intellektuellen gilt, war ein scharfer Geist und ein brillanter Spötter. Seine Schriften zu lesen, ist bis heute ein Vergnügen. Von Christian Schuler (BR 2022) </p>
<p>Credits:<br/>Autor dieser Folge: Christian Schuler<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Stefan Wilkening, Thomas Loibl<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/><br/><br/>Weitere hörenswerte Folgen von radioWissen:<br/></p>
<ul>
<li>Alles anders, alles neu? Phsychologie des Umbruchs<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/alles-anders-alles-neu-die-psychologie-des-umbruchs/bayern-2/12598479/">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
<li>Immanuel Kant - Der Weltweise aus Königsberg<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:671c9a8a0baa3498/">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
<li>Philosophie der Aufklärung - Vernunft als Wahrheit<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c387fc7b1639f98f/">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
</ul>
<p>Literaturtipps:</p>
<ul>
<li>Jean Orieux: Das Leben des Voltaire; Insel Verlag, Frankfurt 1994.  </li>
<li>Georg Holmsten: Voltaire; Rowohlt Verlag, Hamburg 1974</li>
<li>Voltaire: Candid oder Die Beste der Welten; Reclam, Stuttgart 1971</li>
<li>Voltaire: Kleine Romane und Erzählungen; Rütten &amp; Loening, Berlin 1984</li>
<li>Voltaire: Ein Lesebuch für unsere Zeit; Aufbau Verlag Berlin, 1989</li>
</ul>


<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-voltaire-dichter-philosoph-freigeist-aufklaerung-frankreich-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wein in Altbayern - Eine fast verschwundene Tradition</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wein-in-altbayern-eine-fast-verschwundene-tradition/1877856</link>
      <pubDate>Tue, 14 Oct 2025 02:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">895098c8-52d8-4f23-a9e1-453934094a67</guid>
      <description>Von der Römerzeit bis ins Mittelalter wurde in Südbayern Wein angebaut, vor allem an der Donau. Ab dem 14., 15. Jahrhundert wird der Baierwein vom Bier verdrängt, auch wegen des kühleren Klimas, aber bei Regensburg wird er bis heute angebaut.</description>
      <enclosure length="22077696" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1877856/c/feed/wein-in-altbayern-eine-fast-verschwundene-tradition.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Renate Ell</itunes:author>
      <itunes:summary>Von der Römerzeit bis ins Mittelalter wurde in Südbayern Wein angebaut, vor allem an der Donau. Ab dem 14., 15. Jahrhundert wird der Baierwein vom Bier verdrängt, auch wegen des kühleren Klimas, aber bei Regensburg wird er bis heute angebaut.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f900a66a-1dac-43b2-8b23-1e98da7b0f5b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Von der Römerzeit bis ins Mittelalter wurde in Südbayern Wein angebaut, vor allem an der Donau. Ab dem 14., 15. Jahrhundert wird der Baierwein vom Bier verdrängt, auch wegen des kühleren Klimas, aber bei Regensburg wird er bis heute angebaut.</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Renate Ell<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Katja Schild, Johannes Marchl<br/>Technik: Ruth Ostermann<br/>Redaktion: Thomas Morawetz<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-win-in-altbayern-verschwundene-tradition-bairwein-weinanbau-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/>radioWissen hat noch eine weitere hörenswerte Folge zum Thema:<br/></p>
<ul>
<li>Ab 16.10.: Käseland Allgäu - Geschichte der Milchwirtschaft<br/></li>
</ul>
<p>Literaturtipps:<br/></p>
<ul>
<li><em>Theodor Häußler</em> (2001): Der Baierwein.</li>
<li><em>Förderverein Baierweinmuseum </em>(Hg.): Beiträge zur Geschichte des Weinbaus in Bayern; Nr. 22: Weinanbau in Bach und Kruckenberg in der Nachkriegszeit. Alte Winter erzählen im Jahre 1997. Nr. 23: Landshut – das Zentrum des Weinanbaus an der Isar.</li>
</ul>



 

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Amerika in unserem Alltag - Fastfood, Popkultur, Sprache</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/amerika-in-unserem-alltag-fastfood-popkultur-sprache/1884086</link>
      <pubDate>Mon, 13 Oct 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1a74e251-4c4b-41e6-aedb-3c7c0e9924be</guid>
      <description>Wohl kaum ein Land hat das Alltagsleben in Deutschland in den vergangenen gut hundert Jahren so sehr geprägt wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Kaugummi, Coca Cola, Fastfood und die Erzeugnisse von Hollywood und dem Silicon Valley sind aus dem Leben vieler Menschen hierzulande kaum mehr wegzudenken. Von Susanne Hofmann (BR 2022)</description>
      <enclosure length="22450560" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1884086/c/feed/amerika-in-unserem-alltag-fastfood-popkultur-sprache.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Hofmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Wohl kaum ein Land hat das Alltagsleben in Deutschland in den vergangenen gut hundert Jahren so sehr geprägt wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Kaugummi, Coca Cola, Fastfood und die Erzeugnisse von Hollywood und dem Silicon Valley sind aus dem Leben vieler Menschen hierzulande kaum mehr wegzudenken. Von Susanne Hofmann (BR 2022)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e8858515-6be5-4572-a17b-a9416dfbac94.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wohl kaum ein Land hat das Alltagsleben in Deutschland in den vergangenen gut hundert Jahren so sehr geprägt wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Kaugummi, Coca Cola, Fastfood und die Erzeugnisse von Hollywood und dem Silicon Valley sind aus dem Leben vieler Menschen hierzulande kaum mehr wegzudenken. Von Susanne Hofmann (BR 2022)</p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autorin dieser Folge: Susanne Hofmann<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Katja Bürkle<br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Iska Schreglmann<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-amerika-in-unserem-alltag-fastfood-pop-sprache-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/>RadioWissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zum Thema:<br/> </p>
<ul>
<li>Weltmacht Dollar - Die Geschichte einer Währung<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/weltmacht-dollar-die-geschichte-einer-waehrung/1830919">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
<li>Die deutsch-amerikanische Freundschaft - Eine wechselhafte Beziehung<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-deutsch-amerikanische-freundschaft-eine-wechselhafte-beziehung/1883933">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
</ul>

<p>Weiterführende Links:</p>
<ul>
<li>Website der Atklantik-Brücke<br/><strong><a title="Hier geht es zur Website." href="https://www.atlantik-bruecke.org/ ">EXTERNER LINK | https://www.atlantik-bruecke.org/ </a></strong></li>
<li>Website der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz e.V.<br/><strong><a title="Hier geht es zur Website." href="https://www.atlantische-akademie.de/">EXTERNER LINK | https://www.atlantische-akademie.de/</a></strong></li>
</ul>
<p><br/></p>

<p><br/><br/></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Romance forever? Warum Liebesromane boomen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/romance-forever-warum-liebesromane-boomen/2087722</link>
      <pubDate>Mon, 13 Oct 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">195e01f5-dce4-4e68-bd4e-b651a229846e</guid>
      <description>Junge Frauen können ein Lied von den Tücken des Onlinedatings singen. Existieren kluge, einfühlsame und bindungsfreudige Männer überhaupt in der Realität? In der angesagten Literatur-Gattung &quot;Romance&quot; gibt es sie jedenfalls zuhauf. Happy end inclusive. Was den Hype um die Liebesromane vielleicht ein bisschen erklärt. Autorin: Justina Schreiber (BR 2023)</description>
      <enclosure length="24220032" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087722/c/feed/romance-forever-warum-liebesromane-boomen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:25:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Junge Frauen können ein Lied von den Tücken des Onlinedatings singen. Existieren kluge, einfühlsame und bindungsfreudige Männer überhaupt in der Realität? In der angesagten Literatur-Gattung &quot;Romance&quot; gibt es sie jedenfalls zuhauf. Happy end inclusive. Was den Hype um die Liebesromane vielleicht ein bisschen erklärt. Autorin: Justina Schreiber (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/99c96269-8978-41fc-987b-bf46916a5527.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Junge Frauen können ein Lied von den Tücken des Onlinedatings singen. Existieren kluge, einfühlsame und bindungsfreudige Männer überhaupt in der Realität? In der angesagten Literatur-Gattung "Romance" gibt es sie jedenfalls zuhauf. Happy end inclusive. Was den Hype um die Liebesromane vielleicht ein bisschen erklärt. Autorin: Justina Schreiber (BR 2023)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Justina Schreiber<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Caroline Ebner<br/> Technik: Christine Frey<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Nicola Bardola, Schriftsteller und Journalist („Börsenblatt des deutschen Buchhandels“);<br/>Anne Rudolph, Lektorin &amp; Programmleitung Kyss beim Rowohlt Verlag</p>
<p><strong>Literaturtipp:</strong></p>
<p>Nicola Bardola, Bestseller mit Biss. Liebe Freundschaft und Vampire. Alles über die Autorin Stephenie Meyer, Heyne, München 2009 <em>– eine interessante und nützliche Analyse des Twilight-Phänomens.</em></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „<strong>Ein Zimmer für uns allein</strong>“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/> Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>.</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Erdbeben - Wo sind die Gefahrenzonen?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/erdbeben-wo-sind-die-gefahrenzonen-1/2106454</link>
      <pubDate>Mon, 13 Oct 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e6a02cf3-2a24-4f4f-9ab4-074319c380e3</guid>
      <description>Erdbeben treten vor allem dort auf, wo Erdplatten aufeinandertreffen. Wenn die Spannung zwischen den Platten zu groß wird, bricht das Gestein ruckartig. Starke Erdbeben können ganze Landstriche verwüsten - deshalb ist eine sichere Bauweise besonders wichtig. Von Claudia Steiner (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21460224" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106454/c/feed/erdbeben-wo-sind-die-gefahrenzonen-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:21</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Erdbeben treten vor allem dort auf, wo Erdplatten aufeinandertreffen. Wenn die Spannung zwischen den Platten zu groß wird, bricht das Gestein ruckartig. Starke Erdbeben können ganze Landstriche verwüsten - deshalb ist eine sichere Bauweise besonders wichtig. Von Claudia Steiner (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/dbc5bc98-0bf3-49a4-8c93-e12a23ed96ed.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Erdbeben treten vor allem dort auf, wo Erdplatten aufeinandertreffen. Wenn die Spannung zwischen den Platten zu groß wird, bricht das Gestein ruckartig. Starke Erdbeben können ganze Landstriche verwüsten - deshalb ist eine sichere Bauweise besonders wichtig. Von Claudia Steiner (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprach: Rahel Comtesse<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Dirk Becker, Geophysiker am Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam. <br/>Prof. Dr.-Ing. Max Gündel von Wölfel Engineering aus Höchberg, Prof. am Lehrstuhl für Stahlbau und Stahlwasserbau, Universität der Bundeswehr in Hamburg. <br/>Prof. Dr. Charlotte Krawczyk vom Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam.</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Die Erde - Ein Planet in ständiger Bewegung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-erde-ein-planet-in-staendiger-bewegung/bayern-2/78759458/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Vulkanausbruch - Und was kommt danach?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vulkanausbruch-und-was-kommt-danach/bayern-2/10583055/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Vulkane in Deutschland - Schlafende Riesen<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vulkane-in-deutschland-schlafende-riesen/bayern-2/80381866/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Erdbeben in Deutschland - <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Erdbeben-Gefaehrdungsanalysen/Seismologie/Seismologie/Erdbebenauswertung/D_seit_1968/d_1968_node.html">Website </a>der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen</strong></p>
<p><strong>Erdbebeninformationen <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.gfz.de/">GFZ Potsdam</a></strong></p>
<p><strong>Kriechen und Verhaken vor Istanbul: Systematisches Bild der Plattengrenze im Marmara-Meer <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.gfz.de/presse/meldungen/detailansicht/kriechen-und-verhaken-vor-istanbul-systematisches-bild-der-plattengrenze-im-marmara-meer">HIER</a> geht es zur Website</strong></p>
<p><strong>Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Seismologie - <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Erdbeben-Gefaehrdungsanalysen/Seismologie/Seismologie/seismologie_node.html">HIER</a> geht es zur Website</strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p><strong>Bauwerke und Erdbeben: Grundlagen - Anwendung - Beispiele, Konstantin Meskouris, Klaus-G. Hinzen, Christoph Butenweg, Michael Mistler, Vieweg+Teubner Verlag</strong></p>
<p><strong>Geo Epoche 16/05: Tsunami - Der Tod aus dem Meer, Protokoll einer Jahrhundertkatastrophe</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-erdbeben-beben-erdplatten-naturkatastrophe-gefahrenzone-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Collage a bis e /stammen aus BR-Nachrichten (überlappen lassen, wenn’s zu lange erscheint, gerne kürzen)  </p>

<p>Um kurz nach 4 Uhr in der Früh erschütterte erst eines und kurz darauf ein zweites schweren Beben ein Gebiet westlich der südtürkischen Großstadt Gaziantep…. / </p>
<p>Die Lage in der Erdbebenregion ist schwer in Worte zu fassen. Zehntausende Wohnungen sind zerstört. Dazu tiefe Temperaturen und Schneefall…. / </p>
<p>Auf den Philippinen graben sich Helfer durch Trümmer auf der Suche nach Vermissten. Ein Erdbeben der Stärke 6,7 hat den Inselstaat erschüttert… </p>
<p>Das schwere Erdbeben in Marokko hat großes Leid verursacht. Mehr als 2.100 Todesopfer wurden bisher gezählt. Viele Menschen sind noch unter Trümmern verschüttet. Ihre Bergung ist ein Rennen gegen die Zeit </p>
<p>O-TON 0 (Englisch mit deutscher Übersetzung, Ausschnitt aus Erdbeben - Schweres Erdbeben in Afghanistan, Erlaubnis von Autor, Peter Hornung, liegt vor) </p>
<p>When we woke up, everything was shaking… wir hatten solche Angst, unsere ganze Familie hatte Angst </p>
<p>Musik:  Deserted and destroyed 0‘44</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>…sagt ein Mann, der 2022 ein starkes Erdbeben in Afghanistan erlebt hat. Es muss ein schreckliches Gefühl sein, wenn sich der Boden unter den Füßen plötzlich bewegt. Je nach Stärke schwingen Lampen hin und her, fallen Bilder und Vasen aus Regalen, stürzen Möbel um, schwappt Wasser aus Swimmingpools, entstehen Risse in Wänden. Im schlimmsten Fall werden Straßen und Brücken zerstört. Der Erdboden reißt auf. Kirchtürme und Minarette stürzen ein. Mehrstöckige Gebäude fallen wie Kartenhäuser in sich zusammen, so wie Ende März 2025 in Myanmar und Thailand. Bei dem Beben der Stärke 7,7 starben mehr als 3.300 Menschen. Starke Erdbeben mit Stärken über acht ereignen sich weltweit im Schnitt einmal pro Jahr, Erdbeben zwischen sieben und acht durchschnittlich 15 mal. Kleinere Beben der Stärke drei bis vier gibt es jährlich schätzungsweise 130.000 mal. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt auch eine Erdbebenserie auf der griechischen Insel Santorini. Anfang 2025 wurden dort über Wochen immer wieder Erschütterungen registriert, teils über der Stärke 5, die Angst vor einem großen Beben auslösten. </p>
<p>ATMO (Wellen/Tsunami) </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das schwerste, jemals gemessene Erdbeben wurde 1960 in Chile registriert. Es hatte eine Stärke von 9,5. Das sogenannte &quot;Große Chile-Erdbeben&quot; löste einen Tsunami aus. Tsunamis entstehen, indem sich der Meeresboden plötzlich anhebt oder absenkt, das darüberliegende Wasser wird dadurch in Schwingungen versetzt. Die Riesenwellen wanderten damals Tausende Kilometer über den Pazifik und trafen sogar auf Hawaii, Neuseeland und Japan. </p>
<p>ATMO (Wellen/Tsunami)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Manchmal bebt die Erde plötzlich, manchmal grummelt es im Untergrund schon länger und es gibt Vorläufer, sagt Professorin Charlotte Krawczyk (sprich: Kraftschick) vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam: </p>
<p>O-TON 1 </p>
<p>Bei diesem monströsen Chile-Erdbeben, da waren die Vorläufer so groß, dass man dachte, das sind schon die großen Beben. Und dann kam das richtig große Beben sogar noch hinterher.</p>
<p>ATMO (Riesenwelle) </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In Chile kamen Schätzungen zufolge mehrere Tausend Menschen ums Leben. Ein ähnlich großes Beben in einer dicht besiedelten Region hätte deutlich mehr Opfer zur Folge gehabt – so wie in Indonesien im Jahr 2004. Das Seebeben vor der Nordwestküste Sumatras hatte eine Stärke von 9,1 und verursachte ebenfalls einen Tsunami. Die zerstörerischen Riesenwellen überschwemmten Küstenregionen unter anderem in Indonesien, Indien, Malaysia, Sri Lanka und Thailand. Mehr als 220.000 Menschen starben.</p>
<p>MUSIK: Unexpected signals 0‘50 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Skala zur Messung von Erdbeben funktioniert nicht linear, sondern exponentiell. Das bedeutet: Der Unterschied von einer Magnitude zur anderen ist immens. Ein Beben der Stärke 7 ist zum Beispiel zehnmal so stark wie ein Beben der Stärke 6 und 100 Mal so stark wie ein Beben der Stärke 5. Ab Stärke 5 gibt es in der Regel Schäden. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch warum bebt die Erde überhaupt? Erdbeben treten vor allem dort auf, wo Erdplatten aufeinandertreffen. Wenn die Spannung zwischen den Platten zu groß wird, bricht das Gestein ruckartig, erklärt Dirk Becker, Geophysiker am GeoforschungsZentrum Potsdam. </p>
<p>O-TON 2 </p>
<p>Man muss sich das so ein bisschen vorstellen, so wie Eisschollen auf dem See oder auf dem Meer. Und die ganze Erdoberfläche besteht aus einzelnen Schollen, und die verschieben sich gegeneinander. Und diese Verschiebung gegeneinander baut dann Spannung auf, weil sich die Platten untereinander verhaken. Und dieses Verhaken sorgt dann irgendwann dafür, dass es zu einem impulsartigen Freisetzen dieser Spannung kommt, im Prinzip dann zu einem sogenannten Bruch-Prozess. </p>
<p>Musik:  Hard decisions 0‘40</p>
<p>Atmo Erdbeben</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Besonders häufig gibt es See- und Erdbeben, aber auch Vulkanausbrüche entlang des 40.000 Kilometer langen Pazifischen Feuerrings, der den Pazifik von drei Seiten umrahmt. Auslöser für die zahlreichen Beben sind häufig Subduktionszonen. Das heißt: Dort treffen zwei tektonische Platten aufeinander und die Ozeanische Platte taucht unter die Kontinentalkruste ab. Grundsätzlich können sich Platten aneinander vorbei- oder auch übereinander schieben. Charlotte Krawczyk: </p>
<p>O-TON 3 </p>
<p>Die Platten bewegen sich so im Millimeter- bis Zentimeterbereich pro Jahr. Das hört sich erst einmal recht wenig an. Wenn ich jetzt aber mal zum Beispiel das, was ja auch ein noch sehr präsentes Beispiel ist, an das Erdbeben in der Türkei (…) in 2023 denke, da bewegen sich die Platten mit etwa (…) zwei Zentimeter pro Jahr aneinander vorbei. (…) Wenn man das jetzt übertragen wollen, auf irgendetwas, was wir als Menschen besser einschätzen können. Stellen Sie sich einfach vor: Das ist ungefähr so schnell wie ihre Fingernägel wachsen. </p>
<p>Musik:  Secret proofs 0‘38</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der Türkei treffen die anatolische, die eurasische, die arabische und die ägäische Platte aufeinander. In Kalifornien reiben sich die amerikanische und die pazifische Platte. In Japan sorgen die pazifische, die philippinische und die eurasische Platte immer wieder für Erschütterungen. Istanbul, San Francisco und Tokio gehören damit zu den stark gefährdeten Großstädten.  Dirk Becker forscht zu den Verwerfungslinien, also den tektonischen Bruchstellen, rund um Istanbul. </p>
<p>O-TON 4 </p>
<p>Für den Großraum Istanbul nimmt man zum Beispiel an, dass die Wiederkehrrate eines so starken Erdbebens, wie es das letzte war in dem Gebiet, das der ungefähr bei 250 Jahren liegt. Also im Mittel kann man sagen, dass alle 250 Jahre dort ein Erdbeben auftreten wird, was zerstörerisch für die Metropolregion Istanbul ist. Aber man kann halt nicht sagen, ob das jetzt innerhalb der nächsten 20 Jahre stattfindet oder ob es innerhalb der nächsten 80 Jahre stattfindet, weil es natürlich eine gewisse Unsicherheit, eine gewisse Varianz gibt. Was man weiß, ist, dass es irgendwann stattfinden wird. Und das letzte ist schon relativ lange her, das ist halt über 250 Jahre her.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der Stadt am Bosporus wird die Platte an der nordanatolischen Verwerfungszone brechen, so viel steht fest. Die Frage ist, wann, wie stark und wo genau der Bruch stattfinden wird. Dirk Becker: </p>
<p>O-TON 5 </p>
<p>Die interessante Frage für Istanbul ist zum Beispiel, wo der Bruch seinen Ausgang nimmt, weil es für Istanbul durchaus von Interesse sein kann, ob es direkt südlich von Istanbul ist und dann nach Westen läuft. Oder ob es weiter im Westen seinen Ausgang nimmt und dann auf Istanbul zuläuft, weil das halt für die seismische Gefährdung von Istanbul durchaus sehr, sehr unterschiedlich sein kann. Die schlimmere Version wäre wahrscheinlich, dass es im Westen seinen Ausgang nimmt und dann auf Istanbul zuläuft, weil sich dann halt im Prinzip die Erdbebenwellen so ein bisschen aufbauen würden. So wie man das davon kennt, wenn man zum Beispiel einen Krankenwagen hat, der auf einen zufährt. Dann hört man ja zuerst die höheren Frequenzen. Und dann, wenn es wegfahren würde, dann würde man die tieferen Frequenzen hören. Und so einen ähnlichen Effekt sieht man auch bei Erdbeben: Wenn sich der Bruch in eine Richtung ausbreitet und in die Richtung, in die es sich ausbreitet, in der sind dann in der Regel die Beben-Amplituden (…) deutlich höher als in die entgegengesetzte Richtung.</p>
<p>Musik:  Meandering (reduced) 0‘42</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Menschen in Istanbul, die schon 1999 die Ausläufer des Izmit- -Erdbebens (sprich: Ismitt, Stimmhaftes S, Betonung auf erster Silbe) der Stärke 7,6 zu spüren bekommen haben, achten inzwischen auf die Lage ihrer Wohnung. In manchen Vierteln – zum Beispiel in Richtung Schwarzes Meer – ist der Untergrund aus Granit und damit recht stabil. In anderen Stadtteilen wie in der Nähe des Marmarameeres ist der Boden dagegen sandig und feucht. Hier kann es zu einer Verstärkung der Bodenbewegung kommen oder sogar zu einer sogenannten Bodenverflüssigung. Das passiert, wenn sich Wasser unter dem Druck der Erdbebenwellen zwischen die Sandkörner schiebt. Die einzelnen Körner verlieren den Kontakt, der Reibungswiderstand sinkt, der Boden wird zu Brei. Gebäude, die auf so einem Untergrund gebaut sind, können einsinken oder zur Seite kippen. Dass Stein oder Sand einen Unterschied bei der Auswirkung von Erdbebenwellen machen, konnte man auch 2004 in Indonesien beobachten, sagt Charlotte Krawczyk: </p>
<p>O-TON 6 </p>
<p>Zum Beispiel konnte man gut auch in Sumatra sehen (…), dass besonders in dem Bereich von Banda Aceh sehr viel Zerstörung stattgefunden hat. Und das lag unter anderem mit daran, dass ganz viele Gebäude auf einem sandigen Bereich gestanden haben. Die Gebäude, die auf Felsen und Festgestein gestanden haben, da war weniger Schaden und vor allen Dingen auch weniger Verlust von Menschenleben zu verzeichnen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch bei dem Erdbeben der Stärke 6,2 im neuseeländischen Christchurch im Jahr 2011 kam es zu einer Bodenverflüssigung. Straßen und Gehwege brachen ein, Häuser versanken und aus dem Boden trat tonnenweise Schlamm an die Oberfläche. </p>
<p>MUSIK:  Sad and heavy (reduziert) 0‘21</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nach großen Erdbeben dauert es oft Wochen, manchmal auch Monate, bis sich die Erde wieder beruhigt. Charlotte Krawczyk: </p>
<p>O-TON 7 </p>
<p>Die Nachbeben sind eine Art von (…) weiterer Energieentladung, weil nicht alles bei dem großen Impuls frei geworden ist. Und so habe ich dann eine Serie von Nachbeben, wo das ganze System noch nicht in Ruhe ist, sondern sozusagen nachschwingt. Also stellen Sie sich vor, es ist ein elastisches Verhalten wie ein Gummiband oder eine Feder. Das sind so die Analoge, die wir dafür oft benutzen. Wenn ich die einmal auslenke und flitschen lasse, ist es ja auch nicht sofort das Gummiband wieder nur an seiner Stelle, sondern es bewegt sich ja auch noch so ein bisschen hin und her. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Oft werden noch Hunderte Nachbeben registriert, die mit zunehmender Dauer meist schwächer werden. Nicht nur die Stärke, auch die Tiefe von Erdbeben spielt eine große Rolle, erklärt Charlotte Krawczyk: </p>
<p>O-TON 8 </p>
<p>Eine Welle breitet sich (…) im Idealfall kugelförmig in alle Richtungen aus. Das heißt: Auch wenn ein Beben in 50 Kilometer Tiefe geschieht, wird irgendwann an der Oberfläche ein Signal davon ankommen. Wenn ich jetzt ein Beben in 300 Kilometer Tiefe hab‘, meinetwegen Magnitude vier, das werden wir es kaum merken. Ist aber ein Beben der Magnitude vier in nur zehn Kilometer Tiefe und ganz nah unter uns, dann werden wir diese Auswirkungen viel stärker spüren, weil wir halt viel dichter an diesem Energiezentrum noch dran sind und die Wellen sich noch nicht sozusagen auf ihrem langen Laufweg durch die Erde (…), hat sie noch keine Energie verloren.</p>
<p>MUSIK:  Morbid thought 0‘59</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch in Deutschland bebt die Erde manchmal, doch die Erdbebengefahr ist relativ gering: Dennoch kommt es vor allem im Rheingebiet, auf der Schwäbischen Alb sowie in Ostthüringen und Westsachsen immer wieder zu Erschütterungen. Eines der stärksten Erdbeben der jüngeren Vergangenheit ereignete sich nach Angaben des GEOFON-Netzwerkes des GeoForschungsZentrums 1992 im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Es hatte eine Stärke von 5,9. Das Epizentrum, also der Erdbebenherd, lag vier Kilometer südwestlich von Roermond in den Niederlanden. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Trotz wissenschaftlicher Fortschritte ist es bis heute nicht möglich, den genauen Zeitpunkt eines Erdbebens vorherzusagen. Forscher können nur sagen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Erdbeben in einer Region auftritt. Dirk Becker:  </p>
<p>O-TON 9 </p>
<p>Erdbeben vorherzusagen, ist natürlich der Heilige Gral der Seismologie und der Wissenschaft. Aber die Problematik ist die: Erstens kann man nicht so schön reingucken in den Ort, wo das Erdbeben entsteht, wie man es zum Beispiel beim Wetter machen kann. Man kann sich vorstellen: das Erdbeben nimmt seinen Ursprung in einer Tiefe von zehn, 15 Kilometern. Und da sind wir dann halt auch - wenn wir gut sind, auch immer noch zehn, 15 Kilometer mit unseren nächsten Messinstrumenten entfernt. Das heißt, wir wissen eigentlich gar nicht genau, was da vor sich geht an dem Ort, wo das Erdbeben seinen Ausgang nimmt. (…) Das andere Problem ist, dass es von diesen ganz, ganz großen Erdbeben, die man hat, die halt zerstörerisch sind, dass man da in der Geschichte auch relativ wenig Aufzeichnungen hat. Es ist nicht so, wie wenn man sich zum Beispiel Sturmsysteme anguckt, wo man in Norddeutschland den Effekt hat, dass alle sechs, sieben, acht Tage immer wieder ein Sturmsystem aus Westen vorbeikommt, sondern bei diesen ganz großen Erdbeben ist es so, dass die alle hundert Jahre teilweise nur stattfindenden in einigen Gebieten. Das heißt wir haben in vielen Gebieten eine oder teilweise auch gar keine instrumentelle Aufzeichnung von einem ganz großen Erdbeben. </p>
<p>Musik:  Obscure intrigue 0‘45</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zudem haben große Erdbeben ihre eigenen Charakteristika und unterscheiden sich oft deutlich voneinander. All das zusammen macht eine präzise Vorhersage unmöglich. Gerade deshalb ist in gefährdeten Gebieten eine erdbebensichere Bauweise wichtig. Ein typischer Spruch von Erdbeben-Ingenieuren lautet: Earthquakes don’t kill people, buildings do, also: nicht Erdbeben, sondern Gebäude töten Menschen. Ausnahmen sind Opfer durch Tsunamis und durch Hangrutsche oder Felsstürze in bergigen Regionen. Professor Max Gündel von Wölfel Engineering aus Höchberg lehrt an der Universität der Bundeswehr in Hamburg am Lehrstuhl für Stahlbau und Stahlwasserbau. </p>
<p>O-TON 10 </p>
<p>Stellen Sie sich vor: Ein starkes Erdbeben erwischt sie in Neuseeland, und sie stehen auf einer grünen Wiese. Sie werden vielleicht schwanken, sie werden vielleicht auch umkippen, aber sie werden definitiv keine Verletzungen davonziehen. Wenn sie aber in einem Gebäude stehen, was schlecht gebaut ist oder das Erdbeben nicht aushält, dann kann das Gebäude einstürzen. Und dann können sie verletzt oder getötet werden.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gebäude können verstärkt werden, zum Beispiel indem zusätzliche Wände eingezogen werden. Zudem können Materialien verwendet werden, die gut verformbar sind, sagt Max Gündel.  </p>
<p>O-TON 11 </p>
<p>Ein Erdbeben bringt eine Energie in das Gebäude, was das Gebäude zum Schwingen anregt, und diese Energie muss irgendwie weg. Wenn diese Energie durch (…) plastische Verformung dissipiert wird, also in eine andere Energie umgewandelt wird, was für das Gebäude wieder weniger schädlich ist, dann hilft es dem Gebäude. Und ein großes Verformungsvermögen haben Gebäude, die verformungsfähige Materialien haben. Das kann Stahl sein, das kann ein Stahlbetongebäude sein (…) Also vergleichen Sie vielleicht mal die Büroklammer. Die können sie stark plastisch verformen. Die können sie hin und her biegen und sie bricht nicht. Wenn sie ein Stück Kreide haben, um sie das hin und her biegen wollen, dann bricht es durch.  </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Manchmal reichen diese Maßnahmen nicht aus, dann gibt es die Methode der seismischen Isolierung. Sie ist allerdings sehr aufwändig, sagt Max Gündel. </p>
<p>O-TON 12 </p>
<p>Das heißt, wir entkoppeln das Gebäude vom Boden zum Beispiel (…) durch Elemente, die ein leichtes (…) horizontales hin- und hergleiten des Gebäudes ermöglichen. Was passiert? (…) Die Erde schwingt hin und her, und das Gebäude bleibt quasi an der gleichen Stelle, weil wir dazwischen Elemente haben, die es ermöglichen, dass die Erde hin und her schwingt, ohne das Gebäude mitnimmt. </p>
<p>Musik:  Eartquake 0‘42</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bei Hochhäusern kommen Schockabsorber, Gleitpendel- oder Gummilager zum Einsatz. Die Gebäude werden zudem durch tief verankerte, flexible Fundamente und robuste Stahlskelette erdbebensicher gemacht. Beispiel „Taipeh 101“: Der über 500 Meter hohe Turm in der Hauptstadt von Taiwan hat viele Stahlstützen und tief verankerte Pfähle, aber auch eine 660 Tonnen schwere Kugel, die in den oberen Stockwerken aufgehängt ist, erklärt Max Gündel.</p>
<p>O-TON 13 </p>
<p>Das ist tatsächlich ein Hochhaus, wo ein großes Pendel eingebaut worden ist, was auch gegen Erdbeben wirken soll. Im Wesentlichen wird es aber gegen Schwingungen von Wind genutzt. Was ist da die Idee? (…) Wenn wir auf dem Gebäude einen Schwinger, zum Beispiel ein Pendel installieren, was ungefähr die gleiche Eigenperiode hat wie das Gebäude selbst, dann schwingt statt dem Gebäude stärker dieses Pendel hin und her, und die Energie von Gebäude wird quasi an das Pendel abgegeben. Das heißt, das Pendel schwingt stark beim Erdbeben hin und her. Das Gebäude wird dadurch beruhigt. </p>
<p> MUSIK:  Rivalry fight 0‘39 </p>
<p>Atmo Erdbeben</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch das richtige Verhalten bei Erdbeben kann dazu beitragen, die Zahl der Opfer zu reduzieren. So sollten Bewohner nicht in Panik auf die Straße rennen, weil sie dort von herabfallenden Gegenständen verletzt werden können. Besser ist es, sich von Fenstern, die bersten könnten, zu entfernen und sich zum Beispiel unter einen Türrahmen zu setzen. In Erdbeben-gefährdeten Regionen wird dieses Verhalten regelmäßig geübt, ebenso das richtige Verhalten bei Tsunamis, sagt die Geophysikerin Charlotte Krawczyk vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam. </p>
<p>O-TON 14 </p>
<p>Da wird trainiert, dass man zum Beispiel alles stehen und liegen lässt, geregelt aus dem Gebäude geht, aber dann bergauf rennt. Also so, dass die Welle, die dann an Land läuft, dass man möglichst nicht von der ersten starken Wucht direkt unten an der Küstenlinie getroffen wird, sondern vielleicht nur den ausrollenden Ausläufer, der dann bergauf ja auch sich abschwächt, maximal abkriegt. (…) Wenn die Sirene angeht, dann weiß da jedes Kind. Das ist jetzt die Erdbeben- und Tsunami-Warnung. Jacke anziehen, raus und bergauf rennen.</p>
<p>Musik:  Transition process 0‘49</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In Japan – wo pro Jahr im Schnitt 1.500 spürbare Erdbeben registriert werden - gibt es ein Erdbebenfrühwarn-System. ATMO (Sirene, Handy-Piepsen) </p>
<p>Dieses schickt unmittelbar nach den Erdstößen Warnungen aufs Handy. Allerdings beträgt die Vorlaufzeit – je nach Entfernung zum Epizentrum – nur wenige Sekunden. Doch diese kurze Zeit reicht in der Regel aus, um den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen automatisch zu bremsen oder auch Gasleitungen abzusperren. So oder so, selbst mit einer Warnung wie sie derzeit in Japan praktiziert wird, bleibt Menschen in Gebäuden kaum Zeit, um angemessen zu reagieren, sagt Dirk Becker. </p>
<p>O-TON 15 </p>
<p>Man muss sich das mal vorstellen. Man befindet sich irgendwo im Haus, im fünften Stock. Und jetzt weiß man, dass in fünf Sekunden eine starke Erdbebenwelle kommen wird. Da kann man das Haus nicht mehr verlassen. Das Einzige, was man noch machen kann, ist, man kann sich da unter den Türrahmen stellen, sich von den Fenstern entfernen und unter einen Tisch gehen. Das sind die Möglichkeiten, die man noch hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Noch ist die Vorhersage nicht möglich, doch KI, also Künstliche Intelligenz könnte künftig Seismologen helfen, Erdbeben besser zu verstehen. Dafür werden große Datensätze ausgewertet, sagt Dirk Becker. </p>
<p>O-Ton 16 neu</p>
<p>…dass man sich teilweise anguckt: Was ist in den Daten eigentlich drin, bevor man große Erdbeben sieht. Und das sieht man als Mensch, wenn man so raufguckt, nicht. Aber wenn man zum Beispiel seinen Computer trainiert, mit (…) ganz, ganz vielen Datensätzen von vielen, großen, vergangenen Erdbeben, dann ist der teilweise halt in der Lage, irgendwelche Muster darin zu erkennen, die man selbst übersehen hat und die einem dann möglicherweise ein Vorläufer Phänomen für ein so großes Erdbeben liefern könnte.</p>
<p>Musik: Constant fear red 0‘29</p>
<p>SPRECHERIN</p>

<p>Bis dahin können Menschen in gefährdeten Regionen nur erdbebensicher bauen und das Verhalten bei einem Beben immer wieder trainieren, denn noch wissen Seismologen nur, ob und nicht wann, wo genau und wie stark ein Erdbeben zu erwarten ist. </p>
<br/>
<p> </p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Viren, Würmer, Trojaner - Die Geschichte der Computerschädlinge</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/viren-wuermer-trojaner-die-geschichte-der-computerschaedlinge/2110261</link>
      <pubDate>Sat, 11 Oct 2025 16:03:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7e11f3f1-41de-45d1-ba85-e52c140fa849</guid>
      <description>Computerschädlinge können Firmen, Krankenhäuser oder die öffentliche Verwaltung lahmlegen und enorme Kosten verursachen. Dahinter steht eine kriminelle Malware-Industrie. Dabei waren die ersten Computerschädlinge eher Unfälle oder fast naive Spielereien von Nerds oder aufmüpfigen Jugendlichen. Autor: Wolfgang Zehentmeier (BR 2025) </description>
      <enclosure length="21598464" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110261/c/feed/viren-wuermer-trojaner-die-geschichte-der-computerschaedlinge.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Zehentmeier, Wolfgang</itunes:author>
      <itunes:summary>Computerschädlinge können Firmen, Krankenhäuser oder die öffentliche Verwaltung lahmlegen und enorme Kosten verursachen. Dahinter steht eine kriminelle Malware-Industrie. Dabei waren die ersten Computerschädlinge eher Unfälle oder fast naive Spielereien von Nerds oder aufmüpfigen Jugendlichen. Autor: Wolfgang Zehentmeier (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2d5ef3be-684f-4e02-9694-8dde12a33a6d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Computerschädlinge können Firmen, Krankenhäuser oder die öffentliche Verwaltung lahmlegen und enorme Kosten verursachen. Dahinter steht eine kriminelle Malware-Industrie. Dabei waren die ersten Computerschädlinge eher Unfälle oder fast naive Spielereien von Nerds oder aufmüpfigen Jugendlichen. Autor: Wolfgang Zehentmeier (BR 2025) </p><p>Credits:</p>
<p>Autor: Wolfgang Zehentmeier</p>
<p>Regie: Rainer Schaller</p>
<p>Sprecher: Christian Baumann, Franziska Ball</p>
<p>Technik: Moritz Herrmann</p>
<p>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>-      Professor Dr. Johannes Kinder, Ludwig Maximilians Universität München, Institut für Informatik</p>
<p>-      Jürgen Schmidt, Heise Verlag, ct</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zu 11KM [ARD-Sounds]" href="https://1.ard.de/11KM_Stories_China_Games?=cp">11KM Stories</a></strong></p>
<p>Kann unser Handynetz einfach so abgeschaltet werden? Könnten wir über Technologie, die wir nutzen, ausspioniert werden? Seit Jahren stehen gegen den chinesischen Tech-Gigant Huawei Spionagevorwürfe im Raum - und der Konzern weist diese Vorwürfe immer wieder zurück. 11KM Stories geht diesen Vorwürfen nach <a title="Hier geht es zu 11KM [ARD-Sounds]" href="https://1.ard.de/11KM_Stories_China_Games?=cp"><strong>[11KM]</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Weiterführende Links:</p>
<p>Gesprächspartner Prof. Johannes Kinder, LMU München</p>
<p><a href="https://www.plai.ifi.lmu.de/people/professors/kinder/">Professor Dr. Johannes Kinder - Chair of Programming Languages and AI - LMU Munich</a></p>
<p>Grundsätzliches zur Geschichte der Computerschädlinge:<br/> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Computervirus">https://de.wikipedia.org/wiki/Computervirus</a></p>
<p> </p>
<p>Wie sind Computerviren entstanden?</p>
<p><a href="https://botfrei.de/zeitreise-die-entstehungsgeschichte-der-computer-viren/">https://botfrei.de/zeitreise-die-entstehungsgeschichte-der-computer-viren/</a></p>
<p> </p>
<p>Eine Übersicht über die unterschiedlichen Spielarten der Computerviren:</p>
<p><a href="https://www.computerwoche.de/article/2732139/die-geschichte-des-computervirus.html">https://www.computerwoche.de/article/2732139/die-geschichte-des-computervirus.html</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Hörtipps:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:638679458de553f9/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Superrechner der Zukunft - Wann werden Quantencomputer Realität? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:5fdd3d6938556aa6/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Sprechstunde beim Algorithmus - Wie hilfreich sind KI-Diagnosen? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f7b1df0a5b8e9667/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Prof. Algorithmus - So revolutioniert Künstliche Intelligenz die Forschung · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:65202efca08cd379/">IQ - Wissenschaft und Forschung · KI-Stimmen - Täuschend echt? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:fed2b29849290072/">IQ - Wissenschaft und Forschung · KI und Roboter in der Altenpflege - Rettung des Systems? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:0c6827834c5769ee/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Handy an, Hirn aus? - Wie sich unsere Aufmerksamkeit durch digitale Medien verändert · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:b2fec7889307dc73/">Radiowissen · Mikrochips - Halbleiter als Global Player · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><br/></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><br/></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-mansukripte-viren-wuermer-trojaner-geschichte-computerschaeddlinge-malware-100.html">HIER</a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>Sprecherin: </p>
<p>Wir schreiben das Jahr 1971. Es dauert noch gut 10 Jahre, bis der erste IBM PC auf den Markt kommt und noch mehr als 20 Jahre, bis das World Wide Web seinen Siegeszug antritt. Computer sind etwas für Fachleute, für eine kleine Schar Interessierter, die die übrige Gesellschaft etwas abwertend &quot;Nerds&quot; nennt. Einer dieser Nerds, Bob Thomas, versucht etwas zu beweisen, was in Fachkreisen und der damaligen Science-Fiction-Literatur immer wieder diskutiert wird: Können Computerprogramme sich selbstständig verbreiten. Er programmiert Creeper, ein Programm das genau das kann und als Beweis den Satz: </p>
<p> </p>
<p>Sprecher (eventuell Hall oder anderer Effekt)</p>
<p>I&#39;m the Creeper: Catch me if you can!</p>
<p>Geräusch m02 </p>
<p> </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>… auf dem Bildschirm erscheinen lässt. Aus Versehen verbreitet sich dieser wohl erste Computerschädling über das Arpanet, einem exklusiven Vorläufer des Internets. Dabei richtet er keinen echten Schaden an, aber er belegt den damals äußerst knappen Speicherplatz und macht die eh schon langsamen Computer dieser Zeit noch langsamer und das nervt. </p>
<p> </p>
<p>Musik </p>
<p><br/></p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Deswegen entwickelt Ray Tomlinson wenig später ein Programm namens Reaper, dessen einziger Zweck es ist, Creeper zu beseitigen – damit ist Reaper quasi das erste Anti-Viren-Programm. Allerdings ist das alles eher akademisch, erklärt Professor Dr. Johannes Kinder. Er forscht in Sachen IT-Sicherheit an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München: </p>
<p> </p>
<p>01: O-Ton Prof. Kinder: bei 1:00&quot; <em>Das war […] eine ganz kleine Skala,</em><em> </em><em>das war 1971 zu einer Zeit, da war also der Vorgänger des Internets noch sehr klein, das ARPANET. Da waren also 28 Rechner betroffen von diesem Schädling, das war also nicht vergleichbar mit dem, was wir heute haben.</em><em></em></p>
<p> </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Creeper und Reaper zählen zur Gattung der Computerwürmer. Bis heute unterscheidet man bei den Computerschädlingen zwischen den drei Gattungen: Würmern, Viren und Trojanischen Pferden. </p>
<p> </p>
<p>Musik </p>
<p> </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Den Unterschied machen in erster Linie Wirkungsweise, Verbreitungsweg und wie sich die Schädlinge im Computer verhalten. So verbreiten sich Würmer selbstständig und ohne eine Wirtsdatei zu brauchen vor allem über ein Computernetz. Ein Computervirus dagegen verhält sich wie ein biologischer Virus: Er infiziert eine Wirtsdatei und verändert sie. Anschließend verbreitet er sich vor allem über Kopien der Wirtsdateien weiter. </p>
<p> </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Der erste bekannte Computervirus war Anfang der 80er-Jahre der Elk-Cloner. </p>
<p> </p>
<p><em>02 O-Ton Prof. Kinder:</em><em> […] der wurde geschrieben von einem 15-Jährigen an seiner Schule, der damit seine Freunde ärgern wollte. Und das war ein sogenannter Boot-Sektor-Virus, der sich also auf Disketten verbreitet hat. Typischerweise haben die damals Spiele getauscht untereinander und das konnte dann also mit jeder Diskette, die ich an meinen Freund weitergebe, der Virus weiterverbreitet werden.</em></p>
<p> </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Doch, weil es weiterhin nur eine überschaubare Anzahl an Rechnern gab, hielt sich auch der Schaden des Elk-Cloners in engen Grenzen. </p>
<p><em> </em></p>
<p><em>03 O-Ton Prof. Kinder:</em><em> [..] Das war an der Highschool von diesem Schüler damals, sein Lehrer war glaube ich betroffen, der ihn dann dafür geschimpft hat. Also es waren ganz kleine Skalen, von denen wir da sprechen.</em></p>
<p> </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Im weiteren Verlauf der 80er-Jahre, als der PC langsam bei immer mehr Firmen und Privatleuten unter dem Schreibtisch stand, gab es auch immer mehr Computerschädlinge mit denen man Aufmerksamkeit bekommen konnte. Professor Kinder: </p>
<p> </p>
<p>04  <em>O-Ton Prof. Kinder: </em><em>Also in dieser Frühzeit waren die Viren hauptsächlich so Spaßprogramme. Also hier wurden irgendwelche lustigen Nachrichten angezeigt oder politische Botschaften verteilt. Da war noch nichts irgendwie großartig Böses dabei. Es gab zum Beispiel so Sachen wie den Yankee-Doodle-Virus. </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>05 Drunter:</em><em> Einspielung Aufnahme Yankee-doodle-Virus am PC</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>06: [weiter]</em><em> </em><em>O-Ton Prof. Kinder: </em><em>Der hat dann jeden Tag um fünf Uhr den Yankee-Doodle abgespielt über den PC-Piepser. [eventuell kurz Yankee-Doodl hochziehen] Solche Sachen. Also man hat versucht, Aufmerksamkeit zu erregen, irgendwas Lustiges zu machen.</em></p>
<p> </p>
<p>MUSIK</p>
<p><br/></p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Eine dritte Kategorie von Schadsoftware nennt sich &quot;Trojanische Pferde&quot; oder kurz Trojaner. Der Name bezieht sich auf die Geschichte von Homer aus der griechischen Antike und die Eroberung Trojas durch die Griechen: Nach jahrelanger vergeblicher Belagerung stellten sie ein riesiges Holzpferd vor die Tore Trojas. Die Bewohner der Stadt, die Pferde verehrten, dachten es sei ein Geschenk der Götter und brachten das Pferd in die Stadt. Im Inneren des Pferdes jedoch saßen griechische Krieger, die die Stadttore öffneten. Und Troja fiel. </p>
<p> </p>
<p>MUSIK</p>
<p><br/></p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Das gleiche Prinzip nutzt ein Trojanisches Pferd am Computer: Er tarnt sich als harmlose Datei, in der der eigentliche Schadcode versteckt ist. Mittels dieses Schadcodes erhält der Angreifer Zugang zum Computer und kann Informationen auslesen oder ihn steuern – anfangs noch recht harmlos:  </p>
<p> </p>
<p>07 [0:17:23]: <em>O-Ton Prof. Kinder: </em>Die trojanischen Pferde haben sich dann […] in den 90er Jahren […] stärker verbreitet. […] Da gab es so Programme, die wurden dann euphemistisch Remote Administration Tools genannt. [,..] Damit konnte ich dann also bei meinem Kollegen irgendwie die CD-Schublade auf und zu machen oder irgendwelche Töne abspielen oder den Browser irgendwo hinschicken. Das waren so die auch wieder relativ harmlosen Späße am Anfang.</p>
<p> </p>
<p>MUSIK m07 (Z8014761121, Acute danger, Delmonte, Tony; Kreuzer, Ansel,  1:00 Min)</p>
<p> </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Doch dann wurde aus Spaß Ernst. Der erste richtig prominente Computer-Schädling war ein Virus namens Michelangelo und wurde 1992 auch deswegen sehr bekannt, weil er richtig Schaden verursachte: </p>
<p> </p>
<p><em>08 O-Ton Prof. Kinder: </em><em>[…] Das war damals eine große Mediensensation, denn der hatte also eine eingebaute Zeitbombe, dass also zu einem gewissen Zeitpunkt, das war zufällig der Geburtstag von Michelangelo, dann die Festplatte so unbrauchbar gemacht werden sollte, dass der Rechner nicht mehr starten konnte. Also da fing das an, dass man wirklich Angst hatte, dass Viren wirklich Schaden anrichten. </em></p>
<p> </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Mit der Angst der Menschen, dass der damals im Vergleich sehr teure Computer, der auch für die Arbeit und in der Freizeit immer wichtiger wurde, durch Viren &quot;erkranken&quot; und kaputt gehen könnte, stieg das Bedürfnis, das Gerät zu schützen: Ein neuer Markt für Anti-Viren-Software entstand. </p>

<p>Sprecherin: </p>
<p>Diese frühen Anti-Viren-Programme suchten dabei nach bestimmten Signaturen, also Erkennungsmerkmalen der Schadprogramme, und verhinderten dann, dass diese ausgeführt wurden.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK </p>
<p><br/></p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Mit dem steigenden Erfolg des Internets ab Mitte der 90er-Jahre wurden auch die Übertragungsmöglichkeiten für Schadsoftware größer. Je mehr sich Computer über das Internet vernetzten, desto größer wurde das Spielfeld für Schadsoftware-Programmierer. Vor allem Würmer nahmen um die Jahrtausendwende durch die bessere Vernetzung stark zu und bekamen viel Aufmerksamkeit. Letztlich versuchten die Programmierer der Würmer die unerfahrenen Benutzer dazu zu bringen einen Mail-Anhang zu öffnen. Dazu verschickten sie zum Beispiel Mails, die angeblich eine Liebesbotschaft enthielten: </p>
<p> </p>
<p><em>10 O-Ton Prof. Kinder: </em><em>[…] Da gab es diesen I-love-you-Wurm zum Beispiel, der also dann irgendwie eine Nachricht hatte,</em></p>
<p><em>dass man ja irgendwie interessante Geheimnisse im Attachment liest und wenn man das ausgeführt hat, wurde der Wurm automatisch an alle Empfänger im eigenen Adressbuch geschickt. Das hatte dann auch für den Autor den Vorteil, dass jeder, der die E-Mail bekam, den Absender dann auch persönlich kannte, weil er ja im Adressbuch war von dem jeweiligen Absender.</em></p>
<p> </p>
<p><em>[…] und man konnte damit viele, viele Leute erreichen. Große Schäden entstanden, viele E-Mail-Server waren völlig überlastet, die also nur noch diese E-Mail-Würmer weitergeschickt haben.</em></p>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Katzen als Helden - Von Baudelaire bis zu den Warrior Cats</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/katzen-als-helden-von-baudelaire-bis-zu-den-warrior-cats/2110233</link>
      <pubDate>Fri, 10 Oct 2025 16:03:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">227df090-6bdb-4236-9823-f0868132915e</guid>
      <description>Sie lösen verzwickte Fälle in Krimis, schreiben Autobiographien, kämpfen als Fantasy-Krieger, schnurren erotisch in der Lyrik oder assistieren gar dem Teufel: Katzen. Eleganter und häufiger streunt kein anderes Tier durch die Weltliteratur. Warum sind ausgerechnet Katzen die prominenten &quot;Helden&quot; so vieler Geschichten?  </description>
      <enclosure length="22904448" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110233/c/feed/katzen-als-helden-von-baudelaire-bis-zu-den-warrior-cats.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Halbach, Frank</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie lösen verzwickte Fälle in Krimis, schreiben Autobiographien, kämpfen als Fantasy-Krieger, schnurren erotisch in der Lyrik oder assistieren gar dem Teufel: Katzen. Eleganter und häufiger streunt kein anderes Tier durch die Weltliteratur. Warum sind ausgerechnet Katzen die prominenten &quot;Helden&quot; so vieler Geschichten?  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0c3345d3-c063-41fc-9df9-3a8446bdaf67.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie lösen verzwickte Fälle in Krimis, schreiben Autobiographien, kämpfen als Fantasy-Krieger, schnurren erotisch in der Lyrik oder assistieren gar dem Teufel: Katzen. Eleganter und häufiger streunt kein anderes Tier durch die Weltliteratur. Warum sind ausgerechnet Katzen die prominenten "Helden" so vieler Geschichten?  </p><p><strong> </strong><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Frank Halbach<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Laura Maire, Thomas Birnstiel <br/> Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Dr. Jakob Christoph Heller, Literaturwissenschaftler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg<br/><br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/nicht-mehr-mein-land?cp=radiowissen">Nicht Mehr Mein Land - Geschichten über Migration, den Rechtsruck und die Gräben zwischen uns</a></strong></p>
<p>Im Sommer 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ist Host Ali stolz auf sein Land und seinen Namen. Aber schon im selben Jahr gibt es heftige Proteste gegen Flüchtlinge. Angela Merkel sagt daraufhin, wenn wir uns für Nothilfe entschuldigen müssen, &quot;dann ist das nicht mein Land&quot;. Heute, zehn Jahre später, gilt Migration nicht mehr als Chance, sondern als Schimpfwort. Deshalb will Ali herausfinden: Was ist in den letzten zehn Jahren falsch gelaufen? Und er fragt sich: Ist das noch mein Land? <a href="https://1.ard.de/nicht-mehr-mein-land?cp=radiowissen">https://1.ard.de/nicht-mehr-mein-land?cp=radiowissen</a></p>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-manuskripte-katzen-als-helden-baudelaire-bis-warrior-cats-katze-motiv-fabel-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Es wird ihnen gehuldigt wie hier in den Versen der Gedichtsammlung „Die Blumen des Bösen“ aus dem Jahr 1857 von Charles Baudelaire, einem der bedeutendsten Lyriker der französischen Literatur – übersetzt von dem deutschen Dichter Stefan George - nicht weniger eigenwillig und provokant als Baudelaire. Beides Literaten, an denen sich die Geister schieden – Charaktereigenschaften, wie sie auch Katzen zugeschrieben werden. Wohl kein Zufall, dass sie Katzenfans waren.</p>
<p>Kaum ein Geschöpf hat so kontinuierlich seine Spuren in der Literaturgeschichte hinterlassen wie die Katze und das liegt nicht nur daran, dass dichtende Katzenbesitzer wie Michel de Montaigne, Charles Dickens, Mark Twain oder Ernest Hemingway ihren schnurrenden Fellgenossen eine Liebeserklärung machen wollten. Ihr Wesen und ihre Eigenschaften boten im Verlauf der Jahrhunderte gerade für intellektuell interessierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller eine besondere Projektionsfläche für geistesgeschichtliche Auseinandersetzung und philosophischen Diskurs – und für Provokationen verschiedenster Art.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>MUSIK</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Katzen sind…</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Elegant, neugierig, anmutig, frech, klug, sanft, eigenwillig, genaue Beobachter, anschmiegsam und geheimnisvoll. Sie haben einen siebten Sinn – und sieben Leben. In manchen Kulturen. In anderen: gar neun.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>MUSIK hoch </strong></p>

<p><strong>MUSIK ENDE + Geräusch Miau</strong></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Dr. Jakob Christoph Heller, Literaturwissenschaftler an der Uni Halle-Wittenberg, hat sich ausführlich mit der Rolle der Katze in der Literatur auseinandergesetzt. Besonders faszinieren ihn die zwei Gesichter der Katze in der Kulturgeschichte: </p>
<p> </p>
<p><strong>01 O-Ton Heller</strong> (00:51)</p>
<p><em>Also es fängt ja an im alten Ägypten mit der kultischen Verehrung der Katze, als diese Göttin Bastet mit Katzenkopf als Göttin der Fruchtbarkeit, dann aber auch die Göttin Sachmet (…), die dann wiederum, Wut repräsentiert. Also es gibt sozusagen schon kulturgeschichtlich so eine Art Doppelgestalt der Katze, die wahrscheinlich jeder Katzenhalter, jede Katzenhalterin kennt, als einerseits verspielt, schmusevoll, natürlich schön und irgendwie, dann auf der anderen Seite aber, eigenwillig, undurchschaubar, unerklärlich,</em> <em>beißt auch gerne mal oder kratzt in unerwarteten Momenten.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong><em>MUSIK</em></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ja, in alten Zeiten wurden Katzen als Göttinnen verehrt – und das haben sie offensichtlich nicht vergessen.</p>

<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Während sie sich als literarische Helden erst entwickeln mussten. </p>
<p>In einer Fabel Äsops, entstanden im 6. Jahrhundert vor Christus, verliebt sich eine Katze in einen begehrenswerten jungen Mann. Sie fleht die Liebesgöttin Aphrodite an, sie in einen Menschen zu verwandeln. Die Göttin verleiht der Katze die Gestalt einer bezaubernden Frau. Schon wird geheiratet. Doch in der Hochzeitsnacht stellt Aphrodite die Katze auf die Probe: Sie lässt eine Maus durch das Gemach laufen. Da springt die junge Braut mit einem Satz aus dem Bett, schnappt sich blitzschnell und gekonnt die Maus und verschlingt sie. Umgehend verwandelt Aphrodite die Braut wieder zurück in eine Katze.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK ENDE</em></strong></p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Irgendwie steht die Katze am Anfang ihrer literarischen Karriere also auf einer Schwelle zwischen Wildheit und Zivilisation, zwischen – plakativ gesagt: impulsivem Tier und rationalem Menschen. Ein lange sehr grundlegendes Prinzip, mit dem der Mensch seine Identität gegenüber dem Tier abgrenzt. Auf dieser Grenze balanciert die Katze.</p>
<p>Eine erkennbar „menschliche“ Individualität, Charakter und eigene Persönlichkeit als Protagonist gewinnt die Katze allerdings erst sehr viel später, um das Jahr 1800 herum. Es ist die Geburtsstunde der Katze als intellektueller literarischer Held – und als Provokateur.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>02 O-Ton Heller </strong>(05:10)<strong></strong></p>
<p><em>Das fängt an bei, würde ich zumindest sagen, dass es anfängt bei Ludwig Tieck, also dem Romantiker, Dramatiker, Novellisten, der das Kindermärchen „Der gestiefelte Kater“ bearbeitete und zu einer Theatersatire, also einem Drama, ausarbeitete, in dem dann eben, so ähnlich wie auch in dem Märchen von Charles Perrault, der Kater Hinze das Einzige ist, was der Müllersohn Gottlieb bekommt als Erbe, was natürlich im ersten Moment enttäuschend ist, bis sich dann heraussteht, diese Katze kann eben sprechen und verspricht Gottlieb, dass ihm dieses Erbe sozusagen Gutes bringen würde.</em></p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK  „Die verwandelte Katze“</em></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Charles Perrault war in Frankreich das, was die Brüder Grimm in Deutschland wurden: Berühmt als Märchensammler. Und: als Verbreiter der Aufklärung. Märchen hatten oft eine erzieherische Moral, die im Sinne der Vernunft bilden sollte. Auch Erwachsene. Bereits im 18. Jahrhundert waren deutsche Übersetzungen Perraults im Umlauf. Darunter auch die prominente Geschichte vom gestiefelten Kater. Ludwig Tieck greift dieses literarische Gut der Aufklärung 1797 nicht ohne Hintergedanken auf und macht daraus eine Komödie.</p>

<p><strong>SPRECHER </strong><em>(als Kater)</em><strong></strong></p>
<p>Was muss der Hund nicht alles tun und lernen! Wie wird das Pferd gemartert! Es sind dumme Tiere, dass sie sich ihren Verstand merken lassen, sie müssen ihrer Eitelkeit durchaus nachgeben; aber wir Katzen sind noch immer das freieste Geschlecht, weil wir uns bei aller unsrer Geschicklichkeit so ungeschickt anzustellen wissen, dass es der Mensch ganz aufgibt, uns zu erziehen.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Die Erziehung aufzugeben, den Verstand aus List zu verstecken vor der Welt – diese Haltung des gestiefelten Katers provozierte das zeitgenössische Publikum bereits im Prolog, dessen Handlungsschauplatz das Theaterparkett selbst ist – das heißt, das Publikum weiß sehr genau: es ist selbst gemeint und wird nebenbei als banausisch, engstirnig, aber auch leicht manipulierbar vorgeführt. </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong> <em>(arrogant als Kater)</em></p>
<p>Wenn wir nicht im Umgang mit den Menschen eine gewisse Verachtung gegen die Sprache bekämen, so könnten wir alle sprechen.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK ENDE</em></strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Der gestiefelte Kater balanciert auf dem Grat zwischen Tiefsinn und Unsinn. Tieck wählt ein kluges Tier, um die Überlegenheit  des Intellekts zu hinterfragen, um übersättigtes Bildungsbürgertum und zeitgenössische Denkkonventionen zu geißeln. Er verwischt mit seiner Komödie die Grenzen zwischen Publikum und Bühne, hebt die Trennung auf zwischen Realität und Fantasie – und die reichlich seltsame Figur seines Katers mit all seinen besonderen Charakter-Eigenschaften ist seine schärfste Waffe </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ludwig Schwanthaler - Gestalter der Münchner Bavaria</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ludwig-schwanthaler-gestalter-der-muenchner-bavaria-1/2111209</link>
      <pubDate>Fri, 10 Oct 2025 03:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">53de8617-aabb-4e23-b89f-232e5fed3a24</guid>
      <description>Ludwig Schwanthaler - ausgerechnet der Meister der klassizistischen Plastik konnte mit den alten Griechen nichts anfangen. Er liebte die Ritterseligkeit, und so trägt seine Münchner Bavaria über dem antiken Gewand ein Bärenfell.</description>
      <enclosure length="22256640" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111209/c/feed/ludwig-schwanthaler-gestalter-der-muenchner-bavaria-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Währisch, Renate</itunes:author>
      <itunes:summary>Ludwig Schwanthaler - ausgerechnet der Meister der klassizistischen Plastik konnte mit den alten Griechen nichts anfangen. Er liebte die Ritterseligkeit, und so trägt seine Münchner Bavaria über dem antiken Gewand ein Bärenfell.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1c91032e-5606-4e1e-ad35-b33253dc3339.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ludwig Schwanthaler - ausgerechnet der Meister der klassizistischen Plastik konnte mit den alten Griechen nichts anfangen. Er liebte die Ritterseligkeit, und so trägt seine Münchner Bavaria über dem antiken Gewand ein Bärenfell.</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Renate Währisch<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Irina Wanka, Stefan Merki   <br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>

<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Dr. Caroline Sternberg, Kunstakademie <br/>Andreas Bedacht, Burg Schwaneck</p>
<p><br/><strong>Empfehlung der Redaktion:</strong><br/></p>
<p><strong>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></strong></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-ludwig-michael-schwanthaler-gestalter-bavaria-muenchen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Fünf Sprachen der Liebe - Eine echte Hilfe für Paare?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/fuenf-sprachen-der-liebe-eine-echte-hilfe-fuer-paare/2111207</link>
      <pubDate>Fri, 10 Oct 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">67e5a679-1270-46be-8341-a99749f5a949</guid>
      <description>Der eine macht Komplimente, die andere besorgt Geschenke. Das Konzept der &quot;Fünf Sprachen der Liebe&quot; besagt, dass jeder einen bevorzugten Weg hat, Liebe zu zeigen. Dieser Ansatz hilft seit Jahrzehnten Paaren und ihren Therapeuten, erfährt jedoch in letzter Zeit auch Kritik - zu Recht?</description>
      <enclosure length="20416128" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111207/c/feed/fuenf-sprachen-der-liebe-eine-echte-hilfe-fuer-paare.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Becker, Karin</itunes:author>
      <itunes:summary>Der eine macht Komplimente, die andere besorgt Geschenke. Das Konzept der &quot;Fünf Sprachen der Liebe&quot; besagt, dass jeder einen bevorzugten Weg hat, Liebe zu zeigen. Dieser Ansatz hilft seit Jahrzehnten Paaren und ihren Therapeuten, erfährt jedoch in letzter Zeit auch Kritik - zu Recht?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8bebf625-8c9b-4990-8b26-ee9214326480.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der eine macht Komplimente, die andere besorgt Geschenke. Das Konzept der "Fünf Sprachen der Liebe" besagt, dass jeder einen bevorzugten Weg hat, Liebe zu zeigen. Dieser Ansatz hilft seit Jahrzehnten Paaren und ihren Therapeuten, erfährt jedoch in letzter Zeit auch Kritik - zu Recht?</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Karin Becker<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Peter Weiß, Diana Gaul<br/>Technik: Regine Elbers<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>-    Dr. Judith Gastner, Paartherapeutin &amp; wissenschaftliche Leiterin der Beziehungsplattform PaarBalance  (<a href="https://www.paarbalance.de/5-sprachen-der-liebe/">BLOG</a>)<br/>-    Dr. Emily Impett, Professorin am Department of Psychology, University of Toronto<br/></p>

<p>Literatur: </p>
<p>Gary Chapman: Die 5 Sprachen der Liebe. Wie Kommunikation in der Partnerschaft gelingt. 49. Auflage 2025, Francke Verlag</p>
<p>Das Ursprungswerk von Gary Chapman, die Erstausgabe ist 1992 erschienen.</p>
<p> </p>
<p>Emily A. Impett, Haeyoung Gideon Park, Amy Muise: Popular Psychology Through a Scientific Lens: Evaluating Love Languages From a Relationship Science Perspective. In: Current Directions in Psychological Science 2024, Vol. 33 (2), S. 87-92.</p>
<p>Zum Nachlesen der Kritikpunkte an Chapmans Konzept – leider nur auf englisch verfügbar.</p>

<p>Weiterführende Links: </p>
<p>Blogartikel von Dr. Judith Gastner - 5 Sprachen der Liebe - https://www.paarbalance.de/5-sprachen-der-liebe/</p>
<p>Das Paarbalance Programm, entwickelt von unserer Interviewpartnerin Dr. Judith Gastner, gemeinsam mit Kollegen: </p>
<p><a href="http://www.paarbalance.de">www.paarbalance.de</a>  - Online Coaching für Paare</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-fuenf-sprachen-der-liebe-eine-hilfe-fuerp-paare-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Heiler auf vier Pfoten? - Tiere als Therapeuten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/heiler-auf-vier-pfoten-tiere-als-therapeuten/2095403</link>
      <pubDate>Fri, 10 Oct 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1b439ec1-f78a-455c-952c-1e6c0d29d48f</guid>
      <description>Schon Sigmund Freud soll seine Hündin Jofie zu Therapiestunden mitgenommen haben. Nun zeigen systematische Studien: Tiere können in der Psycho-Therapie eine heilsame Wirkung entfalten. Hunde etwa wirken beruhigend auf aggressive Kinder. Pferde können emotionale Blockaden lösen. Von Maike Brzoska</description>
      <enclosure length="21498240" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095403/c/feed/heiler-auf-vier-pfoten-tiere-als-therapeuten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Schon Sigmund Freud soll seine Hündin Jofie zu Therapiestunden mitgenommen haben. Nun zeigen systematische Studien: Tiere können in der Psycho-Therapie eine heilsame Wirkung entfalten. Hunde etwa wirken beruhigend auf aggressive Kinder. Pferde können emotionale Blockaden lösen. Von Maike Brzoska</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6f194c7b-f1a1-448c-91d9-c18230c63af5.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schon Sigmund Freud soll seine Hündin Jofie zu Therapiestunden mitgenommen haben. Nun zeigen systematische Studien: Tiere können in der Psycho-Therapie eine heilsame Wirkung entfalten. Hunde etwa wirken beruhigend auf aggressive Kinder. Pferde können emotionale Blockaden lösen. Von Maike Brzoska</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Laura Maire, Peter Weiß<br/> Technik: Susanne Herzig<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Andrea Beetz, Psychotherapeutin und Professorin für Heilpädagogik an der Internationalen Universität IU <br/>Karin Hediger, Professorin für Klinische Psychologie und Tiergestützte Intervention an der Universität Basel<br/>Kathrin Wachholz, Krankenschwester und Fachkraft für Tiergestützte Therapie im Theodor-Wenzel-Werk<br/>Lara Sonnenschein, Krankenschwester im Theodor-Wenzel-Werk<br/>Lisa, Patientin im Theodor-Wenzel-Werk<br/>Julia Wahl, Psychotherapeutin und Reit-Therapeutin Pferdehof Berlin</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong><br/>Tiere im Einsatz - Supernasen und Alderaugen<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tiere-im-einsatz-supernasen-und-adleraugen/bayern-2/80958748/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Was macht uns aus? - Der feine Unterschied zwischen Mensch und Tier<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-macht-uns-aus-der-feine-unterschied-zwischen-mensch-und-tier/bayern-2/78750802/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Tiere verstehen? - Zwischen Deutung und Forschung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tiere-verstehen-zwischen-deutung-und-forschung/bayern-2/78753298/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Literaturtipp:<br/></strong>Tiergestützte Interventionen: Handbuch für die Aus- und Weiterbildung. Ernst Reinhardt Verlag. 2021.<br/>Umfassender und auch für Laien verständlicher Einblick in die Methoden der Tiergestützte Therapie. </p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-therapietier-tier-mensch-beziehung-therapie-bioiphilie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Richard Wagner und Ludwig II. - Im Wahn vereint</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/richard-wagner-und-ludwig-ii-im-wahn-vereint/2110208</link>
      <pubDate>Thu, 09 Oct 2025 16:02:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ef1d1d9d-b285-4ec4-a9d2-5c55d916d1b6</guid>
      <description>Es ist eines der furiosesten Comebacks der Musikgeschichte: Richard Wagner - künstlerisch gescheitert, finanziell am Boden - wird errettet durch den 18-jährigen König Ludwig II. von Bayern. Der Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung, die Wagner zu beispiellosen Erfolgen führen und Ludwig das Herz brechen wird. (BR 2025)</description>
      <enclosure length="23862144" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110208/c/feed/richard-wagner-und-ludwig-ii-im-wahn-vereint.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Montasser, Philip</itunes:author>
      <itunes:summary>Es ist eines der furiosesten Comebacks der Musikgeschichte: Richard Wagner - künstlerisch gescheitert, finanziell am Boden - wird errettet durch den 18-jährigen König Ludwig II. von Bayern. Der Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung, die Wagner zu beispiellosen Erfolgen führen und Ludwig das Herz brechen wird. (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/11d580e9-c103-45c3-85d2-e7bfcd489a55.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es ist eines der furiosesten Comebacks der Musikgeschichte: Richard Wagner - künstlerisch gescheitert, finanziell am Boden - wird errettet durch den 18-jährigen König Ludwig II. von Bayern. Der Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung, die Wagner zu beispiellosen Erfolgen führen und Ludwig das Herz brechen wird. (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Philip Montasser <br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Susanne Schroeder, Peter Veit, Anne-Madlen<br/> Technik: Christine Frey<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>- Marcus Spangenberg, Biograph von Ludwig II.</strong></p>
<p><strong>- Markus Söder, Ministerpräsident</strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/kunstverbrechen-true-crime-meets-kultur/urn:ard:show:78b44da017c70e17/">Kunstverbrechen - True Crime meets Kultur</a></strong></p>
<p>Gestohlene Gemälde, Kunstschmuggel, Fälscherskandale: Bei Kunstverbrechen rollen Lenore Lötsch und Torben Steenbuck spektakuläre Verbrechen in der Welt der Kunst- und Kultur auf. Ohne Blutvergießen, dafür mit spannender Kunst!</p>
<p><br/></p>
<p><br/></p>
<p>Literatur: <em></em></p>
<p>-      Otto Strobel: »König Ludwig II. und Richard Wagner – Briefwechsel« (ein 1936 erschienenes sechsteiliges Kompendium des kompletten Briefwechsels samt ausführlichem Kommentar, zusammengetragen und bearbeitet vom damaligen Archivar des Hauses Wahnfried – bei der Bayerischen Staatsbibliothek als Digitalisat komplett frei und ohne Login zugänglich)</p>
<p>-      Marcus Spangenberg: »Ludwig II. Der andere König« (eine prägnante und kurzweilige Biographie)</p>
<p>-      Hartmut Schick: »Zwischen Skandal und Triumph: Richard Wagners Wirken in München« (ein sehr prägnant geschriebener Aufsatz in einem wissenschaftlichen Sammelband zu Wagners Münchner Zeit)</p>
<p>-      Annette Kolb: »König Ludwig II. von Bayern und Richard Wagner« (eine kurze, biographische Skizze über die schillernde Freundschaft mit einer gewissen literarischen Verspieltheit)</p>
<p><br/></p>
<p>Weiterführende Links: <em></em></p>
<p><a name="_Hlk204604495"><strong>Ludwig II. - Der Mondkönig</strong></a><strong></strong></p>
<p>Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee: Die Bauten König Ludwigs II. prägen das Bayernbild weltweit. Zu seinen Lebzeiten hatte das Volk das Treiben ihres &quot;Kinis&quot; durchaus mit Skepsis betrachtet. Von Carola Zinner (BR 2011)</p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d7c49ac288b5831e/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d7c49ac288b5831e/</a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-manuskripte-richard-wagner-und-ludwig-ii-komponist-wittelsbacher-bayern-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Der Park von Schloss Linderhof, im April 2025. Vor einer unscheinbaren Felswand tummeln sich Politiker, Journalisten, Fotografen. Die Stimmung ist gespannt. In wenigen Augenblicken wird sich ein Element der Felswand wie von Geisterhand zur Seite schieben – und den Weg in eine einzigartige Höhle freigeben. Sesam, öffne Dich…</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIKAKZENT</strong></p>
<p>Ouvertüre aus: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg, Wiener PhO; Mehta, Strauß, Josef, 1:29 Min</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Die »Venusgrotte« – das vielleicht magischste Refugium des Märchenkönigs Ludwig II. Die 14 Meter hohe künstliche Tropfsteinhöhle ist in farbiges Licht getaucht, Blumengirlanden ranken sich um die Säulen, an eine Felswand ist ein Regenbogen projiziert und am Ufer eines künstlichen Sees ankert ein reich verzierter Muschelkahn. Nach fast 10 Jahren Sanierung ist der Ort nun wieder so zugänglich, wie der Bauherr ihn einst ersonnen hat.</p>
<p>Bei seiner festlichen Ansprache gerät Ministerpräsident Markus Söder ins Schwärmen:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZSP 02 SÖDER</strong></p>
<p>Was man hier sieht, ist genau das, was Ludwig II. ausgemacht hat.<a name="ts_159000_163008_S00"> In gewisser Weise ein Träumer, gleichzeitig ein technischer </a><a name="ts_164128_175860_S00">Visionär. </a>Das war eigentlich gedacht als Kulisse, um Musik zu hören – einzutauchen in eine musikalische Welt.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Eine musikalische Welt, die in erster Linie von den Opern eines einzigen Dichterkomponisten inspiriert ist: Richard Wagner. Der war für den Monarchen weit mehr als ein wertgeschätzter Künstler. Er war Ludwigs Protegé, sein Vertrauter und Berater, einer seiner engsten und langjährigsten Weggefährten. Ein Freund – in gewisser Weise. Aber auch entscheidend verantwortlich für Ludwigs tragisches Schicksal. Für Richard Wagner hingegen? War der König nichts weniger als seine Rettung…</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIKAKZENT</strong></p>
<p>Delirien. Walzer, op.212, Wiener PhO; Mehta, Gustav Mahler, 0:30 Min</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Wien, im Frühjahr 1864. Der 50-jährige Richard Wagner steckt in seiner größten Krise. In den Jahren zuvor hat der Komponist viel erreicht. Seine Tondichtungen »Rienzi«, »Der fliegende Holländer«, »Tannhäuser« und »Lohengrin« waren umjubelte Erfolge. Er verkehrt in der Welt der Schönen und Reichen, wird in der Musikwelt geschätzt, ja, sogar verehrt. Seine nächsten Opern werden mit Spannung erwartet: »Tristan und Isolde« und der monumentale »Ring des Nibelungen«, Werke die zu diesem Zeitpunkt nur als Druck existieren. Seit April 1861 laufen in Wien die Probenarbeiten für »Tristan und Isolde«. Doch Sänger und Musiker beißen sich an Wagners anspruchsvollen Harmonien die Zähne aus. Nach 77 Proben stellt die Wiener Oper die Arbeit am »Tristan« ein. Das Werk gilt als unaufführbar. Wagner ist damit nicht nur künstlerisch erledigt, sondern auch finanziell. Der Komponist mit extravagantem Lebensstil hat einen ebenso extravaganten Schuldenberg angehäuft. Ihm droht die Inhaftierung. Fluchtartig verlässt Wagner am 23. März 1864 die Donaumonarchie. Sein Ziel: die Schweiz.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIKAKZENT</strong></p>
<p>Sinfonie Nr.5 cis-Moll, RSO Stuttgart; Eschenbach, Richard Wagner, 0:28 Min</p>

<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Auf seiner Reise macht Wagner für zwei Tage in München Station. Es herrscht Ausnahmezustand: König Max II. ist ein paar Tage zuvor gestorben. Doch die Bayern setzen große Hoffnungen in den Thronfolger den erst 18-jährigen Ludwig II. Später, in seiner Autobiographie, wird auch Wagner von seiner Ergriffenheit berichten, als er bei seinem München-Besuch ein Bild des Königs sieht.</p>
<p>In Wagners Aufzeichnungen vom März 1864 ist dergleichen aber nicht zu finden. Stattdessen verfasst er eine humoristische Inschrift für sein Grab. Wenige Tage darauf, mittlerweile im Schweizer Exil, äußert er seine Todessehnsucht in einem Brief an seine Vertrauten Mathilde Maier:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR WAGNER</strong></p>
<p>Ich fürchte, nun ist’s mit Allem aus. So tief zerstreut und lebensmüde war ich noch nie.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Und an seinen Komponistenfreund Peter Cornelius schreibt er:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR WAGNER</strong></p>
<p>Ein gutes, wahrhaft hilfreiches Wunder muß mir jetzt begegnen, sonst ist&#39;s aus!</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Als hätte er diese verzweifelten Hilferufe vernommen, entsendet der frischgebackene König Ludwig II. nur zwei Tage später, am 10. April 1864, seinen Kabinettssekretär Franz Seraph Freiherr von Pfistermeister. Er soll den Komponisten nach München holen. Ludwig II. ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal einen Monat im Amt. Doch was wirkt wie die Impulshandlung, eines unerfahrenen Monarchen, ein spontaner Einfall aus einer Laune heraus, ist das genaue Gegenteil…</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIKAKZENT</strong></p>
<p>Vorspiel, 1. Aufzug, aus: Lohengrin, WWV 75, Münchner Philharmoniker; Susanna Mälkki, Richard Wagner, 2:24 Min)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Ludwigs Liebe zum Theater ist tief ihn ihm verwurzelt. Marcus Spangenberg, Kunsthistoriker und Biograph von Ludwig II, findet erste Nachweise in dessen Kindheit:</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Vielleicht braucht es das auch gar nicht, wenn man – wie Ludwig – in einer Welt aufwächst, die selbst Theaterkulissen gleicht. Zum Beispiel Schloss Hohenschwangau, wo der Kronprinz in seiner Kindheit viel Zeit verbringt.</p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Ein Schwanenritter – wie die Figur des Lohengrin. Bilder, die zum Leben erwachen, als der kleine Ludwig sich in Stücktexte und Libretti hineinversenkt. Und er begeistert sich für die Theorie: Schon als Zwölfjähriger verschlingt der belesene Kronprinz Wagners sperrige Abhandlungen »Das Kunstwerk der Zukunft«, »Die Kunst und die Revolution« und »Oper und Drama«. In die Oper darf er da noch nicht – das verbietet ihm sein Vater. Ludwig muss sich noch drei Jahre gedulden, bis er gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Großvater den »Lohengrin« erleben darf.</p>

<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Je vier Aufführungen des »Lohengrin« und des »Tannhäuser« besucht Ludwig bis zu seiner Krönung. 1863 erscheint die Textausgabe des »Ring des Nibelungen«, die Ludwig besonders fesselt. Im Vorwort ruft Wagner nach einem Mäzen, der das Monumentalwerk sponsern würde:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR WAGNER</strong></p>
<p>Wird dieser Fürst sich finden? […] Ich hoffe nicht mehr, die Aufführung meines Bühnenfestspieles zu erleben: darf ich ja kaum hoffen, noch Muße und Luft zur Vollendung der musikalischen Komposition zu finden.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Ludwig fühlt sich offenkundig angesprochen. Ende 1863 beschließt er, sich mit dem Komponisten in Verbindung zu setzen. Und ein Vierteljahr später, als König, setzt er den Plan endlich in die Tat um: Er entsendet seinen Kabinettssekretär Franz Seraph von Pfistermeister.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIKAKZENT</strong></p>
<p>Vorspiel 3.Akt aus: Lohengrin, WWV 75, Wiener PhO; Welser-Möst, Richard Wagner, 1:24 Min)</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Die Suche nach dem aus Wien geflohenen Wagner erweist sich als kleine Odyssee. In Wien erfährt Pfistermeister, dass der Komponist in die Schweiz aufgebrochen ist. Er reist ihm hinterher, doch verpasst er ihn auch dort: Der Meister ist kurz vorher nach Stuttgart weitergezogen. Doch Pfistermeister gibt nicht auf. Jahre später beschreibt Wagner in seiner Autobiographie, wie er am 2. Mai spätabends von einem unangekündigten Besucher überrascht wurde.</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR WAGNER</strong></p>
<p>Sehr unangenehm davon überrascht, daß mein Aufenthalt in Stuttgart schon Durchreisenden bekannt wäre, ließ ich hinaussagen, ich sei nicht anwesend, worauf ich mich alsbald in meinen Gasthof zurückzog, um hier wiederum von dem Wirthe desselben davon benachrichtigt zu werden, dass ein Herr aus München mich dringend zu sprechen wünsche, welchen ich nun für den anderen Morgen um zehn Uhr beschied. Stets auf Übles mich vorbereitend, verbrachte ich eine unruhige Nacht, nach welcher ich andren Tags Herrn Pfistermeister, Kabinetts-Sekretär S.M. [Seiner Majestät] des Königs von Bayern, in meinem Zimmer empfing.</p>
<p> </p>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Queerness im Tierreich - Von schwulen Schafböcken und trans* Fischen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/queerness-im-tierreich-von-schwulen-schafboecken-und-trans-fischen/2111185</link>
      <pubDate>Thu, 09 Oct 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4d8810a4-3bc2-4b07-9e3c-3c997795b2a3</guid>
      <description>Homosexuelles Verhalten ist im Tierreich bei mindestens 1.500 Arten nachgewiesen. Und auch Geschlechtergrenzen verschwimmen in der Tierwelt. Nachdem es lange ein Tabu war, wissen Forschende heute immer mehr darüber, welche Vorteile gleichgeschlechtliche Paarung und Co. für Tiere haben.</description>
      <enclosure length="21944832" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111185/c/feed/queerness-im-tierreich-von-schwulen-schafboecken-und-trans-fischen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Harner, Miriam</itunes:author>
      <itunes:summary>Homosexuelles Verhalten ist im Tierreich bei mindestens 1.500 Arten nachgewiesen. Und auch Geschlechtergrenzen verschwimmen in der Tierwelt. Nachdem es lange ein Tabu war, wissen Forschende heute immer mehr darüber, welche Vorteile gleichgeschlechtliche Paarung und Co. für Tiere haben.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/16de8e18-88c6-4ace-bc1f-bc98009a1571.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Homosexuelles Verhalten ist im Tierreich bei mindestens 1.500 Arten nachgewiesen. Und auch Geschlechtergrenzen verschwimmen in der Tierwelt. Nachdem es lange ein Tabu war, wissen Forschende heute immer mehr darüber, welche Vorteile gleichgeschlechtliche Paarung und Co. für Tiere haben.</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Miriam Harner<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Miriam Harner, Benjamin Day<br/>Technik: Daniela Röder<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>-    Dr. Ilse Tutter: Diplombiologin sowie Museums- und Zoopädagogin<br/>-    Prof. Dr. Barbara Fruth: Verhaltensökologin und Evolutionsanthropologin mit Schwerpunkt Sozioökologie von Bonobos und Schimpansen, Trägerin Verdienstordens am Bande der Bundesrepublik Deutschland<br/>-    Prof. Dr. Volker Sommer: Primatologe, Evolutionsbiologe und Anthropologe, Professor Emeritus für Evolutionäre Anthropologie am University College London<br/>-    Prof. Dr. Christian Kropf: Zoologe und Leiter Biowissenschaften Naturhistorisches Museum Basel, Co-Kurator Ausstellung QUEER Naturhistorisches Museum Bern<br/><br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>“Gott liebt mich, nur diese Kirche ist schräg.” - so lebt es sich als schwuler Pfarrer</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9bd9cb65c4d99f2f/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9bd9cb65c4d99f2f/</a> </p>
<p>Gott liebt alle Menschen – leider sehen das die katholische und die evangelische Kirche zum Teil bis heute anders. Trotzdem gibt es queere Menschen, die gläubig und sogar aktiv in der Kirche sind. Wie passt das zusammen?  </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Tiere in der Pubertät - Abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudig</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:08a35f8e860a598c/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:08a35f8e860a598c/</a></p>
<p>Abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudig - die Pubertät ist auch für viele Tiere eine aufregende Zeit. Die Veränderungen, die tierische Teenager durchlaufen, sind zum Teil ähnlich wie beim Menschen. (BR 2020) Autorin: Claudia Steiner</p>
<p> </p>
<p><strong>Regenerationskünstler - Wie Tiere sich selbst heilen</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9301091cd5c2a5db/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9301091cd5c2a5db/</a></p>
<p>Axolotl, Rippenqualle oder Stachelmaus - es gibt einige Tiere, die unfassbare Selbstheilungskräfte besitzen: Sie können Körperteile wieder nachwachsen lassen wie einen Fuß oder auch im Extremfall den Kopf. Wie funktioniert das? Was kann die Humanmedizin davon lernen? Autorin: Katharina Hübel</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Warum Tiere singen - Alles Natur</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9a6c9a07f2a7ebfb/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9a6c9a07f2a7ebfb/</a></p>
<p>Warum singen Tiere? Welchen biologischen Vorteil bringt es mit sich? Es gibt wenige Säugetiere, die singen: Wale, Delphine, aber auch: Affen. Die kleinen Menschenaffen - Gibbons. Sie sind wahre Meister des Gesangs. Ein Ausflug in die Bio-Akustik und zu den Ursprüngen der menschlichen Musik. Autorin: Katharina Hübel</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Tierische Paar(ungs)geschichten - Alles Natur!</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d87492be9ba0a84b/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d87492be9ba0a84b/</a></p>
<p>Im Tierreich scheinen viele Partnerschaften durch klare Regeln wie &quot;nur das dominante Männchen paart sich&quot; gekennzeichnet, manchmal sogar durch lebenslange Treue. Doch der genaue Blick zeigt: Auch hier gibt es haufenweise Seitensprünge, heimliche Liebhaber, &quot;uneheliche&quot; Kinder. und: gehörnte Partner. (BR 2020) Autor: Niklas Nau</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>-      Josh L. Davis, „Queer – Sex und Geschlecht in der Welt der Tiere und Pflanzen“ (2025) – dieses Buch feiert die erstaunliche Vielfalt des Sexualverhaltens und der Geschlechtsbestimmung in der Natur</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-queerness-tierreich-queer-lgbtqia-lgbtq-homosexuell-schwul-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Kunst der Perspektive - Wie Gemälde die Welt darstellen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-kunst-der-perspektive-wie-gemaelde-die-welt-darstellen/2111138</link>
      <pubDate>Wed, 08 Oct 2025 03:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e840e1d9-b07d-434b-92d4-7e6dc1d6de0d</guid>
      <description>Die Kunstgeschichte kennt viele Arten, die Welt auf einer zweidimensionalen Fläche abzubilden. Die Zentralperspektive konstruiert den Raum nach mathematischen Regeln, man kann aber auch einfach Wichtiges größer machen. Wann haben Künstler welche Perspektive genutzt und was sagt das über die jeweilige Zeit?</description>
      <enclosure length="21890688" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111138/c/feed/die-kunst-der-perspektive-wie-gemaelde-die-welt-darstellen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:48</itunes:duration>
      <itunes:author>Metzdorf, Julie</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Kunstgeschichte kennt viele Arten, die Welt auf einer zweidimensionalen Fläche abzubilden. Die Zentralperspektive konstruiert den Raum nach mathematischen Regeln, man kann aber auch einfach Wichtiges größer machen. Wann haben Künstler welche Perspektive genutzt und was sagt das über die jeweilige Zeit?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/37dd377b-ba5c-4a89-8c41-cff198282dce.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Kunstgeschichte kennt viele Arten, die Welt auf einer zweidimensionalen Fläche abzubilden. Die Zentralperspektive konstruiert den Raum nach mathematischen Regeln, man kann aber auch einfach Wichtiges größer machen. Wann haben Künstler welche Perspektive genutzt und was sagt das über die jeweilige Zeit?</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Julie Metzdorf<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Christian Baumann, Irina Wanka <br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>Florian Matzner, Professor für Kunstgeschichte, Akademie der Bildenden Künste München</strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-kunst-perspektive-zentralperspektive-fluchtpunkt-malerei-100.html"><strong>HIER</strong></a></p>
<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schattenpatienten - Leben mit einem kranken Partner</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schattenpatienten-leben-mit-einem-kranken-partner/2111137</link>
      <pubDate>Wed, 08 Oct 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cc37545f-c436-4106-94bb-5df930e12b4c</guid>
      <description>Erkrankt jemand schwer, bekommt er Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Doch kaum jemand fragt, wie es dem Partner geht. Dabei leidet er ebenfalls: Auch er trägt den Schmerz mit, hat Angst, möchte aber gleichzeitig stark sein und Hoffnung ausstrahlen. Ein Dilemma.</description>
      <enclosure length="22583424" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111137/c/feed/schattenpatienten-leben-mit-einem-kranken-partner.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Lamsfuß, Karin</itunes:author>
      <itunes:summary>Erkrankt jemand schwer, bekommt er Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Doch kaum jemand fragt, wie es dem Partner geht. Dabei leidet er ebenfalls: Auch er trägt den Schmerz mit, hat Angst, möchte aber gleichzeitig stark sein und Hoffnung ausstrahlen. Ein Dilemma.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8ad775c8-0565-49e0-8564-6aebbfba06b3.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Erkrankt jemand schwer, bekommt er Aufmerksamkeit und Mitgefühl. Doch kaum jemand fragt, wie es dem Partner geht. Dabei leidet er ebenfalls: Auch er trägt den Schmerz mit, hat Angst, möchte aber gleichzeitig stark sein und Hoffnung ausstrahlen. Ein Dilemma.</p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Karin Lamsfuß</p>
<p>Es sprachen: Susanne Schroder, Johannes Hitzelberger</p>
<p>Technik: Andreas Lucke</p>
<p>Regie: Kirsten Bötcher</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p> </p>
<p> </p>
<p>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/urn:ard:show:be34348e7e107ac6/">https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/urn:ard:show:be34348e7e107ac6/</a></p>
<p>Jeder Mensch &#39;tickt&#39; anders - doch warum? Psychologie hilft, unsere Wahrnehmung zu schärfen und sich und andere besser zu verstehen. Ihr wollt erfahren, weshalb Dankbarkeit befreiend wirken kann, Neid uns einengt, was unsere Partnerwahl über uns aussagt, und wieso wir dazu neigen, unangenehme Dinge aufzuschieben? Das und viel mehr beantwortet unser Psychologie Podcast &quot;Wie wir ticken&quot; vom BR und SWR jede Woche mit einer neuen Folge. Immer mittwochs in der ARD Audiothek und am Freitag auf allen anderen Plattformen. Ihr habt Fragen, Anmerkungen oder Themenwünsche? Schreibt uns gerne eine Nachricht über wiewirticken@ard.de!</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Zwei Studien zu Partnerschaft und Krankheit </p>
<p><a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jomf.13077?af=R">https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jomf.13077?af=R</a></p>

<p><a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s15015-023-3093-6">https://link.springer.com/article/10.1007/s15015-023-3093-6</a></p>

<p> </p>
<p>Infos für Angehörige von Krebspatienten:</p>
<p><a href="https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/mit-krebs-leben/hilfe-fuer-angehoerige-von-krebspatienten/#c25626">https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/mit-krebs-leben/hilfe-fuer-angehoerige-von-krebspatienten/#c25626</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>·         Susanne Krejsa und Jan H. Jacke: Mein Partner ist krank und wo bleibe ich? Goldegg 2007</p>
<p>·         Verena König: Trauma und Beziehungen. Arkana, 2024</p>
<p>·         Christine Schönberger: Mit dem kranken Partner leben. Leske und Budrich, 2013</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskritpe-schattenpatienten-leben-mit-kranken-partner-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Intelligenter Oktopus - Gehirn im ganzen Körper</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/intelligenter-oktopus-gehirn-im-ganzen-koerper/1852133</link>
      <pubDate>Wed, 08 Oct 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3218f498-7d22-42b6-a5f4-db2eec6a0e11</guid>
      <description>Das Gehirn von Kraken ist bemerkenswert. Nur ein Teil davon befindet sich im Kopf, der Rest ist verteilt auf die acht Arme, so können sie sich auch unabhängig vom Zentralgehirn bewegen. Die Komplexität von Signalverarbeitung und Verhalten bei Kraken ist vergleichbar mit der von Wirbeltieren. Wie erklärt man sich das? Von Prisca Straub (BR 2022) </description>
      <enclosure length="22616064" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1852133/c/feed/intelligenter-oktopus-gehirn-im-ganzen-koerper.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:33</itunes:duration>
      <itunes:author>Prisca Straub</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Gehirn von Kraken ist bemerkenswert. Nur ein Teil davon befindet sich im Kopf, der Rest ist verteilt auf die acht Arme, so können sie sich auch unabhängig vom Zentralgehirn bewegen. Die Komplexität von Signalverarbeitung und Verhalten bei Kraken ist vergleichbar mit der von Wirbeltieren. Wie erklärt man sich das? Von Prisca Straub (BR 2022) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f142bd53-4d66-4620-8bd4-27d5f15ae568.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Gehirn von Kraken ist bemerkenswert. Nur ein Teil davon befindet sich im Kopf, der Rest ist verteilt auf die acht Arme, so können sie sich auch unabhängig vom Zentralgehirn bewegen. Die Komplexität von Signalverarbeitung und Verhalten bei Kraken ist vergleichbar mit der von Wirbeltieren. Wie erklärt man sich das? Von Prisca Straub (BR 2022) </p>
<p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Prisca Straub<br/> Regie: Eva Demmelhuber<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Peter Lersch<br/> Technik: Susanne Herzig<br/>Redaktion: Bernhard Kastner </p>
<p><strong>Im Interview: <br/></strong>Prof. Dr. Antje Boetius, Meeresbiologin, Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven<br/>Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Zoologe, Zoologische Staatssammlung München<br/>Prof. Dr. Gilles Laurent, Neurobiologe, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main<br/>Dr. Michel Kuba, Neuroethologe, Universität Federico II, Neapel<br/>Prof. Dr. Judith Burkart, Evolutionsbiologin, Institut für Anthropologie, Universität Zürich</p>
Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="Intelligenter Oktopus Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-intelligenter-oktopus-100.html">HIER</a>.
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p> </p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die unglaubliche Geschichte eines Fischerjungen - Manjiro Nakahama</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-unglaubliche-geschichte-eines-fischerjungen-manjiro-nakahama/2111077</link>
      <pubDate>Tue, 07 Oct 2025 03:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0d8b2e9a-568d-4a3c-91b7-d864a93c53cc</guid>
      <description>Manjiro Nakahama wuchs als armer Fischerjunge auf - und sollte doch bald die Geschicke von Nationen mitbestimmen: 1841 erleidet der Teenager Schiffbruch, Amerikaner retten ihn und nehmen ihn mit in die USA. Bis dahin war Japan gegenüber der Außenwelt mehr oder weniger völlig isoliert - aber nach Manjiro Nakahamas Rückkehr nach Japan sollte sich vieles ändern. Autor:Lukas Grasberger (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22787712" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2111077/c/feed/die-unglaubliche-geschichte-eines-fischerjungen-manjiro-nakahama.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Grasberger, Lukas</itunes:author>
      <itunes:summary>Manjiro Nakahama wuchs als armer Fischerjunge auf - und sollte doch bald die Geschicke von Nationen mitbestimmen: 1841 erleidet der Teenager Schiffbruch, Amerikaner retten ihn und nehmen ihn mit in die USA. Bis dahin war Japan gegenüber der Außenwelt mehr oder weniger völlig isoliert - aber nach Manjiro Nakahamas Rückkehr nach Japan sollte sich vieles ändern. Autor:Lukas Grasberger (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/eca83983-4bd4-4033-b87b-e1c5ec4e7bf2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Manjiro Nakahama wuchs als armer Fischerjunge auf - und sollte doch bald die Geschicke von Nationen mitbestimmen: 1841 erleidet der Teenager Schiffbruch, Amerikaner retten ihn und nehmen ihn mit in die USA. Bis dahin war Japan gegenüber der Außenwelt mehr oder weniger völlig isoliert - aber nach Manjiro Nakahamas Rückkehr nach Japan sollte sich vieles ändern. Autor:Lukas Grasberger (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Lukas Grasberger<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Peter Weiß, Johannes Hitzelberger <br/>Technik: Wolfgang Lösch <br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>•    Prof. Klaus Vollmer, Japan-Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München  </p>
<p>•    Adam Stanley, Historiker mit Forschungsschwerpunkt „Manjiro Nakahama und die Transformation Japans“, University of Wisconsin Platteville</p>
<p>•    Robert Whitfield, Nachfahre des Walfänger-Kapitäns William Whitfield, Whitfield Manjiro Friendship Society, Fairhaven</p>
<p>•    Prof. Reinhard Zöllner, Abteilung für Japanologie und Koreanistik, Universität Bonn </p>

<p>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</p>
<p><a href="https://1.ard.de/alles-geschichte">Alles Geschichte - Der History-Podcast</a></p>
<p>Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast. <a href="https://1.ard.de/alles-geschichte">[https://1.ard.de/alles-geschichte]</a></p>

<p><br/><br/><strong>Diese hörenswerte Folge von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/samurai-der-legendaere-kriegeradel-japans/33084">Samurai - Der legendäre Kriegeradel Japans - Radiowissen | BR Podcast</a></p>
<p>&quot;Das Schwert ist die Seele des Samurai&quot;. Viele blutrünstige Geschichten sind über Japans legendären Kriegeradel in Umlauf. Aber welche sind wahr und welche einfach nur Legende? (BR 2015) Autorin: Isabella Arcucci</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Literaturtipps: </strong></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.google.de/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Ikaku+Kawada%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=1">Ikaku Kawada</a>, <a href="https://www.google.de/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Manjirō+Nakahama%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=1">Manjirō Nakahama:</a> Drifting Toward the Southeast: The Story of Five Japanese Castaways : a Complete Translation of Hyoson Kiryaku (a Brief Account of Drifting Toward the Southeast) as Told to the Court of Lord Yamauchi of Tosa in 1852 by John Manjiro</p>
<p> </p>
<p>Ein Roman über seine Lebensgeschichte:<br/>Margi Preus: Heart of a Samurai: Based on the True Story of Manjiro Nakahama </p>
<p>  </p>
<p>Seite zu Originaldokumenten - auch Zeichnungen von Manjiro selbst (eigentlich ein Ausstellungskatalog): <br/><a href="https://static1.squarespace.com/static/66fb68a83ed38c0c99c762f9/t/67adc1ff3f748a504aba3813/1739440677331/GG-Manjiro-FINAL.pdf">https://static1.squarespace.com/static/66fb68a83ed38c0c99c762f9/t/67adc1ff3f748a504aba3813/1739440677331/GG-Manjiro-FINAL.pdf</a></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-manjiro-nakahama-japan-geschichte-abschliessung-walfang-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Produkte aus Hafer - Eine gute Alternative?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/produkte-aus-hafer-eine-gute-alternative/2096529</link>
      <pubDate>Tue, 07 Oct 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">03055a93-a2d0-414a-8322-5ad5e825ca34</guid>
      <description>Hafer ist das neue Superfood. Zumindest dem Anschein nach: Influencer werben dafür, kaum noch ein Café kommt ohne Hafermilch aus, die Supermärkte bieten Kekse, Müslis, Riegel mit Hafer an. Aber was ist dran an der Behauptung, Hafer sei supergesund? Was macht Hafer so besonders? Autorin: Daniela Remus (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22046208" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096529/c/feed/produkte-aus-hafer-eine-gute-alternative.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Hafer ist das neue Superfood. Zumindest dem Anschein nach: Influencer werben dafür, kaum noch ein Café kommt ohne Hafermilch aus, die Supermärkte bieten Kekse, Müslis, Riegel mit Hafer an. Aber was ist dran an der Behauptung, Hafer sei supergesund? Was macht Hafer so besonders? Autorin: Daniela Remus (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bc4dd333-7187-4d27-aa55-4c763986e0a4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hafer ist das neue Superfood. Zumindest dem Anschein nach: Influencer werben dafür, kaum noch ein Café kommt ohne Hafermilch aus, die Supermärkte bieten Kekse, Müslis, Riegel mit Hafer an. Aber was ist dran an der Behauptung, Hafer sei supergesund? Was macht Hafer so besonders? Autorin: Daniela Remus (BR 2024)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Susanne Schroeder, Stefan Wilkening<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Mathias Fasshauer, Ernährungswissenschaftler, Universität Gießen<br/>Prof. Hans Hauner, Ernährungswissenschaftler, TU München <br/>Prof. Stefan Lorkowski, Biochemiker + Ernährungswissenschaftler, Universität Jena<br/>Prof. Marie Christine Simon, Ernährungswissenschaftlerin, Universität Bonn</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong>Die wundersame Welt der Gräser - Alles Natur <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wundersame-welt-der-graeser-alles-natur/bayern-2/94537904/">HIER </a></strong>
 
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Homepage von Prof. Mathias Faßhauer, Universität Gießen <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb09/institute/ernaehrungswissenschaft/prof/ernaehrung-mensch/index_html">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Homepage von Prof. Stefan Lorkowski, Universität Jena <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bce.uni-jena.de/30/uni-prof-dr-stefan-lorkowski">HIER</a><br/></strong>Forschung zu Hafer von Stefan Lorkowski et al: <br/>In Frontiers in Nutrition: doi: 10.3389/fnut.2023.1095245</p>
<p><strong>Homepage von Prof. Hans Hauner, TU München <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.mri.tum.de/ernaehrungsmedizin">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Homepage von Prof. Marie-Christine Simon, Universität Bonn <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.immunosensation.de/members/jun-prof-dr-marie-christine-simon">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-produkte-aus-hafer-getreide-superfood-ballaststoffe-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Was uns tröstet - Kraft in der Krise</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/was-uns-troestet-kraft-in-der-krise/1808762</link>
      <pubDate>Mon, 06 Oct 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">dfc2f8e3-058a-400f-a320-5fe4e14340ef</guid>
      <description>Von allen Übeln stets verschont, das wäre gut! Doch Verlust, Trennung, Tod gehören zum Leben. Ist die Wucht des Unglücks zu groß, droht das Leid uns zu erdrücken. Dann brauchen wir Kraft und Mut zum Aufstehen: Wir brauchen Trost. (BR 2020)</description>
      <enclosure length="22409088" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1808762/c/feed/was-uns-troestet-kraft-in-der-krise.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:20</itunes:duration>
      <itunes:author>Simon Demmelhuber / Volker Eklkofer</itunes:author>
      <itunes:summary>Von allen Übeln stets verschont, das wäre gut! Doch Verlust, Trennung, Tod gehören zum Leben. Ist die Wucht des Unglücks zu groß, droht das Leid uns zu erdrücken. Dann brauchen wir Kraft und Mut zum Aufstehen: Wir brauchen Trost. (BR 2020)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0a641269-89e8-4ba7-b401-776c9fd03e43.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Von allen Übeln stets verschont, das wäre gut! Doch Verlust, Trennung, Tod gehören zum Leben. Ist die Wucht des Unglücks zu groß, droht das Leid uns zu erdrücken. Dann brauchen wir Kraft und Mut zum Aufstehen: Wir brauchen Trost. (BR 2020)</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Simon Demmelhuber, Volker Eklkofer<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Es sprachen: Peter Weiss, Beate Himmelstoß, Frank Manhold<br/>Technik: Regina Stärke<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p> </p>
<p>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</p>
<p>Mitgefühl - Was Hirnforscher darüber wissen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mitgefuehl-was-hirnforscher-darueber-wissen/bayern-2/12039557/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Vertrauen - Wie wir es entwickeln und gewinnen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vertrauen-wie-wir-es-entwickeln-und-gewinnen/bayern-2/85570876/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Trauer - Neuer Umgang mit altbekanntem Gefühl<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/trauer-neuer-umgang-mit-altbekanntem-gefuehl/bayern-2/88679972/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Akzeptanz - Annehmen, was ist<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/akzeptanz-annehmen-was-ist/bayern-2/78751906/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-was-uns-troestet-kraft-in-der-krise-trost-philosophie-religion-100.html">HIER</a></strong>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Polen und Deutschland - Getrennte Erinnerungen an die Geschichte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/polen-und-deutschland-getrennte-erinnerungen-an-die-geschichte/2097099</link>
      <pubDate>Mon, 06 Oct 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">16ae02eb-5ec1-4ea4-af52-50d6b9bb9d2c</guid>
      <description>Für Polen ist der 1. September 1939 ein zentrales Datum der Erinnerungskultur: Der Überfall der Wehrmacht auf das Land bedeutete den Beginn der brutalen deutschen Besatzung.  Doch die Deutschen assoziieren mit dem Datum nur allgemein den Beginn des 2. Weltkriegs. Antideutsche Ressentiments sind bis heute in Polen präsent, die Verständigung über die historischen Traumata dauerte lange - und dauert noch an. Von Jochen Rack (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22285824" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2097099/c/feed/polen-und-deutschland-getrennte-erinnerungen-an-die-geschichte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Jochen Rack</itunes:author>
      <itunes:summary>Für Polen ist der 1. September 1939 ein zentrales Datum der Erinnerungskultur: Der Überfall der Wehrmacht auf das Land bedeutete den Beginn der brutalen deutschen Besatzung.  Doch die Deutschen assoziieren mit dem Datum nur allgemein den Beginn des 2. Weltkriegs. Antideutsche Ressentiments sind bis heute in Polen präsent, die Verständigung über die historischen Traumata dauerte lange - und dauert noch an. Von Jochen Rack (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fab886de-ca39-4e34-97af-3c91725cb9b7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Für Polen ist der 1. September 1939 ein zentrales Datum der Erinnerungskultur: Der Überfall der Wehrmacht auf das Land bedeutete den Beginn der brutalen deutschen Besatzung.  Doch die Deutschen assoziieren mit dem Datum nur allgemein den Beginn des 2. Weltkriegs. Antideutsche Ressentiments sind bis heute in Polen präsent, die Verständigung über die historischen Traumata dauerte lange - und dauert noch an. Von Jochen Rack (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Jochen Rack<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprach: Katja Amberger<br/>Technik: Lorenz Kersten<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong><br/><br/><strong>Literatur in Polen - Geschichte und Identität </strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/literatur-in-polen-geschichte-und-identitaet/bayern-2/94729820/">HIER</a><br/>Hoffnung und Halt gab die Literatur den Polen in allen Epochen ihrer oft tragischen Geschichte. Als ihr Land geteilt wurde und von der Landkarte verschwand, bewahrten die Literaten die Identität und Sprache der Nation. Bis heute sind sie eine moralische Autorität,, das sozialpolitische Gewissen in Polen. Von Dagmar Dzierzan</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><strong><br/></strong>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-polen-deutschland-erinerungen-geschichte-warschau-vertreibung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bunter Freundeskreis - Warum Vielfalt in unserem Leben so wichtig ist</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bunter-freundeskreis-warum-vielfalt-in-unserem-leben-so-wichtig-ist/2109267</link>
      <pubDate>Mon, 06 Oct 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7db7dcb0-055d-4266-b7c0-7c33fbe2983d</guid>
      <description>Gleich und Gleich gesellt sich gern, denn das ist ja auch einfach. Aus der Psychologie aber weiß man inzwischen: Je ungleicher Freundschaften sind beispielsweise in Sachen Alter, sozialer Herkunft, religiöser, politischer oder sexueller Orientierung, desto stabiler und bereichernder sind sie fürs Leben. Autorin: Susi Weichselbaumer  </description>
      <enclosure length="21791616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109267/c/feed/bunter-freundeskreis-warum-vielfalt-in-unserem-leben-so-wichtig-ist.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:41</itunes:duration>
      <itunes:author>Weichselbaumer, Susi</itunes:author>
      <itunes:summary>Gleich und Gleich gesellt sich gern, denn das ist ja auch einfach. Aus der Psychologie aber weiß man inzwischen: Je ungleicher Freundschaften sind beispielsweise in Sachen Alter, sozialer Herkunft, religiöser, politischer oder sexueller Orientierung, desto stabiler und bereichernder sind sie fürs Leben. Autorin: Susi Weichselbaumer  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/21903530-ee97-41bb-a010-1168daecbf06.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gleich und Gleich gesellt sich gern, denn das ist ja auch einfach. Aus der Psychologie aber weiß man inzwischen: Je ungleicher Freundschaften sind beispielsweise in Sachen Alter, sozialer Herkunft, religiöser, politischer oder sexueller Orientierung, desto stabiler und bereichernder sind sie fürs Leben. Autorin: Susi Weichselbaumer  </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p><strong></strong>Autorin: Susi Weichselbaumer</p>
<p>Regie:<em> </em>Frank Halbach/ Susi Weichselbaumer</p>
<p>Sprecher:innen: Susi Weichselbaumer</p>
<p>Technik: Wolfgang Lösch<em> </em></p>
<p>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>      Martin Diewald, Soziologe an der Universität Bielefeld</li>
<li>           Franz Neyer, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische            Diagnostik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena</li>
</ul>



<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-bunter-freundeskreis-beziehungen-heterogene-psychologie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>A1 ZU </strong></p>
<p><em>Q: Leute, ich bin schon drin! / Nachbarin: Wie hast jetzt des gmacht? / Q: Ich war schneller!</em><strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ein typischer Abend unter der Woche: Die drei Kinder sitzen bei der goldigsten Nachbarin der Welt am Küchentisch und spielen mit ihr „Mensch-ärgere-Dich-nicht“. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>A2 ZU </strong></p>
<p><em>Nachbarin: Jetzt hat die Wally wieder an 6er…</em></p>
<p> </p>
<p>Es wird wild gewürfelt, gnadenlos rausgeschmissen, selten verschont. Und diskutiert. Viel.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK Spare time in the zoo (red) </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Die Mädls sind 10 und 8 Jahre alt, der kleine Bruder 4 – unsre Nachbarin ist alterstechnisch im Vorteil. </p>
<p> </p>
<p><strong>1 ZU</strong></p>
<p><em>W: Sie ist glaube ich jetzt 97. / M: Ich glaube sie wird bald 98. / W: Wenn sie halt beim „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ sagt: Das war schon immer so, dann kann man da nicht wirklich widersprechen, denn sie muss es ja wissen, sie ist ja schon am längsten auf der Welt. </em></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ich darf nie mitspielen. Was vielleicht auch gut ist. Die vier haben ihr sehr eigenes Regelwerk. </p>
<p> </p>
<p><strong>2 ZU </strong></p>
<p><em>M: Man darf sich halt nicht selber überspringen und schmeißen ist Pflicht. / W: Knallhart, aber es macht sehr viel Spaß.</em><em> / Nachbarin: Wer verliert, da wird kein Theater draus gemacht ;o))/</em></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Mein Job ist nebendran sitzen. Und eventuell mal ein Glas Orangensaft anreichen, wenn es spieltechnisch hektisch wird und keiner mehr zum Trinken aufstehen kann und an die Spüle kommen. Ich liebe diese Abende. Man denkt so: Neun Jahrzehnte Altersunterschied – ja mei. </p>
<p> </p>
<p><strong>ATMO/ MUSIK ENDE</strong></p>
<p> </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Man spürt aber auch: Das ist ein Geschenk, dass wir alle so harmonieren. Etwas Besonderes. Denn: Statistisch sind heterogene Freundschaften selten. Nur fünf Prozent unserer engeren Verbindungen, belegt die Forschung, gehen wir ein mit Menschen, die ganz anders sind als wir selbst. Vom Alter her, was die soziale Stellung anbelangt oder den Bildungshintergrund, die Herkunft, Sprache, Religion. </p>
<p> </p>
<p><strong>3 ZU Neyer (0.15)<em></em></strong></p>
<p><em>Wir suchen uns Freunde, die uns ähnlich sind. </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Das ist Franz Neyer. Er ist Persönlichkeitspsychologe an der Universität Jena. Und er sagt: </p>
<p> </p>
<p><strong>4 ZU Neyer (0.15)<em></em></strong></p>
<p><em>Ähnlichkeit schafft Nähe und Vertrautheit und dadurch entstehen Beziehungen. </em></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ich habe da Zweifel. Kann das so pauschal gelten? Gefühlt habe ich viele Freunde und Bekannte, die mir unähnlich sind. Laut Studien aber gelten als ganz wesentliche Gemeinsamkeitsfaktoren Bildungsweg und Job. Anwälte sind nachweislich vor allem mit Anwälten befreundet; Journalistinnen mit Journalistinnen. Handwerker laden am Wochenende zum Grillen mit der Familie bevorzugt ein: Andere Handwerker. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK Be fed </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Mein erster Gedanke: So bin ich nicht! Einer meiner besten Kindheitsfreunde Zum Beispiel Mario war auf der Hauptschule und ist jetzt Maschinenführer in einer Fabrik, ich habe zwei Doktortitel. Wir sind also unähnlich. Allerdings, wenn wir uns alle paar Wochen mal sehen, passen seine beiden Kinder und meine drei auf eine magische Art und Weise zusammen – wie wir auch, ab Tag eins damals beim Fußballspielen auf der großen Wiese. Als wir uns kennenlernen im Grundschulalter, ist er das einzige Kind in der Siedlung, das in einer Wohnung wohnt. Ich bin das einzige Kind, das eben zugezogen ist und in einem Rohbau groß werden wird, das Fliesenlegen lernt und Holzdecken einziehen, weil der Wunsch meines Vaters ein eigenes Haus ist. Groß Geld haben wir nie. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK ENDE</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>5 ZU Papa</strong></p>
<p><em>Ja – aber des war hoid, wo ma sogt: De andan ham was ghabt und mia no nix und da Mario a ned. De warn in der Wohnung und de andan ham Häuser gehabt. </em></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Meint mein Papa dazu, den ich für diese Sendung befrage zu mir und meinen Freundinnen und Freunden in allen Lebensphasen, quasi kompetente Außensicht. Sein Fazit: Die Ähnlichkeit liegt vor allem im Inneren:</p>
<p> </p>
<p><strong>6 ZU Papa</strong></p>
<p><em>Der Mario is scho bissl wia du, der is hilfsbereit, hilft jedem, ist freundlich. Auf den Mario kann man sich verlassen. </em></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Was ein schönes Kompliment. Für den Mario und für mich. Überhaupt sagt meine Vater nette Sachen. Auch über Markus, Harry und Daniel. Wir vier sind seit dem Gymi befreundet, wie so ein Kleeblatt.</p>
<p> </p>
<p><strong>7 ZU Papa</strong></p>
<p><em>Do is a Zusammenhalt do unter eich, ona helft dem andern, wenn was ist. Probleme besprechen. </em></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Also doch mehr ähnliche Freunde als gedacht – obwohl?</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK Cool animals</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Untersuchungen zeigen seit Jahren zuverlässig: Weiterer wichtiger Ähnlichkeitsfaktor ist das Geschlecht. Der beste Freund einer Frau ist zu 85 Prozent eine Frau. Mein Freundes- und Bekanntenkreis ist aber überwiegend männlich. Was vielleicht schlicht daran liegt, dass ich hauptsächlich mit Jungs aufgewachsen bin, allein schon, weil wir in der Siedlung auf der großen Wiese beim Fußballspielen halt einfach viel weniger Mädchen waren. Womöglich liegt aber darin schon wieder ein anderer Ähnlichkeitsfaktor, der uns eint: Zusammen am gleichen Ort Kind sein, Fußball mögen – es scheint komplex.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK ENDE</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ist es auch. Psychologische Studien belegen: Dieses „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ passiert in der Regel unbewusst. Wer aus verwandten Milieus stammt, aus derselben Kultur kommt, den gleichen sozialen Hintergrund hat, denkt und fühlt generell ähnlich. Man versteht sich mit wenigen Worten, lacht über denselben Witz. Das ist einfach, das fließt. Da führt schon beim zufälligen Zusammentreffen eins zum anderen… ohne dass man sich groß Gedanken darüber macht: Sind wir ähnlich? Tatsächlich fallen mir im eigenen Umfeld zig solcher Beispiele ein. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK Joyful zoo day </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ich simse also meine Freundin Bine an, sie ist fünf Jahre jünger, wir kennen uns von einem Sprachkurs in Mexiko. Ich war Mitte 20 und bin dann weiter , nach Argentinien und Ecuador. Bine wollte einfach Spanisch lernen. Weil in dem kleinen mexikanischen Örtchen, in dem wir waren, wochenlang nur ein Film im Kino lief – „Findet Nemo“ – nennen wir uns in Anlehnung an den Film bis heute gegenseitig „Tiburonzita“. Kleines Haimädchen.</p>
<p> </p>
<p><strong>SFX PING</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Sind wir ähnlich? Sie schreibt zurück:</p>
<p> </p>
<p><strong>SFX PING</strong></p>
<p><strong><em>ZITATORIN</em></strong><strong></strong></p>
<p>Bin gespannt, was die Forscher sagen. Haifisch-Emoji. Sonnenbrillen-Smiley.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong><strong></strong></p>
<p>Na topp. Ich antworte mit einem Filmzitat.</p>
<p> </p>
<p><strong>SFX PING</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Haihappen uhahaha….</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SFX PING PING PING</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK ENDE</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Meine Kinder lachen sich schlapp und behaupten, Bine sei echt wie ich! ,<em></em></p>
<p>Zwei Menschen – eine Geschichte. Oder zu neudeutsch: Ein Match - Alter Ego gefunden. Damit also doch Mainstream, wie ihn die Forschung erkannt hat? Langsam entsteht ein Sog. Ich will wissen: Bin ich jetzt Gleich-und-Gleich-gesellt-sich, was sich eventuell irgendwann intolerant und langweilig anfühlen könnte, aber zugleich auch irgendwie konsequent und geborgen. Oder nicht? Wonach entscheide ich? Und ist das ein Mechanismus, der schon immer so war? Ändert sich das im Laufe des Lebens?</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK Spare time in the zoo Z8032615 115 0.58 min.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ich gehe gedanklich zurück zu mir als ganz junge Susi: Auf den Spielplatz in die Sandkiste mit den bunten Plastikförmchen und dem roten Rechen. Wie habe ich damals gewusst, als kleines Kind: Mit wem schließe ich nach ein paar zusammen gebackenen Sandkuchen oder gebuddelten Burggräben Freundschaft für den einen Nachmittag oder fürs ganze Leben? Hmm. Man hat einfach zusammen einen Spielmodus gefunden und gut. Die Kinderliteratur kennt zig Freundespaare, die ohne viele äußere Ähnlichkeiten auskommen: Pippi Langstrumpf, stark, unabhängig, ein bisschen allein ohne Eltern – was sie sich nicht anmerken lässt – freundet sich an mit den Nachbarskinder Thommy und Annika. Den ausgesprochen braven Vorzeigenachbarskindern. Oder das quirlige, extrovertierte Mädchen Momo in Michael Endes gleichnamigem Roman. Sie ist ganz eng mit dem ruhigen, fast schüchternen Beppo Straßenkehrer.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der soziale Umgangston - Einfach unsäglich?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-soziale-umgangston-einfach-unsaeglich/1835421</link>
      <pubDate>Mon, 06 Oct 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7d3e3680-a515-4889-9062-5e5a8b109ce1</guid>
      <description>Pöbeleien und Shitstorms anstelle von Debatten und ernsthaften Argumenten: Der soziale Ton scheint zu entgleisen. Was sagt das veränderte Kommunikationsverhalten über unsere Gesellschaft aus, über die Grundfesten unserer Demokratie? Von Daniela Remus (BR 2021)</description>
      <enclosure length="21633408" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1835421/c/feed/der-soziale-umgangston-einfach-unsaeglich.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Pöbeleien und Shitstorms anstelle von Debatten und ernsthaften Argumenten: Der soziale Ton scheint zu entgleisen. Was sagt das veränderte Kommunikationsverhalten über unsere Gesellschaft aus, über die Grundfesten unserer Demokratie? Von Daniela Remus (BR 2021)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6597c40e-699e-4d93-afc4-120fa55f832b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Pöbeleien und Shitstorms anstelle von Debatten und ernsthaften Argumenten: Der soziale Ton scheint zu entgleisen. Was sagt das veränderte Kommunikationsverhalten über unsere Gesellschaft aus, über die Grundfesten unserer Demokratie? Von Daniela Remus (BR 2021)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Hemma Michel, Stean Wilkening<br/>Technik: Regine Elbers<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin, Leibniz Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt/M.<br/>Prof. Heidrun Kämper, Philologin, Leibniz Institut für Deutsche Sprache, Mannheim<br/>Prof. Jörg Kilian, Sprachwissenschaftler, Universität Kiel<br/>Prof. Simon Meier-Vieracker, Sprachforscher, TU Dresden</p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>

<p>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast<br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-soziale-umgangston-rau-unfreundlich-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Qualzucht - Tierleid für menschliche Bedürfnisse</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/qualzucht-tierleid-fuer-menschliche-beduerfnisse/1861746</link>
      <pubDate>Sat, 04 Oct 2025 05:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d6371e1b-23c5-4a27-b987-a6322d3a7461</guid>
      <description>Qualzucht, also züchterisch bedingte Deformation, betrifft die unterschiedlichsten Tierarten. Die Liste ist erschreckend lang, sie reicht vom Goldfisch bis zum arabischen Vollblut. Wozu brauchen Menschen Tiere, die nur unter körperlichen Beeinträchtigungen leben können? Von Christiane Seiler (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22729728" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1861746/c/feed/qualzucht-tierleid-fuer-menschliche-beduerfnisse.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:40</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Seiler</itunes:author>
      <itunes:summary>Qualzucht, also züchterisch bedingte Deformation, betrifft die unterschiedlichsten Tierarten. Die Liste ist erschreckend lang, sie reicht vom Goldfisch bis zum arabischen Vollblut. Wozu brauchen Menschen Tiere, die nur unter körperlichen Beeinträchtigungen leben können? Von Christiane Seiler (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/40c4330b-1e31-4013-92e1-c85cb1dc6908.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Qualzucht, also züchterisch bedingte Deformation, betrifft die unterschiedlichsten Tierarten. Die Liste ist erschreckend lang, sie reicht vom Goldfisch bis zum arabischen Vollblut. Wozu brauchen Menschen Tiere, die nur unter körperlichen Beeinträchtigungen leben können? Von Christiane Seiler (BR 2024)</p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autorin dieser Folge: Christiane Seiler<br/> Regie: Silke Wolfrum<br/> Es sprachen: Ruth Geiersberger, Christian Schuler<br/> Technik: Winfried Messmer<br/> Redaktion: Bernhard Kastner<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Qualzucht" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-qualzucht-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/><strong>RadioWissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zum Thema:</strong><br/><br/>Das Tierschutzgesetz – Leitfaden zum Wohl des Tieres?<br/><a title="Radiowissen | Das Tierschutzgesetz" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-tierschutzgesetz-leitfaden-zum-wohl-der-tiere/bayern-2/78760002/">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Als das Tier zum Freund wurde - Geschichte des Haustieres<br/><a title="Radiowissen | Als das Tier zum Freund wurde" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/als-das-tier-zum-freund-wurde-geschichte-des-haustieres/bayern-2/78753302/">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Freundschaft mit Tieren - Eine uralte Beziehung<br/><a title="Radiowissen | Freundschaft mit Tieren" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/freundschaft-mit-tieren-eine-uralte-beziehung/bayern-2/78752638/">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Das Tier und die Religion - Mitgeschöpf oder Mahlzeit?<br/><strong><a title="Radiowissen | Das Tier und die Religion" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-tier-und-die-religion-mitgeschoepf-oder-mahlzeit/bayern-2/93655774/">JETZT ANHÖREN</a></strong><br/><br/><strong>Literaturtipps:</strong><br/>Norbert Sachser (HG.): Das unterschätzte Tier. Was wir heute über Tiere wissen und im Umgang mit ihnen besser machen müssen. Hamburg, Rowohlt Verlag, 2022<br/><em>Übersichtskapitel zu verschiedenen Aspekten der Mensch-Tier-Beziehung aus verhaltensbiologischer Sicht<br/><br/></em>Beryl Eusemann: The Influence of Egg Production, Genetic Background, Age, and Housing System on Keel Bone Damage in Laying Hens<br/><em>Beryl Eusemanns Doktorarbeit zu Brustbeinfrakturen bei Legehennen<br/></em><a title="Jetzt lesen" href="https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/28838">EXTERNER LINK | https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/28838</a><strong><br/><br/></strong>Ida C. N. Thøfner ,Jan Dahl,Jens Peter Christensen: Keel bone fractures in Danish laying hens: Prevalence and risk factors<br/><em>Dänische Studie zu Brustbeinbrüchen bei Legehennen<br/></em><strong><a title="Jetzt lesen" href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0256105">EXTERNER LINK | https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0256105</a><br/><br/></strong>Alina Bauer: Tierschutzrelevante Zuchtprobleme beim Milchvieh - Interaktion zwischen dem Zuchtziel „Milchleistung“ und dem vermehrten Auftreten von Produktionskrankheiten, ein systematischer Review<br/><em>Doktorarbeit von Alina Bauer zu Zuchtproblemen bei Milchkühen<br/></em>Komplette Doktorarbeit:<br/><a title="Komplette Doktorarbeit jetzt lesen" href="https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/31629">EXTERNER LINK | https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/31629</a><strong><br/></strong>Doktorarbeit zusammengefasst in einem Artikel:<br/><strong><a title="Zusammengefasste Doktorarbeit jetzt lesen" href="https://www.vetline.de/system/files/frei/BMTW-10.23761439-0299-2021-5-Bauer.pdf">EXTERNER LINK | https://www.vetline.de/system/files/frei/BMTW-10.23761439-0299-2021-5-Bauer.pdf</a></strong></p>
<p>Prof. Dr. Holger Martens: Das Dilemma der Milchkuh, Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA); Steinfurt, 2022<br/>Zusammenfassender Artikel:<br/><strong><a title="Jetzt lesen" href="https://qualzucht-datenbank.eu/wp-content/uploads/2022/01/Martens-Buch-Milchkuh-FlyerFin.pdf">EXTERNER LINK | https://qualzucht-datenbank.eu/wp-content/uploads/2022/01/Martens-Buch-Milchkuh-FlyerFin.pdf</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>








<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hagel und Klimawandel - Geschosse aus Eis</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hagel-und-klimawandel-geschosse-aus-eis/2110025</link>
      <pubDate>Thu, 02 Oct 2025 16:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9c72fbbb-2e1e-439f-9c7b-57545fc10665</guid>
      <description>Hagelschläge können extreme Schäden verursachen. Die oft mehrere Zentimeter großen Geschosse aus Eis zerstören Ernten, beschädigen Fahrzeuge und Gebäude. Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird, werden langfristig schwere Hagelschläge zunehmen.</description>
      <enclosure length="20353152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110025/c/feed/hagel-und-klimawandel-geschosse-aus-eis.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Steiner, Claudia</itunes:author>
      <itunes:summary>Hagelschläge können extreme Schäden verursachen. Die oft mehrere Zentimeter großen Geschosse aus Eis zerstören Ernten, beschädigen Fahrzeuge und Gebäude. Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird, werden langfristig schwere Hagelschläge zunehmen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/700e685e-1124-4bfd-ae69-cbb695a900a4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hagelschläge können extreme Schäden verursachen. Die oft mehrere Zentimeter großen Geschosse aus Eis zerstören Ernten, beschädigen Fahrzeuge und Gebäude. Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird, werden langfristig schwere Hagelschläge zunehmen.</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Claudia Steiner<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Hemma Michel <br/>Technik: Lorenz Kersten<br/>Redaktion: Iska Schreglmann </p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li>Prof. Dr. Michael Kunz, Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie</li>
<li>Adrian Leyser Sturm, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD)</li>
<li>Dr. Anja Rädler, Meteorologin und Expertin bei der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Munich Re</li>
<li>Andrea Lindner, Landratsamt Rosenheim</li>
</ul>

<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-hagel-klimawandel-eis-schaden-meeteorologie-klimawandel-wetter-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Am 11. Juli 1984 zog ein riesiger Hagelsturm über München hinweg. Rund eine halbe Stunde lang prasselten Hagelkörner nieder. Sie zerbeulten Autos, zerschmetterten Scheiben. Die größten damals gemessenen Eisgeschosse waren 300 Gramm schwer und hatten einen Durchmesser von 9,5 Zentimeter. Augenzeugen berichteten sogar von noch größeren Körnern. </p>
<p> </p>
<p><strong>ATMO (Hagel) </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Das bisher größte in Deutschland dokumentierte Hagelkorn fiel Anfang August 2013 auf der Schwäbischen Alp zu Boden – genauer gesagt in Undingen im Landkreis Reutlingen. Es brachte 360 Gramm auf die Waage und hatte einen Durchmesser von 14,1 Zentimetern. In den USA wurden sogar schon Eiskugeln mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern dokumentiert. Graupelschauer und kleine Hagelkörner können Straßen mitten im Sommer innerhalb kurzer Zeit in eine winterliche Atmosphäre verwandeln. Je nachdem wo die Körner aufschlagen, entsteht oft gar kein Schaden. Aber großer Hagel hat vor allem in Verbindung mit Wind erhebliches Zerstörungspotential. </p>
<p> </p>
<p><strong>01 Zsp Hagel (Kunz AI) </strong></p>
<p>Wenn von Extremereignissen gesprochen wird, dann meistens Sturm, also Wintersturm, Hochwasser, vielleicht noch Hitzewellen. Der Hagel läuft immer so ein bisschen nebenbei. (…) </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong><strong></strong></p>
<p>…sagt <a name="_Hlk202105690">Michael Kunz. Er ist Professor am Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie. </a>Dabei verursachte </p>
<p>zum Beispiel allein das Hagelunwetter von Reutlingen im Juli 2013 Schäden von mehr als einer Milliarde Euro. Schäden entstehen unter anderem an Hausfassaden, Jalousien, Dächern, Photovoltaikanlagen, Autos sowie an landwirtschaftlich genutzten Flächen. Teilweise gibt es Totalausfälle bei Ernten. Und natürlich kann großer Hagel auch Menschen verletzen, ebenso Tiere auf Weiden oder Wildtiere. Nach schweren Hagel-Unwettern finden Jäger auch erschlagene Hasen oder Krähen. Fakt ist: Hagel macht einen großen Anteil der versicherten Gesamtschäden aus, sagt <a name="_Hlk202105657">Dr. Anja Rädler, Meteorologin und Expertin bei der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Munich Re: </a></p>
<p> </p>
<p><strong>02 Zsp (Rädler) </strong></p>
<p>In Deutschland gibt es … die Deutsche Versicherungsgesellschaft, die GdV,</p>
<p>und die bringen jedes Jahr einen Jahresbericht der Naturgefahren heraus.</p>
<p>Und unter den zehn verheerendsten Naturgefahren in den letzten Jahrzehnten gibt es auf Platz 1 von 2021 die Sturzflut im Ahrtal. Und auf Platz 2 gibt es noch die Überschwemmungen von 2002, die Überflutungen. Auf Platz 3 ist dann ein Wintersturm. Und auf Platz 4 der verheerendsten Naturgefahren in Deutschland ist der Hagelsturm von 2013. Und das sind aber jetzt nur die Einzel- oder die verheerendsten Ereignisse. Wenn man sich die Summe anschaut an Schäden, die jedes Jahr verursacht werden durch Naturkatastrophen in Deutschland, dann ist für Deutschland tatsächlich bis auf Einzelereignisse oder Einzeljahre, wo eben beispielsweise die Überschwemmungen alles dominieren, im Normalfall Hagel die dominierende Gefährdung, die den meisten Schaden</p>
<p>verursacht.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 2</strong></p>
<p>&quot;Knot of Breath (for Mario Diaz de Léon)&quot; - Album: Citadels &amp; Sanctuaries - Komponist: Jeremiah Cymerman - Länge: 0&#39;53</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Welchen Schaden Hagel verursacht, hängt nicht nur von der Größe ab, sondern auch wie er entstanden ist und mit welcher Energie er auftritt. Auch der Wind spielt eine wichtige Rolle. Wenn Sturm Eisgeschosse gegen Autos, Solaranlagen oder Hausfassaden schmettert, kann es zu immensen Schäden kommen. Vor allem Isolierungen an Fassaden sind solchen Einschlägen oft nicht gewachsen. Auch Solaranlagen oder Dachfenster können zertrümmert werden. Deshalb wird es immer wichtiger, Materialien zu verwenden, die widerstandsfähiger sind und Güter zu schützen, zum Beispiel spezielle Netze über Ernten zu spannen. Autos sollten bei Warnungen des Deutschen Wetterdienstes in die Garage gestellt und Jalousien lieber hochgefahren werden, empfiehlt Anja Rädler. </p>
<p> </p>
<p> </p>
<p><strong>03 Zsp (Rädler) </strong></p>
<p>Das ist eben auch ein Punkt, dass manche Leute die Jalousien extra runterfahren, weil sie denken, sie schützen die Fensterscheiben. Aber die Fensterscheiben sind viel stabiler und wenn die Jalousien hochgefahren werden, tritt auch kein oder weniger Schaden auf.</p>
<p> </p>
<p><strong>ATMO </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ganz großer Hagel jedoch kann auch Fensterscheiben zerschlagen. Beim Deutschen Wetterdienst liegt die Schwelle, ab der Hagel als Unwetter gilt, bei 1,5 Zentimeter großen Hagelkörnern. Ab etwa zwei Zentimeter sind Schäden zu erwarten, sagt der Meteorologe Adrian Leyser Sturm. </p>
<p> </p>
<p><strong>04 Zsp (Leyser) </strong><strong></strong></p>
<p>Da kann schon Laub von den Bäumen gerissen werden, Blüten zerstört werden, Weinreben zerstört werden. Ab vier, fünf Zentimeter, dann sprechen wir wirklich von durchaus auch mal katastrophalen Folgen durch den Hagel.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>2024 zählten zu den Hagelschäden-Hotspots in Deutschland die Bundesländer Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern. Anja Rädler:  </p>
<p> </p>
<p><strong>05 Zsp (Rädler) </strong></p>
<p>Es zeigt sich, dass ausgeprägte Maxima von Hagelfrequenzen meistens im Lee, also in der windabgewandten Seite von Mittelgebirgen entstehen können und zum Beispiel auch im Lee des Schwarzwaldes oder im Lee des Brockens und diese Muster sind dann auch zum Teil auf typische Strömungsmuster an diesen Hageltagen zurückzuführen. </p>
<p> </p>
<p><strong>ATMO (Gewitter) </strong></p>
<p><strong>Musik 3</strong></p>
<p>&quot;Knot of Breath (for Mario Diaz de Léon)&quot; - Album: Citadels &amp; Sanctuaries - Komponist: Jeremiah Cymerman - Länge: 0&#39;26</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>In Deutschland ist das Hagelrisiko typischerweise in den warmen Monaten – von Mai bis August - am höchsten. Das liegt daran, dass Hagelstürme in Verbindung mit starken Gewittern auftreten. Für die Entwicklung eines Gewitters ist feuchte und warme Luft in Bodennähe notwendig. Heiße Luftmassen können deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte, genauer gesagt: pro Grad Erwärmung sieben Prozent mehr Feuchtigkeit. Das spielt auch angesichts des Klimawandels eine Rolle – doch dazu später. Massive Gewitterwolken entstehen häufig vorderseitig von Kaltfronten. Oft strömen hier Luftmassen aus verschiedenen Richtungen zusammen, die Luft steigt auf und kühlt dabei ab. Diesen Vorgang nennen Forscher Konvergenz. Adrian Leyser Sturm vom Deutschen Wetterdienst.  <strong></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>06 Zsp (Leyser) </strong></p>
<p>In starken Gewitterzellen haben wir einen besonders starken Aufwind.</p>
<p>Also die Luft wird wirklich mit hoher Geschwindigkeit nach oben gezogen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Auch natürliche Hindernisse wie Berge können die Luft dazu zwingen, nach oben auszuweichen. Warme und feuchte Luftmassen aus dem Süden werden zum Beispiel durch die Alpen gehoben, dies führt zu einer Abkühlung und Kondensation. Dies kann vor allem auf der Alpensüdseite zu starken Gewittern und damit auch zu Hagel führen. </p>
<p> </p>
<p><strong>07 Zsp (Leyser) </strong></p>
<p>Und bei den Alpen ist es eben so, dass sich diese Superzellen, nennen wir das, besonders starke Gewitter, die in sich rotieren und langlebig sind, die entstehen eben gerne am Alpenrand und wandern dann nordostwärts in Richtung Alpenvorland hinweg und sorgen dort eben für die besonders starken Hagelereignisse.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Die Entstehung von Hagel ist sehr komplex. Es braucht bestimmte Voraussetzungen, damit in Wolken überhaupt Eiskörner wachsen können, erklärt Forscher Michael Kunz. </p>
<p> </p>
<p><strong>08 Zsp (Kunz AI) </strong></p>
<p>Wir brauchen eine Gewitterwolke. Gewitterwolken entstehen im Sommer, im Winter eher selten. (…) Diese Gewitterwolken, wir sprechen hier von vertikal ausgedehnten Wolken, die reichen bis an den Oberrand der Obersphäre. Die haben so ein Aussehen wie ein Blumenkohl. (…) Und wenn sie im oberen Teil dann gar nicht mehr so dieses blumenkohlförmige Aussehen haben, sondern so eine glatte Oberfläche, das ist ein Hinweis darauf, dass Niederschlagsbildung da schon eingesetzt hat. Das ist ein Eisschirm da oben, den man erkennt. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 4</strong></p>
<p>&quot;Baud&quot; - Album: Stator - Ausführende und Komponisten: Biosphere &amp; Deathprod - Länge: 1&#39;31</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Diese sogenannten Cumulonimbus-Wolken türmen sich hoch auf. In Mitteleuropa können sie bis in eine Höhe von 14 Kilometern reichen, in den Tropen sogar bis zu 18 Kilometern. Je nach Region befindet sich zwischen 8 und 15 Kilometern Höhe die Tropopause, eine Grenzschicht zwischen der unten liegenden Troposphäre, die das Wetter bestimmt, und der darüberliegenden Stratosphäre. Stößt eine Gewitterwolke an diese Grenze, kann sie meistens nicht weiter in die Höhe wachsen. Die Tropopause zwingt die Gewitterwolke dann, sich seitlich auszudehnen. Dadurch entsteht der sogenannte Amboss der Gewitterwolke. Manchmal sehen Meteorologen auf Satellitenbildern einen sogenannten Overshooting Top, kuppelförmige Wolken, die sich noch über dem Amboss auftürmen und in die untere Stratosphäre eindringen. Dieses Phänomen gibt es, wenn die Aufwinde besonders stark sind. Overshooting Tops sind ein Hinweis darauf, dass das Gewitter langlebig und stark sein kann, inklusive zerstörerischem Hagel. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ATMO (Gewitter, Hagel)  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Außerdem müssen in der Gewitterwolke bestimmte Aerosole, so genannte Eiskeime vorhanden sein, damit sich Eis bilden kann. Wenn diese Aerosole nicht vorhanden sind, gefriert Wasser erst ab einer Temperatur von minus 38 Grad. Natürlicherweise gibt es nur sehr wenige Eiskeime in der Luft. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>09 Zsp (Kunz AI) </strong></p>
<p>Da haben wir so vielleicht zehn von diesen Teilchen pro Liter. Das ist ganz wenig. Das heißt, wir haben in der Gewitterwolke schon ein paar einzelne Eisteilchen, aber wenige Eisteilchen und dafür ganz, ganz viele von diesen Flüssigwassertröpfchen mit einer Temperatur unter 0°C. Das nennen wir unterkühlte Tröpfchen. Jetzt kann man sich das ganz einfach vorstellen. Die wenigen Eisteilchen sammeln dann die unterkühlten Tröpfchen ein. Da sprechen wir von Milliarden von unterkühlten Tröpfchen. Das ist wirklich eine riesengroße Menge. Die lagern sich dann an die Eisteilchen an. Sobald die sich anlagern, dann fungiert dieses Eisteilchen wieder wie ein Aerosol. Das heißt, dieses unterkühlte Wasser, das erst einmal flüssig war, wird dann sofort zu Eis. So funktioniert das erst einmal im unteren Teil der Wolke. Da bildet sich dann so ein Graupelteilchen. (…) Im oberen Teil der Wolke, da sind die Vertikalgeschwindigkeiten viel höher. Da lagern sich weitere unterkühlte Tröpfchen an. </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Und so wächst das Hagelkorn. Auf verschiedenen Seiten im Internet wird erklärt, dass großer Hagel entsteht, indem ein Graupelteilchen nach oben gesogen wird, sich unterkühlte Tröpfchen anlagern, es seitlich aus der Wolke herausgeschleudert wird, nach unten fällt, erneut in den Aufwind gerät und so mehrere Runden dreht, um immer weiter zu wachsen. Doch das sei die Ausnahme, nicht die Regel, erklärt Anja Rädler und verweist auf US-Studien: </p>
<p> </p>
<p><strong>10 Zsp (Rädler) </strong></p>
<p>Da ist der Professor Matthew Kumjian, der da ganz viele Studien dazu gemacht hat und auch mittlerweile mit diesem Mythos, dass Hagel viele Runden drehen muss, aufräumt. Also es reicht, wenn ein Hagel ein einziges Mal durch eine Gewitterwolke sozusagen einmal durch den Aufwind nach oben kommt und dann sozusagen rausfällt, dann kann er schon zehn Zentimeter haben oder auch noch größer.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Die Vorstellung, dass Hagel wie in einer Waschmaschine mehrmals durch Gewitterwolken geschleudert werden muss, um zu wachsen, geht wohl auch darauf zurück, dass großer Hagel, wenn man einen Querschnitt macht, ein bisschen - wie ein Baumstamm - Wachstumsringe aufzeigt. Einige der Ringe sind durchsichtig, andere milchig-trüb. Das liegt am feuchten und am trockenen Wachstum, so Anja Rädler von Munich Re. </p>
<p> </p>
<p><strong>11 Zsp (Rädler) </strong></p>
<p>Bei trockenem Wachstum, der geht sehr schnell. Da werden oft Luftblasen mit eingeschlossen, weshalb das Ganze dann so milchig aussieht und man nicht durchschauen kann. Während feuchtes Wachstum langsamer ist und dort haben die Luftbläschen noch Zeit quasi zu entweichen und dann sozusagen das Eis durchsichtig ist und man durchgucken kann.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 5</strong></p>
<p>&quot;Baud&quot; - Album: Stator - Ausführende und Komponisten: Biosphere &amp; Deathprod - Länge: 1&#39;21</p>
<p><strong> </strong></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hip-Hop - Straßenkultur aus der Bronx</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hip-hop-strassenkultur-aus-der-bronx/2110930</link>
      <pubDate>Thu, 02 Oct 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">053ac620-3235-457f-bd9c-a2d38ce82f99</guid>
      <description>Eine Teenagerparty von Kool DJ Herc, Jamaicanischer Auswanderer in New York, war der Ort, an dem Hip-Hop geboren wurde in den 1970er Jahren. Dort, in der Bronx, trafen sich die ersten DJs, Rapper, Breaker und Sprayer. Hip-Hop entwickelte sich bald von der Untergrundkultur zum globalen Business. Autor: Lukas Grasberger (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21204480" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110930/c/feed/hip-hop-strassenkultur-aus-der-bronx.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:05</itunes:duration>
      <itunes:author>Grasberger, Lukas</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine Teenagerparty von Kool DJ Herc, Jamaicanischer Auswanderer in New York, war der Ort, an dem Hip-Hop geboren wurde in den 1970er Jahren. Dort, in der Bronx, trafen sich die ersten DJs, Rapper, Breaker und Sprayer. Hip-Hop entwickelte sich bald von der Untergrundkultur zum globalen Business. Autor: Lukas Grasberger (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/016fd6c0-ce02-4f96-9830-b99066437d99.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine Teenagerparty von Kool DJ Herc, Jamaicanischer Auswanderer in New York, war der Ort, an dem Hip-Hop geboren wurde in den 1970er Jahren. Dort, in der Bronx, trafen sich die ersten DJs, Rapper, Breaker und Sprayer. Hip-Hop entwickelte sich bald von der Untergrundkultur zum globalen Business. Autor: Lukas Grasberger (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Lukas Grasberger<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Peter Weiß, Katja Bürkle, Werner Härtl <br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>Prof. Oliver Kautny,</strong> Cologne Hip Hop Institute, Universität zu Köln</p>
<p><a href="https://blog.uni-koeln.de/colognehiphopinstitute/">Cologne Hip Hop Institute – Center for Research, Education, and Practice</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Prof. em. Murray Forman</strong>, Kommunikationswissenschaftler und Hip-Hop-Forscher, Northeastern University, Boston</p>
<p><a href="https://camd.northeastern.edu/people/murray-forman/">https://camd.northeastern.edu/people/murray-forman/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Bruce Smolanoff</strong>, „Loose Bruce“ Breakdancer</p>
<p><strong>Douglas Colón,</strong> „Dancin Doug“, Breakdancer </p>
<p> </p>

<p><strong>Mehr Wissen über Hip-Hop aus der ARD gibt es hier:</strong></p>

<p><a href="https://www.ardmediathek.de/hiphop">https://www.ardmediathek.de/hiphop</a> und <a href="https://www.ardkultur.de/hiphop">https://www.ardkultur.de/hiphop</a></p>
<p> </p>

<p><strong>Hier geht’s zu unseren Podcast-Tipps:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Lindy Hop - Der gleichberechtigte Swing-Tanz</strong></p>
<p>Es ist ein Tanz, der lässige Lebensfreude versprüht. Doch Lindy Hop macht nicht nur Spaß. Entstanden aus improvisierter Musik und Bewegung schwarzer Sklaven, transportiert er bis heute auch Werte der afroamerikanischen Emanzipation wie Freiheit, Minderheiten-Rechte oder Gleichberechtigung der Geschlechter. <strong>Hier geht’s zu der Radiowissen-Folge über den Lindy Hop</strong>:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:09d3b72e52e87c28/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:09d3b72e52e87c28/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Eine heilsame Kunst - Was Tanz mit uns macht</strong></p>
<p>Tanz ist eine Rundumversorgung für Körper, Psyche und Geist. Neben dem Nutzen für das körperliche Wohl, kann er vor allem seelische Wunden lindern und neurologische Kompetenzen fördern. Daher wird er auch in der Therapie eingesetzt. Trotz seiner positiven Effekte wird Tanz in der westlichen Kultur zu wenig geachtet.<strong> Hier geht es zur Tanzforschungs-Folge bei „IQ. Wissenschaft und Forschung“: </strong></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/eine-heilsame-kunst-was-tanz-mit-uns-macht/2056720">https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/eine-heilsame-kunst-was-tanz-mit-uns-macht/2056720</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Link-Tipps der Redaktion:</strong></p>
<p>Zum Interview mit dem legendären Rapper der ersten Stunde, Coke La Rock, vom 4. März 2025 für das „Bronx Hip Hop Oral History Project“<strong> </strong>der Bronx County Historical Society Research Librarx und den Bronx County Archives, das wir in dieser Folge Radiowissen erwähnen: </p>
<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=O2SbVBqDwW0"><strong>https://www.youtube.com/watch?v=O2SbVBqDwW0</strong></a></p>
<p> </p>
<p>Hip-Hop ist längst Teil der globalen Kultur und des Mainstream geworden, aber auch Teil von Forschung, Wissenschaft und Museumskultur. Hier geht es zur Seite des New Yorker Hip-Hop-Museums mit vielen tollen Eindrücken aus der Geschichte des Hip Hop: </p>
<p><a href="https://thhm.org/"><strong>https://thhm.org/</strong></a></p>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansuskripte-hip-hop-strassenkultur-bronx-musik-pop-buerger-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Goldener Oktober - Blattfärbung und Laubbläser</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/goldener-oktober-blattfaerbung-und-laubblaeser/2110929</link>
      <pubDate>Thu, 02 Oct 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6e9938f0-0721-4c27-86a4-92de318e1f2d</guid>
      <description>Der Herbst ist für viele eine schöne Zeit: An den Bäumen färben sich die Blätter herrlich gelb und rot. Aber warum ist das eigentlich so? Wenn das Laub dann abfällt, ist es vorbei mit der Idylle - und das hat auch mit einer Erfindung zu tun, die noch gar nicht so alt ist: Der Laubbläser. Von Hellmuth Nordwig.</description>
      <enclosure length="22771968" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110929/c/feed/goldener-oktober-blattfaerbung-und-laubblaeser.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Nordwig, Hellmuth</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Herbst ist für viele eine schöne Zeit: An den Bäumen färben sich die Blätter herrlich gelb und rot. Aber warum ist das eigentlich so? Wenn das Laub dann abfällt, ist es vorbei mit der Idylle - und das hat auch mit einer Erfindung zu tun, die noch gar nicht so alt ist: Der Laubbläser. Von Hellmuth Nordwig.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/001bfb85-065c-4679-b510-c46ee7331ce8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Herbst ist für viele eine schöne Zeit: An den Bäumen färben sich die Blätter herrlich gelb und rot. Aber warum ist das eigentlich so? Wenn das Laub dann abfällt, ist es vorbei mit der Idylle - und das hat auch mit einer Erfindung zu tun, die noch gar nicht so alt ist: Der Laubbläser. Von Hellmuth Nordwig.</p><p>Autorin: Hellmuth Nordwig</p>
<p>Regie<em>: </em>Sabine Kienhöfer</p>
<p>Sprecher:innen: Rahel Comtesse und Johannes Hitzelberger</p>
<p>Technik: Monika Gsaenger</p>
<p>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p> </p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p><strong>Hubert Siegler, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim</strong></p>
<p><strong>Christian Fabris, Umweltbundesamt - Lärmminderung</strong></p>
<p><strong>Adam Sweeting, Division of Humanities, Boston University</strong></p>
<p><strong>Dr. Christian Zohner, Klimawandelökologie, ETH Zürich</strong></p>

<p> </p>
<p>Literatur-Tipp: </p>
<p>-       <em>Adam Sweeting, Beneath the Second Sun: A Cultural History of Indian Summer</em> (Hanover: University Press of New England) – zur Frage, welche Bedeutung der &quot;Indian Summer&quot; in Literatur und Kunst Nordamerikas hat und warum der Begriff ausgedient hat</p>

<p> </p>
<p>Weiterführende Links: </p>
<p>Internetseite von Gesprächspartner Constantin Zohner: </p>
<p>https://constantinzohner.com/ </p>
<p><em> </em></p>
<p>BR Retro und Kurioses: Karl Valentin - Die Vier Jahreszeiten (1939): <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:section:881d53a4f382840d/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:section:881d53a4f382840d/</a></p>


<p><u>Hörtipps:</u></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:3714ac38d86950f9/"><u>IQ - Wissenschaft und Forschung · Waldmedizin - So kann der Wald uns heilen · Podcast in der ARD Audiothek</u></a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:9aa36ad4c8ac358d/"><u>IQ - Wissenschaft und Forschung · Der Bergwald - Schutzbedürftiger Schutzwall · Podcast in der ARD Audiothek</u></a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:dc058fed30d80d54/"><u>IQ - Wissenschaft und Forschung · Klimawandel im Garten - so pflanzt man für extreme Bedingungen · Podcast in der ARD Audiothek</u></a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:be9cf3304bc86466/"><u>IQ - Wissenschaft und Forschung · Farben in der Natur - Warum ist alles bunt? | Sommer-Spezial (7) · Podcast in der ARD Audiothek</u></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p><strong>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/">DAS KALENDERBLATT</a> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-manuskripte-steinzeitliches-doggerland-as-atlantis-der-nordsee-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Jane Goodall - Primatologin und Botschafterin des Friedens</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/jane-goodall-primatologin-und-botschafterin-des-friedens/1560664</link>
      <pubDate>Thu, 02 Oct 2025 01:29:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">62311f0e-a211-4860-af4c-27d011404bb2</guid>
      <description>Zum Tod von Jane Goodall. Die Primatenforscherin, Umweltschützerin, Humanistin und Autorin ist schon zu Lebzeiten Legende geworden. Die Grand Dame des Umweltschutzes engagierte sich bis zum Schluss für eine lebenswerte Zukunft. Von Geseko von Lüpke (BR 2019)</description>
      <enclosure length="22512535" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1560664/c/feed/jane-goodall-primatologin-und-botschafterin-des-friedens.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:27</itunes:duration>
      <itunes:author>Geseko von Lüpke</itunes:author>
      <itunes:summary>Zum Tod von Jane Goodall. Die Primatenforscherin, Umweltschützerin, Humanistin und Autorin ist schon zu Lebzeiten Legende geworden. Die Grand Dame des Umweltschutzes engagierte sich bis zum Schluss für eine lebenswerte Zukunft. Von Geseko von Lüpke (BR 2019)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2ca83ec8-abcb-4097-a2d3-84d85ce5d2bb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zum Tod von Jane Goodall. Die Primatenforscherin, Umweltschützerin, Humanistin und Autorin ist schon zu Lebzeiten Legende geworden. Die Grand Dame des Umweltschutzes engagierte sich bis zum Schluss für eine lebenswerte Zukunft. Von Geseko von Lüpke (BR 2019)</p><p>Autor dieser Folge: Geseko von Lüpke<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Rahel Comtesse, Friedrich Schloffer, Irina Wanka<br/>Technik: Daniela Röder<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="Jane Goodall Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-jane-goddall-primatologin-100.html"><strong>HIER</strong></a>.<br/><br/><br/>Eine faszinierende Bildstrecke zu Jane Goodall gibt es bei <strong>BR Wissen</strong>:<br/>BR Wissen | Jane Goodall - ein Leben für die Menschenaffen<br/><a title="BR Wissen | Jane Goodall Bildstrecke" href="https://www.br.de/wissen/menschenaffen-forschung-jane-goodall-100.html">JETZT ANSEHEN</a><br/><br/>Das Jane Goodall Institut widmet sich heute der Förderung des respektvollen Umgangs mit Menschen, Tieren und der Natur:<br/><strong><a title="Jane Goodall Institut Deutschland" href="https://janegoodall.de/">EXTERNER LINK | JANE GOODALL INSTITUT - DEUTSCHLAND</a></strong><br/><strong><br/></strong><br/><br/><br/></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Mahatma Gandhi - Revolution ohne Gewalt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mahatma-gandhi-revolution-ohne-gewalt/176730</link>
      <pubDate>Thu, 02 Oct 2025 01:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2e8f4429-959e-4185-af18-2f32e7ed35c9</guid>
      <description>Ohne einen einzigen  Schuss abzugeben, brachte er das britische Weltreich ins Wanken. Mahatma Gandhi ist die Leitfigur der gewaltfreien Revolte. (BR 2018)</description>
      <enclosure length="22432768" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/176730/c/feed/mahatma-gandhi-revolution-ohne-gewalt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Frank Halbach</itunes:author>
      <itunes:summary>Ohne einen einzigen  Schuss abzugeben, brachte er das britische Weltreich ins Wanken. Mahatma Gandhi ist die Leitfigur der gewaltfreien Revolte. (BR 2018)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5fedfaf7-4d71-4699-8367-fea8569606f2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ohne einen einzigen  Schuss abzugeben, brachte er das britische Weltreich ins Wanken. Mahatma Gandhi ist die Leitfigur der gewaltfreien Revolte. (BR 2018)</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Frank Halbach<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Reinhard Glemnitz, Oliver Nägele<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Thomas Morawetz<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Mahatma Gandhi" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-mahatma-gandhi-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/>Weitere hörenswerte Folgen über faszinierende Persönlichkeiten:<br/><br/>Der 14. Dalai Lama - Göttliches Mitgefühl und irdische Politik<br/><a title="Radiowissen | Der 14. Dalai Lama" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-14-dalai-lama-goettliches-mitgefuehl-und-irdische-politik/1835708">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Mutter Teresa - Ein Porträt<br/><a title="Radiowissen | Mutter Teresa" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mutter-teresa-ein-portraet-1/1861696">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Nelson Mandela - Der lange Weg zur Freiheit<br/><strong><a title="Radiowissen | Nelson Mandela" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nelson-mandela-der-lange-weg-zur-freiheit/33696">JETZT ANHÖREN</a><br/><br/></strong>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/841"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a></p>
<p><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/841"><strong></strong></a>Interviewpartner dieser Folge:<br/>Prof. Dr. Gita Dharampal-Frick, Historikerin und Leiterin der Abteilung Geschichte am Südasien-Instituts der Universität Heidelberg</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Münchner Salons - Künstlerische Geselligkeit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/muenchner-salons-kuenstlerische-geselligkeit/1885144</link>
      <pubDate>Wed, 01 Oct 2025 03:03:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0c24cb10-bc46-406c-8c41-6d4ae0136ed8</guid>
      <description>Literatur, Musik, Theater - kurz, die Künste werden erst lebendig, wenn man sie teilt. Genau das geschah in den Münchner Salons des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das inspirierende Gespräch stand im Mittelpunkt dieser Kreise. Wichtig waren auch die Besonderheit der Orte und Rituale. (BR 2022)</description>
      <enclosure length="21851136" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1885144/c/feed/muenchner-salons-kuenstlerische-geselligkeit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Astrid Mayerle</itunes:author>
      <itunes:summary>Literatur, Musik, Theater - kurz, die Künste werden erst lebendig, wenn man sie teilt. Genau das geschah in den Münchner Salons des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das inspirierende Gespräch stand im Mittelpunkt dieser Kreise. Wichtig waren auch die Besonderheit der Orte und Rituale. (BR 2022)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a339238e-ce50-447a-8623-2f8559fa6558.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Literatur, Musik, Theater - kurz, die Künste werden erst lebendig, wenn man sie teilt. Genau das geschah in den Münchner Salons des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das inspirierende Gespräch stand im Mittelpunkt dieser Kreise. Wichtig waren auch die Besonderheit der Orte und Rituale. (BR 2022)</p><p>Autor/in dieser Folge: Astrid Mayerle<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Beate Himmelstoß, Christopher Mann, Hemma Michel<br/>Technik: Roland Böhm<br/>Redaktion: Andrea Bräu<br/><br/><br/>Literaturtipp:<br/><em>Hervorragend recherchierte Geschichte der Münchner Salons. Mit kulturphilosophischer und soziologischer Einleitung. Einzelne Kapitel sind einzelnen Salons, deren Ausrichtung, Besuchern und Eigenarten gewidmet:</em></p>
<ul>
<li>Waldemar Fromm (Hg) Münchner Salons, Literarische Geselligkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Verlag Friedrich Pustet 2021</li>
</ul>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wissenschaft</p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/><a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/podcasts/radiowissen/radiowissen-manuskripte-salons-muenchen-lesung-wolfskehl-schleiermacher-lyrik-100.html">HIER</a></strong>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der Rohrpost – Vom Nachrichtenversand bis Hyperloop</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-rohrpost-vom-nachrichtenversand-bis-hyperloop/2110886</link>
      <pubDate>Wed, 01 Oct 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b94d6eb9-23a0-4b9b-aca6-bb7c3bc7bc2d</guid>
      <description>Transportzylinder sausen per Luftdruck durch Röhren: So funktionierte schon 1853 die erste Rohrpostanlage in London. Manche Städte bauten Rohrpostnetze mit hunderten Kilometern Länge. Heute nutzt man das Prinzip fast nur noch in Krankenhäusern, Apotheken und für Bargeldtransport - sowie als Anregung für den Hyperloop.Autor: David Globig (BR 2025)


Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast.
https://1.ard.de/alles-geschichte
</description>
      <enclosure length="22298112" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110886/c/feed/die-geschichte-der-rohrpost-vom-nachrichtenversand-bis-hyperloop.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:13</itunes:duration>
      <itunes:author>David Globig</itunes:author>
      <itunes:summary>Transportzylinder sausen per Luftdruck durch Röhren: So funktionierte schon 1853 die erste Rohrpostanlage in London. Manche Städte bauten Rohrpostnetze mit hunderten Kilometern Länge. Heute nutzt man das Prinzip fast nur noch in Krankenhäusern, Apotheken und für Bargeldtransport - sowie als Anregung für den Hyperloop.Autor: David Globig (BR 2025)


Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast.
https://1.ard.de/alles-geschichte
</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3a3b745d-911e-403d-8feb-5d70d2a94548.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Transportzylinder sausen per Luftdruck durch Röhren: So funktionierte schon 1853 die erste Rohrpostanlage in London. Manche Städte bauten Rohrpostnetze mit hunderten Kilometern Länge. Heute nutzt man das Prinzip fast nur noch in Krankenhäusern, Apotheken und für Bargeldtransport - sowie als Anregung für den Hyperloop.Autor: David Globig (BR 2025)


Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast.
https://1.ard.de/alles-geschichte
</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: David Globig<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Katja Bürkle <br/>Technik: Simon Lobenhofer <br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Markus Lang, Klinikum Großhadern, TUM<br/>Ingmar Arnold, Historiker, Buchautor: „Luft-Züge&quot;<br/>Wenke Wilhelm, Kustodin für Transportgeschichte und Verkehr bei der Museumsstiftung Post- und Telekommunikation<br/>Domenik Radeck, Leiter der Forschungsgruppe Hyperloop an der Technischen Universität München <br/></p>

<p>Literatur:</p>
<p>Ingmar Arnold: Luft-Züge. Die Geschichte der Rohrpost, 2. Auflage, Ch. Links Verlag, Berlin 2016</p>

<p>Weiterführende Links: </p>
<p><a title="https://www.museumsstiftung.de/mfk-berlin/" href="https://www.museumsstiftung.de/mfk-berlin/">Museum für Kommunikation Berlin</a></p>
<p><a title="https://tumhyperloop.com/" href="https://tumhyperloop.com">TUM Hyperloop</a></p>
<p><a title="http://www.douglas-self.com/museum/comms/pneumess/pneumess.htm" href="http://www.douglas-self.com/MUSEUM/COMMS/pneumess/pneumess.htm">The Museum of Retro Technology – Pneumatic Networks</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a href="https://1.ard.de/alles-geschichte">Hinter allem steckt Geschichte und wir erzählen sie euch - euer History-Podcast.</a></p>

<p><strong>Diese hörenswerten Folgen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:095f0af98bdd65f2/"><strong>Der Brennerbasistunnel - Rekordbaustelle unter den Alpen</strong></a></p>
<p>Die Straßenverbindung über den Brenner ist völlig überlastet. Abhilfe soll der Brennerbasistunnel schaffen. Seit 2007 wird an der 64 km langen Eisenbahnstrecke unter den Alpen gebaut. Das Projekt ist allein schon durch seine Dimensionen eine Herausforderung. <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:095f0af98bdd65f2/">[HIER]</a></p>

<p>Und noch mehr kuriose Infos zu Rohrposttechnikern findet ihr im Kalenderblatt: <a title="Hier geht es zum Kalenderblatt" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:8141b599693dae19/"><strong>22.08.1933: Rohrpostzuschlag für eilige Briefsendungen</strong></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/">Alles Geschichte – Der History-Podcast</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-die-geschichte-der-rohrpost-versand-transport-post-krankenhaus-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Sollte jeder Mensch anders essen? Genbasierte Ernährung, Low Carb &amp; Co.</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/sollte-jeder-mensch-anders-essen-genbasierte-ernaehrung-low-carb-co/2093220</link>
      <pubDate>Wed, 01 Oct 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">bd766a90-ac02-4cfc-bfde-aa597b7d8ba6</guid>
      <description>Kohlenhydrate-, Fett- oder Protein-Typ - welcher Ernährungstyp bin ich? Machen fettarme oder fettreiche, rein pflanzliche oder ausschließlich eiweißhaltige Nahrungsmittel Sinn? Eine verbindliche Aussage versprechen Anbieter von Gentests für personalisierte Ernährung. Doch diese sind höchst umstritten. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2024) </description>
      <enclosure length="23733504" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093220/c/feed/sollte-jeder-mensch-anders-essen-genbasierte-ernaehrung-low-carb-co.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Bernd-Uwe Gutknecht</itunes:author>
      <itunes:summary>Kohlenhydrate-, Fett- oder Protein-Typ - welcher Ernährungstyp bin ich? Machen fettarme oder fettreiche, rein pflanzliche oder ausschließlich eiweißhaltige Nahrungsmittel Sinn? Eine verbindliche Aussage versprechen Anbieter von Gentests für personalisierte Ernährung. Doch diese sind höchst umstritten. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c1e03242-4d12-4afa-96df-ad1b82a9cfc8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kohlenhydrate-, Fett- oder Protein-Typ - welcher Ernährungstyp bin ich? Machen fettarme oder fettreiche, rein pflanzliche oder ausschließlich eiweißhaltige Nahrungsmittel Sinn? Eine verbindliche Aussage versprechen Anbieter von Gentests für personalisierte Ernährung. Doch diese sind höchst umstritten. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Bernd-Uwe Gutknecht<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Susanne Schroeder, Thomas Birnstiel, Rahel Comtesse<br/> Technik: Anton Wunder<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Hans Hauner, Institut für Ernährungsmedizin, TU München<br/>Monika Bischoff, Diplom-Ökotrophologin, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder München<br/>Caroline Rauscher, Pharmazeutin und Ernährungsberaterin Kelheim<br/>Einige ältere Damen im „Dorf der Hundertjährigen“ in Japan</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong><br/>Was ist dran am &quot;Urgetreide&quot;? - Alles Natur</strong><br/>
Dinkel liegt schon länger im Trend, auch Emmer und Einkorn machen Karriere - alle drei sind nahe Verwandte des Weizens. &quot;Urgetreide&quot; sorgt für mehr Vielfalt auf dem Acker und auf dem Tisch. Es gibt inzwischen Gebäck und Bier daraus und auch die Forschung interessiert sich für die alten Sorten. Von Renate Ell <br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-ist-dran-am-urgetreide-alles-natur/bayern-2/94816660/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Was bringt nachhaltige Ernährung? Alles Natur</strong><br/>Im Kampf gegen die Erderwärmung geraten zunehmend die Ernährungsgewohnheiten der Menschheit in den Fokus. Der Heißhunger auf Fleisch gilt als wahrer Klimakiller. Ist eine überwiegend pflanzenbasierte Diät die Lösung, um die Klimakatastrophe abzuwenden? Von Lukas Grasberger<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-bringt-nachhaltige-ernaehrung-alles-natur/bayern-2/94623996/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Die Wurst - Von Tradition bis Tofu</strong>

Wenn es um der Deutschen liebste Speisen geht, landet man schnell bei der Wurst. Mehr als 27 Kilogramm Wurst und Schinken verzehrt jeder von uns durchschnittlich im Jahr. Und die Auswahl ist schier unübersichtlich. Radiowissen rückt der Wurst als Nahrungsmittel und Kulturgut auf die Pelle. 
Von Susanne Hofmann<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wurst-von-tradition-bis-tofu/bayern-2/94565986/">JETZT ENTDECKEN</a>



<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Vegane Wurst und Burger - Wieviel Chemie und Technik braucht es für Fleischersatz?</strong><br/>Fleisch ist für viele ein Grundnahrungsmittel. Doch die Viehzucht schadet Umwelt und Klima. WissenschaftlerInnen suchen deshalb nach umweltschonenden Alternativen zu Steak und Schnitzel. Wie bekommen Hersteller es hin, dass eine Wurst aus Erbsenprotein schmeckt und sich anfühlt wie Fleisch? Das wollen wir in dieser Podcast Folge wissen und außerdem fragen wir: sind diese hochverarbeiteten Lebensmittel dann noch gesund? <br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/vegane-wurst-und-burger-wieviel-chemie-und-technik-braucht-es-fuer-fleischersatz/bayern-2/13313055/">JETZT ENTDECKEN</a><br/><br/><strong>I will survive - Der Kampf gegen die AIDS-Krise</strong><br/>München, 80er, Disco-Ära: Die queere Szene blüht und Weltstars wie Freddie Mercury machen hier Party. Aber plötzlich ist Schluss. Ein mysteriöses Virus erreicht die Stadt. In &quot;I Will Survive&quot; sprechen wir mit den Menschen, die als Erste und vielleicht am härtesten von der AIDS-Krise getroffen wurden. Der Podcast erzählt von ihrer Angst, ihren Verlusten und ihrem Widerstand in einer Zeit, als Bayern als einziges Bundesland auf Ausgrenzung statt auf Aufklärung setzt. Und es geht um die Frage: Welches Vermächtnis haben die Menschen von damals der queeren Community heute hinterlassen? Ein <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/radiowissen_hoert_i_will_survive">Podcast</a> von Bayern 2<br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskrip-maltechnik-malen-pinsel-farbe-tempera-aquarell-kunst-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>„Stoffwechseltyp bestimmen und passende Gen-Diät finden!“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>„DNA- und Bioage-Test - tiefe Einblicke in deine Genetik für nur 229 Euro!“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>„Mehr Wohlbefinden mit unseren Stoffwechselanalysen und Bluttests“. </p>
<p>Erzähler:</p>
<p>„All in one DNA-Test für nur 399 Euro!“. </p>
<p>MUSIK 1 hochziehen</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Wer sich im Internet über gesunde Ernährung informiert, stößt zwangsläufig auf Werbeversprechen bezüglich personalisierter, genbasierter Ernährung. Sie suggerieren, dass mit einer einfachen Speichel- oder Urinprobe die DNA des Kunden ermittelt und daraus der perfekte Ernährungsplan entwickelt werden kann. Das Ziel: Traumkörper, unlimitierte Leistungsfähigkeit, quasi ewige Jugend.</p>
<p>MUSIK 1 hochziehen und aus</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Angeblich sind die DNA-Tests und die daraus abgeleiteten Ernährungstipps von Experten zertifiziert und garantiert. </p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Wissenschaftlich belegt und anerkannt ist die Tatsache, dass die individuelle Genzusammensetzung Einfluss darauf hat, wie der Körper mit verschiedenen Nahrungsmitteln klarkommt. Professor Dr. Hans Hauner leitet das Institut für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München:</p>
<p>Zusp. 1 Gene:</p>
<p>„Die Verdauung und Verwertung von Nahrungsmitteln ist natürlich ein sehr komplexes Geschehen. Der Stoffwechsel, den wir haben, ist Tag und Nacht damit beschäftigt, Energie bereitzustellen und zu funktionieren. Die Organe müssen ja auch optimal funktionieren, dazu sind viele Nährstoffe notwendig. Und das ist natürlich reguliert durch eine Vielzahl von Genen, die daran beteiligt sind.“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Die Fachbereiche, die sich mit den Zusammenhängen von Genen und Essen beschäftigen, heißen Nutrigenetik und Nutrigenomik. Darauf spezialisierte Wissenschaftler haben etwa herausgefunden, dass gewisse Gen-Variationen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Adipositas, also Fettleibigkeit oder Diabetes Typ 2 zu erkranken. </p>
<p>Zusp. 2 Bandbreite:</p>
<p>„Was wir wissen – und wir haben das selber in verschiedenen Studien angesehen – ist: wenn wir wirklich die identische Mahlzeit zehn oder 20 Personen geben, und schauen uns dann an, wie verändert sich der Blutzucker, das Insulin, Aminosäuren, was auch immer, sehen wir doch eine große Bandbreite der Antwort von Mensch zu Mensch.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>99,7 Prozent der Gene sind bei allen Menschen identisch. Aber die 0,3 Prozent Unterschiede können große Auswirkungen haben. Ein gut untersuchtes Beispiel ist der Melanocortin-4-Rezeptor: Er wird im Normalfall von 333 Aminosäuren gebildet. Bei einem Mangelzustand an diesen Proteinen kann die Signalweiterleitung des Sättigungsgefühls gehemmt sein. Und das kann zu ständigem Appetit und somit zu Übergewicht führen. </p>
<p>Zusp. 3 Zeit:</p>
<p>„Wir kennen die wichtigsten Stoffwechselprozesse und wissen auch, dass die zum Teil durch Genvarianten beeinflusst werden können. Bisher ist es uns noch nicht gelungen, diese Information zu nutzen, um vielleicht eine spezifische, individuelle Ernährung abzuleiten. Dazu stehen wir noch viel zu sehr am Anfang, das wird noch einige Zeit brauchen.“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Dass eine über Gentests personalisierte Ernährung den Menschen leistungsfähiger oder generell gesünder werden lässt, hält Hauner für eine Marketing-Lüge. Er und sein Team haben in eigenen Studien die Aussagekraft solcher Gentests analysiert: </p>
<p>Zusp. 4 Gentests:</p>
<p>„Diese genbasierten Diäten sind wirklich durch die Bank völlig unseriös. Wir haben uns das auch angeschaut: was weiß man über bestimmte Gene und gibt´s da wirklich einen erkennbaren Zusammenhang zur Verarbeitung von Mahlzeiten oder zur Präferenz bestimmter Nährstoffe? Wir haben da kein konsistentes Muster gesehen. Das, was die Firmen behaupten, ist mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogen oder ohne wirklich wissenschaftliche Substanz. Man kann davon wirklich nur abraten, es ist reine PR, um Produkte zu verkaufen.“</p>
<p>MUSIK: „The vote“ - Länge 0:36</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Warum fallen aber dennoch viele Menschen auf die Werbung bezüglich Gentests herein? In einer Umfrage der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft gab fast jeder Fünfte an, sich vorstellen zu können, eine kostenpflichtige DNA-basierte Diät auszuprobieren. Fast jeder Zweite glaubt, dass er sich allein aufgrund der Informationen zu diesem Thema gesünder ernähren würde.  </p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Obwohl wir bei der Herausgabe unserer Geninformationen normalerweise sehr vorsichtig sind, scheint die Hemmschwelle bei der Aussicht auf einen optimierten Ernährungsplan zu sinken. Für medizinische DNA-Tests schreibt das Gendiagnostikgesetz eine ausführliche Aufklärung durch eine Medizinerin oder einen Mediziner zwingend vor. </p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Für die frei verkäuflichen Gentests zur Ernährung gilt das Gesetz nicht, weil diese Speichelproben als Lifestyle-Produkte deklariert werden. Die Gesellschaft für Humangenetik warnt seit Jahren davor, seine DNA von fragwürdigen Labors bestimmen und womöglich speichern zu lassen. Denn diese Genom-Proben unterliegen dann nicht dem Datenschutz und könnten zum Beispiel an werbetreibende Pharma-Unternehmen verkauft werden.    </p>
<p>Zusp. 5 Betrug:</p>
<p>„Meine Erklärung ist dabei, dass wir ja das Phänomen haben, Ernährungsberatung für einen Menschen zu bekommen, ist zeitaufwendig, kostet Geld, und da klingt´s natürlich gut, wenn ich sage: ich messe deine Gene und dann kann ich dir sagen, was du brauchst und was für dich gesund ist. Aber schaut man sich diese Empfehlungen an nach den Gentests, so sind die alle eigentlich sehr ähnlich und gehen in die gleiche Richtung, die wir ohnehin empfehlen würden, nämlich eine gesunde, eher pflanzlich basierte Kost. Also das ist wirklich fast Betrug!“</p>
<p>MUSIK: „Straight oddity“ - Länge 0:34</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Von Marketingangeboten unabhängig beraten werden Patienten oder an sinnvoller Ernährung Interessierte zum Beispiel am Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention, das zum Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München gehört. Personen, die unter Essstörungen oder ernährungsbedingten Krankheiten leiden, werden hier behandelt und versorgt. In Seminaren und Kochkursen können auch andere Gäste viel über eine sinnvolle Auswahl von Nahrungsmitteln und ihre schonende Zubereitung lernen. </p>
<p>Erzählerin:  </p>
<p>Die Leiterin des Zentrums, die Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Monika Bischoff, hat also regelmäßig Kontakt mit vielen Betroffenen. </p>
<p>Sie betont, dass durchaus Unterschiede bei der Verwertung von Lebensmitteln bestehen. Um mögliche daraus folgende gesundheitliche Probleme herauszufinden, setzt sie auf klassische medizinische Analysen wie etwa ein großes Blutbild und die Bio-Impedanz: </p>
<p>Zusp. 8 Impedanz:</p>
<p>„Es gibt ja schon einige Messverfahren, die man kombinieren kann. Es gibt einmal das klassische klinische Labor. Und es gibt die bioelektrische Impedanzanalyse. Das ist eine Messung, bei der man hauptsächlich den Körperfettgehalt zur Muskelmasse messen kann, aber eben auch durch den Phasenwinkel, das an speziellen Vektorenmessungen auch sehen kann: wie ist denn meine Zelle ernährt? Und im Verlauf, wenn ich diese Messung alle drei Monate mache, dann kann ich mit einer qualifizierten Ernährungs-Fachkraft oder auch mit einem Ernährungsmediziner hier auch schon gute Daten bekommen, wie ich auf Lebensmittel reagiere.“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Oftmals hilft es schon, wenn Menschen mit Essstörungen, mit Übergewicht oder Magersucht, detailliert über einen längeren Zeitraum aufschreiben, was sie wann essen und wie viel davon. Dabei geht es nicht nur ums Kalorienzählen, sondern auch um die Zusammensetzung des eigenen Speiseplans, also wie viel Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sowie existentielle Vitalstoffe nimmt man zu sich? Einen Gentest braucht es laut Monika Bischoff dafür nicht:</p>
<p>Zusp. 9 Typen:</p>
<p>„Es ist mit Sicherheit so, dass jeder seinen eigenen Esstypus, Nahrungsmittelaufnahme-Typus hat, würde ich aber auch ohne solche Tests bestimmen können durch reine Beobachtung. Durch ein vernünftiges Ernährungs-Tagebuch können wir ganz genau feststellen, ok, ich bin eher der Kohlenhydrate-Typ oder der Eiweiß-Typ!“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Das trifft ebenfalls auf Lebensmittel-Unverträglichkeiten zu. Laktose-, Fruktose-und Histamin-Intoleranzen sind bei uns die häufigsten. Auch hier empfiehlt Monika Bischoff Ernährungs- und Symptom-Tagebücher. So können Betroffene zusammen mit den Medizinern analysieren, welche Bestandteile für sie problematisch sind. </p>
<p>Zusp. 10 unverträglich:</p>
<p>„Bei den Lebensmittel-Unverträglichkeiten – das ist per se erstmal keine Erkrankung, sondern es ist hauptsächlich ein Essfehler – das ist bestimmt auch durch die Enzymaktivität, hat ja auch mit den Genen zu tun, es ist schon festgelegt in uns, aber das kann man auch jetzt schon beeinflussen durch eine gute Ernährungsberatung und zu wissen, was kann ich wie essen? Aber in erster Linie ein Essfehler und das ist jetzt schon ohne personalisierte Ernährung oder Gene sehr gut zu behandeln.“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Auch das Abnehm-Versprechen der Anbieter von Gentests ist für die Ernährungswissenschaftlerin nur Werbetrick und ohne Evidenz. Von Mode-Diäten aus Lifestylemagazinen hält sie generell nicht viel. Letztlich geht es darum, weniger Kalorien zu sich zu nehmen als man verbrennt. Und sich bewusst zu machen, was man sich in den Mund steckt:</p>
<p>MUSIK: „Blurred vision“ - Länge 0:39</p>
<p> </p>
<p>ATMO 1 Chips</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Eine Tüte Chips beim abendlichen Fernsehschauen...</p>
<p>ATMO 2 Cola</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>...und dazu eine Flasche Cola landen natürlich sofort im Fettdepot des eigenen Körpers. Vermutlich kämen die Wenigsten auf die Idee, Chips mit Cola bei einem schön zubereiteten Mittagessen zu genießen. Das heißt: die ungesunden und überflüssigen Dinge konsumieren wir oft eher aus Gewohnheit als wegen des Genusses...</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>...und in geselliger Runde. Da ist die Karotte weniger üblich als die Cola. Gegen solche kulinarischen Ausrutscher ist ab und zu auch nichts einzuwenden, meint Monika Bischoff, aber die Regel sollte es nicht sein. </p>
<p>MUSIK: „Futen god of the wind“ Länge: 0:52</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Ganz ohne DNA-Tests, Kalorienzähler und Lifestyle-Diäten ernähren sich viele Bewohner der japanischen Insel Okinawa auf natürliche, gesunde Art und Weise und schaffen es damit, sehr alt zu werden. Ogimi (sprich: Ogimi, Betonung auf erstem i), eine Ortschaft auf der Insel, hat den Spitznamen „Dorf der Hundertjährigen“, weil hier außergewöhnlich viele Menschen 90 Jahre und älter sind und sich guter Gesundheit erfreuen.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Die Dorfstraße ist blitzblank gefegt, die kleinen rot, gelb und weiß getünchten Steinhäuser sind mit Blumenkästen und Pflanzentöpfen liebevoll verziert. In einem blumigen Kleid geht die 94-Jährige Frau Masago (Betonung auf erstem a) Richtung Dorfausgang.</p>
<p>Zusp. 11 Oma </p>
<p>OV-Sprecherin.:</p>
<p>„Da vorne, das ist mein Feld. Da baue ich seitdem ich ein Mädchen bin, Gemüse an. Früher haben wir damit die ganze Familie ernährt, jetzt bin ich ja alleine hier, deshalb baue ich nur noch wenig an. Aber ich bin jeden Tag hier und arbeite.“</p>
<p>Erzähler: </p>
<p>Stolz erzählt Frau Masago, dass sie schon öfters den Dorf-Wettbewerb für die besten Bittergurken gewonnen hat. Für die Bewohner des Dorfes ist das die wichtigste Auszeichnung des Jahres. </p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Wo die Gemüse-Beete der Dorfbewohner aufhören, fangen die Mandarinen-, Bananen- und andere Obstbäume an. Von der naheliegenden felsigen Meeresküste bringen Fischer täglich Meeresfrüchte und Fische in die örtlichen Lebensmittelläden. Eine nahrhafte Kost liegt den Menschen auf Okinawa quasi in den Genen.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Die Hundertjährigen setzen auf regionale und saisonale Produkte und geben ihr Wissen und ihre Einstellung bzgl. Essen jeweils an die nächste Generation weiter. Das beliebteste Lokal des Ortes heißt „Bei Emi“. Emi ist die Köchin und zählt mit ihren 73 Jahren quasi zum jungen Gemüse:</p>
<p>Zusp. 12 Köchin </p>
<p>OV-Sprecherin.:</p>
<p>„Obst und Gemüse wachsen hier einfach anders. Wir sind zu 360 Grad von Meer umgeben. Dank des tropischen Klimas haben wir das ganze Jahr über frische Früchte. Und wir kochen sehr gesund, nehmen z.B. Zitronensaft statt Essig, keine künstlichen Geschmacksmittel, sondern Kräuter, Algen oder Seetang.  Und unser Fleisch kommt von glücklichen Tieren.“</p>
<p>MUSIK: „Doa“ Länge: 0:34</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Und dann serviert Frau Emi Tapiokabällchen in Sesamsauce, eingelegten Rettich mit Ingwer, Tofu in Algenblättern, Süßholzwurzeltee, alles Vitaminbomben, sagt sie. Und selbst das Dessert, grüne Eiskugeln, sind aus heimischem Gemüse gemacht.</p>
<p>MUSIK: „Futen god of the wind“ Länge: 0:52</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Für Sportlerinnen und Sportler ist eine ausgewogene und leistungsfördernde Ernährung besonders wichtig. Deshalb sind gerade Athleten darauf aus, zu erfahren, welche Nahrungsmittel ihnen Energie bringen und welche ihnen evtl. Energie rauben. Caroline Rauscher aus Kelheim ist Pharmazeutin und Ernährungscoach und betreut viele Profisportler: Triathleten, Biathleten, Radfahrer, Langläufer usw. </p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Eine individualisierte Ernährung hält sie für existenziell, gerade im Spitzensport. Von manchen Mode-Diäten wie etwa Low-Carb, also dem Trend, wenig Kohlenhydrate zu essen, rät sie allerdings ab:</p>
<p>Zusp. 13 Kohlenhydrate:</p>
<p>„Man hat eine Trainingseinheit, die sehr intensiv ist, dann ist es absolut wichtig, dass man als Treibstoff, als Nahrungsreiz die Kohlenhydrate zur Verfügung hat. Und die braucht man dann, um diese Trainingsadaption zu bewirken, aber auch um physiologische Systeme wie Immunsystem, Eisenstoffwechsel, Hormonsysteme etc. zu schützen.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Egal ob jemand ein Kohlenhydrate-, Protein-oder Fett-Typ ist, was seine effektivsten Nahrungsenergiequellen angeht, einen gewissen Mix aus Nährstoffen braucht jeder Körper. Viele Kraftsportlerinnen und Sportler meinen, dass sie für den Aufbau von Muskelkraft fast ausschließlich Eiweiß bräuchten und führen überdosierte Proteinmittel zu:</p>
<p>Zusp. 14 Krafttraining:</p>
<p>„Es ist falsch, beim Krafttraining nur den Fokus auf die Proteine, sprich die Eiweiße zu legen! Weil Krafttraining braucht ja ebenfalls Treibstoff, deswegen ganz wichtig vor dem Krafttraining schauen, dass ausreichend Kohlenhydrate aber auch Eiweiß-Komponenten gegessen werden. Je nach Intensität und Dauer auch darauf achten, auch während dem Training Kohlenhydrate zuzuführen, damit man in der Muskulatur sogenanntes anaboles Milieu schafft, das bedeutet, dass der Trainingsreiz perfekt umgesetzt werden kann und nach dem Training liegt der Fokus auf den Eiweißen.“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Immer öfters kommen Sportlerinnen und Sportler auf die Ernährungstrainerin zu, die ihren Ernährungsstil auf vegan umstellen wollen. Dagegen spricht für Caroline Rauscher nichts, aber es bedarf einer großen Aufmerksamkeit für den Speiseplan, um keine Mangelzustände zu erzeugen – was natürlich auch für Nicht-Sportler gilt:</p>
<p>Zusp. 15 Leucin:</p>
<p>„Wenn man vegan unterwegs ist, ist es total wichtig, die pflanzlichen Eiweißquellen intelligent miteinander zu kombinieren, damit man die Lücken, die in dem Aminosäuren-Spektrum von den pflanzlichen Eiweißquellen sind, ausgleicht durch Mixturen. Da bietet sich z.B. an, in Richtung Erbseneiweiß zu gehen, weil diese Erbsenproteine einen hohen Anteil an der Aminosäure Leucin haben, die in diesem Kontext eine Trigger-Aminosäure darstellt.“</p>
<p>MUSIK: „Blurred vision“– Länge 0:17</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Vegan oder vegetarisch? Die Ernährungsberaterin Monika Bischoff tendiert zu einer flexiblen Mischform, dem Flexitarismus:</p>
<p>Zusp. 16 Flexitarier:</p>
<p>„Wenn wir uns vernünftig ausgewogen ernähren, tierisch und pflanzlich, dann ernähren wir uns tatsächlich am besten. Weil Fleisch auch ein sehr wertvoller Energie-und Vitamin-Lieferant ist, das ist Fakt. Nur ist es halt von bestimmten Lebensmitteln zu viel. Die Tendenz einer pflanzenbasierten Ernährung macht für unsere Gesundheit schon auch Sinn und dazu gibt’s auch die besten Daten, was die Gesundheit betrifft. Also Flexitarier würde ich eher unterstreichen und bin ich selbst auch, mein Mann auch, also wir essen wenig Fleisch, aber ich würde nicht gerne auf Fleisch oder tierische Lebensmittel verzichten wollen.“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Von anderen extremen Ernährungs-Stilen raten die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ab. Von einigen reichweitenstarken Influencern werden diese aber beworben und finden genügend Nachahmer. Zum Beispiel die Paläo-oder Steinzeitdiät, deren Verfechter fast ausschließlich Fleisch, Fisch und rohes Gemüse essen. Auf Getreide- und Milchprodukte verzichten sie komplett. </p>
<p>Zusp. 17 Paläo:</p>
<p>„Das ist natürlich sehr einseitig, das ist eine sehr eiweißbetonte, fettbetonte Ernährung. Man kann damit sicher zunächst mal abnehmen, aber es ist eine sehr restriktive Kost. Man weiß, dass man bei extremer Kost dieser Art sich auch nicht wohlfühlt und die Leute deshalb doch wieder versteckt anfangen, Kohlenhydrate zu essen und das ist gut so! Kohlenhydrate liefern z.B. auch über die Produkte Ballaststoffe, das fehlt etwa bei der Paläo-Kost und der Mensch braucht wirklich Ballaststoffe!“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Generell warnt Ernährungsmediziner Hans Hauner davor, Kohlenhydrate zu verteufeln und gänzlich vom Speiseplan zu verbannen. Wie das auch die Anhänger der zurzeit viel diskutierten Keto-Diät tun, bei der die Energie vorwiegend durch Fette aufgenommen wird:</p>
<p>Zusp. 18 Keto:</p>
<p>„Die ketogene Diät ist eigentlich dadurch definiert, dass man die Kohlenhydrat-Zufuhr deutlich senkt, in der Regel auf unter zehn Prozent der Gesamtenergie-Aufnahme. Davon halte ich auch wenig, das mag sinnvoll sein bei bestimmten Krankheiten, wir wissen gut, dass bei nicht behandelbarer Epilepsie bei Kindern, wenn Medikamente nicht mehr wirken, eine solche Diät wirklich hilfreich sein kann. Ansonsten halte ich das für kritisch und gefährlich, weil man damit unter Umständen auch eine Mangelernährung auslösen kann. Der Mensch braucht eine bestimmte Menge an Kohlenhydraten, beispielsweise kann das Gehirn nur Zucker verbrennen, also 30 Prozent der Kalorien, die wir aufnehmen, sollten aus Kohlenhydraten bestehen.“</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Statt Keto-, Paläo-, Low Carb und Co. setzt Hauner auf eine omnivore Ernährung. Omnivor heißt, möglichst vielfältig zu essen, aber von allem etwas weniger, sofern man keinen besonders hohen Kalorienverbrauch hat wie etwa Profisportler oder körperlich schwer arbeitende Menschen: </p>
<p>Zusp. 19 omnivor:</p>
<p>„Der Mensch ist eigentlich ein Allesesser, weil er in seiner Evolutionsgeschichte ja immer darauf angewiesen war, das was für ihn sozusagen in der Umgebung verfügbar war, dann auch für seine Ernährung zu nutzen. Und das waren natürlich tierische Lebensmittel, also er hat Tiere gejagt, und wenn er sie erwischt hat auch maximal verzehrt. Er hat aber natürlich auch pflanzliche Lebensmittel um sich herum gesammelt und genutzt. Das hat wahrscheinlich auch den größeren Anteil gehabt, weil es auch leichter verfügbar war. Das hat ihn aber gezwungen, z.B. den ganzen Tag zu kauen, um aus diesen Graskörnern wirklich das bisschen Stärke, das da drin war, herauszuholen.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Und so hat sich zuletzt eine neue Diät etabliert, bzw. eine Anti-Diät: das intuitive Essen! </p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Statt auf Vorgaben aus Lifestyle-Magazinen sollten wir verstärkt auf unser Bauchgefühl hören. Der menschliche Körper weiß eigentlich sehr gut, was er braucht und was ihm nicht gut tut. Nur haben viele von uns verlernt, auf dieses Körpergefühl zu hören. </p>
<p>MUSIK: „Blurred vision“ - Länge 1:16</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Nur dann essen, wenn man wirklich Hunger hat! </p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Nur das essen, worauf man richtig Appetit hat!</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Nur soviel essen, bis man tatsächlich satt ist!</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Und gelegentlich einfach nach Lust und Laune schlemmen!</p>
<p>Zusp. 20 persönlich:</p>
<p>„Ich bin ja auch in Bayern aufgewachsen, sozialisiert worden mit viel Wurst und Fleisch und allerdings auch Süßspeisen, da gab´s ja früher noch viele und die haben wirklich toll geschmeckt. Wir haben aber die Ernährung die letzten Jahrzehnte schon umgestellt. Wir essen deutlich weniger Fleisch, aber wenn dann gutes Fleisch, und natürlich auch mit Genuss und eher fettarm zubereitet.“</p>
<p>Zusp. 21 Leberkäs:</p>
<p>„Gleiches gilt für die Leberkässemmel, die in Bayern ja so beliebt ist. Die braucht man nicht zu verbieten, aber die Qualität einer Leberkässemmel ist natürlich sehr sehr bescheiden, um das mal freundlich zu formulieren. Das kann man einmal im Monat machen, wenn man gerade wirklich Lust hat, aber das würde ich nicht zur Gewohnheit werden lassen.“</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Mythos Musen - Töchter der Erinnerung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mythos-musen-toechter-der-erinnerung-1/2110857</link>
      <pubDate>Tue, 30 Sep 2025 03:02:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">529efea2-b893-41ef-b7e4-534586c25479</guid>
      <description>Die Worte &quot;Museum&quot; und &quot;Musik&quot; sind nach ihnen benannt: den Musen. Die neun Schwestern werden einem illustren Elternpaar geboren. Ihr Vater ist Zeus, ihre Mutter die Göttin der Erinnerung, Mnemosyne. Sie beschützen und inspirieren in der griechischen Sagenwelt die Künste, und bis heute bringt man sie mit Kreativität in Verbindung. Von Julia Devlin (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22655616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110857/c/feed/mythos-musen-toechter-der-erinnerung-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Devlin, Julia</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Worte &quot;Museum&quot; und &quot;Musik&quot; sind nach ihnen benannt: den Musen. Die neun Schwestern werden einem illustren Elternpaar geboren. Ihr Vater ist Zeus, ihre Mutter die Göttin der Erinnerung, Mnemosyne. Sie beschützen und inspirieren in der griechischen Sagenwelt die Künste, und bis heute bringt man sie mit Kreativität in Verbindung. Von Julia Devlin (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c12d85f7-06d7-4270-86de-4f81df93483a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Worte "Museum" und "Musik" sind nach ihnen benannt: den Musen. Die neun Schwestern werden einem illustren Elternpaar geboren. Ihr Vater ist Zeus, ihre Mutter die Göttin der Erinnerung, Mnemosyne. Sie beschützen und inspirieren in der griechischen Sagenwelt die Künste, und bis heute bringt man sie mit Kreativität in Verbindung. Von Julia Devlin (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Julia Devlin<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Es sprachen: Friedrich Schloffer, Thomas Birnstiel, Irina Wanka <br/>Technik: Frank Brunier<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Dr. Jan Söffner, Lehrstuhlinhaber für Kulturtheorie und Kulturanalyse, Zeppelin Universität Friedrichshafen<br/></p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/>-    Raoul Schrott: Die Musen. München 2000 - ausführliches wissenschaftliches Werk <br/>-    Jan Söffner: Musen. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart<br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2684eec552b26d1f/">Die ägyptische Göttin Isis - Tochter von Himmel und Erde</a></p>
<p>Wir kennen die Göttin Isis als Göttin des Lebens und des Todes aus der Ägyptischen Mythologie. Isis kann heute als Verkörperung einer Sehnsucht nach der ursprünglichen Muttergottheit verstanden werden, die über die Jahrtausende einem überwiegend männlichen Gottesbild weichen musste. Von Andreas Hauber (BR 2022)</p>
<p><em> </em></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:89cdfd68965e2a8a/">Die Magie der Steine - Mineralien in Kult und Mythologie</a></p>
<p>Mineralien und Steine gehören zu den ältesten Rohstoffen, die sich der Mensch nutzbar gemacht hat. Beim Einsatz für kultische Zwecke spielt die Form der Steine ebenso eine Rolle wie ihre Farbe und die Beschaffenheit. Von Carola Zinner (BR 2019)</p>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-mythos-musen-toechter-errinerung-mythologie-errinerung-kreativ-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wie wir Menschen wurden - Kochen, Nahrung und Gehirn</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wie-wir-menschen-wurden-kochen-nahrung-und-gehirn/2028490</link>
      <pubDate>Tue, 30 Sep 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2df92269-6ed8-4a05-91be-9640884cd027</guid>
      <description>Der aufrechte Gang kam zuerst, danach entwickelte sich das menschliche Gehirn in Millionen Jahren zu der Größe und Leistungsfähigkeit, wie es den modernen Menschen auszeichnet. Ist der Grund dafür ein Wechsel in der Ernährung oder haben veränderte Lebensbedingungen den Ausschlag dafür gegeben? 
Autorin: Daniela Remus</description>
      <enclosure length="23078400" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2028490/c/feed/wie-wir-menschen-wurden-kochen-nahrung-und-gehirn.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Der aufrechte Gang kam zuerst, danach entwickelte sich das menschliche Gehirn in Millionen Jahren zu der Größe und Leistungsfähigkeit, wie es den modernen Menschen auszeichnet. Ist der Grund dafür ein Wechsel in der Ernährung oder haben veränderte Lebensbedingungen den Ausschlag dafür gegeben? 
Autorin: Daniela Remus</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0e7e93ad-8c09-4443-a4a1-5b8d972ab4df.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der aufrechte Gang kam zuerst, danach entwickelte sich das menschliche Gehirn in Millionen Jahren zu der Größe und Leistungsfähigkeit, wie es den modernen Menschen auszeichnet. Ist der Grund dafür ein Wechsel in der Ernährung oder haben veränderte Lebensbedingungen den Ausschlag dafür gegeben? 
Autorin: Daniela Remus</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Katja Amberger<br/>Technik: Regina Staerke<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview: <br/></strong>Dr. Philipp Gunz, Paläoanthropologe, Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig;<br/>Prof. Ottmar Kullmer, Paläoanthropologe, Senckenberg-Forschungsinstitut und Naturkundemuseum, Frankfurt;<br/>Prof. Gerhard Weber, Paläoanthropologe, Universität Wien</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Zubeißen - Die Entwicklung der Zähne<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/zubeissen-die-entwicklung-der-zaehne/bayern-2/94496408/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Was bleibt von Darwin - Forschung zur Evolution heute<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-bleibt-von-darwin-forschung-zur-evolution-heute/bayern-2/92266636/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Der Beginn der Landwirtschaft - Alles Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-beginn-der-landwirtschaft-alles-natur/bayern-2/12606305/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Was macht uns aus? - Der feine Unterschied zwischen Mensch und Tier<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-macht-uns-aus-der-feine-unterschied-zwischen-mensch-und-tier/bayern-2/78750802/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Neuroplastizität - Wie das Gehirn sich neu strukturiert<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/neuroplastizitaet-wie-das-gehirn-sich-neu-strukturiert/bayern-2/88918258/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>ARD Audiothek | Der KI-Podcast<br/>Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr – KI prägt unsere Gegenwart. Künstlich generierte Texte, Bilder und Stimmen sind überall ... und werden wöchentlich besser. Welche Auswirkungen bringt die KI in Arbeitswelt, Bildung und Gesellschaft mit sich? Wie kann man künstliche Intelligenz selbst im Alltag nutzen? Und was passiert, wenn jeder Inhalt im Internet auch ein KI-Fake sein könnte? Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub stellen sich jeden Mittwoch den großen und kleinen Fragen der KI-Revolution – und trennen die Fakten vom Hype. Ein ARD-Podcast von BR24 und SWR.<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/der-ki-podcast/94632864/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansukripte-wie-wir-menschen-wurden-knochen-nahrung-gehirn-100.html">HIER</a></strong>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Helene Kottannerin - Die Kammerfrau, die Ungarns Krone stahl</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/helene-kottannerin-die-kammerfrau-die-ungarns-krone-stahl/2083042</link>
      <pubDate>Mon, 29 Sep 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2d2b0689-72b4-42dd-8cf1-70cd9dac06f2</guid>
      <description>Es sind die frühesten deutschsprachigen Memoiren einer Frau dazu noch ein Text von schier unglaublichem Inhalt: Helene Kottannerin, Hofdame Königin Elisabeths von Luxemburg, erinnert sich um 1450 daran, wie sie im Auftrag ihrer Herrin die legendäre Heilige Stephanskrone stahl. Mit ihr wurden die ungarischen Könige gekrönt. Von Carola Zinner (BR 2023) </description>
      <enclosure length="21903744" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2083042/c/feed/helene-kottannerin-die-kammerfrau-die-ungarns-krone-stahl.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:48</itunes:duration>
      <itunes:author>Carola Zinner</itunes:author>
      <itunes:summary>Es sind die frühesten deutschsprachigen Memoiren einer Frau dazu noch ein Text von schier unglaublichem Inhalt: Helene Kottannerin, Hofdame Königin Elisabeths von Luxemburg, erinnert sich um 1450 daran, wie sie im Auftrag ihrer Herrin die legendäre Heilige Stephanskrone stahl. Mit ihr wurden die ungarischen Könige gekrönt. Von Carola Zinner (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7c36633e-9e20-49a2-bf66-0e4a58effd90.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es sind die frühesten deutschsprachigen Memoiren einer Frau dazu noch ein Text von schier unglaublichem Inhalt: Helene Kottannerin, Hofdame Königin Elisabeths von Luxemburg, erinnert sich um 1450 daran, wie sie im Auftrag ihrer Herrin die legendäre Heilige Stephanskrone stahl. Mit ihr wurden die ungarischen Könige gekrönt. Von Carola Zinner (BR 2023) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Carola Zinner<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Udo Wachtveitl, Irina Wanka, Carsten Fabian<br/>Technik: Roland Böhm<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Professorin für Geschichte des Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung des Spätmittelalters an der Ludwig-Maximilians-Universität München  <br/><br/><strong>Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Liselotte von der Pfalz - Ungeschminktes aus Versailles<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/liselotte-von-der-pfalz-ungeschminktes-aus-versailles/bayern-2/78758732/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong></p>
<p><strong>Zeitzeichen - Der Geschichts-Podcast des WDR</strong><br/><strong>22.02.1440: Helene Kottannerin - die Kammerfrau, die Ungarns Krone stiehlt</strong></p>
<p><strong><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-helene-kottannerin-stephanskrone-102.html">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>

<p><strong>Literaturtipp:</strong></p>
<p>Julia Burkhardt, Christina Lutter: Ich, Helene Kottannerin - Die Kammerfrau, die Ungarns Krone stahl. Wbg Theiss, 2023</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-helene-kottannerin-kammerfrau-ungarns-krone-stahl-100.html"><strong>HIER</strong></a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Isar - Wildfluss und ewige Baustelle</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-isar-wildfluss-und-ewige-baustelle/2096887</link>
      <pubDate>Mon, 29 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">df2fea9d-3752-41d3-9389-0d6a695378e3</guid>
      <description>Die Isar ist in Europa einzigartig: Sie darf auf immerhin 20 Kilometern noch fließen wie vor 200 Jahren. Doch der milchig türkis-schimmernde Fluss hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wie die Isar allen Zähmungsversuchen zum Trotz doch immer ein bisschen wild geblieben ist, das erzählt RadioWissen in diesem Podcast. Von Jenny von Sperber (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22839936" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096887/c/feed/die-isar-wildfluss-und-ewige-baustelle.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Jenny von Sperber</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Isar ist in Europa einzigartig: Sie darf auf immerhin 20 Kilometern noch fließen wie vor 200 Jahren. Doch der milchig türkis-schimmernde Fluss hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wie die Isar allen Zähmungsversuchen zum Trotz doch immer ein bisschen wild geblieben ist, das erzählt RadioWissen in diesem Podcast. Von Jenny von Sperber (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f5e0a83e-8596-4fb8-a70b-c73ff0b39792.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Isar ist in Europa einzigartig: Sie darf auf immerhin 20 Kilometern noch fließen wie vor 200 Jahren. Doch der milchig türkis-schimmernde Fluss hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wie die Isar allen Zähmungsversuchen zum Trotz doch immer ein bisschen wild geblieben ist, das erzählt RadioWissen in diesem Podcast. Von Jenny von Sperber (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Jenny von Sperber<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Julia Fischer, Burchard Dabinnus<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Aude Zingraff-Hamed: Expertin für Hochwasserschutz durch naturbasierte Lösungen, eh. TUM, jetzt Universität Straßburg, CNRS Centre national de la recherche scientifique Paris, ENGEESÉcole Nationale du Génie et de l&#39;Eau et de l&#39;Environnement de Strasbourg<br/>Dr. Tobias Lang: Wasserwirtschaftsamt Weilheim, Fachbereich Talsperren<br/>Andreas Riesch: Kraftwerks-Betriebsleiter Sylvensteinspeicher<br/>Dr. Michael Schödl: LBV, Gebietsbetreuer obere Isar<br/>Dr. Martin Kessler: Institut für Bayerische Geschichte, LMU<br/>Antje Uhl: Projektleiterin Wasserwirtschaftsamt Landshut</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></strong>Ein Freistaat unter Strom - Bayerns Hunger nach Energie <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ein-freistaat-unter-strom-bayerns-hunger-nach-energie/bayern-2/13431931/">HIER</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-die-isar-portraet-eines-einzigartigen-flusses-geschiebe-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gestylte Nägel: Vom Luxussymbol zur Mainstream-Mode</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gestylte-naegel-vom-luxussymbol-zur-mainstream-mode/2109862</link>
      <pubDate>Sat, 27 Sep 2025 18:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d34bff06-33a2-4500-8833-0911d1bd17fd</guid>
      <description>In Europa und den USA nimmt seit 2000 die Zahl der Nagelstudios zu, in denen vor allem Immigrant:innen aus Asien arbeiten. Künstliche, bunte Fingerspitzen werden im Alltag immer sichtbarer und salonfähiger. (BR 2025)   </description>
      <enclosure length="21725952" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109862/c/feed/gestylte-naegel-vom-luxussymbol-zur-mainstream-mode.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:37</itunes:duration>
      <itunes:author>Brandl, Susanne</itunes:author>
      <itunes:summary>In Europa und den USA nimmt seit 2000 die Zahl der Nagelstudios zu, in denen vor allem Immigrant:innen aus Asien arbeiten. Künstliche, bunte Fingerspitzen werden im Alltag immer sichtbarer und salonfähiger. (BR 2025)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8eddd5bc-c523-474b-a266-2414907e86fb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In Europa und den USA nimmt seit 2000 die Zahl der Nagelstudios zu, in denen vor allem Immigrant:innen aus Asien arbeiten. Künstliche, bunte Fingerspitzen werden im Alltag immer sichtbarer und salonfähiger. (BR 2025)   </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Susanne Brandl<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachenHeiko Ruprecht, Julia Fischer, Rahel Comtesse <br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>-       Suzanne Shapiro, Modehistorikerin, Susanne Becker, Soziologin, Atmo &amp; Töne Nagelstudio</p>

<p>Hör-Tipps: </p>
<p><a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/nailart-popkultur-feminismus-politikum-100.html">Nailart und Feminismus: Sind lange Fingernägel mehr als nur Popkultur? | Zündfunk | Bayern 2 | Radio | BR.de</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/nachtstudio/alles-daran-ist-schoen-irritiert-vom-gelnaegel-hype/2090081">Alles daran ist schön: Irritiert vom Gelnägel-Hype? - Kulturleben | BR Podcast</a></p>
<p> </p>
<p>Literatur: </p>
<p>-      Suzanne Shapiro: “Nails. The Story of Modern Manicure”</p>
<p>-      Jovana Reisinger: “Pleasure”</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><a href="https://www.susannebecker.org/fingernail-talk">https://www.susannebecker.org/fingernail-talk</a></p>
 
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-gestylte-fingernaegel-nageldesign-manikuere-pedikuere-mode-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Urlaub am Mittelmeer - Wird der Klima-Hotspot zum Albtraum?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/urlaub-am-mittelmeer-wird-der-klima-hotspot-zum-albtraum/2107357</link>
      <pubDate>Sat, 27 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8f7f4ee4-20bb-4037-ae6e-5bca62dcafe4</guid>
      <description>Das Mittelmeer lockt jedes Jahr Millionen Touristen an, die dort die schönste Zeit des Jahres - ihren Urlaub - verbringen wollen. Doch für manche wird die erhoffte Erholung zum Albtraum. Von Roana Brogsitter </description>
      <enclosure length="21709056" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107357/c/feed/urlaub-am-mittelmeer-wird-der-klima-hotspot-zum-albtraum.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Mittelmeer lockt jedes Jahr Millionen Touristen an, die dort die schönste Zeit des Jahres - ihren Urlaub - verbringen wollen. Doch für manche wird die erhoffte Erholung zum Albtraum. Von Roana Brogsitter </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/65104b11-3e02-4d81-ab96-19856d0cde1f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Mittelmeer lockt jedes Jahr Millionen Touristen an, die dort die schönste Zeit des Jahres - ihren Urlaub - verbringen wollen. Doch für manche wird die erhoffte Erholung zum Albtraum. Von Roana Brogsitter </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Roana Brogsitter<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprach: Berenike Beschle<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Prof. Marianela Fader, Lehrstuhl für Physische Geographie und Nexus-Forschung der LMU München<br/>Dr. Peter Hoffmann, Arbeitsgruppe Hydroklimatische Risiken Potsdam Institut für Klimafolgenforschung<br/>Prof. Markus Pillmayer, Fakultät für Tourismus Hochschule München</p>

<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<strong>Kampf gegen Klimawandel - Warum tut sich der Mensch so scher?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kampf-gegen-klimawandel-warum-tut-sich-der-mensch-so-schwer/bayern-2/78758512/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Meerestiere im Klimawandel - Wenn das Wasser immer wärmer wird<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/meerestiere-im-klimawandel-wenn-das-wasser-immer-waermer-wird/bayern-2/13813905/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Klimawandel und Lebensraum - Strategie der Anpassung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimawandel-und-lebensraum-strategie-der-anpassung/bayern-2/12427811/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
 
<strong>Soziale Folgen des Klimawandels - Die unsichtbaren Opfer<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/soziale-folgen-des-klimawandels-die-unsichtbaren-opfer/bayern-2/94627500/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Internetseite der Gesprächspartnerin Prof. Dr. Marianela Fader  <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.geo.lmu.de/de/fakultaet-geowissenschaften/personen/kontaktseite/marianela-fader-d32ffce0.html">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Internetseite des Gesrpächspartners Dr. Peter Hoffmann   <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.pik-potsdam.de/members/peterh">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Internetseite des Gesprächspartners Prof. Dr. Markus Pillmayer   <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://hm.edu/kontakte_de/contact_detail_20489.de.html">HIER</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskript-urlaub-am-mittelmeer-klima-hotspot-albtraum-klimawandel-urlaub-100.html"><strong>HIER</strong></a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Nüchtern - Von klarem Verstand</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nuechtern-von-klarem-verstand/2109840</link>
      <pubDate>Fri, 26 Sep 2025 17:59:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">20037eb8-0c0f-4910-a7a9-6579174a9e11</guid>
      <description>Nüchtern leben liegt im Trend: Die Zahl der Menschen, die zeitweise oder dauerhaft dem Alkohol entsagen, steigt seit Jahren. Besonders für eine junge Generation ist Nüchternheit nicht einfach nur gesund - sondern eine neue Form der Weltwahrnehmung. (BR 2025)   </description>
      <enclosure length="22477824" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109840/c/feed/nuechtern-von-klarem-verstand.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Grasberger, Lukas</itunes:author>
      <itunes:summary>Nüchtern leben liegt im Trend: Die Zahl der Menschen, die zeitweise oder dauerhaft dem Alkohol entsagen, steigt seit Jahren. Besonders für eine junge Generation ist Nüchternheit nicht einfach nur gesund - sondern eine neue Form der Weltwahrnehmung. (BR 2025)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/218827e5-bdc4-47fd-b708-bf8aae7b01d6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Nüchtern leben liegt im Trend: Die Zahl der Menschen, die zeitweise oder dauerhaft dem Alkohol entsagen, steigt seit Jahren. Besonders für eine junge Generation ist Nüchternheit nicht einfach nur gesund - sondern eine neue Form der Weltwahrnehmung. (BR 2025)   </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Lukas Grasberger<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Thomas Loibl, Heiko Ruprecht <br/> Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/> Redaktion: Bernhard Kastner </p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>-      Mia Gatow, Autorin „Rausch und Klarheit. <em>Der Alkohol</em>, <em>meine Familie, die Gesellschaft</em> und ich“</p>
<p>-      Prof. Falk Kiefer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.</p>
<p>-      Prof. Stefan Wahlen, Ernährungssoziologe, Justus-Leibig-Universität Gießen  </p>
<p>-      Prof. Jörg Scheller, Kunstwissenschaftler, Zürcher Hochschule der Künste</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong><a title="WDR 5 : Das philosophische Radio [LINK]" href="https://1.ard.de/PhiloRadio_Paganini_KI">WDR 5 Das philosophische Radio</a></strong></p>
<p>Ein Austausch mit anderen nachdenklichen Menschen in einer einzigartigen öffentlichen philosophischen Diskussion.  <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/PhiloRadio_Paganini_KI">[LINK]</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/PhiloRadio_Paganini_KI"> </a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a1f5db6ec7177a95/">Alkohol - Ungesund aber hilfreich?</a></strong></p>
<p>Alkohol ist ein Zellgift, vom ersten Tropfen an. Es gibt kein unbedenkliche Menge Bier oder Wein. Aber eine Null-Promille-Gesellschaft, kann das funktionieren? Klar ist: unser Körper braucht keinen Alkohol. Und er treibt Menschen immer wieder in eine gefährliche Sucht. Aber, wie wir in dieser Podcast-Folge sehen werden: Für unsere Gesellschaft ist er ein sozialer Kitt, ohne den sie sich womöglich ganz anders entwickelt hätte.</p>
<p> </p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Mia Gatow: Rausch und Klarheit: Der Alkohol, meine Familie, die Gesellschaft und ich, Goldmann Verlag 2024</p>
<p>Daniel Schreiber: Nüchtern. Über das Trinken und das Glück, Hanser Berlin, 2014</p>
<p>Ruby Warrington: Sober Curious: The Blissful Sleep, Greater Focus, Limitless Presence, and Deep Connection Awaiting Us All on the Other Side of Alcohol, HarperOne, 2018 </p>
<p><br/></p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>01 Zsp. Nüchtern - Mia Gatow</p>
<p>„Eigentlich von dem Moment an, wo ich wusste, ich hör jetzt auf, war ich sofort total glücklich einfach. Das heißt, wenn man da nüchtern wird und unbeeinflusst ist von diesen Betäubungsmitteln einfach, da fühlt man halt alles. Und in meiner Erfahrung auch intensiver als vorher. Pink Cloud nennt man das so in der Community. Man ist halt wie frisch verliebt, es gibt halt nichts Negatives. Man fühlt sich leicht, man hat keine Probleme, man denkt sich, ich hab alles, alles, alles irgendwie gelöst im Leben. Und das ist die Antwort jetzt auf alle meine Fragen: die Nüchternheit.“ </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>So beschreibt die Journalistin und Designerin Mia Gatow ihren Abschied vom Alkohol. Ihre Erfahrungen von Berauschtsein und Nüchternwerden hat die Berlinerin in einem Buch verarbeitet, Titel: „Rausch und Klarheit“. </p>
<p>Gatows Werk reiht sich ein in ein Genre, das man als neue Nüchternheits-Literatur beschreiben könnte: „Die Klarheit“ der US-Amerikanerin Leslie Jamison zählt dazu, „Sober Curious“ - zu Deutsch - „Nüchtern Neugierig“, der britischen Autorin Ruby Warrington, oder „Nüchtern: Über das Trinken und das Glück“ von Daniel Schreiber.</p>

<p>MUSIK 2 (Iggy Pop: Evil California )</p>

<p>Schon früher hatten Schriftsteller ihren Kampf mit und gegen den Alkohol literarisch verarbeitet, wie etwa Jack London, oder Raymond Carver. </p>
<p>Diese Autoren brachten ihre Erfahrungen vom Trinken und der Abstinenz seinerzeit als „einsame Wölfe“ zu Papier. </p>
<p>Heute ist das anders. Autorinnen wie Mia Gatow schreiben nicht nur Bücher. Sie bloggen auch, sie laden sich gegenseitig in Podcasts wie dem SodaKlub ein - oder vernetzen sich auf Stammtischen wie dem SoberCircle. Ihr Ziel laut Selbstbeschreibung: „Räume zu schaffen für Menschen, die nüchtern sind oder neugierig auf nüchtern“. </p>

<p>02 Zsp. Nüchtern - Mia Gatow</p>
<p>„Diese Bewegung, diese Sober-Curious-Bewegung: Das gab&#39;s schon in den USA und es gab&#39;s auch schon in den UK. Und in Deutschland gibt&#39;s das jetzt langsam auch. (…) Alle, die dazu geschrieben haben, die dazu Podcasts haben, haben dazu beigetragen, dass es auch jetzt langsam eine soziale Bewegung in Deutschland ist. Und natürlich haben wir darüber auch andere Leute kennengelernt, Aktivistinnen, Medizinerinnen, eben einfach nüchterne Menschen, die es halt so in diesem Land überall gibt. Und das ist natürlich eine Bubble. Aber diese Bubble wird halt auch immer größer. Und speziell seit diesem Jahr so, äh, hat man auch das Gefühl, dass es nicht nur eine Bubble ist, sondern dass es auch langsam seinen Weg in diese Mainstream-Debatte findet. </p>

<p>MUSIK 3 (Mine – Weiter gerannt)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Dass eine neue Nüchternheit in der Luft liegt: Dies ist mehr als nur ein Gefühl, sagt Professor Falk Kiefer. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.</p>

<p>03 Zsp. Nüchtern Falk Kiefer</p>
<p>„Es gibt den epidemiologischen Suchtsurvey, der alle zwei bis drei Jahre erhoben wird und den Alkoholkonsum zwischen 18 und 65 beleuchtet. Und tatsächlich zeigt der im Durchschnitt der vergangenen zehn, 15 Jahre erst eine Stagnation und dann im gesellschaftlichen Durchschnitt einen Rückgang des Alkoholkonsums. (…) Also wir sehen mehr Menschen, die tatsächlich abstinent sind, oder sehr wenig trinken.  (…) Gute, große epidemiologische Studien, und eben gewisses Gesundheitsbewusstsein, was sich in unserer Gesellschaft durchgesetzt hat, tragen dazu bei, dass mehr und mehr Menschen wissen: Am gesündesten ist es, nicht zu trinken.“</p>

<p>MUSIK 4 (Mine – Weiter gerannt)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Antreiber der neuen Abstinenz-Bewegung sind nach Erkenntnissen von Experten indes andere als früher.</p>

<p>04 Zsp. Nüchtern - Stefan Wahlen</p>
<p>„Ich würde schon sagen generell, dass es eher eine junge und vor allen Dingen auch eine städtische Bewegung ist.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>... sagt Stefan Wahlen. Er ist Professor für Ernährungssoziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen.</p>

<p>05 Zsp. Nüchtern - Stefan Wahlen</p>
<p>„Alkoholverzicht ist natürlich auch momentan sehr spannend. Ich sehe, dass (…) von Menschen, die gut gebildet sind, häufiger ästhetisch kuratierte Inhalte auf den sozialen Medien geteilt werden. Dass sich junge Menschen gerade auf den sozialen Medien darstellen“.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Mit ihrer Orientierung an Selbstdarstellung, an persönlicher Gesundheit und Wohlbefinden unterscheide sich die neue Abstinenz-Bewegung von früheren, sagt Stefan Wahlen.</p>

<p>07 Zsp. Nüchtern - Stefan Wahlen</p>
<p>„Heute ist es eher ein individueller Lebensstil, wohingegen damals ging es eher darum, die zum Beispiel familiäre Gewalt anzugehen und die mit Alkoholkonsum assoziierten Probleme zu bekämpfen. Wenn man sich die Motive für die Alkoholabstinenz anschaut, zum Beispiel im frühen 20. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten, was in der Prohibition letztendlich geendet ist, wo man häufig von religiös beziehungsweise moralisch motivierter und hier auch von einer protestantischen Ethik geprägten Alkoholabstinenz gesprochen hat: Die hatten, historisch gesehen, versucht, die sozialen Folgen des Alkoholkonsums zu bekämpfen. Das heißt, wir hatten Armut, Gewalt in Familien und Arbeitslosigkeit. Und darum, gerade in den Arbeiterklassen, aber auch bei den Frauen, hier oft genannt wird die Women&#39;s Christian Temperance Union, dass es hier versucht wurde, für bessere Lebensbedingungen einzustehen.“</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Ringen mit dem Rausch und seinen Folgen – es durchzieht die Menschheitsgeschichte: Bereits bei den Pythagoreern im fünften Jahrhundert vor Christus prägte die Bereitschaft zum Verzicht die Lebensweise. Mit der Askese sollten Tugenden und Fertigkeiten erlangt, der Charakter gefestigt, Selbstkontrolle geübt werden. Askese hatte auch einen religiösen Sinn: asketische Taten bedeuteten, Gott zu folgen. Dabei, betont der Ernährungssoziologe Stefan Wahlen, gab es in der Antike keine Abstinenzbewegung. Die Diätik – eine umfassende Lehre über die Kunst des Lebens – verlangte vielmehr, beim Essen und Trinken das richtige Maß, Ausgewogenheit zu finden: Als Grundbedingung für ein gelungenes Leben. </p>

<p>MUSIK 5 (Charlotte Brandi – Sober Little Shit)</p>
<p>ATMO GLÄSER STOSSEN AN</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>&quot;Alkoholika sind mir nachteilig; ein Glas Wein oder Bier des Tags reicht vollkommen aus, mir aus dem Leben ein &#39;Jammertal&#39; zu machen“. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Zitat aus „Ecce Homo“ von Friedrich Nietzsche. Doch nicht nur persönlich nahm der deutsche Philosoph den Alkohol als unbekömmlich wahr. Auch der Gesellschaft empfahl Nietzsche die... </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>„...unbedingte Enthaltung von allen Alcoholicis“.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Branntwein sei ebenso schädlich wie das Christentum, die „europäischen Narcoticis“ für die Existenzkrise des modernen Menschen verantwortlich. Denn der Konsum von Alkohol ermutige den Menschen sich mit seinem Leben im „Jetzt-Zustand“ zu begnügen – statt nach Verbesserung zu streben, sich selbst zu überwinden, schließlich zum „Über-Menschen“ zu werden. </p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Damit befand sich Nietzsche im Einklang mit vielen Zeitgenossen: Nach Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 entstand eine starke Anti-Alkohol-Bewegung. Der „Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke“ startete Kampagnen zur Vorbeugung und Aufklärung, und schließlich eine Gesetzesinitiative zur Eindämmung der Trunksucht – die allerdings an der Lobby der Wirte und Schnapsbrenner scheiterte. Ziel der Anti-Alkohol-Bewegung war, die neue Schicht der Industriearbeiter leistungsfähig zu halten. Die Arbeiter sollten nun einen kontrollierten, rationalen Lebenswandel führen, das teils sehr ungezügelte Trinkverhalten aus vorindustriellen Zeiten ablegen. Diese kapitalistische Motivation war indes der Arbeiterbewegung ein Dorn im Auge – die ihrerseits Initiativen zur Enthaltsamkeit startete. Der „klare Kopf“ sollte dem Klassenkampf, der Befreiung der Arbeiterschaft vom „Joch der kapitalistischen Gesellschaft“ dienen. </p>

<p>MUSIK 6 (Z8050673106 Jon Batiste: American Symphony 0‘31)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Am Beispiel Nietzsches wie auch der Anti-Alkohol-Bewegungen des Kaiserreichs werden indes zwei grundsätzlich unterschiedliche Motive für Enthaltsamkeit und Nüchternheit sichtbar, die bis heute gelten: Soll Alkoholverzicht einem Gemeininteresse dienen – oder doch „nur“ dem Einzelnen? Für den Kunstwissenschaftler Jörg Scheller stellt sich diese „Gretchenfrage“ auch für aktuelle Abstinenz-Bewegungen - wie etwa straight edge.</p>

<p>08 Zsp. Nüchtern - Jörg Scheller</p>
<p>„Also auf eine Unterform von Hardcore und Punk, wo die Protagonisten eben auf Drogen verzichten. (…) Ein Lebensstil, der aus einer konkreten Subkultur, einem konkreten Kontext entstanden ist, wo es wirklich um Dissens und um Widerständigkeit geht. Dass man grundsätzlich kritisch ist, grundsätzlich kritisch lebt. (…) Da kam die Nüchternheit wirklich aus einer kritischen Haltung der Mehrheitsgesellschaft gegenüber raus. Also die Mehrheitsgesellschaft ist ja durchaus berauscht, also Alkohol ist vollkommen normal, ist institutionalisiert in unseren Gesellschaften und vielleicht vieles an unseren Gesellschaften ist auch nur erträglich, wenn man irgendwie so ein bisschen berauscht und belämmert ist. Also Nüchternheit als eine Form von Rebellion.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Ablehnung jeder Art von Drogen als Auflehnung. Eine Nüchternheit, die allerdings nicht nihilistisch ist – sondern durchaus eine ethische Komponente hat: so beschreibt es Jörg Scheller, der selber seit Jahrzehnten straight edge lebt.   </p>

<p>09 Zsp. Nüchtern - Jörg Scheller</p>
<p>„Es geht nicht nur ums Funktionieren, sondern es geht darum, Realitäten zu erkennen und auf diese Realitäten reagieren zu können. (...) Dieses sich wirklich nüchtern mit der Welt konfrontieren. (...) Es ging also gerade nicht darum, einfach zu funktionieren in der Gesellschaft, sondern die blinden Flecken der Gesellschaft aufzuzeigen durch die eigene Lebenspraxis ... statt einfach eskapistisch sich aus den Problemen unserer Zeit zu verabschieden.“</p>

<p>MUSIK 7 (G-Easy: Sober)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Doch nicht nur den „gemeinen Trinker“, der sich sein Leben und die Welt quasi schönsäuft, sieht der Züricher Professor skeptisch. Auch der neuen, jungen Nüchternheits-Bewegung kann Jörg Scheller nur wenig abgewinnen.</p>
<p>Die Alkohol-Abstinenz der sober curious: Die arte zuweilen in ein Gesundheits-Spießertum aus. Getrieben von einem Fitness- und Gesundheitstrend werde das moderne Ich vom Ideal des unbedingt selbstoptimierten Individuums gepeinigt – so beschrieb es Silvia Silko im „Tagesspiegel“. Mit Nüchternheit als moralischer Imperativ, der schnell in einen Gruppenzwang münde. Auch der Ernährungssoziologe Stefan Wahlen sieht in sober curious eine neuartige Nüchternheit, die zuweilen ins Missionarische kippt.</p>

<p>10 Zsp. Nüchtern Stefan Wahlen</p>
<p>„Von daher ist der Verzicht auf Alkohol eine gesundheitsbezogene Entscheidung, aber auch ein Ausdruck der moralischen Integrität, weil ich weiß: Ich bin das Individuum, das für sich sorgt, ich halte mich selbst im Griff, und ich bin mein eigenes Unternehmen ... wo der Körper als eine Produktionsstätte gesehen wird, Produktionsstätte von Gesundheit, man bleibt sauber und effizient, ist aber auch leistungsbereit. (…) Ich muss ja versuchen, meinen Körper so instand zu halten, dass ich glücklich bin, um am Arbeitsleben teilnehmen zu können und ein gutes Mitglied in der Gesellschaft sein zu können“.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Denn der Nichttrinker entlaste nicht nur das Gesundheitssystem – er funktioniere auch sonst, so angepasst wie reibungslos, als Rädchen im neoliberalen Kapitalismus.</p>

<p>MUSIK 8 (Eric Bibb: Picture A New World)</p>

<p>Sober Curiosity sei durchaus gesellschaftskritisch, und auch gesellschaftsverändernd. Mit Veränderungen im Kleinen indes, die beim klaren Blick auf sich selbst und das Gegenüber begännen. Nüchtern lebende Menschen, sagt die Autorin und Podcasterin Mia Gatow, erkennen sich im Anderen.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ganz schön zwanghaft: Von Ticks, Spleens und echten Zwängen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ganz-schoen-zwanghaft-von-ticks-spleens-und-echten-zwaengen/2096769</link>
      <pubDate>Fri, 26 Sep 2025 02:02:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9645a110-40e5-42d1-b986-176b09a36ff3</guid>
      <description>Pflastersteine zählen, die Bettdecke richtig ausrichten, den Herd mehrfach prüfen. Harmlose Eigenarten oder bedenkliche Zwänge? Fast jeder Mensch hat Spleens, Ticks oder Marotten. Manche sind den Betroffenen nicht mal bewusst.  Wie bedenklich sind solche Spleens, und inwiefern lassen sie sich von  Zwangsstörungen abgrenzen, die man behandeln sollte?  Überraschend ist: Bis zu einem gewissen Grad kann Zwangshaftigkeit sogar positive Effekte haben. Von Susanne Brandl</description>
      <enclosure length="23592960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096769/c/feed/ganz-schoen-zwanghaft-von-ticks-spleens-und-echten-zwaengen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Brandl</itunes:author>
      <itunes:summary>Pflastersteine zählen, die Bettdecke richtig ausrichten, den Herd mehrfach prüfen. Harmlose Eigenarten oder bedenkliche Zwänge? Fast jeder Mensch hat Spleens, Ticks oder Marotten. Manche sind den Betroffenen nicht mal bewusst.  Wie bedenklich sind solche Spleens, und inwiefern lassen sie sich von  Zwangsstörungen abgrenzen, die man behandeln sollte?  Überraschend ist: Bis zu einem gewissen Grad kann Zwangshaftigkeit sogar positive Effekte haben. Von Susanne Brandl</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f7d2401b-e98d-4759-b0e4-e319315ba474.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Pflastersteine zählen, die Bettdecke richtig ausrichten, den Herd mehrfach prüfen. Harmlose Eigenarten oder bedenkliche Zwänge? Fast jeder Mensch hat Spleens, Ticks oder Marotten. Manche sind den Betroffenen nicht mal bewusst.  Wie bedenklich sind solche Spleens, und inwiefern lassen sie sich von  Zwangsstörungen abgrenzen, die man behandeln sollte?  Überraschend ist: Bis zu einem gewissen Grad kann Zwangshaftigkeit sogar positive Effekte haben. Von Susanne Brandl</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Brandl<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Andreas Neumann, Peter Veit<br/> Technik: Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Fanny Jimenez, Psychologin und Journalistin, <br/>Michael Kellner, Psychiater und Psychotherapeut, Universitätsklinikum Rechts der Isar, <br/>Katharina Bey, Psychologin und Psychotherapeutin, Universitätsklinikum Bonn;<br/> <br/><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>WDR5 Innenwelt - das psychologische Radio <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/innenwelt">HIER ENTDECKEN</a></strong><br/>Psychologie fasziniert mit Einblick in unsere Innenwelt. Was passiert in unserem Kopf, welche Phänomene begleiten den Alltag? Und was, wenn etwas verkehrt läuft? Bei psychiatrischen Krankheiten ist Hinschauen ein erster wichtiger Schritt.<br/></p>
<p>oder<br/>Zeit für Bayern: Zwänge: Wie es sich anfühlt, mit Zwangsstörungen zu leben - <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.br.de/radio/bayern2/wie-es-sich-anfuehlt-mit-zwangsstoerungen-zu-leben-100.html">Bayern2 Radio</a></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Ich und mein Spleen. Was wir tun, wenn wir alleine sind. Die Autorin Fanny Jimenez erklärt psychologisch fundiert, dass kleien Zwänge, Spleens oder Marotten uns keine Sorgen machen müssen, im GegenteiL: sie sind gesund, weil sie dabei helfen dabei, uns zu regulieren.<br/>Zwangsstörungen: Die Autorin Katharina Bey geht hier auf theoretische Grundlagen zu Erscheinungsformen, Diagnostik, Entstehung und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung ein und stellt Psychotherapiemaßnahmen vor.</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-zwaenge-zwangsstoerung-tick-spleen-marotte-zwangsgedanken-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHER:</p>

<p>Es beginnt schon früh morgens, noch vor dem Aufstehen. </p>
<p>O-TON A</p>
<p>Ich stelle mir den Wecker oft ein, zwei Stunden früher als ich tatsächlich aufstehen muss. Einfach weil ich das Gefühl liebe, noch nicht aufstehen zu müssen. Dieser Moment, zu sehen, ah du kannst noch weiterschlafen, das genieße ich total. </p>
<p>ATMO Teller + Besteck</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Und wenn es dann so weit ist und der Tag beginnt, dann steht erst mal das Frühstück an. </p>
<p>O-TON B</p>
<p>„Beim Essen muss der letzte Bissen der beste Bissen vom ganzen Essen sein und dann esse ich drum herum, um möglichst sicher zu stellen, dass ich nicht mit einem unzufriedenen Gefühl aus dem Essen rausgehe.“</p>
<p>Atmo Geschirr in die Spülmaschine sortieren</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Dann folgt das Tischabräumen. </p>
<p>O-TON C</p>
<p>„Die Geschirrspülmaschine muss immer ordentlich eingeräumt sein. Links die Messer, rechts das gebogene Besteck.“</p>
<p>ATMO Schranktür</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Daraufhin steh ich vor dem Kleiderschrank und überlege. Oder auch nicht. Denn eigentlich ist klar:</p>
<p>O-TON D</p>
<p>„dass ich nur weiße Socken trag.“</p>
<p>Atmo Zähneputzen</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Schnell noch Zähneputzen! </p>
<p>O-TON E</p>
<p>„Ich putz immer in der gleichen Reihenfolge, in dem gleichen Tempo Zähne. Genau nach dem gleichen Prinzip, sonst fühlt sich das nicht richtig an.“</p>
<p>ATMO Schritte</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Und auf dem Weg in die Arbeit sind da diese Pflastersteine:</p>
<p>O-TON F</p>
<p> „Ich trete nicht auf die Linien von den Steinen auf den Boden, wenn es so große Steine sind, nicht auf die Linien. Warum nicht? Dann hat man irgendwie was zu tun.“</p>
<p>Musik aus</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Manchmal sind wir seltsam. Wir folgen pedantisch ungeschriebenen Regeln oder Mustern. Wir kontrollieren Herd und Haustür oft mehrfach hintereinander. Wir zählen Autos, Straßenpfeiler oder Fenster. Kleine Zwänge, die uns komische Dinge machen lassen: </p>
<p>O-TON 1 JIMENEZ:</p>
<p>Viele Menschen sind sich ihres Spleens gar nicht bewusst bis es ihnen jemand sagt. Weil die eben so automatisch kommen. Unser Gehirn stellt das sozusagen einfach so zur Verfügung und oft erscheint uns das überhaupt nicht so irrational oder überflüssig wie es anderen erscheint. Und solange uns das keiner sagt, ist es meistens auch nicht peinlich.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Fanny Jimenez, Psychologin und Journalistin. In einer Kolumne befasste sie sich mit Marotten, Schrullen und Fimmeln, die man unter dem Begriff „Spleen“ zusammenfassen kann. Sie analysierte eigenartige Verhaltensmuster, trug Forschungserkenntnisse zusammen und veröffentlichte ihr Wissen in dem Buch. „Ich und mein Spleen.“ Darin bekräftigt sie: Kleine Zwänge müssen uns zunächst mal keine Sorgen machen. Im Gegenteil:</p>
<p>O-TON 2 JIMENEZ:</p>
<p>„Die helfen uns nämlich, unsere Ängste auszuhalten, sie helfen uns dabei, uns ein Gefühl von Kontrolle zu geben, vor allem wenn wir uns überfordert fühlen oder ohnmächtig. Und sie machen die unüberschaubare, unvorhersehbare Welt ein bisschen überschaubarer. Das ist zwar ne Illusion, aber unser Gehirn hat den Eindruck, dass alles ein bisschen sortierter und planbarer und vorhersehbarer funktioniert. Das heißt: Spleens und Marotten beruhigen und trösten uns und nehmen uns Angst und Unsicherheit. </p>
<p>Musik 2: Goldberg-Variationen (Bach) – 35 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Woher diese eigenartigen Bewältigungsstrategien kommen, das ist nicht so leicht zu entschlüsseln. Zunächst einmal zur Wortbedeutung: Der Begriff Spleen kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt: Milz - ein Organ, das in der Bauchhöhle in der Nähe unseres Magens liegt. Die Milz galt bis ins 19. Jahrhundert als verantwortlich für schwermütige Gefühlslagen, für hypochondrische Verstimmungen und alles, was an komischen Marotten so vorlag. Heute versteht man unter einem Spleen ein harmloses zwanghaftes Verhalten und verortet das vor allem im Gehirn.</p>
<p>O-TON 3 JIMENEZ:</p>
<p>„Das ist ja unsere große Problemlösemaschine - jetzt mal aus evolutionärer Sicht gesprochen - und das Gehirn weiß um bestimmte Phänomene, die uns helfen, die wir manchmal gar nicht wissen. Einfaches Beispiel: Putzen beruhigt enorm.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Das bestätigt eine Studie von der Universität Connecticut aus dem Jahr 2015. In Zeiten hohen Stresses greifen Menschen zu sich wiederholenden Verhaltensweisen wie Putzen, weil sie dadurch ein Gefühl der Kontrolle und Ruhe haben. </p>
<p>O-TON 4 JIMENEZ:</p>
<p>Das heißt, unser Gehirn weiß, was uns hilft, wenn wir überfordert sind oder ängstlich und nutzt diese verschiedenen Wege je nach Persönlichkeit. Mal ist es Putzen, mal ist es irgendwie was essen. Also über Spleens, um uns zu helfen und uns zu unterstützen.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Umgangssprachlich sprechen wir auch gerne von Ticks, und meinen damit schrullige, leicht zwanghafte Attitüden, die wir als unbedenklich einstufen. </p>
<p>In der Medizin hingegen steht der Tick für ein neuro-psychiatrisches Krankheitsbild, so der Psychiater und Psychotherapeut Michael Kellner. Er leitet die Spezialambulanz Angst und Zwang an der Münchner Klinik rechts der Isar.</p>
<p>O-TON 5 KELLNER</p>
<p>„Aus medizinischer Sicht ist ein Tick eine motorische oder verbale kurzfristige Entäußerung, zum Beispiel, dass man kurz ne Grimasse macht oder das Augenlid zuckt etcetera. Es gibt aber auch komplexere Ticks wie zum Beispiel Grunzen oder Schimpfwörter rausschreien und die Verknüpfung zur Zwangsstörung: es gibt eine seltene Erkrankung, das „Gilles de la Tourette&#39;s syndrome“, bei dem neben Ticks auch sehr häufig Zwangsphänomene zustande kommen. Mutmaßlich Funktionsstörungen an sogenannten Basalganglien, ein tieferes Hirngebiet, wo auch Koordination von Bewegungen mitvermittelt wird und das wäre ne Brücke zwischen Tick und Zwangsstörung.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Zwangsstörungen sind von unproblematischen Zwängen klar zu unterscheiden. Was aber bedeutet unproblematisch? </p>
<p>O-TON 6 KELLNER:</p>
<p>„Es gibt keine klare Trennung zwischen Zwangsphänomenen und wirklicher Zwangsstörung, das ist ein Kontinuum. D.h. man muss da mindestens eine Stunde jeden Tag mit Zwangsphänomenen sich beschäftigen. Und vor allem eine Erkrankung wird bei uns erst eine Erkrankung, wenn das psychosoziale Leistungsvermögen in verschiedenen Rollen bis in den Beruf, Partnerschaft, Familie durch den Zwang beeinträchtigt wird.“</p>
<p>Musik 3: Twelve Month  – 50 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Herd und Haustür sind die wohl meist kontrollierten Gegenstände auf Erden. Fast jeder kennt das Innehalten und das Zweifeln. Manch einer kehrt noch einmal um. Zwangsneurotiker aber müssen mehrfach kontrollieren und glauben trotzdem noch nicht, dass der Herd aus ist und die Tür verschlossen. Dann sind sie gefangen in Gedanken- und Handlungsschleifen. Diese Art der Erkrankung betrifft circa zwei Prozent der Bevölkerung. Die Wahrscheinlichkeit, eine Zwangsstörung zu bekommen steigt, wenn in der eigenen Kernfamilie schon eine solche Erkrankung vorliegt. Wenn beispielsweise Vater oder Mutter betroffen sind, ist das Risiko für die Kinder, selbst auch zu erkranken, vier Mal so hoch wie das Risiko der Gesamtbevölkerung. </p>
<p>O-TON 7 KELLNER: </p>
<p>„Dann ist es so, dass man gehäuft schwere lebensgeschichtliche Ereignisse, Traumata, besondere Stressoren auch zusätzlich in Vorgeschichten der Patienten findet und manchmal ist es auch nur dummer Zufall, dass ein Zwangsphänomen nicht mehr aufhört, sondern Schleifen dreht.“</p>
<p>Musik 4: Twelve Month –  22 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Das heißt, tatsächlich kann ein zunächst unbedenklicher Spleen irgendwann zur Zwangsstörung werden, vor allem, wenn Ängste größer werden. Hat man beispielsweise große Angst vor einem Tennisturnier, dann kann der Spleen, vor dem Spiel alle Spielfeldlinien betreten zu müssen, besonders stark ausgeprägt sein. Verzögert sich aber das Turnier immer öfter, da man bestimmte Linien noch nicht betreten hat, dann wird es problematisch. Der Übergang ist fließend. </p>
<p>Ob Fimmel vererbbar sind, dazu gibt es bislang kaum Forschungsergebnisse. Es scheint aber auch bei harmlosen Zwängen eine genetische Komponente zu geben, so die Psychologin Fanny Jimenez.</p>
<p>O-TON 8 JIMENEZ:</p>
<p>„Was man weiß, ist, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die eine Rolle spielen bei Spleens, dass die relativ hochgradig vererbbar sind wie z.B. Ängstlichkeit. Jeder Mensch hat ein Angstlevel, mit dem er oder sie auf die Welt kommt, das ändert sich auch oft nicht über die Lebensspanne. D.h. so eine Grundbereitschaft sich zu fürchten oder sich Sorgen zu machen. Und das ist tatsächlich zu einem sehr großen Teil vererbt.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ängstlichere, kontrollbedürftige Menschen tendieren wohl eher dazu, einen Spleen zu entwickeln, so Jimenez, wobei sie hier darauf hinweist, dass dies wissenschaftlich noch nicht bewiesen ist. Bestätigt aber ist: Es gibt eine Gruppe von Menschen, die besonders spleen-anfällig ist.</p>
<p>O-TON 9 JIMENEZ:</p>
<p>„Das sind zum Beispiel Menschen, die ganz allein leben. Der Grund dafür ist, dass Menschen, auch als Erwachsene, immer noch andere Menschen brauchen, die ihnen helfen, ihre Gefühle zu regulieren. Also zum Beispiel Angst und Unsicherheit auszuhalten oder eben zu beruhigen und zu trösten, also gegenzusteuern.“</p>
<p>Musik 5: Brautlied – 40 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Auch Kinder bewältigen ihre Ängste häufig mit leicht zwanghaften Verhaltensweisen. Oft sind es Begrüßungs- oder Verabschiedungsrituale, die stattfinden müssen, bevor der nächste Schritt erfolgen kann. </p>
<p>Musik weiter</p>
<p>O-TON JIMENEZ 10:</p>
<p>„Als Kind kann man sich noch erinnern, wie wichtig das war, dass die Abende denselben Ablauf hatten, dass es die Gutenachtgeschichte gab, dass immer der Teddy mit dabei war.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>In der noch magischen kindlichen Welt verschafft sich das Kind durch immer gleiche Abläufe Orientierung.</p>
<p>O-TON 11 KELLNER:</p>
<p>„In der Kindheit haben die allermeisten von uns meistens so im einstelligen Lebensalter eine kleine zwanghafte Phase hinter sich gehabt, wenn man durch gewisse Berührungsfolgen oder gewisse Rituale vielleicht die Welt oder das Schicksal scheinbar etwas berechenbarer macht. Das ist ein Übergangsstadion, und wenn es kurz ist, sollten sich Eltern da keine großen Sorgen machen.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>So der Psychiater Michael Kellner, der noch eine weitere Gruppe nennt, die mit Verunsicherung und Neuorientierung konfrontiert ist: </p>
<p>O-TON 12 KELLNER:</p>
<p>„Interessanterweise sind insbesondere schwangere Frauen und Frauen im Wochenbett durchaus etwas gefährdeter, Zwangsphänomene zu entwickeln.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Eine gewisse Sensibilität ist ebenfalls ein Persönlichkeitsmerkmal, das ein zwanghaftes Verhalten wahrscheinlicher macht, so die Psychologin Katharina Bey von der Universität Bonn: </p>
<p>O-TON 13 BEY:</p>
<p>Sensibilität gegenüber Gefahren oder auch Überschätzungen der eigenen Verantwortlichkeit. Manchmal ist es auch so ein Anspruch, dass man die eigenen Gedanken kontrollieren muss, dass es über die eigene Persönlichkeit etwas aussagt, welche Gedanken man hat, das sind so ganz viele, ja verschiedene Bewertungsprozesse, die damit auch einhergehen.</p>
<p>Musik 6: Twelve Month – siehe vorn – 15 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ein Beispiel: Fast jeder, der ein Messer in der Hand hatte, kam schon mal auf den Gedanken, dass man mit diesem Messer jemanden erstechen könnte. </p>
<p>O-TON 14 BEY:                               </p>
<p>„Aber die meisten denken ja, das mache ich ja sowieso nicht, das wird nicht passieren, ich bin ja kein gewalttätiger Mensch, also warum sollte ich das machen und dann gehen Sie direkt zum nächsten Gedanken. Aber Menschen, die eben sehr sensibel sind, deren Alarmsensor, wie man das vielleicht nennen möchte, im Gehirn besonders sensibel ist, die machen sich dann gleich Gedanken, vielleicht bin ich dann wirklich ein schlechter Mensch, vielleicht gibt’s da einen Anteil in mir, der das tun möchte, vielleicht verliere ich die Kontrolle und könnte sowas tun und das ist dann natürlich total bedrohlich.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Im Falle einer Zwangsstörung kann sich der Betroffene nicht mehr von diesem Gedanken lösen, dass er oder sie jemanden erstechen könnte und entwickelt darüber hinaus extreme Schuldgefühle. Die Angst vor dem Messer kann allerdings auch als subklinischer, einfacher Spleen auftreten, den Fanny Jimenez an sich selbst entdeckt hat: </p>
<p>O-TON 15 JIMENEZ:</p>
<p>„Womit ich so ein bisschen Schwierigkeiten habe, ist, wenn mir Menschen gegenübersitzen, zum Beispiel beim Mittagessen, und das Messer des Gegenübers zeigt auf mich. Es ist irgendwie unangenehm, ich würde es auch aushalten, also es ist jetzt nicht so, dass ich mich dann gar nicht mehr konzentrieren kann. Aber es ist unangenehm und ich schieb dann meistens ne Wasserflasche oder den Brotkorb oder so dazwischen und dann ist es wieder gut. Das ist auch eine ganz typische Vorsichtsmaßnahme, weil das Gehirn antizipiert, dass dieses Messer potenziell ein gefährlicher Gegenstand sein könnte und daher sicherstellen will, dass wir das im Blick haben.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Damit benennt Jimenez eine von mehreren Kategorien, in die man Spleens unterteilen kann. Sie können potentiellen Gefahren einen Riegel vorschieben, auch wenn die Gefahr selbst heutzutage wenig realistisch erscheint. Unsere Vorfahren waren einst wirklich gezwungen, Messern mit Misstrauen zu begegnen. So kann der Zwang, einem Messer eine Barriere vorzuschieben vor tausenden von Jahren ganz vernünftig gewesen sein - heute scheint er übertrieben, eigenartig, seltsam. Eine weitere Kategorie: Das Zählen von Objekten.</p>
<p>Musik 7: Gimme that shimmy – 32 Sek</p>
<p>O-TON G</p>
<p>„Ich zähle Treppenstufen. Wenn man fünf, sechs Stockwerke hat, dann macht‘s das angenehmer, mitzuzählen im Kopf.“ </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Andere Menschen bilden Quersummen aus den Nummernschildern, wenn sie im Stau stehen. Oder sie zählen die vorbeifahrenden Autos. Das sind Beschäftigungsmechanismen, die unser Gehirn anschaltet, wenn es sich langweilt, so Jimenez. Das Gehirn hat zudem eine ganz große Vorliebe für Symmetrie. </p>
<p>O-TON 16 JIMENEZ:</p>
<p>„Und das ist im Gehirn sehr eng verbunden mit Konzepten, nämlich mit dem Konzept von Gerechtigkeit oder Ausgewogenheit, weswegen es z.B. zu solchen Spleens kommt: wir hatten vorhin die Treppenstufen, die man hochgeht und dabei zählt. Wenn man dabei eine Treppenstufe auslässt, weil man darüber springt, dann gibt es Menschen, die sagen, ich bin noch mal zurückgegangen, weil es war die einzige Treppenstufe, auf die ich nicht getreten bin.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ein amüsantes, populäres Beispiel für den Zählzwang: </p>
<p>Musik 1:</p>
<p>Und ich zähle: 1,2,3,4 Shrimps zum essen, 1 Regenschirm nicht zu vergessen, 1,2 Segelboote, wunderbar, 1,2 Pelikane fliegen da… ist das beste tief im Meer, schwimmen Fische hin und her,, die ich zählen kann, haha!“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Das ist Graf Zahl aus der Sesamstraße.</p>
<p>O-TON 17 JIMENEZ:</p>
<p>„der ja davon lebt, dass er zählt, das sagt er ja auch: Ich lebe wenn ich zähle und der ist halt super spleenig als Figur, aber trotzdem lebt er ganz gut in der Sesamstraße und hat Freunde und kann seinen Alltag bewältigen.“</p>
<p>Musik 8: Immerzu –  21 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Nicht ganz so amüsant sind die Spleens, die mit dem Aufstehen und dem Schlafengehen verbunden sind. Sie entstehen oft aus einem Bedürfnis nach Struktur, Sicherheit und Stabilität. </p>
<p>O-TON H</p>
<p>„Wenn ich schlafen gehe, muss das Rollo immer gleich sein, die gleiche Höhe, ja. Es gibt mir Sicherheit, dann schlafe ich ruhiger ein.“ </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Spleens können also durchaus zur Routine werden. Und sie helfen auch hier dabei, sich zu regulieren. </p>
<p>O-TON 18 JIMENEZ: </p>
<p> „Um Handlungen einen verlässlichen Rahmen zu geben, der gerade abends - Einschlafen war für unsere Vorfahren oft ein sehr gefährliches Unterfangen – die uns helfen einzuschlafen und uns sicher zu fühlen. </p>
<p>Musik 9: Greenhouse –  30 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Viele Eigenheiten drehen sich besonders um den Bereich der Hygiene. Der Putzfimmel ist ein weit verbreiteter Begriff. Die Betroffenen brauchen das Reinigen, um zur Ruhe kommen oder bei sich anzukommen. Ein Beispiel hierfür ist der Bericht eines Lufthansa Piloten, der nach langen Reisen wieder in seine vier Wände kam:</p>
<p>   O-TON 19 JIMENEZ:</p>
<p>„Und der hat mir erzählt, dass er, wenn er nach Hause kommt und todmüde ist und eigentlich nur schlafen will, dass er, bevor er sich hinlegen kann, anfängt zu putzen. Der Mensch ist ja ein territoriales Wesen, wie auch viele andere Säugetiere und viele andere Tiere, also wie so ein Vogel, der, wenn er zurückkommt, sein Nest putzt, damit es wieder ihm gehört und alles wieder so ist, wie er es braucht. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ein Putzbedürfnis, das grenzwertig werden kann, wenn der Schlaf zu kurz kommt. Dann kann ein Putzzwang vorliegen, der sich auch dadurch äußert, dass der Betroffene ständig desinfizieren muss, aus der Angst heraus sich anzustecken. Aber es gibt noch mehr krankhafte Zwangsphänomene, die in der Spezialambulanz rechts der Isar erfasst werden:</p>
<p>O-TON 20 KELLNER:</p>
<p>„Die Fragebögen, die wir den Patienten hier geben, ist ne Unterteilung bezüglich einerseits: Furcht vor Keimen beziehungsweise Kontaminationen. Die zwanghafte Befürchtung, am Unglück anderer Schuld zu sein. Dann die für die Patienten inakzeptablen Gedanken oder Befürchtungen. Und zum vierten: die neudeutsch „Not just right“-Phänomene, wo man so das Gefühl hat, die Sachen sind nicht ganz in Ordnung, man muss sie zurechtrücken, Symmetrie oder eine andere Ordnung herstellen.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Bis in die 80er Jahre hinein meinten Mediziner und Psychologen, dass Zwangsneurosen kaum zu heilen seien.  Inzwischen aber gibt es vielversprechende Therapieerfolge, so der Psychotherapeut Michael Kellner. </p>
<p>O-TON 21 KELLNER</p>
<p>„Erste Wahl sind definitiv verhaltenstherapeutische Psychotherapien. Sowohl die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie, wo es sehr viel um Bewertungen von Gedanken, von Situationen, von Handlungen geht, um Neubewertung, die eben gegen die Zwangsrichtung zu einer realistischeren, zwangsferneren Einschätzung führen können. Aber insbesondere auch die sogenannten Expositions- oder Konfrontationstherapien bei der Zwangsstörung, die aber ne sehr gute Vorbereitung brauchen, bis der Patient diese teilweise sehr belastenden Therapien auch mitmacht, also zum Beispiel bei einer Kontaminationsangst.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Bei einer solchen Exposition wird der Patient in therapeutischer Begleitung mit der belastenden Situation konfrontiert. Bei dem Zwang, exzessiv zu waschen und zu desinfizieren, kontaminiert der Therapeut den Patienten stückweise durch Türklinken, Geldscheine oder durch Kontakt zur Toilette, bis die Anspannung heruntergeht, und der Betroffene lernt, die Restunsicherheit besser zu ertragen. Bei harmlosen Zwangsgedanken gelingt die Distanzierung von ganz alleine. Vorausgesetzt, dem Betroffenen ist sein Spleen bewusst.  </p>
<p>O-TON 22 JIMEMEZ:</p>
<p>„Es ist nicht ganz leicht, weil man muss sich dabei ertappen und wahrscheinlich sucht sich die Psyche dann einen anderen Weg, um zu beruhigen oder die Funktion zu erreichen, die es damit eigentlich erreichen wollte. Aber ja, das geht schon und das ist vielleicht auch ein wichtiger Punkt: wenn das nicht mehr geht, also wenn man einen Spleen so gar nicht abstellen kann, dann wird es schwierig und dann sind wir so ein bisschen in dem Graubereich: Ab wann ist es vielleicht nicht nur ein Spleen, sondern tatsächlich ja eher ein Symptom einer psychischen Erkrankung?</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Eine Frage, die sich auch 2020 gestellt hat, als die Corona-Pandemie ausbrach. Innerhalb kurzer Zeit fingen die Menschen damals an, wie wild einzukaufen. </p>
<p>Katharina Bey und ihre Kollegen von der Universität Bonn wollten genauer wissen, wer besonders zu Hamsterkäufen neigt.</p>
<p>O-TON 23 KATHARINA BEY:</p>
<p>„zu Beginn der Pandemie haben wir da eine Online-Umfrage durchgeführt, um dieses Thema der in den Medien damals sehr ja heiß diskutierten Hamsterkäufe aufzugreifen. Und da hat sich tatsächlich gezeigt, dass ein Faktor, der das begünstigen kann oder der damit zumindest korreliert ist, subklinische Zwangssymptome sind, also eine Person, die eher dazu tendiert, Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zu haben, die hat dann in unserer Umfrage auch eher zu Hamsterkäufen tendiert.“</p>
<p>Musik 10: Twelve Month – siehe vorn – 19 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Können bestimmte gesellschaftliche Bedingungen, globale Bedrohungslagen, unsichere Zeiten oder eine unvorhersehbare Zukunft dazu führen, dass Menschen zunehmend Zwangsverhalten entwickeln?</p>
<p>O-TON 24 KATHARINA BEY:</p>
<p>„Nicht jeder Mensch nimmt ja dieselbe Situation gleich wahr. Es ist erst kürzlich eine Metaanalyse erschienen. Da gab es große Schwankungen zwischen unterschiedlichen Kulturen und Personen, insbesondere bei Schwangeren war die Quote deutlich erhöht, was ja auch sehr nachvollziehbar ist. Also so, dass man schon gesehen hat, dass während der Pandemie Zwangsverhalten ja doch deutlich verstärkt war. Was sich aber dann mit Abklingen der Pandemie auch wieder reduziert hat.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ob das Coronavirus zu einer Zunahme von ernsthaften Zwangserkrankungen in der Gesamtbevölkerung geführt hat, ist eher umstritten, so Michael Kellner vom Klinikum rechts der Isar. Was die Pandemie aber deutlich gezeigt hat: dass Verhalten, das als krank gilt, in einem Ausnahmezustand plötzlich selbstverständlich wird. Häufiges Desinfizieren hat damals eine eklatante Umdeutung erfahren hin zu einem vernünftigen Verhalten in einer bedrohlichen Lage. </p>
<p>Ob Pandemie oder nicht: Menschen, die von ihrem Zwang so stark beeinträchtigt sind, dass sie ihren Alltag nicht mehr bewältigen können und dadurch Leidensdruck verspüren, sollten sich in Behandlung begeben. </p>
<p>Musik 11: Spaziergang –  20 Sek</p>
<p>Was aber ist mit denen, die einfach nur ihre Spleens haben? Schadet ihnen oder ihrem Umfeld ihr zwanghaftes Verhalten, sollten sie sich ihre Eigenarten abtrainieren? Und wer bestimmt, was noch normal ist und was nicht? </p>
<p>Musik aus</p>
<p>O-TON 25 JIMENEZ:</p>
<p>Also normal ist immer das, was eine Gesellschaft für normal hält. Und das bedeutet, dass das im Grunde ne große Verhandlungssache ist. Und mir war eben ein ganz großes Anliegen, mit diesem Buch zu zeigen, dass nicht alle Verhaltensweisen, die sich uns nicht auf Anhieb erschließen oder die für uns nicht Sinn ergeben, nicht automatisch bedeuten, dass derjenige ein Problem hat oder eben psychisch erkrankt ist. Ich würde da immer sehr vorsichtig sein, da so zu überpathologisieren und erstmal zu schauen, gibt es nicht vielleicht doch was, das dieses Verhalten, was derjenige zeigt, leistet? Weil meistens tut es das.</p>
<p>SPRECHER: </p>
<p>Das zeigt auch eine Studie, die der schottische Neuropsychologe David Weeks in den 90er Jahren durchgeführt hat. </p>
<p>O-TON 26 JIMENEZ:</p>
<p>„Und zwar hat er sich über 1000 Exzentriker gesucht, in England und in den USA, und hat die mehr als 10 Jahre lang begleitet, und seine Schlussfolgerung war, dass Menschen, die ihre Spleens eben ausleben und vielleicht sogar ein bisschen kultivieren, - denen es also nicht so wichtig ist, konform zu sein - dass die weniger Druck verspüren, dass sie ihrer Psyche eben regelmäßig etwas Gutes tun und dass sich das am Ende auf ihre Gesundheit auszahlt. Das heißt, die waren nicht nur seltener psychisch krank als andere Menschen, sondern sie hatten auch ein sehr gutes Immunsystem und sind seltener zum Arzt gegangen.“</p>
<p>Musik 12: Spaziergang – siehe vorn – 43 Sek</p>
<p>SPRECHER: </p>
<p>Alle, die hier und da ein bisschen verrückt sind, und keinen Leidensdruck verspüren, können also beruhigt weiter ihren Marotten, Fimmeln, Ticks oder Spleens frönen. Und womöglich liegt sogar ein wenig Schönheit darin. So jedenfalls sah es der Maler Vincent van Gogh. Ihm wird ein Zitat zugeschrieben, das den kleinen Zwängen einen wunderbar ästhetischen Wert beimisst:</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p></p>
<p>„Die Normalität ist eine gepflasterte Straße; man kann gut darauf gehen – doch es wachsen keine Blumen auf ihr.“</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Steinzeitliches Doggerland - Das  Atlantis der Nordsee</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/steinzeitliches-doggerland-das-atlantis-der-nordsee/2110736</link>
      <pubDate>Fri, 26 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">57f8658a-46df-4f09-9322-daca75b7384e</guid>
      <description>Es war einmal ein fruchtbares Land, wo Mammuts grasten und Menschen auf die Jagd gingen. Dann versank Doggerland in der Nordsee und blieb Jahrtausende lang vergessen. Heute ist es eine Schatzkiste für Archäologen. Und ein Beispiel dafür, wie Menschen schon einmal mit dem Klimawandel umgehen mussten. Autorin: Marisa Gierlinger</description>
      <enclosure length="21896832" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110736/c/feed/steinzeitliches-doggerland-das-atlantis-der-nordsee.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:48</itunes:duration>
      <itunes:author>Gierlinger, Marisa</itunes:author>
      <itunes:summary>Es war einmal ein fruchtbares Land, wo Mammuts grasten und Menschen auf die Jagd gingen. Dann versank Doggerland in der Nordsee und blieb Jahrtausende lang vergessen. Heute ist es eine Schatzkiste für Archäologen. Und ein Beispiel dafür, wie Menschen schon einmal mit dem Klimawandel umgehen mussten. Autorin: Marisa Gierlinger</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/82757d43-a1cd-4753-9754-55d8da72315d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein fruchtbares Land, wo Mammuts grasten und Menschen auf die Jagd gingen. Dann versank Doggerland in der Nordsee und blieb Jahrtausende lang vergessen. Heute ist es eine Schatzkiste für Archäologen. Und ein Beispiel dafür, wie Menschen schon einmal mit dem Klimawandel umgehen mussten. Autorin: Marisa Gierlinger</p><p>Autor/in dieser Folge: Marisa Gierlinger<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Burchard Dabinnus, Caroline Ebner, Florian Schwarz<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/>Dr. Jim Leary, Senior Lecturer in Archaeology, University of York</strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/>Bilderhöhlen in Südfrankreich - Steinzeitkunst am Fuß der Pyrenäen<br/></strong><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d055384a34da54e3/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>LIteraturtipps:<br/></strong></p>
<p>Amkreutz, Luc, and Van der Vaart-Verschoof. Doggerland: lost world under the North Sea. 2022.<br/>Ein poetisch-wissenschaftliches Mosaik, das einen guten Überblick der Entdeckungsgeschichte vor allem aus niederländischer Perspektive gibt.<br/><br/>Coles, Bryony J. &quot;Doggerland: the cultural dynamics of a shifting coastline.&quot; (2000).<br/>Bryony Coles knüpft an ihre früheren Arbeiten zu Doggerland an und überlegt, welche Menschen hier gelebt haben könnten.<br/><br/>Gaffney, Vincent, Simon Finch, and Kenneth Thomson. &quot;Mapping Doggerland: the Mesolithic landscapes of the southern North Sea.&quot; (2007): 1-143.<br/>Eine Rekonstruktion der versunkenen Landmasse aus topografischer und geologischer Perspektive.<br/><br/>Leary, Jim, The Remembered Land, 2015<br/>Die Buchvorlage zum Radiowissen-Gespräch mit Jim Leary. Große Leseempfehlung für alle die sich für Archäologie, Menschengeschichte und einfach menschliche Geschichten begeistern.<br/><br/>Reid, Clement. Submerged forests. University Press, 1913.<br/>Mit Reids versunkenen Wäldern nahm alles seinen Anfang. Ein spannender Einblick in die Archäologie des frühen 20. Jahrhunderts.<br/><br/>Spinney, Laura. &quot;Searching for Doggerland.&quot; National Geographic Magazine 13 (2012)<br/>Laura Spinney nimmt die Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise nach Doggerland. Kleine Archäologie-Einführung inklusive.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><br/><br/>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-manuskripte-steinzeitliches-doggerland-as-atlantis-der-nordsee-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Tornado, Twister, Windhose - Die Macht der Wirbelwinde</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/tornado-twister-windhose-die-macht-der-wirbelwinde/1859090</link>
      <pubDate>Thu, 25 Sep 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d8a4de41-8183-451b-9abb-f7fab136d7ad</guid>
      <description>Mit ihrem Rüssel saugen sie alles auf, was sich ihnen in den Weg stellt - Häuser, Autos, Bäume, Menschen. Trotzdem sind Tornados eines der faszinierendsten Wetterereignisse. Erst jetzt haben Studien gezeigt, dass sie nicht in Gewitterwolken, sondern in Bodennähe entstehen. Aber sie bergen noch mehr Geheimnisse. (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22269696" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1859090/c/feed/tornado-twister-windhose-die-macht-der-wirbelwinde.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit ihrem Rüssel saugen sie alles auf, was sich ihnen in den Weg stellt - Häuser, Autos, Bäume, Menschen. Trotzdem sind Tornados eines der faszinierendsten Wetterereignisse. Erst jetzt haben Studien gezeigt, dass sie nicht in Gewitterwolken, sondern in Bodennähe entstehen. Aber sie bergen noch mehr Geheimnisse. (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/90c6bf83-c76b-4bb0-a382-13b52f546700.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit ihrem Rüssel saugen sie alles auf, was sich ihnen in den Weg stellt - Häuser, Autos, Bäume, Menschen. Trotzdem sind Tornados eines der faszinierendsten Wetterereignisse. Erst jetzt haben Studien gezeigt, dass sie nicht in Gewitterwolken, sondern in Bodennähe entstehen. Aber sie bergen noch mehr Geheimnisse. (BR 2025)</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Roana Brogsitter<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Ditte Ferrigan, Xenia Tiling, Karin Schumacher, Andreas Discherl<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Matthias Eggert</p>
<p> </p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Blitze – Extrem und zunehmend gefährlich<br/><strong><a title="Radiowissen | Blitze" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/blitze-extrem-und-zunehmend-gefaehrlich/1818984">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong> </strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/><a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Tornado, Twister, Windhose" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-tornardo-twister-windhose-100.html">HIER</a></strong>.<strong><br/></strong><strong><br/></strong></p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Unsere Luft - was in ihr steckt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/unsere-luft-was-in-ihr-steckt-1/2110669</link>
      <pubDate>Thu, 25 Sep 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6428e2ba-6c96-416d-9509-dff1a80c0391</guid>
      <description>Die Luft, die uns auf der Erde umgibt, ist ein Gasgemisch und unerlässlich für jedes Leben. Frische Luft ist sauerstoffreich, farb- und geruchsfrei. Aber vor allem in den Städten sind neben Sauerstoff, Stickstoff und den anderen natürlichen Bestandteilen auch Schadstoffe in der Luft. Autorin: Katrin Kellermann</description>
      <enclosure length="21061632" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110669/c/feed/unsere-luft-was-in-ihr-steckt-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Kellermann, Katrin</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Luft, die uns auf der Erde umgibt, ist ein Gasgemisch und unerlässlich für jedes Leben. Frische Luft ist sauerstoffreich, farb- und geruchsfrei. Aber vor allem in den Städten sind neben Sauerstoff, Stickstoff und den anderen natürlichen Bestandteilen auch Schadstoffe in der Luft. Autorin: Katrin Kellermann</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/68bc4e9d-6804-428d-8a58-763a9cbcdcc6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Luft, die uns auf der Erde umgibt, ist ein Gasgemisch und unerlässlich für jedes Leben. Frische Luft ist sauerstoffreich, farb- und geruchsfrei. Aber vor allem in den Städten sind neben Sauerstoff, Stickstoff und den anderen natürlichen Bestandteilen auch Schadstoffe in der Luft. Autorin: Katrin Kellermann</p><p>Autor/in dieser Folge: Roana Brogsitter<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Ditte Ferrigan, Xenia Tiling, Karin Schumacher, Andreas Discherl<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Matthias Eggert</p>

<p>Literatur-Empfehlungen: </p>
<p>·         Buch „Staub. Alles über fast nichts“, Jens Soentgen, dtv Verlag Witzig und eloquent geschrieben, absolutes Lesevergnügen über Wollmäuse und andere Erkenntnisse über den Staub!</p>
<p>·         Buch „Ein Meer von Luft: Eine Naturgeschichte der Atmosphäre“, Gabrielle Walker, Berlin Verlag 2007. Eine spannend geschriebene Wissenschaftsgeschichte, sehr umfangreich!</p>


<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/><a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p> </p>
<p>Hör-Tipps:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/feinstaub-der-kampf-gegen-den-dreck-in-der-luft/bayern-2/94537058/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Feinstaub - Der Kampf gegen den Dreck in der Luft · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/dicke-luft-wie-schaedlich-ist-feinstaub/bayern-2/78749956/">radioWissen · Dicke Luft - Wie schädlich ist Feinstaub? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hoehenluft-ganz-schoen-gut-ganz-schoen-schlecht/bayern-2/86410138/">radioWissen · Höhenluft - ganz schön gut, ganz schön schlecht · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/methan-das-unterschaetzte-klimagas/bayern-2/10653319/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Methan - Das unterschätzte Klimagas · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/photosynthese-das-wundersame-pflanzenkraftwerk/bayern-2/89387012/">radioWissen · Photosynthese - Das wundersame Pflanzenkraftwerk · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-der-wind-zu-uns-traegt-von-samen-staub-und-anderen-passagieren-der-luefte/bayern-2/78756110/">radioWissen · Was der Wind zu uns trägt - Von Samen, Staub und anderen Passagieren der Lüfte · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/zug-um-zug-wie-die-lunge-uns-leben-einhaucht/bayern-2/80330768/">radioWissen · Zug um Zug - wie die Lunge uns Leben &quot;einhaucht&quot; · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/blitze-extrem-und-zunehmend-gefaehrlich/1818984">Blitze – Extrem und zunehmend gefährlich</a><br/><br/></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Tornado, Twister, Windhose" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manusrkripte-stadtluft-landluft-bergluft-100.html">HIER</a></strong>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zubeißen - Die Entwicklung der Zähne</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zubeissen-die-entwicklung-der-zaehne/1996909</link>
      <pubDate>Thu, 25 Sep 2025 00:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">116490c9-a2bf-453b-a1f5-77e4a758ab09</guid>
      <description>Zähne sind ideale Werkzeuge für das Zerkleinern von höchst unterschiedlicher Nahrung: Tiere können mit ihnen Gräser zu Brei zermahlen, Nussschalen aufbrechen oder Fleischstücke aus ihrer Beute reißen. Für den Siegeszug der Wirbeltiere rund um die Welt war die Entwicklung eines spezialisierten Gebisses ein entscheidender Erfolgsfaktor. Autorin: Prisca Straub (BR 2023) </description>
      <enclosure length="21608064" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1996909/c/feed/zubeissen-die-entwicklung-der-zaehne.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:30</itunes:duration>
      <itunes:author>Prisca Straub</itunes:author>
      <itunes:summary>Zähne sind ideale Werkzeuge für das Zerkleinern von höchst unterschiedlicher Nahrung: Tiere können mit ihnen Gräser zu Brei zermahlen, Nussschalen aufbrechen oder Fleischstücke aus ihrer Beute reißen. Für den Siegeszug der Wirbeltiere rund um die Welt war die Entwicklung eines spezialisierten Gebisses ein entscheidender Erfolgsfaktor. Autorin: Prisca Straub (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a3a0adf3-06ae-4f5c-889e-cdae9ab84cde.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zähne sind ideale Werkzeuge für das Zerkleinern von höchst unterschiedlicher Nahrung: Tiere können mit ihnen Gräser zu Brei zermahlen, Nussschalen aufbrechen oder Fleischstücke aus ihrer Beute reißen. Für den Siegeszug der Wirbeltiere rund um die Welt war die Entwicklung eines spezialisierten Gebisses ein entscheidender Erfolgsfaktor. Autorin: Prisca Straub (BR 2023) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Prisca Straub<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Zoologische Staatssammlung München;<br/>Prof. Dr. Gertrud Rößner, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-zahn-gebiss-kiefer-entwicklung-evolution-ernaehrung-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen über die Evolution und die erstaunliche Welt der Tiere könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Lebende Fossilien - Von der Evolution vergessen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/lebende-fossilien-von-der-evolution-vergessen/bayern-2/78757964/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Ausgestorbene Tiere - Für immer verloren<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ausgestorbene-tiere-fuer-immer-verloren/bayern-2/78752232/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Urvogel Archaeopteryx - Beweisstück der Evolution?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/urvogel-archaeopteryx-beweisstueck-der-evolution/bayern-2/10397545/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Tiere der Tiefsee - Die unerforschten Geisterwesen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tiere-der-tiefsee-die-unerforschten-geisterwesen/bayern-2/12063713/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong>Gertrud Rößner u.a.: &quot;Die Evolution der Zähne&quot;, Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Historische Geologie München e.V., 2011 </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Eiserne Lunge - Künstliche Beatmung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-eiserne-lunge-kuenstliche-beatmung-1/2015171</link>
      <pubDate>Wed, 24 Sep 2025 09:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f85907d8-441b-4e54-b79f-f0b87bc796b8</guid>
      <description>Ein &quot;Sarg&quot;, der Leben rettet: Die Eiserne Lunge gilt als eines der ersten klinischen Geräte zur Beatmung eines Patienten. Sie hebt und senkt durch wechselnden Druck den Brustkorb des Patienten in ihrem Inneren - und ermöglicht somit trotz gelähmter Atemmuskulatur das Ein- und Ausatmen. Von Inga Pflug (BR 2023)</description>
      <enclosure length="22579200" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2015171/c/feed/die-eiserne-lunge-kuenstliche-beatmung-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Inga Pflug</itunes:author>
      <itunes:summary>Ein &quot;Sarg&quot;, der Leben rettet: Die Eiserne Lunge gilt als eines der ersten klinischen Geräte zur Beatmung eines Patienten. Sie hebt und senkt durch wechselnden Druck den Brustkorb des Patienten in ihrem Inneren - und ermöglicht somit trotz gelähmter Atemmuskulatur das Ein- und Ausatmen. Von Inga Pflug (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1b60418e-4858-4421-8b30-53423c0d1115.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein "Sarg", der Leben rettet: Die Eiserne Lunge gilt als eines der ersten klinischen Geräte zur Beatmung eines Patienten. Sie hebt und senkt durch wechselnden Druck den Brustkorb des Patienten in ihrem Inneren - und ermöglicht somit trotz gelähmter Atemmuskulatur das Ein- und Ausatmen. Von Inga Pflug (BR 2023)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Inga Pflug<br/>Regie: Anja Scheifinger<br/>Es sprachen: Katja Schild<br/>Technik: Susanne Harasim<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-eiserne-lunge-beatmung-medizin-polio-technik-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Marion Ruisinger, Medizinhistorikerin, Direktorin Medizinhistorisches Museum, Ingolstadt;<br/>Dr. Hartmut Bettin, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Greifswald ;<br/>Prof. Dr. Roland Francis, Universitätsklinikum Erlangen, Direktor Anästhesiologische Klinik;<br/>Prof. Dr. Dr. Stefan Schaller, Charité Mitte Berlin, Stellv. Direktor der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin</p>
<p><strong>Wenn Ihnen diese Sendung zur Eisernen Lunge gefallen hat, können wir Ihnen noch weitere empfehlen:</strong></p>
<p>Medizinische Durchbrüche – Die Röntgen-Revolution </p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/medizinische-durchbrueche-die-roentgen-revolution/bayern-2/12295209/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipp:</strong></p>
<p><strong>BR Retro | Polio-Epidemie 1962 in Deutschland: Warum wurde so spät geimpft?<br/></strong>1961 erkrankten in der Bundesrepublik Deutschland 4605 Menschen an Kinderlähmung - damals ein trauriger Weltrekord. Andere Länder hatten die unheilbare Krankheit und das Poliovirus zu diesem Zeitpunkt durch ein konsequentes Impfprogramm schon fast zum Verschwinden gebracht. Warum es hierzulande länger dauerte, versucht dieser Beitrag aus dem Jahr 1962 zu ergründen.<br/><strong><a title="Hier geht es zum Beitrag." href="https://www.ardmediathek.de/video/br-retro/polio-epidemie-1962-in-deutschland-warum-wurde-so-spaet-geimpft/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzdmMzBkYzkzLTNmMjUtNGQ0MS1hYWU3LTEzZmUzOTY0NGIzOQ">JETZT ANSEHEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Podcast-Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>BR24 | Dreimal besser<br/></strong>Dein Info-Podcast, der Lösungen anbietet. Wir wollen wissen, wie es in Zukunft besser laufen kann. In jeder Podcastfolge stellen Birgit Frank oder Kevin Ebert drei Lösungsansätze zu einem aktuellen Thema vor. Weil die Welt mehr ist als nur Krisen.<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/dreimal-besser/10638483/">ZUM PODCAST</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Papier für die Ewigkeit - Wie Restauratoren Geschichte retten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/papier-fuer-die-ewigkeit-wie-restauratoren-geschichte-retten/2110668</link>
      <pubDate>Wed, 24 Sep 2025 02:19:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c17f5a89-9f3d-44de-a894-5c498e7fe1e1</guid>
      <description>Festplatte, CD-Rom, Diskette: frühe digitale Speicher sind heute kaum noch lesbar. Papier jedoch kann über 2000 Jahre alt werden. Um Schimmel, Schmutz und Brüche kümmern sich Restaurator:innen wie in München, wo ein Jahrhundertfund wieder hergestellt wird: Mitschriften zu Hegels Vorlesungen. Von Julie Metzdorf (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21165696" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110668/c/feed/papier-fuer-die-ewigkeit-wie-restauratoren-geschichte-retten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Julie Metzdorf</itunes:author>
      <itunes:summary>Festplatte, CD-Rom, Diskette: frühe digitale Speicher sind heute kaum noch lesbar. Papier jedoch kann über 2000 Jahre alt werden. Um Schimmel, Schmutz und Brüche kümmern sich Restaurator:innen wie in München, wo ein Jahrhundertfund wieder hergestellt wird: Mitschriften zu Hegels Vorlesungen. Von Julie Metzdorf (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/88673ee2-47a2-423d-8d8e-35b9ed0eb8ad.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Festplatte, CD-Rom, Diskette: frühe digitale Speicher sind heute kaum noch lesbar. Papier jedoch kann über 2000 Jahre alt werden. Um Schimmel, Schmutz und Brüche kümmern sich Restaurator:innen wie in München, wo ein Jahrhundertfund wieder hergestellt wird: Mitschriften zu Hegels Vorlesungen. Von Julie Metzdorf (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin: Julie Metzdorf<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Sprecher:innen: Christian Baumann<br/>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Unsere Gesprächspartnerin<br/></strong>Andrea Fellinger, Papierrestauratorin</p>
<p>Unsere Podcast-Tipps:<br/><strong><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/motten-im-museum-kaefer-und-schaedlinge-fressen-unser-kulturgut/2102695">Motten im Museum - Käfer und Schädlinge fressen unser Kulturgut</a><br/></strong>Papierfischchen, Termiten, Motten: Die Zahl der Schädlinge in Museen und Archiven ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Wie erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtiges Kulturgut? Bei <strong>IQ - Wissenschaft und Forschung</strong>:<br/><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/motten-im-museum-kaefer-und-schaedlinge-fressen-unser-kulturgut/2102695"><u>https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/motten-im-museum-kaefer-und-schaedlinge-fressen-unser-kulturgut/2102695</u></a></p>
<p><strong><br/><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-deutsche-museum-technikgeschichte-zum-anfassen-1/2097942">Das Deutsche Museum – Technikgeschichte zum Anfassen</a><br/></strong>Was ist ein Meilenstein der Technik? Genau weiß man das immer erst im Rückblick. Im Deutschen Museum muss man seit jeher einschätzen, was einst ein Meilenstein werden <a>würde</a>. Ob und wie das im Laufe der Museumsgeschichte gelang und welche Hürden dabei zu nehmen waren: bei Radiowissen:<br/><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-deutsche-museum-technikgeschichte-zum-anfassen-1/2097942">https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-deutsche-museum-technikgeschichte-zum-anfassen-1/2097942</a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/><br/></strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-papier-fuer-die-ewigkeit-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wildtiermangement - Wie mit wilden Tieren leben?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wildtiermangement-wie-mit-wilden-tieren-leben/2110667</link>
      <pubDate>Wed, 24 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e1600cc0-f510-4d1f-868e-f67f02e92062</guid>
      <description>Wenn der Biber am Bahndamm gräbt, der Fischotter sich an Fischteichen bedient, Wasserbüffel am Flussufer weiden, gibt es Probleme.  Wildtiermanager sollen im Dauer-Konflikt zwischen Mensch und Natur vermitteln. Von Werner Bader (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21609984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110667/c/feed/wildtiermangement-wie-mit-wilden-tieren-leben.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:30</itunes:duration>
      <itunes:author>Bader, Werner</itunes:author>
      <itunes:summary>Wenn der Biber am Bahndamm gräbt, der Fischotter sich an Fischteichen bedient, Wasserbüffel am Flussufer weiden, gibt es Probleme.  Wildtiermanager sollen im Dauer-Konflikt zwischen Mensch und Natur vermitteln. Von Werner Bader (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ecdc3ed4-783d-4685-b047-155868c73782.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn der Biber am Bahndamm gräbt, der Fischotter sich an Fischteichen bedient, Wasserbüffel am Flussufer weiden, gibt es Probleme.  Wildtiermanager sollen im Dauer-Konflikt zwischen Mensch und Natur vermitteln. Von Werner Bader (BR 2025)</p><p><strong> </strong><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Werner Bader <br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Susanne Schroeder, Christian Baumann, Kia Ahrndsen <br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Bernhard Kastner </p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/mit-tieren-sprechen"><strong>Mit Tieren sprechen – Verständigung von Mensch und Tier auf Augenhöhe</strong></a></p>
<p>Warum verstehen sich Mensch und Tier, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen? Natalie Putsche erfährt einiges über die Kommunikation von Vögeln, Kühen, Wölfen, Pferden, Füchsen, Katzen und Schweinen und erlebt ganz besondere Freundschaften.<br/><a href="https://1.ard.de/mit-tieren-sprechen"><strong>https://1.ard.de/mit-tieren-sprechen</strong></a></p>


<p><strong>Weiterführende Links: </strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ca92d4b8bd723482/">WirTier (6): Biber-Fieber</a><br/>&quot;Biber ehrenhalber” sind die Wildlife-Fotografen Bettina und Christian: sie haben sich das Vertrauen einer Biber-Familie hart erarbeitet. Sie sind dabei, wenn die Biber fressen, spielen, ihre Babys großziehen. Ob auch Wir-Tier Host Julius ein Schnappschuss gelingt?<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ca92d4b8bd723482/</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:8b6339dce6c5a93a/">Die Rückkehr der Wölfe - Wie kann eine Co-Existenz gelingen?</a><br/>Wie kann eine friedliche Co-Existenz mit dem Wolf gelingen? Die Rückkehr des Wolfs ist ein heiß diskutiertes Thema, bei dem sich Landwirte, Alm-Betreiber und Naturschützer oft unversöhnlich gegenüberstehen. Dabei bemühen sich zahlreiche Biologen und Wildtiermanager um umsetzbare Lösungen. Autor: Lutz Reidt (BR 2025)<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:8b6339dce6c5a93a/</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d9740a9143db31cd/">Der Fischotter – Flinker Marder mit Schwimmhäuten</a><br/>Der Fischotter: neugierig, verspielt, schnell und elegant. Seit den 1980er Jahren galt er bei uns lange als ausgestorben. Aber: Er ist wieder da. Natürliche Feinde hat er kaum - wenn da nur nicht der Mensch wäre... (BR 2018)<br/>https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d9740a9143db31cd/</p>

<p><br/>Literatur:</p>
<p><strong>Wildtiere im Fokus : Rückkehrer &amp; Zuwanderer : Probleme – Erwartungen – Lösungen</strong><br/>Von: Hespeler, Bruno [Verfasser]<br/>Verlag: Graz Leopold Stocker Verlag [2022]<br/>Beschreibung: 247 Seiten Illustrationen, farbig 23 cm<br/>EAN: 9783702020149<br/>ISBN: 9783702020149<br/>Schlagwörter: Wildtiere Lebensraum Rückkehr Zuwanderung<br/>Zusammenfassung: Fachlich fundierte Informationen über Veränderungen im Tierbestand Mitteleuropas durch zurückgekehrte bzw. wieder eingebürgerte und freiwillig oder unfreiwillig eingeschleppte Tiere.</p>
<p><strong>Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft : Konflikte, Chancen, Lösungen im Umgang mit großen Beutegreifern</strong><br/>Mitwirkende(r): <br/>Bauer, Franziska und Heurich, Marco (Herausgeber) <br/>Stuttgart (Hohenheim) Ulmer [2019]Beschreibung: 287 Seiten Illustrationen, <br/>ISBN: 381860505X<br/>Zusammenfassung: In diesem Buch setzen sich zehn ausgewiesene Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz fundiert mit Biologie, Ökologie und Management der Tiere auseinander.</p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-wildtiermanagement-mit-wilden-tieren-leben-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Eine Prise Politik - Wie die Küche die Gesellschaft verändert</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/eine-prise-politik-wie-die-kueche-die-gesellschaft-veraendert/2110639</link>
      <pubDate>Tue, 23 Sep 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ec93ea9b-b3fe-49c5-a8a2-35d552e2d4f1</guid>
      <description>Die Küche ist ein ganz besonderer Ort. Denn die Küche ist nicht nur der Platz, an dem Lebensmittel in Gerichte verwandelt werden. Sie ist auch ein Spiegel der Gesellschaft. An Herd und Küchentisch fanden schon immer wichtige Gespräche statt: Ob Diskussionen über Politik oder traditionelle Geschlechterrollen. Von Johannes Marchl.</description>
      <enclosure length="21927936" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110639/c/feed/eine-prise-politik-wie-die-kueche-die-gesellschaft-veraendert.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:50</itunes:duration>
      <itunes:author>Marchl, Johannes</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Küche ist ein ganz besonderer Ort. Denn die Küche ist nicht nur der Platz, an dem Lebensmittel in Gerichte verwandelt werden. Sie ist auch ein Spiegel der Gesellschaft. An Herd und Küchentisch fanden schon immer wichtige Gespräche statt: Ob Diskussionen über Politik oder traditionelle Geschlechterrollen. Von Johannes Marchl.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0f7e9dbc-afe9-4bd0-b4ee-7450319c5b6a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Küche ist ein ganz besonderer Ort. Denn die Küche ist nicht nur der Platz, an dem Lebensmittel in Gerichte verwandelt werden. Sie ist auch ein Spiegel der Gesellschaft. An Herd und Küchentisch fanden schon immer wichtige Gespräche statt: Ob Diskussionen über Politik oder traditionelle Geschlechterrollen. Von Johannes Marchl.</p><p>Autor: Johannes Marchl</p>
<p>Regie: Anja Scheifinger</p>
<p>Sprecher:innen: Christian Baumann, Franziska Ball </p>
<p>Technik: Susanne Harasim </p>
<p>Redaktion: Iska Schreglmann</p>

<p><strong>Gesprächspartner:</strong></p>
<ul>
<li>Josef Matzerath, Historiker, Professor an der TU Dresden</li>
<li>Susanne Breit-Keßler, ehemalige Regionalbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern, Food-Kolumnistin und leidenschaftliche Köchin</li>
</ul>
<p> </p>
<p> </p>
<p>Literatur-Tipps: </p>
<p>-       Katalogbuch zur Ausstellung „Oikos. Von der Feuerstelle zur Mikrowelle“ mit vielen Aufsätzen zu Haushalt und Wohnen im Wandel der Zeit – ungemein umfangreich und vielfältig.</p>
<p>-       Otl Aicher, „Die Küche zum Kochen“, ein Klassiker! Und der Beginn, die Küche von den Menschen aus zu denken und nicht nur funktional</p>
<p>-       Peter Peter, „Die Kulturgeschichte der deutschen Küchen“. Die kulinarische Geschichte der deutschen Küche von den Germanen bis zu Witzigmann. Schnell und amüsant erzählt. </p>
<p> </p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:2e705b1da7b29252/">Radiowissen · Tomate, Paradeiser, Pomodoro - Auf Siegeszug durch Europa · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:58cb8db71f5e9d9b/">Radiowissen · Sollte jeder Mensch anders essen? Genbasierte Ernährung, Low Carb &amp; Co. · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:121c748f28b66c31/">Radiowissen · Was bringt nachhaltige Ernährung? Alles Natur · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e8bd64b7f06e8c9a/">Radiowissen · Rezepte des Überlebens (1) - Meine Familie und der Hungerwinter · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:da327c319d69103d/">Radiowissen · Rezepte des Überlebens (2) - Mein Onkel und der Wald · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:6f757536964fbbd8/">Radiowissen · Rezepte des Überlebens (3) - Meine Vorfahren und das Kochbuch · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-prise-politik-kueche-gesellschaft-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Orchideen - Spektakel der Farben und Formen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/orchideen-spektakel-der-farben-und-formen/1856430</link>
      <pubDate>Tue, 23 Sep 2025 02:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e208bafb-353a-4aca-9812-3df8b48e86b0</guid>
      <description>Leuchtende Farben, betörender Duft: Orchideen gelten als wunderschön - aber auch als selten. Viele glauben, es gäbe sie vor allem in den Tropen. Dabei sind diese spektakulären Pflanzen auch in Bayern zu entdecken. Man muss nur wissen, welche Vorlieben sie haben und wo sie deshalb zu finden sind. (BR 2022)</description>
      <enclosure length="20800896" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1856430/c/feed/orchideen-spektakel-der-farben-und-formen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:40</itunes:duration>
      <itunes:author>Bettina Weiz</itunes:author>
      <itunes:summary>Leuchtende Farben, betörender Duft: Orchideen gelten als wunderschön - aber auch als selten. Viele glauben, es gäbe sie vor allem in den Tropen. Dabei sind diese spektakulären Pflanzen auch in Bayern zu entdecken. Man muss nur wissen, welche Vorlieben sie haben und wo sie deshalb zu finden sind. (BR 2022)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/57cd6749-9d19-4c38-ab1f-269000f96f6e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Leuchtende Farben, betörender Duft: Orchideen gelten als wunderschön - aber auch als selten. Viele glauben, es gäbe sie vor allem in den Tropen. Dabei sind diese spektakulären Pflanzen auch in Bayern zu entdecken. Man muss nur wissen, welche Vorlieben sie haben und wo sie deshalb zu finden sind. (BR 2022)</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Bettina Weiz<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Matthias Eggert<br/><br/>Das Manuskript zur Folge finden Sie <strong><a title="Radiowissen | Orchideen" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-orchideen-spektakel-der-farben-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/></p>
<p>Hier gibt es eine weitere interessante Folge von radioWissen:<br/>Nachtaktive Pflanzen – Was uns im Dunkeln blüht<br/><a title="Radiowissen | Nachtaktive Pflanzen" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nachtaktive-pflanzen-was-uns-im-dunkeln-blueht/32658">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Wie sollte man Orchideen schneiden? <br/>Und vor allem: was sollte man schneiden? Blütenstiele, Wurzeln oder Blätter? Sabrina Nitsche von Querbeet hat die Antworten:<br/>Querbeet | Phalaenopsis - Orchideen richtig schneiden<br/><a title="Querbeet | Orchideen richtig schneiden" href="https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/querbeet/querbeet-sabrina-phalaenopsis-orchideen-schneiden-100.html">ZUM ARTIKEL</a><strong><br/></strong><strong><br/><br/></strong>Literaturtipps:<br/><br/>Helmut Presser, Orchideen. Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen, Landsberg am Lech, 2000: ecomed-verlagsgesellschaft <br/><br/>Eric Hansen, Orchideen-Fieber. Die Geschichte einer Leidenschaft, Stuttgart 2002: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger<br/><br/>J. G. Williams, A E. Williams, N. Arlott, Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien, München et al 1979: BLV Verlagsgesellschaft</p>
<p> </p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Russland und seine Geheimdienste - Der lange Schatten des KGB</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/russland-und-seine-geheimdienste-der-lange-schatten-des-kgb/2096971</link>
      <pubDate>Mon, 22 Sep 2025 02:40:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5da8eee0-da7d-4d1e-b9a6-036f49a74ad1</guid>
      <description>Putin ist ehemaliger KGB-Agent. Das beeinflusst seine Politik und sein Weltbild. Doch wie einflussreich sind die russischen Geheimdienste bis heute? Haben sie den russischen Staat gekapert? Ein ehemaliger Spion kannte Putin persönlich und berichtet über den langen Schatten des KGB. Von Jerzy Sobotta </description>
      <enclosure length="22416768" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096971/c/feed/russland-und-seine-geheimdienste-der-lange-schatten-des-kgb.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:21</itunes:duration>
      <itunes:author>Jerzy Sobotta</itunes:author>
      <itunes:summary>Putin ist ehemaliger KGB-Agent. Das beeinflusst seine Politik und sein Weltbild. Doch wie einflussreich sind die russischen Geheimdienste bis heute? Haben sie den russischen Staat gekapert? Ein ehemaliger Spion kannte Putin persönlich und berichtet über den langen Schatten des KGB. Von Jerzy Sobotta </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/38a0ec36-3a78-46ff-b994-af87b5918cc7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Putin ist ehemaliger KGB-Agent. Das beeinflusst seine Politik und sein Weltbild. Doch wie einflussreich sind die russischen Geheimdienste bis heute? Haben sie den russischen Staat gekapert? Ein ehemaliger Spion kannte Putin persönlich und berichtet über den langen Schatten des KGB. Von Jerzy Sobotta </p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Jerzy Sobotta<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Hemma Michel, Andreas Neumann<br/>Technik: Monika Gsaenger<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Sergei Jirnov, ehem. KGB-Agent<br/>Mark Galeotti, britischer Geheimdienst- und Russland-Experte<br/>† Andreas Hilger, Historiker und ehem. Leiter der Max-Weber-Stiftung in Tbilissi, Georgien</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
 
<strong>Die Russische Welt aus Sicht des Kremls - Ruskij Mir  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-russische-welt-aus-sicht-des-kremls-ruskij-mir/bayern-2/12123007/">HIER</a></strong>

<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Catherine Belton, „Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste.“ – ein beeindruckend recherchiertes Standartwerk über Putin, sein KGB-Netzwerk und den Aufstieg im Kreml.</p>

<p>Ein Heft der Zeitschrift Osteuropa (11/2022) zu Russlands Geheimdiensten: „Mit Mord und Tat“. Eine aktuelle Bestandaufnahme über Geschichte und Gegenwart der russischen Geheimdienste.</p>

<p>„Schwarzbuch Putin“, herausgegeben von Stéphane Courtois und Galia Ackermann mit wertvollen Beiträgen unter anderem zu Putins Zeit beim KGB und den Geheimdienstaktionen Russlands im Westen und der Ukraine. </p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-russlands-geheimdienste-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Macht der Pilze - Wie sie das Leben formen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-macht-der-pilze-wie-sie-das-leben-formen/2110613</link>
      <pubDate>Mon, 22 Sep 2025 02:02:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">207e369f-6c6e-45d3-b8ce-24330953322d</guid>
      <description>Mit ihrem geheimen, feinen Netzwerk unter der Erde sind Pilze Meister im Zerteilen und Transportieren von Nährstoffen. Pflanzen brauchen Pilze, sie leben in Symbiose. Mehr noch: Ohne Pilze wären vor vielen Millionen Jahren vermutlich nie Leben an Land möglich gewesen und die Evolution wäre völlig anders gelaufen. Ein Podcast von Miriam Garufo.</description>
      <enclosure length="21868800" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110613/c/feed/die-macht-der-pilze-wie-sie-das-leben-formen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Garufo, Miriam</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit ihrem geheimen, feinen Netzwerk unter der Erde sind Pilze Meister im Zerteilen und Transportieren von Nährstoffen. Pflanzen brauchen Pilze, sie leben in Symbiose. Mehr noch: Ohne Pilze wären vor vielen Millionen Jahren vermutlich nie Leben an Land möglich gewesen und die Evolution wäre völlig anders gelaufen. Ein Podcast von Miriam Garufo.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/12985ee1-cfd0-4664-803c-507998701801.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit ihrem geheimen, feinen Netzwerk unter der Erde sind Pilze Meister im Zerteilen und Transportieren von Nährstoffen. Pflanzen brauchen Pilze, sie leben in Symbiose. Mehr noch: Ohne Pilze wären vor vielen Millionen Jahren vermutlich nie Leben an Land möglich gewesen und die Evolution wäre völlig anders gelaufen. Ein Podcast von Miriam Garufo.</p><p>CREDITS</p>
<p>Autorin dieser Folge: Miriam Garufo</p>
<p>Regie führte: Sabine Kienhöfer</p>
<p>Es sprachen: Thomas Birnstiel, Julia Fischer</p>
<p>Technik: Andreas Lucke</p>
<p>Redaktion: Katharina Hübel</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>-      Prof. Dr. Caroline Gutjahr, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam, Biologin und Expertin für Wurzelbiologie und Symbiose </p>
<p>-      Prof. Dr. Michael Krings, Paläobotaniker und Paläomykologe, Kurator der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Radiowissen ist mit dabei: Auf den Pilztage an der Universität Bayreuth am 11. und 12. Oktober im Ökologisch-Botanischen Garten – hier das Programm:<br/><a href="https://www.uni-bayreuth.de/uninotizen-86-2025-pilztage">https://www.uni-bayreuth.de/uninotizen-86-2025-pilztage</a></p>

<p>Drei außergewöhnliche Wildtierbiografien erzählen von Überlebenskämpfen, Hoffnung und der Kraft der Verbindung zwischen Mensch, Tier und Natur. Ein Podcast von IQ- Wissenschaft und Forschung<br/><a href="https://1.ard.de/IQWissenschaft"><u>https://1.ard.de/IQWissenschaft</u></a></p>

<p>Hier unsere Podcast-Tipps:</p>
<p>Steinalte Pilze. Zeugen der ältesten Ökosysteme.</p>
<p>Pilze sind im wahrsten Sinne des Wortes steinalt. Schon vor 400 Millionen Jahren gab es eine große Vielfalt. Bio-Paläontologen untersuchen fossile Pilze und rekonstruieren, wie frühe Ökosysteme funktioniert haben. Hier geht’s zu Radiowissen:</p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/steinalte-pilze-zeugen-der-aeltesten-oekosysteme/2063548">https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/steinalte-pilze-zeugen-der-aeltesten-oekosysteme/2063548</a></p>
<p> </p>
<p>IQ Wissenschaft und Forschung: Kontroverse Kohle! </p>
<p>Fossile Steinkohle hätte nicht entstehen können, hätten Pilze schon früh im Karbonzeitalter vor über 360 Millionen Jahren die Fähigkeit entwickelt, Holz zu zersetzen. Dafür haben sie noch rund 60 Millionen Jahre gebraucht. Fossile Steinkohle nutzen Menschen nach wie vor, doch die Vorräte der Erde gehen zur Neige – und eine kontroverse Diskussion darum ist entbrannt. Iska Schreglmann spricht in dieser Folge „Alles Natur“ mit dem Biologen Thassilo Franke über Entstehung und Verwendung von Kohle: </p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9217cb4d022731f0/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:9217cb4d022731f0/</a></p>
<p> </p>
<p>Geschichte des Artensterbens. Von der Urzeit bis heute. </p>
<p>Pilze haben bislang alle Katastrophen in der Erdgeschichte überlebt. Aber andere Organismen sind weniger anpassungsfähig und zäh. Als vor rund 66 Millionen Jahren ein Asteroid im heutigen Mexiko einschlug, starben rund drei Viertel der damaligen Tierarten auf der Erde aus, vor allem die Dinosaurier. In dieser Größenordnung ein seltenes Ereignis, aber längst nicht das einzige. Immer schon haben Arten empfindlich auf Klimaveränderungen reagiert. Hier geht’s zu Radiowissen:</p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-des-artensterbens-von-der-urzeit-bis-heute/2100714">https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-des-artensterbens-von-der-urzeit-bis-heute/2100714</a></p>
<p> </p>

<p><u>Literatur-Tipps: </u></p>
<p>-      Sheldrake, Merlin: „Verwobenes Leben. Wie Pilze unsere Welt formen und unsere Zukunft beeinflussen“, Berlin [Ullstein], 2021.</p>
<p> </p>
<p>-      Stamets, Paul: „Das große Netz. Wie Pilze die Welt retten können“, Aarau und München [atVerlag], 2025.</p>
<p> </p>
<p>-      Krings, Michael: „Angriff und Abwehr vor 410 Millionen Jahren: Die Pilzpartner der Rynie Chert Landpflanzen und ihre Parasiten“, Fachaufsatz, München, 2022. </p>
<p> </p>
<p>-      Taylor, T.N., Krings, M. &amp; Taylor, E.L.: „Fossil Fungi“, 1st Edition. Amsterdam, Boston, Heidelberg, London, [Elsevier/Academic Press Inc.], 2015.</p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansukripte-die-macht-der-pilze-leben-formen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Traum vom Weltfrieden - Der chinesische Utopist Kang Youwei</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-traum-vom-weltfrieden-der-chinesische-utopist-kang-youwei/1831158</link>
      <pubDate>Sun, 21 Sep 2025 06:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">edce9587-dbd9-4561-a47c-c63f0b68453b</guid>
      <description>Eine Weltgemeinschaft in Frieden und Gerechtigkeit, ohne Diskriminierung und Ausbeutung, ohne Hierarchien und Grenzen. Diese Utopie hat der Philosoph und Reformer Kang Youwei um 1900 in China niedergeschrieben. Seiner Zeit weit voraus schuf er eine Philosophie, die zum Weltfrieden führen sollte. Autor: Thomas Grasberger (BR 2021)</description>
      <enclosure length="22199424" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1831158/c/feed/der-traum-vom-weltfrieden-der-chinesische-utopist-kang-youwei.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:07</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine Weltgemeinschaft in Frieden und Gerechtigkeit, ohne Diskriminierung und Ausbeutung, ohne Hierarchien und Grenzen. Diese Utopie hat der Philosoph und Reformer Kang Youwei um 1900 in China niedergeschrieben. Seiner Zeit weit voraus schuf er eine Philosophie, die zum Weltfrieden führen sollte. Autor: Thomas Grasberger (BR 2021)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0f6ed1a5-b877-4b5e-993b-2621df697cfc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine Weltgemeinschaft in Frieden und Gerechtigkeit, ohne Diskriminierung und Ausbeutung, ohne Hierarchien und Grenzen. Diese Utopie hat der Philosoph und Reformer Kang Youwei um 1900 in China niedergeschrieben. Seiner Zeit weit voraus schuf er eine Philosophie, die zum Weltfrieden führen sollte. Autor: Thomas Grasberger (BR 2021)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Thomas Grasberger<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann, Friedrich Schloffer<br/> Technik: Regine Elbers<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Thomas Heberer (Professor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen) <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/frieden-persoenliche-sehnsucht-politische-utopie/bayern-2/10826957/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>


<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast<br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a><strong></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-traum-vom-weltfrieden-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>Musik: M0007510001 Imperial city 1‘00</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Als der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Dezember 2018 zum Staatsbesuch in die Volksrepublik China reiste, stand auf dem Programm auch ein Besuch der Sichuan-Universität in Chengdu. In seiner Rede appellierte Steinmeier an die Studierenden:</p>
<p>Zitator</p>
<p>„Nutzen Sie das, wofür Generationen gekämpft haben – eine globale Ordnung, die Frieden und Zusammenarbeit erst möglich macht!“</p>
<p>Erzähler</p>
<p>In einer Zeit, in der nationale Egoismen und Konflikte weltweit auf dem Vormarsch sind, erinnert der deutsche Bundespräsident also an das Gemeinsame. Und zitiert einen chinesischen Gelehrten namens Kang Youwei, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Schrift verfasst hat. </p>
<p>Das „Datongshu“, die Utopie einer „Großen Gemeinschaft“,</p>
<p>Zitator</p>
<p>„die die Grenzen von Nation, Rasse, Geschlecht und Hierarchie überwindet.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Den Studierenden der Sichuan-Universität dürfte der Name Kang Youwei geläufig gewesen sein. Schließlich gilt er als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des modernen China. Manche sehen in ihm gar den „Martin Luther der konfuzianischen Lehre“. Und Chinas Parteichef Xi Jinping lobt Kang immer wieder als einen fortschrittlichen Denker.</p>
<p>ZSP 1 aktuell in China 0,20</p>
<p>In China ist Kang Youwei und sein Begriff des &quot;Datong&quot; Gegenstand der permanenten Auseinandersetzung über ein neues Wertesystem, ein innerchinesisches Wertesystem, aber auch ein globales Wertesystem. Nur bei uns spielt diese Debatte in China keine Rolle, weil sie auch gar nicht bekannt ist.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Deshalb hat Thomas Heberer, Professor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen, die Schrift von Kang Youwei neu herausgegeben: „Datongshu“ - „Das Buch von der Großen Gemeinschaft“ sucht Antworten auf höchst aktuelle Fragen.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Wie werden wir in Zukunft zusammenleben? In Frieden und Gerechtigkeit? Oder im Chaos? </p>
<p>Musik: CD603340003 Waves 0‘25</p>
<p>Die Menschheit ist zur Schicksalsgemeinschaft geworden. Größere Konflikte könnten schnell unsere letzten sein. Die globalen Probleme gemeinsam zu lösen, ist heute also eine Überlebensfrage.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Kang Youwei hat das bereits vor mehr als 100 Jahren erkannt. Und seine Anleitung zum Weltfrieden geschrieben. Inspiriert wurde er zu dieser Utopie schon in jungen Jahren. Kang las ein Buch über die „Schlacht bei Sedan“, die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 stattfand. Diese Lektüre erschütterte den jungen Mann sehr; das „große Leid der Welt“ verfolgte ihn bis in seine Träume, sagt Thomas Heberer.</p>
<p>ZSP 2 Sedan 0,16</p>
<p>Diese Brutalität dieser Schlacht, und die vielen Soldaten, die dort gestorben sind, haben in ihm ein bestimmtes Nachdenken hervorgerufen, dass man eigentlich Friede in der Welt braucht und dafür sorgen muss, dass Kriege abgeschafft werden. Das war wohl ein Schlüsselerlebnis.</p>
<p>Musik: CD603340008 Song oft he dragon and phoenix 0‘42</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Geboren 1858 in einem Dorf in der südchinesischen Provinz Guangdong, wächst Kang Youwei in einer angesehenen Familie von gelehrten Beamten auf. Es versteht sich von selbst, dass auch er eine klassisch-konfuzianische Erziehung genießen und die Beamten-Laufbahn einschlagen soll.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Doch das enge Korsett des alten Konfuzianismus, mit seinem starren Pauken und auswendigen Herunterbeten von Texten, passt dem jungen Kang gar nicht. Er zieht sich zurück und studiert die großen Philosophien des Ostens, den Taoismus und den Buddhismus.</p>
<p>ZSP 3 Visionär 0,32</p>
<p>Er hat diese verschiedenen religiösen und philosophischen Komponenten Chinas alle studiert, weil er als junger Mann auf der Suche war nach einer Vision. Und um auf der Suche nach einer Vision zu sein, ist es ganz wichtig, dass man sich mit den ganzen Geistesströmungen über die Geschichte hinweg auseinandersetzt. Und auch kritisch. Er hat sich ja selbst als ein Visionär begriffen, der die Mission vom Himmel erhalten habe, praktisch eine Utopie zu verfassen für die Menschheit.</p>
<p>Musik: Z9316499107 Through the bamboo forest 0‘32</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>China steckte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer tiefen Krise. Das Land war in einem desaströsen Zustand, rückständig, politisch verkrustet, gedemütigt und schikaniert von ausländischen Mächten. Nach einer Reihe militärischer Niederlagen gegen England, Frankreich, Japan und Russland war klar: China brauchte ein umfassendes gesellschaftlich-politisches Reformprogramm und eine weitreichende Vision.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Kang Youwei sollte zu einem Vordenker dieses Reformprojekts werden. Er schlug zum Beispiel vor, den Konfuzianismus als Kirche neu zu organisieren und zur Staatsreligion zu machen.</p>
<p>ZSP 4 Staatsreligion 0,36</p>
<p>Diese Idee kam ihm von Europa: Der Staat in Europa zuständig für Recht und Ordnung, und die Kirche für die Moral. Das war bei uns getrennt. In China gab es keine Kirche, da war der Staat für alles zuständig, für die Moral und für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. Und dass er wahrscheinlich gesehen hat, das funktioniert besser in Europa. Und wir brauchen eine Institution, die identitätsstiftend wirkt, Sinn gibt. Und auf der anderen Seite auch diese Moralerziehung wahrnehmen kann. Dass der Staat sich auf die Aufgaben konzentrieren kann, die eigentlich seine Kernaufgaben sind, nämlich die Aufrechterhaltung der Ordnung.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Kangs Idee einer konfuzianischen Staatsreligion wird auch heute wieder ernsthaft diskutiert in China, sagt Ostasienexperte Thomas Heberer. Zu Lebzeiten jedoch wurde Kang Youwei dafür von jungen Intellektuellen kritisiert, dass er die alte Lehre reformieren wollte. Konfuzius war für Kang nämlich keineswegs jener Reaktionär, der für die Rückständigkeit Chinas verantwortlich war. Man müsse ihn halt nur als Reformer lesen und verstehen, meinte Kang Youwei.</p>
<p>Musik: Z9458720002 The eternal vow 0‘35</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Kangs politischen Reformideen stießen im ausgehenden 19. Jahrhunderts für kurze Zeit auf allerhöchstes Interesse. Der Kaiser selbst begeisterte sich dafür. Aber dieser Kaiser Guangxu war politisch schwach. Und so folgte auf den kurzen Frühling der 100-Tage-Reform bald eine neue Eiszeit. Die konservativen, reform-feindlichen Kräfte am Hof setzten sich durch und schlugen unerbittlich zurück.</p>
<p>ZSP 5 Exil 0,28</p>
<p>Und sie haben diese Reformer verhaftet. Kang Youwei und Liang Qichao ist es gelungen, nach Japan zu fliehen; die meisten anderen sind hingerichtet worden. Darunter ein Bruder Kang Youweis. Er war dann bis zur Revolution 1911/12, Ende der Kaiserdynastie, nicht mehr in China, sondern in Japan und hat auch andere Länder bereist, vor allem Länder, in denen Auslandschinesen gelebt haben, um zu werben für sein Reformprogramm für die Zukunft Chinas.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Kang Youwei bereiste fast alle Kontinente, war in über 60 Ländern, allein elf Mal in Deutschland. Als er in München sein erstes Bier trank, war er nachhaltig begeistert - vom Geschmack, den Trinksitten und von den großen Gläsern.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Erstaunlicher mag erscheinen, dass Kang auch das damalige politische System Deutschlands gut fand. Das konstitutionelle Kaiserreich erschien ihm offenbar fortschrittlich, verglichen mit dem damaligen China. Für die Zukunft jedoch waren Parlamentarismus und Demokratie für Kang die erstrebenswerten politischen Ziele. Weltweit.</p>
<p>Musik: Z8030896105 Genetics (reduced)  0‘38</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Denn Kang dachte nie nur an China, sondern immer an die ganze Menschheit. Vor diesem Hintergrund schrieb er 1902 einen ersten Entwurf von „Datongshu“. Intellektuell beeinflusst war seine Utopie nicht nur von alten östlichen Traditionen, sondern auch von modernen westlichen Denkern wie Immanuel Kant oder Karl Marx. Dazu kommen noch Gedanken des Darwinismus und vieler japanischer Wissenschaftler, sagt Thomas Heberer. </p>
<p>Kangs Kosmos ist ein Sammelsurium von Ideen unterschiedlicher Epochen und Weltgegenden.</p>
<p>ZSP 6 Einflüsse 0,15</p>
<p>Und auf diese Weise hat er eine Utopie für die Menschheit entwickelt. Und das finde ich doch etwas Besonderes, weil Chinesen auch heute sich in der Regel primär befassen mit der Entwicklung Chinas, und relativ selten mit der Entwicklung der Menschheit. Wo soll die Menschheit hin?</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Für Kang steht das Ziel fest: Zum Datong soll die Menschheit eines fernen Tages gelangen. Dieses Datong, sagt Thomas Heberer, könne man übersetzen mit „Große Gemeinschaft“ oder „Große Harmonie“. Im Grunde ist es eine uralte Idee vom paradiesischen Zustand des Friedens, die die ganze philosophische und politische Geschichte Chinas durchzieht. Bis heute.</p>
<p>Musik: CD603340015 Wang Ji  0‘43</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Kang Youwei beschreibt seinen Fahrplan zum Weltfrieden in zehn Einzelschritten. Er beginnt mit dem Leiden der Welt und der Fähigkeit des Menschen zum Mitleiden.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>“Ren“ - das chinesische Wort für (Mit-)Menschlichkeit - ist ein zentraler Begriff in Kangs konfuzianisch geprägter Utopie. </p>
<p>In einem ersten Schritt seien die großen und kleinen Egoismen zu überwinden, zugunsten einer staatsbürgerlichen Gesinnung. Aber dabei darf es nicht bleiben. Deshalb erklärt Kang im zweiten Teil des Buches:</p>
<p>Zitator:</p>
<p>Wie man die nationalen Grenzen abschafft und die Welt zur Einheit bringt</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>So etwas geht natürlich nicht von heute auf morgen. Kang Youwei denkt in langen Zeiträumen. Und bedient sich dabei der alten konfuzianischen Vorstellung von den drei Zeitaltern. Sie sind die Generallinie auf dem Weg zur „Großen Gemeinschaft“.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Im ersten „Zeitalter der Unordnung“ gibt es noch Einzelstaaten, die ihre nationalen Egoismen durchboxen. Chaos und Krieg herrschen auf der Welt, aber es kommt zu ersten Bündnissen und internationalen Konferenzen. Voraussetzung für den künftigen Frieden ist eine konsequente weltweite Abrüstung.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Im zweiten „Zeitalter der Festigung des Friedens und der Gleichheit“ entwickelt sich die Weltgemeinschaft dann weiter. Neue Gemeinschaftsstaaten, Gemeinschaftsregierungen und Parlamente werden gegründet. Erste Territorien werden einer Gemeinschaftsregierung unterstellt.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Im dritten „Zeitalter des ständigen Friedens und der völligen Gleichheit“ wird die &quot;Großen Gemeinschaft dann vollendet. Staaten und Grenzen sind abgeschafft, es gibt nur noch den Weltstaat. Und die Erde wird von einer Gemeinschaftsregierung verwaltet. Keine Monarchen mehr, keine Präsidenten oder Geschäftsführer. Nur noch Gesetze, die von Parlamentariern erlassen werden; die Exekutive erledigen dann Verwaltungsbeauftragte. Und alle wichtigen Angelegenheiten werden durch Mehrheitsbeschluss entschieden.</p>
<p>Musik: CD603340018 Azalea  0‘9</p>
<p>Zitator:</p>
<p>Wie man die Klassenschranken abschafft und alle Menschen gleichstellt.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Auf dem Weg zum irdischen Paradies müssen auch Stände, Privilegien und Hierarchien abgeschafft werden. Mit dieser rechtlichen Gleichheit aller Menschen geht er weit über den traditionellen Konfuzianismus hinaus. Dessen streng hierarchisches Denken ersetzt Kang Youwei durch seine Reformidee einer konfuzianischen Staatskirche, meint Thomas Heberer. In dieser sind grundsätzlich alle gleich. Herausgehoben werden nur diejenigen, die sich durch ihr Verhalten Meriten verdienen. Ein Prinzip, das die heutige chinesische Führung mit dem sozialen Kreditsystem bereits wieder aufgegriffen hat.</p>
<p>Musik: Z8024906103  Without you 0‘28</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Das problematischste Kapitel in Kang Youweis „Datongshu“ behandelt die Abschaffung der Rassenschranken. Kang ist hier ganz ein Kind des 19. Jahrhunderts, in dem Darwinismus und biologisches Denken weit verbreitet sind. Kang ist zwar alles andere als ein Rassist. Doch in Kategorien der Rasse zu denken, ist damals ganz normal gewesen.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Nach reiflicher Überlegung hat Herausgeber Thomas Heberer entschieden, dieses Kapitel nicht ganz herauszunehmen. Auch wenn manches in heutigen Ohren seltsam klingt, etwa, wenn Kang zur Überwindung des Rassismus vorschlägt, die Weltbevölkerung durch Vermischung praktisch zu Weißen zu machen.</p>
<p>ZSP 7 Rassen 0,32</p>
<p>Und dass man vielleicht nachdenken kann, ob man nicht durch ständige Vermischung die Rassen soweit angleicht, dass es keine Diskriminierung mehr gibt. Das ist ein gewagtes Vorhaben, weil das kann auch sehr leicht in Totalitarismus umschlagen. Heute würde man sagen, ja warum kann man das nicht, indem man die ganze Diskriminierung beseitigt und die Menschen aufklärt, dass Schwarze, Weiße, Gelbe, Braune gleichberechtigt sind. Und dass es keine Unterschiede, Rassenunterschiede gibt, sondern nur im Kopf, und nicht in der Realität.</p>
<p>Musik: C1454340013 Mandarin  0‘15</p>
<p>Zitator:</p>
<p>Das Recht des Menschen auf Unabhängigkeit ist ihm vom Himmel übertragen worden, und auch den Frauen stehen gleiche Rechte zu.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Man beachte das Jahr, in dem Kang Youwei das postuliert hat. 1902 war die völlige Gleichstellung der Frau durchaus noch eine revolutionäre Idee, nicht nur in China. Und auch heute ist diese Forderung nur in den allerwenigsten Weltgegenden tatsächlich verwirklicht. Die Schranken zwischen den Geschlechtern müssen abgeschafft werden, schreibt Kang. Ebenso die traditionelle Form der Ehe. Der Gelehrte fordert stattdessen eine Art Versuchs-Ehe auf Zeit. Wenn einer der Partner nach einem Jahr erkenne, dass man nicht zusammenpasst, könne man sich wieder trennen. Ohne Scheidung und großes Trara!</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Noch moderner erscheint Kangs Haltung zu sexuellen Beziehungen. Auch da war er seiner Zeit weit voraus. Die Akzeptanz von Homosexualität etwa erschien ihm als eine natürliche Selbstverständlichkeit.</p>
<p>Zitator:</p>
<p>„Was hat es für einen Sinn, Gebote und Verbote auf geschlechtlichem Gebiet zu erlassen? Wälle und Deiche werden doch durchbrochen, wenn sich die Natur ihr Recht verschafft und die Flut hereinbricht.”</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Ist erst einmal das Zeitalter der Großen Gemeinschaft angebrochen, schreibt Kang, brauche die Gesellschaft ohnehin keine Strafen und Gerichte mehr. In jenem Zeitalter werde dann auch sexuelle Freizügigkeit herrschen. Zumindest für Erwachsene ab dem 20. Lebensjahr.</p>
<p>Musik: Faces of Asia 2   C1454340030   0‘10</p>
<p>Zitator:</p>
<p>Wie man familiäre Schranken abschafft und wie die Menschheit ein „Volk des Himmels“ wird</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Auch das ein revolutionärer Gedanke! Denn in China war das Korsett der traditionellen Familie zu Kangs Zeiten noch besonders eng. Ganz oben thronte der Patriarch, der Älteste der Sippe, der alles bestimmte. Männer, die es sich leisten konnten, durften sogar mehrere Ehefrauen haben. Ganz am unteren Ende der Hierarchie standen die Schwiegertöchter. Absoluter Gehorsam gegenüber den Höheren und Älteren war gefordert. Ein starres System also, zu dessen entschiedenen Kritikern Kang Youwei zählte.</p>
<p>Musik: C1454340031 Faces of Asia 3   0‘11 </p>
<p>Zitator:</p>
<p>Wie man durch eine gemeinschaftliche Regelung der Erwerbsverhältnisse einen einheitlichen Lebensstandard schafft</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Kang Youweis Vision der weltweiten „Großen Gemeinschaft“ basiert auf konkreten ökonomischen Vorstellungen. Wobei im Wirtschaftsteil seiner Utopie ganz deutlich Ideen von Karl Marx durchscheinen. Die Industrieproduktion vergesellschaften, das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffen – und stattdessen Planwirtschaft! Dass diese im 20. Jahrhundert im Systemvergleich krachend scheitern würde, konnte Kang noch nicht wissen.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Eines aber war ihm klar: Herrschen weiterhin Ungleichheit und Unterernährung, wird ein friedliches Zusammenleben der Menschen langfristig nicht möglich sein. Daher Kangs Forderung nach gemeinschaftlicher Agrarwirtschaft und gemeinsamen Bodenbesitz. Eine Idee, die in China in den vergangenen 2.500 Jahren immer wieder auftauchte, sagt Thomas Heberer:</p>
<p>ZSP 8 Bodenreform 0,24</p>
<p>Weil man gesehen hat, immer wenn der Boden wieder in Privateigentum übergeht, dann verarmt ein großer Teil der Landbevölkerung, es gibt Aufstände, Rebellion. Und jede neue Dynastie hat den Boden neu an die Bauern verteilt, gleichmäßig. Und diese Idee wollte Kang auch in China wieder realisieren: Gemeineigentum an Boden und jeder kriegt eben sein eigenes Stück Land, das er bewirtschaften kann, für die Verbesserung der Lebensbedingungen.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Wie aber wird ein Weltstaat eines Tages aussehen, der nach den Prinzipien Frieden und Gleichheit regiert wird? Es muss in jedem Fall eine einheitliche Weltsprache geben, schreibt Kang Youwei. Und ein einheitliches und gerechtes Verwaltungssystem. Dazu wird die Welt in Planquadrate eingeteilt.</p>
<p>Zitator:</p>
<p>„Jedes Planquadrat wird ein gemeinschaftliches Selbstverwaltungsgebiet; es richtet Gemeinschaftsinstitutionen ein und verwaltet die Landwirtschaft, die Industrie und den Handel in öffentlicher Regie.&quot;</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die alltäglichen Probleme werden also nicht von oben, von der Weltregierung gelöst, sondern von den Menschen vor Ort.</p>
<p>ZSP 9 unten nach oben 0,28</p>
<p>Das kann nur auf der lokalen Ebene entschieden werden und deswegen war die Idee grundsätzlich erstmal im Allgemeinen gut zu sagen: Unten gibt es starke Autonomie, Selbstverwaltung. Aber es gibt eine Weltregierung, die eben die globalen Probleme lösen muss. Und die sollen sich auch nicht ins Gehege kommen, dafür gibt es Parlamente, die stufenweise nach oben gehen, und wo immer Vertreter der einzelnen Planquadrate dann der Großregion und so weiter sitzen, die mitentscheiden, wie die Weltregierung agieren soll.</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Ein föderaler, demokratischer Weltstaat, der dauerhaft Frieden und Gleichheit bringt. Diese menschenfreundliche Vision ist vermutlich ein Projekt für die fernere Zukunft! Aber der Utopist Kang Youwei geht sogar noch weiter. Er fordert eine Ausdehnung der allumfassenden Güte und Liebe - auf alle Lebewesen. Tiere zu schlachten und zu essen? Für Kang ist das ein Zeichen von ethischer Rückständigkeit. Und in Zukunft nicht mehr denkbar.</p>
<p>Zitator:</p>
<p>&quot;Die Menschen werden einmal den Fleischgenuss verabscheuen, wie sie auch das Schlachten von Haustieren abgeschafft haben. Die Haustiere werden dann als Dienerschaft betrachtet; man wird sie nutzbringend einsetzen, aber auch pflegen und Zuneigung zu ihnen gewinnen.&quot;</p>
<p>Musik: C1454340013 Mandarin  0‘30</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Die Fesseln des Leidens abzustreifen, und den Menschen materiell und sozial zu einer höheren Glücksstufe zu verhelfen, im Einklang mit allen Lebewesen!</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Es ist ein großes Projekt, das Kang Youwei da skizziert. Trotz vieler Details ist seine Utopie aber keine konkrete Handlungsanweisung, meint Herausgeber Thomas Heberer. Das „Datongshu“ ist mehr als Impuls gedacht – als Denkanstoß.</p>
<p>ZSP 10 Anregung 0,30</p>
<p>Ihm war auch klar, dass man das nicht eins zu eins umsetzen kann. Und dass es zu seinen Lebzeiten sowieso nicht mehr geht, sondern dass es einen Diskurs mit dem Westen auslösen sollte, dass man überhaupt die Fragen mal diskutiert. Dass er vielleicht Anregungen geben wollte. Man legt ein Programm vor und sagt: So, jetzt sagt mal bitte, was ihr dazu meint. Und ihr könnt andere Ideen einbringen. So entwickeln wir das weiter. Ich glaube, als Anregung gedacht und nicht als ein Ziel, das alle jetzt gemeinsam Schritt für Schritt erreichen müssen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Als Kang Youwei 1927 im ostchinesischen Qingdao stirbt, hat er das Manuskript seines Buches längst fertiggestellt, aber nicht veröffentlicht. Erst 1935 wird das Datongshu der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Zur Zeit der Kulturrevolution in den 1960er und 70er Jahre war Kang als reaktionärer Konfuzianer verpönt. Sein Grab wurde zerstört, seine Schriften verboten. Erst seit den 1980er Jahren sind Texte wie das „Datongshu“ in Chinas Buchläden wieder erhältlich.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Heute gibt es nicht nur ein Kang-Youwei-Museum in Qingdao, sondern vor allem eine höchst lebendige Diskussion der Ideen des großen Reformers und Philosophen. Bis hinauf in die obersten Etagen der Partei- und Staatsführung.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Was aber kann der Rest der Welt von Kang-Youwei und seiner Utopie heute lernen? Zum einen, meint Thomas Heberer, sind viele Forderungen Kangs immer noch unerfüllt. Etwa die Gleichberechtigung der Frau, die Abschaffung von Hunger und Krieg. Und zum anderen zeige das Beispiel Kang Youweis, dass nicht nur der Westen aufgeklärte Geister hervorbringt.</p>
<p>ZSP 11 chinesische Aufklärung 0,19</p>
<p>Es entsteht immer der Eindruck, die Chinesen sind ein homogenes Konglomerat, oben entscheidet der Führer. Und sonst sind sie keine Querdenker, keine Freidenker, sondern machen, was der Staat sagt. Und das ist so nicht richtig. Denn es gibt eine lebhafte Diskussion in China und es gab die schon immer in der chinesischen Geschichte.</p>
<p>Musik: CD433040112 Desert Cappriccio  0‘56</p>
<p>Erzähler:</p>
<p>Diese Ideen-Geschichte und ihre Denker gilt es zu entdecken. Für einen Dialog der Kulturen auf Augenhöhe. </p>
<p>Damit wir künftig nicht nur über machtpolitische Gegensätze und ökonomische Bedrohungen sprechen, sondern über gemeinsame Werte und Ziele der gesamten Menschheit.</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Höchstwahrscheinlich hatte Bundespräsident Steinmeier dieses globale Miteinander im Sinn, als er im Dezember 2018 den großen Philosophen Kang Youwei zitierte und an die Studierenden der Sichuan-Universität appellierte:</p>
<p>Zitator:</p>
<p>„Die Zukunft, die vor Ihnen liegt, wird kein Einzelner, kein Volk, keine Nation für sich allein gewinnen. Die Zukunft wird nicht im Kampf Jeder gegen Jeden liegen.“</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Fleetwood Mac - Von der British-Blues Band zum Mainstream Pop</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/fleetwood-mac-von-der-british-blues-band-zum-mainstream-pop/2109675</link>
      <pubDate>Sat, 20 Sep 2025 17:57:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">568b819a-7be6-421b-a12a-a17e8b3795eb</guid>
      <description>&quot;Sex, drugs, and rock‘n roll&quot; - Kaum eine Band verkörpert dieses Lebensmotto mehr als erstaunlicherweise die britische Band &quot;Fleetwood Mac&quot;. Gegründet von Peter Green als reine Bluesband in den 1960er Jahren, entwickelte sich die Band zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen ihrer Zeit. Ihr neuer Stil, eine Mischung aus Pop - und Rock, macht weltweit Furore. (BR 2025)     </description>
      <enclosure length="21154176" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109675/c/feed/fleetwood-mac-von-der-british-blues-band-zum-mainstream-pop.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Trauner, Martin</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Sex, drugs, and rock‘n roll&quot; - Kaum eine Band verkörpert dieses Lebensmotto mehr als erstaunlicherweise die britische Band &quot;Fleetwood Mac&quot;. Gegründet von Peter Green als reine Bluesband in den 1960er Jahren, entwickelte sich die Band zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen ihrer Zeit. Ihr neuer Stil, eine Mischung aus Pop - und Rock, macht weltweit Furore. (BR 2025)     </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7413d1f9-d88e-469a-b19b-81797e758ec9.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Sex, drugs, and rock‘n roll" - Kaum eine Band verkörpert dieses Lebensmotto mehr als erstaunlicherweise die britische Band "Fleetwood Mac". Gegründet von Peter Green als reine Bluesband in den 1960er Jahren, entwickelte sich die Band zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen ihrer Zeit. Ihr neuer Stil, eine Mischung aus Pop - und Rock, macht weltweit Furore. (BR 2025)     </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Martin Trauner<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Herbert Schäfer, Caroline Ebner, Heiko Ruprecht <br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>Karl      Bruckmaier - Musikjournalist</li>
<li>Adrian      Wiedenmann – Kenner und Fan</li>
</ul>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://open.spotify.com/show/09KV5h9SA1WTZIidD5SdDM"><strong>Ralphs Relevante Rätsel - Wissen mit Ralph Caspers</strong></a></p>
<p>Kann ein Herz wirklich brechen? Und zerbricht man sich tatsächlich den Kopf, wenn man zu lange über so etwas nachdenkt? Hoffentlich nicht, sonst müsste Ralph Caspers sich wirklich langsam Sorgen um seinen machen... Denn in &#39;Ralphs Relevante Rätsel&#39; tut er nämlich genau das: sich für uns den Kopf zerbrechen, damit wir unsere Wissenslücken füllen können.</p>

<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:eba159798010a7ab/">Country-Musik - Der Blues des weißen Mannes</a></strong></p>
<p>Es gibt wohl nur wenige Musikrichtungen, die so polarisieren wie Country-Music. Ihre Fans lieben sie als Inbegriff einer patriotisch-konservativen heilen Welt, Skeptiker betrachten sie als verlogene Cowboy-Romantik und reaktionären Farmer-Kitsch. Doch die Ursprünge der weißen Popularmusik liegen nicht in Nashvilles Tonstudios, sondern in der Wildnis der Appalachen. Von Markus Vanhoefer (BR 2022)</p>

<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e6f51372ee1bdc0e/"><strong>Der Blues - Feeling so Black and Blue?</strong></a></p>
<p>Der Blues. Ende des 19. Jahrhunderts im Süden der Vereinigten Staaten aus afrikanischen, europäischen und karibischen Musikelementen entstanden, tritt der Blues im frühen 20. Jahrhundert seinen Siegeszug an. (BR 2016) Autor: Markus Mähner</p>

<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>· Mick Fleetwood: „Play on“ – Mick Fleetwoods Autobiografie; Deutsche Ausgabe beim Heyne Verlag</p>
<p>· Donald Brackett: „Fleetwood Mack: 40 years of creative Chaos“</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-fleetwood-mac-british-blues-mainstream-pop-peter-green-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>01 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann)</p>
<p>Es gibt einfach so Sachen, wo das ganze Album gepasst hat und „Rumours“ war so eines … </p>

<p>SPRECHER </p>
<p>… sagt Adrian Wiedenmann. Und meint das Album „Rumours“ der englischen Band Fleetwood Mac.</p>

<p>MUSIK hoch</p>

<p>02 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)</p>
<p>Das erschien Mitte der 70er Jahre: „Rumours“ - und hat, glaube ich, 20 Millionen Stück verkauft. Bis zum Michael Jackson Thriller (…) war es auf jeden Fall das am meisten verkaufte Album. Also, das war so eine Konsensplatte von Leuten, die Rockmusik hören wollten, ohne Rockmusik wirklich zu mögen …</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>… meint der Musikkritiker Karl Bruckmaier.</p>

<p>MUSIK kurz hoch</p>

<p>03 Zsp Fleetwood Mac (Adrian Wiedenmann)</p>
<p>Ja, ja, aber das war auch, ich meine, das war zuvor damals, das war geiler „Mainstream“, das kannst du nicht anders sagen, und ich meine, das war richtig schöne, gute Musik …</p>

<p>04 Zsp Fleetwood Mac (Mick Fleetwood - Rechtefrei) – </p>
<p>Fleetwood Mac is a pop band, really. I mean, we play popular music. We&#39;re not a jazz band, we&#39;re not a full-on, heavy rock and roll band, but sort of. We&#39;re more of a rock and roll band than many people think.</p>

<p>Overvoice männlich:</p>
<p>Fleetwood Mac ist eigentlich eine Popband. Ich meine, wir spielen populäre Musik. Wir sind keine Jazzband und auch keine Heavy-Rock-and-Roll-Band, Aber: Wir sind mehr Rock-and-Roll-Band, als viele Leute glauben.</p>

<p>SPRECHER </p>
<p>Mick Fleetwood. Schlagzeuger. Er ist eines der Gründungsmitglieder von Fleetwod Mac.</p>

<p>MUSIK hoch und aus</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Fleetwood Mac“, eine Band aus England. Man glaubt, den Sound zu erkennen, wenn man ihre Musik, ihre Songs hört … Irgendwie hat man die Stücke im Ohr, auch wenn man sich nicht an alle Titel erinnern kann ...</p>

<p>MUSIKMIX aus den Hits von Fleetwood Mac</p>

<p>05 Zsp Fleetwood Mac  (Adrian Wiedenmann)</p>
<p>„Go Your Own Way“ ist sicherlich ihr bekanntester Song und er ist ganz großartig, aber auch „Don&#39;t Stop“ oder „You Make Love“, „Loving Fun“ und „Oh Daddy“ ist ein wunderbares, ganz langsames getragenes Lied. Die stehen für sich alleine, die sind schon gut.</p>

<p>MUSIKMIX Ende</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Klingt alles irgendwie bekannt. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch Fleetwood Mac hat eine musikalische Vergangenheit hinter sich, die mal ganz anders klang ...</p>

<p>SPRECHER </p>
<p>… eine Vergangenheit, die aus dem Blues kommt …</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und die Adrian Wiedenmann seiner Zeit nicht so schätzte …</p>

<p>06 Zsp Fleetwood Mac  (Adrian Wiedenmann)</p>
<p>Na, die Bluesband hat mich nicht so interessiert, weil: da habe ich angefangen, einen richtigen Blues zu hören…</p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und dennoch: Fleetwood Mac hat nun mal ihre Ursprünge im britischen Blues, im so genannten „White Blues“.</p>

<p>MUSIK (Fleetwood Mac - Bluesstück)</p>

<p>07 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)</p>
<p>Ja, die erste ist die Fleetwood Mac Inkarnation, die man unter British Blues einordnen würde. Ausgehende 60er Jahre …</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>… so der Musikkritiker Karl Bruckmaier.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Fleetwood Mac hat mindestens zwei Inkarnationen, also zwei Geburtsstunden hinter sich. Und die erste Geburtsstunde, also Teil eins der Inkarnation dieser Band, wie Karl Bruckmaier es ausdrückt: Na ja: - das ist der Blues… der kommt ja ursprünglich aus Amerika. Der Blues ist die Musik der Afroamerikaner. </p>

<p>MUSIK: Elmore James </p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Ende des Zweiten Weltkriegs bringen amerikanische Soldaten den Blues nach England, erzählt Mick Fleetwood. Und er, einer der Namensgeber der Band „Fleetwood Mac, sehe sich in der zweiten Generation der englischen Bluesmusiker.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schreibt Mick Fleetwood in seiner Autobiografie.</p>
<p>Titel: „Play on“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p> „Spiel weiter“…</p>

<p>MUSIK:  1960er Jahre England</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im England der 1960er Jahre existiert eine bunte Musikszene. Vor allem junge Männer, meist noch keine 20 Jahre alt, gründen Bands, lösen die auch bald wieder auf, um dann in anderen Musikgruppen anzuheuern. Oder um dann wieder neue Bands zu formieren ...</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Aber eines bleibt immer gleich: Der Blues…</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>In diesem Umfeld treibt sich auch Mick Fleetwood herum. Er hat sich, weil er keine Lust auf Schule hatte, autodidaktisch Schlagzeugspielen beigebracht. In der Garage seiner Eltern im Londoner Stadtteil Notting Hill kann er sich austoben. Er übt wie besessen, bis er von einem 20-jährigen Nachbarn angesprochen wird, ob er nicht mal Lust auf einen Gig, auf einen Auftritt hätte. </p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Natürlich hat Mick Fleetwood Lust. Und so wird er, gerade mal 17 Jahre alt, Schlagzeuger einer Londoner Band. Mit regelmäßigen Auftritten in den Londoner Clubs.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und da lernt er, der Fleetwood, den Mac kennen. Genauer gesagt den Bassisten John McVie.</p>

<p>MUSIK:  Bluesbreakers</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>John McVie ist nur zwei Jahre älter als Mick Fleetwood, er ist aber zu seiner Zeit schon eine kleine Berühmtheit. Spielt er doch bei den damals legendären „Bluesbreakers“. Zusammen mit dem Gitarristen Eric Clapton. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Den kennt man ja heute noch …</p>

<p>MUSIK Bluesbreakers hoch</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Fleetwood und Mac. Klingt viel versprechend. Für die künftige Band gibt es jetzt den Schlagzeuger Mick Fleetwood und den Bassisten McVie, aber es braucht noch einen Gitarrenspieler … Dafür fehlt noch der dritte im Bunde. Die treibende Kraft.</p>

<p>08 Zsp Fleetwood Mac  (Karl Bruckmaier)</p>
<p>Und dann kam Peter Green stilbildend mit an Bord, der, ich sage jetzt mal, ein britischer BB King Verschnitt vielleicht war, aber natürlich wie alle anderen jungen Briten in der Zeit, ich zitiere jetzt Keith Richards, gemeint haben, es sei ziemlich gut, wenn man diese langweilige Altmänner der schwarzen Musik ein bisschen auf Speed bringt und einem neuen Publikum erschließt und da hat sich eben dieser Peter Green ganz wunderbar eingereiht …</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Peter Green, eigentlich heißt er Peter Greenbaum, ist der Mastermind der neu zu gründenden Band. Auch er half mal kurzzeitig bei den Bluesbreakers aus, als Ersatz für Eric Clapton. Und dieser Peter Green, der Gitarrist und Sänger gründet 1967 eine neue Band. </p>

<p>09 Zsp Fleetwood Mac  (Karl Bruckmaier)</p>
<p>… er war ja jemand, der damals nicht umsonst seine Band Fleetwood Mac genannt hat und nicht: „Green Green Green“. Der ist ungern vorne gestanden, der ist ungern als Aushängeschild der Band aufgetreten.</p>
<p>Ich kenne sonst niemanden, der als Bandnamen die „Rhythm-Section“ Namen verwendet hätte, um daraus einen klingenden und erfolgreichen Namen zu basteln. …</p>

<p>MUSIK „My heart beats like a hammer“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Rhythmusgruppe der neuen Band, das ist: John McVie und Mick Fleetwood. Der „Frontman“ soll der nicht im Vordergrund stehen wollende Peter Green werden. Also beschließt man, noch einen Gitarristen an Bord zu holen: den erst 18 Jahre alten Jeremy Spencer. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und der wird neben Peter Green zu einem der treibenden und kreativen Köpfe der Band.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Anfang 1968 nimmt Fleetwood Mac die erste Schallplatte auf. Mit einigen selbst geschriebenen Songs und mit Coverversionen bekannter amerikanischer Bluesstücke …</p>

<p>10 Zsp Fleetwood Mac (Karl Bruckmaier)</p>
<p>… und sie waren ja dann als Rockband mit starken Blues-Anklängen sehr erfolgreich.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>So erfolgreich, dass sie in Fernsehshows auftreten. Und sich im selben Jahr auf eine Amerikatour begeben. Es geht bergauf. Bald verkaufen sie mehr Schallplatten als die Beatles oder die Rolling Stones.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Was soll da also noch schief gehen?</p>

<p>MUSIK: „The world keep on turning“ (1968er Version)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Na ja, so ziemlich alles geht schief…</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Und das liegt ein bisschen an der Hippiezeit und an den Charakteren der beiden Gitarristen … Peter Green und Jeremy Spencer …</p>

<p>11 Zsp Fleetwood Mac (Mick Fleetwood - Rechtefrei) (Karl Bruckmaier)</p>
<p>Und dann ereilte auch wieder so ein typisches spät 60er, früh 70er Phänomen, die Religiosität, die Band, zuerst Peter Green und dann auch den Spencer, die wurden in diverse Sekten aufgenommen und meinten etwas für ihr ganzheitliches Seelenheil tun zu müssen und haben also die Musik erst einmal weitgehend vernachlässigt (…)</p>

<p>MUSIK aus</p>


<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wie kommt es dazu? </p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Spurensuche: Die Liveauftritte von Fleetwood Mac waren damals sehr skurril, oft provokativ. So hängt Jeremy Spencer an seinen Gitarrenhals mit Bier oder Milch gefüllte Kondome. Mick Fleetwood lässt zwei Holzeier an seinem Gürtel baumeln. Oder es steht auch mal ein 40 Zentimeter großer Dildo auf der Bühne, der im Takt der Bluesrocker mitwippt.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Jeremy Spencer gibt zwar abends den Spaßvogel, reißt derbe Sprüche, tagsüber aber liest er zunehmend in der Bibel. Und auch Peter Green fängt an, christliche Texte zu rezitieren …</p>

<p>MUSIK: „Albatross“ (Fleetwood Mac)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Dazu kommen die Drogen. Begnügte man sich in England mit Haschisch und Alkohol, lernt die Band in den USA „Lysergsäurediethylamid“ kennen. Kurz: LSD. – Um das Bewusstsein zu erweitern. So meint man.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mick Fleetwood erinnert sich in seiner Autobiografie, soweit das Erinnern da noch möglich war, sie alle hätten zu dieser Zeit LSD genauso regelmäßig konsumiert wie Alkohol und Haschisch. Die beiden Gitarristen und Frontmänner Peter Green und Jeremy Spencer hätten noch ein wenig mehr zugegriffen als die anderen.</p>

<p>MUSIK Albatross frei</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Mit der Single „Albatross“ landet Fleetwood Mac Ende 1968 einen Hit. Aber jetzt klingt der Sound schon ganz anders als bei den früheren Rock and Roll und Bluesnummern. Moderner, berauschter …</p>

<p>MUSIK aus</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit der nächsten Single aber wird klar: Peter Green plagen dunkle Gedanken. In „Man of the world“ singt er davon …</p>

<p>MUSIK: „Man of the world“ (MUSIK und Text koordinieren)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Shall I tell you about my life</p>
<p>They say I&#39;m a man of the world</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Soll ich Dir von meinem Leben erzählen.</p>
<p>Man sagt, ich sei ein Mann von Welt. (…)</p>

<p>Ich glaube, ich habe alles, was ich brauche.</p>
<p>Ich könnte mir nichts Besseres wünschen.</p>
<p>Und es gibt niemanden, der ich lieber wäre.</p>
<p>Aber ich wünschte nur, ich wäre nie geboren …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Peter Green, der sensible Künstler, beginnt an allem zu zweifeln. An seiner Rolle als Musiker. Er will nicht jeden Abend die gleichen Songs spielen. Er will mit seiner Musik kein Geld verdienen. Er würde gerne das ganze Vermögen, das Fleetwood Mac mittlerweile eingespielt hat, spenden. Und er und die anderen Bandmitglieder sollen fortan als Mönche in Armut leben …</p>

<p>MUSIK aus</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Na ja. Doch damit steht er alleine da. Die anderen Bandmitglieder wollen das nicht!</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Endgültig verloren haben sie Peter Green, so erinnert sich Mick Fleetwood, bei einem Konzert in München Anfang 1970.</p>

<p>MUSIK (Rolling Stones She is a Rainbow“ nur instrumental ab 1:35)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Da hätte ihn „eine Gruppe wohlhabender Hippies in die Finger bekommen“, hätten Peter Green in ein großes Haus gelockt, wo er mit den Münchner Hippies tagelang Trips eingeschmissen habe. - Einige dieser Hippies sind bekannt:</p>



]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Peyote - Der heilige Kaktus Nordamerikas</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/peyote-der-heilige-kaktus-nordamerikas-1/2109668</link>
      <pubDate>Fri, 19 Sep 2025 17:56:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9d1eb419-27a6-463f-9c87-4db0aea263a4</guid>
      <description>In den Wüsten von Nordmexiko und Texas wächst ein unscheinbarer Kaktus mit großer Bedeutung: der Peyote. Heilig für indigene Völker, verboten für alle anderen - und bedroht. Wir tauchen ein in indigene Zeremonien, westliche Forschung und die Schattenseiten des Psychedelik-Booms. (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="23594880" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109668/c/feed/peyote-der-heilige-kaktus-nordamerikas-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Marlene Thiele</itunes:author>
      <itunes:summary>In den Wüsten von Nordmexiko und Texas wächst ein unscheinbarer Kaktus mit großer Bedeutung: der Peyote. Heilig für indigene Völker, verboten für alle anderen - und bedroht. Wir tauchen ein in indigene Zeremonien, westliche Forschung und die Schattenseiten des Psychedelik-Booms. (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d764e4dd-c80c-42be-ac89-c718c65b4904.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In den Wüsten von Nordmexiko und Texas wächst ein unscheinbarer Kaktus mit großer Bedeutung: der Peyote. Heilig für indigene Völker, verboten für alle anderen - und bedroht. Wir tauchen ein in indigene Zeremonien, westliche Forschung und die Schattenseiten des Psychedelik-Booms. (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Marlene Thiele<br/> Regie: Kirsten Böttcher, Thomas Birnstiel, <br/> Es sprachen: Berenike Beschle <br/> Technik: Anton Wunder / Atrium Studios<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><br/> </p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>- Johannes Neurath, Ethnologe; Matthias Liechti, klinischer Pharmakologe; </p>
<p>- Pedro Nájera Quezada, Agrarökologe (auf Spanisch)</p>

<p><strong>Diese hörenswerten Folgen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/reisegruppe-gamescom">Reisegruppe Gamescom</a></strong></p>
<p>Irgendwo zwischen Klassentreffen, Festival und Urlaubsreise – da liegt die Atmosphäre der „Gamescom“, der weltweit größten Messe für Computer- und Videospiele. Mehrere hunderttausend Besucher werden auch in diesem Jahr Ende August zu dem Megaevent nach Köln pilgern! Und die Hosts? Sie schließen sich der <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/reisegruppe-gamescom">„Reisegruppe Gamescom“</a> an.</p>

<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f8929a469a4aacf8/"><strong>Alleskönner Pilze - Vom Baustoff bis zum Bodenreiniger</strong></a></p>
<p>Pilze sind mehr als die Schwammerl im Wald: Als Schimmel machen sie Lebensmittel ungenießbar - oder erst zur Delikatesse. Pilze sind Lebensretter und Erntezerstörer, nachwachsender Rohstoff, Heilmittel und Material der Zukunft. Pilze sind ein eigenes Reich der Natur, allgegenwärtiger Organismus und schier unerforscht. (BR 2021) Autorin: Inga Pflug</p>

<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c8cb873c5e5a7b35/"><strong>Tiergifte - Naturheilstoffe in der Medizin?</strong></a></p>
<p>Rund 100.000 Tierarten produzieren Giftstoffe. Und einige davon werden auch in der Medizin genutzt, darunter ein Blutdrucksenker und Schmerzmittel. Doch viele Tiergifte harren noch der Erforschung. (BR 2019) Autor: Hellmuth Nordwig</p>

<p><strong>Literaturempfehlungen:<br/> </strong>Neurath, J. (2021). Becoming Peyote, or the Flowers of Wirikuta. In A. D. Turner &amp; M. D. Mathiowetz (Eds.), <em>Flower Worlds: A Synthesis of Mesoamerican Indigenous Thought</em> (pp. 53–69). University of Utah Press.</p>
<p>Kommentar: Dieser englischsprachige Aufsatz bietet aktuelle, forschungsbasierte Einblicke in Rituale und Kosmologie der Huichol.</p>

<p>Neurath, J. (2020). Creating and Destroying the Upper Part of the Cosmos: A New Approach to Wixárika Cosmology. In A. Díaz (Hrsg.), <em>Reshaping the World: Debates on Mesoamerican Cosmologies</em> (S. 319–340). University Press of Colorado.</p>
<p>Kommentar: Dieser Beitrag befasst sich mit der Kosmologie der Wixárika, in der Peyote-Erfahrungen und Rituale eine zentrale Rolle spielen, auch wenn Peyote nicht der alleinige Fokus ist.</p>

<p>Neurath, J. (2002). <em>Las fiestas de La Casa Grande</em>. CONACULTA - Instituto Nacional de Antropología e Historia / Universidad de Guadalajara.</p>
<p>Kommentar: Dieses spanischsprachige Buch ist ein zentrales Werk von Neurath und befasst sich umfassend mit den rituellen Praktiken der Huichol, einschließlich der Rolle von Peyote in ihren Zeremonien und Festen.</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/></strong></p>
<p><strong> <br/> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-peyote-nordamerikas-heiliger-kaktus-mexico-huicholes-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Sonne steht hoch über der mexikanischen Sierra de Catorce. Die Luft flimmert. Hier in der staubigen Halbwüste von San Luis Potosí wachsen neben niedrigen Gräsern und trockenem Gestrüpp auch allerlei Kakteen. Darunter der Peyote, der heilige Kaktus Nordamerikas. </p>
<p>Ich mache mit einem lokalen Guide eine Führung durch die Region. Er hat einen Peyote ausfindig gemacht: graugrün, stachellos, kaum größer als eine Kinderfaust. Weil die Knolle leicht übersehen werden kann, hat er sie mit kleinen Steinen eingerahmt. Fotos von der Pflanze sind erlaubt, Videos nicht, sagt er uns. Und natürlich dürfen wir den Kaktus auf keinen Fall ausgraben oder abschneiden.</p>

<p>Musik 2: GEdeik </p>

<p>01 Zsp. Peyote - GUIDE</p>
<p>Overvoice männlich:</p>
<p>Für jede geerntete Peyote-Knolle drohen je nach Größe fünf bis zehn Jahre Gefängnis.</p>
<p><br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Für diese harte Bestrafung gibt es zwei Gründe: Der Peyote wächst nur im Norden von Mexiko und im äußersten Süden von Texas und wird</p>
<p>dort immer seltener. Der Kaktus wächst sehr langsam – dieser hier, von der Größe eines kleinen Pfirsichs, ist wahrscheinlich schon 40 Jahre alt. Gesammelt wird er trotzdem, wegen seiner kulturellen Bedeutung und dem enthaltenen Meskalin – einer stark halluzinogenen Substanz. Auch deswegen ist das Sammeln verboten: Der unscheinbare Knollen-Kaktus gilt in Mexiko und auch in den USA als illegales Betäubungsmittel.</p>
<p>Erlaubt ist nur die rituelle Nutzung für Indigene. Denn für einige Völker gehört der Peyote seit Jahrhunderten zu ihrer Kultur, erklärt der Ethnologe Johannes Neurath: </p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>02 Zsp. Peyote - JOHANNES NEURATH</p>
<p>Die Kultur der Peyote kommt von der Kultur der Chichimeken. Im Norden von Mexiko gab es diese Jäger und Sammler-Völker, die teilweise sesshaft waren. Also die Huichol sind Teil dieser Kultur, dieser chichimekischen Kultur, und die ist, sagen wir, dokumentiert schon 2.000 Jahre mindestens.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Ethnologe Johannes Neurath ist Österreicher, lebt und forscht aber seit den frühen 1990er Jahren in Mexiko. Sein Fachgebiet sind die Huichol – auch Wirárika genannt –, die unter anderem in den mexikanischen Bundesstaaten Jalisco, Nayarit und Durango leben. Hier in der Sierra de Catorce sind sie auf Besuch, wenn sie die heilige Region Wirikuta besuchen. Sie sind eines der bekanntesten indigenen Völker Mexikos, unter anderem wegen ihrer farbenfrohen Kunst und der einzigartigen Peyote-Tradition. </p>
<p>Für sie ist der Kaktus ein Wundermittel gegen so gut wie alles: Er wirkt antibakteriell, kann Schmerzen lindern, Entzündungen hemmen und wird in der traditionellen Medizin auch gegen Fieber, Diabetes oder Hautkrankheiten eingesetzt. </p>
<p>Doch seine wichtigste Wirkung entfaltet er auf spiritueller Ebene, denn er gilt als Mittler zwischen Menschen und Göttern.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>03 Zsp. Peyote - JOHANNES NEURATH</p>
<p>Für die Huichol ist der Peyote keine Droge, sondern es ist eine Person. Ja, es ist nicht einfach eine Droge und auch nicht eine Pflanze, sondern es ist ein Mensch, ein Huichol, eine Person.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wer die Weltsicht der Huichol verstehen will, stößt schnell an sprachliche und gedankliche Grenzen. Ein großer Teil ihrer Realität spielt sich in einer Art Traum-Welt ab, gilt aber nicht als weniger real. Die Visionen und die „gewöhnliche“ Realität bedingen sich gegenseitig und sind dabei im stetigen Wandel.</p>
<p>Nach dem Verständnis der Huichol ist alles beseelt. Die Sonne ist der Vater, das Meer ist die Mutter, das Feuer der Großvater. Und der Peyote? Der hat bei den Huichol den Namen „Hikuri“ und ist sowas wie ein älterer Bruder oder ein Lehrer. Auf jeden Fall hat er einen eigenen Willen und ist essenziell für die Ordnung der Welt. </p>
<p>Bei den in der Trockenzeit stattfindenden Peyote-Zeremonien öffnet er die Sinne, damit man die Traumwelt betreten kann. Was in den Peyote-Visionen geschieht, wird nicht interpretiert, sondern bewusst gesteuert.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>04 Zsp. Peyote - JOHANNES NEURATH</p>
<p>Das richtige Träumen ist nicht so, wo man einfach schläft und unbewusst irgendwelche Sachen sieht – sondern, dass man wirklich lernt, die Träume zu steuern. Also Sachen absichtlich zu machen, während man träumt.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>Musik 3: Musique pour...Peyotl aus: Musiques Mexicaines </p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gelernt hat er das durch Zuschauen und Teilnehmen. Erklärungen gab es nicht, sagt er. Und berichtet, wie so ein Fest abläuft: </p>
<p>Die Peyote-Zeremonien finden in den Bergdörfern der Gemeinden statt, auch im Wald oder auf alten Plätzen vor präkolumbianischen Tempelanlagen. Männer, Frauen und Kinder nehmen teil. Sie tragen traditionelle weiße Kleidung mit bunten Stickereien, die Männer außerdem farbenfrohe, mit Federn verzierte Hüte. Alle haben vorher gefastet und einige Tage wenig geschlafen – so können sie leichter in die Traum-Welt abtauchen. </p>
<p>Übergang in Musik 4: Trommeln </p>
<p>Die Erschöpfung merkt kaum einer, denn fast jeder hier konsumiert Peyote. Das darin enthaltende Meskalin hat neben einer halluzinogenen auch eine aufputschende Wirkung. Die Musik ist monoton, fast tranceartig, manchmal nur von Trommeln oder einer Rassel begleitet. Dazu wird tagelang getanzt. Irgendwann verschwimmen die Grenzen zwischen Körper, Pflanze und Welt. Und genau das ist das Ziel.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>05 Zsp. Peyote -JOHANNES NEURATH </p>
<p>Die richtige Zugangsart ist, sich in den Peyote zu verwandeln – also selbst Peyote zu werden. Deswegen haben sie diese Hüte mit den Federn, denn das sind die Blüten. Die ziehen sich sozusagen wie Peyote an. Sie kleiden sich wie Peyote und sehen dadurch auch wie Peyote. Und dadurch werden sie dann auch gesehen wie Peyote. </p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was in den Peyote-Träumen passiert, beschreibt Neurath als eine Art Begegnung mit Ahnengöttern oder göttlichen Tierwesen. Dabei wird hart verhandelt.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>06 Zsp. Peyote - JOHANNES NEURATH </p>
<p>Man verhandelt mit den Hirschen, dass sie sich jagen lassen, oder man verhandelt mit anderen Göttern – also es sind so Ahnengottheiten – dass man Kinder bekommt, zum Beispiel, oder dass man gesund wird. Dass sie einen in Ruhe lassen, dass sie einem nicht Krankheiten schicken. Diese ganzen Sachen, die man träumt, sind im Prinzip gefährlich, weil einen die Leute in den Träumen attackieren. Man muss lernen, da richtig zu antworten und das zu kontrollieren das Gespräch ... denen irgendwie Informationen zu entlocken. Aber nicht das zu machen, was sie wollen. Der Schamanismus ist eine Technik, wo man sozusagen von diesen Wesen, die einem in Visionen erscheinen und in den Träumen, dass man von denen was bekommt.“</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schamanismus wird in verschiedenen Formen von Völkern weltweit praktiziert. Schamanen vermitteln dabei zwischen der physischen Welt </p>
<p>und der Geisterwelt. Bei den Huichol heißt der spirituelle Führer Marakame. Er führt durch die Rituale, bringt Opfergaben dar und er tritt </p>
<p>mit den Göttern in Verbindung. Denn die kommen nach dem Glauben der Huichol nicht von allein – sie müssen überredet werden. </p>

<p>07 Zsp. Peyote - JOHANNES NEURATH</p>
<p>Wenn das Fest nicht unterhaltsam ist, dann kommt die Gottheiten einfach nicht. Der Schamane besucht den Gott an seinem Wohnort. Und der Gott sagt: Na, ich bin verkatert, ich war schon gestern auf einem Fest, jetzt will ich wirklich nicht. Also muss man ihn überreden, dass er überhaupt einmal aufsteht und sich anzieht und seine Sachen zusammensucht. Weil, die sind ja ständig auf den Partys die Götter. </p>
<p><br/> </p>
<p>Musik 5: Musique pour...Peyotl aus: Musiques Mexicaines </p>
<p><br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein wichtiger Teil der Feste sind die Gesänge des Marakame unter anderem über die Schöpfung der Welt. Einige dieser Erzählungen sind wiederkehrend, andere ändern sich ständig – so wie aus Sicht der Huichol auch die gesamte Weltordnung. Die Welt und auch die Götter selbst existieren nicht einfach so, sondern sie entstehen durch diese Rituale. Wenn die Rituale aufhören, hört auch die Welt auf zu existieren. </p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>08 Zsp. Peyote - JOHANNES NEURATH</p>
<p>Und die ganzen ökologischen Krisen der Gegenwart – die werden </p>
<p>interpretiert in dem Sinne, dass die Huichol die Rituale nicht mehr gut genug machen. Deswegen gibt’s eine Bewegung bei den Huichol, das wieder intensiver zu betreiben. In dieser Dynamik werden auch nicht-indigene Leute einbezogen. (…) Weil es geht darum: die Welt neu zu erschaffen. Die Götter sind müde. Die Leute sind faul geworden. Deswegen gibt’s nicht mehr genug Regen. Deswegen gibt’s den Klimawandel. Weil es einfach nicht mehr so funktioniert wie früher. Und deswegen wird das jetzt intensiviert.</p>
<p><br/> </p>
<p>Musik 6: Yaqui Village </p>
<p><br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Neben den Huichol konsumieren noch andere indigene Völker den Peyote im rituellen Kontext: In Mexiko zum Beispiel die Cora und die Tarahumara – jeweils mit formell ähnlichen Ritualen, die sich in der Auslegung aber unterscheiden, etwa als spezielle Heilungszeremonien. In den USA ist der Konsum nur innerhalb der Native American Church erlaubt – einer religiösen Bewegung mit über 250.000 Mitgliedern aus verschiedenen indigenen Stämmen. Sie entstand aus der Verbindung traditioneller indigener Spiritualität mit christlichen Elementen.</p>
<p>Außerhalb solcher geschützten Kontexte bleibt der Konsum verboten – und doch wächst die Zahl der Peyote-Touristen auf der Suche nach einem psychedelischen Abenteuer. Los ging es in den 1960er Jahren, als immer mehr Menschen im Westen begannen, mit halluzinogenen Substanzen zu experimentieren. </p>
<p>Dabei ist der Konsum alles andere als ungefährlich.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>09 Zsp. Peyote - JOHANNES NEURATH</p>
<p>Also es gibt Leute, die sollten das wirklich nicht so verwenden solche Drogen. Und es gibt auch bei den Huichol große Probleme mit Leuten die Peyote eigentlich nicht verwenden sollten. Und die irgendwie verrückt werden oder Panikattacken haben und so. Selbstmord ist relativ häufig auch durch schlechte Peyote-Erfahrungen bei den Huichol.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der im Peyote enthaltene Wirkstoff Mescalin kann bis zu zwölf Stunden lang intensive Veränderungen im Bewusstsein auslösen.</p>
<p>Matthias Liechti ist klinischer Pharmakologe am Universitätsspital Basel und leitet eine der wenigen Forschungsgruppen weltweit, die kontrolliert mit psychedelischen Substanzen arbeiten. Er untersucht sei Jahren, wie LSD, Psilocybin, DMT und auch Mescalin auf das menschliche Bewusstsein wirken.</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>10 Zsp. Peyote - MATTHIAS LIECHTI</p>
<p>Diese Psychedelika sind, anders als Stimulanzien nicht eben einfach antreibend, sondern lösen eine Veränderung des Bewusstseinszustands aus, die tiefgreifend ist, die von dem Probanden oder den Leuten, die das Mal gemacht haben, als eine extreme Veränderung bezeichnet wird. Also auch sehr erlebnisreich, ein Live-Event, quasi wie andere wichtige Dinge, die sie in ihrem Leben erlebt haben, wie der erste Freund, die erste Freundin, Kinder haben, Gebären, solche Dinge. Also wirklich </p>
<p>etwas sehr Prägendes kann so ein psychedelisches Erlebnis sein und man hat zum Beispiel ein körperloses Erleben oder eine sogenannte Ich-Auflösung, also dass man das Gefühl hat, man sei gar nicht mehr da.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Erfahrungen werden oft als transformativ beschrieben – das weckt Hoffnung auf ein therapeutisches Potential. Die Erforschung psychedelischer Therapien hat in den letzten Jahren weltweit an Fahrt aufgenommen. Die Schweiz und die USA sind dabei Vorreiter. In Studien wurden vor allem therapieresistente psychische Erkrankungen erfolgreich behandelt, etwa schwere Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörungen oder Angststörungen, aber beispielsweise auch schwere Kopfschmerzen und Suchterkrankungen wie Alkoholismus.</p>
<p><br/> </p>
<p>11 Zsp. Peyote - MATTHIAS LIECHTI</p>
<p>Untersucht werden aber vor allem Psilocybin und LSD. Meskalin gibt es eigentlich keine Untersuchungen zurzeit bei Patienten, obwohl die Substanz, sage ich mal hier ähnlich sein würde. Wahrscheinlich eigentlich grundsätzlich vergleichbar, möglicherweise auch wirksam, aber das wird tatsächlich nicht erforscht zurzeit.</p>
<p><br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Liechti startet demnächst seine dritte Meskalin-Studie mit gesunden Freiwilligen. </p>
<p>Im Rahmen eines kontrollierten klinischen Versuchs erhalten die Teilnehmer synthetisches Meskalin in individuell angepasster Dosierung. Laut Liechti stuften bisher alle Probanden das psychedelische Erlebnis im Nachhinein als bereichernd ein – etwa ein Drittel empfand den sogenannten ‚Trip‘ währenddessen jedoch auch als bedrohlich.</p>

<p>12 Zsp. Peyote - MATTHIAS LIECHTI</p>
<p>Also die können auch psychisch ziemlich belastet sein. Und es kann auch sein, dass jemand danach eine depressive Episode entwickelt. Also es ist psychisch sehr stark und kann negative Effekte haben.</p>
<p><br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bisher hatte keiner der Teilnehmer schwere Nebenwirkungen, wie etwa eine Psychose. Das liegt auch an der strengen Vorauswahl – Schizophrenie oder leichte Psychosen in der Familie sind Ausschlusskriterien. Das reduziert das Risiko. Begleitet wird die Studie von Ärzten und Therapeuten, die im Extremfall sogar ein Mittel parat haben, um einen Trip zu stoppen. </p>
<p><br/> <br/> </p>
<p>13 Zsp. Peyote - MATTHIAS LIECHTI</p>
<p>Man wird immer betreut. Und wenn dann nachher Probleme entstehen, gibt es auch ein Psychiater oder ein Psychologe, mit dem man das wieder besprechen kann oder im Extremfall würde die Studienversicherung auch eine Nachbehandlung abdecken, wenn das nötig wäre.</p>
<p><br/> </p>
<p>Musik 7: Get out</p>
<p><br/> </p>
<p>SPRECHERIN</p>

<p>Beim rituellen oder illegalen privaten Konsum fehlen die strenge Vorauswahl und individuelle Betreuung. Die Substanz kommt aus dem Naturprodukt und ist schwieriger zu dosieren. Außerdem hat die Pflanze weitere Inhaltsstoffe, die zu Nebenwirkungen führen können. Durch all das ist die Wirkung weniger kontrollierbar und kann gefährlich sein.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Last der Erstgeborenen -  Von Anfang an besonders?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-last-der-erstgeborenen-von-anfang-an-besonders/2109647</link>
      <pubDate>Fri, 19 Sep 2025 16:13:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0ed47ab2-7967-43bd-856a-cbcfd759efb0</guid>
      <description>Erstgeborene Kinder haben naturgemäß eine Sonderstellung in der Familie. Ihnen gehört die volle Aufmerksamkeit der Eltern - bis ein Geschwister kommt. Oft werden Erstgeborenen deswegen spezifische Charaktereigenschaften unterstellt, zum Beispiel Verantwortungsbewußtsein, Ernst und Autorität. Aber ist da wirklich etwas dran? Und wie kann man umgehen mit den gemischten Gefühlen von Erstgeborenen, wenn sie Geschwister bekommen? (BR2025) </description>
      <enclosure length="19133184" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109647/c/feed/die-last-der-erstgeborenen-von-anfang-an-besonders.mp3"/>
      <itunes:duration>00:19:55</itunes:duration>
      <itunes:author>Kittliz, Valerie</itunes:author>
      <itunes:summary>Erstgeborene Kinder haben naturgemäß eine Sonderstellung in der Familie. Ihnen gehört die volle Aufmerksamkeit der Eltern - bis ein Geschwister kommt. Oft werden Erstgeborenen deswegen spezifische Charaktereigenschaften unterstellt, zum Beispiel Verantwortungsbewußtsein, Ernst und Autorität. Aber ist da wirklich etwas dran? Und wie kann man umgehen mit den gemischten Gefühlen von Erstgeborenen, wenn sie Geschwister bekommen? (BR2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/938e109c-59be-4d15-b6bf-094d3a59d9e4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Erstgeborene Kinder haben naturgemäß eine Sonderstellung in der Familie. Ihnen gehört die volle Aufmerksamkeit der Eltern - bis ein Geschwister kommt. Oft werden Erstgeborenen deswegen spezifische Charaktereigenschaften unterstellt, zum Beispiel Verantwortungsbewußtsein, Ernst und Autorität. Aber ist da wirklich etwas dran? Und wie kann man umgehen mit den gemischten Gefühlen von Erstgeborenen, wenn sie Geschwister bekommen? (BR2025) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Valerie von Kittlitz<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Franziska Ball, Christian Baumann, Rainer Schaller<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>Inés Brock-Harder, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin</li>
<li>Wolfgang Schmidbauer, Psychoanalytiker</li>
<li>O-Töne Anna/ Johanna </li>
</ul>
<br/>
<br/>

<p>Literatur (Beispiele): <em></em></p>
<p>-       Wolfgang Schmidbauer: „Die Erstgeborenen. Wie sie ihre Kindheit den Geschwistern opfern”, Verlag Bonifatius 2024 </p>
<p>-       Inés Brock-Harder: “Geschwister verstehen,“ Ernst Reinhardt Verlag 2020</p>



<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Psychologie:</p>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansukripte-last-der-erstgeborenen-zweitgeborene-eltern-geschwister-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vor einer Weile ist Anna zum zweiten Mal Mutter geworden. Ihre Tochter hat nun ein Geschwisterchen, und ist damit zur Erstgeborenen geworden. Eine Erfahrung, die Anna kennt. </p>

<p>O-Ton 1_ Anna</p>
<p>Also ich bin ja auch Erstgeborene, Stefan ist auch Erstgeborener, und wir unterhalten uns häufig über unsere Rollen als Erstgeborene. Wir haben das Gefühl, dass wir sehr viel mehr Verantwortung übernehmen, für uns, für andere, sehr viel mehr planen und vorrausschauen als unsere wirklich kleineren Geschwister, also die Letztgeborenen. </p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Anna nimmt sich selbst als verantwortungsbewusst wahr und gut organisiert. Charakteristika, die Erstgeborenen häufig zugesprochen werden.</p>

<p>STIMMEN AUS DEM OFF</p>
<p>Fürsorglich – gute Führungskräfte – gewissenhaft – fleißig – zielstrebig – gesetzestreu – Tendenz konservativ…</p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Zahlreiche Artikel beschäftigen sich mit der Rolle Erstgeborener in der Geschwisterreihe - Denn schließlich gibt es gewisse unvermeidbare Muster, die zum Status der Erstgeborenen dazu gehören.</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Zum Beispiel, dass Erstgeborene Einzelkinder sind – bis sie ein Geschwister bekommen. Sie genießen anfänglich die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Spielen, Vorlesen – all das passiert, ohne Mutter und Vater mit einem Geschwister teilen zu müssen. In der Regel sind Erwachsene ihre ersten Bezugspersonen, vor allem, wenn sie im klassischen Vater-Mutter-Kind Dreieck aufwachsen, vielleicht noch mit Großeltern in der Nähe. Regelmäßiges Spiel mit anderen Kindern erleben viele oft erst mit dem Eintritt in Krippe oder Kita. </p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und für die Eltern von Erstgeborenen? Auch hier gibt es ein typisches Muster. Mit großer Fürsorge wird sich auf die Geburt vorbereitet. Nach bestem Wissen versuchen die Eltern, das Neugeborene zu lesen. Eine existentielle Situation. Ein kleines Wesen, das voll auf einen angewiesen ist. Schlaflose Nächte und Müdigkeit sind vorprogrammiert, Glückshormone und Stress wechseln sich ab. Alles erlebt man zum ersten Mal. Viele junge Eltern kennen die Sorge, alles richtig machen zu wollen. Mit dem zweiten Kind ist mehr Erfahrung da – und damit auch mehr Gelassenheit. </p>

<p>O-Ton 2_ Anna</p>
<p>Da bin ich schon ein bisschen lockerer geworden mit allem. Nicht der Fürsorge, die ist genauso groß, aber mit den Ängsten würde ich vielleicht sagen, bin ich entspannter.</p>

<p>MUSIK m02 (1:44 Min, C1547170128, Cello China flow Bachmeier, Christof)</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Kulturhistorisch betrachtet genießen Erstgeborene in jedem Fall seit langem eine Sonderrolle. Vor allem erstgeborene Söhne. Sie wurden in Religion, Kultur und Politik lange bevorzugt, und werden es zum Teil bis heute. Lange fiel dem ältesten Sohn einer Dynastie alleinig das gesamte Erbe zu – nach der sogenannten Primogenitur. Ein Recht, das man in China schon im ersten Jahrtausend vor Christus kannte. Der älteste Sohn war der Stammhalter, der Garant für das Bestehen einer Familienlinie. Die Primogenitur sicherte ihm die ungeteilte Macht über Besitz und Untertanen. Zweitgeborene hatten das Nachsehen. Bis heute heißt der Thronfolger in Großbritannien heir, also Erbe, während der Zweitgeborene spare genannt wird – locker übersetzt: Ersatzteil.</p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Sonderstatus von Erstgeborenen. Auch ohne feudale Strukturen gilt bis heute, dass erste Kinder im Grunde genommen für einen ganz großen Gedanken stehen: Für das Überleben der Menschheit. Ohne Kinder keine Nachfolge, kein Fortbestehen. Erstgeborene symbolisieren das Leben an sich mit seinen Zyklen von Tod und Geburt. Das klingt vielleicht ein bisschen pathetisch. Und dennoch ist die Ankunft eines ersten Kindes ein Ereignis, das auch heute gefeiert und mit Geschenken gewürdigt wird. Weil diese Geburt den Beginn neuen Lebens markiert. Und einen neuen Abschnitt.</p>

<p>[Ende Einleitung. Optional für die Regie: Atmo_Spielplatz]</p>

<p>O-Ton 3_ Inés Brock- Harder</p>
<p>Das besondere an Erstgeborenen ist ja, dass sie ihre Eltern zu Eltern machen. Sie leiten den ganz wichtigen Identitätswechsel von der Frau zur Mutter, vom Mann zum Vater ein, und natürlich vom Paar zur Elternschaft.</p>

<p>SPRECHER: </p>
<p>Die Psychotherapeutin und Hochschullehrerin Dr. Inés Brock-Harder sagt, dass das erste Kind für Eltern einen enormen Lernprozess in Gang setzt. Eine Erfahrung, die sie nachhaltig prägt. Mit dem zweiten Kind geht der Lernprozess dann weiter. Dass sich Eltern dabei darum bemühen, kein Kind zu bevorzugen, ist für die Erstgeborenen wichtig, sagt die Psychotherapeutin.</p>

<p>O-Ton 4_ Inés Brock- Harder</p>
<p>Wenn es eine gewisse Art von Zurückstellung in der Geschwisterreihe gibt, dann führt das zu Konflikten. Erstens richten die sich oft gegen die jüngeren Geschwister im Sinne von nicht nur normaler Rivalität, sondern auch Aggressionen, Ausgrenzung, und auch bis zu Misshandlungen, weil eben die Kinder dann ihre Aggressionen nicht gegen die allmächtigen großen Eltern richten, sondern gegen die möglicherweise bevorzugten jüngeren Geschwister, und in solchen Fällen haben wir es dann tatsächlich mit so einem Kampfmodus, einem psychischen inneren Kampfmodus zu tun, seinen Platz in der Familie zurückzuerobern.</p>

<p>MUSIK m03 (5:54, Late Anthropocene, Brian Eno)</p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Wenn ein Geschwister geboren wird, kann das zum Balanceakt für die ganze Familie werden. Aus einem Dreieck wird ein Viereck – oder sogar: Vieleck. Das Gleichgewicht muss immer wieder neu gefunden werden. Und wenn das nicht gelingt? Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer hat darüber ein sehr persönliches Buch geschrieben: “Die Erstgeborenen. Wie sie ihre Kindheit den Geschwistern opfern.“ Auslöser war der Tod seines älteren Bruders. Ernst und Wolfgang Schmidbauer wurden in relativ dichter Abfolge nacheinander geboren. Der Altersunterschied spielt bei der Ankunft eines Geschwisters eine wichtige Rolle, betont der Psychoanalytiker. Je größer der Abstand, desto eher besitzt das Erstgeborene die Fähigkeit, seine Gefühle einzuordnen oder zu artikulieren. </p>

<p>O-Ton 5_ Schmidbauer</p>
<p>Je geringer der Abstand, desto stressiger ist die ganze Situation, und wenn das wie bei mir und meinem Bruder zwei Jahre Abstand ist, dann ist natürlich eine sehr ausgeprägte Konkurrenz da, und eine Asymmetrie, die grad für den Erstgeborenen sehr schwer zu verarbeiten ist.</p>

<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Zwei Brüder. Zu Lebzeiten waren sich Wolfgang Schmidbauer und sein Bruder Ernst eher fremd. Ganz unterschiedlich war ihr Charakter. Nach Ernst’ Tod begann der Psychoanalytiker, sich in seinen älteren Bruder hineinzuversetzen. Beim Aufräumen in seinem Haus fand er ein Fotoalbum. Ein Bild zeigte einen blondgelockten, niedlichen Jungen. Wolfgang Schmidbauer meinte zuerst, sich selbst zu erkennen. Denn er hatte ein ähnliches Album daheim, das mit seiner eigenen Geburt begann. Auf den Fotos darin war er blondgelockt und niedlich, während der große Bruder kurze Haare hatte und ernst dreinblickte. Erstaunt stellte Wolfgang Schmidbauer dann fest, dass das Kind in dem anderen Album der Bruder war – eben vor seiner Ankunft. Auch Ernst war einmal fröhlich, blondgelockt und niedlich gewesen. Schmidbauer begann nachzudenken. Was hatte seine eigene Geburt mit Ernst gemacht? War er in unfreiwillig in eine Rolle gedrängt worden? Der Psychoanalytiker begann, seinen älteren Bruder mit Patientinnen und Patienten zu vergleichen, die ebenfalls Erstgeborene waren. Und erkannte ein Muster: Viele hatten die Ankunft des Geschwisters als herben Schlag und große Aufgabe erlebt. </p>

<p>O-Ton 6_ Schmidbauer</p>
<p>Ich glaube es ist wirklich eine herausgehobene, aber auch eine besonders schwierige Rolle. Das Erstgeborene, das ist ja für die Familie ein Triumph. Und natürlich ist seine Majestät, das Baby, ist erstmal sehr verehrt, und es ist dann schon etwas Singuläres, dass auf einmal das zweite Baby auf dem Thron sitzt… (Stimme bleibt oben)</p>

<p>SPRECHERIN: </p>
<p>… und das Erstgeborene Kind entthront. Dieses Bild von Thron und Entthronung, das Schmidbauer hier aufgreift, geht auf den österreichischen Arzt und Psychotherapeuten Alfred Adler zurück. Adler war ein Schüler Sigmund Freuds. Er gilt als Gründer der sogenannten Individualpsychologie und entwickelte vor über hundert Jahren die Theorie vom “Trauma der Entthronung“. Dabei entwarf er eine Typologie von jüngsten, mittleren und ältesten Kindern, und schrieb ihnen jeweils bestimmte Eigenschaften zu. </p>

<p>Zitator ADLER: </p>
<p> Ich habe fast regelmäßig erfahren, dass der Erstgeborene in seiner Haltung ein konservatives Element aufweist. Er rechnet mit der Stärke, paktiert mit der Macht, und zeigt eine gewisse Verträglichkeit. </p>

<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Erstgeborene fühlen sich nach Adler durch die Geburt des Geschwisterkindes entmachtet und sehnen sich nach der ungeteilten Aufmerksamkeit, die die Mutter ihnen anfangs schenken konnte. Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer führt den Gedanken weiter: Die Folge der Entthronung sei ein großer Zorn auf die Mutter. Zunächst sei der Erstgeborene unbewusst ärgerlich auf sie, weil sie ihm ein Geschwister vor die Nase gesetzt hat. </p>

<p>O-Ton 7_ Schmidbauer</p>
<p>Gleichzeitig ist er natürlich auch auf die Mutterliebe angewiesen, und deshalb muss er halt diesen Ärger unterdrücken und wehrt ihn dann eben dadurch ab, dass er oder auch sie dann eigentlich zu Gehilfen der Mutter </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zivilcourage - Der Mut des Bürgers</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zivilcourage-der-mut-des-buergers/32174</link>
      <pubDate>Fri, 19 Sep 2025 05:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">231018_0930_Radiowissen_Zivilcourage---Der-Mut-des-Buergers.mp3</guid>
      <description>Zivilcourage - klingt gut, fällt aber vielen nicht leicht. Es kostet Überwindung, ohne Rücksicht auf eigene Nachteile für andere und deren Unversehrtheit einzutreten. Dabei ist das Plädoyer danach ziemlich alt. (BR 2017) 
Autorin: Daniela Remus</description>
      <enclosure length="21190992" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/32174/c/feed/zivilcourage-der-mut-des-buergers.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:04</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Zivilcourage - klingt gut, fällt aber vielen nicht leicht. Es kostet Überwindung, ohne Rücksicht auf eigene Nachteile für andere und deren Unversehrtheit einzutreten. Dabei ist das Plädoyer danach ziemlich alt. (BR 2017) 
Autorin: Daniela Remus</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f8ff7af6-e0da-4419-bd22-f7412b85b1d1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zivilcourage - klingt gut, fällt aber vielen nicht leicht. Es kostet Überwindung, ohne Rücksicht auf eigene Nachteile für andere und deren Unversehrtheit einzutreten. Dabei ist das Plädoyer danach ziemlich alt. (BR 2017) 
Autorin: Daniela Remus</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Daniela Remus<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Hemma Michel, Jerzy May, Silke v. Walkhoff<br/>Technik: Cordula Wanschura<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Simone Dietz, Philosophin,  Düsseldorf;<br/>Prof. Gerd Meyer, Historiker, Tübingen;<br/>Prof. Michael Wolffsohn, Historiker, München;<br/>PD, Nils Zurawski, Kriminologe Hamburg</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Retterinnen ohne Ruhm - Zivilcourage im Nationalsozialismus<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/retterinnen-ohne-ruhm-zivilcourage-im-nationalsozialismus/bayern-2/78758144/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Der Zuschauer-Effekt - Warum wir oft gaffen, aber nicht helfen<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-zuschauer-effekt-warum-wir-oft-gaffen-aber-nicht-helfen/bayern-2/86374256/"><strong>JETZT ANHÖREN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/">WIE WIR TICKEN - EUER PSYCHOLOGIE-PODCAST</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskripte-radiowissen-zivilcourage-100.html">HIER</a></strong>.</p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Leo von Klenze - Der Mann, der Münchens Bild prägte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/leo-von-klenze-der-mann-der-muenchens-bild-praegte/33701</link>
      <pubDate>Fri, 19 Sep 2025 03:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">250919_0905_Radiowissen_Leo-von-Klenze---Der-Mann-der-Muenchens-Bil.mp3</guid>
      <description>Er hat das Stadtbild Münchens geprägt wie kein Zweiter: Leo von Klenze. Er war der Star unter den Architekten seiner Zeit, getrieben vom Traum einer modernen Wiedergeburt griechischer Kunst. Autorin: Brigitte Kohn (BR 2013)</description>
      <enclosure length="21485568" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/33701/c/feed/leo-von-klenze-der-mann-der-muenchens-bild-praegte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:22</itunes:duration>
      <itunes:author>Kohn, Brigitte</itunes:author>
      <itunes:summary>Er hat das Stadtbild Münchens geprägt wie kein Zweiter: Leo von Klenze. Er war der Star unter den Architekten seiner Zeit, getrieben vom Traum einer modernen Wiedergeburt griechischer Kunst. Autorin: Brigitte Kohn (BR 2013)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9a54a07c-bdf6-4770-b053-538c6cc8d39a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Er hat das Stadtbild Münchens geprägt wie kein Zweiter: Leo von Klenze. Er war der Star unter den Architekten seiner Zeit, getrieben vom Traum einer modernen Wiedergeburt griechischer Kunst. Autorin: Brigitte Kohn (BR 2013)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p><strong>Autor/in dieser Folge: Brigitte Kohn</strong></p>
<p><strong>Regie: Eva Demmelhuber</strong></p>
<p><strong>Redaktion: Brigitte Reimer</strong></p>
<p> <br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>

<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/><a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskirpte-leo-von-klenze-mann-der-muenchens-bild-praegte-architektur-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Embodiment - Welchen Einfluss hat der Körper auf Psyche und Denken?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/embodiment-welchen-einfluss-hat-der-koerper-auf-psyche-und-denken-1/2096684</link>
      <pubDate>Fri, 19 Sep 2025 02:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">01704628-010f-4c28-9a05-af57225d4641</guid>
      <description>Sich aufrecht hinzustellen und sich groß zu machen verbessert unser Selbstbewusstsein - das behaupten Studien in der Psychologie, die sich auf die Embodiment-Theorie stützen. Aber stimmt das überhaupt? Wie viel Einfluss hat der Körper wirklich auf Denken und Psyche? Autorin: Rebecca Ricker (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22138752" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096684/c/feed/embodiment-welchen-einfluss-hat-der-koerper-auf-psyche-und-denken-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Rebecca Ricker</itunes:author>
      <itunes:summary>Sich aufrecht hinzustellen und sich groß zu machen verbessert unser Selbstbewusstsein - das behaupten Studien in der Psychologie, die sich auf die Embodiment-Theorie stützen. Aber stimmt das überhaupt? Wie viel Einfluss hat der Körper wirklich auf Denken und Psyche? Autorin: Rebecca Ricker (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/627d0bce-aeee-4d4c-a0b6-1f3a7f546225.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sich aufrecht hinzustellen und sich groß zu machen verbessert unser Selbstbewusstsein - das behaupten Studien in der Psychologie, die sich auf die Embodiment-Theorie stützen. Aber stimmt das überhaupt? Wie viel Einfluss hat der Körper wirklich auf Denken und Psyche? Autorin: Rebecca Ricker (BR 2024)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Rebecca Ricker<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Xenia Tiling, Johannes Hitzelberger<br/>Technik: Simon Lobenhofer<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Thomas Fuchs, Universität Heidelberg<br/>Prof. Lena Kästner, Universität Bayreuth<br/>Dr. Robert Körner, Universität Bamberg</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></strong>
 
<strong>Stufen des Bewusstseins - Trance, Meditation, Schlaf, Hypnose <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/stufen-des-bewusstseins-trance-meditation-schlaf-hypnose/bayern-2/92477030/">HIER</a></strong>
 
<strong>Psychosomatik - Krankheit als Sprache der Seele<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/psychosomatik-krankheit-als-sprache-der-seele/bayern-2/78758112/"> HIER</a></strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>mdr wissen Artikel: ein Update zur Eplikationskrise <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.mdr.de/wissen/news/replikation-krise-psychologie-studien-100.html">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Thomas Fuchs: Verteidigung des Menschen - Grundfragen einer verkörperten Anthropologie: Fuchs hat das Buch als Antwort auf die Bedrohung des Menschenbildes durch Künstliche Intelligenz geschrieben. Er glaubt, was uns ausmacht und von Maschinen unterscheidet, ist, dass wir Lebewesen mit Körper sind. </p>

<p>George Lakoff und Mark Johnson: Metaphors We Live By: Ein radikaler Ansatz zum Thema Embodiment, der annimmt, selbst unsere Sprache ist verkörpert. Der Ansatz war prägend für das Thema „Framing“, was heute in politischem Aktivismus eine große Rolle spielt. </p>

<p>Francisco J. Varela, Evan Thompson und Eleanor Rosch -The Embodied Mind: Cognitive Science and Human Experience: Ein Standdardwerk zu Embodiment, das Verbindungen zwischen Kognitionswissenschaften, Buddhistischer Meditation, Philosophie und Psychologie zieht. </p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-mit-dem-koerper-denken-embodiment-konzept-replikationskrise-ki-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wetterballons - Datenspione des Himmels</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wetterballons-datenspione-des-himmels/2084046</link>
      <pubDate>Thu, 18 Sep 2025 03:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e3cd8a8e-485e-4c44-8c0d-58e7ad0787c1</guid>
      <description>Mit unbemannten Ballonen spionieren Wetterforscher die Atmosphäre aus. Die so gewonnenen Daten werden für präzisere Wettervorhersagen genutzt. Bis heute sind die Wetterballone unersetzlich. Welche Geheimnisse entlocken sie der Atmosphäre? Und: Können Sie auch für andere Zwecke missbraucht werden? 
Autorin: Roana Brogsitter (BR 2023)  </description>
      <enclosure length="22292352" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2084046/c/feed/wetterballons-datenspione-des-himmels.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit unbemannten Ballonen spionieren Wetterforscher die Atmosphäre aus. Die so gewonnenen Daten werden für präzisere Wettervorhersagen genutzt. Bis heute sind die Wetterballone unersetzlich. Welche Geheimnisse entlocken sie der Atmosphäre? Und: Können Sie auch für andere Zwecke missbraucht werden? 
Autorin: Roana Brogsitter (BR 2023)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3350856b-9c09-4555-8555-246ef9b705ec.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit unbemannten Ballonen spionieren Wetterforscher die Atmosphäre aus. Die so gewonnenen Daten werden für präzisere Wettervorhersagen genutzt. Bis heute sind die Wetterballone unersetzlich. Welche Geheimnisse entlocken sie der Atmosphäre? Und: Können Sie auch für andere Zwecke missbraucht werden? 
Autorin: Roana Brogsitter (BR 2023)  </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Roana Brogsitter    <br/>Regie: Martin Trauner <br/>Es sprachen: Hans Jürgen Stockerl, Rahel Comtesse<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>-      Prof. Dr. Cornelia Lüdecke, Meteorologin und Wissenschaftshistorikerin</p>
<p>-      Gertrud Nöth, Sprecherin Deutscher Wetterdienst DWD</p>
<p>-      Markus Garhammer, Meteorologe Ludwig-Maximilians-Universität München</p>
<p><br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/blitze-extrem-und-zunehmend-gefaehrlich/1818984">Blitze - Extrem und zunehmend gefährlich</a></strong></p>
<p><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/el-nino-und-la-nina-wie-sie-das-weltwetter-aufmischen/bayern-2/12655543/">El Niño und la Niña - Wie sie das Weltwetter aufmischen </a></strong></p>
<p><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:7f836e8c58922bd0/">Der Golfstrom - Kreislauf mit vielen Unbekannten </a></strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:cdce349ae67e290e/"><strong>Klimaforschung - Eine lange Geschichte!</strong></a></p>

<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimaforschung-eine-lange-geschichte/bayern-2/90472466/"><strong>Linktipps:</strong></a></p>
<p><a href="https://s1.radiosondy.info/">https://s1.radiosondy.info/</a></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.dwd.de/DE/leistungen/rasomon/rasomon.html">https://www.dwd.de/DE/leistungen/rasomon/rasomon.html</a></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/6/29.html">https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/6/29.html</a></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv3=102176&amp;lv2=102134">https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv3=102176&amp;lv2=102134</a></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.dwd.de/DE/leistungen/rasomon/sonde_zurück.html;jsessionid=6EE8EA8395684E9A83E6170476000B7E.live31091?nn=16102&amp;lsbId=640786">https://www.dwd.de/DE/leistungen/rasomon/sonde_zur%C3%BCck.html;jsessionid=6EE8EA8395684E9A83E6170476000B7E.live31091?nn=16102&amp;lsbId=640786</a></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.dwd.de/DE/leistungen/hobbymet_hw_europa/hobbyhoehenwettereuropa.html;jsessionid=6EE8EA8395684E9A83E6170476000B7E.live31091?nn=16102">https://www.dwd.de/DE/leistungen/hobbymet_hw_europa/hobbyhoehenwettereuropa.html;jsessionid=6EE8EA8395684E9A83E6170476000B7E.live31091?nn=16102</a></p>

<p><a href="https://www.meteo.physik.uni-muenchen.de/">https://www.meteo.physik.uni-muenchen.de/</a></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.physik.uni-hamburg.de/en/hs/group---other/emeriti/group---wolfschmidt/team-members/luedecke-cornelia.html">https://www.physik.uni-hamburg.de/en/hs/group---other/emeriti/group---wolfschmidt/team-members/luedecke-cornelia.html</a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>KI-Pionier Joseph Weizenbaum - ELIZA und ihre Tücken</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ki-pionier-joseph-weizenbaum-eliza-und-ihre-tuecken/2096596</link>
      <pubDate>Wed, 17 Sep 2025 03:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9f5f404d-3d51-49be-9b64-3d1a8002081b</guid>
      <description>Joseph Weizenbaum war der selbsternannte Ketzer und Dissident der &quot;künstlichen Intelligenz&quot; - die er selbst mitentwickelt hatte. Er hielt Computer für bessere Schreibmaschinen. Sein Programm &quot;ELIZA&quot; aus den 1960er Jahren war der erste &quot;Chatbot&quot;, der mit Menschen sprechen konnte. Und zugleich eine Parodie auf den Fortschrittsglauben. Von Martin Trauner (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21599232" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096596/c/feed/ki-pionier-joseph-weizenbaum-eliza-und-ihre-tuecken.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Trauner</itunes:author>
      <itunes:summary>Joseph Weizenbaum war der selbsternannte Ketzer und Dissident der &quot;künstlichen Intelligenz&quot; - die er selbst mitentwickelt hatte. Er hielt Computer für bessere Schreibmaschinen. Sein Programm &quot;ELIZA&quot; aus den 1960er Jahren war der erste &quot;Chatbot&quot;, der mit Menschen sprechen konnte. Und zugleich eine Parodie auf den Fortschrittsglauben. Von Martin Trauner (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/46735fa5-3958-4bf7-8085-ea83c3948a20.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Joseph Weizenbaum war der selbsternannte Ketzer und Dissident der "künstlichen Intelligenz" - die er selbst mitentwickelt hatte. Er hielt Computer für bessere Schreibmaschinen. Sein Programm "ELIZA" aus den 1960er Jahren war der erste "Chatbot", der mit Menschen sprechen konnte. Und zugleich eine Parodie auf den Fortschrittsglauben. Von Martin Trauner (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor und Regie dieser Folge: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Susanne Schroeder, Burchard Dabinnus<br/>Redaktion: Karin Becker</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Dr. Christian Strippel, Forschungsgruppenleiter am Weizenbaum Institut in Berlin<br/><br/><strong>Literaturtipps:<br/></strong>Joseph Weizenbaum: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft– Suhrkamp 1977<br/>Gunna Wendt: Computermacht und Vernunft: Gespräche und Geschichten. Hommage an Joseph Weizenbaum zu seinem 100. Geburtstag – Limbus Preziosen 2023</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-ki-pionier-joseph-weizenbaum-eliza-und-tuecken-ethik-wissenschaft-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zu Gast bei Radiowissen: Der Gorilla Fritz (3/3) </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zu-gast-bei-radiowissen-der-gorilla-fritz-3-3/1787475</link>
      <pubDate>Tue, 16 Sep 2025 13:22:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5fe9dafd-fd6d-4dfe-b896-a175d84d9cdd</guid>
      <description>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</description>
      <enclosure length="23730048" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1787475/c/feed/zu-gast-bei-radiowissen-der-gorilla-fritz-3-3.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Jenny von Sperber</itunes:author>
      <itunes:summary>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/be20cce2-0bfa-4867-aaa0-140aa2f10e6d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe "Der Gorilla Fritz" 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</p><p>Dieser 3-teilige Podcast erzählt die lange Lebensgeschichte von Gorilla Fritz, der 55 Jahre alt wurde - uralt für einen Menschenaffen. Fritz ist ein Zeitzeuge, der miterlebt hat, wie grundlegend sich die Institution Zoo und unser Umgang mit Wildtieren im letzten halben Jahrhundert verändert hat. Aber es haben nicht nur die Menschen Fritz&#39; Lebensweg bestimmt. Auch Fritz hat viele Menschen geprägt, denen er auf seiner langen Reise begegnet ist.</p>
<p><strong>Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; : </strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477">(1/3): Der Patriarch</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476">(2/3): Familienchronik</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475">(3/3): Der Tag X</a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zu Gast bei Radiowissen: Der Gorilla Fritz (2/3) </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zu-gast-bei-radiowissen-der-gorilla-fritz-2-3/1787476</link>
      <pubDate>Tue, 16 Sep 2025 13:20:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ee66acac-01fb-4f61-883a-7f190b7d7d7e</guid>
      <description>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</description>
      <enclosure length="23968128" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1787476/c/feed/zu-gast-bei-radiowissen-der-gorilla-fritz-2-3.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Jenny von Sperber</itunes:author>
      <itunes:summary>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7803378f-cc1c-490e-96d3-7a1385ccd9e2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe "Der Gorilla Fritz" 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</p><p>Dieser 3-teilige Podcast erzählt die lange Lebensgeschichte von Gorilla Fritz, der 55 Jahre alt wurde - uralt für einen Menschenaffen. Fritz ist ein Zeitzeuge, der miterlebt hat, wie grundlegend sich die Institution Zoo und unser Umgang mit Wildtieren im letzten halben Jahrhundert verändert hat. Aber es haben nicht nur die Menschen Fritz&#39; Lebensweg bestimmt. Auch Fritz hat viele Menschen geprägt, denen er auf seiner langen Reise begegnet ist.</p>
<p><strong>Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; : </strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477">(1/3): Der Patriarch</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476">(2/3): Familienchronik</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475">(3/3): Der Tag X</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zu Gast bei Radiowissen: Der Gorilla Fritz (1/3)</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zu-gast-bei-radiowissen-der-gorilla-fritz-1-3/1787477</link>
      <pubDate>Tue, 16 Sep 2025 13:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">bc1946c9-50f6-4f66-8ec0-0d526471d284</guid>
      <description>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</description>
      <enclosure length="23869440" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1787477/c/feed/zu-gast-bei-radiowissen-der-gorilla-fritz-1-3.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Jenny von Sperber</itunes:author>
      <itunes:summary>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e9867cd6-1b42-4bed-ac11-606769015efb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gorilla Fritz hat schon alles erlebt. Mit 55 Jahren war er der älteste Silberrücken Europas. Er war dabei, als Affen im Zoo noch mit Besteck essen mussten. Er wurde durch Europa gekarrt, um Gorillafrauen zu begatten. Und seine Nachkommen haben Persönlichkeiten wie Michael Jackson und Vitali Klitschko berührt. Das ist die unglaubliche Lebensgeschichte einer faszinierenden Tierpersönlichkeit. 


Hören Sie die ganze Reihe "Der Gorilla Fritz" 

(1/3): Der Patriarch: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477

(2/3): Familienchronik: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476

(3/3): Der Tag X: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475</p><p>Dieser 3-teilige Podcast erzählt die lange Lebensgeschichte von Gorilla Fritz, der 55 Jahre alt wurde - uralt für einen Menschenaffen. Fritz ist ein Zeitzeuge, der miterlebt hat, wie grundlegend sich die Institution Zoo und unser Umgang mit Wildtieren im letzten halben Jahrhundert verändert hat. Aber es haben nicht nur die Menschen Fritz&#39; Lebensweg bestimmt. Auch Fritz hat viele Menschen geprägt, denen er auf seiner langen Reise begegnet ist.</p>
<p><strong>Hören Sie die ganze Reihe &quot;Der Gorilla Fritz&quot; : </strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-1-3/1787477">(1/3): Der Patriarch</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-2-3-familienchronik-1/1787476">(2/3): Familienchronik</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-gorilla-fritz-3-3-der-tag-x-1/1787475">(3/3): Der Tag X</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hannah Arendt - Die Banalität des Bösen </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hannah-arendt-die-banalitaet-des-boesen-1/1262044</link>
      <pubDate>Tue, 16 Sep 2025 12:20:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f12b9af4-ec69-4314-b2c7-ac326be7c17c</guid>
      <description>Was bringt Menschen dazu, Böses zu tun? Aus Sicht von Hannah Arendt braucht es dazu nicht mehr als kollektive Gedankenlosigkeit, jedenfalls in einem Staat, der das Böse zum Ziel erhoben hat. Nichts anderes bedeutet die Banalität des Bösen. (BR 2018)</description>
      <enclosure length="23051520" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1262044/c/feed/hannah-arendt-die-banalitaet-des-boesen-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Fabian Mader</itunes:author>
      <itunes:summary>Was bringt Menschen dazu, Böses zu tun? Aus Sicht von Hannah Arendt braucht es dazu nicht mehr als kollektive Gedankenlosigkeit, jedenfalls in einem Staat, der das Böse zum Ziel erhoben hat. Nichts anderes bedeutet die Banalität des Bösen. (BR 2018)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f69c54fa-de7d-4439-a280-4fb9a21e6b22.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was bringt Menschen dazu, Böses zu tun? Aus Sicht von Hannah Arendt braucht es dazu nicht mehr als kollektive Gedankenlosigkeit, jedenfalls in einem Staat, der das Böse zum Ziel erhoben hat. Nichts anderes bedeutet die Banalität des Bösen. (BR 2018)</p><p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskriptradiowissen-4624.html">HIER</a>. </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Arsen - Eine mörderische Karriere</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/arsen-eine-moerderische-karriere/2097003</link>
      <pubDate>Tue, 16 Sep 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ae60e080-88cc-4091-adf1-424b7ef1c13b</guid>
      <description>Jahrhundertelang war Arsen das beliebteste Mordgift, auch als &quot;Erbschaftspulver&quot; bekannt. Lange Zeit war es kaum nachzuweisen und konnte an fürstlichen Höfen wie im privaten Familienkreis Misstrauen und Schrecken verbreiten. Das toxische Halbmetall hat allerdings auch andere Seiten. Es verlieh Bildern berühmter Maler leuchtende Farben, steckt in Raumschiffen wie Solaranlagen - und kann sogar Krankheiten heilen. Von Lukas Grasberger (BR 2024) </description>
      <enclosure length="22138368" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2097003/c/feed/arsen-eine-moerderische-karriere.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Jahrhundertelang war Arsen das beliebteste Mordgift, auch als &quot;Erbschaftspulver&quot; bekannt. Lange Zeit war es kaum nachzuweisen und konnte an fürstlichen Höfen wie im privaten Familienkreis Misstrauen und Schrecken verbreiten. Das toxische Halbmetall hat allerdings auch andere Seiten. Es verlieh Bildern berühmter Maler leuchtende Farben, steckt in Raumschiffen wie Solaranlagen - und kann sogar Krankheiten heilen. Von Lukas Grasberger (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/dfd05601-700c-4640-94f4-e292311aef5c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Jahrhundertelang war Arsen das beliebteste Mordgift, auch als "Erbschaftspulver" bekannt. Lange Zeit war es kaum nachzuweisen und konnte an fürstlichen Höfen wie im privaten Familienkreis Misstrauen und Schrecken verbreiten. Das toxische Halbmetall hat allerdings auch andere Seiten. Es verlieh Bildern berühmter Maler leuchtende Farben, steckt in Raumschiffen wie Solaranlagen - und kann sogar Krankheiten heilen. Von Lukas Grasberger (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Lukas Grasberger<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Andreas Neumann, Friedrich Schloffer<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Prof. Bettina Wahrig, Lehrstuhl für Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte an der Technischen Universität Braunschweig; <br/>Dr. Gabriele Roider, Pharmakologin am Institut für Rechtsmedizin, LMU München; <br/>Simon Brugner, Fotograf und Autor „The Arsenic Eaters – die Arsenfresser“; <br/>Prof. Christopher Rensing, Chinese Academy of Agricultural Sciences Fujian, Academy of Agricultural Sciences, Fuzhou <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></strong></p>
<p><strong>Die Geschichte der Apotheke - Von Mäusezahn bis Aspirin </strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-apotheke-von-maeusezahn-bis-aspirin/bayern-2/78751654/">HIER</a><br/>Spinnweben, Kuhfladen, gespaltene Fledermäuse: Sonderbare Zutaten finden sich in Heilmittel-Rezepten früherer Jahrhunderte. Die Entstehungsgeschichte der Apotheke ist geprägt von Kuriositäten. Von Iska Schreglmann</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Kunstverbrechen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/kunstverbrechen-cp ">HIER ENTDECKEN</a></strong></p>
<p>Gestohlene Gemälde, Kunstschmuggel, Fälscherskandale: Bei Kunstverbrechen rollen Lenore Lötsch und Torben Steenbuck spektakuläre Verbrechen in der Welt der Kunst- und Kultur auf. Ohne Blutvergießen, dafür mit spannender Kunst! Sie nehmen euch mit an Tatorte und hinter die Kulissen der Ermittlungen bei True-Crime-Fällen im vermeintlich glitzernden Kunstgeschäft. Sie treffen Zeugen, Experten und Opfer. Unterstützung bekommen sie dabei von Deutschlands bekanntestem Kunst-Kommissar René Allonge vom LKA Berlin.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-arsen-moerderische-karriere-gift-arsenik-glas-medizin-murano-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>„Er ist von schöner Farbe, die an Gold erinnert. Ein künstlicher Stoff, hergestellt durch Alchemie. Aber - er ist wirklich giftig!“</p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>„Das Arsenicum wirkt ähnlich dem Sandarak, aber schärfer, wird daher zum Ätzen und zum Wegbeizen der Haare angewendet. Es nimmt auch die Nagelgeschwüre, die fleischigen Auswüchse in der Nase, die Geschwüre am After und alles wilde Fleisch weg. Seine Kraft wird erhöhet, wenn man es in einem neuen Tiegel so lange röstet, bis es die Farbe verändert hat.“</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>„Unter der geringsten Menge liegt unermessliche Bosheit</p>
<p>verborgen“.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Es ist eine Mischung aus Bewunderung und Angst, die aus diesen Worten über Arsen spricht: Zuerst dem Satz des spanischen Malers Francisco Pacheco, der seine Bilder mit arsenhaltiger Farbe zum Leuchten brachte; dann dem Kommentar des römischen Gelehrten Plinius über kosmetische und heilende Wirkung von Arsenicum; und schließlich einem Satz über das Arsen aus dem ersten deutschsprachigen Lehrbuch der Toxikologie. </p>
<p>MUSIK  „Discombobulate“; ZEIT: 00:19</p>
<p>Zu Weltruhm gelangte Arsen freilich als Mordgift. Die Karriere dieses chemischen Elements mit der Ordnungszahl 33 indes ist so schillernd wie facettenreich – und reicht zurück bis weit ins Altertum. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Bei genauerer historischer Betrachtung zeigt sich: Arsen, dieses meist im Stein verborgene Halbmetall, trägt seinen verruchten Ruf zu Unrecht: Denn schon die alten Griechen machten sich Arsen zwar vor allem seiner Giftigkeit wegen zu Nutze, wie die Braunschweiger Wissenschaftshistorikerin Bettina Wahrig weiß... </p>
<p>O-Ton 1 Prof. Bettina Wahrig, Wissenschaftshistorikerin, Uni Braunschweig</p>
<p>„Also man hatte das ganz, ganz breit eingesetzt, und eine der wichtigen Einsatzmöglichkeiten war natürlich die Bekämpfung von Insekten, Schadinsekten - oder auch eben Ratten und Mäusen.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Arsen war im Altertum aber auch eine wichtige Arznei. In Griechenland und dem alten Rom zerrieb man arsenhaltiges Gestein zu Pulver, mischte es zu Salben, und kurierte damit Asthma genauso wie Hautkrankheiten. Die augenfälligste Anwendungsform von Arsen, sagt Bettina Wahrig, war bis in die Neuzeit aber eine andere.</p>
<p>O-Ton 2 Wahrig</p>
<p>„Also einmal als Farbe: Einmal ist es ne Schwefel-Arsen-Verbindung, die ganz rot ist. Die heißt dann in der frühneuzeitlichen Sprache dann auch „Realgar“, also „das königliche Rot“, eigentlich. Und eine sehr schöne gelbe Tönung, Auripigment, also ne goldene Färbung, und die wurde auch zu Farben eingesetzt.“</p>
<p>MUSIK  „Lucy&#39;s party”; ZEIT: 00:18</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Silber bekam in Verbindung mit Arsen eine goldartige, Kupfer eine weiße Farbe.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>In der Natur kommt Arsen nur selten in seiner Reinform vor, die wenig giftig ist. Meist tritt es auf in Gestein, in Verbindung mit Metallen oder Schwefel – und ist dann hochtoxisch, sagt die Pharmakologin Gabriele Roider vom Institut für Rechtsmedizin der LMU München. </p>
<p>O-Ton 3 Dr. Gabriele Roider, Institut für Rechtsmedizin, LMU München</p>
<p>„Das gibt es so als kristalline Form... Also, wenn ich jetzt von Arsen spreche, meine ich jetzt immer Arsenik, also Arsentrioxid. Es gibt auch noch metallisches Arsen, und es gibt auch organisch gebundenes Arsen, was viel zum Beispiel in Fischen und Meerestieren drin ist. Und aber ich spreche jetzt dann von Arsenik. Also das ist die toxischste Verbindung, damit die toxikologisch relevanteste Verbindung - und auch die wirtschaftlich interessanteste Verbindung.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bis heute ist Arsentrioxid ein Ausgangsstoff für industrielle Anwendungen – etwa zur Herstellung von Batterien. Arsenverbindungen stecken aber auch in Halbleiter-Chips für Solaranlagen wie für Satelliten oder Raumschiffe. </p>
<p>Die Entwicklung von Arsen als wichtigem Wirtschaftsgut begann im Mittelalter. Es war der Regensburger Bischof Albertus Magnus, der 1240 erstmals die Herstellung metallischen Arsens durch Erhitzen von Arsenkies beschrieb. Um den Stoff in größeren Mengen wirtschaftlich zu nutzen, brauchte es eine geradezu fabrikmäßige Herstellung: Zu Beginn von Bergbau und Hüttenwesen im frühen Mittelalter fiel Arsen zunächst einmal als Abfallprodukt an. Etwa bei der Verhüttung von Metallen wie Kupfer, Zinn, Silber oder Gold in den Bergbauregionen der Steiermark. Dabei erhitzte man arsenhaltige Steine in Brenn-Öfen.</p>
<p>O-Ton 4 Simon Brugner Fotograf + Autor „Die Arsenfresser“ Teil 1</p>
<p>„In Schmelzprozessen verdampft das Arsenik, das verflüchtigt sich ziemlich schnell, und das Arsen, das im Gestein drinnen ist, wird zu Arsentrioxid. Und das ist das giftige…</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>sagt der österreichische Fotograf und Autor Simon Brugner, </p>
<p>O-Ton 4 Brugner Teil 2</p>
<p>„...deswegen immer auch die ganzen Brennöfen hoch bauen – weil wenn dich so ein Schwaden trifft, ist die Gefahr für Leib und Leben sehr hoch. Man hat dann – nachdem es am Anfang ein unerwünschtes Nebenprodukt war -  bald auch Arsen bewusst produziert. Das ist in so genannten Gifthütten passiert, die keine nach oben gerichteten Schornsteine hatten, sondern das waren horizontale Kammern, durch die der Rauch durchgeleitet wurde. Das Arsen hat sich verflüchtigt, hat sich in diesen horizontalen Rauchfängen als weißes Pulver abgesetzt.(…) Die Bergarbeiter, also die in der Verhüttung Tätigen, haben einfach den Beschlag abgeklopft,  und so hat man dann wirklich reines Arsen gewonnen. Auch als wirtschaftlich wichtiges Handelsgut.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Vor allem Orte in der Ober- bis zur Oststeiermark waren in den vergangenen Jahrhunderten Hotspots der Arsen-Produktion. Die dortigen Minen waren strategisch günstig gelegen. Zum einen unweit von Ungarn, wo man Arsen als Heil- und Dopingmittel für Pferde nutzte. Die Hauptabnehmer für das steirische Arsen saßen jedoch südlich der Alpen. Simon Brugner: </p>
<p>O-Ton 5 Brugner</p>
<p>„Wo es wirklich zu großen Mengen verwendet wurde, ist in der Glasherstellung…. also das meiste. Der Großteil vom steirischen Arsenik wurde nach Venedig für die Muranoglas-Erzeugung verkauft. Also da gingen zig Tonnen jährlich nach Venedig.“ </p>
<p> Sprecherin</p>
<p>Bald war Arsen vom Abfallprodukt zu einem wirtschaftlich wichtigen Handelsgut der K.u.K.-Monarchie geworden. Die österreichische Herrscherin Maria Theresia hatte ein genaues Auge auf die Arsen-Produktion ihrer Untertanen. Steuern und Zölle für Erzeugung und Transport waren zu entrichten. Doch die penible Reglementierung von Herstellung und Handel hatte einen weiteren Grund:</p>
<p>O-Ton 6 Brugner</p>
<p>„Arsen ist hochpotentes Gift. Es wurde immer stark kontrolliert. Also der Umgang mit Giften, der war immer schon rechtlich reglementiert.“ </p>
<p>MUSIK  „The game is on”; ZEIT: 00:50</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dennoch sollte Arsen für die Herrschenden im 18. Jahrhundert zunehmend zum Problem werden. Denn trotz der genauen Kontrolle war der hochgiftige Stoff leicht zu haben, er wurde „legal“ vielfältig verwendet. Gleichzeitig gelangten zunehmend Nachrichten von Giftmorden mittels Arsen in Italien und Frankreich ans Licht der Öffentlichkeit. Mit der Aufklärung hatte die Bevölkerung hierzulande lesen gelernt - und verschlang aktuelle wie historische Berichte von Mord und Totschlag, Schuld und Sühne begierig. Man erfuhr von in Serie verübten Giftmorden der Borgia und der Medici, begangen mutmaßlich mit Arsenik. Später war in den Zeitungen von aqua tofana zu lesen, einer Arsen-Mischung, die jenseits der Alpen dutzenden Männern den Tod brachte. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 7 Wahrig</p>
<p>„In der Tat gab es in Italien einen sehr, sehr großen Giftmordprozess gegen [00:09:00] eine relativ große Zahl auch an Frauen, die mit der sogenannten Aqua Tofana gehandelt haben. Und das soll eben ein sehr... raffiniert zubereitetes Gift gewesen sein, das so gewirkt haben soll, dass man der Person, die man gerade loswerden wollte, über längere Zeit kleine Mengen von diesem Gift untergejubelt hat und dass die dann irgendwann mal gestorben sind, ohne dass man wirklich Krankheiten oder andere Ursachen erkennen konnte.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das berüchtigte Arsen-Elixier raffte Dutzende, wenn nicht gar Hunderte dahin, sagt die Professorin für Wissenschaftsgeschichte und Pharmazie, Bettina Wahrig. Dass vor allem Frauen schwunghaften Handel mit dem Gift trieben und bandenmäßig mordeten – dies, sagt Bettina Wahrig, war auch den gesellschaftlichen Verhältnissen geschuldet.</p>
<p>O-Ton 8 Wahrig</p>
<p>„Wenn wir das heute lesen, dann denken wir, naja gut, da gibt es eben eine Partnerschaft Mann-Frau, also die Frau hat ihn satt - und weg damit! Aber die sozialen Beziehungen am Hof waren ja viel, viel komplizierter. Deswegen...also es gab [00:11:00] jedenfalls ein Netzwerk von Leuten, die dieses Giftwissen verbreitet haben und die so gefährlich erschienen, dass extra eine Serie von Gerichtsverhandlungen abgehalten wurde, um diese Leute abzuhandeln, abzuurteilen. Natürlich ging es da auch darum, wieder zu zeigen: Der König, die Souveränität, bemerkt das und richtet die Leute deswegen dann hin oder verurteilt sie deswegen.“</p>
<p>MUSIK  „My Mind Rebels At Stagnation”; ZEIT: 00:43</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Arsen war also zur Bedrohung der patriarchalen politischen und sozialen Ordnung geworden – gegen die die Herrschenden infolge energisch vorgingen.</p>
<p>Der „Geist des Gifts“ war dennoch aus der Flasche – und sorgte auch in deutschen Landen zunehmend für Verwerfungen. Hier waren es vor allem Ärzte und Apotheker, die vor einem allzu sorglosen Umgang mit Arsen warnten. Und die dafür warben, den Zugang zu Giften zu beschränken, sowie die Bevölkerung aufzuklären, um unabsichtliche – oder auch absichtliche -Tötungen durch Arsen zu vermeiden. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>War dies wirklich ein Unfall? War es Mord? Oder war es gar keine Vergiftung? Diese Fragen mussten sich Rechtsmedizinern wie Richtern seinerzeit häufig stellen, sagt die Apothekerin Gabriele Roider. Klare Antworten aber fanden sie selten... </p>
<p>O-Ton 10 Roider</p>
<p>„Weil die Symptomatik, die wurde damals viel mit der Cholera verwechselt. Die hygienischen Verhältnisse waren ja vor bis vor 200 Jahren sehr, sehr schlecht. Das heißt, die Leute hatten häufig Brechdurchfall, und das ist auch so die typische Vergiftungserscheinung bei einer akuten Arsen-Intoxikation (…)eben </p>
<p>MUSIK  „My Mind Rebels At Stagnation”; ZEIT: 01:29</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dass der kenntnisreich ausgeführte Giftmord kaum nachzuweisen war; dass breite Gesellschaftsschichten mittlerweile Zugang zu umfangreichem Giftwissen hatten: Dies trieb auch die Schriftsteller der Aufklärung um. ETA Hoffmann etwa zeichnete in seiner Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“ das dystopische Bild einer Gesellschaft, in der die Allgegenwart von Giften wie Arsen letztlich zu einer völligen Zersetzung des sozialen Zusammenhalts führt: </p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Man sah Familienväter ängstlich in entfernten Gegenden Lebensmittel einkaufen, und in dieser, jener schmutzigen Garküche selbst bereiten, in ihrem eigenen Hause teuflischen Verrat fürchtend. Und doch war manchmal die größte, bedachteste Vorsicht vergebens.“ </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Auch für die Ärzte hierzulande galt letztendlich, was ein französischer Kollege angesichts der nur zufälligen erfolgten Entdeckung des Giftmischers Godin de Sainte-Croix schrieb:</p>
<p> ZITATOR 1</p>
<p>„Bey diesen Giften ... werden die Erfahrungen falsch, die Regeln ungewiss, und die Aphorismen lächerlich. Sie schwimmen auf dem Wasser; sie lassen in der Feuerprobe bloß eine süße unschädliche Materie zurück, und liegen in den</p>
<p>tierischen Körpern so künstlich versteckt, dass man sie unmöglich erkennen</p>
<p>kann.“ </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>An einem gerichtsfesten Nachweis von Arsen forschten Wissenschaftler jahrzehnte-, ja, jahrhundertelang. Fand man verdächtige Materie, so gab man sie Tieren, um zu sehen, ob diese verendeten. Zuweilen warf man eine Probe auf glühende Kohlen. Enthielt diese Arsen, so entwickelte sich ein Geruch nach Knoblauch. </p>
<p>MUSIKAKZENT  „Discombobulate“; ZEIT: 00:04</p>
<p>Es sollte bis 1836 dauern, dass der britische Chemiker James Marsh einen Apparat entwickelte, mit dem sich selbst kleine Mengen von Arsenik im Mageninhalt oder an Teilen einer Leiche wissenschaftlich nachweisen ließen. Dazu gab man zunächst Schwefelsäure und Zink in ein Reagenzglas und erzeugte so Wasserstoff. Dann gab man die Probe hinzu. Schließlich erhitzte man das Gemisch und hielt ein Porzellanstück hinein. Enthielt die Probe Arsen, so bildete sich am Porzellan ein gut sichtbarer, schwarzer Film.   </p>
<p>O-Ton 11 Wahrig</p>
<p>Und das konnte man dann in den Gerichtssaal tragen. Und damit war es in der Tat auch für Juroren, also wenn man Schöffen hatte - oder eben Geschworene oder Richter - ein [00:17:00] glaubhafter Beweis.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Zahl der Morde mit Arsen gingen mit Etablierung des Marsh-Tests schlagartig zurück. Und doch: Die letzten Geheimnisse von und um Arsen waren damit noch immer nicht gelüftet.</p>
<p>MUSIK  „The game is on”; ZEIT: 00:12</p>
<p>Bis nach Übersee drang Ende des 19. Jahrhunderts die Kunde von tollkühnen Pferdeknechten aus der Steiermark, die Arsen ganz freiwillig und in beträchtlichen Mengen als Droge konsumierten. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 12 Brugner</p>
<p>Kokain, Methamphetamin. Das ist wahrscheinlich das vergleichbarste mit Arsenik. (...) Man hat quasi klarere Gedanken, man kriegt leichteren Atem, man steigt leichter die Berge hinauf. Es wird auch beschrieben, die Leute hatten mehr Courage, waren rauflustiger. Das Sexualdrang wurde gesteigert. Also es war eigentlich ein Aufputschmittel.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Arsenesser waren zuerst die Berufsgruppen, die durch ihren Job mit der Substanz in Berührung kamen: Bergleute, Beschäftigte in Schmelzhütten - aber auch hart schuftende Holzarbeiter, die Arsenpulver gewissermaßen als Dopingmittel zu sich nahmen. Arsen brachte die Wangen von Pferdeknechten zum Glänzen, und das Fell ihrer Tiere zum Leuchten. „Man trank es, wurde jung - und nach einiger Zeit vom Teufel geholt“, schrieb der Volksdichter Peter Rosegger über seine arsenessenden Landsleute: Denn Arsen kann sich im Körper einlagern und bei Langzeitkonsum Krebs oder Nervenschäden verursachen. Und nicht selten ging die genaue Dosierung schief bei Konsumenten, die ohnehin eine geringe Lebenserwartung und wenig zu verlieren hatten. Doch warum überlebten andere gar jahrzehntelang den Konsum von Arsen, einem Gift, dessen tödliche Dosis zwischen 60 und 170 Milligramm – in etwa der Größe einer Tablette – liegt?</p>
<p>MUSIK  „Discombobulate“; ZEIT: 00:13</p>
<p>Die Kunde von diesen geheimnisvollen Bergbewohnern, die ein hochpotentes Gift aus reinem Spaß am Genuss konsumierten, machte europaweit die Runde. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wie konnte es also sein, dass eine Person an einer minimalen Dosis Arsen qualvoll verendete - sich eine andere aber mit der drei- bis vierfachen Menge Hochgefühle verschaffte? Gab es schlicht einen Gewöhnungseffekt? Oder war es die Art der Aufnahme von Arsenik, das man wie Kandiszucker lutschen oder als feingemahlenes Pulver schlucken konnte? Die Wissenschaftlerin Gabriele Roider glaubt, dass dies am Mikrobiom der Arsenesser liegen könnte….</p>
<p>O-Ton 14 Roider</p>
<p>„...also die mikrobielle Besiedelung des Magen-Darm-Traktes sozusagen. Das ist das Mikrobiom, das setzt sich aus ganz vielen verschiedenen Bakterien und Mikroorganismen zusammen. Und da gibt es tatsächlich auch welche, die (…) das metallische Arsen in organisch gebundenes Arsen überführen. Dann ist es ungiftiger und kann auch besser über die Nieren ausgeschieden werden. Und so können auch bestimmte Bakterien im Mikrobiom tatsächlich Arsen entgiften, sodass es also vorstellbar ist, dass das möglicherweise der Mechanismus ist….</p>
<p>Dass die vielleicht ein bestimmtes Mikrobiom hatten und vielleicht das auch so ein bisschen gefördert haben durch diese relativ häufigere oder einigermaßen regelmäßige Arsen-Aufnahme und das Mikrobiom also die Bakterien im Magen-Darm-Trakt dann schon viel davon entgiftet haben, sozusagen und dann gar nicht so viel von dem Gift tatsächlich im Körper von diesen Arsenik-Essern angekommen ist.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wie Arsen im menschlichen Organismus wirkt – das ist bis heute nicht bis ins Letzte verstanden. Aktuell konzentriert sich die Arsenforschung auf Kleinstmengen, die aus Gesteinsschichten unter der Erde ins Trinkwasser gelangen – und die Gesundheit von Millionen Menschen in Indien und Bangladesch, aber auch in den USA, Asien und Europa gefährden.</p>
<p>MUSIK  „Lucy&#39;s party”; ZEIT: 00:20</p>
<p>Doch Arsen hat - heute wie damals – nicht nur Schattenseiten. Als Mordgift und Aufputschmittel weitgehend passé, schickt sich das schillernde Halbmetall an, erneut Karriere als Arznei zu machen. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 16 Prof. Christopher Rensing</p>
<p>„Was einen am meisten wundert, ist, wie viele Gene es gibt, die irgendwie was mit Arsen zu tun haben.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>...sagt der Mikrobiologe Christopher Rensing, der zu Arsen in Stoffwechselprozessen forscht.</p>
<p>Seit dem 19. Jahrhundert erforscht die moderne Medizin die Mechanismen, wie Arsen auch heilend in den menschlichen Stoffwechsel, den Metabolismus, eingreifen könnte. Die so genannte Fowler´sche Lösung, die Kaliumarsenit enthielt, senkte erfolgreich das Fieber von Patienten und wirkte als Heilwasser gegen Schuppenflechte. Schließlich wurde das „heilende Arsen“ ab 1910 zum ersten Mittel der modernen Chemotherapie. Mit „Salvarsan“ hatte der Mediziner und Nobelpreisträger Paul Ehrlich das erste wirksame Medikament gegen die Volksseuche Syphilis gefunden. Wegen starker Nebenwirkungen geriet das vermeintliche Wundermittel jedoch bald wieder in Vergessenheit.</p>
<p>Heute sehen Forscher wieder großes Potenzial für Arsen als Arznei. </p>
<p>O-Ton 18 Rensing</p>
<p>„Arsenid-Trioxid, zusammen mit so einem Vitamin A-Derivat, wird das in der Krebsbekämpfung bei akuter promyelozyter Leukämie eingesetzt. (…)  Da kann man dann fragen: Ja, aber wenn das da funktioniert, warum soll das nicht dann bei Brustkrebs oder bei Lungenkrebs... warum soll das da nicht funktionieren? Aber dann ist da das Problem, wenn man da jetzt Arsen so einsetzen würde, dann wird die toxische Wirkung irgendwann zu viel sein. Und deshalb, dann, jetzt wird halt versucht, das Arsen gezielt an den Wirkungsort zu bringen.  Also, wenn man jetzt in Liposomen, also so kleine Fettkügelchen, wenn man da die Arsenverbindung reinbringt und dann so Moleküle da rein tut, dass die halt den richtigen target finden, dann ist natürlich die Hoffnung, dass man den Krebs auch gezielt dann bekämpfen kann.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Gemeinsam mit Kollegen fand der Professor Christopher Rensing außerdem heraus, dass Arsenpräparate auch dort wirken, wo herkömmliche Medikamente versagen: Etwa gegen einen Krankenhauskeim, der lebensbedrohliche Lungenentzündungen auslösen kann.  </p>
<p>MUSIK  „Lucy&#39;s party”; ZEIT: 00:45</p>
<p>O-Ton 19 Rensing</p>
<p>„Das, denke ich, wird auch viel Zukunft haben. weil es wird immer mehr zunehmen, dass Leute halt ins Krankenhaus kommen und nicht mehr behandelt werden können, weil die Antibiotika nicht mehr wirksam sind...da wird das natürlich dann auch wieder interessant dann, weil man natürlich eine Alternative auch braucht.(…) </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>So könnte Arsen - über Jahrhunderte als Werkzeug der Gift-Mörder verrufen - vielleicht dabei helfen, zwei gegenwärtige Geißeln der Menschheit zu besiegen – und vom verruchten Killer künftig vielleicht zum anerkannten Lebensretter werden. </p>
<br/>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gut oder giftig? Welcher Pilz zum Sammeln taugt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gut-oder-giftig-welcher-pilz-zum-sammeln-taugt/2098229</link>
      <pubDate>Mon, 15 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">695e4d8c-8435-45ec-9f30-c512176ff636</guid>
      <description>Marone, Champignon oder Steinpilz; Parasol, Rotkappe oder Hexenröhrling: In oft kürzester Zeit entwickeln sich bei feucht-mildem Wetter ihre vielgestaltigen Fruchtkörper. Speisepilze sind schmackhaft und gesund - haben aber oft giftige Doppelgänger. Was darf ins Körbchen? Und worauf kommt es beim Pilze-Sammeln sonst noch an? Von Inga Pflug. (BR 2024) </description>
      <enclosure length="22123008" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098229/c/feed/gut-oder-giftig-welcher-pilz-zum-sammeln-taugt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Inga Pflug</itunes:author>
      <itunes:summary>Marone, Champignon oder Steinpilz; Parasol, Rotkappe oder Hexenröhrling: In oft kürzester Zeit entwickeln sich bei feucht-mildem Wetter ihre vielgestaltigen Fruchtkörper. Speisepilze sind schmackhaft und gesund - haben aber oft giftige Doppelgänger. Was darf ins Körbchen? Und worauf kommt es beim Pilze-Sammeln sonst noch an? Von Inga Pflug. (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/90cf1488-e768-4022-ab92-be8e76928af6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Marone, Champignon oder Steinpilz; Parasol, Rotkappe oder Hexenröhrling: In oft kürzester Zeit entwickeln sich bei feucht-mildem Wetter ihre vielgestaltigen Fruchtkörper. Speisepilze sind schmackhaft und gesund - haben aber oft giftige Doppelgänger. Was darf ins Körbchen? Und worauf kommt es beim Pilze-Sammeln sonst noch an? Von Inga Pflug. (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Inga Pflug<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Thomas Birnstiel und Julia Fischer<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Ursula Hirschmann, Pilzberaterin und Obfrau der Abteilung Pilz- und Kräuterkunde bei der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg (NHG) <br/>Diana Härpfer, Diplom-Biologin und Pilzexpertin, u.a. im Botanischen Garten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)<br/>Professor Dr. Alexander Dechêne, Facharzt für Innere Medizin, Klinikdirektor Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität</p>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/runzelige-rinden-und-bunte-borken-die-haut-der-baeume/2088174">Runzelige Rinden und bunte Borken - Die Haut der Bäume - radioWissen | BR Podcast</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/harze-das-blut-der-baeume/bayern-2/78752304/">radioWissen · Harze - Das Blut der Bäume · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-wald-rueckzugsort-fuer-natur-und-seele/1239141">Der Wald - Rückzugsort für Natur und Seele - radioWissen | BR Podcast</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bayerns-waelder-von-der-wildnis-zum-forst/1146509">Bayerns Wälder - Von der Wildnis zum Forst - radioWissen | BR Podcast</a></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/waelder-fuer-eine-waermere-zukunft-baeume-im-klimatest/bayern-2/10451299/">radioWissen · Wälder für eine wärmere Zukunft - Bäume im Klimatest · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><br/></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Pilz- und Kräuterkunde bei der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg<br/><strong><a title="https://www.nhg-nuernberg.de/main.php?section=Pilze" href="https://www.nhg-nuernberg.de/main.php?section=Pilze">EXTERNER LINK</a></strong></p>

<p><em><br/></em></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-gut-giftig-pilze-zum-sammeln-taugt-speisepilz-giftpilz-beratung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>SPRECHER/IN 1:</strong> <br/> Ein Wanderparkplatz in der Nähe von Nürnberg. Mit festem Schuhwerk an den Füßen und ausgestattet mit kleinen Körbchen oder Eimern in der Hand wollen um die 20 angehende Schwammerl-Sammler hier zur Pilzexkursion mit der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg starten: Pilzwissen auffrischen und neue Pilzarten kennenlernen – unter fachkundiger Anleitung von Pilzberaterin Ursula Hirschmann:</p>
<p><strong>01 HIRSCHMANN: <br/> </strong>Was für uns jetzt gilt, wenn Sie einen Pilz finden, dann bitte schneiden Sie den nicht ab, sondern drehen den vorsichtig ganz heraus, damit man alle Merkmale sehen kann. Bei vielen Pilzen ist es wichtig, dass man sieht, wie die Stielbasis aussieht. Das ist vor allen Dingen bei allen Knollenblätterpilzen, aber auch bei Champignons wichtig, weil da oft Merkmale an der Basis, also ganz unten am Stiel sind. Wenn die fehlen, ist die Bestimmung schwieriger oder vielleicht, wenn weitere Merkmale fehlen, sogar ganz unmöglich.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER/IN 1: <br/> </strong>Und die richtige Bestimmung ist das A und O beim Pilze-Sammeln.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>01b HIRSCHMANN: <br/> </strong>Unter den Knollenblätterpilzen gibt es ja tödlich giftige, wie Sie wahrscheinlich alle wissen. Es gibt aber auch einige Speisepilze da drunter. Und die unterscheiden sich häufig an der Stiel-Basis, deswegen ist es da so wichtig.<strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER/IN 2:</strong> <br/> Mindestens 100 giftige Pilzarten gibt es in Bayern, einige sind sogar tödlich.<br/>  </p>
<p><strong>SPRECHER/IN 1:</strong> <br/> Deshalb stellt Ursula Hirschmann gleich zu Beginn der Pilzlehrwanderung eines klar: </p>
<p> </p>
<p><strong>02 HIRSCHMANN: <br/> </strong>Ein Pilz, den man nicht hundertprozentig sicher erkannt hat, ist kein Speisepilz.<strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK: „Stork‘s walk (reduziert)“ – C158779#108 (0:29)</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER/IN 1:</strong> <br/> Und gegessen wird nur, was nach allen Merkmalen als Speisepilz identifiziert wurde. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER/IN 2:</strong> <br/> Was nicht immer ganz einfach ist: Pilze verändern ihr Aussehen häufig auch je nach Alter, Witterung oder Standort. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER/IN 1:</strong> <br/> Umso wichtiger ist es der Pilzexpertin, dass die Sammlerinnen und Sammler im Wald wissen, anhand welcher Merkmale sie einen guten Pilz und einen womöglich giftigen Doppelgänger sicher auseinanderhalten können – und diese Bestimmungsmerkmale sind so vielfältig wie die Pilze selbst:</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>03 HIRSCHMANN: </strong>Das kann die Huthaut sein, das können die Lamellen oder Röhren sein. Das kann das Fleisch sein. Das kann der Stiel sein, die Stiel-Basis. Ob ein Stiel einen Ring hat oder nicht, wie der geformt ist, ob der Pilz Velum hat, bei den Schleierlingen. Das sind also ganz, ganz unterschiedliche Merkmale, teilweise auch Geruch, Geschmack, die Farbe von der Milch – kann man nicht generell sagen. Das ist wirklich von der jeweiligen Art individuell abhängig.</p>
<p><strong> </strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der tropische Regenwald - Bedrohter Klimapuffer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-tropische-regenwald-bedrohter-klimapuffer-1/1926959</link>
      <pubDate>Sun, 14 Sep 2025 05:45:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e979009a-bfc6-4a88-9556-a53005b4d228</guid>
      <description>Der Dschungel braucht Hilfe! Denn die Menschheit zerstört das einzigartige Ökosystem und seine enorme Artenvielfalt. Durch illegale Abholzung, Minen- und Staudammbau, Plantagen- und Weidewirtschaft. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2020)   </description>
      <enclosure length="21805056" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1926959/c/feed/der-tropische-regenwald-bedrohter-klimapuffer-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Bernd-Uwe Gutknecht</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Dschungel braucht Hilfe! Denn die Menschheit zerstört das einzigartige Ökosystem und seine enorme Artenvielfalt. Durch illegale Abholzung, Minen- und Staudammbau, Plantagen- und Weidewirtschaft. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2020)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fa610ab0-968b-4e20-b42b-f73cfd1f8c2a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Dschungel braucht Hilfe! Denn die Menschheit zerstört das einzigartige Ökosystem und seine enorme Artenvielfalt. Durch illegale Abholzung, Minen- und Staudammbau, Plantagen- und Weidewirtschaft. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2020)   </p><p>Autor dieser Folge: Bernd-Uwe Gutknecht<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Ruth Geiersberger, Christian Baumann, Jörg Puls, Julia Cortis, Johannes Hitzelberger<br/> Technik: Fabian Zweck<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/index.html">HIER</a></strong>.</p>
<p>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</p>
<p>Feuer weltweit - Der &quot;normale&quot; Ausnahmezustand<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/feuer-weltweit-der-normale-ausnahmezustand/bayern-2/10582611/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/feuer-weltweit-der-normale-ausnahmezustand/bayern-2/10582611/"></a>Tipping Points in der Klimakrise - Es gibt kein zurück<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tipping-points-in-der-klimakrise-es-gibt-kein-zurueck/bayern-2/10694429/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tipping-points-in-der-klimakrise-es-gibt-kein-zurueck/bayern-2/10694429/"></a>Kampf gegen Klimawandel - Warum tut sich der Mensch so schwer?<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kampf-gegen-klimawandel-warum-tut-sich-der-mensch-so-schwer/bayern-2/78758512/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kampf-gegen-klimawandel-warum-tut-sich-der-mensch-so-schwer/bayern-2/78758512/"></a>Das Volk der Yanomami - Ihr Kampf ums Überleben<br/><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-volk-der-yanomami-ihr-kampf-ums-ueberleben/bayern-2/12287699/">JETZT ANHÖREN</a></p>

<p>Interviewpartner/innen dieser Folge:<br/>Prof. Dr. Anja Rammig, Biologin, TU München<br/>Rita Mamallacta, Quechua, Ecuador<br/>Angel Fernandez, Geologe, Nationalpark La Gomera<br/>Diego Restrepo, Minenarbeiter, Kolumbien<br/>Chris Kaiser, Bedandtree.com<br/>Chris Rials-Seitz, Umweltaktivistin, Ecuador<br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Coolness war gestern - Der Charme der Unsicherheit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/coolness-war-gestern-der-charme-der-unsicherheit/2109491</link>
      <pubDate>Sat, 13 Sep 2025 14:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1c3885a5-56d1-4288-bd4b-4d4489b2a2f4</guid>
      <description>Schüchterne, Verzagte, Zweifler: Sie alle sind nicht besonders angesehen in einer Welt, in der oft nur der Lauteste gehört wird. Doch in der Unsicherheit liegt eine unterschätzte Qualität, wie etwa Einfühlsamkeit und Verständnis. Von Karin Lamsfuß </description>
      <enclosure length="22251264" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109491/c/feed/coolness-war-gestern-der-charme-der-unsicherheit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:10</itunes:duration>
      <itunes:author>Lamsfuß, Karin</itunes:author>
      <itunes:summary>Schüchterne, Verzagte, Zweifler: Sie alle sind nicht besonders angesehen in einer Welt, in der oft nur der Lauteste gehört wird. Doch in der Unsicherheit liegt eine unterschätzte Qualität, wie etwa Einfühlsamkeit und Verständnis. Von Karin Lamsfuß </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d31c48ce-2f42-4ce9-8211-3f95f04fa544.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schüchterne, Verzagte, Zweifler: Sie alle sind nicht besonders angesehen in einer Welt, in der oft nur der Lauteste gehört wird. Doch in der Unsicherheit liegt eine unterschätzte Qualität, wie etwa Einfühlsamkeit und Verständnis. Von Karin Lamsfuß </p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Karin Lamsfuß</p>
<p>Es sprachen: Berenike Beschle, Thomas Birnstiel</p>
<p>Technik: Daniela Röder</p>
<p>Regie: Irene Schuck</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p> </p>
<p>Interviews:</p>

<p>- Prof. Borwin Bandelow, Neurologe und Psychiater; Prof. Wolfgang Fiegenbaum</p>
<p>-  Psychologe und Angstexperte; </p>
<p>- Dr. Herbert Mück, Facharzt für psychosomatische Medizin; </p>
<p>- Anne Otto, Psychologin; </p>
<p>- Lars, Tanja und Janine schildern ihre Ängste</p>
<br/>

<p>Linktipps:</p>

<p><strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/">Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</a></strong></p>

<p>Jeder Mensch &#39;tickt&#39; anders - doch warum? Psychologie hilft, unsere Wahrnehmung zu schärfen und sich und andere besser zu verstehen. Ihr wollt erfahren, weshalb Dankbarkeit befreiend wirken kann, Neid uns einengt, was unsere Partnerwahl über uns aussagt, und wieso wir dazu neigen, unangenehme Dinge aufzuschieben? Das und viel mehr beantwortet unser Psychologie Podcast &quot;Wie wir ticken&quot; vom BR und SWR jede Woche mit einer neuen Folge. Immer mittwochs in der ARD Audiothek und am Freitag auf allen anderen Plattformen. Ihr habt Fragen, Anmerkungen oder Themenwünsche? Schreibt uns gerne eine Nachricht über wiewirticken@ard.de!</p>
<p> </p>
<p><strong>Links: </strong></p>
<p><strong>Deutsche Angsthilfe – Portal für Selbsthilfe</strong></p>
<p><a href="https://www.angstselbsthilfe.de/">https://www.angstselbsthilfe.de/</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Gesellschaft für Angstforschung</strong></p>
<p><a href="https://www.angstforschung.org/">https://www.angstforschung.org/</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p> </p>
<p>·         Anne Otto: Die Kraft der Unsicherheit, Beltz, 2024</p>
<p>·         Borwin Bandelow Das Buch für Schüchterne: Wege aus der Selbstblockade, Rororo, 2008</p>
<p>·         Achim Peters: Unsicherheit – das Gefühl unserer Zeit, Bertelsmann, 2018</p>
<p> </p>
<p> </p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-coolness-war-gestern-charme-unsicherheit-zweifel-bewertung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>01 Zsp. Unsicherheit Tanja: </p>
<p>Ich hab mich früher als Jugendliche nie getraut, jemanden anzusprechen und um Hilfe zu fragen…</p>

<p>02 Zsp. Unsicherheit Anne Otto: </p>
<p>Also so dieser Satz „Was denken wohl die anderen?“ Oder „Mögen die mich?“</p>

<p>03 Zsp. Unsicherheit Tanja: </p>
<p>Das sind so Gespenster in meinem Kopf und innere Richter, eine innere Jury, die mich benotet, obwohl das ja gar nicht so ist!</p>

<p>04 Zsp. Unsicherheit Anne Otto:</p>
<p>Man ist immer in der Bewertung, in der Selbstbewertung, in der Abwertung…</p>

<p>05 Zsp. Unsicherheit Borwin Bandelow: </p>
<p>Weil ja auch jeder Mensch – und das gehört ja auch zum Menschen dazu – eine kleine soziale Angst hat.</p>

<p>Sprecher: </p>
<p>Die kleine soziale Angst. Die nagende Unsicherheit. </p>

<p>Sprecherin:</p>
<p>Hilfe! Ich kenne niemanden auf der Party!</p>
<p>Mögen mich die anderen? </p>
<p>Nicht, dass irgendwer merkt, dass ich bei vielem gar nicht mitreden kann!</p>
<p>Oh Gott, die lachen sich bestimmt tot, sobald ich den Mund aufmache!</p>
<p>Und überhaupt: mein Outfit! Wetten, dass mich mal wieder alle anstarren?</p>

<p>06 Zsp. Unsicherheit Borwin Bandelow: </p>
<p>Es gibt zwei Seelen in der Brust: Die eine sagt „Du siehst völlig normal aus, keiner muss sich über dich lustig machen und du kannst gut reden, es gibt gar keinen Grund, sich zu verstecken; auf der anderen Seite gibt’s dann so eine Stelle im Gehirn, die genau das Gegenteil erzählt: „Wenn du nur den Mund aufmachst, kommt Müll raus und alle finden dich hässlich!“ </p>

<p>Sprecher: </p>
<p>Prof. Borwin Bandelow, Psychiater und Neurologe und Experte für Angststörungen.</p>

<p>07 Zsp. Unsicherheit Borwin Bandelow: </p>
<p>Und diese beiden streiten im Gehirn und meistens gewinnt bei den Schüchternen dieses Gebiet im Gehirn, das ich nenne „Das Ministerium für absurde Angst“, das will einem die absurde Angst einreden, dass man sich vor anderen verstecken muss, und dass die einen immer nur negativ beurteilen und kritisch ansehen.</p>

<p>Musik 2</p>
<p>&quot;Will&#39;s Story II&quot; Album: Free the Mind (Original Soundtrack) - Komponist: Jóhann Jóhannsson - Länge: 0&#39;5</p>

<p>Sprecher: Stellen Sie sich folgende Szene vor:</p>

<p>Musik 3</p>
<p>&quot;La Nuit&quot; - Künstler: Anouar Brahem, Dave Holland, Jack DeJohnette &amp; Django Bates - Komponist: Anouar Brahem - Album: Blue Maqams - Länge: 1&#39;00</p>

<p>Sprecherin:</p>
<p>An einem lauen Freitagabend sitzen zehn Freunde und Bekannte um einen alten Holztisch in einem kleinen Garten in der Stadt. Eine Mischung aus Berufstätigen, Kreativen, Sinnsuchenden. Sie trinken Wein, essen Oliven, Brot, Käse. Die Stimmung ist wie so oft: witzig, ein bisschen laut, locker. Alle sind „cool“ auf ihre Weise – ironisch, reflektiert, einfach lässig. Aber irgendetwas ist anders an diesem Abend. Paul sitzt eher still da an diesem Abend und schaut in die Runde. Irgendwann legt er das Messer hin und sagt: „Ich hab irgendwie keine Lust mehr, so zu tun, als ob alles immer okay ist. Ich fühl mich oft wie ein kompletter Versager. Als ob ich nicht genug bin – nicht kreativ genug, nicht erfolgreich genug, nicht mal interessant genug. Und manchmal hab ich so eine Scham in mir. Eine Angst, dass mich irgendwann alle durchschauen.“</p>
<p>Stille.</p>

<p>Sprecher: </p>
<p>Das Angst-Outing. Nur eine fiktive Szene. </p>
<p>Doch die kleine soziale Angst gehört zum Menschsein einfach dazu, so Borwin Bandelow. Mal zeigt sie sich offen: durch Schüchternheit, Stottern, Erröten, schwitzige Hände. Mal kommt sie im Tarnanzug daher: als Arroganz, Coolness, als allzu forsches Auftreten.</p>
<p>Unter jeder Unsicherheit liegen kleinere oder größere Ängste: die Angst zu versagen, abgelehnt zu werden, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, die Angst zu scheitern, die Angst, eine schlechte Figur zu machen… die Liste ist lang. </p>

<p>08 Zsp. Unsicherheit Tanja: </p>
<p>Mein Lieblingsfach in der Schule war Französisch, allerdings hab ich mich sehr schwer damit getan, französisch zu sprechen. Weil ich immer dachte, ich werde beurteilt bzw. verurteilt, und ich brauchte tatsächlich drei Urlaube, um mich zu trauen, frei Schnauze zu reden, egal, wie sich das anhört, weil ich trotzdem immer noch im Kopf Lehrer sitzen hatte, die mich dafür schlecht bewerten könnten, und ich hab mich nicht getraut, weil ich gedacht habe, ich werde ausgelacht, und als ich dann festgestellt habe, dass das Gegenteil der Fall war, hat es mir sogar richtig Spaß gemacht! </p>

<p>Sprecher:</p>
<p>Evolutionsbiologisch, so Borwin Bandelow, macht soziale Angst durchaus Sinn.</p>

<p>09 Zsp. Unsicherheit Borwin Bandelow: </p>
<p>Wenn wir das nicht hätten, dann könnten wir als Menschen ja gar nicht miteinander leben, dann würden wir uns ja gegenseitig noch mehr die Köppe einschlagen und würden uns nicht respektieren, Menschen sind soziale Wesen, so dass soziale Angst von Vornerein erst mal nicht krankhaft ist, sondern dem Überleben der Menschheit dient!</p>

<p>Musik 4</p>
<p>&quot;La Nuit&quot; - Künstler: Anouar Brahem, Dave Holland, Jack DeJohnette &amp; Django Bates - Komponist: Anouar Brahem - Album: Blue Maqams - Länge: 0&#39;30</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Niemand lacht nach Pauls mutigem Geständnis beim gemeinsamen Abendessen. Keine klugen Kommentare. Dann fasst sich Alina ein Herz. „„Ich… kenn das. Ich hab panische Angst, verlassen zu werden. Deshalb bleibe ich oft in Beziehungen, die mir gar nicht guttun. Und dann tu ich so, als wär das alles ganz frei und modern. Ist es aber nicht.“</p>

<p>Sprecher: </p>
<p>Die Psychologin Anne Otto hat sich mit dem Thema Angst und Unsicherheit auseinandergesetzt. „Die Kraft der Unsicherheit“ heißt ihr Buch. Ihre zentrale These: Werden die Ängste übermächtig, ist es sinnvoll, sich Hilfe zu suchen. Doch mit den kleinen, alltäglichen Ängsten könne man sich sogar anfreunden:</p>

<p>10 Zsp. Unsicherheit Anne Otto: </p>
<p>Wie kann ich es denn schaffen, so eine Unsicherheit anzunehmen? Wie kann ich das denn schaffen, die mitzunehmen in all die Situationen, die mir vielleicht ein bisschen unangenehm sind? </p>

<p>Sprecher: </p>
<p>Die Psychologin begann zu recherchieren. Zwei Prozent der Menschen leiden unter schweren sozialen Phobien, aber ganze 40 Prozent bezeichnen sich als schüchtern und gehemmt. Das ist fast jeder Zweite! Situativ unsicher sind noch viel mehr. Sie machte sich auf die Suche: Was macht Menschen unsicher?</p>

<p>11 Zsp. Unsicherheit Anne Otto: </p>
<p>Dann merkt man: Wenn es ums freie Reden geht oder auf der Geburtstagsfeier der Freundin was zu sagen, ein paar Worte, dass das dann so Momente sind, wo schon 80 oder 90 Prozent der Leute sagen: Ich vermeide das!</p>

<p>Sprecher: </p>
<p>Anne Otto wünscht sich mehr Wertschätzung eines Zustandes, der absolut normal und alltäglich ist. Aber meistens totgeschwiegen wird. </p>

<p>12 Zsp. Unsicherheit Anne Otto: </p>
<p>Man sagt auf jeden Fall, dass diese sozialen Medien, der ewige Vergleich, also so ne Ranking-Gesellschaft, auch eine Gesellschaft mit Optimierungs-Versprechen, dass die dazu einladen, seine eigenen Ansprüche unheimlich hochzustellen, sich dauernd mit anderen zu vergleichen, und das ist ein hoher Druck, man ist immer in der Bewertung, in der Selbstbewertung, in der Abwertung. </p>

<p>Sprecher: </p>
<p>Soziale Unsicherheit. Dinge, die uns so schwerfallen, dass wir am liebsten einen Bogen um sie machen. Einerseits gibt es dafür oft biografische und charakterliche Gründe, andererseits unterliegen sie gesellschaftlichen Einflüssen: </p>

<p>Musik 5</p>
<p>&quot;Will&#39;s Story II&quot; Album: Free the Mind (Original Soundtrack) - Komponist: Jóhann Jóhannsson - Länge: 0&#39;25</p>

<p>Sprecherin:</p>
<p>Ein Beispiel: Laut einer Umfrage geht ein Viertel aller 18- bis 34-Jährigen niemals ans Telefon. Warum? Weil das bei vielen Anspannung bis zur Panik auslöst. Sie fürchten Bloßstellung, direkte Konfrontation und Blamage. Sie schreiben lieber. Zeitversetzt. Lars kennt diese Telefonangst:</p>

<p>13 Zsp. Unsicherheit Lars: </p>
<p>Bis ich die Nummer gewählt habe, ist in meinem Körper auf jeden Fall Tohubawohu oder wie man das so schön nennt. Dass ich so ein bisschen zittrig werde in den Händen, so aufgeregt bin, vielleicht ist mein Puls dann im Moment sehr hoch, vielleicht auch ein bisschen Schweiß auf der Stirn… Es ist dann schon so, dass ich dann feuchte Hände kriege, bevor ich die Nummer wähle. </p>
<br/>
<p><br/></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Sepsis - Wenn jede Minute zählt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/sepsis-wenn-jede-minute-zaehlt/1881025</link>
      <pubDate>Sat, 13 Sep 2025 04:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">60dd7c53-f83c-4011-827f-912a8c61408b</guid>
      <description>Infektionskrankheiten und äußere Wunden können eine Sepsis hervorrufen. Weltweit stirbt sogar alle  4 Sekunden ein Mensch an einer solchen Blutvergiftung. Und auch in Deutschland ist sie die dritthäufigste Todesursache. Aber sie gehört dennoch zu den am wenigsten bekannten Krankheiten. Von Daniela Remus (BR 2022)   </description>
      <enclosure length="21753984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1881025/c/feed/sepsis-wenn-jede-minute-zaehlt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Infektionskrankheiten und äußere Wunden können eine Sepsis hervorrufen. Weltweit stirbt sogar alle  4 Sekunden ein Mensch an einer solchen Blutvergiftung. Und auch in Deutschland ist sie die dritthäufigste Todesursache. Aber sie gehört dennoch zu den am wenigsten bekannten Krankheiten. Von Daniela Remus (BR 2022)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a3525765-2043-4e78-ae5e-59e2a4185420.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Infektionskrankheiten und äußere Wunden können eine Sepsis hervorrufen. Weltweit stirbt sogar alle  4 Sekunden ein Mensch an einer solchen Blutvergiftung. Und auch in Deutschland ist sie die dritthäufigste Todesursache. Aber sie gehört dennoch zu den am wenigsten bekannten Krankheiten. Von Daniela Remus (BR 2022)   </p>
<p>Credits:<br/>Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse, Constanze Fennel<br/>Technik: Winfried Messmer<br/>Redaktion: Matthias Eggert<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-sepsis-blutvergiftung-notfall-infektion-todesursache-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/>Linktipps zum Weiterlesen:<br/> </p>
<ul>
<li>Allgemeine Infos, Zahlen usw. zur Sepsis<br/><a title="Hier geht es zum Beitrag." href="https://www.sepsis-gesellschaft.de">EXTERNER LINK | https://www.sepsis-gesellschaft.de</a></li>
<li>Kontakt für Betroffene und Angehörige<br/><a title="Hier geht es zum Beitrag." href="https://www.sepsis-gesellschaft.de">EXTERNER LINK | https://www.sepsis-gesellschaft.de</a></li>
</ul>

<p>Literaturtipp:<br/> </p>
<ul>
<li>Konrad Reinhart (Hrsg)<br/>Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis, Thieme Verlag 2010</li>
</ul>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schrittweise frei -  Die jüdische Bevölkerung Bayerns im 19 Jahrhundert</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schrittweise-frei-die-juedische-bevoelkerung-bayerns-im-19-jahrhundert/2109460</link>
      <pubDate>Fri, 12 Sep 2025 17:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ba16091c-f6a4-4cc5-b9d6-bdf63fe6b23a</guid>
      <description>Jahrhundertelang war die jüdische Bevölkerung in Bayern benachteiligt. Mit der Aufklärung wurde die Diskriminierung schrittweise beseitigt, bis mit der Reichsgründung 1871 die Emanzipation abgeschlossen war - vor dem Gesetz, jedoch noch lange nicht in den Köpfen. Von Julia Devlin </description>
      <enclosure length="19931904" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109460/c/feed/schrittweise-frei-die-juedische-bevoelkerung-bayerns-im-19-jahrhundert.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Devlin, Julia</itunes:author>
      <itunes:summary>Jahrhundertelang war die jüdische Bevölkerung in Bayern benachteiligt. Mit der Aufklärung wurde die Diskriminierung schrittweise beseitigt, bis mit der Reichsgründung 1871 die Emanzipation abgeschlossen war - vor dem Gesetz, jedoch noch lange nicht in den Köpfen. Von Julia Devlin </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f45f0518-f8ef-494a-8f11-57198a2e6fea.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Jahrhundertelang war die jüdische Bevölkerung in Bayern benachteiligt. Mit der Aufklärung wurde die Diskriminierung schrittweise beseitigt, bis mit der Reichsgründung 1871 die Emanzipation abgeschlossen war - vor dem Gesetz, jedoch noch lange nicht in den Köpfen. Von Julia Devlin </p><p>Credits:</p>
<p>Autorin: Julia Devlin</p>
<p>Regie: Anja Scheifinger<em></em></p>
<p>Sprecher:innen: Hemma Michel, Christian Baumann </p>
<p>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><em> </em></p>
<p>Interviews:</p>
<p>Dr. Julia Schneidawind, Ludwig-Maximilians-Universität München</p>
<p><br/></p>
<p>Literatur (Beispiele): <em></em></p>
<p>-       Rolf Kießling: Jüdische Geschichte in Bayern. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin 2019 - ausführliches wissenschaftliches Standardwerk. </p>
<p>-       Michael Brenner, Sabine Ullmann: Die Juden in Schwaben. München 2013 - interessante regionale Studie zu Schwaben, das zum bedeutendsten jüdischen Siedlungsgebiet Deutschlands gehörte. </p>
<p>-       Michael Brenner, Daniela Eisenstein: Die Juden in Franken. München 2013 - seit dem 11. Jahrhundert lebten Juden in Franken, weshalb sich dort eine vielfältige jüdische Kulturtradition entwickelte. <strong></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>

<p>Weiterführende Links: <em></em></p>
<p><strong>Das Judentum im 19. Jahrhundert in Bayern</strong></p>
<p>Sabine Ullmann, Judentum (19. Jahrhundert), publiziert am 23.05.2023; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: &lt;<a href="http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Judentum_(19._Jahrhundert)">http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Judentum_(19._Jahrhundert)</a>&gt; </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Jüdisches Leben in Bayern</strong></p>
<p>https://hdbg.eu/juedisches_leben/</p>
<p><br/></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiwissen-manuskripte-juedische-bevoelkerung-bayern-19-jahrhundert-auswandern-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p> </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p>Bayern um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Eine Umbruchzeit, die stark von der Aufklärung geprägt wurde. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, diese Forderungen der französischen Revolution verhallten auch in Bayern nicht ungehört. Freiheit, seine Religion auszuüben, Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, Brüderlichkeit als gesellschaftliche Teilhabe für Alle. Auch für eine Minderheit, die bisher in Bayern nur in Ausnahmefällen geduldet war: die Juden. </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Die Wittelsbacher hatten jahrhundertelang keine Juden in ihren Landen geduldet. Im 15. Jahrhundert war diese religiöse Minderheit aus Alt-Bayern vertrieben worden. Nur in wenigen Fällen wurden Ausnahmen gemacht. Hoffaktoren beispielsweise, die den Herrschenden nützlich waren, wurden geduldet. Nun rüttelte nicht nur die Aufklärung an dieser Haltung, sondern Bayern gewann darüber hinaus bis 1815 große Territorien in Franken und Schwaben hinzu. Und damit auch jüdische Untertanen. Denn nachdem sie im späten Mittelalter aus den Städten vertrieben worden waren, hatten sich Juden häufig im ländlichen fränkischen und schwäbischen Bereich niedergelassen und hier Gemeinden gegründet. Diese Gebiete fallen nun an das Königreich Bayern. Dort hat zu diesem Zeitpunkt Maximilian von Montgelas großen Einfluss.</p>
<p> </p>
<p><strong>Schneidawind O-Ton 1</strong></p>
<p>3:57 Die sogenannten Montgelas&#39;schen Reformen, die eben auch das sogenannte Juden Edikt von Achtzehnhundertdreizehn, die sind sehr stark gekennzeichnet, eben auch von diesem Gedanken, ja, Juden so, sofern sie sich nützlich machen für den Staat, können wir überlegen, ihnen schrittweise  Zugeständnisse zu machen und ihnen auch mehr Rechte einzuräumen. Jetzt muss man natürlich dazu sagen, dass dieses Judenedikt von Achtzehnhundertdreizehn eben stark von diesen Nützlichkeitsgedanken geprägt war und also natürlich, also gerade für das Gebiet Altbayerns, also auch der jüdischen Gemeinde Münchens durchaus Vorteile hatte, einfach weil es sozusagen eine erstmal so eine gewisse Form der Rechtssicherheit mit sich brachte. Also es war erstmals geregelt, gewisse wirtschaftliche Einschränkungen wurden aufgehoben, man durfte sich, wenn man gewisse Voraussetzungen erfüllt, auch mit diesem sogenannten Matrikeleintrag niederlassen.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p>Dr. Julia Schneidawind ist Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der erwähnte Maximilian von Montgelas war der umtriebige und einflussreiche Modernisierer im Ministerium von König Maximilian. </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Das &quot;Edikt über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreiche Baiern&quot;, das Montgelas federführend gestaltete, garantierte freie Religionsausübung und Rechtssicherheit, hob die alten Berufsverbote auf, verpflichtete die jüdischen Kinder zum Schulbesuch und die jungen Männer zum Militärdienst, ermöglichte ihnen höhere Bildungswege. Erste Schritte zur Integration waren damit getan. Doch der Staat wollte weiterhin die Kontrolle behalten, und so wurde mit dem Edikt gleichzeitig die Anzahl der jüdischen Familien in Ortschaften und Städten begrenzt. </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p>In Verzeichnissen, sogenannten Matrikeln, erfasste die örtliche Polizeibehörde die jüdischen Mitbürger, und wenn die streng festgelegte Zahl erreicht war, durfte niemand mehr zuziehen. Dies war in Alt-Bayern weniger ein Problem als in den neu-bayerischen Gebieten, Schwaben und Franken. Julia Schneidawind: </p>
<p> </p>
<p><strong>Schneidawind O-Ton 3</strong></p>
<p>7:29 Gerade dieses Gebiet ist sehr stark davon betroffen, weil man eben unter diesen Obergrenzen sich nicht niederlassen konnte, wo man wollte und vor allem auch nicht dort bleiben konnte, wo man vielleicht sehr lange war, sondern man musste sich anders orientieren...</p>
<p> </p>
<p><a name="_Hlk203391191"><strong>Sprecherin</strong></a></p>
<p>Das bedeutete, dass in Schwaben und in Franken Jüdinnen und Juden wegziehen mussten. Eine Art, dieses Problem zu lösen, war durch Wegheiraten. </p>
<p> </p>
<p><strong>Schneidawind O-Ton 4a</strong></p>
<p>37.27 Ich denke innerhalb der Familien gab es schon so ne gewisse Praxis, dass der älteste Sohn dann praktisch den Hof übernimmt, oder was auch immer eben da war …</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Juden, die im Viehhandel oder als Metzger tätig waren, durften regional in kleinem Umfang Land besitzen oder pachten.</p>
<p> </p>
<p><strong>Schneidawind O-Ton 4b</strong></p>
<p>… und dann die Jüngeren, die hat man dann vor allem versucht über Heiratspolitik anderweitig unterzubringen und da musste man auf diese Netzwerke auch zurückgreifen und da gab es ja auch so was wie Heiratsvermittlung, was jetzt nichts mit Zwangsehe zu tun hat, sondern da gab es Personen, die sozusagen da irgendwie auf dem Schirm hatten, wer ist gerade im Alter, wer sucht gerade? Und dann gab es da wirklich so Netzwerke, wo man versucht hat, auch über Familienbanden natürlich zu gucken, wo können wir XY am besten unterbringen und das ist natürlich mit sehr viel Unsicherheit und ja, auch Problemen in der Lebenswirklichkeit verbunden war, das ist auf jeden Fall so.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p> </p>
<p>Zusätzlich kam es zu einer großen Auswanderungswelle. Über 11.000 jüdische Menschen aus Franken und Schwaben suchten ein besseres Leben in Übersee. Viele von ihnen wurden sehr erfolgreich. Denn sie hatten ja dank des „Judenediktes“ bereits eine Schul- und Berufsausbildung absolviert und konnten sich in den USA als freie und gleichberechtigte Bürger eine Existenz aufbauen. </p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Familie Thurn und Taxis - Die Post ist da!</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/familie-thurn-und-taxis-die-post-ist-da/2089810</link>
      <pubDate>Fri, 12 Sep 2025 08:45:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8d10b3a7-633d-4db8-a85b-4564436e0fa9</guid>
      <description>In einem kleinen italienischen Dorf nördlich von Bergamo fängt alles an. Von dort stammt die Familie der Tasso, die schon bald hinaus in die Welt strebt und ab 1490 die ersten internationalen Postverbindungen in Europa betreibt. Die Thurn und Taxis?, wie sie sich später nennen, legen den Grundstein für das internationale Postwesen. Autor: Martin Schramm  </description>
      <enclosure length="21933696" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2089810/c/feed/familie-thurn-und-taxis-die-post-ist-da.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:50</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Schramm</itunes:author>
      <itunes:summary>In einem kleinen italienischen Dorf nördlich von Bergamo fängt alles an. Von dort stammt die Familie der Tasso, die schon bald hinaus in die Welt strebt und ab 1490 die ersten internationalen Postverbindungen in Europa betreibt. Die Thurn und Taxis?, wie sie sich später nennen, legen den Grundstein für das internationale Postwesen. Autor: Martin Schramm  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8a4a228c-e6d5-4829-87d6-7d6c096b6511.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In einem kleinen italienischen Dorf nördlich von Bergamo fängt alles an. Von dort stammt die Familie der Tasso, die schon bald hinaus in die Welt strebt und ab 1490 die ersten internationalen Postverbindungen in Europa betreibt. Die Thurn und Taxis?, wie sie sich später nennen, legen den Grundstein für das internationale Postwesen. Autor: Martin Schramm  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Martin Schramm<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Andreas Neumann, Rahel Comtesse, Jerzy May<br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Martin Dallmeier. Historiker, ehemaliger Direktor des Regensburger Thurn &amp; Taxis-Archivs; <br/>Dr. Peter Styra, Historiker, Leiter des Fürst Thurn und Taxis Zentralarchivs</p>
<p><strong>Literaturtipp:</strong></p>
<p>Eine fundierte, sehr umfangreiche wissenschaftliche Darstellung der Thematik mit vielen Quellen und Illustrationen:<br/>Behringer, Wolfgang: „Thurn und Taxis. Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen.“ München/Zürich 1990. </p>
<p><strong>Linktipp:</strong></p>
<p>Eine virtuelle Ausstellung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation:<br/>Franz von Taxis und die Erfindung der Post | Museum für Kommunikation Nürnberg<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.mfk-nuernberg.de/erfindung-der-post">EXTERNER LINK | https://www.mfk-nuernberg.de/erfindung-der-post</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>MUSIK 1 (96239280101 Eric Terwillliger: Improviation über Till Eulenspiegel für Horn solo 0‘10)</p>
<p>MUSIK 2 (M0010633020 Marc Marder: Innocent Games 0‘37)</p>

<p>ZITATOR (Q: Johann Jacob Moser, 1742, S.262)</p>
<p>„Es bleibet also das formliche Postwesen allerdings eine Taxische Erfindung, welche gantz erstaunliche Folgen nach sich gezogen und die Welt in manchen Sachen fast in einen andern Model gegossen hat […] und ist es zwar jetzso so leicht nachzumachen wie die Schiffahrt dem Columbo; wer weiß aber, ob die Welt nicht noch eben so lang als zuvor würde gestanden seyn, ohne von den Posten oder America etwa zu erfahren, wenn kein Taxis und kein Columbus gekommen wäre?“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Columbus, der Entdecker der neuen Welt -</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Familie Taxis, die Begründer der modernen Post.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Zumindest Johann Jacob Moser, immerhin der führende Reichspublizist des 18. Jahrhunderts, stellt beide für ihre Verdienste auf eine Stufe.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Fest steht aber auch: Nicht nur die Welt hat von der Post profitiert. Auch die Familie „Thurn und Taxis“. Das Schicksal der „Thurn und Taxis“ ist untrennbar verbunden mit dem Aufbau eines völlig neuen Kommunikationsnetzes, um Botschaften von A nach B zu bringen. </p>

<p>MUSIK 3 (96239280101 Eric Terwilliger: Improviation über Till Eulenspiegel für Horn solo 0‘10)</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Die „Initialzündung“ - oder: Von Stafetten und Felleisen</p>

<p>MUSIK 4 (Fantasia XI für Laute 0‘38)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Angefangen hat alles in einem kleinen italienischen Dorf - in Cornello, nördlich von Bergamo. Ein Dorf so klein, dass man es selbst heute noch nicht mit dem Auto erreicht.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aus diesem kleinen Nest stammt die Familie Tasso, die sich bereits im 12. Jahrhundert auf den Kurierbereich spezialisiert hat - und schon bald hinaus in die Welt strebt.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Tasso dienen u.a. der Republik Venedig als verlässliche Boten in politischen Missionen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um 1490 - in einer Zeit voller Umbrüche – legen die Tasso schließlich die Basis für ein Familienunternehmen, das in der obersten Liga mitspielen wird: Für das spätere „Imperium“ der „Thurn und Taxis“. Peter Styra, Leiter des Fürst Thurn und Taxis Zentralarchivs in Regensburg:</p>

<p>01-O-TON Styra</p>
<p>„Es ist also kurz vor 1500. Wir sind in der Zeit kurz vor der Reformation. Wir sind in der Zeit ja, der Buchdruck ist gerade erfunden. Das heißt also auch die Bildung stellt sich auf neue Beine. Wir sind in der Zeit der deutschen ersten Hochfinanz, mit den Fuggern und Welsern - also eine Zeit, in der sehr, sehr viel passiert. Also, die Renaissance bricht an. Es ist eine völlig neue Konzeption in ganz Europa. Es ist eine komplette Umstellung. Das einzige, was tatsächlich noch fehlt, ist eine gut funktionierende, und möglichst schnelle und zuverlässige Kommunikationseinrichtung.“</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vor allem für die Mächtigen der Zeit ist die von zentraler Bedeutung. Z.B. für König Maximilian I. - dem späteren Kaiser Maximilian.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Der hatte ein aufkommendes Weltreich zu regieren - u.a. mit dem im Nordwesten etwas abgelegenen Burgund. Von seiner Residenzstadt aus in Innsbruck war das aber gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Der Kaiser brauchte daher dringend eine schnelle, verlässliche Post:</p>

<p>02-O-TON Styra</p>
<p>„Da müssen Reichsteile verbunden werden, und der Kaiser möchte immer informiert werden, egal, wo er ist, ob er jetzt gerade in Spanien ist oder in Frankreich ist oder in England ist oder Italien ist oder in Innsbruck zu Hause. Er braucht Boten, als er braucht Informationen - und er holt sich tatsächlich diesen Francesco Tasso an seinen Hof nach Innsbruck und gibt ihm den Auftrag, praktisch im im Jahr als sozusagen ja fast zum Beamtenverhältnis, die Kaiserlichen Depesche von A nach B zu transportieren.“</p>

<p>MUSIK 5 (M0027373105 Gerd Baumann: Coyage à trois 0‘41)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Familie Taxis macht sich an die Arbeit – allen voran Franz von Tasso – und begründet die „moderne Post“.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Wie so oft in der Geschichte fangen aber auch die Tasso nicht bei Null an. Sie profitieren von dem, was andere bereits geleistet haben.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Z.B. vom „Stafettensystem“. Das haben bereits die alten Römer entwickelt.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Statt einen einzigen Boten für eine Strecke tagelang reiten zu lassen, ist „Teamwork“ angesagt: Die Boten übergeben ihre Ledertaschen, die sogenannten „Felleisen“ - nach dem französischen Wort Valise für Koffer –jeweils nahtlos an den nächsten Boten. Vorgewarnt durch ein Hornsignal, kann sich der bereithalten.</p>
<p>ATMO POSTHORN</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Post wechselt so rund alle 30 km, später sogar alle 15 km, zum nächsten Reiter mit frischem Pferd, und kommt ohne Unterbrechung viel schneller ans Ziel.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die dafür eingerichteten Wechselstationen hießen &quot;Posta&quot;. Genau daraus leitet sich auch unser heutiges Wort &quot;Post&quot; ab.</p>

<p>MUSIK 6 (M0010633020 Marc Marder: Innocent Games 1‘06)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Franceso Tasso perfektioniert dieses System - und schafft es 1490 tatsächlich erstmals, eine Depesche von Innsbruck nach Brüssel zu transportieren, in fünfeinhalb Tagen, wie von Maximilian gefordert.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Es ist die „Geburtsstunde“, die „Initialzündung“ für die internationale Post.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der Folge gelingt es den Tasso durch eine ganze Reihe von Verträgen, ihr Unternehmen immer weiter auszubauen. Sie arbeiten ab 1501 für die Krone Spaniens und verlegen dazu ihre – heute würde man sagen „Firmenzentrale“ - von Innsbruck nach Brüssel, der Hauptstadt der damals spanischen Niederlande.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Dort macht Francesco Tasso, - der sich schon bald „Franz von Taxis“ nennt - 1505 dann einen entscheidenden Schritt: Er schließt einen außergewöhnlichen Vertrag mit König Philipp I. von Spanien.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Einen gleichberechtigten Vertrag zwischen einem Staat und einem „freien Unternehmer“. Damals ein Novum.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Mit diesem Vertrag beginnt der Siegeszug der Taxis. Denn Franz von Taxis wird dadurch nicht nur finanziell solide ausgestattet, er erhält auch ungeahnte hoheitliche Rechte, die ihm ermöglichen, den Postdienst weitgehend unabhängig vom Staat zu organisieren: u.a. das Recht, die Postbediensteten aufgrund von Verfehlungen gegen Weisungen des Oberpostmeisters zu bestrafen. Außerdem „das Recht, jeden, der die Postbeförderung behindert oder die Unterstützung verweigert, zur Duldung bzw. Zusammenarbeit zu zwingen.“ usw.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese rechtliche Sonderstellung sollte den Taxis im Postbereich bis ins 19. Jahrhundert erhalten bleiben.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Und 1615 werden die Verdienste der Familie Taxis schließlich belohnt, indem das Amt des kaiserlichen Generalpostmeisters zum erblichen Lehen erhoben wird – und zwar als „Mannlehen“ wie auch als „Weiberlehen“, wie das damals hieß. Auch Frauen konnten so also das Postunternehmen führen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Taxis sitzen dadurch sicher im Sattel, niemand kann sie mehr verdrängen. Die Nachfolge durch die Generationen ist gesichert: Sie haben ein verbrieftes Monopol errungen.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Mitte des 17. Jahrhunderts wollte man dann auch den Namen der Familie optimieren, hin zu einem Namen mit mehr „Glamour“, einem Namen, der klangvoll genug wäre, um damit in den Hochadel aufsteigen zu können.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Denn die „Taxis“ galten eher als kleines Rittergeschlecht, das in den Kaufmannsstand gewechselt war. Ohne das wirklich beweisen zu können, behauptete man nun einfach, die Taxis würden vom italienischen Adelsgeschlecht „della Torre“, abstammen. - Der Kaiser genehmigte die Änderung und so entstand der klangvolle Name „Thurn und Taxis“.</p>

<p>MUSIK 7 (96239280101 Eric Terwillliger: Improviation über Till Eulenspiegel für Horn solo 0‘10)</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Eine Familie setzt sich durch – oder: Von Netzwerken und Goldgruben</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Nicht alle erkennen die „Monopolstellung“ der Thurn und Taxis’schen Post an – auch wenn der Kaiser sie „verbrieft“ hat.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es gibt jede Menge Konkurrenten: Unzählige Fürsten- und Herzogtümer, Reichsstände, Städte und Kaufmannschaften im Deutschen Reich wollen ebenfalls mitverdienen - und gründen ihre eigenen Landesposten, um der Reichspost der Thurn und Taxis Konkurrenz zu machen.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Zünfte beauftragen beispielsweise gerne ihre fahrenden Gesellen. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im süddeutschen Raum haben u.a. die Metzger ein ausgeklügeltes Postsystem entwickelt. Die so genannte „Metzgerspost.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Um Vieh zu kaufen, ziehen die ohnehin übers Land, haben Wagen und Pferde. Also gibt man ihnen gerne mal die Post mit.</p>

<p>MUSIK 8 (Z8036173101 Gerd Baumann &amp; Gregor Hübner: Octavio 0‘51)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch letztlich war so eine „Metzgerspost“ von eher lokaler Bedeutung. Die Strecke Innsbruck-Brüssel oder Innsbruck-Rom konnten sie nicht bedienen.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Und selbst die professionelle Boten-Konkurrenz hatte es letztlich schwer, dem internationalen Netzwerk der Thurn und Taxis etwas entgegenzusetzen. Vor allem, als ihnen der Kaiser um 1600 untersagte, eigenständige Wechselstationen, sprich Poststationen, einzurichten. Ohne diese Stationen waren sie nicht konkurrenzfähig.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch Länder wie Bayern wollten den Profit aus der Post lieber selbst einstreichen, als ihn den Thurn und Taxis zu überlassen. - Martin Dallmeier - ehemaliger Direktor des Regensburger Thurn &amp; Taxis-Archivs:</p>

<p>03-O-TON Dallmeier</p>
<p>„Dass Private hier ein große Einkommen anhäufen durch diesen Nachrichtenverkehr. Das war vielen Staaten schon natürlich ein Dorn im Auge. Bayern hat zum Beispiel 1697 versucht, eigene Post einzurichten unter Max Emanuel von Bayern - ist daran gescheitert.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Bayern hatten dem international agierenden Monopolisten „Thurn und Taxis“ letztlich nichts entgegenzusetzen - , mit seinen unzähligen Poststationen und Verträgen - selbst mit den kleinsten Stadtstaaten z.B. in Italien - wie Venedig, Genua und Florenz.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Thurn und Taxis überließen dabei nichts dem Zufall. Einer der Schlüssel zu Ihrem Erfolg: Es waren Mitglieder aus dem eigenen „Familienclan“, die an entscheidenden Positionen des Unternehmens saßen.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Und es entstand ein loyales Netzwerk – mit – heute würde man sagen „Franchisenehmern“ - um die stolze Zahl von über 2500 Poststationen überhaupt betreiben zu können. - Der Historiker Peter Styra:</p>

<p>04-O-TON Styra</p>
<p>„Das Postnetz aufzubauen bedeutete, durchs Land zu reiten, sich Gasthäuser zu suchen, Wechselstation zu suchen. Die dortigen Besitzer möglichst eng zu verpflichten und am Gewinn zu beteiligen. Und dieses System funktioniert von 1500 bis 1867. Wichtig ist, dass man seine Leute bei der Stange hält. Natürlich gab es da haufenweise Ärger. Was man aber damals schon gesehen hat, dass über Generationen hinweg das oftmals die gleichen Familien gewesen sind. Also Generationen von Familien, die dieses Amt in ihrer Poststation an die Söhne und Enkel weitergeben, also ein relativ verlässliches Netz.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Thurn und Taxis taten also etwas für ihre Leute: sie bekamen Anerkennung und wurden gut bezahlt, ja konnten reich werden durch ihre Arbeit.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wurden aber auch nach strengen Kriterien ausgewählt – und wenn nötig überwacht:</p>

<p>05-O-TON Styra</p>
<p>„Wir haben Visitationsberichte in der bayrischen Post, wo also genau untersucht wurde: Wie ist das Wirtshaus beieinander? Wie sind die Pferde? Ist es dort sauber. Kann man dort übernachten, wie ist das Essen, also alles wird genau wie in einer Liste aufgeführt. Wieviel Kinder hat er? Da steht alles drin. Also was für eine soziale Kompetenz bringt er damit. Ist er mit seiner Frau gut oder ist Witwer oder ist sie allein? Wird genau untersucht. Also, man sucht versucht immer das Personal auch natürlich abzuchecken. Ob sie sowohl körperlich als auch geistig wie auch immer, ob sie in der Lage sind, das zu machen.“</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch gutes Personal bekam eben nur, wer seine Leute auch gut behandelt - und letztlich auch überdurchschnittlich gut bezahlt hat.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Was die Frage aufwirft: Wie genau haben nun eigentlich die Thurn und Taxis selbst ihr Geld verdient?</p>

<p>MUSIK 9 (M0027373106 Gerd Baumann: Rifiuto 0‘45)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bereits kurz nach der Geburt des Unternehmens zeichnete sich ab, dass es um die Zahlungsmoral der Mächtigen dieser Zeit nicht zum Besten bestellt war. Manche sind notorisch pleite, andere zahlen, wenn überhaupt, erst mit reichlich Verspätung.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Um die Ausgaben zu decken, das kostspielige Zustellungssystem aber auch zu expandieren, waren also neue, verlässliche Einnahmequellen gefragt.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Zukunft lag daher in der Masse. Statt nur amtlich-kaiserliche Korrespondenz zu transportieren, öffneten die Postmeister bereits 1506 ihre Pforten für private Kunden: Jeder, der zahlen konnte, war willkommen. Vor allem durch diese Einnahmen entwickelt sich das teure Postnetz zu einer wahren Goldgrube. Die Thurn und Taxis blieben den Mächtigen so einerseits verbunden – zugleich aber auch freie Unternehmer.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Egal ob Briefe, Päckchen, Pakete oder Geldkassetten. Transportiert wird alles. Schon bald auch Personen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Möglich wird das durch ein weiteres Novum: die Postkutsche. Sie macht es möglich, nicht nur Massensendungen und sperrige Güter von A nach B zu bewegen - sondern auch Reisende.</p>

<p>MUSIK 10 (R0026990W02 Mozart: Divertimento für Streicher D-Dur, Capella Istropolitana (007) 3.Satz: Presto 0’57)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Auch prominente Zeitgenossen wie beispielsweise Wolfgang Amadeus Mozart. In einem Brief an seinen Vater schildert er 1780 eindrücklich, dass so eine Fahrt mit der Postkutsche offenbar alles andere als ein Luxusreise war:</p>

<p>ZITATOR W.A. Mozart (Q: Brief 8.11.1780)</p>
<p>„Ich versichere Sie, daß keinem von uns möglich war nur eine Minute die Nacht durch zu schlaffen – dieser Wagen stößt einem doch die Seele heraus! – und die Sitze! – hart wie Stein! – von Wasserburg aus glaubte ich in der that meinen Hintern nicht ganz nach München bringen zu können! – er war ganz schwielig – und vermuthlich feuer Roth – zwey ganze Posten fuhr ich die Hände auf dem Polster gestützt, und den Hintern in lüften haltend – –  – doch genug davon, das ist nun schon vorbey! – aber zur Regel wird es mir seyn, lieber zu fus zu gehen, als in einem Postwagen zu fahren.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Zufriedene Kundschaft klingt anders. - Dabei ging es damals nicht nur um Komfort. Um auf Dauer Erfolg zu haben, war eine weitere Frage zentral: die nach der Sicherheit. Für die Fahrgäste, das geladene Gut – aber natürlich auch für das Personal selbst.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wirklich aktenkundig und dokumentiert sind erstaunlich wenige Überfälle auf die Post. Peter Styra:</p>

<p>06-O-TON Styra - Überfälle</p>
<p>„Grundsätzlich kann man sagen ich glaube, es war gefährlicher, einen betrunkenen Postkutschenfahrer zu haben als einen Räuber, der am Straßenrand steht. Das war gefährlicher. Aber natürlich gab es natürlich solche Vorfälle, es gab Überfälle auf die Kutsche, aber die sind sehr selten. Überliefert sind einzelne Fälle in jedem Jahrhundert, vor allen Dingen in Kriegszeiten. Also solche Großkatastrophen wie der dreißigjährige Krieg waren auch für die Post, für die Reichspost, natürlich gefährlich, weil da ist ja alles losgelassen, da haben dann seien es die schwedischen oder die bayerischen oder die sonstwas-Soldaten, die haben sich einen Spaß daraus gemacht. Da gab es ja eben kein Halten mehr. Es gab ja auch nicht das verbindende Reichsglied mehr den Kaiser. Das hat sich ja derzeit aufgelöst.“</p>

<p>MUSIK 11 (M0055275105 Gerd Baumann: Verschellt 0’46)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Doch nicht nur durch Überfälle war die Post bedroht - auch durch Spionage alle Art.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Postgeheimnis galt zwar schon damals prinzipiell als schützenswertes Gut. Speziell im Zeitalter des Absolutismus stand das Interesse des Staats aber deutlich über dem Briefgeheimnis.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Weil gerade die Reichspost unter den Thurn und Taxis letztlich vom Kaiserhaus abhängig war, zögerte man dort auch nicht, sich durch „Spionagedienste“ erkenntlich zu zeigen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sprich: Briefe auf direkte Weisung gezielt zu öffnen, also das Siegel zu brechen, die Briefe dann oft auch abzuschreiben - und den Kaiser auf Stand zu halten. Eine Praxis, die europaweit üblich war.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Dem Ruf und dem Erfolg des Unternehmens Thurn und Taxis scheint das letztlich aber nicht geschadet zu haben. Noch im 19. Jahrhundert äußert sich ein gewisser Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe anerkennend über die „durchgreifende Schnelligkeit der Taxis&#39;schen Posten“ - und auch über „die Sicherheit des Siegels.“</p>

<p>MUSIK 12 (96239280101 Eric Terwillliger: Improviation über Till Eulenspiegel für Horn solo 0‘10)</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Steter Aufstieg - oder: Reichtum, Macht und starke Frauen</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vor allem im 17. Jahrhundert geht es mit den Thurn und Taxis steil nach oben: 1608 erfolgt die Erhebung in den „Reichsfreiherrenstand“, 1624 in den erblichen „Reichsgrafenstand“ und 1695 schließlich unter Kaiser Leopold I. in den „Reichsfürstenstand“. Und seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein Thurn und Taxis schließlich Stellvertreter des Kaisers im immerwährenden Reichstag in Regensburg.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Ohne die sprudelnden Gewinne aus der Post, also den wirtschaftlichen Erfolg der Familie wäre das undenkbar. Im 18. Jahrhundert verdienen die Thurn und Taxis Jahr für Jahr Millionenbeträge, gehören zur wirtschaftliche Elite Europas.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Adelig zu sein, musste man sich eben auch leisten können. Wer Mitglied im Club sein wollte, musste sich nach den „Spielregeln“ dieses Clubs richten. Gefragt war „standesgemäße“ Lebenshaltung, Prunk- und Prachtentfaltung. </p>

<p>07-O-TON Styra</p>
<p>„Gesellschaftlich gesehen haben die Taxis immer beides betrieben. Sie haben mit ihrem jeweiligen Stand auch ihr Postunternehmer natürlich befördern können. Wenn ich vom Grafen zum Fürstenstand aufsteige, dann kann ich mit ganz anderen Menschen verhandeln als als Graf. Wenn ich ein Reichsfürst bin, kann ich mit dem König verhandeln. Wobei das haben die Taxis vorher auch schon gemacht, weil sie halt selbstbewusst waren. Aber grundsätzlich mit jeder Adels-Erhebung steige ich auf und hebe Standesschranken auf und kann weiter nach oben und kann das auch für mein Unternehmen nutzen. Insofern bedingt eins das andere. Sie haben beides füreinander benutzt und genutzt.“</p>

<p>MUSIK 13 (M0055275105 Gerd Baumann: Verschellt 0’38)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Mission der „Post-Fürsten“ war klar: Es galt, das Imperium gegen alle möglichen Widerstände und Bedrohungen zu sichern. Die Post vor allem als Privatunternehmen zu erhalten – während im übrigen Europa verstaatlicht wurde. Das ging nur im Zusammenspiel mit den Mächtigen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Mächtigen bei Laune zu halten, sich mit ihnen zu vernetzen und gut zu stellen, Töchter zu verheiraten usw., war also essentiell. Gefragt waren Diplomatie und beständiges Verhandeln.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>In der Familiengeschichte der „Thurn und Taxis“ ist das auch immer wieder die Stunde starker Frauen. Alexandrine von Taxis beispielsweise führt das Unternehmen durch die Wirren des 30-jährigen Krieges.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und Fürstin Therese richtet beim Wiener Kongress 1814 einen eigenen Salon ein, um Politik für das Haus „Thurn und Taxis“ zu machen. Peter Styra:</p>

<p>08-O-TON Styra</p>
<p>„Ihr Mann hat ihr das als Gesandte übertragen. Sie war hübsch, sie war intelligent. Sie war verwandt mit dem russischen Zaren, mit dem bayerischen König, mit dem Preußischen König. Sie war mit allen verwandt, musste in Sachen Taxis verhandeln, und sie durfte auf dem Wiener Kongresse, als Frau nicht teilnehmen. Aber sie hat eben die sogenannte Salon-Politik betrieben, die ja in Frankreich ganz groß gewesen ist. Und die hatten einen ganz genauen Plan. Da gibt es genaue Anweisungen ihres Ehemannes, mit wem sie über was verhandelt, was sie wem auch sagen darf und wie weit sie gehen können und wo sie vorsichtig sein muss. Also genaue Instruktionen, das war ein perfektes Team.“</p>

<p>MUSIK 14 (M0010633046 Marc Marder: Premonition 2 0‘47)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dennoch - die Kaiserlichen Reichspost steht 1806 vor dem Aus.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>In gewisser Weise hat die „Reichspost“ aber das „Reich“ sogar überlebt: Die Thurn und Taxis Post versorgt nämlich noch weitere sechs Jahrzehnte einen großen Teil Deutschlands - als Privatunternehmen versteht sich.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Endgültig abgefahren ist die Post für die Familie dann 1867. Sie muss sämtliche Postrechte an den preußischen Staat abtreten. Die deutsche Reichspost übernimmt.</p>


<p>SPRECHER</p>
<p>Nach über 500 Jahren geht damit eine Ära zu Ende. Das Post-Unternehmen Thurn und Taxis ist Geschichte. Ein Unikum weltweit.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch natürlich ist das nicht das Ende der „Thurn und Taxis“. Sie stellen sich neu auf. Investieren ihre Gewinne aus dem Postgeschäft und auch die Entschädigungen und Abfindungen für ihre Postrechte in neue Geschäftsmodelle. Kaufen Bergwerke, Zuckerfabriken oder Brauereien - und werden zum bis heute wohl größten privaten Waldbesitzer Deutschlands.</p>

<p>MUSIK 15 (M0010633020 Marc Marder: Innocent Games 0‘57)</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Angefangen hat also alles mit den revolutionären Ideen eines Franz von Tasso – in einem kleinen Nest in Norditalien. Daraus wird der größte Dienstleitungsbetrieb der frühen Neuzeit. Geführt von einer Unternehmerfamilie und deren Familienoberhäupter.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Von Wirtschaftshistorikern werden die zwar später gerne mal als „Häuptlinge ganzer Clans verwandter Kapitalisten“ verspottet - doch das Unternehmen ist erfolgreich, kann sich durch die Jahrhunderte behaupten - und wird zum Vorbild für viele andere Postorganisationen weltweit.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Francesco Tasso hat es übrigens sogar im 19. Jahrhundert noch nach New York geschafft – auf eine Gedenktafel an einem Postgebäude - offenbar hat er sogar die Post dort noch inspiriert.</p>

<p>MUSIKENDE</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Auf der Jagd - Die Lust am Beute machen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/auf-der-jagd-die-lust-am-beute-machen-1/2110289</link>
      <pubDate>Fri, 12 Sep 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0e35b872-eb51-41f9-b06c-9c546eb950fa</guid>
      <description>Tiere zu jagen ist spannend. Jemanden zu verfolgen, kann Spaß machen - vor allem, wenn man auf Seite der &quot;Guten&quot; steht, die gegen das &quot;Böse&quot; vorgehen. Justina Schreiber ist der menschlichen Lust am Beute machen auf der Spur.</description>
      <enclosure length="21145728" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110289/c/feed/auf-der-jagd-die-lust-am-beute-machen-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:01</itunes:duration>
      <itunes:author>Schreiber, Justina</itunes:author>
      <itunes:summary>Tiere zu jagen ist spannend. Jemanden zu verfolgen, kann Spaß machen - vor allem, wenn man auf Seite der &quot;Guten&quot; steht, die gegen das &quot;Böse&quot; vorgehen. Justina Schreiber ist der menschlichen Lust am Beute machen auf der Spur.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/468ace6f-e296-4e74-885e-f512bf7403a0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Tiere zu jagen ist spannend. Jemanden zu verfolgen, kann Spaß machen - vor allem, wenn man auf Seite der "Guten" steht, die gegen das "Böse" vorgehen. Justina Schreiber ist der menschlichen Lust am Beute machen auf der Spur.</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Justina Schreiber<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Beate Himmelstoß<br/> Technik: Susi Harasim<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> - Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber, Psychiater und Forensiker, Dr. Nina Krüger, Biologin und Jägerin, Angela Mauss-Hanke, Psychoanalytikerin </p>
<p><br/></p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-manuskripte-auf-der-jagd-lust-beute-machen-toeten-begehren-instinkt-lust-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>SPRECHERIN:<br/> </strong>Es passierte auf einer Parforcejagd. So erzählt es die Legende. Dem römischen Befehlshaber Placidus stellte sich ein Hirsch entgegen anstatt zu fliehen. Er trug ein Kruzifix in seinem Geweih. Vor Schreck fiel Placidus, der Heide, vom Pferd. Er hörte die Stimme Christi fragen: Warum verfolgst du mich? Ja, warum jagte er ihn? </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Mythen, Märchen und auch Träume erzählen vom Jagen und Fliehen. Etwas oder jemand erreichen oder zu fassen kriegen zu wollen, sich verstecken und wieder aufgespürt werden, einen Menschen oder ein Tier stellen. Erliegen.<strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK aus</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 01: </strong>(Hans-Ludwig Kröber)</p>
<p>„Das sind alles Dinge, die unsere Vorstellungswelt, unsere Angstwelt, das, was im Leben gefährlich werden kann, betrifft. Und natürlich sind wir lieber auf Seite der Verfolger als der Verfolgten.“ </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Hans-Ludwig Kröber ist Forensiker. Er hat viele Straftäter psychiatrisch begutachtet und eine Zeitlang mit der Kriminalpolizei Täterprofile entwickelt. Bei diesen „operativen Fallanalysen“ bemerkte er immer wieder:</p>
<p> </p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 02: </strong>(Hans-Ludwig Kröber)</p>
<p>„Dass es Spaß macht, wenn es gelingt, das Suchfeld zu verengen und die verfolgte Person in den Fokus zu bekommen und schließlich so einengen zu können und dann auch Maßnahmen zu ersinnen, wie man ihr näherkommen kann oder wie man sie dazu bringen kann, Fehler zu machen und sich zu verraten und Material zu liefern, das ist eine ausgesprochen reizvolle Angelegenheit.“</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Jagen macht Spaß. Ganz klar, erklärt auch die Jägerin Nina Krüger. Die waidgerechte Jagd auf Wild verlangt viel Wissen und Geschick und involviert sie in eine spannende Handlungskette, die sie selbst in Gang setzt. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 03: </strong>(Nina Krüger)</p>
<p>„Habe ich ein Stück Wild in Anblick, muss ich entscheiden, ist es das Richtige, welches Geschlecht hat es, befindet sich das in der Altersklasse, die ich bejagen möchte, kann ich einen sicheren Schuss abgeben? Wenn ja, steht das Wild richtig, kann ich ihm einen möglichst schnellen, schmerzlosen Tod ermöglichen? Diese Entscheidungen muss ich alle treffen.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Es ist kein Spiel. Es geht um viel. Es geht um einen Abschuss. Um Leben oder Tod eines Tieres. Und trotzdem wagt Nina Krüger zu sagen: zu jagen ist ihre „Passion“, ihre Leidenschaft, eine Lust.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK aus</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 04:</strong> (Nina Krüger)</p>
<p>„Das ist mit Sicherheit ein Tabu, zumindest von Jägern wird das ungern besprochen, weil wir ja eine große Debatte über die Rechtmäßigkeit der Jagd heutzutage haben.“ </p>
<p> </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Doch die Jagd muss sein. Jäger betonen heute vor allem den Nutzen, den die Kontrolle des Wildbestandes für den Wald mit sich bringt - um sich gegenüber Tierschützern keine Blöße zu geben.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 05:</strong> (Nina Krüger)</p>
<p>„Es gilt sehr als verpönt an der Jagd selber Lust zu empfinden. Dass jetzt wirklich jemand an dem Akt des Tötens Lust empfindet, das ist mit Sicherheit eher ein Ausnahmefall, aber das Reden darüber ist auch schon eher schwierig.“</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Nina Krüger hat Biologie studiert. Sie hält die Lust am Jagen für eine Art Ur-Trieb, der unsere Urahnen vor 300.000 Jahren dazu anstachelte, sich andere Lebensmittel als immer nur Beeren oder Pilze zu beschaffen. Seither hat sich die menschliche Gattung beachtlich weiterentwickelt. Eben, weil sie jagte. Mit der eiweißhaltigeren Kost vergrößerte sich das Gehirn. Das gemeinsame Vorgehen zu planen und Werkzeuge oder Waffen zu bauen, verlangte Intelligenz und Ausdrucksvermögen. </p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 06:</strong> (Nina Krüger)</p>
<p>„Die ganze Jagd, wie sie zu der Zeit stattgefunden hat, hat nur funktioniert, weil der Mensch so gut kommunizieren kann. Ist die Frage, hat er kommunizieren gelernt, weil er jagen musste oder weil er besser jagen wollte oder konnte er vorher kommunizieren. Es ist mit Sicherheit ein so eng miteinander verknüpfter Entwicklungsprozess, dass es nur noch schwer herauszufinden ist, was da am Anfang da war. Aber wir wären einfach nicht so geworden, hätten wir auch nicht das Bedürfnis gehabt, uns weiterzuentwickeln, also hätte es diese Anforderung gar nicht gegeben.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Die Jagd war von Anfang an mehr als eine reine Nahrungsbeschaffungs-maßnahme oder der Versuch, sich gefährlicher Tiere oder Gegner zu entledigen. Wie die ersten Höhlenmalereien belegen, gab die Jagd den Anstoß für die kulturelle Entwicklung des Menschen, die ihm zu seiner überlegenen Sonderrolle im Reich der Natur verhalf. Wozu übrigens auch gehört, dass wir Tiere hegen, schützen, achten und sogar lieben. Trotzdem: Die Jagd mit Speeren und anderen Waffen etablierte ein klar hierarchisches Gefälle, meint die Psychoanalytikerin Angela (= Andschela) Mauss-Hanke.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK aus</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 07:</strong> (Angela Mauss-Hanke)</p>
<p>„Wenn das Tier mich als Jäger bemerkt, dann flieht es ja. Das heißt, ich muss mich verstecken, ich muss mich unsichtbar machen und ich muss immer aus dem Versteck heraus schießen. Da ist der eine vollkommen in der Position der Macht und der andere wird in kompletter Unwissenheit eben erlegt.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Das Wild kann sich nicht wehren oder um Schonung bitten. Anders in der Legende. Der Römer Placidus, dem Gottes Sohn in Hirschgestalt erschien, wandelte daraufhin seine Gesinnung. Er ließ sich auf den Namen Eustachius taufen und erlitt – als Christ nun selbst verfolgt - den Märtyrertod. Ja, so schnell kann aus einem Jäger die Beute werden! </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK</strong></p>
<p> </p>
<p>Eine Botschaft, die heutzutage Fernseh-Krimis verbreiten. Sie laden Abend für Abend zur fiktiven Jagd auf Menschen ein. </p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 08:</strong> (Hans-Ludwig Kröber)</p>
<p> </p>
<p>„Und die moralische Rechtfertigung liefert man gleich in den Anfangsbildern, wenn die Leiche da liegt und die Kriminalbeamten sich über die Leiche beugen und sich nach den ersten Befunden erkundigen. Und ab dann darf der Zuschauer mitfiebern und weiß sich von vornherein auf der moralisch richtigen Seite und am Schluss wird dann auch der Täter toitoitoi jedenfalls nach dem klassischen Muster zur Strecke gebracht…“</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Lindy Hop - Der gleichberechtigte Swing-Tanz</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/lindy-hop-der-gleichberechtigte-swing-tanz/2109439</link>
      <pubDate>Thu, 11 Sep 2025 17:54:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0e229a5f-5fed-4cba-87b8-139db868c690</guid>
      <description>Es ist ein Tanz, der lässige Lebensfreude versprüht: Doch Lindy Hop macht nicht nur Spaß. Entstanden aus improvisierter Musik und Bewegung schwarzer Sklaven, transportiert er bis heute auch Werte der afroamerikanischen Emanzipation - wie Freiheit, Minderheiten-Rechte oder die Gleichheit der Geschlechter. Von Lukas Grasberger </description>
      <enclosure length="21405312" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109439/c/feed/lindy-hop-der-gleichberechtigte-swing-tanz.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:17</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Es ist ein Tanz, der lässige Lebensfreude versprüht: Doch Lindy Hop macht nicht nur Spaß. Entstanden aus improvisierter Musik und Bewegung schwarzer Sklaven, transportiert er bis heute auch Werte der afroamerikanischen Emanzipation - wie Freiheit, Minderheiten-Rechte oder die Gleichheit der Geschlechter. Von Lukas Grasberger </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/59ce65ea-4896-45a2-aa92-26a039690fcb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein Tanz, der lässige Lebensfreude versprüht: Doch Lindy Hop macht nicht nur Spaß. Entstanden aus improvisierter Musik und Bewegung schwarzer Sklaven, transportiert er bis heute auch Werte der afroamerikanischen Emanzipation - wie Freiheit, Minderheiten-Rechte oder die Gleichheit der Geschlechter. Von Lukas Grasberger </p><p><strong>Credits:</strong></p>
<p>Autor: Lukas Grasberger</p>
<p>Regie: Martin Trauner</p>
<p>Sprecher/in: Thomas Birnstiel, Rahel Comtesse, Florian Schwarz</p>
<p>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><br/></p>
<p> <strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>- Markus Mogg, Sozialhistoriker und Mitgründer des Grazer Swingtanz-Vereins „Lindy  Cats“  </strong></p>

<p><strong>- Kendra Unruh, PhD in American Studies zur Geschichte des Lindy Hop und Lindy-Hop  Tänzerin </strong></p>
<p><strong>- Georg, Lindy-Hop-Tänzer aus Miesbach</strong></p>
<p><strong>- Anita, Lindy-Hop-Tänzerin aus Seeon</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>- Joseph Sewell, Profi-Tänzer und Tanz-Trainer bei Jiveswing.com, Betreiber von  „Swingopedia“ </strong></p>
<br/>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong> </p>
<p> </p>
<p>Frankie Manning Foundation: Seite mit Infos zur Geschichte des Lindy Hop und seiner bekanntesten Tänzer</p>
<p><a href="https://www.frankiemanningfoundation.org/">https://www.frankiemanningfoundation.org/</a><br/> <br/> Swingopedia: Enzyklopädie der Swingtänze auf Facebook<br/> <a href="https://www.facebook.com/groups/271795970605733">https://www.facebook.com/groups/271795970605733</a></p>
<p> </p>
<p>Authenticjazzdance: Guter Blog mit umfangreichen Infos zu Lindy Hop und seiner Geschichte</p>
<p>https://authenticjazzdance.wordpress.com/<br/> <br/> Vintage Club: Seite von Tanzschule und Veranstaltungslokal der Münchner Swingtanz-Pioniere Marcus Koch und Bärbl Kaufer<br/> <br/> <a href="https://www.worldofswing.de/">https://www.worldofswing.de/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Hör-Tipps:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:2fa6d6456221116b/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Was macht Tanz mit uns? - Die heilsame Kunst · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ed14f01c72565155/">Radiowissen · Der Mensch ist ein Tänzer - Vom Glück der Bewegung · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansukripte-lindy-hop-swingtanz-gleichberechtigung-jazz-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><br/></p>
<p><strong>SPRECHER</strong><br/> Die Stimmung kocht an diesem Samstagabend in der modernen  Mehrzweckhalle von Landsberg am Lech. Männer und Frauen jeden Alters tanzen, schwitzen, lachen. Aber nicht etwa zu zeitgemäßem DJ-Sound, sondern zur Musik der 30er-Jahre. Gerade hat die Band „Tain´t what you do“ angestimmt: </p>
<p><strong>Atmo nochmal kurz hoch</strong></p>
<p>Schon die ersten Töne dieses Songs sind ein Signal für jeden Swing-Fan, die Tanzfläche zu stürmen, um dort gemeinsam den Shim Sham, DIE ikonische Choreographie des Lindy Hop, aufzuführen. </p>
<p><strong>ZSP 1 Manning</strong></p>
<p>A one, a two, you know a what to do</p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Es spricht: Die Legende des Lindy Hop. Dass heute jeder Lindy-Hop-Tänzer in Landsberg am Lech wie weltweit weiß, was zu tun ist, wenn der Shim-Sham-Song erklingt: Das ist maßgeblich das Verdienst eines Mannes:<br/> <br/> </p>
<p><strong>O-Ton 1 Mogg</strong><br/> Und damit kommen wir zur Biografie von Frankie Manning, einem der wichtigsten Träger und Innovatoren des Lindy Hop.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>...sagt Markus Mogg. Er ist Mitgründer des Grazer Vereins „The Lindy Cats“ - und forscht als Historiker zur Geschichte des Lindy Hop und seiner Protagonisten.<br/> <br/> </p>
<p><strong>O-Ton 2 Mogg</strong><br/> Weil Frankie Manning war, dadurch dass er 1914 geboren war - Mitte der 20-er - zu jung, um einer der Erfinder des Lindy Hop zu sein. Da war er noch ein Kind. Aber als Teen hat er schon den Lindy Hop dann gesehen bei anderen Leuten und hat festgestellt: das will ich auch können!</p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Auch wenn es dieser charismatische, 1914 in Jacksonville, Florida, geborene  Afro-.Amerikaner war, der den Lindy Hop maßgeblich mitentwickeln und über die Jahrzehnte am Leben erhalten sollte: Frankie Manning war – Ende der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts - nur einer der zahlreichen Väter und Mütter des Tanzes. </p>
<p><strong>MUSIK: Te Roy Williams and His Orchestra: Lindbergh Hop (Aufnahme 1927) (1:12) – Label: Harmony</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>darüber</strong></p>
<p><strong>ZITATORIN</strong><br/> Das kleinste Paar auf dem Dancefloor, Mattie Purnell und George Snowden, gewannen einen 15-Dollar-Goldpreis für die kunstfertigste Performance eines neuen Tanzes, genannt der „Lindbergh Hop“. </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>...schrieb 1928 eine Zeitung über den Auftritt des Paares Mattie Purnell und George Snowden – auch bekannt als Shorty George - bei einem Tanz-Wettbewerb im New Yorker „Manhattan Casino“.  Es war eine Zeit, in der der Pilot Charles Lindbergh in den USA äußerst populär war. Er hatte es im Jahr zuvor als erster geschafft, allein und ohne Zwischenstopp über den Atlantik nach Europa zu fliegen. Lindbergh-Fans benannten Geschäfte, Kochrezepte, und auch Songs nach ihm. Ob der Name des Tanzes „Lindy Hop“ wirklich letztlich auf Charles „Lindy“ Lindbergh zurückzuführen ist, der den „Hop“, also den Sprung über den Atlantik schaffte – darüber streiten sich bis heute die Geister. Markus Mogg:<br/> <br/> </p>
<p><strong>O-Ton 3 Mogg</strong></p>
<p>„Die Namenslegende, dass er nach Charles Lindbergh benannt ist, wird teilweise von Forschenden angezweifelt. (…) Wobei es auch eine alternative Erklärung gibt, die ich sehr interessant finde. Lindy heißt im afroamerikanischen Slang oft „Girl“ und „Hop“ Dance. Und nachdem die Leute, die die Damenrolle - wir sagen im Lindy Hop dazu Followers, - tanzen, schon von Anfang an eine sehr starke Rolle gespielt haben, liegt es durchaus nahe, dass es einfach ein „Girls Hop“ gewesen sein könnte.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Unzweifelhaft ist, dass die Ursprünge des „Lindy Hop“ buchstäblich auf der Straße liegen: In den Vierteln der Schwarzen, die von überall aus den USA nach New York zogen. Deren Kinder tanzten in den Gassen und Hinterhöfen von Harlem, um sich bei Passanten ein paar Münzen zu verdienen. Die Älteren trainierten dort, um in einem der neu entstandenen Clubs eine gute Figur zu machen. Allen gemeinsam war das afroamerikanische Erbe: Tanzfiguren und Bewegungsroutinen, die noch aus der Sklavenzeit stammten, die bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts andauerte.<br/> <br/> </p>
<p><strong>O-Ton 4 Mogg<br/> </strong>Die Sklaven begannen dann auch, weil einige von ihnen in den Haushalten arbeiten, die sogenannten <em>Court Dances</em>, also diese höfischen Tänze die die vornehmen Südstaatengesellschaften tanzten, die sie selber aus Europa versucht haben zu übernehmen, um sich selber quasi zum neuen Adel der neuen Welt zu machen, zu parodieren. Und daraus entstand der Cakewalk. Der Cakewalk war im Endeffekt eine Parodie dieser gestellten, ziemlich komplizierten ursprünglich höfischen Tänze und führte eben dazu, dass die Afroamerikanerinnen sich damit auch über ihre Herren lustig machen konnten, ohne dass die das erkannten.</p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Als weiterer Vorläufer, eine Schrittkombination, die ein wichtiges Element des Lindy Hop werden sollte, gilt der „Breakaway“</p>
<p><br/></p>
<p><strong>O-Ton 5 Unruh Overvoice Teil 1</strong></p>
<p>Dabei bewegen sich die Tanzpartner auf die Schläge „fünf“ und „sechs“ voneinander weg. (…) Das öffnete auch den Raum für Improvisationen – womit sich der Breakaway dann auch von „weißen“ Tänzen unterschied.</p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>...sagt die texanische Forscherin Kendra Unruh (AUSSPRACHEHINWEIS: „An-rah“), die zur Geschichte des Lindy Hop promoviert hat.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-Ton 5 Unruh Overvoice Teil 2</strong></p>
<p>Ein anderes Element dieses Tanzens, das auch den Lindy Hop prägen sollte, ist der <em>Bounce</em>. <em>Bouncing</em> bedeutet, dass man quasi rhythmisch in den Boden hinein federt. Als Tänzerin stelle mir gerne vor, dass meine Kniegelenke dabei so etwas wie Stoßdämpfer an einem Auto sind. Das ist ein Erbe der afrikanischen Tänze: Lindy Hop ist mehr „erdverbunden“ ist als europäische Tänze, bei denen die Haltung sehr nach oben, gen Himmel, gerichtet ist. Der Oberkörper ist beim Lindy Hop nicht so starr, sondern entspannt.</p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Die Swing-Tänzer und -Historiker Karen Hubbard und Terry Monaghan sahen in der Art dieses Tanzens gar eine „umfassende und rhythmisch aufgeladenen Kritik an der europäischen Paartanztradition“. Der Lindy Hop, schrieben sie, sei Ausdruck einer „neuen Ästhetik kultureller Gleichberechtigung“.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik „Stompin´at the Savoy“ – Z9458811#312 (0:50)</strong></p>
<p>1926 hatte im New York der „Savoy“, genauer, der „Savoy Ballroom“ eröffnet – mitten im Stadtteil Harlem. Harlem erlebte zu dieser Zeit eine malerische, literarische, kulturelle Blüte.  Der Manager des „Savoy“, Charles Buchanan, wollte, so seine Worte, einen luxuriösen Ballsaal schaffen „um den vielen Tausenden Platz zu bieten, die in einer Atmosphäre geschmackvoller Kultiviertheit tanzen wollten – statt in kleinen, stickigen Sälen und übel riechenden, rauchgeschwängerten Nachtclubs im Keller.“ </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Mit seiner großen länglichen Tanzfläche aus Mahagoni und Ahorn, mit seinen  Pink gestrichenen Wänden, mit seinen großen Spiegeln, war der Savoy Ballroom DIE Adresse für Tänzerinnen und Tänzer. Wenig verwunderlich, dass genau dort auch der Lindy Hop verfeinert und mit äußerster Kunstfertigkeit weiterentwickelt wurde. Uneingeschränkt willkommen, sagt Markus Mogg, waren die Lindy Hoppers im Savoy Ballroom aber zunächst nicht.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-Ton 7 Mogg</strong></p>
<p>Die Lindy Hoppers waren am Anfang nicht so gern gesehen. Sie galten nämlich als zu genial, für unseren Maßstab. Sie galten als zu wild im Tanzen, bis dann einer der Bouncers, der legendäre Herbert White, die Idee hatte, geben wir Ihnen einen Raum auf der Tanzfläche, wo Sie tanzen können, das hat einen Show-Effekt, wir fördern Sie, es bringt auch die Gäste nicht mehr so durcheinander, weil schließlich, Lindy Hopping wird ja am Spot getanzt und sehr viele der klassischen Ballroom-Dances sind ja eigentlich Travelling-Dances, wie der Walzer, der Foxtrot oder auch der Peabody. Und long story short: Das hat dazu geführt, dass die Tänzer und Tänzerinnen ihren Raum im Savoy Ballroom fanden.<strong></strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Ein Bereich vor der Hauptbühne des Savoy, die so genannte „Corner“, war für die besten und erfahrensten Tänzer reserviert. Hier entfalteten Tänzerinnen und Tänzer wie Frankie Manning und Norma Miller, Shorty George und Big Bea ihre Kunst. Und: Im Savoy Ballroom zählte das Können, nicht die Hautfarbe. Ungeachtet der damals geltenden „Rassentrennung“. <br/> <br/> <strong></strong></p>
<p><strong>O-Ton 8 Mogg</strong><br/> Und das gab auch den Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern dort ein unglaubliches Selbstbewusstsein. (…) Und es ist,<em> nobody looked at your face, they only looked at your feet.</em> Niemand hat auf dein Gesicht geschaut, die haben nur auf deine Füße geschaut. <strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER<br/> </strong>Berühmtheiten wie Fred Astaire oder Clark Gable kamen in den Savoy – ohne dass ihnen die Lindy Hopper besonderen Respekt zollten.<strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-Ton 9 Mogg<br/> </strong>So: Hey, ich sehe gerade Gable! Oh, kann er tanzen?... Eine der Anekdoten, die Frankie Manning gern erzählt hat.<br/> <br/> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Die Tänzer des Savoy Ballroom wurden selber zu Stars ihrer neuen, eigenen Kategorie. Der Savoy-Türsteher und Kellner Herbert White erwies Geschäftssinn – und stellte die Showtanz-Gruppe „Whitey´s Lindy Hoppers“ zusammen. Whitey´s Truppe ging auf Tour – und machte den Lindy Hop in den USA und darüber hinaus berühmt. Legendär geworden ist dabei der Kino-Streifen Hellzapoppin´, in dem William Downes, Frances Jones, Norma Miller oder Frankie Manning atemberaubende „Aerials“ vollführten: Akrobatische Figuren, bei denen Tänzerin oder Tänzer in die Luft gehoben werden. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZSP: Ausschnitt Hellzapoppin´ kurz hoch</strong></p>
<p>Spektakuläres Bild- und Tonmaterial, auf das sich die neuen Medien Film, Radio und Fernsehen stürzten. Sie sollten fortan das Ihrige zur nationalen und internationalen Verbreitung des Lindy Hop beitragen. Dazu musste der Lindy Hop für die breite Bevölkerung der USA „genießbar“ werden, , sagt die Forscherin Kendra Unruh. Sie hat den Artikel  „Swingin´out white: Wie der Lindy Hop weiß wurde“ verfasst.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>O-Ton 10 Unruh <br/> Overvoice-Sprecherin</strong></p>
<p>1943 bezeichnete das renommierte Life Magazine den Lindy Hop als „Amerikas nationalen Volkstanz“ – mit weißen Tänzern auf dem Cover. Bilder schwarzer Performer waren dann, quasi versteckt im Artikel, zu finden.  Schwarze Tänzerinnen und Tänzer wurden gar aus Filmen herausgeschnitten, wenn diese im Süden der USA gezeigt wurden. Dies führte dazu, dass viele Amerikaner den Lindy Hop als „weißen Tanz“ kennenlernten. Paradoxerweise begannen sich aber mehr und mehr Jugendliche mit afroamerikanischer Kultur zu identifizieren: Während der „großen Depression“ teilten weiße Jugendliche plötzlich eine Erfahrung, die ihre schwarzen Altersgenossen schon lange machten: Keinen Job zu finden, zu viel unfreiwillige Freizeit, Schwierigkeiten, auf eigenen Beinen zu stehen: Probleme, die schwarze Künstler in ihren Songs thematisierten; Probleme mit denen sich nun auch weiße <em>kids</em> identifizieren konnten. Dann kam der zweite Weltkrieg – und mit ihm begann der Siegeszug des Lindy Hop rund um die Welt. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK: „American patrol“ Z8048046#115 (0:35)</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>US-Soldaten brachten die Swing-Musik mit auf ihre Stützpunkte nach Großbritannien, dann aufs europäische Festland. Der Bandleader Glenn Miller stellte das „Army Air Force Orchestra“ zusammen und hielt Soldaten wie ziviles Publikum mit Swingmusik bei Laune.</p>
<p>Nach dem Sieg der Alliierten verbreiteten sich Swing und Lindy Hop auch in Deutschland und Österreich. Dort gab es indes bereits Fans – die sich die von den Nationalsozialisten verfemte Musik heimlich besorgt hatten. Und doch begann mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bereits der Niedergang des Lindy Hop. 1944 wurde in den USA eine hohe Steuer für Unterhaltungs-Etablissements mit Tanzmusik eingeführt, etliche Dancefloors schlossen. Viele Big Bands lösten sich auf: Der Krieg hatte ihre Mitglieder in alle Winde zerstreut. Dazu kamen die hohen Treibstoffpreise, die Touren von Swing-Ensembles stark verteuerten. Und auch die Musik der nun kleineren Bands veränderte sich. <br/> </p>
<p><br/> <strong>O-Ton 11 Unruh</strong></p>
<p><strong>Overvoice Sprecherin Teil 1 </strong><br/> Frankie Manning hat einmal erzählt, wie er aus dem Krieg zurückkam, und er dachte: Das mit dem Tanzen geht jetzt einfach so weiter wie vorher. Aber die Musik war mittlerweile eine andere geworden: Die Musiker spielten nun auf einmal Bebop. Die Leute versuchten, darauf zu tanzen, aber das funktionierte nicht.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Schnelle, kaum mehr tanzbare Tempi, überraschende Brüche in der Struktur der Songs sowie ellenlange Soli frustrierten die Tänzer.  </p>
<p> </p>
<p><strong>O-Ton 11 Unruh<br/> Overvoice Sprecherin Teil 2 </strong><br/> Es lag das Gefühl in der Luft: Das war´s nun mit dem Lindy Hop. Stars des Genres haben sich damals Alltagsjobs gesucht -  wie Freddie Manning, der fortan in einem Postamt arbeitete. Bald sollten auch die Tage des „Savoy Ballroom“ gezählt ein, der 1958 schloss. Der Lindy Hop geriet mehr oder weniger in Vergessenheit.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK: „Rock around the clock“ – Z9374930#101 (0:40)</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong> </p>
<p>Kurz nach dem Bebop trat der Rock´n Roll ab den 1950er-Jahren das Erbe des Swing an. Der Sound von Drums und Gitarren, nun elektrisch verstärkt, wurde lauter, wilder, aggressiver. Dem passte sich auch der Tanzstil des Rock´n Roll an. Dieser versetzte nun das Massenpublikum – das zunehmend auch ohne Partner tanzte - in rhythmische Bewegung. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Rock around the clock nochmal kurz hoch, dann plötzlich weg</strong></p>
<p> </p>
<p>Der Lindy Hop hingegen verschwand für die kommenden Jahrzehnte aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit – tot war er damit aber nicht. In New York, seiner Keimzelle, lebte der Tanz fort, wenn auch in kleineren Clubs. Altgediente Stars des Genres wie Al Minns oder Norma Miller reisten weiter durchs Land, um zu unterrichten – und die eingeschworene Gemeinschaft der Lindy Hopper am Leben zu erhalten. Ab den 80er Jahren  erlebte der Lindy Hop aber ein Revival. Kendra Unruh:<br/> <br/> </p>
<p> </p>
<p><strong>O-Ton 12 Unruh Teil 1 </strong></p>
<p><strong>Overvoice-Sprecherin</strong></p>
<p>Eigentlich müssen wir von zwei Revivals sprechen: Das erste startete in Kalifornien, wobei eher die Musik und der Lebensstil der 30er- und 40er im Mittelpunkt standen. Wie damals hing auch Ende der 1980er, Anfang der 1990er-Jahre ein Gefühl der wirtschaftlichen Depression in der Luft. Man romantisierte auf gewisse Art und Weise die „gute alte Zeit“, kleidete sich <em>Vintage, </em>rauchte Zigarren und trank Whisky. Getragen wurde dieses Swing-Revival oft von früheren Punks, die gealtert waren – und nun in der Swing-Kultur eine softere Art der Rebellion gefunden hatten. <br/> <br/> <strong>MUSIK:“Daddies: Zoot Suit Riot“ – C104653#001 (0:30)</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>O-Ton 12 Unruh Teil 2 </strong></p>
<p><strong>Overvoice-Sprecherin</strong></p>
<p>Das zweite Revival war das Revival des Lindy Hop als Tanz. Maßgeblichen Anteil daran hatten zwei kalifornische Tänzer, die nach New York reisten, um von Frankie Manning oder Al Minns zu lernen. Sie überzeugten die „alte Garde“ des Lindy Hop, wieder zu unterrichten, und taten das Ihrige, den Tanz in den USA wieder bekannt zu machen. </p>
<p> </p>
<p><strong>O-Ton 13 Mogg</strong></p>
<p>...da hatten natürlich die Amerikanerinnen und Amerikaner das Glück, dass viele Menschen noch aus der Zeit am Leben waren, Ende der 70er, Anfang der 80er. Aber auch in Europa waren es dann Marcus und Bärbl aus München oder die Schweden, wie Leonard Westerlund und so, die dann begonnen haben, mit diesen OG-Dancern, diesen Leuten, den Menschen, die den 30er-Tanz gestaltet haben, Kontakt aufzunehmen. </p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Modernes Hebräisch - Wie aus der Sakralsprache Ivrit wurde</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/modernes-hebraeisch-wie-aus-der-sakralsprache-ivrit-wurde/2089025</link>
      <pubDate>Thu, 11 Sep 2025 02:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">64b56add-d498-4e2e-824c-6b68559142dd</guid>
      <description>Hebräisch ist eine der ältesten und gleichzeitig jüngsten Sprachen der Welt. Über Jahrhunderte als Sakralsprache verwendet, wird sie im 19.Jahrhundert als alltäglichen Umgangssprache wieder belebt. Modernes Hebräisch: Wie aus der Sakralsprache Ivrit wurde. Autorin: Ulrike Beck</description>
      <enclosure length="23231616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2089025/c/feed/modernes-hebraeisch-wie-aus-der-sakralsprache-ivrit-wurde.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Ulrike Beck</itunes:author>
      <itunes:summary>Hebräisch ist eine der ältesten und gleichzeitig jüngsten Sprachen der Welt. Über Jahrhunderte als Sakralsprache verwendet, wird sie im 19.Jahrhundert als alltäglichen Umgangssprache wieder belebt. Modernes Hebräisch: Wie aus der Sakralsprache Ivrit wurde. Autorin: Ulrike Beck</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b1f8233e-4da1-4130-b51c-fbc55b8d4167.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hebräisch ist eine der ältesten und gleichzeitig jüngsten Sprachen der Welt. Über Jahrhunderte als Sakralsprache verwendet, wird sie im 19.Jahrhundert als alltäglichen Umgangssprache wieder belebt. Modernes Hebräisch: Wie aus der Sakralsprache Ivrit wurde. Autorin: Ulrike Beck</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Ulrike Beck<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann, Jerzy May<br/> Technik: Roland Böhm<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Michael Brenner, Historiker, Inhaber des Lehrstuhls für jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München;<br/>Daphna Uriel, Dozentin für Modernes Hebräisch am Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München</p>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>CUT - Das Silvester, das uns verfolgt | ARD Audiothek<br/>In diesem Podcast gehen wir auf eine Reise: Von 2015 bis Heute. Und sehen: Diese Nacht hat einen Riss in der Gesellschaft hinterlassen. Damals wurden mehr als 600 Frauen Opfer von sexuellen Straftaten. Die Täter: Meist Männer aus Nordafrika. Dieses Täterprofil hat Debatten über Integration, Flucht und Sicherheit verändert. Bis heute. Was haben wir in Sachen Migration und Asyl gelernt, ignoriert und verpasst seit der Kölner Silvesternacht 2015? Wir reden über Ängste und Angstmacher, Täter und Opfer, die AfD und über ein kleines Dorf in der Eifel, Marmagen. Wir hören die Geschichten derer, die von der Nacht nicht losgelassen werden. So wie uns alle die Silvesternacht 2015 bis heute nicht loslässt. <br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/cut-das-silvester-das-uns-verfolgt/13010059/">ZUM PODCAST</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-mansukripte-modernes-hebraeisch-sakralsprache-ivrit-palaestina-israel-bibel-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>Musik: C1028320014 Kol Nidrei 1‘12</p>
<p>Zitator</p>
<p>Wenn Moses heute zurückkäme und um ein Stück Brot bäte, verstünde man ihn.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Das behauptet David Ben Gurion, der erste Ministerpräsident des 1948 gegründeten Staates Israel.</p>

<p>Musikakzent</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Hebräisch ist im Laufe des 1.Jahrtausends v. Chr. entstanden - als Sprache, in der die heiligen Schriften des Judentums verfasst wurden. Bis heute ist das Hebräische die globale liturgische Sprache für das Judentum geblieben, die Sprache fürs Gebet. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Dass diese Sprache als lebendige Sprache die Jahrtausende überdauern wird und erfolgreich ins alltägliche Leben zurückgeholt wird, danach sieht es ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus nicht aus. </p>
<p>Denn nachdem die Römer Jerusalem und den Zweiten Tempel bereits zerstört hatten, verhängt 135 n.Chr. Kaiser Hadrian ein Ansiedlungsverbot für Juden in Jerusalem. </p>

<p>Erzähler</p>
<p>Damit beginnt die Zeit des Exils, in der Juden auf der ganzen Welt verstreut leben. Fast zweitausend Jahre lang spricht niemand mehr hebräisch, um ein Brot zu kaufen oder sich zu unterhalten.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Dennoch stirbt die Sprache nicht aus, sondern wird als Mittelhebräisch von gebildeten Juden weiterhin benutzt. Wie der Historiker Michael Brenner erklärt. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München: </p>

<p>1.O-Ton (Brenner ab 2:16)</p>
<p>Hebräisch war eine Sprache, die im Alltag durchaus vorhanden war, aber eben zum einen im Gebet und zum anderen im Studium. (…) Und so muss man sich vorstellen, dass viele Juden über viele Jahrhunderte hinweg - und das betrifft vor allem die Männer, weil die studiert haben - durchaus mit dem Hebräischen vertraut waren. Und das sieht man auch daran, dass sich auch im Mittelalter manchmal Juden, die auf der einen Seite in Ägypten und dann in Polen lebten oder sagen wir mal in Deutschland lebten, dass die sich auch Geschäftsbriefe auf Hebräisch schreiben konnten. Wenn das die einzige Sprache war, die sie miteinander verband.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>In der Zeit der Diaspora beginnen Juden in den jeweiligen Ländern des Exils neue Sprachen zu entwickeln. Die bekannteste davon ist Jiddisch. </p>

<p>2.O-Ton (Brenner ab ca. 5:00)</p>
<p>Das heißt, der Großteil der Juden etwa um 1900 sprach Jiddisch, denn die meisten Juden lebten in Osteuropa. Ihre Wurzeln waren aber in Deutschland, und man nahm sozusagen bei der Vertreibung aus den deutschen Territorien am Ende des Mittelalters zu Beginn der Neuzeit die deutsche Sprache mit. Aber sie blieb auf dem Stand des etwa vierzehnten, fünfzehnten Jahrhunderts stehen und entwickelte sich weiter, aber mit dem eben Einsprengseln Hebräisch und slawische Sprachen, sodass die jiddische Sprache entstand, die auch in hebräischen Buchstaben geschrieben wird. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Ähnlich ist es mit den Juden, die am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus Spanien und Portugal vertrieben werden und sich in Nordafrika, in der heutigen Türkei oder auf dem Balkan niederlassen. Auch sie entwickeln eine eigene Sprache: das Judäo-Spanisch bzw. Ladino.</p>

<p>Musik: Z8015143113 Julitschka 1‘07</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Die Idee, die hebräische Sprache neu zu beleben, entsteht in der Zeit der Aufklärung. Bereits 1771 beginnt der deutsch-jüdische Philosoph Moses Mendelssohn in Berlin, die Psalmen und die fünf Bücher Mose ins Deutsche zu übersetzen. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Mendelssohn besteht darauf, dass seine Übersetzung der Tora ab 1780 auch in hebräischen Buchstaben gedruckt und ausführlich auf Hebräisch kommentiert wird. Wenige Jahre später legen Mendelssohns Schüler den Grundstein für eine säkulare Dichtung auf Hebräisch. Indem sie die erste kontinuierlich erscheinende Zeitschrift gründen, die unter dem Titel „Hameassef“, „Der Sammler“ in Berlin und Königsberg erscheint.</p>

<p>Musikakzent</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Dass Hebräisch nicht nur die Zweit- oder Drittsprache von gebildeten jüdischen Männern bleibt, das macht sich der Sprachwissenschaftler Eliezer Ben Yehuda ein Jahrhundert später zur Lebensaufgabe. Er gilt als der Vater des modernen Hebräisch, dem Ivrit. </p>

<p>Musikakzent</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>1858 im russischen Zarenreich, im heutigen Litauen als Eliezer Perlman geboren, begeistert er sich schon während seiner Schulzeit für jüdische Aufklärungsliteratur. Die er auf Hebräisch liest. Bald benennt er sich um in Eliezer Ben Yehuda. Neben seiner Liebe zur jüdischen Literatur und Sprache begeistert ihn der aufkommende Zionismus. </p>

<p>Erzähler</p>
<p>Also der jüdische Nationalismus, der davon ausgeht, dass die Juden nicht nur eine religiöse Gemeinschaft sind, sondern auch eine politische. Und insofern genau wie andere Völker auch den Anspruch haben, einen eigenen Staat zu bilden. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Die Frage nach einer eigenen Nation wird 1881 nach dem Attentat auf den russischen Zaren Alexander II. existentiell. Denn die Schuld an dem Attentat wird „den Juden“ angelastet. In der Folge kommt es ab 1881 zu einer Welle von Pogromen in Russland und Polen. </p>

<p>Musik: C1028320025 Der jiddische Fidler 0‘33</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Eliezer Ben-Yehuda ist einer der ersten von rund 30.000 osteuropäischen Juden, die wegen der antisemitischen Übergriffe in Russland und Polen mit der sogenannten ersten Aliyah nach Palästina auswandern. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>1881 verlässt er Russland und lässt sich in Jerusalem nieder. Angetrieben von seinem Ziel: Ivrit, also ein modernes Hebräisch, als Umgangssprache für das Leben in einem neuen säkularen jüdischen Staat zu etablieren.</p>

<p>3.O-Ton (Brenner ab 6:16)</p>
<p>Eliezer Ben Yehuda war ein Hebräisch Enthusiast und ein früher Zionist, der sagte: Wir sollten uns in unserer alten Heimat wieder ansiedeln, vor allem auch, weil wir dazu gezwungen werden aufgrund des Antisemitismus, der Pogrome in Russland. Und der sagte wir brauchen auch unsere alte Sprache wieder. Und zwar nicht nur als Sprache fürs Studium und als Sprache für das Gebet, sondern als gesprochene Sprache. Und er machte sich daran, ein hebräisches Lexikon zu schreiben und die hebräische Sprache in dem Sinn wiederzubeleben, dass er eben Ausdrücke kreierte, die im modernen Hebräisch nicht existierten. Denn viele Begriffe des neunzehnten Jahrhunderts existierten natürlich in der Bibel und demnach im biblischen Hebräisch nicht. Also musste man diese Begriffe neu schaffen und diese Sprache wiederbeleben als Alltagssprache.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Ben-Yehudar macht sich in Jerusalem an die Aufgabe, mit Ivrit eine Sprache zu schaffen, die sich einerseits in Schriftbild und Morphologie am biblischen Hebräisch orientiert und für die gleichzeitig ein zeitgemäßes Vokabular kreiert werden muss, damit sie überhaupt als Alltagssprache taugt.</p>

<p>4.O-Ton (Brenner 7:42)  </p>
<p>Ja, das war gar nicht so einfach, denn so ein richtiges Beispiel dafür gab es nicht. Sodass er erstmal versuchte, aus den existierenden Worten - im Hebräischen zum Beispiel haben die Verben jeweils eine Wortwurzel, die meistens aus drei Buchstaben besteht - dass er versuchte, aus diesen bestehenden Wurzeln neue Worte zu schaffen. Und das andere war, dass er dann in manchen Fällen eben auch versuchte, aus europäischen Sprachbeständen - Deutsch, Französisch, Englisch auch wiederum neue Worte zu schaffen. Und so entstand also ein neues Vokabular - einmal aufbauend auf dem alten biblischen Hebräisch und auf der anderen Seite aufbauend, auf modernen europäischen Sprachen.</p>

<p>Musik: Z8015897108 Kirkja 0‘25</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Es entstehen Vokabeln wie „sabon“ für Seife, das vom französischen „savon“ kommt. Oder iton, in dem das deutsche Wort Zeitung steckt, weil das hebräische „et“ übersetzt Zeit bedeutet. Im Laufe der Jahre werden zig Lehnwörter fester Bestandteil des Ivrit-Vokabulars. </p>

<p>Erzähler</p>
<p>Darunter auch viele deutsche, wie Daphna Uriel ausführt. Sie ist Dozentin für Modernes Hebräisch und unterrichtet Studierende am Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Kultur der LMU München. </p>

<p>5.O-Ton (Uriel ab 26:51)</p>
<p>Vor allem in Disziplinen wie Architektur, Bau, Maschinen. Wir haben Kugellager, wir haben Installator  (…) wir haben Zimmer bis heute ist genutzt „Zimmer frei“. (…) Es gibt Schilder mit Zimmer frei - das schreibt man auf Hebräisch. Es gibt Schalter, Stecker, alle diese Sachen sagen wir auf Hebräisch. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Und Vokabeln, die bis heute in der hebräischen Verbform durchkonjugiert werden, wie Michael Brenner veranschaulicht:</p>

<p>6.O-Ton (Brenner ab ca. 9:00)</p>
<p>Zum Beispiel das Wort Spritzen also mit Wasser spritzen. Also Le ha spritz, hu Spratz und so weiter kommt alles von Spritzen aber wird dann hebräisch durchkonjugiert. Und es gibt natürlich auch Worte wie Fernseher, der erstmal wörtlich übersetzt wurde wie im Deutschen auch. Aber was die Leute verwenden - heute und seit vielen Jahrzehnten - ist der englische Begriff Televizija - also kein Mensch, sagt Fernseher, auf Hebräisch übersetzt.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>1881 sind längst nicht alle diese Worte Bestandteil des Ivrit-Vokabulars, denn Ben-Yehuda muss die Sprache erst erschaffen, die sich so schnell wie möglich als alltagstauglich etablieren soll. Um dieses Ziel schneller zu erreichen, benutzt er seine Familie als Übungsfeld. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Die Devise im Hause Ben-Yehuda lautet: Rak Ivrit - nur Hebräisch. Seiner Familie mutet er damit sehr viel zu, denn außer ihnen spricht zu dieser Zeit niemand Hebräisch auf der Straße. Michael Brenner:</p>

<p>7.O-Ton (Brenner ab 11:18)</p>
<p>Sein Sohn hat Memoiren veröffentlicht, geschrieben, und da spricht er unter anderem darüber, wie er als Kind von seinem Vater angehalten wurde, er dürfe nur Hebräisch sprechen. Nun hatte der arme Junge aber keine anderen Kinder, mit denen er Hebräisch sprechen konnte. Und auch mit der Mutter, also im Haushalt, dürfte nur Hebräisch gesprochen werden. Aber es gab noch nicht für alles Worte. Der Vater kreierte sozusagen gerade das hebräische Wörterbuch, und die Mutter sagte dann manchmal so Sätze wie ja, bring mir das und gibt mir das. Und ich gebe dir das, weil sie nicht wusste, was die Worte dafür waren. </p>

<p>Musik: C1028320020 Doina 0‘21</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Ben-Yehudas ältester Sohn Ben-Zion, der sich später Itamar Ben-Avi nennt, gilt als das erste Kind, dass nach fast 2000 Jahren wieder mit Hebräisch als Muttersprache aufgewachsen ist. Wenn auch zu einem hohen Preis für die ganze Familie. Daphna Uriel:</p>

<p>8.O-Ton (Daphna ab ca. 11:40)</p>
<p>Die wurden aus der Gemeinde in Jerusalem ausgeschlossen, weil die Gemeinde in Jerusalem war orthodox. Und die Orthodoxen meinten man dürfe kein Hebräisch sprechen, weil das ist die heilige Sprache, das ist nicht für Alltag gemeint. Ich denke, er wurde berühmt, auch weil er so ein Fanatiker war. Aber auch wegen seiner zweiten Frau. Das war die Schwester seiner ersten Frau. Sie kam aus Russland und die war richtig die Motor hinter ihm. Die war eine sehr starke Frau, hat viele Spende gesammelt, damit er konnte einfach setzen und das Wörterbuch schreiben.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>1891 stirbt Ben-Yehudas erste Frau Debora an Tuberkulose. Kurz darauf heiratet Eliezer Deboras Schwester Paula. Eine jüdische Journalistin und Autorin, die sich in Jerusalem angekommen Hemda nennt.</p>

<p>Musikak: C1028320024 Kinneret 0‘59</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Trotz aller Anfeindungen und Schicksalsschläge arbeitet Ben-Yehuda unermüdlich weiter an seinem Ziel, in Palästina eine säkulare jüdische Nation zu errichten, in deren Mittelpunkt die hebräische Sprache steht. Nach seiner Überzeugung die einzige Sprache, die alle Juden emotional und historisch miteinander verbindet. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Er gibt Zeitungen in modernem Hebräisch heraus, gründet die Akademie für hebräische Sprache und arbeitet fieberhaft an seinem Gesamtwörterbuch der hebräischen Sprache, dessen erste sechs Bände 1910 erscheinen. </p>

<p>Erzähler</p>
<p>Er schafft die theoretischen Grundlagen für ein neues Hebräisch, das bis auf seine Familie und wenige andere aber praktisch niemand in Palästina spricht. Das bedeutet, dass er die jüdische Bevölkerung in Palästina dazu bringen muss, Ivrit zu lernen, um sich bald in dieser Sprache zu verständigen. Doch wie soll das gehen? Michael Brenner:</p>

<p>9.O-Ton (Brenner ab 15:06)</p>
<p>Ja, das war kein einfaches Unternehmen. Und der Begründer der zionistischen politischen Bewegung, Theodor Herzl, war selber kein Anhänger der Wiederbelebung des Hebräischen. </p>
<p>(…) Er sagte: Ja, wir können ja nicht mal ein Bahnticket in hebräischer Sprache kaufen. Wie sollen wir denn Hebräisch im Alltag sprechen? (…) Und das war eine große Herausforderung, die letztlich nur gelingen konnte, weil viele der osteuropäischen Zionisten, die eben wie Ben Yehuda aus Russland oder Polen kamen, auch die Notwendigkeit sahen: Eine Sprache muss in diesem Staat gesprochen werden, die alle Juden miteinander verbindet. Und dann wurde das teilweise auch mit Gewalt durchgesetzt. Es gab sogenannte Brigaden für die hebräische Sprache, die dann auch schonmal Leute, die in Tel Aviv am Strand entlang gegangen sind und jiddisch gesprochen haben, angehalten und sagten: Sprecht Hebräisch, kein Jiddisch, also da war man auch sehr streng.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Bei der Mammutaufgabe, Hebräisch als gesprochene Alltagssprache zu etablieren, ist Ben-Yehuda nicht allein. Es sind die zionistischen Einwanderer, die - genau wie er - ab 1882 wegen der Pogrome in Russland aus Osteuropa nach Palästina kommen. Und die Voraussetzungen schaffen, dass diese Herausforderung gelingt. </p>

<p>Erzähler</p>
<p>Denn die Neueinwanderer gründen landwirtschaftliche Siedlungen und errichten Schulen, in denen ausschließlich auf Hebräisch unterrichtet wird. Als erste hebräische Schule der Neuzeit nimmt 1886 die Grundschule Havv in der Siedlung Rishon LeZion den Unterricht auf.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Es entstehen immer mehr Schulen, Kindergärten und ab 1905 werden in Jaffa auch die ersten High-School-Klassen auf Hebräisch unterrichtet. Es sind die Kinder, die zu Hause das Neuerlernte ihren Eltern beibringen. Und zwar über viele Jahrzehnte:</p>

<p>10.O-Ton (Brenner ab 17:36)</p>
<p>Denn die meisten ihrer Eltern waren noch in den 60er-Jahren Einwanderer, die aus den verschiedenen Ländern kamen, und die Kinder bekamen es in der Schule. Aber schwierig war es tatsächlich, vor allem zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, diese hebräischen Schulen in Israel durchzusetzen. Gefördert wurden sie nämlich oft von Geldgebern aus Europa, aus Frankreich, aus Deutschland. Und zum Beispiel gab es den Hilfsverein deutscher Juden, der eine Schule in Haifa eingesetzt hat. Einmal gab es einen richtigen Sprachenstreit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Geldgeber aus Deutschland drangen darauf, dass die Unterrichtssprache Deutsch sei in Haifa. Während die Lehrer dann einen Streik ankündigten, sagten, wir wollen Hebräisch unterrichten. Letztlich haben Sie das dann auch gewonnen.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Die „Gesellschaft zur Hilfe für deutsche Juden“ besteht 1913 darauf, dass in der geplanten Ingenieursschule, dem späteren Technion in Haifa, der Unterricht auf Deutsch abgehalten wird. Da - so die Argumentation - das notwendige technische und wissenschaftliche Vokabular auf Ivrit noch zu dürftig sei. </p>

<p>Musik: C1028320020 Doina 0‘38</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Dabei macht schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts die Wiederbelebung der Sprache deutliche Fortschritte. Auch, weil die erste Generation der Kinder, die in den Schulen Hebräisch gelernt hat, erwachsen ist. Und nun mit ihren eigenen Kindern hebräisch spricht. Damit wächst eine neue Generation von Muttersprachlern auf, die das moderne Hebräisch daheim, statt in der Schule lernt.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Als 1909 die erste hebräische Stadt Tel Aviv gegründet wird, ist Ivrit als Alltagssprache nicht nur auf den Straßen und in den Cafés zu hören, sondern wird dort auch als Verwaltungssprache verwendet. Sämtliche Straßenschilder und öffentliche Ankündigungen werden auf Hebräisch geschrieben. </p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Diejenigen, die noch kein Hebräisch sprechen, werden nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in der Zeit des Britischen Mandats dazu angehalten, in der Öffentlichkeit ausschließlich Ivrit zu sprechen. Durch die Kampagne „Jude, spreche Hebräisch“, die Ben-Yehudas Sohn Itamar Ben-Avi 1919 ins Leben ruft. </p>

<p>Erzähler</p>
<p>Die freiwilligen Wächter der sogenannten Legion der Verteidiger der Sprache kennen dabei kein Pardon. Auch nicht für den Nationalpoeten Chajim Nachman Bialik, wie Daphna Uriel erzählt:</p>

<p>11.O-Ton [Daphna ab ca.13:50]</p>
<p>Einmal folgten die Bialik auf die Straße. Sie haben gehört, dass er jiddisch gesprochen hat, und (…) es gab  (…) einen Prozess: „Warum haben Sie Jiddisch auf die Straße gesprochen?“ Und Bialik hat sich verteidigen, und am Ende wurde er freigesprochen. Weil und warum? Weil am Ende des Gespräches hat er ein Fluch auf Hebräisch gesagt auf diesen Mann, der ihn verfolgte. Und deswegen wurde er freigesprochen, weil er Hebräisch doch benutzt hat.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Nur einen Monat vor seinem Tod gelingt es Eliezer Ben-Yehuda, 1922 den Hochkommissar des britischen Mandats für Palästina davon zu überzeugen, dass Hebräisch neben Arabisch und Englisch zur dritten offiziellen Amtssprache erhoben wird. Dazu wäre es nicht gekommen, hätte es fünf Jahre früher nicht eine wegweisende Deklaration gegeben. Michael Brenner:</p>

<p>12.O-Ton (Brenner ab 19:25)</p>
<p>Ja, das hängt natürlich auch mit den Versprechen der Briten zusammen, die schon 1917 in der Balfour-Deklaration gegeben wurden, nämlich den Juden eine nationale Heimstätte  - es hieß nicht Staat - aber nationale Heimstätte in Palästina zu geben. Und zu diesem Nationalen gehört natürlich auch die Sprache. Und man war tatsächlich sehr stolz darauf, auf der Seite der aus Europa eingewanderten Juden, dass nun etwa auf den Briefmarken oder auf den Geldscheinen, also auf allen offiziellen Symbolen, auch Hebräisch verwendet wurde und etwa auf den Briefmarken das Wort Eretz Israel zumindest abgekürzt also das Land Israel in hebräischen Buchstaben auch erscheinen durfte.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>1948 wird Hebräisch neben Arabisch endgültig zur Amtssprache des neu gegründeten Staates Israel. Dass es gelungen ist, Hebräisch als antike Bildungssprache nach Jahrtausenden als Alltagssprache wiederzubeleben, ist eine einzigartige kulturelle Leistung.</p>

<p>13.O-Ton (Brenner ab 20:42)</p>
<p>Man kann das in der Tat nicht mit dem Griechischen vergleichen, denn das biblische Hebräisch und das moderne Hebräisch sind zumindest so miteinander verwandt, dass jeder Israeli jede Israelin heute ganz gut die Bibel verstehen kann. Während natürlich, wenn jetzt König David auferstehen würde, er wahrscheinlich nicht jedem Wort folgen könnte, das in Israel gesprochen würde. Und Ben Yehuda und seine Nachkommen haben es geschafft, eine moderne Sprache zu schaffen, die im Alltag völlig kompatibel ist und trotzdem die Wurzel des biblischen Hebräisch zu bewahren und in diese Sprache zu integrieren.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Ivrit bedeutet übersetzt nichts anderes als „hebräisch“. Als Ausdruck einer Sprache, mit der es gelungen ist, im Laufe der Jahrtausende einen historischen Bogen zwischen völlig verschiedenen Zeitaltern zu spannen. </p>

<p>Musik: C1028320024 Kinneret 0‘52</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Es ist daher kein Zufall, dass die Bezeichnung Ivrit für das heute gesprochene Hebräisch sich auf ein lange zurückliegendes Ereignis in der biblischen Geschichte bezieht: den Turmbau zu Babel. Daphna Uriel:</p>

<p>14. O-Ton (Daphna ab ca. 37:00) </p>
<p>Ivrit kommt eigentlich von Ever, war ein so mythologische Figur in der Bibel. Der war so diese Uralt-Vater von vielen Nationen in der Region. Und die Geschichte mit Ever ist, dass er war so eine gute Mann und hat verweigert mitzumachen mit dem Bau von Turm von Babel. Und deswegen wurde er und seine Nachkommen nicht bestraft und ihre Sprache hat sich nicht verwirrt.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Gipfelkreuz - Eine Geschichte von Aufstieg und Fall</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-gipfelkreuz-eine-geschichte-von-aufstieg-und-fall/2096489</link>
      <pubDate>Wed, 10 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">80b0f524-9d7d-4b3f-a31e-a8e824b3366f</guid>
      <description>Auf rund 4000 Alpengipfeln steht heute ein Gipfelkreuz. Oft stecken in den paar Balken aus Holz oder Metall dramatische Geschichten. Obwohl viele dieser Gipfelzeichen für Frieden, Freundschaft und Versöhnung stehen, scheiden sich an ihnen die Geister. Um die Deutungshoheit ist ein harter Kulturkampf entbrannt. Von Rainer Firmbach (BR 2024)  </description>
      <enclosure length="22332672" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096489/c/feed/das-gipfelkreuz-eine-geschichte-von-aufstieg-und-fall.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Rainer Firmbach</itunes:author>
      <itunes:summary>Auf rund 4000 Alpengipfeln steht heute ein Gipfelkreuz. Oft stecken in den paar Balken aus Holz oder Metall dramatische Geschichten. Obwohl viele dieser Gipfelzeichen für Frieden, Freundschaft und Versöhnung stehen, scheiden sich an ihnen die Geister. Um die Deutungshoheit ist ein harter Kulturkampf entbrannt. Von Rainer Firmbach (BR 2024)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bd5a1106-14d0-4e15-b8d2-b7e2cb32e840.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Auf rund 4000 Alpengipfeln steht heute ein Gipfelkreuz. Oft stecken in den paar Balken aus Holz oder Metall dramatische Geschichten. Obwohl viele dieser Gipfelzeichen für Frieden, Freundschaft und Versöhnung stehen, scheiden sich an ihnen die Geister. Um die Deutungshoheit ist ein harter Kulturkampf entbrannt. Von Rainer Firmbach (BR 2024)  </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor dieser Folge: Rainer Firmbach<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann, Andreas Neumann<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Karin Becker</p>

<p><strong>Besondere Empfehlung der Redaktion [Extern]:</strong></p>
<p>Mehr Storys, Infos &amp; Tipps vom Berg: Der Instagram-Kanal von BR Berge. <br/> Einfach abspeichern und rausgehen!<br/> <a title="[EXTERN]" href="https://www.instagram.com/br_berge/">https://www.instagram.com/br_berge/</a></p>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Philosophie der Berge - Von Höhen und Tiefen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/philosophie-der-berge-von-hoehen-und-tiefen/bayern-2/78753346/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Die Geschichte der Bergretter - Helden und Heldinnen der Alpen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-bergretter-helden-und-heldinnen-der-alpen/bayern-2/13467381/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Walter Bonatti: Große Tage am Berg. Zürich, Rüschlikon, 1972.<br/>Hans Joachim Löwer: Gipfelkreuze. Innsbruck, Athesia, 2019.</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Wie eine Kathedrale thront das Gaishorn über dem Vilsalpsee. Die mächtige Felspyramide gehört - neben Hochvogel und Trettachspitze - </p>
<p>zu den auffälligsten Berggestalten der Allgäuer Alpen. Auch bietet das Gaishorn dem rüstigen Gipfelstürmer eine phantastische Rundschau, nach allen Himmelsrichtungen. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Von frühester Jugend an hat Edmund Abel das Gaishorn immer wieder bestiegen. Stundenlang, sagt der Mann aus Legau, kann er dort oben am Gipfel, in 2249 Metern Höhe, nur dasitzen und schauen. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Abels Hauptaugenmerk gilt dabei dem imposanten Gipfelkreuz, mit seinem schmiedeeisernen Strahlenkranz. Aus gutem Grund. Zähe Legauer Naturburschen haben dieses neue Kreuz 2011 hier heraufgetragen, Seite an Seite mit Bergwachtlern aus dem Tannheimer Tal, als Ersatz für das alte Legauer Holzkreuz, das ein Wintersturm beschädigt hatte. </p>
<p>Musik weg</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Im Kreuz auf dem Gaishorn-Gipfel sieht Edmund Abel mehr als nur eine Selfie-Kulisse, für das zeittypische Gipfelfoto auf Social Media:</p>
<p>1. O-Ton: </p>
<p>„Aufm Gipfel vom Gaishorn is es e bissle wie hoim komma. Es is a bissle die verlängerte Flur von Legau. Weil ja da dieses Gipfelkreuz von der Kolpingsfamilie und jetzt auch von der Bergrettung Tannheim steht. Und es is e schönes Gefühl, wenn man weiß, dass da schon vor 80 Jahren aus unserem Ort Menschen sich genau für diesen Gipfel begeistert ham. Und es is einfach a tolles Gefühl, wenn man da oben steht, und auch diesen Gedanken mittragen kann.“  </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die Liebe zu den Bergen, regionale Verbundenheit und Ehrfurcht vor dem tief in christlichen Glaubensvorstellungen verwurzelten Kreuzsymbol verbinden sich zu einem Narrativ, von dem sich auch heute noch eine große Zahl an Menschen angezogen fühlt - aufgeklärte Moderne hin oder her. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Warum das so ist, erklärt sich Hans-Joachim Löwer, Autor des Buches: „Gipfelkreuze“, so: </p>
<p>2.O-Ton: </p>
<p>„In der Tat, Kirche ist „out“, aber Gipfelkreuze sind „in“, seltsamerweise. Es werden ja immer wieder neue aufgestellt. Sie sind Symbole des Christentums. Die meisten Erbauer, und die meisten Alpinisten, die vor den Kreuzen stehen, empfinden so ein Kreuz aber eher als ein Zeichen, dass diese Stelle etwas Besonderes ist. Wer am Gipfel steht, hat sich über die Niederungen erhoben. Das Kreuz, vor dem du da stehst, führt dir vor Augen: das hier ist ein ungewöhnlicher, herausragender, feierlicher Platz.“  </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>(( Löwer hat für seine vielstimmige Sammlung an Gipfelkreuzgeschichten akribisch recherchiert. Und gut 60.000 Höhenmeter zurückgelegt. Zu Fuß, mit Rucksack, Notizblock und Kamera. </p>
<p>3.O-Ton: </p>
<p>„Es hat bei mir ja ein halbes Jahrhundert gedauert, bis ich auf die Idee gekommen bin, über Gipfelkreuze zu schreiben. Vorher, bis dahin, habe ich, wie tausende andere Alpinisten auch, am Gipfelkreuz gesessen, meinen Rucksack ausgepackt, ne Flasche Wasser hergenommen und die Aussicht genossen. Und irgendwann, an einem Tag, das war ein ganz unscheinbarer Gipfel, in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen, gleitet mein Blick über das Gipfelkreuz. Und die Frage schießt mir durch den Kopf: wieso steht das Kreuz eigentlich da? (( Wer hat das denn gebaut? Wer hat das denn erdacht? Wie ham die das denn hier hochgebracht? Und warum? )) Und meine Vermutung war: dass in diesen Kreuzen dramatische Geschichten stecken.“  ))</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Auf rund viertausend Alpengipfeln steht heute ein Gipfelkreuz. Oder auch eine Madonna, wie in Italien und in Frankreich häufiger der Fall.  </p>
<p>Musik darüber</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Viele von diesen Gipfelzeichen stehen für faszinierende, oft jahrhundertealte Geschichten.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Diese Geschichten erzählen von Päpsten, Bischöfen und Priestern, die gegen den „Ungeist der Welt“ zu Felde zogen, indem sie Bergspitzen mit Kreuzen „besetzen“ ließen. Oder von eigenwilligen Künstlern, die Berggipfel zu einer Spielwiese für ihre extravaganten Ideen machten. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Sie handeln von gottesfürchtigen Bergbauern, und ihrem - von alten, heidnischen Vorstellungen mitgeprägten - Volksglauben. Wetterkreuze sollten den „heiligen Berg“ - vormals Sitz der Götter, Geister und Dämonen - besänftigen, sollten Hagel, Blitz und Sturm bannen. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Nicht zuletzt auch erinnern Gipfelkreuzgeschichten an wagemutige Bergpioniere. Alte Fotos zeigen diese tollkühnen Erstbegeher, mit ihrer vorsintflutlich aussehenden Bergsteigerkluft: Filzhut und Lodenjacke, dazu Holzschaftpickel und genagelte Schuhe. Ihre Triumphe und Tragödien schrieben Alpingeschichte. </p>
<p>Musik weg</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>In der Entwicklungsgeschichte des Gipfelkreuzes markiert das Jahr </p>
<p>1800 eine Art „Quantensprung“. Wird jetzt doch zum ersten Mal auf einem Alpenberg von beträchtlicher Höhe: auf dem 3798 Meter hohen Großglockner, dem höchsten Berg von Österreich, ein mächtiges Gipfelkreuz aufgestellt. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Treibende Kraft bei diesem kühnen Projekt ist ein Mann im Bischofsgewand: Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt, Oberhirte der Diözese Gurk. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Eine Zeitenwende bahnt sich damals an in Europa. Nur sechs Jahre noch, und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation wird zusammenbrechen. Auch blühen die Wissenschaften auf: es ist das Zeitalter der „Vermessung der Welt“. Und ein säkularer Geist, geprägt von Aufklärung, Rationalismus und Französischer Revolution, hat damit begonnen, die religiösen Autoritäten zu erschüttern. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Dieser versinkenden Welt will der couragierte Geistliche eine Art Denkmal setzen. Er finanziert daher die größte Expedition, die es bislang in den Alpen gegeben hat.</p>
<p>Musik darüber</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Außer ihm nehmen ein Arzt, ein Landvermesser, ein Mineraloge und ein Botaniker an diesem abenteuerlichen Unternehmen Teil. Dazu kommt eine Karawane aus 26 Trägern, nebst Reit- und Packpferden. Auch schleppt man ein ganzes Arsenal von wissenschaftlichen Instrumenten mit.  </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Während die Honoratioren im letzten Hochlager, auf 3454 Metern Höhe, zurückbleiben, kämpfen sich im Juli 1800 fünf einheimische Führer, unter Zuhilfenahme von langen Holzstöcken, Schritt für Schritt, den steilen Gipfelaufbau hinauf. Sie hacken Stufen in die abschüssigen Rinnen aus Schnee und Eis. Spannen Sicherungsseile über halsbrecherische Felspassagen. Tatsächlich gelingt ihnen am Ende die Erstbesteigung des Gipfels. Dort verankern sie das fast vier Meter hohe Kreuz. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die Einwohner in dem nahegelegenen Dorf Heiligenblut feiern das spektakuläre Ereignis mit Böllerschüssen. 79 Jahre lang wird dieses Kreuz auf dem Großglockner stehen: als „Wächter einer ewigen Ordnung“, wie die Kirche es sieht. Und zugleich als ein Symbol des menschlichen Forschungs- und Eroberungswillens. </p>
<p>Musik weg</p>
<p>(( 4.O-Ton: </p>
<p>„Neben dem Kreuz wurde ein überdachter Holzkasten aufgestellt, in dem ein Thermometer und ein Barometer eingeschlossen wurden. Den Schlüssel erhielt der Pfarrer des Dorfes Heiligenblut, mit der Maßgabe, ihn nur an Leute herauszugeben, die am Großglockner Messungen machen wollten.“ </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Tatsächlich lieferten die Messungen vom Großglocknergipfel vor allem Meteorologen viele wertvolle Erkenntnisse.  ))</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Erst 1880, anlässlich der Silberhochzeit des österreichischen Kaiserpaares, Franz Joseph und Elisabeth, wird das alte Kreuz durch ein neues, das so genannte „Kaiserkreuz“, ersetzt.</p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>Mit dem Großglocknerkreuz ist das Zeitalter der Gipfelkreuze eingeläutet: abertausende solcher Gipfelzeichen werden jetzt, im Laufe der Zeit, im gesamten Alpenraum aufgestellt. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die unterschiedlichsten Hoffnungen, Ängste und Schicksale ranken sich fortan um die paar Balken aus Metall oder Holz. Und nicht nur das. Mehr und mehr werden Gipfelkreuze auch zum Spielball weltanschaulicher Auseinandersetzungen. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Geradezu mustergültig zeigt sich das am Beispiel des Zuckerhütl, </p>
<p>dem höchsten Berg der Stubaier Alpen, in Österreich. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Dankbare Kriegsheimkehrer hatten auf diesem Berg, im Jahre 1947, ein Kreuz errichtet. In Erinnerung an die Schrecken des 2.Weltkriegs, sollte es eine Art Neuanfang symbolisieren. Wobei es aber, so Hans-Joachim Löwer, nicht blieb.   </p>
<p>5.O-Ton: </p>
<p>Da gibt es im Stubaital einen engagierten, umtriebigen Kaplan namens Karl Loven. Der will ein Zeichen setzen, dass die alten, christlichen Tugenden wieder Einzug halten in das Tal, und in die ganze Welt. Er macht das Gipfelkreuz zum Thema eines Films, der ein Jahr später in Innsbruck uraufgeführt wird. Er schreibt ein Buch, in dem das Zuckerhütlkreuz an den heldenhaften Widerstand erinnert, den junge Katholiken gegen den Ungeist der Nazis geleistet haben. Es ist die Zeit, in der die Kirche ihren letzten, großen Kulturkampf um die Köpfe und Herzen der Menschen führt. In Deutschland gehen tausende von Christen gegen den Film die „Sünderin“ auf die Straße, in dem Hildegard Knef sich vor der Kamera nackt auszieht. Viele Gipfelkreuze, die aus dieser Zeit stammen, sind als Demonstration gegen die sich ausbreitende Säkularisierung gedacht.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Auch das Zuckerhütlkreuz wurde in diesem Sinne weltanschaulich vereinnahmt. Karl Loven predigte nämlich seiner Anhängerschaft, über – Zitat – „frivole Filme nicht auf der Straße zu schimpfen“. Vielmehr helfe gegen den um sich greifenden Sittenverfall „nur das Gebet am Gipfelkreuz“.  </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Mitunter nimmt der „Kulturkampf“ ums Gipfelkreuz auch aberwitzige Züge an. Wie etwa, im Jahre 1943, in den Freiburger Voralpen, in der Schweiz. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Dort sehen wortgewaltige Gottesmänner, vom Kapuzinerorden, im Berggipfel des 1858 Meter hohen Les Millets gar eine, Zitat, „letzte Bastion der Moral“. Durch den Bau eines Gipfelkreuzes will man, dementsprechend, ein Zeichen setzen.    </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Sozialismus, Geld- und Machtgier, Sportsgeist, Tourismus oder Modeverrücktheiten - alles das ist in den Augen der Ordensbrüder „heidnischer Kram“.  </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Das Landleben hingegen wird von den Mönchen verklärt. Für die „feinen Städter“ kennt man daher im „Volkskalender“, ihrem offiziellen Presseorgan, nur Hohn und Spott:</p>
<p>Musik darüber (Jodler)</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>„Immer mehr solcher Sommervögel flattern jetzt in unsere Bergdörfer hinauf. Mit Jazz und Swing, all Abend Ball (…). </p>
<p>Aber es ist nicht gut, wenn dem einfachen Bergvolk solche Stinkkäfer und Grillen der Unzufriedenheit im Kopf herumsummen.“ </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>An anderer Stelle mokiert man sich auf Schwyzerdütsch. </p>
<p>ZITATOR: </p>
<p>„Lueget auch, wie die Stadtweibervölker daherkommen: Es Müli zündrot verrandet. Die Fingernägel feurig wie Teufelskrallen.“ </p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>33 Jahre wird dieses „moralische Bollwerk wider den Zeitgeist“ auf dem Les Millets stehen, ehe es ein Blitzschlag zerstört.</p>
<p>Musik weg</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Auf andere Art macht der nur 1205 Meter hohe Heigelkopf „Karriere“. Gehört doch dieser eher unscheinbare Berg, im Bayerischen Voralpenland auf dem Gebiet der Gemeinde Wackersberg gelegen, zum düsteren Erbe der Nazi-Zeit.</p>
<p>Musik darüber („Die Fahne hoch!“)</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>1933 - Adolf Hitler ist gerade erst an die Macht gekommen - taufen dort regimetreue Wackersberger Bürger - in vorauseilendem Gehorsam - den Heigelkopf um, in „Hitlerberg“. Und ersetzen das Gipfelkreuz durch ein Hakenkreuz. Mit Fackeln bestückt, leuchtet es bei Nacht ins Land hinaus, als ein „glühendes Bekenntnis zum Führertum“.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Der „Führer“ selbst steigt freilich nie auf diesen Berg. Bis heute aber werfen die Gespenster der Vergangenheit auf die Dorfgemeinde lange Schatten. </p>
<p>Musik weg</p>
<p> 6.O-Ton: </p>
<p>„Im Frühjahr 1945, als Hitlers Reich in Trümmer sinkt, fürchten die Wackersberger, dass dieses Hakenkreuz ihnen Ärger bringen wird. So schleicht sich, kurz vor Ankunft der amerikanischen Truppen, nachts ein Trupp von Männern mit einem Schweißgerät hoch zum Hitlerberg. Die knicken das Nazi-Symbol, lassen es auf dem Gipfel liegen. Damit man beim Schweißen den verdächtigen Funkenflug nicht sieht, sind die Männer in Wettermäntel eingehüllt. Der Hitlerberg heißt seither natürlich wieder Heigelkopf. Das Internet aber vergisst ja bekanntlich nichts. Wer bei Google Maps oder Google Earth den Namen Hitlerberg eingibt, landet schnurstracks und zielsicher beim Heigelkopf. Jahrelang hat sich die Gemeinde Wackersberg darüber aufgeregt. Wütende Briefe an Google geschrieben, aber vergebens.“ </p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Gipfelkreuze werden von Stürmen gebeutelt, vom Blitz zertrümmert, unter Schneemassen begraben. Oder fallen neuerdings auch dem Klimawandel zum Opfer. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>So geschehen am Ortler, in Südtirol, im Jahre 2012. Selbst auf dem Fastviertausender war der Permafrostboden aufgetaut, das Gipfelkreuz daher aus seinem Betonsockel gebrochen und mit wildem Getöse den Berg hinab gedonnert. </p>
<p>7.O-Ton: </p>
<p>„Nach dem 2. Weltkrieg haben amerikanische Besatzungssoldaten das Kreuz der Zugspitze zum Ziel von Schießübungen gemacht. Auf der Mondspitze, im Österreichischen Rätikon, lag eines Tages ein Gebiss in dem Kupferkasten am Kreuz, der eigentlich nur für das Gipfelbuch bestimmt war. Und im Gipfeltuch stand etwas von einer “bissigen Tour“. Und auf dem Monte Bregagno, am Comer See, in Italien, habe ich mit eigenen Augen gesehen, dass junge Leute ihre schweißnassen T-Shirts über das Gipfelkreuz hängten, damit die Outdoor-Wäsche in der Sonne trocknen konnte. Mir tat das schon ein bisschen weh. So einen Mangel an Respekt und Sensibilität zu sehen.“   </p>
<p>SPRECHER: </p>
<p>Allein, braucht es überhaupt Gipfelkreuze? Diese provokative Frage wird neuerdings immer öfter gestellt. Und in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.  </p>
<p>8.O-Ton: </p>
<p>„Gipfelkreuze haben ja nicht nur Freunde, sondern auch Feinde. Und die gehören zu einer Gruppe von Menschen, die der Ansicht sind, dass religiöse Symbole im öffentlichen Raum eigentlich nichts zu suchen haben. Vor allem in der Schweiz hat es spektakuläre Protestaktionen gegen Gipfelkreuze gegeben. Auf dem Berg Freiheit, in den Appenzeller Alpen, stand eines Tages plötzlich ein drei Meter hoher Halbmond, aus weißem Acrylglas. Ein Hubschrauber hatte das islamische Symbol auf den Gipfel geflogen. Sein Schöpfer war der Künstler Christian Meier, ein überzeugter Atheist, dem die vielen Gipfelkreuze auf die Nerven gegangen waren. „Ich mag Dinge, die beim Betrachter anecken“, sagte er, „ich wollte endlich einmal ein Gegengewicht schaffen.“ Er musste sein Objekt natürlich schnell wieder abräumen. Aber der Wirbel, den er entfachen wollte, den hat er gehabt.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Selbst Nacht- und Nebel-Aktionen, von sichtlich härterer Gangart, bleiben nicht aus:   9.O-Ton: </p>
<p>„Etwas rabiater ging der Schweizer Bergführer Patrick Bussard vor. Er brachte in den Bergen des Kantons Fribourg gleich drei Gipfelkreuze zu Fall. Einmal löste er die Schrauben, mit denen das Monument befestigt war. Zweimal war er mit einer Säge zugange. Er wurde dafür von einem Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt, stand aber auch nach dem Prozess zu seiner Tat. „Christliche Kreuze sind Symbole des Todes, der Gewalt und der Macht!“ sagte er. „Sie haben in den Bergen nichts zu suchen.“ Seine Kreuzfällerei löste landesweite Empörung aus. Der Schweizer Alpenclub schloss ihn aus seinen Reihen aus. Ein harter Schlag für einen Bergführer.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Als es 2016 vermehrt zu aggressiven Attacken eingefleischter Gipfelkreuz-Gegner kommt, meldet sich Reinhold Messner, Bergsteiger-Ikone aus Südtirol, zu Wort. Er fordert einerseits:</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>„Man sollte die Berge nicht zu religiösen Zwecken „möblieren“. Denn sie gehören der ganzen Menschheit.“</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Andererseits sollten alle bestehenden Gipfelkreuze, so Messner,</p>
<p>erhalten bleiben. Immerhin seien sie „ein Stück Kulturgeschichte“. Und ihr gewaltsames Entfernen daher ein „Akt von Vandalismus“.    </p>
<p>(( SPRECHER:</p>
<p>Vom Kreuz als Verweis auf eine höhere Sphäre hält der berühmte Achttausenderbezwinger hingegen nicht viel. Messners Credo lautet daher:</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>„Die Berge selbst haben etwas Erhabenes - da braucht es kein Zeichen für etwas Übernatürliches.“ ))</p>
<p>Musik darüber</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Fehlt noch ein Blick auf Kreuze, die mit den Schicksalen einzelner Menschen verbunden sind.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Das ist das Gedenkkreuz Croce Carrel. Es erinnert an die selbstlose Heldentat von Jean Antoine Carrel, dem Matterhornpionier, aus Cervinia im Aostatal. Obwohl er in einen verheerenden Wettersturz geraten war, brachte Carrel die ihm anvertraute Seilschaft wieder heil zurück ins Tal. Erst dort starb der alte Bergführer dann an Erschöpfung.  </p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Da ist das Gipfelkreuz auf dem Stecknadelhorn, einem Viertausender im Wallis. Als ein „Glückszeichen“ will es sein Stifter, der Schweizer Bergführer Jan Schnidrig, verstanden wissen. Hat er doch nur um ein Haar ein Lawinenunglück, am Achttausender Gasherbrum II, im Karakorum, überlebt. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Da sind die vielen, schlichten Holzkreuze, auf einsamen Inselbergen in Südtirol. Alle im Stil der alten Wetterkreuze: mit drei Querbalken also, konstruiert. Und versehen mit den Initialen: U und K.</p>
<p>Musik weg</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Diese Initialen stehen für einen bescheidenen, eher wortkargen Einzelgänger, wie Hans-Joachim Löwer herausgefunden hat.</p>
<p>10.O-Ton: </p>
<p>„Ulrich Kössler aus Meran hat als Hobby, all seine Gipfelkreuze selber zu schnitzen. Als ich ihn kennen lernte, hatte er es schon bis zu </p>
<p>28 Stück gebracht. Die sind gerade mal so groß, dass er sie in seinen Rucksack stecken kann. Und er sucht sich bewusst Gipfel aus, die außerhalb des alpinistischen Mainstreams liegen. Und läuft dann im Abstand von ein paar Jahren seinen eigenen Kreuzen noch mal nach. Er schaut im Gipfelbuch nach, wer ist denn zu diesem Kreuz gekommen, wie heißt der Mensch, kenn ich ihn vielleicht, oder war vielleicht überhaupt niemand da.“ </p>
<p>Musik darüber</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Bedeutsamer denn je aber sind gerade heute, in einer von Kriegen und Krisen erschütterten Welt, völkerverbindende Gipfelkreuzinitiativen. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Wie etwa die auf der Großen Kinigat, in den Karnischen Alpen, in Osttirol. Hier steht, in 2689 Metern Höhe, ein mächtiges Kreuz: als ein Mahnmal für Frieden, Freundschaft und Versöhnung. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Im Alpenkrieg, von 1915 bis 1918, zwischen Österreich-Ungarn und Italien, war - neben den Dolomiten - die Große Kinigat Schauplatz von besonders blutigen Gefechten. Eingedenk dieser alten Kriegswunden wird hier jedes Jahr, an einem Sonntag im August, eine gemeinsame Bergmesse zelebriert. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Eine große Menschenmenge strömt zusammen an diesem Tag: die einen kommen aus Österreich, die anderen aus Italien. Symbolisch reicht man sich unter dem Gipfelkreuz die Hände - zum Friedensgruß. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das Kreuz trägt die 12 Sterne der Europa-Flagge. Nicht ohne Grund: die Zahl 12 steht für Vollkommenheit und Einheit. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Zusätzlich steht auf einer Gedenktafel zu lesen: „Nie wieder Krieg!“ Die berühmten Worte von Papst Paul dem VI., gesprochen vor der UN-Vollversammlung 1965 in New York.</p>
<p>Musik weg </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Bleibt als Fazit: bei allem Hickhack um die Deutungshoheit in Sachen Gipfelkreuz - die mystische Strahlkraft dieses Symbols, sie scheint ungebrochen.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Eindrucksvoll zeigt das ein Blick in das Buch: „Große Tage am Berg“. Geschrieben hat es der berühmte, italienische Extrembergsteiger, Walter Bonatti. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Rückblickend schildert Bonatti darin seinen aufsehenerregenden Alleingang durch die gefürchtete Matterhorn-Nordwand. Er durchstieg diese eisgepanzerte Wand im Februar 1965, mitten im Winter also. </p>
<p>Musik darüber </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Nach einem zähen Ringen erreicht Bonatti schließlich den 4478 Meter hohen Gipfel. Er schreibt:</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>„Gegen drei Uhr nachmittags erblicke ich unerwartet das Gipfelkreuz. Die Sonne bestrahlt es von Süden her; es leuchtet, als ob es in Weißglut stände. Ich muss an den Glorienschein eines Heiligen denken. Selbst die Pressefotografen, in ihren Flugzeugen, scheinen die Feierlichkeit dieses Augenblicks zu fühlen. Sie entfernen sich eine Weile und lassen mich die letzten Meter in völliger Stille erklimmen. Mit Tränen in den Augen umfasse ich das eiserne Skelett des Kreuzes und drücke es an meine Brust, allein mit mir und der Unendlichkeit.“</p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Erdöl – Wie wir abhängig wurden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/erdoel-wie-wir-abhaengig-wurden/2110209</link>
      <pubDate>Tue, 09 Sep 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">29dbb8b6-2046-4632-b9c3-6a5e9036a0f1</guid>
      <description>Benzin, Kunststoff, Dünger, Medikamente: Produkte aus Erdöl sind in alle Bereiche des modernen Lebens eingesickert. Dabei war von Anfang klar, dass es sich um einen endlichen Rohstoff handelt. Aber Erdöl trug eben entscheidend zu unserem materiellen Wohlstand bei - und war immer wieder entschiedend in Kriege verwickelt. Von Maike Brzoska </description>
      <enclosure length="22765440" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110209/c/feed/erdoel-wie-wir-abhaengig-wurden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Brzoska, Maike</itunes:author>
      <itunes:summary>Benzin, Kunststoff, Dünger, Medikamente: Produkte aus Erdöl sind in alle Bereiche des modernen Lebens eingesickert. Dabei war von Anfang klar, dass es sich um einen endlichen Rohstoff handelt. Aber Erdöl trug eben entscheidend zu unserem materiellen Wohlstand bei - und war immer wieder entschiedend in Kriege verwickelt. Von Maike Brzoska </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e85e040f-b60c-411a-86bf-c6fa9e755f09.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Benzin, Kunststoff, Dünger, Medikamente: Produkte aus Erdöl sind in alle Bereiche des modernen Lebens eingesickert. Dabei war von Anfang klar, dass es sich um einen endlichen Rohstoff handelt. Aber Erdöl trug eben entscheidend zu unserem materiellen Wohlstand bei - und war immer wieder entschiedend in Kriege verwickelt. Von Maike Brzoska </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Maike Brzoska<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Patrick Zeilhofer, Andreas Dirscherl<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p> - Frank Uekötter, Umwelthistoriker und Professor an der Universität Bochum</p>
<p>- Andreas Goldthau, Politologe und Professor an der Universität Erfurt</p>
<p>- Robert Groß, Umwelthistoriker, Forscher am Institut für Soziale Ökologie der Universität Wien</p>
<br/>
<p><strong>Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/IQWissenschaft"><strong>Namenlose Helden - Wildtierbiografien</strong></a></p>
<p>Drei außergewöhnliche Wildtierbiografien erzählen von Überlebenskämpfen, Hoffnung und der Kraft der Verbindung zwischen Mensch, Tier und Natur. Ein Podcast von IQ- Wissenschaft und Forschung</p>
<p><br/> <br/> </p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/> </p>
<p>-       Frank Uekötter, „Der Strudel. Eine Umweltgeschichte der modernen Welt“ – beschreibt in vielen Beispielen die ökologischen und technologischen Entwicklungen der letzten Jahrhunderte und wie sie miteinander zusammenhängen.<br/> <br/> <br/> </p>
<p>-       Heike Buchter, „Ölbeben. Wie die USA unsere Existenz gefährden“ – analysiert kritisch, welche globalen Risiken die Ölpolitik der USA hat.</p>
<p>-     Daniel Yergin, „Der Preis. Die Jagd nach Öl, Geld und Macht“ – sehr detailreiches und spannend geschriebenes Buch über die Geschichte des Erd</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-mansukripte-erdoel-wie-wir-abhaenig-wurden-petroleum-treibstoff-otto-motor-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Er wurde eines Besseren belehrt. Im August 1859 stießen Drake und seine Männer tatsächlich auf Erdöl, in 20 Metern Tiefe. Und dann tat Drake genau das, wofür er bis dahin so verlacht worden war: Er pumpte die schwarze Flüssigkeit nach oben.</p>
<p>Drakes Fund gilt als Beginn der modernen Ölgeschichte. Wie wichtig der Rohstoff einmal werden würde, ließ sich Mitte des 19. Jahrhunderts – auch mit viel Fantasie – kaum erahnen. Denn mit der Zeit sickerte das Erdöl langsam aber sicher in immer mehr Bereiche unseres Alltags ein. Tatsächlich ist vielen Menschen heute gar nicht bewusst, wie viele Dinge aus Erdöl sie täglich nutzen, sagt der Umwelthistoriker Prof. Frank Uekötter (sprich: Ükötter). Er lehrt an der Ruhr Universität Bochum.</p>

<p><strong>01 O-TON</strong> (Uekötter)</p>
<p>Das Magische an Erdöl ist: Es steckt in vielen Dingen drin, denen man das zunächst mal gar nicht ansieht.</p>

<p><strong>Musik Friction </strong></p>
<p><strong><br/> <br/> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Denn aus Erdöl werden nicht nur Heizöl oder Treibstoffe wie Benzin, Diesel oder Kerosin gemacht, sondern viele weitere Produkte: Kosmetika wie Shampoo oder Make Up, Waschmittel, Medikamente, Bodenbeläge, wie zum Beispiel Asphalt, und auch Düngemittel. Daneben basieren die allermeisten Kunststoffe auf Erdöl, also die ganzen Sachen aus Plastik. Das zeigt, wie vielseitig der Rohstoff ist. Wie viele Formen er annehmen kann.</p>

<p><strong>02 O-TON</strong> (Uekötter)</p>
<p>Erdöl ist so ein bisschen das Chamäleon unter den Energieträgern. Es wandelt sich.</p>

<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Tatsächlich ist unsere heutige Welt ohne Erdöl kaum denkbar, im Moment jedenfalls. Man könnte auch sagen: Wir sind abhängig, manche sagen sogar: süchtig. Wäre es überhaupt möglich, ohne Erdöl auszukommen?</p>

<p><strong>03 O-TON</strong> (Uekötter)</p>
<p>Das ist die große, anhaltende Herausforderung. Das ist gewissermaßen ganz langsam Abhängigkeiten reduzieren und natürlich Alternativen aufbauen.</p>

<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Damit begann man hierzulande nach den Ölpreisschocks in den 1970ern, und bis dahin soll die Geschichte in diesem Beitrag erzählt werden. Wobei man sagen muss: Es war eine sehr langsame Entwicklung weg vom Öl, die auch noch lange nicht abgeschlossen ist.</p>

<p><strong>04 O-TON</strong> (Uekötter)</p>
<p>Denn in dieser Nummer des ressourcenintensiven fossilen Lebensstils, da stecken wir in der Moderne halt sehr, sehr tief drin. Und ich denke, aus dem Erdölzeitalter kommen wir genauso raus, wie wir reingekommen sind: mit vielen kleinen Schritten.</p>

<p><strong>Musik ARD-Labelmusik White wherever you look </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Zu den ersten dieser vielen kleinen Schritte gehörte, dass die Menschen zu der Zeit von Edward Drake begannen, Erdöl, in Form von Petroleum, für ihre Lampen zu nutzen. Das war sehr viel günstiger als das Walfett, das ohnehin nur schwer zu bekommen war. Man nannte die Petroleumlampen damals das „Neue Licht“. Es machte lange Arbeitstage und sogar Nachtschichten möglich. Auf diese Weise förderte das Erdöl auch die Industrialisierung.</p>
<p>Gleichzeitig machte es einige Menschen ungeheuer reich.</p>

<p><strong>Musik ARD-LAbelmusik Expedition </strong></p>
<p><strong><br/> <br/> </strong></p>
<p>1870 gründete ein gewisser John D. Rockefeller sein Unternehmen Standard Oil. Bald schon kontrollierte er den überwiegenden Teil des damaligen Ölgeschäfts – von der Förderung, über die Verarbeitung in Raffinerien, bis hin zum Transport mit der Eisenbahn. Die Monopolstellung erlaubte es ihm, Preise fast nach Belieben zu setzen. Rockefeller gilt als reichster Mensch der modernen Geschichte. Je nach Lesart wird er als genialer Unternehmer bezeichnet – oder als skrupelloser Geschäftsmann. Damit zeigte sich schon damals etwas, das charakteristisch ist für das Ölgeschäft: Es ist ein <em>Big Business</em>, wo Anstand oder Freundschaften nicht selten auf der Strecke bleiben. Ein häufig kolportiertes Zitat lautet:</p>

<p><strong>05 O-TON</strong> (Uekötter)</p>
<p>Ölfreundschaften sind sehr schlüpfrig. Das fasst es ganz gut. Das ist tatsächlich globaler Kapitalismus in seiner ganzen Pracht. Es geht um sehr viel Geld. Es geht um globale Machtspiele.</p>

<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Und auch um geopolitische Interessen. Denn immer wieder gab und gibt es Konflikte, ja auch kriegerische Auseinandersetzungen um den begehrten Rohstoff Öl. Aber um das zu erzählen, braucht es einen eigenen Beitrag…</p>

<p><strong>Musik ARD-Labelmusik White wherever you look´´</strong></p>

<p>Zurück ins 19. Jahrhundert: Da drohte Erdöl erst mal überflüssig zu werden, denn die Glühbirne setzte sich Ende des Jahrhunderts immer weiter durch, das Neue Licht war schon wieder veraltet. Aber eine weitere Erfindung sorgte dafür, dass Erdöl bald begehrter werden sollte als je zuvor.</p>

<p><strong>ZITATOR 2</strong> (förmlich)</p>
<p>Patentschrift Nummer 37435. Vorliegende Construction bezweckt den Betrieb hauptsächlich leichter Fuhrwerke (…), wie solche zur Beförderung von 1 bis 4 Personen verwendet werden.</p>

<p><strong>Musik M Ray of light </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>1886 meldete Carl Benz sein „Automobil“ mit Verbrenner-Motor zum Patent an. Wenig später fuhr seine Frau Berta mit einem Benz von Mannheim nach Pforzheim, eine Strecke von über 100 Kilometern. Sie wollte zeigen, dass das Auto alltagstauglich war. Denn ihre Landsleute waren skeptisch. Wegen der vielen Pannen, aber auch weil es teuer war. Eine technische Spielerei für Wohlhabende sei das Automobil, so lautete der Tenor damals. Kaiser Wilhelm der Zweite soll sogar gesagt haben:</p>

<p><strong>ZITATOR 1</strong></p>
<p>Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd.</p>

<p><strong>Musik</strong> <strong>Autostrada </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ganz anders in den USA: Dort wurde das Auto bald zum Massenprodukt. Auch dank des Unternehmers Henry Ford, der 1913 in Michigan das Fließband einführte. Die Massenproduktion machte die Autos sehr viel günstiger – und damit erschwinglich für immer mehr Menschen. 1920 fuhren bereits mehr als acht Millionen Fahrzeuge durch die USA. Das Auto – und damit auch Treibstoffe wie Benzin und Diesel – wurden Teil des <em>American Way of Life</em>.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik Ocean&#39;s Deep</strong></p>
<p>Gleichzeitig veränderten die neuartigen Fahrzeuge mit Verbrenner-Motoren auch die Kriegsführung. Der Erste Weltkrieg war der erste motorisierte Krieg der Geschichte. Neben Pferdekutschen, Dampflokomotiven und Dampfschiffen kamen erstmals auch Lastwagen, Panzer und Flugzeuge zum Einsatz. So gesehen war der Erste Weltkrieg auch eine Art Kräftemessen zwischen den Energieträgern Erdöl und Kohle. Wobei die Alliierten, allen voran Großbritannien, vor allem auf Erdöl setzten.</p>


<p><strong>06 O-TON</strong> (Uekötter)</p>
<p>Kurz vor dem Ersten Weltkrieg stellt die Royal Navy um von Kohle auf Erdöl. Einfach deshalb, weil man damit Schlachtschiffe schneller fahren lassen konnte.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>

<p>Durchgesetzt hatte das der damalige britische Marineminister und spätere Premier Winston Churchill. Allerdings hatte Großbritannien ein Problem: Das Land verfügte damals selbst kaum über Öl. Damit der britischen Flotte der Treibstoff nicht ausgeht, erwarb Großbritannien daher 51 Prozent an der <em>Anglo-Persian Oil Company</em>. Die englisch-persische Ölfirma war das erste Unternehmen, das Erdöl im Nahen Osten förderte. Mit den 51 Prozent übernahmen die Briten de facto die Kontrolle über die persischen Ölressourcen. Churchill war überzeugt:</p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Richard Wagner und Ludwig II. - Im Wahn vereint</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/richard-wagner-und-ludwig-ii-im-wahn-vereint-1/2110520</link>
      <pubDate>Tue, 09 Sep 2025 02:45:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5af842d3-438e-48fc-b9d4-3dd9c35f99e7</guid>
      <description>Es ist eines der furiosesten Comebacks der Musikgeschichte: Richard Wagner - künstlerisch gescheitert, finanziell am Boden - wird errettet durch den 18-jährigen König Ludwig II. von Bayern. Der Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung, die Wagner zu beispiellosen Erfolgen führen und Ludwig das Herz brechen wird.</description>
      <enclosure length="23947392" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110520/c/feed/richard-wagner-und-ludwig-ii-im-wahn-vereint-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Montasser, Philip</itunes:author>
      <itunes:summary>Es ist eines der furiosesten Comebacks der Musikgeschichte: Richard Wagner - künstlerisch gescheitert, finanziell am Boden - wird errettet durch den 18-jährigen König Ludwig II. von Bayern. Der Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung, die Wagner zu beispiellosen Erfolgen führen und Ludwig das Herz brechen wird.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4789ab72-de23-456d-82c6-46c494782ded.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es ist eines der furiosesten Comebacks der Musikgeschichte: Richard Wagner - künstlerisch gescheitert, finanziell am Boden - wird errettet durch den 18-jährigen König Ludwig II. von Bayern. Der Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung, die Wagner zu beispiellosen Erfolgen führen und Ludwig das Herz brechen wird.</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Philip Montasser <br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Es sprachen: Susanne Schroeder, Peter Veit, Anne-Madlen<br/>Technik: Christine Frey<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>- Marcus Spangenberg, Biograph von Ludwig II.</strong></p>
<p><strong>- Markus Söder, Ministerpräsident</strong></p>


<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/kunstverbrechen-true-crime-meets-kultur/urn:ard:show:78b44da017c70e17/">Kunstverbrechen - True Crime meets Kultur</a></strong></p>
<p>Gestohlene Gemälde, Kunstschmuggel, Fälscherskandale: Bei Kunstverbrechen rollen Lenore Lötsch und Torben Steenbuck spektakuläre Verbrechen in der Welt der Kunst- und Kultur auf. Ohne Blutvergießen, dafür mit spannender Kunst!</p>

<p><a name="_Hlk204604495"></a><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d7c49ac288b5831e/"><strong>Ludwig II. - Der Mondkönig</strong></a></p>
<p>Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee: Die Bauten König Ludwigs II. prägen das Bayernbild weltweit. Zu seinen Lebzeiten hatte das Volk das Treiben ihres &quot;Kinis&quot; durchaus mit Skepsis betrachtet. Von Carola Zinner (BR 2011)</p>


<p>Literatur:</p>
<p>-      Otto Strobel: »König Ludwig II. und Richard Wagner – Briefwechsel« (ein 1936 erschienenes sechsteiliges Kompendium des kompletten Briefwechsels samt ausführlichem Kommentar, zusammengetragen und bearbeitet vom damaligen Archivar des Hauses Wahnfried – bei der Bayerischen Staatsbibliothek als Digitalisat komplett frei und ohne Login zugänglich)</p>
<p>-      Marcus Spangenberg: »Ludwig II. Der andere König« (eine prägnante und kurzweilige Biographie)</p>
<p>-      Hartmut Schick: »Zwischen Skandal und Triumph: Richard Wagners Wirken in München« (ein sehr prägnant geschriebener Aufsatz in einem wissenschaftlichen Sammelband zu Wagners Münchner Zeit)</p>
<p>-      Annette Kolb: »König Ludwig II. von Bayern und Richard Wagner« (eine kurze, biographische Skizze über die schillernde Freundschaft mit einer gewissen literarischen Verspieltheit)</p>




<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-manuskripte-richard-wagner-und-ludwig-ii-komponist-wittelsbacher-bayern-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Recht auf Urlaub - Wie es zur bezahlten Freizeit kam</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-recht-auf-urlaub-wie-es-zur-bezahlten-freizeit-kam/2109328</link>
      <pubDate>Mon, 08 Sep 2025 17:54:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">409408c3-6760-4f16-a288-d413a17ea2a5</guid>
      <description>Sommer ist Urlaubszeit. Aber das Recht auf bezahlte Freizeit zum Ausspannen und Erholen war besonders für Arbeiter und Arbeiterinnen lange die Ausnahme. Vorreiter waren Brauereimitarbeiter in Stuttgart, die sich 1903 einen der ersten Tarifverträge mit einem bezahlten Jahresurlaub erstritten - allerdings nur drei Tage.Autor: Georg Gruber (BR2025) </description>
      <enclosure length="22091136" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109328/c/feed/das-recht-auf-urlaub-wie-es-zur-bezahlten-freizeit-kam.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Gruber, Georg</itunes:author>
      <itunes:summary>Sommer ist Urlaubszeit. Aber das Recht auf bezahlte Freizeit zum Ausspannen und Erholen war besonders für Arbeiter und Arbeiterinnen lange die Ausnahme. Vorreiter waren Brauereimitarbeiter in Stuttgart, die sich 1903 einen der ersten Tarifverträge mit einem bezahlten Jahresurlaub erstritten - allerdings nur drei Tage.Autor: Georg Gruber (BR2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/69bee278-dc67-4a60-9700-56aa7a0ba8bc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sommer ist Urlaubszeit. Aber das Recht auf bezahlte Freizeit zum Ausspannen und Erholen war besonders für Arbeiter und Arbeiterinnen lange die Ausnahme. Vorreiter waren Brauereimitarbeiter in Stuttgart, die sich 1903 einen der ersten Tarifverträge mit einem bezahlten Jahresurlaub erstritten - allerdings nur drei Tage.Autor: Georg Gruber (BR2025) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Georg Gruber<br/> Regie: Irene Schuck, Christian Baumann, Marlen Reichert <br/> Es sprachen: Berenike Beschle <br/> Technik: Monika Gsaenger<br/> Redaktion:  Nicole Ruchlak</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>

<ul>
<li>Prof. Hasso Spode, Historiker, langjähriger Leiter des „Historischen Archiv Tourismus“ an der TU Berlin</li>
<li>Dr. Holger Starke, Historiker für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, im Vorstand der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens (https://ggb-berlin.de/de)</li>
</ul>

<p> <br/><br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/urlaub-die-erfindung-der-ferien/ard/91904874/">Alles Geschichte - Der History-Podcast · URLAUB! Die Erfindung der Ferien · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>

<p>Ferien sind eine wunderbare Zeit, und das Bedürfnis danach ist nur menschlich. Dennoch ist die Idee, sich jedes Jahr einige Wochen Auszeit zu nehmen, ziemlich neu. Vor zweihundert Jahren war sie den Menschen so fremd wie der Gedanke, in einer großen Blechkiste um die Welt zu fliegen. (BR 2017)</p>

<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>

<p> Literatur: </p>

<ul>
<li>Hasso Spode, Traum Zeit Reise, Eine Geschichte des Tourismus, BeBra-Verlag 2025 </li>
<li>Hasso Spode, Urlaub Macht Geschichte, Reisen und Tourismus in der DDR, BeBra-Verlag 2022 (Hasso Spode ist der Historiker, der sich am längsten und intensivsten mit der Geschichte des Urlaubs, des Tourismus und des Reisens beschäftigt hat. Er war viele Jahre Leiter des Historischen Archiv zum Tourismus an der TU Berlin)</li>
<li>Rüdiger Hachtmann, Tourismus-Geschichte, Vandenhoeck &amp; Ruprecht 2007, (Umfassende kompakte Einführung zum Thema Tourismus mit kurzem Abschnitt über den Aspekt des bezahlten Urlaubs)</li>
<li>Jürgen Reulecke, Die Entstehung des Erholungsurlaubs für Arbeiter in Deutschland vor dem ersten Weltkrieg, in: Dieter Langewiesche und Klaus Schönhoven, Arbeiter in Deutschland, Studien zur Lebensweise der Arbeiterschaft im Zeitalter der Industrialisierung, Schöningh-Verlag, 1981, S. 240-268 (Jürgen Reulecke hat sehr genau und detailreich die Geschichte des Urlaubs für Arbeiter bis zum Beginn des ersten Weltkrieges untersucht)</li>
<li>Jürgen Reulecke, Vom blauen Montag zum Arbeiterurlaub, Vorgeschichte und Entstehung des Erholungsurlaubs für Arbeiter vor dem ersten Weltkrieg, in: </li>
<li>Archiv für Sozialgeschichte 16 (1976). </li>
<li>Jürgen Reulecke, Die Anfänge des Erholungsurlaubs für Arbeiter, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 31 (1980) S. 716-727</li>
<li>Sina Fabian, Geschichte des Reisens, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, 2024 (Eine kurze kompakte Einführung in die Geschichte des Reisens)</li>
<li>Christine Keitz, Reisen als Leitbild. Die Entstehung des modernen Massentourismus in Deutschland, dtv 1997. (Lesenswerte Untersuchung über die Ursprünge des Massentourismus)</li>
<li>Karl Ihmels, Das Recht auf Urlaub. Sozialgeschichte Rechtsdogmatik Gesetzgebung, Athenäum Verlag 1981, (Eine der wenigen Abhandlungen aus juristischer Perspektive über das Recht auf Urlaub, Promotionsarbeit)</li>
<li>Michael Schneider, Streit um Arbeitszeit. Geschichte des Kampfes um Arbeitszeitverkürzung in Deutschland, Bund-Verlag 1984 (Übersicht zum Thema Arbeitszeitverkürzung, mit interessanten Dokumenten im Anhang)</li>
<li>Thomas Hofmann, Das Recht der Brauereiarbeiter am Ende des 19. und 20. Jahrhunderts, dargestellt insbesondere am Beispiel der Kulmbacher Brauereien, Verlag Dr. Kovac 2001. (Dissertation über die rechtliche Lage der Brauereiarbeiter, interessant auch mit Bezug auf Bestimmungen zu bezahltem Urlaub)</li>
</ul>

<p> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>Sprecherin</strong><strong></strong></p>
<p>Das muss man sich mal vorstellen: Da hat man zum Beispiel monatelang am Bau Zementsäcke geschleppt und Gräben ausgehoben oder in Häusern Rohre verlegt. Und dann geht man mit seinem Urlaubsantrag zum Chef und erfährt: Urlaub? Völlig unnötig. Man habe sich ja bei der Arbeit schon erholt, so von wegen frische Luft und Bewegung. Undenkbar? Nein. Gar nicht. Denn so ähnlich war das früher. Aber der Reihe nach. Urlaub - das war ursprünglich ein Gnadenakt, auf den man keinen Anspruch hatte. Nachzulesen zum Beispiel in einem Universallexikon aus dem Jahr 1747:</p>
<p> </p>
<p><strong>Zitator </strong></p>
<p>„Urlaub, Orlaub oder Verlaub heißt überhaupt nichts anders als die Erlaubniß, Nachsicht oder Vergünstigung derer Obern, daß ihre Untergebenen etwas thun oder unterlassen mögen, welches diesen sonst nicht frey gestanden hätte.“</p>
<p> </p>
<p><strong>1. O-Ton Hasso Spode</strong></p>
<p>Erlaubnis bedeutete, sich von dem Hof, also dem Königshof oder vielleicht auch der Truppe für ein paar Tage zu entfernen. Und das machte man nicht aus reinem Vergnügen, sondern hatte man Familienangelegenheiten oder Geschäfte zu erledigen, oder was weiß ich. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Erklärt der Historiker Prof. Hasso Spode, langjähriger Leiter des „Historischen Archivs Tourismus“ an der TU Berlin</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>2. O-Ton Hasso Spode</strong></p>
<p>Urlaub war Erlaubnis, sich irgendwo vom Hof zu entfernen. Aber bezahlt war da gar nichts.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 2</strong></p>
<p>&quot;After the Circus&quot; - Komponist: Pawel Mykietyn - Album: EO (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;45</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Der Radius der meisten Menschen war lange klein, oft nicht sehr viel weiter als bis zum nächsten Dorf oder zur nächsten Stadt. Weiter herum kamen Kaufleute und Hausierer sowie Handwerksburschen auf der Walz oder Pilger und Pilgerinnen. Zum Vergnügen zu verreisen oder zu Bildungszwecken ist bis ins 19. Jahrhundert ein Privileg des Adels und gehobener bürgerlicher Kreise. Die meisten anderen Menschen konnten sich das Reisen auch finanziell gar nicht leisten. Da sogar höhere Staatsbeamte keinen Urlaub erhielten, wurde es Mode, sich mit einem ärztlichen Attest eine Bäderreise genehmigen zu lassen in Kurorte mit heilenden Thermalquellen, wie Aachen, Wiesbaden oder Baden-Baden. </p>
<p><strong>3. O-Ton Hasso Spode</strong></p>
<p>Da hat dann irgendwann die Reichsregierung, ich glaube es war 1873 kurz nach der Gründung des Kaiserreichs gesagt: Okay, wir machen jetzt Urlaubsregelungen für Beamte reichsweit. Die gab es ab 1873. Und bis zum Ersten Weltkrieg, dann also bis 1914, hatten praktisch alle Beamte Urlaub, und zwar von zwei Wochen, vier Wochen, teilweise sechs Wochen in den höheren Chargen.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Das Beispiel der Reichsbeamten machte Schule, auch Landes- und Gemeindebeamte erhielten bald bezahlten Urlaub, gestaffelt nach Dienstgrad und Lebensalter. Ebenso in Handel und Industrie setzte sich die Idee durch, leitende und mittlere Angestellte so enger an das Unternehmen zu binden - damals wurden sie auch „Privatbeamte“ genannt. Siemens beispielsweise gewährte seinen Angestellten bereits 1873 zwei Wochen Erholungsurlaub, worauf die Arbeiter dort noch 35 Jahre warten mussten. Eine Begründung lautete lange: Arbeiter und Arbeiterinnen brauchen keinen Urlaub.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik 3 </strong></p>
<p>&quot;The Beginning&quot; - Komponist: Pawel Mykietyn - Album: EO (Original Motion </p>
<p>Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;43</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zitator</strong></p>
<p>„Es geht viel zu weit, einen Erholungsurlaub für Leute einzuführen, die nur körperlich tätig sind und unter die Gesundheit nicht schädigenden Verhältnissen arbeiten.“</p>
<p> </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Argumentierte etwa die Chemnitzer Handelskammer im Jahr 1906.</p>
<p> </p>
<p><strong>Zitator</strong></p>
<p>„Für Beamte, die geistig tätig sind und häufig Überstunden arbeiten müssen, die auch keine körperliche Ausarbeitung bei ihrer Tätigkeit haben, erscheint die Erteilung von Erholungsurlaub gerechtfertigt. Für Arbeiter dagegen ist ein solcher Urlaub in der Regel nicht erforderlich. Die Beschäftigung dieser Personen ist eine gesunde. Eine geistige Anstrengung kommt nicht vor, auch von körperlicher Überarbeitung kann man nicht reden.“</p>
<p> </p>
<p><strong>4. O-Ton Hasso Spode</strong></p>
<p>Sie müssen sich vorstellen, diese Klassengesellschaft im Kaiserreich: Es gab zehn Prozent der Bevölkerung, da hat man gesagt, die haben den weißen Kragen, das sind die, die in den Büros sitzen und dann an die 90 Prozent haben mit den Händen gearbeitet. Die hatten die blauen Kragen. Und diese Kragen-Linie, die zeigt sich wunderbar in der Urlaubsgewährung. Man hatte damals natürlich auch Ärzte, die das legitimiert hatten, dieses Privileg zu verreisen zu dürfen, die haben gesagt ja, dieses Arbeiten im Büro, das zerrüttet sozusagen die Nerven. Es gab dann eine Krankheit, die erfunden wurde, die hieß Neurasthenie. Die gibt es heute nicht mehr. Aber man könnte vielleicht dazu sagen Burn-out, so in der Art. Und das befällt nur diese armen Menschen, die im Büro sitzen und die anderen also, die mit den Händen arbeiten, die arbeiten ja super gesund. Die sind ja entweder an der frischen Luft auf dem Lande oder in schönen Fabriken können Sie sich den ganzen Tag ausarbeiten. Das war natürlich zynisch.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>In einigen kleineren Betrieben erhielten Arbeiter zwar schon ein paar Tage Urlaub, allerdings nur als Belohnung: für Fleiß, besondere Leistungen, Pünktlichkeit oder lange Betriebszugehörigkeit. Oft waren Firmenjubiläen, ein Geburtstag oder die öffentliche Ehrung des Inhabers der Anlass. Doch profitierten davon nur wenige: Schätzungen zufolge hatten im gesamten Deutschen Reich vor 1900 nur rund 10.000 Arbeiter irgendeine Form von Erholungsurlaub bekommen, also nicht einmal ein Prozent der gesamten Arbeiterschaft. Und meist nicht mehr als drei bis höchstens sechs Tage im Jahr. Vorreiter war das Buchdruckergewerbe. Aber: man war von der Gunst der Chefs abhängig, ein Rechtsanspruch bestand nicht.</p>
<p>Zu den ersten Branchen, in denen ein Tarifvertrag abgeschlossen wurde, der auch bezahlten Urlaub beinhaltete, gehörten die Bierbrauereien. Hier war der Arbeitsalltag besonders hart.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>5. O-Ton Starke</strong></p>
<p>Der Betrieb erfolgte im Prinzip rund um die Uhr, also es gab oft keine freien Sonntage. Urlaub auch nicht. Die Arbeitszeiten waren im Prinzip ungeregelt. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Erklärt der Historiker für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Holger Starke. Er ist im Vorstand der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>6. O-Ton Starke</strong></p>
<p>Die Brauereiarbeiter wohnten in ihrer Mehrzahl innerhalb der Brauerei, wurden dort auch beköstigt. Und waren dann zu Stoßzeiten immer gehalten, den Betrieb aufrechtzuerhalten, beziehungsweise wenn es dort Unregelmäßigkeiten gab. Der Monatslohn inkludierte die ganzen Überstunden und Sonntagsarbeit und so weiter. Und die Arbeitszeit war weit weg von den Forderungen der Arbeitnehmerorganisationen, die ja damals schon acht Stunden forderten. Aber die waren üblicherweise 13 Stunden oder noch höher. Und das rund um die Uhr an sieben Tagen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik 4</strong></p>
<p>&quot;Kite&quot; - Komponist: Pawel Mykietyn - Album: EO (Original Motion </p>
<p>Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;43</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>1903 wurde in Stuttgart der erste Tarifvertrag mit bezahltem Urlaub abgeschlossen. Einer der Gründe war, so vermutet Holger Starke, ein großer Gewerkschaftskongress, der dort ein Jahr vorher stattgefunden hatte. Damals war innerhalb der Arbeiterbewegung umstritten, ob man überhaupt Tarifverträge mit Unternehmen abschließen sollte. Die Reformer in den Gewerkschaften sagten ja, um die Lebensumstände der Menschen zu verbessern. Die Vertreter einer revolutionären Richtung sagten nein, denn solche Verträge würden die Arbeiterbewegung in das kapitalistische System integrieren und den revolutionären Elan abschwächen. </p>
<p> </p>
<p><strong>7. O-Ton Starke</strong></p>
<p>Die ersten Tarifverträge, die modernen Tarifverträge, die so um 1900 bis 1903 abgeschlossen wurden, die sind gewissermaßen genau in dieser Übergangszeit entstanden als die inneren Auseinandersetzungen in der Arbeiterbewegung noch nicht entschieden waren.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Auch wenn der Stuttgarter Tarifvertrag nur drei Tage Jahresurlaub festschrieb, hatte er dennoch eine hohe Symbolfunktion: Er stärkte das Selbstbewusstsein der Brauereimitarbeiter und diente als Blaupause für weitere Verträge, etwa in Greiz in Thüringen oder in Sachsen, wo zeitgleich für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft wurde. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>8. O-Ton Starke</strong></p>
<p>Ende 1902 machte der Leipziger Brauereiverein schon einen Vorschlag an die Brauereiarbeiterschaft in Leipzig, einen Vertrag abzuschließen, der auch schon Urlaubsbestimmungen enthielt als Anspruch, den aber gerade die in Leipzig ja revolutionär gesinnte Sozialdemokratie vorerst noch ablehnte, das wurde dann 1903 im Sommer abgeschlossen, dieser Vertrag, also nach Stuttgart, nach Greiz.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Und um diese Tarifabschlüsse durchzusetzen, wurde auch gestreikt. Und sogar zum Bierboykott aufgerufen: Wir trinken kein Bier mehr, wenn ihr nicht einlenkt! </p>
<p>In den Folgejahren wurden auch in vielen anderen Orten Brauerei-Tarifverträge mit bezahltem Urlaub abgeschlossen, meist abhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 5</strong></p>
<p>&quot;Kite&quot; - Komponist: Pawel Mykietyn - Album: EO (Original Motion </p>
<p>Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;40</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zitator<em> </em></strong></p>
<p>Im Tarifvertrag für München und Umgebung von 1905 erhalten Brauer nach einem Jahr eine Woche Urlaub. Maschinisten, Heizer, Bierführer und Reservebierführer, also die Arbeiter, die für den Transport der Bierfässer zuständig sind, müssen dafür hingegen drei Jahre beim gleichen Betrieb sein. Erst beim nächsten Tarifabschluss vier Jahre später bekommen auch Hilfsarbeiter, Ochsenknechte, Stallwärter, Tagelöhner, Flaschenfüllereiarbeiter sowie die Arbeiterinnen bezahlten Urlaub. Die Dauer: allerdings nur vier Tage.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Aber selbst diese rigiden Regelungen blieben vor dem Ersten Weltkrieg noch die Ausnahme. Die Gewerkschaften selbst standen bezahltem Urlaub lange skeptisch gegenüber, auch weil er als ein Instrument zur Ruhigstellung der Arbeiter angesehen wurde, ein Mittel um - </p>
<p> </p>
<p><strong>Zitator </strong></p>
<p>„Arbeiter und Angestellte an den Betrieb zu fesseln, sie in Abhängigkeit und Anspruchslosigkeit zu erhalten und dem gewerkschaftlichen Gedanken zu entfremden.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Wie es in einem Artikel in der SPD nahen Zeitschrift „Die Neue Zeit“ von 1912 heißt. Wichtiger waren ihnen höhere Löhne, die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen. Auch auf politischer Ebene gab es nur wenige, die sich für das Thema einsetzten. 1909 hielt der sozialdemokratische Abgeordnete Emanuel Wurm das einzige ausführliche Plädoyer für Arbeiterferien vor dem Ersten Weltkrieg im Reichstag. Er forderte: </p>
<p> </p>
<p><strong>Zitator </strong>(Emanuel Wurm, Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstages, Bd. 271, S. 325 f.)<strong></strong></p>
<p>„Ruhepausen, die tagelang dauern, Ferien! Man darf heute das Wort aussprechen, das vor Jahrzehnten noch mit einem Hohngelächter aufgenommen worden ist. Wir verlangen, dass die Arbeiter Ferien bekommen, Urlaub mit voller Zahlung des Lohns.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Aber noch gab es für eine gesetzliche Regelung keine Mehrheiten im Parlament.</p>
<p> </p>
<p><strong>Zitator </strong>Emanuel Wurm</p>
<p>„Aber die Zeit wird um so eher kommen, je stärker wir werden, wo auch auf diesen Gebieten von Ihnen Zugeständnisse gemacht werden müssen.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Manchem Arbeiter war es schließlich auch nicht ganz geheuer, als er endlich Urlaub bekam. So wie jenem Vorarbeiter im AEG-Werk in Berlin, der 1916 nach zwanzigjähriger Betriebszugehörigkeit erstmals vier freie Tage erhielt und dennoch jeden Mittag vorbeikam, um nachzuschauen, ob nicht inzwischen jemand anderes an seinem Arbeitsplatz stand.</p>
<p>Erst nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Anzahl der Branchen, in denen Tarifverträge mit Urlaubsanspruch abgeschlossen werden konnten. Die gesellschaftliche Stimmung hatte sich verändert, erklärt der Historiker Hasso Spode:</p>
<p> </p>
<p><strong>9. O-Ton Hasso Spode</strong></p>
<p>In der Tat haben dann die Gewerkschaften in den 20er-Jahren für fast alle tariflich Beschäftigten einen Urlaubsanspruch durchgesetzt. Der war allerdings relativ gering, der war geringer als für Angestellte und Beamte, der dauerte so drei bis sechs Tage Urlaub im Jahr. Und dazu muss man sagen, dass erstens über ein Drittel der Arbeiter nicht tarifvertraglich erfasst waren. Das heißt, sie haben überhaupt keinen Urlaub gekriegt. Dann Saisonarbeiter, also Bauarbeiter vor allem kriegten keinen Urlaub. Heimarbeiterinnen waren es ja meistens, die kriegten auch kein Urlaub, und das Geld war superknapp, das weiß jeder. Die Weimarer Republik taumelte von einer Wirtschaftskrise in die nächste. Und da gab es die Regelung, der Abgeltung, davon haben ganz viele Arbeiter Gebrauch gemacht. Das hieß, nehmen wir mal an, die hatten sechs Tage Urlaub im Jahr, dann sind sie die sechs Tage trotzdem arbeiten gegangen und haben das doppelte Geld bekommen, also hatten die faktisch auch keinen Urlaub. Und die Reiseintensität, also der Anteil der Menschen, die jedes Jahr verreist sind, hat sich in der Arbeiterschaft eigentlich nicht groß erhöht, in den 20er-Jahren.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Trotzdem wurde bezahlter Urlaub als große Errungenschaft gefeiert. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik 6</strong></p>
<p>&quot;Kite&quot; - Komponist: Pawel Mykietyn - Album: EO (Original Motion </p>
<p>Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;25</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zitatorin</strong></p>
<p>„Wenigstens einmal im Jahr eine oder mehrere Wochen ausspannen, der ohne Unterbrechung unerträglichen Arbeitsfron entfliehen und sich als freier Mensch fühlen zu dürfen, das ist ein Ereignis im Leben des Arbeitnehmers, das seine Freude am Leben hebt und ihm Kraft gibt, sein im übrigen ernstes und schweres Dasein zu ertragen.“</p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Heißt es in einem Artikel aus der „Gewerkschaftlichen Frauenzeitung“ vom September 1925.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zitatorin</strong></p>
<p>„Eine tiefgehende Erbitterung würde alle um Lohn und Gehalt fronenden Menschen erfassen, wenn Ihnen der Urlaub, den sie sich so schwer erkämpft haben, genommen werden sollte, wie es die Absicht des Unternehmertums ist.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 7</strong></p>
<p>&quot;1l&quot; - Album: Equilirium - Komponist: Peter Votava - Länge: 0&#39;25</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Die Weimarer Republik endete mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Die Gewerkschaften wurden zerschlagen, SPD und KPD verboten, also die Parteien, mit denen die meisten Arbeiter sympathisiert hatten. Urlaub war hier für die Nationalsozialisten ein Weg, die Arbeiter an das neue Regime zu binden.</p>
<p> </p>
<p><strong>10. O-Ton Hasso Spode</strong></p>
<p>Da hatte der Gründer der Kraft-durch-Freude Organisation beziehungsweise der Pseudogewerkschaft - die hieß Deutsche Arbeitsfront - Robert Ley hatte gesagt: Wir müssen das Herz der heimatlos gewordenen Arbeiter gewinnen. Das bringt es eigentlich genau auf den Punkt. Die sind heimatlos geworden. Man hat ihnen ihre ganzen Vereine zerschlagen, hat ihre Parteien und Gewerkschaft zerschlagen, und man musste ihnen was Positives bieten. Und da hat sich das Thema Urlaub und Urlaubsreisen angeboten. Und in diese Lücke ist das Regime reingestoßen mit sehr viel Erfolg zunächst. Also der Hauptgrund, weshalb sie das gemacht haben war die noch anfangs fragile Herrschaft zu stabilisieren und haben tatsächlich einiges auf die Beine gestellt in der Hinsicht.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p>Die Kraft-durch Freude-Organisation KDF bot Reisen durch Sonderkonditionen für Bahnfahrten und große Gruppen so günstig an, dass sie auch für Arbeiter und Arbeiterinnen erschwinglich waren - zumindest die Tages- oder Wochenendausflüge. Bis Kriegsbeginn 1939 fanden über 40 Millionen solcher Fahrten statt, darunter etwa sieben Millionen längere Urlaubsreisen. Rund 700.000 Menschen nahmen sogar an einer der bergehrten Kreuzfahrten teil, etwa nach Norwegen, Madeira oder ins Mittelmeer. Ein Recht auf bezahlten Urlaub wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht gesetzlich verankert, aber in zahlreiche Tarifordnungen aufgenommen. </p>
<p> </p>
<p><strong>11. O-Ton Spode</strong></p>
<p>Also fast jeder Arbeiter hatte jetzt Anspruch auf ein bis zwei Wochen, also auch die Bauarbeiter, auch die Frauen und Heimarbeiterinnen, auch die Jung-Arbeiterinnen und Arbeiter, die ursprünglich auch kaum Urlaub bekommen hatten. Also man kann sagen, sie haben bis zum Kriegsbeginn das Recht auf Urlaub in Deutschland durchgesetzt.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin</strong></p>
<p> </p>
<p>Seit 1948 ist das Recht auf bezahlten Urlaub sogar in der UN-Menschenrechtscharta verankert, im Artikel 24.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Befreiung vom Korsett - Frische Luft und neue Zwänge</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-befreiung-vom-korsett-frische-luft-und-neue-zwaenge/2096398</link>
      <pubDate>Mon, 08 Sep 2025 03:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">bf16a820-e287-45f2-8293-d9a79db48f4f</guid>
      <description>Das Korsett sorgte Jahrhunderte lang dafür, dass der Oberkörper zeitgemäß in Form gebracht wurde. Das ist lange her - doch trotzdem scheint das Korsett auch heute nicht ganz verschwunden. Wie befreit sind unsere Körper wirklich? Von Caro Matzko  </description>
      <enclosure length="21999744" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096398/c/feed/die-befreiung-vom-korsett-frische-luft-und-neue-zwaenge.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:54</itunes:duration>
      <itunes:author>Caro Matzko</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Korsett sorgte Jahrhunderte lang dafür, dass der Oberkörper zeitgemäß in Form gebracht wurde. Das ist lange her - doch trotzdem scheint das Korsett auch heute nicht ganz verschwunden. Wie befreit sind unsere Körper wirklich? Von Caro Matzko  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3eb02a28-31d7-4b84-8e7f-412bb6d0e654.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Korsett sorgte Jahrhunderte lang dafür, dass der Oberkörper zeitgemäß in Form gebracht wurde. Das ist lange her - doch trotzdem scheint das Korsett auch heute nicht ganz verschwunden. Wie befreit sind unsere Körper wirklich? Von Caro Matzko  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Caro Matzko<br/> Regie: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Dorothea Anzinger, Katja Schild, Sven Hussock, Susi Weichselbaumer, Jerzy May<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>MAG. KERSTIN JESSE, LEOPOLDMUSEUM WIEN<br/>DR. MELANIE HALLER, AMD AKADEMIE MODE&amp;DESIGN HAMBURG</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong>Alles Geschichte: Einfach Mode! Wer hat die Hosen an?<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/einfach-mode-wer-hat-die-hosen-an/bayern-2/13515527/"> HIER</a> entdecken</strong>
<br/>
<strong>Einfach Mode! Die Unterwäsche, präsentiert von ICONIC - Alles Geschichte <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/einfach-mode-die-unterwaesche-praesentiert-von-iconic/2095036">HIER</a> entdecken</strong>
<br/>
<strong>Die Kunstfaser - die Erfindung der Synthetik und ihre Mode <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-kunstfaser-die-erfindung-der-synthetik-und-ihre-mode/bayern-2/78750704/">HIER</a> entdecken</strong>
<br/>
<strong>Bodyshaming - Mein Körper und der Blick der anderen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/bodyshaming-mein-koerper-und-der-blick-der-anderen/bayern-2/13555045/">HIER</a> entdecken</strong>

<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Sandra Lembke, „Scheuersand und Schnürkorsett. Wie Frauen lebten und litten: eine kleine Kulturgeschichte über Mode, Kochen, Körperpflege und Haushalt von 1850 – 1918“</p>

<p>Margret Greiner, „Auf Freiheit zugeschnitten. Emilie Flöge: Modeschöpferin und Gefährtin Gustav Klimts“, btb Verlag</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen-manuskripte-befreiung-korsett-luft-zwaenge-mieder-reformkleidung-mode-emilie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN 2 </p>

<p>„Fester, fester“</p>
<p>ZSP 1 Atmo Korsett binden -  darüber</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Als Kaiserin Elisabeth von Österreich noch lebte, also Mitte des 19. Jahrhunderts, galt das Wiener Hofzeremoniell, das sich an der gestrengen spanischen Tradition orientierte. Kaiserin Sisi soll es zeitlebens als goldenen Käfig erlebt haben – auch weil sie sich durch ihre rein repräsentative Aufgabe als schillernde Schönheit an der Seite ihres Franz Josef sehr eingeengt gefühlt haben soll. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wie sieht sie aus, was hat sie an, mit wem hat sie eine Affäre und ist sie dicker und älter geworden? </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>So tratschte das Volk und klatschte die Presse. Die Kaiserin hungerte zeitlebens und turnte wie besessen, um ihr Gewicht auf gerade mal 45 Kilo zu halten. Mehr durfte sie nicht wiegen, damit sie sich die Taille jeden Tag von ihren Zofen mit einem Korsett auf 48 cm Umfang schnüren lassen konnte. </p>
<p>SPRECHERIN 2:  </p>
<p>Fester! Fester!</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Korsett und das Ideal der Wespentaille hat die europäische Modegeschichte Jahrhunderte lang bis zum Beginn des ersten Weltkriegs geprägt, sagt Dr. Melanie Haller, Soziologin und Dozentin an der Akademie für Mode und Design in Hamburg. </p>
<p>MUSIK Animals in nap  0.58 min.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und wie das gestrenge Hofzeremoniell beginnt auch die Karriere dieses Kleidungsstückes in Spanien. </p>
<p>ZSP 2 Dr. Melanie Haller -  Die ersten Korsette</p>
<p>„Also die ersten Korsette gibt es mit der sogenannten spanischen Mode im 15. Jahrhundert als Kleidungsstück, das den Körper einzwängt. Wobei es die nicht nur für Frauen gab, sondern die gab es auch für Männer. Im 15. Jahrhundert waren es Bleiplatten, die den Busen plattdrücken, weil das Ideal der Zeit eine konische Körperfigur ist. Das heißt auch die Männerbrust wurde niedergedrückt, damit dieser Idealkörpertypus entsteht.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Korsett markiert die Entdeckung der Dreidimensionalität des Körpers: Waren im Mittelalter die Schnitte der Kleidung noch gar nicht an den Körper angepasst, fand man im Spanien des 15. Jahrhunderts große Freude an der Modellierung des Körpers mit Hilfe der Kleidung. </p>
<p>ZSP 3 Haller -  Modellierung des Körpers</p>
<p>„…weil mit der Schnittkonstruktion es plötzlich möglich war den Arm zu isolieren, die Brust hervorzuheben oder zu negieren, wie in der spanischen Mode oder wir im Rokoko die Büste hervorzuheben und die Taille einzudrücken. Das heißt wir haben historisch gesehen unfassbar viele unterschiedliche Formen von Korsetten. Das ist nie das eine gleich oder ganz unterschiedliche Formen.“ </p>
<p>MUSIK Animals playing catch  0.57 min.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Bis Anfang des 20. Jahrhunderts stützt, formt oder zwängt das Korsett -  auch Mieder oder Schnürbrust genannt - den Körper und verleiht ihm Haltung und Würde: mit Walfischbein, indischem Büffelhorn oder Stahlfedern verstärkt war es ein wichtiges Kleidungsstück für Adelige beiderlei Geschlechts. Denn auch Männer trugen im Biedermeier zuweilen ein Korsett - häufig im Militär, damit die Uniform wie angegossen saß und sie so Breitschultrigkeit und Autorität verkörperten. Mit der Industrialisierung wurde das Ideal dann durch den Typus „Geschäftsmann“ – heute würde man Dandy sagen -  abgelöst. Mit einem Schnürgürtel banden die Herren ihren Bauch auf Taille und ließen die Schultern schmal hängen. </p>
<p>Dieses neue Körperideal sollte zeigen: Ich bin so erfolgreich, dass ich für mein Geld nicht körperlich arbeiten muss.  </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Modegeschichtsschreibung hat nur leider einen Haken, findet Melanie Haller von der Akademie für Mode und Design Hamburg. Denn alles, was heute im Museum zu bewundern ist, sind hochwertige Stücke, die sich Adelige oder das gut betuchte Bürgertum leisten konnten. </p>
<p>ZSP 4 Haller: Was trug der normale Mensch?</p>
<p>„Was wir hingegen wenig wissen, was hat die breite Bevölkerung getragen. Die breite Bevölkerung hat sich über Second Hand Kleidung bekleidet, über abgetragene Kleidung und da wird es dann schwierig, da wurden natürlich Korsette übernommen, weil sie aussortiert wurden von den oberen Schichten. Da ist die Forschung aber dünner als aber der Oberschichtskleidung, die in modehistorischen Büchern zu sehen ist, wo man sagt: 15 Jh hat man das getragen, im 16. das, im 17. Jahrhundert das… da kann man schon sagen, dass es unterschiedliche Arten und Weisen gab wie der Körper geformt wurde.“</p>
<p>MUSIK Mysterious animal play  1.50 min.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Geschlechterformen wurden so stereotypisiert. Welche Form populär war, das prägten die zur jeweiligen Zeit tonangebenden Königshäuser. Im 15. Jahrhundert war das der spanische Hof mit der konischen Form, im 16. Jahrhundert der französische, der die Sanduhrsilhouette zelebriert, die lange en vogue bleibt - von Barock bis Rokoko.</p>
<p>ZSP 5    Haller -  Königshäuser als Stylereferenten</p>
<p>„…wo dann wirklich mit Marie Antoinette und solchen Figuren der Busen und die Taille betont wird in den Korsetten und das endet dann erst Anfang des 19. Jahrhundert mit dem Klassizismus wo dann die  Empirelinie kommt, aber auch die hatte Korsette allerdings, die waren nicht ganz so steif, die haben versucht den Busen ein bisschen zu betonen und der Rest ging grade nach unten. Das ändert sich mit dem Entstehen der Haute Couture also mit einer Produktionsweise mit deren Hilfe sich die oberen Schichten ganz klar abgrenzen wollten von der Masse. Man muss sich überlegen, dass im 19. Jahrhundert parallel dazu die Bekleidungsindustrie entstanden ist. Das heißt, es gab die Möglichkeit für viel mehr Menschen sich neue Kleidung zu kaufen.“</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>War das Korsett lange Zeit für die breite Bevölkerung noch ein teures Unterwäschestück, das den feinen Damen vorbehalten war, entstanden  Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa viele Korsett-Webereien, durch die die Schnürmieder erschwinglicher wurden. </p>
<p>MUSIK Der fröhliche Landmann  0.42 min.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Nun mussten sich alle Mädchen ab dem 7. Lebensjahr unter ihren Kleidchen an eine Schnürung gewöhnen, die die Taille schmal halten sollte. An wildes Spiel oder gar Sport war nicht zu denken, doch Mädchen hatten damals vor allem eine Zierde zu sein, um schließlich gut verheiratet werden zu können.  </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine längere Schulbildung konnten sich nur die höheren Töchter erlauben: Die Backfische lernten Klavier spielen, tanzen und Handarbeiten. Bücher waren nur etwas für Männer, wenn Frau doch zu eigener Lektüre kam, dann um besser parlieren zu können und die Herren in den Salons gut zu unterhalten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Vorbild in der Belle èpoque war die Pariser „sans ventre“ Linie: Sans heißt ohne und Ventre Bauch, der Name war Programm, so Melanie Haller. </p>
<p>ZSP  6 Melanie Haller -  sans ventre Korsett</p>
<p>„Das Sans Ventre Korsett wie das der Begriff schon sagt, geht es darum den Bauch wegzudrücken und eine S-Linie herzustellen. Der Busen wird sehr hochgedrückt, die Taille eingeschnürt und hinten kommt ein großer Aufbau aus Stoffmassen drauf, das wurde durch die Tournüre erzeugt, eine Art Teilreifrock, den man sich um die Taille gebunden hat.“</p>
<p>MUSIK Die Kaiserin der Herzen  0.30 min.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Über das Korsett kamen Unterröcke, Polster oder bienenkorbartige Gestelle für Brust und Popo – darüber wölbte sich dann irgendwann das eigentliche Kleid mit Volants und Rüschen. Eine bürgerliche Frau schleppte um 1900 nach zeitgenössischen Berechnungen rund 4,5 Kilogramm an Unterwäsche mit sich herum - die schweren Überkleider kamen dann noch dazu. </p>
<p>MUSIK Kaiserwalzer 0.54 min. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildete sich Widerstand: In Großbritannien und den Vereinigten Staaten demonstrierten die Suffragetten für das Wahlrecht und auch auf dem europäischen Kontinent schieden sich am Korsett plötzlich die Geister. Und für diese neue geistige Beweglichkeit brauchte es auch mehr körperliche Bewegungsfreiheit. Also weg mit der zentnerschweren Stofflast und den engen Korsetts. Großen Anteil daran hatte auch die Entwicklung des Breitensports.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch bis sich die Idee durchsetzte, dass Sport auch für den Frauenkörper gesund sein könnte, dauerte es lange. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es Frauen offiziell gestattet, Sport zu treiben. Melanie Haller von der Akademie für Mode und Design Hamburg</p>
<p>ZSP 7 Haller -  Sport</p>
<p>„Es gab lange die These, dass Frauen nicht hüpfen sollen, damit ihre Gebärmutter nicht herausfällt. Es gab auch lange die Auffassung, dass der Frauenkörper sich gar nicht halten könnte, ohne Korsett. Darum gab es auch Kinderkorsette – weil es ganz lang die Überzeugung gab, dass die Frauen diese Stütze von außen brauchen. Und daran sieht man, dass Kleidungsgeschichte eben nie nur Modegeschichte, sondern immer auch die Geschichte der Medizin, der Gesundheit, der Überzeugung der Geschlechterbilder. “</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es bildete sich eine Allianz aus drei illustren Lagern: Mediziner, Moralisten und Feministinnen. Sie alle hatten ihre ganz eigene Motivation, warum sie dem Schnürmieder den Kampf ansagten. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Mediziner sorgten sich um die Gesundheit der Frauen und forderten mehr Bewegungsmöglichkeiten für den gesunden Körper. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Den Moralisten war die Überbetonung der Taille mit herausgeputztem Hinterteil zu aufreizend. Einige hielten das Korsett sogar für einen verführerischen Köder der Prostituierten. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Frauenrechtlerinnen wiederum verdammten es, weil es ihrem Ideal der beruflich und politisch aktiven, sportlich-emanzipierten Frau im Wege stand.</p>
<p>MUSIK Animals playing catch  0.45 min.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zur letzten Gruppe gehörte auch Emilie Flöge aus Wien.</p>
<p>ZSP  8 Jesse über  Flöge 1</p>
<p>„Die Emilie Flöge ist eine moderne Frau gewesen aus meiner Sicht, eine selbständige Frau, eine Unternehmerin, eine Modedesignerin und ja eigentlich auch eine Geschäftsführerin.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kerstin Jesse ist Expertin für die Wiener Kunstszene des 19. und Anfang 20. Jahrhunderts - zu der auch Emilie Flöge gehörte. Kerstin Jesse hat die Modeschule in Klagenfurt besucht und ist heute Kuratorin am Leopoldmuseum in Wien. Sie bedauert, dass Emilie Flöge häufig nur als „Lebensmensch“ von Gustav Klimt genannt wird, die der Malerfürst kurz vor seinem Tod ans Sterbebett zitierte: </p>
<p>ZITATOR 1 (Klimt, ächzend)</p>
<p>Die Emilie soll kommen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Emilie war dabei als Klimt die Kunstbewegung Secession mitbegründete und kannte auch die Gründerväter der Wiener Werkstätten, die sich allesamt eine Reform des Kunstverständnisses auf die Fahne geschrieben hatten. Dazu gehörte auch die Mode: </p>
<p>MUSIK Animals in nap 1.42 min.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die gelernte Schneiderin Emilie wollte Kleider nähen, die der Frau mehr Bewegungsfreiheit schenken sollte und die Trägerinnen nicht nur zur attraktiven Begleiterin, wenn nicht Beutetier für die Herren zusammenschnürte.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In der Flöge-Biographie „Auf Freiheit zugeschnitten“ bei btb erschienen, beschreibt die Autorin Margret Greiner die Entwürfe Emilies:</p>
<p>ZITATORIN (gern junge Frauenstimme)</p>
<p>„Sie alle waren ja von den Reformideen angesteckt, die im Zuge der Wiener Werkstätten seit einigen Jahren aus England und Belgien nach Wien herübergeschwappt waren, aber niemand war so begeistert auf die neue Welle aufgesprungen wie Emilie. Zumindest was die Mode anging. Emilie war wirklich radikal – zumindest für sich selbst machte sie keine Kompromisse. Nicht nur die Hand, ihr ganzer Körper vibrierte, wenn sie zum Bleistift griff und ein Modell entwarf, das am Hals hochgeschlossen war mit einem Kragen wie ein textiles Kropfband, und vom Hals aus in weitem Fluss wie eine Tunika über den Körper fiel. Auch die Ärmel waren weit, öffneten sich sichelförmig. Nichts engte den Körper mehr ein, nichts stellte Körperteile als Signalmasten aus, nichts korrigierte mehr die Natur. Und wenn Emilie die Schere an den Stoff anlegte, sagte sie: Jetzt schneiden wir mal auf Freiheit zu! (S. 100)))</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und Emilie wollte mehr: Sie wollte frei, kinderlos, unverheiratet und finanziell unabhängig sein und bleiben. Sie wollte einen eigenen Modesalon – für sich und ihre Schwestern. Beinahe undenkbar in der damaligen Zeit!</p>
<p>MUSIK Wild mammoth reduced  1.17 min.</p>
<p>ZSP 9 Jesse über Flöge 2</p>
<p>„Man musste ja damals wenn man verheiratet war, den Mann um Erlaubnis bitten, wenn man arbeiten gehen wollte. Man durfte nicht über das eigene Geld verfügen, den Wohnort bestimmen auch nicht. Also eigentlich war alles von der Einwilligung des Mannes abhängig. Sehr schwierige Zeiten für die Frauen. Und wenn dann eine Frau wie Emilie Flöge ihren eigenen Salon eröffnet, sich auch entscheidet nicht verheiratet zu sein, ihren Zielen und Wünschen nachgeht und sicher auch mit viel Neid und mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt hat, trotzdem hier mit Mut und Entschlossenheit vorangegangen ist und ihren Salon erfolgreich geführt hat.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>1904 war es soweit: Der Salon „Schwestern Flöge“ öffnet seine Flügeltüren - eingerichtet in schlichtem schwarz-weiß im strengen Stil der Wiener Werkstätten, mit grauem Teppich über dem Fischgrät, einem langen Tisch mit schmalen Stühlen, auf die man sich mit Korsett und ausgestopftem Entenpopo gar nicht hätte setzen können. Hier sollten die modernen und gut betuchten Damen Wiens Haute Couture gewürzt mit einer Prise Widerstand einkaufen. Wer sich bei Flöges ankleiden ließ, der zeigte sich danach auch gern im Café Casa Piccola, las ein Magazin und rauchte demonstrativ tagsüber und dann auch noch in der Öffentlichkeit. Was damals für Frauen noch skandalös war. Bis zu 80 Näherinnen arbeiten für die Flöge Schwestern – teilweise im Homeoffice, wie man heute sagen würde. </p>
<p>MUSIK Cute rodent  0.54 min.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und Emilie freut sich, dass sich ihre privaten Französischstunden rentierten: Dank ihnen konnte sie souverän die Pariser Modenschauen besuchen und mit renommierten Stoffhändlern verhandeln. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Inspiriert war sie natürlich auch von den korsettfreien Entwürfen von Designer Paul Poiret, der zu Beginn des 20. Jahrhundert das Schnürmieder aus der Haute Couture verbannt hatte. Seine Kreationen waren farbenfroh, mit großen Mustern, Pailletten und Federhüten. Poiret, der Party Boy der damaligen Fashionszene, erfand eine neue Silhouette – kleiner Busen, schmale Schultern, wallende Stoffkaskaden und orientalische Haremshosen. Die Hosen kamen bei den Käuferinnen nicht allzu gut an, aber die Silhouette setzte sich durch. Barbara Vinken, Romanistin und Modeexpertin an der LMU weiß aber um die Kehrseite der Medaille. </p>
<p>ZSP 11 Prof. Barbara Vinken, Literaturwissenschaftlerin und Modetheoretikerin: Paul Poiret (00:25 Sekunden)</p>
<p>„Poiret hat die Korsage abgeschafft, da musste jetzt aber der Körper seine Gestaltbarkeit im Kleid das heißt sein anderes Sein im Raum eigentlich durch Gymnastik kompensieren. Weil dieser Körper musste jetzt geschmeidiger sein, der musste schlanker sein und er konnte sich nicht mehr durch den äußeren Zwang der Korsage verlassen. Er musste im Prinzip, das was sonst am Körper nicht in Muskeln angelagert war, jetzt in Muskeln verändern.“ </p>
<p>MUSIK Tanz der Zuckerfee  0.55 min.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Inspiriert vom Balletts Russe (Aussprache: Ballé Rüss) eines der einflussreichsten, exotisch-erotischen Ballettensembles des 20. Jahrhunderts, war Poirets Ideal nun die gertenschlanke Tänzerin, die in leichtfüßigen Arabesken durchs Leben balanciert. Jeder Theaterabend war ein ausverkauftes Ereignis und die Besucherinnen kleideten sich „à l’orientale“, mit Turban, Federn. Auch Emilie Flöges Entwürfe waren in diesem Sinn Französisch, also für Frauen, die so schlank und flachbrüstig waren wie die Tänzerinnen des Balletts Russe -  und auch wie sie selbst. Das so genannte Pariser Mode-Diktat erregte jedoch zuhause in Wien die Gemüter - als quecksilbrig und hüftlos wurden die Poiret- und Flöge-Mannequins tituliert. So wetterte der Maler Paul Sieger bei einem Vortrag in Richtung Emilie:</p>
<p>ZITATOR 2 (älter und gern Österreicher)</p>
<p>„Die welsche Mode passt nicht nach Wien. Arbeiten Sie daher mit uns zur Ehre des Vaterlandes, der Kunst und des Gewerbes, damit die Wienerin wieder als das erscheint, was sie ist und war, die Perle der Schöpfung, ein mudelsauberes, molliges und humorvolles Weib.</p>
<p>MUSIK Little Jumpers 1.20 min.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ob mudelsauber, sprich ordentlich oder nicht, ob vollbusig oder flach, ob Haute Couture oder Massenware – der erste Weltkrieg beendete schließlich viele Modediskussionen: Stoffknappheit, Arbeitskräftemangel sowie die neue Selbständigkeit der Frauen, die ihre Männer in der Fabrik und auf dem Acker ersetzen mussten, lockerten das Korsett des Kaiserreichs zunächst in Form des Reformkleides, um es schließlich hinwegzufegen -  ebenso die bodenlangen Röcke, die langen Unterhosen, zahlreichen Unterkleider und Unterröcke und die aufwendigen Frisuren für die frau lange Haare brauchte.  Ab dem 20. Jahrhundert nehmen die Unterkleider ab und die moderne Unterwäsche entsteht: Zwischen 1887 und 1914 meldeten allein sieben Tüftler aus fünf verschiedenen Ländern eine Art BH beziehungsweise „Brustverbesserer“ oder „Brustträger“ zum Patent an. Der Korsettfabrikant Sigmund Lindauer aus Stuttgart-Bad Cannstatt war der erste, der das revolutionäre Dessous in großem Stil industriell herstellte und professionell vermarktete. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das neue Ideal war die &quot;Garçonne&quot; – ein androgyner Frauentyp, propagiert von Modemacherin Coco Chanel, die die orientalischen Entwürfe ihres Konkurrenten Paul Poiret als „barbarisch“ tituliert hatte. Doch ohne Poirets Verbannung des Korsetts wären Chanels knabenhafte Mode, also schlichte Kostüme, günstige Stoffe und Matrosenhemden nicht möglich gewesen. Chanels Mode spielte mit den Geschlechtern - ihre Frauen wurden männlicher kostümiert, um sich im Business behaupten zu können. Was wiederum der Nährboden für Christian Diors femininen Nachkriegs-New Look war, den Chanel verabscheute und gar die Rückkehr der Korsage witterte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und so variiert das Ideal, je nach Zeitgeist, zwischen mütterlich gerundet, androgyn flach oder barock und üppig. Jeder Trend evozierte einen Gegentrend. Die Hippiemädchen rissen sich die Büstenhalter vom Leib und feierten die neue radikale Natürlichkeit. Bis die Industrie dank Push Up-BHs die Rückkehr des virtuosen Dekolletés feierte. Je sichtbarer der Körper wurde, desto mehr stellt sich die Frage: Wie gestalten wir ihn? Melanie Haller von der Akademie für Mode und Design findet: Das Korsett ist in Wahrheit nie wirklich verschwunden.</p>
<p>MUSIK Plan of Animals 0.45 min.</p>
<p>ZSP 13   Haller -  heute und Ideal</p>
<p>„Also das berühmte Lycra in den 60er Jahren ist dann ein ganz starkes Phänomen, oder eben das, was wir heutzutage die Shapewear nennen, ein hochelastisches Material oder was ich immer gern sage der Thrombosestrumpf für den Körper. Und eine Bewegung wäre dann in den letzten Jahren die Athleisuremode, dass wir alle Sportkleidung tragen, die sehr genau zeigen, ob ein Körper definiert ist oder nicht. Und diese Art der Ästhetiken reproduzieren sich auf Social Media, wenn es darum geht: ich habe durch die und die Bewegungsart meinen Körper in die und die Form gebracht und das ist ein neues Narrativ und eine neue Norm für Menschen, an denen sie sich immer abarbeiten müssen und sich denken, bei mir ist das wieder nicht optimiert oder jenes nicht. Wir haben einen unglaublich zugespitzten normativen Blick auf unsere eigenen Körper. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Heute wissen wir, dass unsere Körper bewegt werden müssen, um gesund zu sein. Doch diese Erzählung hat sich zugespitzt - und so trainieren viele Frauen von heute wie einst Elisabeth von Österreich, um der schlanken Ästhetik der Jetzt-Zeit zu entsprechen. </p>
<p>ZSP 14  Haller -  Schlussworte</p>
<p>Die Gestaltung des Körpers ist immer Kultur. Aber wir sollten schauen, welche Normen wir setzen und welche Einschränkungen, welche Diskurse, Umgangsweisen und Anmaßungen über andere Körper entscheiden zu können, in dieser Kultur immer noch präsent sind. </p>
<p>MUSIK Cute rodent  0.24 min.</p>
<p>ZSP 14  Haller -  Schlussworte</p>

<p>Und ich würde sagen: Wir müssen dagegen kämpfen. Gerade für eine junge Generation. Was macht das eigentlich mit Menschen, wenn sie glauben, ihr Körper ist der falsche Körper? Dann ist es sehr schwer durchs Leben zu gehen. Ich fände es gut, wenn wir da ein bisschen offener werden würden. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Nach der Zerstörung: Biotop - Lebensraum Steinbruch</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nach-der-zerstoerung-biotop-lebensraum-steinbruch/2096970</link>
      <pubDate>Mon, 08 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">692b99c1-326a-4998-8470-757b4b7eb08c</guid>
      <description>Wunden in der Landschaft. Der erste Eindruck eines aufgelassenen Steinbruchs. Doch Naturschützer verwandeln die Mondlandschaften zu einem Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten. Aber die paradiesischen Orte sind auch nicht ganz unumstritten. Autorin: Katharina Hübel </description>
      <enclosure length="21648000" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096970/c/feed/nach-der-zerstoerung-biotop-lebensraum-steinbruch.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:33</itunes:duration>
      <itunes:author>Katharina Hübel</itunes:author>
      <itunes:summary>Wunden in der Landschaft. Der erste Eindruck eines aufgelassenen Steinbruchs. Doch Naturschützer verwandeln die Mondlandschaften zu einem Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten. Aber die paradiesischen Orte sind auch nicht ganz unumstritten. Autorin: Katharina Hübel </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/aa7fe83c-4bf8-4dc5-8011-bdde41eae6a1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wunden in der Landschaft. Der erste Eindruck eines aufgelassenen Steinbruchs. Doch Naturschützer verwandeln die Mondlandschaften zu einem Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten. Aber die paradiesischen Orte sind auch nicht ganz unumstritten. Autorin: Katharina Hübel </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Katharina Hübel<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprach: Hemma Michel<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Pascal Bunk und Annika König, Biodiversitätsmanager:innen von Knauf;<br/>Tom Konopka, Regionalreferent für Mittelfranken BUND Naturschutz in Bayern e.V.; <br/>Dr. Andreas von Lindeiner, Artenschutzreferent und Landesfachbeauftragter des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Biber-Fieber - WirTier</strong><br/>Christian und Tina sind Wildlife-Fotografen. Mit viel Geduld und Verständnis haben sie das Vertrauen von Bibern gewonnen. Jetzt gehören sie zur tierischen Familie dazu, düfen als &quot;Biber ehrenhalber&quot; hautnah dabei sein und sogar die Biber-Babies sitten. Ob WirTier-Host Julius auch ein Schnappschuss gelingt?<a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ca92d4b8bd723482/"> HIER</a> geht es zur Folge. 
<br/>
<strong>Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/">HIER</a></strong>
<br/>
<strong>Biotopvernetzung - Wenn Lebensräume verbunden werden <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/biotopvernetzung-wenn-lebensraeume-verbunden-werden/bayern-2/94834340/">HIER</a></strong>
<br/>
<strong>Was macht Moore so wertvoll - Alles Natur <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-macht-moore-so-wertvoll-alles-natur/bayern-2/94586134/">HIER</a></strong>
<br/>
<strong>Klimawandel und Lebensraum - Strategie der Anpassung <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimawandel-und-lebensraum-strategie-der-anpassung/bayern-2/12427811/">HIER</a> </strong>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-steinbruch-biotop-artenvielfalt-rohstoffe-abbau-naturschutz-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>01 Reportageszene</p>
<p>Reporterin: Wir stehen hier in so einer leichten Kuhle mitten im Gras…</p>
<p>Mann (empört): Das ist kein Gras!</p>
<p>Reporterin: Das ist kein Gras? Was isses denn?</p>
<p>Mann: Ein bisschen Gras ist dabei, aber wenn man so genau hinguckt, sieht man auch viele Kräuter. Also, das ist hier eine extrem artenreiche Wiese …</p>
<p>MUSIK  „Clock Winder“; ZEIT: 00:57</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 01 im Hintergrund</p>
<p>Am Rande des südlichen Steigerwaldes. Im Landkreis Kitzingen, bei Iphofen, liegt Hellmitzheim. Ein kleines fränkisches Dorf. Pascal Bunk ist Ökologe und unterwegs, um den Zustand einer Wiese zu untersuchen. </p>
<p>02 Reportageszene</p>
<p>Wiesenlabkraut haben wir hier … sind fast schon kleine Büschel, die wachsen … - Und das, wo Sie gerade die Bestimmung machen? Das hat so ein bisschen größere, daumenlange Blätter - mal schauen …. Der Große Wiesenknopf wird das mal. - Es ist der, der dann so lila blüht, wie so ein knopfförmiger Blütenkopf ….</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 02 im Hintergrund (zu hören sind Protas und Reporterin, bitte ganz ganz niedrig ziehen, damit man den Eindruck hat: da ist jemand gemeinsam unterwegs, aber man hört nicht, was gesagt wird)</p>
<p>Annika König (Aussprache bitte hinten mit hartem k) ist eine Kollegin von Pascal Bunk und mit dabei auf der Suche nach seltenen Pflanzen und Tieren.</p>
<p>03 Reportageszene</p>
<p>Pascal, hast Du was gefunden? – Ja, das müsste die veronica spicata sein, der Ährige Ehrenpreis …</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 03 im Hintergrund</p>
<p>Pascal Bunk macht ein Foto von einer Staude und lädt es in seine Pflanzenbestimmungs-App hoch. Volltreffer: Veronica spicata. Kategorie: gefährdet. Eine Rote-Liste-Art. Lila-bläulich ragen ihre länglichen Blüten im Frühsommer zwischen den schmalen Blättern hervor. Ein Festmahl für Schmetterlinge.</p>
<p>OT 04 Pascal Bunk</p>
<p>Verschiedenste Bläulinge, Dickkopffalter, den Schwalbenschwanz habe ich hier auch schon gesehen. Bienen, Wildbienen jede Menge …. Also das ist halt ein Insektenparadies, so ne Wiese. (…)</p>
<p>OT 05 Pascal Bunk, leiser, etwas weiter entfernt, nähert sich an:</p>
<p>Auch sehr unscheinbar, das ist jetzt ein Hirschhaarstrang ….</p>
<p>Reporterin: Was ist das Besondere an dem?</p>
<p>Das es den hier eigentlich gar nicht mehr gibt in der Landschaft, nur noch in Naturschutzgebieten ist der zu finden, und wir haben ihn jetzt hier wieder auf dieser Renaturierungsfläche ansiedeln können.</p>
<p>Atmo 04 kurz freistehend, Schritte, die gehen, Vögel, die singen</p>
<p>MUSIK privat Take 017 Bio Diversity; Album: Green Planet; Label: 2008 UPPM RECORD; Interpret: James Kaleth; Komponist: James Kaleth; ZEIT: 00:21</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 04 im Hintergrund</p>
<p>Die Wiese war nicht immer so artenreich – über hundert verschiedene Pflanzen wachsen dort mittlerweile. Vor zwanzig Jahren war sie das Gegenteil. Pascal Bunk und Annika König sind nämlich keine üblichen Naturschützer: Sie sind Angestellte in der Rohstoffindustrie. Unterwegs im Auftrag einer Gipsfirma.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Atmo 05 Ziegen</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 07 im Hintergrund</p>
<p>Nicht weit entfernt umgibt ein hoher Metallzaun ein Areal. Die Grasfläche, auf der die Ziegen und zwei schottische Hochlandrinder weiden, endet bald und geht über in offene Erde. Klumpen bleiben an den Schuhen hängen. </p>
<p>08.2. Reportage Sequenz</p>
<p>Die Klüfte haben sich natürlich gebildet. Das Wasser fließt, schlängelt sich so durch, wir stehen hier auf so Erdstufen, würde ich es mal nennen.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 07</p>
<p>Und dann: geht es senkrecht in die Tiefe. Eine Steilwand aus Erde und Steinen tut sich auf. Unten ein riesiges Loch, in dem sich Wasser sammelt. Ein bisschen Schilf ist in der Ferne zu sehen. Dahinter: Rapsfelder.</p>
<p>OT 09 Pascal Bunk</p>
<p>Wir sind jetzt im Steinbruch Hellmitzheim, der ist frisch stillgelegt, also vor drei Jahren wurde hier die letzte Tonne rausgeholt.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 07</p>
<p>Ein Steinbruch der Firma Knauf, die sich auf den Abbau von Gips spezialisiert hat. Die Firma, bei der Pascal Bunk und Annika König angestellt sind.</p>
<p>OT 10 Pascal Bunk</p>
<p>Und der Teil, in dem wir jetzt stehen, der wird renaturiert. Also, der wird komplett sozusagen für den Naturschutz hergerichtet und soll ein so genanntes Ökokonto werden. Also hier sammeln wir sozusagen Naturschutzpunkte. Wir werten sozusagen die Landschaft auf. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 07</p>
<p>Drei Hektar Land, die das Unternehmen einem Landwirt abkaufen konnte, bevor hier Steinbruch war. Der Steinbruch selbst war viel größer: zehn Hektar. Nicht alle Bauern wollten ihr Land verkaufen. </p>
<p>Manche verpachten nur für die Dauer des Abbaus. Am Horizont sieht man noch ein paar Steinhaufen.</p>
<p>OT 11 Pascal Bunk</p>
<p>Was hier abgebaut wird ist Naturgips, also wirklich Stein. Deswegen sieht man auch so diesen Höhenunterschied. Deswegen ist es wie ein Hügel da hinten, das ist das Massendefizit. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Landschaft hat jetzt eine Delle, wo der Gips aus dem Boden herausgeholt worden ist. Gipsabbau gibt es in dieser Region schon seit dem Mittelalter. „Wein, Gips und Holz sind Iphofens Stolz“ steht auf der Homepage der Stadt, in der Knauf seinen Hauptsitz hat. Als das „weiße Gold Iphofens“ wird der Naturgips auch bezeichnet. Das Unternehmen ist mit diesem Rohstoff zum weltweiten Player geworden. </p>
<p>OT 12 Pascal Bunk</p>
<p>In der Regel sind wir nicht Eigentümer von diesen Flächen, die wir abbauen, sondern wir haben Abbauverträge mit den Eigentümern, weil Gips ein so genannter grundeigener Bodenschatz ist, das heißt, er gehört den Grundeigentümern. Das ist anders als zum Beispiel Kohle oder Metall. Die gehören dem Staat.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Nach dem Abbau müssen Rohstoff-Firmen meistens wieder Ackerland herstellen, wenn die Bauer ihr Land wieder zurückwollen. In neunzig Prozent der Fälle ist das so, schätzt Pascal Bunk. Dafür trägt man den Oberboden extra vor dem Gipsabbau ab und lagert ihn ein. Dann kommt der Boden wieder aufs Land. ‚Rekultivieren‘ heißt das.</p>
<p>OT 13 Pascal Bunk</p>
<p>Das ist schon ziemlich tricky. Man hat ja das Bodengefüge zerstört, das auch durch Regenwürmer und so entstanden ist. Das dauert eine Weile, bis sich das wieder regeneriert hat. Man sagt: Zehn Jahre kann das dauern, bis die Ertragsfähigkeit der Böden wieder so ist wie vorher.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dann ist die Fläche zwar wieder grün, aber oft wachsen darauf eben nur bestimmte Nutzpflanzen. Auch die Tierarten, die dort vorkommen, sind überschaubar. Das, was Pascal Bunk als Ökologe erreichen möchte, ist ein anderer Zustand. Der geht aber nur, wenn die Bauern das Land verkaufen:</p>
<p>OT 14 Pascal Bunk</p>
<p>Das ist eine Renaturierung, weil wir halt weggehen von der vorherigen landwirtschaftlichen Nutzung … Und jetzt sehen wir einen kleinen See mit einer Insel und hier hinter uns werden wir Grünland entwickeln und Hecken pflanzen, das ist sozusagen Renaturierung, weil der Zustand der Natur näher ist als er vorher war.</p>
<p>OT 14.2.</p>
<p>Es ist immer der Fall, dass, wenn man in Deutschland was baut oder Rohstoffe gewinnt, muss man kompensieren, das ist im Bundesnaturschutzgesetz so geregelt.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>OT 16 Pascal Bunk</p>
<p>Die Idee ist schon, dass man das als Rohbodenstandort erhält. Es gibt sehr viele Rohbodenpioniere oder Rohboden besiedelnde Arten, gerade diese Wildbienen als Beispiel. Die brauchen sowas, finden das aber in unserer Kulturlandschaft gar nicht mehr.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo07</p>
<p>Aus diesem Grund wird auch die Steilwand, die noch an den Gipsabbau erinnert, nicht verändert oder begrünt. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>+ Atmo08</p>
<p>Störungsökologie ist der Fachbegriff.</p>
<p>Fortsetzung 16.2. Reportage Sequenz</p>
<p>Dynamische Lebensräume sind viel artenreicher als solche statischen Lebensräume. (…) Wenn jetzt so Spalten und Fugen entstehen, da können dann zum Beispiel Fledermäuse reingehen, die gerne auch in solchen Felswänden mal sitzen. Oder, wenn es ein größerer Abriss ist, könnte man sich auch vorstellen, dass da mal ein Uhu brütet.</p>
<p>OT 17 Pascal Bunk</p>
<p>Wir nehmen den Steinbruch selbst als Biotop.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 07</p>
<p>Ein bisschen nachhelfen müssen die Ökologen allerdings schon, vor allem zu Beginn. Sie machen eine so genannte Geländemodellierung. Die Idee dahinter ist, möglichst viele verschiedene Strukturen in der Landschaft anzulegen. Das machen die Bagger vom Steinbruch.</p>
<p>OT 18 Pascal Bunk</p>
<p>Wir sagen, wir hätten gerne an der Stelle eine kleine Insel in dem See. Wir haben hier einen Flachuferbereich, da hab ich gesagt, den hätte ich gerne. Und dann machen sie das schon mit ihren Maschinen, dass das alles so passt. Ich brauche das Saatgut, ich brauche die Bäume, die Sträucher, ich brauche hier einen Steinhaufen. Ich brauche Totholz. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 07</p>
<p>Verschiedene Strukturen in der Landschaft bedeuten: verschiedene Lebensräume für Spezialisten in der Tier- und Pflanzenwelt.</p>
<p>OT 19 Pascal Bunk</p>
<p>Da könnte sein, dass jetzt schon ein paar Rallen brüten, da unten sind verschiedene Amphibien, die Ringelnatter, die jagt in dem Uferbereich. Zauneidechsen hat man auch schon gesehen …  </p>
<p>MUSIK  „Clock Winder“; ZEIT: 00:40</p>
<p>und Atmo 09 als Übergang</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Hellmitzheim ist nicht der einzige ehemalige Steinbruch, den Pascal Bunk und Annika König betreuen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Rund 900 Steinbrüche und Kiesgruben sind derzeit in Bayern insgesamt in Betrieb, 860 Hektar Land pro Jahr werden dadurch von verschiedenen Firmen abgebaut. Das sind etwas über 0,01 Prozent der Landesfläche laut Angaben des Bayerischen Industrieverbands Baustoffe, Steine und Erden.</p>
<p>21 Reportageszene </p>
<p>Reporterin: Für mich sieht das aus wie eine Weide, da ist auch ein Weidezaun … Wo war denn der Steinbruch?</p>
<p>PB: Wir stehen direkt vor ihm. Wir gucken jetzt hier auf diese Infotafel, wir haben einen Rundwanderweg gemacht …</p>
<p>Das ist ein Vorzeigeprojekt, weil wir das gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz gemacht haben.</p>
<p>Sprecherin +Atmo 09</p>
<p>Willkommen im Steinbruch Markt Nordheim!</p>
<p>Das Logo des LBV ist auf der Infotafel der Firma Knauf gut zu sehen: ein weißer Eisvogel auf blauem Grund. Weiter den Wander-Weg entlang jedoch …</p>
<p>OT 22 Reporterin</p>
<p>Da sehen wir jetzt das Naturschutzgebiet: das grüne Dreieck mit dem Vogel drauf …</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 09</p>
<p>… hat noch ein Naturschutzverband seine Schilder aufgestellt. Nur der schmale Wanderweg trennt die beiden Grundstücke voneinander.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Seit den 1960ern gehört das Nachbargrundstück schon dem BUND. Als Anfang der 2000er Jahre die Firma Knauf direkt angrenzend Gips abbaute, wurde das für das Unternehmen …</p>
<p>OT 24 Pascal Bunk </p>
<p>… einer der konfliktreichsten Abbauten, die wir jemals hatten. Da gab es richtig Demonstrationen und gerichtliche Auseinandersetzung.</p>
<p>OT 24.2.</p>
<p>Was jetzt das Besondere an der Fläche ist und auch das extreme Konfliktpotential hervorgerufen hat, ist das, was man hier oben sieht. Das sind die so genannten Sieben Buckel. Das ist ein Naturschutzgebiet, da hat sich eine bestimmte Vegetationsform entwickelt, die so genannte Gipssteppe, die wächst direkt auf Gips. Das ist sozusagen ein Relikt. Das gibt es nur noch an dieser Stelle und ein bisschen weiter, südlich in Kühlsheim gibt es das noch und in Sulzheim gibt es noch Gipssteppe. Ansonsten war es das, das ist in Bayern das letzte Stück Gipssteppe, was wir noch haben.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ein Relikt aus der Eiszeit. Eine einzigartige Tundravegetation. Pflanzen, die jede für sich genommen, auch wo anders wachsen könnten, aber in der Kombination miteinander nur auf Gips vorkommen. Beispielsweise der rauhaarige Alant, verschiedene Haarstrang-Arten, die Wildform der Katzenminze. Und:</p>
<p>OT 25 Pascal Bunk</p>
<p>Hier ist das Frühlingsadonisröschen, ein Highlight, wo dann wirklich die Freaks ankommen und sich das angucken. (…) Es ist eigentlich nur eine relativ unscheinbare Pflanze für den Laien. Der würde jetzt nicht sofort erkennen, dass das was Tolles ist, hat eine schöne Blüte, aber ansonsten ist es halt etwas tolles botanisch. Diese Steppenvegetation ist eigentlich ein Sammelsurium der seltensten und einzigartigsten Arten, die man sich vorstellen kann, europäisch streng geschützt. Es ist wirklich was Tolles, was Besonderes. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Sieben Buckel und die Gipssteppe ließ die Rohstoff-Firma unangetastet. Aber der Bund Naturschutz befürchtete eine Grundwasserabsenkung, die sich auch auf die Sieben Buckel auswirkt – dadurch, dass Knauf direkt nebenan Gips aus dem Boden holte.</p>
<p>OT 26.3. Pascal Bunk</p>
<p>Das war auch Teil der Genehmigungsauflagen, dass wir hier ein dauerhaftes Grundwassermonitoring machen. Also wir gucken hier genau, in welcher Tiefe ist das Grundwasser, kommen wir mit unserem Gipsabbau irgendwie in die Gegend, dass wir Einfluss auf das Grundwasser haben. Aber ich kann gleich vorweg sagen: haben wir nicht.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der Bund Naturschutz hatte laut einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2008 selbst vorgehabt, das ehemalige Ackerland nebenan zu erwerben, auf dem Knauf dann Gips abbaute – und freizugeben für die Pflanzen der Gipssteppe. Tom Konopka war damals schon der zuständige Regionalreferent des BUND:</p>
<p>OT 27 Tom Konopka</p>
<p>Im Steinbruch ist der Gips jetzt abgebaut, er ist weg, man ist nahe am Grundwasser, damit ist natürlich auch das Potential weg, diesen Arten überhaupt noch zu helfen.</p>
<p>OT 26 Pascal Bunk</p>
<p>Wir haben Bereiche, wo wir den Gips abgebaut haben, wir haben Bereiche, wo wir hinterher aber wieder Gips aufgetragen haben, also Scherbenkiesstruktur und haben dann Bereiche mit Heusaat angesät.</p>
<p>OT 26.2.</p>
<p>Man muss ja dazu sagen, vorher war das Acker. Also jetzt hat man zumindest die Möglichkeit, die Chance, dass sich da was ansiedelt.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Tom Konopka widerspricht.</p>
<p>OT 27.2. Tom Konopka </p>
<p>Unsere Prognosen sind eingetreten, dass es im Steinbruch keine Gipssteppenvegetation geben wird. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Eine Zusammenarbeit mit rohstoffabbauenden Betrieben lehnt der BUND bis heute ab.</p>
<p>OT 28 Tom Konopka</p>
<p>Wir unterscheiden uns in wenigen Punkten als Bund Naturschutz in Bayern vom Landesbund für Vogelschutz. Das ist allerdings einer, wo wir uns ganz stark unterscheiden. Für uns sind die Eingriffe, die hier in Natur und Landschaft stattfinden, Eingriffe in Primärlebensräume. Und das, was daraus entsteht, sind Sekundärlebensräume, die oftmals nur ein schwacher Abglanz dessen sind, was entweder vorher da war oder was als Potenzial noch vorhanden war. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Nachhaltiger wäre es für Tom Konopka, über Recycling von Rohstoffen nachzudenken, anstatt immer neue aus dem Boden zu holen. Und sich darüber Gedanken zu machen, wie man seltenen Tieren und Pflanzen allgemein mehr Freiraum zurückgeben kann.  </p>
<p>OT 29 Tom Konopka</p>
<p>Normalerweise würden diese Arten an Flüssen vorkommen, die noch frei mäandrieren können (…). Das ist klar: Solange die Flüsse alle versteint sind und festgelegt sind in ihrem Lauf, kommen keine solchen Strukturen mehr vor. Zum Zweiten haben wir in einer konventionellen Landwirtschaft, die alles mit Pestiziden behandelt und mit Kunstdünger zumüllt, auch keinen Platz für sehr viele Arten, die weniger nährstoffreiche Böden brauchen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dass die Rohstoffbetriebe die gesetzliche Auflage haben, wieder ein Stückchen Natur herzustellen, hält Tom Konopka für wenig nachhaltig und das Mindeste.</p>
<p>OT 30 Tom Konopka</p>
<p>Es ist eine kleine Auflage für einen gigantischen Eingriff, den sie gemacht haben.</p>
<p>OT 30.2. Tom Konopka</p>
<p>Die Sekundärstandorte nach dem Abbau sind oftmals nicht stabil. Das heißt, hier muss alle paar Jahre eingegriffen werden, um für die Pionierarten stabilen Verhältnisse zu sorgen. Die Firmen, die die Auflage haben, nach ihrem Abbau eine naturschutzgemäße Fläche zu hinterlassen, ziehen sich dann zurück und ziehen sich aus der Verantwortung. Dann muss der Steuerzahler ran und alle paar Jahre dort Maßnahmen durchführen. Oder die Umweltverbände.</p>
<p>OT 30.3. Tom Konopka</p>
<p>Es ist vor allem Greenwashing für die Bauindustrie, die sich keine Gedanken macht, wie sie eigentlich den Raubbau beenden könnte. Denn davon leben sie.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz sieht das etwas anders. </p>
<p>OT 31 Andreas von Lindeiner</p>
<p>Ich habe überhaupt kein Problem damit, mit der Industrie zu reden. Die Industrie hat sich zu Anfang unserer Kooperation auch selber als der Drecksack gesehen, der da alles nur kaputtmacht und wurde auch so tituliert. Wir haben mittlerweile einen ganz anderen Umgang. Es ist ja nicht nur, dass wir an einem Standort Partner gewonnen haben, mit dem wir zusammen Gelbbauchunken schützen, sondern wir gewinnen gemeinsam Verständnis für die Belange des anderen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der LBV berät Unternehmen, wie sie während des Abbaus die Natur möglichst schonen können und auch, wie sie danach am besten renaturieren. Rund 280 Pflanzen- und Tierarten, darunter einige Rote-Liste-Arten, leben in ehemaligen bayerischen Steinbrüchen, informiert der Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden. In vielen ehemaligen Steinbrüchen sind auch Gewässer angelegt. Gewässer, die in der Natur eben immer seltener vorkommen.</p>
<p>OT 32 Andreas von Lindeiner</p>
<p>Sodass wir einfach feststellen müssen: Arten wie die Kreuzkröte, die Wechselkröte, die Gelbbauchunke sind zu einem so hohen Bestandteil ihrer Gesamtpopulation auf Rohstoffgewinnungsstätten angewiesen, dass hier tatsächlich wohl keine Alternative besteht, ihr Fortkommen auch zu sichern.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>Atmo 10 Aussteigen aus dem Auto</p>
<p>35 Reportageszene</p>
<p>Wollen wir mal ein bisschen weiter, ein bisschen tiefer, da brauchen wir ein bisschen Trittsicherheit …</p>
<p>Das ist auch bewusst angelegt hier so ein schattiges Geröllfeld, mit Sicherheit sind da Fledermäuse drin, da sind so Spalten und kleine Ritzen als Höhlen … Die mögen es so ein bisschen geschützt, schattig, feucht. Als Ruhequartier ist das auf jeden Fall gut geeignet. </p>
<p>36 Reportageszene</p>
<p>Hier ist jetzt wieder so ein Flachuferbereich, der sich auch ständig verändert. Wir haben ja ne natürlich Dynamik drin. Dass es einfach, je nach Niederschlägen, ein bisschen überfluteter ist und mal wieder weniger und dadurch auch ein spezieller Lebensraum entsteht. Hier wird jetzt zum Beispiel Tausendgüldenkraut wachsen …. (…)</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>+ Atmo 16</p>
<p>Das Geröllfeld und der Tümpel drohen bereits von Wald zugewuchert zu werden. Hier müsste jetzt eigentlich der Mensch bald nachhelfen und Bäume entfernen, um das Refugium für Fledermäuse und Amphibien zu sichern. Wenn nicht wenn nicht bereits ein Biber Einzug gehalten hätte. Er könnte es schaffen, den Sumpfbereich von allzu vielen Bäumen freizuhalten. Ein natürlicher Helfer für die Kommune, die sich mittlerweile um die Fläche kümmern muss: Der Rohstoffbetrieb ist aus der Verantwortung und Pflege raus. Pascal Bunk verschafft sich trotzdem manchmal einen Eindruck davon, wie es mit dem Gebiet weitergeht. </p>
<p>MUSIK  „Clock Winder“; ZEIT: 00:59</p>
<p>OT 40 Pascal Bunk</p>
<p>Wir haben hier durch diesen Wanderweg natürlich schon gewissen Druck durch Menschen. Ich hab das auch schon oft beobachtet, dass hier Leute baden oder grillen, das ist jetzt natürlich nicht so dolle. Das wird ja auch eine touristische Marke dadurch, dass man halt den Wanderweg da hingelegt hat, dass man das als Naturschauplatz Steigerwald ausgezeichnet hat. Man findet es im Internet. Da hinten ist auch ein Geocash, das find ich auch nicht so prickelnd …</p>
<p>(…) Da war ja ein Schild, dass bestimmte Sachen nicht erlaubt sind, aber wer will es kontrollieren? Dann müsste rund um die Uhr jemand stehen und aufpassen ….</p>
<p>Reporterin: Hier habe ich jetzt eine Flasche gefunden, hat jemand liegen lassen … </p>

<p>(entfernt:) Das Ding gehört hier auch nicht hin….</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte des Panzers - Eine neue Dimension im Krieg</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-des-panzers-eine-neue-dimension-im-krieg/2109301</link>
      <pubDate>Sun, 07 Sep 2025 17:53:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">78b83e1f-a00d-44ae-84c7-e79daf3e21ec</guid>
      <description>Er ist ein schrecklich effizientes Kriegsgerät, das bereits zahlreiche Schlachten weltweit entschied. Der Panzer verbindet den Schutz von Soldaten mit Beweglichkeit und Feuerkraft. Auch im Zeitalter moderner Drohnenkriege ist der Stahlkoloss nicht wegzudenken. Autor: Lukas Grasberger</description>
      <enclosure length="21032448" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109301/c/feed/die-geschichte-des-panzers-eine-neue-dimension-im-krieg.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:54</itunes:duration>
      <itunes:author>Grasberger, Lukas</itunes:author>
      <itunes:summary>Er ist ein schrecklich effizientes Kriegsgerät, das bereits zahlreiche Schlachten weltweit entschied. Der Panzer verbindet den Schutz von Soldaten mit Beweglichkeit und Feuerkraft. Auch im Zeitalter moderner Drohnenkriege ist der Stahlkoloss nicht wegzudenken. Autor: Lukas Grasberger</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/74578519-63b3-4360-b6a2-53a00425f6c0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Er ist ein schrecklich effizientes Kriegsgerät, das bereits zahlreiche Schlachten weltweit entschied. Der Panzer verbindet den Schutz von Soldaten mit Beweglichkeit und Feuerkraft. Auch im Zeitalter moderner Drohnenkriege ist der Stahlkoloss nicht wegzudenken. Autor: Lukas Grasberger</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Lukas Grasberger <br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Stefan Wilkening, Benjamin Stedler, Simon Wezeman<br/> Technik: Viktor Veress <br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li>Ralf Raths, wissenschaftlicher Direktor Deutsches Panzermuseum Munster</li>
<li>Dr. Markus Pöhlmann, Historiker am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam</li>
<li>Siemon Wezeman, Senior Researcher am Friedensforschungs-Institut SIPRI, Stockholm</li>
</ul>
<ul>
<li>Dr. Max Mutschler, Konfliktforscher am International Center vor Conversion (BICC), Bonn</li>
</ul>


<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-bundeswehr-kriegstuechtig-oder-bedingt-abwehrbereit/bayern-2/13956293/">Die Geschichte der Bundeswehr - Kriegstüchtig oder bedingt abwehrbereit?</a></strong></p>
<p>Unumstritten war die Bundewehr in der Öffentlichkeit nie, und nach Ende des Ost-West-Konflikts und der teilweisen Integration der Nationalen Volksarmee in gesamtdeutsche Streitkräfte schien sie an Bedeutung zu verlieren. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine hat sich das geändert. Von Jochen Rack (BR 2024)</p>
<p><br/></p>

<p> Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a><strong><br/> </strong></p>

<p> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong></p>

<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p> </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><em><strong>ZITATOR</strong></em></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><em>Über die Kraterfelder kamen zwei geheimnisvolle Ungeheuer angekrochen […]. Es gab kein Hindernis für sie, eine übernatürliche Kraft schien sie voranzutreiben. Unser Maschinengewehrfeuer und unsere Handgranaten prallten an ihnen ab.<br/> <br/> </em></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><strong> </strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><strong> </strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><strong>SPRECHER</strong><strong></strong></strong></p>
<p><strong>
</strong></p><p><strong>...so schildert ein deutscher Soldat den ersten Panzerangriff der Geschichte. Es war ein nebliger Spätsommer-Morgen des Jahres 1916, im Norden Frankreichs. Aus den Schützengräben an der Somme schossen Briten und Franzosen auf deutsche Soldaten, diese erwiderten das Feuer. Eine Abnutzungsschlacht im Ersten Weltkrieg, die Hunderttausende das Leben kosten sollte, ein festgefahrener, fast statischer Konflikt, Stellung gegen Stellung. Doch an diesem Tag vernahmen die deutschen Soldaten ein unbekanntes Brummen, das sich langsam, aber unerbittlich näherte. Dann rumpelte er auf Ketten heran: Nach und nach schälte sich ein stählerner Koloss aus dem Nebel, der gleich einem Rammbock die feindliche Linie durchbrach.</strong></p><strong>
<p> </p>
<p><strong>OT 1 Ralf Raths</strong></p>
<p>Im Ersten Weltkrieg ist es ja so, dass die Masse der jungen Männer, die an der Front steht, auch der älteren, (…) es gibt viele Stadtbewohner, aber die Gesellschaft ist agrarisch geprägt. Das sind vor allen Dingen Bauern, Bauernsöhne, auch Industriearbeiter. (...)All denen ist gemeinsam, dass sie noch nicht oder selten Autos gesehen haben. Sie haben vielleicht mal Eisenbahnen gesehen, aber die waren an Schienen gebunden. Sie haben vielleicht mal ein Schiff gesehen, wenn sie aus Hamburg oder so kamen, aber das war auf Wasser. Die Konzentration von beweglich und massiv ist für alle neu.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong><strong></strong></p>
<p>...erklärt Ralf Raths, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Panzermuseums Munster. Der Mark I, dieses mit vernieteten Stahlplatten gesicherte Kettenfahrzeug, kroch noch mehr als es fuhr. Als schmerzhaft und langsam beschrieb ein Augenzeuge einerseits die Fortbewegung des ersten, britischen Panzers. Andererseits aber kletterte dieses „unbeholfene Monster“ aus jedem Granattrichter wieder heraus, unbarmherzig, den deutschen Stellungen entgegen.  <br/> <br/> </p>
<p><strong>MUSIK 2 </strong>(Z9390684007 Trentemöller: Metamorphosis 1‘11)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>OT 2 Ralf Raths</strong></p>
<p>Da kommen Drachen auf uns zu: (…) Es gibt dann diese Bezeichnung der Drachen und der Ungeheuer. Der Tankdrache ist so ein deutsches Wort, das es wirklich gibt. Das Interessante ist, dass alle Seiten, die zum ersten Mal beschreiben, wie sie Panzer gesehen haben, im Ersten Weltkrieg zu ähnlichen Begriffen neigen. Und zwar bedienen sich die Leute bei den Mythen und bei der Bibel. Da wird der Leviathan mitgenommen. Der Behemoth wird genommen. Also diese großen Monster aus der Offenbarung.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong><em></em></p>
<p>Eine Offenbarung – das waren die neuen Kampffahrzeuge für die militärischen Führer zu ihrer Zeit keineswegs.)) Zwar gelang es den Briten zunächst Dank ihrer <em>Tanks</em>, tief in die deutsche Front einzubrechen. Von ihren 49 Mark-I-Panzern blieben aber 18 <em>Tanks</em> beim britischen Überraschungsangriff mit Pannen liegen. Die Kämpfe an der Somme endeten Anfang Dezember mit fast unveränderten Fronten. Doch auch wenn der erste Panzerangriff der Geschichte damit fast wirkungslos verpufft war: Die Zeit dieser machtvollen motorisierten Waffe namens „Panzer“ - sie schien angebrochen zu sein. </p>
<p><strong>OT 3 Markus Pöhlmann</strong><strong></strong></p>
<p>Und das ist der Moment, wo die technische Innovation zusammentrifft mit dem militärischen Bedarf.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p><em>.</em>..sagt Markus Pöhlmann, Historiker am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam – und Autor des Buches „Der Panzer und die Mechanisierung des Krieges.“ </p>
<p><em> </em></p>
<p><a name="_Hlk194406885"><strong>OT 4 Markus Pöhlmann</strong></a><strong></strong></p>
<p>Die Frage ist, warum die Briten den Panzer erfunden haben und nicht zunächst einmal die Deutschen, die ist extrem interessant.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Die Antwort darauf liegt darin, dass die Anfangs erfolgreichen Angriffe der Deutschen bei Verdun 1916 bald stecken blieben. Nach fast einem Jahr erbitterter Kämpfe fielen sie in ihre ursprünglichen Ausgangspositionen zurück, Verteidigung des Erreichten war von nun an die Devise für die deutschen Truppen. Markus Pöhlmann: </p>
<p> </p>
<p><strong>O-Ton 4a Markus Pöhlmann:</strong><strong></strong></p>
<p>Und da ist sozusagen der Bedarf an so einem Fahrzeug geringer.  Und die Deutschen sind vielleicht ein Stück weit weniger technologieorientiert gewesen. Im Prinzip geht es darum, drei militärische Parameter in einem Gefechtsfahrzeug unterzubringen. Das ist Feuerkraft, das ist Beweglichkeit und das ist Panzerung. In diesem Stellungskrieg haben Sie das Grundproblem, das alle Mächte haben: Wie bringen wir unsere Infanterie über die letzten 300, 500 Meter an den Gegner ran? Im Angesicht von modernen Schnellfeuerwaffen, in der Zeit damals. Also Feldartillerie und Maschinengewehr. Das funktioniert mit Pferdezug nicht, es funktioniert auch mit Dampfmaschine nicht. Sie brauchen tatsächlich den Motor als die technische Voraussetzung. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK 3 </strong>(C1020880009 Heeresmusikkorps 4, Regensburg: Flieger, Flak und Panzer 0‘39)</p>
<p><strong>MUSIK 4 </strong>(M0007500059 Ian Anderson: After The Battle 0‘43)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Der Panzer, sagt Ralf Raths, lag bereits vor dem Ersten Weltkrieg in allen Ländern in der Luft. Als Idee war er auch in den Köpfen vieler Deutscher bereits vorhanden. Der älteste Sohn von Gottlieb Daimler, Paul, entwickelte schon im Jahr 1903 den ersten gepanzerten Kraftwagen. Einen Kettenpanzer konstruierte – wenige Jahre vor Kriegsbeginn – der österreichische Oberleutnant Günther Burstyn. Die Pläne für sein „Landtorpedoboot“ landeten jedoch schnell wieder in der Schublade. Anders Frankreich und England, die bis zum Ende des Krieges ein paar Tausend ihrer „Chars“ und „Tanks“ in die Schlacht warfen. Die Briten und Franzosen entwickelten neue Modelle, die auch über ein damals aktuelles Kommunikationsmittel verfügten.</p>
<p> </p>
<p><strong>OT 5 Ralf Raths<br/> </strong>Das heißt, die Panzer hatten Brieftauben dabei, dazu war natürlich ein Brieftaubenwart abgestellt, der sich um die Viecher gekümmert hat und wenn dann irgendwas war, dann wurde halt ein kleiner Zettel beschrieben, wirklich das an das Bein gebunden, die Taube wurde rausgeworfen, weil aber in diesen Panzern  (...) immer die Motoren nicht abgedichtet waren, war es halt unfassbar laut, es war richtig mit Gasen zu, es war dunkel, das heißt, sowohl die Menschen als auch die Tauben waren halt komplett rammdösig, wie man im Norden sagt. Und dann haben die sich immer erst mal gerne auf die Tanks raufgesetzt, um sich auszuruhen. Also sie haben einen Flügelschlag gemacht und haben sich erstmal hingesetzt. Und dann war halt eine Aufgabe des Taubenwartes, dann mit so einem Stock hinterher zu schlagen, damit die Taube halt in Gang kommt, also so wie wir quasi, keine Ahnung, das Netz nochmal neu starten, um die E-Mail rauszukriegen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK 5 </strong>(Z8020340103 Martin Todsharow: Frozen 0‘44)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong><strong></strong></p>
<p>Dass dem Panzer die Zukunft gehören würde – das sahen nach dem Ersten Weltkrieg auch die technikskeptischen Deutschen so. Bereits in den 1920er-Jahren bauten deutsche Ingenieure in jeden Panzer einen Funkgeräteplatz ein – auch wenn die Geräte für den Kampfeinsatz noch zu groß und zu empfindlich waren. (…) Der Versailler Vertrag verbot Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, Panzer zu besitzen. Die Reichswehr ging daher eine geheime Militärkooperation mit der Roten Armee ein, in der Sowjetunion wurden neue deutsche Panzertypen erprobt und weiterentwickelt. <strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a name="_Hlk194406915"><strong>OT 6 Ralf Raths</strong></a><strong></strong></p>
<p>Wir sind jetzt in den Zwanzigern in einer Zeit, wo die entscheidenden Technologien für den Panzer, nämlich der Motor, Getriebe, Panzerplatten, sich sehr schnell entwickeln durch die Industrie. (…) In dieser Zeit passieren wahnsinnige Sprünge, also von diesen riesigen Maschinen des Ersten Weltkrieges, die quasi kaum fünf Kilometer fahren können, ohne zusammenzubrechen, bis hin dann 20 Jahre später...<strong> </strong>und dann hat man diesen Zweiten Weltkrieg, in dem der Panzer dann seine Rolle findet, historisch gesehen.(...) Diese schon sehr modern aussehenden Panzer des Zweiten Weltkrieges, die auch 150, 200 Kilometer fahren können, kämpfen können und so weiter, ohne liegen zu bleiben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<br/></strong><p></p>




]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Flechten, Meister der Extreme</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/flechten-meister-der-extreme/2081037</link>
      <pubDate>Sun, 07 Sep 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2807d1e7-926c-49a7-a76d-6b989a32d301</guid>
      <description>Flechten sind faszinierende Mischwesen aus Pilz und Alge. Die etwa 18.000 Arten können bis zu 1.500 Jahre den schwierigsten Lebensbedingungen trotzen, doch auf die menschengemachte Luftverschmutzung reagieren sie sehr empfindlich. Viele Flechten produzieren wirksame Inhaltsstoffe, die auch für die Medizin interessant sind. Bernhard Kastner im Gespräch mit dem Biologen Thassilo Franke.  </description>
      <enclosure length="23817984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2081037/c/feed/flechten-meister-der-extreme.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:48</itunes:duration>
      <itunes:author>Bernhard Kastner im Gespräch mit Thassi</itunes:author>
      <itunes:summary>Flechten sind faszinierende Mischwesen aus Pilz und Alge. Die etwa 18.000 Arten können bis zu 1.500 Jahre den schwierigsten Lebensbedingungen trotzen, doch auf die menschengemachte Luftverschmutzung reagieren sie sehr empfindlich. Viele Flechten produzieren wirksame Inhaltsstoffe, die auch für die Medizin interessant sind. Bernhard Kastner im Gespräch mit dem Biologen Thassilo Franke.  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fb666630-6f1c-471b-a1d0-976cd316ae92.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Flechten sind faszinierende Mischwesen aus Pilz und Alge. Die etwa 18.000 Arten können bis zu 1.500 Jahre den schwierigsten Lebensbedingungen trotzen, doch auf die menschengemachte Luftverschmutzung reagieren sie sehr empfindlich. Viele Flechten produzieren wirksame Inhaltsstoffe, die auch für die Medizin interessant sind. Bernhard Kastner im Gespräch mit dem Biologen Thassilo Franke.  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Bernhard Kastner<br/> Es sprachen: Bernhard Kastner im Gespräch mit Dr. Thassilo Franke<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Thassilo Franke, Biologe am BIOTOPIA Lab in München <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Neophyten, die eingeschleppten Pflanzen - Alles Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/neophyten-die-eingeschleppten-pflanzen-alles-natur/bayern-2/94798094/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Queere Tiere? Alles Natur!<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/suche/radiowissen%20queere%20Tiere/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Was macht Moore so wertvoll? - Alles Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-macht-moore-so-wertvoll-alles-natur/bayern-2/94586134/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-flechten-meister-der-extreme-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Flechten sind wahre Fundgruben für neue Arzneimittel.</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Einerseits kommen Flechten mit den widrigsten Umweltbedingungen zurecht, andererseits zählen sie zu den Lebewesen, die am empfindlichsten auf Luftverschmutzung reagieren.</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Flechten sind Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen.</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Alles Natur</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Flechten - Meister Extreme </p>
<p>Musik hoch</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Der Biologe Thassilo Franke vom BIOTOPIA LAB in München und ich, wir sind hier auf einem Feldweg bei Oberschleißheim in der Nähe von München. Wir stehen an einem Gebüsch-Hein, überall um uns herum sind Felder, Wiesen und Äcker. Und hier, in diesen Büschen an den Ästen, da sind wir auf der Suche nach den heutigen Protagonisten unseres Gesprächs.</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Wir befinden uns hier an einem Feld-Hein und die ganzen Gehölze, die wir hier zu unserer Rechten sehen, die haben vollkommen gelb überkrustete Zweige und diese gelbe Kruste, das ist genau das, worum es in unserem heutigen Beitrag geht. Das sind nämlich Flechten.</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Also wenn ich die mir jetzt so anschaue, die haben so eine ganz satte curry-gelbe Farbe, die sind wie so Inseln, die sich um die Äste oder um die kleinen Stämme wickeln. Schaut ein bisschen trocken, schuppig aus …</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Ja, genau, und was man hier sieht und auch auf den ganzen Sträuchern hier in der Umgebung, was hier alles so gelb einkrustet, das ist die Gemeine Gelbflechte. Und sie gehört zu einer riesigen Verwandtschaft von Lebewesen, von denen man bisher ungefähr 18.000 Arten kennt und die auf der ganzen Welt verbreitet sind, die schon seit über einer halben Milliarde Jahre auf unserer Erde zu Hause sind. Und es gibt ganz winzige Flechtenarten, die im Inneren vom Gestein leben, die auf der Oberfläche von Blättern leben. Und auf der anderen Seite gibt es auch Riesen-Flechten, die wie Girlanden meterlang von den Bäumen herunterhängen. Und überhaupt ist diese Gruppe dafür bekannt, dass sie die Meister der Extreme sind. Also sie kommen wirklich in den Kältewüsten der Antarktis vor, sie kommen auf entlegenen atlantischen, ozeanischen Inseln vor, wo es sonst kaum andere Lebewesen gibt. Sie kommen in Hochgebirgen vor bis über 7.000 Meter, und man findet sie auch in den Tieflagen des Amazonas-Regenwaldes.</p>
<p>Bernhard Kastner: 2.25</p>
<p>Sie haben jetzt gerade gesagt ‚eine Gruppe von Lebewesen‘, wir wollen es natürlich genauer wissen: welche Gruppe? Sind es Pflanzen, sind es Pilze, sind es Tiere, sind es Moose?</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Flechten sind keine Moose, also das können wir schon mal ausschließen. Was die anderen Gruppen, die Sie erwähnt haben, betrifft, nämlich die Pilze und die Algen, da wird die Sache schon komplizierter. Also, wenn wir die Flechten jetzt rein taxonomisch betrachten, dann würde ich sie folgendermaßen definieren: wir haben es hier mit Pilzen zu tun, und zwar genau genommen mit ‚Schlauchpilzen‘, die mit Algen in einer Lebensgemeinschaft leben. Und wenn man aber das Ganze ökologisch sieht, weil nämlich diese Lebensgemeinschaft von wirklich essenzieller Bedeutung ist, da kann man dann von ‚Mischwesen‘ sprechen oder von ‚Doppellebewesen‘, weil nämlich das zwei Partner sind, die auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen sind und auch ganz neue Formen hervorgebracht haben, die es ohne diese Lebensgemeinschaft so gar nicht gegeben hätte. </p>
<p>Bernhard Kastner: 3.22</p>
<p>Ich schaue mir jetzt aber gerade diese gelben Flechten hier in den Ästen an: Wo genau ist der Pilz? Und wo ist die Alge? Algen sind grün. Ich sehe hier nur eine gelbe Oberschicht. Wo ist Pilz und Alge?</p>
<p>Thassilo Franke: 3.04</p>
<p>Das, was Sie auf den ersten Blick sehen, ist immer der Pilz. Und der Pilz trägt eigentlich auch den Namen, der für die ganze Flechte gebräuchlich ist. In dem Fall ist es die Gemeine Gelbflechte. Und da ist der Name des Pilzes oder der wissenschaftliche Name der Flechte Xanthoria Parietina. Und diese Flechte beherbergt in ihrem Inneren Algen und diese Algen, das sind winzig kleine, kugelförmige, mikroskopisch kleine Grünalgen, Und man sieht von den eigenen natürlich erst mal auf den ersten Blick nichts, weil die sind, wie gesagt, mikroskopisch klein im Inneren der Flechte. Aber wenn man mal schaut, also, wenn Sie sehen, ich habe hier am Boden so einen nassen Ast gefunden. Wenn man ihn danebenhält, dann ist er doch ganz grün?!</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Ja total – und zwar giftgrün… also richtig grün!</p>
<p>Thassilo Franke: 3.04</p>
<p>Und das liegt einfach nur daran, dass hier die ganzen Hohlräume in der Flechte von Feuchtigkeit vollgesogen sind und auf die Art und Weise dieses pilzliche Fadengeflecht durchsichtig erscheint. Und dadurch sieht man eben, dass da was Grünes drin ist, und das Grüne sind die Algen.</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Also kann ich mir das so vorstellen, dass der Pilz die Hülle, den Deckel und die Umrandung, von der Alge bildet?!</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Das Gehäuse dieser Alge! Also die Algen wohnen im Inneren dieser Flechte. Und das ist eigentlich auch das, was diese diesen Flechten-Pilz für die Alge so wertvoll macht, weil er ihr praktisch Logis bietet. Das heißt, die Alge haust im Inneren der Flechte. Und dann fragt man sich natürlich, woher kommt die Kost, wenn die Logis vom Flechten-Pilz für die Alge kommt, die Kost für beide? Die liefert die Alge, weil die Alge ist imstande, Photosynthese zu betreiben, Zucker zu produzieren. Einen Teil des Zuckers, den behält sie für sich selbst und einen weiteren Teil des Zuckers kann sie an ihren Vermieter praktisch, an den Pilz abgeben. Und dadurch ist es eben eine hervorragende Lebensgemeinschaft.</p>
<p>Bernhard Kastner: 5.26</p>
<p>Also der Pilz profitiert, weil er sich die Nährstoffe von der Alge zieht. Die Alge ernährt den Pilz. Aber was hat die Alge davon?</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Die Alge profitiert in vielerlei Hinsicht davon. Auf der einen Seite ist natürlich dieses Pilzliche, man spricht da von einem Myzel, von Farben-Geflecht oder bei den Flechten, weil das so kompakt ist, nennt man dieses pilzliche, ganz dichte Fadengeflecht auch ‚Lager‘, also dieses Pilzlager ist wie eine schützende Hülle. Das heißt, es schirmt die Algen in ihrem Inneren vor UV-Strahlung ab, vor extremen Temperaturunterschieden, auch vor Fressfeinden und Krankheitserregern.</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Und dieses System, das Sie so beschrieben haben, also, dass der Pilz die Hülle bildet, dass der Pilz die Alge schützt, umhüllt … diese Symbiose der beiden, dieses wechselseitige Geben und Nehmen, das betrifft nicht nur diese flachen Flechten, sondern alle Flechten? Es gibt ja wohl mehrere Arten von Flechten. Ich kann mich erinnern, wenn wir beim Bergwandern früher waren oder auch beim Skifahren, da sieht man ja diese Flechten, die so ganz wie so lange graue Haare von den Bäumen hängen. Ist da das gleiche System, dass eine Hülle der Pilz und innen eine Alge ist?</p>
<p>Thassilo Franke: 6.35 </p>
<p>Ja genau! Was Sie da ansprechen, was Sie da beim Skifahren beobachtet haben, das sind sogenannte ‚Bartflechten‘. Die heißen auch auf Englisch ‚Methusalems Bart‘, also die hängen wie Bärte von den Ästen runter. Und der Grund, warum sie so wachsen, ist, dass sie eine Oberflächenvergrößerung haben, auf der einen Seite und dann eben auch als Nebelkämmer. Sie kommen also in sehr feuchten Tälern vor normalerweise diese Bartflechten, als Nebelkämmer, den Nebel, deren diesen Tälern aufsteigt, regelrecht auskämmen können und auf die Art und Weise das gesamte System mit Feuchtigkeit versorgen können. Also das sind Bartflechten, die gehören mit den Strauchflechten in eine Gruppe. Es gibt aber auch noch andere Formen, Sie haben die beim Skifahren wahrscheinlich oder beim Bergsteigen auch schon oft gesehen. Die Krusten-Flechten, das sind Flechten, die auf Felsoberflächen wachsen, die also mit einer mit der Unterseite fest auf der ganzen Fläche mit dem Felsen verbunden sind. Und auf der anderen Seite gibt es dann noch Laub-Flechten, das sind Flechten, zu denen auch die Flechten hier gehören, einige der Flechten, die man hier sieht, die nur an einer Stelle mit der Unterlage verwachsen sind und auf die Art und Weise, Ober- und Unterseite gleichzeitig dem Licht entgegen richten können und so mehr Photosynthese betreiben können. Und solche Laub-Flechten findet man vor allem an der Rinde der Bäume oder auch auf dem Boden. Und dann gibt es noch eine weitere Gruppe, die Gallert-Flechten, die ganze gelatinös sind und die hauptsächlich nicht mit Algen zusammenleben, sondern mit Zualo-Bakterien.</p>
<p>Bernhard Kastner: 7.35</p>
<p>Aber wir gehen jetzt zurück zu diesen kleinen gelben Flechten. Ich kenne die ja von mir zu Hause. Ich wohne in der Nähe vom Ammersee. und in den letzten Jahren habe ich das beobachtet, wenn dann die Blätter runterfallen, dass die Äste, die früher so braun-grau waren, heute immer mehr wirklich auch diese gelb-grüne Farbe annehmen. Und ich dachte bis jetzt, das ist ein Schädling, der dem Baum schadet. Aber das ist ja anscheinend nicht so?!</p>
<p>Thassilo Franke: 8.23</p>
<p>Also Flechten, auch wie hier, wenn man hier mal hinschaut, da sind ja die Äste bis zu den Ansatzstellen der Blätter komplett eingekrust, da könnte man wirklich meinen, wir hätten es mit Parasiten zu tun. Aber in Wirklichkeit schaden die Flechten den Bäumen und Sträuchern, auf denen sie wachsen, nicht. Sie sind vollkommen autark. Also sie haben auch überhaupt keine Saugorgane, mit denen sie jetzt irgendwie Pflanzensaft saugen könnten, sondern sie versorgen sich ja durch ihre gelungene Lebenspartnerschaft mit den Algen komplett selbst. Also, was Sie da beobachtet haben, das ist wahrscheinlich auch die Gemeine Gelbflechte und warum wir hier an diesem Feld-Hein stehen, wo auch alle Äste der Sträucher dick gelb überkrustet sind, das hat einen ganz bestimmten Grund. Und zwar hat diese Flechtenart eine besondere Vorliebe für Ammoniak. Und Ammoniak ist ja ein Gas, was entsteht, wenn Gülle ausgebracht wird, also im Urin von unseren Nutztieren, da ist ja sehr viel Harnstoff enthalten, und wenn dann dieser Harnstoff abgebaut wird, dann wird dieses stechend riechende Gas dieser Ammoniak freigesetzt. Und dieser Ammoniak in Form von Ammonium-Ionen, der wird dann von dieser Gelbflechte aufgenommen und ist für deren Überleben wichtig. Und was auch noch hinzukommt, dass es eben ganz viele andere Flechtenarten gibt, die mit Ammonium nicht zurechtkommen, also für die Ammonium schädlich ist und deswegen hat sie einen unglaublichen Konkurrenzvorteil und ist mit Ausnahme einiger anderer Flechten, die auch gerne Ammonium mögen, eine der wenigen Flechten, die hier in diesen Feld-Reihen oder auch ein Gärten zurechtkommt mit der Situation. Und deswegen ist hier eben alles so gelb überkrustet.</p>
<p>Bernhard Kastner: 9.40</p>
<p>Das finde ich jetzt total spannend, denn wir haben ja am Anfang gehört, dass die Flechten, wie der Titel der Sendung ja auch schon sagt, wahre Meister der Extreme sind. Sie können also unter extremen Lebensbedingungen im Eis, in der Hitze, in der Kälte in der Trockenheit überstehen. Auf der anderen Seite scheinen sie, was die Zunahme von dieser Gelbflechte hier zeigt, sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse, auf Luft-Veränderungen zu reagieren?!</p>
<p>Thassilo Franke: 10.23</p>
<p>Was Sie ansprechen, das ist ja eigentlich wirklich ein Paradox. Auf der einen Seite haben wir es mit den robustesten Lebewesen überhaupt zu tun. Auf der anderen Seite sind aber genau diese Lebewesen, die, die am empfindlichsten auf Luftverschmutzung reagieren. Also man kennt einige Flechtenarten, wie zum Beispiel die Riesen-Bartflechte, die früher in den Alpen weit verbreitet war und zum Teil sogar bis ins Flachland runterging. Und diese Flechte ist mittlerweile in Deutschland komplett verschwunden. Sie ist bei uns ausgestorben. Und da fragt man sich, warum? Und die Ursache dafür ist eine Substanz, nämlich das Schwefeldioxid. Schwefeldioxid ist ein Gas, was vor allem bei der Verbrennung von fossilen Rohstoffen freigesetzt wird, und was sich dann über chemische Reaktionen umwandelt in schwefelige Säure. Und die, das kennen Sie sicher noch aus den 80er-Jahren, die verantwortlich ist für den berühmten Sauren Regen. Und dieser Saure Regen, der ist natürlich schädlich für Bäume, aber der Saure Regen ist der Tod für die allermeisten Flechten und besonders für so empfindliche Arten wie die Riesen-Bartflechte.</p>
<p>Bernhard Kastner: 11.38</p>
<p>Und wie kommt dieses Schwefeldioxid in die Alpen?</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Ja also wie das Schwefeldioxid in die Berge kommt, klar mit dem Fernverkehr natürlich, damals gab es ja auch schon Eisenbahnen, die durch die Berge gefahren sind und dort wurde auch Kohle verheißt. Und da ist das dann sehr viele Schwefeldioxid freigesetzt worden, aber natürlich nicht ansatzweise so viel wie in den Industriegebieten oder in den Städten. Aber die Riesen-Bartflechte hat eine gewaltige Oberfläche, weil sie als ‚Nebelkämmer‘ dort eben auch den Nebel auskämmt, und mit dieser feuchten Luft natürlich riesige Mengen von dieser schwefeligen Säure auch aufgesaugt hat. Und das hat ihr einfach sehr schnell den Garaus gemacht. </p>
<p>Ja, aber ganz geballt tritt dieses Problem natürlich in den Städten auf. Also früher hat man viel mit Kohle geheizt und auch die Industriegürtel um die Städte rum, da wurden sehr viele fossile Rohstoffe zur Energiegewinnung verbrannt, und man hat ja auch immer so Smog-Glocken über den Städten gehabt. Und das hat dazu geführt, dass in den Stadtzentren, die haben sich in wahre Flechten-Wüsten verwandelt, sodass die gesamte Flechten-Flora zusammengebrochen ist, bis auf ein, zwei Arten, die das vielleicht irgendwie noch ausgehalten haben. Und das wurde aber sehr schnell bemerkt von Spezialisten. Und die haben dann die Idee entwickelt, man könnte ja die Flechten nutzen, um die Luft-Güte zu bestimmen. Und da entstand dann in den 70er-Jahren die Flechten-Kartierung. Man hat also an bestimmten Stellen im Untersuchungsgebiet dann immer die gleichen Stellen wieder besucht und die die Flechten dort kartiert und ist zu den Stellen wieder zurückgekehrt und hat geschaut, ob es weniger geworden sind, ob es mehr geworden sind und vor allem auch qualitativ, was für Flechtenarten überhaupt da sind, ob wieder eine Art verschwunden ist aus einem Sampling, oder ob vielleicht sogar einer dazugekommen ist. Es kann auch sein, dass die Luftqualität sich verbessert, und man hat dann tatsächlich auch so nach einer Weile erkannt, vor allem in der Mitte der 90er-Jahre, dass plötzlich Flechten wieder in die Städte zurückgekommen sind, also auch in Gebiete, wo es früher gar keine Flechten mehr gegeben hat. Man hat ja Maßnahmen ergriffen: Man hat Rauchgasentschwefelungsanlagen eingebaut, in die die Verbrennungsanlagen in den Kraftwerken. Man hat Treibstoffe, auch entschwefelt, bevor sie überhaupt verbrannt wurden. Und man kann wirklich sagen, also die Schwefeldioxidbelastung ist in den letzten 20 Jahren irrsinnig zurückgegangen, und das hat natürlich zur Folge gehabt, dass dann die Flechten, die so empfindlich auf Schwefeldioxid reagieren, dann auch wieder in diese freigewordenen Habitate wieder zurückgekehrt sind und die Städte wieder besiedelt haben. </p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Also ist die Fläche ja wirklich ein Bioindikator für gute Luft?!</p>
<p>Thassilo Franke: 14.09</p>
<p>Genau, man kann sagen, ein Bioindikator für gute Luft, aber eigentlich nur eingeschränkt. Also es ist ja so, die Flechten kamen zurück, und man hat aber dann sehr schnell gemerkt, Moment, das sind aber nicht die Flechtenarten, die vorher da waren. Man hatte ja die Herbarien in den Staatssammlungen, da konnte man ja sehr genau nachschauen, was die Leute früher im neunzehnten Jahrhundert zum Beispiel in den Städten gesammelt haben und was man jetzt dort auf den Baumstämmen hatte. Und auf den Hauswänden waren ganz andere Flechtenarten als früher, und zwar, man hat festgestellt, diese Flechten sind Flechten, die man sonst eher aus der Umgebung von landwirtschaftlichen Betrieben kannte, wie zum Beispiel diese Gemeine Gelbflechte hier hinter uns. Und da stellte sich die Frage, warum kommen denn die in die Städte zurück? Und die Antwort war die: Die sind zwar jetzt zurückgekehrt, weil das Schwefeldioxid-Problem gelöst war, aber sie waren Indikatoren, also Zeiger für ein anderes Problem, was sich in Städten breitgemacht hat, nämlich die Stickstoffbelastung. </p>
<p>Bernhard Kastner: 15.10</p>
<p>Und wo kommt die Stickstoffbelastung her?</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Also 95 Prozent der Stickstoffbelastung durch Ammoniak kommt ja aus der Landwirtschaft, und nur fünf Prozent hat man in diesen städtischen Gegenden eigentlich gemessen. Und da fragt man sich: wo kommen denn diese fünf Prozent her? Und die die Entdeckung, die war eigentlich sehr überraschend. Der Ammoniak kommt aus den Katalysatoren der Autos, also ein Nebenprodukt bei diesen Reaktionen, die in dem Katalysator ablaufen, ist dieser Ammoniak. Und eine Aufgabe ist ja, dass man eben Stickoxide vermeidet. Auf der anderen Seite kommt aber eben Ammoniak hinten aus dem auf Auspuff raus. Und jetzt passiert Folgendes: jetzt geht dieser Ammoniak in die Luft, und gleichzeitig gehen auch Stickoxide in die Luft. Und wenn die sich dann in der Atmosphäre in Gegenwart von Ozon und Wasserdampf begegnen, dann bildet sich ein Salz, und zwar das Ammoniumnitrat und das Ammoniumnitrat ist ein Feststoff und als Feststoff bildet er Staub. Und das ist dann der berühmte Feinstaub, der sich dabei den Städten bildet, Also 50 Prozent - die Hälfte - müssen Sie mal bedenken von dem Feinstaub ist nicht Reifenabrieb, Ruß oder Bremsbelege-Abrieb, was man sonst immer so unter Generalverdacht hat, sondern die Hälfte des Feinstaubs, ist Ammoniumnitrat! Und dieser Feinstaub, der rieselt natürlich dann wieder auf die auf die Erde runter. Da schwebt nach unten, der setzt sich hier auf den Ästen der Bäume fest, und wenn dann dort diese Gemeine Gelbflechte, wächst, dann ist die wie im Schlaraffenland. </p>
<p>Musik</p>
<p>Bernhard Kastner: 16.56</p>
<p>Sie hören radioWissen hier auf Bayern2 und ich unterhalte mich heute in unserer Gesprächsreihe ‚Alles Natur‘ mit dem Biologen. Dr. Thassilo Franke von Biotopia LAB in München, und wir sprechen über die Flechten, und die haben sie ja wirklich in sich.</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Ja, das kann man wirklich so sagen. Also Flechten, die Pilzpartner von Flechten, das sind reine Fabriken für interessante chemische Substanzen, die dort erzeugt werden von dem Organismus. Und diese Substanzen sind zum Beispiel tumorhemmende Substanzen, die die arzneiliche interessant sind. Es sind Substanzen dabei, die antibakteriell wirken, entzündungshemmend wirken. Und das weiß man auch schon sehr lange. Man weiß zum Beispiel auch, dass in sehr vielen verschiedenen Kulturen auf der Welt Flechten als Wundverband früher verwendet wurden, aber auch heute noch, zum Beispiel im Himalaja, eine ganz wichtige Bedeutung haben. Es heißt, wenn sich jemand verletzt und die Wunde anfängt zu eitern, dann wird dann eine Flechte draufgelegt und das Ganze gut verbunden, weil man eben weiß, dass diese Flechte entzündungshemmende antibakterielle Wirkungen hat. Und diese Wirkung, das Flechten, Inhaltsstoffe Bakterien abtöten können, das wussten auch schon die Alten Ägypter. Und die haben zum Beispiel die Leibeshöhle von mumifizierten Toten mit Flechten ausgefüllt, aber auch Flechten auf dem Körper verteilt und zwischen den Bandagen. Und das hat dann eben dazu geführt, dass diese einbalsamierten Körper nicht von Bakterien zersetzt wurden, weil sie eben von diesen Flechten davor geschützt wurden. Und eine der Flechten, die da immer wieder nachgewiesen werden konnte, das ist eine Flechte mit dem etwas irreführenden Namen Baummoos. Und dieses Baummoos hat auch noch andere interessante Inhaltsstoffe. Und die sind auch schon seit vielen, vielen Jahrhunderten als Parfümstoffe bekannt und vor allem in Südfrankreich, da, wo ja die meisten Parfüms herkommen, werden die schon seit langer Zeit aus diesen Flechten herausisoliert. Und das sind die Grundsubstanzen eigentlich in einer ganzen Reihe von sehr gängigen klassischen Parfüms.</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Ja, und teilweise sind die Inhaltsstoffe von Flechten ja auch ziemlich giftig?!</p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Ja, also, was Sie da ansprechen, das ist die Wolfsflechte, die den schönen wissenschaftlichen Namen Letharia Vulpina hat. Letal, Sie kennen den Ausdruck letal, Letharia, die Tödliche; Vulpina heißt, die den Fuchs tötet, wenn man so will. Vulpius ist der Fuchs, weil man eben früher damit Wölfe und Füchse vergiftet hat, indem man die Flechten pulverisiert hat und dann Fleischköder eben da damit behandelt hat. Und wenn dann der Wolf kam oder der Fuchs kam und von dem Fleisch gefressen hat, dann ist er gestorben. Und die Ursache dafür war ein ganz heimtückisches Gift, nämlich die Vulpin-Säure. 19.54</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Und einen dieser vielen, vielen Inhaltsstoffe kennen wir alle wohl. Oder die meisten von uns gerade jetzt in der Erkältungszeit. Das sind Präparate aus dem sogenannten Islandmoos. Aber Achtung der Name leitet in die Irre: Es ist kein Moos?!</p>
<p>Thassilo Franke: 20.01</p>
<p>Ja, da haben wir schon wieder Baummoos, Eichenmoos und jetzt ist Islandmoos alles keine Moose, sondern Flechten. Aber das sind genau diese kleinen, bräunlichen Pastillen, die wahrscheinlich jeder schon mal gelutscht hat, die dann so angenehm, gerade wenn man einen kratzigen Hals hat, so eine schöne Schleimschicht dort auf den auf den wunden Stellen in der Luftröhre dort verteilen. Und dieser Schleim - es ist wirklich Schleim, der da drin ist. Es ist der sogenannte Lichnin. Lichnin wird auch ‚Flechten-Stärke‘ genannt, und in diesem Schleim sind dann auch noch antiseptische, antibakterielle Substanzen, die enthalten, legen sich schön über die entzündete Stelle und führen dann zu einer schnellen Abheilung eben dieses Problems.</p>
<p>Bernhard Kastner: 20.47 </p>
<p>Das sind ja jetzt schon einige hochwirksame Wirkstoffe, über die Sie hier gesprochen haben. Aber es sind noch längst nicht alle in den Flechten vorhandenen Stoffe entdeckt worden?!</p>
<p>Thassilo Franke: 20.55</p>
<p>Ja, genau. An den staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns hat eine Forschergruppe vor kurzem eine ganz interessante Entdeckung gemacht. Und zwar, sie haben sich die Erbinformationen von verschiedenen Flechtenarten genauer angeschaut und haben dann Gene entdeckt, die bestimmte arzneilich interessante Substanzen codieren. Also ganz einfach formuliert, haben sie in der Erbinformation verschiedene Rezepte gefunden, die für diese arzneilich interessanten Inhaltsstoffe die Ursache sind. Und sie haben mehr solche Rezepte gefunden, als Inhaltsstoffe bekannt sind. Und das hat ihnen natürlich dann wiederum den Rückschluss erlaubt, dass man noch erwarten kann, sehr viele arzneilich interessante Stoffe in Flechten zu finden, die man heute noch gar nicht kennt, aber von dem man schon weiß, dass sie da sein müssen, weil man ihre Rezepte gefunden hat.</p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Also, auf der einen Seite sind Flechten noch längst nicht erforscht, noch längst wissen wir nicht alles über die Inhaltsstoffe von Flechten. Auf der anderen Seite wissen wir, dass viele Flechten schon ausgestorben sind oder in ihrer Existenz bedroht sind. Das ist jetzt also ein Wettlauf mit der Zeit. Da frage ich mich kann man Flechten nicht gezielt züchten oder sie kultivieren, vermehren, anpflanzen wie zum Beispiel andere Arzneimittelpflanzen auch?!</p>
<p>Thassilo Franke: 22.15</p>
<p>Ja, so dass mit den Flechten züchten ist in der Tat ein Problem also großflächig züchten sowieso eigentlich ausgeschlossen und hat tut sich ja schon im Labor schwer, die zu züchten, weil man einfach diese Wachstumsbedingungen sehr schwer simulieren kann, die Flechten zum Leben brauchen. Außerdem ist es so, dass die meisten Flechtenarten auch sehr, sehr langsam wachsen. Es gibt Flechten, die wirklich nur einen Bruchteil von einem Millimeter pro Jahr Zuwachs haben und die weit über tausend Jahre alt werden können, trotzdem nur die Größe von meiner Handfläche vielleicht haben. Und solange kann man natürlich nicht warten, wenn man einen Organismus züchten will, den man eben auch wirklich nutzen möchte. Es heißt hier ist man tatsächlich immer noch auf die Wild-Flechten angewiesen. </p>
<p>Bei Flechten ist es ja so, dass sie sich einerseits über Born formieren sowie Pilze, die dann natürlich aber da, wo sie landen, dann auch den passenden eigenen Partner finden müssen, was gar nicht so einfach zu sein scheint.</p>
<p>Musik </p>
<p>Bernhard Kastner:</p>
<p>Also mit der Zucht und der Kultivierung von Flechten sieht&#39;s noch nicht so rosig aus. Umso wichtiger ist es, dass wir die Flechten, die wir kennen und die wir haben und noch längst nicht erforscht und verstanden haben, schützen. Ich danke Ihnen für dieses wirklich interessante Gespräche. Ich hab wieder sehr viel gelernt, und ich freue mich schon auf das nächste Mal. </p>
<p>Thassilo Franke:</p>
<p>Ja, ich freue mich schon sehr auf die nächste Sendung</p>
<p>Musik out</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Warum ist das Universum so? Eine physikalische Sinnsuche</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/warum-ist-das-universum-so-eine-physikalische-sinnsuche/2109239</link>
      <pubDate>Fri, 05 Sep 2025 17:52:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">38599931-0105-48a3-8ce0-604b184c1d25</guid>
      <description>Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass wir in einem wirklich schicken Universum leben: Es ist nicht zu heiß, nicht zu kurvig, nicht zu langsam, nicht zu leicht und nicht zu leer. Warum scheint alles so gut zusammenzupassen, wie für uns Menschen gemacht?, fragen sich Physiker - und streiten sich bei den Antworten. Autorin: Franzi Konitzer (BR 2024)             </description>
      <enclosure length="21938688" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109239/c/feed/warum-ist-das-universum-so-eine-physikalische-sinnsuche.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Konitzer, Franzi</itunes:author>
      <itunes:summary>Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass wir in einem wirklich schicken Universum leben: Es ist nicht zu heiß, nicht zu kurvig, nicht zu langsam, nicht zu leicht und nicht zu leer. Warum scheint alles so gut zusammenzupassen, wie für uns Menschen gemacht?, fragen sich Physiker - und streiten sich bei den Antworten. Autorin: Franzi Konitzer (BR 2024)             </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d4199786-1086-437d-8fbc-f901b591d981.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass wir in einem wirklich schicken Universum leben: Es ist nicht zu heiß, nicht zu kurvig, nicht zu langsam, nicht zu leicht und nicht zu leer. Warum scheint alles so gut zusammenzupassen, wie für uns Menschen gemacht?, fragen sich Physiker - und streiten sich bei den Antworten. Autorin: Franzi Konitzer (BR 2024)             </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Franzi Konitzer<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Katja Bürkle, Thomas Birnstiel, Georgi Dvali, Marumi Kado, George Ellis <br/>Redaktion:  Katharina Hübel </p>

<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<p>• Dr. Fabian Schmidt, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching</p>
<p>• Prof. Marumi Kado, Max-Planck-Institut für Physik (Experimente am Hochenergie-Beschleuniger), Garching</p>
<p>• Prof. Georgi Dvali, Max-Planck-Institut für Physik (Theoretische Physik)</p>
<p>• Prof. George Ellis, Kosmologe und Professor für angewandte Mathematik an der Universität Kapstadt (em.) </p>
 

<p><strong>Podcast-Tipps:</strong></p>
<p><strong>Die weiteste Reise - Ins Universum</strong></p>
<p>Wie weit können wir reisen? Die Frage will „IQ - Wissenschaft und Forschung“ in diesem 2-teiligen Podcast beantworten.</p>
<p>Wer wirklich weit reisen will, kann nur in eine Richtung zielen: das All.</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:73d464ded5e28c16/">Die weiteste Reise (1) – Ins Universum</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:1a42cede94187c68/">Die weiteste Reise (2) – Bis zur letzten Grenze</a></p>


<p><strong>Das Ende des Universums – Fünf Endzeitszenarien, die ihr kennen solltet</strong></p>
<p>Es geht um den kosmischen Weltuntergang: Der Urknall vor rund 13,8 Milliarden Jahren markiert den Anfang unseres Universums. Was einen Anfang hat, muss auch ein Ende haben - oder? Zu hören bei <a title="Hier geht es zu IQ" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/urn:ard:show:66661ab636d879c5/"><strong> IQ – Wissenschaft und Forschung</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>

<p><strong>Vom größten Lavasee des Sonnensystems bis zur Entdeckung des Urknalls:</strong></p>
<p>Franzi Konitzer (Autorin dieser Radiowissen-Folge) und Karl Urban erzählen sich abwechselnd wahre</p>
<p>Geschichten zwischen Erde und Weltraum. Im Podcast AstroGeo - Geschichten zwischen Weltraum und Erde:</p>
<p>https://astrogeo.de</p>
<p> </p>
<p><strong>Quantenphysik. Wahr, aber verrückt</strong></p>
<p>In der Welt der Quanten sind Dinge möglich, die völlig absurd erscheinen. Zum Beispiel: Teilchenpaare sind auf rätselhafte Weise miteinander verbunden trotz riesiger Distanz zwischen ihnen. Die Quantenphysik hat unser gesamtes Weltbild verändert. Mehr dazu bei <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/quantenphysik-wahr-aber-verrueckt-1/2069613"><strong>Radiowissen</strong></a></p>

<p><strong>Das Higgs-Boson. Das Gottesteilchen und die Weltmaschine</strong></p>
<p>Um herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält, reichte dem englischen Physiker Peter Higgs eine einzige Idee: Das nach ihm benannte Higgs-Teilchen. Die Suche danach erforderte einen gigantischen Teilchenbeschleuniger, Milliarden von Euro und ein halbes Jahrhundert Geduld. Mehr dazu bei <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:bfca912b6e38ada3"><strong>Radiowissen</strong></a></p>

<p><strong>Schrödingers Katze. Legendäre physikalische Experimente</strong></p>
<p>Was bedeuten die Experimente für die Physik, die Welt der Wissenschaft, aber auch für jeden einzelnen? Mehr dazu bei<strong> <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schroedingers-katze-legendaere-physikalische-experimente/1859037">Radiowissen</a></strong></p>

 
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Unser Universum: Urknall – Der Anfang von allem</strong></p>
<p><strong>Am Anfang war der Urknall: Aus einem unendlich winzigen Punkt soll vor rund 13,82 Milliarden Jahren unser Universum entstanden sein. Unser Kosmos, aller Raum und alle Zeit existieren erst seit diesem Punkt - oder? Mehr erfahren bei <a title="Hier geht es zu ARD alpha" href="https://www.ardalpha.de/wissen/weltall/astronomie/urknall-universum-kosmologie-bigbang-physik-106.html"> ARD alpha</a>.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Weltraumteleskope – Mit diesen Teleskopen entdeckt ihr das All</strong></p>
<p><strong>Möchtet ihr wissen, wie der Weltraum kurz nach dem Urknall ausgesehen hat? Oder wo in unserer Milchstraße neue Sterne und junge Planeten entstehen? Vielleicht interessiert euch aber auch eher, welche Galaxien unsere eigene Galaxis in ihrer Vergangenheit schon geschluckt und zerrissen hat - oder was passiert, wenn man ein Teleskop hundert Stunden lang ins tiefe, schwarze Nichts des Weltraums blicken lässt. Seit mehr als fünfzig Jahren schicken wir Teleskope ins All: Diese Weltraumteleskope sollen unsere Fragen an das Universum beantworten. Mehr erfahren bei <a title="Hier geht es zu ARD alpha" href="https://www.ardalpha.de/wissen/weltall/astronomie/weltraum-teleskop-esa-nasa-astronomie-100.html">ARD alpha.</a></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>James Webb-Weltraumteleskop - Tiefer Blick in die Vergangenheit des Weltalls</strong></p>
<p><strong>Seit Anfang 2022 ist das James Webb-Weltraumteleskop im Weltall und richtet sein scharfes Auge auf ferne Objekte. Es soll noch tiefer ins Universum blicken als Hubble. Tiefer heißt beim Weltall aber auch: weiter in die Vergangenheit. Mehr erfahren bei <a title="Hier geht es zu ARD alpha" href="ARD alpha"> ARD alpha.</a></strong></p>

<p>Literatur:</p>
<p>·         Why? The Purpose of the Universe – Philip Goff (engl.) Für einen philosophischen Blick auf das Feinabstimmungs-Problem. </p>
<p>·         Higher Speculations: Grand Theories and Failed Revolutions in Physics and Cosmology – Helge Kragh (engl.)</p>
<p>·   Mit einem Kapitel über die Feinabstimmung der Naturkonstanten aus wissenschaftshistorischer Perspektive</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-warum-ist-dasuniversum-so-physikalische-sinnsuche-physik-kosmos-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Schulweg - früher und heute, hier und anderswo</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-schulweg-frueher-und-heute-hier-und-anderswo/2097362</link>
      <pubDate>Fri, 05 Sep 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4788154f-0750-4567-9a42-4b97323864f6</guid>
      <description>Elterntaxi, Schulbus oder stundenlanger Fußmarsch - allmorgendlich machen sich zig Kinder auf den Weg zur Schule. Wie hat sich dieser Weg im Laufe der Jahrhunderte verändert? Und wie sieht er in anderen Ländern aus? </description>
      <enclosure length="21389568" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2097362/c/feed/der-schulweg-frueher-und-heute-hier-und-anderswo.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Hofmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Elterntaxi, Schulbus oder stundenlanger Fußmarsch - allmorgendlich machen sich zig Kinder auf den Weg zur Schule. Wie hat sich dieser Weg im Laufe der Jahrhunderte verändert? Und wie sieht er in anderen Ländern aus? </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8fbe24e2-9d74-44a8-b0b2-04d2ab14373d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Elterntaxi, Schulbus oder stundenlanger Fußmarsch - allmorgendlich machen sich zig Kinder auf den Weg zur Schule. Wie hat sich dieser Weg im Laufe der Jahrhunderte verändert? Und wie sieht er in anderen Ländern aus? </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Hofmann<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprach: Stefan Wilkening<br/> Redaktion: Maike Brzoska</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Rudolf Egger, Professor für Pädagogik am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz, Fachbereichsleiter Empirische Lernweltforschung <br/>Saskia Haspel, Gründerin und Leiterin der österreichischen Montessori-Akademie in Wien<br/>Malte Pfau, Campaigner für Bildung der Kindernothilfe</p>
<p><strong>Linktipp:</strong></p>
<strong>- Malte Pfau: Zur Schule ohne Hindernisse – Was Schulwege weltweit mit dem Kinderrecht auf Bildung zu tun haben, 2023: https://www.bildungskampagne.org/zur-schule-ohne-hindernisse-was-schulwege-weltweit-mit-dem-kinderrecht-auf-bildung-zu-tun-haben <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bildungskampagne.org/zur-schule-ohne-hindernisse-was-schulwege-weltweit-mit-dem-kinderrecht-auf-bildung-zu-tun-haben">HIER</a> gehts zur Website</strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/>Einschulung: Tipps für den perfekten Schulanfang auf ARD alpha <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardalpha.de/wissen/psychologie/einschulung-schulanfang-kind-tipps-hilfe-unterstuetzung-erster-schultag-hausaufgaben-100.html">HIER ENTDECKEN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-schulweg-schulpflicht-fussmarsch-elterntaxi-schuelerlotsen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wenn Frieda Specker, geboren 1932 in Augsburg, von ihrem Schulweg erzählt, blitzen ihre Augen vergnügt. Sie erinnert sich noch genau an ihre Erlebnisse, damals vor mehr als 80 Jahren:</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>1. ZUSPIELUNG Frieda Specker</p>
<p>„Also wir sind mit Freundinnen und mit meiner Schwester immer gemeinsam in Schule gegangen, haben Blödsinn gemacht. Und es war immer schön. Im Winter haben wir Schneeballen in die Kirch nei geschmissen oben, und wenn meine Mutter kein Brot mehr hatte, dann haben wir zehn Pfennig gekriegt. Und dann hat sie gesagt: Aber nicht mit Kuchen vertun, sondern wir sollten uns zwei Brezen kaufen. Ja, was haben wir uns gekauft? Boxer! Boxer waren Amerikaner, die unten mit Schokolade bepinselt waren oder mit Zuckerguss. Ja, und da war man natürlich als Kind ganz wild drauf. Und dann sind wir weiter die Karmelitengasse hoch und da war links das Gefängnis. Und da sind wir immer mit Ehrfurcht vorbei gegangen und haben Mitleid gehabt und Angst gehabt, was da für Räuber drin sind. Und am Rückweg da war dann ein Schuster, der immer so blöd geschaut hat, da haben wir immer an die Scheibe hingehauen, und da habe ich mal zu fest hingehauen, das war eine Katastrophe! Ja, da kann ich mich gut erinnern. Ja, freilich ja, ja, meine Eltern mussten das ersetzen, und: So ein freches Kind!</p>
<p>MUSIK  „Sophies Thema“; ZEIT: 00:31</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Kleine Abenteuer erleben, Streiche spielen, auch einmal über die Stränge schlagen – das ist es, was auch Waltraud Fischer, geboren 1943 im Allgäu, von ihrem Schulweg in Erinnerung geblieben ist. Noch heute weiß sie, wie sie die Kinder beneidet hat, die in den Einödhöfen hoch oben auf dem Berg lebten – denn deren Schulweg war besonders lang.  </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>2. ZUSPIELUNG Waldtraud Fischer </p>
<p>Und drum sind wir öfter mal mitgegangen mit denne, das war einfach toll. Freiheit! Du bist nicht so schnell heimgekommen. Im Winter sind sie mit dem Schlitten gekommen. Und man hat gestritten miteinander, und man hat auch die Buben geärgert. Das hat dazu gehört, und es war einfach schön. </p>
<p>MUSIK privat Take 009 „Realise“; Album: Eyes of a Beginner; Label: 2013 Thomas Marland; Interpret: Thomas Marland; Komponist: Thomas Marland; ZEIT: 00:34</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Den Schulweg umgibt ein Hauch von Freiheit, nicht nur in der Erinnerung der beiden älteren Damen. Er bietet von je her für viele Kinder und Jugendliche einen Freiraum zwischen den Anforderungen der Schule und den Anforderungen der Eltern, eine Nische, in der sie sich weitgehend ohne Erwachsene bewegen können – jedenfalls wenn sie es dürfen, sagt die Montessori-Pädagogin Saskia Haspel, Gründerin und Leiterin der österreichischen Montessori-Akademie in Wien:</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>3. ZUSPIELUNG Saskia Haspel</p>
<p>Der Schulweg ist in mehrfacher Hinsicht etwas ganz Besonderes für Kinder. Einerseits kann er eine sehr gute Brücke darstellen zwischen dem Zuhause und umgekehrt. Das heißt, das Kind hat Zeit, Eindrücke zu verarbeiten, sich auch einzustellen darauf, was jetzt Neues kommt. Menschen brauchen ja Zeit für viele Übergänge aus einer Situation in die andere. Und das leistet der Schulweg schon einmal sehr, sehr gut, da Zeit zu geben. Das zweite, und für uns als Pädagoginnen vielleicht immer das Wichtigste ist, dass Kinder durch die selbständige Bewältigung des Schulwegs einfach eine ganz andere Möglichkeit haben, sich draußen in der Welt zu bewähren. Also nicht nur einfach in die Schule zu gehen, sondern natürlich auch Situationen vorzufinden, mit denen sie vielleicht nicht gerechnet haben oder die vielleicht auch an einer Stelle mal ein bisschen herausfordernder sind, und dann auch dieses Gefühl haben zu können: Ich habe etwas selbständig bewältigt – sei es jetzt leicht gewesen oder auch einmal bisschen schwieriger.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Eine Straße überqueren, sich vielleicht an einem finsteren Eck oder einem kläffenden Hund vorbeitrauen, mit anderen ins Gespräch kommen, in der Schule Erlebtes besprechen, sich mit dem Taschengeld eine Kleinigkeit kaufen – Kinder, die solche Situationen ohne Eltern meistern, bekommen die Chance, sich als selbständig und erfolgreich zu empfinden. Für ihre Entwicklung ein wichtiger Schritt, ist die Pädagogin Saskia Haspel überzeugt. Das entscheidende Ziel nennt sich Selbstwirksamkeit:</p>
<p>4. ZUSPIELUNG Saskia Haspel</p>
<p>Also ich fühle mich mächtig, etwas in dieser Welt zu schaffen oder zu verändern. Und je älter das Kind wird, desto größer ist natürlich der Spielraum. Je mehr wir es behindern, desto weniger kann es das Gefühl aufbauen: Ich kann etwas schaffen. Vielleicht nicht beim ersten Mal, vielleicht beim zehnten Mal. Also es hat sehr viel zu tun mit Selbstvertrauen, ja, aber auch mit Selbstwertgefühl. ((Wenn ich mich als handelnde Person fühlen kann, die etwas bewirken kann in dieser Welt, ja, ich glaube, was wünschen wir uns mehr für unsere Kinder als, dass sie sich zu solchen Menschen entwickeln?))</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Auf dem Schulweg sind das viele kleine unscheinbare Situationen, in denen sich Kinder selbstwirksam fühlen können, sagt Rudolf Egger, Professor für Pädagogik am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz. Und dennoch prägt sich diese Erfahrung ein, auch unbewusst:</p>
<p>5. ZUSPIELUNG Rudolf Egger</p>
<p>Ein kleines Beispiel: Ein Mädchen kommt an eine Kreuzung, und dort ist ein Fußgängergang in Zebrastreifen. Sie schaut nach links, sie schaut nach rechts, so wie sie das gelernt hat, wieder nach links, und da kommt ein Riesen SUV daher, und sie schaut dem Fahrer in die Augen, und der Fahrer wird langsam, und nur durch den Augenkontakt merkt dieses Mädchen, dass es einen riesengroßen Volvo abbremsen kann, wir nennen das Joint Attention, das sind die Begegnungsflächen, wo ich merke, ich brauche nicht immer eine Druckknopfampel oder Schülerlotsinnen und -lotsen. Ich kann selber, durch so etwas Bescheidenes wie den Augenkontakt, was eigentlich was Großartiges ist, in die Gesellschaft eingreifen und dort meinen Platz finden. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Doch der Pädagogik-Professor Rudolf Egger beobachtet, dass Kindern die Möglichkeit, solche Erfahrungen zu machen, inzwischen oft genommen wird. Das habe mit der Motorisierung und mit der getakteten Arbeitswelt ihrer Eltern zu tun. </p>
<p>6. ZUSPIELUNG Rudolf Egger </p>
<p>Vielleicht haben Sie das auch schon festgestellt – so 20 Minuten vor Schulbeginn ist quasi Großkampf-Arena vor den Schulen. Die Eltern würden ihre Kinder am liebsten mit dem SUV in die Klasse führen, weil sie Angst vor dem Verkehr haben, den sie selber verursachen. Und das ist der Teil, wo wir uns gefragt haben: Was hängt eigentlich am Schulweg, wenn immer weniger Kinder quasi einen selbstgestalteten Schulweg haben - wie hängt es dann mit dem Erleben der Umwelt, mit dem Erlernen von Demokratie, mit dem Erlernen des Miteinander - wie hängt das zusammen?</p>
<p>MUSIK  „“I need exile; ZEIT: 00:50</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Rudolf Egger forscht zu Lernprozessen, die außerhalb von Institutionen, beispielsweise der Schule, stattfinden und untersucht, was informelle Lernprozesse fördert. Auch der Schulweg ist so eine Lernwelt – oder könnte es sein, sagt Egger: Hier können sich Kinder, zumindest in einem gewissen Rahmen, ausprobieren, sich selbst ihren Weg bahnen, anderen Menschen begegnen, Unvorhergesehenes erleben und auch einmal Umwege machen. All das kennzeichnete über Jahrzehnte den Schulweg, und machte ihn zu einer eigenen kleinen Lernwelt. Egger beobachtet jedoch, dass sich die Spielräume von Kindern zunehmend verengen. Viele Eltern stehen aufgrund ihrer Berufstätigkeit unter Druck. Insbesondere morgens gilt es, alle Familienmitglieder auf die Spur zu bringen, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen und alle anstehenden Aufgaben zu bewältigen. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>7. ZUSPIELUNG Rudolf Egger </p>
<p>Man versucht, das sehr strikt zu handhaben, aber was dabei eben, wenn das so reglementiert ist, auf der Strecke bleibt, ist, dass es kaum mehr Begegnungsflächen zwischen den Menschen gibt, sondern es gibt in der Früh Stress bis alle im Auto sitzen, und dann sind sie quasi kleine Monaden, die zugestöpselt sind mit Kopfhörern - dieses Phänomen gibt es schon sehr lange und ist jetzt in den letzten 15 Jahren viel, viel stärker geworden.</p>
<p>MUSIK   „Familiar things disappear”; ZEIT: 00:46</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten tobt heute in vielen Städten der Verkehr und stellt insbesondere für junge Schüler, die damit noch wenig Erfahrung haben, eine Gefahr dar und schränkt ihre Bewegungsfreiheit ein. Der Tag von Kindern gleicht außerdem zunehmend dem von Erwachsenen. Er ist von früh bis spät durchorganisiert: Auf den regulierten Schulalltag folgt die durchgeplante Freizeit. Betreuungs- und Freizeiteinrichtungen sowie TÜV-geprüfte Spielplätze und wohlgeordnete Parkanlagen sind an die Stelle von unbeaufsichtigten Hinterhöfen, Straßen, öffentlichen Plätzen, Fabrikgeländen und Wäldern getreten, in denen sich Kinder noch vor wenigen Jahrzehnten weitgehend nach ihrer eigenen Vorstellung bewegen konnten. Zeiten, in denen sie niemand unbeobachtet, sind rar geworden für die Kinder von heute. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Ein wichtiger Lernschritt auf dem Weg zum Erwachsenenalter ist aus Sicht der Pädagogen auch, dass Kinder mit anderen Kindern zusammen sein können, und zwar ohne die Aufsicht von Erwachsenen. Dass sie sich als Mitglied einer Gruppe fühlen und Verantwortung übernehmen, für sich selbst und für andere. Auch dafür eignet sich der Schulweg. ((Zugleich sei ihre Aufgabe, so Saskia Haspel,</p>
<p>9. ZUSPIELUNG Saskia Haspel</p>
<p>dass sie aufmerksam bleiben, dass sie fokussiert sind auf den Straßenverkehr, dass sie genug Selbstsicherheit haben, nicht mitzumachen, wenn andere Kinder auf Ideen kommen, die vielleicht gefährlich sein könnten.))</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Aber im gleichen Maße, wie der Schulweg ein wichtiger Schritt eines Kindes zu mehr Autonomie ist, ist er eine Herausforderung für die Eltern. Sie müssen eine Balance finden zwischen ihrem Sicherheitsbedürfnis und dem Selbständigkeitsdrang des Kindes. Die Eltern haben dabei die Verantwortung, dem Kind zu zeigen, wie es sicher zur Schule kommt, müssen es dann aber schrittweise in die Unabhängigkeit entlassen, findet die Montessori-Pädagogin Saskia Haspel:</p>
<p> 10. ZUSPIELUNG Saskia Haspel</p>
<p>Also wichtig ist, wirklich aufs Kind zu schauen. Manche Kinder brauchen länger, manche Kinder sind unsicherer, die brauchen danach wirklich länger die Begleitung, und die müssen wir ihnen geben. Natürlich. Was wir nicht machen dürfen, ist aus falsch verstandener Fürsorge vielleicht oder aus eigener Bequemlichkeit, wenn man länger schlafen kann, wenn man das Kind mit dem Auto vor die Schule führt, ihm diesen Schulweg wegzunehmen. Das ist sehr, sehr schade und des verhindert die Entwicklung die Selbständigkeit in diesem Bereich. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Beim Loslassen können Eltern auf das bauen, was sie ihrem Nachwuchs in den ersten sechs Lebensjahren mitgegeben haben, so Saskia Haspel. Normalerweise unternehmen Kinder in dieser Zeit auch schon kurze Wege alleine, besuchen vielleicht Freunde um die Ecke oder gehen auch schon einmal alleine zum Bäcker. Dadurch können das kindliche Selbstvertrauen und das Vertrauen der Eltern in die Kinder gleichermaßen wachsen. Wenn Kinder dagegen viel Zeit im Auto sitzen, anstatt selbst zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren, hat das sichtbare Folgen für ihre motorische Entwicklung, beobachtet Saskia Haspel im Schulalltag: Beim Treppensteigen gingen viele Schulanfänger noch jede einzelne Stufe mit zwei Füßen oder auch seitwärts.</p>
<p>11. ZUSPIELUNG Saskia Haspel</p>
<p>Und ja, da würden wir uns natürlich wünschen, dass sie mehr Gelegenheit gehabt hätten, sich zu bewegen, und jede Bewegung, die ein Mensch macht, ist gut, wenn sie strukturiert ist und somit natürlich auch ein Schulweg, der zu Fuß bewältigt wird oder ein Teil davon zu Fuß bewältigt werden kann, sehr hilfreich auch für die weitere Entwicklung. Von einer Gehsteigkante hinuntersteigen, braucht Bewegungskoordination, oder links und rechts zu schauen und dann loszugehen. Also man muss gut in seinem Körper zu Hause sein, ein gutes Körperbild haben, seinen Körper gut kennen, auch wissen, was kann ich mir denn zutrauen an Bewegung, und ein wirklich stabiles reifes Gleichgewichtssystem entwickelt zu haben, sind wesentliche Voraussetzungen dafür, unter anderem den Schulweg sicher bewältigen zu können.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Eltern müssen sich zudem darauf verlassen können, dass sich ihr Nachwuchs an Regeln hält. Sie brauchen aber auch das Vertrauen in die Kinder und insbesondere in die Jugendlichen, dass sie auch dann zurechtkommen, wenn sie einmal vom vorgegebenen Pfad abweichen, meint Saskia Haspel: </p>
<p>12. ZUSPIELUNG Saskia Haspel 9.30 </p>
<p>Menschen probieren neue Dinge aus, auch Kinder probieren neue Dinge aus. Und manchmal ist es doch ein bisschen gefährlich oder manchmal ist es keine besonders gute Idee. Aber auch das gehört dazu und auch daran wächst man. Wir hatten ja noch Samstagsschule, und ich ging an einer Kirche vorbei, und samstags wird häufig geheiratet. Ich hatte die Freiheit, ich hatte noch kein Handy, mir hat nicht nach 10 Minuten schon jemand nachtelefoniert: Wo bleibst du?, wenn ich mich ein bisschen verspätet hab, ich konnte dort Braut schauen, bei der Kirche stehen bleiben, wenn da gerade eine Hochzeit war. Niemand hat sich damals Sorgen gemacht, wenn ein Kind 10 Minuten später dran war. Oder wenn man einen Bus später gekommen ist. Also auch da wird Kindern sehr viel Freiheit genommen. Heutzutage diese Handy-Nabelschnur, dass sofort angerufen wird. Wo bleibst du denn? Was ist denn los?</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Saskia Haspel und Rudolf Egger erkennen einen Hang zur Überfürsorge bei heutigen Eltern – das spiegelt sich auch im Begriff Helikoptereltern. Daran, wie Kinder zur Schule kommen, lasse sich ablesen, wie sich die Gesellschaft und auch die Beziehung zwischen Eltern und Kind in den vergangenen Jahrzehnten verändert hätten. Rudolf Egger:</p>
<p>13. ZUSPIELUNG Egger </p>
<p>Kind ist natürlich Statussymbol Nummer eins, also für den Großteil der Eltern – hängt natürlich von der sozioökonomischen Situation ab – ist Kind Identifikationsmerkmal. Also Kinder werden immer wichtiger, Kinder sind ganz wesentliche Elemente der eigenen Lebensplanung, und auf der anderen Seite hat sich das auch eben durch die strukturelle Berufstätigkeit auch verändert, diese Beziehung, wo wir eben vieles organisieren müssen. Und man ist froh, wenn die Kinder hinten im Auto eben zugestöpselt sind. Weil da kann man sich selber konzentrieren, was man alles zu tun hat.</p>
<p> MUSIK privat Take 009 „Realise“; Album: Eyes of a Beginner; Label: 2013 Thomas Marland; Interpret: Thomas Marland; Komponist: Thomas Marland; ZEIT: 00:16</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Der Weg zur Schule unterscheidet sich nach der Beobachtung von Rudolf Egger deutlich vom Heimweg, vor allem, was die emotionale Verfassung der Schülerinnen und Schüler angeht: </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>14. ZUSPIELUNG Egger </p>
<p>Der Weg von der Schule nach Hause dauert in der Regel ungefähr acht bis zehn Minuten länger, weil sie langsamer gehen, nicht so zielbezogen gehen, vielleicht einmal einen Umweg auch noch machen und Möglichkeiten finden, quasi diesen Ballast der Schule auch abzulagern. Weil Schule ist - da darf man sich auch nichts vormachen - ist Druck auch schon für die ganz Kleinen. Schule ist soziales Miteinander, kognitives Lernen, Forderung, und mit dem muss auch umgehen lernen, das Fading-Out von der Schule - auch dafür ist der Schulweg ganz, ganz wichtig. </p>
<p>MUSIK privat Take 016 „Interlude II”; Album: Prince of Persia: The Forgotten Sands; Label: Ubisoft 2010; Interpret: Tom Salta; Komponist: Tom Salta; ZEIT: 00:51</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>In den Weiten der Savanne im Süd-Westen Kenias: Wenn sich der 8-jährige Musega auf den Weg zur Schule macht – die einzige im Umkreis von 20 Kilometern -, hat er einen ständigen Begleiter: Die Angst vor wilden Tieren wie Hyänen, Löwen und Elefanten. </p>
<p>Exotisch anmutende Schulwege wie der von Musega werden gerne in Dokumentationen gezeigt, beobachtet Malte Pfau von der Kindernothilfe, einem der größten christlichen Hilfswerke in Deutschland. Der gelernte Lehrer setzt sich seit Jahren auf der politischen Ebene für Kinderrechte ein. Sein Schwerpunkt-Thema: Das Recht auf Bildung und die Frage, wie man mehr Kindern eine Schulbildung ermöglichen kann.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>15. ZUSPIELUNG Malte Pfau </p>
<p>Dass Kinder mit einer Seilbahn über Schluchten fahren oder mit einem Esel über Gebirgspässe gehen, das ist natürlich auch alles da, aber ich denke immer, das romantisiert das so ein bisschen, das stellt das so dar, als wären das Abenteuer auf dem Weg zur Schule. Und ich glaube, für 99,99 Prozent der Kinder gilt einfach nur, dass die Entfernung die Einschränkung, Gefahren diese Länge des Weges mit sich bringt. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Malte Pfau war für die Kindernothilfe selbst viel in fernen Ländern unterwegs, unter anderem in Indien und mehreren afrikanischen Ländern und hat dort erfahren: Ein großes Hindernis für Kinder und ihr Recht auf Bildung ist die Distanz zur nächsten Schule. Insbesondere in ärmeren, weniger entwickelten Ländern ist der weite, oftmals beschwerliche Weg zur Schule ein großes Problem.</p>
<p>16. ZUSPIELUNG Malte Pfau</p>
<p>Schulwege von einem bis zwei Stunden – also hin und zurück sind es dann eher drei bis vier – sind schon eher die Regel, aber das sind zumindest noch Schulwege, die ja bewältigt werden können. Die weiterführende Schule ist dann ja häufig eher in Oberzentren oder in Städten angesiedelt. Das heißt, wenn Kinder oder Jugendliche dann die Grundschule verlassen und auf eine weiterführende Schule gehen, bedeutet das häufig, dass das Kapitel Schule zu Ende ist, einfach weil gar nicht mehr erreichbar ist, oder aber dass Kinder schon sehr früh das Elternhaus verlassen, um dann in Städten bei Verwandten zu leben oder aber auch teilweise auch allein zu leben, um die weiterführende Schule wahrnehmen zu können. </p>
<p>MUSIK  „The game has changed”; ZEIT: 00:18</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Auch in den Großstädten des globalen Südens machen sich unzählige Kinder jeden Tag auf den Weg zur Schule. Erschwert wird ihnen der Weg dort vor allem durch den Verkehr und die unzureichenden Öffentlichen Verkehrsmittel, sagt Malte Pfau.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>17. ZUSPIELUNG Malte Pfau</p>
<p>Also wenn man sich jetzt solche Millionenstädte wie Addis Abeba anguckt oder Nairobi, Kapstadt, Johannesburg, das sind ja alles Städte, wo wir ja in den Townships oder Slums arbeiten, wo es zwar natürlich häufig auch Schulen gibt, aber auch da ist es ja so, dass Kinder innerhalb dieser Städte wahnsinnige Distanzen zurücklegen, die auch nicht vergleichbar sind mit Leben in der Großstadt bei uns, weil es halt einfach kein öffentliches Transportsystem gibt, was man so nutzen kann oder teilweise Schnellstraßen oder Hindernisse innerhalb einer Stadt darstellen, die bedeuten, dass man kilometerweit erst einmal gehen muss, um überhaupt einen Weg zu finden, um diese fast schon Flüsse ohne Brücken innerhalb der Städte überwinden zu können.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Weltweit sterben täglich 500 Kinder bei Verkehrsunfällen, die meisten von ihnen vermutlich auf ihrem Schulweg. Das heißt, für junge Menschen auf der ganzen Welt ist der Straßenverkehr die Todesursache Nummer eins, noch vor Naturkatastrophen, Kriegen oder Seuchen. Dazu kommt insbesondere für Mädchen in vielen Ländern die Gefahr, auf ihrem Schulweg Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden. </p>
<p>18. ZUSPIELUNG Malte Pfau </p>
<p>Weil Raubüberfälle aber auch sexueller Missbrauch an der Tagesordnung ist, und das weiß ich auch aus dem südafrikanischen Kontext, dass da der Missbrauch von Mädchen massiv steigt, wenn die Ferienzeit vorbei ist, weil Schule und Schulweg für Mädchen einfach grundsätzlich sehr gefährlicher Ort ist, wo Übergriffe tagtäglich leider sind. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Nicht wenige Eltern behalten ihre Kinder auch deshalb lieber zuhause, wo sie dann von jeglicher Schulbildung abgeschnitten sind. </p>
<p>MUSIK privat Take 009 „Realise“; Album: Eyes of a Beginner; Label: 2013 Thomas Marland; Interpret: Thomas Marland; Komponist: Thomas Marland; ZEIT: 00:27</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Aber trotz aller Gefahren, die auf dem Schulweg insbesondere in den Ländern des globalen Südens lauern: Für Kinder weltweit ist der Schulweg nicht nur ein Weg zu einer Bildungsstätte. Er ist auch ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg ins selbständige Leben und bietet die Chance auf eine ganz eigene wertvolle Erfahrung. Davon ist Malte Pfau überzeugt.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>19. ZUSPIELUNG Malte Pfau</p>
<p>Für viele Kinder ist das ja auch nur der einzige unbeobachtete Moment, den sie am Tag haben – die Schule ist wahnsinnig streng, das Elternhaus ist wahnsinnig streng. Im Elternhaus sind die auch voll eingebunden. Das ist ja nicht so, dass sie da irgendwie ihr eigenes Zimmer haben, sondern auch häufig ist das irgendeine Lehmhütte, wo man irgendwie zu acht in einem Raum wohnt. Das heißt, dieser Schulweg ist ja für die so der einzige Moment am Tag, wo sie vielleicht auch für sich mal mit anderen Kindern Quatsch machen können oder so ein bisschen, ja, Kind sein können. </p>
<p>MUSIK privat Take 009 „Realise“; Album: Eyes of a Beginner; Label: 2013 Thomas Marland; Interpret: Thomas Marland; Komponist: Thomas Marland; ZEIT: 00:47</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Kind sein, Quatsch machen, ein kleines Stückchen Freiheit genießen zwischen Schule und Elternhaus – das haben wohl die meisten Schulwege dieser Welt gemeinsam, auch wenn sie sonst sehr verschieden sind. Und auch die beiden älteren Damen Frieda Specker und Waldtraud Fischer sind sich einig: </p>
<p>20. ZUSPIELUNG</p>
<p>Es war schön, es war lustig, ich möchte‘s nicht missen.</p>

<p>Ein Kind braucht den Kontakt mit anderen Kindern, kann über Lehrer schimpfen und, ja, kann einfach sich ausdrücken lernen. Und das finde ich sehr wichtig.</p>
<br/>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Karnivoren - Wie Pflanzen zu Fleischfressern wurden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/karnivoren-wie-pflanzen-zu-fleischfressern-wurden/2110111</link>
      <pubDate>Fri, 05 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c7887271-2363-4b82-8e4b-11043734a15f</guid>
      <description>Für Charles Darwin waren sie die &quot;schönsten Pflanzen der Welt&quot;: Pflanzen, die mit raffinierten Fallen Insekten fangen. Karnivoren haben ihre ökologische Nische in nährstoffarmen Umgebungen gefunden. (BR 2025) </description>
      <enclosure length="20735616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2110111/c/feed/karnivoren-wie-pflanzen-zu-fleischfressern-wurden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Bretzel, Julius</itunes:author>
      <itunes:summary>Für Charles Darwin waren sie die &quot;schönsten Pflanzen der Welt&quot;: Pflanzen, die mit raffinierten Fallen Insekten fangen. Karnivoren haben ihre ökologische Nische in nährstoffarmen Umgebungen gefunden. (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f0455910-5b4c-4ced-a015-9ff8802128a4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Für Charles Darwin waren sie die "schönsten Pflanzen der Welt": Pflanzen, die mit raffinierten Fallen Insekten fangen. Karnivoren haben ihre ökologische Nische in nährstoffarmen Umgebungen gefunden. (BR 2025) </p><p><strong>CREDITS:</strong></p>
<p>Autor: Julius Bretzel</p>
<p>Regie: Irene Schuck</p>
<p>Sprecher:innen: Christian Baumann, Peter Veit </p>
<p>Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><br/></p>
<p><strong> Im Interview:</strong></p>
<p><strong></strong><strong>Christine BERNHAUSER (Fachgärtnerin im Botanischer Garten München-Nymphenburg)</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>Ines KREUZER (Biologin am Lehrstuhl für molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik der Uni Würzburg)</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/mit-tieren-sprechen">Mit Tieren sprechen – Verständigung von Mensch und Tier auf Augenhöhe</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/mit-tieren-sprechen"></a></strong></p>
<p>Warum verstehen sich Mensch und Tier, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen? Natalie Putsche erfährt einiges über die Kommunikation von Vögeln, Kühen, Wölfen, Pferden, Füchsen, Katzen und Schweinen und erlebt ganz besondere Freundschaften.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<p><strong>Botanischer Garten München-Nymphenburg</strong></p>
<p><a href="https://botmuc.snsb.de/">https://botmuc.snsb.de</a></p>
<p><strong>Biozentrum der Universität Würzburg</strong></p>
<p><a href="https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de/">https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de</a> </p>
<p> </p>
<p>Unsere Podcast-Tipps:</p>
<p></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/koennen-pflanzen-fuehlen-und-denken-alles-natur/32725">Können Pflanzen fühlen und denken? - Alles Natur</a></strong></p>
<p>Können Pflanzen fühlen und denken? Je detaillierter Pflanzen untersucht werden, desto mehr Hinweise gibt es auf Intelligenz und Sensibilität. Pflanzen kommunizieren untereinander und rufen bei einem Angriff sogar „um Hilfe“. Das hört ihr hier bei Radiowissen:</p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/koennen-pflanzen-fuehlen-und-denken-alles-natur/32725">https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/koennen-pflanzen-fuehlen-und-denken-alles-natur/32725</a></p>

<p><strong> </strong></p>
<p>Literatur-Tipps: <em></em></p>
<p>-       Thomas Carow: „Karnivoren. Die Welt der fleischfressenden Pflanzen“ – gibt einen guten Überblick über Vielfalt der karnivoren Arten und ihrer Lebensweisen, veranschaulicht mit sensationellen Bildern.</p>
<p> </p>
<p>-       Wilhelm Barthlott et al.: „Karnivoren - Biologie und Kultur Fleischfressender Pflanzen“ – neben der Beschreibung zahlreicher Arten sind auch Aufzucht und Pflege der Pflanzen Thema des Buches </p>
<p> </p>
<p>-       Charles Darwin: „Insectivorous plants“ (1875) - Darwins wegweisende Untersuchungen zu Karnivoren sind als Digitalisat frei im Internet lesbar: <a href="https://darwin-online.org.uk/content/frameset?itemID=F1217&amp;viewtype=side&amp;pageseq=1">https://darwin-online.org.uk/content/frameset?itemID=F1217&amp;viewtype=side&amp;pageseq=1</a> </p>
<p> </p>
<p>-       Rainer Hedrich et al.: „On the Origin of Carnivory: Molecular Physiology and Evolution of Plants on an Animal Diet“ (2021) – Dieses Paper aus dem Forscherteam der Universität Würzburg gibt einen detaillierten Einblick in die Evolutionsbiologie von Karnivoren: <a href="https://www.annualreviews.org/content/journals/10.1146/annurev-arplant-080620-010429">https://www.annualreviews.org/content/journals/10.1146/annurev-arplant-080620-010429</a></p>


<p><br/><br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manusrkripte-kanivoren-pflanzen-zu-fleischfressern-botanik-insekt-evolution-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Durch Lüftungsgitter dringen Insekten ins Innere des Glaspavillons. Ob sie wieder herauskommen, ist fraglich. Denn das Gewächshaus im Botanischen Garten in München ist eines von mehreren, die mit einer Fülle an fleischfressenden Pflanzen, sogenannten Karnivoren, bepflanzt sind.  </p>

<p>OT 01 BERNHAUSER Drosera Südafrika</p>
<p>Hier finden wir die Drosera, die ist eigentlich eine der größten Gruppen der Karnivoren. Und hier sehen wir einige Drosera, also Sonnentau, aus Südafrika.</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Unterschiedlich große Pflanzen mit roten, glänzenden Blättern wachsen im Gewächshaus. Hausherrin über die Karnivorenhäuser ist Christine Bernhauser. Seit 15 Jahren kümmert sich die Gärtnerin im Botanischen Garten München-Nymphenburg um die fleischfressenden Pflanzen. Und die sind im Sommer ein wahrer Publikumsmagnet.</p>

<p>OT 03 BERNHAUSER zwei Fragen</p>
<p>Also zum einen werde ich ganz, ganz oft gefragt, muss man die füttern? Da kann ich immer sagen, nee, die kümmern sich da selber, zum Glück, weil wenn ich das auch noch machen müsste, dann wäre ich ziemlich beschäftigt. Und das andere eben: Ist es gefährlich, wenn ich dahin lang, wird mir da der Finger abgebissen oder so? Und das passiert natürlich nicht. </p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Im Botanischen Garten in München leben Karnivoren aus aller Welt, auf ihrem Speiseplan stehen: Insekten. Christine Bernhauser hat sie in den gläsernen Pavillons nach Herkunftsländern geordnet. In Form, Farbe und Fallentyp unterscheiden sich die fleischfressenden Pflanzen je nach Art stark. Manche wachsen als Schläuche wie U-Boot-Periskope nach oben, andere locken die Beute mit kleinen klebrigen Blättern in Bodennähe.</p>

<p>OT 04 Bernhauser drüben Dionaea</p>
<p>Und hier drüben haben wir die berühmteste fleischfressende Pflanze, die Dionaea muscipula. Das ist die Venusfliegenfalle, die schon so mancher in der Kindheit mit mehr oder weniger Erfolg kultiviert hat.</p>

<p>Musik 2</p>
<p>&quot;Massive Particles&quot; - Komponist und Ausführender: Thomas Strønen - Album: Pohlitz Länge: 0&#39;52</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Die Blätter der Venusfliegenfalle ähneln einem zahnbesetzten Kiefer. Sie sind zu tiefroten Klappfallen entwickelt, die mit Nektar Insekten anlocken und in Bruchteilen einer Sekunde zuklappen können, um die gefangene Beute anschließend zu verdauen. Ihr ursprünglicher, natürlicher Lebensraum beschränkt sich auf ein relativ kleines Gebiet im Osten der USA. Gleichermaßen warm, feucht und gemäßigt muss es sein, der Boden soll sauer sein und darf nur wenige Nährstoffe haben. Bedingungen, die an den Küsten und auf den Sandhügeln von North und South Carolina herrschen, in Mooren und Sümpfen. </p>

<p>ZITATOR (DARWIN):</p>
<p>Diese Pflanze, die wegen der Schnelligkeit und Kraft ihrer Bewegungen allgemein Venusfliegenfalle genannt wird, ist eine der wunderbarsten der Welt.</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>schreibt der berühmte britische Naturforscher und Evolutionstheoretiker Charles Darwin in seinem Buch „Insectivorous Plants“ von 1875. Knapp hundert Jahre zuvor war die Venusfliegenfalle erst von einem Londoner Kaffeehändler und Hobby-Naturforscher entdeckt worden. Seine Berichte über fleischfressende Pflanzen waren ungläubig von der damaligen Wissenschaftswelt abgetan worden. Doch Darwin war fasziniert – und auf der Suche nach weiteren Belegen für seine ebenfalls heiß diskutierte Evolutionstheorie. Die Karnivoren könnten ihm dabei helfen, hatte er angenommen. Sensibilisiert für diese sonderbaren Gewächse, fand Darwins erste persönliche Begegnung mit einer fleischfressenden Pflanze direkt vor seiner Haustür statt.</p>

<p>Musik 3</p>
<p>&quot;Massive Particles&quot; - Komponist und Ausführender: Thomas Strønen - Album: Pohlitz - 0&#39;21</p>

<p>ZITATOR (DARWIN):</p>
<p>Im Sommer 1860 war ich überrascht, wie viele Insekten sich an den Blättern des Gemeinen Sonnentaus in einer Heide in Sussex verfangen hatten. Ich hatte gehört, dass Insekten auf diese Weise gefangen werden, wusste aber nichts weiter darüber.</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Nach seiner Begegnung mit Drosera (Betonung erste Silbe) rotundifolia beschrieb und untersuchte Darwin die Pflanzen und ihre charakteristischen Klebfallen genauer. Darwin ist damit ein Pionier der Karnivorenforschung:</p>

<p>Musik 4</p>
<p>&quot;Massive Particles&quot; - Komponist und Ausführender: Thomas Strønen - Album: Pohlitz - Länge:</p>

<p>ZITATOR (DARWIN):</p>
<p>Die gesamte Oberseite ist mit drüsentragenden Fäden oder Tentakeln, wie ich sie aufgrund ihrer Wirkungsweise nennen werde, bedeckt. (…) Die Drüsen sind jeweils von großen Tropfen eines äußerst zähflüssigen Sekrets umgeben, die in der Sonne glitzern und der Pflanze den poetischen Namen „Sonnentau“ eingebracht haben.</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Insekten werden von den unzähligen Tropfen betört und gehen dem Sonnentau buchstäblich auf den Leim. Die Blätter rollen sich anschließend um die Beute und verdauen sie mit einem Sekret. Darwin untersuchte, was passiert, wenn er etwa kleine Fleischstückchen, aber auch Papier, Holzkohle oder verschiedene Salze auf die klebrigen Tropfen legt. Wann produziert die Pflanze Verdauungssekret? Wann reagiert sie mit einer Bewegung der Blätter? </p>

<p>Musik 5</p>
<p>&quot;Massive Particles&quot; - Komponist und Ausführender: Thomas Strønen - Album: Pohlitz - 0&#39;11</p>

<p>ZITATOR (DARWIN):</p>
<p>In vier Fällen bewirkten kleine Partikel rohen Fleisches eine starke Beugung der Tentakel binnen fünf bis sechs Minuten. Ein anderer Tentakel änderte seine Position deutlich, wenn auch nur geringfügig, binnen 10 Sekunden.</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Mit seiner Veröffentlichung „Insectivorous Plants“, die damals von vielen Menschen gelesen wurde, rückte Darwin die fleischfressenden Pflanzen nicht nur erstmals ins Blickfeld der Forschung und der breiten Öffentlichkeit. Sondern sorgte vor allem für eine Erkenntnis, die damals radikal war: Auch Pflanzen können Beute fangen; das passte nicht in eine Weltordnung, in der Pflanzen passive Geschöpfe sein sollten. Darwins Arbeit veränderte so die Sicht der Menschen auf Pflanzen und deren Anpassungsfähigkeiten – bis heute.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Wiener Narrenturm - Die erste &quot;Irrenanstalt&quot; der Welt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-wiener-narrenturm-die-erste-irrenanstalt-der-welt/2109209</link>
      <pubDate>Thu, 04 Sep 2025 17:51:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">719f9a96-00f1-4a28-a181-6f8fcc4bee96</guid>
      <description>Wien, die alte Kaiserstadt an der Donau, ist ein lebendiges Freilichtmuse-um. Neben Hofburg, Oper und Burgtheater steht hier der sogenannte Narrenturm. Dieses eindrucksvolle Bauwerk ist ein kreisrunder, fünfge-schossiger Turm mit meterdicken Mauern. 1784 unter Kaiser Joseph II. erbaut, beherbergte es einst das weltweit erste psychiatrische Kranken-haus - lange bevor Sigmund Freud praktizierte. Autor: Michael Marek  </description>
      <enclosure length="21318144" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109209/c/feed/der-wiener-narrenturm-die-erste-irrenanstalt-der-welt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Marek, Michael</itunes:author>
      <itunes:summary>Wien, die alte Kaiserstadt an der Donau, ist ein lebendiges Freilichtmuse-um. Neben Hofburg, Oper und Burgtheater steht hier der sogenannte Narrenturm. Dieses eindrucksvolle Bauwerk ist ein kreisrunder, fünfge-schossiger Turm mit meterdicken Mauern. 1784 unter Kaiser Joseph II. erbaut, beherbergte es einst das weltweit erste psychiatrische Kranken-haus - lange bevor Sigmund Freud praktizierte. Autor: Michael Marek  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7da4f2c3-eda4-4cb9-8c9d-8f2cdfe9cad7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wien, die alte Kaiserstadt an der Donau, ist ein lebendiges Freilichtmuse-um. Neben Hofburg, Oper und Burgtheater steht hier der sogenannte Narrenturm. Dieses eindrucksvolle Bauwerk ist ein kreisrunder, fünfge-schossiger Turm mit meterdicken Mauern. 1784 unter Kaiser Joseph II. erbaut, beherbergte es einst das weltweit erste psychiatrische Kranken-haus - lange bevor Sigmund Freud praktizierte. Autor: Michael Marek  </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Michael Marek<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Christiane Roßbach, Peter Veit <br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>

<p><br/></p>
<p><strong>Lesetipp:</strong></p>

<p>Daniel Vitecek: Der Wiener Narrenturm. Die Geschichte der niederösterreichischen Psychiatrie von 1784 bis 1870. Springer Verlag 2023.</p>
<p> </p>
<p>Den Narrenturm in der Spitalgasse 2 in Wien kann man auch besichtigen, alle Infos gibt’s auf der Webseite: <a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.nhm-wien.ac.at/narrenturm/fuehrungen">[LINK]</a><br/> </p>
<p><br/></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-wiener-narrenturm-erste-irrenanstalt-der-welt-panoptikum-freud-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Unterwegs im neunten Wiener Gemeindebezirk, weit abseits des touristischen Altstadttrubels im Dreivierteltakt. </p>
<p> </p>
<p>MUSIK 2 (C5106800115 Meredith Monk – Dark / Light 2 0’41)</p>
<p> </p>
<p>Dort erhebt sich ein beeindruckendes Bauwerk: ein kreisrunder, fünfgeschossiger Turm mit meterdicken Mauern. 1784 unter Kaiser Joseph II. erbaut, war hier einst das weltweit erste psychiatrische Krankenhaus untergebracht. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZSP 1: Eduard Winter </strong></p>
<p>&quot;Ursprünglich war es die K. u. K.-Irrenanstalt zu Wien, und dann hieß es relativ bald der Irrenturm. Der Irrenturm ist relativ früh verbürgt, und aus diesem Irrenturm wurde irgendwann der Narrenturm auch schon relativ früh. Man findet das schon im 19. Jahrhundert, den Begriff Narrenturm.&quot; </p>
<p> </p>
<p><strong>ATMO Narrenturm</strong></p>
<p> </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Eduard Winter ist Leiter des größten pathologischen Museums in der Alpenrepublik, das seit 1971 im Narrenturm untergebracht ist. Er führt durch den ungewöhnlichen Bau, ein mächtiges klassizistisches Monument. Ein leicht modriger Geruch liegt in der Luft:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZSP 2: Eduard Winter</strong></p>
<p>&quot;Der Narrenturm besteht eigentlich aus zwei Gebäuden im Endeffekt. Wir haben einen Rundbau, das ist auch das, was man von außen sieht. Das war der Patienten Teil, indem die Patienten untergebracht waren. Und in der Mitte drinnen, im Innenhof, ist die sogenannte Sehne, die teilt den Hof in zwei Höfe, und das war der Wärtertrakt und auch die Untersuchungszimmer und Verwaltungsgebäude. Da haben auch die Ärzte ihre Untersuchungszimmer gehabt.&quot;</p>
<p> </p>
<p>MUSIK 3 (C5106800115 Meredith Monk – Dark / Light 2 0’33)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Was sofort auffällt: Von außen wirkt der Rundturm durch seine Form ungewöhnlich modern. Gleichzeitig erscheint er wie ein Gefängnis, wie eine fast uneinnehmbare Burg:</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZSP 3: Eduard Winter</strong></p>
<p>&quot;Der Narrenturm selber hat fünf Stockwerke … und in diesen fünf Stockwerken gibt es pro Stockwerk 28 Zimmer für die Patienten, die ungefähr elf Quadratmeter groß sind. Jedes Stockwerk war eine eigene Abteilung.&quot; </p>
<p> </p>
<p><strong>ATMO Narrenturm</strong></p>

<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Der Narrenturm war zur Behandlung psychisch kranker Menschen gedacht, die aus allen gesellschaftlichen Schichten kamen – und mit den unterschiedlichsten psychischen und psychosomatischen Symptomen, so Daniel Vitecek. Der Wiener Humanmediziner hat sich intensiv mit der Geschichte des Narrenturms beschäftigt. Dabei zeigte sich in seinen Forschungen, dass sich auch die Geschlechterverhältnisse in den medizinischen Diagnosen widerspiegelten:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZSP 4: Daniel Vitecek</strong></p>
<p>&quot;Etwa 53 Prozent aller Patienten waren männlich. Es dürfte einige Stresssoren in der damaligen Zeit gegeben haben, die Männer überproportional belastet haben im Vergleich zu Frauen. Biologisch war das vor allem die Geschlechtskrankheit Syphilis, die einige Jahre nach der Ansteckung bei Männern überwiegend häufig zu neuropsychiatrischen Symptomen und auch oft dann später zum Tod geführt hat. Sozial war das vor allem der Alkoholismus. Das Alkoholdelir war zu 85 Prozent eine männliche Diagnose. Durch diese zwei Stresssoren ist wahrscheinlich auch zu erklären, dass anteilsmäßig mehr Männer in der Wiener Irrenanstalt starben als Frauen. Aber auch bei Frauen gab es geschlechtsspezifische Diagnosen. Das sind zum Beispiel die Puerperalmanien gewesen, also die psychischen Erkrankungen, die rund um die Geburt auftraten, vergleichbar mit dem heutigen postpartalen Depressionen oder postpartalen Psychosen. Und auch die Melancholie, also die Vorläuferdiagnose der heutigen Depression, war überwiegend weiblich geprägt.&quot; </p>
<p> </p>
<p><strong>ATMO Narrenturm</strong></p>
<p><strong>MUSIK 4 </strong>(C1437960003 Meredith Monk – Little Breath 0’21)</p>
<p> </p>
<p><strong>ZSP 5 Eduard Winter</strong></p>
<p>&quot;Wir befinden uns … in so einer ehemaligen Zelle, die jetzt wieder hergerichtet ist im Originalzustand, mit Originalfenstergröße und ähnlichem. Und in der Mitte gab es eben für die Wärter eine Wohnung jeweils und eine Küche. Jedes Stockwerk war eine eigene Abteilung, und da wurde für jede Abteilung in diesen Wärtertrakt gekocht.&quot; </p>
<p> </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Meist war es die Frau des Wärters, die für Patienten und Personal das Essen zubereitete. Tagsüber gab es zusätzliches Pflegepersonal und einen Arzt für die medizinische Versorgung. Alle Zellen besitzen –für die damalige Zeit ungewöhnlich - Tageslicht. Bis heute ranken sich um den Narrenturm wilde Spekulationen, sagt Museumsleiter Eduard Winter. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK 5 </strong>(CD402720W01 (103) W.A.Mozart - Divertimento B-Dur (Netherland Wind Ensemble) 0’46)</p>
<p> </p>
<p>So soll sich Kaiser Joseph II. auf die Spitze des Turms ein achteckiges Zimmer habe bauen lassen, in dem er sich regelmäßig aufhielt. Dieses Zimmer existiert jedoch nicht mehr. Eine Sternwarte soll dort gewesen sein - und ein Logenort der Freimaurer, zu denen der Kaiser ein enges Verhältnis besaß:</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZSP 6 Eduard Winter</strong></p>
<p>&quot;Josef II. war durchaus schon ein aufgeklärter Herrscher, aber erst zum Übergang, am Anfang der Aufklärung, der schon gute Ansätze hatte, aber trotzdem noch in diesem Absolutismus verhaftet war. Also, er bestimmt, und er gibt vor. Aber er hat seine Berater gehabt, aber im Endeffekt, zum Schluss entscheidet er selbst allein, um eben Irre, oder Geisteskranke einerseits von der Straße wegzubekommen, andererseits durchaus sie zu behandeln. Das war schon die Intention, die irgendwie wieder in die Gesellschaft zu integrieren - wenn möglich; wenn nicht: dann halt wegsperren. Das war der Plan.&quot; </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK 6 </strong>(C1437960011 Meredith Monk – Slow Dissolve 0’42)</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin: </strong></p>
<p>Kaiser Joseph II. schrieb dazu im Jahr 1781:</p>
<p> </p>
<p>Zitator:</p>
<p>Unter jenen, die Schaden oder Ekel verursachen, verstehe Ich Wahnwitzige und mit Krebsen oder solchen Schäden behaftete Personen, welche aus der allgemeinen Gesellschaft, und aus den Augen deren Menschen müssen entfernt werden</p>
<p> </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Die Patientinnen und Patienten lebten in kleinen Zellen mit schweren Holztüren. 28 Räume pro Stockwerk - eine Zahl, die nicht zufällig gewählt wurde. Denn: In etwa 28 Tagen umkreist der Mond die Erde.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Nueva Germania - Das gescheiterte „Arier-Experiment“ im Urwald</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nueva-germania-das-gescheiterte-arier-experiment-im-urwald/2081679</link>
      <pubDate>Thu, 04 Sep 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">72fd67ff-f0bc-442e-ab44-bb183404cd8b</guid>
      <description>Eine Zuflucht für die &quot;arische Rasse&quot;: Das sollte Nueva Germania sein, als deutsche Auswanderer den Ort 1886 in Paraguay gründen. Das Projekt scheitert nach wenigen Jahren. Doch der Ort existiert bis heute. </description>
      <enclosure length="22842624" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2081679/c/feed/nueva-germania-das-gescheiterte-arier-experiment-im-urwald.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Sebastian Kirschner</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine Zuflucht für die &quot;arische Rasse&quot;: Das sollte Nueva Germania sein, als deutsche Auswanderer den Ort 1886 in Paraguay gründen. Das Projekt scheitert nach wenigen Jahren. Doch der Ort existiert bis heute. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/53d79d26-ec28-4b05-a719-302999abaed3.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine Zuflucht für die "arische Rasse": Das sollte Nueva Germania sein, als deutsche Auswanderer den Ort 1886 in Paraguay gründen. Das Projekt scheitert nach wenigen Jahren. Doch der Ort existiert bis heute. </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Sebastian Kirschner<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Stefan Merki, Christopher Mann, Rahel Comtesse, Hemma Michel<br/> Technik: Ursula Kirstein<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Natascha Mehler, Archäologin (Universität Tübingen);<br/>Attila Dészi, Archäologe (Universität Tübingen);<br/>Klaus Neumann, geboren und aufgewachsen in Nueva Germania;<br/>Dr. Daniela Kraus, Historikerin und Journalistin (Wien);<br/>Ruth Alison Benitez, Cheftechnikerin der Abteilung für Archäologie des Nationalen Kultursekretariats in Paraguay</p>

<p> <strong>Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Bayern zwischen den Kriegen - Von der Boheme zu Barbarei<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/bayern-zwischen-den-kriegen-von-der-boheme-zu-barbarei/bayern-2/93558002/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong></p>
<p>Ben Macintyre: „Vergessenes Vaterland. Auf den Spuren der Elisabeth Nietzsche“. Reclam Leipzig 1994.</p>

<p>Daniela Kraus: „Bernhard und Elisabeth Försters Nueva Germania in Paraguay. Eine antisemitische Utopie“. Doktorarbeit. Universität Wien, 1999.</p>
<p>Julius Klingbeil: „Enthüllungen über die Dr. Bernhard Förster&#39;sche Ansiedelung Neu-Germanien in Paraguay“. Leipzig 1889 (antiquarisch).</p>
<p>Elisabeth Förster-Nietzsche: „Dr. Bernhard Försters Kolonie Neu-Germania in Paraguay“. Berlin 1891 (antiquarisch).</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>ATMO Plaza früh</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein abgelegener Ort in den Weiten Südamerikas. Es ist nur wenig los auf den Straßen. Vereinzelt ziehen Rinder über die Wege, rot leuchtet der sandige Boden. Schon um neun Uhr morgens brennt die Sonne vom Himmel über Paraguay. Ein Tag wie jeder andere für Don Alfonso – wäre da nicht die Ausgrabung auf seinem Grundstück. Kritisch blickt er jeden Tag hinüber zu den Archäologen. Die Forscher wissen, er will das Ganze endlich hinter sich haben. Es geht ihm nicht nur um sein Gemüse, das dort wächst. Es ist die Vergangenheit, die dem Ort mit dem eigentümlichen Namen zu schaffen macht: Nueva Germania [sprich: Nueva Chermania]. Seine Bewohner wollen nicht länger als Nazis gelten, nur weil etliche von ihnen deutsche Vorfahren haben. Der 72-jährige Klaus Neumann etwa.</p>
<p>ZUSP_01 </p>
<p>Uns, die hier geboren sind, von deutscher Abstammung, es wird uns immer wieder gefragt über Nazis. Ich habe als Kind nie, nie eine Hakenkreuzfahne gesehen. Ich glaube, ich bin nicht der einzige aus Nueva Germania. Meiner Ansicht nach ist es gewissermaßen ungerecht.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Einst gedacht als Zuflucht für eine sogenannte Arische Rasse, hat Nueva Germania den Menschen dort den Ruf von Urwaldgermanen eingebracht. Verschlägt es Besucher hierher, dann oft genau deshalb. Und auch weil es irgendwie kurios ist, so abgelegen auf deutsche Sprache zu stoßen, in einem Land, wo sonst ohne Spanisch rein gar nichts geht. Und nun sind auch noch Archäologen da und spüren dieser Vergangenheit nach.</p>
<p>TRENNER (ab hier Musik düster)</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Nueva Germania 1886, also lange bevor es in Deutschland Nationalsozialisten gab: In diesem Jahr gründet Bernhard Förster die sehr spezielle Siedlung gründet. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth Förster-Nietzsche, der Schwester von Philosoph Friedrich Nietzsche. In einer zeitgenössischen Werbeschrift lässt das Ehepaar wissen:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Wir werden eine arische Herrenrasse züchten, hier in den Wäldern Südamerikas. Unser Neu-Germanien wird ewig dauern.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Schon drei Jahre zuvor hat der glühende Antisemit Förster dafür Paraguay erkundet. Dass er nach einer passenden Gegend für ihre Pläne sucht, hatte man sogar in England registriert. Im Februar 1883 heißt es in der Zeitung „The Times“:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Herr Doktor Förster, einer der Anführer der antisemitischen Bewegung in Deutschland, schüttelte den Staub eines undankbaren Landes von seinen Füßen und verließ mit einer kleinen, aber ergebenen Gruppe von Anhängern Berlin, um sich nach Paraguay einzuschiffen, wo sie ein „neues Deutschland“ gründen wollen, unbeschmutzt von irgendwelchen Nachkommen Abrahams.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die österreichische Historikerin und Journalistin Daniela Kraus hat sich intensiv mit Nueva Germania und ihren Gründern beschäftigt. Die Wurzeln für Försters krude Ideen sieht sie in seiner Biographie:</p>
<p>ZUSP_02</p>
<p>Bernhard Förster war ein Gymnasiallehrer, der sich zunehmend radikalisiert hat und hat handgreifliche Streitigkeiten angefangen auch gegen jüdische Mitbürger, was dazu geführt hat, dass er seinen Schuldienst quittieren musste. Das heißt, der war ein bisschen eine gescheiterte Existenz. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Gleichzeitig kennt und verehrt Förster den Komponisten Richard Wagner – und lernt so auch seine spätere Frau Elisabeth Nietzsche kennen. Die war über ihren innig geliebten Bruder Friedrich, einen engen Freund des Komponisten, in den Kreis der Wagners gerückt:</p>
<p>ZUSP_03</p>
<p>Elisabeth führte ihrem Bruder den Haushalt und ging mit ihm mit, hat den Wagners in Bayreuth eine Zeit lang den Haushalt geführt und hat damit einen gewissen gesellschaftlichen Aufstieg durchgemacht. Und dann begegnet sie diesem ein bisschen versponnenen Bernhard Förster, der mit seinen Ideen und seinen Idealen ihr offensichtlich gefallen hat. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ideen, die sich auch aus antisemitischen Gedanken von Wagner speisen. Etwa, dass man das reine Deutschland eigentlich nur irgendwo im Urwald wieder herstellen könne. Förster nimmt das wörtlich: Er und seine Frau locken mit der Aussicht auf paradiesische Zustände in Paraguay.  In den Bayreuther Blättern schreibt Elisabeth:</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Dann sitzen wir im Garten; vor dem Haus und blicken ins Weite. Wiesen von der Abendsonne röthlich vergoldet an beiden Seiten des Flüsschen, von brüllenden Rinderheerden durchzogen, welche zögernd der Viehhürde zuschreiten. Welch friedliches, glückliches Bild bietet das Ganze dar, nichts Fremdartiges, nein, alles deutsch und heimathlich! </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Diese Aussichten fallen in Deutschland auf fruchtbaren Boden. </p>
<p>ZUSP_04</p>
<p>Es gab 1873 den Börsenkrach, es gab Leute, die insgesamt mit der politischen und sozialen Situation unzufrieden waren. Leute, die verarmt waren, die keine ökonomischen Perspektiven in Deutschland sahen und die sich dazu verleiten ließen, Scharlatanen zu glauben, die ihnen dann ein besseres Leben andernorts versprachen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dass das ausgerechnet in Paraguay warten sollte, hatte seinen Grund. Das Land hatte gerade sechs Jahre blutige Kämpfe gegen seine Nachbarn Argentinien, Brasilien und Uruguay hinter sich und stand vor einem Desaster. Paraguay hatte den sogenannten Triple-Allianz-Krieg verloren, und im Zuge dessen mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung. </p>
<p>ZUSP_05</p>
<p>Danach war die Idee, man braucht wieder Leute, man braucht Einwanderer. Deswegen hat Paraguay sehr stark gefördert, die Einwanderung einerseits durch Anwerbungen in Europa und sehr stark auch in Deutschland. und andererseits auch durch den Verkauf von günstigem Land und verschiedene steuerliche Begünstigungen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Werbung wirkt. Auch deshalb können die Försters schließlich rund 200 deutsche Auswanderer für ihre antisemitischen Kolonialträume mobilisieren. </p>
<p>ZUSP_06</p>
<p>Das waren schon Leute, die diese Ideologie zumindest sympathisch fanden, die auch Aussteiger waren, die Arbeiter waren und Arbeitsplätze verloren haben durch die Industrialisierung. Und die gesagt haben, wir müssen ein neues Leben führen, dass man zurück zum Ursprung muss. Dieser Ursprung impliziert eine völkische Reinheit. Diese Mischung dürfte auf manche Leute sehr attraktiv gewirkt haben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Problem: Keiner von ihnen kennt sich damit aus, eine solche Kolonie aufzubauen. Kaum einer versteht etwas von Landwirtschaft. Schnell holt die Kolonisten die Realität ein. Ihr neues Zuhause Nueva Germania entpuppt sich als ein von tropischen Krankheiten und Hunger geplagtes Dorf, beschwerliche acht Tagesreisen mit dem Boot flussaufwärts von Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay.</p>
<p>ZUSP_07</p>
<p>Dort war im Prinzip Urwald. Das heißt, die mussten dort wirklich das Land urbar machen, die ganze Infrastruktur herstellen. Es war das Klima nicht gut. Es waren wahnsinnig viele Moskitos. Es gab Sandflöhe, es gab Ungeziefer, das die Ernten zerstört hat. Es gab nicht ausreichend sauberes Trinkwasser. Das heißt, die Leute wurden relativ schnell krank. Es war wahnsinnig schwierig.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Den Försters fällt es zunehmend schwerer, die desaströsen Zustände in Nueva Germania zu verheimlichen – vor neuen Interessenten und ebenso vor Geldgebern. Einer ihrer lautesten Kritiker ist Julius Klingbeil, der 1888 selbst als Auswanderer nach Nueva Germania gekommen ist. Ein Jahr später macht er seinem Ärger über die Zustände vor Ort Luft. Er veröffentlicht ein Buch, das andere warnen soll:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Mögen sich Förster und Genossen noch so sehr abmühen, das Klima Paraguays als ein überaus herrliches zu preisen, jeder redliche Mensch wird mit mir bekennen, dass derartige Behauptungen nur Unwahrheiten und Mittel zum Zwecke sind. Der Doctor Förster führt mit seinen Genossen in Paraguay ein recht bequemes Leben. Seine Arbeit besteht im Nichtsthun, im Abfangen von einwandernden Deutschen in Asuncion und darin, daß er zündende Berichte für Vertrauensselige verfasst.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Folge: Schon nach sieben Jahren, im Jahr 1893, ist das antisemitische Projekt wieder zu Ende: Förster hat längst Selbstmord begangen, seine Frau flieht zurück nach Deutschland. </p>
<p>TRENNER</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Man könnte das Geschichte sein lassen, ein kurzes dunkles Kapitel deutscher Auswanderer. Nur: Der Ort existiert bis heute; und er hadert mit seinen Wurzeln. Ein Ort, wo Menschen wie Don Alfonso die Vergangenheit von Nueva Germania endlich hinter sich lassen wollen. Und wo zugleich die Farben Schwarz-Rot-Gold selbst Mülltonnen und T-Shirts zieren. Warum ist das Dorf damals nicht schnell wieder verschwunden? Ein Ort, dessen kleine Gemeinschaft einst ideologisch darauf basiert hat, sich abzuschotten. Genau das interessiert auch ein Team von Archäologen aus Deutschland, Argentinien und Paraguay. </p>
<p>ZUSP_08</p>
<p>Wieso wandert da jemand im späten 19. Jahrhundert aus nach Paraguay, ohne wirklich da mal gewesen zu sein und ohne wirklich zu wissen, was sie erwartet? Man denkt natürlich immer gleich mal an Überlebensstrategien und Siedlungsbewegungen vor Ort, und das hat mich alles unheimlich fasziniert.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>sagt Projektleiterin Natascha Mehler von der Universität Tübingen. </p>
<p>Bereits 2022 hat sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen dafür anhand alter Pläne die Lage vor Ort sondiert. Ausschau gehalten nach Resten vom angeblich recht herrschaftlichen Hof der Försters:</p>
<p>ZUSP_09</p>
<p>Da gab es in diesem Plan eine klare Fläche, die da eingezeichnet war, und als wir dort vor Ort waren auf diesem großen Grundstück sind wir ihn erst mal abgelaufen. Und haben aber überhaupt nichts davon entdeckt. Und es hat uns doch sehr verwundert, weil die Zeit ist ja noch nicht so weit fortgeschritten zwischen Aufgabe dieses Hofs und heute, also vielleicht 100 Jahre. Und man müsste eigentlich doch noch irgendetwas finden. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eine Senke im Terrain, einen Brunnen, einen Ziegelhaufen vielleicht. Hat das Haus der Försters vielleicht doch auf einer ganz anderen Fläche gestanden? Zum Beispiel im alten Ortskern von Nueva Germania, an der sogenannten Plaza?</p>
<p>ZUSP_10</p>
<p>Die Bewohner von Nueva Germania, die erzählen uns, dass hier der Försterhof war, also die sagen es ganz anders, als auf der Karte eingezeichnet ist. Und da gibt es tatsächlich eine Bauruine, da kann man noch Brunnenreste sehen.</p>
<p>TRENNER</p>
<p>ATMO Ausgrabung + Urwald </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Frühjahr 2023. Pinsel legen rote und weiße Fußbodenfliesen frei. Maurerkellen kratzen an Erdprofilen im roten Boden von Paraguay. Die Archäologen ringen sie seit Wochen mühsam der Vegetation und den Moskitoschwärmen ab. Doch sie müssen sich beeilen. Es ist neun Uhr, und die Sonne drückt. Ab Mittag wird es zu heiß sein – oder plötzlich wie aus Eimern regnen. Es herrscht Regenzeit. Und nicht nur das macht den Forschern zu schaffen:</p>
<p>ZUSP_11</p>
<p>Wir müssen die Grabungsmethode anpassen vor Ort, zum einen an die Vorgaben des Grundstücksbesitzers. Er möchte nicht, dass wir seine Ernte hier gefährden. Dann haben wir keine große Technik dabei, weil das mit dem Zoll sich wirklich zu schwierig gestaltet hätte.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Kein Hightech mit Tachymeter und Laserscan. Stattdessen Ausgraben wie vor Jahrzehnten, mit Nivelliergerät, Maßband und Zeichenblock. Und immer den wachsamen Blick Don Alfonsos im Rücken. Dennoch sind die Wissenschaftler weit gekommen.</p>
<p>ZUSP_12</p>
<p>Wir hatten keine Ahnung, wie groß das wird. Und jetzt stehen wir vor knapp 30 Metern Gebäude mit mehreren Adaptionen und Ergänzungen. Das ist deutlich mehr, als wir erwartet haben von der Größe her.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>sagt Attila Dészi [sprich: Deeschi (sch stimmlos)] von der Universität Tübingen über das, was von dem einstigen Haus noch erhalten ist. Er schwärmt, auch wenn neben ihm ein tiefes Loch in der Erde klafft, das nicht von den Archäologen stammt.</p>
<p>ZUSP_13</p>
<p>Leute denken, dass es hier Gold gäbe, weil einige vermuten, das sei das Haus vom Försterhof gewesen und waren reich natürlich. Entsprechend sieht es aus. Ich weiß nicht, wie groß das ist. Drei Meter?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Haus der Försters? Bislang haben die Archäologen nichts gefunden, was diesen Verdacht weiter erhärtet. Gerade verschafft sich Natascha Mehler einen Überblick über die Fortschritte:</p>
<p>ZUSP_14</p>
<p>Das ist das Haus von einem Herrn Freitag, den wir in den Schriftquellen gut fassen können, der auch eine wichtige Position innehatte hier im Ort. Das sieht man im Prinzip ja auch, dass es ein stattliches Haus ist, mitten an der Plaza. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Georg Freitag kümmert sich damals um die Küche. Er versorgt Neuankömmlinge in ihren ersten Tagen in der Siedlung. Er ist eine der ersten Anlaufstellen für all die, die ihr Glück fortan in Nueva Germania suchen. Genau das macht die Arbeit hier für Attila Deszi so spannend:</p>
<p>ZUSP_15</p>
<p>Wir wissen ja gar nicht, ob alle, die da mitgekommen sind, das Ganze auch ideologisch unterstützt haben oder einfach gesehen haben, einen neuen Anfang auf der anderen Seite der Welt zu starten. </p>
<p>ZUSP_16 </p>
<p>VOICEOVER</p>
<p>Ziel des Projekts ist es, die erste Generation von Menschen aus Deutschland zu verstehen; wie sie sich an den Ort anpassten, die Beziehung zu den Menschen hier in Paraguay</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>sagt Ruth Alison Benitez [Aussprache-wav in Digas]. Sie ist archäologische Cheftechnikerin des Nationalen Kultursekretariats in Paraguay. Wie stark haben sich die ersten Siedler an den Ort, die lokale Bevölkerung angepasst? Wie abgegrenzt, oder das gepflegt, was sie für besonders deutsch hielten? So etwas soll die Ausgrabung zeigen. Doch um die erste Siedlungsphase zu erkennen, braucht es Funde, die diese Zeit bestätigen. Bisher haben die Archäologen fast nur Reste späterer Zeit gefunden: Patronenhülsen, Bonbonfolie, Schuhsohlen aus Kunststoff, ein Bild von Papst Johannes Paul II. Entmutigen lassen sich die Wissenschaftler davon aber nicht. Denn verglichen mit Vorgeschichtsforschern haben sie einen Vorteil: Sie erforschen Zeiten, in denen sie ihre Ausgrabung mit Schriftquellen abgleichen und ergänzen können. Und nicht nur das:</p>
<p>ZUSP_17</p>
<p>Jetzt sind wir im späten 19. Jahrhundert, frühen 20. Jahrhundert. Und da haben wir die Chance, dass wir mit der 3., 4. Generation besprechen können, was hier passiert, und das ist auch ein wichtiger Teil der historischen Archäologie.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Historische Archäologie bezieht Zeitzeugen mit ein. Eine Quelle, von der andere Archäologen in der Regel nur träumen können. Vor einigen Tagen etwa hat eine ältere Dame die Ausgrabung besucht. Sie kannte das einstige Gebäude noch aus ihrer Kindheit, als Georg Freitag hier nicht mehr gewohnt hat, sagt Attila Deszi:</p>
<p>ZUSP_18</p>
<p>Außerhalb ihres Zimmers und des Hauses war ein Gebäude vorgelagert, wo die Tiere geschlachtet worden sind. Und das sei ein Backsteinboden gewesen in diesem Schlachtraum. Und das hat sie sehr verstört, diese Tiere zu hören, wie die geschlachtet werden, direkt neben ihr. Daran hat sie sich sehr, sehr gut erinnert. Auf der anderen Seite vom Haus war das Zimmer von ihrem Vater, da durfte sie nicht rein. Aber sie hat ein paar Mal gesehen, dass der andere Fliesen hatte, nämlich die sechseckigen Fliesen. Und das passt ganz gut zu dem, was wir haben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es sind Details aus dem Alltag, über die die Archäologen sonst nur mutmaßen können. Details, die den Forschern auch helfen, ihre Grabungsflächen gezielter anzulegen. Aber die Arbeit mit Zeitzeugen bringt auch Probleme mit sich. Zum einen sind sie häufig sehr alt, ihre Erinnerung verblasst. Zum anderen müssen sie sich hier einer Vorgeschichte stellen, die ihnen bisweilen den Ruf als Erben von Försters Arier-Fantasien beschert hat, mit Büchern auf denen Hakenkreuze prangen. Etliche der Deutschstämmigen in Nueva Germania reagieren daher freundlich-zurückhaltend. Wollen die Ausgrabung besuchen, und kommen dann doch nie. Einzelne sind aber auch neugierig und erzählen. So der 72-jährige Klaus Neumann: </p>
<p>ZUSP_19</p>
<p>An dieser Plaza gab es früher keine Kirche. Dieses Haus, das war eigentlich das größte Haus hier in einem Stadtplatz und etwas weiter da wohnte die Familie Wolf und daneben die Küchenmeisters. Das waren die Familien hier am Stadtplatz.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Klaus Neumann wohnt nicht mehr im Ort. Er ist aber hier geboren und aufgewachsen. Sein Urgroßvater war einer der ersten Siedler hier. Was er aus seiner Kindheit erzählt, weist darauf hin, dass vielleicht nicht alle, die mit dem Gründer-Ehepaar ausgewandert sind, ihre Ideologie teilten – oder sie zumindest vor Ort weniger wichtig war, als die Försters in Europa glauben machen wollten:</p>
<p>ZUSP_20</p>
<p>Dass es antisemitische Stimmung gab in Nueva Germania ist Blödsinn. Die erste Heirat in Nueva Germania war zwischen Fanny Schubert und Max Stern, und Max war Jude.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein wichtiges Puzzlestück in der Geschichte des Ortes und für das Verhältnis seiner heutigen Einwohner zu ihr. Und vielleicht hilft Klaus Neumanns Erinnerung ja auch, dem Försterhof auf die Spur zu kommen?  </p>
<p>ZUSP_22</p>
<p>Wir wissen ja leider nicht, von wann diese Karte ist und ob das nur ein eine Planskizze ist oder ob das wirklich so jemals gebaut wurde. Und Förster hat hier oben ein großes Grundstück, ein großes Gebäude und hier unten, hier in der Stadt auch noch ein Grundstück. Und wir sind hier, Freitag, wir haben hier die Plaza. Und ich habe mich gewundert, dass jemand wie Doktor Bernhard Förster, wenn er sozusagen Gründer der Kolonie ist, sich nicht ein Haus an der Plaza baut, sondern doch etwas weiter weg. - No, no, ich glaube, dieser Platz ist korrekt. Dieser Brunnen ist unheimlich groß und stabil. Ich habe so einen Brunnen woanders hier nicht gesehen.   </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein neuer Hinweis, der Natascha Mehler noch einmal Hoffnung macht. Doch immer noch fehlen Funde, die die Theorie bestätigen. Schlimmer noch: Auch unabhängig vom Försterhof tun sich die Forscher schwer, die erste Siedlungsphase zu erkennen. Nur eine einzige Verfärbung im Boden, die auf ein älteres Gebäude hinweist. Entsprechendes Fundmaterial? Bisher Fehlanzeige, sagt Attila Deszi:</p>
<p>ZUSP_24</p>
<p>Wir haben sehr, sehr wenig Funde und materielle Kultur von den allerersten Siedlern. Das einzige, was wir bisher hatten, war ein Knopf der Produktionstechnik 1850er bis 1880er und Murmeln.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Murmeln und ein einzelner Knopf. Und das auch noch aus dem Gang einer alten Baumwurzel – zum Datieren unbrauchbar. Graben die Archäologen an der falschen Stelle? Lässt sich der Wandel der Kolonie vielleicht doch nicht archäologisch fassen? Es wird noch bis kurz vor Ende der Ausgrabungen dauern, bis das Team schließlich auf eine weitere markante Struktur im Boden stößt – und eine Glasperle darin eine frühe Siedlungsphase bestätigt. Für Natascha Mehler endlich ein archäologisches Indiz, dass die ersten Siedler früh Kontakt zur lokalen Bevölkerung gesucht haben: </p>
<p>ZUSP_25</p>
<p>Wir können das ganz gut sehen, denke ich in diesem ersten frühen Pfostenbau, den wir ja jetzt noch am Ende der Kampagne entdeckt haben. Diese Pfostenlöcher, die unter dem späteren größeren Haus liegen, das sind die Reste von einer recht einfachen Unterkunft, aber in einer Bauweise konstruiert, die wir von den Guarani kennen. Also die haben ganz schnell eine provisorische Unterkunft gebaut, die im Prinzip den Baustil der Guarani entspricht.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Grund, warum Nueva Germania seine kritische Anfangsphase überlebt hat? Die Forscherin glaubt, weil ideologische Gedanken der Auswanderer pragmatischen Entscheidungen weichen mussten:</p>
<p>ZUSP_26</p>
<p>Die haben sicherlich früh schmerzhaft erfahren, dass das nicht umsetzbar ist, was die sich ursprünglich vorgenommen hatten, sondern dass sie sich ganz schnell auch anpassen mussten an die Gegebenheiten vor Ort.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das heißt: Im Fall von Nueva Germania ist die Ideologie also offenbar gescheitert. Und so wie Ruth Alison einen wesentlichen Teil der Forschungen hier zusammenfasst, sogar ziemlich gründlich:</p>
<p>ZUSP_28</p>
<p>VOICEOVER</p>
<p>Wir haben festgestellt, dass viele Menschen hier in Nueva Germania nichts über diese entfernteren, älteren Aspekte dessen wussten, was wirklich hier war, über die Bedeutung dieser ersten deutschen Gemeinschaft, die hier war, warum sie Nachkommen von Deutschen sind, warum sie diesen Nachnamen haben, woher sie kommen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Gerade deshalb findet Klaus Neumann die Ausgrabung in seinem Heimatort wichtig. Er hofft, dass sie hilft, den Blick auf Nueva Germania und seine Geschichte zu verändern. Auch er ist überzeugt: Ohne gute Kontakte zur lokalen Bevölkerung hätte die Kolonie nie überlebt. Die Archäologen möchten noch tiefer graben. Weiter nach Strukturen und Funden suchen, die zeigen, ob das Arier-Projekt vor Ort überhaupt jemals einer gelebten Wirklichkeit entsprach.</p>
<p>ZUSP_29</p>
<p>Ich hoffe, dass die Arbeit jetzt zumindest auch hier ein bisschen Interesse an dieser eigenen Vergangenheit generiert und nicht nur so eine Ablehnungshaltung, vielleicht auch ne Art von Wertschätzung dazu kommt für die Leute hier vor Ort.</p>
<p>ATMO Ausgrabung und Urwald</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Immerhin: Mit der Zeit kommen mehr Menschen aus dem Ort, wollen sich die Ausgrabung zeigen und erklären lassen. Trotzdem haben die Forscher noch Arbeit vor sich: Don Alfonso, der Grundstücksbesitzer ist nach wie vor froh, wenn er die Grabungsfläche bald umpflügen und mit Gemüse bebauen kann.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kumari - Nepals kindliche Göttin auf Zeit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kumari-nepals-kindliche-goettin-auf-zeit/2096293</link>
      <pubDate>Thu, 04 Sep 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b9e2aaad-131b-48d0-9d2e-efb5dccf6219</guid>
      <description>Kumaris gelten in Nepal als kindliche Göttinnen auf Zeit und sind für eine Vielzahl religiöser Rituale zuständig. Mit dem ersten Tropfen Blut, den sie vergießen, müssen die Mädchen in ihre Familien zurückkehren und versuchen, sich wieder in die Realitäten der nepalesischen Gesellschaft einzufinden. Autorin: Margarete Blümel (BR 2024)</description>
      <enclosure length="20165376" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096293/c/feed/kumari-nepals-kindliche-goettin-auf-zeit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Margarete Blümel</itunes:author>
      <itunes:summary>Kumaris gelten in Nepal als kindliche Göttinnen auf Zeit und sind für eine Vielzahl religiöser Rituale zuständig. Mit dem ersten Tropfen Blut, den sie vergießen, müssen die Mädchen in ihre Familien zurückkehren und versuchen, sich wieder in die Realitäten der nepalesischen Gesellschaft einzufinden. Autorin: Margarete Blümel (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/de0f285f-7fd5-4c5f-8c90-33bed46e61ca.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kumaris gelten in Nepal als kindliche Göttinnen auf Zeit und sind für eine Vielzahl religiöser Rituale zuständig. Mit dem ersten Tropfen Blut, den sie vergießen, müssen die Mädchen in ihre Familien zurückkehren und versuchen, sich wieder in die Realitäten der nepalesischen Gesellschaft einzufinden. Autorin: Margarete Blümel (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Margarete Blümel<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Hemma Michel, Peter Weiß<br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Scott Berry, Lehrer und Autor einer Kumari-Biografie; <br/>Rashmila Shakya, Ex-Kumari; <br/>Prof. Axel Michaels, Indologe und Religionswissenschaftler; <br/>Prof. Horst Brinkhaus, Indologe <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Nepal - Vielfalt der Religionen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nepal-vielfalt-der-religionen/bayern-2/92601278/">HIER</a> </strong></p>
<p><strong>Lebende Götter - Und das Wort ist Fleisch geworden <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/lebende-goetter-und-das-wort-ist-fleisch-geworden/bayern-2/84027038/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong></p>
<p>- Berry, Scott: From Goddess to Mortal: The True Life Story of a Former Kumari. Vajra Publications, Kathmandu 2005. Einfühlsames Porträt der ehemaligen Kumari Rashmila Shakya, die ihre Erfahrungen als Kindgöttin schildert und in den religiösen Kontext ihres Heimatlandes Nepal einordnet.</p>
<p>- A Study of Living Goddess Kumārī: The Source of Cultural Tourism in Nepal by Him Lal Ghimir.</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-nepal-kumari-durga-reinkarnation-kindgoettin-buddhismus-hinduismus-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Auf einem mit Brokat überzogenen Stuhl sitzt ein kleines, sehr ernst blickendes Mädchen, das die Aufgabe hat, sein Land zu beschützen. Bei der nun folgenden, Stunden währenden, Tempelzeremonie wird ein Büffel sein Leben lassen, Trommler werden ihre Klangkörper bearbeiten und Gläubige ihre Köpfe bis zum Boden vor der kindlichen Göttin verneigen. </p>
<p>Musik hoch</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Das Mädchen ist stark geschminkt und in ein bis zu den Knöcheln reichendes Gewand gehüllt, das von Goldfäden durchwirkt ist. Manchmal ist diese Berufsbekleidung der Kumari, Nepals ”kindlicher Göttin”, auch tiefrot. Und: Die Kumari trägt einen mit Diamanten versehenen, in allen Farben schimmernden Kopfputz dazu.</p>
<p>Eines aber ist immer gleich: Die lebende Göttin hat zwar das Gesicht eines Kindes. Doch ihre Würde und Bestimmtheit, die sie an den Tag legt, lassen sie um Jahre älter erscheinen. </p>
<p>Musik mit Atmo 1 Tempelzeremonie verbinden</p>
<p>O-TON 1: EX-KUMARI RASHMILA SHAKYA</p>
<p>At the age of four, I became a Kumari. At the age of twelve, I retired from the Kumari house.</p>
<p>VO-Sprecherin-weiblich:</p>
<p>Ich war vier, als ich zur Kumari erhoben wurde. Und zwölf, als ich wieder ins weltliche Leben zurückkehrte. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Heute ist Rashmila Shakya 37 Jahre alt. Als sie das Kumari-Amt innehatte, war der König noch das Staatsoberhaupt Nepals. Damals kniete der königliche Regent vor der vierjährigen Rashmila nieder, um aus ihrer Hand den sogenannten ‚Tika‘ zu empfangen.</p>
<p>O-TON 2: RASHMILA SHAKYA </p>
<p>It’s become used to for me, because every time the king came to get the bless ...I know that I used to give the Tika to the king. I feel proud. </p>
<p>VO-SPRECHERIN-weiblich: </p>
<p>Ich hatte mich schnell daran gewöhnt, meinen Aufgaben ruhig und besonnen nachzukommen. Auch dann, wenn ich dem König den Tika, das hinduistische Segenszeichen, auf die Stirn tupfte. Bis heute macht mich das immer noch ein wenig stolz. </p>
<p>ATMO 1 Tempelzeremonie </p>
<p>O-TON 3: PROF. HORST BRINKHAUS</p>
<p>Manchmal werden sie mit sechs Jahren erst geweiht oder eingeführt, manchmal auch schon mit zwei Jahren, das ist sehr unterschiedlich. Es ist ja an eine ganze Reihe von Kriterien geknüpft, wer Kumari sein kann. </p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>… sagt der Indologe Professor Horst Brinkhaus. </p>
<p>O-TON 4: PROF. HORST BRINKHAUS</p>
<p>Da werden Tests gemacht und einiges auf die Beine gestellt, um festzustellen, wen hat sich die Göttin Durga - oder Taleju, wie sie in Nepal genannt wird – ausgesucht als Inkarnation? Das gilt es ja herauszufinden. Man macht ja keine Kumari, das ist nicht Menschenwerk, sondern die Göttin ist sozusagen übergegangen in einen Mädchenkörper.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Es gibt mehrere Kumaris in Nepal. Die bedeutendste unter ihnen ist die in Kathmandu lebende ‚Royal Kumari‘.</p>
<p> O-TON 5: PROF. HORST BRINKHAUS</p>
<p>Es wird selten über die weniger bekannten Kumaris berichtet. Berichtet wird fast immer nur über die Royal Kumari in Kathmandu und es gab auch einige Berichte über eine Bhaktapur-Kumari, die nämlich in Amerika war mit elf Jahren - als Kumari noch, wohlgemerkt, nicht erst danach.</p>
<p>MUSIK m03 (Holiya Mela, Traditional Nepal Folk Tunes, K:= Bharat Nepali, 0:34 Min)</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Etwa zehnmal im Jahr verlässt die Royal Kumari den Palast, um religiösen Zeremonien beizuwohnen. Die inzwischen meist als ‚Kathmandu-Kumari‘ bezeichnete lebendige Göttin wird bei diesen Gelegenheiten stets in einer Sänfte befördert, da sie sonst Gefahr liefe, sich zu verunreinigen oder sich zu verletzen, sagt der Indologe und Religionswissenschaftler Professor Axel Michaels: </p>
<p>O-TON 6: PROF. AXEL MICHAELS</p>
<p>Es ist schon etwas schwieriger für die Kathmandu-Kumari, weil die eine so herausragende Stellung hat. Sie gab ja früher dem König den Tika und hat ihn gewissermaßen dadurch legitimiert für ein Jahr. Aber in Bhaktapur etwa ist die Kumari ja ein ganz normales Mädchen, die auch nicht so eine isolierte Stellung hat wie die Kathmandu-Kumari, die ja in einem eigenen Haus wohnt und eigentlich nicht auf die Straße darf. Sie kann nur getragen werden. Die auch nicht mit anderen Kindern einfach so spielen kann. Das gilt aber eigentlich nur für die Kathmandu-Kumari. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Aber selbst hier bestätigen Ausnahmen die Regel, weiß der Lehrer und Autor Scott Berry, der die Biografie der Kathmandu-Kumari Rashmila Shakya geschrieben hat: </p>
<p>O-TON 7: SCOTT BERRY </p>
<p>We had two daughters who were eight and six at the time...  And they got to be friends that way. </p>
<p>VO-SPRECHER-männlich:</p>
<p>Unsere Mädchen waren acht und sechs Jahre alt, als wir nur ein paar Straßen weit entfernt vom Tempelpalast wohnten, in dem die Kumari ihre Wohnstatt hatte. Meine Töchter waren fasziniert davon, dass ganz in ihrer Nähe ein Mädchen lebte, das eine Göttin war. Und sie gingen jeden Tag zu ihrem Haus und saßen im Hof. Eines Tages stand sie oben auf der Treppe und rief: „Ich habe einen Ball. Wollt ihr spielen?“- „Ja“, sagten meine Töchter. Aber natürlich durften sie nicht nach oben gehen, schon allein, weil sie keine Hindus sind. Und sie durfte nicht nach unten kommen. Also blieb sie oben auf der Treppe, und meine Töchter standen unten und warfen den Ball hin und her. So wurden sie zu Freundinnen.</p>
<p>MUSIK m04 (Rato Bhale, Traditional Nepal Folk Tunes , K:= Krishna Gurung, 1:15 Min)</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Diese Erinnerung hat die ehemalige Kathmandu-Kumari Rashmila Shakya in Scott Berrys „From Goddess to Mortal“ preisgegeben. Ebenso wie die Auswahlkriterien für die Kandidatinnen, die ihr noch heute leicht über die Lippen gehen: ein günstiges Horoskop, die körperliche Unversehrtheit der Kandidatinnen und die richtige Kaste.</p>
<p>O-TON 8: RASHMILA SHAKYA</p>
<p>Shakya caste, sacred Shakya. Yeah. And …  are taken out from the Kumari house in the festival in a year.</p>
<p>VO-SPRECHERIN-weiblich:</p>
<p>Wir müssen aus der Shakya-Kaste kommen. Und unser Horoskop muss klar zeigen, dass wir gute Eigenschaften aufweisen und unserem Land nützlich sein können. Wenn Astrologen und Priester das herausgefunden haben, kommt die Frau aus der Familie, die mit der Kumari unter einem Dach lebt und sie betreut. Sie schaut sich den Körper und das Gesicht des Mädchens genau an und untersucht alles nach Wunden oder Kratzern. Wenn auch dieser Test bestanden ist, zieht das Mädchen als lebendige Göttin in den oberen Trakt des Kumari-Hauses ein, den sie nur verlässt, wenn sie zu Zeremonien und religiösen Festen abgeholt wird. </p>
<p>Atmo 2 Tempel Kathmandu</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Die Kumaris stammen aus den Reihen der Newars, einer vor allem im Kathmandu–Tal beheimateten Volksgemeinschaft. Die Newars pflegen eine weltweit einzigartige Sonderform des Buddhismus, den nach ihnen benannten ‚Newar-Buddhismus‘. Die lebende Göttin wiederum wird seit Langem als Reinkarnation einer Hindu-Gottheit betrachtet: Durga, die sich in Nepal als ‚Taleju‘ manifestiert hat. Taleju soll vor einigen Jahrhunderten ins Kathmandu-Tal gekommen sein und sogleich zur Schutzgöttin der nepalesischen Königsfamilien und des Landes aufgestiegen sein. Schließlich aber nahm Durga/Taleju die Gestalt eines kleinen Newarmädchens an. So entstand ein göttliches Amt, das seitdem von einer wechselnden Schar auserwählter Kumaris versehen wird.</p>
<p>O-TON 9: PROF. HORST BRINKHAUS </p>
<p>Die Kumari wird von Buddhisten wie auch von Hindus verehrt, übrigens nicht nur von Newars, sondern natürlich auch von den Nepalisprechern. </p>
<p>Sie ist auch ein - wie der König ja auch in der Vergangenheit war - ein Integrationsfaktor. Nepal ist ein Vielvölkerstaat. Es gibt ungeheuer viele Sprachen in Nepal, ethnische Gruppen, von Tal zu Tal sozusagen häufig verschiedene Gruppen. Und irgendwo muss ja eine Klammer sein, die eine gemeinsame Identität begründet.</p>
<p><br/></p>
<p>Atmo 2 Tempel Kathmandu</p>
<p>O-TON 10: SCOTT BERRY </p>
<p>The main thing it does, it symbolizes the unity, or at least...And Kumari comes from a Newar caste.</p>
<p>VO-SPRECHER-männlich:</p>
<p>Das Kumari-System symbolisiert, wenn nicht die Einheit, so zumindest doch die nicht vorhandene Feindschaft zwischen den Buddhisten und Hindus in Nepal. Die Newars sind die ursprünglichen Bewohner von Kathmandu. Sie haben ihre eigene Sprache, ihre eigenen Bräuche. Und die Kumari stammt eben aus einer Newar-Kaste.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>… betont Scott Berry. Der Lehrer und Verfasser der Lebensgeschichte Rashmila Shakyas, von „From Goddess to Mortal“, hat mit Frau und Kindern viele Jahre im Nachbarhaus von Rashmilas Eltern gelebt. So konnte Scott Berry nicht nur den Werdegang der Ex-Kumari, sondern auch die Bedeutung der Kumari-Tradition verfolgen.  </p>
<p>Atmo 2 Tempel Kathmandu</p>
<p>O-TON 11: SCOTT BERRY</p>
<p>The Newars actually share temples. They&#39;re divided between buddhists and hindus... she&#39;s a buddhist girl who becomes a hindu goddess.</p>
<p>VO-SPRECHER-männlich: </p>
<p>In der Tat nutzen die Newars Tempel, die von Buddhisten und Hindus gleichermaßen aufgesucht werden. In einer dieser nepalesischen Kultstätten wird zum Beispiel eine Inkarnation Shivas von Hindus verehrt, während Buddhisten am selben Ort Lokeshwar anbeten, einen spirituell sehr fortgeschrittenen Bodhisattva. Und, zurück zur Kumari: Sie stellt ein wichtiges Symbol für all das dar, weil sie ein buddhistisches Mädchen ist, das zu einer hinduistischen Göttin wird.</p>
<p>Atmo 2 Tempel Kathmandu bitte in Kreuzblende mit Atmo 3 Durga Sloka verbinden</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Im Vielvölkerstaat Nepal werden Kultur und Politik seit jeher von der </p>
<p>Religion mitbestimmt. Literatur, Kunst, Sitten und Gebräuche, alle Abläufe des täglichen Lebens, sind von den religiösen Überzeugungen der Nepalesen durchdrungen. Und umgekehrt: Die wechselvolle politische Geschichte des Kathmandu-Tals hat entscheidend auch die Religion beeinflusst und so eine ureigene Beziehung zwischen Buddhismus und Hinduismus im Lande bewirkt.</p>
<p>Atmo 3: Durga-Sloka</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Im nur in Nepal praktizierten Newar-Buddhismus vereinen sich verschiedene Richtungen des Buddhismus: Die Newar streben zwar nach Erlösung, stellen aber ihre Suche nach dem Ausstieg aus dem Kreislauf der Wiedergeburten hintan, um anderen, bedürftigen Lebewesen zur Seite zu stehen. Zusätzlich betreiben sie magische Rituale, die ihnen auf ihrem spirituellen Weg weiterhelfen sollen. </p>
<p>O-TON 12: PROF. HORST BRINKHAUS </p>
<p>Wenn man sich Nepal mal jetzt als diesen Streifen von Ost nach West vorstellt – der Norden ist sehr stark buddhistisch geprägt, aber nicht newarbuddhistisch, sondern lamaistisch. Der Süden, insbesondere das Terai-Gebiet, der Teil, der zum Gangesflachland gehört, ist sehr stark hinduistisch geprägt. Da gibt es auch Muslime und wirkt ja sowieso ganz indisch, ganz nordindisch.</p>
<p>MUSIK m01 ((Morning Song, Byanchuli, Traditional Music Of Nepal, Interra Records, 1:24 Min)</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>In diesem Schmelztiegel der Religionen, in einem Land, dessen Könige als Wiedergeburt des Hindu-Gottes Vishnu galten, besteht inzwischen ein Parlamentarisches Mehrparteiensystem. </p>
<p>Doch obwohl die Monarchie seit Mitte des Jahres 2008 der Vergangenheit angehört, und obschon die Maoisten im politischen Gefüge eine große Rolle spielen und Kritik an einigen Traditionen laut wird – religiöse Bräuche wie die der Verehrung der Kumari bestehen fort. Auch die Voraussetzungen für das Ausscheiden der „kommissarischen Göttinnen“ aus ihrem Amt sind nahezu unverändert geblieben. Um ausgeschlossen zu werden, genügen ein paar Tropfen Blut: Sobald die Kumari blutet, sei es im Zuge einer Verletzung oder durch Einsetzen ihrer Periode, muss die Kindgöttin das Zepter an ein anderes Mädchen abgeben. </p>
<p>O-TON 13: PROF. AXEL MICHAELS</p>
<p>Der Jungfrauenkult ist natürlich auch in Indien immer wieder einmal da gewesen - also die Verehrung einer Jungfrau als Göttin.</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>… sagt der Indologe und Religionswissenschaftler Professor Axel Michaels. Aber …. </p>
<p>O-TON 14: PROF. AXEL MICHAELS</p>
<p>Aber es ist sehr spezifisch im Grunde genommen bei den Newars. Sowohl in Kathmandu wie auch in anderen Orten des Kathmandu Tals. Weil die daraus einen regelrechten Kult gemacht haben, mit eigenen Ritualen, mit eigenen Häusern und der Notwendigkeit, dass die Kumari bestimmte Rituale eröffnen muss oder dabei sein muss oder Leute segnen muss.</p>
<p>Atmo 4 Ritual</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Am Durbar Square, im Zentrum Kathmandus, steht ein blutüberströmter Omnibus. Dach, Fenster, Türen und die Front des alten Vehikels, dessen Reifen kurz davor sind, mit den Felgen eins zu werden, sind mit dem Blut einer soeben geschlachteten Ziege beschmiert. Die Sitze des Busses sind aufgerissen, die Fenster sind längst den Weg alles Irdischen gegangen. Im Fahrerraum prangt unter einem Wirrwarr von Girlanden eine Darstellung der Durga. Sie vollführt einen Kriegstanz, schwingt Lanzen und Schwerter in ihren vielen Armen. Ihr Gesicht ist zu einer Grimasse grausamen Triumphs erstarrt. Zu ihren Füßen liegt der Büffel-Dämon Mahisasura, den die große Göttin zertreten hat. Heute nimmt sie in Kathmandu ihr Festmahl. </p>
<p>Atmo 4 Ritual</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Einmal im Jahr wird Durga-Puja, das große Opfer- und Erntefest, gefeiert. Busse, Lastwagen und Privatfahrzeuge werden mit frischem Tierblut geweiht, damit die Insassen in Zukunft nicht zu Schaden kommen mögen.</p>
<p>In Innenhöfen, Häusern, Gassen und in großen Festzelten sind für die Göttin Durga Altäre aufgebaut. Die Frauen haben besonderes Essen für den Anlass vorbereitet. Kinder werfen einander Luftballons zu und warten aufgeregt darauf, dass der Prozessionszug mit der Kumari, der lebendigen Vertreterin Durgas, endlich eintrifft. Dass die kindliche Göttin kommt, ihnen ein ernstes Lächeln schenkt und dem einen oder anderen vielleicht auch ein Segenszeichen auf die Stirn malt.</p>
<p>Atmo 4 Ritual</p>
<p>bitte kurz hoch, dann blenden </p>
<p>O-TON 15: PROF. HORST BRINKHAUS</p>
<p>Die Royal Kumari hängt ja stark mit dem Königtum zusammen. Sie wurde ermittelt, unter anderem von dem Astrologen und dem Familienpriester des Königs und anderen hohen Beamten. Die sind natürlich mit der Abschaffung des Königtums nun auch entfallen. Und das heißt, die Kumari muss immer wieder auf neue Grundlagen gestellt werden, wie man sie herausfindet, wer für sie eigentlich sorgt, wer zuständig ist für diese Institution.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Inzwischen gewährt der Staat den kommissarischen Göttinnen zumindest eine kleine Rente – und eine Schulausbildung. </p>
<p>O-TON 16: PROF. HORST BRINKHAUS</p>
<p>In der Vergangenheit war ja ein Problem, dass sie in keine Schule gehen konnte oder durfte, dass sie also nicht ausgebildet wurde. Immerhin ist man Kumari bis zum zwölften, dreizehnten Lebensjahr, je nachdem.</p>
<p>MUSIK m05 ( Yantra, Jens Buchert, 2:21Min)</p>
<p>O-TON 17: RASHMILA SHAKYA </p>
<p>I have to struggle so much in the normal life. Mostly in the study...At the age of twelve I started my school career.</p>
<p>VO-SPRECHERIN-weiblich:</p>
<p>Ich hatte anfangs wirklich schwer zu kämpfen. Vor allem mit dem Lernen, weil es zu meiner Zeit keine formale Bildung für Kumaris gab. Erst im Alter von zwölf Jahren habe ich meine Schullaufbahn begonnen. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Ihr Biograph Scott Berry erinnert sich noch sehr gut an das, was Rashmila damals durchgemacht hat. </p>
<p>O-TON 18: SCOTT BERRY</p>
<p>Well, this is something that&#39;s changed considerably since Rashmila’s time...and they&#39;re able to go to their proper grade when they stop.</p>
<p>VO-SPRECHER-männlich:</p>
<p>Nun, das ist etwas, das sich seit Rashmilas Zeit stark verändert hat. Sie hatte große Schwierigkeiten, ins normale Leben zurückzukehren. Sie musste in die erste Klasse gehen, obwohl sie schon zwölf Jahre alt war. Einmal hat sie versucht, wegzulaufen und ins Kumari-Haus zurückzukehren, aber da stand sie dann natürlich vor verschlossenen Türen. Doch schließlich hat sie es geschafft. Ihre Familie hat Rashmila bedingungslos unterstützt. Und heute ist es so, dass vor allem ihretwegen Kumaris lernen und studieren. Sie haben Tutoren und werden darauf vorbereitet, die zu ihnen passende Klasse zu besuchen, wenn es soweit ist. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Noch etwas kommt erschwerend hinzu, das über lange Zeit hinweg manchmal wie ein Fluch über den ins irdische Leben zurückkehrenden Mädchen lag: der alte Irrglaube, Kumaris fänden keinen Ehemann.</p>
<p>O-TON 19: RASHMILA SHAKYA </p>
<p>This is only a misconcept about the Kumari. And this misconcept.. Before that the guy had little bit hesitate ad to marry the ex Kumari.</p>
<p>VO-SPRECHERIN-weiblich:</p>
<p>Diesem Aberglauben nach soll ein Mann, der eine ehemalige Kumari zur Frau nimmt, eines unnatürlichen und viel zu frühen Todes sterben. Die jüngere Generation hat sich da inzwischen bewegt und schenkt dem keinen Glauben mehr. Aber ich erinnere mich noch der Zeiten, als Männer einer Verbindung zu einer Ex-Kumari deshalb ziemlich zurückhaltend gegenüberstanden. </p>
<p>O-TON 20: SCOTT BERRY</p>
<p>Traditionally, they&#39;re not supposed to get married. The husband&#39;s supposed to die... and they seem very happy together. </p>
<p>VO-SPRECHER-männlich:</p>
<p>Traditionell ist es nicht vorgesehen, dass sie heiraten. Und, ja, angeblich soll der Mann sogar innerhalb des ersten Jahres der Ehe sterben. Aber das ist völlig falsch. In der Vergangenheit gab es mehrere Kumaris, die geheiratet haben - und auch Rashmila ist den Bund der Ehe eingegangen. Wir waren sogar auf ihrer Hochzeit. Inzwischen hat sie einen Sohn, und sie scheinen sehr glücklich miteinander zu sein.</p>
<p>ATMO 5 Kumari-Ritual</p>
<p>O-TON 21: RASHMILA SHAKYA  </p>
<p>Yeah, I have married before eight years. And I have one son and he is became a five years old.</p>
<p>VO-SPRECHERIN-weiblich:</p>
<p>Seit unserer Hochzeit sind acht Jahre vergangen. Und unser Sohn ist jetzt fünf Jahre alt.</p>
<p>Musik m01 ((Morning Song, Byanchuli, Traditional Music Of Nepal, Interra Records, 1:40 Min)</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Über dreißig Jahre liegen zwischen den fundamentalen Ereignissen, die das Leben der Ex-Kumari nachhaltig beeinflusst haben. Rashmila Shakya erinnert sich noch sehr genau daran, wie das damals war: Als sie als vierjähriges, sehr ernst dreinschauendes Mädchen auf einen Thron stieg, um als kindliche Göttin ihren König und ihr Land zu beschützen. Und dann, acht Jahre später, als die Zeit gekommen war, das Kumari-Haus zu verlassen ….</p>
<p>O-TON 22: RASHMILA SHAKYA </p>
<p>At the time? I became sad and happy. Also sad because that I have left the Kumari house and happy that I have returned to the own house and lived a normal life.</p>
<p>VO-SPRECHERIN-weiblich</p>
<p>Da war ich froh und bedrückt zugleich. Traurig, weil ich das Kumari-Haus hinter mir lassen musste. Und froh, weil ich nach Hause zurückkehren und ein normales Leben führen konnte. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Nichts von alldem möchte Rashmila missen. Wie viele andere Ex-Kumaris auch, mit denen sie gesprochen hat, ist da das nachhaltige Gefühl, ein Privileg genossen zu haben. Einen Lebensweg beschritten zu haben, der schwierig, steinig und ungemein erfüllend gewesen ist.</p>
<p>O-TON 23: RASHMILA SHAKYA  </p>
<p>I got two life in one born. One is normal life and one is God. Is life. </p>
<p>VO-SPRECHERIN-weiblich:</p>

<p>Ich habe zwei Leben geführt. Das eine ist das normale, das irdische Leben und das andere ist mein Dasein mit Gott. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Aids - Das (fast) vergessene HI-Virus</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/aids-das-fast-vergessene-hi-virus/1846827</link>
      <pubDate>Thu, 04 Sep 2025 01:25:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">77b8daec-d17b-4d6e-8df5-f0b2d3baed5d</guid>
      <description>Vor 40 Jahren gab es die ersten HIV-Infizierten in Deutschland. Damals ein Todesurteil. Inzwischen kann die Krankheit behandelt werden und hat ihren Schrecken verloren. Wer Medikamente nimmt, ist nicht mehr ansteckend. </description>
      <enclosure length="22112256" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1846827/c/feed/aids-das-fast-vergessene-hi-virus.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Jeanne Turczynski</itunes:author>
      <itunes:summary>Vor 40 Jahren gab es die ersten HIV-Infizierten in Deutschland. Damals ein Todesurteil. Inzwischen kann die Krankheit behandelt werden und hat ihren Schrecken verloren. Wer Medikamente nimmt, ist nicht mehr ansteckend. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5f1e3c24-40c5-49f0-ad69-787480e54b1a.jpeg?w=1800"/>
    </item>
    <item>
      <title>Staatenlosigkeit - Ohne Schutz und Rechte?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/staatenlosigkeit-ohne-schutz-und-rechte/1934553</link>
      <pubDate>Wed, 03 Sep 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">14647156-a4a6-479a-8a05-710eb497323b</guid>
      <description>Die meisten haben sie ohne darüber nachzudenken: Eine Staatsangehörigkeit. Wer sie dagegen verliert oder nie hatte, kommt immer wieder in Schwierigkeiten - zum Beispiel beim Reisen. </description>
      <enclosure length="19778688" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1934553/c/feed/staatenlosigkeit-ohne-schutz-und-rechte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Linus Lüring</itunes:author>
      <itunes:summary>Die meisten haben sie ohne darüber nachzudenken: Eine Staatsangehörigkeit. Wer sie dagegen verliert oder nie hatte, kommt immer wieder in Schwierigkeiten - zum Beispiel beim Reisen. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b8f334f4-89c7-4bdd-89ce-542694c9b929.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten haben sie ohne darüber nachzudenken: Eine Staatsangehörigkeit. Wer sie dagegen verliert oder nie hatte, kommt immer wieder in Schwierigkeiten - zum Beispiel beim Reisen. </p>
<p>Autor/in dieser Folge: Linus Lüring<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Christian Baumann, Andreas Neumann<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-staatenlosigkeit-schutz-und-rechte-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p> Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:<br/></p>
<p>Die Geschichte des Reisepasses - Ein Papier öffnet Grenzen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-des-reisepasses-ein-papier-oeffnet-grenzen/bayern-2/12342587/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>
<p>Literaturtipps:<br/>Arendt, Hannah (1955): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Frankfurt/Main: Europäische Verlagsanstalt.<br/>Beyer, Judith (2022): The common sense of expert activists: practitioners, scholars, and the problem of statelessness in Europe. In: Dialectical Anthropology (2022).<br/>Gosewinkel, Dieter (2021): Struggles for Belonging. Citizenship in Europe, 1900-2020. Oxford: Oxford University Press.</p>

<p> Interviewpartner/innen dieser Folge:<br/>Dr. Judith Beyer, Professorin für Ethnologie, Universität Konstanz;<br/>Dr. Roland Bank, Leiter Rechtsabteilung UNHCR Deutschland;<br/>Christiana Bukalo, Staatenlose und Gründerin von „Staatefree e.V.“;<br/>Dr. Dieter Gosewinkel, Professor für neuere Geschichte an der FU Berlin, Wissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> <strong>ARD Audiothek | RadioWissen</strong><br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Aquakulturen -  Fluch oder Segen?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/aquakulturen-fluch-oder-segen/2096312</link>
      <pubDate>Wed, 03 Sep 2025 02:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8d14b322-3ddc-40e6-96ee-776023d6f3e0</guid>
      <description>Seit 30 Jahren stagnieren die Fänge der Wildfischerei. Schon jetzt stammt jeder zweite weltweit konsumierte Fisch aus Aquakulturen. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung gewinnt die Aquakultur als Lebensmittellieferant enorm an Bedeutung.</description>
      <enclosure length="22521984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096312/c/feed/aquakulturen-fluch-oder-segen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:27</itunes:duration>
      <itunes:author>Jörn Breiholz und Michael Marek</itunes:author>
      <itunes:summary>Seit 30 Jahren stagnieren die Fänge der Wildfischerei. Schon jetzt stammt jeder zweite weltweit konsumierte Fisch aus Aquakulturen. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung gewinnt die Aquakultur als Lebensmittellieferant enorm an Bedeutung.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/dd8c7e34-92fb-47c2-a93f-ef274f741ca4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit 30 Jahren stagnieren die Fänge der Wildfischerei. Schon jetzt stammt jeder zweite weltweit konsumierte Fisch aus Aquakulturen. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung gewinnt die Aquakultur als Lebensmittellieferant enorm an Bedeutung.</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autoren dieser Folge: Jörn Breiholz und Michael Marek<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Peter Veit<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Reinhold Hanel, Direktor des Instituts für Fischereiökologie am &quot;Johann Heinrich von Thünen-Institut&quot; für Fischerei in Bremerhaven <br/>Ulfert Focken, Fischerei-Ökologe, &quot;Thünen-Institut&quot;<br/>Jón Kaldal, Journalist, Icelandic Wildlife Fund, NGO Island<br/>Daniel Jakobsson, Geschäftsführer Arctic Fish, Lachszuchtunternehmen<br/>Elvar Friðriksson, Geschäftsführer North Atlantic Salmon Fund, NGO Island<br/>Sigurdur Thorvsalds, Biologe und Naturschützer, Island</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Schlangengrube - WirTier</strong><br/>Markus hat als Tierarzt eine Mission: Reptilien vor Leid bewahren. Er kümmert sich um Schlangen aus Qualzuchten oder auch um exotische Tiere, die als Ware illegal gehandelt und wenig artgerecht gehalten werden. Host Vici nimmt für WirTier ihren Mut zusammen: Schafft sie es, Schlangen auf Augenhöhe zu begegnen? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:575f91d6b4f9bd53/">HIER</a> geht es zur Folge.
<strong><br/>Überfischung - Wenn das Meer leer wird <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ueberfischung-wenn-das-meer-leer-wird/bayern-2/10480113/">HIER </a></strong>
<br/>
<strong>Fische - Die unterschätzten Lebewesen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/fische-die-unterschaetzten-lebewesen/bayern-2/78759998/">HIER</a></strong>
<br/>
<strong>Der Aal - Ein Fisch voller Rätsel <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-aal-ein-fisch-voller-raetsel/bayern-2/94346340/">HIER</a></strong>

<p><strong>Hör-Tipp:</strong></p>
<p><strong>Lost - Björk &amp; Rosalia, 2023 auf <a title="Hier geht es zu YouTube" href="https://www.youtube.com/watch?v=8jsi2Tgvx6A">YouTube</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-aquakulturen-fluch-segen-aquakultur-bremerhaven-island-lachszucht-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p> Sprecherin:</p>
<p>Bremerhaven an der deutschen Nordseeküste: Im beschaulich-historischen Fischereihafen riecht es nach Fish and Chips. Fangschiffe gibt es hier schon lange nicht mehr. Stattdessen: Räuchereien, Restaurants und Souvenirläden. Einen Steinwurf entfernt steht ein neues, modernes Glas-und-Stahl-Gebäude. </p>
<p>O-Ton 1: Ulfert Focken</p>
<p>&quot;Wir sind hier in der Aquakultur Forschungsanlage des Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Bremerhaven.&quot; </p>
<p>ATMO: Thünen-Institut / Sicherheitsschleuse</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Sagt Professor Ulfert Focken. Wir stehen mit dem Spezialisten für Aquakultur und Fischernährung hinter der Sicherheitsschleuse im Erdgeschoss. </p>
<p>Ein leicht muffiger Geruch liegt in der Luft – wegen der Feuchtigkeit, erklärt der Wissenschaftler. In gut einem Dutzend Wasserbassins schwimmen verschiedene Fischarten unterschiedlicher Größe: </p>
<p>O-Ton 2: Ulfert Focken</p>
<p>&quot;Hier sind verschiedene Becken von zahlreichen Aquarien mit circa 50 Litern bis hin zu Becken mit zwei Meter 50 Durchmesser, wo wir Tiere des warmen Bereiches halten. Das sind hier bei uns in erster Linie Karpfen und daneben auch tropische Garnelen, die sogenannte Pazifische Weißwein-Garnele. Wir machen hier Forschung in erster Linie zur Haltung und Fütterung dieser Arten.&quot; </p>
<p>MUSIK 1 ( SINE - Lost And Never Found 0’37)</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Seit gut 30 Jahren beschäftigt sich Focken mit Aquakulturen, also der Erzeugung von Organismen, die im Wasser leben. Im Gegensatz zur Fangfischerei werden in der Aquakultur Fische wie zum Beispiel Lachse, Karpfen oder Doraden, aber auch Krebstiere, Muscheln und Algen unter kontrollierten Bedingungen aufgezogen. Aquakultur ist sozusagen Landwirtschaft unter Wasser. Für Focken wie auch für seinen Kollegen Professor Reinhold Hanel sind Aquakulturen für die Welternährung unverzichtbar: </p>
<p>O-Ton 3: Reinhold Hanel</p>
<p>&quot;Wir werden sehr oft gefragt: Aquakultur - ja oder nein? Diese Frage wird immer nur in Deutschland gestellt. Weltweit würde die niemand stellen, weil man müsste, um sozusagen dieselbe Frage auf die Landwirtschaft umzumünzen, zu sagen, Landwirtschaft ja oder nein. Und die Frage würde niemand ernsthaft stellen. Sondern man redet dann über Schweinezucht oder über Geflügel oder irgendwelche Ackerfrüchte. Aber man stellt nicht grundsätzlich die Ernährungsproduktion des Menschen infrage. Und die Aquakultur hat in vielen Kontinenten, gerade in Asien, einen Stellenwert, der dem der Agrikultur, der Landwirtschaft, entspricht.&quot;</p>
<p>MUSIK 2 ( SINE - Lost And Never Found 0’36)</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Reinhold Hanel leitet das Thünen-Instituts für Fischereiökologie; es ist eines von drei Instituten, die im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft die Fischerei erforschen. Er ist Experte für den europäischen Aal, für Biodiversität, Populationsgenetik und Aquakultur: </p>
<p>O-Ton 4: Reinhold Hanel</p>
<p>&quot;Und ohne Aquakultur hätten wir keine Chance, den Menschen zu ernähren. Und eine steigende Weltbevölkerung, also die Zunahme an Nahrungsmitteln, sieht die Welternährungsorganisation fast ausschließlich über eine Zunahme der Aquakultur. Wir müssen also Wasser, Meeresflächen, aber auch Binnengewässer teilweise noch stärker als bisher für die Nahrungsmittelproduktion nutzen, wenn wir eine steigende Weltbevölkerung in ausreichendem Maße mit Nahrung beliefern wollen.&quot; </p>
<p>ATMO Thünen Institut / Aquakulturanlage</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Aber ist die Produktion jeder Fischart sinnvoll und nachhaltig, um alle Menschen satt zu bekommen? Was ist etwa mit dem in Deutschland und vielen anderen Ländern beliebtesten Speisefisch, dem Lachs? </p>
<p>O-Ton 5: Reinhold Hanel</p>
<p>&quot;Der Lachs hat nun mal ein relativ hohes Grundbedürfnis an Nahrungsqualität als Fleischfresser. Aber dasselbe gilt natürlich auch für den Thunfisch - vor allem der aus dem Farming kommt, also der sozusagen gemästet wird. Und dasselbe gilt natürlich auch für die Dorade und für den Wolfsbarsch. Das sind alles Fische, die nicht für die Welternährung gezüchtet werden, sondern um einen Nischenmarkt zu bedienen.&quot; </p>
<p>ATMO Thünen Institut / Aquakulturanlage</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Das Futter ist das mit Abstand wichtigste Instrument, mit dem die Fischfarmen Wachstum und Gesundheit der Tiere steuern können. Auch deswegen erforscht das Thünen-Institut hier in Bremerhaven vor allem das Futter und seine Auswirkungen auf Zuchtfische: </p>
<p>O-Ton 6: Ulfert Focken</p>
<p>&quot;Das Erkenntnisinteresse aktuell liegt nicht in der Züchtung. Das sind zwar die Ursprünge dieser Arbeitsgruppe von Anfang der 1960er-Jahre, wo man versucht hat, den grätenarmen Karpfen zu züchten. Bei uns geht es um die Untersuchung zur Fütterung und zur Umweltwirkung. Denn ein Futter, was schlecht verwertet ist, produziert natürlich mehr Ausscheidungen als ein hochwertiges Futter.&quot; </p>
<p>MUSIK 3 ( SINE – Always 0’48)</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Haben die Fischfarmen die Jungfische erst einmal von der Brutstation zum Mästen in die Käfige im Meer, Fluss oder in den Teich transportiert, können sie die Wassertemperatur nicht mehr regulieren, die Fische nicht mehr impfen – und: auch einzelne Tiere nicht mehr isolieren. In der Mäst-Phase bestimmen vor allem Wassertemperatur und -qualität das Wachstum der Tiere – aber eben auch und vor allem das Futter. Das hat heute eine ganz andere Zusammensetzung als noch vor einigen Jahren, erklärt Ulfert Focken:</p>
<p>O-Ton 7: Ulfert Focken</p>
<p>&quot;In den 1980er-Jahren, als die industrielle Lachszucht in Norwegen begann, bestand das Lachsfutter noch zu circa 50 Prozent aus Fischmehl und 10 bis 15 Prozent Fischöl. Und zu dieser Zeit wurden, um ein Kilogramm Lachs zu produzieren, vier bis fünf Kilogramm Sardinen, Sardellen und ähnliche Fische gebraucht, die dann zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet wurden. Inzwischen ist die Lachsproduktion weltweit aber größer als der Fang von Fischen zur Fischmehl-Erzeugung. Und im Laufe der Zeit ist der Fischmehl-Anteil im Futter auf unter zehn Prozent gesunken.&quot;</p>
<p>MUSIK 4 ( SINE – Always 0’32)</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Raubfische wie Thunfisch, Dorade, Wolfsbarsch oder Lachs ernähren sich in ihrem natürlichen Habitat von anderen Fischen und Krebsen. Wenn der Lachs aber in der Aquakultur nicht einmal mehr zehn Prozent Fischanteil im Futter bekommt, woraus bestehen die anderen 90 Prozent seiner Nahrung in der Mästung? Ulfert Focken:</p>
<p>O-Ton 8: Ulfert Focken</p>
<p>&quot;Es sind einerseits in gewissen Mengen Tiermehle, aber der überwiegende Teil sind Pflanzenproteine. Und da in erster Linie eben Soja basierende Proteine. Das ist natürlich keine natürliche Nahrung für den Lachs. Und wenn wir den Lachsen wie auch vielen anderen Fischen einfach rohes Sojamehl geben, dann führt es zu chronischer Darmentzündung.&quot; </p>
<p>ATMO Hafen / Möwen</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Das bedeutet: Das pflanzliche Futter muss industriell aufbereitet werden, um die Proteine zu isolieren – und um das Sojafutter vom anderen Ende der Welt, aus Südamerika, in die Fischzuchtanlagen in Norwegen, Island oder dem Mittelmeer zu transportieren. Zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sind Raubfische daher wenig nachhaltig. Gleichwohl haben die wissenschaftlichen Untersuchungen des Thünen-Instituts die Vorzüge von Fischzucht ganz grundsätzlich nachgewiesen – vor allem, was die Nachhaltigkeit betrifft, sagt Fischerei-Ökologe Hanel. Denn für Aquakulturen …</p>
<p>O-Ton 9: Reinhold Hanel</p>
<p>&quot;… braucht man deutlich weniger Ressourcen als für terrestrische Organismen, also für Rind, Schwein, Huhn. Eine bessere Energiebilanz haben teilweise Insekten als Fisch. Aber Fisch eignet sich sehr gut, um mit relativ wenig Energie-Input relativ viel an Nahrung zu produzieren.&quot; </p>
<p>ATMO: Musikakzent</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Ortswechsel. Die Westfjorde im Nordwesten von Island: eine Halbinsel mit zerklüfteten Küsten, knapp 400 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Reykjavik.</p>
<p>ATMO Meer + Verkehr</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Jón Kaldal steht am Arnarfjörður Fjord. Der Isländer arbeitet für den Icelandic Wildlife Fund. Die Nicht-Regierungs-Organisation engagiert sich für den Umweltschutz, vor allem für Meer und Fische. Kaldal schaut besorgt auf die Fischfarm: 12 kreisrunde Netze, jedes 200 Meter im Durchmesser, die 400 Meter vom Ufer entfernt im Wasser liegen:</p>
<p>O-Ton 10: Jón Kaldal</p>
<p>&quot;In this small location … whole Iceland wild population.&quot; </p>
<p>VO 1.1: </p>
<p>Allein an diesem kleinen Standort gibt es etwa 1,2 Millionen Zuchtlachse. Das ist 20-mal mehr als die gesamte isländische Wildpopulation. </p>
<p>ATMO Fjord + Blubbern</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Wie auf einer Perlenkette aneinandergereiht, schaukeln die nach oben offenen, kreisrunden Plastikgehege auf den Wellen. Von oben sieht das alles unspektakulär aus, doch das täuscht. </p>
<p>ATMO Collage Musikakzent + Geräusche Fjord</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Unter der Meeresoberfläche ist es eine unterseeische Industrie-Mastfarm. In jedem einzelnen der zwölf Netze schwimmen 100.000 Lachse. Jón Kaldal zeigt auf einen Ponton inmitten der Anlage. </p>
<p>Darauf befindet sich ein containerartiges Gebäude: ein Futterautomat, der über Plastikrohre industriell produziertes Fischfutter in die riesigen Netze schießt: </p>
<p>O-Ton 11: Jón Kaldal</p>
<p>&quot;They put the juveniles … this fast-growing rate.&quot; </p>
<p>VO 1.2: </p>
<p>Sie setzen die Jungtiere ins Netz, wenn sie zwischen 120 und 200 Gramm wiegen. Danach bleiben sie 18 Monate in der Zuchtanlage. Wenn die Lachse zwischen sechs und acht Kilo wiegen, werden sie geschlachtet. Davor werden sie unentwegt gefüttert. Die Zuchtlachse wachsen derart schnell, dass einige von ihnen missgebildet sind. Denn das Skelett kann mit dem schnellen Wachstum nicht mithalten. </p>
<p>ATMO Vögel + Schritte</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Umweltschützer Kaldal greift in seine Jackentasche und holt sein Smartphone heraus. Er zeigt uns Fotos von Lachsen in einer Fischtreppe, aufgenommen von einer Fotofalle. Auf dem ersten Bild kehrt ein ausgewachsener wilder Lachs aus dem Atlantik zur Paarung zurück – in genau den Fluss, in dem er selbst vor Jahren geboren wurde. Auf dem zweiten Foto schwimmt ein Zuchtlachs. Er ist noch nie über das Plastiknetz im Fjord hinausgekommen – bis er fliehen konnte und die Fotofalle auslöste: </p>
<p>O-Ton 12: Jón Kaldal</p>
<p>&quot;The main thing is… as a healthy one.&quot; </p>
<p>VO 1.3:</p>
<p>Was man sofort erkennt: Der Wildlachs ist lang, sieht ein bisschen wie ein Torpedo aus. Am selben Tag wurde der entkommene Zuchtlachs aufgenommen. Und Sie können ganz deutlich sehen, wie er sich unterscheidet: Er ist viel gedrungener. Die Schwanzflosse des Zuchtlachses ist missgebildet und klein; dieses Tier sieht einfach nicht gesund aus. </p>
<p>MUSIK 5 ( Slagr – First Frost 0’50)</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Der wilde Lachs ist lang und muskulös: ein Raubfisch mit kräftiger, breiter Schwanzflosse, die er auf den vielen tausend Kilometern Reise durch Islands Flüsse und den Atlantik herausgebildet hat. Die braucht er auch, um die isländischen Flüsse hinauf ins Brutgebiet schwimmen zu können. Ganz anders der von Menschenhand gezüchtete Lachs auf dem zweiten Foto: Seine Schwanzflosse ist viel kleiner und nicht sehr ausgeprägt. Er hat sein gesamtes Leben in Gefangenschaft verbracht: erst in der Aufzuchtstation an Land, später in dem Plastiknetz der Zuchtlachsfirma. Gejagt hat dieser Raubfisch nie. Für Jón Kaldal sind Zucht- und Wildlachs zwei komplett verschiedene Fische, die auf keinen Fall Nachfahren zeugen sollten:</p>
<p>ATMO Bach</p>
<p>O-Ton 13: Jón Kaldal</p>
<p>&quot;You have an offspring … of the salmon industry.&quot; </p>
<p>VO 1.4:</p>
<p>Du hast dann Nachkommen, die nicht an ein Leben in der Wildnis angepasst sind. Ähnlich wie die Nachkommen eines Pudels und eines Wolfs: Die wären auch nicht in der Lage, in der freien Wildbahn zu leben. Und das würde auch mit den Lachsen passieren: Es handelt sich ja um ein domestiziertes Tier mit domestizierten Genen, das sich trotzdem fortpflanzen und mit dem Wildtier vermischen kann. Das ist die schreckliche Seite der Lachsindustrie. </p>
<p>ATMO Bach</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Was die Isländerinnen und Isländer vor allem beunruhigt: Dass die aus den Unterwassergehegen entkommenen Zuchtlachse sich in den Flüssen Islands mit dem wilden Lachs paaren – mit der Folge, dass die Zuchtlachse sich in die Population der freilebenden Island-Lachse einkreuzen. Die genetischen Eigenschaften der Zuchtfische sind zwar für die Massenproduktion geeignet, reichen aber nicht für das Überleben in der Natur. Denn es sind unterschiedliche Lachsarten: Der Zuchtfisch stammt aus Norwegen, die Lachsfarmen befruchten und vermehren ihn seit vielen Jahren künstlich - in Brutstationen an Land. Etwa 3.500 geschlechtsreife norwegische Zuchtlachse sollen entkommen sein.</p>
<p>ATMO Auto + Kirchenglocken</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Ísafjörður, ganz im Norden der Westfjorde: Hier ist das Büro von Arctic Fish. Das Unternehmen gehört mehrheitlich dem norwegischen Mowi-Konzern – es ist der Betrieb, aus dem die Zuchtlachse entkommen sind. Vor 50 Jahren gelang es dem größten Zuchtlachskonzern der Welt, Lachsbrut künstlich zu befruchten und sie in Meeresnetzen aufzuziehen. Seitdem ziehen die Norweger mit ihrem lukrativen Geschäftsmodell durch die Lachsreviere der Welt. Doch wie konnten die Zuchtlachse überhaupt aus den Gehegen entweichen – und wie schädigt das den Wildbestand? Geschäftsführer Daniel Jakobsson antwortet ausweichend: </p>
<p>O-Ton 14: Daníel Jakobsson</p>
<p>&quot;I am not a biologist … sea pens.&quot; </p>
<p>VO 2.1: </p>
<p>Ich bin kein Biologe, aber das isländische Meeresforschungsinstitut sagt uns: 3.500 entkommene Zuchtlachse würden dem Wildlachs auf Island nicht schaden. Das heißt aber nicht, dass es in Ordnung ist, wenn unsere Lachse entweichen. Unser Ziel ist es, die Tiere sicher in den Gehegen zu halten. Das tun wir nun schon seit zehn Jahren mit guten Ergebnissen. Natürlich sind wir nicht stolz darauf, dass Lachse entkommen konnten. Es gab Unzulänglichkeiten – und ein Risiko, das mit den Unterwassernetzen aus Plastik verbunden ist. </p>
<p>ATMO Collage Musikakzent &quot;Iceland&quot; + Atmo</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Arctic Fish habe alles im Griff, das zumindest suggeriert Daníel Jakobsson. Naturschutzorganisationen sehen das anders – und weisen auch auf die Lachslaus hin. Dieser kleine, acht bis 12 Millimeter lange Parasit breitet sich in Norwegens Zuchtlachsgehegen aus, lebt von Schleim, Haut, Muskeln und Blut der Lachse. </p>
<p>ATMO Auto innen</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Zwei Autostunden von Ísafjörður entfernt: Wir treffen Elvar Friðriksson am Ufer des Langadalsá. Ein paar Meter neben dem Fluss steht eine Anglerhütte mitten in der Wildnis. Vor der Tür zeigt uns Friðriksson ein Dutzend toter Lachse: </p>
<p>O-Ton 15: Elvar Friðriksson</p>
<p>&quot;This is lice … rivers.&quot; </p>
<p>VO 3.1:</p>
<p>Das sind Lachsläuse; seht Ihr, wie sie sich bis in den Schädel gefressen haben? Und schaut euch die Flosse an, die ist ganz zerrissen. Das ist ein untrügliches Zeichen für einen Zuchtlachs. Und wenn ihr euch die Flosse genauer anschaut: Bei einem Wildlachs wäre diese erheblich größer und spitzer. Schließlich ist sie für das Schwimmen gegen starke Strömung und in Flüssen gemacht.</p>
<p>ATMO Leute</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Elvar Friðriksson ist Geschäftsführer des North Atlantic Salmon Fund, einer Nicht-Regierungs-Organisation. Der Naturschützer erklärt uns, was es mit den Tierkadavern auf sich hat: Es handelt sich um die entflohenen Zuchtlachse aus den Netzen von Arctic Fish. Das Unternehmen hat extra norwegische Taucher einfliegen lassen, die diese Zuchtlachse aufspüren und töten sollen. So will man verhindern, dass sich Zucht- und Wildlachs paaren. Sigurdur Thorvsalds steht neben Elvar Friðriksson vor der Anglerhütte. Er betreut Angeltouristen, die viel Geld bezahlen, um wilde Lachse zu fangen. Sigurdur Thorvsalds hat Angst, dass erst der wilde Lachs und dann die Touristen ausbleiben könnten: </p>
<p>O-Ton 16: Sigurdur Thorvsalds</p>
<p>&quot;We took a picture … we have to stop it now.&quot; </p>
<p>VO 4.1: </p>
<p>Wir haben ein Foto gemacht. Darauf kann man erkennen, dass ein Wild- und ein Zuchtlachs sich paaren. Das ist schrecklich. Versteht Ihr? So könnte uns der Wildlachs verloren gehen, durch das Meer wandern und vielleicht nie mehr hierherkommen. Das müssen wir jetzt stoppen! </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Nicht nur Sigurdur Thorvsalds, auch Wissenschaftler und Naturschützer sind überzeugt: Wenn sich der norwegische Zuchtlachs immer weiter mit dem isländischen Wildlachs kreuzt, dann verliert der heimische Lachs Teile seiner Eigenschaften als kräftige, wilde Fischart. Und der Wildlachs würde es dann womöglich irgendwann nicht mehr durch den Atlantik zurück in die isländischen Flüsse schaffen. </p>
<p>ATMO Musikakzent &quot;Permafrost&quot;</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Auch wenn die Lachszucht mit ihren Absatzmärkten in Europa und den USA ein äußerst profitables Geschäft ist: Zur Welternährung trägt sie vergleichsweise wenig bei. Seit Mitte der 1980er-Jahre hat sich der weltweite Fischkonsum mehr als verdoppelt. Das liegt ausschließlich an der Aquakultur: Vor 40 Jahren hatte Aquakultur einen Anteil von nicht einmal zehn Prozent am weltweiten Fischkonsum. 2020 stammte bereits jeder zweite weltweit konsumierte Fisch aus Aquakultur. Vor allem in Asien boomt sie: 2020 produzierte Asien neunzehn Mal mehr Fisch aus Aquakultur als Europa. China züchtete mit etwa 37 Millionen Tonnen mit Abstand den meisten Fisch aus Aquakultur. Und während in Europa die Fischzucht im Meer deutlich größer ist als die inländische Fischproduktion, ist es in Asien genau andersrum: Hier dominiert die inländische Fischzucht, vor allem von Graskarpfen, auch Weißer Amur, Grasfisch oder Chinakrapfen genannt: ein Pflanzenfresser, der in China schon seit dem zehnten Jahrhundert gezüchtet wird. </p>
<p>ATMO Fischerei-Hafen Bremerhaven / Thünen Institut</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Zurück in Bremerhaven im Thünen-Institut für Fischereiökologie: Wir wollen wissen, was die Forschung darüber weiß, wie sich Lachse in der Aquakultur fühlen. Für die Fischindustrie ist es hoch profitabel, wenn 100.000 Exemplare einer Art monatelang dicht zusammengedrängt in einem kleinen Netz leben und dann geschlachtet werden. Doch wie geht es den Fischen selbst? Institutsleiter Reinhold Hanel:</p>
<p>O-Ton 17: Reinhold Hanel</p>
<p>&quot;Das Thema Tierwohl wird immer bedeutender und ist auch ein Hauptgegenstand unserer Forschung. Das Fühlen ist ein schwieriger Begriff in der biologischen Forschung. Es ging sehr lange darum, ob Fische Schmerz empfinden können, beispielsweise. Auch ein sehr, sehr schwieriger Begriff in der Biologie, weil Schmerz über lange Zeit nur dem Menschen zugestanden wurde. Aber mittlerweile hat sich doch bei vielen Wissenschaftlern zumindest der Gedanke durchgesetzt, dass Tiere sehr wohl zu Schmerzempfinden fähig sind. Und dann ging es darum, ob das auch Fischen zugestanden wird. Und mittlerweile geht die Diskussion doch oder die weitläufige Meinung doch eher dahin, dass auch Fischen ein Schmerzempfinden nachgesagt wird.&quot; </p>
<p>MUSIK 6 ( Slagr – Quiet Rain 0’50)</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Allerdings, schränkt Wissenschaftler Hanel ein, gebe es in der Science-Community Stimmen, die der Meinung sind: Bei Reaktionen, die Fische auf Verletzungen zeigen, handele es sich nicht um Schmerz im menschlichen Sinne, sondern eher um eine Reaktion des Körpers. Und von daher gehe die Diskussion: Schmerz Ja oder Nein eher in die philosophische Richtung. Weil Schmerz oder Stress setze eigentlich Bewusstsein voraus. Und Bewusstsein gestehen manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Tieren nicht zu, so Hanel. Andere sehen das anders und forschen inzwischen sogar zur Individualität unter Fischen und der Frage, ob es in einem Fischschwarm unterschiedliche Charaktere gäbe. </p>
<p>O-Ton 18: Reinhold Hanel</p>
<p>&quot;Aber das andere ist die Konsumentenwahrnehmung. Das hat nicht immer nur etwas mit Rationalität zu tun, sondern auch viel mit Psychologie. Das heißt, es werden dann Dinge, die man von anderen Nutztieren kennt, zum Beispiel aus der Hühnerhaltung, also Haltungsdichte, werden sehr häufig auf Fische projiziert. Da kommen auch sehr häufig falsche Wahrnehmungen dazu - in dem Glauben, dass je weniger dicht zum Beispiel Fische gehalten werden, umso besser geht es ihnen, was nicht immer der Fall ist, sondern das hängt sehr, sehr stark von der Art ab und der speziellen Biologie einer Art. Es geht nicht um das Wohlfühlverhalten von einzelnen Fischen. Wobei das auch vielen Menschen ein Anliegen ist. Sondern es geht auch darum: Die Einhaltung des Tierwohls führt zu einer Verbesserung der Tiergesundheit, unter Umständen zu einer Reduktion von Arzneimitteln und ähnlichem und damit auch direkt in die Produktqualität und damit auch für wirklich etwas Messbares und Verständliches auch für den Konsumenten.&quot; </p>
<p>ATMO Collage Atmo Aquakulturanlage + Musikzent </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Und wenn man das alles bedenkt: Welcher Fisch ist tatsächlich nachhaltig – wenn man als Konsument die Auswirkungen auf Natur und Fische berücksichtigen will? </p>
<p>O-Ton 19: Reinhold Hanel</p>
<p>&quot;Wer ihn unter ökologischen Gesichtspunkten konsumiert, der landet dann beim Karpfen, der auch nicht modrig sein muss. Oder eben auch bei importierten Fischarten wie der Tilapia. Die kann ich genauso gut auf den Grill tun wie eine Dorade. Aber der ökologische Fußabdruck von einer Tilapia, die im Süßwasser, in Teichen produziert worden ist, ist deutlich geringer als von einer Dorade aus der Netz-Käfighaltung im Mittelmeer.&quot; </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Auch Karpfen und Tilapia können in der Massenhaltung Krankheiten bekommen und müssen dann medikamentös oder mit Impfstoffen behandelt werden. Aber generell, sagt Wissenschaftler Reinhold Hanel, essen Verbraucher mit diesen beiden Süßwasserfischen aus der Teichhaltung gesund und schonen obendrein die Umwelt. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bergbauern - Nachhaltig aus Tradition</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bergbauern-nachhaltig-aus-tradition/2098131</link>
      <pubDate>Wed, 03 Sep 2025 01:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">554c3646-7f3e-4eec-940f-ec2f4fbaec74</guid>
      <description>Bergbauern haben die einzigartige alpine Landschaft entscheidend geprägt - und pflegen diese bis heute. Doch was auf den ersten Blick einfach und ursprünglich wirkt, ist ein komplexer und vielfältiger Job, der auf der Erfahrung vieler Generationen fußt. </description>
      <enclosure length="22391808" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098131/c/feed/bergbauern-nachhaltig-aus-tradition.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Bergbauern haben die einzigartige alpine Landschaft entscheidend geprägt - und pflegen diese bis heute. Doch was auf den ersten Blick einfach und ursprünglich wirkt, ist ein komplexer und vielfältiger Job, der auf der Erfahrung vieler Generationen fußt. </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5d296c79-a3f4-4b1e-b8b0-b1c64e1c8735.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bergbauern haben die einzigartige alpine Landschaft entscheidend geprägt - und pflegen diese bis heute. Doch was auf den ersten Blick einfach und ursprünglich wirkt, ist ein komplexer und vielfältiger Job, der auf der Erfahrung vieler Generationen fußt. </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Lukas Grasberger<br/> Regie:  Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Katja Schild, Johannes Hitzelberger<br/> Technik: Simon Lobenhofer<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Regina Hölzl, Bergbäuerin und Sennerin auf der Schellenbergalm, Waakirchen<br/>Nikolaus Schreyer, Bergbauer, Fischbachau<br/>Klaus Einwanger, Fotograf und Autor des Bandes „Bergbauern“, Rosenheimem. Prof. Markus Schermer, Arbeitsgruppe Agrar- und Regionalsoziologie und früher stv. Leiter des Forschungszentrums Berglandwirtschaft</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong>Der Beginn der Landwirtschaft - Alles Natur  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-beginn-der-landwirtschaft-alles-natur/bayern-2/12606305/">HIER</a></strong>
<strong>Berghütten früher und heute - Schutzhaus in luftiger Höhe <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/berghuetten-frueher-und-heute-schutzhaus-in-luftiger-hoehe/bayern-2/13486937/">HIER</a></strong>
<strong>Nutztierställe im Wandel - Eine Frage der Haltung <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nutztierstaelle-im-wandel-eine-frage-der-haltung/bayern-2/12023051/">HIER</a></strong>
<strong>Was bringt nachhaltige Ernährung? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-bringt-nachhaltige-ernaehrung-alles-natur/bayern-2/94623996/">HIER</a></strong>
<strong>Die Geschichte der Bergretter - Helden und Heldinnen der Alpen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-bergretter-helden-und-heldinnen-der-alpen/bayern-2/13467381/">HIER</a></strong>
<strong>Bergsturz - Bedrohte Berge <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/bergsturz-bedrohte-berge/bayern-2/83307978/">HIER</a></strong>
<strong>Der Berg - Abgründige Erhabenheit <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-berg-abgruendige-erhabenheit/bayern-2/83307974/">HIER</a></strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>IQ Wissenschaft und Forschung - Alles Natur: Bergwelten   <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/alles-natur-bergwelten-bernhard-kastner-im-gespraech-mit-dem-biologen-thassilo-franke/bayern-2/12506847/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:<br/></strong></p>
<p><strong>Berglandwirtschaft , Universität Innsbrung   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.uibk.ac.at/berglandwirtschaft/index.html.de">HIER</a><br/><br/>Artenvielfalt dank Almbewirtschaftung, </strong><strong>Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein</strong><strong>   <a title="Hier gehts zur Website." href="https://raumberg-gumpenstein.at/forschung/institute/pflanzenbau-und-kulturlandschaft01/fachvideos-pflanzenbau/artenvielfalt-dank-almbewirtschaftung.html">HIER</a><br/><br/>Literaturtipp:</strong></p>
<p><strong>Bergbauern - Fotografien von Klaus Maria Einwanger  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bergbauern-das-buch.com/product-page/bergbauern-fotografien-klaus-maria-einwanger">HIER </a> </strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-bergbauern-landwirtschaft-alm-kuh-umwelt-nachhaltigkeit-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Sprecherin:</p>

<p>Es ist ein Samstag-Nachmittag wie gemalt im oberbayerischen Mangfallgebirge: Markant ragen Bergspitzen in den wolkenlosen Himmel, darunter Wald, dazwischen saftiggrüne Wiesen, auf denen gemächlich Braun- und Fleckvieh grast.</p>
<p>Atmo Kuhglocken auf Alm, Wanderer unterhalten sich</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Mittendrin im Alpen-Panorama, auf der Schellenbergalm, hat serviert  die Bergbäuerin Regina Hölzl einem halben Dutzend Wanderinnen und Wanderern ihre letzten Getränke. Von dem Kaffee, den Regina Hölzl frühmorgens aufgebrüht hat, sind nur noch ein paar Schluck in der alten Plastikkanne - die sich die Wanderer dennoch dankbar teilen. </p>
<p>O-Ton 1 Regina Hölzl, Bergbäuerin, Sennerin auf der Schellenbergalm  </p>
<p>„Fließend heißes Wasser,ein Wasserkocher, Kaffeevollautomat, ist halt ned so! Auch wenn ich eine Tasse Tee will: Feuermachen! Der muss eine Stunde warten, bis ich wieder Feuer gemacht hab. Und dann denke ich mir: Das mache ich aber auch ned, weil: Dieser Energieaufwand! Dass ich für eine Tasse Kaffee - nur weil dieser Wanderer jetzt den Wunsch äußert…. Ich denke, das schadet gar net, wenn man sich mit den Ressourcen ein bisserl auseinandersetzt, und nicht immer in Hülle und Fülle lebt. Das ist auf 1500 Meter Höhe eine ganz andere Liga...ganz andere Gedanken, die man sich da machen muss“ </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Blick der Bergbäuerin wandert über die Almlandschaft. Wie auch der der Urlauber, die sich kaum an der Natur sattsehen können. Und doch: Es ist kein schweigendes Einvernehmen, kein gemeinsames Genießen des Almweide-Idylls. Denn Regina Hölzl sieht die Kühe mit anderen Augen, nimmt deren Glockengeläut anders wahr als die Ausflügler neben ihr, auf der Holzbank des Almbauernhofs.</p>
<p>O-Ton 2 Hölzl</p>
<p>„Das Gebiet ist so groß und unübersichtlich, durch die Buckel und Leiten, du siehst sie ja nicht….Dann schau ich zuerst einmal mit dem Fernglas. Ich sehs ja zuerst einmal nur von der Farbe - oder der Glocke her. Die haben alle Glocken dran, das ist ohne Glocken dran da heroben absolut nicht zu bewältigen. Dann spitze ich die Ohren: „Wo ist das Geläut von den Kuhglocken?“ </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Ein gutes Gehör, Voraussicht und Weitblick, die seien das A und O in der Almwirtschaft, sagt Regina Hölzl. Dazu komme ein Gespür für Gefahr.</p>
<p>O-Ton 3 Hölzl</p>
<p>„Das ist auch ein ganz wichtiger Job für den Senner – oder denjenigen, der da heroben die Tiere anvertraut kriegt, dass der im Blick hat: Ups, das könnte gefährlich werden, da muss ich einschreiten, die muss ich jetzt da herunterholen. Die jungen Viecher am Steilgelände...weil das schönste Graserl wächst am Stoa... da fangen die an, dass sie mehr steigen, dass sie sich verzetteln und noch höher wollen. Und dann kommt´s auch vor, dass die nimmer rauskommen. “</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Es kommt vor, dass eine Kuh am Steilhang stolpert und abstürzt. Da Zufahrtswege zu hochgelegenen Almen selten sind, muss zuweilen ein Hubschrauber kommen, um das verletzte oder tote Tier zu bergen. </p>
<p>M The good, the bad, the ugly 1 Länge: 1´00´´</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Um dies zu vermeiden, wird Jungvieh bereits im Tal in eine Art Weide-Schule geschickt, erklärt Klaus Schreyer. Der Bergbauer hat einen Hof in Fischbachau, bewirtschaftet gemeinsam mit einem Kollegen - aber auch eine Hochalm im Rotwandgebirge.</p>
<p>O-Ton 4 Klaus Schreyer, Bergbauer, Fischbachau</p>
<p>„Ich hab zur Leitzach hin eine Hanglage mit fünf Hektar, und da werden die zum Vortraining geschickt, für die Alm. Die Viecher müssen lernen, aus einem Wassergefäß zu trinken, oder, ich hab darunten einen Bach, dass sie auch mal aus einem Bach raustrinken. Und müssen sich rein in der Fläche fortbringen mit dem Fressen. Man muss sich Zeit nehmen, und sie zum richtigen Zeitpunkt rausbringen, dass sie das auch erlernen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im September endet der Almsommer. Bis dahin müssen Bergbauern es schaffen, dass ihre Kühe die Weideflächen gleichmäßig abfressen. Doch auch zu früh dürfen sie die Tiere nicht auf die Alm treiben.  </p>
<p>O-Ton 5 Schreyer</p>
<p>„Dann passiert das, dass ich eine Überbestoßung hab, das heißt, eine zu große Viehdichte. Dann wächst mir zu wenig nach, und dann mache ich meine Fläche kaputt. Das ist so schwierig, da muss man selber ein Fingerspitzengefühl dafür kriegen. Ich muss so viel raufkriegen, dass meine Fläche nicht kaputtgeht. Und so viel auch, dass kein Überbestand kommt, vom Grasbestand her. Weil wenn das nimmer abgefressen wird, dann kommen Unkräuter, und die dürfen ja nicht kommen.“</p>
<p>M Im stillen Tal Länge: 0´34´´</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Klaus Schreyer hält auf dem Sunnara-Hof und seiner Alm 50 Kühe, seine Kollegin Regina Hölzl ist auf der Schellenbergalm verantwortlich für zwei ausgewachsene Milchkühe, 16 Stück Jungvieh und zwei Kälbchen. Dazu kommen fünf Ziegen, zwei Hennen und ein Hahn. Doch als Sennerin hilft Hölzl nur aus. Sonst bewirtschaftet die sehnige, temperamentvolle Frau mit ihrer Familie einen Bergbauernhof im nahen Waakirchen, mit 30 Milchkühen und kleinen Kälbern. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Damit ist der Hölzl-Hof einer von gut 14.000 Bauernhöfen mit „Betriebssitz in den Alpenlandkreisen und Flächen innerhalb der Berggebietskulisse“, wie es das bayerische Landwirtschaftsministerium in seinem Agrarbericht 2024 formuliert. Die Zahl der Bergbauern im engeren Sinn dürfte indes deutlich geringer ausfallen, sagt Klaus Maria Einwanger. Der Fotograf aus Rosenheim hat acht Bergbauernfamilien über mehrere Jahre begleitet – und dazu ein Buch veröffentlicht.</p>
<p>O-Ton 6 Klaus Maria Einwanger, Fotograf und Herausgeber Bildband „Bergbauern“ </p>
<p>„Es gibt ja diesen EU-Begriff...Also Bergbauer ist entweder über 700 Meter oder über 500 Höhenmeter mit einer gewissen Hangneigung. Manche sind wirklich so, dass sie einfach ihren Hof am Hang haben. Das heißt, die haben natürlich ganz andere Voraussetzungen wie jemand in der Ebene drin und ergänzen ihren Betrieb dann nochmal mit Almbetrieb. Das ist einmal der offizielle Begriff. Trotzdem hat natürlich jeder Landwirt eine gewachsene Struktur, und lebt das auch komplett unterschiedlich. Jeder Landwirt ist komplett anders sozialisiert, aufgestellt von der Alm, von dem Hof und von der Familienstruktur.“ </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Die Geschichte des Hofs von Klaus Schreyer, den Klaus Einwanger in seinem Buch porträtiert hat, ist bis zum Jahr 1452 dokumentiert. </p>
<p>M Little adventures  Länge: 0´34´´</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Einzelne Bauern indes wagten sich bereits vor 4000 Jahren in die Berge. Doch erst die wachsende Bevölkerung vom 13. bis zum 16. Jahrhundert führte dazu, dass landwirtschaftliche Flächen im Tal knapp wurden – und Bauern in größerer Zahl ihr Heil in den Bergen suchten. Dazu forschte der Professor für Agrar- und Regionalsoziologie Markus Schermer, früher am Forschungszentrum Berglandwirtschaft der Universität Innsbruck:  </p>
<p>O-Ton 7 em. Prof. Markus Schermer, Forschungszentrum Berglandwirtschaft, Uni Innsbruck</p>
<p>„Der Mensch hat mit den Almen die natürliche Waldgrenze ungefähr um 100 Meter heruntergesetzt. Und hat da eben gerodet. Und hat da oben eben möglichst viel Fläche freigemacht, damit möglichst viele Tiere im Sommer da oben ihr Futter finden“</p>
<p>O-Ton 8 Einwanger</p>
<p>„Und dann ging es wirklich darum, dass man jetzt nicht mehr aufhören darf, die Berge zu pflegen. Weil das sonst letztendlich sehr, sehr schnell und sehr, sehr stark in Murenabgängen, in Lawinenabgängen münden wird. Weil selbst Wiesenflächen, die nicht benutzt werden, müssen gepflegt werden, damit das Gras nicht zu lang wird - und das nicht zu einer Rutschpartie für den Schnee wird.“</p>
<p>Atmo Kühe</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Almweiden der Schellenbergalm sind keine monotonen, robusten Wiesen, die für den Landwirt leicht zu pflegen sind. Die Weideflächen ziehen sich über steile Hänge, werden immer wieder durchbrochen von Wanderwegen oder Trampelpfaden der Kühe. Der Almboden ist wie eine dünne, sensible Haut der Erde, die sich durch Wind, Wetter und Steinschlag im alpinen Gelände ständig verändert. Und den ein Bergbauer – oder eine Sennerin wie Regina Hölzl - zum Wohl der Weide wie zum Schutz seines Viehs ebenso ständig im Blick haben muss.    </p>
<p>M Little adventures  Länge: 0´39´´</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Dazu gehören auch regelmäßige Kontrollgänge entlang der Zäune und zu den Wasserstellen. Ist nach einem Regen Geröll hineingeraten, sind sie verschlammt, oder durch den Kot von Wild verschmutzt? Dann muss Regina Hölzl sie sauber machen. Oft sind Zäune durch Wind und Wetter oder übermütiges Vieh beschädigt – und müssen repariert werden. Doch die mühevolle Kleinarbeit, die die Almbauern täglich vollbringen, um die Weiden frei und sicher zu halten – sie allein reicht nicht aus. Um die Berglandschaft zu pflegen, bedarf es zusätzlich einer ganz speziellen Kulturtechnik.</p>
<p>O-Ton 9 Hölzl</p>
<p>„Schwenden sagt man da, was gemacht wird auf den Almen. Das ist ein richtig schöner Ausdruck, ((gibt gar keinen Ersatzausdruck für „Schwenden“.)) Schwenden heißt, dass diese Latschen, Büsche, Fichten, die diese Weiden verwuchern, weil man´s einfach nicht geschafft hat an der Größe, an der Weite der Flächen – macht man so Aktionen...und die werden wieder freigelegt, Almflächen meistens  verbrannt!“</p>
<p>M Alptraumpanorama  Länge: 0´45´´</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Gleich Fackeln ragen die Feuer zur Zeit des Schwendens aus den Berghängen. Rauchschwaden durchwabern den Wald, und tauchen die Almlandschaft in unwirkliches Licht. Der Fotograf Klaus Einwanger war beim Schwenden dabei – und beeindruckt davon, mit wie viel Aufwand und Know-How die Almbauern die Urgewalt des Feuers zähmen.</p>
<p>O-Ton 10 Einwanger</p>
<p>„Das ist unglaublich aufwendig. Da gehen zehn, zwölf, 15 Mann los in dem Fall und machen einen Tag das „Schwenden“. Also die fällen Bäume. Diese Stämme, wir waren ungefähr 40 Minuten von der Hütte weg, müssten alle per Hubschrauber ausgeflogen werden. Und das ist natürlich ökologisch ein gleicher Wahnsinn. Sie müssen aber auch verbrannt werden, weil wenn sie zum Verrotten dagelassen werden würden, dann würde das genauso wieder zuwuchern. Wir hätten Käferbefall und wir hätten einfach Oasen des Verfaulens. Und dann gehen die vier, fünf Wochen später hoch und brennen diese Holzhaufen, die sie gebildet haben, ab, um eben diesen Recyclingprozess, dass das Holz wieder zu Asche wird, somit auch wieder zurückgeführt werden kann in die Natur.“ (sehr abgerissen!)</p>
<p>M Alptraumpanorama  Länge: 0´28´´</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Almwirtschaft erfordert spezielle Kenntnisse, dem fragilen kleinteiligen alpinen Lebensraum angepasst, oder ihm abgerungen. Einem Wissen, das auf den Erfahrungen der Vorfahren beruht. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Ein Wissen, das angehende Bergbauern in Schule oder landwirtschaftlichem Studium oft nicht lernten, sagt Klaus Schreyer. </p>
<p>Ein Wissen, das man über Generationen bewahrt habe - und das sich bewährt hat, ergänzt Regina Hölzl: Die Bewirtschaftung von Alm und Alp zwängen Bergbauern seit Jahrhunderten dazu, innovativ zu denken. Wie etwa schafften es frühere Generationen auf der Schellenbergalm, dass ihnen die Milch auch ohne Kühlschrank nicht schlecht wurde? Die Sennerin führt eine steile Holztreppe hinab, in den Keller der Almhütte. </p>
<p>Atmo Schritte, gehen auf hölzerner Kellertreppe</p>
<p>O-Ton 11 Hölzl</p>
<p>„Ich hab einen Keller mit Wasserfall. (lacht) Des hoast so: Der Keller hat keinen Boden ned. Der hat nur einen Kiesboden drin, da kommt vom Berg her zu 90 Prozent immer natürliches Wasser eina. Und je höher die Luftfeuchtigkeit, um so kühler das Ganze...  Sehr schlau gedacht, sehr innovativ, mitdenkt. Wie bringe ich das hin, dass ich auch auf 1500 Meter ohne Strom Lebensmittel haltbar machen kann?“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Dass es sich bei „ihrer“ Milch um ein besonders kostbares Lebensmittel handelt – das steht für die Bäuerin außer Frage. </p>
<p>Nach Analysen der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein, einer Einrichtung des österreichischen Landwirtschaftsministeriums, enthält die Milch von Kühen, die auf Bergwiesen und Almen weiden, tatsächlich einen besonders hohen Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren sowie an Vitaminen und Mineralstoffen. </p>
<p>M Im stillen Tal 0´52´´</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Die Art und Weise, wie Almkühe fressen, befördert Forschern zufolge auch die Artenvielfalt.  Demnach halten die grasenden Kühe, Schafe und Ziegen den Pflanzenbestand niedrig. Das Gros der lichtbedürftigen Blumen und Kräuter bekommt dadurch genug Sonne, um zu wachsen und zu gedeihen. Werden diese von Kühen gefressen und wieder ausgeschieden, so versorgt dies den Almboden mit wichtigen Nährstoffen. Treten Kühe Löcher in diesen Boden, so können darin eingetragene Pflanzensamen keimen. Schließlich transportieren die Tiere Samen in ihrem Fell bis in die entlegensten Winkel der Alm, an Raine, in Übergänge zu Wald und Fels, die unwegsam sind, aber ein wahres Refugium der Biodiversität. Der Innsbrucker Professor Markus Schermer: </p>
<p>O-Ton 12 Schermer</p>
<p>„Wir wissen, dass in den Rändern von bestimmten Landschaftsteilen die höchste Biodiversität ist. Also am Waldrand, oder den Feldrändern...diese Randbereiche sind ganz besonders wichtig. Und deswegen auch diese Flurgeholzstreifen und solche Dinge die eben wichtige Lebensräume darstellen. Dass diese offenen Flächen ganz wichtig für das Wasserregime sind, dass da mehr Wasser in den Boden hineinsickern kann, als wenn das Waldflächen sind, weil in den Waldflächen die Verdunstung auch höher ist.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Markus Schermer, der lange am Forschungszentrum Berglandwirtschaft der Universität Innsbruck geforscht hat, spricht es aus, dieses: „Was wäre wenn?“ </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Was wäre, wenn die Almgegenden nicht mehr von Bauern bewirtschaftet würden: Wie würden sie aussehen? Welche Folgen hätte dies für Fauna und Flora von Alpen und Voralpenland, welche für diese gewachsene Kulturlandschaft von und mit der Menschen seit hunderten von Jahren leben?</p>
<p>Atmo Hof/Alm</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Klaus Schreyer steht vor seinem Hof, auf einer leichten Anhöhe, so dass er seine Streuobstwiesen überblickt, dahinter sanft-hügelige, voralpine Landschaft wie aus dem Fremdenverkehrsprospekt. Ganz zufrieden ist er dennoch nicht. </p>
<p>O-Ton 13 Schreyer</p>
<p>„Es ist halt dann ein enormer Strukturwandel in der Gegend, weil die ganze Landschaftsprägung ändert sich dann. (…) Vor mir ist der Schwarzenberg. Wo ich jetzt Wald sehe bei mir, bis rauf zum Gipfel war das Weidelandschaft. Ich unterhalt mich ja auch oft mit norddeutschen Touristen, wenn die bei uns da sind, also Gäste, und die sagen: Das einmalige an der Gegend ist halt, weil der Übergang so ist. Man hat eigentlich schon relativ kleinstrukturierte Flächen, und hat auch die Waldränder. Haglandschaft heißt das bei uns. Und das gibt’s ja da oben fast nicht“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dass einzigartige Berg-Landschaften nach und nach verschwinden – es ist ein nicht weit hergeholtes Szenario. Ihr Rückgang begann Markus Schermer zufolge, als die Almwirtschaft, vor gut 50 Jahren, unter Druck geriet.</p>
<p>O-Ton 14 Schermer</p>
<p>„Das war an und für sich schon etwas, was man in den frühen 70er Jahren beobachten konnte, dass die Bergbetriebe die Modernisierungsverlierer sind. Dass sie also nicht so mit der Mechanisierung, Intensivierung, Spezialisierung mithalten konnten, die man also nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein in der Landwirtschaft durchgeführt hat.“ </p>
<p>Sprecher  </p>
<p>Klaus Schreyer hat das Sterben der Höfe in seiner Nachbarschaft hautnah miterlebt. </p>
<p>O-Ton 15 Schreyer</p>
<p>„Brunnfeld heißt der ganze Ort, und das waren einmal acht Bauern in Brunnfeld. Und jetzt sind wir noch der Einzige.“ </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Dass es seinen „Sunnara“-Hof noch gibt: Das hat Schreyer der Um- und Weitsicht seiner Vorfahren zu verdanken, die das Anwesen nach und nach bis zu einer überlebensfähigen Größe erweiterten: Von 5 Kühen in der Frühzeit des Hofs auf heute fast 50. Klaus Schreyer schließlich investierte weniger in Quantität - sondern in die Qualität der Tierhaltung.</p>
<p>O-Ton 16 Schreyer</p>
<p>„Wir haben dann einen neuen Stall gebaut, der ist auch jetzt wieder 34 Jahre all. Und dortmals habe ich natürlich schon eine riesige Revolution gebrochen, da im Leitzachtal, weil ich hab den ersten Laufstall gebaut. Also bei mir laufen die Kühe schon frei. Weil ich hab kein Anbindehaltesystem gefunden, wo sich eine Kuh richtig wohlfühlt.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Anbindehaltung, bei der Vieh das ganze Jahr über im Stall angebunden bleibt, soll aus Tierschutzgründen in einigen Jahren nicht mehr erlaubt sein. Dies schreckte zunächst auch Bergbauern auf, die Kombihaltung betreiben. Dabei haben die Kühe im Sommer – wie bei Regina Hölzl auf der Schellenbergalm – Weidegang. Im Winter im Tal, oder abends und nachts, werden sie im Stall angebunden.   </p>
<p>Atmo Jungkuh kommt in Stall der Schellenbergalm getrottet</p>
<p>O-Ton 17 Hölzl</p>
<p>„Da kommt die Guggi, die will in den Stall… Das ist eins von den Kälbern, die am Spätnachmittag selber heimgeht...“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Eine junge Kuh kommt in den niedrigen Stall getrottet, stellt sich an ihren Platz – und wartet darauf, von Regina Hölzl angebunden zu werden.</p>
<p>O-Ton 18 Hölzl</p>
<p>„Das ist ein Braunvieh, und die weiß auch, dass sie schön ist.  Die ist sehr eitel, ja. Die wird jetzt über Nacht in dem Stall angehängt, damit sie ihren festen Platz hat, damit sie ihre Ruhe hat, damit sie die großen Kühe einfach in Ruhe lassen. (…) Des sind Alphatiere, das sind Herdentiere. Die große Kuh neben dem kleinen Kaibal: die schafft da drin an. Das Kälbchen kann nicht aus. Und so hat sie ihren Platz, darf da bleiben über Nacht, und kriegt ihre Portion Heu.“  </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Eine solche Kombihaltung soll auch nach einer Neufassung des Tierschutzgesetzes möglich sein. Unmut gab es zuletzt darüber, den Winterauslauf von Rindern verpflichtend zu regeln. Für Almbauern, die ihr Vieh ohnehin wann und wo möglich ins Freie ließen, noch eine Regulierung mehr, klagt Regina Hölzl. Sie berät mittlerweile Kolleginnen und Kollegen im komplizierten Klein-Klein der Düngeverordnung. </p>
<p>O-Ton 19 Hölzl</p>
<p>„Es sind diese Vorschriften, die´s einem so leidig machen. Es ist enger geworden, es sind viel mehr Vorschriften geworden. Oder dieser Bleistift, die Subventionen, es wird immer wieder minimalisiert: Dabei muss ich ja investieren, Rücklagen bilden. Die allermeisten Betriebe haben noch irgendein Standbein: Ein Schankrecht, eine Ferienwohnung im Tal, damit man „Urlaub auf dem Bauernhof“ noch mitnehmen kann.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Sich breiter aufstellen, etwa durch touristische Angebote: Dies sei eine Möglichkeit für Bergbauern, das Überleben zu sichern, sagt Agrarsoziologe Markus Schermer. Eine andere liege in mehr Spezialisierung. Durch Direktvermarktung oder ökologisches Wirtschaften könnten sie höhere Preise erzielen. Schließlich könnten sie ihre Betriebskosten geringer halten: Etwa durch Zusammenschlüsse wie Maschinenringe oder Genossenschaften. Doch so gut sich ein Bergbauer neu aufstellt - ohne einen weiteren Faktor würde es laut Schermer wohl nicht gehen: Ohne Subventionen, mit denen die EU - wie auch das Land Bayern mit einem speziellen Bergbauernprogramm – die Almwirtschaft fördern. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Wert der Subventionen für die Bergbauern: Er lasse sich nicht in Heller und Pfennig berechnen, sagt Markus Schermer. Denn die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Alpen und Voralpen sei vernetzt, bilde eine bäuerliche Subkultur, einen Kitt auch für die Gemeinschaft, und eine gemeinsame Identität in den Dörfern.</p>
<p>O-Ton 20 Schermer</p>
<p>„Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass wir neben einer Biodiversitätsförderung auch eine Soziodiversitätsförderung brauchen. Das heißt, wir sollten gesellschaftliche Organisationsformen und Lebensformen erhalten und deren Habitat erhalten, die eine Alternative zu unserem Leben und Wirtschaftsweisen, zu unserer kapitalistischen Lebens- und Wirtschaftsweise bieten. Ob das jetzt regional ist, wie die Bergbauern und Bergbauerninnen, oder ob das global ist. Aber im Prinzip ist es etwas, was mich in den letzten Jahren etwas mehr beschäftigt, dass wir mit unserer Wirtschaftsweise eigentlich die letzten Bereiche, die Alternativen dazu böten, kaputt machen. Dass unsere dominante Wirtschaftsweise eigentlich die Alternativen ausradiert, die wir so sehr brauchen würden für eine Transformation in Richtung sozial-ökologischer Nachhaltigkeit.“ </p>
<p> M Weltverdruss  1´27´´</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Sie verspüre den Auftrag, das Wissen und die Erfahrung der Ahnen weiterzugeben, sagt die Bergbäuerin Regina Hölzl: Nicht nur an die nächste Generation der Bergbauern, sondern auch an die Gesellschaft. Als „Erlebnisbäuerin“ bringt sie Schülerinnen und Schülern das Leben der alpinen Landwirtschaft näher. Aber auch Wanderern auf der Schellenbergalm, die bei der Bergbäuerin Regina Hölzl Nachhaltigkeit hautnah erleben können.</p>
<p>O-Ton 21 Hölzl</p>
<p>„Das, was gottseidank wieder moderner geworden ist: Dass man sich wieder bewusster mit den Ressourcen auseinandersetzt, umgeht und die auch schätzt. </p>

<p>Das erlebe ich da oben immer wieder: wenn ich die Butter jetzt rühre in diesem Butterfass, und es sind zufällig Wanderer da, und die sagen: Was machst du den Da? Ja ich mach einen Butter. Woah, dürfen wir zuschauen? Woah schmeckt die gut! Und es geht einem selber auch so, dass man das leider ein bisschen vergessen hat: Dass das von einer gesunden Kuh ist, die frisches Wasser braucht. Und wie viel Energie, wie viel Liebe, wie viel Handarbeit da dahintersteckt. Wie gern man das macht, und mit was für einem souveränen Wissen das auch gemacht wird. Es wird einem schon bewusst, was das für ein bereichernder Aufwand ist, bis man das Stückerl Butter dann da hat. Und das kriegt dann einen ganz anderen Stellenwert.</p>
<br/>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Vertragsarbeiter in der DDR - Fremd im Bruderstaat</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/vertragsarbeiter-in-der-ddr-fremd-im-bruderstaat/2089769</link>
      <pubDate>Tue, 02 Sep 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2d6ae556-e198-4636-8df1-80a338d4d203</guid>
      <description>Sie lebten abgeschottet von der restlichen Bevölkerung, denn eine dauerhafte Einwanderung war nicht erwünscht: Die sogenannten Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik, Angola, Polen oder Ungarn, die den Mangel an Arbeitskräften in der DDR ausgleichen sollten. Wie erging es ihnen nach der Wende? Autorin: Maike Brzoska  </description>
      <enclosure length="20532864" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2089769/c/feed/vertragsarbeiter-in-der-ddr-fremd-im-bruderstaat.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie lebten abgeschottet von der restlichen Bevölkerung, denn eine dauerhafte Einwanderung war nicht erwünscht: Die sogenannten Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik, Angola, Polen oder Ungarn, die den Mangel an Arbeitskräften in der DDR ausgleichen sollten. Wie erging es ihnen nach der Wende? Autorin: Maike Brzoska  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8abf49fc-cdb5-4f1b-b769-d0a15aa7636e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie lebten abgeschottet von der restlichen Bevölkerung, denn eine dauerhafte Einwanderung war nicht erwünscht: Die sogenannten Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik, Angola, Polen oder Ungarn, die den Mangel an Arbeitskräften in der DDR ausgleichen sollten. Wie erging es ihnen nach der Wende? Autorin: Maike Brzoska  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/> Regie: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Dorothea Anzinger, Jerzy May<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Ann-Judith Rabenschlag Karpe, Historikerin, Universität Stockholm;<br/>Birgit Weyhe, Illustratorin des Comic-Buches “Madgermanes”;<br/>Thach Nguyen, ehemaliger DDR-Vertragsarbeiter;<br/>Tamara Hentschel, DDR-Wohnheim-Betreuerin, Bürgerrechtlerin</p>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Max Frisch - Der Kampf ums Ich<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/max-frisch-der-kampf-ums-ich/bayern-2/96862016/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-vertragsarbeiter-ddr-fremd-im-bruderstaat-bruderhilfe-migration-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>MUSIK Motivated work Z8034318 119 0.44 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im April 1980 beschließen die Regierungen der Deutschen Demokratischen Republik und der Sozialistischen Republik Vietnam einen Staatsvertrag.</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Geleitet vom Wunsch zur Vertiefung der brüderlichen Zusammenarbeit (…) haben die Regierungen (…) folgendes vereinbart: Die Regierung der DDR gewährleistet vietnamesischen Facharbeitern (…) für die Dauer von jeweils vier Jahren die Aufnahme einer Beschäftigung in Betrieben (…) der Deutschen Demokratischen Republik. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Grund ist einfach, sagt die Historikerin Ann-Judith Rabenschlag Karpe. Sie hat an der Universität Stockholm ihre Dissertation über Vertragsarbeit in der DDR geschrieben.</p>

<p>01 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Der Grund ist in der DDR genau derselbe wie in Westdeutschland und in ganz vielen anderen europäischen Staaten. Es besteht schlicht und ergreifend ein Arbeitskräftemangel.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber anders als die Bundesrepublik, wo die Fachkräfte vor allem aus der Türkei und Italien kommen, wirbt die DDR Arbeitskräfte aus sozialistischen Staaten an.</p>

<p>02 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Die DDR schließt die ersten Verträge mit Polen und Ungarn. Und dann, im Laufe der 70er Jahre erweitert sich der geografische Fokus und man wirbt in Afrika, in Lateinamerika, in Asien an. Und dann die größten Gruppen kommen aus Mosambik und Vietnam.</p>

<p>MUSIK Königskinder Z8038689 103 0.55 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Anfangs sind es sehr wenige. Die große Mehrheit kommt erst in den 1980er Jahren in die DDR. </p>

<p>03 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Es beginnt mit sehr kleinen Zahlen Anfang der 60er Jahre mit ein paar 100 polnischen Arbeitern. Und Ende der 80er Jahre sind wir dann bei gut 90.000. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern übernehmen größtenteils unbeliebte Tätigkeiten in der DDR. </p>

<p>04 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Das sind Arbeiten, die physisch anstrengend sind, im Schichtdienst, mit Nachtdiensten verbunden, am Fließband, Arbeitsplätze, an denen man Lärm ausgesetzt ist, unangenehmen Gerüchen, und so weiter. Also alle Arbeitsfelder, die für jemanden, der sich zwischen mehreren Jobs entscheiden kann, nicht die erste Wahl sind. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die vielen unbesetzten Stellen sind ein Problem für die Planwirtschaft der DDR. Die Maschinen sind nicht ausgelastet, die Norm kann nicht erfüllt werden. Eigentlich hätte in vielen Betrieben Tag und Nacht gearbeitet werden müssen, aber die Leute fehlen.</p>

<p>05 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Am Anfang hat man versucht, die DDR-Bürger für das Schichtsystem zu gewinnen, das ist aber nicht so gelaufen, wie man sich das vorgestellt hat, so dass man dann Arbeitskräfte in den sozialistischen Bruderländern angeworben hat.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Tamara Hentschel betreut damals Arbeitskräfte aus Vietnam. Sie erklärt, wie alles funktioniert und hilft bei Sprachproblemen. </p>

<p>MUSIK Work in progress red 2 Z803431827 0.31 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Viele der vietnamesischen Arbeitskräfte, insbesondere die Frauen, arbeiten in der Textilindustrie. Hentschels Vietnamesinnen zum Beispiel im Betrieb „Herrenbekleidung Fortschritt“. Im Akkord schneidern sie Hosen und Hemden.</p>

<p>06 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Wo man nicht mit gerechnet hatte, war, dass die Vietnamesen sehr geschickt sind und auch die Norm gebrochen haben, dadurch gab es dann auch sehr viele Konflikte, also in der Textilindustrie war das so, sehr viele Konflikte mit den deutschen Arbeitskräften.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Denn wer die Norm übererfüllt, also ein Normbrecher ist, setzt die Kollegen unter Druck, ebenfalls schneller zu arbeiten. Anders als die Frauen werden die Männer aus Vietnam oft auf dem Bau eingesetzt. Hier kommt es ebenfalls zu Problemen. </p>

<p>07 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Im Baugewerbe gab´s ganz viele Unfälle, weil die Vietnamesen im Gegensatz zu deutschen Bauarbeitern und mosambikanischen Bauarbeitern sehr klein und schmächtig waren, und da gab es sehr viele Unfälle, die darauf zurückzuführen waren, dass die Arbeit einfach mal viel zu schwer war. </p>

<p>MUSIK Needle and twin Z8019017 122 1.11 Min. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schwere Arbeit, von der sie sich kaum erholen können, denn die Wohnverhältnisse sind beengt. Die Vertragsarbeiter leben, nach Geschlechtern getrennt, in Wohnheimen.</p>

<p>08 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Zum Beispiel ne Dreiraumwohnung mit neun Personen in drei verschiedenen Schichten mit einer Küche und einem Bad. Und, ich weiß nicht, ob das im Westteil so bekannt ist, diese Badzellen, hat man dazu gesagt, das waren so ungefähr fünf Quadratmeter: ne Badewanne, ein Waschbecken, ne Toilette. Es gab keine Waschmaschine, also für die neun Personen musste alles mit der Hand gewaschen werden und dann in der Wohnung auch getrocknet werden. Und die Küche war meistens ein Durchgangszimmer zu einem anderen Zimmer, wo andere wiederum geschlafen hatten, weil sie Nachtschicht hatten. Und dann wurde versucht, mit zusätzlichen Kochplatten in den Zimmern dann zu kochen, was verboten war, und das war so meine Tätigkeit, aufzupassen wegen Brandschutz und Hygiene und so weiter. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Leben in den Wohnheimen ist streng geregelt. </p>

<p>MUSIK Dark Tunnel Z8023930 109 0.30 Min. </p>

<p>ZITATOR </p>
<p>Heimordnung für das Betriebswohnheim „Insel“ des VEB Papierfabrik Dreiwerden. (…) Zur konsequenten Durchsetzung der Prinzipien von Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit und Disziplin sind nachstehend aufgeführte Festlegungen einzuhalten. Die Zimmerzuweisung wird durch den Gruppenleiter getroffen. Ein selbständiges Umziehen in andere Zimmer (…) ist nicht statthaft. Es ist nicht gestattet, die Zimmereinrichtung auszuwechseln.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um 22 Uhr werden die Wohnheime geschlossen. Nur Schichtarbeitende dürfen dann noch ein- und ausgehen. Übernachtungen müssen genehmigt werden. Das gilt auch für Ehepaare. Denn die leben meist nicht zusammen, sondern sind ebenfalls nach Geschlecht getrennt untergebracht. Auch Kontakte zur deutschen Bevölkerung sind nicht erwünscht. </p>

<p>09 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Also erstmal waren sie ja im Wohnheim isoliert, die Bevölkerung rundrum war nicht informiert über den Einsatz. Warum sind die hier? Wer sind die überhaupt? Und persönliche Kontakte, wenn die nicht im Arbeitsprozess erfolgt sind, haben die eigentlich nicht stattgefunden.</p>

<p>MUSIK Motivated Work Z8034318 119 0.50 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Integration ist ohnehin nicht vorgesehen. Die Arbeitskräfte sollen vier oder fünf Jahre in der DDR bleiben, um zu arbeiten, und dann in ihr Heimatland zurückkehren. Dennoch kommt es immer wieder zu Kontakten zur DDR-Bevölkerung, auch zu Freundschaften und Liebesbeziehungen. Und mancherorts entsteht ein Austausch, der einträglich ist für beide Seiten. Hentschels Vietnamesinnen und Vietnamesen etwa schneidern bald Kleidung für DDR-Bürgerinnen und Bürger. Ein inoffizieller Nebenjob.</p>

<p>10 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Die wollten die fünf Jahre nutzen, um so viel wie möglich Geld zu verdienen, damit sie ihre Familien zuhause unterstützen konnten. Und nach und nach haben Vietnamesen in den Wohnheimen dann pro Bettenplatz dann eine Nähmaschine aufgestellt und haben für die DDR-Bevölkerung Jeanshosen, Jacken, Röcke und so weiter genäht, alles nach Maß. </p>

<p>MUSIK People of Iraq M0007510 036 0.32 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>In Vietnam kommt damals jede Hilfe recht. 1975 war der Vietnam-Krieg zu Ende gegangen, nach mehr als 20 Jahren Gräueltaten und Verwüstungen. Das Land ist traumatisiert. Die Wirtschaft liegt am Boden. Geld können die Vertragsarbeiter nicht überweisen, denn die DDR-Mark ist nicht konvertibel, kann also nicht in andere Währungen umgetauscht werden. Deshalb schicken sie Waren nach Hause, erinnert sich der ehemalige Vertragsarbeiter Thach Nguyen.</p>

<p>11 O-TON (Nguyen)</p>
<p>Also Zucker, Seife, Ersatzteile für Fahrräder, für Motorräder, Kakao und gute Bekleidungen. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vor allem Fahrräder sind sehr beliebt. Die sind in der DDR allerdings Mangelware. </p>

<p>12 O-TON (Nguyen)</p>
<p>Ich hab nie in der DDR ein Fahrrad kaufen können. Wenn Fahrrad da ist, ist sofort weg. Wenn irgendwas da ist, dann sind schon so viele Vietnamesen da vor dem Laden. </p>

<p>MUSIK Needle and twin Z8019017 122 0.58 Min. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Thach Nguyen hatte sich in Vietnam für die Vertragsarbeit bewerben müssen. Nur die Besten dürfen in die DDR. Für ihn war es deshalb eine Auszeichnung, ausgewählt zu werden. Es gilt den Sozialismus aufzubauen, zuhause und in den Bruderländern.</p>

<p>13 O-TON (Nguyen)</p>
<p>Man arbeitete für die Sache des Sozialismus, das ist so zu dieser Zeit, und die DDR stand damals an der Spitze, so muss man sagen. Also jeder ist stolz und freut sich, in die DDR kommen zu dürfen. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Er kannte die DDR bereits, weil er in den 1970ern an der TU Dresden studiert hatte. Danach war er nach Vietnam zurückgekehrt, um in einem Forschungsinstitut für Bauwesen zu arbeiten. Ende der 1980er kommt er als Vertragsarbeiter dann erneut in die DDR. Er wird Gruppenleiter und Dolmetscher auf dem Bau, weil er bereits gut Deutsch spricht. Anders als seine Kollegen, die kaum Zeit haben und Gelegenheit bekommen, die deutsche Sprache zu lernen. </p>

<p>14 O-TON (Nguyen)</p>
<p>Bei uns durfte jeder nur acht Wochen Deutsch lernen, danach gleich arbeiten. Einige bekamen zwar Ausbildung, aber wenige. Wir waren eine Gruppe von 200, nur 15 bekommen eine Ausbildung als Schweißer, die anderen müssen sofort arbeiten. </p>

<p>MUSIK Dark Tunnel Z8023930 109 0.32 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das erzeugt viel Frust. Statt neue Fähigkeiten zu erwerben, müssen viele einfache Hilfstätigkeiten übernehmen. Sie schleppen Dachziegel oder sortieren Schrauben am Fließband. Und das, obwohl viele von ihnen top ausgebildet sind. Thach Nguyen bekommt als Gruppenleiter den Frust deutlich zu spüren.</p>

<p>15 O-TON (Nguyen)</p>
<p>Manche Leute stellen auch Fragen wie: Warum bin ich hier als ungelernte Arbeitskraft, warum bekomme ich Lohnstufe vier, obwohl ich Bauingenieur bin zum Beispiel. Das bedeutet, zuhause hat man ihnen nicht gut genug erklärt. </p>

<p>MUSIK Success means work © Z8034319 118 0.38 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die hohen Erwartungen kamen nicht von ungefähr. Denn die SED, also die Einheitspartei der DDR, hatte die Vertragsarbeit nach außen hin anders dargestellt. </p>

<p>16 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Wir bieten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus dem sozialistischen Ausland die Möglichkeit, sich hier bei uns weiter zu qualifizieren. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, in einer hochindustrialisierten Gesellschaft auch technische Fähigkeiten zu erlernen und sich aber auch ideologisch weiterzuentwickeln. Und dann, so ist der Gedanke, dann können die Arbeiter zurückkehren in ihre Heimatländer und dort beim Aufbau junger Industrien helfen und auch den Geist des Sozialismus verbreiten. Das ist sozusagen die offizielle Sprechweise der SED.</p>

<p>MUSIK Structure ryhtme M0010659 003 0.18 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Frustriert sind nicht nur vietnamesische Arbeitskräfte, sondern auch viele Arbeitskräfte aus Mosambik. Sie waren nach den Vietnamesen die zweitgrößte Gruppe Vertragsarbeiter. Einen von ihnen lernt die Illustratorin Birgit Weyhe eher zufällig kennen. Auch er ist tief enttäuscht.</p>

<p>17 O-TON (Weyhe)</p>
<p>Weil er eben dachte, er bekommt eine Ausbildung in der DDR und dann aber kein Mitspracherecht hatte, sondern in Karl-Marx-Stadt an der Stanzmaschine in der Fabrik stand über Jahre. Und als er eben zurück musste nach der Wende auch damit nichts anfangen konnte, weil es eben Industrie in der Form gar nicht gab, wo er diese eine Handbewegung, die er an der Stanzmaschine gemacht hat, hätte nutzen können. Er war sehr frustriert, dass auch die Familie enttäuscht war, dass er nichts mitgebracht hat. </p>

<p>MUSIK Structure ryhtme M0010659 003 0.27 Min. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Birgit Weyhe lebt heute in Hamburg, ist aber in Ostafrika aufgewachsen, und hat oft ihren Bruder in Mosambik besucht – sie kennt also Land und Leute. Sie war überrascht und auch ein wenig beschämt, dass sie nichts wusste von den mosambikanischen Arbeitskräften in der DDR. Sie beginnt zu recherchieren und spricht in Mosambik mit insgesamt 20 ehemaligen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern. </p>

<p>18 O-TON (Weyhe)</p>
<p>Was alle einheitlich gesagt haben, ist, dass es hieß, sie könnten eben in die DDR, könnten da arbeiten und würden eine Ausbildung kriegen. Und das hat sich für die wenigsten erfüllt. Also manche konnten dann wenigstens einen Führerschein machen, was ihnen ein bisschen was gebracht hat. Aber das waren wirklich Ausnahmen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Birgit Weyhe zeichnet einen Comic. Das Buch erscheint 2016 und heißt „Madgermanes“. So nennen sich die mosambikanischen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter, die in der Hauptstadt Maputo auf die Straße gehen und protestieren. </p>

<p>MUSIK Anxious Z8037642 105 0.19 Min.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Denn während ihres Aufenthaltes in der DDR bekamen sie nur einen Teil der Löhne ausgezahlt. Der Rest wurde einbehalten. </p>

<p>20 O-TON (Weyhe)</p>
<p>Manchmal waren es 60 Prozent, manchmal 50, die ihnen abgezogen wurde, weil es hieß, das Geld bekommt ihr, wenn ihr zurückkommt. Das kommt auf ein Konto, und wenn ihr zurück nach Mosambik kommt, dann habt ihr dieses ganze Geld und könnt damit dann euch ein neues Leben aufbauen und profitiert davon und eure Familien. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine schöne Vorstellung – die sich für die meisten allerdings nicht erfüllte.</p>

<p>MUSIK Needle and twin Z8019017 122 0.27 Min. </p>

<p>21 O-TON (Weyhe)</p>
<p>Was die Vertragsarbeiter nicht wussten, ist, dass die beiden Länder untereinander einen Deal geschlossen hatten, dass mit diesen Löhnen die Devisen-Schulden Mosambiks abgezahlt werden. Das heißt, Mosambik hat eben Waffen eingekauft bei der DDR gegen Devisen und konnte diese Schulden nicht zurückzahlen, weil es eben ein Land war, was gerade unabhängig geworden ist und direkt in den Bürgerkrieg gegangen ist, woher sollten die Devisen kommen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Einen solchen Deal hatte die DDR nicht nur mit Mosambik, sondern auch mit anderen sozialistischen Staaten. </p>

<p>22 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Viele der Entsendestaaten waren bei der DDR verschuldet. Und diese Abkommen waren dann eine Möglichkeit, diese Schulden teilweise zu tilgen. Also jeder Arbeiter, der beispielsweise dann aus Mosambik nach Berlin geschickt wurde, um dort in einem volkseigenen Betrieb zu arbeiten, dessen Arbeitsleistung wurde teils in Form eines Gehaltes an den Arbeiter ausgezahlt und teils lief das Geld direkt in die Kasse der DDR zur Tilgung der Staatsschulden, was natürlich das individuelle Gehalt des Arbeitnehmers runtergedrückt hat. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Neben dem eher niedrigen Verdienst erlebten viele Mosambikaner auch Anfeindungen. Bekannt sind heute vor allem die rechtsextremen Anschläge in den 1990ern, also nach der Wende. Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Solingen. Aber auch schon vor der Wende gab es Übergriffe.</p>

<p>24 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Wir wissen aus Stasiakten und Polizeiakten, dass es auch schon lange vor dem Mauerfall in der DDR zu rassistischen Übergriffen kam, also gewalttätigen Übergriffen. Die wurden aber totgeschwiegen und tabuisiert. Das hat natürlich mit dem ideologischen Hintergrund zu tun. Laut SED-Regime war Rassismus ein Symptom kapitalistischer Systeme. </p>

<p>MUSIK Motivated work red 2 Z8034318 121 0.35 Mon.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das sind die Schattenseiten der Vertragsarbeit in der DDR. Und dennoch berichten viele auch von positiven Erfahrungen. Vom Zusammenhalt untereinander und in den Betrieben. Und von langanhaltenden Freundschaften und Menschen, die in der DDR eine Art Ersatzfamilie waren.  </p>

<p>25 O-TON (Weyhe)</p>
<p>Ich habe mit einer gesprochen, die hat immer noch zu Omi und Opi Kontakt. Das war ein Ehepaar, was sie ganz am Anfang kennengelernt hat und die sie jede Woche eingeladen hat zu Kaffee und Kuchen und die so ihr Anker waren. Die waren wirklich wie Omi und Opi für sie. Und die telefonieren immer noch und sind ganz eng. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch Thach Ngyuen erinnert sich im Großen und Ganzen gerne an die Zeit.</p>

<p>MUSIK Buddelkastenfreunde Z8038689 116 0.55 Min. </p>

<p>26 O-TON (Ngyuen)</p>
<p>Wenn man sich heute trifft, also die ehemaligen Vertragsarbeiter, die erzählen immer noch von dem schönen Leben damals in der DDR. Denn sie müssen sich vorstellen, in Vietnam waren wir sehr arm, haben nicht genug zu essen, auf einmal haben sie genug zu essen, also Hühner, Brot, Fleisch, ein sauberes Bett, Warmwasser zum Beispiel. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und, was ihm ganz wichtig ist: Viele Familien profitieren, auch seine eigene.</p>

<p>27 O-TON (Nguyen)</p>
<p>Man muss auch so sagen: Mit den Abkommen hat man auch sehr vielen Familien in Vietnam geholfen. Die Leute, die hier waren, die können Waren nach Hause schicken, die können ihre Familien zuhause unterstützen. Und nach der Wende, die die hiergeblieben sind oder die hinzugekommen sind, die dürfen dann ihre Familie herholen, wie ich zum Beispiel.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Seine Tochter hat in Deutschland mit einem Notendurchschnitt von 1,0 Abitur gemacht und anschließend promoviert. Sein Sohn studiert Musik in der Schweiz.</p>

<p>28 O-TON (Nguyen)</p>
<p>Das ist das, was ich diesem Land zu verdanken habe.</p>

<p>MUSIK Anxious Z8037642 102 0.31 Min. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das ist die heutige Perspektive, mehr als zwei Jahrzehnte nach der Wende. 1989, also nach dem Mauerfall, beginnt erst einmal eine sehr schwierige Zeit für die Vertragsarbeiter. Vor allem, weil ihr rechtlicher Status unklar ist.</p>

<p>29 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>Die Arbeitsmigranten befinden sich in einem juristischen Vakuum, weil ihre Aufenthaltsgenehmigung an den Arbeitsvertrag geknüpft gewesen war. Und dieser Arbeitsvertrag war aber vom Staat der DDR geschlossen worden. Und den gab es ja nun nicht mehr. Also war der Arbeitsvertrag nicht mehr gültig. Damit also auch die Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Einige Herkunftsländer holen ihre Arbeitskräfte deshalb bald nach Hause. </p>

<p>30 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Wie zum Beispiel Kuba, Nordkorea, China. Aber Mosambik, Angola, Vietnam haben ihre Leute nicht zurückgeholt. In Afrika war Bürgerkrieg und Vietnam stand kurz vor dem wirtschaftlichen Aus. </p>

<p>MUSIK Königskinder Z8038689 103 0.43 Min</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Rund 90.000 Vertragsarbeiter leben zur Zeit des Mauerfalls in der DDR. Die Mehrheit kommt aus Vietnam. Teilweise sind sie erst ein paar Monate zuvor eingereist. Ein Großteil der Vertragskräfte kehrt zur Wendezeit in die Heimat zurück – einige bekommen eine ordentliche Abfindung, andere werden massiv zur Ausreise gedrängt. In Deutschland bleiben letztlich </p>
<p>rund 20.000 Menschen aus Vietnam, 3000 aus Mosambik und 200 aus Angola. Ihre Situation ist oft äußerst prekär: Viele sprechen erst wenig deutsch und in den Wohnheimen können sie häufig nicht bleiben. </p>

<p>31 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Weil die Unterbringung war nicht für Arbeitslose, weil die ja alle arbeitslos geworden sind. Die wenigen Wohnheime, die es noch gab, haben gleich nach der Wende 120 D-Mark gekostet, also für ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Geld, das erst mal verdient werden muss. Manche verkaufen Zigaretten auf der Straße, andere gründen kleine Imbisse oder Blumenläden. Oft im rechtlichen Graubereich. Denn ihr Status ist lange unklar und sie müssen jederzeit damit rechnen, abgeschoben zu werden. Oft wissen auch die Behörden nicht so genau, wie mit ihnen verfahren werden soll. Tamara Hentschel gründet deshalb eine Beratungsstelle für ehemalige Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter. </p>

<p>32 O-TON (Hentschel)</p>
<p>Als wir dann als Beratungsstelle angefangen haben, war für uns erst mal wichtig, sie zu informieren über ihre Rechte. Dass sie Leistungen beziehen dürfen und Arbeitserlaubnis kriegen müssen und so weiter. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sie engagiert sich mit anderen, dass der rechtliche Status endlich geregelt wird. Sieben Jahre dauert das, dann gibt es Klarheit. </p>

<p>MUSIK Motivated work Z8034318 119 0.32 Min. </p>

<p>33 O-TON (Rabenschlag Karpe)</p>
<p>1997 wird es dann möglich für diese ehemaligen Arbeitsmigranten, sich formal um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in der Bundesrepublik zu bewerben.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was bei den meisten auch genehmigt wird. Aus den ehemaligen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern, die im Rahmen der sozialistischen Bruderhilfe in die DDR kamen, werden nun also Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ordnung in die Natur! Der schwedische Forscher Carl von Linné</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ordnung-in-die-natur-der-schwedische-forscher-carl-von-linn/2081028</link>
      <pubDate>Mon, 01 Sep 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7265bf0d-2cf4-472e-9973-f75c5fd49349</guid>
      <description>Der schwedische Naturforscher Carl von Linné erfasste im 18.Jahrhundert die damals bekannte Tier- und Pflanzenwelt und brachte sie in eine logische Ordnung. Dazu führte er die binäre Benennung der Organismen ein. Dieses System ermöglicht es Wissenschaftlern, sich über Arten in einer präzisen und standardisierten Sprache auszutauschen. 
Autorin: Susanne Hofmann (BR 2023)</description>
      <enclosure length="24676608" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2081028/c/feed/ordnung-in-die-natur-der-schwedische-forscher-carl-von-linn.mp3"/>
      <itunes:duration>00:25:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Hofmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Der schwedische Naturforscher Carl von Linné erfasste im 18.Jahrhundert die damals bekannte Tier- und Pflanzenwelt und brachte sie in eine logische Ordnung. Dazu führte er die binäre Benennung der Organismen ein. Dieses System ermöglicht es Wissenschaftlern, sich über Arten in einer präzisen und standardisierten Sprache auszutauschen. 
Autorin: Susanne Hofmann (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/63f8590c-44c3-4406-9aac-a47c134ba948.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der schwedische Naturforscher Carl von Linné erfasste im 18.Jahrhundert die damals bekannte Tier- und Pflanzenwelt und brachte sie in eine logische Ordnung. Dazu führte er die binäre Benennung der Organismen ein. Dieses System ermöglicht es Wissenschaftlern, sich über Arten in einer präzisen und standardisierten Sprache auszutauschen. 
Autorin: Susanne Hofmann (BR 2023)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Susanne Hofmann<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Peter Weiß<br/> Technik: Tim Höfer<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Kärin Nickelsen, Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München;<br/>Gerhard Haszprunar, Professor em. für Zoologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, früherer Direktor der Zoologischen Staatssammlung München; <br/>Renate Hudak, Dipl.-Ingenieurin für Gartenbau, Botanischer Garten Augsburg</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Neophyten, die eingeschleppten Pflanzen - Alles Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/neophyten-die-eingeschleppten-pflanzen-alles-natur/bayern-2/94798094/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Die wundersame Welt der Gräser - Alles Natur!<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wundersame-welt-der-graeser-alles-natur/bayern-2/94537904/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Was macht Moore so wertvoll? - Alles Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-macht-moore-so-wertvoll-alles-natur/bayern-2/94586134/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipp</strong><strong>:</strong></p>
<p>Marei. Das Geschäft mit der Liebe<br/>ARD Audiothek | Hörspiel<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/marei-das-geschaeft-mit-der-liebe/12861431/">ZUM PODCAST</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/marei-das-geschaeft-mit-der-liebe/12861431/"></a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-schwedische-forscher-carl-von-linne-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Das musste ihm erst mal einer nachmachen! </p>
<p>ZITATOR1</p>
<p>Kein Naturwissenschaftler hat mehr Beobachtungen in der Natur angestellt. Keiner hat einen solideren Einblick in alle drei Reiche der Natur zugleich gehabt. Keiner war ein größerer Botaniker oder Zoologe.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Ein Superlativ reiht sich an den nächsten. </p>
<p>ZITATOR1</p>
<p>Keiner hat mehr Werke geschrieben, besser, ordentlicher, aus eigener Erfahrung. Keiner so völlig eine ganze Wissenschaft reformiert und eine neue Epoche eingeleitet. Keiner hat eine so über alle Welt ausgedehnte Korrespondenz gehabt. [langsam ausblenden]</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Keine Frage: Nach dieser Einschätzung ist der so Gepriesene eine Ausnahmeerscheinung, eine überragende Figur in der Wissenschaft des 18. Jahrhunderts: der schwedische Naturforscher Carl von Linné. Randnotiz zum Schmunzeln – das überschwängliche Lob stammt aus Linnés eigener Feder. An Selbstbewusstsein mangelte es dem Schweden nicht. Seine Lebensleistung: Er entwickelte ein umfassendes, schlüssiges hierarchisches System der biologischen Klassifizierung. Alle damals bekannten Tiere und Pflanzen ordnete er in Kategorien wie Klassen, Ordnungen und Gattungen ein. Dafür rühmten ihn auch andere Geistesgrößen, der Philosoph Jean-Jacques Rousseau zum Beispiel: </p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Für mich gibt es keinen Größeren auf Erden. </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Und Goethe bekannte, dass Linnés Hauptwerk „Philosophia naturae“ sein steter Begleiter war und </p>
<p>ZITATOR 3</p>
<p>dass nach Shakespeare und Spinoza auf mich die größte Wirkung von Linné ausgegangen ist </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Sein größtes Verdienst bringt Linné selbst so auf den Punkt:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Gott schuf, Linné ordnete</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Carl von Linné, oder Carl Linnaeus [Linnäus], wie er die ersten 50 Jahre seines Lebens hieß, revolutionierte die Biologie, indem er in der Natur „aufräumte“. Oder vielmehr: sich auf die Suche nach dem geheimen Plan machte, welcher der göttlichen Schöpfung nach seiner Vorstellung innewohnte - erklärt der österreichische Zoologe Gerhard Haszprunar, langjähriger Leiter der Zoologischen Staatssammlung in München und Zoologie-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München:</p>
<p>1. ZUSPIELUNG Haszprunar 6:14</p>
<p>„Er war hundert Jahre vor Darwin, also von Evolution gab es noch gar keine Rede. Und daher war für ihn diese Ordnung göttlich vorgegeben. Punkt. Also er hat gar nicht versucht, diese Ordnung in irgendeiner Form durch einen Mechanismus zu erklären, sondern das war die göttliche Schöpfung, die ist hierarchisch geordnet, offensichtlich, und die Aufgabe des Wissenschaftlers ist jetzt, diese göttliche Ordnung in allen Details zu erkennen und zu beschreiben. Das war sein Programm, und das hat er knallhart durchgezogen.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Linné war ein begnadeter Beobachter. Was er sah – seien es nun Mineralien, Tiere oder Pflanzen – sortierte er. Sein Ordnungssystem sorgt noch heute für Übersicht in der Botanik und in der Zoologie – und das, obwohl wir in den über 250 Jahren seit seinem Tod im Jahr 1778 viele neue Erkenntnisse gewonnen und unzählige weitere Pflanzen und Tiere entdeckt haben. Die Tierwelt ordnete Linné folgendermaßen: Er unterteilte die Tiere in sechs grobe Gruppen – Säugetiere, Vögel, Amphibien, Fische, Insekten und Würmer. Diese sechs Kategorien wiederum untergliederte er weiter – in Stämme, Klassen, Ordnungen, Familien und Gattungen. Der Zoologe Gerhard Haszprunar:</p>
<p>2. ZUSPIELUNG Haszprunar 8:11</p>
<p>„Also wir haben Begriffe wie etwa jetzt die Säugetiere. In den Säugetieren haben wir die Huftiere. In den Huftieren haben wir jetzt zwei Gruppen: Paarhufer und Unpaarhufer. In den Paarhufern haben wir jetzt Hornträger und Geweihträger und so weiter und so fort. Also, das ist so ineinander geschachtelt wie eine russische Puppe, aber vielfach, nicht bloß ein paar, sondern 30, 40 solcher Kategorien.“</p>
<p>MUSIK m02 (Z8028537114, Rework it, Artisan crafts, Sponticcia, Martin, 0:53 Min)</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Linnés besonderes Interesse galt indes der Welt der Pflanzen, der Botanik. Schon als Kind, Anfang des 18. Jahrhunderts, tummelte er sich gern im Garten seines Vaters. Der hatte einen besonders schönen, selbst angelegten Lustgarten, in dem er auch seltene Pflanzen anbaute, darunter mediterrane Kräuter wie Thymian oder Rosmarin. Der junge Carl durfte bald seine eigenen Beete beharken und lernte die Namen der Pflanzen kennen. Was die Benennung von Pflanzen betraf, herrschte damals Wildwuchs…</p>
<p>ZITATOR 2 oder 3</p>
<p>„…da dreißig oder vierzig Botaniker ein und derselben Pflanze ebenso viele verschiedene Namen beilegten. Auf diese Weise war die ganze Botanik zu einem wahren Chaos, zu einem allgemeinen Babel geworden, wo niemand mehr seinen Nachbarn verstehen konnte.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>So beschrieb der französische Naturforscher und Geologe Georges Cuvier die Begriffsverwirrung, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, die damals herrschte. Für die Botaniker der Zeit eine kaum noch zu beherrschende Herausforderung, meint Kärin Nickelsen, Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie forscht zur Geschichte der Biologie, insbesondere zur Geschichte der Botanik.</p>
<p>3. ZUSPIELUNG Nickelsen 4:12</p>
<p>„Zu der Zeit, als Linné lebte, gab es natürlich sehr viele andere Systeme bereits, aber diese Systeme waren nicht einheitlich, und die Arten und Gattungen hießen auch unterschiedlich, je nachdem, welches System man anlegte. Also es gab eine große Verwirrung, und die wurde umso ein beschwerlicher und auch wirklich hinderlicher, als ja viele neue Arten nach Europa kamen, also durch die Expansionsbestrebungen, die Kolonialunternehmen der europäischen Mächte, kamen sehr viele neue Pflanzenarten auch Tierarten - aber bleiben wir mal bei den Pflanzen,… nach Europa. Die musste man neu benennen, und sie bekamen häufig ganz unterschiedliche Namen, je nachdem, wer sie gerade in seinem System benannt hat. So, jetzt kam Linné und wollte ein einheitliches System schaffen.“ </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Dieses einheitliche System der Benennung ist eine von Linnés Errungenschaften als Naturforscher. Doch ehe wir dazu kommen – rasch ein Abstecher in seine Biographie. </p>
<p>MUSIK m03 C1480470016, Tempelfeste, Melancholie - Music for film, Proksch, Michael, 0:49 Min)</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Name:</p>
<p>ZITATOR 1 </p>
<p>Carl Linnaeus</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Art</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Homo sapiens </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Unterart</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Naturforscher, Botaniker, Arzt</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Herkunft: </p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Småland [smoland], Provinz in Südschweden</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Lebenszeit:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>1707 bis 1778</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Aussehen - nach seiner eigenen Beschreibung:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>„Der Kopf groß, mit gewölbtem Hinterhaupt, … Die Augen braun, lebhaft, äußerst scharf, von hervorragender Sehkraft. … Ein entschlossener Charakter, leicht zu Zorn, Freude, Trauer geneigt, schnell zu besänftigen; frohgemut in der Jugend und auch nicht stumpfsinnig im Alter; seinen Obliegenheiten voll und ganz hingegeben“</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Carl Linnaeus wuchs als Sohn eines protestantischen Pastors in Südschweden auf dem Land auf. Eigentlich sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten – allein: Er gehörte in den dafür maßgeblichen Fächern Theologie, Griechisch und Hebräisch zu den schlechtesten Schülern. Dafür überragte er seine Mitschüler in Mathe und Physik. Ein Lehrer erkannte seine Begabung und unterrichtete ihn privat bei sich zuhause. Linnaeus schloss das Gymnasium ab und begann das Studium der Medizin zunächst in Lund, später in der Universitätsstadt Uppsala [Uppsála]. Vor allem interessierte er sich dort aber für das Studienfach Botanik, er erforschte den Botanischen Garten der Uni und tat sich durch seine Sachkunde derart hervor, dass man ihm bald einen Lehrauftrag erteilte. </p>
<p>MUSIK m04 (CD701240020, The song of Iivana Onoila. Traditiona, Authentic Scandinavia 3, Kontio, Matti (Bearb.), 0:45 Min)</p>
<p>Mit 23 wurde er auf eine abenteuerliche Forschungsreise ins weithin unbekannte Lappland entsandt, dessen Flora und Fauna, Landschaften und Bewohner er genau beschrieb und mit Zeichnungen illustrierte. </p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Hier war es, als würde ich in eine neue Welt hinausgeführt, und als ich in die Berge kam, wusste ich nicht, ob ich in Afrika oder Asien war, denn sowohl das Erdreich als auch die Lage und die Pflanzen waren mir vollkommen unbekannt.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Nach seiner Rückkehr schrieb er an seinen ersten Werken zur Systematik der Pflanzen. Schließlich promovierte er in Medizin, ließ sich zunächst als Arzt nieder und bekam später eine Professur am Lehrstuhl für Botanik. Mit 50 wurde Carl Linnaeus in den Adelsstand erhoben und durfte sich fortan Carl von Linné nennen. Die Wissenschaftshistorikerin Kärin Nickelsen:</p>
<p>4. ZUSPIELUNG Nickelsen 8:18</p>
<p>„Linné war sehr, sehr erfolgreich darin, an seiner Karriere zu arbeiten, wenn man so möchte. Er studierte in Schweden, das war auch damals eher von den Zentren der Wissenschaft weit entfernt, und es gelang ihm aber dann, auf der damals üblichen großen Europa-Tour Kontakte zu knüpfen zu den besten Botanikern der Zeit, also in den Zentren wie vor allen Dingen Paris, was sehr wichtig war für die Wissenschaft der Zeit, aber auch in den Niederlanden, wo ganz wichtige Naturforscher ihre botanischen Gärten hatten, also für die Botanik vor allen Dingen oder in der Medizin. Durch diese Kontakte wurde es ihm ermöglicht, die Manuskripte, die er bereits mitbrachte, an angesehenen Druckereien drucken zu lassen. Er publizierte die Werke und sorgte dann dafür, dass diese auch breit gelesen und eben verkauft wurden.“</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Linné war ein unermüdlicher Arbeiter, er veröffentlichte rund 20 Bücher, die er in Neuauflagen immer wieder korrigierte und erweiterte, er korrespondierte mit anderen Wissenschaftlern und er hielt Vorlesungen. Die Studenten kamen aus ganz Europa, um von ihm zu lernen. Als Professor veranstaltete er regelmäßige Exkursionen rund um Uppsala, um mit den angehenden Forschern die heimische Flora und Fauna zu studieren. Diesen wissenschaftlichen Erkundungen der Natur schlossen sich manchmal bis zu 200 Teilnehmer an. </p>
<p>Mitzunehmen waren: Linnés Buch „Systema naturae“ über die Systematik der Lebewesen, Lupe, Messer, Botanisierbüchse zum Umhängen für die Funde. Alle 30 Minuten wurden die gefundenen Exemplare nach Gattung, Art, Standort, Nutzen und Besonderheiten besprochen. Fand jemand eine Seltenheit, wurde das Waldhorn geblasen. </p>
<p>Waldhorn-Atmo? </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>In seiner Autobiographie erinnert sich Linné:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>„Und nachdem sie von morgens sieben bis abends neun Uhr mittwochs und sonnabends botanisiert hatten, kamen sie in die Stadt zurück mit Blumen auf den Hüten, begleiteten auch ihren Anführer mit Pauken und Waldhörnern durch die ganze Stadt bis zu dem Garten.“</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Zum Abschluss der Exkursion riefen die Teilnehmer laut: </p>
<p>MEHRERE (junge, männliche) STIMMEN?</p>
<p>Vivat Linnaeus!</p>
<p>MUSIK m07 (Z8033060122, New hope, Ice Word, Kreuzer, Anselm, 0:35 Min)</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Zu den wissenschaftlichen Verdiensten Linnés gehörte nicht nur sein Ordnungssystem für Lebewesen. Er führte auch eindeutige wissenschaftliche Namen für Pflanzen und Tiere ein. Insbesondere in der Botanik ein Meilenstein. Dazu reduzierte er die oft langatmigen Bezeichnungen von Pflanzen auf zwei Bestandteile. </p>
<p>Jede Pflanze erhielt sozusagen einen Vor- und einen Nachnamen – auf Latein. Der erste Teil des Namens bezeichnete die Gattung, der zweite die Art innerhalb der Gattung. Die binäre Nomenklatur war geboren – und damit unter anderem der Begriff Homo sapiens, den Linné ebenfalls prägte. Diese Systematik erwies sich im, bis dahin völlig unüberschaubaren, Pflanzenreich als besonders hilfreich. </p>
<p>Ein Beispiel: Während einst den Schwalbenwurz-Enzian ein wahres Wortungetüm bezeichnete</p>
<p>ZITATOR 2 oder 3</p>
<p>Gantiana foliis avato-lanceolatis floribus campanulatis in alis sessilibus – zu Deutsch: Enzian mit eiförmig-lanzettenartigen Blättern und glockenförmigen Blüten in sitzenden Flügeln</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>So machte Linné daraus schlicht eine </p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Gentiana asclepiadea – zu Deutsch also: Schwalbenwurz-Enzian </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Der Vorteil dieser knappen, eindeutigen Benennung liegt noch heute auf der Hand - nicht nur für Wissenschaftler, sondern für alle, die mit Pflanzen zu tun haben, wie Renate Hudak vom Botanischen Garten Augsburg: </p>
<p>5. ZUSPIELUNG Hudak 0:16</p>
<p>„Damit kann ich mir immer sicher sein, dass, wenn ich mit jemandem anderen spreche, wir dieselbe Pflanze meinen.“ </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Noch heute tragen Pflanzen im alltäglichen Sprachgebrauch oft regional unterschiedliche deutsche Namen. Um Missverständnisse auszuschließen, hilft der Rückgriff auf die Linnéschen lateinischen Bezeichnungen weiter. </p>
<p>Linné führte nicht nur diese zweiteilige Nomenklatur ein, er entwickelte eine ganz neue Fachsprache und legte Methoden zur Erforschung der Pflanzen fest. Das alles in seinem Werk „Philosophia Botanica“. </p>
<p>7. ZUSPIELUNG Nickelsen 16.38</p>
<p>„Und was dieses Werk auch auszeichnet, ist, es ist nicht ein trockenes Lehrbuch der Botanik, sondern das ist eingeteilt in unterschiedliche Aphorismen könnte man sagen, in Sätze und dann Erläuterung, und es ist unglaublich witzig zum Teil, also geistreich. Bei den Namen zum Beispiel … sagt er etwa: Namen sind nicht zulässig, wenn sie anstrengend auszusprechen sind, wenn sie ekelhaft sind oder wenn sie länger sind als anderthalb Fuß. Und das erläutert er dann weiter und sagt, länger als eineinhalb Fuß ist ein Name, der mehr als zwölf Buchstaben hat.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Linné ging bei seiner wissenschaftlichen Arbeit pragmatisch zu Werk und orientierte sich am praktischen Nutzen. </p>
<p>Die Botanik war seinerzeit dem „gottgegebenen“ System der Pflanzen auf der Spur, das es zu erkennen galt. </p>
<p>8. ZUSPIELUNG Nickelsen 5.10</p>
<p>„Aber Linné war sehr davon überzeugt, dass das zwar ein Ziel war, dass wir dies aber nicht erreichen können. Und dass wir … Kategorien brauchen, die wir nach unserem Gutdünken definieren, also dass wir Gruppen schaffen, mit denen wir gut arbeiten können… Das gelang ihm sehr, sehr gut. Hier hat er Klassen definiert und Ordnungen, also große Gruppen nach den sogenannten Sexual-Organen der Pflanzen. Das war schon bekannt, dass man so etwas wie eine sexuelle Fortpflanzung hat bei Pflanzen, und man musste dann … für diese übergeordneten Gruppen nur noch zählen. Also man musste zählen, wie viele Staubblätter und wie viele Stempel und Narben eine Pflanze hatte und konnte sie dann ins System einsortieren.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Linnés systematischer Ansatz ermöglichte ihm eine geradezu enzyklopädische Leistung. Im Laufe seines Lebens beschrieb und benannte er schätzungsweise 16.000 Pflanzen- und Tierarten, viele davon Neuentdeckungen. Das tat er nicht eigenhändig, er konnte sich dabei auf ein weltumspannendes Netzwerk an Korrespondenten stützen. </p>
<p>Sie alle arbeiteten schon bald nach seinem System.</p>
<p>10. ZUSPIELUNG Nickelsen 13.20</p>
<p>„Zum Teil waren das Schüler, zum Teil waren es auch Kollegen, mit denen er auf gutem Fuß stand, die durch die Welt reisten und ihm Pflanzen-Material zusandten, meistens als getrocknete Herbarexemplare, die er dann nutzte, um die neuen Pflanzennamen zu definieren und die dann in die nächste Auflage der Spezies Plantarum aufzunehmen. Das ist also ein Werk, das sehr häufig aufgelegt wurde, immer wieder überarbeitet und erweitert.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Diese Arbeitsweise war damals unter Botanikern üblich – es herrschte ein Geben und Nehmen, man tauschte Pflanzenmaterial aus und teilte sein Wissen. Wobei Linnaeus sich in der damaligen Botaniker-Gemeinschaft einen eher zweifelhaften Ruf erwarb, wie die Wissenschafts-Historikerin Kärin Nickelsen berichtet.</p>
<p>11. ZUSPIELUNG Nickelsen 20.48</p>
<p>„Denn es war bald bekannt, dass Linné zwar von allen Pflanzenmaterial, getrocknete Pflanzen oder auch eingelegtes Material, bekam und auch darum bat oder sogar anforderte, aber kaum jemals etwas wieder verschickte. Also ein Korrespondenzpartner bezeichnete ihn einmal sehr schön als die Spinne im Netz.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Dank dieser zentralen Stellung mit Verbindung in alle Welt gewann Linné in seinem abgelegenen Botanischen Zentrum im schwedischen Uppsala einen Überblick über die für Europa bekannte Flora der Zeit. Und aus dieser Position heraus definierte er, welche Pflanze wo in dem System ihren Platz erhielt und vergab entsprechende Namen. </p>
<p>12. ZUSPIELUNG Nickelsen 13.30 </p>
<p>„Und Linné nutzte seine Position als Autorität, um auch Gunst zu vergeben. Also er konnte auch mit Pflanzennamen zum Beispiel Kollegen feiern, die er besonders lobenswert fand und erwähnenswert fand, also seinen verehrten Lehrer zum Beispiel, Rudbeck, den ehrte er durch die Rudbeckia, also den Sonnenhut, eine ganz besonders schöne Pflanze in dieser Zeit.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Kritiker seiner Arbeit dagegen konnte er schon einmal abstrafen durch seine Namensgebung.  </p>
<p>13. ZUSPIELUNG Nickelsen 12.13</p>
<p>„Es gab einen Botaniker, der ihn besonders scharf kritisierte: Johann Georg Siegesbeck, und da hat Linné im Gegenzug etwas gemacht, was er auch häufiger machte, nämlich seine Position als Nomenklator, als derjenige, der Pflanzennamen vergab, ausgenutzt. Er hat also zu Ehren von Siegesbeck eine ganz besonders unscheinbare, unwichtige Pflanze Siegesbeckia genannt.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Und Kritiker hatte Linnaeus durchaus. Vor allem sein sogenanntes Sexualsystem der Pflanzen stieß einigen Zeitgenossen peinlich auf. Denn Linné gruppierte die Pflanzen anhand ihrer Fortpflanzungsorgane. In Analogie zum menschlichen Sexualleben sprach er von den „Hochzeiten der Pflanzen“ und war überzeugt, so die Umweltpädagogin Renate Hudak: </p>
<p>14. ZUSPIELUNG – Hudak 6:39</p>
<p>„Pflanzen haben eine Sexualität, und es gibt weibliche Blüten und männliche Blüten, und zum Teil wurde er dafür richtig angefeindet, weil das zu dieser Zeit eigentlich ein Unding war - zu sagen: das harmlose, friedliche Reich der Pflanzen wird jetzt auch noch damit verbunden.“</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Auch wenn seine Beobachtung völlig richtig war – bei der Fortpflanzung von Pflanzen spielen männliche und weibliche Blütenorgane eine große Rolle – geriet er mit seinen Begriffen und seinen Beschreibungen in Konflikt mit den Moralvorstellungen seiner Zeit, sagt Kärin Nickelsen. Indes:</p>
<p>15. ZUSPIELUNG Nickelsen 11:25</p>
<p>„Er hat es auch genossen. Er hat auch geschrieben darüber, wie etwa, wenn man eine Gruppe hatte, zum Beispiel mit einem Staubblatt und verschiedenen Narben oder Stempeln, dann nannte er dies Monandria, … und schrieb auch darüber, dass hier also ein Mann mit vielen Frauen ins Bett geht - das war durchaus bewusst als Provokation gesetzt und wurde auch so gelesen.“ </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Gegen die gängigen Vorstellungen verstieß auch, dass er den Menschen in sein System der Tiere aufnahm, und zwar in eine Gruppe mit den Menschenaffen. Kärin Nickelsen:</p>
<p>16. ZUSPIELUNG Nickelsen 26:45</p>
<p>„Das war etwas, was den religiösen Gefühlen der Zeit vollständig entgegenstand. … Also den Menschen als Krone der Schöpfung auf eine Stufe zu stellen mit eben Affen - dafür wurde er sehr kritisiert und blieb aber, hielt daran fest und sagte, als Naturforscher sehe er eigentlich keinen Grund, der dem irgendwie entgegenstand. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Linné war durch und durch Wissenschaftler. Er fühlte sich dem verpflichtet, was sich beobachten ließ. Sein System und die Vereinfachung der Namensgebung bewirkten,</p>
<p>17. ZUSPIELUNG Nickelsen:</p>
<p>„dass im 19. Jahrhundert etwa das Botanisieren etwas wurde, was ein verbreitetes Hobby war, also gerade für bürgerliche Familie in England ganz besonders, aber auch in anderen Teilen Europas, auch schicklich für junge Damen, … also mit ganz wenig Vorbildung konnte man auf diese Weise eben Pflanzen, die man fand, da konnte man zunächst einmal zählen: Wie viele Staubblätter gibt es, wie viel Stempel gibt es, und wo gehört es dann zunächst mal rein als Klasse und Ordnung und sich dann also einen Zeitvertreib aneignen, der zugleich also gerade in England auch aufgeladen war mit theologischen Vorstellungen. näher. Also man konnte auf diese Weise mehr darüber erfahren, wie Gott eben die Welt geordnet hat.“ </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Vieles von dem, was Linné an Ideen schuf, hat noch heute Bestand. </p>
<p>Sein zweiteiliges System zur Benennung von Tieren und Pflanzen beispielsweise. Anderes dagegen war schon bald überholt. Dass die Arten gottgeschaffen und konstant seien, wirbelte spätestens Charles Darwins Evolutionstheorie Mitte des 19. Jahrhunderts gehörig durcheinander. </p>
<p>Die Erkenntnis, dass sich Arten über die Generationen hinweg entwickeln, war unvereinbar mit Linnés künstlich definierten Kategorien. </p>
<p>Und: Längst ist klar, belegt auch durch die Genetik, dass morphologische Ähnlichkeiten eben nicht unbedingt Verwandtschaftsbeziehungen spiegeln.</p>
<p>MUSIK m01 (M0017672Z00, Into another dimension part 3, M0017672Z00, Rucker, Steve; Chase, Thomas Jones, 0:28 Min)</p>
<p>Carl von Linnés geniale Leistung bleibt dennoch zu würdigen: Es gelang ihm, Ordnung zu schaffen angesichts einer unübersichtlichen und geradezu explodierenden Wissensfülle. </p>
<p>Und was wäre eine Wissenschaft ohne Ordnung?!</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schlafen - Wer bin ich in meinen Träumen?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schlafen-wer-bin-ich-in-meinen-traeumen/2091873</link>
      <pubDate>Mon, 01 Sep 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5fd83bd2-a985-4107-b06f-ee02b6721eec</guid>
      <description>Schlaf fasziniert die Menschen seit jeher: Wie nah ist man im Schlaf dem Tod? Was oder wer ist man überhaupt im Schlaf? Philosophie, Literatur, Medizin oder Naturwissenschaften geben Antworten darauf. Die sind über die Jahrtausende hinweg allerdings sehr verschieden. Von Susi Weichselbaumer (BR 2024)  </description>
      <enclosure length="22054272" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2091873/c/feed/schlafen-wer-bin-ich-in-meinen-traeumen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Susi Weichselbaumer</itunes:author>
      <itunes:summary>Schlaf fasziniert die Menschen seit jeher: Wie nah ist man im Schlaf dem Tod? Was oder wer ist man überhaupt im Schlaf? Philosophie, Literatur, Medizin oder Naturwissenschaften geben Antworten darauf. Die sind über die Jahrtausende hinweg allerdings sehr verschieden. Von Susi Weichselbaumer (BR 2024)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/53f9af9a-0bf0-4bd9-81b7-987ea68f5706.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schlaf fasziniert die Menschen seit jeher: Wie nah ist man im Schlaf dem Tod? Was oder wer ist man überhaupt im Schlaf? Philosophie, Literatur, Medizin oder Naturwissenschaften geben Antworten darauf. Die sind über die Jahrtausende hinweg allerdings sehr verschieden. Von Susi Weichselbaumer (BR 2024)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susi Weichselbaumer<br/> Regie: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Burchard, Dabinnus, Silke von Walkhoff, Friedrich Schloffer<br/>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Victor Spoormaker, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München<br/>Holger Brohm, Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität Berlin </p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<strong>Seelenwanderung in den Religionen - Reinkarnation und Wiedergeburt<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/seelenwanderung-in-den-religionen-reinkarnation-und-wiedergeburt/bayern-2/13167095/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript Schlafen" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-schlafen-traeumen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>ZITATOR/ ZITATORIN</p>
<p>„Guten Abend, gut Nacht“ gesummt</p>
<p>ATMO Flirrend Feenwald </p>
<p>1 ZU (13 M - Kind) </p>
<p>Ich träume am liebsten von Feen, die zaubern lernen in der Zauberschule.</p>
<p>MUSIK Fairies </p>
<p>ZITATOR/ ZITATORIN</p>
<p>Gute Nacht! // Schlaf schön!</p>
<p>2 ZU (9 W - Kind) </p>
<p>Beim Schlafen ist der Kopf klar und man hat keinen Sorgen und man träumt was Schönes.</p>
<p>MUSIK Doomed / ATMO Wind / Käuzchen / Schurkenlache</p>
<p>ZITATOR/ ZITATORIN</p>
<p>Bis morgen! // Bis in der Früh! </p>
<p>3 ZU (3 Q - Kind) </p>
<p>Wenn ich aufgewacht bin, da habe ich so eine Angst gehabt. </p>
<p>LANGES ENDE </p>
<p>4 ZU (2 W- Kind) </p>
<p>Ich bin nicht so ganz bei mir, glaube ich, und als ich dann aufgewacht bin, war ich erstmal so: Wow!</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wer bin ich, wenn ich schlafe? Das ist eine uralte Frage. Die Menschen wahrscheinlich immer gestellt haben und stellen werden. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Vielleicht ist man der oder das, was man träumt? </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zugleich aber immer noch das eigene ich: Mein reales Ich. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Und ist der Traum ein extra Raum? In dem eine Geschichte abläuft. Und man ist bei dieser Geschichte – ja – dann wer? </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Autorin – weil: Man träumt sich das schließlich zusammen. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Oder es träumt einem! Und in dem Traum, der - bei einem! - abläuft, reagiert man auf das, was passiert. Irgendwie. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mein Schlaf und ich – die Beziehung ist kompliziert.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Oder ganz einfach.</p>
<p>5 ZU Brohm 12:20</p>
<p>Einerseits scheint nichts so natürlich, wie zu schlafen. Wir müssen schlafen, wir können uns dem nicht entziehen. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Sagt Holger Brohm. Er ist Kulturwissenschaftler an der Humboldt Universität zu Berlin.  </p>
<p>6 ZU Brohm 12:20</p>
<p>Zum anderen können wir manchmal nicht schlafen. Wir sind schlaflos. Wir fühlen uns morgens müde, weil wir das Gefühl haben, nicht ausgeschlafen zu sein. Also ergibt sich um den Schlaf herum eine riesige, große Problematik.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das sehen Menschen seit jeher so. Lange weiß man nicht: Was ist Schlaf überhaupt und was genau soll das? </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Heute ist man da weiter. Etwas. </p>
<p>7 ZU Spoormaker 0.00</p>
<p>Man kann messen, was im Gehirn passiert, und da kann man dann sehen, dass Schlaf nicht eine Periode ist, sondern das sind unterschiedliche Zustände, wo manchmal das Gehirn super aktiv wird und manchmal das Gehirn halb ausgeschaltet ist.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erklärt Victor Spoormaker. Am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München untersucht er seit Jahren per Scan, MRT, EEG: Was macht das menschliche Gehirn im Schlaf? </p>
<p>8 ZU Spoormaker 0.00</p>
<p>Es sind so Schlafzyklen. Wenn man einschläft, dann hat man erstmal leichten Schlaf, danach kommt man in Tiefschlaf, dann geht man zurück zum leichten Schlaf und dann kommt dieses komische Stadium, wo wir am meisten träumen, REM-Schlaf heißt das so nach Rapid-Eye-Movement – Schnelle-Augen-Bewegungen, und da ist das Gehirn tatsächlich so aktiv wie tagsüber. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In vielen seiner Bereiche.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>In einigen wesentlichen aber nicht. Die schalten im REM-Schlaf auf Pause.</p>
<p>9 ZU Spoormaker 1.24</p>
<p>Das sind Hirnareale hinter der Stirn, im präfrontalen  Kortex, und die sind tagsüber zuständig für Planung, Kontrolle, Arbeitsgedächtnis, also höherer kognitive Funktionen, und die stehen aus im REM-Schlaf. </p>
<p>MUSIK ENDE </p>
<p>10 ZU Spoormaker 1.24</p>
<p>Und dann wird es interessant. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das Ich im Schlaf ist viel ausgelieferter als bei Tag. Denn: Kontrollmechanismen fehlen. Herausforderungen begegnet der schlafende Mensch nicht planvoll, vorausschauend.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Sondern in erster Linie uremotional. Da fließen die Tränen im Schlaf.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Da wird hemmungslos gelacht.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Heftig geliebt.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sich wild gefürchtet!</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Deshalb passt der Begriff auch nicht richtig. Der Wort-Ursprung von „Schlaf“ ist altgermanisch. Die Goten sagten „sleps“. Alt- und mittelhochdeutsch wurde daraus: „Slaaf“. Gemeint war stets: Ein schlaffer Zustand. Und das ist Schlaf ja nur phasenweise. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wusste man dereinst eben noch nicht. Wie vieles über den Schlaf. Klar: Gepennt, geratzt, weggeschnarcht wurde immer. Aber ganz angenehm war das – genauso zu allen Zeiten – nicht jeder und jedem. Das Seltsame an der Sache ist ja das Loslassen. Das sich Wegbegeben aus der Realität, aus dem, was wir bewusst wahrnehmen und beeinflussen – sich wegbegeben. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wohin eigentlich?</p>
<p>11 ZU Brohm 15:13 </p>
<p>Lange Zeit wurde der Schlaf - schon in der griechischen Mythologie - als ein Bruder des Todes angesehen. Der Schlaf war etwas, was mit Ruhigstellung, mit Passivität verbunden ist. Der Schlaf wurde als Gefahr verstanden. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>In der griechischen Sagenwelt sind der sanfte Schlaf, Hypnos, und der mitleidlose Tod, Thantos, miteinander verwandt.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sie sind Brüder. Söhne der Nachtgöttin Nyx.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Nyx ist komplex.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nyx ist besonders.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Entstanden aus dem göttlichen Chaos am Anfang allen Seins ist Nyx die Nacht. Ihr Bruder ist die Dunkelheit. Nyx ist riesig. Wenn sie in ihrem Wagen, gezogen von zwei schwarzen Pferden, durch den Himmel rast, wehen ihre langen schwarzen Haare im Wind, die Augen sind nadelspitz –</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Nyx hat in alten Darstellungen weitausladende Schwingen. Sie ist eine geflügelte Göttin. Warum fährt sie im Pferdewagen über den Himmel? Überhaupt: Was sind nadelspitze Augen?</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wahrscheinlich solche, die dich durchbohren… Wichtig ist: Die Nacht macht den Menschen in der Antike Angst. Die Söhne der Nyx heißen nicht von ungefähr Tod und Schlaf – das sind Rätsel. Wie lange muss man nicht mehr aufwachen, um tot zu sein? Das ist eine praktische Frage früherer Bestatter. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der römische Dichter Ovid schreibt:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Der Schlaf ist das Abbild des Todes. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Seine Koordinaten kennt die damalige Dichtung sogar auch.</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Er wohnt in einer Höhle am Ufer des Lethebaches, wohin niemals die Sonne gelangt. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Lethe ist - der Sage nach - einer der Flüsse in der Unterwelt. Der Name meint „Vergessen“. Wer vom Wasser der Lethe trinkt, verliert vor dem Eingang ins Totenreich seine Erinnerung. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Dann scheiden sich ein bisschen die dichterischen Geister. Manch damaliger Autor belässt die Toten dort. Vergil und andere Schreiber bringen die Seelen zurück ins Leben – ohne Wissen um die eigene Vergangenheit.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Zurück auf Werkseinstellung, würde man heute sagen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das ist makaber. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Naja: Schlaf ist Todes Bruder. Glauben auch die Germanen. Die nennen sowohl den Schlaf als auch den Tod „Sandmann“. Einmal der, der den Kindern Sand in die Augen streut. Und einmal Sandmann im Sinne von „Sendmann“, „Sendbote“, hinüber in die andere Welt. Man kann in alten Zeiten schließlich nicht sicher sein. Die Menschen schlafen nicht nur deshalb zu mehreren in einem Zimmer, weil es wohnraumtechnisch bis in die Neuzeit bei vielen Familien einfach einkommensbedingt eng ist. Man fürchtet die Nacht. Dass morgens aufgewacht wird – sagt die Erfahrung. Aber nicht immer. Und warum dann mal nicht – das kann die frühe Medizin selten erklären. Ihrem Ruf als Wissenschaft wenig zuträglich sind gängige Geschichten von lebendig Begrabenen. Aus Versehen. Wusste man nicht besser. War eben lange nicht wach. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Schlaf als Scheintod – wird ein verbreitetes Motiv in Sagen, Dichtungen und Märchen. Éin Motiv, das sich hält, weil es fasziniert.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Weil allein die Vorstellung in einem schmalen, stickigen, stinkenden Sarg aufzuwachen, zwei Meter unter der Erde…</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Hallo! </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ja. Also: Berühmte Dichtungen mit Scheintod. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Bestes Beispiel: Shakespeares „Romeo und Julia“. In wilder Verzweiflung ob maximal brennender Liebe bei minimal einverstandener Verwandtschaft, greift SIE zum Schlaftrunk. „Julia lebt!“, seufzend sollen sie bei ihrem Wiedererwachen der Verbindung mit Romeo zustimmen. ER – Romeo – weiß von diesem Plan nichts und das ist ein Fehler! Also Romeo kommt zu früh dazu. Und wie SIE – Julia – da so liegt in diesem todesähnlichen Schlaf – und ihre Familie klagt und seine nicht, denn die Sippen sind verfeindet und ER wähnt sich schuldig, dass SIE –. </p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Kurz: Von Trauer gebrochene Herzen fühlen nicht sicherheitshalber nochmal den Puls, ehe sie selbst - </p>
<p> MUSIK ENDE</p>
<p>ZITATOR / ZITATORIN </p>
<p>„So wilde Freude, nimmt ein wildes Ende und stirbt im höchsten Sieg“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Prinz in Grimms Märchen „Schneewittchen“ geht patenter vor. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Er küsst probeweise die schlafende Schöne im Glassarg.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Von der alle, auch sämtliche Mitbewohner-Zwerge, überzeugt sind, dass sie tot ist. Vergiftet von der eifersüchtigen Stiefmutter. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Frau Königin, ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen über den sieben Bergen bei den sieben Zwergen …</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Drum prüfe, wer sich ewig bindet – ob sich nicht doch ein Lebenszeichen findet… Schneewittchen erwacht vom Kuss des Prinzen.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Und heiratet ihn von der Stelle weg. Dornröschen wird das genauso handhaben, andere auch. Wachküssen macht im Märchen Schule. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im echten Leben schmachtet einen morgens kein spontan verliebter Erbe der Krone an. Da rappelt gnadenlos der Wecker. Man wünscht, es wäre schon wieder Abend.</p>
<p>12 ZU (5W, 7b M, 9W Kinder)  </p>
<p>Ich finde es entspannend, wenn man schläft, weil das deinen Körper wieder auftankt. // Ich schlaf am liebsten ein mit meiner Familie // Immer zum Einschlafen lese ich meiner Familie was vor und danach kuschle ich mich zu ihnen.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Und tausche mein waches Ich ein gegen mein Schlaf-Ich. Das tickt etwas anders. </p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Forschung weiß inzwischen: Im Traum machen nicht nur Hirnareale Pause, die zuständig sind für Planung und logisches Denken. Auch emotionale Notbremsen setzen aus, die wir im Realen ziehen können – Wir wollen nicht, dass der Ex merkt, dass er noch berührt. Die Chefin soll nicht mitbekommen, dass ihre Kritik verletzt hat, der Einwurf des Kollegen war so grandios, wir platzen mitten in der sehr ernsthaft wichtigen Konferenz… spontan nicht heraus.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Im Schlaf aber –</p>
<p>13 ZU Spoomaker 2.44</p>
<p>Es ist nicht so, dass man das richtige Selbst ist. Sondern ein klein bisschen mehr Kontrollverlust als sonst. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erklärt der Schlafexperte am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, Victor Spoormaker.</p>
<p>14 ZU Spoomaker 2.44</p>
<p>In Träumen streitet man sich öfters und hat öfters eine Hauerei als tagsüber. Die Emotionen sind viel intensiver als tagsüber, die werden auch nicht gehemmt. Da hat man dann den totalen Verlust oder die totale Freude und kann das, wenn man wach wird, gar nicht mehr so nachvollziehen. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Blöd für viele Werbeangebote, die da behaupten der träumende Geist sei stets offen für Eindrücke, die nach dem Aufwachen weiterwirken. </p>
<p>MUSIK </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Selbstoptimierung im Schlaf - </p>
<p>ZITATOR/ ZITATORIN</p>
<p>Werde klüger// gesünder // kreativer// schöner!</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Entspannter im Schlaf mit Traumreisen zur inneren Einkehr an Orte, die du liebst.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Diese Traumreise ist gut für dich, wenn du dich nach Behaglichkeit und einem Gefühl von Geborgenheit sehnst. Ich lade dich ein ins Auenland, in eine gemütliche Hobbit-Höhle, das Feuer prasselt im Kamin - </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Lerne Sprachen im Schlaf -</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Flugzeugtriebwerk. Auf Finnisch: Lentokonesuihkuturbiinimoottoriapumekaanikkoaliupseerioppilas </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ob das tatsächlich alles im Schlaf funktioniert?</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Wissenschaft hat wenige Hinweise darauf. Manche Studien zeigen: Vokabeln wiederholen und sich dadurch besser merken im Schlaf, das kann gehen, wenigstens in den entspannten Zeiträumen vor und nach der traumaktiven REM-Phase. Bislang unbekannte Vokabeln speichert das Gehirn nicht. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>In der bewegten REM-Phase hingegen lassen sich vielleicht motorische Fähigkeiten verbessern wie Kung Fu, Snowboardfahren oder Gitarre spielen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ganz genau weiß auch das die Forschung nicht. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Oder hat noch nicht ausreichend filigrane Messgeräte, um entsprechende Wirkungen im Gehirn exakt nachzuweisen. Vieles ist nach wie vor einfach Ausprobieren, erzählt Schlafexperte Spoormaker. Der neuste Trend: </p>
<p>17 ZU Spoomaker 5.10</p>
<p> Das Phänomen des Klartraums, wobei man versucht mit Bewusstsein einzuschlafen. Das ist superschwer, aber wenn man sehr müde ist und man schläft ein und es kommen schon paar Bilder und man kann mit Bewusstsein einschlafen, da hat man einen großen Gestaltungsspielraum. Aber es ist halt dein Gehirn, es ist nicht ganz zu manipulieren. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Besser als meine Fantasie kann auch mein Traum nicht? </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Überraschend großartige Blockbuster entstehen vor dem inneren Klartraumauge nicht. Wahrscheinlich. Fest steht jedenfalls: Schlaf ist dem Menschen vertraut, weil alltäglich. Aber zugleich suspekt, weil nicht vollends kontrollierbar. Bereits die Höhlenbewohner stellen jede Nacht wenigstens eine – hoffentlich verlässliche – Person ab, die das Feuer bewacht. Und alle, die schlafen, vor Säbelzahntiger und Co. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die römische und griechische Antike hat genauso Respekt vor dem Schlaf. Er macht den Menschen passiv, angreifbar, liefert einen aus – </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Frühe östliche Kulturen wollen diese Furcht überwinden. Da wird der Schlaf beschrieben als der eigentliche, der wahre Zustand des Menschen. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Alles ist eins: Im Schlaf ist die Seele ungestört und aufgenommen in diese Einheit. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Schreibt der chinesische Philosoph Chuang Tzu um 300 vor Christus. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Im Wachen hingegen ist die Seele abgelenkt und sieht die verschiedenen Gegebenheiten der Welt. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die altindischen philosophische Texte der Upanishaden kennen mehrere Schlafphasen. Der Tiefschlaf ist der, der den Menschen zu seinem Selbst bringt.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wenn man tief schläft, ruhig und heiter und keinen Traum sieht, das ist das Selbst, das ist das Unsterbliche, Furchtlose. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aber auch der Zustand, der einen glatt in die Pleite treibt, denn: Wer schläft, arbeitet nicht. Im Christentum wird das Aufwachen später oft im übertragenen Sinn verstanden: Das Neue Testament erzählt von erweckt werden, sehen, verstehen – auferstehen. Das Alte Testament ist da noch pragmatischer. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Liebe den Schlaf nicht, dass du nicht arm werdest; lass deine Augen wacker sein, so wirst du Brot genug haben. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ein bisschen wie unser heutiges: Wer schläft, verliert.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wobei: Sind wir nicht inzwischen eins weiter, über das reine Leistungsdenken hinaus? Wo das Leben nicht mehr nur erfolgsgetrieben ist, sondern Balance will: Life and Work? </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Gute Frage und eine, die die Menschheit bereits lange beschäftigt: Was ist das richtige Schlafverständnis? </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Und entsprechend das optimale Schlafverhalten? </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Spätestens als sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Naturwissenschaft mehr und mehr durchsetzt gegen Religion und Philosophie, wird der Schlaf zum regenerativen Element.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Warum und wie der Mensch da was auftankt – mehr Sauerstoff, neues Blut, aufgefüllte Flüssigkeit im Gehirn –</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Im 19. Jahrhundert diskutieren die Gelehrten: Entsteht Schlaf durch Sauerstoffmangel? Blutleere im Gehirn? Umlagerung elektrischer Ladungen in den Nervenzellen – zum Beispiel durch zu viel Milch in der Nahrung? </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>18 ZU Spoomaker 5.10</p>
<p>Wir sind am Anfang.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Gibt Victor Spoormaker vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie zu:</p>
<p>19 ZU Spoomaker 5.10</p>
<p>Wir wissen nicht mal genau, wozu gibt es REM-Schlaf? Also wieso haben wir jede Nacht ein- bis zwei Stunden so ein Stadium, das so viel Energie kostet? Und das Gehirn kostet so viel Energie, normalerweise 20 Prozent von allem Energieverbrauch des Körpers geht zum Gehirn und man würde sagen, wenn Schlaf nur zum Ausruhen da ist, dann fährt es runter, wie im Tiefschlaf. Aber im REM-Schlaf zwei Stunden lang wieder volle Kraft – wozu?</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Bereiten wir in dieser traumintensiven Schlafphase den nächsten Tag vor? Verarbeiten wir das Gestern? Schieben wir Informationen im Gehirn in andere Speicher, organisieren salopp gesagt das Oberstübchen? </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Bislang wenig bis keine Ahnung. Zukünftige Untersuchungstechnologien werden mehr Aufschluss bringen, hofft Victor Spoormaker. Auch in Sachen: Wann ist wieviel Schlaf in welchen Abständen gut zu was?</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In frühen Zeiten schlafen die Menschen nicht einmal lange und das von abends bis in den Morgen. Sondern in kürzeren Etappen. Nachts ein paar Stunden, vormittags oder mittags vielleicht wieder, vor dem Abendbrot ein Nickerchen. Auf dem Strohlager daheim, unterm Baum draußen auf dem Feld, am Biertisch -  </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Richtige Betten hat meist nur der Adel. Und dann auch nicht nur zum Schlafen als auch zu Repräsentationszwecken. Der französische König Ludwig XIV. und Co. empfangen Minister und ausgewählte Untertanen gerne sitzend – im Prachtornat – im Bett. Ganz große Gunst widerfährt dem, der schon vorab ins Schlafzimmer darf zur Ankleidezeremonie. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Privat ist da nichts.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Schlaf ist lange nicht privat. Für niemanden quer durch alle Schichten. Noch bis in die Neuzeit gilt als gegeben: Kommt man zu Besuch, auf ein Fest oder schaut einfach so wo vorbei – schläft man, sollte es spät werden, gerne mit. Auf der Lagerstatt der Familie oder auf dem Boden. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und oft in vollem Gewand. Kuschelhaufen halten warm. </p>
<p>20 ZU Brohm 29.10</p>
<p>Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich die Vorstellung und die Praxis auch, dass der Schlaf im Bett zu vollziehen sei. Dafür hatten dann auch bestimmte hygienische Diskurse ihre Wirkung, die also deutlich machten, dass über eine bestimmte Schlafhygiene, natürlich auch die Ansteckungsgefahr bei großen Seuchen minimiert wird. Ebenso mengten sich da moralische Diskurse ein, die für das getrennte Schlafen plädierten, weil hier also eine große Gefahr auch unsittlichen Verhaltens mit bestünde. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts schließen sich die Schlafzimmertüren. Zuvorderst ist das eine Wohlstandsfrage. Elternschlafzimmer, Kinderzimmer. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Auch die Beschäftigung mit dem Phänomen Schlaf wird individueller, intimer, erklärt der Berliner Kulturwissenschaftler Brohm.  </p>
<p>21 ZU Brohm 17.10</p>
<p>Wir fangen erst an, den Schlaf zu akzeptieren, als etwas, was gar nicht wirklich passiv ist, indem wir total ausgeschaltet sind, sondern in dem Vorgänge geschehen, die wir leider nicht so gut einsehen können. Wir können diese Vorgänge eigentlich für uns selbst nur realisieren, indem wir im Nachhinein Tagebücher führen, Protokolle führen, um festzuhalten, was sich so mit dieser Flüchtigkeit des Schlafes ergeben hat und erst auf der Basis dieses veränderten Wissens zum Schlaf, gewinnt diese Frage nach dem, wer wir sind im Schlaf jetzt diese Brisanz und Aktualität.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die meisten Träume vergisst man wahrscheinlich deshalb, vermuten Schlafforscher, weil die Natur da eine Sicherung eingeschraubt hat. Was im Traum erscheint, soll sich nicht vermischen mit der Realität. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Das wäre mitunter fatal. Der Postbote träumt, die Familie in Nummer 42 hat den grantigen Hund verschenkt und läuft am nächsten Morgen gleich munter durchs Gartentor – </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Keine gute Idee. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Aber grundsätzlich aus Briefträgersicht durchaus eine angenehme Vorstellung. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Bis der echte Lumpi ums Eck spurtet. Was wieder zur Eingangsfrage führt: Wer bin ich, wenn ich schlafe?</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Und träume ich mir dann oder träumt es mir?</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Über Jahrtausende haben sich Philosophie, Literatur, Medizin, Naturwissenschaft damit beschäftigt.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Viel Konkretes rausgefunden haben sie noch nicht. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Vielleicht ist das große Mysterium Schlaf am Ende eh überbewertet – </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Weil es bloß drauf ankommt, wer einen wachküsst?</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nöp. Schlichte was man draus macht!</p>
<p>22 ZU (14 M Kinder)</p>
<p>Manchmal habe ich, wenn ich noch wach bin, aber meine Augen schon zu habe, wenn ich einschlafe so ein Bild im Kopf und wenn ich das nicht träumen will, dann mache ich wieder auf und wieder zu und habe ein anderes Bild. Wie beim Radio Sender wechseln. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frieden-persoenliche-sehnsucht-politische-utopie/1865788</link>
      <pubDate>Mon, 01 Sep 2025 01:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c49c6083-3283-4b19-acdf-a00be6472973</guid>
      <description>Frieden ist ein großes Ideal, ein alter Menschheitstraum - und mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er schafft die Konflikte nicht aus der Welt, sondern hegt sie ein. Und vielleicht bedeutet nicht einmal der innere Frieden die absolute Stille aller Wünsche. Was macht Frieden aus? Von Beate Meierfrankenfeld (BR 2022)  
</description>
      <enclosure length="21409920" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1865788/c/feed/frieden-persoenliche-sehnsucht-politische-utopie.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:18</itunes:duration>
      <itunes:author>Beate Meierfrankenfeld</itunes:author>
      <itunes:summary>Frieden ist ein großes Ideal, ein alter Menschheitstraum - und mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er schafft die Konflikte nicht aus der Welt, sondern hegt sie ein. Und vielleicht bedeutet nicht einmal der innere Frieden die absolute Stille aller Wünsche. Was macht Frieden aus? Von Beate Meierfrankenfeld (BR 2022)  
</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c60148d8-2263-40b7-8866-a947d8bab2a6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Frieden ist ein großes Ideal, ein alter Menschheitstraum - und mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er schafft die Konflikte nicht aus der Welt, sondern hegt sie ein. Und vielleicht bedeutet nicht einmal der innere Frieden die absolute Stille aller Wünsche. Was macht Frieden aus? Von Beate Meierfrankenfeld (BR 2022)  
</p><p>Credits<br/>Autorin dieser Folge: Beate Meierfrankenfeld<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Katja Bürkle, Thomas Loibl, Hemma Michel<br/>Technik: Gerhard Wicho<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Christoph Quarch (Philosoph);<br/>Susanne Buckley-Zistel (Professorin, Zentrum für Konfliktforschung an der Universität Marburg)</p>
<p><br/><strong>RadioWissen hat noch weitere hörenswerte Folgen zum Thema:</strong></p>
<p>Der Traum vom Weltfrieden - Der chinesische Utopist Kang Youwei<br/><a title="Radiowissen | Der Traum vom Weltfrieden" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-traum-vom-weltfrieden-der-chinesische-utopist-kang-youwei/bayern-2/90921302/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p><a title="Radiowissen | Der Traum vom Weltfrieden" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-traum-vom-weltfrieden-der-chinesische-utopist-kang-youwei/1831158"></a>Vergebung als Chance - Ein Prozess der inneren Aussöhnung<br/><a title="Radiowissen | Vergebung als Chance" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vergebung-als-chance-ein-prozess-der-inneren-aussoehnung/bayern-2/10563023/">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p><strong>Literaturtipps: </strong></p>
<p>Augustinus, „Vom Gottesstaat“, eingeleitet und übertragen von Wilhelm Thimm, Artemis-Verlag 1955</p>
<p>Hans J. Gießmann/Bernhard Rinke (Hrsg.), „Handbuch Frieden“, VS Verlag / Springer 2011</p>
<p>Thomas Hobbes, „Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates“, herausgegeben und eingeleitet von Iring Fetscher, übersetzt von Walter Euchner, Suhrkamp 1984</p>
<p>Immanuel Kant, „Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“, in: Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik 1, Werkausgabe (hrsg. Von Wilhelm Weischedel) Bd. XI, Suhrkamp, 9. Auflage 1991</p>
<p>Dieter Senghaas (Hrsg.), „Den Frieden denken“, Suhrkamp 1995</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Radiowissen | Frieden" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-frieden-krieg-streit-gesellschaft-konflikt-einigung-pazifismus-100.html">HIER</a></strong>.</p>

<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Deutschlands Weg in den Zweiten Weltkrieg - Der Anfang vom Ende</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/deutschlands-weg-in-den-zweiten-weltkrieg-der-anfang-vom-ende/33408</link>
      <pubDate>Mon, 01 Sep 2025 01:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">250901_0105_Radiowissen_Deutschlands-Weg-in-den-Zweiten-Weltkrieg--.mp3</guid>
      <description>Der Zweite Weltkrieg beginnt am 1. September 1939 mit einem Überfall deutscher Truppen auf Polen. Doch Hitler hatte seine Vision, weite Gebiete Osteuropas zu &quot;germanisieren&quot;, schon seit Jahren vorbereitet.
(Lernmaterialien unter www.radiowissen.de)</description>
      <enclosure length="21858473" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/33408/c/feed/deutschlands-weg-in-den-zweiten-weltkrieg-der-anfang-vom-ende.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Morawetz</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Zweite Weltkrieg beginnt am 1. September 1939 mit einem Überfall deutscher Truppen auf Polen. Doch Hitler hatte seine Vision, weite Gebiete Osteuropas zu &quot;germanisieren&quot;, schon seit Jahren vorbereitet.
(Lernmaterialien unter www.radiowissen.de)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3f18272f-2021-4359-bf70-2376a78d1d26.jpeg?w=1800"/>
    </item>
    <item>
      <title>Der Mythos vom Räuber Kneißl - Wie aus einem Verbrecher ein Volksheld wird</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-mythos-vom-raeuber-kneissl-wie-aus-einem-verbrecher-ein-volksheld-wird/2109034</link>
      <pubDate>Sat, 30 Aug 2025 18:14:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3013b11f-5a92-48b8-aab9-6117dec88a71</guid>
      <description>Legenden ranken sich um ihn. Er ist der Held zahlloser Bücher, Theaterstücke und Filme: Mathias Kneißl, genannt der Räuber Kneißl oder der Schachenmüller-Hiasl. Der bayrische Räuber wurde wegen seiner Verbrechen - darunter auch Mord - zum Tode verurteilt. Und doch verehrte man Kneißl schon zu Lebzeiten als Volksheld. (BR 2025) </description>
      <enclosure length="22124928" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109034/c/feed/der-mythos-vom-raeuber-kneissl-wie-aus-einem-verbrecher-ein-volksheld-wird.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Halbach, Frank</itunes:author>
      <itunes:summary>Legenden ranken sich um ihn. Er ist der Held zahlloser Bücher, Theaterstücke und Filme: Mathias Kneißl, genannt der Räuber Kneißl oder der Schachenmüller-Hiasl. Der bayrische Räuber wurde wegen seiner Verbrechen - darunter auch Mord - zum Tode verurteilt. Und doch verehrte man Kneißl schon zu Lebzeiten als Volksheld. (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/39ec1005-a2b2-41eb-8dad-18012467d239.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Legenden ranken sich um ihn. Er ist der Held zahlloser Bücher, Theaterstücke und Filme: Mathias Kneißl, genannt der Räuber Kneißl oder der Schachenmüller-Hiasl. Der bayrische Räuber wurde wegen seiner Verbrechen - darunter auch Mord - zum Tode verurteilt. Und doch verehrte man Kneißl schon zu Lebzeiten als Volksheld. (BR 2025) </p><p>Shownotes:</p>
<p>Autor: Frank Halbach</p>
<p>Regie: Frank Halbach</p>
<p>Sprecher:innen:  Thomas Birnstiel</p>
<p>Redaktion: Susanne Poelchau</p>

<p>Interviews:</p>
<p>- Prof. Dr. Elke Höfler, promovierte über Fiktionalisierung von Räubern</p>

<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:1552f2835fe9a8ac/"><strong>Robin Hood - Die Legende vom edlen Räuber</strong></a></p>
<br/>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geierwally-von-der-malerin-zum-mythos/bayern-2/12706335/"><strong>Die Geierwally - Von der Malerin zum Mythos</strong></a></p>

<p><em><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/sherlock-holmes-und-sein-autor-doyle-eine-komplizierte-beziehung/bayern-2/12014813/">Sherlock Holmes und sein Autor Doyle - Eine komplizierte Beziehung</a></strong></em></p>

<p>Literatur: </p>
<p>- Hugo Friedländer: Räuberhauptmann Kneißl vor dem Schwurgericht. In: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung. 1911 (Wikisource)</p>
<p>(historisch interessante Text eineszeitgenössischen Journalisten und Gerichtsreporters)</p>
<p>- Elke Höfler: Der Räuber in der europäischen Literatur. Fiktionalisierung, Fiktivierung und Literarisierung einer populären Figur im 18. und 19. Jahrhundert. Dissertation 2012.</p>
<p>(ausführliche Analyse über das Räuber-Motiv mit sehr interessanten Erkenntnissen wie aus Realität Fiktion wird).</p>
<p>- Horst-Dieter Radke: Räuber und Räuberbanden im deutschsprachigen Raum. Daun 2021. (Überblick über verschiedene Räuber und Räuberbanden vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert).</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-raueber-kneissl-verbrecher-volksheld-mythos-robinhood-rebell-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Ich kann kein Unrecht leiden. Ich kann mich nicht beugen, lieber geh’ ich selber zugrunde.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Soll er gesagt haben. Einer, der steckbrieflich gesucht wurde. Zwei Morde, versuchter Totschlag, schwerer Raub und räuberische Erpressung wurden ihm im November 1901 vor dem Schwurgericht Augsburg zur Last gelegt. Und es kam, wie es kommen musste:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>De Woch fangt scho guad o, heit wird i g’köpft.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>War sein Kommentar, als er an einem Montag im Februar 1902 – der in Wahrheit ein Mittwoch war - erfuhr, dass sein Gnadengesuch vom Prinzregenten Luitpold abgelehnt worden war. </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Zuagricht, hergricht, higricht.</p>


<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Murrte der bayerische Volksmund über den Umgang der Obrigkeit mit dem bayerischen Robin Hood:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Den Räuber Kneißl.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Kneißls Henkersmahlzeit:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Sechs Maß Bier! (trinkt und seufzt). Aah!</p>

<p>MUSIK hoch und weg</p>

<p>MUSIK  „Kneißl-Lied“</p>
<p>In Notstuih hams´n eini, wia ma d´Ochsn bschlagn duat,</p>
<p>beim letztenmoi Rasieren is gflossen no a Bluat.</p>
<p>Der Kerl der hat grad z´ arbatn, des war a wahrer Graus.</p>
<p>Mei Liadl is jetzt gsunga, mitn Kneißl is´ jetz aus!</p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aus? Von wegen. Am 21. Februar 1902 kurz nach sieben Uhr morgens endet im Hof des Landgerichtsgefängnisses Augsburg an der Karmelitengasse durch das 80 Pfund schweren Fallbeil einer Guillotine Matthias Kneißls irdische Existenz. Doch der Mythos lebt!</p>
<p>Ein Leben, das auf dem Schafott endet, wird zum Stoff überbordender Volksverehrung, der Räuber Kneißl zum Helden verklärt. </p>



<p>O-Ton 1 Höfler (03:07)</p>
<p>Und dann hat es eben bei Kneißl zum Beispiel ein Volkslied gegeben, das wahrscheinlich zu der Zeit alle konnten. Wir haben Berichterstattungen in Flugblättern, und man hat halt natürlich sehr viel erzählt von diesen Personen. Und da ist es dann auch von der realen Person ein bisschen ins Fiktive schon gegangen. Wir kennen das: wir erzählen was, jeder tut, so ein bisschen was dazu, so das Stille-Post-Prinzip und schnell wird aus einem normalen Menschen ein Übermensch, der übermenschliche Fähigkeiten hat, der besondere Dinge leistet, die er vielleicht so gar nicht geleistet hat.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erzählt die Assistenzprofessorin für Mediendidaktik und Sprachendidaktik Dr. Elke Höfler von der Universität Graz. Sie erforscht die Fiktionalisierung und Literarisierung des Räubers.</p>
<p>Kneißl ist ein Beispiel dafür, wie ein Heldenmythos geboren wird, Taten erdichtet und weitererzählt werden.</p>

<p>MUSIK 1 001 „Räuber“; </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Es war am vierten März, in aller Hergotts Fruah,</p>
<p>da gehts in Geisenhofen so sakramentisch zua,</p>
<p>160 Mann san aufmarschiert, zwoa Kommissar´, a Arzt,</p>
<p>da hat si da Kneißl Hiasl hinter de Ohrn a bisserl kratzt.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aber wer war der Räuber Kneißl denn wirklich?</p>

<p>MUSIK  „Treibjagd“; ZEIT: 00:47</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Von kleiner Gestalt (nur 1,60 – 1,64 Meter groß), untersetzt, blonde in der Mitte gescheitelte Haare, dunkelblondes Schnurrbärtchen – nach neueren Erhebungen zeigt sich Kneißl auch mit schwarz gefärbten Haaren und schwarz gefärbtem Schnurrbärtchen – blaue Augen, blonde Augenbrauen, ovales Gesicht, oberbayerischer Dialekt, am linken Unterarm eine Tätowierung (einen Armbrustschützen und die Jahreszahl 1892 darstellend) und am linken Oberschenkel zwei alte Schussnarben; auch soll er eine Warze am Hals haben und kleine Ohrringe tragen.</p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Beschreibung auf einem polizeilichen Steckbrief von 1901 deckt sich mit der Realität, die uns auf Fotos von Mathias Kneißl entgegenblickt.</p>

<p>MUSIK  „Namenlos“; ZEIT</p>
<p>Mathias Kneißl, geboren am 12. Mai 1875 in Unterweikertshofen bei Dachau, ist das älteste von sechs Kindern italienisch-deutscher Gastwirte. </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Das Gasthaus ist Treffpunkt von Kriminellen und Umschlagplatz von Diebesgut und Gewildertem.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Belegen mehrere Quellen. 1886 zieht die Familie in die Schachenmühle bei Sulzemoos, südlich des Ortsteiles Altstetten am Steindlbach. Neben der Mahlmühle mit einem kleinen Sägewerk lässt sich hier etwas Landwirtschaft betreiben. </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Doch es reicht hinten und vorne nicht. In arger Geldnot kommen die Eheleute auf die Idee, mit ihren Söhnen Alois und Mathias in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh bei Friedberg das Altarsilber zu stehlen.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Allzu geschickt angestellt haben sie sich dabei offenbar nicht: bald steht die Gendarmerie bei Familie Kneißl vor der Tür. Der Vater stirbt bei der Verhaftung – die genauen Umstände seines Todes sind unklar. Die Mutter bestraft man wegen Hehlerei mit Zuchthaus. </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Die minderjährigen Kinder des Paares überlässt man sich selbst.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mit seinen Brüdern wildert Kneißl, stiehlt Obst, Hühner, ein Schaf und Bargeld. Am 2. November 1892 erscheinen zwei Polizisten in der Mühle. Es kommt zum Schusswechsel. Der jüngere Bruder Alois trifft den Polizeistationskommandanten in den Unterleib. Alois wird dafür zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Er stirbt nach vier Jahren an Tuberkulose. Mathias‘ Strafmaß: fünf Jahre Haft.</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Nach seiner Entlassung arbeitet Mathias kurz als Schreiner, wird von seinem Meister jedoch sofort entlassen, als dieser erfährt, dass Kneißl ein „Zuchthäusler“ ist. Wegen seines Leumunds findet er auch sonst keine Anstellung mehr.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So etwas wie Resozialisierung kannte man damals nicht. Und so setzt Kneißl schwer bewaffnet seine Laufbahn als Räuber fort. Nach einem Raubzug, bei dem er Pfandbriefe im Wert von 2.500 Mark erbeutet, wird steckbrieflich nach ihm gesucht.</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Am 30. November 1900 kommt es in Irchenbrunn zu einem Schusswechsel, als man versucht, Kneißl festzunehmen. Zwei Gendarmen werden – wohl durch Querschläger – so schwer getroffen, dass sie später ihren Verletzungen erliegen.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Drei Monate später wird Kneißl von 70 Polizisten im Aumacheranwesen in Geisenhofen gestellt.</p>



<p>ZITATOR </p>
<p>Nach eintägiger Belagerung, beschießen 150 Mann das Haus. Eine Dreiviertelstunde später stürmen die Polizisten das Haus. Kneißl erleidet einen Steckschuss in den Kopf, zwei Schüsse in den rechten Arm, einen Streifschuss am rechten Handgelenk und eine lebensgefährliche Verletzung des Unterleibs. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Volksmund spricht fortan von der Kneißl-Schlacht von Geisenhofen. Der Räuber Kneißl war dingfest gemacht. Nach vier Monaten Flucht, während der er die ganze Gegend in Atem gehalten hatte.</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Am 21. Februar 1902 um 7.00 Uhr wird Kneißl unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Hinterhof des Augsburger Gefängnisses mit der Guillotine enthauptet. </p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-Ton 2 Höfler (24:30)</p>
<p>Bei Räubern war dieses letzte Auftreten bei der Hinrichtung immer sehr interessant. Knicken sie ein? Was sind die letzten Worte, die man eben noch von ihnen hört? Verfluchen sie noch einmal die Obrigkeit? Also da war man schon ziemlich gespannt, wie die quasi diese letzten Momente erleben und das hat dann noch einmal dazu geführt, dass man nach den Hinrichtungen, sich noch einmal interessiert hat dafür. Was war jetzt eigentlich im Hintergrund von dieser Person? Warum ist das so? Und dann hat man diese Dinge noch einmal aufgerollt.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So die Räuberforscherin Elke Höfler.</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Der reale Kneißl war ein armer Hund, der in eine Rolle gedrängt worden ist.</p>


<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Meint Toni Drexler, der Kreisheimatpfleger von Fürstenfeldbruck, der sich viele Jahre lang mit Kneißls Schicksal beschäftigt hat. </p>
<p>Der Mensch Mathias Kneißl steigt vom Ehr- und Gesetzlosen zum zeitlosen Volkshelden auf. </p>

<p>O-Ton 3 Höfler (23:41)</p>
<p>Wenn man es mit heute vergleicht, ist es schon so ein bisschen ein Filterblasen-Social-Media-Phänomen. Man drückt halt keine Daumen nach oben, sondern man biegt sich die Dinge oder man teilt die Dinge weiter, die eh schon alle erzählen. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Stereotypen vom Rebellen gegen die ungerechte Staatsgewalt, der Mythos vom Räuber als Rächer der Unterdrückten und die Wahrnehmung als Opfer zutiefst ungerechter Umstände bestimmen die Erzählung vom Räuber Kneißl. All das wird nicht nur im Nachhinein von Presse oder mündlicher Legendenbildung gewoben. So stark ist der Mythos vom edlen Räuber, dass er auch schon die handelnden Akteure beeinflusst.</p>

<p>MUSIK C1456830 001 „Räuber“; ZEIT: 00:56</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Die Bevölkerung ist leider gar nicht mitteilsam, auch irreführend. Versprechungen von Belohnungen sind wirkungslos.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Berichtet etwas das Streif-Oberkommando Althegnenberg am 18. Dezember 1900 von seiner Fahndung nach Kneißl.</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Die Gegend selbst ist schlechtes Terrain: alles Bekannte des Kneißl.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aus Unterweikertshofen, Kneißls Geburtsort, notiert ein Gendarm gar folgende Aussage eines Bauern: </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Wir zahlen unsere Steuern und scheißen auf die Staatsgewalt.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Bauern durften sich so als Teil des Mythos vom heldenhaften Rebellen gegen die ungerechte Obrigkeit empfinden. Kneißl selbst wiederum, versorgte die Kleinbauern, bei denen er sich versteckte, mit frisch geschossenem Wild. </p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-Ton 4 Höfler (33.27)</p>
<p>Wir tun immer so, als wären diese Influencer*Innen und diese Menschen, die sich so stilisieren, als wäre das ganz ein neues Phänomen. Nein, die Räuber haben sich ja auch selber stilisiert. Es gibt von Schinderhannes den berühmten Auftritt auf dem Ball, also wo er einen Ball veranstaltet hat, um sich zu stilisieren, um sich zu zeigen. Natürlich haben die sich stilisiert, damit sie auch die Unterstützung der Bevölkerung haben. Also im Grunde genommen: Das sind alles Phänomene, die haben wir durch die Geschichte. Und wir tun heutzutage so, als wäre das alles was ganz, ganz Neues.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sagt die Fiktionsforscherin Elke Höfler. Der Diskurs vom und über den Räuber prägt das Bild von Kneißl also nicht nur in der Rückschau, sondern schon zu seinen Lebzeiten. </p>
<p>Aus Mathias Kneißl wurde so Bayerns beliebtester Mörder. Eine Werbeikone im Tourismus und natürlich eine Figur von Liedern, Theater, Film und Fernsehen. Und damit befindet er sich in bester Gesellschaft mit anderen Räubern: </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Matthias Klostermayr, der Bayerische Hiasl, Anführer einer „gerechten Räuberbande“, hingerichtet 1771. Der Wilderer Georg Jennerwein, erschossen 1877…</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Bayerische Hiasl angeblich das Vorbild für Karl Moor in Friedrich Schillers „Die Räuber“, Jennerwein: Held in Romanen, Theaterstücken, Kinofilmen -</p>
<p>Räuber als verklärte Figuren in Anekdoten, Liedern und Legenden?</p>

<p>O-Ton 5 Höfler (02:28)</p>
<p>Man muss sich die Zeit ein bisschen vorstellen. Grundsätzlich es gab Hunger, die waren mit der Obrigkeit unzufrieden, und einige der Räuber haben sich  dann auch um die Bevölkerung gekümmert. Das heißt es waren nicht nur Räuber, die waren auch Wilderer. Das heißt, die haben dann Fleisch günstiger unter die Bevölkerung gebracht. Die haben sich ja auch durch den räuberischen Akt gegen die Obrigkeit aufgelehnt.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Räuberromantik: Das Motiv vom edlen Räuber, der zwar Verbrechen begeht und als „Verbrecher“ endet, aber zugleich als Beschützer und Befreier der Armen und Entrechteten und als Rebell gegen die Willkür der Machthaber auftritt: ein Spannungsfeld zwischen Held und Anti-Held, in das der Protagonist gesetzt wird.</p>

<p>O-Ton 6 Höfler (03:44)</p>
<p>Und die Dinge wurden dann im Laufe der Zeit auch verschriftlicht. Und da sind dann auch Räuber-Romane, vor allem im neunzehnten Jahrhundert, Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, sehr kitschige Räuber- romantische Romane oder auch Theaterstücke entstanden. Und das hat sich dann durchaus weiter gehalten bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Und ja, einige Räuber haben wir ja heute noch: Räuber Hotzenplotz, Ronja Räubertochter also vor allem in der Kinderliteratur. Aber natürlich auch die die Konstante, die sich durchzieht: Robin Hood.</p>

<p>MUSIK 3  „Robin Hood und seine fröhliche Schar“</p>
<p>Die 1678 erschienene volksbuchartige englische Prosa-Erzählung um den historisch nicht belegbaren Robin Hood ist so etwas wie die Mutter aller Räuberromane. </p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-Ton 7 Höfler (01:51)</p>
<p>Wir haben jedenfalls in Heldenliedern schon räuberische Personen, die auftreten. Wir haben es im Schelmenroman in Spanien, wo eben räuberische Akte auch passieren. Aber dass der Räuber tatsächlich zum echten Protagonisten wird - und tatsächlich männlich, weil es hauptsächlich Räuber waren und keine Räuberinnen - das war so im achtzehnten Jahrhundert.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zentrale Bedeutung für die Entwicklung des Bilds vom Räuber hat aber kein Roman, sondern ein Drama: </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Friedrich Schiller: „Die Räuber“. Ein Schauspiel. 1781.</p>

<p>O-Ton 8 Höfler (38:11)</p>
<p>Und da vermutet man: Da geht es um Räuber! Tut es ja nicht! Und das ist ja das Spannende, dass wir quasi ein Räuber-Theaterstück haben, wo es nicht um die Räuberfigur geht oder um den Raub geht, sondern um etwas ganz Anderes. Also reine Moralisierung eigentlich.</p>



<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In Schillers „Räubern“ kulminieren alle politisch-sozialen Spannungen, die Veränderung des Menschenbildes, die Gestaltung einer Heldenfigur in der Gestalt des Karl Moor, der gegen die starren Normen aufbegehrt. Literarisch etabliert sich jetzt einerseits künstlerisch das Interesse für die Psychologie des Räubers, seine sozial- oder zeitkritischen Motive. Andrerseits entsteht nahezu zeitgleich eine kommerzielle Vermarktung von Räubergeschichten: Kolportagen und spannungsbetonte Trivialliteratur. </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>1.000 Mark Belohnung: Mord. Kneißl, Mathias, katholisch, ledig, Müller und Schreiner beheimatet in Unterweikertshofen, geboren daselbst 12. Mai 1875.</p>


<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und die entscheidenden Hebel, die die Fiktion in Gang setzen, sind die realen Räuber der Zeit und ihre Geschichten. Sie verleihen den Erzählungen vom Räuber mit Berichten und Gerüchten, Quellen und Anekdoten scheinbar Authentizität.</p>

<p>O-Ton 9 Höfler (09:55)</p>
<p>Wir haben tatsächlich die Gespräche, die geführt worden sind, Dinge, die dazugekommen sind, die weggenommen wurden. Jemand hat was gesehen. Jemand hat etwas gehört. Das ist dann weitergetragen worden. Und da gibt es ja dann einfach mal Verfremdungen. Und meistens also, wenn die Räuber schon sehr brutal waren, ist es brutaler geworden, erwähnt sie schon sehr edel und gut waren, dann ist es noch edler und noch besser geworden. Also das war diese orale Tradierung. Und dann natürlich in den Medien. Auch die Medien wollten damals natürlich schon an den Mann und die Frau gebracht werden. Es hat eine große Sensationslust gegeben. Es ist auch die Zeit, wo die Menschen angefangen haben, zu lesen im großen Stil. Und man hat natürlich so geschrieben das ist auch gelesen werden konnte, das heißt keine übertrieben schwierige Sprache. Und natürlich auch so ein bisschen sensationsgeil war es natürlich auch, muss man sagen. Es war medienwirksam aufbereitet. Wir haben auch die Prozessakten, die zu der Zeit veröffentlicht worden sind.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im bayerischen Mythos von Räuber Kneißl treffen sich exemplarisch Räuberromantik und Realität.</p>


<p>MUSIK 4  „Früher“; </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Der Räuber-Kneißl-Radweg. Ein bayerisches Gangsterr(o)admovie. An den Flüssen Amper und Maisach rollt es sich leicht dahin. Wer an einem bewölkten Werktag durch die oberbayerische Provinz zieht, braucht nur ein bisschen Fantasie, um sich Kneißl mit dem Fahrrad auf einem seiner Streifzüge vorzustellen. Bewaffnet überfiel er um das Jahr 1900 in der Gegend Einödhöfe. Vielleicht hat er dort im Wirtshaus eine Halbe getrunken oder in dem Hof da drüben Unterschlupf gefunden? Einmal soll er sich in einem Jauchefass vor den Gendarmen versteckt haben. In den ruhigen Dörfern fühlt man sich in jene Tage versetzt.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wirbt der Deutsche Alpenverein für einen 110 Kilometer langen Radweg, der im Mai 2020 eröffnet wurde. Und wer beim Radeln durstig wird, kann zum Beispiel im Bräustüberl Maisach eine Halbe Räuber-Kneissl-Dunkelbier, gebraut nach Original-Rezeptur, trinken.</p>

<p>ZITATOR </p>
<p>Unser Räuber Kneißl. Er war der bayerische Robin Hood. Mutig und unverdrossen hat er sich gegen Ungerechtigkeiten und Obrigkeiten aufgelehnt und ist so weit über die Region hinaus zur Legende geworden.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Promotet die Brauerei Maisach. </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Räuber-Kneißl-Räuberessen, Räuber-Kneißl-Musical, Räuber-Kneißl-Oldtimer-Rallye, Räuber-Kneißl-T-Shirts…</p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-Ton 10 Höfler (13:01)</p>
<p>Theaterstücke Gedichte, Lieder, Volkslieder, die irgendwann einmal verschriftlicht worden bin. Es hat Märchen gegeben. Es hat natürlich Sagen gegeben, dann sind irgendwann einmal auch Zeichnungen dazugekommen. Auch frühe Kupferstiche und Holzstiche hat natürlich gegeben. In der heutigen Zeit gibt es Comics, es gibt Graphic Novels. Es gibt den Film es gibt Hörspiele. Ich glaube, es gibt nichts, was es nicht gibt zu Räubern.</p>


<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erläutert Räuberforscherin Elke Höfler zur Medialisierung des Räubers. Alles Klischees? Reine Erfindung? Bloße Fiktion?</p>

<p>O-Ton 11 Höfler (22:36)</p>
<p>Also es gibt ganz unterschiedliche Abstufungen von der realen Figur hin zu einer sehr stark fiktionalisierten Figur, also stark stilisierten Figur, wo dann halt meistens - bei Kneißl war’s halt so - die positiven Aspekte - der arme Mensch, der abgerutscht ist, dem Unrecht zuteilgeworden ist und der unverschuldet eigentlich in diese Räuberkarriere eingetreten ist und dann das Beste draus auch für das Volk gemacht hat - das tradiert sich halt dann. Und natürlich werden die Geschichten dann einfach weitererzählt. Die Räuber sind halt in ihren Regionen Volkshelden.</p>


<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der legendäre Räuber Kneißl steht exemplarisch für die romantisierte Figur vom Räuber mit ihrem Ahnherren Robin Hood:</p>


<p>ZITATOR </p>
<p>König der Vagabunden, König der Diebe, Helden in Strumpfhosen für Liebe und Gerechtigkeit.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und zugleich ist Mathias Kneißl innerhalb all der Mythen, Legenden und Sagen vom Räuber ein Sonderfall.</p>

<p>O-Ton 12 Höfler (36:20)</p>
<p>Kneißl ist einer der wenigen, wo wir wirklich - nennen wir es einmal faktuale - Artefakte haben, die übrig geblieben sind. Nämlich eben die Fotografien. Arm auf dem Krankenbett oder bei der Verhaftung. Also da gibt es tatsächlich Fotografien. Da tun wir uns mit dem Stilisieren tatsächlich ein bisschen schwer. Also aus dem Mann jetzt einen quasi Robin Hood zu machen, eine makellose Schönheit. Soll nicht heißen, dass er damals nicht ein Frauenschwarm war. Aber wir haben halt tatsächlich Artefakte, die uns ein bisschen von der Imagination nehmen.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Bei Kneißl schränken nachprüfbare Fakten die Mythenbildung ein. Das macht ihn so besonders und spannend.</p>


<p>O-Ton 13 Höfler (37:19)</p>
<p>Wir haben die Bilder, wir haben die Fotografien, wir haben dann auch schon echte Tageszeitungen zu der Zeit, die halt auch ein bisschen an journalistischen Anspruch gehabt haben und nicht nur die Sensationsgier stillen wollten. Und das macht, glaube ich, aus Kneißl schon eine ganz besondere Figur, wo wir, glaube ich, auch in Zukunft noch einiges hören und lesen und sehen werden.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Raus zum Campen - Die Geschichte des Urlaubs im Freien </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/raus-zum-campen-die-geschichte-des-urlaubs-im-freien-1/1828970</link>
      <pubDate>Sat, 30 Aug 2025 07:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d66f2b30-c1db-40ac-b64a-c4a7695b7711</guid>
      <description>Ihr Antrieb ist die Sehnsucht nach Freiheit und Natur: Die Camper. Eine Sehnsucht, die mit der zunehmenden Digitalisierung immer größer wird. Mit Zelt und Wohnmobil raus aus dem Alltag und rein in die eigene Campingwelt! Gerade in Corona - Zeiten erlebt das Campen einen wahren Boom. Autor: Johannes Marchl (BR 2021)  </description>
      <enclosure length="22764672" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1828970/c/feed/raus-zum-campen-die-geschichte-des-urlaubs-im-freien-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Johannes Marchl</itunes:author>
      <itunes:summary>Ihr Antrieb ist die Sehnsucht nach Freiheit und Natur: Die Camper. Eine Sehnsucht, die mit der zunehmenden Digitalisierung immer größer wird. Mit Zelt und Wohnmobil raus aus dem Alltag und rein in die eigene Campingwelt! Gerade in Corona - Zeiten erlebt das Campen einen wahren Boom. Autor: Johannes Marchl (BR 2021)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c121392b-4bd5-4d33-934a-b87fd9133011.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ihr Antrieb ist die Sehnsucht nach Freiheit und Natur: Die Camper. Eine Sehnsucht, die mit der zunehmenden Digitalisierung immer größer wird. Mit Zelt und Wohnmobil raus aus dem Alltag und rein in die eigene Campingwelt! Gerade in Corona - Zeiten erlebt das Campen einen wahren Boom. Autor: Johannes Marchl (BR 2021)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Johannes Marchl<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Xenia Tiling, Shenja Lacher, Karin Schumacher, Benedikt Schregle<br/>Technik: Susanne Herzig<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-raus-zum-campen-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Hasso Spode (Leiter des historischen Archivs zum Tourismus an der TU Berlin);<br/>Andreas Jörn (Präsident des Deutschen Camping Clubs);<br/>Susanne Hinzen (Direktorin des Museums des mobilen Reisens Erwin Hymer)</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Mikroabenteuer - Kleine Abenteuer im Alltag<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mikroabenteuer-kleine-abenteuer-im-alltag/bayern-2/96122140/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Badesitten - Lebensfreude und Prüderie<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/badesitten-lebensfreude-und-pruederie/bayern-2/78757214/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Trailer: Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/trailer-namenlose-helden-biografien-aus-der-wildnis/2109967</link>
      <pubDate>Sat, 30 Aug 2025 07:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d2922e09-8138-4943-8367-e2e39e71d71e</guid>
      <description>Der Podcast &quot;Namenlose Helden&quot; erzählt drei echte Biografien aus der Wildnis: Von Storch Hansi, der auf dem Weg in den Süden falsch abbiegt, von einem Gepardenkind, das seine Mutter verliert, und von der Rekordwanderung einer Hirschkuh. Neu bei IQ - Wissenschaft und Forschung.  

&quot;Namenlose Helden&quot;: dreiteilige Podcast-Reihe:

Folge 1: Storch Hansi auf Irrwegen (ab 30.8.2025)
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/

Folge 2: Rekordwanderung einer Hirschkuh (ab 6.9.2025)
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:856e213c44b447b0/

Folge 3: Überlebenskampf eines Gepardenmädchens (ab 13.9.2025)  
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:98942b4727b3d440/
</description>
      <enclosure length="1720320" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109967/c/feed/trailer-namenlose-helden-biografien-aus-der-wildnis.mp3"/>
      <itunes:duration>00:01:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Jenny von Sperber</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Podcast &quot;Namenlose Helden&quot; erzählt drei echte Biografien aus der Wildnis: Von Storch Hansi, der auf dem Weg in den Süden falsch abbiegt, von einem Gepardenkind, das seine Mutter verliert, und von der Rekordwanderung einer Hirschkuh. Neu bei IQ - Wissenschaft und Forschung.  

&quot;Namenlose Helden&quot;: dreiteilige Podcast-Reihe:

Folge 1: Storch Hansi auf Irrwegen (ab 30.8.2025)
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/

Folge 2: Rekordwanderung einer Hirschkuh (ab 6.9.2025)
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:856e213c44b447b0/

Folge 3: Überlebenskampf eines Gepardenmädchens (ab 13.9.2025)  
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:98942b4727b3d440/
</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/dfc0a69e-e781-4ce8-9423-70e2947153ce.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Podcast "Namenlose Helden" erzählt drei echte Biografien aus der Wildnis: Von Storch Hansi, der auf dem Weg in den Süden falsch abbiegt, von einem Gepardenkind, das seine Mutter verliert, und von der Rekordwanderung einer Hirschkuh. Neu bei IQ - Wissenschaft und Forschung.  

"Namenlose Helden": dreiteilige Podcast-Reihe:

Folge 1: Storch Hansi auf Irrwegen (ab 30.8.2025)
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/

Folge 2: Rekordwanderung einer Hirschkuh (ab 6.9.2025)
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:856e213c44b447b0/

Folge 3: Überlebenskampf eines Gepardenmädchens (ab 13.9.2025)  
https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:98942b4727b3d440/
</p><p>„Namenlose Helden“: dreiteilige Podcast-Reihe:</p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/">Folge 1: Storch Hansi auf Irrwegen</a> (ab 30.8.2025)</p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:856e213c44b447b0/">Folge 2: Rekordwanderung einer Hirschkuh</a> (ab 6.9.2025)</p>
<p>Folge 3: <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:98942b4727b3d440/">Überlebenskampf eines Gepardenmädchens</a> (ab 13.9.2025)</p>
<p> </p>
<p>Der Podcast „Namenlose Helden&quot; erzählt drei wahre Lebensgeschichten aus der Wildnis: Vom jungen Storch Hansi, der auf dem Weg nach Afrika total falsch abbiegt, von einem Gepardenkind, das viel zu früh seine Mutter verliert, und von einer Hirschkuh, die weiter geht als alle anderen Maultierhirsche im Wilden Westen Amerikas. Alle drei Storys sind durch Sender, wissenschaftliche Arbeiten und Beobachtungen belegt und tatsächlich so passiert. Ab 30.8.2025 im Feed von IQ – Wissenschaft und Forschung in der ARD Audiothek und überall wo’s Podcasts gibt. <a href="https://1.ard.de/IQWissenschaft">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p> </p>
<p>Wissenschaft geht uns alle an. In IQ – Wissenschaft und Forschung berichten die Wissenschaftsjournalisten der ARD über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Technik, Astronomie, Medizin, Archäologie, Biologie, Natur. <a href="https://1.ard.de/IQWissenschaft">JETZT ENTDECKEN</a> </p>
<p> </p>
<p>Noch mehr Lust auf bewegende Begegnungen mit Tieren? Dann empfehlen wir den Podcast „WirTier“: Er erzählt von Menschen, die ihr ganzes Leben verändert haben durch diesen einen Moment auf Augenhöhe mit einem Tier. Sie teilen mit uns ihre tiefgreifenden Erfahrungen und Erkenntnisse über unser Zusammenleben auf diesem Planeten und lassen uns teilhaben an ihrem Wissen über Tiere. Denn auch Forscherinnen und Forscher wissen zunehmend: Tiere haben Gefühle, Intelligenz und ein Sozialleben. Und auch Vici und Julius, die Hosts von WirTier, verändern sich durch diese Begegnungen – und stellen sich vielfältigen Herausforderungen auf der Weide, im Garten oder auch in freier Wildbahn. Sechs bewegende Geschichten, nach denen ihr Tiere vielleicht auch mit ganz anderen Augen seht. <a href="https://1.ard.de/wir-tier">JETZT ENTDECKEN</a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Tiere und Zäune - Von tödlichen Grenzen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/tiere-und-zaeune-von-toedlichen-grenzen/2109001</link>
      <pubDate>Fri, 29 Aug 2025 18:14:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ab6e6fea-26d7-41ec-9083-9dd29ac73050</guid>
      <description>Immer mehr befestigte Grenzen werden weltweit gezogen und aufgebaut: Mauern, Metallwände und Zäune. Und die halten nicht nur Menschen davon ab die Grenzen zu überwinden, sondern auch Tiere. Wandernde Arten müssen kilometerweite Umwege gehen - oder sterben in Zäunen. Autorin: Jenny von Sperber </description>
      <enclosure length="22482048" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109001/c/feed/tiere-und-zaeune-von-toedlichen-grenzen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:25</itunes:duration>
      <itunes:author>von Sperber, Jenny</itunes:author>
      <itunes:summary>Immer mehr befestigte Grenzen werden weltweit gezogen und aufgebaut: Mauern, Metallwände und Zäune. Und die halten nicht nur Menschen davon ab die Grenzen zu überwinden, sondern auch Tiere. Wandernde Arten müssen kilometerweite Umwege gehen - oder sterben in Zäunen. Autorin: Jenny von Sperber </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ed87377a-b554-412c-972f-2ed064dc7e75.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Immer mehr befestigte Grenzen werden weltweit gezogen und aufgebaut: Mauern, Metallwände und Zäune. Und die halten nicht nur Menschen davon ab die Grenzen zu überwinden, sondern auch Tiere. Wandernde Arten müssen kilometerweite Umwege gehen - oder sterben in Zäunen. Autorin: Jenny von Sperber </p><p>Credits</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Jenny von Sperber</p>
<p>Regie: Sabine Kienhöfer</p>
<p>Es sprachen: Rahel Comtesse, Thomas Birnstiel, Florian Schwarz, Julia Cortis </p>
<p>Technik:  Susanne Harasim</p>
<p>Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>- Dr. Hendrik Bluhm: Biogeograf, Humboldt Universität Berlin (Europa: Elche, Wisente) </p>
<p>- Gregory Nickerson: Wyoming Initiative, University of Wyoming (Amerika: Maultierhirsche)</p>
<p>- Dejit Nandintsetseg: Senckenberg Institut Frankfurt (Asien: Gazellen) Aussprache: „Dédschit Nandín-Tsetsèk“</p>

<p>- Dr. Jörg Melzheimer: Wildtierbiologe, Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin (Afrika: Geparden, Chamäleon)</p>

<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<p>Die Podcast-Folge WirTier: </p>
<p>Biber-Fieber: </p>
<p><a href="https://1.ard.de/wir-tier-biber-fieber">https://1.ard.de/wir-tier-biber-fieber</a></p>
<p><br/></p>
<p><a href="https://1.ard.de/wir-tier-biber-fieber"></a><strong><a title="EXTERN" href="https://migrationinitiative.org/">Zur Initiative für wandernde Tiere in Wyoming</a></strong>, mit beeindruckenden Filmaufnahmen.</p>
<p><strong><a title="EXTERN" href="https://www.cms.int/en/gium/migration-atlas   ">Atlas über die Routen wandernder Huftiere</a>, </strong>mit GPS-Daten und interaktiven Karten weltweit.</p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><a title="EXTERN" href="https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.1002483">Studie über europäische Zäune und Wildtiere</a></p>
<p><a title="EXTERN" href="https://doi.org/10.31298/sl.145.5-6.6">Studie über den Stacheldrahtzaun zwischen Ungarn und Kroatien</a></p>
<p><a title="EXTERN" href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/reel.12169">Mehr zu Grenzzäune und ihre Folgen für die Natur aus rechtlicher Sicht </a></p>
<p><a title="EXTERN" href="https://www.izw-berlin.de/de/evidenzbasierte-loesungen-fuer-den-farmer-gepard-konflikt-in-namibia.html"><strong>Gepardenprojekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin</strong></a></p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-tiere-zaeune-grenzen-mauern-artenschutz-artensterben-luchs-wild-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber Elche müssen draußen bleiben. Ein Zaun entlang der polnischen Grenze versperrt ihnen den Weg nach Deutschland, seit 2020: Der Zaun gegen die Afrikanische Schweinepest ASP.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 01 Bluhm Teil 1</p>
<p>Der steht tatsächlich immer noch, also einzelne Teile im Landesinneren sollen jetzt nach und nach zurückgebaut werden, aber beidseitig entlang fast der ganzen deutsch- polnischen Grenze, also über 450 Kilometer lang, ist der Abschnitt da, wo der Zaun weiterhin steht. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das ist Hendrik Bluhm. Der Biogeograf erforscht an der Humboldt-Universität zu Berlin wie Elche wieder bei uns heimisch werden könnten. Und was sie noch daran hindert. Denn seit Polen im Jahr 2000 die Jagd auf Elche verboten hat, kommen die großen Huftiere wieder aus Belarus nach Polen und fühlen sich dort offenbar wohl. Es würde den Elchen helfen, wenn sie sich noch weiter nach Westen verbreiten könnten - nach Deutschland - damit sie eine gesunde, stabile Population aufbauen.</p>
<p><br/></p>
<p>Atmo: Elch </p>
<p>Musik: solving the puzzle </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Zaun, der sie daran hindert, richtet sich ja auch gar nicht gegen die Elche. Er war eigentlich dazu gedacht, die polnischen Wildschweine draußen zu halten. Man wollte die Afrikanische Schweinepest nicht in Deutschland haben. Aber jetzt ist der ASP-Zaun auch ein Hindernis für viele andere Tiere, die bisher in beiden Ländern gelebt haben. Ein neues Hindernis, mit dem Hendrik Bluhm noch vor ein paar Jahren nicht gerechnet hätte.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 02: Bluhm Teil 2</p>
<p>So anderthalb Meter hoch etwa, Maschendraht oder Knotendrahtzaun, der dort flächendeckend verbaut ist, mit eben immer mal wieder Unterbrechung natürlich. Für Verkehr oder viel befahrene oder begangene Wege gibt es dann Tore, die Radfahrer, Wanderer etcetera öffnen können, aber ansonsten?</p>
<p><br/></p>
<p>Musik: solving the puzzle </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Elche haben lange Beine und könnten den Zaun theoretisch übersteigen. Tun sie aber nicht. Die sichtbare Grenze schreckt sie ab. Lieber kehren sie um. Hendrik Bluhm bedauert das. Denn eigentlich sind Elche in ganz Mitteleuropa heimisch. Bis vor etwa hundert Jahren gab es sie auch noch auf deutschem Gebiet. Aber solange der Zaun die beiden Länder trennt, wird es wohl bei nur einzelnen Elchen bleiben, die es zu uns herüberschaffen.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik: In der Finsternis 0‘56</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Schweinepest-Zäune, Grenzzäune, Mauern. In den vergangenen Jahren wurden nicht nur in Deutschland immer mehr undurchlässige Grenzen hochgezogen. Laut einer Schätzung des EU-Parlamentes heißt es, dass sich die Länge der europäischen Zäune zwischen 2014 und 2022 versiebenfacht hat und mittlerweile mehrere tausend Kilometer beträgt. Experten gehen davon aus, dass es weltweit 10 Mal so viele Zäune gibt, wie Straßen: Momentan über 64 Millionen Kilometer Zäune. Die neuen Mauern zwischen den USA und Mexiko zum Beispiel oder zwischen Israel und Gaza sind sicher mit die bekanntesten, aber noch lange nicht alle: Der Trend weltweit geht hin zu immer mehr Mauern, Zäunen, Abgrenzungen. Und das schadet auch der Tierwelt massiv.</p>
<p><br/></p>
<p>Zsp Musik: beklemmend, raus</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bleiben wir zuerst in Europa. Denn seit den großen Flüchtlingswanderungen hierher, werden in rasantem Tempo Zäune und Mauern entlang von Ländergrenzen hochgezogen. Eine davon: Die 670 Kilometer lange Grenze zwischen Kroatien und Slowenien. Auf weiten Strecken davon soll Stacheldraht Menschen daran hindern, die Grenze zu passieren. Quer durch das Dinarische Gebirge verläuft der Zaun. Und dort hindert er auch Bären, Luchse und Wölfe daran, sich zu verbreiten – alles Arten, die gerade erst angefangen haben, sich wieder zu erholen. </p>
<p><br/></p>
<p>Atmo: Wolf</p>
<p>Musik: Secret proofs red </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Noch undurchlässiger sind die Außengrenzen der EU geworden. Die polnische Grenze nach Osten hin zum Beispiel, die zu Belarus. Sie verläuft quer durch den Bialowieser Wald – ein Naturschutzgebiet und einer der letzten Urwälder der kühlgemäßigten Zonen in Europa.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 05: Bluhm 00:10:31</p>
<p>Teilweise sogar als Betonmauer. Also das ist noch mal n ganz anderes Kaliber als der ASP-Zaun. Also das ist ne über 5 Meter hohe, ne fünfeinhalb Meter hohe betonierte Mauer, die da steht und den gesamten Grenzabschnitt, Polen, Belarus verschließt. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hier haben selbst die kleineren Tiere keine Chance mehr durchzukommen. Die allergrößten sowieso nicht. Der Wisent, der europäische Bison zum Beispiel. </p>
<p>1927 wurde der letzte europäische Wisent in freier Wildbahn erschossen.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik: Opportunity </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber dann bekommen die Wisente eine zweite Chance. Es ist eine Geschichte aus dem Artenschutz, die Hoffnung macht: Damals gab es gerade mal noch 54 europäische Wisente auf der Welt, in Zoos und Wildgehegen. </p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 07 Bluhm </p>
<p>Dann gab es eben schnelle Reaktionen und Koordination über verschiedene Länder hinweg von Artenschutzbemühungen. Naturschutzorganisationen, die sich zusammengetan haben und eben schnell so ein Zuchtprogramm initiiert haben, um ja zu dafür zu sorgen, dass sie zumindest in Gefangenschaft erhalten werden, die Art. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es wurde ein Erfolgsprojekt. Ab den 50er Jahren wurden die ersten Wisente wieder ausgewildert und heute leben immerhin über 8000 europäische Wisente in freier Wildbahn. </p>
<p><br/></p>
<p>Atmo: Wisent-</p>
<p>Musik: Time flies (reduced)</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Allerdings: Alle diese Wisente stammen von den 12 Zootieren ab, die damals Teil des Zuchtprogramms waren. Man könnte sagen, sie alle sind wie eine große Familie, die sich untereinander paart. Das ist nicht ideal für ein gut durchmischtes Erbgut. Gesunder Nachwuchs, der sich gegen Krankheiten wehren kann und widerstandsfähig ist, braucht mehr Abwechslung in den Genen. </p>
<p>Dazu kommt noch: Die freilebenden Untergruppen dieser Wisent-Familie leben isoliert voneinander in unterschiedlichen Ländern und Regionen. Diese Untergruppen sind meist klein, weniger als 150 Tiere. Das heißt, sie können sich nicht treffen und Nachwuchs mit frisch gemischtem Erbgut zeugen.</p>

<p>ZSP 08: </p>
<p>Gerade beim Wisent ist genetischer Austausch zentral für die Gesundheit der Population, weil sie eben als gesamte Art so eine extrem geringe genetische Vielfalt haben.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und die Mauer zwischen Belarus und Polen trennt jetzt solche verletzlichen Wisent-Gruppen vollständig voneinander ab.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik: Secret proofs red </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mauern und Zäune verhindern also, dass sich bedrohte Tierarten weiter ausbreiten können. Das ist besonders schlimm für solche Arten, die sich gerade erst wieder erholen und zurückkehren, wie die Elche. Und sie verhindern einen genetischen Austausch, der für stabile Populationen lebenswichtig wäre, wie bei den europäischen Wisenten. Und dann ist da noch etwas, das diese physisch hochgezogenen Grenzen vollständig zerstören kann: die Wanderrouten von Tieren. </p>
<p><br/></p>
<p>(Klangteppich raus)</p>
<p><br/></p>
<p>Musik: Tumble weed</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im wilden Westen der USA zum Beispiel wandern Maultierhirsche jedes Jahr hunderte von Kilometern. Maultierhirsche sehen aus wie große Rehe mit sehr großen, wuscheligen Ohren. Sie laufen von ihren Sommergebieten in den Bergen bis hinunter in die rote Wüste von Wyoming, wo sie den Winter verbringen. Sie wandern, weil sie im Laufe der Jahreszeiten ihrer Nahrung folgen müssen, dem frischen Grün - entlang von uralten Wanderrouten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Für den langen Weg brauchen die Maultierhirsche viel Energie. Einige kommen richtig ausgezehrt in der roten Wüste an.</p>
<p>(Musik fade out)</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In den letzten Jahrzehnten wurde es für die Maultierhirsche immer schwieriger: Immer mehr Hindernisse kamen dazu: Ölfelder, Siedlungen, Solarfelder und: hunderte von Zäunen! Manche Tiere blieben darin hängen und starben dort jämmerlich und langsam. Vor allem ein Zaun war problematisch: </p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 09: Greg Nickersen</p>

<p>So in 2014, (x) there was this very narrow migration bottleneck between the town of Pinedale, Wyoming, and a lake. A very deep lake called Fremont Lake. And there was a very high fence there. And so deer had to find little tiny holes to to crawl under or get through and they managed to do it, but it was hard and there was also development of new housing that was planned for that area. </p>
<br/>

<p> </p>

<p><strong><br/></strong></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Was ist drin, im Fleischersatz? Alles Natur?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/was-ist-drin-im-fleischersatz-alles-natur/2018751</link>
      <pubDate>Fri, 29 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">10dc49e3-1142-4399-b1cc-c3bd2c25b481</guid>
      <description>Immer mehr Menschen lassen Fleisch ab und zu weg. Inzwischen ist ein großer Markt für Ersatzprodukte entstanden, vom Aufschnitt auf Pflanzenbasis über das Hülsenfrüchte-Hack bis hin zu Pilz-Quinoa-Burgern. Oder auch Insekten, unterschiedlich zubereitet. Doch wie gesund sind diese Alternativen? Autor: Hellmuth Nordwig. (BR 2023)</description>
      <enclosure length="22924416" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2018751/c/feed/was-ist-drin-im-fleischersatz-alles-natur.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Hellmuth Nordwig</itunes:author>
      <itunes:summary>Immer mehr Menschen lassen Fleisch ab und zu weg. Inzwischen ist ein großer Markt für Ersatzprodukte entstanden, vom Aufschnitt auf Pflanzenbasis über das Hülsenfrüchte-Hack bis hin zu Pilz-Quinoa-Burgern. Oder auch Insekten, unterschiedlich zubereitet. Doch wie gesund sind diese Alternativen? Autor: Hellmuth Nordwig. (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cd3438b8-abc7-4f91-9e78-5c6190ee7cd6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Immer mehr Menschen lassen Fleisch ab und zu weg. Inzwischen ist ein großer Markt für Ersatzprodukte entstanden, vom Aufschnitt auf Pflanzenbasis über das Hülsenfrüchte-Hack bis hin zu Pilz-Quinoa-Burgern. Oder auch Insekten, unterschiedlich zubereitet. Doch wie gesund sind diese Alternativen? Autor: Hellmuth Nordwig. (BR 2023)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Hellmuth Nordwig<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Katja Amberger<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-mansukripte-was-steckt-im-fleischersatz-alles-natur-vegan-insekt-gesundheit-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Nils Grabowski, Leiter Hygiene und Technologie von Insekten, Tierärztliche Hochschule Hannover; <br/>Dr. Alison Stille, Walding Foods, Freising; Christian Zacherl, Geschäftsfeldmanager Lebensmittel, Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, Freising; <br/>Dr. Susanne Gola, Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, Freising; <br/>Prof. Christina Holzapfel, Institut für Ernährungsmedizin, TU München</p>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Die Wurst – Von Tradition bis Tofu<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wurst-von-tradition-bis-tofu/bayern-2/94565986/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Fertiggerichte - Was kommt da eigentlich auf den Tisch?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/fertiggerichte-was-kommt-da-eigentlich-auf-den-tisch/bayern-2/12005245/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Soja - Fluch und Segen einer Bohne<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/soja-fluch-und-segen-einer-bohne/bayern-2/10703805/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Wir empfehlen außerdem diese spannende Folge von ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN:<br/></strong>MAHLZEIT! Geschichte der Lebensmittelkontrolle<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/mahlzeit-geschichte-der-lebensmittelkontrolle/bayern-2/95875952/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong><strong><br/> </strong>Simon und Wolli wollen auffallen und provozieren. Sie sind Klimaaktivisten und gehören zur Gruppe &quot;Letzte Generation&quot;. Die Presse hat sie längst als &quot;Klimakleber&quot; und Störenfriede betitelt. Von Autofahrern werden sie  beschimpft, als Pisser und Arschlöcher. Heute sind sie auf dem Weg ins Stadion, um sich vor vielen Tausend Fußballfans an eines der Tore zu ketten und zu protestieren ... Autorin: Anna Dannecker<br/> Inside Klimaprotest - Welcher Protest wirkt? (1/3)<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/inside-klimaprotest-welcher-protest-wirkt-1-3/bayern-2/94600684/"><strong>JETZT ANHÖREN</strong></a></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zeitzeugen - Wertvolle Erinnerungen mit Tücken</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zeitzeugen-wertvolle-erinnerungen-mit-tuecken/2095937</link>
      <pubDate>Fri, 29 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">008f930a-4ee6-4298-ad4e-b68d596a06d0</guid>
      <description>Zeitzeugen machen Geschichte hautnah erfahrbar. Ihre Erlebnisse machen Opfer - etwa der NS-Diktatur - zur unangreifbaren moralischen Autorität. Doch das vorgeblich so authentischen Erinnern durch Zeitzeugen hat durchaus Tücken. Von Lukas Grasberger (BR 2024) </description>
      <enclosure length="21793152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095937/c/feed/zeitzeugen-wertvolle-erinnerungen-mit-tuecken.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Zeitzeugen machen Geschichte hautnah erfahrbar. Ihre Erlebnisse machen Opfer - etwa der NS-Diktatur - zur unangreifbaren moralischen Autorität. Doch das vorgeblich so authentischen Erinnern durch Zeitzeugen hat durchaus Tücken. Von Lukas Grasberger (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/89b299ce-5175-4156-9ac4-86c55a0f3348.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zeitzeugen machen Geschichte hautnah erfahrbar. Ihre Erlebnisse machen Opfer - etwa der NS-Diktatur - zur unangreifbaren moralischen Autorität. Doch das vorgeblich so authentischen Erinnern durch Zeitzeugen hat durchaus Tücken. Von Lukas Grasberger (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Lukas Grasberger<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Benedigt Schregle<br/> Technik: Susanne Herzig<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Prof. Dorothee Wierling, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg; <br/>Prof. Martin Sabrow, Senior Fellow Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam; <br/>Prof. Bernd Schnettler, Lehrstuhl für Kultur und Religionssoziologie, Uni Bayreuth; <br/>Prof. Anja Ballis, Projekt LediZ – Lernen mit digitalen Zuegnissen, LMU München<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Omas Tasche und das Hitlerattentat</strong><br/>War Oma am Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt? Der Autor Thies Marsen ist zunächst sehr skeptisch, als ihm seine Großmutter eröffnet: Sie habe die Aktentasche besorgt, in der Graf von Stauffenbergs Bombe platziert war. Dann taucht er in die Familiengeschichte ein. Was er herausfindet, lässt ihn bis heute nicht los. Von Thies Marsen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/omas-tasche-und-das-hitler-attentat-der-auftrag-1-4/bayern-2/13546705/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:</p>
<p><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-zeitzeugen-errinerungen-mit-tuecken-geschichte-ns-zeit-zeitzeugen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>O-Ton 1 Ceija Stojka, Endrücke von der Ankunft im KZ Auschwitz</p>

<p>„Es ist finster. Man spürt den Gatsch, die Nässe unter den Füßen. Man spürt den Geruch der Verwesung, der im Lager herrscht. Man spürt die Kälte, die Feuchtigkeit. Noch sieht man nichts…. man hört nur die Schritte der Menge, die schleichend dahinschleicht. Und die Hunde. Und das Gejaule….und die SS, die immer brüllt: „Weitergehen, Marsch! Marsch! In Bewegung setzen.“ </p>
<p>MUSIK:  Dark operation 0‘42</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Eindrücklich erzählt Ceija Stojka in einem Fernsehinterview von ihrer Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz. Die Schilderungen der Romni, die als Kind ins Lager kam, machen das Grauen des KZ für jeden hautnah erlebbar. Abzurufen ist das Interview mit Ceija Stojka über das Zeitzeugenportal im Internet. Es ist eines von zahlreichen Projekten, die die Erinnerungen der letzten Überlebenden des Holocaust für die Nachgeborenen bewahren möchten. </p>
<p>Musiktrenner</p>
<p>Geschichte bekommt dank Zeitzeugen ein Gesicht – und eine Stimme. Der Zeitzeuge nicht nur als Augenzeuge, sondern als Mensch, als personalisierte Geschichte, die berührt. Die unmittelbare Erfahrung von Menschen, die „dabeigewesen sind“ und davon erzählen, machen es leichter, historische Zusammenhänge zu verstehen – und soweit wie möglich nachzuvollziehen. Schilderungen wie die der KZ-Überlebenden Stojka zählen dabei zu den eindrücklichsten. Doch Zeitzeugen decken mittlerweile ein breites Spektrum ab. Wenn ein Fluchthelfer davon berichtet, wie er DDR-Bürger in waghalsigen Manövern über die innerdeutsche Grenze bringt; wenn ein HIV-Infizierter davon erzählt, wie ihn die Aids-Epidemie der 1980er-Jahre nach und nach aller Freunde beraubt hat: Dann sind diese Personen - die über die Zeitgeschichte, also die &quot;Epoche der Mitlebenden“, Auskunft geben - der Definition nach Zeitzeugen. </p>
<p>MUSIK: Nocturnal research 0‘41</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Dass Zeitzeugen in großer Zahl öffentlich auftreten – und damit die Wahrnehmung von Geschichte prägen: Das ist der Berliner Historikerin Dorothee Wierling zufolge ein recht neues Phänomen. Es begann damit, dass die professionelle Geschichtswissenschaft ab den 1930er-Jahren den sogenannten „einfachen Menschen“ breiten Raum einräumte. Mit der oral history - übersetzt, der „mündlichen Geschichte“ -, die solche Zeitzeugen einfach sprechen lässt: möglichst unbeeinflusst vom interviewenden Profi-Historiker.</p>
<p>O-Ton 1 Prof. Dorothee Wierling, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg</p>
<p>„Wir sitzen mit dem am Küchentisch, und lassen uns die ganze Lebensgeschichte erzählen. (…) Wir als oral historian sitzen gegenüber und nehmen alles mit Interesse und Respekt auf. Das heißt, es entsteht eine Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit, wo wir mehr Zeit haben - und mehr Raum lassen. </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die oral history will mit Hilfe von Zeitzeugen die „ganze Geschichte“ erzählen. Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und Milieus sollten ihre Erlebnisse, Sichtweisen und Lebenswelten darstellen können – und taten dies auch. So gaben in den USA der 1930er-Jahre die letzten Zeugen von Sklaverei und Bürgerkrieg ausführlich in Interviews Auskunft; im Ruhrgebiet erzählten Bergleute Forschern im O-Ton ihre Lebens-und Arbeits-Geschichte; und für ein Oral-History-Filmprojekt in der Schweiz schilderten 80 Zeitzeugen ihrer Erfahrungen aus erster Hand in der Entwicklungshilfe. Das Zusammentragen von Zeitzeugen-Berichten sollte der „offiziellen Geschichte“ eine Art „Geschichtsschreibung von unten“ entgegenstellen.</p>
<p>MUSIK: Still waiting 0‘35</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Zeitzeugen, sagt der Potsdamer Historiker Professor Martin Sabrow, brachten so schließlich auch eine andere Perspektive in die damalige Wahrnehmung des Nationalsozialismus in Deutschland - in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Bewältigung der zurückliegenden NS-Zeit vor allem darin bestand, die Deutschen als Opfer von Hitler und seiner Vebrecher-Elite zu sehen: Nicht „die Deutschen als Opfer“, sondern die „Opfer der Deutschen“ rückten fortan in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.</p>
<p>O-Ton 2 Prof. Martin Sabrow, Senior Fellow Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam</p>
<p>„Für diese Gegenerzählung war der Zeitzeuge dann die entscheidende Figur: Er berichtete nicht von hohen Haupt- und Staatsaktionen und er berichtete auch nicht aus der Sicht der Mitläufer der Täter, der der deutschen, der dreißiger, vierziger Jahre - sondern ihrer Opfer.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>In Deutschland lernte so eine breite Öffentlichkeit den „Zeitzeugen“ in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kennen, erklärt die Berliner Geschichtsprofessorin Dorothee Wierling.  </p>
<p>O-Ton 3 Wierling</p>
<p>„Als Massenphänomen, denke ich, verdankt sich der Zeitzeuge tatsächlich den schrecklichen Kriegen des Zwanzigsten Jahrhunderts in Europa und hier vor allem auch dem Zweiten Weltkrieg und den Erfahrungen von Tod und Völkermord.“</p>
<p>MUSIK: Secret proofs 0‘51</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Spektakulär in Erscheinung trat dieser spezielle Zeitzeuge erstmals 1961: Beim Prozess gegen einen den Hauptorganisatoren des Holocaust, Adolf Eichmann.  Im Jerusalemer Gericht ließ Generalstaatsanwalt Gideon Hausner über einhundert Zeugen auftreten. Die große Zahl der Zeuginnen und Zeugen diente weniger dazu, Eichmann Völkermord-Verbrechen einzeln nachzuweisen – dafür gab es bereits ausreichend stichhaltige Belege. Nein, diese Zeitzeugen dienten vielmehr dazu, das Unfassbare begreifbar zu machen: Gleichsam als Personifizierung des Grauens. Staatsanwalt Hausner sah darin den einzigen Weg, „die Katastrophe überhaupt zu konkretisieren“. Dadurch, so viele überlebende Zeugen aufzurufen, wie es der Gerichts-Prozess überhaupt zuließ - und jeden zu bitten, ein winziges Bruchstück dessen zu erzählen, was er gesehen und erlebt hatte. </p>
<p>O-Ton 4 Sabrow</p>
<p>„So entstand im Jerusalem Gerichtssaal ein dichtes Bild von im Schrecken dieser Vierziger-Jahre der deutschen Konzentrationslager - und damit war Gideon Hausner sozusagen der Erstproduzent dieser Zeitzeugenbewegung, wie wir sie bis heute noch kennen.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die besondere deutsche Geschichte von Nazi-Diktatur, Krieg und Völkermord brachte Martin Sabrow zufolge eine spezielle Form des Zeitzeugens hervor. Er unterscheidet sich demnach vom Tatzeugen, vom Augenzeugen - oder von historischen Fachexperten, die lediglich über Fakten Auskunft geben. Dieser Zeitzeuge ist laut dem Professor Martin Sabrow eine Figur, mit deren Hilfe man der Vergangenheit unmittelbar als Person begegnet. Sabrow erinnert sich an die ersten Gespräche von Schülern mit solchen Zeitzeugen. Damals, Anfang der 1980er-Jahre, war der Geschichtsprofessor noch Studienrat an einer Berliner Schule. Der junge Lehrer Sabrow hatte Isaak Behar, einen Zeitzeugen der Judenverfolgung in Berlin, in sein Klassenzimmer eingeladen.</p>
<p>O-Ton 5 Sabrow</p>
<p>„Es war noch nicht eingeübt, und schon gar keine Routine...Und plötzlich stand ein älterer Mann mit freundlichem Lächeln, aber auch etwas melancholischen Gesichtszügen vor der Klasse, die vielleicht auch erst mal gar nicht wusste: Was will der hier eigentlich? (...)  Und dann erzählte Herr Behar, wie er dort von der Schule kam, den Savignyplatz entlang ging und in dann in die Grolmannstraße da einbog. Und er sah schon die Gardinen am Fenster, allerdings brannten sie. Und stürmt in das Haus, das waren nämlich die Gardinen der Wohnung seiner Eltern. Die Eltern waren weg, er hat sie nie wiedergesehen. Sie sind ermordet worden. Und plötzlich waren meine Schülerinnen und Schüler, die zuerst so halb zugehört hatten... plötzlich waren sie in den Bann gezogen. Da sitzt und steht ein Mann vor uns, leibhaftig Fleisch und Blut, und er hat etwas erlebt auf demselben Platz, den wir auch alle kennen, und es ist so radikal anders, wie es kein Buch dastellen kann.“</p>
<p>MUSIK:  Thinking of better times 0‘17</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der Zeitzeuge als personalisierte Geschichte, die berührt – und sich berühren lässt: Auch heute wollten Schüler Überlebende des Holocaust nicht selten anfassen, sagt Dorothee Wierling. </p>
<p>O-Ton 6 Wierling</p>
<p> „Das hat was ganz Körperliches...Das hat irgendwie was...also was Religiöses, fast, ja. Und das Gefühl ist sehr stark. (…) Es geht wirklich dann mehr um die Aura. Und diese Aura des Überlebens ist sehr stark.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Solche Zeitzeugen, ergänzt Wierlings Kollege Martin Sabrow, umwehe die Aura der Authentizität. Sie wirkten nicht allein durch den Inhalt dessen, was sie erzählen. Sie seien - im wahrsten Sinne des Wortes - die „Verkörperung“ eines historischen Dramas. </p>
<p>MUSIK:  Memory activity 035</p>
<p>Doch so eindrucksvoll, so wertvoll Zeitzeugen in ihrer Wirkung für die Erinnerungs- und Gedenkkultur auch sein mögen: Ihr Auftreten hat aus der nüchternen Perspektive der Wissenschaft betrachtet auch Schattenseiten. Der Bayreuther Soziologe Bernd Schnettler warnt davor, einzelne Aussagen von Zeitzeugen vorschnell für „bare Münze“ zu nehmen. Denn die Aura des Authentischen, des Einzigartigen, die Glaubhaftigkeit: Dies alles entstehe nicht allein in und aus der Persönlichkeit des Zeitzeugen heraus.</p>
<p>O-Ton 7 Prof. Bernd Schnettler, Kultur- und Religionssoziologe, Uni Bayreuth</p>
<p>„Das, was als Authentizität oft bezeichnet wird - also dieser Eindruck, wirklich überzeugt davon zu sein, was mein Gegenüber sagt - das ergibt sich ja eben aus dieser Begegnungssituation…´</p>
<p>„also deswegen ist auch die Glaubhaftigkeit etwas, was natürlich an ihnen liegt, was aber auch daran liegt, ob nun eine ausreichende Zahl von Menschen ihnen weiter folgen wird.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der Zeitzeuge wirkt demnach also durch und mit einem Publikum, das ihm folgen – und das ihm glauben will. Die Historikerin Dorothee Wierling berichtet indes von ihrem Unbehagen bei öffentlichen Auftritten von Zeitzeugen: Denn diese erzählten Geschehnisse nicht nur aus ihrer subjektiven Sichtweise. Manche Zeitzeugin oder mancher Zeitzeuge erinnere sich auch falsch, oder versah seine Erinnerung mit einer fragwürdigen Deutung. So etwa bei einer Veranstaltung mit einer Oppositionellen, die in der DDR wegen ihrer politischen Haltung in Haft saß – und diese vor Publikum unwidersprochen als „Konzentrationslager“ bezeichnete. Auf diesen Fehler hinzuweisen – vor dem unbestreitbaren Leiden der Frau schien dies keinen Sinn zu haben. </p>
<p>O-Ton 8 Wierling</p>
<p>„Jemand, der auf diese radikale Weise Opfer geworden ist, den kann man zum Beispiel nicht unterbrechen. Den kann man auch nicht kritisieren. Also das ist irgendwie gegen unser Gefühl, und es ist auch ungehörig. Es bedeutet aber auch, dass die Geschichte auch in anderer Hinsicht nicht hinterfragt wird – ja, dass man zum Beispiel nicht kritisieren kann, dass jemand einen bestimmten Begriff benutzt. Oder dass man nicht nachfragen kann, ob etwas wirklich so gewesen sei oder so. Das ist alles ungehörig. Und das meine ich jetzt nicht nur ironisch: Das ist wirklich unangemessen, weil die Leute ja mit ihrem Leid irgendwie unangreifbar geworden sind.“</p>
<p>ZSP 2 Enric Marco, Rede vor spanischem Parlament, span., </p>
<p>dt. OV</p>
<p>Sprecher Voice Over</p>
<p>„Wir mussten uns splitternackt ausziehen, sie haben uns aller Habseligkeiten beraubt. Aber nicht nur aus Habgier, sondern, damit wir völlig nackt und schutzlos dastanden. Wir mussten uns ausziehen – und dann bissen uns ihre Hunde…“</p>
<p>MUSIK:  Obscure intrique 0‘35</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der Katalane Enric Marco berichtete 2005 beim Holocaust-Gedenktag im spanischen Parlament von den Gräueln in einem deutschen KZ. Ein Auftritt, der etliche Abgeordnete zu Tränen rührte. Das Problem: Die Erlebnisse Enric Marcos – sie waren frei erfunden. Der Betrug konnte nur funktionieren, da die Geschichte Marcos allen Erwartungen gerecht wurde  </p>
<p>O-Ton 9 Schnettler</p>
<p>„Wir haben ja ein ganzes institutionelles Gefüge, in dem diese Erinnerungen produziert, hergestellt und verbreitet werden.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>...sagt der Soziologe Bernd Schnettler. Die Erinnerungen der Zeitzeugen seien – selbst wenn sie das „Siegel“ der Echtheit tragen – zuweilen weniger individuell, als es auf den ersten Blick scheinen mag, betont der Soziologie-Professor der Uni Bayreuth. Denn seine Wirkung gewinne der Bericht Enric Marcos nicht, weil der Zuschauer oder Zuhörer ihm eine Hundephobie zurechne. </p>
<p>MUSIK: Terrible truth 0‘39</p>
<p>Sie wirke, weil wir, das Publikum des Zeitzeugen,  die Hunde als Bestien der SS an der Selektionsrampe im KZ aktiv interpretieren – und damit eine Erinnerung reproduzieren, die schon gesellschaftlich verankert ist. Der Zuhörer setzt die Szene mit dem Hund also in einen historischen Zusammenhang, den er bereits verfügbar hat. Zuweilen, sagt Bernd Schnettler, sei es sogar so...</p>
<p>O-Ton 10 Schnettler</p>
<p>„...dass nämlich diese Erfahrungsberichte komplett sozusagen durch die kulturellen Rahmen erzeugt werden.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Es sei auf jeden Fall ein Wechselspiel mit seinem Publikum, sagt der Soziologe, aus dem der Zeitzeuge seine Wirkungsmacht gewinne.Erwartungen, denen mancher Zeitzeuge gern nachkomme. </p>
<p>O-Ton 11 Wierling</p>
<p>„Das ist eben auch für den einzelnen dann oft sehr reizvoll, ja, diese, also diese Zustimmung zu bekommen ...dass dieser öffentliche Zeitzeuge eigentlich so stark eingebunden ist in eine Erzählung, die er kennt und von der weiß, dass er sie liefern soll und das wird ja auch belohnt, ja, wenn er sie so liefert. Und insofern bekommt er immer wieder die Bestätigung, daß das die Geschichte ist, die alle Leute hören wollen. Und das ist ja auch ne Bestätigung, nicht nur, dass er es richtig gemacht hat, sondern es ist ja auch eine Bestätigung, die er als Person bekommt.“     </p>
<p>MUSIK: Undercover investigations red. 0‘26</p>
<p>Dass Zeitzeugen auch dazu dienen können, eine vorgefertigte Geschichte zu bestätigen - oder gar nur mehr als Statisten und Stichwortgeber fungieren: Dies beobachtet Dorothee Wierling vor allem bei den allgemein wohl bekanntesten Zeitzeugen: Den Protagonisten des so genannten Geschichtsfernsehens..</p>
<p>O-Ton 13 Wierling</p>
<p>„Hier sind die Zeitzeugen sozusagen öffentlich aufgetreten, und zwar in einer Rolle von hochkontrollierten Sprechern. (...) und dieser Zeitzeuge, das ist wirklich eine Figur,  die über das Fernsehen eigentlich erst ihre Rolle gefunden hat, und zwar in den neunzehnhundertachtziger Jahren.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Zeitzeugen sind mediale Quotenrenner, aber den Erkenntnisgewinn so mancher Aussage hält der Potsdamer Professor Martin Sabrow für zweifelhaft.</p>
<p>O-Ton 14 Sabrow</p>
<p>„Ist es eine verdichtete Erzählung, die womöglich auch so geschnitten ist, daß sie den Erwartungen des Publikums entspricht? </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die immense öffentliche Aufmerksamkeit stehe hier im Gegensatz zum geringen wissenschaftlichen Erkenntniswert. Zeitzeugen-Aussagen solcher Art müssten dringend von der Geschichtswissenschaft kritisch eingeordnet werden, sagt Professor Martin Sabrow.</p>
<p>MUSIK: Pensive pondering 0‘45</p>
<p>Medial omnipräsente Zeitzeugen, die ihr Publikum vor allem durch Affekt und Emotion „mitnehmen“: Die könnten zwar vielleicht dabei helfen, eine Erinnerungskultur zu etablieren und zu bestärken, sagt die Berliner Historikerin Dorothee Wierling. Für eine Geschichtswissenschaft aber, seien die ungeprüften Aussagen solcher Zeitzeugen weitgehend wertlos. Wie es anders geht: Das will Wierling mit ausführlichen wissenschaftlichen Interviews nach Methode der oral history zeigen.</p>
<p>O-Ton 15 Wierling</p>
<p>„Wir unterbrechen im ersten Durchgang überhaupt nicht und lassen allen Assoziationen freien Lauf. Und insofern sind es ganz andere Texte als die Texte, die wir zum Beispiel aus dem Geschichtsfernsehen kennen - die ja viel kürzer sind und in der Regel auch viel stärker fokussiert sind auf die Bestätigung eines ganz bestimmten Ereignisses. Es kommt eben auch vor bei den Zeitzeugen, dass die sich falsch erinnern - oder dass sie etwas für wahr halten, von dem die Geschichtswissenschaft aber weiß, dass es so nicht passiert ist. Und da kann man dann zum Beispiel, wenn man Tonaufnahmen hat, oder wenn man Videoaufnahmen hat, dann kann man auch erklären, wie es dazu kommt, dass jemand sich falsch erinnert, das ist ja sozusagen keine böse Absicht, das ist ja Teil der Gedächtnisentwicklung, dass Erinnerungen sich verändern, dass sie sich verändern unter dem Einfluss öffentlicher Debatten....  Also das ist dann für uns guter Ansatz für eine komplexe Deutung solcher Geschichtserfahrungen, die da erzählt werden.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Zeitgeschichts-Professorin Dorothee Wierling setzt sich dafür ein, Lebensgeschichten auf diese Weise festzuhalten, sie zu sammeln - und systematisch auszuwerten. Denn für die Geschichtsschreibung waren und sind die Zeugen der jeweiligen Zeit – so bruchstückhaft und widersprüchlich ihre Erzählungen auch sein mögen - stets unentbehrliche Quellen: Für Forscher – wie auch für Lehrende, die Geschichte dank der Auskünfte von Zeitzeugen anschaulich und konkret vermitteln können.  </p>
<p>MUSIK: Bleak and droughty 0‘22</p>
<p>Was aber, wenn die letzten Zeitzeugen einer Epoche sterben?</p>
<p>Musiktrenner, kurz</p>
<p>Damit, wie sich die Erzählungen und Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden bewahren und weitergeben lassen, beschäftigt sich ein Projekt an der LMU München: „LediZ – Lernen mit digitalen Zeitzeugen“.</p>
<p>O-Ton 16 Prof. Anja Ballis, Professorin für Literaturwissenschaft und Ko-Leiterin Projekt „LediZ“, Teil 1</p>
<p>„Uns geht es darum, herauszufinden, inwiefern tatsächlich diese digitalen Zeugnisse helfen, die Geschichten weiter zu erzählen.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>...erklärt die Leiterin des digitalen Zeitzeugen-Projekts, Anja Ballis</p>
<p>O-Ton 16 Ballis Teil 2</p>
<p>Und der erste Teil von LediZ besteht eben in interaktiven digitalen Zeugnissen. Und da haben wir eigentlich relativ einfach nachgebaut, ZeitzeugInnen-Gespräche….dass eben der oder die Zeitzeugin ihre Geschichte erzählt. Und im Anschluss eben einen Frage-und-Antwort-Teil, und das haben wir praktisch ins Digitale verlegt.“</p>
<p>MUSIK: Network access 0‘22</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die KZ-Überlebende Eva Umlauf beantwortete für LediZ 1000 Fragen zu ihrer Lebensgeschichte, ihre Antworten wurden mit einer Spezialkamera aufgenommen. Stellt nun ein Schüler eine dazu passende Frage, dann antwortet die Zeitzeugin - in Form einer wirklichkeitsnahen Videosequenz. </p>
<p>ZSP Clip LediZ</p>
<p>-„Konnten Sie den Tätern verzeihen?“</p>
<p>-“Das ist auch oft so eine Frage, die ich bekomme: So eine Absolution zu erteilen. Ja, also….ich hab nicht verziehen!“ </p>
<p>Erzählerin </p>
<p>In den nächsten Stufen von LediZ sollen die meist jugendlichen Nutzerinnen und Nutzer nicht nur Fragen stellen, sondern mit Computer-Brillen oder als Avatare – also selbst als künstliche Alter Egos - in digitale Welten eintauchen. </p>
<p>O-Ton 17 Ballis</p>
<p>„Und da geht es jetzt eben darum, dass sie mit Hilfe einer VR-Brille in einen Raum eintreten und der Zeitzeugin gegenübertreten können, die ihnen dann ihre Geschichte erzählt. Und diese Räumlichkeiten, die wir hier entwickelt haben, bieten ihnen auch die Möglichkeit, in begrenztem Maße eben zu interagieren: Sich ein Buch näher anzuschauen, Bilder also ein virtuelles Buch anzuschauen, Fotografien anzuschauen und die dort integrierten Medien aufzunehmen.(…)</p>
<p>Erzählerin. </p>
<p>Das interaktive Format ermögliche es Schülern zumindest, ohne Scheu Fragen zu stellen - zu Themen, bei denen sie Berührungspunkte mit den Zeitzeugen vermuteten. Im besten Fall könnten die Jugendlichen dann an die Erfahrungen der Zeitzeugen anknüpfen, eine gemeinsame Ebene entdecken. </p>
<p>Der Blick durch die 3D-Brille, das hat Anja Ballis beobachtet, ermögliche ein Eintauchen in die Lebenswelt der Zeitzeugen, schaffe besondere Momente der Nähe. </p>
<p>Human afflication 0‘33</p>
<p>So könnten Schülerinnen und Schüler Geschichte ganz persönlich - mit allen Emotionen - erleben.</p>
<p>O-Ton 18 Ballis</p>

<p>„Also, es löst viel in ihnen aus…Und wir stellen des öfteren fest, wenn sie die Brillen abnehmen: Es wird geweint, die Kinder, die Jugendlichen werden angerührt in ganz unterschiedlicher Intensität, von der Geschichte. Also wir haben den Eindruck: Es ist sehr intensiv.“ </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>WirTier (6): Biber-Fieber</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wirtier-6-biber-fieber/2107554</link>
      <pubDate>Fri, 29 Aug 2025 01:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b389e0af-2030-4f2c-a19c-fc984ac4e0ee</guid>
      <description>&quot;Biber ehrenhalber” sind die Wildlife-Fotografen Bettina und Christian: sie haben sich das Vertrauen einer Biber-Familie hart erarbeitet. Sie sind dabei, wenn die Biber fressen, spielen, ihre Babies groß ziehen. Ob auch Wir-Tier Host Julius ein Schnappschuss gelingt?</description>
      <enclosure length="67915437" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107554/c/feed/wirtier-6-biber-fieber.mp3"/>
      <itunes:duration>01:10:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Marciniak/Bretzel/Hübel/Kastner</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Biber ehrenhalber” sind die Wildlife-Fotografen Bettina und Christian: sie haben sich das Vertrauen einer Biber-Familie hart erarbeitet. Sie sind dabei, wenn die Biber fressen, spielen, ihre Babies groß ziehen. Ob auch Wir-Tier Host Julius ein Schnappschuss gelingt?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b67b4cc7-a7df-4151-b8f6-269cbc16086b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Biber ehrenhalber” sind die Wildlife-Fotografen Bettina und Christian: sie haben sich das Vertrauen einer Biber-Familie hart erarbeitet. Sie sind dabei, wenn die Biber fressen, spielen, ihre Babies groß ziehen. Ob auch Wir-Tier Host Julius ein Schnappschuss gelingt?</p>
<p><strong>CREDITS:</strong></p>
<p>Gäste: Bettina und Christian Kutschenreiter, Wildlife-Fotografen und „Biber ehrenhalber“ von der wilden Rasselbande am Inn</p>
<p>Hosts und Reporter: Julius Bretzel und Victoria Marciniak</p>
<p>Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Technik: Stefan Oberle</p>
<p>Musik: Stefan Oberle und Dagmar Petrus</p>
<p>Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner</p>
<p>Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel<br/> <br/> </p>
<p>Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.<br/> <br/> Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: <a href="mailto:wir-tier@br.de">wir-tier@br.de</a></p>
<p>Wir freuen uns! </p>
<p> </p>
<p>Das <strong>Manuskript von WirTier (6): Biber-Fieber </strong>findet ihr<strong> <a title="Zum Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskripte-rw-wir-tier-6-bieberfieber-wirtier-mensch-beziehung-reportage-100.html">HIER</a>.</strong></p>


<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.</p>
<p><strong></strong></p>
<p>Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.</p>
<p><strong></strong>Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung  <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Noch mehr über wilde Biber und Wildlife-Fotografie von Bettina und Christian Kutschenreiter könnt ihr hier erfahren: </strong></p>
<p><a href="https://www.christian-kutschenreiter.de/">https://www.christian-kutschenreiter.de/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Hier unser Podcast-Tipp:</strong></p>
<p>„Wild Crimes“ erzählt True Crime aus der Tierwelt, wo Mensch und Tier auf dramatische Weise aufeinandertreffen. Die neue Staffel dreht sich um die beiden Magier Siegfried und Roy: der weißer Tiger Mantacore attackiert Roy Horn - vor den Augen des Publikums zerbricht das Showimperium der beiden Magier. Was bleibt, sind Widersprüche und Spekulationen. Die neue Staffel Wild Crimes: „Siegfried &amp; Roy und die Tigerattacke“ findet ihr hier: <a href="https://1.ard.de/wild-crimes">https://1.ard.de/wild-crimes</a><strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wildes Wissen gibt’s auch bei Radiowissen – hört doch mal rein in unsere Empfehlungen:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Stille im Froschteich – Warum unsere Lurche verschwinden</strong></p>
<p>Es wird still in den ehemaligen Froschteichen, ähnlich wie bei den Insekten gehen auch die Zahlen unserer Amphibien stetig zurück. Ob Frösche, Salamander oder Kröten, immer weniger dieser Tiere finden bei uns geeignete Lebensräume. Die Ursachen dafür sind vielfältig, sie reichen von Folgen des Klimawandels, bis hin zu neuen Krankheiten und einem Rückgang unberührter, natürlicher Habitate. Habitate, die z.B. auch von Bibern geschaffen werden können, wenn sie durch ihre Staudämme für neue überflutete Teichgebiete sorgen.   </p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/stille-im-froschteich-warum-unsere-lurche-verschwinden/bayern-2/14659657/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/stille-im-froschteich-warum-unsere-lurche-verschwinden/bayern-2/14659657/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Der Fischotter - Flinker Marder mit Schwimmhäuten</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-fischotter-flinker-marder-mit-schwimmhaeuten/bayern-2/78756094/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-fischotter-flinker-marder-mit-schwimmhaeuten/bayern-2/78756094/</a></p>
<p>Auch seine Rückkehr freut nicht jeden, vor allem die Fischteich-Betreiber hierzulande beklagen oft immense Verluste durch den geschickten Fischräuber. Lange war das elegante Tier bei uns verschwunden, er galt als ausgestorben. Jetzt kommt er langsam zurück, ein Erfolg für die Artenvielfalt in Deutschland.  </p>
<p> </p>
<p><strong>Wenn die Wildnis zurückkehrt: Lebensraum Steinbruch</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nach-der-zerstoerung-biotop-lebensraum-steinbruch/bayern-2/13675797/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/nach-der-zerstoerung-biotop-lebensraum-steinbruch/bayern-2/13675797/</a></p>
<p>Wunden in der Landschaft. Das ist oft der erste Eindruck eines aufgelassenen Steinbruchs. Doch manchernorts verwandeln Naturschützer die Mondlandschaft zu einem Refugium für seltene Tier- und Pflanzenarten. Aber die paradiesischen Orte sind auch nicht ganz unumstritten. </p>

Zum Weiterhören:
<strong>Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche</strong>
<strong><br/></strong>


Folge 7, Sarah und die Schweine
Sarah zeigt auf ihrem Hof den Besuchern, was für liebevolle Tiere Schweine sind. Wer Zeit mit ihnen verbringt, kann wunderbar zur Ruhe kommen. 


<p><a href="https://1.ard.de/7-sarah-und-die-schweine">https://1.ard.de/7-sarah-und-die-schweine</a></p>


<p>Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?</p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>WirTier (5): Schlangengrube</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wirtier-5-schlangengrube/2107335</link>
      <pubDate>Fri, 29 Aug 2025 00:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8f27f891-67a7-48b6-b2cc-328593c4b53c</guid>
      <description>Markus hat eine Mission: Reptilien vor Leid bewahren. Selten sind Schlangen hierzulande eine Bedrohung, vielmehr selbst bedroht: Prestigeobjekte, Qualzuchten, illegale Handelsware. WirTier-Host Victoria nimmt ihren Mut zusammen: Schafft sie es, ihre Angst vor Schlangen zu überwinden?</description>
      <enclosure length="58781613" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107335/c/feed/wirtier-5-schlangengrube.mp3"/>
      <itunes:duration>01:01:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Marciniak/Bretzel/Hübel/Kastner</itunes:author>
      <itunes:summary>Markus hat eine Mission: Reptilien vor Leid bewahren. Selten sind Schlangen hierzulande eine Bedrohung, vielmehr selbst bedroht: Prestigeobjekte, Qualzuchten, illegale Handelsware. WirTier-Host Victoria nimmt ihren Mut zusammen: Schafft sie es, ihre Angst vor Schlangen zu überwinden?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8aae3eca-9759-4a05-a689-bc124459ceb9.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Markus hat eine Mission: Reptilien vor Leid bewahren. Selten sind Schlangen hierzulande eine Bedrohung, vielmehr selbst bedroht: Prestigeobjekte, Qualzuchten, illegale Handelsware. WirTier-Host Victoria nimmt ihren Mut zusammen: Schafft sie es, ihre Angst vor Schlangen zu überwinden?</p>
<p><strong>CREDITS:</strong></p>
<p>Gast: Dr. Markus Baur, Fachtierarzt für Reptilien und Leiter der Reptilienauffangstation München</p>
<p>Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel</p>
<p>Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Technik: Stefan Oberle</p>
<p>Musik: Stefan Oberle und Dagmar Petrus</p>
<p>Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner</p>
<p>Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel<br/> <br/> </p>
<p>Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.<br/> <br/> Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: <a href="mailto:wir-tier@br.de">wir-tier@br.de</a></p>
<p>Wir freuen uns! </p>
<p> </p>
<p>Das <strong>Manuskript von WirTier (5): Schlangengrube </strong>findet ihr<strong> <a title="Zum Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskripte-rw-wir-tier-5-wirtier-mensch-umwelt-podcast-reptilien-100.html">HIER</a>.</strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.</p>
<p><strong></strong></p>
<p>Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.</p>
<p><strong></strong>Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung  <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/</a></p>
<p><br/></p>
<p><strong>Alles über die Reptilienauffangstation München und den Traumjob von Markus Baur erfahrt ihr hier: </strong></p>
<p><a href="https://www.reptilienauffangstation.de/">https://www.reptilienauffangstation.de/</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Special thanks für wichtige Background-Infos in dieser Folge: </strong></p>
<p>·       VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz</p>
<p><a href="https://www.vier-pfoten.de/">https://www.vier-pfoten.de/</a></p>
<p>·       Pro Wildlife</p>
<p><a href="https://www.prowildlife.de/">https://www.prowildlife.de/</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hier unser Podcast-Tipp:</strong></p>
<p>Wenn ihr Geschichten liebt, die euch in scheinbar andere Welten entführen, dann hört doch mal rein bei „Elefant, Tiger und Co.“ Zooreporter Dirk Hentze begleitet die Menschen, die jeden Tag im Zoo Leipzig mit den faszinierendsten Tieren arbeiten:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/elefant-tiger-und-co-der-podcast/87848258/">https://www.ardaudiothek.de/sendung/elefant-tiger-und-co-der-podcast/87848258/</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Welche Schlangenarten sind in Deutschland heimisch? Schaut mal rein bei ARD Alpha: </strong></p>
<p>Sieben Schlangenarten gibt es in Deutschland. Wir zeigen euch, wie sie aussehen - und verraten, welche Schlange giftig ist.</p>
<p><a href="https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/schlangen-deutschland-giftig-bilder-wasser-schwimmen-groesste-schlangenart-100.html">https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/schlangen-deutschland-giftig-bilder-wasser-schwimmen-groesste-schlangenart-100.html</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wer noch mehr Faszinierendes erfahren möchte aus der Welt der Reptilien, dem empfehlen wir auch unsere Tier-Features bei Radiowissen:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die Kreuzotter - Gut getarnt und giftig</strong><strong></strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-kreuzotter-gut-getarnt-und-giftig/bayern-2/14377035/">Radiowissen · Die Kreuzotter - Gut getarnt und giftig · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p>Die Kreuzotter ist Bayerns einzige Giftschlange. Doch gefährlich wird sie uns Menschen in der Regel nicht, denn sie lebt im Verborgenen, ist extrem gut getarnt und sie ist sehr scheu. Es ist daher eher ein seltener Glücksfall, einer Kreuzotter in freier Wildbahn zu begegnen. Zudem ist die schön gemusterte Schlange vom Aussterben bedroht: früher wurde sie gnadenlos gejagt, heute setzen ihr schwindende Lebensräume und der Klimawandel zu.</p>
<p> </p>
<p><strong>Riesenschildkröten, die letzten ihrer Art? </strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/riesenschildkroeten-die-letzten-ihrer-art-alles-natur/bayern-2/94604928/">Radiowissen · Riesenschildkröten, die letzten ihrer Art? Alles Natur · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p>Sie sind wahre Giganten unter den Schildkröten: Die imposanten Riesenschildkröten auf Galápagos. Beinahe hätte der Mensch auch diese Relikte der Urzeit ausgelöscht, denn die frühen Seefahrer machten Halt auf Galápagos und nahmen die genügsamen Tiere als lebende Fleischreserven mit auf ihre Schiffe. Heute sind diese einmaligen Tiere streng geschützt. </p>
<p> </p>
<p><strong>Amphibien und Reptilien - Glatt, glitschig und genial vielseitig</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/amphibien-und-reptilien-glatt-glitschig-und-genial-vielseitig/bayern-2/78753778/">Radiowissen · Amphibien und Reptilien - Glatt, glitschig und genial vielseitig · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p>Sie bilden eine ganz eigene, uralte Tiergruppe: die Amphibien! Und ohne sie würde es Säugetiere, Vögel und Reptilien nicht geben, denn sie waren es, die vor Jahrmillionen von Jahren den Schritt vom Wasser ans Land gewagt haben. </p>
<p> </p>
<p><strong>Über die faszinierende Zunge von Schlangen, Salamandern und Schnecken: </strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-zunge-ein-meisterwerk-der-evolution/bayern-2/13536949/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-zunge-ein-meisterwerk-der-evolution/bayern-2/13536949/</a></p>
<p>Beim Salamander ist die Zunge extra klebrig und kann greifen, die Giraffe kann sie in die Länge ziehen, die Schlange mit ihr in zwei Richtungen riechen – und der Schnecke wachsen auf der Zunge kleine Raspelzähne: ein Meisterwerk der Evolution und Inspirationsquelle für Technik und Robotik.</p>

Zum Weiterhören:
<strong>Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche</strong>
<strong><br/></strong>


Folge 6, Birga und die Katzen 
Birga ist verrückt nach Katzen. So sehr, dass die Katzenexpertin das Schnurren abspielt, wenn sie in Hotels ohne ihre Katzen einschlafen muss.


<p><a href="https://1.ard.de/6-birga-und-die-katzen">https://1.ard.de/6-birga-und-die-katzen</a></p>


Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Boom and Bust – Eine kurze Geschichte der Börse</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/boom-and-bust-eine-kurze-geschichte-der-boerse-1/2108973</link>
      <pubDate>Thu, 28 Aug 2025 18:13:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">718bc765-74b3-4908-8f80-04cc6167f991</guid>
      <description>In früheren Zeiten waren Börsen exklusive Clubs für Kaufleute. Doch bereits im 17. Jahrhundert begannen auch einfache Leute, in Wertpapiere zu investieren. Seitdem grassiert das Börsenfieber regelmäßig. Autorin: Maike Brzoska (BR 2025) </description>
      <enclosure length="23678208" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108973/c/feed/boom-and-bust-eine-kurze-geschichte-der-boerse-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Brzoska, Maike</itunes:author>
      <itunes:summary>In früheren Zeiten waren Börsen exklusive Clubs für Kaufleute. Doch bereits im 17. Jahrhundert begannen auch einfache Leute, in Wertpapiere zu investieren. Seitdem grassiert das Börsenfieber regelmäßig. Autorin: Maike Brzoska (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5c7f6897-1fbc-40eb-8326-06f14ec1da01.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In früheren Zeiten waren Börsen exklusive Clubs für Kaufleute. Doch bereits im 17. Jahrhundert begannen auch einfache Leute, in Wertpapiere zu investieren. Seitdem grassiert das Börsenfieber regelmäßig. Autorin: Maike Brzoska (BR 2025) </p><p>Shownotes</p>
<p>Autorin: Maike Brzoska</p>
<p>Regie: <em></em>Susi Weichselbaumer</p>
<p>Sprecher:innen: Katja Bürkle, Christian Baumann, Friedrich Schloffer </p>
<p>Technik:<em> </em></p>
<p>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>- Werner Plumpe, Wirtschaftshistoriker und em. Professor der Universität Frankfurt</p>
<p>- Michael North, Wirtschaftshistoriker und em. Professor der Universität Greifswald</p>
<p>- Andreas Hackethal, Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Frankfurter Universität</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://1.ard.de/philosophisches-radio">WDR 5 Das philosophische Radio</a></strong></p>
<p>Ein Austausch mit anderen nachdenklichen Menschen in einer einzigartigen öffentlichen philosophischen Diskussion.</p>
<p><a title="Hier geht es zur Website" href="https://1.ard.de/philosophisches-radio">HIER ANHÖREN</a></p>



<p>Literatur: <em></em></p>
<p>-       Michael North, „Das Goldene Zeitalter: Eine Weltgeschichte des 17. Jahrhunderts“: Erzählt anschaulich die frühe Phase der Globalisierung, und zwar nicht eurozentrisch, sondern global vernetzt.</p>
<p>-       Werner Plumpe, „Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart“: Plumpe beschreibt, wie Staaten sich finanzieren – und mithilfe welcher Mechanismen sie sich ihrer Schulden historisch entledigten</p>
<p>-       Hans Ostwald, „Sittengeschichte der Inflation. Ein Kulturdokument aus den Jahren des Marktsturzes“: In dem 1931 erschienenen Buch beschreibt der Journalist und Schriftsteller die Zeit rund um die Hyperinflation Anfang der 1920er Jahre. </p>
<p>-       Lodwijk Petram, „The World´s First Stock Exchange”, das Buch beschreibt die Entstehung der Amsterdamer Börse im 17. Jahrhunderts sehr anschaulich und mit neuen Informationen aus zeithistorischen Dokumenten.</p>
<p>-       Joseph E. Stiglitz, „The Roaring Nineties. A New History of the World´s Most Prosperous Decade”: Stiglitz beschreibt die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in den USA der 1990er.</p>
<p><br/></p>
<p> <strong>Linktipps:</strong></p>
<p> -       Dax-Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts:</p>
<p><a href="https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/241231_DAX-Rendite-Dreieck_50_Jahre_Web.pdf">https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/241231_DAX-Rendite-Dreieck_50_Jahre_Web.pdf</a></p>
<p><br/></p>
<p><a href="https://www.dai.de/fileadmin/user_upload/241231_DAX-Rendite-Dreieck_50_Jahre_Web.pdf"></a>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong> Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Amsterdam im August 1602: Mehrere Männer beugen sich über ein dickes Buch mit Pergament-Einband. Ein Notar, ein Buchhalter und der Direktor Dirck van Os sind darunter. In seinem Haus findet das Treffen statt. Die Männer gehen Namen und Beträge durch. Erst jetzt, gegen Abend, kehrt Ruhe in das Haus der van Os ein. Der Tag war hektisch – den ganzen Tag kamen Kaufleute, um sich eintragen zu lassen. Sie alle sind nun Teilhaber der Vereinigten Ostindischen Kompanie, kurz VOC.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die VOC gilt als erste Aktiengesellschaft der modernen Geschichte. In ihr haben sich verschiedene Unternehmen zusammengeschlossen – und jeder, der das nötige Geld hatte, konnte Anteile daran erwerben. Die neue Gesellschaft will Handelsreisen nach Südostasien finanzieren. Ein teures Unternehmen.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Um kurz vor Mitternacht geht noch mal die Tür auf. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Repeat after me </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Neeltgen Cornelis, das Hausmädchen der van Os, kommt herein. Auch sie möchte investieren. Lange hat sie mit sich gerungen – als Hausangestellte verdient sie gerade einmal 50 Cent am Tag. Aber die Vorhaben der neuen Gesellschaft klingen einfach so verlockend: Nelken, Pfeffer, Muskatnuss will man importieren, die seltenen Gewürze erzielen in den Niederlanden Höchstpreise. Die Gelegenheit scheint einmalig. Cornelis lässt sich eintragen – mit stolzen 100 Gulden! </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mehr als 1000 Menschen kauften damals Anteile, darunter wohlhabende Kaufleute, aber auch sogenannte kleine Leute – Handwerker, Witwen, Hausangestellte – was ungewöhnlich war für die Zeit. Der niederländische Forscher Lodewijk Petram, Autor des Buches „The Worlds First Stock Exchange“, spricht von einem „frühen Volkskapitalismus“. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Repeat after me reduziert </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Anteile an der VOC sind bald stark nachgefragt. In Wirtshäusern und an der Brücke am Hafen wechseln sie den Besitzer. Alle hoffen auf gute Gewinne und wollen teilhaben an den abenteuerlichen Reisen nach Südostasien – zumindest auf dem Papier! Aber es gibt auch schon Formen der Kursmanipulation: Gerüchte werden gezielt in die Welt gesetzt, eines der Schiffe der VOC sei gesunken – der Kurs der Anteile fällt.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um den Handel zu regulieren, gründet die Regierung 1611 die Amsterdamer Börse – die erste Wertpapier-Börse der Welt. Bald entstehen weitere Handelsgesellschaften, zum Beispiel die Westindische Compagnie, deren Anteile ebenfalls über die Börse gehandelt werden. Auch die VOC-Anteile sind weiterhin gefragt, kein Wunder, bei den üppigen Dividenden, die die Gesellschaft regelmäßig auszahlt. Und als der Handel mal stockt, bekommen die Anteilseignerinnen und Anteilseigner einen ebenbürtigen Ersatz – ein Säckchen Pfeffer!</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In den Genuss des Pfeffers kommt das Hausmädchen Neeltgen Cornelis übrigens nicht mehr. Sie hat ihre Anteile schon kurz nach der Zeichnung wieder verkauft. Warum ist nicht bekannt. Der niederländische Forscher Petram vermutet, dass sie das Geld brauchte. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Maximum attention reduced </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im 17. und 18. Jahrhundert entstehen viele der heute bedeutendsten Börsenplätze: Die London Stock Exchange, die Bourse de Paris und die New York Stock Exchange an der Wall Street. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Im Laufe der Zeit nimmt ihre Bedeutung immer mehr zu, vor allem mit der beginnenden Industrialisierung, in Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts, sagt der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe. Er ist emeritierter Professor der Universität Frankfurt.</p>
<p><br/></p>
<p>01 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Die meisten Industrieunternehmen der Frühzeit waren noch relativ billig, könnte man sagen. Die wurden aus Ersparnissen, aus dem Handel heraus, zum Teil über Verwandtschaftsnetzwerke finanziert. Aber je größer der Kapitalaufwand wurde, um so bedeutender wurde die Frage: Wo kann ich das Geld herbekommen? Und da spielen die Börsen als Kapital-Sammelstellen dann die entscheidende Rolle. Und die ersten Unternehmen, die in erheblichem Maße Kapital an den Börsen mobilisiert haben, sind Eisenbahnunternehmen gewesen.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch die Bayerische Ludwigsbahn sammelt 1835 auf diese Weise Geld ein, um die sechs Kilometer lange Strecke zwischen Nürnberg und Fürth zu finanzieren. Die Nachfrage ist enorm. Denn auch das Bürgertum will am Eisenbahnbau teilhaben. Zuvor investierte vor allem die Oberschicht.</p>
<p><br/></p>
<p>02 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Die Eisenbahnen ändern das insofern, als sie nun das erste Mal eine populäre und moderne, könnte man sagen, Anlage möglich machen, die im Bürgertum sehr schnell sehr attraktiv wird. Da kann man Geld mit verdienen. Das ist eine Zukunftsinvestition. Und die ersten Eisenbahnunternehmen, die an die Börse gehen und die dort sagen, wir wollen Aktien auflegen, die sind sehr schnell überzeichnet.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das heißt, bald gibt es so einen Run auf die Papiere, dass der Wert stark steigt. Die Begeisterung für die Börse nimmt ab Mitte des 19. Jahrhunderts weiter zu. </p>
<p><br/></p>
<p>03 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Alle deutschen großen Chemieunternehmen sind in dieser Zeit gegründet worden, also Bayer, BASF, Hoechst, aber auch viele Industrieunternehmen: Der große Aufstieg von Siemens, von Krupp, das alles fällt in diese Zeit hinein.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Reputation building </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Geschäfte florieren, die Anteilseigner und Eignerinnen verdienen gut. Aus der Begeisterung wird bald Euphorie. </p>
<p><br/></p>
<p>04 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Als 1870 dann im Norddeutschen Bund das Aktienrecht liberalisiert wird, gibt es einen regelrechten Run auf die Börsen. Es werden innerhalb kürzester Zeit Hunderte Unternehmen entweder als Aktiengesellschaften neu gegründet oder herkömmliche Unternehmen werden in Aktiengesellschaften umgewandelt, weil sich die Herrschaften davon versprechen, über steigende Kurse dann entsprechende Gewinne erzielen zu können. Die Zeitgenossen sagten, da entsteht eine Milchmädchenhausse. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was das ist, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Andreas Hackethal. Er ist Professor an der Universität Frankfurt.</p>
<p><br/></p>
<p>05 O-TON (Hackethal)</p>
<p>Damit ist gemeint: in dem Moment, wo Menschen, die typischerweise mit Wertpapieren, mit Geldanlage nichts zu tun haben, wenn die plötzlich darüber reden, dass sie auch in Aktien investiert haben, dann ist ein Punkt erreicht, wo wirklich jeder versucht, sein Geld zusammenzukratzen und es in diesen Markt hinein zu geben. Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass da ganz viel Geld reingeflossen ist – vielleicht zu viel – und die Preise nicht mehr widerspiegeln, was dahinter hängt.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das entbehrt nicht einer gewissen Arroganz. So nach dem Motto: Wenn schon die Milchmädchen – später heißt es Hausmädchen – investieren, ist der Markt überhitzt. Wobei man aber festhalten kann: Auch Banken, die sich damit eigentlich auskennen sollten, haben immer wieder überteuerte Wertpapiere, auch sogenannte junk bonds, Schrottpapiere gekauft. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Breathless </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber zurück ins 19. Jahrhundert. Viele Jahre steigen die Kurse, aber irgendwann ist der Markt überhitzt. Auf den Gründerboom folgt der Gründerkrach. Anfang der 1870er gehen in den USA erste Unternehmen Pleite. </p>
<p><br/></p>
<p>06 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Und dann ist das wie eine Welle über den Atlantik herübergeschwappt. Es gab Unterseekabel bereits, das heißt, die Informationen sind sehr schnell nach Europa gekommen. Und dann sind die Leute natürlich nervös geworden. In Berlin bricht eine Bank, die Quistorpsche Vereinsbank, zusammen, und die hat relativ viele Gläubiger. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Bauunternehmer Heinrich Quistorp hatte die Vereinsbank erst wenige Jahre zuvor gegründet. Weil sie an vielen Immobilien- und Infrastrukturprojekten beteiligt ist, löst ihr Konkurs 1873 eine regelrechte Kettenreaktion aus: Viele weitere Banken und Firmen geraten in finanzielle Schwierigkeiten. Die Folge ist eine langanhaltende Wirtschaftskrise, mit Pleiten, vielen Arbeitslosen – und der Frage: Wer ist schuld an der Misere?</p>
<p><br/></p>
<p>07 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Und im deutschen Publikum führt das dann sehr schnell dazu, dass man glaubt, man sei von den Börsen-Jobbern über den Tisch gezogen worden sind. Das ist so ein Begriff, den man seinerzeit hatte. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Misstrauen gegenüber den Kapitalmärkten in der Bevölkerung ist groß, daran ändert auch das verschärfte Börsengesetz von 1896 nichts. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Honor and glory M0007500 060 0.28</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Erst mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges investiert das breite Publikum wieder in Wertpapiere. Das Kaiserreich braucht Geld für die Aufrüstung  und gibt Kriegsanleihen aus. Anleihen sind neben Aktien die zweite große Gruppe Wertpapiere. Sie haben eine feste Laufzeit und einen fixen Zinssatz. </p>
<p><br/></p>
<p>08 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Lange Zeit werden diese Kriegsanleihen gekauft im Publikum mit einer gewissen patriotischen Begeisterung. Man muss das Vaterland unterstützen, das ist wichtig. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber die Deutschen verlieren bekanntlich den Ersten Weltkrieg. </p>
<p><br/></p>
<p>09 O-TON (Plumpe)</p>
<p>1918, als der Krieg vorbei war, war auch die Hoffnung vorbei, dass die deutschen Schulden letztlich von den Besiegten bezahlt würden. Es war andersrum: Das Deutsche Reich hatte die Schulden der anderen zu bezahlen. Und dann war die große Frage: Was passiert eigentlich jetzt mit diesen Kriegsanleihen, die einen großen Teil des Volksvermögens in sich aufgesogen hatten?</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Regierung tut das, was sie auch in den letzten Kriegsjahren gemacht hat: Sie druckt Unmengen an Geld. Es kommt zur Inflation, später zur Hyperinflation. Das führt auch zu seltsamen Eskapaden an der Börse. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Maximum attention reduziert </p>
<p><br/></p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Alles spekulierte, ob Chauffeur oder verhungerter Hausbesitzer, Künstler oder Buchhalterin. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schreibt der Journalist Hans Ostwald 1931 rückblickend auf die 1920er Jahre. Der Grund für die kurze Börseneuphorie: Verliert das Geld sehr schnell an Wert, will man es möglichst schnell ausgeben. Für den Alltagsbedarf – aber auch für spekulative Anlagen. Ostwald beschreibt, wie ein junger Mann auf Kredit spekulierte:</p>
<p><br/></p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Da nahm ich tausend Mark und brachte sie morgens zur Bank (…). Da gab man den Auftrag, für viertausend Mark Papiere zu kaufen. Damals brauchte man ja nur zwanzig oder fünfundzwanzig Prozent einzahlen! Und einen oder zwei Tage später standen die Papiere (…) bei sechs, acht – ja zehn oder zwölftausend! Da brauchte man bloß einen Teil verkaufen – und das Konto war ausgeglichen! (…) Na, und dann gab man immer wieder Auftrag zum Kaufen.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>1923 kommt die Währungsreform: Acht Nullen lässt die Regierung streichen, aus einer Billion Mark wird eine Rentenmark. Das stoppt die Inflation, gleichzeitig sind aber auch Kriegsanleihen nichts mehr wert. De facto kommt das einer Enteignung gleich. </p>
<p><br/></p>
<p>10 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Das war für die Weimarer Republik eine gewaltige Belastung, weil - Gustav Stresemann, der Reichsaußenminister, hat das irgendwann mal ganz deutlich gesagt – weil gerade das Publikum, das traditionell eher staatstragend konservativ ist, letztlich enteignet worden ist. Und die hatten ein gewaltiges Misstrauen gegen die Republik dann.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Charleston Party </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Anders als in Deutschland gibt es in den USA in den 1920ern einen längeren Wirtschaftsaufschwung. Es sind die Roaring Twenties, die Wilden Zwanziger. Autos, Radios, Kühlschränke – immer mehr Menschen können sich solche Dinge leisten. Das beflügelt auch die Börse. Erstmals werden investment trusts, Aktienfonds, populär. Sie bündeln Wertpapiere mehrerer Unternehmen. Wer Anteile an einem Aktienfonds kauft, investiert also gleichzeitig in mehrere Firmen. Das mindert das Risiko eines Totalausfalls, sollte ein Unternehmen mal Pleite gehen. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Allerdings schützen auch Aktienfonds nicht vor Verlusten, wenn die gesamte Wirtschaft auf Talfahrt geht – und das tut sie: 1929, am Schwarzen Donnerstag crasht die Wall Street. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Terror drone </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es folgt eine katastrophale Wirtschaftskrise, die sich zur Großen Depression auswächst – weltweit. 1932 gibt es im Deutschen Reich sechs Millionen Arbeitslose. Das trägt zum Aufstieg der Nationalsozialisten bei, Hitler kommt an die Macht. Erneut rüstet sich Deutschland für einen Krieg – und braucht dafür Geld. Aber anders als im Ersten Weltkrieg setzen die Nationalsozialisten nicht auf die Ersparnisse der Bevölkerung, zumindest nicht direkt. </p>
<p><br/></p>
<p>11 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Man hat eine sogenannte geräuschlose Kriegsfinanzierung betrieben, das heißt, man hat die großen Kapital-Sammelstellen – die Sparkassen, die Banken, die Versicherungen – gezwungen, Staatsanleihen zu kaufen, das aber nicht zu veröffentlichen, sodass die Menschen, die ihr Geld auf die Sparkasse gebracht haben, die dachten, das liegt jetzt sicher bei der Sparkasse oder da oder da, die wussten gar nicht, dass die das sofort wieder in Anleihen umsetzen mussten.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wieder verliert Deutschland den Krieg. Wieder steht man vor einem gewaltigen Schuldenberg.</p>
<p><br/></p>
<p>12 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Aber es ist ähnlich gelöst worden wie nach dem Ersten Weltkrieg mit einer sogenannten Währungsreform. Und es wurden wiederum alle enteignet 1948, am 20. Juni. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg spielen Börsen hierzulande keine große Rolle. Die Menschen haben ihr Sparbuch – und wenig Interesse an Aktien oder Anleihen. Unternehmensbeteiligungen werden erst ab den 1970ern wieder interessant. </p>
<p><br/></p>
<p>13 O-TON (Plumpe)</p>
<p>Da kommen neue Produkte auf, da gibt es dann plötzlich Erfolgsgeschichten im Bereich der Informationstechnologien. Da werden Unternehmen wie Apple und Microsoft und andere gegründet. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Reputation building </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Angefacht wird der Börsenaufschwung durch politische Maßnahmen, zunächst in Großbritannien: 1986 gibt es unter Premierministerin Margaret Thatcher den sogenannten Big Bang, den großen Knall. Von heute auf morgen wird die Londoner Börse umfassend dereguliert und gleichzeitig auf elektronischen Handel umgestellt. Andere Länder ziehen nach – die USA Ende der 1980er, Deutschland in den 90ern. Fortan fließt viel Kapital in die Finanzmärkte. Der Renner sind japanische Firmen.</p>
<p><br/></p>
<p>14 O-TON (Plumpe)</p>
<p>In Japan gehen die Börsenkurse gewaltig durch die Decke, in den USA auch. Und plötzlich ist wieder das da, was wir aus dem 19. Jahrhundert kennen, nämlich die Fantasie. Und wenn Sie zwei Dinge zusammen haben, nämlich leichte Kredite und Fantasie an den Kapitalmärkten, dann können Sie davon ausgehen, dass da die Marie abgeht.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Aktionäre machen eine Zeit lang viel Gewinn mit Aktien – aber dann gibt es einen ersten Dämpfer, im Oktober 1987, am sogenannten Schwarzen Montag: Ohne besonderen Grund stürzen Aktienkurse ab, der amerikanische Leitindex Dow Jones fällt in kürzester Zeit um mehr als 20 Prozent – der größte Tagesverlust in der US-Geschichte. Man macht elektronische Verkaufsorder dafür verantwortlich. Sie verkaufen automatisch, wenn der Aktienkurs einen bestimmten Wert erreicht. Seitdem gibt es quasi an allen Börsen automatische Handelsstopps, wenn die Kurse kurzfristig zu stark fallen. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und noch etwas beginnt damals: Die US-Notenbank unter Alan Greenspan stellt erstmals systematisch Liquidität bereit und sichert so das Vertrauen in die Finanzmärkte. Die Börsenparty geht weiter – oder besser gesagt: geht jetzt richtig los, auch in Deutschland:</p>


<p> </p>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Lion Feuchtwanger - Ein Schicksal, drei Bibliotheken</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/lion-feuchtwanger-ein-schicksal-drei-bibliotheken/2096296</link>
      <pubDate>Thu, 28 Aug 2025 02:25:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0af1143c-774c-4b93-ae61-d9e97132eda1</guid>
      <description>Bibliotheken haben bekanntlich keine Füße. Aber - Lion Feuchtwanger, der Meister des historischen Romans, musste schnell sein, auf der Flucht vor den Nazis. So baute er in seinem Leben drei Bibliotheken auf, mit jeweils mehr als 10.000 Büchern: In Berlin, im französischen und amerikanischen Exil. Diese Bibliotheken waren weit mehr als nur Bücher in Regalen - sie waren das immobile alter ego Lion Feuchtwangers. Von Michael Zametzer </description>
      <enclosure length="22072320" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096296/c/feed/lion-feuchtwanger-ein-schicksal-drei-bibliotheken.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Michael Zametzer</itunes:author>
      <itunes:summary>Bibliotheken haben bekanntlich keine Füße. Aber - Lion Feuchtwanger, der Meister des historischen Romans, musste schnell sein, auf der Flucht vor den Nazis. So baute er in seinem Leben drei Bibliotheken auf, mit jeweils mehr als 10.000 Büchern: In Berlin, im französischen und amerikanischen Exil. Diese Bibliotheken waren weit mehr als nur Bücher in Regalen - sie waren das immobile alter ego Lion Feuchtwangers. Von Michael Zametzer </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bd4688f9-39d0-44fc-b3e4-68a4cd03db3b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bibliotheken haben bekanntlich keine Füße. Aber - Lion Feuchtwanger, der Meister des historischen Romans, musste schnell sein, auf der Flucht vor den Nazis. So baute er in seinem Leben drei Bibliotheken auf, mit jeweils mehr als 10.000 Büchern: In Berlin, im französischen und amerikanischen Exil. Diese Bibliotheken waren weit mehr als nur Bücher in Regalen - sie waren das immobile alter ego Lion Feuchtwangers. Von Michael Zametzer </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Michael Zametzer<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Udo Wachtveitl, Christopher Mann<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Julia Schneidawind, Ludwig-Maximilians-Universität München<br/>Dr. Heike Specht, Schriftstellerin, International Feuchtwanger Society</p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>

<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> </p>
<p><strong>Linktipps:</strong><br/>Website der Ad hoc-AG „Judentum in Bayern in Geschichte und Gegenwart“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften <a title="Hier gehts zur Website." href="https://judentum-in-bayern.badw.de/die-arbeitsgruppe.html">HIER</a> gehts zur Website<strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-lion-feuchtwanger-bibliothek-buch-flucht-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Zitator (Lion Feuchtwanger): </p>

<p>Wie gefällt Ihnen mein Haus, Herr X? Lebt es sich angenehm darin? hat der silbergraue Teppichbelag der oberen Räume bei der Plünderung durch die SA- Leute sehr gelitten?</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Im Jahr 1933 besetzen und enteignen die Nazis das Haus von Lion Feuchtwanger in Berlin…</p>
<p>Zitator (Lion Feuchtwanger):</p>
<p>Was fangen Sie wohl mit den beiden Räumen an, die meine Bibliothek enthielten? Bücher, habe ich mir sagen lassen, sind nicht sehr beliebt in dem Reich, in dem sie leben, Herr X. Und wer sich damit befasst, gerät leicht in Unannehmlichkeiten.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Bibliothek umfasst über 30.000 Bücher. Erstausgaben, deutsche Klassiker, Jüdische Literatur. Das Arbeitswerkzeug des Schriftstellers, des Bestsellerautors Lion Feuchtwanger…</p>
<p>Zitator (Lion Feuchtwanger)</p>
<p>Kommt es Ihnen nicht doch manchmal merkwürdig vor, dass sie in meinem Haus sitzen? Ihr Führer gilt sonst nicht als Freund der jüdischen Literatur. </p>
<p>Musik 2: The ship – 1:02 Min</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Drei Bibliotheken hat Lion Feuchtwanger in seinem Leben aufgebaut. Die Erste in Berlin. Und noch zwei im Exil. Im französischen Sanary-Sur-Mer, und schließlich in Pacific Palisades, einer Villenkolonie nahe Los Angeles. Er, der Münchner Jude, der Weltschriftsteller, berühmt für seine historischen Romane, für Jud Süß, Erfolg, die Josephus-Trilogie, wird die USA nie mehr verlassen. Er bleibt staatenlos. Und die Bibliotheken erzählen vom Leben des deutschen, des bayerischen, des jüdischen Schriftstellers Lion Feuchtwanger. </p>
<p>1 ZSP Julia Schneidawind</p>
<p>Es sollte auch eine Bibliothek der deutschen Sprache werden… </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Julia Schneidawind hat für die Ad hoc-Arbeitsgruppe „Judentum in Bayern in Geschichte und Gegenwart“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gearbeitet und forscht nun am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.</p>
<p>Für ihre Doktorarbeit hat sie die Schicksale von Privatbibliotheken deutsch-jüdischer Schriftsteller untersucht: Franz Rosenzweig, Jakob Wassermann, Karl Wolfskehl, Stefan Zweig und – Lion Feuchtwanger. Dessen letzte Bibliothek, in Pacific Palisades bei Los Angeles, hat für sie einen besonderen Stellenwert.</p>
<p>2 ZSP Julia Schneidawind</p>
<p>Er hatte ja ganze Abteilungen, die sich wirklich deutschsprachigen Literaten und Schriftstellerinnen gewidmet haben, und es war ihm auch ein Anliegen, das zu zeigen. Und es waren zum einen die Exil-Schriftsteller, -Schriftstellerinnen, aber auch eben jene, die es nicht ins Exil geschafft haben. Und dafür stellt der Ort auf jeden Fall auch einen ja, wie wir heute sagen, eine Memorial Library dar.  </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Aber egal, ob in Berlin, im französischen oder amerikanischen Exil - Natürlich war jede dieser drei Bibliotheken Feuchtwangers auch ein repräsentativer Ort. Besucher sollten nicht nur seltene Erstausgaben bewundern, sondern auch das intellektuelle Koordinatensystem erspüren können, in dem sich der Erfolgsschriftsteller bewegte. Die Bibliotheken waren aber noch mehr. Sie waren Feuchtwangers immobiles Alter Ego. Und als ihr Besitzer schnell sein musste, um zu entkommen, blieben Sie am Ort und waren den Nazis ausgeliefert. So erzählen diese Bibliotheken zunehmend auch von einem Menschen in der Fremde, der immer wieder versucht, mit Büchern eine Verbindung zum verlorenen Zuhause herzustellen. </p>
<p>MUSIK 3: Möw‘, Du…“ (Drehorgel) -  30 Sek</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Lion Feuchtwanger kommt aus einem bürgerlichen Münchner Haus. Der Vater, Sigmund Feuchtwanger ist erfolgreicher Margarinefabrikant. Er stammt aus einer alten fränkisch-jüdischen Familie. Lion, ältestes von neun Kindern, wächst im Münchner St. Anna-Viertel auf. Die Familie gehört zum orthodoxen Münchner Judentum, lebt die strengen jüdischen Traditionen, aber… </p>
<p>3 ZSP Heike Specht</p>
<p>Die Feuchtwangers waren eben eine besondere Mischung für die damalige Zeit. Bayerisch-Barock würde ich fast sagen, und jüdisch-orthodox. Das ging ganz gut zusammen.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Schriftstellerin Heike Specht hat sich intensiv mit dem Leben der weitverzweigten Familie Feuchtwanger beschäftigt, mit ihren Traditionen und ihrem jüdischen Selbstverständnis. Ein Selbstbewusstsein, dass sich auch in der stattlichen Bibliothek des Elternhauses widerspiegelt. Julia Schneidawind.</p>
<p>4 ZSP Julia Schneidawind</p>
<p>Das ist, denke ich, charakteristisch für diese Sammlungen um die Jahrhundertwende und des frühen 20. Jahrhunderts, dass diese Sammlungen natürlich seit der Jugend meistens wachsen, wenn man aus einem bildungsbürgerlichen Elternhaus kommt. Und natürlich spielen dann auch Antiquariate eine große Rolle. Und so wachsen sozusagen diese Sammlungen über die Generationen und kriegen natürlich immer einen sehr eigenen Zuschnitt über die Interessen, die man eben persönlich dann auch hat.  </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Bibliothek von Vater Sigmund bietet einen Schatz an jüdischer und weltlicher Literatur und ist bei bibliophilen Menschen über die Grenzen Münchens hinaus bekannt. In den Regalen stehen Bibelinterpretationen ebenso wie die Märchen von Wilhelm Hauff und Werke der Deutschen Klassik, aber auch moderne Literatur von Wedekind bis Hauptmann. Prägender Lesestoff für den jungen Lion.</p>
<p>5 ZSP Julia Schneidawind</p>
<p>Also gerade in den Jugendjahren Feuchtwangers, vermute ich, da hat er auch sehr stark auf die Bibliothek seines Vaters zurückgegriffen. Er hatte eine unglaublich einzigartige Sammlung, die heute komplett in Vergessenheit geraten ist und auch leider verschollen. </p>
<p>MUSIK 4: König Waldemar’s Nigun – 32 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Seine Schulzeit in München, auf dem konservativen Wilhelmsgymnasium, beschreibt Lion Feuchtwanger nicht gerade überschwänglich positiv. Und zuhause wartet dann noch ein Privatlehrer mit den Studien von Talmud und Bibel. Aber – er beginnt früh zu schreiben, gewinnt schon als Gymnasiast einen Wettbewerb, studiert nach dem Abitur Geschichte, Philosophie und Deutsche Philologie, promoviert brillant über Heinrich Heines „Rabbi von Bacherach“.</p>
<p>(Musik aus) </p>
<p>Eine akademische Laufbahn, eine Professur aber ist ihm – als Juden – de facto verwehrt. Er gründet eine Zeitschrift, schreibt Artikel, Theaterkritiken und lebt das Leben der Schwabinger Bohème. Feuchtwanger macht mit ersten Veröffentlichungen von sich reden, hält sich aber auch als Nachhilfelehrer finanziell über Wasser. Julia Schneidawind.</p>
<p>6 ZSP Julia Schneidewind</p>
<p>Da gibt es Anekdoten darüber, dass er aufgrund seiner, ja, nicht Abneigung zum Glücksspiel häufig seine Bibliothek verspielte und dann die Bücher sozusagen abgeben musste. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wobei die ersten Bücherbestände Feuchtwangers wohl schwer den Namen „Bibliothek“ verdienen mögen. Den Luxus einer eigenen, großen, repräsentativen Bibliothek wird er sich erst Jahre später erfüllen können. Noch aber, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, ist das Geld knapp, und die Lust Lions am Leben groß. 1912 heiratet er Martha Löffler, die aus einer wohlsituierten, jüdischen Familie in München stammt. Das Paar schwimmt im Zeitgeist, im Leben der Bohème. Dann </p>
<p>der Schicksalsschlag: Die einzige Tochter, Elisabeth, stirbt schon im Alter von zwei Monaten.</p>
<p>MUSIK 5: Means of escape – siehe vorn – 45 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Das Paar macht eine ausgedehnte Reise, nach Südfrankreich, nach Italien und Nordafrika. Im August 1914 – sie sind gerade in der französischen Kolonie Tunesien – bricht der Weltkrieg über Europa herein. Feuchtwanger verfällt nicht in patriotisches Hurra-Geschrei wie viele seiner schreibenden Kollegen, entzieht sich aber auch nicht der Einberufung. Seine labile Gesundheit erspart ihm den Fronteinsatz. Die Entfesselung von Hass, Krieg und nationalistischem Rausch in Europa aber werden aus Lion Feuchtwanger einen politischen Schriftsteller machen. </p>
<p>MUSIK 6: Hypnose -  43 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die ersten Jahre der Weimarer Republik werden zu den ersten Erfolgsjahren für Feuchtwanger. Nicht mehr nur seine Theaterkritiken, sondern auch seine Bühnenstücke werden gedruckt und – gespielt. Ein Stück aber findet bei den Verlagen gar keinen Anklang: Die Geschichte des Juden Joseph Süß Oppenheimer am Hof des Württembergischen Herzogs. In „Jud Süß“ behandelt Feuchtwanger die zentralen Fragen der Assimilation von Juden in Deutschland. Von Marta kommt der Vorschlag, den Stoff doch als historischen Roman umzusetzen. </p>
<p>7 ZSP Heike Specht</p>
<p>Also sie hat ihn auf diese Spur gesetzt und das hat dann funktioniert und wurde ja dann wirklich schon in den Zwanzigern ein Weltbestseller, was ja überhaupt erst quasi das Fundament gelegt hat, dann auch für seinen Lebensstil in Deutschland noch und dann aber vor allem im Exil.</p>
<p>Musik 7: Hypnose – siehe oben – 33 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>„Jud Süß“ wird ein Welterfolg, der sich schon im ersten Jahr 100.000mal verkauft. In Großbritannien und den USA erscheint der Roman ab 1926 auf Englisch unter dem Titel „Power“, später folgen Übersetzungen in 15 weitere Sprachen. Bittere Ironie der Geschichte: Der Roman liefert später die Vorlage für den wohl schlimmsten antisemitischen Propagandafilm der Nazis.</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>In den frühen 1920er Jahren wächst auch die Freundschaft zu Bertolt Brecht. Der bedingungslose Erneuerer des Theaters findet in Lion Feuchtwanger, dem Erfinder des dramatischen historischen Romans, einen streitfreudigen Partner. </p>
<p>MUSIK 8: Tresor unser –  43 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>1925 wird den Feuchtwangers dann München zu klein – und das Klima zu nationalistisch. Das heiße Pflaster der Weimarer Jahre liegt ohnehin nicht an der Isar, sondern an der Spree. In Berlin leben auch viele jüdische Intellektuelle, Schriftsteller, Filmemacher, Schauspieler. Wenn München Anfang des 20. Jahrhunderts noch leuchtete, so pulsiert Berlin nun im Takt der modernen Zeit.</p>
<p>MUSIK weg, Atmo tickende Standuhr</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Lebenslanges, intensives Lesen ist zentral für die Arbeit Lion Feuchtwangers. Dementsprechend richtet er ab 1932 im neuen Berliner Domizil, einer Villa am Grunewald, eine umfangreiche Bibliothek ein. In den Regalen seines Arbeitszimmers stehen dann etwa 300 Bücher, die er für das aktuelle Romanprojekt benötigt. Also eine Art Handapparat, das Handwerkszeug des Autors. Insgesamt wird die neue Sammlung über 10.000 Bücher umfassen. Eine Bibliothek zum Arbeiten, mit einigen wertvollen Bänden. </p>
<p>8 ZSP Julia Schneidawind: </p>
<p>Lion Feuchtwanger war jetzt kein klassisch bibliophiler Sammler, aber er hat sich durchaus auch Erstausgaben gegönnt. Also da war er manchmal schon interessiert, gerade dann, wenn diese Werke auch Bezug zu seinen eigenen Arbeiten hatten. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>1930 erscheint der Roman „Erfolg“. Er macht seinem Titel alle Ehre und beschert Feuchtwanger Ruhm und Geld. Der Schlüsselroman zeichnet ein karikaturenhaftes Bild vom gesellschaftspolitischen Klima der zwanziger Jahre in München. Das Personentableau verweist dabei direkt auf die Akteure jener Zeit, die den Nährboden des deutschen Faschismus mit gedüngt haben. Die Schriftstellerin Heike Specht:</p>
<p>9 ZSP Heike Specht:</p>
<p>Genau dieser Blick ins Innere, dieses gnadenlose Wahrnehmen, wie die nichtjüdische Gesellschaft, die Mehrheitsgesellschaft tickt. Das ist tatsächlich prophetisch. </p>
<p>MUSIK 9: Der Drache – 46 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Von der Machtübernahme der Nazis erfahren die Feuchtwangers in den Vereinigten Staaten, wo sie seit 1932 auf einer langen Vortrags- und Lesereise unterwegs sind. Und – sie stehen ganz oben auf der Feindesliste der Nazis. Am 10. Mai 1933 brennen Feuchtwangers Bücher auf dem Berliner Opernplatz. Sein Name steht auf der ersten Ausbürgerungsliste und – die gleichgeschaltete Universität in München erkennt ihm den Doktortitel ab.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Und zuhause, in der Berliner Villa, bleibt kein Buch neben dem anderen stehen. Julia Schneidawind:</p>
<p>10 ZSP Julia Schneidawind</p>
<p>Die Bibliothek Lion Feuchtwangers in Berlin wurde tatsächlich schon 1933 von den NS-Behörden geplündert. Und das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Lion Feuchtwanger von Beginn ein sehr starker Kritiker des Regimes war und auch das öffentlich gemacht hat. Und das war auch der Grund, warum gerade diese Bibliothek schon 33 eben geplündert wurde in seiner Villa in Berlin. Während andere Bibliotheken erst später dann tatsächlich das Interesse der NS-Behörden auf sich gelenkt hatten, war es eben dieses Beispiel für sehr frühe Plünderung. Und wir wissen heute tatsächlich nicht, was mit den einzelnen Büchern passiert ist. Es gibt auch wieder nur Anekdoten darüber, dass die Bücher verschleudert wurden, also dass die Nazis das irgendwie versucht haben, zu Geld zu machen. Aber Anhaltspunkte dafür haben wir leider nicht.  </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Weil sie nicht nach Deutschland zurückkönnen, wählen Lion und Marta ein Exil in Frankreich, den malerischen Küstenort Sanary-sur-Mer an der Cote d’Azur. Dort stranden viele deutsche und österreichische Intellektuelle auf ihrer Flucht vor den Nazis: Hermann Kesten, Bertolt Brecht, die Brüder Mann, Arnold Zweig. Lion Feuchtwanger beginnt sofort mit dem Aufbau einer neuen, der zweiten Bibliothek.</p>
<p>11 ZSP Julia Schneidawind:</p>
<p>Lion Feuchtwanger hat dann sozusagen da auch Sammlungen gekauft, aber natürlich auch auf antiquarische Bestände zurückgegriffen. Es gibt diese eine Aufzeichnung in seinem Tagebuch, da schreibt er von einem Besuch von einem Herrn Spier. Ich konnte leider nicht genau rekonstruieren, um welchen Herrn Spier es sich handelt, der ihm die Bibliothek anbietet, und er notiert in das Tagebuch Bibliothek von Spier gekauft. Das ist ein Beispiel dafür.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Diese zweite Bibliothek wächst in den folgenden Jahren auf über 20.000 Exemplare an. Sie ist vor allem eine Arbeitsbibliothek.  </p>
<p>MUSIK 10: About something –  36 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Mit der Besetzung Frankreichs 1940 zieht sich auch für die deutsche Exilgemeinde die Schlinge nun zu. Lion Feuchtwanger kommt in das Lager Les Milles und später nach Saint Nicola bei Nimes. Marta, die selbst zeitweilig interniert war, gelingt es, mithilfe eines jungen Diplomaten der amerikanischen Botschaft, ihren Mann aus dem Lager zu holen – mit dem Auto, wie sie in den 1950er Jahren im Interview erzählt. Dabei bedient sie sich einer List: </p>
<p>12 ZSP Archiv: Marta Feuchtwanger </p>
<p>Und dann gab ich ihm einen Zettel mit, da stand nur darauf: frag nicht, sag nix, steig ein. Und daraufhin ist mein Mann in das Auto eingestiegen. Und da gab ihm der Konsul einen Mantel und ein Tuch. Und da, wenn die Wachen in angehalten hatten, bei der Rückfahrt, hat er immer gesagt, das ist meine Schwiegermutter.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Nach einer abenteuerlichen Flucht über Spanien und Portugal erreichen die Feuchtwangers schließlich die Vereinigten Staaten. </p>
<p>Musik 11: The ship – siehe oben – 34 Sek</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Und die Bibiliothek in Sanary-Sur-Mer? Julia Schneidawind hat den Weg der Bücher rekonstruiert. Lion Feuchtwanger kann seine Mitarbeiterin Lola Sernau noch beauftragen, die Bücher aus der Villa in Frankreich zu holen und zum Verschiffen in Kisten zu verpacken. Allerdings werden die Kisten über Jahre im Hafen von Lissabon feststecken. </p>
<p>13 ZSP Julia Schneidawind</p>
<p>Es gab da Probleme mit dem Zoll und anderer bürokratischer Natur, und natürlich war das mit sehr hohen Kosten verbunden. Und der Zustand war nicht ganz so großartig. Und das ist tatsächlich heute aber auch der einzige Anhaltspunkt. Wir haben keine Listen, wir wissen nicht genau, welche Bücher tatsächlich damals in diese in diesen Kisten waren. </p>
<p>Musik 12: once more unto the breach – 1:11 Min</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Nach wenigen Monaten in New York zieht das Paar 1941 nach Kalifornien und findet schließlich 1943 in Pacific Palisades ein neues Zuhause - ein kleiner Küstenort außerhalb von Los Angeles. Das Anwesen ist eine hochherrschaftliche Villa mit Meerblick, später „Villa Aurora“ genannt. Und – letztendlich kommen auch die Bücher aus Frankreich dort an. Sie werden zur Grundlage einer neuen, der dritten Bibliothek. Hermann Kesten, enger Freund Lion Feuchtwangers, äußert sich bewundernd über Feuchtwangers Lebensstil, der ganz den Geschlechterrollen der Zeit entspricht.</p>
<p>Zitator:</p>
<p>So sollten Schriftsteller wohnen, mit zwanzig Zimmern, mit 11tausend Büchern, einem hügeligen Park mit zwei acres, einer Sekretärin und einer Frau, die kocht, gärtnert, bäckt, chauffiert und dem großen Dichter aufs Ergebenste dient, was für ein Leben. </p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Das Leben ist für die Exilanten unterschiedlich schwer zu meistern in den Staaten. Marta und Lion aber leben begünstigt. Von den Erlösen des eben erst veröffentlichten Romans „Die Brüder Lautensack“ können sie das Haus finanzieren. Und im Zentrum des Anwesens steht eine neue - die dritte Bibliothek Feuchtwangers. Ein weiterer Neuanfang. Das Projekt Bibliothek hilft ihm über die Frustration von Verlust und Neubeginn hinweg:</p>
<p>14 ZSP Julia Schneidawind</p>
<p>Also wir können bei der Sammlung in Los Angeles tatsächlich auch von einer Rekonstruktion sprechen. Er hat auf die Netzwerke zurückgegriffen, die er früher kannte, also auch sehr viele Antiquare. Jüdische Antiquare, die auch im Exil lebten, konnten ihm dann auch wieder Bücher vermitteln. Und er hat sehr viele hiesige Antiquariate besucht. Aber auch über Kataloge, die er ständig auch aus Europa noch zugeschickt bekam, hat er versucht, diese Sammlung erneut aufzubauen.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Grundlage für die neue Bibliothek sind aber die Bestände aus Sanary-Sur-Mer, oder wenigstens, die Bücher, die es in die Staaten geschafft haben. Eine Gedulds- und Zerreißprobe für den Schriftsteller, denn erst 1941 soll er – nach vielen Verzögerungen – seinen Schatz zumindest teilweise wieder in die Regale stellen können. Ludwig Marcuse, Freund und Nachbar der Feuchtwangers, schreibt in seinen Memoiren unter dem Titel „Mein zwanzigstes Jahrhundert“:</p>
<p>Zitator (Marcuse):</p>
<p>Abermals Wände aus Büchern, ein drittes Mal in einer Casa auf einem abgelegenen Hügel über der pazifischen Küste. Das war ein gewaltiges Mausoleum aus den Werken der Dichter: Ich ging immer zu ihm, wenn die Bibliothek meiner Universität versagte. </p>
<p>MUSIK 13: A fool’s paradise –  26 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Martha Feuchtwanger macht derweil Promotion für ihren Mann, fungiert als geschickte Agentin. Als charmante Gastgeberin und legendäre Köchin macht sie das Exil zu einem Anziehungspunkt inmitten dieser Emigrantenkolonie. Und das Zentrum dieses intellektuellen Clubs ist die prächtige Bibliothek. </p>
<p>Musik aus</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Nach dem Krieg löst sich die Exilgemeinde am Pazifik langsam auf. Brecht, Thomas Mann, Döblin und Werfel kehren nach Europa zurück. Lion und Marta Feuchtwanger bleiben. Wegen des angenehmen Klimas, wie der Schriftsteller in einem Interview erzählt. Aber wohl vor allem, weil er stets fürchten muss, als Staatenloser nicht mehr in die USA zurückkehren zu dürfen, sollte er einmal ausreisen. </p>
<p>MUSIK 14: The Ship – siehe vorn – 42 Sek</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Lion Feuchtwanger stirbt am 21. Dezember 1958. Seine Frau Marta überlebt ihn um fast 30 Jahre. Sie überträgt schon ein Jahr nach seinem Tod die Villa samt Bibliothek der University of Southern California, behält aber das Wohnrecht. Sie wird, bis zu ihrem Tod im Jahr 1987, zur Hüterin von Feuchtwangers Vermächtnis. </p>
<p>15 ZSP Marta Feuchtwanger: </p>
<p>Da ich ja auch immer Führungen mache in der Bibliothek. Das sind sehr viele Inkunabeln und auch noch Manuskripte, handgeschriebene, zum Beispiel eine von Papst Innozenz dem Dritten und ganz einzigartige Ausgaben. Nach meinem Tod bleibt es aber genauso, wie es jetzt ist. </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Der Großteil der Bibliothek, etwa 20.000 Bände, befindet sich bis heute in der Villa Aurora, das mondäne Anwesen ist eine Künstlerresidenz für Stipendiaten aus aller Welt. Der Rest der Bücher ist Teil der „Lion Feuchtwanger memorial library“ an der „University of southern California“ im nahen Los Angeles.</p>
<p>MUSIK 15: As ballad –  1:06 Min</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Eines verbindet die drei Bibliotheken, die Lion Feuchtwanger im Laufe seines Lebens aufgebaut hat: Sie waren nicht nur Werkstätten für den Schriftsteller, sondern auch Ankerplätze eines Menschen im Exil.</p>
<p>16 ZSP Archiv: Lion Feuchtwanger</p>

<p>Im Übrigen bin ich deutscher Schriftsteller und suche mich immer zu umgeben mit deutschen Dingen, mit deutschen Büchern und dergleichen. Wenn ich deutsche Bücher lese, dann habe ich das Gefühl, ich unterhalte mich mit dem Autor. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Heißgeliebt über Jahrtausende - Die Kulturgeschichte der Eiscreme</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/heissgeliebt-ueber-jahrtausende-die-kulturgeschichte-der-eiscreme/2095836</link>
      <pubDate>Thu, 28 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7e4db241-b5ba-4491-8867-c1b9ae5c2ec4</guid>
      <description>Wer denkt, Eiscreme verführt die Menschen erst seit der Erfindung der Tiefkühltruhe, der irrt. Schon vor 5000 Jahren sollen die alten Chinesen daran genascht haben. Seither erscheint die Eiscreme in stets neuem Gewand und ist weltweit heißgeliebt - ob als Eis am Stiel, Konfekt oder im Becher mit Sahne. Von Susanne Hofmann</description>
      <enclosure length="22073088" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095836/c/feed/heissgeliebt-ueber-jahrtausende-die-kulturgeschichte-der-eiscreme.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Hofmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Wer denkt, Eiscreme verführt die Menschen erst seit der Erfindung der Tiefkühltruhe, der irrt. Schon vor 5000 Jahren sollen die alten Chinesen daran genascht haben. Seither erscheint die Eiscreme in stets neuem Gewand und ist weltweit heißgeliebt - ob als Eis am Stiel, Konfekt oder im Becher mit Sahne. Von Susanne Hofmann</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b6a7768e-bb78-4e67-9f54-4e57bfc48948.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer denkt, Eiscreme verführt die Menschen erst seit der Erfindung der Tiefkühltruhe, der irrt. Schon vor 5000 Jahren sollen die alten Chinesen daran genascht haben. Seither erscheint die Eiscreme in stets neuem Gewand und ist weltweit heißgeliebt - ob als Eis am Stiel, Konfekt oder im Becher mit Sahne. Von Susanne Hofmann</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Hofmann<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Susanne Schroeder, Jerzy May<br/> Technik: Simone Lobenhofer<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>PD Dr. Heiner Stahl, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Universität Siegen<br/>Dr. Fritz Treiber, Molekularbiologe Universität Graz, dort auch Koordinator für Ernährung, Gesundheit und Konsum<br/>Giorgio Ballabeni, Eismacher in München</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/>Napoletana, Margherita, Diavolo - Die Kulturgeschichte der Pizza </strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/napoletana-margherita-diavolo-die-kulturgeschichte-der-pizza/bayern-2/13023245/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Tomate, Paradeiser, Pomodoro - Auf Siegeszug durch Europa </strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tomate-paradeiser-pomodoro-auf-siegeszug-durch-europa/bayern-2/13486239/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Die Wurst - Von Tradition bis Tofu </strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wurst-von-tradition-bis-tofu/bayern-2/94565986/">JETZT ENTDECKEN</a>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-eis-eiscreme-speiseeis-kalt-sommer-erfrischung-eisdiele-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>1. ZUSPIELUNG (Eisdiele - Aufnahme 25 Eisdiele) </p>
<p>0:29 Ich hätte gern einmal Mango-Maracuja, einmal Pistazie</p>
<p>0:55 Rote Früchte und Pistazie bitte. </p>
<p>2:01 Ich hätte gerne Schokolade und Rose</p>
<p>Was bekomme ich? Rote Früchte, Schokolade und Pistazien</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aus den Edelstahlbehältnissen in der großen Vitrine leuchten sie einem entgegen: zwei Dutzend Eissorten, Sorbet und Milcheis - Pistazie, Schokolade, Vanille, Himbeere, Melone ... Davor hat sich eine Schlange gebildet, bis hinaus auf den Gehweg in der Münchner Maxvorstadt. Und in einem Nebenraum, in der Werkstatt des Eismachers Giorgio Ballabeni [spricht man wie geschrieben], hat sich eine Handvoll Gourmets und Hobbyköche versammelt. Sie wollen das Geheimnis der Eiscreme lüften. </p>
<p>2. ZUSPIELUNG Aufnahme 15 0:30</p>
<p>„Das war immer was Besonderes, also von klein auf. Eine Kugel hat damals 25 Pfennige gekostet. Und dann gab es damals nur fünf Eissorten. Und dann ist man davorgestanden, hat sich die Nase plattgedrückt und hat dann seine Lieblingseissorte dann gern bekommen. Herrlich“</p>
<p>2b) Aufnahme 5 Minidialog</p>
<p>0:12 „Wir haben zuhause eine Eismaschine und machen gerne selber Eis. Und meine Frau mag sehr gerne Schokoladeneis und die meisten Schokoladeneis, die haben jetzt Stückchen drin. Und das verstehen wir nicht. Wir wollen also einen Schokoladeneis ohne Stückchen selber machen. (0:30) Was ich halt so gerne mag, ist Schokoladeneis mit Sahne. Und das ist dann so ein zarter Schmelz im Mund, und wenn ich Stückchen drinnen hab, dann passt das nicht. - Und das mit Stückchen drin, das ist vielleicht eine amerikanische Eigenart, also mit irgendwelchen Keksen oder sowas. Deshalb nix mit einem richtig guten Eis zu tun.“</p>
<p>MUSIK: „Morgenstrahlen“ –  (0:15)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Richtig gutes Eis – wie man das selbst macht, wollen sie von ihm lernen: dem Eismacher Giorgio Ballabeni, geboren in Padua und mit seiner Eisdiele seit Jahrzehnten eine der ersten Adressen für Eisgenuss in München.  </p>
<p>3. ZUSPIELUNG Ballabeni 4) 1.10</p>
<p>„Man braucht 3 Faktoren um eine perfekte Eis – Technologie, Tesoro, den Wert von den Rohstoff und Talent, 3 T. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In der Mitte des kleinen hellen Raumes: Eine große Arbeitsfläche, darauf blitzen große Edelstahltöpfe. Griffbereit: Küchenwaage und Mixer. In die Arbeitsfläche eingelassen: mehrere Eis-Behälter. Hier entsteht in den nächsten drei Stunden frisches Schokoladen-, Pistazien-, Cappuccino- und Vanilleeis sowie Himbeer- und Zitronensorbet. </p>
<p>4. ZUSPIELUNG 10) 0.2 Szene: Ballabeni – </p>
<p>„Als erster Schritt ist Wasser, wir wiegen Wasser…“  - Atmo liegenlassen</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Maestro hantiert mit dem Saft von erntefrischen Zitronen aus Sizilien, verschiedenen Arten von Zucker und fügt einige Tropfen ätherisches Zitronenöl hinzu. Alles wird in einem großen Chromtopf aufgekocht und dann mit dem Mixer zu einer homogenen Masse verrührt. </p>
<p>MUSIK: „Morgenstrahlen“ –  (0:12)</p>
<p>Auch wenn wir Eis mit Italien assoziieren und die meisten Eisdielen hierzulande traditionell in italienischer Hand sind – erfunden wurde die Eiscreme nicht jenseits der Alpen, sondern </p>
<p>MUSIK: „China“ –  (0:15)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>in China und das wohl schon vor rund 4.000 Jahren. Dass hier die Anfänge der eisgekühlten Süßspeise liegen, sagt auch der Molekularbiologe Fritz Treiber von der Universität Graz. Er führt seine Studentinnen und Studenten regelmäßig durch die Weltgeschichte der Ess- und Tischkultur. </p>
<p>5. ZUSPIELUNG Fritz Treiber 0:50</p>
<p>„Und da ist natürlich Eis auch ein Thema, … 1:56 Das ist immer schwierig, man braucht ja Quellen dazu, wo jemand was notiert hat, was da gegessen wurde, und die noch vorhanden sind, die stammen aus China. Wo eben Eis oder Schnee dann vermischt wurde mit Honig und Früchten. Und das war wirklich nur eine Speise für also für Könige, für Kaiser, beziehungsweise dann für wirklich gehobene Schichten, weil natürlich Eis selten oder weit hertransportiert hat müssen, und ja, das war wirklich eine Speise für Leute, die damals schon viel Geld gehabt haben.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Chinesen legten Höhlenkeller zum Konservieren von Lebensmitteln an. Darin bewahrten sie große Eisblöcke auf, die sie im Winter aus zugefrorenen Seen oder Flüssen gehauen hatten. Diese Eishöhlen fungierten als riesige Kühlschränke. Als besondere Köstlichkeit galt in ihnen, einige Jahrhunderte später, eisgekühlter Brei aus zerkochtem Reis, Gewürzen und Milch. Wenig später begannen auch die Menschen weiter westlich, sich für eine frühe Form von Eiscreme zu erwärmen, sagt Fritz Treiber von der Universität Graz:</p>
<p>6. ZUSPIELUNG Fritz Treiber 5.35</p>
<p>„Es ist überliefert, so im fünften vorchristlichen Jahrhundert, dass im Perserreich auch schon Eis gegessen wurde, da waren es dann Kombinationen mit Rosenwasser, mit Safran und Obst. Ja, also sehr, sehr exklusiv auch. Aber natürlich auch wohlschmeckend. Und es ging dann weiter – Alexander der Große soll sich auch am Eis erfreut haben. In Griechenland der Antike wurde Eis gegessen, und auch bei den Römern stand es auf der Speisekarte.“ </p>
<p>MUSIK: „Awakening“ –  (1:05)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Hippokrates, der berühmte Arzt des Altertums und Verfechter der Säftelehre, lobte Gefrorenes als Wohltat für den Körper – es belebe die Säfte, befand er. Gut 500 Jahre später, kurz nach Christi Geburt, herrschte in Rom Kaiser Nero. Er soll sich von Staffelläufern Schnee von den Bergen gebracht haben lassen. Eine Butte mit der eiskalten Fracht wurde immer weitergegeben, so dass Nero im heißen Rom seinen Gästen exklusiv erfrischendes Eis, damals wohl eine Sorbet-artige Speise, servieren lassen konnte. Vermutlich wurde das Eis kleingestoßen und als körnige Masse vermischt mit Früchten und Honig gereicht. Eine Art frühe Granita, wie man sie heute noch in Italien bekommt. Mit dem Ende des Römischen Reichs verlieren sich vorerst die Spuren der Eiskultur im Westen. </p>
<p>7. ZUSPIELUNG Fritz Treiber 8:00 </p>
<p>„Und erst viel, viel später ja, da sind wir schon in der Renaissance, ist man dann draufgekommen: Man gibt noch a Milch, Fett, Rahm dazu und dann Früchte und rührt das Ganze auf. Und dann kommt so was, was wir jetzt als Eis kennen, so was Cremeartiges, das man dann löffeln kann. Aber bis dorthin war das ein langwieriger Prozess, weil es auch keinen Kühlschrank gegeben hat, das darf man nicht vergessen, und kein Gefrierfach. Das heißt, da ist man immer angewiesen auf Eisblöcke, die man im Winter gesammelt hat, irgendwo in einen großen Keller gegeben hat und dann von dort des Eis dann verarbeitet hat, und somit war es immer ein rares Gut und natürlich nur einer gewissen Herrschaftsschicht, Adelsschicht oder sehr sehr reichen Bürgertum vorbehalten.“</p>
<p>MUSIK: „Morgenstrahlen“ – (0:25)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ganz anders heute, wo man Eis in jedem Supermarkt und an jeder Straßenecke bekommt. Der Kurs von Giorgio Ballabeni für angehende Eismacherinnen und Eismacher ist allerdings eine durchaus exklusive Veranstaltung. Schließlich teilt der Meister hier seine Rezepte, an denen er Jahrzehnte lang gefeilt hat. Nach einer Stunde bekommen die Teilnehmer eine erste Kostprobe vom frisch zubereiteten Zitronensorbet:</p>
<p>8. ZUSPIELUNG 3.55</p>
<p>„Ausgesprochen lecker, das Zitronensorbet hat genau die richtige Säure, dass es noch nach Zitrone schmeckt, aber eben nicht bitter, sondern total erfrischend, … </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Weniger freigiebig gingen die Köche im Europa der Renaissance mit den Rezepten ihrer Eiskreationen um. Sie waren ein wohlgehütetes Geheimnis. Eisgenuss blieb der gehobenen Küche vorbehalten. Im 16. Jahrhundert erfuhr die Eiscreme in Italien eine wichtige Weiterentwicklung – erstmals verwendeten die Italiener Milch als Zutat. Und in Rom machte ein Arzt eine bahnbrechende Entdeckung: Blasius Villafranca bemerkte, dass sich Wasser abkühlen ließ, indem man Salpeter oder Salz beimengte. Diesen Effekt nutzte man ab sofort für die Herstellung von Eis. Wie sie funktioniert, erklärt der Historiker Dr. Heiner Stahl vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Siegen. Er forscht zu Sinnes- und Geschmacksgeschichte und zur Geschichte der Eiscreme:</p>
<p>9. ZUSPIELUNG 16:13 Stahl</p>
<p>„Also stellen Sie sich vor, Sie haben einen Holzzuber, einen relativ großen. Und da tun Sie Wasser rein, da tun Sie gehacktstücktes Natureis rein und Salz. Es heißt also es ist eine Salz-Wasser-Eis-Lösung, … und das rühren sie im Kreise, dass das sozusagen in Bewegung ist, … dann stellen Sie in die Mitte einen Messingbüchse, und in diese Messingbüchse haben Sie das hineingetan, was Sie gefrieren lassen wollen.  … das haben Sie vorher aufgekocht, und diese noch warme Masse kommt dann in diese Messingbüchse, und dann wird es physikalisch: Nämlich die Hitze wird durch das Metall abgeleitet nach außen, … wird in dieser Salzwasserlauge gespeichert, und an der Innenseite von dieser Büchse gefriert dann diese Masse.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Es findet also ein Wärmeaustausch statt, die Kälte gelangt nach und nach in die Eiscreme. Diese entsteht ganz langsam dadurch, dass das Gefrorene ständig von der Innenwand des Gefäßes abgeschabt und in die weniger kalte Masse untergemischt wird, bis die gesamte Creme allmählich von Kälte durchdrungen ist. Seit Villafrancas Entdeckung ist nun also – auf den ersten Blick paradox – Salz die wichtigste Zutat im Herstellungsprozess der Süßspeise Eis.</p>
<p>Die Kühlmethode mittels Salz ermöglichte es den Florentiner Konditoren, das weltweit erste Speiseeis von fester Konsistenz herzustellen. Bis heute funktionieren Eismaschinen übrigens nach dem gleichen Prinzip mit einem doppelwandigen Gefäß: In das äußere Gefäß kommt Kühlflüssigkeit, im inneren entsteht durch Abkühlung und ständiges Rühren das Speiseeis. </p>
<p>MUSIK: „Nahe Ferne“ –  (1:55)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Von Italien aus gelangten die Eis-Rezepte nach Frankreich – eine Art Mitgift von Katharina von Medici aus Florenz, die 1533 den späteren König von Frankreich heiratete. Sie wollte, so heißt es, den Franzosen die Überlegenheit der Esskultur ihres Landes vor Augen und Gaumen führen. Französische Konditoren entwickelten daraus die Eisbombe, eine besonders raffinierte Kreation, die aus mehreren Schichten von Eiscreme unterschiedlicher Geschmacksrichtungen bestand. Eines der ersten erhaltenen Rezepte für Eiscreme stammt aus einem französischen Kochbuch aus dem Jahr 1682 – es trägt den poetischen Namen „Schnee von Orangenblüten“: </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>„Nimm süße Sahne und gib hinein zwei Handvoll feinen Zucker und nimm die Blütenblätter von Orangenblüten und hacke sie klein und gib sie in die Sahne… und fülle alles in einen Topf und gib den Topf in einen Weinkeller; und du musst Eis klein hacken, es mit Salz vermischen und daraus ein Bett auf dem Boden des Weinkühlers machen, bevor du den Topf hineinstellst. … Und du musst weiterhin eine Lage Eis vermischt mit einer Handvoll Salz hineingeben und dies wiederholen, bis der Weinkühler gefüllt und der Topf bedeckt ist und du musst das Ganze an den kühlsten Ort stellen, den du finden kannst und du musst es ab und an schütteln, damit es nicht zu einem harten Eisblock friert. Es wird etwa zwei Stunden dauern“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Dieses Rezept zeigt, warum Eis noch bis ins 18. Jahrhundert eine höchst exklusive Speise war, die selbst an einer fürstlichen Tafel nur selten gereicht wurde. Der Historiker Heiner Stahl von der Universität Siegen:</p>
<p>10. ZUSPIELUNG Stahl 5.00</p>
<p>„Das Besondere am Eis oder Gefrorenen ist meiner Ansicht nach, dass es vor allem so viel Zeit in Anspruch nimmt, das herzustellen. Das heißt also, in einem ganz normalen täglichen Ablauf an so einem Fürstenhof kostet es viel zu viel Zeit, Gefrorenes herzustellen. … Dieser Zeitaufwand ist natürlich viel einfacher auszugleichen, wenn man das von einem Konditor einkauft, der in einer Residenzstadt seine eigene Konditorei betreibt </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Konditoren oder Zuckerbäcker, aber auch Lebküchner zählten zu den ersten professionellen Eismachern der frühen Neuzeit, so Heiner Stahl:</p>
<p>11. ZUSPIELUNG Stahl 6:21</p>
<p>„Wer mit diesen ganzen Backwaren oder Konditoreiwaren zu tun hat, der sammelt im Laufe des Berufslebens natürlich Kenntnisse und wendet die halt an. Und ob man da jetzt Brezeln macht, irgendwelche Kringel oder Baisé oder halt Gefrorenes, ist alles eine Frage des Wissens, des Übens, des Zeithabens und vor allem auch der Aufträge.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Unter den Konditoren oder Zuckerbäckern im 18. Jahrhundert finden sich laut den Recherchen von Heiner Stahl auch viele Frauen. Seine Erklärung: Der Beruf gehörte keiner Zunft an, bot also eine Nische. Frauen wuchsen oft in das Gewerbe hinein und führten dann auch die Geschäfte. Das zeigen Rechnungen und Schriftverkehr mit Behörden. Es ist anzunehmen, dass die Konditoren in ihren Werkstätten die Kunst des Eismachens immer weiter verfeinerten:</p>
<p>12. ZUSPIELUNG Stahl 10:57</p>
<p>„Die Werkstatt ist dann quasi ein Laboratorium, wo man neue Sachen erfindet oder kombiniert oder wo man ausprobiert, entweder anhand von einem Kochbuch, was jemand anderes geschrieben hat, oder weil man selber vielleicht an einem Fürstenhof oder einem Bürgerhaushalt selber gelernt hat und sein Wissen mitgenommen hat oder in einem Restaurant oder einen Gasthof schon gearbeitet hat.“ </p>
<p>MUSIK: „innovative beginning“ –  (0:25)</p>
<p> ERZÄHLERIN</p>
<p>Von Italien aus eroberte die Eiscreme ganz Europa, später auch Amerika. Italienische Eisverkäufer gehörten in London genauso wie in Übersee im 18. Jahrhundert zum Stadtbild. Sie boten ihre Eiscreme aus gekühlten Behältern auf der Straße an und machten sie so auch einfachen Leuten zugänglich. In den USA wurde der Eisgenuss also zu einem demokratischen Vergnügen. Lange konnte Eis aber nur in kleinen Mengen und in einem aufwändigen Prozess zubereitet werden. </p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das änderte sich 1843, als Nancy Johnson aus Philadelphia ein Gefriergerät patentieren ließ: Eine Art großer Eimer für die Salzlake, in dem sich ein verschließbarer zylindrischer Behälter für die Eismasse befand. Der Clou: Die Eismasse wurde mechanisch per Handkurbel  gerührt. Wenige Jahre später machte eine Weiterentwicklung ihrer Maschine eine effizientere Kühlung möglich – nun konnte man große Mengen Eiscreme mit feiner Konsistenz herstellen. In den USA etablierte sich auch der erste erfolgreiche Großproduzent von Eiscreme: Jacob Fussell [Aussprache englisch], ein Milchhändler aus Baltimore, ließ seinen Sahneüberschuss zu Eiscreme verarbeiten. Er war mit seinem Produkt so erfolgreich, dass er dem Molkerei-Business den Rücken kehrte, um sich ganz auf die Herstellung von Speiseeis zu konzentrieren. Er eröffnete die ersten Eisfabriken unter anderem in Washington, Boston und New York. </p>
<p>Die Industrialisierung der Eisproduktion bewirkte zunächst einmal einen Qualitätssprung: Die Grundmasse konnte schneller und stärker gekühlt werden, und damit erreichte man, dass die Eiskristalle sehr fein blieben. Und durch den Zusatz von Gelatine und Milchpulver erhielt industriell hergestellte Eiscreme eine besonders sämige Konsistenz. </p>
<p>Parallel zur Massenproduktion in den USA gedieh in Deutschland um 1900 die Eismanufaktur in kleinen Werkstätten in der Nähe von zentralen Marktplätzen, sagt der Historiker Heiner Stahl. Eis „to go“ war also damals schon Mode.</p>
<p>14. ZUSPIELUNG Stahl 39:37</p>
<p>„Was die Porzellanschale um 1830 war es dann um 1900 eine Eiswaffel Und dann gibt es kleine Zinnlöffelchen, … Und dann müssen sich das ungefähr so vorstellen: Sie haben eine Straßenecke, wo so eine Person mit einem Eiswagen steht. Da gehen Leute hin, kaufen sich Eis, lassen die Zinnlöffelchen fallen. Die Zinnlöffel kosten relativ viel Geld. Und dann sagen Sie zu den Kids, die rumspringen und rumlungern, wenn ihr mir 30 von diesen Löffelchen bringt, kriegt ihr noch mal eine Extrakugel. Diese 30 Löffel… werden dann ein bisschen ausgewaschen und dann wieder den anderen Leuten angeboten. Es ist also unter hygienischen Aspekten eine riesige Sauerei.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Außerdem ist das Eis, das damals feilgeboten wurde, alles andere als natürlich, so der Eisforscher.</p>
<p>15. ZUSPIELUNG Stahl 37.08 </p>
<p>„Um 1900 habe ich Lebensmittelaromen, habe ich Lebensmittelfarbstoffe, da habe ich verschiedene chemische Zusatzstoffe, um das Ganze schneller gefrieren zu lassen und ums länger gefroren zu halten. Diese Eismasse um 1900 ist gestreckt, sie ist chemisch, sie ist übersüßt. Sie hat eigentlich gar nichts mehr mit dem zu tun, wie man um 100 Jahre vorher das Eis gemacht hat.“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der richtige Durchbruch von Eis kam noch später, weit nach dem zweiten Weltkrieg, als sich ein gewisser Wohlstand verbreitete und Kühlschränke in die Haushalte einzogen. Nun konnte man Eis nicht nur in Eisdielen schlecken, sondern auch im Supermarkt einkaufen und dann nach und nach zuhause als Nachspeise verzehren. Beim Eis entstand eine Hierarchie – es gab, in der gehobenen Preisklasse, aus natürlichen Zutaten hergestelltes Eis, und günstigere Sorten von minderer Qualität, die mit Zusatzstoffen und künstlichen Aromen versetzt waren. Alle fanden ihre Abnehmer – denn Eis hat einen ganz eigenen Reiz, erklärt der Molekularbiologe Fritz Treiber von der Universität Graz:</p>
<p>16. ZUSPIELUNG Treiber 9:35</p>
<p>„Beim Eis der eigentliche Effekt ist ja, wir überlisten unser Gehirn beziehungsweise auch unsre Geschmackssensoren. Wenn wir ein normales Creme-Eis nehmen, nehmen wir das in den Mund oder schlecken einmal ein Stück herunter, und … am Anfang schmeckt man ganz kurz noch nichts. Dann, durch die Wärme im Mund, schmilzt das Eis, die Aromen werden auf einen Sitz frei, der Zucker kommt auf die Zunge. Da sind die Geschmackssensoren - süß. Die geben sofort den Reiz weiter, die anderen Aroma-Moleküle gehen dann über das retronasale Riechen, das heißt im Mundraum so hinten, den Rachen rauf zur Nase, dort werden dann die Rezeptoren für die verschiedenen Aromen eben angeregt, und im Gehirn wird dann schnell zusammengebaut… und dann kommt der Geschmack zustande - ... Ja und in der Kombination mit Zucker, das ist ja regt unser Hirn an als Belohnung und natürlich dann das Fett, also zum Beispiel Milch oder mit Sahne, dann haben wir das Fett auch noch dabei, auch das löst Belohnungssignale im Hirn aus. Und das ist dann auch ideal, dass man davon noch einmal mehr isst.“</p>
<p>MUSIK: „Morgenstrahlen“ – (0:25)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Diesen Effekt kennen auch die Eisfans im Kurs von Giorgio Ballabeni. Sie sind inzwischen bei ihrer fünften Sorte angekommen, immer streng nach Rezept. Bis aufs Gramm genau wird jede Zutat abgewogen. Das Ergebnis soll schließlich harmonisch, cremig und aromatisch sein. Zucker, erklärt der Eismacher, braucht es nicht nur für die Süße, sondern mindestens genauso:</p>
<p>17. ZUSPIELUNG Aufnahme 11 - 0.10 Italiener über Zucker</p>
<p>„für die Weichheit, also Gefrierschutz-Wirkung. Also jede Zucker hat eine bestimmte Wert in Süße-Intensität und Weichheit-Potenzial. Deswegen muss beide kenne um die perfekte Texture, also wenn perfekt ist die Texture ist cremig und schön, wenn nicht perfekt ist o lala.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nach drei Stunden Intensivkurs inklusive Verkostung lautet die Erkenntnis bei den Eiskurs-Teilnehmerinnen und -teilnehmern: Geschmack, Konsistenz und Temperatur auf den Punkt zu treffen, ist fast schon eine Wissenschaft für sich: </p>
<p>MUSIK: „Morgenstrahlen“ – (1:10)</p>
<p>18 . ZUSPIELUNG Aufnahme 22 2:08</p>
<p>„nicht, wie man sich den Italiener vorstellt, einfach nach Lust und Laune, sondern das ist ganz genau berechnet hier, gewogen und überlegt, dass das dann ja konstant besonderen Geschmack macht.</p>
<p>„Wenn man was Warmes kocht, dann kann man immer wieder dazwischen probieren, ob es passt oder nicht. Aber durch dieses Einfrieren verändert sich der Geschmack, insbesondere die Empfindung für Süße, so stark, dass ich hier nicht vorher schmecken kann … wie es später wird. Darum muss ich hier exakt nach diesem Rezept vorgehen, und dann passt es.“</p>
<p>„Und - je mehr Zeit man sich lässt, je mehr Aufwand man macht, desto besser ist das Ergebnis. Die Hoffnung, dass man jetzt schnell sich ein Eis macht für eine halbe Stunde, und dann hat man ein wunderbares Eis, die ist halt ein bisschen zunichte gemacht. Aber ist eigentlich bei allen Sachen so, das gute Dinge bisschen brauchen.“</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>WirTier (4): Auf Kuh-Fühlung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wirtier-4-auf-kuh-fuehlung/2107116</link>
      <pubDate>Thu, 28 Aug 2025 01:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">04a41eaf-5f76-4fd7-ab61-e04097b20b65</guid>
      <description>Steffi ist ein Bauernhofkind. Aufwachsen mit Kühen bedeutet für sie oft schmerzhafter Abschied, sie macht Schluss mit dem Landleben. Doch ein Versprechen lässt sie nicht los... WirTier-Host Julius wagt sich mit Steffi hinter den Weidezaun. Und zieht dafür doch lieber Stahlkappenschuhe an.</description>
      <enclosure length="57042861" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107116/c/feed/wirtier-4-auf-kuh-fuehlung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:59:25</itunes:duration>
      <itunes:author>Marciniak/Bretzel/Hübel/Kastner</itunes:author>
      <itunes:summary>Steffi ist ein Bauernhofkind. Aufwachsen mit Kühen bedeutet für sie oft schmerzhafter Abschied, sie macht Schluss mit dem Landleben. Doch ein Versprechen lässt sie nicht los... WirTier-Host Julius wagt sich mit Steffi hinter den Weidezaun. Und zieht dafür doch lieber Stahlkappenschuhe an.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/168b3979-02d0-4c26-92f3-f817f92e7caa.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Steffi ist ein Bauernhofkind. Aufwachsen mit Kühen bedeutet für sie oft schmerzhafter Abschied, sie macht Schluss mit dem Landleben. Doch ein Versprechen lässt sie nicht los... WirTier-Host Julius wagt sich mit Steffi hinter den Weidezaun. Und zieht dafür doch lieber Stahlkappenschuhe an.</p>
<p><strong>CREDITS:</strong></p>
<p>Gäste: Stefanie und Helen Mühlbacher vom Lebenshof Kuhtopia e. V. in Petting</p>
<p>Hosts und Reporter: Julius Bretzel und Victoria Marciniak</p>
<p>Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Technik: Stefan Oberle</p>
<p>Musik: Stefan Oberle und Dagmar Petrus</p>
<p>Am Banjo, der Mandoline und an der Geige: Julius Bretzel </p>
<p>Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner</p>
<p>Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel<br/> <br/> </p>
<p>Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.<br/> <br/> Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: <a href="mailto:wir-tier@br.de">wir-tier@br.de</a></p>
<p>Wir freuen uns! </p>
<p> </p>
<p>Das <strong>Manuskript von WirTier (4): Auf Kuh-Fühlung </strong>findet ihr<strong> <a title="Zum Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskript-wirtier4-wir-tier-4-auf-kuh-fuehlung-100.html">HIER</a>.</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.</p>
<p><strong></strong></p>
<p>Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.</p>
<p><strong></strong>Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung  <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/</a></p>
<p><br/></p>
<p><strong>Wer mal auf Kuhtopia bei Steffi und Helen vorbeischauen will: </strong></p>
<p><a href="https://lebenshof-kuhtopia.de/">https://lebenshof-kuhtopia.de/</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wenn ihr euch für noch mehr spannende und überraschende Frauengeschichten interessiert, dann können wir euch den BR-Instagram-Kanal „FrauenGeschichte“ empfehlen. Den findet ihr hier: </strong><a href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>https://www.instagram.com/frauen_geschichte/</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Hier unser Podcast-Tipp:</strong></p>
<p>Es gibt viele Möglichkeiten seinen Alltag umweltfreundlicher zu gestalten. Manchmal kommt man nur von alleine nicht drauf. Wenn ihr einfache Lösungen kennenlernen wollt, die leicht umsetzbar sind und definitiv einen Unterschied machen, dann habe ich einen echten Tipp für euch: „Besser leben.“ Der Bayern 1 Nachhaltigkeitspodcast beleuchtet Fragen aus dem Alltag und gibt nachhaltige Antworten und Lösungen. Jeden Sonntag eine neue Folge: <a href="https://1.ard.de/bayern1-besser-leben-cp">https://1.ard.de/bayern1-besser-leben-cp</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Für alle, die Lust auf den Deep-Dive zu Bauernhoftieren haben – hört doch mal rein in unsere Tier-Features bei Radiowissen:</strong><strong></strong></p>
<p><strong>Das Schwein - Verkanntes Borstentier</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-schwein-verkanntes-borstentier/bayern-2/13193385/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-schwein-verkanntes-borstentier/bayern-2/13193385/</a></p>
<p>Auch so ein lange verkanntes ‚Nutztier‘ – das Schwein! Dass Schweine hochintelligente Tiere sind, ist längst bekannt. Ja, sie sollen sogar intelligenter als Hund und Katze sein! Und es kommen immer mehr bewegende Fakten über diese besonderen Tiere ans Tageslicht: über ihr erstaunliches Gedächtnis, ihre soziale Intelligenz, über ihre Reinlichkeit …  Und all diese ‚neuen‘ Erkenntnisse sind nur schwer damit zu vereinbaren, wie wir Menschen in der Regel mit dem sensiblen Borstentier umgehen. </p>

Zum Weiterhören:
<strong>Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche</strong>
<strong><br/></strong>


Folge 4, Timo und die Pferde
Timo war in seinen jungen Jahren nicht gut zu Pferden. Nach einem Verkehrsunfall hat er begonnen, Pferde und ihre Signale zu verstehen. 


<p><a href="https://1.ard.de/4-timo-und-die-pferde">https://1.ard.de/4-timo-und-die-pferde</a></p>
<p>Folge 5, Hartmann und die Füchse<br/>Hartman pflegt auf seiner Auffangstation verletzte Füchse. Oft verbringt er Nächte, um beruhigend mit ihnen zu sprechen. </p>

<p><a href="https://1.ard.de/5-hartmann-und-die-fuechse">https://1.ard.de/5-hartmann-und-die-fuechse</a></p>


Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Trailer: Forschung unter Druck</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/trailer-forschung-unter-druck-1/2109871</link>
      <pubDate>Wed, 27 Aug 2025 06:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">bee3fd49-6d82-4635-8727-311efb2f3788</guid>
      <description>Fluten, Hitzewellen, marode Brücken, Cyberangriffe, resistente Bakterien - manchmal entscheidet Forschung über Sicherheit, Gesundheit und Leben. In unserer Reihe &quot;Forschung unter Druck&quot; sprechen wir mit Menschen, die unter enormem Zeitdruck Lösungen finden müssen. Was treibt sie an? Wie halten sie stand? Und welche Ideen bringen sie voran, wenn es auf jedes Detail ankommt?

Ab dem 20. August jede Woche eine Folge bei IQ:

Folge 1: Eilt: Sicherheit bei Flut und Hitze! | Forschung unter Druck (1)

Folge 2: Eillt: Stabile Brücken! | Forschung unter Druck (2)

Folge 3: Eilt: Schutz vor Cyberkriminellen! | Forschung unter Druck (3)

Folge 4: Eilt: Neue Antibiotika! | Forschung unter Druck (4)</description>
      <enclosure length="1318656" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109871/c/feed/trailer-forschung-unter-druck-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:01:22</itunes:duration>
      <itunes:author>Iska Schreglmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Fluten, Hitzewellen, marode Brücken, Cyberangriffe, resistente Bakterien - manchmal entscheidet Forschung über Sicherheit, Gesundheit und Leben. In unserer Reihe &quot;Forschung unter Druck&quot; sprechen wir mit Menschen, die unter enormem Zeitdruck Lösungen finden müssen. Was treibt sie an? Wie halten sie stand? Und welche Ideen bringen sie voran, wenn es auf jedes Detail ankommt?

Ab dem 20. August jede Woche eine Folge bei IQ:

Folge 1: Eilt: Sicherheit bei Flut und Hitze! | Forschung unter Druck (1)

Folge 2: Eillt: Stabile Brücken! | Forschung unter Druck (2)

Folge 3: Eilt: Schutz vor Cyberkriminellen! | Forschung unter Druck (3)

Folge 4: Eilt: Neue Antibiotika! | Forschung unter Druck (4)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/08acd10b-e665-4dcb-8ea4-8f6b170f907c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Fluten, Hitzewellen, marode Brücken, Cyberangriffe, resistente Bakterien - manchmal entscheidet Forschung über Sicherheit, Gesundheit und Leben. In unserer Reihe "Forschung unter Druck" sprechen wir mit Menschen, die unter enormem Zeitdruck Lösungen finden müssen. Was treibt sie an? Wie halten sie stand? Und welche Ideen bringen sie voran, wenn es auf jedes Detail ankommt?

Ab dem 20. August jede Woche eine Folge bei IQ:

Folge 1: Eilt: Sicherheit bei Flut und Hitze! | Forschung unter Druck (1)

Folge 2: Eillt: Stabile Brücken! | Forschung unter Druck (2)

Folge 3: Eilt: Schutz vor Cyberkriminellen! | Forschung unter Druck (3)

Folge 4: Eilt: Neue Antibiotika! | Forschung unter Druck (4)</p><p><strong>Ab dem 20. August bei IQ:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/eilt-sicherheit-bei-flut-und-hitze-forschung-unter-druck-1/2109684">Folge 1: Eilt: Sicherheit bei Flut und Hitze! | Forschung unter Druck (1)</a></p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/eilt-stabile-bruecken-forschung-unter-druck-2/2109872">Folge 2: Eillt: Stabile Brücken! | Forschung unter Druck (2)</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e3d410f08ee9760b/">Folge 3: Eilt: Schutz vor Cyberkriminellen! | Forschung unter Druck (3)</a></p>
<p>Folge 4: Eilt: Neue Antibiotika! | Forschung unter Druck (4)</p>
<p> </p>
<p>Wir kennen das alle: Wenn etwas schnell fertig werden muss, der Zeitdruck steigt, und es auf jedes Detail ankommt.</p>
<p>Aber bei den wenigsten von uns hängt vom Ergebnis gleich das Wohl der Gesellschaft ab – oder sogar das der ganzen Menschheit.</p>
<p>Die Menschen, die wir für unsere Reihe „Forschung unter Druck“ interviewt haben, befinden sich in genau dieser Situation.</p>
<p>Forschung soll schnell Lösungen liefern. Oft unter Zeitdruck, mit knappen Ressourcen und großer öffentlicher Aufmerksamkeit.</p>
<p>Wie gehen Forschende mit diesem Druck um? Und vor allem: Welche Lösungen entwickeln sie?</p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die frühe DDR - Die 50er Jahre</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-fruehe-ddr-die-50er-jahre/2095692</link>
      <pubDate>Wed, 27 Aug 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">239690e1-c951-4eda-809d-680e9515e389</guid>
      <description>Die DDR befindet sich Anfang 1950 in einem katastrophalen Zustand. 25 Prozent aller Wohnungen sind zerstört. Auch nach Kriegsende gibt es vielerorts keinen Strom oder sauberes Wasser. Vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene müssen versorgt werden. Wie sah der Alltag der Menschen in der frühen DDR aus? Was prägte die 50er-Jahre und wie übte die SED ihr Macht aus? Von Bastian Wierzioch  </description>
      <enclosure length="22427136" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095692/c/feed/die-fruehe-ddr-die-50er-jahre.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:21</itunes:duration>
      <itunes:author>Bastian Wierzioch</itunes:author>
      <itunes:summary>Die DDR befindet sich Anfang 1950 in einem katastrophalen Zustand. 25 Prozent aller Wohnungen sind zerstört. Auch nach Kriegsende gibt es vielerorts keinen Strom oder sauberes Wasser. Vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene müssen versorgt werden. Wie sah der Alltag der Menschen in der frühen DDR aus? Was prägte die 50er-Jahre und wie übte die SED ihr Macht aus? Von Bastian Wierzioch  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ef4db0ca-29d6-4434-b29c-df8c179fb95b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die DDR befindet sich Anfang 1950 in einem katastrophalen Zustand. 25 Prozent aller Wohnungen sind zerstört. Auch nach Kriegsende gibt es vielerorts keinen Strom oder sauberes Wasser. Vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene müssen versorgt werden. Wie sah der Alltag der Menschen in der frühen DDR aus? Was prägte die 50er-Jahre und wie übte die SED ihr Macht aus? Von Bastian Wierzioch  </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor dieser Folge: Bastian Wierzioch<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprach: Sophie Rogall<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><br/> Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/></strong></p>
<p><strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-ddr-sed-udssr-aufstand-lpg-stasi-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>7. Oktober 1949. Berlin Wilhelmstraße. Aus der sowjetischen Besatzungszone wird die Deutsche Demokratische Republik. Zum ersten Staatspräsidenten der DDR wird Wilhelm Pieck ernannt.</p>
<p>O-Ton 1 </p>
<p>Reporter: Wilhelm Pieck eröffnet die Versammlung. Atmo: Sitzungsglocke Pieck: Bitte Platz zu nehmen! Die konstituierende Sitzung der provisorischen Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik ist eröffnet. </p>
<p>(Bitte runterziehen – nur kurz stehen lassen)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Es ist ein schwerer Start für die junge DDR: Zu Beginn des Jahres 1950 befindet sich die ehemalige sowjetische Besatzungszone, in der ca. 16 Millionen Menschen leben, in einem katastrophalen Zustand. Städte wie Dresden oder Magdeburg wurden im Krieg großflächig bombardiert. 25 Prozent aller Wohnungen im Land sind zerstört. Vielerorts gibt es keinen Strom oder sauberes Wasser. Vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene müssen versorgt werden. An Russland gehen milliardenschwere Reparationszahlungen. Dafür werden komplette Industrieanlagen und insgesamt mehr als 10.000 Kilometer Eisenbahnschienen abgebaut und in die Sowjetunion gebracht.</p>
<p>O- Ton 2 </p>
<p>Das war ein Jahrzehnt, das zum einen geprägt war durch die immensen Kriegszerstörungen und Kriegsverluste. Die Menschen mussten das Land wieder aufbauen. Sie trauerten um die Gefallenen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das sagt Anna Kaminsky, die Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.</p>
<p>O- Ton 3</p>
<p>Es war aber auch ein Jahrzehnt, in dem die Menschen erleichtert waren, dass endlich Frieden war. Und man hoffte natürlich auch ungeschoren aus dieser Kriegszeit mit den immensen, unglaublichen Verbrechen der Nazis rauszukommen und ein normales Leben zu führen. Und kaum jemand wollte sich mit dieser Zeit damals beschäftigen.</p>
<p>Musik 2: Fünf … Aus: Fünf Minuten –  81245480108 – 40 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Hans-Joachim Hein ist im Jahr 1950 elf Jahre alt. Geboren wurde er 1939 in Frankfurt (Oder). Noch vor Kriegsende flieht der 6-Jährige Hans-Joachim mit seiner Mutter und der kleinen Schwester vor der Roten Armee nach Schleswig-Holstein. 1950 ist die kleine Familie wieder zurück in Frankfurt (Oder).</p>
<p>O-Ton 4 </p>
<p>Wohnungsmäßig gab`s überall Mängel. […] Ja, für Kinder war es schon sehr interessant wegen der Ruinen. Da gab es immer was Neues zu entdecken. Und ein oder zwei hatten auch schon mal noch Leichen entdeckt also die Reste davon. (Stimme oben)</p>
<p>Musik 3: Ein guter Informant – Z8019960 112– 1:06 Min</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Viele Menschen leben damals in Massenunterkünften und Lagern – eingerichtet in ehemaligen Kasernen, Schulen, Gasthäusern, Hotels, Zwangsarbeiterlagern oder Sporthallen. Ein Großteil der Bevölkerung fühlt sich verunsichert. Wie soll es weitergehen mit Deutschland? Anfangs kursieren Gerüchte: Angeblich wollen die Alliierten alle deutschen Frauen sterilisieren oder alle Männer zur Zwangsarbeit weg bringen oder aus ganz Deutschland einen riesigen Kartoffelacker machen – als Strafe für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Das Leid der Juden, Widerstandskämpfer, Polen oder Russen ist der Öffentlichkeit in der frühen DDR bekannt, auch weil die Gräueltaten in Kino-Filmen und Romanen thematisiert wenden – an den Oberschulen als Pflichtlektüre. Und weil die SED sich darum bemüht, das Ausmaß der Verbrechen umfassend darzustellen.</p>
<p>O-Ton 5 </p>
<p>Allerdings wurde das immer verbunden mit der antifaschistischen Propaganda, die zwei kleine Manipulationen vorgenommen hat.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Erklärt Udo Grashoff, Historiker am Hannah-Arend-Institut, das zur TU Dresden gehört.</p>
<p>O-Ton 6</p>
<p>Die eine Manipulation war, dass behauptet wurde, dass eigentlich der Holocaust – also den Begriff gab es damals noch nicht – aber der Massenmord an den Juden - nur so eine Art Seiteneffekt, Nebeneffekt des Nationalsozialismus gewesen wäre und das eigentliche mörderische Ziel des Nationalsozialismus die Vernichtung des Kommunismus gewesen sei. […] Und die Zweite schließt sich daran an. Dass man das Wesen des Nationalsozialismus nicht verstanden hat als ein rassistisches kolonialistisches Projekt, sondern als ein kapitalistisches, imperialistisches Projekt. […] Und damit konnte man dann auch im Kalten Krieg die gesamte westliche Welt als letztlich Bruder im Geiste des Faschismus darstellen. […] Und damit konnte man sich selbst natürlich auch moralisch als sehr hochstehend darstellen und das hat dazu geführt, dass man viele Menschen, nicht nur einfache Menschen, auch sehr viele Intellektuelle grade hinter die Fahne der SED bekommen hat.</p>
<p>Musik 5: Vier lyrische… aus: Fünf Minuten –  55 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>1952 werden die 5 Bundesländer der DDR in 14 Bezirke aufgeteilt, die bis 1990 als Verwaltungseinheiten bestehen bleiben. Die kleine Familie Hein im Bezirk Frankfurt schlägt sich durch – zu dritt in einer Einzimmerwohnung. Die Toilette: im Treppenhaus. Die Kleidung: selbstgenäht. Die Mutter arbeitet in einer Gaststätte. Die Währung der DDR, die Ost-Mark, war zwar schon 1948 eingeführt worden – einen Monat nach der D-Mark im Westen -, nur zu kaufen gibt es kaum etwas. Die meisten Menschen werden durch Lebensmittelkarten versorgt – ausgegeben vom Staat. Dafür gibt es Rationen an Brot, Zucker, Salz, Tee oder Kaffee-Ersatz. Bei den Heins gibt es meistens Kartoffeln.</p>
<p>O-Ton 7</p>
<p>Das hing von vielen Zufällen ab, ob jemand Beziehungen zum schwarzen Markt hatte oder Beziehungen zu Bäckereien oder, oder. Man hat sich gegenseitig geholfen. […] und hat dann auch dazu beigetragen, dass man naja, praktisch so, einigermaßen überleben konnte. […] Ans Essen selber kann ich mich wenig erinnern. Es gab nicht viel.</p>
<p>O-Ton 8</p>
<p>Anfänglich in der sowjetisch besetzten Zone später der DDR gab es praktisch drei Säulen des Handels.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Erklärt Historikerin Anna Kaminsky.</p>
<p>O-Ton 9</p>
<p>Das war zum einen der starke private Handel, der zunehmend verstaatlicht und praktisch enteignet wurde. Dann die so genannten Konsum-Läden, das waren die Läden der Konsumgenossenschaften, die es in Deutschland schon seit Ende des 19. Jahrhunderts gab. Und es gab die neu gegründete sozialistische Handelsorganisation, die HO.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das staatliche Einzelhandelsunternehmen HO - gegründet 1948 auf Weisung der Sowjets - wächst rasant. Bis 1960 werden 35.000 Geschäfte eröffnet, die knapp 40 % des landesweiten Einzelhandelsumsatzes erwirtschaften - trotz überteuerter und für viele nicht erschwinglicher Preise. Die Läden der HO werden von der Staats-Partei SED bevorzugt mit Waren beliefert.</p>
<p>O-Ton 10</p>
<p>Über die HO-Läden, die sozialistisch deklariert waren, wollte die SED Führung den Menschen im Land zeigen, dass praktisch ihre Herrschaft auch für die Menschen im Alltag sehr viele Vorteile bringen würde und dass die SED-Führung sehr gut für die Bürger im Land sorgen würde und sie auch ein besseres Warenangebot in diesen staatlichen HO-Läden vorfinden.</p>
<p>Musik 5: The Working class – s.o. – 35 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Doch der Alltag in der DDR bleibt hart. Was produziert wird, reicht nicht für eine flächendeckende Versorgung. So wie unmittelbar nach dem Krieg bauen die Menschen immer noch auf allen verfügbaren Flächen Gemüse an - auf Fensterbänken, in öffentlichen Parks, den Hausdächern. Immer noch werden Kuchen aus Kartoffelschalen und Torten aus Eicheln und Kaffeesatz gebacken. Rübenblätter dienen als Ersatz für Spinat.</p>
<p>O-Ton 11</p>
<p>Dieser Staat der Werktätigen, die Deutsche Demokratische Republik, hat zwei Klassen zur Grundlage: Die Arbeiterklasse und die Klasse der werktätigen Bauernschaft.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Walter Ulbricht, die mächtigste Person im Arbeiter- und Bauernstaat, von 1950 bis 1971 Erster Sekretär des Zentralkomitees der herrschenden SED. Die Partei war bereits 1946 gegründet worden. Das allerletzte Wort in der DDR hat zwar bis zu ihrem Ende die Sowjetunion. Vor allem innenpolitisch aber liegt die Macht beim Politbüro des Zentralkomitees der SED. Wie die Partei diese Macht konkret ausübt, erklärt Historiker Udo Grashoff.</p>
<p>O-Ton 12 Grashoff3</p>
<p>Die DDR hatte ne Doppelstruktur. Es war so, dass auf alle staatlichen Institutionen, alle Ministerien, alle Verwaltungsgremien hatten eine Parallelstruktur bei der Partei sowohl auf der staatlichen Ebene als auch auf der Ebene der Bezirke, als auch auf der Ebene der Kreise, als auch in den Städten. Überall gab es ne Parteistruktur, die parallel dazu war, und die der übergeordnet war, das heißt, die Anweisungen an die staatlichen Strukturen geben konnte, und die wiederum die Ausführungen dieser Bestimmungen kontrollieren konnte. Also insofern war der Staat eigentlich nur der Erfüllungsgehilfe der Partei.</p>
<p>Musik 6: „Lied der Partei“ –  ca. 25 Sek</p>
<p>O-Ton 13 </p>
<p>In Übereinstimmung mit den Vorschlägen aus der Arbeiterklasse, aus der werktätigen Bauernschaft, aus anderen Kreisen der Werktätigen, hat das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands beschlossen, der 2. Parteikonferenz vorzuschlagen, dass in der Deutschen Demokratischen Republik der Sozialismus planmäßig aufgebaut wird.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im Juli 1952 kündigt der Chef des Politbüros Walter Ulbricht an: von nun an werde die politische und wirtschaftliche Ordnung der DDR auch offiziell nach dem Vorbild der Sowjetunion umgestaltet. Dabei war dies ökonomisch wie politisch größtenteils längst umgesetzt. Die Großgrundbesitzer waren bereits 1945 enteignet worden, Kunst und Kultur längst eingeschworen gegen den Westen, Presse- und Rundfunk gleichgeschaltet, private Handwerkerbetriebe weitgehend verstaatlicht.</p>
<p>O-Ton 14 </p>
<p>Und nach dem Grundsatz: Das Sein bestimmt das Bewusstsein, dachte man, wenn man die ökonomische Basis umgestaltet, wird das andere dann auch schon irgendwie gehen. Das heißt `52 werden auch Weichen gestellt, die eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Menschen bedeuten. Die Wirtschaft wird auf eine Stärkung der Schwerindustrie ausgerichtet. […] also das was eigentlich für das Leben der Menschen wichtig ist, wurde in der Produktion zurück gefahren.</p>
<p>Musik 7: Ein guter Informant – siehe oben – ca. 3 Min. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Welche negativen Konsequenzen diese Politik für die Menschen im Alltag in der DDR hat, bekommt die SED-Führung im Sommer des Jahres 1953 eindrücklich vor Augen geführt.</p>
<p>O-Ton 15 </p>
<p>Die meisten Demonstranten haben sich in den Sowjetsektor hinüber gezogen und bilden dort nun eine große Menschenmenge, die eine Hälfte der Leipziger Straße ausfüllt.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Reporter des westdeutschen Radio-Senders RIAS Berlin berichten vom Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953.</p>
<p>O-Ton 16 </p>
<p>Und während hier noch große Transparente zu Boden fallen, beginnt soeben ein heftiger Schusswechsel. Schwere sowjetische Panzer haben soeben die Leipziger Straße besetzt und rollen weiter vor. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Als am Mittwoch, den 17. Juni 1953 in den Betriebsstätten und Fabriken der DDR die Frühschicht beginnt, streiken die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter. Bereits in den Wochen zuvor war es überall im Land zu Arbeitsniederlegungen und Protesten gekommen. Im Laufe des Vormittags beschließen Tausende Werktätige in die Innenstädte zu ziehen. In 242 Städten kommt es zu Streiks und Demonstrationen. SED-Einrichtungen werden gestürmt so wie Gefängnisse und Kreisdienststellen des Inlandsgeheimdienstes Stasi.</p>
<p>O-Ton 17</p>
<p>Wir müssen ebenfalls zurückgehen und hinter einem Wagen Deckung nehmen. […] und so ist ganz deutlich erkennbar, dass dieser Potsdamer Platz in der nächsten Zeit noch keine Ruhe erfahren wird.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Besatzungsmacht verhängt eine Ausgangssperre. Die sowjetischen Panzer zerstreuen die Menschenmassen. In Berlin wird ein Demonstrant zerquetscht. Mehr als 100 Protestierende sterben an diesem Tag. Der Aufstand ist niedergeschlagen. Stasi und Sowjets starten eine Hetzjagd auf die Streikführer.</p>
<p>Musik aus</p>
<p>O-Ton 18</p>
<p>Der 17. Juni, der Aufstand ist erwachsen einerseits aus den wirtschaftlichen Problemen, also dass die SED-Führung auch immer mehr auch die ökonomischen Daumenschrauben anzog. […] Zum anderen waren die Normen erhöht worden, das heißt, die Menschen sollten für das gleiche Geld viel mehr arbeiten, was im Prinzip eine Lohnkürzung war. Und dazu kam natürlich - und das war der Hauptgrund - eine große politische Unzufriedenheit mit den Verhältnissen. Wenn man sich die Losungen der damaligen Zeit anschaut. Die streikenden Arbeiter, die fordern Demokratie, die fordern freie Wahlen, die fordern auch die Einheit Deutschlands.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Ostdeutschen sind staatlichen Druck und Repressionen gewohnt. Dafür gesorgt hatte seit 1945 vor allem der sowjetische Geheimdienst, der Tausende aus politischen Gründen verhaften lässt. Dasselbe tut die Abteilung K5, der DDR-Kriminalpolizei, aus der 1950 die Stasi hervorgeht. Zu Anfang ist der DDR-Inlandsgeheimdienst noch eine eher kleine Behörde. Auch deswegen sieht er den Aufstand am 17. Juni nicht kommen.</p>
<p>O-Ton 20</p>
<p>Die Staatssicherheit ist nach dem 17. Juni und dann auch in den 70er Jahren nochmal massiv ausgebaut worden. Und ist also ein riesen Ministerium gewesen, ein riesen Kostenfaktor auch im Staatshaushalt. Am Ende waren es, glaube ich, 90.000 Hauptamtliche und bis zu 180.000 Inoffizielle Mitarbeiter. Das ist also eine Riesenmenge an Personal gewesen, die alles vorher, was bekannt war über Inlandsgeheimdienste, was zum Beispiel auch die Gestapo an personellen Mitteln hatte, die das also völlig in den Schatten stellt.</p>
<p>Musik 8: Vier lyrische… - siehe oben – 22 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Auch deswegen spricht man heute von SED-Diktatur, wenn es um die DDR geht. Der Schüler Hans-Joachim Hein in Frankfurt (Oder) macht traumatisierende Erfahrungen mit der Staatsmacht – vor allem mit Lehrern. Darum hält er sich meist zurück, wenn er unter Leuten ist.</p>
<p>O-Ton 21</p>
<p>Ich kann mich erinnern, als Stalin gestorben ist, mussten wir alle demonstrieren, alle trauern, und jemand hat einen Witz gemacht bei der Demonstration. Und die Lehrer haben, einige haben da mitgegrinst, aber da gab es dann fürchterliches Theater, und um Gottes Willen! Bloß das nicht! Und und, und. Das heißt also, die Erwachsenen waren das schon gewöhnt, das von oben kommt, das muss gemacht werden und fertig.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Um den sowjetischen Diktator Josef Stalin betreibt die herrschende SED einen regelrechten Personen-Kult, dem sich niemand wiedersetzen kann. Stalins Sowjetunion ist das große Vorbild für den Aufbau der DDR. Das gilt auch für die Landwirtschaft. Bereits im Jahr 1945 waren alle ostdeutschen Bauernhöfe mit mehr als 100 Hektar Grund ohne Entschädigung enteignet worden. 1952 begann die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft, bei der die LPGs, die riesigen landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaften gebildet worden. Zunächst freiwillig später unter Zwang. 1960 gibt es quasi keine Einzelbauern mehr. 19.000 LPGs bewirtschafteten 85 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche.</p>
<p>Musik 9: Grünbaums... aus: Mein Führer - Original Soundtrack - 45 Sek</p>
<p>O-Ton 22 </p>
<p>Pionierdelegation! Still gestanden! Regt euch! Augen geradeaus!</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Thälmann-Pioniere und Freie Deutsche Jugend, kurz FDJ. So heißen die beiden großen Jugendorganisationen der DDR. Wer nicht mitmacht, bekommt Ärger, wird von der weiterführenden Schule geworfen oder von der Universität. Vor allem gegen die Christen der Jungen Gemeinde, die sich der Mitgliedschaft verweigern, geht die SED rigoros vor, kriminalisiert und schikaniert die Gläubigen. Zu Beginn der 50er Jahre ist rund die Hälfte der DDR-Jugendlichen Mitglied bei den Pionieren und der FDJ. In den 80er Jahren werden es knapp 90 % sein.</p>
<p>O-Ton 23</p>
<p>Es ging darum die Jugend schon von Anfang an für das sozialistische Projekt zu konditionieren. Die Jugend war die große Hoffnung der SED, weil man glaubte, dass man die Jugend begeistern könnte für den Aufbau einer besseren, humaneren Gesellschaft, einer kommunistischen Gesellschaft. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>1955 findet die erste staatliche Jugendweihe statt. Eine feierliche Zeremonie bei der Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 Jahren symbolisch in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werden und sich zum sozialistischen Staat bekennen.</p>
<p>O- Ton 24 </p>
<p>SED-Funktionär: Seid ihr bereit, für ein glückliches Leben der werktätigen Menschen und für den Fortschritt in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst einzusetzen? Jung-Pioniere: Ja, das geloben wir.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ebenfalls im Jahr 1955 überträgt die Sowjetunion der DDR noch mehr staatliche Souveränität, behält die Fäden im Hintergrund aber weiter in der Hand. Ebenfalls im gleichen Jahr tritt die Bundesrepublik der NATO bei -woraufhin die Sowjetunion den Warschauer Pakt gründet, ein Militärbündnis sozialistischer Staaten. Die DDR wird mit ihrer Kasernierten Volkspolizei Gründungsmitglied. Im Jahr darauf wird in der DDR die NVA gegründet, die Nationale Volksarmee  - wenige Monate nach der Gründung der Bundeswehr im Westen. Der Ministerpräsident der DDR Otto Grotewohl:</p>
<p>O-Ton 25 </p>
<p>Kein verantwortungsbewusster Demokrat und Patriot wird vor der Entwicklung in Westdeutschland die Augen verschließen, sondern daraus muss die Schlussfolgerung gezogen werden in der Deutschen Demokratischen Republik solche Maßnahmen zu treffen, die gewährleisten, dass die Imperialisten und Militaristen gezügelt und all ihre Versuche zum Scheitern gebracht werden.</p>
<p>O-Ton 26 </p>
<p>Und das interessante ist, dass für den Aufbau der NVA auch […] hohe Wehrmachts-Generäle und Wehrmachts-Offiziere, die in sowjetischer Kriegs-Gefangenschaft waren, an diesem Aufbau beteiligt waren. […] und die NVA war natürlich auch ein Repressionsmittel für die SED-Herrschaft und natürlich auch der militärische Arm, der die SED-Herrschaft sichern sollte.</p>
<p>ATMO Trabbi + Musik 10: Vier lyrische… - siehe oben – 25 Sek</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>1957 rollt in Zwickau der erste Trabant vom Band und Hans-Joachim Hein bekommt erstmals ein eigenes Zimmer - zur Untermiete in Magdeburg. Dort macht er eine Lehre als Elektromonteur und geht parallel auf die Abendoberschule „Otto von Guericke“. Mit dem Sozialismus und der SED-Diktatur versucht er sich zu arrangieren.</p>
<p>O-Ton 27</p>
<p>Ja. Man hat allerdings dann häufig dann Wege gefunden, nach Außen politisch auf Linie zu erscheinen. Ja, okay! Aber intern war das ne andere Sache. Es gibt also dann durchaus zwei Welten. </p>
<p>Musik 11: Entlassung – 1:28 Min</p>
<p>O-Ton 28</p>
<p>Diesen Weg werden wir unbeirrbar weiterverfolgen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wilhelm Pieck, seit 1949 bis zu seinem Tod 1960 erster und einziger Staatspräsident der DDR.</p>
<p>O-Ton Pieck 29</p>
<p>Unterstützt von den Kräften des Friedens und des Sozialismus in der ganzen Welt, die noch niemals so mächtig und geeint waren wie heute.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>10 Jahre nach der Staatsgründung, sieht der Alltag in der DDR weniger strahlend aus, als es die SED-Propaganda den Menschen glauben machen möchte. Mit der Wirtschaft und dem allgemeinen Wohlstand ist es weiter bergab gegangenen. Die SED konnte ihr Versprechen auf ein besseres Leben als im Westen nicht einhalten. Zwischen 1949 und 1961 siedeln insgesamt 2,7 Millionen Ostdeutsche nach Westdeutschland um. Gestoppt wird die große Flucht erst mit dem Bau der Berliner Mauer und der Schließung der deutsch-deutschen Grenze - zu Beginn der 60er Jahre.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>WirTier (3): Underdogs</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wirtier-3-underdogs/2106883</link>
      <pubDate>Wed, 27 Aug 2025 01:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f2c9080d-7bd1-44b9-aaf1-7990c9d503fb</guid>
      <description>Hannah studiert BWL. Bis Hund Schoki einen schweren Unfall hat. Hannah beschließt, Hunden zu helfen, die krank oder alt sind, die keiner mehr haben will - und leitet heute ein besonderes Tierheim. WirTier Host Vici im Hundehimmel?</description>
      <enclosure length="58315053" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106883/c/feed/wirtier-3-underdogs.mp3"/>
      <itunes:duration>01:00:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Marciniaik/Bretzel/Hübel/Kastner</itunes:author>
      <itunes:summary>Hannah studiert BWL. Bis Hund Schoki einen schweren Unfall hat. Hannah beschließt, Hunden zu helfen, die krank oder alt sind, die keiner mehr haben will - und leitet heute ein besonderes Tierheim. WirTier Host Vici im Hundehimmel?</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4f18ae56-3571-46db-a282-60b2ae7bb838.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hannah studiert BWL. Bis Hund Schoki einen schweren Unfall hat. Hannah beschließt, Hunden zu helfen, die krank oder alt sind, die keiner mehr haben will - und leitet heute ein besonderes Tierheim. WirTier Host Vici im Hundehimmel?</p><p><strong>CREDITS:</strong></p>
<p>Gast: Hannah Wendt, Tierärztin und Leiterin des Hunde-Tierheims Sonnenhof in Rottenbuch<br/>Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel<br/>Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel<br/>Redaktion: Bernhard Kastner<br/>Technik: Stefan Oberle<br/>Musik: Dagmar Petrus und Stefan Oberle<br/>Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner<br/>Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel</p>
<p> </p>
<p>Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.<br/> <br/> Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: <a href="mailto:wir-tier@br.de">wir-tier@br.de</a></p>
<p>Wir freuen uns! </p>
<p> </p>
<p>Das <strong>Manuskript von WirTier (3): Underdogs </strong>findet ihr<strong> <a title="Zum Manuskript" href="http://br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-wirtier-underdogs-wir-tier-100.html">HIER</a>.</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.</p>
<p><strong></strong></p>
<p>Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.</p>
<p><strong></strong>Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung  <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/</a></p>
<p><strong>LINKS:</strong></p>
<p><strong>Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:</strong></p>
<p>Für alle Haustier-Freund:innen: Fell- und Federnasen gehören oft zur Familie. Aber wie schaffen es Mensch und Haustier wirklich miteinander zu kommunizieren? Können Menschen die Sprache der Tiere wirklich verstehen – und was fangen Tiere eigentlich mit den Lauten an, die Menschen von sich geben?</p>
<p>Das Spezial von „Quarks Daily - Gassi gehen? Kann mich mein Haustier verstehen?“ findet ihr hier:</p>
<p><a title="https://1.ard.de/quarks_daily_spezial_haustiere" href="https://1.ard.de/quarks_daily_spezial_haustiere"><strong>https://1.ard.de/quarks_daily_spezial_haustiere</strong></a> </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Alles zum Sonnenhof, das spezielle Tierheim für Hundesenioren …</strong></p>
<p>… findet ihr hier: <a href="https://www.tierschutz-sonnenhof.de/">https://www.tierschutz-sonnenhof.de/</a></p>
<p>Es ist eine Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes, die ältere Hunde betreut, kranke Tiere, aber auch Tiere, die bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Durch spezielle Verhaltens- und Physiotherapie, sowie durch gezieltes und betreutes Training mit neuen Halter:innen vermittelt der Sonnenhof erfolgreich die Tiere wieder in ein neues zu Hause. Ein spezielles Projekt ist „Senioren für Senioren“; damit auch die menschlichen Senioren im Alter nicht allein sein müssen.</p>
<p>Hier könnt ihr ein spannendes Interview mit der Leiterin und Tierärztin Hannah Wendt dazu lesen: </p>
<p><a href="https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/magazin-du-und-das-tier/artikel/der-sonnenhof-zufluchtsort-fuer-jung-und-alt/">https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/magazin-du-und-das-tier/artikel/der-sonnenhof-zufluchtsort-fuer-jung-und-alt/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Spannendes über Hunde erfahrt ihr auch bei ARD Alpha:</strong></p>

<p><strong>Geschichte des Hundes - So wurde aus dem Wolf ein Haustier</strong></p>
<p>Wölfe sind die Vorfahren des Hundes. Wie unterscheiden sich Wolf und Hund? Wie wurde aus dem Wildtier unser zahmes Haustier und bester Freund? Das könnt ihr hier nachlesen.</p>
<p><a href="https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/haustiere/wolf-hund-haushund-haustier-tier-isegrim-100.html">https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/haustiere/wolf-hund-haushund-haustier-tier-isegrim-100.html</a> </p>
<p> </p>
<p><strong>Überraschende Fakten über Hunde </strong></p>
<p>Können Hunde uns verstehen? Was bedeutet der Hundeblick? Wie stärkt ihr das Selbstbewusstsein eures Hundes? Das seht ihr in diesem Video.</p>
<p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNjaGVkdWxlU2xvdC9iOTAyZDhmMS1kOGU5LTRhMjYtODAzZC0yYmRmOWEyMjdkNzE">https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNjaGVkdWxlU2xvdC9iOTAyZDhmMS1kOGU5LTRhMjYtODAzZC0yYmRmOWEyMjdkNzE</a> </p>
<p> </p>
<p><strong>Demenz bei Haustieren - Wenn Hund und Katze ihr Futter nicht mehr finden</strong></p>
<p>Auch Hunde und Katzen können an Demenz erkranken. Die Krankheit ist nicht heilbar, lässt sich aber hinauszögern. Was ihr tun könnt, um eurem Haustier zu helfen.</p>
<p><a href="https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/haustiere/demenz-hund-katze-helfen-symptome-haustiere-100.html">https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/haustiere/demenz-hund-katze-helfen-symptome-haustiere-100.html</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Wölfe - Wie gut kennt ihr die Vorfahren des Hundes?</strong></p>
<p>Im 19. Jahrhundert war der Wolf in Deutschland ausgerottet. Doch seit dem Jahr 2000 leben wieder Wölfe bei uns. Wie gut kennt ihr die Vorfahren unseres Haustiers Hund?</p>
<p><a href="https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/wolf-woelfe-raubtiere-hund-haushund-vorfahren-steckbrief-isegrim-156.html">https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/wolf-woelfe-raubtiere-hund-haushund-vorfahren-steckbrief-isegrim-156.html</a> </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Und den DeepDive Hundewissen findet ihr bei Radiowissen:</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Mensch und Hund - Eine Erfolgsgeschichte</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mensch-und-hund-eine-erfolgsgeschichte/bayern-2/87022496/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mensch-und-hund-eine-erfolgsgeschichte/bayern-2/87022496/</a></p>
<p>Er begleitet uns Menschen seit Urzeiten: der Hund! Und er hat in dieser uralten Geschichte zahlreiche Aufgaben übernommen, er war Wächter, Jagdgehilfe, Hirtenhund, er zog Lastenkarren – und wurde vom Nutztier immer mehr zum besten Freund des Menschen. Ein Beitrag über diese lange und prägende Freundschaft zwischen Mensch und Hund.</p>
<p> </p>
<p><strong>Hunde und ihr Geruchssinn - Die Supernasen im Tierreich</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/suche/Hunde%20und%20ihr%20Geruchssinn%20-%20Die%20Supernasen%20im%20Tierreich/">https://www.ardaudiothek.de/suche/Hunde%20und%20ihr%20Geruchssinn%20-%20Die%20Supernasen%20im%20Tierreich/</a></p>
<p>Hundenasen sind einfach unglaublich! Das nutzten die Menschen schon sehr früh, um zum Beispiel Wild aufzuspüren. Hunde sind auch heute noch durch diese Fähigkeit unersetzliche Begleiter des Menschen. Sie finden durch ihren hochspeziellen Geruchssinn verschüttete Menschen, sie spüren Drogen und Sprengstoffe auf, ja sie können sogar manche Krankheiten riechen. Selbst in unserer hochtechnisierten Welt ist die Hundenase bislang ohne Konkurrenz.</p>
<p> </p>
<p><strong>Tiere in der Partnerschaft - Der Hund oder ich!</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/tiere-in-der-partnerschaft-der-hund-oder-ich/ard/14192553/">https://www.ardaudiothek.de/episode/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/tiere-in-der-partnerschaft-der-hund-oder-ich/ard/14192553/</a></p>
<p>Hunde sind die besten Freunde des Menschen – aber eben oft nicht für alle gleich! Was passiert in Beziehungen, wenn die Frage aufkommt ‚Der Hund oder ich?‘ Wenn ein Partner den Hund mehr liebt als der andere – und dieser oder diese sich dadurch zurückversetzt sieht?! So kann der beste Freund des Menschen auch zur harten Beziehungsprobe werden – so wie bei dem Paar, das wir hier in dem Beitrag vorstellen. Aber keine Sorge: mit viel Offenheit und Humor haben die beiden ein Leben mit dem Hund sehr gut hingekriegt.</p>
<p><br/></p>
Zum Weiterhören:
<strong>Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche</strong>
<strong><br/></strong>


Folge 3, Tanja und die Wölfe
Tanja päppelt Wolfswelpen auf, die bei ihr bleiben werden. So entsteht eine faszinierende körperliche Nähe zwischen Mensch und Wildtier.


<p><a href="https://1.ard.de/3-tanja-und-die-woelfe">https://1.ard.de/3-tanja-und-die-woelfe</a></p>


<br/>
Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kulturgeschichte der Toilette - Von der Latrine zum Washlet</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kulturgeschichte-der-toilette-von-der-latrine-zum-washlet/31698</link>
      <pubDate>Tue, 26 Aug 2025 12:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ae563bde-4208-4cbe-bbbe-1a4dc5e5f7ad</guid>
      <description>Jahrhunderte lang funktionierte die Notdurftentsorgung in etwa so: ab ins Töpfchen und raus damit auf die Straße. Nach hoffnungsvollen Anfängen in der Antike ließ die moderne Toilette lange auf sich warten. Von Martin Trauner(BR 2017) </description>
      <enclosure length="21380736" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/31698/c/feed/kulturgeschichte-der-toilette-von-der-latrine-zum-washlet.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Trauner</itunes:author>
      <itunes:summary>Jahrhunderte lang funktionierte die Notdurftentsorgung in etwa so: ab ins Töpfchen und raus damit auf die Straße. Nach hoffnungsvollen Anfängen in der Antike ließ die moderne Toilette lange auf sich warten. Von Martin Trauner(BR 2017) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/73ca82c4-a616-4e5b-bea5-d92d04577e8a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Jahrhunderte lang funktionierte die Notdurftentsorgung in etwa so: ab ins Töpfchen und raus damit auf die Straße. Nach hoffnungsvollen Anfängen in der Antike ließ die moderne Toilette lange auf sich warten. Von Martin Trauner(BR 2017) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor und Regie dieser Folge: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Jennifer Güzel, Burchard Dabinnus<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die frühe Bundesrepublik - Die 50er Jahre</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-fruehe-bundesrepublik-die-50er-jahre/2095634</link>
      <pubDate>Tue, 26 Aug 2025 03:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">aced2628-c873-4d10-a01d-488f99cb4820</guid>
      <description>Die 1950er sind nicht nur WM-Sieg, Wirtschaftswunder und biedere Heimatfilme. Die Jahre der Besinnung aufs private Familienglück sind gleichzeitig die Zeit, in der größere Demonstrationen stattgefunden haben als 1968. Die grundlegenden Fragen, wie wir zusammen leben wollen, müssen erst verhandelt werden. Und die Jugendliche werden aufmüpfig. Von Johannes Berthoud </description>
      <enclosure length="22742784" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095634/c/feed/die-fruehe-bundesrepublik-die-50er-jahre.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:41</itunes:duration>
      <itunes:author>Johannes Berthoud</itunes:author>
      <itunes:summary>Die 1950er sind nicht nur WM-Sieg, Wirtschaftswunder und biedere Heimatfilme. Die Jahre der Besinnung aufs private Familienglück sind gleichzeitig die Zeit, in der größere Demonstrationen stattgefunden haben als 1968. Die grundlegenden Fragen, wie wir zusammen leben wollen, müssen erst verhandelt werden. Und die Jugendliche werden aufmüpfig. Von Johannes Berthoud </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e5fd4e4c-8fc9-4eaf-8bae-cf6e5db0b486.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die 1950er sind nicht nur WM-Sieg, Wirtschaftswunder und biedere Heimatfilme. Die Jahre der Besinnung aufs private Familienglück sind gleichzeitig die Zeit, in der größere Demonstrationen stattgefunden haben als 1968. Die grundlegenden Fragen, wie wir zusammen leben wollen, müssen erst verhandelt werden. Und die Jugendliche werden aufmüpfig. Von Johannes Berthoud </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Johannes Berthoud<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Jennifer Güzel<br/> Technik: Andreas Caramelle<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong></p>
<p>Bodo Mrozek, „Jugend – Pop – Kultur. Eine transnationale Geschichte“ – beschreibt anschaulich und pointenreich den Aufstieg von Jugendkulturen Mitte des 20. Jahrhunderts, inklusive der Halbstarken in den 1950ern.</p>


<p>Siegfried Gohr, „Ich suche nicht, ich finde“: Pablo Picasso - Leben und Werk“ – erhellende bebilderte Einführung in das Werk von Pablo Picasso – allerdings klammert Gohr das berühmteste Werk „Guernica“ aus.</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-bundesrepublik-brd-wirtschaftswunder-halbstarke-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>An einem Donnerstagabend im Juli 1956 verlassen einige Jugendliche im Berliner Arbeiterviertel Wedding die kleine, enge Wohnung ihrer Eltern. </p>
<p>Sie ziehen ihre Lederjacke an, setzen sich aufs Moped und knattern Richtung Afrikanische Straße, zum Cafe Punkt. </p>
<p>Die Jugendlichen gehören zur „Totenkopfbande“, einer Gruppe, die sich regelmäßig hier trifft, um Musik zu hören, zu tanzen, sich zu unterhalten. Die Anwohner vom Cafe Punkt haben sich schon häufiger über den Lärm der „Halbstarken“, wie sie sie nennen, und der Kleinkrafträder beschwert. </p>
<p>Diesmal, am 12. Juli, rückt die Polizei an und will die Straße räumen. Neugierige kommen dazu. Die Mitglieder der Totenkopfbande denken nicht daran, wegzugehen und bleiben vor dem Lokal stehen. Ein Wasserwerfer von der Polizei biegt um die Ecke. Polizisten zücken ihre Knüppel. </p>
<p>Atmo aufgebrachte Menschenmenge + Polizeisirene </p>
<p>Musik 1 aus.</p>
<p>Musik 2: Capri-Fischer – 14 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Jugendkrawalle passen nicht in das Klischee der 50er: Da kommt der Familienvater mit dem VW Käfer von der Arbeit. </p>
<p>ZSP 02 Millionenste Käfer Nordhoff </p>
<p>Unseren Volkswagen, so wie er heute ist, behalten wir noch sehr lange bei.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Während ihr Ehemann in der Fabrik war, hat die Hausfrau die Wohnung geputzt und das Essen vorbereitet.</p>
<p>Musik 3 Willy Schneider - Grün ist die Heide – 31 Sek)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Am Samstag geht’s ins Kino: Es läuft „Grün ist die Heide“. </p>
<p>ATmo Schallplatte, Musik reißt ab:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>All das gehört zwar zum ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik, aber eben nicht nur.</p>
<p>ZSP 05 Biermann Buntheit vielseitiger</p>
<p>im Grundsatz ist diese Demokratie in den 50er-Jahren und auch das Lebensgefühl viel vielseitiger, als uns aus der Rückschau das vor Augen steht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Historiker Harald Biermann - Präsident des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.</p>
<p>ZSP 06 Biermann Proteste</p>
<p>Nur ein Beispiel: Herr Kraushaar, ein Historiker aus Hamburg hat eine Demonstrations-Chronik der 50er-Jahre herausgegeben, wo alle großen Demonstrationen in Westdeutschland nachgezeichnet werden. Und da stellt sich heraus, dass die großen Demonstrationen gegen die Wiederbewaffnung , für die Demokratisierung, sozusagen der Institutionen, gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen, das, dass größere Demonstrationen waren als 1968.</p>
<p>Musik 4: Der Staat gegen Fritz Bauer (Epilog) -  1:10 Min</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kein Wunder, die Menschen müssen erst verhandeln, wie sie zusammenleben wollen: welche Normen und Regeln sollen für eine Gesellschaft gelten, welchen Stellenwert sollen demokratische Prinzipien haben. </p>
<p>Auf die Frage, wer am meisten für Deutschland geleistet hat, landet Hitler in der frühen Bundesrepublik auf dem zweiten Platz, nach Bismarck. </p>
<p>Die Alliierten stellen in den Jahren nach dem Krieg zwar NS-Verbrecher vor Gericht. Unter Kanzler Konrad Adenauer war dann aber erst mal Schluss mit der Entnazifizierung. Viele große und kleine Nationalsozialisten konnten in der Verwaltung des neuen Staates einfach weitermachen. Ein Beispiel ist Hans Globke. 1935 wurden die „Nürnberger Gesetze&quot; erlassen. Sie begründen die Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. An den Gesetzen war auch Globke beteiligt. Er verfasste als Jurist einen wichtigen Kommentar zu den Gesetzen. Unter Konrad Adenauer wird er trotzdem Chef des Bundeskanzleramts.</p>
<p>ZSP 07 Biermann Allensbach Beste Zeit 33-39</p>
<p>Allensbach befragt immer wieder was sind die, was war die beste Zeit bisher im 20.Jahrhundert. Und da sagen ganz ganz viele Menschen und vor allem auch Männer. Ähm, die beste Zeit im zwanzigsten Jahrhundert waren 1933 bis 39, also sozusagen das Dritte Reich im Frieden. Und das ändert sich erst so Ende der 50er-Jahre, diese Einschätzung.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gehorsamkeit gegenüber Autoritäten ist selbstverständlich. Der Idealtypus eines Mannes hat eine stramme Haltung und trägt Uniform. </p>
<p>Und dann knattern da plötzlich ein paar Halbstarke in Lederjacke auf ihrem Moped durch die Stadt, hören „Dschungelmusik“, wie es heißt, und hängen auf der Straße herum – wie beim Cafe Punkt im Wedding. Der Kulturschock für viele Ältere muss unvorstellbar gewesen sein.</p>
<p>ZSP 8 Mrozek Flammenwerfer</p>
<p>Und bei allen Verstößen gegen diese auch ästhetischen Normen, die eigentlich noch in der NS-Zeit etabliert waren. Da war der Ruf nach Haare abschneiden, Konzentrationslager oder Flammenwerfer nicht weit.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bodo Mrozek ist Historiker am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und Autor des Buches „Jugend – Pop – Kultur. Eine transnationale Geschichte“. </p>
<p>Die Jugendlichen, die so viel Anstoß erregen: sie kommen häufig aus der Arbeiterklasse und fallen auf, weil sie Jeans anhaben, manchmal Lederjacken und weil sie sich in Gruppen auf öffentlichen Plätzen treffen. </p>
<p>Mitte der 1950er kommt es in vielen deutschen Großstädten zu Krawallen. </p>
<p>ZSP 9 Mrozek Hannover</p>
<p>Und es reichte da wenig aus, um zu provozieren. In Hannover gab es einen Fall, wo auf der Straße, äh, Jugendliche überhaupt nur getanzt haben. Ein Vater entdeckt seine Tochter bei diesen obszönen Tänzen und zerrt sie davon, teilte aber vorher auch noch Boxhiebe an die jungen Tänzer aus. Und die reagieren natürlich darauf. Daraus entwickelt sich so ein groß Krawall. Und da sieht man exemplarisch, dass jetzt eigentlich die Gewalt nicht immer von den Jugendlichen ausging, sondern oftmals von der erwachsenen Kommunalgesellschaft, die sich durch ungewohnte Kultur provozieren ließ.</p>
<p>Musik 5: Der Postraub -  39 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die „Halbstarken“ sind Thema in vielen Tageszeitungen - und im Radio. </p>
<p>ZSP 10 Diskussion mit Halbstarken 1 (frei ab 0:10  bis 0:23min; Archivnummer / Take: DK101130 Z00; Diskussion mit Halbstarken)</p>
<p>Seit Monaten häufen sich in der der Tagespresse fast aller großen Städte der Bundesrepublik die fetten Schlagzeilen über Verbrechen und Ausschreitungen Jugendlicher. Das heißt – Pfui! – Sei stad jetzt, was schreist denn jetzt scho, da hast ja danach nichts mehr drin in der Kehle.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Münchner Stadtrat Mühlbauer spricht aber nicht nur über Halbstarke. Auch Jugendliche selbst kommen auf der Veranstaltung zu Wort, die der Bayerische Rundfunk am 21.09.1956 sendet.</p>
<p>ZSP 11 Diskussion mit Halbstarken 2 (ab 0:08min; Archivnummer / Take: DK101130 Z00; Diskussion mit Halbstarken)</p>
<p>Man kann die Vorfälle, die heute ab und zu vorkommen, einfach nicht der gesamten Jugend in die Schuhe schieben!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Hysterie, die um die Jugendkriminalität entsteht, sagt vielleicht weniger über die Jugend aus als über die sich empörenden Bürger.</p>
<p>ZSP 12 Mrozek Jugendkriminalität</p>
<p>Man ging also auch in wissenschaftlichen Untersuchungen damals davon aus, wenn jetzt minderschwere Abweichung von der Norm geschehen, dass da eine ganze Generation von Kriminellen heranwächst, die dann auch als Erwachsene das Land dominieren. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dabei ist die Abweichung von der Norm, zumindest auf der popkulturellen Ebene, genau das, was auch in der großen Politik passiert. </p>
<p>Kanzler Konrad Adenauers Regierung aus Union und FDP setzt die Westbindung durch. 1955 gründet die Bundesrepublik die Bundeswehr und tritt der NATO bei.</p>
<p>ZSP 13 Adenauer NATO (Archivnummer: H0000850020)</p>
<p>Ich sehe in dem Eintritt der Bundesrepublik in den Nordatlantikpakt, einen Ausdruck der Notwendigkeit, den engen Nationalismus zu überwinden, der in den Vergangenen Jahrhunderten vielen Unglücks war.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Jugendlichen orientieren sich auch nach Westen und hören amerikanische Rock’n’Roller wie Bill Haley oder Elvis Presley und schauen Filme mit Marlon Brando. </p>
<p>Musik 6:  Elvis Presley - Don&#39;t be cruel (to a heart that&#39;s true) – 37 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ganz nebenbei entsorgen sie schon mal ein preußisches Männerideal, das viele Deutsche noch länger hochhalten. </p>
<p>Die Stars aus Amerika – und deren deutsche Nachahmer wie der Sänger Peter Kraus – begeistern durch Lässigkeit, nicht durch stramme Haltung. In der ganz frisch gegründeten Jugendzeitschrift Bravo steht neben einem Poster von Marlon Brando.</p>
<p>SPRECHER 2 </p>
<p>„Marlon ist ein so salopper Zivilist, daß er sich grundsätzlich in keiner Uniform wohlfühlt.“</p>
<p>Musik 7: Conny – Lippenstift am Jacket – 34 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Bravo schreibt natürlich auch über Schlagerstars, die die deutsche Hitparade dominieren. Fred Bertelmann, Peter Alexander, Margot Eskens, Freddy Quinn und Conny…</p>
<p>Musik hoch…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die neue Lässigkeit und die Abkehr vom Soldatenideal passt auch zu den Protesten gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Viele lehnen Anfang des Jahrzehnts eine neue deutsche Armee ab – aus Kriegsangst, die auch durch die Geschehnisse im Fernen Osten bestärkt wird</p>
<p>1950 greift Nordkorea Südkorea an. Ähnlich wie DDR und BRD sind die beiden Länder aus einer sowjetischen und einer US-amerikanischen Besatzungszone hervorgegangen. Der Historiker Harald Biermann: </p>
<p>ZSP 16 Biermann Kriegsangst</p>
<p>Kriegsangst war eben real, weil sechs Jahre zuvor der größte Waffengang der Weltgeschichte zu Ende gegangen war. Also jeder konnte sich damals vorstellen, was es heißt, in Mitteleuropa einen Krieg zu haben. Und dieses koreanische Muster sozusagen drohte eben auch in Europa umgesetzt zu werden.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der überstandene Krieg prägt die Zeit – das heißt aber nicht, dass nun in der Bundesrepublik die deutsche Schuld zum öffentlichen Thema wird. Die meisten sehen sich selbst als Opfer des Krieges und als von Hitler und seiner Verbrecherclique Verführte.</p>
<p>ZSP 17 Biermann Beschäftigung NS</p>
<p>Es ist keine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, aber durchaus eine Beschäftigung mit der Vergangenheit, obwohl natürlich gesagt werden muss, dass zum Beispiel die Vernichtung der europäischen Juden im Großen und Ganzen kein gesellschaftliches Thema ist.</p>
<p>Musik 8: Der Staat gegen Fritz Bauer – siehe oben – 53 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Über den Holocaust wird nicht gesprochen.</p>
<p>Die Wehrmacht gilt im Gegensatz zur SS als saubere Armee und wird gerade nach der Wiederbewaffnung 1955 in Kriegsromanreihen gefeiert. „Der Landser“ verkauft sich hunderttausendfach. </p>
<p>Die Kriegsangst tritt da schon in den Hintergrund. 1953 ist der Koreakrieg zu Ende gegangen.</p>
<p>1955 erlangt die Bundesrepublik dann auch die Souveränitätsrechte von den Alliierten zurück. Und eine andere Nachricht rührt das ganze Land: Adenauer reist nach Moskau. In Sachen Wiedervereinigung erreicht er nichts, aber er bringt die Nachricht mit nach Hause, dass die letzten deutschen Kriegsgefangenen von den Sowjets entlassen werden. Die „Heimkehr der Zehntausend“. </p>
<p>TON 18 Biermann Aufbruch</p>
<p>Das war natürlich ein Aufbruch in eine neue Zeit, auch ein nachholen, also einerseits davongekommen, andererseits Aufbruch. Und dann, wenn die 50er-Jahre sich etwas weiterentwickeln, auch zunehmender Wohlstand der aber, und das muss man hier, glaube ich, noch einmal unterstreichen, hart erarbeitet werden musste.</p>
<p>Musik 9: Wirtschaftswunder  Archivnummer: ZZ223375220 – 19 Sek</p>
<p>„Jetzt kommt das Wirtschaftswunder, jetzt kommt das Wirtschaftswunder“…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Wirtschaftswachstum liegt im Durchschnitt bei 8 Prozent. Heute unvorstellbar. </p>
<p>ZSP 20 Ludwig Erhard - Wirtschaftskommentar Zukunft</p>
<p>Was hinter uns liegt, die Wiedererstarkung deutschen Lebens aus Trümmern und Verzweiflung mag uns wohl Trost und Hoffnung geben, dass in solchem Sinne Vergangenheit fruchtbar und lebendig bleibt,</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wirtschaftsminister Ludwig Erhard mit seiner Zigarre ist die Ikone dieser Zeit.</p>
<p>ZSP 20 Erhard weiter</p>
<p>aber alles was den Menschen und ein ganzes Volk bewegt, gilt der Zukunft, hofft auf das morgen.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Sechs Tage die Woche, 48 Stunden arbeiten viele Deutsche zu der Zeit. </p>
<p>ZSP 21 Werbung für Coca Cola aus den 50ern: Archivnummer / Take: WR030570 Z00 – 4 Sek – Sendereichte frei</p>
<p>Mach mal Pause, Coca-Cola!</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Die deutschen Männer vor allem sind erwerbstätig. Nachdem die Frauen in der Kriegszeit den Laden geschmissen haben, sollen sie sich wieder um den Haushalt und die Familie kümmern. Oder wenn, dann in Bereichen arbeiten, die den Frauen vorbehalten sind. </p>
<p>ZSP 22 Werbung Uhu (WR031670113, Senderechte frei)</p>
<p>Gisela, eine Sekretärin wie tausend andere</p>
<p>-Ich nehme Uhu gegen Laufmaschen. Einfach toll!</p>
<p>-Aah.</p>
<p>Musik 10 – Ein guter Informant – 1:05 Min</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ – so steht es im Grundgesetz von 1949. Und das nur, weil Friederike Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Wessel und Helene Weber dafür gekämpft haben. Neben 61 Männern waren sie die einzigen vier Frauen im Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz erarbeitet hat. </p>
<p>Die Adenauer-Regierung tut dann aber wenig dafür, diesen Satz aus der Verfassung mit Leben zu füllen. </p>
<p>ZSP 23 Adenauer Frauen [Archivnummer: DK30105]</p>
<p>Wir Männer merken eigentlich immer erst, was unsere Frauen bedeuten, wenn sie fehlen. Dann fehlt es überall im Haus. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Noch bis 1957 gilt folgender Paragraph im Bürgerlichen Gesetzbuch: </p>
<p>SPRECHERIN 2 </p>
<p>&quot;Dem Mann steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung.&quot;</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erst Ende der 50er erhalten Frauen bekommen mehr Rechte und die Arbeiter mehr Freizeit. Erste Branchen führen den freien Samstag ein. Die meisten Vatis werden am langen Wochenende trotzdem nicht die Kinder hüten – oder beim Zubereiten des Sonntagsessens helfen:</p>
<p>ZSP  26 Biermann Schmorrbraten</p>
<p>Lang gebraten, Schmorrbraten mit Leipziger Allerlei und frischen Kartoffeln. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Präsident des Hauses der Geschichte Deutschlands Harald Biermann nennt ein typisches Essen für die Zeit. </p>
<p>ZSP 27 Biermann Fresswelle</p>
<p>Natürlich gab es diese Fresswelle, dass man eben nachholte, was in den Vierzigerjahren sagen wir jetzt mal nicht möglich war. Aber wenn man jetzt ökologisch korrekt ernährungstechnisch auf dem neuesten Stand wäre, muss man sagen, dass die Ernährung wahrscheinlich in den 50er Jahren besser war, weil man eben Braten nur sonntags aß also. Sonst gab es in den ganz vielen Fällen kein Fleisch.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die ersten Urlauber beginnen in den 50ern schon die lange beschwerliche Reise auf der alten Brenner-Passstraße nach Italien. Mitte des Jahrzehnts fährt aber erst ein Viertel aller Deutschen überhaupt auf Urlaubsreise. Das Ziel liegt fast immer in Deutschland. Und viele können von Reisen nur träumen. Gerade weil die Welt für viele noch so weit weg ist, gedeiht das Fernweh.</p>
<p>Musik 11:  Komm ein bisschen mit nach Italien  – 15 Sek</p>
<p>Komm ein bisschen mit nach Italien, komm ein bisschen mit ans blaue Meer. Und wir tun als ob das Leben eine schöne Reise wär…</p>
<p>Musik 12: Tipitipitipso Länge: 30 Sek - </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Noch weiter weg als Italien – vollkommen unvorstellbar. Aber im Kino oder im Schlager: Da ist alles möglich</p>
<p>Musik 13: Schwarzwaldmädel - 13 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nicht nur im Schlager ist die Welt in Ordnung – auch im Heimatfilm.</p>
<p>ZSP 32 Biermann Kino</p>
<p>Der Heimatfilm hatte eine Entlastungsstrategie also gerade in den frühen 50er-Jahren. Wenn man, wenn man sagt, rund um mich herum war viel Vernichtung, war auch viel Ärger, war viel Anstrengung, dann entfloh man eben für anderthalb Stunden in ein Kino.</p>
<p>ZSP 33 34 Biermann Grün ist die Heide</p>
<p>also wenn sie an „Grün ist die Heide“ denken dann das war, glaube ich, der erfolgreichste Heimatfilm. </p>
<p>Musik 14: „Geheimnis“ – 50 Sek </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In „Grün ist die Heide“ wird ein verbitterter Vertriebener zum Wilderer. Früher hatte Lüder Lüdersen ein herrschaftliches Anwesen und viel Wald. Nach der Flucht aus dem Osten mit seiner Tochter in die Lüneburger Heide muss er als Verwalter arbeiten – und wildert. Als ein Gendarm erschossen wird, fällt der Verdacht auf ihn. Dabei steckt ein wirklich gewissenloser Wilderer und Schurke hinter dem Mord. Auf ihn trifft er in der Heide. Es kommt zum Kampf, Lüdersen wird verwundet. Aber der Förster rettet ihm das Leben - und kommt endgültig mit dessen Tochter zusammen.</p>
<p>ZSP 33 34 Biermann Grün ist die Heide weiter</p>
<p>Da wird schon sehr genau darauf geachtet, das die Vertriebenen, die eben dort auch eine Rolle spielen, sozusagen dann in die Heimat integriert werden. Und das sind schon - also bei aller sage ich mal oberflächlichen Ästhetik, ganz interessante gesellschaftliche Entwicklungen, die dort abgebildet werden. </p>
<p>Musik 15: Das Verhör der Gang – 20 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber auch um die jugendlichen Mopedfahrer drehen sich Filme. Einer heißt sogar „Die Halbstarken“. Die Hauptfigur Freddy stiftet seine Bande zum Überfall auf ein Postauto an. Am Ende geht alles furchtbar schief und er wird verhaftet.</p>
<p>1957 zählen die Kinos über 800 Millionen Besucher. Zum Vergleich: 2023 sind es unter 100 Millionen. Die Menschen suchen in den 50ern im Kino nicht nur Ablenkung. Es laufen auch Nachrichten: Die Wochenschauen. Da die Fernseher erst langsam in den Wohnzimmern ankommen, informieren die Menschen sich in den Kinos. Mit der Zeit haben sie immer mehr Geld für Musiktruhen, Schallplatten, Mopeds und Schmorbraten. Der Konsum zeigt vielleicht am besten, dass die 50er wie jedes Jahrzehnt einer willkürlichen Einordnung folgen. Denn die Unterschiede zwischen 1950 und 1959 sind gewaltig. Das Geld, das zum Ausgeben übrigbleibt, verdoppelt sich in dem Zeitraum. Vom Wirtschaftswunder-Chanson kennt jeder den Refrain, aber so fängt er an:</p>
<p>Musik 16  Jetzt kommt das Wirtschaftswunder – 18 Sek</p>
<p>Die Straßen haben Einsamkeitsgefühle und fährt ein Auto ist es sehr antik.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber dann kommt das Wirtschaftswunder und 1955 läuft der Millionste Käfer vom Band.</p>
<p>ZSP 36 Biermann Staus</p>
<p>Anfang der 50er Jahre hatte fast niemand ein Auto, und Ende der 50er-Jahre gibt es in allen größeren Städten Staus.</p>
<p>Musik 17: Goofin‘ around – siehe vorn – 17 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So langsam konnten sich die Bürger wieder was leisten. Nach Jahren des Darbens, haben alle freudig mitkonsumiert. Auch die aufmüpfigen Jugendlichen mit ihren Mopeds hätten gewollt. Die „Halbstarken.“ Die amerikanischen Stars machen ihnen ja vor, wie man lässig aussieht. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Historiker Bodo Mrozek hat zu Jugendkulturen in der Mitte des 20. Jahrhunderts geforscht. </p>
<p>Der Markt hat im Gegensatz zu den Eltern kein Problem mit den aufmüpfigen Jugendlichen- und bald gibt es alles, was deren Herz begehrt. </p>
<p>ZSP 38 Mrozek Bravo Mode</p>
<p>Diese Wirtschaftsgeschichte ist ja kaum zu verstehen, wenn man nicht die Attraktion popkultureller Images versteht, von der Schallplatte übers Abspielgerät zum übers Kleinkraftrad hin bis zum T-Shirt. Das sind ja eigentlich die Ansätze, die auf kultureller Ebene gesetzt werden und dann in Angebot und Nachfrage zu harter Wirtschaftsgeschichte umgemünzt worden sind.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Am Ende der 50er stellen Meinungsforscher dann fest: Die ganze Aufregung, um eine kriminelle Generation, die da angeblich heranwächst, war umsonst. Die Jugendlichen teilen die Werte der Elterngeneration.</p>
<p>ZSP 39 Mrozek Werte der Elterngeneration</p>
<p>Sie wollten ein Eigenheim, einen sicheren Job und eine Familie gründen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und doch haben die so genannten Halbstarken einen Anteil daran, wie wir heute leben. Sie haben damit begonnen, die Kultur in Deutschland umzukrempeln.</p>
<p>ZSP 40 Mrozek Avantgarde</p>
<p>Das war ja eigentlich genau die Westbindung, die die Bundesrepublik auch durch die Kulturpolitik, die starke Orientierung an Amerika allmählich vollzogen hat, um eben auch aus diesem deutschen Nationalismus. Und man muss ja auch sagen, aus dem Nationalsozialismus allmählich heraus zu kommen. Und so gesehen waren die Jugendlichen schon eine Avantgarde, die kulturelle Entwicklung vorweggenommen hat, die die Bundesrepublik später ganz offiziell vollzogen hat, auch wenn es zu keine expliziten politischen Forderungen gehabt, die von dieser Jugend jetzt lautstark erhoben worden wären.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die 50er Jahre in der Bundesrepublik waren ein Jahrzehnt des Aufbruchs. Viel lebendiger und aufregender als unser kollektives Gedächtnis häufig erinnert. Optimismus und steigender Wohlstand prägen das Lebensgefühl. Demokratische Werte finden immer mehr Resonanz, aber es wird noch dauern, bis es eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und der deutschen Schuld gibt. Die Vernichtung der europäischen Juden ist eine dröhnende Leerstelle, über die so gut wie keiner spricht.</p>
<p>Musik 18: Der Staat gegen Fritz Bauer (Epilog) – siehe vorn – 41 Sek</p>
<p>Trotz des Aufbruchs, die biedere und ordnungsliebende Anmutung der Zeit, von der sich die Halbstarken abgewendet haben, ist nicht im Nachhinein erfunden. Das zeigt auch ein letztes Klischee, das hier entlarvt werden soll. </p>
<p>Musik 19 – Immer elegant – 36 Sek</p>
<p>50er Jahre Möbel aus dem 20. Jahrhundert sind im 21. Jahrhundert wieder gefragt. Der Nierentisch mit leicht schräg nach außen stehenden Beinen ist hip.  </p>
<p>ZSP 41 Biermann Nierentisch</p>

<p>So sah aber keine Wohnung aus. Die Realität war immer allgemeiner gesprochen. Die Realität war Gelsenkirchener Barock. Also die Menschen vertrauten auf die Möbel, die sie haben retten können, aus den 20er oder 30er Jahren. Also Eiche rustikal Schrankwand und der röhrende Hirsch über dem über dem Sofa.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>WirTier (2): Eselsbrücken</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wirtier-2-eselsbruecken/2106584</link>
      <pubDate>Tue, 26 Aug 2025 01:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">268abb25-79ff-4784-912d-bc4113ec1599</guid>
      <description>Anahid steht voll im Leben, als ein Trauma sie aus der Bahn wirft. Dann kommt Lollo, ihre Eselin, als rettende Brücke zurück zu den Menschen. Host Julius erlebt bei WirTier selbst, welch emotionale und soziale Wesen Esel sind.</description>
      <enclosure length="65245869" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106584/c/feed/wirtier-2-eselsbruecken.mp3"/>
      <itunes:duration>01:07:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Marciniak/Bretzel/Hübel/Kastner</itunes:author>
      <itunes:summary>Anahid steht voll im Leben, als ein Trauma sie aus der Bahn wirft. Dann kommt Lollo, ihre Eselin, als rettende Brücke zurück zu den Menschen. Host Julius erlebt bei WirTier selbst, welch emotionale und soziale Wesen Esel sind.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/345c71ac-4cf4-4501-b9ab-b070779dae71.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Anahid steht voll im Leben, als ein Trauma sie aus der Bahn wirft. Dann kommt Lollo, ihre Eselin, als rettende Brücke zurück zu den Menschen. Host Julius erlebt bei WirTier selbst, welch emotionale und soziale Wesen Esel sind.</p>
<p><strong>CREDITS:</strong><strong></strong></p>
<p>Gast: Anahid Klotz von der Eselsfarm Asinella</p>
<p>Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel</p>
<p>Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Technik: Stefan Oberle</p>
<p>Musik: Dagmar Petrus und Stefan Oberle</p>
<p>Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner</p>
<p>Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel<br/> <br/> </p>
<p>Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.<br/> <br/> Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: <a href="mailto:wir-tier@br.de">wir-tier@br.de</a></p>
<p>Wir freuen uns! </p>
<p> </p>
<p>Das <strong>Manuskript von WirTier (2): Eselsbrücken </strong>findet ihr<strong> <a title="Zum Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskript-radiowissen-mensch-tier-esel-beziehung-therapie-wissen-natur-trauma-100.html">HIER</a>.</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Tiere erleben Abenteuer. Sie reagieren unterschiedlich auf schwierige Situationen und finden eigene Lösungen. Ihre Lebenswege sind alle individuell. Genauso wie bei Menschen.</p>
<p><strong></strong></p>
<p>Bisher haben sich solche Wildnis-Biografien immer im Verborgenen abgespielt. Aber jetzt interessieren sich immer mehr Biologen dafür – und bringen diese Lebensgeschichten mit großem Aufwand ans Licht.</p>
<p><strong></strong>Einblick in die abenteuerlichen Lebensgeschichten von Wildtieren, gibt die Podcast-Reihe „Namenlose Helden – Biografien aus der Wildnis“. Vom Storch Hansi, der den Anschluss an den Vogelzug verpasst oder vom Überlebenskampf eines verwaisten Gebardenmädchens. Dank Hightech und Biologgern können Forscher diese Geschichten erzählen – zu hören sind sie in IQ – Wissenschaft und Forschung  <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/">https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:4f22603952486b85/</a></p>
<p><br/></p>
<p><strong>LINKS:</strong></p>
<p><strong>Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:</strong><strong></strong></p>
<p>Wenn ihr mehr über die Begegnung zwischen Mensch und Tier hören oder sogar sehen wollt, schaut mal bei den <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/bergfreundinnen/77047134/">Bergfreundinnen</a>, dem Podcast für dein Leben mit den Bergen vorbei. Bergfreundin Toni Schlosser ist mit einer Wanderreitgruppe über die Alpen geritten. Um ihren Kindheitstraum zu verwirklichen, nimmt sie an einem Wanderreitkurs teil und wird dabei schnell mit ihren körperlichen und mentalen Grenzen konfrontiert. Sie gewinnt auch tiefgreifende Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Dazu gibt es mehrere Podcast Folgen bei den <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/bergfreundinnen/77047134/">Bergfreundinnen</a> und eine Doku in der ARD Mediathek. Zur Doku „Freiheit im Sattel“ über Tonis Alpenritt geht es <a href="https://www.ardmediathek.de/film/freiheit-im-sattel-transalp-mit-pferd%02oder%02bergfreundinnen/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNlcmllcy8wZjVlNj"><strong>HIER</strong></a>.<br/> <br/> <strong></strong></p>
<p><strong>Mehr Infos zu Eseln …</strong></p>
<p>… findet ihr auf der Homepage von Eselsflüsterin Anahid Klotz, die ihr auch in unserer Folge gehört habt: <a href="https://www.asinella.de/"><strong>https://www.asinella.de/</strong></a><strong></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>…außerdem bei Radiowissen:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Der Esel - Die Entdeckung der Langsamkeit</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-esel-die-entdeckung-der-langsamkeit/bayern-2/78754260/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-esel-die-entdeckung-der-langsamkeit/bayern-2/78754260/</a></p>
<p>Und wenn ihr jetzt auch wie wir im ‚Eselsfieber‘ seid, ihr noch mehr über diese wunderbaren Tiere erfahren wollt, dann seid ihr bei dieser Folge Radiowissen über den Esel genau richtig. Ein Beitrag über die uralte Beziehung Mensch und Esel, über die Geschichte eines ganz besonderen Haustieres – das immer noch mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen hat!</p>
<p> </p>
<p><strong>Das Pferd in Kult und Religion - Herrschertier und Jenseitsführer</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-pferd-in-kult-und-religion-herrschertier-und-jenseitsfuehrer/bayern-2/10866207/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-pferd-in-kult-und-religion-herrschertier-und-jenseitsfuehrer/bayern-2/10866207/</a></p>
<p>Ohne Esel und Pferd wären wir Menschen wohl nicht so weit gekommen. Beide trugen Lasten, zogen Wägen, waren bei Wanderzügen der Menschen aber auch bei Feldzügen lange unersetzlich. Klar, dass diesen Tieren – und dem Pferd im Besonderen – zahlreiche Kulte und mythische Erzählungen gewidmet wurden. Und einige davon hört ihr in diesem Beitrag.</p>
<p> </p>
<p><strong>Multitalent Pferd - Freund, Lasttier und ‚Kriegsgerät‘</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/multitalent-pferd-freund-lasttier-und-kriegsgeraet/bayern-2/78749824/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/multitalent-pferd-freund-lasttier-und-kriegsgeraet/bayern-2/78749824/</a></p>
<p>Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren Pferde unersetzliche Arbeitstiere, in der Landwirtschaft, im Transportwesen, im Krieg, im Einsatz bei der Post … Das hat sich mit der Industrialisierung grundlegend geändert und immer mehr entdeckte der Mensch das Pferd als Freund, als Begleiter für Sport und Freizeit, aber auch als Therapie-Pferde bereichern heute viele Pferde unseren Alltag.    </p>

Zum Weiterhören:
<strong>Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier, von Natalie Putsche</strong>
<strong><br/></strong>

Folge 1, Gitti und der Vogel
Für Dohle Gunna ist Gitti die Partnerin des Lebens und Gitti sagt über den Vogel: Gunna hat noch mehr Schalk und Leichtigkeit in mein Leben gebracht. 

<p><a href="https://1.ard.de/1-gitti-und-der-vogel">https://1.ard.de/1-gitti-und-der-vogel</a></p>

<br/>
Folge 2, Julie und die Rinder
Julie ist 24 und lebt mit zwei Rinderherden. Über ihren Lieblingsochsen Noni sagt sie: Er hat mich geheilt. Durch ihn weiß ich erst, wer ich bin. 

<p><a href="https://1.ard.de/2-julie-und-die-rinder">https://1.ard.de/2-julie-und-die-rinder</a></p>


<br/>
Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der Feuerwehr - Von Ledereimern und Tanklöschfahrzeugen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-feuerwehr-von-ledereimern-und-tankloeschfahrzeugen/1873426</link>
      <pubDate>Mon, 25 Aug 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c566b380-a9e5-43f1-b211-50f4cc9c9541</guid>
      <description>Notruf 112 wählen, maximal 15 Minuten warten - dann ist sie da: die Feuerwehr. Das war nicht immer so: dass wir schnelle und effektive Hilfe in der Not bekommen, ist das Ergebnis einer ereignisreichen Entwicklungsgeschichte. (BR 2022)  </description>
      <enclosure length="22252032" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1873426/c/feed/die-geschichte-der-feuerwehr-von-ledereimern-und-tankloeschfahrzeugen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:10</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Neukirch</itunes:author>
      <itunes:summary>Notruf 112 wählen, maximal 15 Minuten warten - dann ist sie da: die Feuerwehr. Das war nicht immer so: dass wir schnelle und effektive Hilfe in der Not bekommen, ist das Ergebnis einer ereignisreichen Entwicklungsgeschichte. (BR 2022)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c5c7afa8-24a8-4e5e-9220-1ddfba565bf3.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Notruf 112 wählen, maximal 15 Minuten warten - dann ist sie da: die Feuerwehr. Das war nicht immer so: dass wir schnelle und effektive Hilfe in der Not bekommen, ist das Ergebnis einer ereignisreichen Entwicklungsgeschichte. (BR 2022)  </p><p>Credits:</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Christiane Neukirch<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Anne-Isabelle Zils und Stefan Wilkening<br/> Technik: Roland Böhm<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak<br/><strong></strong></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>Florian Hörhammer, Pressesprecher der Feuerwehr München</li>
<li>Markus Zawadke, Kurator des Feuerwehrmuseums Bayern e.V. in Waldkraiburg</li>
</ul>


<p><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/><a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Feuerwehrmuseum Bayern e.V. in Waldkraiburg<br/>Das Museum – im oberbayerischen Waldkraiburg gelegen, ist ein Juwel, das einen Besuch mehr als lohnt: als größtes Feuerwehrmuseum Deutschlands – und ausschließlich von ehrenamtlichen Betreibern geführt – bietet es eine einzigartige und hervorragend kommentierte Sammlung an Fahrzeugen, Geräten, Uniformen, Feuermeldern, Modellen u.v.m. vom Beginn des deutschen Feuerwehrwesens bis heute: Mehr Infos unter:<br/><strong><a title="https://www.feuerwehrmuseum-bayern.de/" href="https://www.feuerwehrmuseum-bayern.de/">EXTERNER LINK | </a></strong><strong><a title="https://www.feuerwehrmuseum-bayern.de/" href="https://www.feuerwehrmuseum-bayern.de/">https://www.feuerwehrmuseum-bayern.de/</a></strong></p>
<p><br/>Literaturtipps:<br/><br/>Prager, Hans-Georg: Florian 14: Achter Alarm! Das Buch der Feuerwehr. Verlag Mittler &amp; Sohn, Herford 1980 (3. Auflage):<br/><em>Dieses Buch gibt bis heute den umfassendsten und zugleich nahbarsten Einblick in die Welt der Feuerwehr. Der Journalist Hans-Georg Prager arbeitete ein halbes Jahr lang als vollwertiges Mitglied der Hamburger Feuerwehr mit.<br/></em><em><br/></em>Lottmann, Eckart: Berliner Feuerwehr. Auf der Drehleiter der Geschichte. Be.bra Verlag, Berlin, 1996</p>
<p><br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-geschichte-der-feuerwehr-ledereimer-tankloeschfahrzeug-bergen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Ein Löschzug der Feuerwehr unterwegs zum Einsatz. Jemand hat den Notruf 112 gewählt. Von jetzt kann man damit rechnen: in spätestens 12 Minuten ist Hilfe da. Das ist die Frist, in der die Feuerwehr hierzulande vor Ort sein muss. Damit das geschehen kann, stehen allein in Deutschland mehr als eine Million Feuerwehrleute bereit, Tag und Nacht. </p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p>Dabei ist der Name „Feuerwehr“ ein bisschen irreführend: denn sie leistet Hilfe nicht nur bei Bränden. Löschen ist nur ein Teil der vier Tätigkeiten, die das Motto des Deutschen Feuerwehrverbandes bilden. Das sind: </p>
<p>Retten – Löschen – Bergen und Schützen.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Dazu gehört die Notfallrettung ebenso wie die technische Hilfeleistung. Doch das Feuer hat unsere Geschichte besonders stark geprägt – und damit auch die Notwendigkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Daher soll es in dieser Sendung hauptsächlich darum gehen.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ATMO: Feuer knistert</em></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Feuer war lange Zeit zunächst eines: eine Naturgewalt, entfacht durch Blitz oder Funkenflug. Dass der Mensch das Element gezähmt und für seine Zwecke nutzbar gemacht hat, dürfte die Entwicklung unserer Spezies maßgeblich beeinflusst haben. Feuer half als Schutz vor wilden Tieren, machte Nahrung durch Erhitzen leichter verdaulich und ermöglichte schließlich auch die Herstellung diversester Gebrauchsgegenstände.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK 2 </em></strong><em>(Imogen Heap: The Fire)</em></p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Doch es gab auch die Kehrseite: Feuer geriet leicht außer Kontrolle und konnte Zerstörung und Tod bedeuten. </p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK 3 </em></strong><em>(Gothic Voices: O Ignis Spiritus)</em></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER: </strong><strong></strong></p>
<p>Jahrtausende lang betrachtete man Brände als eine Strafe Gottes – und nahm sie als Schicksal hin. Im Mittelalter wurde von der Kanzel herunter oft sogar verboten, Feuer zu bekämpfen: denn das hieß ja, Gottes Strafe zurückzuweisen. </p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK 4 </em></strong><em>(Conrad Steinmann: Nomos M)</em></p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>In der Antike begannen vor allem die Griechen und die Römer, die Brandbekämpfung pragmatisch zu betrachten. Speziell im alten Rom war die Lage oft brenzlig: in der dicht bebauten Hauptstadt des Römischen Reiches herrschte durch den regen Zuzug Wohnungsnot. So wurden in Eile windige Mietskasernen aus Lehm und Stroh hochgezogen, deren Statik eine Katastrophe war. So oft gingen Gebäude in Flammen auf, dass der Senat beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. </p>
<p>Markus Zawadke, Kurator des Feuerwehrmuseums Bayern in Waldkraiburg, hat die Geschichte der Feuerwehr von Anbeginn im Blick.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ZUSPIELER 1 (O Ton Zawadke)</em></strong></p>
<p>Griechen und die Römer waren uns ja schon um Tausende von Jahren voraus. Haben tatsächlich die Pumpe erfunden, haben tatsächlich den Schlauch erfunden und haben tatsächlich auch schon die Feuerwehr erfunden. Das gab es alles im römischen und im griechischen Reich und ist auch teilweise bis zur Perfektion schon entwickelt worden. Wir wissen alle, das Römischen Reich ist untergegangen, die Griechen damit übrigens auch. Und dann ist das alles in Vergessenheit geraten. Gerade in Deutschland, und in Deutschland herrschte einfach noch tiefstes Mittelalter, und da hat halt schlicht und einfach der Landmann wie der Bauer wie das Gesindel einfach nur den Eimer gekannt und die Eimerkette.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Und so sahen sich die im Mittelalter wieder wachsenden Siedlungen der Gefahr hilflos gegenüber. Die Zeit vom 12. bis 14. Jahrhundert gilt als Epoche der großen Stadtbrände. Unzählige Städte wurden durch Feuer komplett zerstört – manche davon nicht nur einmal. In den – eng an eng stehenden – Holzhäusern gab es keine Kamine: geheizt und gekocht wurde mit einem offenen Feuer; der Rauchabzug war ein Loch im Strohdach. Ein ungünstiger Funkenflug, und alles stand in Flammen. Selbst jene Hausbesitzer, die brav ihren Ledereimer mit Wasser bereithielten, konnten  nur dann noch Schlimmeres verhindern, wenn sie schnell reagierten, gegen größere Brände konnte man selbst mit vereinten Eimern und Kräften kaum noch etwas ausrichten.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ATMO: Sturmglocken, Feuer</em></strong></p>
<p><strong><em>MUSIK 5 </em></strong><em>(Ennio Morricone: Overture)</em></p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Während immer noch viele Menschen die Katastrophen als gottgegeben hinnahmen, regte sich doch auch immer mehr der Wille zur Gegenwehr. </p>
<p>Nach dem großen Brand von London im Jahr 1189 gab die Stadt eine Feuerschutzordnung heraus: jeder Hausbesitzer hatte von nun an ein Fass mit Wasser bereitzuhalten. Nachts patrouillierten Wächter durch die Straßen. Andere Städte zogen nach. In Hamburg hatten Türmer von oben ein Auge auf Brandherde. </p>
<p>Doch trotz alledem wurde es in den folgenden Jahrhunderten nicht viel besser.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ZUSPIELER 2 (O Zawadke)</em></strong></p>
<p>Das Problem war: eigentlich die Städte, wie sie sich entwickelt haben. Man hat Handel betrieben, die Städte sind reich geworden, teilweise natürlich durch den Handel, haben das durch eine entsprechende Bebauung auch gezeigt. Also Wohnungsnot, die gibt es nicht nur heute, sondern die war damals auch schon um 1500,1600,1700 in den Städten durchaus vorhanden. Das heißt, die wurden enger gebaut. Es wurden auf die ersten Stockwerke zweite Stockwerke, dritte Stockwerke gesetzt, die teilweise auch sehr chaotisch gebaut worden sind. Man denkt also nur mal an London, wo das erste Stockwerk dann schon in die Straße reingeragt hat und das zweite und dritte Stockwerk noch weiter, weil man dafür eben keine Steuern bezahlen musste. Man hat eben nur unten einmal die unten die Grundsteuer bezahlt und obenhin dann nicht mehr. Und dadurch sind die Straßen auch eng geworden, Und hier sind natürlich auch verheerende Brände passiert in allen Städten, es gibt keine in Anführungszeichen Großstadt der Welt, wo nicht verheerend schon mal irgendwas abgebrannt worden ist… </p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Und so versuchte man, diesem Problem mit Bauordnungen zu Leibe zu rücken. Darin wurde zum Beispiel geregelt, dass Dächer mit Schindeln statt mit Stroh zu decken waren, oder es wurden Mindestabstände zwischen Gebäuden vorgeschrieben. Durchaus mit Erfolg: Viele Dinge, die um 1500 festgelegt wurden, gelten auch heute noch, etwa in der Bayerischen Bauordnung.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK 6 </em></strong><em>(Ennio Morricone: Overture)</em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Paradoxerweise brannten gerade die beiden europäischen Metropolen, die die fortschrittlichsten Brandschutzvorkehrungen besaßen, noch einmal nieder: London im Jahr 1666 und Hamburg knapp zwei Jahrhunderte später, 1842. Allzu sehr hatte man sich durch die Errungenschaften in Sicherheit gewiegt. </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Traurig, aber wahr ist oft: dass erst nach großen Katastrophen ein Umdenken passiert. So war ein zentraler Wendepunkt für die Feuerwehrtechnik um den Großen Brand von London zu verzeichnen.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK 7 </em></strong><em>(Ennio Morricone: L’inferno bianco)</em></p>
<p><strong><em>ATMO: Schmiedewerkstatt</em></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Schon kurz zuvor, im Jahr 1650, gelang dem Nürnberger Zirkelschmied Hans Hautsch ein großer Wurf: er konstruierte eine Feuerspritze, die so massiv war, dass sie von drei Pferden gezogen werden musste. Achtundzwanzig Mann waren nötig, um sie mit vereinter Muskelkraft zu bedienen. Aber was sie vermochte, lohnte den Aufwand: Durch ein ausgeklügeltes technisches System konnte sie einen ununterbrochenen Löschwasserstrahl bis zu zwanzig Meter weit in die Flammen schleudern. </p>
<p> </p>
<p><strong><em>ATMO: Wasserstrahl ins Feuer</em></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Das war revolutionär. Die Menschen horchten auf. Waren Brände vielleicht doch etwas, das man bezwingen konnte?</p>
<p>Ähnliches Aufsehen erregte schon bald darauf eine andere Erfindung; sie kam aus Holland von einem Vater und Sohn namens van der Heyde. Die beiden analysierten die Katastrophe von London und gingen der Frage nach, wie man einen Brand künftig frühzeitig in den Griff bekommen könnte. Ein zentrales Problem, folgerten sie, waren Brände in Räumen, auf Türmen und allgemein an Stellen, wo man mit den Feuerspritzen nicht hinkam. Und sie kamen auf eine geniale Lösung: sogenannte „Schlangenspritzen“ aus Leder, sprich: Feuerwehrschläuche. Mit deren Hilfe konnte man nun bis in die Häuser vordringen. Und dank zusätzlicher Verstärkerpumpen in den Kirchtürmen ließ sich das Wasser sogar bis zum Turmhelm hinauf befördern.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK 8 </em></strong><em>(Ennio Morricone: Overture)</em></p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Dann, 1842, kam die Brandkatastrophe von Hamburg. Ein weiterer Wendepunkt der Feuerwehrgeschichte. Die Entwicklung der Löschgeräte schritt nun schon lange stetig voran; aber die Ohnmacht der Hamburger Brandabwehr zeigte, dass auch die Organisation stark verbesserungswürdig war.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Bis dahin hatte es in Deutschland nur Pflichtfeuerwehren gegeben: das heißt, Angehörige bestimmter Berufsgruppen wurden verpflichtet, Hilfe zu leisten, wenn es brannte. Doch das hieß nicht, dass es auch so war: manche kamen nicht rechtzeitig hin, andere nahmen lieber ein Bußgeld in Kauf, als sich aus dem Haus und in Gefahr zu begeben.</p>
<p> </p>
<p>Eine zündende Idee kam von einem Mann, der in vielfacher Weise die Geschichte der Feuerwehr prägen sollte: Carl Metz. Er plädierte für das Konzept einer Freiwilligenmannschaft – rekrutiert aus den damals aufkommenden Turnvereinen. Die Männer dort waren jung, kräftig und voller Tatendrang. So wurde in Durlach bei Karlsruhe im Jahr 1846 ein freiwilliges „Pompierkorps“ gegründet, bestehend aus 50 Mann. Für diese Truppe schuf Carl Metz dann auch erstmals die Bezeichnung „Feuerwehr“.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>MUSIK 9 </em></strong><em>(Keller Steff: Feierwehr )</em></p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong>SPRECHER</strong><strong></strong></p>
<p>Das Konzept der freiwilligen Helfer machte Schule. Auch in anderen Städten wurden ab jetzt Freiwillige Feuerwehren gegründet. </p>
<p>[In München – heute Stadt mit einer der bestbestückten Feuerwehren Deutschlands – brauchte es dafür allerdings mehrere Anläufe, wie Markus Zawadke weiß:</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ZUSPIELER 3 (O Zawadke)</em></strong></p>
<p>München hatte drei Ansätze gemacht zur Feuerwehrgründung bis eine Freiwillige Feuerwehr endlich sich gründen konnte. Weil die die ersten zwei haben sie gleich einmal verboten. Der berühmteste existiert heute noch, der TSV 1860. Der hat tatsächlich 1860 als Turnermannschaft versucht, die erste Feuerwehr zu gründen. Also man kann eigentlich sogar tatsächlich sagen die Sechziger wären die erste Feuerwehr gewesen, wenn sie nicht gleich verboten worden wären. Wegen politischer Umtriebe.]</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Der Große Brand von Hamburg brachte auch den Berliner Magistrat zum Nachdenken. Die Stadt, so befand er, braucht Feuerwachen mit Personal, das rund um die Uhr einsatzbereit ist. So wurde dort im Jahr 1851 die erste Berufsfeuerwehr gegründet. Das heißt: die Feuerwehrleute waren rund um die Uhr in Schichten eingeteilt; sie waren von der Stadt angestellt und bekamen ein festes Gehalt.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>So ruht das Konzept der Nothilfe in etlichen europäischen Ländern seither auf zwei Säulen: den freiwilligen und den Berufsfeuerwehren – das sind die Länder Deutschland, Österreich, die Schweiz und Polen. In Deutschland gibt es heute die Vorschrift, dass jede größere Stadt – meist ab 100.000 Einwohnern – eine Berufsfeuerwehr haben muss. Dennoch stellen die freiwilligen bei weitem den größten Teil der Helferinnen und Helfer: auf 35.000 Berufsfeuerwehrleute kommen gut eine Million Ehrenamtliche.</p>
<p> </p>
<p>Damit die Feuerwehr ausrücken kann, muss sie natürlich erst einmal erfahren, dass und wo es brennt. </p>
<p> </p>
<p><strong><em>ATMO: Reiter galoppiert</em></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Die Städte bezahlten nun auch Feuerboten. Teilweise bis in die 1930er Jahre gab es solche Boten, die zu Pferde oder später auch per Fahrrad zur Feuerwache eilten und Bescheid gaben. Das dauerte natürlich oft viel zu lange. Wieder einmal war Berlin Vorreiter mit einer Neuerung: zusammen mit der Gründung der Berufsfeuerwehr konnte dort auch gleich eine neue Meldetechnik an den Start gehen: Feuermelder, die per Telegrafie funktionierten, anfangs noch per Morsealphabet. In der gesamten Stadt baute man ein Netz aus automatischen Meldern auf. Jeder, der ein Feuer bemerkte, konnte nun per Knopfdruck die Feuerwehr alarmieren – eine segensreiche Erfindung, die sich lange hielt:</p>

<p><strong><em>ZUSPIELER 5 (O Zawadke)</em></strong></p>
<p>Grad um von 1860, 70 bis weit, also sogar in den 1950er 60er 70er-Jahren noch waren also diese Feuermelder an allen Ecken und Enden gestanden, Druckknopfmelder, wo man so reindrücken konnte und dann die Feuerwehr alarmieren konnte. Es gab da eben Lochstreifen und dann hat man anhand der Lochstreifen genau feststellen können: Ah, das ist der Feuermelder sowieso in der Straße sowieso. Und dann ist da die Feuerwehr hingeschickt worden. </p>
<p><em> </em></p>
<p><strong><em>ATMO: Sirene</em></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Viele kennen die allgegenwärtigen Kästchen mit dem Druckknopf noch gut. Inzwischen hat das Handy die fest installierten Melder weitgehend überflüssig gemacht.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Um ein Feuer löschen zu können, muss man natürlich erstmal so schnell wie möglich zur Brandstelle gelangen. Schon zu Zeiten der Pferdefuhrwerke gab es dafür eine ausgeklügelte Strategie. Die Münchner Hauptfeuerwache, erbaut 1902, wurde noch für die Fuhrwerke konstruiert. Der Pressesprecher der Münchner Feuerwehr, Florian Hörhammer, erzählt:</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ZUSPIELER 6 (Hörhammer)</em></strong></p>
<p>Hier waren Ställe und dementsprechend auch dort genau dort, wo jetzt die hochmodernen Fahrzeuge stehen, standen zu dieser Zeit Kutschen. Bei einem Alarm haben sich also die Boxentüren automatisch geöffnet, Pferdeboxen-Türen, die Pferde waren annähernd zirkusreif, also sie haben sich dann vor der richtigen Kutsche eingefunden, und an der Decke hingen dann dementsprechend die sogenannten Klapp-Geschirre, die dann halt von einer Mannschaft geschlossen wurde(n), weil es musste erst eingespannt werden.</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ATMO: Fuhrwerk rückt aus, Glocken </em></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Das ging alles schon sehr schnell – so schnell, dass es heute im Durchschnitt nur eine Minute länger dauert, bis die Fahrzeuge die Wache verlassen haben.</p>
<p>Auf dem Land dagegen sah das schon anders aus. Da standen die Pferde nicht parat. Sie wurden von den Bauern oder Fuhrunternehmern gestellt. Und die hatten nicht unbedingt Interesse, ihre Arbeit von jetzt auf gleich liegen zu lassen, um die Pferde zum Einsatz zu schicken. Markus Zawadke vom Feuerwehrmuseum Bayern:</p>
<p> </p>
<p><strong><em>ZUSPIELER 7 (O-Ton Zawadke)</em></strong><strong><em></em></strong></p>
<p><em> </em></p>
<p> </p>
<p>Das war natürlich das größte Problem in Zeiten, wo es noch mit der Pferdekutsche war; jetzt hatte man sich da verschiedene Systeme ausgedacht, dass die Bauern in der Regel oder die Fuhrunternehmer, dass die möglichst schnell ans Gerätehaus kommen und dann anspannen. Und jetzt hat man natürlich nicht sagen können: der erste kriegt das Geld, weil dann weiß der eine oder andere: hm, wenn i der zwoate bin, kriag i nix. Also in der Regel war es so: der erste hat Geld bekommen, der zweite hat noch ein Geld bekommen und auch vielleicht der dritte hat noch ein Geld bekommen. Aber halt immer in Abstufungen weniger, sodass die halt nicht leer ausgegangen sind, wenn sie halt nicht anspannen konnten, weil man halt damit verhindern wollte, dass der eine oder andere sagt: woaßt was, i bin so weit weg. Das hat kein Zopf, ich fahre da nicht hin. Also man hat ja schon auch bisschen einen gesunden Wettbewerb damit gefördert, dass es möglichst schnell geht. </p>

<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>WirTier (1): Wespenschwärmerei</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wirtier-1-wespenschwaermerei/2106354</link>
      <pubDate>Mon, 25 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">32da1ac2-e0e9-4b4a-89c3-1563c3c43f09</guid>
      <description>Erik wird gerufen, um sie zu töten. Doch dann passiert dieser eine Moment, in dem der Schädlingsbekämpfer zum ersten Mal spürt, dass Wespen soziale Wesen sind. Bei WirTier erzählt Erik von seiner lebensverändernden Begegnung und stellt Host Vici vor eine Herausforderung, bei der es für die Wespen um alles geht. 

CREDITS:
Gast: Erik Ahlborn, Wespenberater und Naturpädagoge
Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel
Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel
Redaktion: Bernhard Kastner
Technik: Stefan Oberle
Musik: Dagmar Petrus 
Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner
Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel
 
Herzlichen Dank für die Unterstützung bei dieser Folge und der Formatentwicklung: Dennis Müller, Franziska Konitzer und Philipp Artelt
Danke ans BR-Storyteam: Till Ottlitz und Florian Nöhbauer
Danke ans BR-Qualitätsmanagement: Veronika Wagner und Alexander Loos 
 
Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
Und wenn ihr uns schreiben wollt - zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de
Wir freuen uns! 
 
Das Manuskript von WirTier (1): Wespenschwärmerei findet ihr hier: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskript-radiowissen-tier-mensch-beziehung-wespe-umwelt-insekten-nuetzlinge-garten-100.html
 
LINKS:
Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:
Wespen mögen manchmal nervig sein, sind aber wichtig für die Natur - um solche und andere spannende Fakten geht&apos;s im ARD-Garten-Podcast &quot;Komm mit in den Garten&quot;. Dort nimmt Nadine Witt Euch mit auf eine Reise durchs Gartenjahr, spricht über Erfolge und lernt aus Misserfolgen. Dabei trifft sie Experten, die sie rund um Pflanzen, Beete aber zu auch tierischen Mitbewohnern im Garten beraten. Lust auf mehr Naturwissen, praktische Gartentipps und überraschende Aha-Momente? Dann hört rein in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt: https://1.ard.de/gartenpodcast
 
Mehr Infos über Wespen ...
... und Tipps zum richtigen Umgang mit den Insekten findet ihr beim bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz): www.lbv.de/wespen 
Sowie beim BUND: https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/wespen/ 
Erik Ahlborn ist aktuell als Wespenberater leider nicht mehr aktiv. 
 
Außerdem bei ARD Alpha:
Insektenstiche - So verhindert ihr Stiche von Wespe, Hummel und Biene
Die wichtigste Regel: Fuchtelt nicht herum! Regel Nummer zwei: Entfernt Wespennester nicht selbst. Die Tiere stehen unter Artenschutz.
 
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insektenstiche-so-vermeiden-sie-angriffe-von-wespe-hummel-biene-100.html
Wie sehen Biene, Wespe, Hornisse, Hummel eigentlich von ganz nah aus? 
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insekten-stiche-bienen-wespen-hummeln-hornissen-stachel-100.html
Wie gefährlich ist die &quot;große Wespe&quot;, die Hornisse, eigentlich? Sie ist in etwa doppelt so groß wie ihre Verwandte, die Wespe. Aber keine Panik - größer bedeutet nicht aggressiver oder giftiger!
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/hornisse-stich-gift-wespe-insekten-100.html
 
Und auch bei Radiowissen findet ihr viele spannende Tier- und Naturthemen: 
Hornissen - Die Falken unter den Wespen
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hornissen-die-falken-unter-den-wespen/bayern-2/78751484/
Auch sie kommen in unserer ersten WirTier-Folge vor: die Hornissen. Sie sind die größten der bei uns heimischen Wespen und streng geschützt. Hornissen sind einerseits die &apos;großen Schwestern der Wespen‘ und zugleich auch deren großen Feinde, denn Hornissen sind äußerst erfolgreiche Insektenjäger. Sie vertilgen aber auch Stechmücken und Fliegen und andere sogenannte Schadinsekten.   
 
Die Wespe - Ungeliebtes Insekt mit großem Nutzfaktor
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wespe-ungeliebtes-insekt-mit-grossem-nutzfaktor/bayern-2/78751134/
Die Wespen aus naturwissenschaftlich-biologischer Sicht: Hier findet ihr noch weitere interessante Fakten zum Leben der Wespen.
 
Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/
Eine natürliche Wiese bietet unzähligen Insektenarten Lebensraum. Ob in der Erde, an der Oberflächen oder in den Gräsern und Blüten: zahlreiche krabbelnde und fliegende Insekten halten das System Wiese am Laufen. Ein jedes Lebewesen erfüllt in diesem Netzwerk eine wichtige Funktion, ein eng miteinander verbundenes Lebenssystem, das wir erst langsam zu verstehen beginnen. 
 
Superorganismen im Tierreich - Alles Natur!
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/superorganismen-im-tierreich-alles-natur/bayern-2/94658124/
Insekten sind die wahren Superorganismen im Tierreich: Mit ihren unzähligen Individuen funktionieren diese hochdifferenzierten Systeme, weil jedes Tier seine feste Aufgabe im Insektenstaat hat. Interessanterweise können sich diese Aufgaben bei manchen Arten im Lauf des Lebens aber auch wieder ändern. Wie genau diese Superorganismen funktionieren, wie Aufgaben verteil werden und wie untereinander kommuniziert wird: das alles beginnt man erst langsam zu verstehen.</description>
      <enclosure length="47303085" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106354/c/feed/wirtier-1-wespenschwaermerei.mp3"/>
      <itunes:duration>00:49:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Marciniak/Bretzel/Hübel/Kastner</itunes:author>
      <itunes:summary>Erik wird gerufen, um sie zu töten. Doch dann passiert dieser eine Moment, in dem der Schädlingsbekämpfer zum ersten Mal spürt, dass Wespen soziale Wesen sind. Bei WirTier erzählt Erik von seiner lebensverändernden Begegnung und stellt Host Vici vor eine Herausforderung, bei der es für die Wespen um alles geht. 

CREDITS:
Gast: Erik Ahlborn, Wespenberater und Naturpädagoge
Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel
Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel
Redaktion: Bernhard Kastner
Technik: Stefan Oberle
Musik: Dagmar Petrus 
Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner
Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel
 
Herzlichen Dank für die Unterstützung bei dieser Folge und der Formatentwicklung: Dennis Müller, Franziska Konitzer und Philipp Artelt
Danke ans BR-Storyteam: Till Ottlitz und Florian Nöhbauer
Danke ans BR-Qualitätsmanagement: Veronika Wagner und Alexander Loos 
 
Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
Und wenn ihr uns schreiben wollt - zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de
Wir freuen uns! 
 
Das Manuskript von WirTier (1): Wespenschwärmerei findet ihr hier: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskript-radiowissen-tier-mensch-beziehung-wespe-umwelt-insekten-nuetzlinge-garten-100.html
 
LINKS:
Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:
Wespen mögen manchmal nervig sein, sind aber wichtig für die Natur - um solche und andere spannende Fakten geht&apos;s im ARD-Garten-Podcast &quot;Komm mit in den Garten&quot;. Dort nimmt Nadine Witt Euch mit auf eine Reise durchs Gartenjahr, spricht über Erfolge und lernt aus Misserfolgen. Dabei trifft sie Experten, die sie rund um Pflanzen, Beete aber zu auch tierischen Mitbewohnern im Garten beraten. Lust auf mehr Naturwissen, praktische Gartentipps und überraschende Aha-Momente? Dann hört rein in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt: https://1.ard.de/gartenpodcast
 
Mehr Infos über Wespen ...
... und Tipps zum richtigen Umgang mit den Insekten findet ihr beim bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz): www.lbv.de/wespen 
Sowie beim BUND: https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/wespen/ 
Erik Ahlborn ist aktuell als Wespenberater leider nicht mehr aktiv. 
 
Außerdem bei ARD Alpha:
Insektenstiche - So verhindert ihr Stiche von Wespe, Hummel und Biene
Die wichtigste Regel: Fuchtelt nicht herum! Regel Nummer zwei: Entfernt Wespennester nicht selbst. Die Tiere stehen unter Artenschutz.
 
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insektenstiche-so-vermeiden-sie-angriffe-von-wespe-hummel-biene-100.html
Wie sehen Biene, Wespe, Hornisse, Hummel eigentlich von ganz nah aus? 
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insekten-stiche-bienen-wespen-hummeln-hornissen-stachel-100.html
Wie gefährlich ist die &quot;große Wespe&quot;, die Hornisse, eigentlich? Sie ist in etwa doppelt so groß wie ihre Verwandte, die Wespe. Aber keine Panik - größer bedeutet nicht aggressiver oder giftiger!
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/hornisse-stich-gift-wespe-insekten-100.html
 
Und auch bei Radiowissen findet ihr viele spannende Tier- und Naturthemen: 
Hornissen - Die Falken unter den Wespen
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hornissen-die-falken-unter-den-wespen/bayern-2/78751484/
Auch sie kommen in unserer ersten WirTier-Folge vor: die Hornissen. Sie sind die größten der bei uns heimischen Wespen und streng geschützt. Hornissen sind einerseits die &apos;großen Schwestern der Wespen‘ und zugleich auch deren großen Feinde, denn Hornissen sind äußerst erfolgreiche Insektenjäger. Sie vertilgen aber auch Stechmücken und Fliegen und andere sogenannte Schadinsekten.   
 
Die Wespe - Ungeliebtes Insekt mit großem Nutzfaktor
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wespe-ungeliebtes-insekt-mit-grossem-nutzfaktor/bayern-2/78751134/
Die Wespen aus naturwissenschaftlich-biologischer Sicht: Hier findet ihr noch weitere interessante Fakten zum Leben der Wespen.
 
Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/
Eine natürliche Wiese bietet unzähligen Insektenarten Lebensraum. Ob in der Erde, an der Oberflächen oder in den Gräsern und Blüten: zahlreiche krabbelnde und fliegende Insekten halten das System Wiese am Laufen. Ein jedes Lebewesen erfüllt in diesem Netzwerk eine wichtige Funktion, ein eng miteinander verbundenes Lebenssystem, das wir erst langsam zu verstehen beginnen. 
 
Superorganismen im Tierreich - Alles Natur!
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/superorganismen-im-tierreich-alles-natur/bayern-2/94658124/
Insekten sind die wahren Superorganismen im Tierreich: Mit ihren unzähligen Individuen funktionieren diese hochdifferenzierten Systeme, weil jedes Tier seine feste Aufgabe im Insektenstaat hat. Interessanterweise können sich diese Aufgaben bei manchen Arten im Lauf des Lebens aber auch wieder ändern. Wie genau diese Superorganismen funktionieren, wie Aufgaben verteil werden und wie untereinander kommuniziert wird: das alles beginnt man erst langsam zu verstehen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/40f509fb-d74b-4dfb-b971-bd784370cd53.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Erik wird gerufen, um sie zu töten. Doch dann passiert dieser eine Moment, in dem der Schädlingsbekämpfer zum ersten Mal spürt, dass Wespen soziale Wesen sind. Bei WirTier erzählt Erik von seiner lebensverändernden Begegnung und stellt Host Vici vor eine Herausforderung, bei der es für die Wespen um alles geht. 

CREDITS:
Gast: Erik Ahlborn, Wespenberater und Naturpädagoge
Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel
Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel
Redaktion: Bernhard Kastner
Technik: Stefan Oberle
Musik: Dagmar Petrus 
Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner
Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel
 
Herzlichen Dank für die Unterstützung bei dieser Folge und der Formatentwicklung: Dennis Müller, Franziska Konitzer und Philipp Artelt
Danke ans BR-Storyteam: Till Ottlitz und Florian Nöhbauer
Danke ans BR-Qualitätsmanagement: Veronika Wagner und Alexander Loos 
 
Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.
Und wenn ihr uns schreiben wollt - zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de
Wir freuen uns! 
 
Das Manuskript von WirTier (1): Wespenschwärmerei findet ihr hier: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskript-radiowissen-tier-mensch-beziehung-wespe-umwelt-insekten-nuetzlinge-garten-100.html
 
LINKS:
Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:
Wespen mögen manchmal nervig sein, sind aber wichtig für die Natur - um solche und andere spannende Fakten geht's im ARD-Garten-Podcast "Komm mit in den Garten". Dort nimmt Nadine Witt Euch mit auf eine Reise durchs Gartenjahr, spricht über Erfolge und lernt aus Misserfolgen. Dabei trifft sie Experten, die sie rund um Pflanzen, Beete aber zu auch tierischen Mitbewohnern im Garten beraten. Lust auf mehr Naturwissen, praktische Gartentipps und überraschende Aha-Momente? Dann hört rein in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt: https://1.ard.de/gartenpodcast
 
Mehr Infos über Wespen ...
... und Tipps zum richtigen Umgang mit den Insekten findet ihr beim bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz): www.lbv.de/wespen 
Sowie beim BUND: https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/wespen/ 
Erik Ahlborn ist aktuell als Wespenberater leider nicht mehr aktiv. 
 
Außerdem bei ARD Alpha:
Insektenstiche - So verhindert ihr Stiche von Wespe, Hummel und Biene
Die wichtigste Regel: Fuchtelt nicht herum! Regel Nummer zwei: Entfernt Wespennester nicht selbst. Die Tiere stehen unter Artenschutz.
 
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insektenstiche-so-vermeiden-sie-angriffe-von-wespe-hummel-biene-100.html
Wie sehen Biene, Wespe, Hornisse, Hummel eigentlich von ganz nah aus? 
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insekten-stiche-bienen-wespen-hummeln-hornissen-stachel-100.html
Wie gefährlich ist die "große Wespe", die Hornisse, eigentlich? Sie ist in etwa doppelt so groß wie ihre Verwandte, die Wespe. Aber keine Panik - größer bedeutet nicht aggressiver oder giftiger!
https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/hornisse-stich-gift-wespe-insekten-100.html
 
Und auch bei Radiowissen findet ihr viele spannende Tier- und Naturthemen: 
Hornissen - Die Falken unter den Wespen
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hornissen-die-falken-unter-den-wespen/bayern-2/78751484/
Auch sie kommen in unserer ersten WirTier-Folge vor: die Hornissen. Sie sind die größten der bei uns heimischen Wespen und streng geschützt. Hornissen sind einerseits die 'großen Schwestern der Wespen‘ und zugleich auch deren großen Feinde, denn Hornissen sind äußerst erfolgreiche Insektenjäger. Sie vertilgen aber auch Stechmücken und Fliegen und andere sogenannte Schadinsekten.   
 
Die Wespe - Ungeliebtes Insekt mit großem Nutzfaktor
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wespe-ungeliebtes-insekt-mit-grossem-nutzfaktor/bayern-2/78751134/
Die Wespen aus naturwissenschaftlich-biologischer Sicht: Hier findet ihr noch weitere interessante Fakten zum Leben der Wespen.
 
Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/
Eine natürliche Wiese bietet unzähligen Insektenarten Lebensraum. Ob in der Erde, an der Oberflächen oder in den Gräsern und Blüten: zahlreiche krabbelnde und fliegende Insekten halten das System Wiese am Laufen. Ein jedes Lebewesen erfüllt in diesem Netzwerk eine wichtige Funktion, ein eng miteinander verbundenes Lebenssystem, das wir erst langsam zu verstehen beginnen. 
 
Superorganismen im Tierreich - Alles Natur!
https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/superorganismen-im-tierreich-alles-natur/bayern-2/94658124/
Insekten sind die wahren Superorganismen im Tierreich: Mit ihren unzähligen Individuen funktionieren diese hochdifferenzierten Systeme, weil jedes Tier seine feste Aufgabe im Insektenstaat hat. Interessanterweise können sich diese Aufgaben bei manchen Arten im Lauf des Lebens aber auch wieder ändern. Wie genau diese Superorganismen funktionieren, wie Aufgaben verteil werden und wie untereinander kommuniziert wird: das alles beginnt man erst langsam zu verstehen.</p><p>CREDITS:</p>
<p>Gast: Erik Ahlborn, Wespenberater und Naturpädagoge</p>
<p>Hosts und Reporter: Victoria Marciniak und Julius Bretzel</p>
<p>Dramaturgie und Regie: Katharina Hübel</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Technik: Stefan Oberle</p>
<p>Musik: Dagmar Petrus </p>
<p>Distribution: Alexandra Klockau, Celine Frohnapfel, Katharina Hübel und Bernhard Kastner</p>
<p>Idee und Konzeption: Bernhard Kastner und Katharina Hübel</p>

<p>Herzlichen Dank für die Unterstützung bei dieser Folge und der Formatentwicklung: Dennis Müller, Franziska Konitzer und Philipp Artelt</p>
<p>Danke ans BR-Storyteam: Till Ottlitz und Florian Nöhbauer</p>
<p>Danke ans BR-Qualitätsmanagement: Veronika Wagner und Alexander Loos </p>

<p>Wir Tier ist eine Produktion der Redaktion Grundbildung, Geschichte und Gesellschaft des Bayerischen Rundfunks 2025.</p>

<p>Und wenn ihr uns schreiben wollt – zum Beispiel von euren Mensch-Tier-Begegnungen: wir-tier@br.de</p>
<p>Wir freuen uns! </p>
<p>Das <strong>Manuskript von WirTier (1): Wespenschwärmerei </strong>findet ihr<strong> <a title="Zum Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskript-radiowissen-tier-mensch-beziehung-wespe-umwelt-insekten-nuetzlinge-garten-100.html">HIER</a>. </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>LINKS:</p>
<p>Wir haben noch einen Podcast-Tipp für euch:</p>
<p>Wespen mögen manchmal nervig sein, sind aber wichtig für die Natur - um solche und andere spannende Fakten geht&#39;s im ARD-Garten-Podcast „Komm mit in den Garten“. Dort nimmt Nadine Witt Euch mit auf eine Reise durchs Gartenjahr, spricht über Erfolge und lernt aus Misserfolgen. Dabei trifft sie Experten, die sie rund um Pflanzen, Beete aber zu auch tierischen Mitbewohnern im Garten beraten. Lust auf mehr Naturwissen, praktische Gartentipps und überraschende Aha-Momente? Dann hört rein in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt: <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/gartenpodcast">https://1.ard.de/gartenpodcast</a></p>

<p>Mehr Infos über Wespen …</p>
<p>… und Tipps zum richtigen Umgang mit den Insekten findet ihr beim bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz): <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-garten/insekten-im-garten/wespen/">www.lbv.de/wespen</a> </p>
<p>Sowie beim BUND: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/wespen/ ">https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/tiere/insekten/wespen/ </a></p>
<p>Erik Ahlborn ist aktuell als Wespenberater leider nicht mehr aktiv. </p>

<p>Außerdem bei ARD Alpha:</p>
<p>Insektenstiche - So verhindert ihr Stiche von Wespe, Hummel und Biene</p>
<p>Die wichtigste Regel: Fuchtelt nicht herum! Regel Nummer zwei: Entfernt Wespennester nicht selbst. Die Tiere stehen unter Artenschutz.</p>
<p><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insektenstiche-so-vermeiden-sie-angriffe-von-wespe-hummel-biene-100.html">https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insektenstiche-so-vermeiden-sie-angriffe-von-wespe-hummel-biene-100.html</a></p>

<p>Wie sehen Biene, Wespe, Hornisse, Hummel eigentlich von ganz nah aus? </p>
<p><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insekten-stiche-bienen-wespen-hummeln-hornissen-stachel-100.html">https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/insekten-stiche-bienen-wespen-hummeln-hornissen-stachel-100.html</a></p>

<p>Wie gefährlich ist die &quot;große Wespe&quot;, die Hornisse, eigentlich? Sie ist in etwa doppelt so groß wie ihre Verwandte, die Wespe. Aber keine Panik – größer bedeutet nicht aggressiver oder giftiger!</p>
<p><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/hornisse-stich-gift-wespe-insekten-100.html">https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/insekten/hornisse-stich-gift-wespe-insekten-100.html</a></p>

<p>Und auch bei Radiowissen findet ihr viele spannende Tier- und Naturthemen: </p>
<p>Hornissen - Die Falken unter den Wespen</p>
<p><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hornissen-die-falken-unter-den-wespen/bayern-2/78751484/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hornissen-die-falken-unter-den-wespen/bayern-2/78751484/</a></p>
<p>Auch sie kommen in unserer ersten WirTier-Folge vor: die Hornissen. Sie sind die größten der bei uns heimischen Wespen und streng geschützt. Hornissen sind einerseits die ‚großen Schwestern der Wespen‘ und zugleich auch deren großen Feinde, denn Hornissen sind äußerst erfolgreiche Insektenjäger. Sie vertilgen aber auch Stechmücken und Fliegen und andere sogenannte Schadinsekten.   </p>

<p>Die Wespe - Ungeliebtes Insekt mit großem Nutzfaktor</p>
<p><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wespe-ungeliebtes-insekt-mit-grossem-nutzfaktor/bayern-2/78751134/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-wespe-ungeliebtes-insekt-mit-grossem-nutzfaktor/bayern-2/78751134/</a></p>
<p>Die Wespen aus naturwissenschaftlich-biologischer Sicht: Hier findet ihr noch weitere interessante Fakten zum Leben der Wespen.</p>

<p>Insektenvielfalt auf der Wiese - Eine Welt für sich</p>
<p><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/insektenvielfalt-auf-der-wiese-eine-welt-fuer-sich/bayern-2/10400889/</a></p>
<p>Eine natürliche Wiese bietet unzähligen Insektenarten Lebensraum. Ob in der Erde, an der Oberflächen oder in den Gräsern und Blüten: zahlreiche krabbelnde und fliegende Insekten halten das System Wiese am Laufen. Ein jedes Lebewesen erfüllt in diesem Netzwerk eine wichtige Funktion, ein eng miteinander verbundenes Lebenssystem, das wir erst langsam zu verstehen beginnen. </p>

<p>Superorganismen im Tierreich - Alles Natur!</p>
<p><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/superorganismen-im-tierreich-alles-natur/bayern-2/94658124/">https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/superorganismen-im-tierreich-alles-natur/bayern-2/94658124/</a></p>
<p>Insekten sind die wahren Superorganismen im Tierreich: Mit ihren unzähligen Individuen funktionieren diese hochdifferenzierten Systeme, weil jedes Tier seine feste Aufgabe im Insektenstaat hat. Interessanterweise können sich diese Aufgaben bei manchen Arten im Lauf des Lebens aber auch wieder ändern. Wie genau diese Superorganismen funktionieren, wie Aufgaben verteil werden und wie untereinander kommuniziert wird: das alles beginnt man erst langsam zu verstehen. </p>

<p>Mehr über insektenfreundliche Gärten und viele weitere Tipps rund um Pflanzen, euren Garten oder Balkon findet ihr bei <a href="https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/querbeet/index.html">Querbeet</a>. Jeden zweiten Montag um 19 Uhr im BR Fernsehen. Alle Folgen findet ihr hier:<br/> <a href="https://www.ardmediathek.de/sendung/querbeet/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNlcmllcy9icm9hZGNhc3RTZXJpZXM6L2JyZGUvZmVybnNlaGVuL2JheWVyaXNjaGVzLWZlcm5zZWhlbi9zZW5kdW5nZW4vcXVlcmJlZXQ">Querbeet - alle verfügbaren Videos - jetzt streamen!</a></p>

 Zum Weiterhören:
Mit Tieren sprechen - Ein Podcast über die besondere Verständigung von Mensch und Tier von Natalie Putsche

&quot;Prolog, Ich und der Schwan&quot;: Es beginnt mit Liebeskummer. Natalie will alleine sein, setzt sich immer wieder an einen Teich. Dort lebt ein Schwan und langsam freunden sich die beiden an. 

<br/>
<a href="https://1.ard.de/ich-und-der-schwan">https://1.ard.de/ich-und-der-schwan</a>
<br/>Ein Leben ohne Tier ist möglich, aber sinnlos. Dieser abgewandelte Loriot-Satz stimmt für alle, die Host Natalie für ihren Podcast trifft. Aber wie kann es sein, dass sich Mensch und Tier so gut verstehen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen?]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Staudämme - Mauern für das Wasser</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/staudaemme-mauern-fuer-das-wasser-1/2109349</link>
      <pubDate>Mon, 25 Aug 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1a316322-6df4-4efb-a70a-eea4341b3c31</guid>
      <description>Wasser ist der Quell des Lebens - aber auch schier ungeahnter Kräfte. Talsperren mit ihren Wassermassen hinter hohen Staumauern und Staudämmen sind wichtiger Bestandteil unseres Wasserhaushalts. Sie können Überflutungen verhindern, die Mauern für das Wasser dürfen aber selbst nie brechen. Von Inga Pflug (BR 2023)   </description>
      <enclosure length="21437952" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109349/c/feed/staudaemme-mauern-fuer-das-wasser-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Pflug, Inga</itunes:author>
      <itunes:summary>Wasser ist der Quell des Lebens - aber auch schier ungeahnter Kräfte. Talsperren mit ihren Wassermassen hinter hohen Staumauern und Staudämmen sind wichtiger Bestandteil unseres Wasserhaushalts. Sie können Überflutungen verhindern, die Mauern für das Wasser dürfen aber selbst nie brechen. Von Inga Pflug (BR 2023)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5feb8fab-bd0a-4d19-bc9b-bba36a26baf8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wasser ist der Quell des Lebens - aber auch schier ungeahnter Kräfte. Talsperren mit ihren Wassermassen hinter hohen Staumauern und Staudämmen sind wichtiger Bestandteil unseres Wasserhaushalts. Sie können Überflutungen verhindern, die Mauern für das Wasser dürfen aber selbst nie brechen. Von Inga Pflug (BR 2023)   </p>
<p><strong>Credits<br/> </strong>Autorin dieser Folge: Inga Pflug<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Gabi Hinterstoisser, Christian Jungwirth<br/> Technik: Tim Höfer<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Thomas Keller, Leiter Wasserwirtschaftsamt Ansbach;<br/> Helga Pfitzinger-Schiele, Wasserwirtschaftsamt Ansbach;<br/> Professor Dr. Dirk Carstensen, Wasserbauingenieur. Technische Hochschule Nürnberg;<br/> Georg Simon Ohm, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft; Präsident des Deutschen Talsperrenkomitees;<br/> Dr. Martin Meiske, Experte für Wissenschafts-, Technik- und Umweltgeschichte am Deutschen Museum </p>
<p>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</p>
<p>Die Brooklyn Bridge - Die unglaubliche Geschichte ihrer Entstehung<br/> <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-brooklyn-bridge-die-unglaubliche-geschichte-ihrer-entstehung/bayern-2/10852625/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Martin Meiske, „Die Geburt des Geoengineerings“ – Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Beherrschbarkeit der Natur und bauliche Großprojekte als Lernorte des Menschen</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-staudaemme-mauern-wasser-staumauer-wasser-deich-damm-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Der Brombachsee im Fränkischen Seenland: Badestrände, Campingplätze und Freizeitanlagen, schattige Wälder, Bootsanlegestellen und Radwege locken hier Einheimische und Touristen an. Hier wird geangelt, dort gesurft oder mit dem Standup Paddle der See erkundet. Wasservögel ziehen hier ihre Bahnen, Wellen schwappen ans Ufer, 8,7 Millionen Quadratmeter Wasserfläche bietet allein der Große Brombachsee mit seinen gut fünf Kilometern Länge. Er ist damit fast so groß wie der bayerische Tegernsee …</p>
<p>MUSIK Bioreactor,  Science in motion, Backes, Daniel; Moslener, Peter, 0:33 Min)</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>… doch dieses Natur-Idyll ist nicht natürlich. Das wird an der Brombachsee-Ostseite deutlich: Große Steine säumen hier die Wasserkante – und auffällig gerade steigt hier eine Böschung empor. Nur mit Gras bewachsen und oben so breit, dass Fahrzeuge den Weg auf der Kuppe entlangfahren können. </p>
<p>Ganze 1,7 Kilometer erstreckt sich der hohe Wall von einer Uferseite zur anderen. Und beim Blick von oben auf die wasserabgewandte Seite hinunter wird klar: Dieser Wall bildet eine Wand und hindert die schier unvorstellbaren Wassermassen des Sees daran, sich ins darunterliegende Tal zu ergießen – es zu überfluten. Es ist der Hauptdamm des Brombachsees. </p>
<p>01 Pfitzinger-Schiele: </p>
<p>Hier sieht man schön diese Mächtigkeit des Dammes und eben auch diese Abstufung im Prinzip: Oben ist er schmäler und er wird dann immer breiter. Und das ist im Prinzip das Gewicht, das dann diesen Damm auch hält.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Erklärt Bauingenieurin Helga Pfitzinger-Schiele. Sie arbeitet beim Wasserwirtschaftsamt Ansbach und erklärt: Der Staudamm muss nicht nur Wind und Wetter trotzen, sondern auch 144 Millionen Kubikmeter Wasser im See halten. Also 144 Millionen mal 1.000 Liter. Zum Vergleich: Ein Schwimmbecken von 50 mal 20 Metern und 2 Metern Tiefe fasst zwei Millionen Liter Wasser. Das wären 72000 Schwimmbecken.</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Entsprechend hoch ist der Staudruck des Wassers.</p>
<p>Um das Wasser im Tal sicher zu stauen, sind für den Hauptdamm am Großen Brombachsee rund 3,5 Millionen Kubikmeter Erdreich nötig – das haben genaue Berechnungen ergeben. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Im Querschnitt sieht der Staudamm wie in Trapez aus. Also unten breit und oben schmal, bestehend aus mehreren Erd-Schichten. </p>
<p>02 Pfitzinger-Schiele: </p>
<p>Der hat in der Mitte im Prinzip einen Dichtkern und an diesem Dichtkern angelagert ist dann das homogene Material, dichte Material, und außen drauf, also das letzte dann, um im Prinzip das Gewicht auch für den Damm herzustellen, ist dann der Stützkörper. </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>… beschreibt Helga Pfitzinger-Schiele. Lapidar gesprochen sorgt der Stützkörper also dafür, dass das Wasser den Damm nicht wegschiebt. Auf einer Schemazeichnung sieht es aus, als lehnten Erdmassen von beiden Seiten an einer senkrecht stehenden Mauer. Wobei: </p>
<p>03 Keine Mauer:</p>
<p>Keine Mauer, sonders das ist auch Erdmaterial, aber hoch vergütet, also wirklich kaum durchlässig. Und das ist also dieser Dichtkern, so bezeichnen wir das, und außen ist dann im Prinzip noch vergütetes Material, Dichtmaterial und dann kommt der Stützkörper. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>36 Meter ist die künstliche Böschung hoch – unten 150 Meter breit. Und damit kein Wasser unter dem Damm hindurch laufen kann, ist auch der Sandstein unterhalb des Damms noch einmal abgedichtet: Ein bis zu 38 Meter tiefer Schlitz ist hier in den Untergrund gefräst und mit Beton verfüllt. So dass das Wasser, das der Staudamm quer zur Fließrichtung im Tal absperrt, insgesamt auf mehr als 70 Metern Höhe auf eine Barriere trifft. </p>
<p>MUSIK  (Drytech, Reduced and neutral - Music for film, Kreuzer, Anselm C.; Delmonte, Tony, 0:51)</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>So oder so ähnlich sehen Staudämme an Talsperren weltweit aus. Sie halten den Wassermassen quasi durch ihr Eigengewicht und den flachen Böschungswinkel Stand. Je höher das Wasser eingestaut werden soll, desto breiter muss auch der Damm werden. </p>
<p>04 Carstensen: </p>
<p>Also ich beschreibe es den Studierenden immer so: einen Meter nach oben, drei Meter nach rechts und die Schräge, die sich dadurch ergibt, so wäre der Damm dann jeweils geneigt. </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p> … erklärt der Wasserbauingenieur Professor Dirk Carstensen die Faustformel. Er lehrt an der Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Außerdem ist er Präsident des Deutschen Talsperrenkomitees</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Faustformel bedeutet auch: Da geht es ganz schön in die Breite. Bei 50 Metern Höhe schon 150 Meter Breite – auf beiden Seiten des Trapez‘. Die Kronenbreite dazu gerechnet, steht so ein Damm dann rund 315 Meter breit in der Landschaft. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Der Platzbedarf ist also enorm und nicht überall lassen sich solche schieren Massen an Material beschaffen oder hinbewegen. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wo kein geschütteter Staudamm zum Einsatz kommen kann, setzen Wasserbauingenieure auf massive Staumauern, die danach klassifiziert werden, wie sie den Wassermassen standhalten. Eine gängige Bauweise sind sogenannte Gewichtsstaumauern, beschreibt der Wasserbauingenieur: </p>
<p>06 Carstensen: </p>
<p>Die haben also eine relativ gerade Vorderfront und sie haben dann in der Regel eine Dreiecksform nach hinten. Was mit der eigentlichen Masse oder der Gewichtskraft zu begründen ist, dass das Ding gegen den Wasserdruck, der von der Wasserseite kommt, auch dort stehen bleibt und nicht weggeschoben werden kann. Das Wasser, wenn es in der Höhe da vor der Mauer steht, will es ja eigentlich die Mauer wegschieben. Und damit das nicht möglich ist, wird das Ding so gebaut. Es kippt dann nicht, das Ganze, durch diese Dreiecksform. Und es ist auch schwer genug, dass es stehenbleibt. Zusätzlich ist es natürlich an den Flanken und im Untergrund verankert. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Auch sogenannte Pfeiler-Staumauern tragen den Staudruck des Wassers dank ihres Eigengewichts in die Umgebung ab. Beide kommen in breiteren Tälern mit tragfähigem, felsigem Untergrund in der Talsohle in Betracht. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Bogen-Staumauern dagegen nutzen statisch-wirksame Formen, um dem Wasserdruck Stand zu halten: Ähnlich wie die Gewölbe von Kirchendächern leiten sie die Kräfte in die Umgebung ab, also in die Hänge oder Gebirgsflanken. Die Bogen-Staumauer selbst wölbt sich dabei dem Wasser entgegen. Im Vergleich zu Staudämmen wirken Staumauern geradezu zu filigran. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Gemeinsam haben die unterschiedlichen Formen der Absperrbauwerke aber vor allem eins: jedes ist ein Unikat, angepasst an seinen individuellen Standort, betont Dirk Carstensen.</p>
<p>07 Carstensen: </p>
<p>Man muss den Fluss angucken. Man muss das Tal angucken. Man muss eine vernünftige Basis haben für Stauraum und Größe des Bauobjektes. Die Standsicherheit ist eine ganz wichtige Frage; Nutzungen, die dann später damit verbunden sind. Und ich denke natürlich auch an viele ökologische Fragen. Aber ich will deswegen nicht sagen, dass wir keine Möglichkeiten hätten. Wir haben Möglichkeiten, um auch solche Objekte in Zukunft in Deutschland noch zu errichten.</p>
<p>MUSIK (ARD-Labelmusik Celestial red, Filled with wonder. Music for film, Koerner, Michi; Watzinger, Sebastian, 0:34 Min)</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Gründe für den Bau von Talsperren sind vielfältig: Staubecken nehmen Wasser auf und speichern es – und aus den Staubecken kann das gespeicherte Wasser dann wieder kontrolliert abgegeben werden. </p>
<p>Somit dienen Stauseen als Puffer und Zwischenspeicher bei Hochwasser – und bei Trockenheit können die Flusspegel unterhalb aus dem Reservoir gespeist werden. „Niedrigwassererhöhung“ ist hier der Fachbegriff. </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Aber das ist nicht das einzige. Mittels Wasserkraft kann Strom erzeugt werden. Und das Oberflächenwasser kann zu Trinkwasser aufbereitet werden – wie etwa an den Trinkwassertalsperren Mauthaus in Oberfranken oder Frauenau in Niederbayern.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Und noch etwas: Stauseen können dem Freizeitsport dienen, sind Erholungsgebiete, Tourismusmagnete und Wasserreservoir für Landwirtschaft und Industrie. </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Die Landschaft zu formen und ihre Wasserführung zu verändern – ein früher Wunsch der Menschheit: </p>
<p>08 OT Meiske: </p>
<p>Zu den ältesten bekannten Dammprojekten, wenn man so möchte, gehören jene, die so am Euphrat und Tigris, in Mesopotamien und im Mittleren Osten so um 3.000 bis 2.500 vor unserer Zeitrechnung entstanden. Aber auch für die Zeit des römischen Imperiums so gerade im ersten und zweiten Jahrhundert sind einige antike Staudämme überliefert, …</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>… sagt Dr. Martin Meiske, Experte für Wissenschafts-, Technik- und Umweltgeschichte am Deutschen Museum. </p>
<p>09 OT Meiske: </p>
<p>Also vor allem in den Provinzen des Imperiums, die im heutigen Nordafrika, Vorderasien, aber eben auch auf der iberischen Halbinsel liegen. Das heißt, wir haben auch heute noch zumindest in Teilen erhaltene Dämme, die in Spanien zu finden sind. Und jetzt mal so, um einige Beispiele aus dieser antiken Kategorie zu nennen, es gibt den See von Homs in Syrien oder die Proserpina-Talsperre in Spanien, die sind noch erhalten, oder da gibt es zum Teil dann eben modernere Überbauten, die man sich anschauen kann.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Diese frühen Bauwerke – meist Stein- oder Erdschüttdämme – dienten wohl vor allem der Bewässerung und sollten vor der zerstörerischen Kraft des Wassers bei Überflutungen schützen. </p>
<p>MUSIK (In carta, Neo String Quartet, Le procédé Rodesco / Letort, 0:18 Min)</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts dürfte es dagegen das Verlangen nach der energetischen Kraft des Wassers sein, die das Interesse an Talsperren intensiviert: </p>
<p>10 Meiske: </p>
<p>Wir befinden uns in dieser Hochphase der Elektrifizierung: beleuchtete Städte, elektrische Antriebe, Transformation in Industrie und Mobilität. In der Zeit werden eben diese größeren Wasserturbinen auch entwickelt, und in Kombination mit entsprechenden Generatoren kann man dann größere Mengen an Strom produzieren. Und natürlich entwickeln sich diese Baumaterialien auch weiter. Ja, also, es werden in dieser Zeit im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts Unmengen an Beton genutzt und dessen Einsatz und Qualität entwickelt sich Anfang des 20. Jahrhunderts natürlich deutlich. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>1924 wird im Süden Deutschlands das Walchensee-Kraftwerk fertiggestellt, das heute als Wiege der industriellen Stromerzeugung in Bayern gilt; in den 1950ern entsteht im Allgäu durch den Roßhaupten-Damm schließlich der Forggensee, der flächenmäßig größte Stausee Deutschlands.</p>
<p>11 Meiske: </p>
<p>Es gibt einen ganz großen Antrieb in den 30er und 40er Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks. Aber die Hochphase ist tatsächlich eher so in den Fünfziger und 70er-Jahren also, was man jetzt im gemeinhin so als die Zeit der großen Beschleunigung, des globalen Wirtschaftswachstums und der Ressourcenmobilisierung beschreibt. Und dafür ist eben Wasserkraft auch ein Teil davon. </p>
<p>MUSIK (Checkless progress (b), Engineering science, Jebsen, Lars, 0:27 Min)</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Das weltweite Talsperrenregister der Internationale Kommission für große Talsperren listet mehr als 59.000 große Talsperren. </p>
<p>Als „groß“ gilt eine Talsperre dann, wenn es vom tiefsten Punkt der Gründung bis zur Krone des Damms mehr als 15 Meter sind. Oder auch, wenn mehr als drei Millionen Kubikmeter Wasser gestaut werden. </p>
<p>Maßstäbe, die die mittlerweile gebauten oder geplanten Absperrbauten längst übertreffen: 300 Meter und mehr messen die höchsten Bauwerke auf der Liste der Internationalen Kommission.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Damit sind sie zwar „nur“ so hoch wie etwa der Eiffelturm in Paris – doch die Absperrwerke stehen ja eben nicht frei in der Luft, sondern stemmen sich riesigen und somit gewichtigen Wasserreservoirs entgegen. Die Volumina der Speichervermögen sind so groß, dass sie nicht in Millionen, sondern in Milliarden Kubikmetern angegeben werden. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Und – auch das gehört zur Wahrheit über Talsperren: Die Bauwerke bringen nicht nur Licht, sondern auch Schatten in die Täler: </p>
<p>12 Meiske: </p>
<p>Weil diese Eingriffe natürlich starke Nebeneffekte haben wie Erosion, Abfall von Grundwasser in den Regionen…</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>…sagt Technik- und Umwelthistoriker Martin Meiske – aber nicht nur das:</p>
<p>13 Meiske: </p>
<p>Man schätzt so ungefähr, dass so 40 bis 80 Millionen Menschen inzwischen umgesiedelt werden mussten. Oft ist es auch so, dass die ländlichen Gemeinden, die dann da häufig ja betroffen sind, auch andere Formen der Landschaftsnutzung oder auch der Wassernutzung haben, die damit in Konflikt stehen, mit diesen Ausbauten. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>… die dann aber den Wassermassen weichen müssen.</p>
<p>14 Meiske: </p>
<p>Das sind ja oft ländliche Gemeinschaften, teils indigene Communities. Das sind dann ganz asymmetrische Machtkonflikte mit großen Unternehmen, mit Staaten, die sozusagen dann diesen Ausbau vorantreiben. Und da werden natürlich auch nicht zuletzt die Agrarflächen und Flussläufe, sondern auch so erinnerungskulturell bedeutende Stätten durchschnitten oder überflutet. Und das ist auch Teil des Konflikts.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Dazu kommen Auswirkungen auf das Ökosystem, wenn aus Feldern und Wiesen plötzlich Seen werden – oder Flussbetten nicht mehr trockenfallen. In aufgestauten Seen können sich Mückenlarven vermehren, die Krankheiten übertragen. Künstliche Dauerbewässerung kann zu einer Versalzung des Bodens führen, und ausbleibendes Wasser unterhalb von Talsperren hat nicht nur Auswirkungen auf die Fischpopulationen und deren Wanderrouten, sondern auch auf die Menschen am Unterlauf der Flüsse, die gegebenenfalls vom Fischfang leben. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>In den 1990er-Jahren drängen Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen daher darauf, die sogenannte “World Commission on Dams“ einzusetzen. Das Expertengremium spricht in seinem Abschlussbericht im Jahr 2000 von einem positiven Effekt von Staudämmen auf die Entwicklung vieler Länder – denen aber oft enorme soziale und ökologische Schäden gegenüberstünden.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>In Bayern etwa fordern verschiedene Gemeinden einen Ausgleich für ihre Leistungen und die Nachteile, die für sie entstehen, weil sie Trinkwasser bereitstellen. Der Markt Nordhalben im Landkreis Kronach gehört zum Beispiel dazu: Auf seinem Gebiet liegt Bayerns erste Trinkwassertalsperre Mauthaus, auch Ködeltalsperre genannt. Sie versorgt 70 oberfränkische Kommunen mit Trinkwasser – die Lasten durch strenge Auflagen trage aber die wasserliefernde Kommune, so die Argumentation. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Nicht zuletzt gehört zur Geschichte der Dämme außerdem auch die Geschichte der Damm-Katastrophen. Deren Liste ist lang. Martin Meiske nennt als Beispiel etwa die Katastrophe von Vajont, in den 1960er-Jahren in Italien: </p>
<p>15 Meiske: </p>
<p>Durch den besonderen Druck, der auf das Tal entstanden war, gab es hier sozusagen Erdrutsche, die zu einer Flutwelle geführt haben, der schätzungsweise 2.000 Menschen zum Opfer gefallen ist. Der San Francis Damm in Kalifornien zum Beispiel 1928, wo über 400 Leute dann im Rahmen der Überflutung gestorben sind. Oder wir wissen natürlich auch aus aktuellen Konfliktsituationen, dass so ein Damm auch Ziel von kriegerischen Angriffen sein kann. Mann schafft natürlich, oder man konzentriert ein gewisses Risiko durch diesen Dammbau.</p>
<p>ATMO Damm außen </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Zurück am Großen Brombachsee im Fränkischen Seenland: Gespeist mit den Hochwassern der Altmühl ist der See seit dem Jahr 2000 vollständig eingestaut. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Nur den wenigsten Wassersportlern, Wanderern und Radfahrern dürften die weißen Quader auffallen, die an der Böschung des Hauptdamms in regelmäßigen Abständen aus dem Gras ragen. Messpunkte für die Dammüberwachung, erklärt Thomas Keller vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt:</p>
<p>16 Keller: </p>
<p>Also wir haben über 4.000 Messpunkte, die untersucht werden. Wir untersuchen Damm-Verformungen, wir untersuchen Höhenlagen, wir untersuchen Wasserdrücke, also ein Potpourri oder ein Blumenstrauß an Sicherheitsmessungen. Und wenn Sie rein optisch – und auch das gehört dazu, regelmäßige Damm-Begehungen – eine feuchte Stelle erkennen würden, dann müssten sofort die Alarmanzeichen losgehen. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Auch überspült werden darf der Damm nie. Sogenannte Hochwasserentlastungsbauwerke schützen bei Stauanlagen daher vor einem unerwünschten oder unkontrollierten Anstieg des Wasserspiegels im Staubecken. Quasi wie der Überlauf bei einem Waschbecken – die kleine Öffnung oben am Rand, die das Wasser ableitet, bevor es über den Beckenrand schwappt und das Badezimmer überschwemmt– leiten diese Entlastungsbauwerke ein Zuviel an Wasser ab, bevor es durch ein Überlaufen Schaden anrichten würde.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Kontrolliert wird aber nicht nur von außen: </p>
<p>Etwas abseits, hinter einem Zaun, liegt der Zugang zum sogenannten Krafthaus. Zwei Durchströmturbinen und Generatoren erzeugen hier Strom aus dem Wasser, das aus dem See abgelassen wird. Quasi nebenbei, denn der eigentliche Zweck des Speichersees ist die Anhebung der Niedrigwasserführung in den Flüssen unterhalb.</p>
<p>Zutritt haben hier nur Berechtigte. Denn von hier aus führt auch ein Tunnel in den Damm. </p>
<p>ATMO Kraftwerk</p>
<p>ATMO Schlüssel </p>
<p>18 Keller: </p>
<p>Also, wir sind jetzt im Damm des großen Brombachsees. Wir laufen quasi jetzt in Richtung Wasserfläche, in das Dammbauwerk hinein und da hindurch und sind am Ende dieses Kontrollwegs dann rund 30 Meter unter Wasserstand.</p>
<p>ATMO Damm innen</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>In regelmäßigen Abständen sind Druckanzeiger an den Betonwänden des Gangs angebracht. Farbige Markierungen am Boden und an den Seiten dienen als Orientierung für Messungen, jede Fuge ist bemaßt, so dass jede Veränderung bemerkt werden würde. </p>
<p>In der Mitte des Damms angekommen, führt eine schmale Treppe ein Stück im Damm nach oben. Hier verläuft der Kontrollgang einmal durch die komplette Länge des Damms: 1,7 Kilometer. Neonröhren erhellen den Tunnel, der sich in der Ferne in einer ganz leichten Biegung verliert.</p>
<p>Ein leises Plätschern erinnert daran, dass auf der anderen Seite der Betonwand ein riesiger See liegt. Ein Plätschern, das für Thomas Keller kein Grund zur Beunruhigung ist: </p>
<p>ATMO  Sickerwasser</p>
<p>19 Keller: </p>
<p>Das ist jetzt eine Zusammenfassung von mehreren Blöcken, wo wir das anfallende Sickerwasser, was immer kommt, ein Erdbauwerk ist ja nie hundertprozentig dicht, anfällt. Und für uns ist eben wichtig: Wieviel ist es? Ist es im tolerierbaren Rahmen? Haben wir eine Veränderung? Gibt es eine Tendenz nach oben, ist es gleichbleibend – also das ist für uns, drum müssen wir es auch wiederkehrend immer wieder messen. Wird auch aufgezeichnet, dass die geringste Abweichung eventuell zu Maßnahmen führen würde.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Als letzter Ausweg aus einer Katastrophe bliebe die Notabsenkung. Dann würde dem Brombachsee quasi der Stöpsel gezogen und die Flüsse unterhalb müssten das Wasser ableiten. Entsprechend hohe Pegelstände wären die Folge.</p>
<p>MUSIK m03 (C1589890109, Drytech, Reduced and neutral - Music for film, Kreuzer, Anselm C.; Delmonte, Tony, 0:31)</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wasser ist der Quell des Lebens, wo es fehlt, geht nichts mehr: Industrie, Schifffahrt und Landwirtschaft hängen vom Wasser ab. Es erzeugt Energie und ist nicht zuletzt unser wichtigstes Lebensmittel. Gleichzeitig bedroht es uns bei Starkregenereignissen und Unwettern, klimawandel- und jahreszeitlich bedingt mit seiner schieren Kraft und Masse.</p>
<p>Für Wasserwirtschaftler wie Dirk Carstensen vom Deutschen Talsperrenkomitee sind Stauanalgen deshalb elementare Werkzeuge – und zwar sowohl im Nutz- als auch im Schutzwasserbau. Auch wenn nicht immer alles gleichzeitig zu haben ist: </p>
<p>21 Carstensen: </p>
<p>Wenn ich zum Beispiel Wasserkraft betreiben will, dann brauche ich viel Wasser, also hohe Wasserstände. Wenn ich aber andererseits Hochwasserschutz betreiben will, dann sollte ich vor dem Hochwasser möglichst viel Platz in meiner Talsperre haben, damit ich das Hochwasser aufnehmen kann. Da haben wir einen gewissen Widerspruch. Touristische Nutzung und Trinkwasser – ja, das sind zum Teil konkurrierende Zwecke. Die Betreiber versuchen dort, das entsprechend auszugleichen und möglichst viele Zwecke anzubieten. Aber es gibt durchaus ausschließende Faktoren, ausschließende Kriterien.</p>
<p>MUSIK  (Bioreactor,  Science in motion, Backes, Daniel; Moslener, Peter, 0:43 Min)</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>So sind beispielsweise Trinkwassertalsperren zwar hervorragende Naherholungsgebiete – Wassersport sollte dort aber eben nicht betrieben werden. </p>
<p>22 Carstensen: </p>
<p>Es werden immer mehr Menschen, immer mehr Menschen brauchen immer mehr Wasser. Und wir sehen ja selber, wie es ist, wenn wir aus dem Grundwasser ziehen und der Regen nicht hinterherkommt, dass wir dann auch Defizite kriegen können. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>… argumentiert Dirk Carstensen. Angesichts des Klimawandels wäre der Bau weiterer Stauanlagen für ihn eine logische Konsequenz. </p>
<p>23 Carstensen: </p>
<p>Zum Trinken, zum Waschen, zum Duschen: 570 Millionen Kubikmeter Wasser, das sind ungefähr zehn Prozent der Wasserversorgung, werden im Moment aus Talsperren bestritten, in Deutschland. Das könnten und werden wahrscheinlich auch in Zukunft mehr werden. Und wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir dieses Wasser bereitstellen wollen – und da bin ich nun mal auch in meiner Funktion beim deutschen Talsperrenkomitee mehr oder weniger verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass Talsperren eine ideale Möglichkeit dafür sind, Wasser zu sparen und verschiedene Zwecke damit zu betreiben.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Für andere „bodengebundene“ Zwecke wäre so ein geflutetes Tal dann allerdings verloren. Weshalb neben allen geologischen und wirtschaftlichen Faktoren gesellschaftlicher Konsens eine Grundvoraussetzung für den Bau neuer Staudämme, Staumauern und Talsperren sein muss. </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wenn die Kinder Eltern werden - Neue Regeln für den Umgang miteinander</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wenn-die-kinder-eltern-werden-neue-regeln-fuer-den-umgang-miteinander/2108793</link>
      <pubDate>Sat, 23 Aug 2025 18:12:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">fe857ca5-eea9-4dac-aa36-3596a691f7da</guid>
      <description>Enkelkinder können eine Freude sein! Doch wenn sich Oma und Opa in die Erziehung einmischen oder Absprachen ignorieren, drohen Konflikte in der Familie. Großeltern zu werden, bedeutet nämlich auch, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen - ohne sich um des Friedens willen total anzupassen. Ein Balanceakt!
Autorin: Justina Schreiber (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="20174592" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108793/c/feed/wenn-die-kinder-eltern-werden-neue-regeln-fuer-den-umgang-miteinander.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Enkelkinder können eine Freude sein! Doch wenn sich Oma und Opa in die Erziehung einmischen oder Absprachen ignorieren, drohen Konflikte in der Familie. Großeltern zu werden, bedeutet nämlich auch, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen - ohne sich um des Friedens willen total anzupassen. Ein Balanceakt!
Autorin: Justina Schreiber (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/939f89f2-aefb-4e81-b074-4ac09e32c1a3.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Enkelkinder können eine Freude sein! Doch wenn sich Oma und Opa in die Erziehung einmischen oder Absprachen ignorieren, drohen Konflikte in der Familie. Großeltern zu werden, bedeutet nämlich auch, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen - ohne sich um des Friedens willen total anzupassen. Ein Balanceakt!
Autorin: Justina Schreiber (BR 2025)  </p><p>Shownotes</p>
<p>Autorin: Justina Schreiber</p>
<p>Regie: Irene Schuck</p>
<p>Technik: Stefan Oberle </p>
<p>Sprecher:innen: Berenike Beschle </p>
<p>Redaktion: Susanne Poelchau</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li><strong>Dr. Franz Dumbs, Psychologe und Psychotherapeut, und Dr. Cécile Loetz, Psychoanalytikerin und Macherin des Podcast „Rätsel des Unbewussten“</strong></li>
</ul>

<p>Podcast-Tipp:</p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/checkpod-checker-tobi">CheckPod - Der Podcast mit Checker Tobi</a></strong></p>
<p>Der Checker zum Hören! Tobi checkt zusammen mit einem Kind drei Fragen zu einem Wissensthema. Lustige Experimente, kluge Expertinnen und Experten sowie die schlaue Datenbank helfen ihnen dabei. Und am Schluss jeder Folge verrät Checker Tobi ein persönliches Geheimnis. Ob es um Bäume, Märchen oder Schleim geht, im Checkpod macht Wissen Spaß und gute Laune. <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/checkpod-checker-tobi">[HIER]</a></p>
<p><br/></p>
<p>Weiterführende Links: </p>
<p><a href="https://psy-cast.org/de/">Home - Lives of the Unconscious</a></p>
<p>Podcast zur Psychoanalyse und Psychotherapie: „Rätsel des Unbewussten“ Home - Lives of the Unconscious</p>
<p><br/></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-wenn-elter-kinder-werden-enkel-kinder-grosseltern-erziehung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><br/></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Plötzlich geht es los. Freundinnen und Kolleginnen zücken ihre Handys, um dir Fotos oder Videos von ihren Enkelkindern zu zeigen. Guck mal, wie es lacht! Und dir wird klar: aha, du hast offenbar eine neue Lebensphase erreicht. Neben Gesundheitsthemen dominieren jetzt Sorgen und Freuden von Großeltern die Gespräche, wenn man nicht bewusst gegensteuert. Aber sie sind ja auch wirklich niedlich, all die kleinen Leons, Gretas, Emmas und Noahs. Besonders goldig ist dann allerdings der Nachwuchs der eigenen Kinder.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 01: </strong>(Kind)</p>
<p>„Omi, erzählst du mir eine Geschichte?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK 2</strong></p>
<p>&quot;Michel Momento&quot; - Komponisten: Jim Black, Nels Cline &amp; Tim Berne - Album: The Veil - Länge: 0&#39;37</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Am Anfang ist die Aufregung groß. Nicht nur bei den frischgebackenen Eltern, auch bei Omi und Opa oder Großvater und Nonna oder wie auch immer sie jetzt genannt werden… wollen. Wobei die Frage nach der gewünschten Bezeichnung schon eine gewisse Irritation oder sogar Beklemmung auslösen kann: Ich bin doch eigentlich noch kein gar Opa. Bei aller Freude über den Nachwuchs: kleine bis mittlere Identitätskrisen gehören zu der neuen Situation durchaus dazu, sagt die Psychoanalytikerin Cécile Loetz.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 02:</strong> (Cécile Loetz)</p>
<p>„Die Geburt von einem Kind ist ja eine Lebensschwelle für alle Beteiligten in der Familie, also nicht nur für die Eltern und das Kind. Das heißt auch, es gibt für alle Beteiligten eine Entwicklungsaufgabe. Und wie bei jeder Entwicklungsaufgabe gibt es etwas Neues, das man gewinnen kann. Es gibt aber auch was Altes, das man loslassen muss.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Und das ist im Fall der neuen Omis und Opas nichts weniger als die bisherige Eltern-Rolle, die sie ja wie eine zweite Haut in den vergangenen Jahrzehnten durch dick und dünn begleitet hat. In der Psychologie spricht man von Generativität, wenn die ältere Generation zu Gunsten der nachfolgenden ab- oder zurücktritt. Und dieser Schritt hat es in sich, meint auch der Psychologe Franz Dumbs.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 03:</strong> (Franz Dumbs)</p>
<p>„Das wirklich zu verinnerlichen, dass nicht mehr meine Elternrolle die vorherrschende, dominante ist. Natürlich meine Kinder bleiben die Kinder, aber die neue Rolle ist: ich muss mich einfügen in ein System, wo die Eltern die Deutungshoheit haben und nimmer ich derjenige bin, der sie hat.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>In Gesellschaften, die nicht auf dem Modell der Kleinfamilie basieren, läuft der generative Prozess etwas anders ab. Vielleicht auch bei alleinerziehenden Eltern, die froh sind, wenn Oma und Opa wesentliche Aufgaben übernehmen. Ziel ist aber immer:</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 04:</strong> (Cécile Loetz)</p>
<p>„Dass die jeweils ältere Generation etwas Gutes an die nächste jüngere Generation weitergeben kann. Und das heißt für die Eltern, dass sie dem Kind die Kinderrolle weitergeben können, also alles geben, was man als Kind so braucht. Und dazu müssen die Eltern wiederum ihre eigene Kinderrolle ein Stück weit auch loslassen.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Sie müssen also spätestens jetzt erwachsen werden.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 05:</strong> (Cécile Loetz)</p>
<p>„Und für die Großeltern heißt es, die jungen Eltern dann in ihrem Elternsein auch zu unterstützen. Und das bedeutet eben auch, und das ist dann vielleicht manchmal auch schwierig zu akzeptieren, dass man selber nicht mehr im Zentrum der Generativität steht.“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK 3</strong></p>
<p>&quot;Michel Momento&quot; - Komponisten: Jim Black, Nels Cline &amp; Tim Berne - Album: The Veil - Länge: 0&#39;39</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Auch wenn sie noch nicht auf den Rollator angewiesen sind: Mit der Geburt eines Enkelkindes werden die Eltern der neuen Eltern also etwas unsanft aufs Altenteil geschoben, sofern sie nicht freiwillig gehen. Plötzlich wird real, was man ja schon ahnte: dass das Leben endlich ist. Die letzte oder vorletzte Phase der eigenen Biografie hat begonnen. In das Entzücken über den süßen Familienzuwachs mischt sich Trauer oder manchmal auch Verbitterung, weil es jetzt gewissermaßen amtlich ist: Vieles liegt unwiederbringlich hinter dir.<strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 06:</strong> (Cécile Loetz)</p>
<p>„Ich kann mir vorstellen, dass es vielleicht das besonders schwer macht in die Großelternrolle zu kommen, weil man mit 70 heutzutage ja vielleicht schon noch sehr fit ist körperlich, und psychisch aber eben schon in diese ältere Generation gesteckt zu werden, also die Großelterngeneration. Und auch in der Gesellschaft, wo das Jungsein so einen hohen Stellenwert hat, es vielleicht besonders schwierig ist, dann diese Rolle auch einzunehmen.“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK 4</strong></p>
<p>&quot;Ein Tag in Amiens II&quot; - Komponistin: Ulrike Haage - Album: Das verschwundene M (Original Score) - Länge: 0&#39; 11</p>
<p> </p>
<p>O-TON 07: (Kind)</p>
<p>„Omi, du sollst eine Geschichte erzählen, als du ein Kind warst.“</p>
<p> </p>
<p>Musik 5</p>
<p>&quot;Berlin 1945 (12) -<strong> </strong>Komponistin: Ulrike Haage - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Länge: 0&#39;43</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Das Klischeebild einer weißhaarigen Omi, die Geschichten erzählend am Kamin sitzt, hat heute fast schon nostalgischen Reiz. Die Realität sieht oft anders aus. Moderne Omis reisen allein oder zusammen mit anderen Opas und Omas um die Welt, sie engagieren sich ehrenamtlich oder arbeiten über das Renteneintrittsalter hinaus. Die Altersgrenzen haben sich verschoben. Schönheits-Operationen, Sport und überhaupt der medizinische Fortschritt machen es möglich, dass die Oma von gestern der heutigen Uroma entspricht. Die Geburt von Enkelkindern bedeutet trotzdem eine Zäsur. Es gilt jetzt, neben Yoga oder Chigong auch etwas Selbstreflexion zu betreiben, sagt der Psychotherapeut Franz Dumbs.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 08:</strong> (Franz Dumbs)</p>
<p>„Das ist ja das Entscheidende, was uns durchs Leben überhaupt bei all diesen Umbruchsituationen immer wieder begleitet: sind wir in der Lage und bereit, die neue Situation mit der neuen Rolle anzunehmen, auch anzunehmen mit den damit möglicherweise verbundenen Schwierigkeiten, auch anzuerkennen, das läuft nicht einfach glatt, weil mit der neuen Rolle, der neuen Chance habe ich ja noch keine Erfahrung.“</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK 6</strong></p>
<p>&quot;Ein Tag in Amiens II&quot; - Komponistin: Ulrike Haage - Album: Das verschwundene M (Original Score) - Länge: 0&#39;50</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Und wo geht es bitte konkret lang? Für die munteren neuen Großeltern gibt es kaum Vorbilder. Weder in den Medien noch in den eigenen Köpfen. Ihre Eltern gehörten noch der strapazierten Kriegs- und Nachkriegsgeneration an, die um materiellen Wohlstand kämpfte und meist ein traditionelles Familienmodell pflegte. Heute sind Trennungen, Scheidungen und Patchwork-Situationen fast alltäglich. Beziehungen sind komplizierter geworden. Was bedeutet: das junge Paar muss sich nach der Geburt eines Kindes oft erstmal sortieren und wieder zusammenraufen: Wer übernimmt wieviel vom Haushalt? Wer kümmert sich nachts um das schreiende Baby? Die Rollen sind nicht mehr von Haus aus klar definiert. Auch die der Großeltern nicht.</p>
<p> </p>
<p>O-TON 09: (Franz Dumbs)</p>
<p>„Und vielleicht ist es hier genauso notwendig wie in der Pubertät, dass sich Ihr Kind abgrenzt: Wir müssen jetzt erst einmal so unser eigenes Standing als Kleinfamilie finden. Wenn wir uns sicher fühlen, dann können wir euch gut mit dazunehmen. Weil dann brauchen wir nicht Angst haben, dass ihr jetzt irgendwie eingreift und das passt nicht für uns.“</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Selbst sehr anpassungsfähige Großeltern können also vorübergehend stören. Dass Opas und Omas reichlich Erfahrung auf dem Gebiet der Kinderaufzucht gesammelt haben, zählt nicht unbedingt. Es gibt ja auch noch Hebammen, Kinderärztinnen, Freunde, Krabbel-Gruppen und nicht zu vergessen: das Internet. Das Wissen der Großeltern, insbesondere der Großmütter, ist nicht mehr so gefragt wie früher. Die Psychoanalytikerin Cécile Loetz hat selbst eine kleine Tochter.<strong></strong></p>
<p> </p>
<p>O-TON 10: (Cécile Loetz)</p>
<p>„Die Eltern ergoogeln sich eben dann, dass Stoffwindeln von mir aus jetzt besser sind oder schlechter sind als Plastikwindeln. Oder wie man ein Kind wickelt, können sie sich auf einem YouTube-Video auch anschauen und müssen das nicht mehr gezeigt bekommen von den Großeltern. Und trotzdem, glaube ich, eine Beziehung, die ist nicht ersetzbar, also die Großeltern-Enkel-Beziehung, die kann ja kein Google ersetzen. Oder auch kein Kindergärtner.“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Genau. So sehen das viele Großeltern auch. Zumal sie die Beschäftigung mit den Enkeln deutlich anders belebt als der xste Spieleabend mit Freunden oder das Konzert-Abonnement.</p>
<p> </p>
<p>O-TON 11: (Franz Dumbs)</p>
<p>„Das ist wieder etwas Sinnstiftendes, ich bleib geistig beweglich. Ich muss mich auch wieder mehr bewegen, weil das Kind will wieder Fußball spielen. Da bin ich nicht so sehr mit meinen Rücken- und Knieschmerzen beschäftigt, sondern ich will halt a den Ball wieder ins Tor bringen.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Schön und gut. Aber wie baut man eine eigene, eigenständige Beziehung zu der übernächsten Generation auf? Wieviel Freiraum, wieviel Zeit gibt beziehungsweise braucht es dafür? Das sind Fragen, die Großeltern umtreiben, besonders wenn sie weit entfernt von der jungen Familie leben. Manche bedrückt auch das Gefühl, in Konkurrenz zu anderen Omas und Opis treten zu müssen, die näher, öfter oder noch munterer um die Enkel herumturnen. Der Psychologe Franz Dumbs hat vier Kinder und ist bislang dreifacher Großvater. Er empfiehlt, jetzt bloß nicht alle anderen Aktivitäten einzustellen:<strong></strong></p>
<p> </p>
<p>O-TON 12: (Franz Dumbs)</p>
<p>„Wenn man sich nur auf die Kinder, auf die Enkelkinder konzentriert und kriegt dann nicht die entsprechende Anerkennung, dann kommt es leicht zu einer Frustration.“</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK 7</strong></p>
<p>&quot;Ein Tag in Amiens II&quot; - Komponistin: Ulrike Haage - Album: Das verschwundene M (Original Score) - Länge: 0&#39;12</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 13:</strong> (Kind)</p>
<p>„Omi, du sollst Plastikkrokodile, Märchenwolle und Badeanzug mitbringen und Jacke!“ </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Es sind bewegte und bewegende Zeiten, in denen Emotionen eine große Rolle spielen, Liebe, Zärtlichkeit und vielleicht auch Eifersucht. Erinnerungen werden wach, alte Geschichten kommen hoch: wie es war, als die Kinder noch klein waren. Ach ja. Manchmal lassen sich die überschießenden Gefühle kaum bändigen. Die Gefahr ist tatsächlich groß, dass Großeltern ihr Engagement übertreiben, sagt die Psychoanalytikerin Cécile Loetz.</p>
<p> </p>
<p>O-TON 14: (Cécile Loetz)</p>
<p>„Dann kann das zum Beispiel sein, dass die Großeltern den Anspruch erheben: ich möchte jetzt jeden Tag mein Enkelkind sehen oder immer wenn sie zu Besuch sind, gibt es immer Geschenke und sich darüber versuchen, die Liebe des Enkelkindes zu sichern. Und das bringt aber dann wiederum die Eltern in die Situation: statt, dass sie unterstützt werden von den Großeltern, müssen sie jetzt ihr eigenes Kind regulieren.“</p>
<p> </p>
<p>Musik 8</p>
<p>&quot;Michel Momento&quot; - Komponisten: Jim Black, Nels Cline &amp; Tim Berne - Album: The Veil - Länge: 0&#39;</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Alltag ist eh schon anstrengend genug. Das seelische Wohlbefinden der eigenen oder Schwieger-Eltern steht vermutlich nicht ganz oben auf der To-Do-Liste gestresster Mamas und Papas. Junge Eltern agieren im Zentrum einer fragilen Konstruktion. Wenn dann auch noch das Kind schreit, weil ihm Omis Süßigkeiten weggenommen werden… Oder der Opi beleidigt ist, weil er und seine Lebensgefährtin weniger Beachtung beim Nachwuchs finden als seine Ex-Frau mit dem neuen Partner. Dann wird die ältere Generation nicht als hilfreich, sondern eher als nervig empfunden.</p>
<p> </p>
<p>Musik 8</p>
<p>&quot;Michel Momento&quot; - Komponisten: Jim Black, Nels Cline &amp; Tim Berne - Album: The Veil - Länge: 0&#39;38</p>
<p> </p>
<p>O-TON 15: (Cécile Loetz)</p>
<p>„Das bringt diesen Gedanken der Generativität zum Stocken, also indem dann die Eltern so reagieren, dass sie die Großeltern zum Beispiel aus dem Leben des Enkelkindes ausschließen oder zumindest sehr stark kontrollieren.“</p>
<p> </p>
<p>Musik 9</p>
<p>&quot;Michel Momento&quot; - Komponisten: Jim Black, Nels Cline &amp; Tim Berne - Album: The Veil - Länge: 0&#39;30</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>So kann es übergriffig wirken, wenn Omi ungebeten die Wäsche der jungen Leute sortiert. Noch riskanter dürfte es sein, wenn sie vertraulich mit der Kindergärtnerin über vermeintliche oder reale Probleme des Enkels spricht. Es ist toll, dass sie den kleinen Joshua einmal in der Woche betreuen - aber wie gesagt: Großeltern sollten ihre Bedeutung und Befugnisse nicht überschätzen. Auch wenn sie vor lauter Sorgen nachts nicht schlafen können:</p>
<p> </p>
<p>O-TON 16: (Cécile Loetz)</p>
<p>„Vielleicht könnte ein Gradmesser sein für die Großeltern, letztlich für die Eltern auch: Inwieweit sehe ich ein Kind wirklich in Gefahr? Und das ist natürlich immer eine Abwägungssache. Ich glaube, dafür kann man keine Regel aufstellen, die dann immer gilt.“</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Logisch, bei Gewalt und Missbrauch muss man handeln. Aber grundsätzlich lautet für Großeltern die Maxime: sich illoyal gegenüber den aktuellen Erziehungsberechtigten zu verhalten, geht gar nicht. Überhaupt: zu viel Stirnrunzeln und Kopfschütteln von Seiten der Senioren macht die Aufzucht von Kleinkindern im 21. Jahrhundert nicht leichter. Eine Bettgehzeremonie kann eben auch mal länger als eine Stunde dauern und statt, dass es drei feste Mahlzeiten gibt, wird heute viel gesnackt. So what!</p>
<p> </p>
<p>O-TON 17: (Cécile Loetz)</p>
<p>„Dann müssen die Großeltern wahrscheinlich auch ein Stück weit Hilflosigkeit ertragen, dass sie eben nicht die direkt in die Erziehung dieser Kinder eingreifen können.“</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Es ist letztlich eine Sache des Vertrauens. Die Jungen schaffen das schon, selbst wenn es chaotisch und mühsam aussieht. Wie gern möchte man ihnen pädagogisch auf die Sprünge helfen! Aber ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung steht der ehemaligen Leiterin des kleinen Familienunternehmens wohl besser zu Gesicht. Der Austausch mit ähnlich betroffenen Altersgenossinnen kann hier für Entlastung sorgen:</p>
<p> </p>
<p>O-TON 18: (Franz Dumbs)</p>
<p>„Ich finde das dann halt gut, wenn ich mit anderen Großvätern rede: ist es gut, ein dreijähriges Kind in alle Entscheidungen einzubeziehen, dass ich das Kind den Tagesablauf praktisch bestimmen lass oder dürfen Eltern da mehr die Leitlinie vorgeben: Mensch, heit is Wetter schön, da mecht i, dass ma fortgehen. Muss ich dann jetzt wirklich das Kind fragen: Du, möchtest du heute lieber Lego-Haus bauen? Oder möchtest du mit uns eine Wanderung machen? Ich weiß nicht, ob ein Kind damit nicht überfordert ist. Aber Eltern machen es halt oft so und des zu verstehen: aha, das ist auch ein Weg, ist zum Beispiel für mich ein Punkt, der ein bisschen schwer ist, zu kapieren.“</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Oma und Opa zu werden und zu sein, ist manchmal weniger spaßig als es für Außenstehende aussieht. Denn die Ansprüche und Erwartungen an moderne Großeltern sind ziemlich komplex, um nicht zu sagen: widersprüchlich. Oma und Opa sollen sich zurückhalten und trotzdem, wenn gewünscht, präsent sein, um dann, wenn möglich, tatkräftig zu helfen. Sie sollen Anteil nehmen, ohne dominant zu wirken. Die Enkel lieben, aber sie nicht auffressen wollen. Mal ehrlich und nur unter uns Ü-60-Jährigen: Das hört sich schon ein bisschen nach der Quadratur des Kreises an.</p>
<p> </p>
<p>O-TON 19: (Franz Dumbs)</p>
<p>„Da die richtige Balance zu finden, das ist wirklich sehr sehr schwierig. Wie kann man so die eigenen Interessen und die Interessen der Kinder und die Interessen, die man selber als Großmutter, Großvater hat, wie man die miteinander verbindet, wie man die miteinander versöhnt. Das gelingt also zumindest bei mir nicht immer richtig.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik 10</strong></p>
<p>&quot;Ein Tag in Amiens II&quot; - Komponistin: Ulrike Haage - Album: Das verschwundene M (Original Score) - Länge: 0&#39;14</p>
<p> </p>
<p>O-TON 20: (Kind)</p>
<p>„Omi, erzählst du mir noch eine Geschichte, als du ein Kind warst, Omi.“</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Früher gab man verunsicherten Großeltern den Rat, sich an die drei großen „Sch“ zu halten: schweigen, schenken, schlucken. Überspitzt formuliert hieß das: es schadet nichts, wenn du der jungen Familie dein Haus überschreibst. Es wäre allerdings gut, wenn du dir ein dickes Fell zulegst! Heute weiß man: so sehr sich Omas und Opas auch bemühen: es lässt sich nicht vermeiden, dass sie ihre eigenen Probleme, ihre eigene Geschichte in die vielleicht eh schon angespannte kleine Familie hineintragen – ohne es zu merken vielleicht.</p>
<p> </p>
<p>O-TON 21: (Franz Dumbs)</p>
<p>„Ich kenne viele Leute auch, die hatten nicht das Glück als Vater viel präsent bei den Kindern zu sein. Und die machen es jetzt als Großeltern so, dass sie sich viel Zeit nehmen und dass sie dann Löwe spielen und auf dem Boden rumrobben und all das, was sie als Vater, wenn sie die Chance gehabt hätten oder genutzt hätten, vielleicht auch hätten tun können. Dann ist es vielleicht für das Kind, das eigene Kind bisschen kränkend zu sehen: hey, mein Kind kriegt jetzt was, was ich nicht bekommen hab, aber dem Enkelkind schadet es in der Regel nicht.“</p>
<p> </p>
<p>Musik 11</p>
<p>&quot;Berlin 1945 (12) -<strong> </strong>Komponistin: Ulrike Haage - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Länge: 0&#39;44</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Im Gegenteil: Omis und Opis sind bei den Enkeln meist willkommene Spielkameraden. Sie neigen nämlich nicht dazu, ihnen die Schaufel auf den Kopf zu hauen oder um den Lieblings-Bagger zu streiten. Trotzdem kann sich beim Sohn oder bei der Schwiegertochter Ärger aufstauen, weil der lustige Opapa die Kinder vor dem Bettgehen nochmal so richtig aufkratzt – und zwar anscheinend zum eigenen Vergnügen, ohne an die Konsequenzen zu denken. Dann sollte das besprochen werden. Wie andere Konfliktpunkte auch. Um eines guten Miteinanders willen. Die Psychoanalytikerin Cécile Loetz findet es absolut kontraproduktiv:</p>
<p> </p>
<p>O-TON 22: (Cécile Loetz)</p>
<p>„Wenn die Konflikte unter den Teppich gekehrt werden und alle eigentlich so tun, als wäre alles in Ordnung. Also wenn jetzt ein Sohn zum Beispiel so tun würde: ach, irgendwie meine eigene Mutter, also die Großmutter, die kann sich ruhig in alles einmischen. Ich sage da nichts und gleichzeitig versuche ich, meiner Frau irgendwie alle Bedürfnisse zu erfüllen. Dann kann man sich ja schon ausmalen, dass der wahrscheinlich am Ende ziemlich erschöpft sein wird, weil er es versucht, allen recht zu machen und zwischen den Stühlen steht. Ich glaube, seine Aufgabe wäre es dann zu überlegen: welche Rolle gehört zu wem und da auch dann seine Bedürfnisse zu äußern, nämlich die Großmutter soll die Großmutter sein. Die Frau ist die Mutter meiner Kinder und die Frau an meiner Seite.“</p>
<p> </p>
<p>O-TON 23: (Franz Dumbs)</p>
<p>„Das wird, je nach deiner Vorgeschichte, wie du mit dir selber umgehst, nach deiner Vorgeschichte, wie du mit dem betroffenen Kind umgehst, sicherlich sehr unterschiedlich ablaufen: habt ihr eine Kultur, wie ihr Konflikte miteinander besprechen könnt. Wenn man da einfach noch keine Erfahrungen hat, ist es halt wahnsinnig schwer, etwas Konflikthaftes dann, wenn es lichterloh brennt, zu besprechen. Wenn man da schon Erfahrungen hat, da kann man halt gut auf die Erfahrungen zurückgreifen.“</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frauen in der Bronzezeit - Die weibliche Macht?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frauen-in-der-bronzezeit-die-weibliche-macht/2087347</link>
      <pubDate>Fri, 22 Aug 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">30881b23-6cac-4543-8253-ca349b36f098</guid>
      <description>Vor ca. 4200 Jahren begann mit der Bronzezeit eine der spannendsten Epochen der europäischen Urgeschichte. Das neue Material eröffnete sensationelle Möglichkeiten bei der Geräte- und Waffenherstellung. Gleichzeitig entstanden zur Beschaffung des eher seltenen Zinns neue Handelswege. Was bedeutete das für die Frauen dieser Zeit?  
Autorin: Carola Zinner </description>
      <enclosure length="19562112" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087347/c/feed/frauen-in-der-bronzezeit-die-weibliche-macht.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:22</itunes:duration>
      <itunes:author>Carola Zinner</itunes:author>
      <itunes:summary>Vor ca. 4200 Jahren begann mit der Bronzezeit eine der spannendsten Epochen der europäischen Urgeschichte. Das neue Material eröffnete sensationelle Möglichkeiten bei der Geräte- und Waffenherstellung. Gleichzeitig entstanden zur Beschaffung des eher seltenen Zinns neue Handelswege. Was bedeutete das für die Frauen dieser Zeit?  
Autorin: Carola Zinner </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/29e7f7a6-da67-4485-8d01-5af093d2a3e7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Vor ca. 4200 Jahren begann mit der Bronzezeit eine der spannendsten Epochen der europäischen Urgeschichte. Das neue Material eröffnete sensationelle Möglichkeiten bei der Geräte- und Waffenherstellung. Gleichzeitig entstanden zur Beschaffung des eher seltenen Zinns neue Handelswege. Was bedeutete das für die Frauen dieser Zeit?  
Autorin: Carola Zinner </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Carola Zinner<br/> Regie: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Peter Weiß<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Philipp W. Stockhammer vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, Professor für prähistorische Archäologie an der LMU München;<br/>Rainer Linke und Siglinde Matysik vom Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein für den Landkreis Augsburg, Mitarbeiter des Archäologischen Museums Königsbrunn</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p><strong>Literaturtipp:</strong></p>
<p>Stockhammer, Philipp W. ORCID logo, Mittnik, Alissa, Massy, Ken and Knipper, Corina (2018): Mobilität - Die wissenden Frauen vom Lechtal. In: Spektrum der Wissenschaft Spezial Archäologie - Geschichte - Kultur, Vol. 2018, Nr. 4: S. 38-41 </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-frauen-bronzezeit-lechtal-raetsel-sozialstruktur-mobilitaet-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>MUSIK atmoartig, unterlegen. Anmutung „Vorgeschichte“ </p>

<p>ZUSPIELUNG 1 (Stockhammer)</p>
<p>Die Bronzezeit ist in meinen Augen eine der spannendsten Epochen der europäischen Urgeschichte. </p>

<p>ZUSPIELUNG 2 (Linke)</p>
<p>Die Bronze war wichtig, das war&#39;s A und O.</p>

<p>ZUSPIELUNG 3 (Matysik)</p>
<p>Und ich finde das fantastisch, dass man da das genau regional begrenzen kann, wo diese Leute hergekommen sind. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Philipp Stockhammer, Siglinde Matysik und Rainer Linke haben auf verschiedene Art zum Wissen über die Bronzezeit beigetragen: Linke und Matysik sind Mitglieder eines regionalen Arbeitskreises, der bei Grabungen im südlichen Landkreis Augsburg prähistorische Überreste frei legte. Und Philipp Stockhammer, Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Professor für prähistorische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München konnte unter anderem anhand dieser Funde das Leben in jener Zeit neu beleuchten.</p>

<p>ZUSPIELUNG 4 (Stockhammer)</p>
<p>Wir können da ganz viele naturwissenschaftliche Verfahren einsetzen, das nimmt einem schier den Atem, aber zwingt uns jetzt halt auch als Archäologen und Archäologinnen, die Vergangenheit irgendwie auch wieder neu zu denken und wegzukommen von diesen alten, überkommenen Erzählungen.</p>

<p>MUSIK geht über in</p>

<p>ZUSPIELUNG 5 ATMO Museum </p>

<p>ZUSPIELUNG 6 (Matysik)</p>
<p>Die meisten Leute kommen auf die Grabung. Erste Frage habt ihr Gold gefunden? Dabei ist Gold gar nicht so wichtig. (Linke) Meistens, wenn wir die ausgraben, die Bronzefunde, dann sind die meistens blau, dann weiß man schon, da ist sehr viel Kupfer drin. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Königsbrunn bei Augsburg: Im Untergeschoss des Rathauses präsentiert ein kleines archäologische Museum Funde aus der Region, darunter auch zahlreiche Stücke aus der Epoche zwischen 2200 bis 800 vor Christus – der mitteleuropäischen Bronzezeit. </p>

<p>ZUSPIELUNG 7 ATMO</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die beiden Ausstellungsmacher Siglinde Matysik und Rainer Linke stehen vor einer großen Vitrine. </p>

<p>ZUSPIELUNG  8 (Matysik)</p>
<p>Dieses Skelett ist wirklich original, und wir wollen anhand dessen die Bestattungssitten zeigen: das ist der Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit: die Männer wurden immer mit dem Kopf nach Norden beerdigt, die Frauen mit dem Kopf nach Süden, Blickrichtung Richtung Osten, also aufgehende Sonne. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Lange ließ sich nicht einmal mit Sicherheit bestimmen, ob es sich bei menschlichen Skeletten um die Überreste eines Mannes oder einer Frau handelte. Hinweise gaben etwa die Lage und Größe der Verstorbenen, ihre Kleidung und Grabbeigaben wie Schmuck, Waffen oder Haushaltsgegenstände. Mittlerweile ist die Forschung deutlich weiter: DNA-Überreste geben heute zuverlässig Auskunft über das Geschlecht und über Verwandtschaftsbeziehungen. Und mithilfe der so genannten Strontium-Isotopenanalyse lässt sich sogar erkennen, in welcher Region die Menschen aufgewachsen sind. Denn die ganz spezifische chemische Zusammensetzung des jeweiligen Bodens, die über die Nahrung in den Körper gelangte, hat in den Zähnen eine Art Signatur hinterlassen. </p>
<p>ZUSPIELUNG 9 (Stockhammer)</p>
<p>Das heißt, ich kann, wenn sagen wir, eine Frau oder ein Mann in München bestattet ist, kann ich sehen, passen die Backenzähne zur Boden-Signatur zur Münchner Schotterebene. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich sagen, die haben offensichtlich ihre Kindheit woanders verbracht.  </p>

<p>MUSIK </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im Süden von Augsburg liegt, umrahmt von den Flüssen Lech und Wertach, die breite Schotterebene des Lechfeldes. Und, daran angrenzend, das „Hochfeld“: eine fruchtbare Lößterrasse, die bereits den Menschen der frühen Bronzezeit ideale Bedingungen für den Ackerbau bot. Ihre Höfe lagen am Rand des Hochfeldes lose aneinander gereiht wie Perlen an einer Schnur, mit genügend Abstand zum Fluss, um bei Hochwasser in Sicherheit zu sein, und doch nah genug, um die relativ karge Alltagskost - Getreidebrei, Beeren, Pilze, Milchprodukte, ohne großen Aufwand mit Fisch und Wild aufbessern zu können. (MUSIK hoch). Zu den Gehöften gehörte auch jeweils ein Gräberfeld für die Verstorbenen. Deren Überreste nun mithilfe bioarchäologischer Analysen genauer bestimmt werden können.  </p>

<p>ZUSPIELUNG 10 (Stockhammer)</p>
<p>Wir hatten Glück, dass wir eine fantastische DNA-Erhaltung haben. Insgesamt haben wir 800 Jahre dort untersucht, so zwischen 2500 und 1700 vor Christus. </p>

<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>EIN Ergebnis der Untersuchungen: Die einzelnen Höfe wurden über vier, fünf Generationen von ein- und derselben Familie bewohnt. Allerdings zieht sich die Verwandtschaft nur in männlicher Linie durch; es gibt Väter und Söhne, Brüder und Onkel. Die Mütter der Kinder jedoch stammen allesamt von auswärts; sie hatten hier keine Vorfahren. Und unter den hier geborenen Frauen wiederum findet sich keine einzige Bestattung, bei der die Verstorbene älter als 17 Jahre war. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Töchter in diesem Alter ihre Familien und die Heimat verlassen mussten - wohl in erster Linie, um anderswo einzuheiraten. </p>

<p>MUSIK hoch</p>

<p>Dieser Befund ist allerdings keineswegs außergewöhnlich; die Archäologie kann diese so genannten patrilinearen Heiratsmuster, die ja zumindest partiell noch heute in einigen Teilen der Welt existieren, für viele Epochen und Regionen nachweisen. Ein anderes Ergebnis der Untersuchungen aber ließ die Fachwelt aufhorchen. Es war die Entdeckung der „fremden Frau aus der Ferne“, die hier weder Vorfahren noch Nachkommen besaß.</p>

<p>ZUSPIELUNG 11 (Stockhammer)</p>
<p>Total spannend. Also wir haben da schon gesehen, okay, genetisch scheinen alle Mütter von außerhalb zu kommen und gleichzeitig sehen wir jetzt von den Isotopenanalysen, dass ein erheblicher Teil der Frauen offensichtlich von ganz weit herkommt, also über 400 Kilometer, ja? </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Besonders auffällig war, dass die Bestattungen dieser „Frauen aus der Fremde“ zu den reichsten in der Region gehörten. Und das, obwohl es keine leiblichen Kinder gab, die für ein angemessenes Begräbnis Sorge hätten tragen können. Was könnte für andere Gründe gegeben haben für die Hochachtung, die die Gesellschaft diesen Migrantinnen offenbar entgegenbrachte? Die Spurensuche führt in die ursprüngliche Heimat der Frauen, die Regionen um Halle, Leipzig und Prag. Und damit in die High-Tech-Zentren jener Epoche, die gekennzeichnet ist vom wachsenden Wissen um die Herstellung und Bearbeitung von Bronze - einer Legierung aus Kupfer und Zinn.   </p>

<p>ZUSPIELUNG 12 (Stockhammer)</p>
<p>Das richtig coole an Bronze ist, wenn die frisch gegossen ist, ist sie so hart wie Stahl, glänzt wie Gold, und man kann es ja auch viel besser gießen als Kupfer.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Allerdings kommt Zinn - im Gegensatz zu Kupfer – nur selten in Europa vor. Die wichtigsten Lagerstätten befinden sich in Südengland und im Erzgebirge. Um an das begehrte Metall zu gelangen, braucht es ein großräumiges Netz von Handelsbeziehungen.</p>

<p>ZUSPIELUNG 13 (Stockhammer)</p>
<p>Deshalb ist die Bronzezeit auch etwas, was Menschen über weite Distanzen ganz neu miteinander in Austausch gebracht hat, und letztlich, so kann man sagen, die erste globale Epoche der Menschheitsgeschichte in Eurasien zur Folge hatte. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In der Forschung, sagt Philipp Stockhammer, herrschte früher auch ein relativ klares Bild davon, in welcher Form dieser Austausch stattfand.  </p>

<p>ZUSPIELUNG 14 (Stockhammer)</p>
<p>Die Erzählung meiner Studienzeit war eben: Mobilität war vor allem der Mann mit der Waffe oder der Mann, der Handwerker, oder der Mann, der Händler, der quasi glücksbringend durch die Bronzezeit Europas zieht. </p>

<p>MUSIK andere Färbung, Dänemark, Bronzezeit </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Am 24. Februar des Jahres 1921 machte der Bauer Peder Platz im dänischen Egtved einen eigenartigen Fund. Er war gerade dabei, die Reste eines kleinen Hügels beiseite zu räumen, als er in dessen Mitte auf einen ausgehölten Eichenstamm stieß, in dem Leiche einer jungen Frau lag, eingewickelt in ein Kuhfell. Peder Platz beriet sich zuerst einmal mit seinem Nachbarn, dann setzten sich die beiden hin und schrieben einen Brief an das Nationalmuseum von Kopenhagen.</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Ich vermute, dass es sich um ein altes Begräbnis handelt und dass dieses von Interesse für das Museum sein könnte. Ich habe deshalb die Arbeit eingestellt.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Tatsächlich erwies sich der Fund als absolute Sensation: Beim „Mädchen von Egtved“ handelt es sich um eine der am besten erhaltenen Bestattungen aus der Bronzezeit. Die schafwollene Kleidung der bei ihrem Tod etwa 17jährigen - eine Bluse mit halblangen Ärmeln und ein knielanger Rock aus gedrehten Schnüren, ihre Haare – vorne und an den Seiten kurz geschnitten, hinten halblang, ihr Schmuck – Gürtelpatte, Armreifen und ein Ohrring aus Bronze – all das hatte die Jahrtausende ebenso gut überstanden wie die Dose aus Birkenrinde am Fußende des Sarges, in der sich Reste eines mit Honig gesüßten Biers aus Weizen und Beeren fanden. </p>
<p>MUSIK hoch (spätestens bei der nächsten Zuspielung weg)</p>
<p>Der mittlerweile mehr als 100 Jahre zurückliegenden Entdeckung von Peder Platz verdankt die Archäologie zahlreiche Erkenntnisse über das bronzezeitliche Leben. Dazu gehört nun, dank moderner Untersuchungsmethoden, auch der Nachweis, dass sich die junge Frau zu ihren Lebzeiten keineswegs immer nur in Dänemark aufgehalten hat. Sie war offenbar gleich mehrmals in Süddeutschland unterwegs gewesen, wo sie unter Umständen – ganz einig ist sich die Forschung in dieser Beziehung nicht - auch geboren wurde. Aus welchen Gründen aber mag sie sich auf die lange und wohl auch einigermaßen gefährliche Tour quer durchs Land begeben haben? In welchem Rahmen reiste sie? Und – was hatte sie dabei im Gepäck? Auf jeden Fall steht ganz abseits jener Fragen fest: die alte Vorstellung von Handel und kulturellen Austausch in der Bronzezeit – ein Mann zieht bewaffnet oder mit Waren im Gepäck durch die Lande und schlägt sich allein und auf eigene Faust von Ansiedlung zu Ansiedlung durch - ist, wenngleich nicht unbedingt falsch, so doch höchstens ein Teil des Gesamtbildes, zu dem die jungen Frau aus Dänemark ebenso gehört wie die Migrantinnen des Lechtals. </p>

<p>ZUSPIELUNG 15 (Stockhammer)</p>
<p>(Gut möglich, dass es ihn gab, diesen Händler. Weil: Der einzelne Krieger hat es schon irgendwie geschafft. Aber) jetzt habe ich Mädels mit 17 Jahren, die zu Fuß entweder aus der Gegend von Prag oder aus der Gegend von Leipzig nach Augsburg kommen, das ist schon ein Stück. Und was wir auch sehen können über die Zähne, dass immer auch wieder Jungs im Alter von sieben Jahren aus dem Lechtal weggeschickt wurden und dann als erwachsene Männer mit 17 wiedergekommen sind. Weil die Zähne bis zum siebten Lebensjahr sind lokal; vom siebten bis zum 17. Lebensjahr ist es dann die Gegend Halle, Leipzig, und dann sind sie aber wieder vor Ort bestattet, also die sind sozusagen ausgeschickt worden, um in der Ferne zu landen… Ich meine, schicken Sie heute mal einen Siebenjährigen quer durch Deutschland! </p>

<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Sollte so eine Reise auch nur ansatzweise Aussicht auf Erfolg haben, dann musste es auf jeden Fall Begleitpersonen geben, die es gewohnt waren, mit Schwierigkeiten umzugehen, von Überfällen durch Mensch oder Tier bis hin zu plötzlichen Krankheiten. Vorstellbar wäre es etwa, dass sich zu bestimmten Zeiten im Jahr Trecks im Stil von Karawanen auf den Weg zu zentral gelegenen Plätzen machten, wo man zusammenkam, um religiöse Feiern abzuhalten und sich bei der Gelegenheit auch für zukünftige Termine verabredete und untereinander Tausch betrieb, ob es nun um Waren oder Wissen ging, Saatgut, Vieh oder Mensch. </p>

<p>ZUSPIELUNG 16 (Matysik)</p>
<p>Ein Grab aus der Gemeinde Wehringen: das ist die Ausstattung von einem Frauengrab. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Auch wenn das kleine Museum von Königsbrunn keinen Jahrhundert-Fund wie das „Mädchen von Egtved“ zu bieten hat, kam doch bei den Grabungen der Ehrenamtlichen Beachtliches zutage. Siglinde Matysik zeigt auf ein üppig mit Bronzeschmuck versehenes weibliches Skelett: Ein massiver Halsring und zahlreiche „Tutuli“ - kleine Pyramiden aus Bronzeblech, die einst einen mittlerweile längst zerfallenen Stoff schmückten. Dazu im Bereich der Brust Bronzeplatten und um die Waden lange Spiralen aus Bronze, dessen einstiger Goldton sich über die Jahrtausende im Schotterfeld in ein sanft schimmerndes Türkis-Grün verwandelt hat.  </p>

<p>ZUSPIELUNG 17 (Matysik)</p>
<p>Das ist für mich immer so schwer nachvollziehbar, dass die auf den ganzen Reichtum verzichtet haben und haben das dann mit ins Grab weitergegeben. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die kostbare Bronze sollte offenbar der Verstorbenen auch im Jenseits das gute „Standing“ sichern, das sie im irdischen Leben besaß. Denn eine derart reiche Beerdigung bekamen nur Angehörige der Oberschicht. </p>

<p>MUSIK</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Bronzezeit ist nicht nur die Epoche, in der das Know-How in Sachen Metallbearbeitung rapide wächst und Handel und damit auch Mobilität eine immer größere Rolle spielen; sie ist auch geprägt von großen sozialen Unterschieden. Die Bestattungen des Lechtals zeugen davon: neben den reich mit Waffen und Schmuck ausgestatteten Gräbern gibt es auch solche, die so gut wie keine Beigaben enthalten. Die  Verstorbenen waren offenbar arm gewesen. Und sie besaßen, wie die Analysen ergaben, keinerlei Verwandtschaft im Lechtal. </p>

<p>ZUSPIELUNG 18 (Stockhammer)</p>
<p>Wir haben diese Gruppe interpretiert als vielleicht Bedienstete, Mägde, Knechte, ob die jetzt unfrei waren oder nicht, also Sklaven oder so, wissen wir alles nicht: sie haben in dem Gehöft gelebt, sie wurden auf dem Familienfriedhof bestattet, also sie sie waren schon Teil der Familie, aber sie hatten den ganzen niedrigen Status. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sprich, ihre Situation war ganz anders als die „fremden Frauen aus der Ferne – obwohl doch die Grundbedingungen – ursprünglich nicht hier beheimatet, keine Verwandten, keine Kinder - auf den ersten Blick ganz ähnlich wirken. Der Unterschied:  die „fremden Frauen“ kamen aus Technologiezentren. Und brachten wohl aus ihrer Heimat etwas extrem Wertvolles mit, nämlich Wissen und Können – insbesondere, was die Herstellung von Bronze betraf.  </p>

<p>ZUSPIELUNG 19 (Stockhammer)</p>
<p>Da ist nichts Körperliches, wo man sagt, das kann doch nur ein Mann, das braucht so besondere Kraft: Sie beobachten, wann hat das Metall die richtige Temperatur erreicht von der Färbung her, wie machen Sie die Gussform, welchen Ton wählen Sie für den Schmelztiegel aus?  </p>

<p> ERZÄHLERIN</p>
<p>Ausgerüstet mit diesem Know-How, vielleicht auch mit Werkzeug oder Bronze im Gepäck trafen die „Frauen aus der Fremde“ also auf dem jeweiligen Gehöft ein, auf dem sie fortan leben sollten, in einer Art Wohngemeinschaft mit dem Bauern und, sofern sie noch am Leben waren, mit seinen Eltern, Brüdern und mit den Schwestern unter 17 Jahren. Dazu kamen noch die – eingeheiratete - Ehefrau des Bauern und die Kinder des Paares. An deren Pflege und Erziehung die „Frau aus der Fremde“ vermutlich maßgeblich beteiligt war. </p>

<p>ZUSPIELUNG 20 (Stockhammer)</p>
<p>Wenn mal eine Frau mit einem Kind bestattet ist, dann ist es nicht die biologische Mutter, sondern eine Frau von ganz weit her. Worauf das für mich hindeutet, ist, dass wir letztlich andere Formen von Mutterrollen haben als wir uns vorstellen: Jedes Kind hatte sozusagen seine biologische Mutter, die immer wieder schwanger geworden ist, und auf der anderen Seite eine soziale Mutter, die vermutlich halt dem Kind auch ganz viel Wissen mitgegeben hat. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Angesichts der hohen Müttersterblichkeit, aber auch angesichts der Tatsache, dass die Frauen bei der Heirat fast noch Teenager waren, hatte eine solche „Aufteilung“ der Mutterrolle mit Sicherheit Vorteile. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag damals zwischen 20 und 30 Jahren – und jede Geburt stellte ein hohes Risiko dar. Eine „Ersatzmutter“, die zudem über größeres Wissen als der Durschnitt verfügte, konnte hier ein, wie Philipp Stockhammer es nennt, „Schlüssel zur Optimierung“ sein.   </p>
<p>ZUSPIELUNG 21 (Stockhammer)</p>
<p>Einerseits der Reproduktion, und andererseits, um den Kindern maximales Wissen und Überlebensmöglichkeiten zu garantieren. Und es ist so spannend, weil es einfach zeigt, wie komplex das Zusammenleben in diesen Häusern war und weit es über das hinausgeht, wie wir uns immer dieses, ach, einfache Leben in der Urgeschichte vorstellen. </p>

<p>MUSIK</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Dank bioarchäologischer Methoden lässt sich heute vieles beantworten, was früher unlösbar erschien. Doch jede Antwort bringt unzählige neue Fragen hervor. Was etwa mögen die „fremden Frauen“ wohl sonst noch mitgebracht haben aus ihrer Heimat: Neue Techniken der Textilherstellung? Der Essenszubereitung? Lieder? Ihre Sprache? Medizinische Kenntnisse? ((Und wie ist - ohne die Hilfe unseres modernen Wissens über Verhütung - jene durchgehende Kinderlosigkeit zustande gekommen, die ja offenbar für die hoch angesehenen „fremden Frauen“ ebenso galt wie für die Frauen der Unterschicht.  </p>

<p>ZUSPIELUNG 21 (Stockhammer)</p>
<p>Ich glaube, dass es ganz strikte Regeln gegeben haben muss, wer mit wem Nachkommen zeugen durfte und wer nicht, und es hat offensichtlich funktioniert, weil wir keinen einzigen genetischen Beleg dafür haben, dass irgendwo mal ein Seitensprung oder ähnliches… das würden wir ja genetisch sehen. Und das ist schon sehr spannend und zeigt uns, wie strikt und klar dieses System funktioniert haben muss.))</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ein System, das – wiewohl es offenbar sehr gut funktionierte – dann nach rund 750 Jahren trotzdem relativ abrupt endet. Die frühbronzezeitlichen Gehöfte des Lechtals sterben nach und nach aus, während parallel dazu andere Menschen in die Region ziehen, die sich, oftmals nur ein paar hundert Meter entfernt, neue Häuser bauen und ihre Toten auf andere Art bestatten. Was mag da wohl dahinterstecken? Und – weitere Fragen: Was war eigentlich mit den armen Bewohnern der Höfe? Wo und wie kamen sie her? Waren sie gekauft oder gar gekidnappt worden? Oder kamen sie womöglich freiwillig, froh, einen Unterschlupf zu finden, der ihnen in der rauen Welt der Bronzezeit zumindest einigermaßen das Überleben sicherte? Fragen über Fragen - auf die es wohl kaum je Antworten geben wird. Denn jener Teil unserer Geschichte, aus dem nichts Schriftliches und nur einige wenige Bilder überliefert sind, bleibt verborgen wie hinter einem Vorhang, der nur kleine Einblicke auf das gewährt, was dahinter liegt. Alles andere bleibt reine Spekulation. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>ABBA Forever - Das Pop-Phänomen aus Schweden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/abba-forever-das-pop-phaenomen-aus-schweden/1848730</link>
      <pubDate>Fri, 22 Aug 2025 02:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">72da6f0f-30b2-4cf6-adef-4167777e24fb</guid>
      <description>1974 gelang der schwedischen Pop-Band ABBA mit &quot;Waterloo&quot; ein erster Welthit. Das Quartett der anfänglich noch verheirateten Paare steht für gutgelaunte, international erfolgreiche Popsongs Made In Sweden. Von Markus Mayer (BR 2022) </description>
      <enclosure length="21689088" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1848730/c/feed/abba-forever-das-pop-phaenomen-aus-schweden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Markus Mayer</itunes:author>
      <itunes:summary>1974 gelang der schwedischen Pop-Band ABBA mit &quot;Waterloo&quot; ein erster Welthit. Das Quartett der anfänglich noch verheirateten Paare steht für gutgelaunte, international erfolgreiche Popsongs Made In Sweden. Von Markus Mayer (BR 2022) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e08a6f0a-a8ca-49bf-8aca-6e9d9da5d859.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>1974 gelang der schwedischen Pop-Band ABBA mit "Waterloo" ein erster Welthit. Das Quartett der anfänglich noch verheirateten Paare steht für gutgelaunte, international erfolgreiche Popsongs Made In Sweden. Von Markus Mayer (BR 2022) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Markus Mayer<br/> Regie: <br/> Es sprachen: Katja Amberger, Andreas Neumann, Katja Schild, Carsten Fabian<br/> Redaktion: ,Dr. Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li><strong>Dietmar Schwenger - Journalist, München </strong></li>
</ul>
<p></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>(Branchenblatt Musikwoche)</strong></p>
<br/>

<p>Noch mehr Interesse an Wissenschaft und Musik? Dann empfehlen wir:</p>
<p><strong>Kosmos Musik</strong><br/>Fördert Klavierspielen die Intelligenz? Warum ist Singen gut fürs Immunsystem? Und wie klang der Urknall? Auf diese und andere spannende Fragen antwortet der neue Wissens-Podcast &quot;Kosmos Musik&quot; mit der Astrophysikerin und angehenden Astronautin Suzanna Randall:<br/><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/kosmos-musik-mit-suzanna-randall-wissens-podcast/875">BR PODCAST I KOSMOS MUSIK - DER WISSENS-PODCAST MIT SUZANNA RANDALL</a></p>
<p><strong></strong> <br/><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Bandbiographien: </p>
<p>Licht und Schatten – ABBA – die wahre Geschichte. Carl Magnus Palm. Bosworth Berlin London Wien. 2006.</p>
<p>Die offiziöse, ‚amtliche‘ Bandbiographie des schwedischen Journalisten Carl Magnus Palme erzählt die Geschichte der Band aus der Sicht der Landsleute. </p>
<p><br/></p>
<p>ABBA – Thank You For The Music. Andrew Oldham, Tony Calder, Colin Irwin. Aus dem Englischen von Heike Steffen. Ullstein 2. Auflage 2000.</p>
<p>Politisch höchst unkorrekte Bandbiographie voller Sottisen und schmutziger Witze, des öfteren schallend gelacht bei der Lektüre. Könnte heutzutage nicht mehr geschrieben bzw. veröffentlicht werden, ein zutiefst sexistisches Buch, das zeigt in welchen Kontexten, die Karriere des Schweden-Quartetts einst verhandelt wurde. </p>
<p><br/></p>
<p>ABBA – The Music Still Goes On – Die Story zu ihren Songs. Robert Scott. Deutsch von Karin Miedler und Ursula Pesch. Rockbuch Verlag. Schlüchtern 2005</p>
<p>Bildbiographie mit zahlreichen, teilweise ganzseitigen Farbfotos, klassisches „Fan“-Produkt i.e. ein Buch, das für Fans, wenngleich mit Bildern, die viel über die Professionalität der ABBA-Mitglieder verraten und informativen Kurztexten.  </p>
<p><br/></p>
<p>ABBA – Ihre ganze Geschichte. Fréderic Tonnon &amp; Marisa Grau. Schwarzkopf &amp; Schwarzkopf. Berlin 2005</p>
<p>Lexikoneinträge in folgenden Kompendien: </p>
<p><br/></p>
<p>Von ABBA bis Zappa – Die Klassiker des Rock &amp; Pop. Hg. v. Peter Kemper, Reclam 2015, darin Artikel über Abba von Uwe Schütte. S. 11 – 17.  </p>
<p>Spitzzüngiger Abriss eines kompetenten Autors, profunde Informationen und Einschätzungen.  </p>
<p><br/></p>
<p>Rock und Pop von A bis Z. Von Julia Edenhofer. Bastei Lübbe. Bergisch Gladbach. 1993. S. 55 - 56. Nichtssagender Artikel. </p>
<p> </p>
<p>Das neue Rocklexikon. Band 1. Hg. von Barry Graves, Siegried Schmidt-Joos &amp; Bernward Halbscheffel. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Hamburg 1998. S. 36 - 37. Cooler Abriss mit Zitaten aus angelsächsischer Presse eines ungenannten Autors. </p>
<p><br/></p>
<p>Rock Rough Guide. Hg. Von Jonathan Buckley und Mark Ellingham. Verlag J.B. Metzler. Stuttgart, Weimar. 1998. S. 1 – 2. Artikel von Jonathan Kennaugh. </p>
<p><br/></p>
<p>Pop-Splits Die besten Songs aller Zeiten und ihre Geschichte. Hg. von Frank Bruder. Illustriert von Tim Dinter. Aufbau Taschenbuch Verlag. Berlin 2004</p>
<p><br/></p>
<p>Zu Schweden:</p>

<p>Gebrauchsanweisung für Schweden. Antje Rávik Strubel. Piper Verlag München, sechste Auflage 2019. Darin: S. 154  - 174 / Kapitel Auffallen verboten! </p>
<br/>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-abba-vier-schweden-erobern-die-pop-welt-esc-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><br/></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Sechster April 1974. Beim Eurovision Song Contest im englischen Seebad Brighton vertritt die Gruppe ABBA Schweden. Das Quartett war im Vorjahr bei der schwedischen Vorentscheidung ausgeschieden. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLER </strong></p>
<p>Der Eurovision Song Contest, kurz ESC, ist eine Veranstaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Europas. Ziel ist es, europäische Kulturen darzustellen und zu fördern. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Der Dirigent des Orchesters, das die Band begleitet, trägt einen Zweispitz und eine historische Uniform wie Napoleon Bonaparte. Denn der Song von ABBA heißt Waterloo, Schauplatz der größten Niederlage des Heerführers. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZUSPIELUNG ABBA: Waterloo /           Z9464472 001                                 1‘31</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong></p>
<p>Der Song von ABBA spielt auf die Redewendung ‚ein persönliches Waterloo erleben‘ an, also im eigenen Leben einen großen Misserfolg erleiden. Im Liedtext wird eine Liebesbeziehung mit Napoleons letzter Schlacht verglichen.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>ABBA haben die Startnummer acht: Agnetha trägt eine hautenge, blaue Satinhose, die blonden Haare werden bedeckt von einem neckischen Mützchen. Anni-Frid, die ihren rötlich-brünetten Haare eine Dauerwelle verpasst hat, ist mit einem schicken Rock in Maxi-Länge bekleidet. Björns Beine stecken in silberglänzenden Stiefeln mit Plateauabsätzen, der Korpus seiner silberfarbenen E-Gitarre ist wie eine Sternenexplosion gezackt. Der bärtige Benny, der hinter dem Klavier nur selten ins Bild kommt, wirkt verglichen mit den anderen fast unauffällig. Die Gesichter der Damen tragen Glitzer-Makeup, an allen Kostümen funkeln Silber-Kettchen - ABBA treten gemäß der Mode auf, die damals in der Pop-Arena angesagt ist. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong></p>
<p>Glamrock, kurz für Glamour- oder Glitter Rock steht für den großen, theatralen Auftritt, für Schminke, Androgynität und Künstlichkeit. Entwickelt wurde er von Vordenkern wie David Bowie, Marc Bolan, Roxy Music und Gary Glitter. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>ABBA wirken zwar nicht wirklich androgyn, gewinnen aber den ESC mit Waterloo. Das ist bemerkenswert. Erstens, weil Schweden damit zum ersten Mal Siegerland wird. Zweitens, weil der Song tatsächlich ungewöhnlich peppig und eingängig ist. 2020 wird er zum beliebtesten ESC-Song aller Zeiten gewählt. Und Drittens, weil die schwedische Band mit einem Popsong auf Englisch, der Rock-Elemente enthält, angetreten ist. Meist singen ESC-Teilnehmer in den Landessprachen. So tragen Cindy &amp; Bert, die Deutschland 1974 vertreten, das Lied „Die Sommermelodie“ vor. </p>


<p><strong>ERZÄHLER</strong></p>
<p>Was ABBA mit angelsächsischem Pop und Glam Rock verbindet, formuliert ein Kritiker der amerikanischen Musikzeitschrift Rolling Stone so:</p>

<p><strong>ZUSPIELUNG ABBA: Waterloo  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZITATOR</strong></p>
<p>„Mit ihren prägnanten und temporeichen Pop-Nummern liegen ABBA viel näher beim eigentlichen Rock’n’Roll als viele dieser übersteigerten Gitarrenkanonen oder diese seelenguten Gruppierungen, die den verwirrten Massen kosmo-dynamische Erleuchtung bringen wollen.“</p>
<p><strong>ZITATORIN </strong></p>
<p>ABBA Forever – Wie vier Schweden die Popwelt erobern</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZUSPIELUNG ABBA: The Winner Takes It All  </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong></p>
<p>ABBA haben es also geschafft, sie sind weltweit Nummer Eins. Eigentlich könnte dies das Ende dieser Gruppe sein, aber Björn und Benny, die Songwriter des Projekts, haben Blut geleckt. Beide sind Ende 20, relativ alt also für eine Popstar-Karriere. Sie bilden bereits seit Jahren ein hervorragendes Songschreiberteam. Und was einmal gelungen ist, lässt sich auch ein zweites Mal und öfter schaffen.   </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Eine Pop-Band mit zwei Songschreibern und zwei Frauen, die den Ton angeben – das ist neu. Es passt in die Zeit von Women’s Liberation, Emanzipation und Partnerlook. </p>
<p> </p>
<p><strong>ZUSPIELUNG ABBA: Super Trouper /</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Anni-Frid und Agnetha sind mehr als ein attraktives Aushängeschild, sie verfügen über Stimmen, die sich optimal ergänzen: Anni-Frid bildet mit ihrem vollen, runden Mezzosopran das Fundament, über den sich Agnethas Sopran in der Tonlage darüber mühelos in die Höhe schrauben kann. Beide haben wie auch Björn und Benny zahllose Auftritte absolviert, auch mit den Anforderungen von Fernseh- und Aufnahme-Studios sind sie vertraut.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong></p>
<p>Der Müncher Musikjournalist Dietmar Schwenger ist ABBA-Fan seit Kindheitstagen</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZUSPIELUNG DIETMAR Schwenger über kunstvolle Stimmführung</strong></p>
<p>Wenn man dann hört, wie die zwei Stimmen kunstvoll miteinander verwoben sind. Mal unisono, dann wieder im Terzabstand, miteinander gesungen haben. Ein großer Teil der ABBA-Magie liegt darin, wie die beiden Stimmen eingesetzt sind.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZUSPIELUNG ABBA: Take A Chance /           Z8006513 208                     21’’</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Björn Ulvaeus, geboren 1945 in Göteborg, und Benny Andersson, 1946 in Stockholm zur Welt gekommen, haben sich über die Hep Stars kennen gelernt, eine schwedische Band, bei der Benny Orgel spielt. Die Hep Stars empfinden in den 60er Jahren angloamerikanische Songs nach. Bei einem Auftritt der Gruppe im Juni 1966 treffen sie sich zum ersten Mal. Als dann der Hep Stars-Gitarrist ausfällt, springt Björn, der in Folkbands Gitarre gespielt hat, ein. Sein Jurastudium hängt er an den Nagel. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong></p>
<p>Weil Björn und Benny sich gut verstehen, bilden sie eine Arbeitsgemeinschaft, die für Polar Music tätig ist. Das ist eine Schallplatten-Firma mit Musikverlag, die der Geschäftsmann und Branchenkenner Stig Anderson führt. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Eine der Künstlerinnen von Polar Music, für die Björn und Benny Songs schreiben, ist die Jazzsängerin Anni-Frid Lyngstad, geboren 1945 in Norwegen. Sie ist ein so genanntes “Tyskerbarn”, ein Deutschenkind. Ihre Mutter war erst 19, als sie auf die Welt kam. Anni-Frid ist das Kind einer Liebschaft zwischen einer Norwegerin und einem deutschen Besatzungssoldaten. Ihr Vater, heißt es, wäre in den letzten Kriegstagen gefallen. Weil ihre Mutter 1947 an einem Nierenversagen stirbt und Tyskerbarna mit Diffamierungen und Ausgrenzung zu rechnen haben, zieht Anni-Frids Großmutter mit ihr nach Schweden. Mit 14 verlässt sie die Schule und beginnt eine Schneiderlehre. Später gestaltet sie einige Bühnen-Kostume von ABBA.</p>
<p> </p>
<p><strong>ZUSPIELUNG Anni-Frid Lyngstad - Peter Pan </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong></p>
<p>Die Jüngste im Bunde ist Agneta Fältskog, geboren 1950 in der Provinzhauptstadt Jonköping als Tochter eines Kaufhausgeschäftsführers. Sie geht mit 15 von der Schule ab und arbeitet als Telefonistin. Davor hat sie bereits in einem Mädchen-Vokaltrio gesungen. 1967 produziert sie mit einer Band ein Demoband mit Liedern, die sie selbst geschrieben hat. Es landet auf dem Schreibtisch einer Plattenfirma in Stockholm und führt dazu, dass Agnetha unter Vertrag genommen wird. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZSP Agnetha Fältskog: Wer schreibt heut noch Liebesbriefe </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>

<p>1968 nimmt die ehrgeizige Sängerin mehrere deutsche Schlager auf, die allerdings floppen. Bei einem Auftritt in Schweden lernt sie Björn Ulvaeus kenne, damals ein gefeierter Teeniestar. Als sich die beiden ein Jahr später bei der Aufzeichnung einer Fernsehsendung wiedersehen, kommt es zu einer Liaison, die von der Boulevardpresse aufgegriffen wird. Derweil veröffentlicht Agneta ihr Debutalbum mit selbstgeschriebenen Songs – ein Erfolg beim jungen Publikum. </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Erkämpft und verhasst - Die Geschichte des Datenschutzes</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/erkaempft-und-verhasst-die-geschichte-des-datenschutzes/2108874</link>
      <pubDate>Fri, 22 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a1100d33-85a8-464c-8fef-c2221b07e71f</guid>
      <description>Datenschutz - deutsche Erfindung oder digitale Bremse? Von Hessens Pioniergesetz 1970 über den Volkszählungs-Protest bis zur DSGVO und dem Einsatz von Max Schrems gegen Facebook: Eine Geschichte zwischen Grundrechten, Überwachungssorgen und dem Ruf nach mehr digitaler Freiheit. Autor: Stefan Foag. (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22070016" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108874/c/feed/erkaempft-und-verhasst-die-geschichte-des-datenschutzes.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Foag, Stefan</itunes:author>
      <itunes:summary>Datenschutz - deutsche Erfindung oder digitale Bremse? Von Hessens Pioniergesetz 1970 über den Volkszählungs-Protest bis zur DSGVO und dem Einsatz von Max Schrems gegen Facebook: Eine Geschichte zwischen Grundrechten, Überwachungssorgen und dem Ruf nach mehr digitaler Freiheit. Autor: Stefan Foag. (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/92b2e9fa-c952-4b7d-99ed-ab3c6bd026eb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Datenschutz - deutsche Erfindung oder digitale Bremse? Von Hessens Pioniergesetz 1970 über den Volkszählungs-Protest bis zur DSGVO und dem Einsatz von Max Schrems gegen Facebook: Eine Geschichte zwischen Grundrechten, Überwachungssorgen und dem Ruf nach mehr digitaler Freiheit. Autor: Stefan Foag. (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor: Stefan Foag</p>
<p>Regie: Sabine Kienhöfer</p>
<p>Sprecher: Christian Baumann, Peter Veit</p>
<p>Technik: Wolfgang Lösch</p>
<p>Redaktion: Yvonne Maier</p>

<p>Im Interview:</p>
<ul>
<li>       Prof. Dr. Kai v. Lewinski, Universität Passau, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Medien- und Informationsrecht</li>
</ul>
<ul>
<li>       Hartmut Bäumer, ehemaliger Landtagsabgeordneter (Bündnis 90/Die Grünen)</li>
</ul>
<ul>
<li>       Leopold Beer, Research Assistant bei Open Search Foundation e.V.</li>
</ul>



<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/eat-read-sleep-buecher-fuer-dich/urn:ard:show:21785c45dc44e254/">eat.READ.sleep. Bücher für dich</a></strong></p>
<p>Nach einer literarischen Vorspeise servieren Katharina Mahrenholtz, Daniel Kaiser und Jan Ehlert aktuelle Neuerscheinungen und Lieblingsbücher. Für die Bestseller-Challenge lesen sie sich durch die Titel der aktuellen Top Ten - kneifen gilt nicht, deutliche Meinung ist erwünscht! Beim Quiz können alle ihr Literatur-Wissen testen und Fun Facts für die nächste Party sammeln. Dazu gibt es Interviews mit Büchermenschen und Insights aus der Buchbranche.</p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/eatreadsleep-cp">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><br/></p>
<p>Linktipps:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/geschichte-der-privatsphaere-menschliches-grundbeduerfnis-oder-konstrukt/bayern-2/83456380/">Geschichte der Privatsphäre - Menschliches Grundbedürfnis oder Konstrukt?</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-recht-auf-widerstand-wer-sich-nicht-wehrt/bayern-2/78750218/">Das Recht auf Widerstand - Wer sich nicht wehrt</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ueberwachung-spitzel-zensur-das-system-metternich/bayern-2/14164709/">Überwachung, Spitzel, Zensur - Das &quot;System Metternich&quot;</a></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Literatur: </strong><em></em></p>
<p>-       Von Lewinski, Kai (2021) „Zur Geschichte von Privatsphäre und Datenschutz – eine rechtshistorische Perspektive“ – spannende Zusammenfassung mit juristischer Brille  </p>
<p>-       M. Friedewald, J. Lamla, and A. Roßnagel (2017) „Informationelle Selbstbestimmung im digitalen Wandel“ – für tiefgründige Einblicke in die Rechtsdebatten </p>
<p> </p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<p>Internetseite der Initiative „Open Web Search EU“</p>
<p><a href="https://openwebsearch.eu/">https://openwebsearch.eu/</a></p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-datenschutz-grundrecht-dsgvo-meta-volkszaehlung-social-media-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p>Im Fernsehen läuft Werbung. Fragebögen werden vorbereitet; teilweise kommen Mitarbeiter persönlich an die Haustür und überprüfen die Aussagen. Routine, wie in den anderen Volkszählungen auch. Doch diesmal sagen viele: Was geht das eigentlich alles den Staat an?</p>
<p> </p>
<p><strong>Zsp 6 Datenschutz</strong><strong></strong></p>
<p><strong>Die einzelnen Daten sind gar nicht so problematisch, aber die die Verknüpfung dann eben auch der persönlichen Daten mit diesen fachlichen Fragen. Das war damals das Problem.</strong></p>
<p><em><strong>Sprecher </strong></em><strong></strong></p>
<p>Erklärt Hartmut Bäumer. Die Sorge: Staatliche Behörden könnten nicht nur herausfinden, wie viele Menschen etwa mit dem Zug zur Arbeit fahren, sondern den Arbeitsweg des Einzelnen unter seinem Namen. Grünen-Politiker wie er empfehlen den Leuten damals, sich nicht zu beteiligen. Ohne direkt zum Boykott aufzurufen – das wäre strafbar: </p>
<p> </p>
<p>Zsp 7 Datenschutz                            <strong></strong></p>
<p><strong>Aber es war natürlich informell schon ein Aufruf zu boykottieren, das ist richtig, aber man muss ja nicht unbedingt, gerade wenn man Jurist ist, ins sozusagen ins offene Messer laufen.</strong></p>

<p><em><strong>Sprecher </strong></em><em><strong></strong></em></p>
<p>Denn das Ausfüllen des Fragebogens ist Pflicht - ein Gesetz.<em> <em>Im ganzen Land kämpfen Aktivisten gegen die Volkszählung. <strong>((</strong>Ein Bericht des politischen Fernsehmagazins Panorama in der ARD beginnt mit fünf Personen mit schwarzer Jacke, Hut und Sonnenbrille. Sie betreten einen Waschsalon in Hamburg. Mit Klemmbrettern gehen sie auf die dort sitzenden Menschen zu:</em></em><em></em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Zsp 8 Datenschutz</strong>            <em><strong></strong></em></p>
<p><em>„Haben Sie ein Klo? Oder wo duschen Sie? PKW? Marke, Name, Kennzeichen? Auf wessen Kosten? Alter, Name, Geschlecht, Telefon? Arbeit oder entlassen?“</em><em></em></p>
<p><em>Die Fragen klingen absurd, aber sie stammen, wenn auch ein wenig verfremdet, aus den Fragebögen zur Volkszählung 83.<strong>))</strong> </em><em></em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em><strong>Sprecher </strong></em><em><strong></strong></em></p>
<p>Die Bundesregierung aus Union und FDP hat kein Verständnis für den Protest. </p>
<p> </p>
<p><strong>((Zsp 9 Datenschutz         </strong></p>
<p>Wir brauchen diese Angaben für den Bürger. Die Zahl seiner Arbeitsstätten, die Anzahl der Berufe. Wir müssen wissen, wer heizt mit Holz, Kohle, Gas! Wo geschieht das? Wie viele Wohneinheiten? Der Wohnungsbauminister, die ganze Bauwirtschaft ist darauf angewiesen, die ganzen Unterlagen zu erhalten, die für die Planung der nächsten zehn Jahre notwendig ist.<strong>))</strong> </p>
<p> </p>
<p><em><strong>Sprecher </strong></em><strong><em></em></strong></p>
<p>Der damalige Innenminister, Friedrich Zimmermann von der CSU wirft den Aktivisten im Magazin „Der Spiegel“ darüber hinaus „eine Diffamierungskampagne“ vor und einen „Angriff auf das ganze System“. Straßen, Schulen, Sozialleistungen lassen sich ohne Daten schwer organisieren. Doch in den 1980ern blicken viele anders auf den Staat, sagt Hartmut Bäumer:</p>
<p> </p>
<p><strong>Zsp 10 Datenschutz</strong>     </p>
<p>Also man sah […] eher den bösen Staat und nicht den helfenden Sozialstaat, den es ja auch gibt. </p>
<p><em> </em></p>
<p><em><strong>Zsp 11 Datenschutz Computer-Atmo</strong></em><em> [nach Belieben einbauen und drunterlegen]</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em><strong>Sprecher </strong></em><em><strong></strong></em></p>
<p><strong>Zur allgemeinen Staatskepsis kommt damals noch etwas dazu: Sorgen vor der Technik. Der Panaroma-Beitrag zeigt den Computer-Raum der Hamburger Polizei: Bildschirme im Bierkasten-Größe; in Schränken laufen Bänder an Filmrollen:  </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em><strong>Zsp 12 Datenschutz</strong></em><em><strong></strong></em></p>
<p><em>Die technischen Möglichkeiten moderner Computer sind kaum zu überschätzen. […] Viele Millionen Einzeldaten werden auf diesen Computern gespeichert. Die Polizei lässt hier arbeiten, der Verfassungsschutz und das Finanzamt …</em><em></em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p><strong>Auf digitale Daten können Behörden schneller zugreifen und sie auch mit anderen Informationen verknüpfen, so die Sorge …</strong><strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zsp 13 Datenschutz</strong><strong></strong></p>
<p>Und wenn da dann entsprechende Leute an der Macht sind, können sie diese Daten natürlich durch Verknüpfung auch gegen die einzelne Person verwenden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p><strong>Hartmut Bäumer und andere denken damals dabei zwangsläufig an die jüngere Geschichte:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zsp 14 Datenschutz</strong><strong></strong></p>
<p><strong>Hitler ist per Wahl an die Macht gekommen und hat dann alles geändert.</strong></p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p><strong>1933 und 1939 fanden auch Volkszählungen statt. Wie viel der damals erhobenen Daten für die spätere Judenverfolgung genutzt wurde, ist unklar. Fakt ist: Der millionenfache Mord wurde auch dadurch möglich, dass ein Bürokraten-Apparat sensible Daten systematisch erfasst hatte:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zsp 15 Datenschutz </strong><strong></strong></p>
<p><strong>Und diese Überlegung, wir alle wissen, wie ein totalitäres System funktioniert. Und wenn wir jetzt als Zugabe noch den Computer dazugeben, heijeijei ich glaube, das war das Gefühl.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p><strong>Sagt der Jurist Kai von Lewinski. Er ist Professor an der Universität Passau und hat sich mit der Geschichte des Datenschutzes beschäftigt. Er sagt: Zwar wurde auch in anderen Ländern, vor allem in den USA, über Datenschutz diskutiert. Aber Proteste in dem Ausmaß wie in der Bundesrepublik Deutschland gab es in anderen Ländern nicht. ((Dass ausgerechnet hier die Debatte so hochkochte, hält Lewinski für …</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Zsp 16 Datenschutz </strong><strong></strong></p>
<p><strong>Keine geschichtliche Notwendigkeit oder auch kein deutscher Sonderweg.)) Aber durch die Geschichte Erfahrung mit dem Nationalsozialismus, vielleicht auch: Wir neigen ja so ein bisschen zu Bedenkenträgerei. Das war dann die Mischung, die dazu geführt hat, dass es sich so entwickelt hat, wie es sich entwickelt hat.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecher</strong></p>
<p><strong>Zu dieser Entwicklung gehört auch, dass das erste Datenschutz-Gesetz weltweit aus der BRD kommt. Und zwar schon deutlich vor den Protesten zur Volkszählung. In den 1960ern entstehen die ersten Computer. Intellektuelle warnen, dass die neue Technik fürs Sammeln von Daten missbraucht werden könnte. Darüber schreibt der FAZ-Journalist Hanno Kühnert 1969 einen Kommentar. Warnt vor den </strong>„Tücken der Computer“ und ihre Gefahr für die Privatsphäre. Ein entscheidender Startschuss für die <strong></strong></p>
<p> </p>
<p>Auseinandersetzung.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Blühende Wiesen - Biotope aus Menschenhand</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bluehende-wiesen-biotope-aus-menschenhand/2108729</link>
      <pubDate>Thu, 21 Aug 2025 18:12:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">98a3cebb-ac24-46f3-bcfd-d9c825b39889</guid>
      <description>Mehr als 80 Pflanzenarten können auf einer Wiese wachsen und viele Tiere anlocken. Diese Vielfalt bildet das Fundament vieler Ökosysteme. Intensiv genutztes Grünland ist üppig grün, aber weniger artenreich. Wie lassen sich Wiesen-Ökologie und Ökonomie ausbalancieren? Autorin: Renate Ell (BR 2025) </description>
      <enclosure length="21876864" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108729/c/feed/bluehende-wiesen-biotope-aus-menschenhand.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Ell, Renate</itunes:author>
      <itunes:summary>Mehr als 80 Pflanzenarten können auf einer Wiese wachsen und viele Tiere anlocken. Diese Vielfalt bildet das Fundament vieler Ökosysteme. Intensiv genutztes Grünland ist üppig grün, aber weniger artenreich. Wie lassen sich Wiesen-Ökologie und Ökonomie ausbalancieren? Autorin: Renate Ell (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4f553a9f-237b-4f2c-8b82-939f34fc647a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mehr als 80 Pflanzenarten können auf einer Wiese wachsen und viele Tiere anlocken. Diese Vielfalt bildet das Fundament vieler Ökosysteme. Intensiv genutztes Grünland ist üppig grün, aber weniger artenreich. Wie lassen sich Wiesen-Ökologie und Ökonomie ausbalancieren? Autorin: Renate Ell (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Renate Ell<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse <br/> Technik: Monika Gsaenger <br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>- Prof. Dr. Wolfgang Weisser, Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie, Technische Universität  München</p>
<p>- Inge Steidl, Biologin, Freising</p>
<p>- Rita Rott, BUND Naturschutz in Bayern, Landesfachgeschäftsstelle München</p>
<p>- Dr. Sabine Heinz, Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz,  Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freising</p>
<p>- Maria Bathow, Fachgebiet II 1.5, Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung,  Umweltbundesamt, Dessau</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Und noch eine Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d79518b9abaaf004/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Waldmedizin - Kann der Wald wirklich heilen? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>

<p>Quellen und weiterführende Links:</p>

<ul>
<li><a title="EXTERN" href="https://www.lfl.bayern.de/Wiesenmeisterschaft">Bayerische Wiesenmeistersc</a><a title="EXTERN" href="https://www.lfl.bayern.de/Wiesenmeisterschaft">haft</a></li>
<li><a title="EXTERN" href="https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/journal/das-jena-experiment-alles-ist-mit-allem-verbunden-warum-10881">Jena-Experiment</a></li>
<li><a title="EXTERN" href="https://www.planet-wissen.de/natur/landschaften/wiese/index.html">Planet Wissen</a></li>
</ul>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-bluehende-wiesen-artenvielfalt-bluehstreifen-gruenland-biodivers-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>Atmo „Landschaft“, z.B. mit Lerchen, Schwalben, Heuschrecken</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wälder, Äcker, Wiesen – das ist der Dreiklang unserer Kulturlandschaft. Also dem, was nicht die Natur geschaffen hat, sondern wir Menschen. Wiesen sind das jüngste dieser drei Elemente. Würden sie nicht gemäht, um Tierfutter zu erzeugen, gäbe es sie nicht. Dann würden dort erst Büsche wachsen und irgendwann ein Wald. Nur auf wenigen Flächen kommen natürliche Grasflächen vor, erklärt Wolfgang Weisser, Professor für Terrestrische Ökologie an der Technischen Universität München.</p>

<p>(1. ZUSP.) WOLFGANG WEISSER</p>
<p>Wenn der Boden sehr dünn ist, und Büsche und insbesondere Bäume schlecht wachsen können, hat man oft eine sehr kurze Vegetation; oder wenn es sehr feucht wäre, und keine Bäume wachsen können, kann es sein, dass man da Grasländer hat, aber im Grunde sind Grasländer erst durch die menschliche Nutzung sehr häufig geworden.</p>

<p>MUSIK: ANCIENT FLUTE JOURNEY 0‘40</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Bevor Menschen anfingen, Rinder und Schafe zu halten, haben wildlebende Pflanzenfresser wie Wisente, Auerochsen, Elche oder Hirsche das Gras abgeweidet. Mit der Ausweitung der Landwirtschaft entstanden „halboffene“ Landschaften mit Grasflächen und Bäumen. Bauern trieben ihre Tiere in diese sogenannten Hutewälder wie heute auf eine Weide. Im Lauf des Mittelalters entwickelte sich dann die Heuwirtschaft mit großen, eigens angelegten Wiesenflächen, um immer mehr Nutztiere zu versorgen, auch mit getrocknetem Gras im Winter. Für heutige Hochleistungs-Rinder liefert Heu allerdings nicht genug Nährstoffe. Sie werden mit Silage gefüttert – das ist vergorenes Gras, vergleichbar mit Sauerkraut. Dieser jüngste Entwicklungsschritt der Wiesen-Wirtschaft hat das Grasland stark verändert.</p>

<p>(2. ZUSP.) WOLFGANG WEISSER</p>
<p>Für Silage möchte man möglichst viel frische Biomasse haben, die proteinreich ist, die man dann vergären kann, wenn Sie also nur das maximieren wollen, dann ist es gut, wenn sie sehr, sehr oft mähen und die Pflanzen nicht zur Blüte kommen lassen.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sehr oft mähen, bis zu sieben mal im Jahr: Das funktioniert nur mit viel Dünger. Den liefern die Tiere, die mit der Silage gefüttert werden; vor allem Gülle. Im Extremfall werden solche Wiesen sogar alle paar Jahre umgebrochen und neu angelegt, damit bestimmte Gräser und Klee-Arten mit hohem Proteingehalt immer dominieren.</p>

<p> (3. ZUSP.) WOLFGANG WEISSER</p>
<p>Dann haben Sie natürlich immer eine Artengemeinschaft, die ganz weit abweicht von dem, was eine Wiese ist, Insekten insbesondere; aber Wiesen sind, wenn sie nicht so intensiv bewirtschaftet werden, sehr artenreich, was die Pflanzen angeht und eben auch sehr artenreich, was die Tiere angeht, was besonders ist und was viele Leute auch eben schön finden.</p>

<p>Musik: Good reasons 0‘40</p>
<p>Atmo Wiese und Heuschrecke</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Etwa die Hälfte der in Deutschland heimischen Pflanzen können in Wiesen vorkommen – und je größer die Pflanzenvielfalt ist, desto mehr Tiere lockt eine Wiese an: Insekten wie Hummeln, Schmetterlinge und Ameisen, Vögel vom Kiebitz bis zum Storch, außerdem Mäuse, Kaninchen, Frösche, Eidechsen und so weiter. Landwirte, denen eine ideale Balance zwischen Ökologie und Ertrag gelingt, weil sie nicht intensiv, sondern extensiv wirtschaften, können in Bayern bei der „Wiesen-Meisterschaft“ punkten.</p>

<p>(4. ZUSP.) INGE STEIDL MIT ATMO – Z.T. UNTER DEN TEXT BLENDEN, IN TEXTPAUSEN FREI, SODASS MAN IMMER WIEDER PFLANZENNAMEN HÖRT.</p>
<p>(nennt Pflanzennamen)</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Biologin Inge Steidl aus Freising, eine ausgewiesene Pflanzenbestimmungs-Expertin geht über eine Wiese, die für den Wettbewerb angemeldet ist, und schaut, was dort wächst.</p>
<p>Immer Anfang Mai finden solche Begehungen statt – seit 2009 können sich jedes Jahr Landwirte in einer anderen Region Bayerns um die Wiesenmeisterschaft bewerben. </p>
<p>Der Wettbewerb ist ein gemeinsames Projekt der Landesanstalt für Landwirtschaft und des Bund Naturschutz in Bayern – und diese Zusammenarbeit spiegelt auch die Ziele wider, erklärt Rita Rott vom Bund Naturschutz, die auch bei der Wiesen-Begutachtung dabei ist.</p>

<p>(5. ZUSP.) RITA ROTT</p>
<p>Weil wir eben nicht nur die Hobby-Wiesen sehen wollen, kartieren wollen, sondern wir wollen wirklich an die Betriebe ran, die das im Betriebssystem gut unterbringen und trotzdem noch einen Blick für den Naturschutz und Artenschutz auf der Fläche haben. Immer wo eine extensive Wiese ist, wirklich eine artenreiche Wiese, muss ein Bewirtschafter dahinter sein, der sich darüber Gedanken gemacht hat </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und die Biologin Inge Steidl ergänzt:</p>

<p> (6. ZUSP.) INGE STEIDL</p>
<p>Diese Wiesen, die wir dann prämieren, die sollen ja auch gewisse Vorbildcharakter haben für den ganz normalen Durchschnitts-Landwirt, um eben zu zeigen, dass sich Artenreichtum und Nutzung nicht von vornherein ausschließen. Also das ist uns eben ganz wichtig.</p>

<p>Musik: Critical tasks 0‘25</p>
<p>Atmo Rasenmäher</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In der Kategorie Naturschutz gibt es die höchste Punktzahl, wenn auf der Wettbewerbs-Wiese mehr als 50 Arten wachsen – in den Alpen können es über 80 werden – und noch dazu seltene, gefährdete Rote-Liste-Arten. Artenreiche Wiesen werden auf trockenen Standorten typischerweise zweimal jährlich gemäht, auf anderen Standorten dreimal, oder zweimal plus Weide-Nutzung im Herbst. Im Gegensatz zu intensiven Wiesen, die bis zu siebenmal gemäht werden – und schon so früh, dass wiesenbrütende Vögel wie Kiebitze keine Chance haben. Es spielt aber auch eine Rolle, wie gemäht wird, erklärt Sabine Heinz. Sie kümmert sich in der Landesanstalt für Landwirtschaft um die Wiesen-Meisterschaften . </p>

<p> (7. ZUSP.) SABINE HEINZ</p>
<p>Es gibt Kreiselmäher, die einen sehr starken Sog entwickeln, und bei diesem Sog werden halt kleine Tiere mit in das Mähwerk hineingesogen und dann zerkleinert, danach kommt dann häufig noch der Aufbereiter, der das Ganze noch zerquetscht, das führt zu einer schnelleren Trocknung, führt aber auch dazu, dass die Tiere tatsächlich das nicht überleben; wesentlich schonender sind Balkenmäher, die schneiden das Gras mit zwei gegeneinander sich bewegenden Schneiden ab, das Gras fällt einfach nur runter, dadurch können halt wesentlich mehr Tiere entkommen, und es gibt auch keinen Aufbereiter, von daher bleiben einfach wesentlich mehr Insekten am Leben; wichtig wäre es aber auch noch zusätzlich am besten einen Altgrasstreifen stehen zu lassen, wo nämlich die Insekten, die sich haben retten können, dann hineinkönnen, wenn die ganze Wiese gemäht ist, das wäre so das ideale.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In der Kategorie Landwirtschaft geht es um den Futter-Ertrag und wie das Futter im Betrieb verwertet wird.</p>

<p> (8. ZUSP.) SABINE HEINZ</p>
<p>Beispielsweise die eigenen Tiere, die damit gefüttert werden, das wird sehr positiv bewertet bei uns, und wenn die eigenen Tiere dann auch noch gleich vor Ort beispiels¬weise geschlachtet und zu Fleischpaketen verarbeitet und vermarktet werden, sodass die Wertschöpfung halt im Betrieb bleibt, im Ort bleibt, das gibt bei uns für den Betrieb dann auch nochmal Punkte, weil es wichtig ist, dass auch tatsächlich eine Wertschöpfung da ist, dass man Artenvielfalt und landwirtschaftliche Nutzung zusammenbringt.</p>

<p>Musik: Critical tasks 0‘27</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Sieger im Wiesen-Wettbewerb haben vielleicht nicht die volle Punktzahl in beiden Kategorien – aber sie zeigen, wie eine gute Balance zwischen Naturschutz und Landwirtschaft gelingt. Dabei helfen Fördermittel, die den geringeren Ertrag im Vergleich zu intensiv gedüngten Wiesen ausgleichen. Die fließen zum Beispiel, wenn sich ein Landwirt verpflichtet, erst nach dem 15. Juni oder 1. Juli das erste Mal zu mähen – wenn Gras und andere Pflanzen schon weniger Proteine enthalten. Der Nachteil ist: Wenn zu diesem Termin Dauerregen droht, darf man trotzdem nicht mal einen Tag früher mähen. Aber es gibt auch eine Alternative: die sogenannte „ergebnisorientierte Honorierung“. Dabei dienen bestimmte Pflanzenarten als Indikatoren für artenreiches Grünland. </p>

<p>(9. ZUSP.) SABINE HEINZ</p>
<p>Das heißt, die Landwirte werden nicht dafür gefördert, was sie tun, sondern dafür, dass sie das Ergebnis haben „artenreiches Grünland“, das bekommen Sie natürlich nur, wenn Sie spät mähen, nicht zu viel düngen, aber der Landwirt hat praktisch selbst die Entscheidung, wann mähe ich, wann dünge ich, wie viel dünge ich, und wie erhalte ich den Zustand?</p>

<p>ATMO DRESCHMASCHINE</p>
<p>MUSIK: GREEN TINY GRASS 0‘25</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Entscheidet sich der Landwirt doch, die Fläche intensiv zu bewirtschaften, ist das nicht nur ein Verlust für alle Pflanzen und Tiere, die in und von diesem Ökosystem gelebt haben. Sondern auch für Menschen. Und dafür gibt es sogar einen Fachbegriff, erklärt die Psychologin Maria Bathow, die sich am Umweltbundesamt mit dem Einfluss von Natur und Umwelt auf die mentale Gesundheit beschäftigt.</p>

<p>(10. ZUSP.) MARIA BATHOW</p>
<p>Solastalgie, das beschreibt ein Gefühl von Heimweh, ohne dass ich meine Heimat aber jemals verlassen habe. Wenn sich jetzt eine artenreiche, blütenreiche Wiese wandelt, hin zu einer artenarmen Wiese, kann sich dieses Gefühl von Verlust, von Trauer einstellen. Insbesondere eben dann, wenn ich die ehemals artenreiche Wiese als etwas sehr Positives, wohltuendes und auch identitätsstiftendes erlebt habe.</p>
<p>Atmo: Wiese</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Identitätsstiftend sind bunte, artenreiche Wiesen für Menschen, die in einer Gegend mit entsprechender Landwirtschaft leben – aber sicher auch für regelmäßige Urlaubsgäste. Dass Wiesen wohltuend sind, merkt man vielleicht erst, wenn sie fehlen. Schon weil sie alle Sinne ansprechen.</p>

<p>(11. ZUSP.) MARIA BATHOW</p>
<p>Ich habe visuelle Reize. Also ich kann mir verschiedene Pflanzen angucken, ich kann Tiere angucken, ich kann Vögel beobachten, das wirkt alles wohltuend positiv stimulierend, und über verschiedene Gruppen von Menschen hinweg hat man da gefunden, dass das als besonders ästhetisch empfunden wird. Dann gibt es eine Vielzahl akustischer Reize. Wir können Insekten summen oder brummen hören, wir können Vogelgesang hören, und wir haben Naturgerüche. Und auch da gibt es Hinweise, dass so ein Geruch von Kräutern, Blumen oder Gräsern sehr stressreduzierend wirken kann.</p>

<p>Slow ballet (reduced) 0‘40</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im Zusammenhang mit der wohltuenden Wirkung von Natur ist in den letzten Jahren das „Waldbaden“ populär geworden, ein Trend aus Japan. Auch dabei geht es um das Wahrnehmen mit allen Sinnen, für das man vielleicht sogar barfuß geht. Es kann nachweisbar den Blutdruck senken, Stress reduzieren und das Immunsystem stärken.</p>
<p>Könnte man nicht auch „Wiesenbaden“?</p>

<p>(12. ZUSP.) MARIA BATHOW</p>
<p>Je intensiver, je direkter ich mit Natur interagiere, desto eher kann ich diese erholsamen Qualitäten für mich selbst nutzen. Und deshalb finde ich die Idee von so einem Wiesen¬baden gar nicht so uninteressant, dann könnte man dieses Konzept Waldbaden einfach auf den Wiesenraum übertragen und sagen: Ich spaziere jetzt entlang dieser Wiese und versuche mal mit allen Sinnen, diese Wiese wahrzunehmen.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Daran entlang spazieren, nicht mitten rein! Gerade bei blütenreichen, hoch-gewachsenen Wiesen, denn plattgetretene Pflanzen möchte der Landwirt nicht haben. </p>
<p>Experimente speziell zur Wirkung artenreicher Wiesen hat bisher nur eine Gruppe von Forschenden um Petra Lindemann-Mathies angestellt, ehemals Professorin an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Dazu absolvierten die Teilnehmenden erst einen Test, der sie unter Stress setzte, und schauten dann zur Entspannung eine Zeit lang entweder auf einen sandigen Boden oder auf ein Stück Wiese. Vor und nach dieser Entspannungsphase wurde der Blutdruck gemessen.</p>

<p>(13. ZUSP.) MARIA BATHOW</p>
<p>Die Studie hat gezeigt, dass Pflanzenvielfalt Stressabbau fördert, im Gegensatz zum Betrachten von vegetationslosen Flächen. Und diese verschiedenen Wiesenabschnitte, die da präsentiert wurden, die wurden ja nochmal variiert hinsichtlich der Artenvielfalt. Und da hat sich gezeigt: Eine mittlere Artenvielfalt trägt ganz besonders zum Stressabbau bei. </p>

<p>MUSIK: A BEGINNING 0‘55</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>32 Pflanzenarten waren ideal. Bei dem Experiment zeigten sich keine Unterschiede hinsichtlich Alter, Geschlecht oder Naturverbundenheit der Teilnehmenden. Das ist auch insofern interessant, als die Vielzahl stark gedüngter, artenarmer Wiesen eine neue Entwicklung sind. Ältere oder besonders naturverbundene Menschen könnten also Wehmut oder „Solastalgie“ empfinden, weil sie bunte Wiesen vermissen, und vielleicht auch Kiebitze oder andere Wiesenbrüter, die in solchen Wiesen ihre Nester bauen konnten. Viele junge Menschen hingegen vermissen nichts, sie kennen nur dichte, blütenarme Wiesen ohne Vogelnester. Für solche Entwicklungen gibt es den Begriff „neues Normal“. Aber:</p>

<p>(14. ZUSP.) MARIA BATHOW</p>
<p>Studien haben gezeigt, dass Menschen unabhängig von ihrem Wissen über Biodiversität, oder unabhängig davon, ob sie sich selbst als naturverbunden beschreiben, Biodiversität immer vorziehen und immer eher schätzen als eine artenarme Fläche. Das ist was Intuitives, was wir alle in uns tragen. Um es dann auch zu schützen, braucht es Wissen. Und da könnten artenreiche Grünflächen ja durchaus so etwas wie Lernorte sein. Wo Exkursionen angeboten werden, wo naturpädagogische Programme angeboten werden, um die ökologischen Zusammenhänge noch besser zu verstehen, und zu verstehen was müssen wir da eigentlich schützen, um letztlich auch uns selber gut zu tun?</p>

<p>Atmo Wiese</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Um uns ganz direkt gut zu tun – durch Entspannung und Erlebnisse mit allen Sinnen, wenn wir an einer Wiese entlang spazieren oder uns am Rand zu einer Rast niederlassen. Aber auch weit über diesen Ort und diesen Moment hinaus. Hier kommt ein Begriff ins Spiel, der erst vor rund 20 Jahren geprägt wurde: „Ökosystem-Leistungen“. Gerade mit Wiesen lässt er sich besonders gut illustrieren. Große Auwiesen zum Beispiel können bei einem Hochwasser viel Wasser aufnehmen. Nicht nur durch ihre schiere Fläche, wichtig ist auch die Bodenstruktur. Je älter eine Wiese ist, desto mehr Poren hat sie, weil es viele verschiedene Regenwurm-Arten gibt, erklärt der Ökologie-Professor Wolfgang Weisser.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die innere Leere - Warnsignal mit Chance</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-innere-leere-warnsignal-mit-chance/2108833</link>
      <pubDate>Thu, 21 Aug 2025 08:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">738c858f-ad5d-45e9-b4fd-4e619cf24016</guid>
      <description>Die innere Leere, sie kann ein Warnsignal mit Chance sein: der Chance, etwas im Leben zu ändern, bevor es zu spät ist. Das erfuhr auch der Skispringer Sven Hannawald. Er schien am Ziel seiner Träume, als er die Vierschanzentournee gewinnt. Doch statt Glück fühlt er eine innere Leere. Kann das ein Zeichen für eine Depression sein? Und wie kann man dieses Gefühl überwinden? Autor: Jean-Marie Magro (BR 2025) </description>
      <enclosure length="20388864" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108833/c/feed/die-innere-leere-warnsignal-mit-chance.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:14</itunes:duration>
      <itunes:author>Kastner, Bernhard</itunes:author>
      <itunes:summary>Die innere Leere, sie kann ein Warnsignal mit Chance sein: der Chance, etwas im Leben zu ändern, bevor es zu spät ist. Das erfuhr auch der Skispringer Sven Hannawald. Er schien am Ziel seiner Träume, als er die Vierschanzentournee gewinnt. Doch statt Glück fühlt er eine innere Leere. Kann das ein Zeichen für eine Depression sein? Und wie kann man dieses Gefühl überwinden? Autor: Jean-Marie Magro (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c357982a-1a6f-474d-968b-64b77808f768.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die innere Leere, sie kann ein Warnsignal mit Chance sein: der Chance, etwas im Leben zu ändern, bevor es zu spät ist. Das erfuhr auch der Skispringer Sven Hannawald. Er schien am Ziel seiner Träume, als er die Vierschanzentournee gewinnt. Doch statt Glück fühlt er eine innere Leere. Kann das ein Zeichen für eine Depression sein? Und wie kann man dieses Gefühl überwinden? Autor: Jean-Marie Magro (BR 2025) </p><p>Credits:</p>
<p>Autor: Jean-Marie Magro</p>
<p>Es sprachen:</p>
<p>Technik:</p>
<p>Regie: Martin Trauner</p>
<p>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="http://www.wdr.de/k/podcast-fragdichfit"><strong>Frag dich Fit:</strong></a></p>
<p>Doc Esser beantwortet jeden Freitag Eure Gesundheitsfragen. Zusammen mit Anne gibt er Tipps für ein besseres und gesünderes Leben <a title="Hier geht es zur Folge" href="http://www.wdr.de/k/podcast-fragdichfit">JETZT ENTDECKEN</a></p>

<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/">Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</a></strong></p>
<p>Jeder Mensch &#39;tickt&#39; anders - doch warum? Psychologie hilft, unsere Wahrnehmung zu schärfen und sich und andere besser zu verstehen. Ihr wollt erfahren, weshalb Dankbarkeit befreiend wirken kann, Neid uns einengt, was unsere Partnerwahl über uns aussagt, und wieso wir dazu neigen, unangenehme Dinge aufzuschieben? Das und viel mehr beantwortet unser Psychologie Podcast &quot;Wie wir ticken&quot; vom BR und SWR jede Woche mit einer neuen Folge. Immer mittwochs in der ARD Audiothek und am Freitag auf allen anderen Plattformen. Ihr habt Fragen, Anmerkungen oder Themenwünsche? Schreibt uns gerne eine Nachricht über wiewirticken@ard.de!</p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-innere-leere-philosophie-psychologie-depression-burnout-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Sven Hannawald war der erste Skispringer, der alle vier Springen bei der Vierschanzentournee nacheinander gewann. Nur wenige Wochen später holte er Olympiagold im Teamspringen und wurde Skiflugweltmeister. Eine nahezu perfekte Saison. Die großen Ziele der Karriere: erreicht. Wer so viel Erfolg hat, muss doch glücklich sein! Oder?</p>
<p> </p>
<p>Bei Hannawald ist genau das Gegenteil der Fall. Zwei Jahre nach seinem größten Triumph, im Frühjahr 2004, beendet er die Saison frühzeitig. Es herrscht bei ihm ein Gefühl…</p>
<p> </p>
<p><strong>04 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Hannawald </strong><strong></strong></p>
<p>„… der körperlichen Müdigkeit, der Antriebslosigkeit, der Überfordertheit einfach… Wo ich einfach gemerkt habe, mein Körper braucht alles andere, aber kein Skispringen aktuell.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Schon in den Jahren zuvor hatte Hannawald oft darüber nachgedacht aufzuhören, weil seine Ziele in weiter Ferne schienen. Er hatte schon früh körperliche Tiefpunkte erlebt, erzählt er. Doch er kehrte jedes Mal zurück. Nun aber saß der Skisprungstar zuhause, versuchte, Kraft zu tanken. Doch die Batterien ließen sich nicht aufladen. Er ging zum Mannschaftsarzt:</p>
<p> </p>
<p><strong>05 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Hannawald </strong></p>
<p>„Du Ernst, ich kenne mich so nicht. Und dann haben wir natürlich irgendwo auch angefangen mit Arztbesuchen von sämtlichen Abteilungen. Ob das Blutbilder waren, organisch und so weiter, weil ich einfach den Hintergrund wissen wollte, weil ich mir das nicht erklären konnte, was jetzt der Unterschied ist zu den anderen Jahren.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p><strong></strong><a name="_Hlk196912368">Hannawald drückt es so aus: Er habe den Zugang zum Körper verloren und einen Zusammenbruch erlitten… Kurz darauf ging er zu einem Arzt für Psychosomatik …</a></p>
<p> </p>
<p><strong>06 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Hannawald </strong><strong></strong></p>
<p>„… der dann klar innerhalb von einer halben Stunde gesagt hat: Dringendst in die Klinik! <strong>(Bitte kürzen: Burn-Out!)</strong> </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Prof. Matthias Berking ist Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Erlangen-Nürnberg. An ihn wenden sich Patienten, denen es ähnlich wie Sven Hannawald geht: Sie verspüren eine innere Leere.</p>

<p><strong>07 Zsp. Leere - Berking 1</strong><strong></strong></p>
<p>„Sie meinen damit eine Empfindung von Empfindungslosigkeit, dass sie nicht mal mehr negative Gefühle spüren, sondern einfach nur gar nichts. Da ist kein Antrieb da, und es wird berichtet als geradezu manchmal schlimmer als das Dasein von negativen Gefühlen, weil man sich dann im Extremfall gar nicht mehr spürt, wie ein Roboter nur noch unterwegs ist, den Eindruck hat, man geht wie an Faden Marionetten-gesteuert durchs Leben. Und das wird als noch belastender erlebt als sehr schmerzhafte, präsente Gefühle.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Stellen Sie sich Ihr Leben wie einen Roman mit vielen Kapiteln vor. Im besten Fall gibt es in jedem Abschnitt gewisse Anker, an denen Sie sich als Protagonistin oder Protagonist der Geschichte, festhalten können. In der Kindheit sind das die Eltern, Jugendfreunde, der Kindergarten, die Schule… Nach dem Schulabschluss schließen vielleicht die Ausbildung, die Universität, die erste Partnerschaft an. Später dann das Berufsleben, Ehe, Kinder… In jedem Kapitel gibt es also eine gewisse Struktur. Oder, wie der Psychotherapeut Dr. Oliver Schwarz sagt:</p>
<p> </p>
<p><strong>08 Zsp. Leere - Schwarz </strong><strong></strong></p>
<p>„Man ist wie auf einer Straße zwischen so Leitplanken, die einen immer noch so den Weg ebnen. Und wenn man dann fertig ist, dann hat man diese Leitplanken nicht mehr. Und dann weiß man nicht so genau, wo der Weg hinführt. Und so ähnlich habe ich beispielsweise auch viele Menschen kennengelernt. Beispiel jetzt Frauen, die so Ende 40 Anfang 50 sind. Häufig ist dann so der Lebensweg: gemeinsame Partnerschaft, Ehe, dann kommen Kinder, dann wird das Haus gebaut, dann definieren sich die Frauen häufig eben als Mittelpunkt der Familie, der alles organisiert. Und wenn dann die Kinder erwachsen sind und ausziehen, dann ist häufig so eine Situation, dass man sagt: Wo ist denn jetzt meine Bestimmung?“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Dr. Oliver Schwarz ist Chefarzt für Psychosomatische Akutbehandlung an einer Klinik am Tegernsee. Mit dem Gefühl der inneren Leere hatten wohl alle schon einmal zu kämpfen: Der Schulabschluss in der Tasche und das anschließende Lebewohl von langjährigen Freundinnen, der Abschied vom Traum, eines Tages Fußballprofi zu werden oder nachdem Sie jemandem die Liebe gestanden haben – und die Person Ihnen einen Korb gab. Es gibt aber auch anders gelagerte Fälle. Oder eine Leere, die eintritt, obwohl Sie genau das geschafft haben, wovon Sie immer geträumt haben.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Eineinhalb Jahre lang hatte Hannawald bis dahin diese Kraftlosigkeit mitgeschleppt. In die Klinik zu gehen, war die einzig richtige Entscheidung, sagt er heute. Wer einen solchen Zustand verschleppe, nichts gegen das Gefühl der inneren Leere unternehmen möchte, dem könne im schlimmsten Fall eine tiefe Depression drohen, sagt Prof. Matthias Berking von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Gefährlich sei nämlich, dass einige beim Erreichen eines Ziels gar nicht merkten, dass sie etwas verloren haben: nämlich das Ziel selbst.</p>
<p> </p>
<p><strong>09 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Berking </strong><strong></strong></p>
<p>„Diese Kombination aus Kraftlosigkeit und Zielverlust. Das ist was ganz Typisches für Depressionen. Auch bei Depressionen haben die Leute den Eindruck, dass sie bestimmte Ziele nicht erreichen. Und dann sind sie gestresst und schlafen schlecht. Und irgendwann haben sie keine Energie und keine Kraft mehr. Und das ist eine ganz toxische Wirkung: So ein aversiver Zustand und keine Kraft, um das zu ändern oder keine Perspektive, keine Idee, wie ich es ändere. Das macht auf eine Art depressiv. Wenn diese Personen, die diese Leere empfinden, einen Hang zur Depression hätten, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie in die Depression reinrutschen würden.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Dem Psychologie-Professor ist wichtig zu betonen: Menschen reagieren unterschiedlich auf die innere Leere. Nicht jeder hat einen Hang zur Depression. Einige sind resilient und haben über Jahre ein Fundament gelegt, um eine Leere sofort füllen zu können. Andere wiederum haben viele negative Gedanken, bis hin zum Selbstmord.</p>
<p> </p>
<p>Berking erklärt, in seinem Fach werde zwischen Annäherungs- und Vermeidungszielen unterschieden. Ziele, die sich alle von uns setzen, jedoch aus unterschiedlicher Motivation heraus. Annäherungsziele sind positiv besetzt, Dinge, auf die man sich freut. Vermeidungsziele wiederum sind unangenehme Dinge, die niemand erleben möchte. Ein Beispiel aus dem Alltag ist der Renteneintritt. Es gibt Leute, die, weil ihnen der Job so viel Spaß macht, einfach weiterarbeiten wollen. Das wäre ein sogenannter annäherungsbezogener Ansatz. Prof. Matthias Berking:</p>
<p> </p>
<p><strong>10 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Berking </strong><strong></strong></p>
<p>„Wenn es aber jetzt getrieben wird von der Angst vor dieser Leere, dem Verlust von Struktur, dem Verlust von Bedeutung, dann wäre es eine Vermeidungsmotivation, die dann eben mehr einhergeht mit Gefühlen von Angst, auch körperlicher Übererregung, Nicht-gut-schlafen-können und eben Risikofaktor für psychische Störungen ist.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Sprich: Das Ziel ist dasselbe, die Motivation jedoch eine ganz andere. Prof. Matthias Berking von der Uni Erlangen-Nürnberg beobachtet, dass Menschen, die sich eher aus einer Vermeidungsmotivation heraus Ziele setzen, öfter depressiv werden als andere. Warum aber reagieren wir Menschen so unterschiedlich auf Herausforderungen, die mit dem Gefühl der inneren Leere einhergehen? </p>
<p>Psychologen haben dafür unterschiedliche Hypothesen aufgestellt: Hypothese Nr. 1: die Biologie- oder auch die „Botenstoffhypothese“ genannt. Bei Menschen, die an Depressionen erkranken, wurde in bestimmten Bereichen des Gehirns ein Mangel an Botenstoffen wie Serotonin festgestellt. Daran setzt die Medikation an, wenn Ärzte etwa Antidepressiva verschreiben.</p>
<p>Zweite Hypothese: die Gene. Der Hang zur Depression kann möglicherweise vererbbar sein. Prof Matthias Berking beschreibt, dass schon in der Krippe erhebliche Unterschiede sichtbar seien. Da gebe es…</p>

<p><strong>11 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Berking </strong><strong></strong></p>
<p>„Frohnaturen, die sehr flexibel sind. Wenn mal was nicht klappt, dann switchen sie um auf das, was klappt und immer mit einem Lächeln oder nach einem Misserfolg immer schnell wieder mit einem Lächeln. Und dann gibt es Kinder, die schon ganz früh sehr stark zu knabbern haben an so Misserfolgen, wenn was nicht geklappt hat. Und die große Schwierigkeiten haben, sich dann flexibel umzuorientieren. Und das ist auf eine Art so früh, dass man denkt, dass das irgendwie doch schon einen geradezu genetisch geprägten Einfluss, dass es den geben muss. Wobei es immer schwer ist, so etwas zu quantifizieren.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Hypothese Nr. 3: Die Umwelt, in der wir aufwachsen, bestimmt darüber, wie wir mit Problemen umgehen. Dabei kommt Eltern die wichtigste Rolle zu, sagt Berking:</p>
<p> </p>
<p><strong>12 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Berking </strong><strong></strong></p>
<p>„Wenn Eltern sich nicht gut um ihr Kind kümmern und es ist sehr auf sich allein gestellt und die Bedürfnisse sind nicht befriedigt, hat es viel negativen Effekt. Es wird sehr in so eine Orientierung gedrückt werden, dass es Gefühle wie Einsamkeit und Verlassensein vermeidet. Und dann ist es schon mehr auf dieser Vermeidungsschiene und hat nicht so viele positive<em> </em>Alternativen für den Moment, wo es was verloren hat, auf die man sich dann konzentrieren kann.“</p>

<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Kurz gesagt: Kinder beobachten, ob bewusst oder unbewusst, sehr genau, wie ihre Eltern mit Problemen umgehen.</p>
<p> </p>
<p><strong>13 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Berking </strong><strong></strong></p>
<p>„Und wenn dann das Elternteil in so eine innere Leere auch rutscht und halb depressiv zwei Jahre rumhängt, sieht das Kind nicht unbedingt, wie man damit gut umgeht. Das muss trotzdem nicht schlecht sein. Es kann für ein älteres Kind vielleicht auch sein, so nach dem Motto: ‚So will ich das aber nicht machen.‘ Sondern es sieht ja auch, was es für Folgen hat, und kann am Modell lernen, dass man es so nicht macht. Also von daher ist man jetzt nicht festgenagelt.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Der Psychologieprofessor rät Eltern, dass sie ihre Kinder schon früh dazu ermuntern, über ihre Situation zu reflektieren und in sich reinzuhören. Eltern könnten auch mal Kinder fragen, wie sie etwas empfinden. Etwa, wenn ein Schuljahr vorbei ist.</p>
<p>Wahrscheinlich tragen alle genannten Faktoren – Biologie, Gene und Umwelt – dazu bei, wie ein Mensch auf eine innere Leere reagiert, ob er diese schnell füllen kann oder an ihr zu knabbern hat. Diejenigen, die an der Leere verzweifeln, teilten meistens eine Sache, sagt Matthias Berking: Sie sind auf nur eine Sache fixiert.</p>
<p> </p>
<p><strong>14 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Berking </strong><strong></strong></p>
<p>„Es dreht sich alles um dieses Ziel. Links und rechts, die Interessen sind weggefallen. Studium war total wichtig für mich, hat viele Bereiche meines Lebens definiert, hat mir den Selbstwert gegeben. Da kamen die Erfolge her. Ich habe mir viel davon versprochen. Im Gegensatz zu Personen, die ihr Leben auch während der Studienzeit schon auf verschiedene Säulen bauen und die Bereiche haben wie Sport, Partnerschaft, Freunde, Hobby eins, Hobby zwei, Hobby drei, Hobby vier und nebenbei studieren Sie auch noch.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin: </strong></p>
<p>Eine wichtige Erkenntnis der Sozialpsychologie ist, dass die Rolle, die ein Mensch in einer Gemeinschaft einnimmt, sehr wichtig für seine Identität ist. Wird diese Rolle infrage gestellt oder kommt sie abhanden, kann das der Auslöser für eine Sinnkrise sein. Jahrelang war man im Job erfolgreich, nun kommen Jüngere, die den Rang bedrohen – oder man hat das Rentenalter erreicht. Oder man hat sein Leben der Familie komplett untergeordnet. Nun aber ziehen die Kinder aus oder der Partner will sich trennen. Manchmal beides zusammen. Der Rat von Prof. Matthias Berking:</p>
<p> </p>
<p><strong>15 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Berking </strong><strong></strong></p>
<p>„Sein Leben auf möglichst viele Säulen stellen und nicht nur auf eine. Da kann man sich halt auch fragen, wie man da aufgestellt ist, wo man seinen Spaß, seine Zufriedenheit, sein Glück, seinen Selbstwert, seinen Stolz herbekommt. Hat das alles nur eine Quelle, dann bin ich gefährdet. Weil wenn diese Quelle wegbricht, bricht geradezu alles weg.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Der Skispringer Sven Hannawald weiß genau, was Berking damit meint. Skispringen hatte für ihn als Kind und jungen Mann den wichtigsten Stellenwert. Nie konnte er abschalten.</p>
<p> </p>
<p><strong>16 Zsp</strong><strong> Leere</strong><strong> </strong><strong>- Hannawald </strong><strong></strong></p>
<p>„Wenn ich von der Schanze nach Hause gegangen bin oder vom Training nach Hause gegangen bin oder vom Wettkampf wir alle im Bus auf dem Weg nach Hause waren, konnte ich nicht Skispringen loslassen, sondern ich habe mich direkt wieder weiter damit beschäftigt. Welches Profil hat die Schanze am nächsten Wochenende? Zuhause bei mir: Komm, ich geh nochmal an den Ski und guck nochmal, wie war nochmal der Schwerpunkt? Kann ich da irgendetwas anders machen? Also dieses Loslassen müssen Menschen, die so gestrickt sind wie ich, früh lernen. Dass sie die Arbeit in der Arbeit lassen.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Irgendwann müsse es bei Leuten wie ihm einfach knallen, sagt Hannawald heute mit etwas Abstand. Er habe es damals nur nicht wahrhaben wollen, weil er Erfolg hatte.</p>
<p>Nach der Therapie blieb er vorerst bei seinen Eltern und konnte zum ersten Mal das Skispringen loslassen. Bis in ihm <strong>wieder</strong> die Lust aufkam. Er zog nach Hinterzarten im Schwarzwald, die Schanze nur 300 Meter entfernt. Das Kribbeln war wieder da, beschreibt Hannawald.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Land des grünen Glücks? Bhutan als ökologisches Modellprojekt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-land-des-gruenen-gluecks-bhutan-als-oekologisches-modellprojekt/2096075</link>
      <pubDate>Wed, 20 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">feb220e9-524a-443d-97c9-959c7f92d19e</guid>
      <description>Der kleine Himalaya-Staat Bhutan zwischen Indien und Tibet mausert sich in seiner Abgeschiedenheit vom Rest der Welt zu einem Muster-Land in Sachen Ökologie. Mehr als die Hälfte des Königsreichs stehen unter Naturschutz, flächendeckende Elektromobilität sind das Ziel der nächsten Jahre. Von Geseko von Lüpke (BR 2024)</description>
      <enclosure length="23286144" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096075/c/feed/das-land-des-gruenen-gluecks-bhutan-als-oekologisches-modellprojekt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Geseko von Lüpke</itunes:author>
      <itunes:summary>Der kleine Himalaya-Staat Bhutan zwischen Indien und Tibet mausert sich in seiner Abgeschiedenheit vom Rest der Welt zu einem Muster-Land in Sachen Ökologie. Mehr als die Hälfte des Königsreichs stehen unter Naturschutz, flächendeckende Elektromobilität sind das Ziel der nächsten Jahre. Von Geseko von Lüpke (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/27b6c174-9172-498b-9676-ea6ff5f64111.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der kleine Himalaya-Staat Bhutan zwischen Indien und Tibet mausert sich in seiner Abgeschiedenheit vom Rest der Welt zu einem Muster-Land in Sachen Ökologie. Mehr als die Hälfte des Königsreichs stehen unter Naturschutz, flächendeckende Elektromobilität sind das Ziel der nächsten Jahre. Von Geseko von Lüpke (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Geseko von Lüpke<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Julia Fischer, Stefan Wilkening, Thomas Birnstiel, Jenny Güzel<br/> Technik: Marcus Huber<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Kurt Nübling (Unternehmer und Bhutan-Reisender); <br/>Kinley Dorji (bhutan. Journalist und Herausgeber), <br/>Lama Sonam Bumdhen (buddhistischer Mönch), <br/>Dhan Gurung (Professor für natürliche Ressourcen an der Universität von Bhutan), <br/>Dasho Bharat (Mitglied des Staatsrat von Bhutan), <br/>Ketsang Tshomo (Öko-Beraterin des Landwirtschafts-Ministeriums von Bhutan), <br/>Julia Kim (Programm-Direktorin am staatlichen ‚Glücks-Zentrum‘), <br/>Lyonpo Damcho Dorji (Außenminister Bhutans), <br/>Thsering Tobgay (Premierminister Bhutans)</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<p><strong>Naturreligionen. Altes Wissen neu entdeckt. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/naturreligionen-altes-wissen-neu-entdeckt/bayern-2/78758544/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Das Volk der Kogi in Kolumbien. Die Hüter der Erde. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-volk-der-kogi-in-kolumbien-die-hueter-der-erde/bayern-2/12419241/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Afrikas Ubuntu. Die Philosophie der Menschlichkeit. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/afrikas-ubuntu-die-philosophie-der-menschlichkeit/bayern-2/78751570/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong><br/><strong>Gelephu Mindfullness City (ökologische Modellstadt nach den Plänen des dänischen Architekten Bjarke Ingels) <a title="Hier gehts zur Website." href="https://big.dk/projects/gelephu-mindfulness-city-16791">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Gross National Happiness Center (Bhutan) <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.gnhcentrebhutan.org/gnh-happiness-index/#:~:text=The%20GNH%20index%20is%20a,supported%20by%20the%2033%20indicators.">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Niestroy, Ingeborg, Armando García Schmidt, Andreas Esche: Bhutan: Ein Leitbild der Nachhaltigkeitspolitik. In: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Erfolgreiche Strategien für eine nachhaltige Zukunft, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2013</p>

<p>Tschewang, Ugyen &amp; Jane Gray Morrison: Bionomics in the Dragon Kingdom: Ecology, Economic and Ethics in Bhutan, Springer-Verlag 2018</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-bhutan-oekologisches-modellprojekt-tibet-naturschutz-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bhutan! ‚Drug-yul‘ nennt es sich selbst – Land des Donnerdrachens! Das klingt wie ein Märchen-Land hinter den Bergen, zeitlos, weit ab von der geschäftigen Welt. Wie ein verheißungsvolles Geheimnis. Und so spricht man auch von dem Himalaja-Königreich: Glücklich angeblich, irgendwie erleuchtet, gesund, sauber, absolut nachhaltig. Eine moderne grüne Paradies-Version! Als wäre es ‚Shangri-La‘ – das legendäre harmonische Utopia Asiens! Mythos oder Realität?</p>
<p>Musik 2: Dreams of… -  59 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Bhutan! Ein Zwergenland – nicht größer als die Schweiz – eingezwängt zwischen zwei Riesen – dem von China besetzten Tibet im Norden, und Indien im Süden. Ein paar Hunderttausend Bewohner in einem buddhistischen Königreich zwischen Meeresspiegel und 7.000 Meter hohen Bergen, während sich südlich und nördlich Milliarden Menschen tummeln und um Weltmachtstatus ringen. Bhutan hingegen: Bescheiden, still, ganz anders. </p>
<p>Kurt Nübling aus dem Allgäu macht sich seit 1990 immer wieder auf den Weg nach Bhutan, um Kräuter und biologische Rohstoffe im Himalaja zu kaufen. Und erinnert sich noch deutlich daran, wie er vor 34 Jahren das erste Mal das Grenztor zwischen Indien und Bhutan durchschritt.</p>
<p>01 - ZUSPIELUNG  </p>
<p>Plötzlich war eine andere Welt. Wir waren wie verzaubert! Diese Verwurzelung, dass die Natur ein Teil von uns ist, mit dem wir verbunden sind, dass wir ein Teil von dem Ganzen sind. Und das ist in Bhutan noch. Sie sind extrem reich an Natur, an Biodiversität, einem wunderschönen Leben, was einem ins Herz geht, wenn man dort reist.</p>
<p>ZUSPIELUNG Atmo 08 (Natur + Fluss, Elefant)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch heute noch ist Bhutan ein Land der Gegensätze und des Staunens. Ein Land der Berge, Wälder und Flüsse. Ein Land, das grenzenlos sauberen Strom verschenkt. Ein wildes Land mit Tigern, Leoparden, Elefanten, Yaks, Wölfen, Pandas, Panzernashörnern, Kobras, Geiern. Einem ‚Hotspot‘ der Biodiversität, der Pflanzenvielfalt und Heilkräuter, weil auf engstem Raum alle Klimazonen der Welt nebeneinander liegen.</p>
<p>Musik 3: Phurba&#39;s... aus: Sherpa -   1:13 Min</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Land, in dem die Statistiken Kopf stehen: Während überall der Ausstoß des Klimagases CO2 zunimmt, ist Bhutan völlig klimaneutral, ja nimmt sogar mehr Kohlendioxid auf, als es ausstößt. Ein Land fast ohne Industrie und Umweltzerstörung, das zu einem Drittel aus Naturschutzgebieten besteht, Abholzung per Verfassung verbietet, grünen Strom aus Wasserkraft exportiert. Eigentlich ein Entwicklungsland, moralisch aber eine Großmacht: Während die ganze Welt um Wirtschaftswachstum ringt, winkt Bhutan lässig ab und stellt stattdessen Naturschutz und nicht weniger als das ‚Glück‘ in den Mittelpunkt des staatlichen Tuns. Statt gierig auf das Brutto-Sozial-Produkt zu schielen, spricht man hier gelassen von ‚Gross National Happiness‘ dem, ‚Brutto-National-Glück‘. Kinley Dorji (Kinnläi Dordschi), Begründer und Herausgeber der ersten nationalen Tageszeitung Bhutans erklärt die vier Säulen dieser ungewöhnlichen Politik.</p>
<p>02 - ZUSPIELUNG   Wort 2         </p>
<p>One of this pillars is &#39;Good Governance&#39;. ….   </p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Eine der Säulen ist eine ‘gute Regierungsführung‘. Wir verstehen darunter, dass sie wirklich den Menschen dient, nicht den Herrschenden. Die anderen Prioritäten sind – neben der Erhaltung unserer einzigartigen Kultur – eine gesunde sozio-ökonomische Entwicklung, die absolut nachhaltig sein muss. Und dann besonders der Schutz der Natur. Angesichts des Klimawandels und der globalen Erwärmung dürfen wir nicht länger den Planeten und seine Schätze konsumieren. </p>
<p>Stattdessen müssen wir die gegenseitige Abhängigkeit aller lebendigen Wesen, einschließlich der Pflanzen und Tiere, anerkennen, wenn wir den Planeten erhalten wollen …  needs to be understood to preserve the planet.  </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein politischer Ansatz, der in Zeiten der Klimakrise fast zu schön klingt, um wahr zu sein. Bhutan entwickelt sich damit zu einem ökologischen Modellprojekt. Es ringt zwar mit großen Herausforderungen, zeigt aber auch, dass Entwicklungsländer den reichen Industriestaaten voraus gehen können. Es ist eine Gradwanderung zwischen visionärer Moderne und uralten Traditionen, die hier probiert wird. Und das auf der Basis einer einzigartigen kulturellen Identität.</p>
<p>ZUSPIELUNG     Atmo 4 (Langhörner, Tempelfest Paro)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es ist wie ein Fenster in eine andere Welt, wenn man vor der gewaltigen Klosterburg von Paro im Westen des Landes steht. Der Ritual-Platz ist in Regenbogenfarben getränkt: Tausende von mit Mantras bedruckte Fähnchen in Gelb, Grün, Rot, Weiß, Blau wehen im steten Wind und tragen Gebete hinauf zu den Siebentausendern, die als Heimat der Götter – und Buddhas – gelten. Vor den weiß getünchten Lehmmauern des 400 Jahre alten Klosters mit kunstvoll geschnitzten Fenstern haben sich tausende Frauen, Männer und Kinder in festlicher und grell bunter Tracht zum ausgelassenen Tempelfest, einem ‚Tsetschu’ versammelt.</p>
<p>ZUSPIELUNG     Atmo 5 (Pudja in Chimi Lakhang, 20) darüber</p>
<p>  SPRECHER </p>
<p>Alle Augen sind auf die maskierten Tänzer gerichtet, die mit Furcht einflößenden Masken und bunten Kostümen über den nackten Boden wirbeln, in gewagten Sprüngen und winzigen pantomimischen Gesten wortlos Geschichten erzählen von Dämonen, Göttern und Göttinnen, vor allem aber die mythische Gestalt des Heiligen Guru Rinpoche feiern, der den Buddhismus nach Bhutan brachte. Es ist diese Mischung aus uralter Naturverehrung, buddhistischer Spiritualität und nüchterner Anerkennung der globalen ökologischen Krise, welche die Grundlage bildet für ein radikales Alternativ-Modell, sagt der Mönch Lama Sonam Bumdhen:</p>
<p>03 - ZUSPIELUNG     </p>
<p>The essence of Buddhism is the sacred vision of everything, …</p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Der Kern des Buddhismus ist die Heiligkeit von allem, was ist, ob Berge, Bäume oder unser eigener Körper. All das ist Ausdruck des Göttlichen. Für uns wohnen Gottheiten in eigentlich Allem: Sie durchdringen das ganze Universum, alle Planeten. Wir sehen Gottheiten im Wasser, im Feuer, in der Erde, im Raum, in der Luft. Sie sind nichts anderes als Ausdruck der absoluten Weisheit Buddhas. Wenn wir uns aber der Wahrheit stellen, sehen wir zugleich riesige Umweltschäden, die durch keinen anderen ausgelöst wurden als uns selbst. Wenn wir dieses riesige Chaos wirklich anerkennen, müssen wir es stoppen, die Menschen und die ganze Welt erziehen ….., </p>
<p>we need to educate the world.</p>
<p>Musik 4: New old land – 1:31 Min</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das ist ein großer Anspruch für das kleine Land, das hoch und heilig auf dem Dach der Welt thront. Und tatsächlich hat sich Bhutan in den letzten 20 Jahren zu einem ernstzunehmenden Modell nachhaltiger Entwicklung gemausert. Bis in die 1960er war es ein völlig abgeschirmtes Land, ohne Straßen, Elektrik und Technik, versteckt in den Bergen, um zu überleben. Als es sich in den 80er und 90er Jahren vorsichtig öffnete, hatte es bereits aus den Fehlern zahlreicher anderer Entwicklungsländer gelernt, die in zu schneller Modernisierung ihre Identität verloren hatten, ihre Umwelt gefährdeten, und in Armut und Abhängigkeit geraten waren, während Korruption und Gewalt zugenommen hatten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der weitsichtige König hatte daraufhin erkannt, dass die Entwicklung in die Moderne nicht um jeden Preis gesucht werden dürfe. Statt sich nur wirtschaftlich und quantitativ zu modernisieren, wollte er als höheres Ziel eine qualitative Entwicklung von Mensch, Kultur und allen Lebensformen – und führte das Brutto-National-Glück als Maßstab aller Politik ein. Damit sollten Fehlentwicklungen vermieden werden und Bhutan zugleich als einmaliges Modell stark und unverkennbar werden. Die kulturelle Identität wurde zur Garantie des Überlebens, erklärt der Journalist Kinley Dorji …</p>
<p>04 - ZUSPIELUNG       Wort       4        </p>
<p>We are a small country of half a million people between India and China, … </p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Wir sind als kleines Land zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Welt sehr verletzbar. </p>
<p>Eine halbe Million Menschen können da schnell geschluckt werden. Ohne jemals eine Militärmacht oder eine Wirtschaftsmacht werden zu können, muss unsere Stärke in unserer Identität liegen. Wir müssen als ‘besonders’ wahrgenommen werden und unsere ganz eigenen Werte haben, um als unverzichtbar von der Welt gesehen werden, was uns hilft zu überleben.   … and therefore helps us survive. </p>
<p>ZUSPIELUNG   Atmo 2 (Thimpu ) kurz frei &amp; weg</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>So wurde das Brutto-National-Glück nach Außen zum Sympathieträger und unverwechselbaren Markenzeichen, zugleich nach Innen zum Kultur- und Naturschützenden Staatziel. Es galt zu bewahren, was da war und ökologisch zu entwickeln, was möglich war. </p>
<p>ZUSPIELUNG    Atmo 8 (Natur) unter Sprecherin</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aus einer traditionellen Agrar-Gesellschaft konnte Bhutan fast unmittelbar zum ökologischen Modell werden, mit folgenden Leitgedanken: die natürlichen Reichtümer der riesigen Artenvielfalt wertzuschätzen und unter strengen Schutz zu stellen! Die unbestiegenen Siebentausender für die Bergsteigerei zu sperren und den alten Göttern ihre Ruhe zu lassen! Mehr als ein Viertel der ohnehin kaum besiedelten Landesfläche zu strikten Naturschutzgebieten zu erklären! Jede Brandrodung zu verbieten. </p>
<p>Und per Verfassung festzulegen, dass die Wälder erhalten bleiben, erzählt Dhan Gurung, Professor für natürliche Ressourcen an der Königlichen Universität von Bhutan: </p>
<p>05 - ZUSPIELUNG    Wort   5          </p>
<p>When it comes to environmental conservation Bhutan will do quite a pretty job ….</p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Bei der Erhaltung der Umwelt macht unser Land einen guten Job.  Zurzeit sind 72 Prozent des Land bewaldet. Und in unserer Verfassung steht, dass mindestens 60 Prozent der Landesfläche für immer von Wald bedeckt sein müssen. Die Erhaltung der Wälder schützt die enorme Biodiversität – und diese versorgt wiederum die traditionelle Medizin Bhutans mit reichen Ressourcen an Heilkräutern, Mineralien und tierischen Substanzen. Auch die Landwirtschaft ist abhängig von der Biodiversität der Wälder: Wir sammeln die Blätter und benutzen sie als Dünger. Und die Rinder grasen in den Wäldern. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem Schutz der Wälder für die hohe Qualität des Wassers und seiner Kreisläufe sorgen. Denn das ist unsere ökonomische Basis. Und wir schauen darauf, dass sie nachhaltig ist.  It still can be sustainable. That&#39;s the area that we are looking at. </p>
<p>USPIELUNG    Atmo 9 (Wasserrauschen Bhutan A23/24) </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Tatsächlich lebt Bhutans Wirtschaft primär von der grünen Wasserkraft. Das extreme Gefälle von 7.000 Höhenmetern auf unter 100 Meter von Nord nach Süd, macht die ungezählten Flüsse zu Wasserkraft-Goldgruben. </p>
<p>Bhutan nutzt bislang nur 6,2 Prozent dieses natürlichen Potentials, das auf unglaubliche 26.000 Megawatt jährlich geschätzt wird – so viel wie rund zwanzig Atomkraftwerke der Marke Grundremmingen.  </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sauberer Strom ist dann auch das primäre Exportgut Bhutans und versorgt die Industrie Nordindiens mit grüner Energie. Schon träumt man im Himalaja-Land davon, in wenigen Jahren keine Tanklaster mehr aus Indien zu brauchen, die Öl und Benzin über die Pässe bringen, sondern nur E-Autos zu nutzen und die gesamte Infrastruktur zu elektrifizieren, berichtet Dasho Bharat, der lange den Ausbau der Wasserkraft leitete und heute im dreiköpfigen Staatsrat den König berät.</p>
<p>06 - ZUSPIELUNG        Wort  </p>
<p>We are blessed by nature. We have high altitude mountain areas.</p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Wir sind mit Natur und den hohen Bergen gesegnet. Das ist ein Riesenvorteil. Wir können in Zukunft 95 Prozent der Energie exportieren. Bhutans Zukunft ist das Wasser. Es ist das finanzielle Potential für die Entwicklung des Landes. Heute exportieren wir 75 Prozent des Stroms, um Geld zu verdienen und verbrauchen das restliche Viertel selbst. Diese Wasserkraft ist sauber und grün und wir schwimmen auf ihr in eine gute Zukunft, weg von der schmutzigen kohlenstoff-basierten Wirtschaft. Aus diesem Potential wollen wir saubere, grüne und nachhaltige Technologien entwickeln. Vielleicht werden unsere Enkel genießen, was wir da heute machen – ob es dann die saubere Umwelt, die Produktion von ökologischen Nahrungsmitteln oder gesunde Medizin ist. Wir wollen wirklich den grünen Weg gehen.    …  We would like to go the green way.</p>
<p>Musik 5: Dreams of… - siehe vorn – 32 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Bhutan könnte sogar bald das erste Land sein, in dem 100 Prozent Bio-Landbau betrieben wird. Gentechnik ist grundsätzlich verboten. Kleine Familienbetriebe bestimmen das grüne Bild der Landschaft, die zu 95 Prozent ökologisch bebaut wird. In Deutschland sind es mit gerade mal 9,5 Prozent, also zehnmal weniger.</p>
<p>ZUSPIELUNG     Atmo 10 (Gesamg beim Ernten)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Da wird die scheinbare Rückständigkeit zum Vorteil. Auf den meisten Betrieben ist chemische Düngung nie angekommen und war den Landwirten immer suspekt. Sie waren deshalb nie anders als ökologisch. Was im globalen Norden als ‚Permakultur‘ und Agroforst zunehmend als Zukunftslösung propagiert wird, ist in Bhutan seit langem Standard, berichtet Ketsang Tshomo, Öko-Beraterin des Landwirtschafts-ministeriums:</p>
<p>07 - ZUSPIELUNG       Wort 7           </p>
<p>Our traditional farming is basically based on permaculture ….</p>
<p>VO-weiblich</p>
<p>Unsere traditionelle Landwirtschaft basiert auf den Prinzipien der Permakultur. </p>
<p>Wenn man sich den Agroforst mit Tierhaltung, die Agrarkultur, den Gartenbau anschaut, dann ist eigentlich jede Farm hierzulande so ein integriertes Ökosystem. Hinzu kommt die tiefe spirituelle Verbundenheit mit dem Land, der Anspruch weder Tier noch Pflanzen irgendwie Schaden zuzufügen. Alles in allem sind das die perfekten Voraussetzungen für eine organische Landwirtschaft, die zum Lebensstil jeden Farmers und Konsumenten werden soll. Deshalb setzen wir, wo immer es möglich ist, auf biologische Landwirtschaft. Was wir allerdings importieren, stammt oft aus konventioneller Landwirtschaft. Aber wir brauchen es, um die Versorgungslücke zu schließen.         that needs to be imported to close the gap.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auf dem Dach der Welt ist es ein Fluch der Globalisierung, dass schwer beladene 40-Tonner pestizid-belastete gen-manipulierte Nahrungsmittel aus der subventionierten indischen Landwirtschaft über die Himalaja-Pässe bringen und auf den Bauernmärkten Bhutans billig verscherbeln. Wer wenig Geld hat, versorgt sich auch im Land des grünen Glücks mit billigen belasteten Lebensmitteln.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dem Traum vom grünen Paradies ‚Shangri-La‘ steht also oft noch eine bittere Realität entgegen. Bhutans Idee des Glücks für Mensch und Natur mag ein idealer Maßstab für eine schönere Welt sein, sagt der Journalist und Regierungsberater Kinley Dorji. Solange die Außenwelt nicht mitmacht, bleibt es aber ein Traum:</p>
<p>08 - ZUSPIELUNG         Wort 8        </p>
<p>Bhutans reputation in the world is larger then life, so to speak ….      </p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Bhutans Ruf ist besser als die Realität. Aber die Menschen sind romantisch. Sie lieben die Idee einer kleinen, exotischen glücklichen Nation. Und wir müssen uns darüber klar sein: Wir haben all das noch nicht erreicht. Wir sind hier nicht pausenlos glücklich. Wir haben unsere Probleme, wir sind ein Entwicklungsland. Aber es ist wichtig, ein gutes Ziel zu haben! Wir brauchen auch hier eine starke Transformation. Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass der Mensch das wichtigste Lebewesen ist. Im großen Bild ist er vielleicht sogar ziemlich unwichtig. Und wenn man diesen Respekt vor dem Leben hat, dann will man es automatisch erhalten.      …. if you have this respect, you naturally preserve.</p>
<p>Musik 6: The inner road – siehe vorn – 30 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber Bhutan kann sich nicht von den Krisen der Welt abschotten. Realität ist: Auch in Bhutan nehmen die Depressionen langsam zu, die Selbstmordraten steigen, Drogenkonsum und Gewalt ebenso. Internet und Fernsehen bringen westliche Konsumideale neuerdings in jedes Dorf und wecken schnell unerfüllbare Bedürfnisse. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch die Regierung hält dagegen, setzt trotz Öffnung zur Welt auf den Erhalt der traditionellen Kultur, versucht hartnäckig die Quadratur des Kreises. Alle drei Jahre schwärmen in ihrem Auftrag tausende Studenten aus und stellen der Bevölkerung 208 Fragen nach ihrem subjektiven Glücksgefühl, um daraus die aktuelle Politik zu entwickeln, erzählt Julia Kim, Programm-Direktorin am staatlichen ‚Glücks-Zentrum‘:</p>
<p>09 - ZUSPIELUNG         Wort 9   </p>
<p>The GNH index measures these things and shapes policy ….  Diese </p>
<p>VO-weiblich</p>
<p>Die ganze Welt redet schon lange über die Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung, den Klimawandel und die soziale Ungleichheit. Was Bhutan hier ergänzt, ist die Einsicht, dass die Lösungen erst aus einer Balance zwischen äußerem materiellen und innerem spirituellen Wohlergehen entstehen. Zugleich wissen wir, dass wir unsere Kultur nicht so rein erhalten können wie eine Juwelenkette, die wir im Schmuckkästchen verstecken. Kulturen verändern sich ständig, aber Werte können stark bleiben. Wir müssen diese traditionellen Werte, ihren Sinn und ihre Schönheit erhalten und mit einer modernen Technologie so kombinieren, dass die Umwelt so wenig wie möglich geschädigt wird.             … that reduces the impact on the environment.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damit ist Bhutan fraglos zu einem kleinen einzigartigen Modell für den Rest der Welt geworden. Doch darauf kann es sich nicht ausruhen. Das gesegnete Land auf dem Dach der Welt schrammt seit Jahren an einer Identitätskrise entlang. </p>
<p>Während die Landbevölkerung den alten Werten folgt, orientiert sich die städtische Jugend an den Vorgaben aus Hollywood und Bollywood, nutzt Tik-Tok und will ‚hip‘ sein, wie der Rest der Welt.</p>
<p>ZUSPIELUNG     Atmo 11b (Fernsehen Bhutan) kurz frei und weg </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sie tragen Jeans und T-Shirt statt der traditionellen Tracht. Wollen Karriere machen und den Reichtum, den die sozialen Medien, Fernsehen und Internet vorgaukeln. Die Zutaten des inneren Glücks – Bescheidenheit, Genügsamkeit, Dankbarkeit – nehmen ab. Die Jugend wandert ab, nach Indien, Japan, in die USA, wo statt dem ‚grünen Glück‘ Rupien, Yen und Dollars leuchten. Lyonpo Damcho Dorji, der Außenminister Bhutans, beschreibt die riesige Herausforderung für die Zukunft:</p>
<p>10 - ZUSPIELUNG Wort 10  </p>
<p>We are aware…</p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Wir spüren den Druck der westlichen Welt, des Fernsehens und Internets. Zugleich wollen wir unsere eigene vitale Kultur leben und in der Jugend das Bewusstsein für die Einzigartigkeit Bhutans schärfen. Sodass sie sich in der modernen Technologie engagiert, aber im Hinterkopf präsent hat, dass wir ein souveränes Land sind, was dabei auf seine eigene Kultur und Tradition bauen muss. Wir müssen unsere Kultur so leben, dass sie den Veränderungen standhält. Sonst kann sie einfach ausgelöscht werden.  … otherwise it can be simply wiped out.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dieser Schritt steht nun bevor. Bhutans Regierung versucht eine Glückspolitik 2.0! Der vierte König der Wangchuk-Dynastie hatte 2008 abgedankt, nachdem er seinem Reich die Verfassung mit dem Brutto-Nationalglück und ein demokratisches Regierungssystem beschert hatte. Sein zum 5. Drachenkönig gekrönter Sohn Jigme Khesar Wangchuk hat nun 2023 eine neue große Vision für das Bhutan der Zukunft vorgestellt, um alt und neu zu vereinen, die Abwanderung junger Menschen zu stoppen und das kleine Himalaja-Land zum internationalen Modell für die Balance zwischen Mensch und Natur zu machen.</p>
<p>Musik 7: Warp seven –  58 sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die flachen Ebenen im Süden des Landes an der Grenze zu Assam in Indien waren bislang faszinierende subtropische Naturschutzgebiete, durchzogen von Flüssen, belebt von unzähligen Arten, Korridore für wilde Elefanten, Leoparden und Tiger nach Süden. All das soll bleiben. (hier Musik:) Doch über das geschützte Paradies soll in den nächsten Jahrzehnten auf Brücken und Hügeln auf über 1.000 Quadratkilometern mit internationalen Investitionen eine futuristische Öko-Stadt der Zukunft entstehen. Nicht mit Hochhäusern aus Stahl und Beton, sondern aus Holz, mit nachhaltiger Architektur, autofreier Infrastruktur, grüner Energie. Einem Flughafen auf Stelzen, einem Zentrum digitaler Technik, KI und Programmierung, zugleich aber soll es eine Metropole von Spiritualität, Meditation und nachhaltigem Lebensstil bleiben. Bhutans Premier Thsering Tobgay stellte das Projekt bei einem Besuch in Indien im März 2023 vor: </p>
<p>11 -ZUSPIELUNG       Wort 11          </p>
<p>How would you immagine a city that is built on gross national happiness …    </p>
<p>VO-männlich</p>
<p>Wie könnte eine Stadt des wirklichen Brutto-National-Glücks im 21. Jahrhundert aussehen. Visualisieren Sie diese erste kohlestoff-negative Stadt der Welt, die unser König ‚Galifu – Stadt der Achtsamkeit‘ genannt hat. Eine Stadt, wo Menschen miteinander und mit der Natur leben, wo Innovation und Wissen mit Nachhaltigkeit und Spiritualität harmonieren. Ein Geschenk an Bhutan, ein Geschenk für unsere Zukunft, ein Geschenk an die Welt   … and a gift to the world.</p>
<p>Musik 8: Siebenfache Anrufung des Guru Padma-sambhawa -  49 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eine sehr große Vision, die Tradition und Zukunft, Natur und Mensch verbinden will. Faszinierend, unglaublich, ermutigend. Oder: Nur eine weitere Utopie vom Dach der Welt?</p>
<p>ZUSPIELUNG    Atmo 11 (Tempelhörner, Paro)    </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p></p>
<p>Das kleine Land gibt nicht auf, an eine gute Zukunft zu glauben. Mit seiner Politik des Brutto-National-Glücks und als ‚grünes Modell‘ ist es für die Welt längst ein ‚Projekt der Hoffnung‘ geworden. Und nur die Zukunft wird zeigen, ob Bhutan, das Land des Donnerdrachens auf dem Dach der Welt, ein weiteres Mal ganz selbstverständlich und beharrlich ein schönes Märchen einfach wahr macht.</p>
<br/>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kartoffel - Die nahrhafte Knolle</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kartoffel-die-nahrhafte-knolle/32975</link>
      <pubDate>Tue, 19 Aug 2025 03:25:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">210722_0905_Radiowissen_Kartoffel---Die-nahrhafte-Knolle.mp3</guid>
      <description>Die Kartoffel ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel, sie wird seit langem kultiviert. Heute sind in Deutschland rund 200 Sorten zugelassen, sie enthalten viele Vitamine und essentielle Aminosäuren. (BR 2014) </description>
      <enclosure length="21058944" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/32975/c/feed/kartoffel-die-nahrhafte-knolle.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Kartoffel ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel, sie wird seit langem kultiviert. Heute sind in Deutschland rund 200 Sorten zugelassen, sie enthalten viele Vitamine und essentielle Aminosäuren. (BR 2014) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a9690853-b259-41db-89eb-29c41cd2af07.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Kartoffel ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel, sie wird seit langem kultiviert. Heute sind in Deutschland rund 200 Sorten zugelassen, sie enthalten viele Vitamine und essentielle Aminosäuren. (BR 2014) </p><p>Lust bekommen auf Kartoffeln? Ein paar leckere Gerichte gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern1/kartoffelgerichte-100.html">HIER</a> auf BR.de</p>
<p>Noch mehr köstliche Kartoffel-Gerichte gibt es außerdem in diesem Beitrag aus der Dokumentationsreihe &quot;Unter unserem Himmel&quot;:<br/><a title="ZUR BR MEDIATHEK" href="https://www.br.de/mediathek/video/unter-unserem-himmel-dokumentation-erdaepfelsterz-und-baunkerl-einfache-kartoffelspeisen-av:6093cdff6e79660007322599">ZUR BR MEDIATHEK</a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Port Arthur – Die berüchtigte Strafanstalt auf Tasmanien</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/port-arthur-die-beruechtigte-strafanstalt-auf-tasmanien/2108631</link>
      <pubDate>Mon, 18 Aug 2025 18:11:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8f8f6be7-cd9d-47f2-9ff4-1ab717a48be1</guid>
      <description>Im 19. Jahrhundert entstand auf dem südlich vor Australien gelegenen Tasmanien eines der ältesten Gefängnisse des fünften Kontinents. Port Arthur diente dem britischen Empire in Down Under als Hochsicherheitsgefängnis. Heute gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist ein Erinnerungsort am Ende der Welt - an Strafen und Bewachen im Gefängnis. Autor: Michael Marek (BR 2025) </description>
      <enclosure length="19590144" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108631/c/feed/port-arthur-die-beruechtigte-strafanstalt-auf-tasmanien.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Marek, Michael</itunes:author>
      <itunes:summary>Im 19. Jahrhundert entstand auf dem südlich vor Australien gelegenen Tasmanien eines der ältesten Gefängnisse des fünften Kontinents. Port Arthur diente dem britischen Empire in Down Under als Hochsicherheitsgefängnis. Heute gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist ein Erinnerungsort am Ende der Welt - an Strafen und Bewachen im Gefängnis. Autor: Michael Marek (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9fc208af-11c4-4f27-bace-469450941e1a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im 19. Jahrhundert entstand auf dem südlich vor Australien gelegenen Tasmanien eines der ältesten Gefängnisse des fünften Kontinents. Port Arthur diente dem britischen Empire in Down Under als Hochsicherheitsgefängnis. Heute gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist ein Erinnerungsort am Ende der Welt - an Strafen und Bewachen im Gefängnis. Autor: Michael Marek (BR 2025) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge:  Michael Marek<br/> Regie: Anja Scheifinger, Johannes Hitzelberger, Caroline Ebner, Benedikt Schregle <br/> Es sprachen: Katja Bürkle<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>

<ul>
<li>Jochen Bung, Professor für Rechtsphilosophie/Strafrecht</li>
<li>Luke Donegan, Museumsdirektor</li>
<li>Liz La Trope, Museumsführerin</li>
</ul>

<br/>

<p><a title="Alles Geschichte" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/841">Alles Geschichte - Der History-Podcast</a></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/verbrechen-frueher-kriminaltechnik/1846772">VERBRECHEN FRÜHER - Kriminaltechnik</a></p>
<p>Mit der Abschaffung der Folter im 18.Jahrhundert stand die Kriminalistik vor einem Problem: Das Geständnis als &quot;Krone der Beweise&quot;&quot; verlor sein Gewicht. Neue Beweisführungen mussten her. Berühmte Kriminalfälle aus der Geschichte zeigen, welche wissenschaftlichen Errungenschaften den Weg in die moderne Kriminaltechnik ebneten. Von Markus Mähner (BR 2017)</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><a title="EXTERN" href="https://portarthur.org.au">Port Arthur Historic Site </a></p>
<p><br/></p>
<p>Literatur:</p>
<p>Michel Foucault, 1977: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Übersetzt von Walter Seitter, Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, 1. Auflage</p>
<br/>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-port-arthur-strafanstalt-tasmanien-australien-gefaengnis-isolatio-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><br/></p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Port Arthur im Südosten Tasmaniens: Der kleine, beschauliche Ort an der rauen Tasmansee liegt rund 80 Autominuten von Hobart entfernt, der Hauptstadt des australischen Bundesstaates. Während dort moderne Hochhäuser in den blauen Himmel ragen, sind in Port Arthur mit seinen etwa 250 Einwohnern vor allem Holzhäuser und alte viktorianische Gebäude zu finden. </p>
<p>M Electric drops </p>
<p>Einst galt der Ort als die Hölle auf Erden:</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Von 1830 bis 1877 befand sich hier das größte Gefängnis des britischen Empire außerhalb des Mutterlandes. Gleichzeitig galt Port Arthur als die sicherste Strafanstalt Australiens und war ausschließlich männlichen Gefangenen vorbehalten. Frauen, die als Straftäterinnen nach Australien deportiert wurden, kamen in der Regel in spezielle Frauengefängnisse oder Arbeitshäuser. </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Heute ist das Gelände ein Freilichtmuseum und gehört seit 2010 zum Unesco-Weltkulturerbe: Von einem Hügel aus überblickt man die gesamte riesige Anlage - ein Ensemble aus restaurierten historischen Gebäuden und Ruinen.</p>
<p>O-Ton 4: Liz La Trope </p>
<p>&quot;These are the cells … which is above us.&quot;</p>
<p>VO weiblich 1.1:</p>
<p>Hier sieht man die Zellen. Das Gebäude ist aus Ziegelsteinen, die Zellen sind aus Sandstein gefertigt. Eine Zelle war einen Meter dreißig breit und zwei Meter zehn lang. Die Gefangenen schliefen in Hängematten. Tagsüber musste die Matratze oder Hängematte zusammengerollt und ordentlich verstaut werden. Dafür gab es ein Regal, in dem auch Napf, Löffel und Becher ihren Platz fanden. Mehr Besitz gab es nicht.</p>
<p>O-Ton 5: Musik Museum</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Liz La Trope arbeitet als Museumsführerin. Die Historikerin erklärt, wie der Tagesablauf für die Strafgefangenen in Port Arthur strukturiert war:</p>
<p>M Philosophy of the artificial </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Die Nacht verbrachten sie in ihren engen Zellen ohne Fenster, in denen man sich kaum umdrehen konnte. Der Tag begann früh, oft schon bei Sonnenaufgang; nach einer einfachen Mahlzeit wurden die Häftlinge in verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt und mussten zwölf Stunden lang körperlich anstrengende Tätigkeiten verrichten – immer unter Aufsicht von Aufsehern, die auf Disziplin und Gehorsam achteten.</p>
<p>O-Ton 6: Atmo Schwarzdrossel</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Gemeinsam schreiten wir durch die weitläufige Gefängnisanlage, die sich über ein hügeliges Gelände erstreckt und u-förmig von einer Meeresbucht begrenzt wird. Große Zypressen stehen Wache vor den Ruinen, Schwarzdrosseln suchen nach Futter. </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Die britischen Kolonialherren hatten sie aus ihrer Heimat mitgebracht, genau wie die Pflanzen für den Rosengarten des Kommandanten. Doch der Ort war alles andere als idyllisch: Mit Grauen dachten die Verurteilten an diesen Ort, der über 17.000 Kilometer von England entfernt lag und eine Reise ohne Rückfahrkarte bedeutete.</p>
<p>O-Ton 7: Atmo Türschloss Gefängnis</p>
<p>O-Ton 8: Liz La Trope</p>
<p>“There are about 163.000 … maximum security prison.”</p>
<p>VO weiblich 1.2:</p>
<p>Insgesamt wurden 163.000 Sträflinge nach Australien deportiert, davon allein 73.000 nach Tasmanien, das damals Van-Diemens-Land hieß. Nach Port Arthur kamen die Sträflinge mit der höchsten Sicherheitsstufe, denn Port Arthur war ein Hochsicherheitsgefängnis.</p>
<p>O-Ton 9: Atmo Sound Ausstellung Gefängnis</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Es gab sieben verschiedene Kategorien von Sträflingen, je höher die Klassifizierung, desto schlimmer die Straftat. Diese Hierarchisierung spiegelte sich auch im Gebäude wider: Die einfachen „Convicts“ waren im Erdgeschoss untergebracht – ihre Kleidung war blau oder grau. Je mehr man auf dem „Kerbholz“ hatte, desto weiter wurde man nach oben verlegt. Für einen Sträfling der Stufe sieben galten höchste Sicherheitsvorkehrungen, Name und Individualität wurden ausgelöscht. In ihrer Häftlingskleidung ähnelten die Sträflinge Harlekinen: ein Hosenbein blau, das andere grau – umgekehrt, ein Ärmel blau, der andere grau. Die verdrehte Farbgebung sollte an die moralische Verkommenheit des Trägers erinnern und signalisierte: Achtung, Schwerbrecher, so die Historikerin La Trope:</p>
<p><br/></p>
<p>O-Ton 10: Liz La Trope</p>
<p>&quot;The penitentiary … heavy leg irons around 18 kilos.&quot;</p>
<p>VO weiblich 1.3:</p>
<p>Das Gefängnis war ursprünglich ein Getreidespeicher oder eine Getreidemühle. Dann wurde Port Arthur zu einem Hochsicherheitsgefängnis. Es gab eine Krankenstation, eine katholische Kapelle und sogar eine Bibliothek mit 13.000 Bänden. Die Idee war, aus den Sträflingen bessere Menschen zu machen. Die privilegierten Gefangenen hatten ihren eigenen Schlafsaal und brauchten keine Fußeisen zu tragen – im Gegensatz zu den schweren Jungs. Sträflinge der Kategorie sieben mussten 18 Kilogramm schwere Fußeisen tragen.</p>
<p>O-Ton 11: Atmo Museum Tür-Schritte</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Ein vierstöckiger Zellenblock ist das Zentrum von Port Arthur – ein gelbliches, langgestrecktes Gebäude. Wo einst 484 Gefangene lebten, stehen heute nur noch die renovierten Außenmauern, die wie ein steinernes Skelett an die &quot;Doing Time&quot; erinnern - die Zeit, die die Häftlinge im Gefängnis einsaßen.</p>
<p>O-Ton 12: Liz La Trope</p>
<p>&quot;Those majority would … in the British Empire here at Port Arthur.&quot;</p>
<p>VO weiblich 1.4:</p>
<p>Die meisten Strafgefangenen waren junge Arbeiter zwischen 19 und 25 Jahren. Sie wurden für den Aufbau des Landes gebraucht. Der jüngste Häftling war neuneinhalb Jahre alt. Auch deshalb gehört das Gefängnis zum Unesco-Welterbe: Port Arthur hatte eines der ersten Jugendgefängnisse des Britischen Empire.</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Wirtschaftlich stand Port Arthur für einen einfachen Tauschhandel: Manpower gegen Holz!</p>
<p>M Misjudgement (reduziert) Z8037260116 (Länge: 1´00´´)</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die industrielle Revolution forderte- ihren Tribut. Die soziale Verelendung breiter Bevölkerungsschichten führte zu mehr Kriminalität. Schon für ein gestohlenes Brot konnte man nach Tasmanien verbannt werden. Die britischen Wälder waren so stark abgeholzt, dass sie kaum noch als Brennstoff für die Dampfmaschinen dienen konnten. Doch woher Holz nehmen, wenn es im eigenen Land keins mehr gab? Wie verlockend war der Gedanke, die üppigen Wälder Tasmaniens abzuholzen, um den Bedarf Englands zu decken! Die Gefangenen wurden gezwungen, in den Wäldern um Port Arthur zu arbeiten. Sie fällten Bäume, schnitten die Stämme und transportierten sie zu den verschiedenen Werkstätten oder Bauprojekten. Es war harte und gefährliche Arbeit, die oft zu körperlicher Erschöpfung und Verletzungen führte.</p>
<p>Sprecher:</p>

<p>Port Arthur war ebenso bekannt wie berüchtigt für seine sogenannten &quot;Tausendfüßler Kolonnen&quot;: </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Letzte Hilfe – Unterstützung am Lebensende</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/letzte-hilfe-unterstuetzung-am-lebensende/2108629</link>
      <pubDate>Mon, 18 Aug 2025 18:11:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">396ece9c-7a41-4985-815e-04bafe59789a</guid>
      <description>Einen sterbenden Menschen auf seinem letzten Weg gut zu begleiten - viele wünschen sich das. Nur wenige trauen es sich zu. Vor allem, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Doch all das kann man lernen. Sinnvoll ist, sich mit dem schwierigen Thema schon in guten Zeiten zu beschäftigen. Denn ein friedlicher Abschied kann tröstlich sein: für die Sterbenden und die nahen Begleiter. 
Autorin: Karin Lamsfuß (BR 2025) </description>
      <enclosure length="22643712" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108629/c/feed/letzte-hilfe-unterstuetzung-am-lebensende.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Lamsfuß, Karin</itunes:author>
      <itunes:summary>Einen sterbenden Menschen auf seinem letzten Weg gut zu begleiten - viele wünschen sich das. Nur wenige trauen es sich zu. Vor allem, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Doch all das kann man lernen. Sinnvoll ist, sich mit dem schwierigen Thema schon in guten Zeiten zu beschäftigen. Denn ein friedlicher Abschied kann tröstlich sein: für die Sterbenden und die nahen Begleiter. 
Autorin: Karin Lamsfuß (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7a02ee99-3652-4b58-b50d-fe91cdb6c24f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Einen sterbenden Menschen auf seinem letzten Weg gut zu begleiten - viele wünschen sich das. Nur wenige trauen es sich zu. Vor allem, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Doch all das kann man lernen. Sinnvoll ist, sich mit dem schwierigen Thema schon in guten Zeiten zu beschäftigen. Denn ein friedlicher Abschied kann tröstlich sein: für die Sterbenden und die nahen Begleiter. 
Autorin: Karin Lamsfuß (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Karin Lamsfuß<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse, Christian Baumann,<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/></p>
<ul>
<li>Dr. Georg Bollig, Palliativmediziner und Erfinder der „Letzte Hilfe-Kurse“</li>
<li>Ulrike Lenhart, Palliativkrankenschwester, Kursleiterin „Letzte Hilfe-Kurse“</li>
<li>Anke Gerstein, Sterbeamme</li>
<li>Monika Müller, Pädagogin, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin</li>
<li>Dr. Astrid Lueg, SAPV-Ärztin; Teilnehmende des „Letzte Hilfe-Kurses“</li>
</ul>

<p>Psychologie:</p>
<p> </p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Ein sonniger Samstagmorgen. Draußen auf dem Rasen spielen Kinder, und drinnen im Saal geht es in den nächsten vier Stunden um den Tod. </p>
<p>Im „Letzte Hilfe Kurs“, veranstaltet vom örtlichen Hospizverein. Diese Kurse gibt es in ganz Deutschland. Vermittelt wird darin, wie eine gute Begleitung in der letzten Lebensphase aussehen kann.</p>
<p>In der Mitte des hellen Raums steht ein farbenfroher Blumenstrauß auf dem Boden. Drapiert in eine orangefarbene Samtdecke. Ein Stück Fröhlichkeit. Und ein Gegenpol zu dem schweren Thema dieses Vormittags.</p>

<p><strong>Atmo 2 Begrüßung</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>16 Frauen und zwei Männer betreten zaghaft den Raum. Zwei Bestatter sind dabei und eine Ärztin. Die anderen sind privat betroffen. Manche kämpfen mit den Tränen, als sie ihre Situation schildern. </p>
<p> </p>
<p><strong>01 Zsp. Sterben Collage Vorstellungsrunde:</strong></p>
<p>Sonja: Ich bin betroffen, weil mein Mann unheilbar an Krebs erkrankt ist, es ist der Wunsch meines Mannes, es ist mein Wunsch, ihn zu begleiten, ich mach das, so lange ich kann…</p>
<p>Caroline: Mein Name ist Caroline und meine Mutter ist schwer erkrankt, hat aber den Wunsch, zu Hause zu sterben, und deswegen würde ich gerne schauen, ob ich mir das zutraue. </p>
<p>Inge: Mein Name ist Inge, ich hab nen sehr kranken Mann zuhause und versuche, hier ein bisschen Hilfe zu bekommen. </p>
<p>Lenhart: Danke schön! Ganz unterschiedliche Motivationen, die Sie hierhergeführt haben, und: Ja, ich geh’s jetzt einfach mit Ihnen an! </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Foreboding fate</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecher: </strong></p>
<p>Es ist kein schönes Thema. Und trotzdem verschont es niemanden. Irgendwann kommt der Tod ins Leben: sei es bei geliebten Menschen oder bei einem selbst. Das macht Angst. Je größer die Unsicherheit, desto mehr wächst die Angst. </p>
<p>Zu viele Bilder sind präsent: von Schwerkranken, die hilflos und ohnmächtig an Schläuchen und Maschinen hängen. Alles über sich ergehen lassen. Die Schmerzen…  und Atemnot haben. </p>
<p>Doch all das muss nicht unbedingt sein. Die letzte Lebensphase kann durchaus selbstbestimmt gestaltet werden. Voraussetzung ist, eins der größten Tabus zu brechen. </p>
<p> </p>
<p><strong>02 Zsp. Sterben Anke </strong><strong>Gerstein: </strong></p>
<p>Ich glaube, sterben ist einfacher für die Menschen, die sich damit schon befasst haben. Wenn das so ein Wabber-Ding ist oder ich lass mich überraschen, und ich bin dann auf einmal im Sterbeprozess und es überkommt mich alles, dann ist es schlimm.</p>
<p> </p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Sagt die Sterbeamme Anke Gerstein (Aussprache: Gehr-stein). „Sterbeammen“ sehen sich als Pendant zu Hebammen. Sie begleiten nicht ins Leben, sondern aus dem Leben heraus. Anke Gerstein sieht sich als seelische und spirituelle Begleiterin für Sterbende und deren Angehörige auf dem letzten Lebensweg und in der Zeit der Trauer.</p>
<p> </p>
<p><strong>03 Zsp. Sterben </strong><strong>Monika Müller: </strong></p>
<p>Wenn ich an alte Bilder denke, die ich als junges Mädchen hatte von dem so genannten „Badezimmersterben“, wo Menschen in ein Badezimmer geräumt wurden, als sie noch lebten und da ihrem Sterben entgegensahen. Also das sind Schreckensbilder, die im Kontext von Hospizarbeit und Palliativmedizin nicht mehr zutreffen.</p>
<p> </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Monika Müller, eine der Pionierinnen der Hospizarbeit in Deutschland.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher: </strong></p>
<p>Ausgeliefert sein. Und ohnmächtig zuschauen. An Profis delegieren. Ohne selbst Entscheidungen zu treffen. Viele wollen das nicht mehr. Und so haben weltweit in den letzten zehn Jahren weltweit über 100.000 Menschen an den Letzte-Hilfe-Kursen teilgenommen. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>04 Zsp. Sterben Georg </strong><strong>Bollig:</strong></p>
<p>Die Zeit ist reif. Ich glaube, es ist einfach so, dass die Menschen in letzten Jahrzehnten verlernt haben, andern beim Sterben beizustehen. </p>
<p> </p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Sagt Dr. Georg Bollig, Palliativmediziner und Gründer der „Letzte Hilfe-Kurse“. </p>
<p> </p>
<p><strong>05 Zsp. Sterben Georg </strong><strong>Bollig:</strong></p>
<p>Mögliche Ursache ist vielleicht auch die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, weil man so viel Tod und Sterben gesehen hatte, dass das institutionalisiert worden ist, also in Pflegeheim nur noch stattfindet oder in Krankenhäusern. Und wenn die heutigen Menschen angucke, die Generation, die jetzt 40, 50 oder älter sind, und die haben noch nie nen toten Menschen gesehen und haben dann natürlich auch Berührungsängste und wissen auch nicht, wie verhalte ich mich im Sterben gegenüber? </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Secret proofs red</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecher:  </strong></p>
<p>Zuhause sterben. Das wünschen sich nach Umfragen neun von zehn Menschen. Doch tatsächlich verbringen 80 Prozent ihre letzten Stunden in Einrichtungen: Altenheim, Pflegeheim, Krankenhaus oder Hospiz. Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass das Wissen über Sterbephasen und Sterbephänomene zwar durchaus für jeden verfügbar ist, aber die meisten Menschen lieber einen großen Bogen um das Thema machen. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musikzäsur, Kreublende in Atmo 3 Letzte Hilfe Kurs</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Darüber Erzählerin: </strong></p>
<p>Der erste Baustein im Letzte-Hilfe-Kurs nennt sich „Sterben als Teil des Lebens“. Palliativkrankenschwester und Kursleiterin Ulrike Lenhart erklärt, dass Sterben selten ein plötzliches Ereignis ist, sondern meist ein Prozess mit vielen Vorboten.  </p>
<p> </p>
<p><strong>06 Zsp. Sterben Ulrike </strong><strong>Lenhart: </strong></p>
<p>Also das Interesse an vielen Dingen schwindet immer mehr, Essen und Trinken spielt keine Rolle mehr, das nimmt immer weiter ab, bis hin, dass jemand sagt „Ich will nicht mehr essen, ich will nicht mehr trinken. (geht weiter)</p>
<p> </p>
<p><strong>Darüber Erzählerin: </strong></p>
<p>Nahrung und Flüssigkeit zu verweigern, erklärt die Kursleiterin, ist ein ganz normaler Bestandteil des Sterbeprozesses. Und kein Notfall! Trotzdem ist der Griff zum Telefon, zur 112, dabei fast schon ein Reflex der Angehörigen. Einmal in der Klinik ist schnell die Magensonde gelegt oder der Venenzugang zur Flüssigkeitszufuhr. Georg Bollig, der Erfinder der Kurse, arbeitet selbst in einem Krankenhaus und sieht diese Überversorgung sehr kritisch: </p>
<p> </p>
<p><strong>07 Zsp. Sterben Georg </strong><strong>Bollig: </strong></p>
<p>Für uns Ärzte ist es so, dass wir ‚Leben retten‘ im Kopf haben, das ist für uns ne ganz wichtige Sache, und das macht’s manchen meiner Berufskollegen auch schwierig, Dinge sein zu lassen. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Complex questions </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Er wünscht sich, dass das Thema „Sterben und Tod“ in die Kliniken einzieht. Nicht als eine Katastrophe oder das Ergebnis ärztlichen Versagens, sondern als eine Selbstverständlichkeit. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik hoch</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Die ausgebildete Sterbeamme Anke Gerstein arbeitet seit vielen Jahren als Krankenschwester in einem Hospiz. Und stellt immer wieder fest: Auch wenn jeder Sterbeprozess anders ist, ähnelt sich vieles. Wie etwa die psychischen Reaktionen auf eine schwere Diagnose: </p>
<p> </p>
<p><strong>08 Zsp. Sterben </strong><strong>Anke Gerstein </strong></p>
<p>Nicht wahrhaben wollen, hadern damit, verhandeln, wütend sein und dann annehmen. Und die Angehörigen machen parallel diese Phasen auch durch. Wichtig ist, dass die Angehörigen über diese Phasen Bescheid wissen, weil wenn die Sterbenden so wütend sind, dann sind die oft sehr ungerecht. </p>
<p><strong>Sprecher: </strong></p>
<p>Einem Sterbendem beizustehen, ist kein Spaziergang. Und trotzdem: Wissen über das, was kommt, was kommen kann, gibt ein kleines Stück mehr Sicherheit bei dieser höchst anspruchsvollen Lebensaufgabe.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Zu diesem Wissen gehört auch, so erklärt Monika Müller, Expertin für Hospizarbeit, dass es manchmal nicht wirklich etwas zu tun gibt. Oft heißt begleiten einfach nur: Still da sein und aushalten: </p>
<p> </p>
<p><strong>09 </strong><strong>Zsp. Sterben</strong><strong> Monika Müller</strong></p>
<p>Es gibt keinen verbalen Trost, Sie können alle Weisheitsbücher der Welt auswendig gelernt haben, es gibt nichts, was dem anderen die Trauer nimmt, den Schmerz nimmt, und vielleicht wäre es sogar ein Verbrechen, das zu wollen, weil, die Auseinandersetzung mit dem Leid gehört dazu.</p>
<p> </p>
<p><strong>Erzählerin: </strong></p>
<p>Nicht nur die Psyche, auch der Körper durchläuft verschiedene Sterbephasen. Für diese Phänomene gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Sowohl biologische, als auch spirituelle. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: C1461890020 New values:</strong></p>
<p> </p>
<p>Ein Ansatz ist – neben anderen – im tibetischen Totenbuch zu finden. Gemäß dieser buddhistischen Auffassung verlaufen die Sterbephasen analog zu den vier Elementen.</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecher: </strong></p>
<p>Zunächst beginnt sich das Element Erde aufzulösen: Das Gehen fällt schwer, die Knochen werden brüchig. Im Element Wasser kann der Körper den Flüssigkeitshaushalt nicht mehr regulieren: Wasseransammlungen und Inkontinenz sind mögliche Folgen. Beim Element Feuer schafft der Körper es nicht mehr, die Temperatur zu regulieren: Fieber kann auftreten, aber auch kalte Arme oder Beine. Und das letzte Element ist die Luft: </p>
<p> </p>
<p><strong>10 </strong><strong> Zsp. Sterben Anke </strong><strong>Gerstein:</strong></p>
<p>Das ist dann die letzte Phase: dass derjenige Atempausen bekommt oder eben dieses finale Rasseln, was den Angehörigen so viel Angst macht. Man denkt: ‚Der leidet so, aber das ist für den Sterbenden nicht so schlimm wie für den Angehörigen, der daneben sitzt. Ich bin eigentlich dazu da, um den Angehörigen die Sicherheit zu geben, dass das alles normal ist. Dass das alles dazu gehört. </p>
<p> </p>
<p><strong>Atmo 3 Letzte Hilfe Kurs: </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Darüber Erzählerin: </strong></p>
<p>All das ist normal und kein Grund, den Notarzt zu rufen. Das lernen auch die Teilnehmenden im „Letzte Hilfe-Kurs“. Nach der Kaffeepause erklärt Ulrike Lenhart, was im Körper eines sterbenden Menschen vor sich geht. </p>
<p> </p>
<p><strong>11 Zsp. Sterben </strong><strong>Ulrike Lenhart: </strong></p>

<p>Im Körper reduziert sich im Sterbeprozess alles mehr auf Herz, Lunge, Hirn. Die Durchblutung ist im Sterbeprozess nicht mehr so intensiv… (geht weiter)</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Zecke - Kleiner Parasit mit großem Risiko</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-zecke-kleiner-parasit-mit-grossem-risiko/1797369</link>
      <pubDate>Mon, 18 Aug 2025 13:25:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d11e380f-aaaa-45d3-bb94-ddfeaf18f0e8</guid>
      <description>Zecken sitzen auf Gräsern und warten auf einen Wirt. Warum? Die Parasiten brauchen Blut. Für Menschen ist der Stich an sich zwar nicht gefährlich, wohl aber die Krankheitserreger, die übertragen werden können. Von Claudia Steiner (BR 2020) </description>
      <enclosure length="22163121" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1797369/c/feed/die-zecke-kleiner-parasit-mit-grossem-risiko.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:05</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Zecken sitzen auf Gräsern und warten auf einen Wirt. Warum? Die Parasiten brauchen Blut. Für Menschen ist der Stich an sich zwar nicht gefährlich, wohl aber die Krankheitserreger, die übertragen werden können. Von Claudia Steiner (BR 2020) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/62afc58e-6af7-46a7-8b38-294b0f9e2757.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zecken sitzen auf Gräsern und warten auf einen Wirt. Warum? Die Parasiten brauchen Blut. Für Menschen ist der Stich an sich zwar nicht gefährlich, wohl aber die Krankheitserreger, die übertragen werden können. Von Claudia Steiner (BR 2020) </p>
<p>Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Shenja Lacher<br/> Technik: Robin Auld<br/> Redaktion: Bernhard Kastner<br/><br/></p>
<p>BR Fernsehen hat einen weiteren spannenden Beitrag zum Thema:<br/>Von Jagd-Zecken, Tigermücken und Fledermäusen - Klimakrise befördert Ausbreitung neuer Erreger<br/><strong><a title="BR Fernsehen | Klimakrise befördert Ausbreitung neuer Erreger" href="https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/exotische-zecken-und-stechmuecken-werden-sich-neue-infektionskrankheiten-ausbreiten-100.html">ZUM BEITRAG</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wie die Körpergröße unsere Gesellschaft prägt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wie-die-koerpergroesse-unsere-gesellschaft-praegt/2095887</link>
      <pubDate>Mon, 18 Aug 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f7eb4782-066d-4933-b020-cf3d1bdc00ba</guid>
      <description>Körpergröße ist eines unserer bestimmenden Merkmale. Was wir sehen, sind die Unterschiede: zu uns selbst, aber auch statistisch. Weil etwa größere Menschen erfolgreicher und gesünder sind. Biologisch bestimmen vor allem die Gene unsere Größe. Doch wie beeinflussen sich Größe und Gesellschaft? Von Sebastian Kirschner (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22407168" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095887/c/feed/wie-die-koerpergroesse-unsere-gesellschaft-praegt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:20</itunes:duration>
      <itunes:author>Sebastian Kirschner</itunes:author>
      <itunes:summary>Körpergröße ist eines unserer bestimmenden Merkmale. Was wir sehen, sind die Unterschiede: zu uns selbst, aber auch statistisch. Weil etwa größere Menschen erfolgreicher und gesünder sind. Biologisch bestimmen vor allem die Gene unsere Größe. Doch wie beeinflussen sich Größe und Gesellschaft? Von Sebastian Kirschner (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/68cde0b0-b97d-4d26-8fdb-8df28d6365c2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Körpergröße ist eines unserer bestimmenden Merkmale. Was wir sehen, sind die Unterschiede: zu uns selbst, aber auch statistisch. Weil etwa größere Menschen erfolgreicher und gesünder sind. Biologisch bestimmen vor allem die Gene unsere Größe. Doch wie beeinflussen sich Größe und Gesellschaft? Von Sebastian Kirschner (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Sebastian Kirschner<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Andreas Neumann, Friedrich Schloffer<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Eva Rosenstock, Archäologin (Universität Bonn); <br/>Prof. Dr. Michael Hermanussen, Kinder- und Jugendmediziner; <br/>Dr. Christiane Scheffler, Humanbiologin (Universität Potsdam); <br/>Dr. Gert Stulp, Soziologe (Universität Groningen, NL)<br/> <br/><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong></p>
<p><strong>Warum sind wir nicht winzig klein? Arte 42 - die Antwort auf fast alles <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.arte.tv/de/videos/115510-003-A/warum-sind-wir-nicht-winzig-klein/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literaturtipps: <br/></strong></p>
<p>- Michael Hermanussen/ Christiane Scheffler, „Größenwahn – Zur Evolution biologischer Signale im sozialen Miteinander“ (Springer-Verlag, ab Oktober 2024): zeigt allgemeinverständlich, auf welche Weise sich Körpergröße auf unseren Alltag auswirkt, wie sie unser soziales, politisches und wirtschaftliches Leben beeinflusst; viele weiterführende Literaturhinweise</p>
<p>- Barry Borgin, „Patterns of human growth“ (2020): Welche Faktoren beeinflussen das menschliche Wachstum und wie spielen sie zusammen? Barry Borgin erklärt es. </p>
<p>- Frank Siegmund, „Die Körpergröße der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas und ein Vergleich ihrer anthropologischen Schätzmethoden“ (2010): eines der Standardwerke, wenn es um Körpergrößen jenseits der Neuzeit geht – und wo die Probleme liegen, sie zuverlässig zu ermitteln</p>
<p>- John Komlos, „Körpergröße und Wohlstand“ in: Spektrum der Wissenschaft (9) 2005: prägnante und verständliche Sicht eines Wirtschaftshistorikers. Komlos gilt als einer DER Vertreter, dass sich an Körpergrößen ablesen lässt, wie gut es einer Gesellschaft geht </p>

<p>- John Tyler-Bonner, „Why size matters“ (2006): Psychologie und Gesellschaft beiseite; wie anders sich die Physik für die Allergrößten (und Allerkleinsten) auswirkt</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-koerpergroesse-statur-gesellschaft-klein-gross-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Klein und ein Tyrann. Einer, der seine geringe Größe mit Macht kompensieren musste. Der den Spott über seine kurze Statur mit diktatorischer Härte und der Herrschaft über halb Europa ausgeglichen hat. So ist Napoleon Bonaparte zum Teil bis heute noch im kollektiven Gedächtnis verankert. Körpergröße, die eng mit dem Charakter verbunden scheint. Als sogenannter „Napoleon-Komplex“ hat es dafür zeitweise sogar einen psychologischen Fachbegriff gegeben. Wissenschaftlich ist der zwar überholt – aus der breiten Öffentlichkeit aber längst nicht verschwunden. Denn Körperhöhe bewegt uns, sie ist mehr als nur ein biologisches Maß. Jeder misst Größe eine Bedeutung bei: </p>
<p>ZUSP_01</p>
<p>… dass kleine Männer zum Beispiel energiegeladen bis aggressiv durchsetzungsfähig sind, um irgendetwas zu kompensieren. Dass bei gleicher Qualifikation zweier beruflicher Bewerber auf eine Stelle gerne gerade bei Männern der größere genommen wird, weil Körperhöhe offensichtlich doch irgendwie positiv konnotiert ist. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dass Körpergröße unsere Gesellschaft in vielerlei Hinsicht beeinflusst, scheint außer Frage zu stehen. Doch offenbar funktioniert das Ganze nicht nur in eine Richtung. Psychologen, Wirtschaftswissenschaftler und Archäologen wie Eva Rosenstock spüren längst weiteren Faktoren von Körperhöhe nach und wie sich die auswirken. Könnte unsere Gesellschaft auch die Körpergröße beeinflussen? Und wenn ja:</p>
<p>ZUSP_02</p>
<p>Woran liegt es? Steckt da auch Kultur drin? Und natürlich: Steckt da auch irgendwie Umwelt drin, im Sinne von Ernährungszustand? All diese Dinge sind noch relativ unerforscht.</p>
<p>MUSIK 2</p>
<p>&quot;Minamisoma&quot; - Album: Grüsse Aus Fukushima (Original Score) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;30</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eines ist offensichtlich: Körpergröße bestimmt unser Leben. Große Menschen sind statistisch gesehen erfolgreicher als kleinere, Frauen sind im Schnitt kleiner als Männer. Und kleine Kinder wollen oft nur eines: endlich groß sein! Körpergröße ist für uns allgegenwärtig. Für den niederländischen Soziologen Gert Stulp ist auch völlig klar, warum das so ist:</p>
<p>ZUSP_03</p>
<p>height is one of the first things that you notice. height is a very a distinguishing feature. and we cannot help not looking at height</p>
<p>VOICEOVER-männlich</p>
<p>Größe fällt uns sehr schnell auf. Sie ist ein wichtiges </p>
<p>Unterscheidungsmerkmal. Wir können gar nicht anders, als darauf zu achten.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit zwei Metern Größe weiß Gert Stulp, wovon er spricht. Egal, was wir tun, wohin wir schauen – wir nehmen unsere Körpergröße wahr, physisch und psychisch: Etwa, wenn wir ins Auto steigen und erstmal den Sitz verstellen müssen. Oder wenn wir im Bus vielleicht kaum an die Haltestangen reichen. Wenn wir Treppen steigen, am Tisch sitzen oder im Bett liegen: Unsere Umgebung haben wir an Durchschnittswerte unserer Größe angepasst. Und mehr noch: Blicken wir auf unsere Mitmenschen, dann registrieren wir – bewusst oder unbewusst – als eines der ersten Dinge deren Statur. Wollen wir jemanden beschreiben, dann wohl kaum ohne dessen Größe. Nicht umsonst steht sie in jedem Pass. Dementsprechend messen wir ihr auch zwischenmenschlich beim ersten Eindruck so viel Bedeutung bei: </p>
<p>ZUSP_04</p>
<p>If you only have three minutes to judge a person, you will judge a person on easy to measure characteristics. So those are height, weight, the face. But that is also because there are no real alternatives.</p>
<p>VOICEOVER-männlich</p>
<p>Wenn Sie nur drei Minuten Zeit haben, eine Person zu beurteilen, werden Sie auf einfache Merkmale schauen: Körpergröße, Gewicht, das Gesicht. Auch deswegen, weil es keine Alternativen gibt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Auswirkungen davon sind enorm.</p>
<p>Musik 3: </p>
<p>&quot;Minamisoma&quot; - Album: Grüsse Aus Fukushima (Original Score) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;36</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Wer groß ist, hat es tendenziell besser in unserer Gesellschaft. Immer wieder belegen Studien: Größere Menschen haben tendenziell mehr Sex, finden leichter einen Job, sie verdienen im Schnitt mehr Geld. Selbst unsere Sprache transportiert, wie wichtig groß sein ist: Egal ob jemand einen hohen Status hat oder großes erreichen will – Größe zählt. Und nicht zuletzt leiden etliche, weil sie mit ihrer Statur nicht ins gängige Ideal passen, weiß Archäologin Eva Rosenstock:</p>
<p>ZUSP_05</p>
<p>Zum Beispiel sollte der männliche Partner größer sein als die Partnerin, mindestens gleich groß. Wenn kleiner, wird es eher schwierig oder gilt als mutige Verpartnerung, dass man sich über Schönheitsideale und Vorstellungen hinwegsetzt. Also, das ist ein sehr, sehr starkes Attribut, was einem auch Rollen zuweist in unserer Gesellschaft.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>An unserer Körperhöhe führt also kein Weg vorbei. Sie hat erheblichen Einfluss auf unsere Gesellschaft, unser soziales Miteinander. So weit, so gut. Nun zeigen aber neuere Studien, das Ganze funktioniert wohl auch umgekehrt. Sprich: Unsere Kultur bestimmt maßgeblich, wie groß wir überhaupt werden. </p>
<p>Wie kann das sein? Beißt sich die Katze damit nicht in den Schwanz? </p>
<p>An dieser Stelle eine kurze Wiederholung für alle, die ihren Biologieunterricht nicht mehr so präsent haben: </p>
<p>Musik 4</p>
<p>&quot;Forest Of Fairytales&quot; - Komponist und Ausführender: Lauschgold - Länge: 0&#39;38</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Natur gibt unserem körperlichen Wachstum bestimmte Grenzen vor. Physikalische, die den Bauplan unseres Körpers betreffen. Und physiologische, die die Funktionen und Abläufe in unserem Organismus anbelangen. Kurz gesagt: Wir können nicht etwa fünf Meter groß werden – unsere Knochen würden dabei brechen. Wir können auch nicht zehn Zentimeter klein werden – darauf sind etwa Atmung und Blutkreislauf nicht ausgelegt. Das alles ist in unserem Erbgut, unseren Genen festgelegt. Sie geben unsere Größe vor. Und trotzdem, so sagt Kinderarzt und Größenforscher Michael Hermanussen:</p>
<p>ZUSP_07</p>
<p>Der Rahmen ist riesig. Wir können in einem Bereich von etwa 30 Zentimetern wanken. Alles, was wir zwischen 1,40 will ich mal sagen und 1,90 für Männer sehen – es ist im Rahmen unserer Genetik. Nur die Feinabstimmung, die erfolgt dann später. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Soll heißen: Nach der Geburt und unabhängig von unseren Genen stellt sich heraus, wo wir innerhalb dieser Bandbreite als Erwachsene landen. Ausschlaggebend dafür ist – so die gängige Erklärung:</p>
<p>ZUSP_08</p>
<p>If you will have a good environments when you are young, with many resources available, that will impact your growth.</p>
<p>VOICEOVER-männlich</p>
<p>Wenn Sie in jungen Jahren ein gutes Umfeld haben, mit vielen Ressourcen, dann wird das ihr Wachstum beeinflussen.</p>
<p>Musik 5</p>
<p>&quot;Forest Of Fairytales&quot; - Komponist und Ausführender: Lauschgold - Länge: 0&#39;30</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und irgendwie scheint das auch ganz gut zu passen: Denn die meiste Zeit in den letzten Jahrtausenden hat sich unsere Durchschnitts-Größe nur mäßig verändert. Erst in den vergangenen 150 Jahren sind wir sehr schnell deutlich größer geworden – weltweit im Schnitt um mehr als zehn Zentimeter. Fachleute wie Eva Rosenstock nennen das die ‚säkulare Akzeleration‘: </p>
<p>ZUSP_09</p>
<p>Was hat sich verändert? Da sehen wir eben Fortschritte in ganz verschiedenen Bereichen. Wir sehen in der Landwirtschaft zum einen Kunstdünger mit höheren Erträgen, auch höherem Proteingehalt, den dann die Feldfrüchte haben, insbesondere die Getreide. Wir sehen eine Intensivierung, eine massive der Milchwirtschaft. Das geht wahrscheinlich Hand in Hand mit dem pasteurisieren können. Dann verbesserte Hygiene, weniger Wachstumsverzögerungen, die einfach entstehen, wenn der Mensch ständig gegen Krankheiten ankämpfen muss.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Körpergröße ist demnach offenbar eng an unsere wirtschaftliche Entwicklung geknüpft. Kurz gesagt:</p>
<p>ZUSP_10</p>
<p>Es ist ein Wohlstands-Indikator.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Beispiel Niederlande, also dem Land, in dem gegenwärtig die Menschen weltweit am größten sind. Mit Frauen zuletzt 1,70 Metern und Männern 1,84 Metern, im Schnitt wohlgemerkt. Mitte des 19. Jahrhunderts war das noch anders. Damals maßen sie durchschnittlich knapp 20 Zentimeter weniger, sagt der Niederländer Gert Stulp:</p>
<p>ZUSP_11</p>
<p>the first reason is that the Netherlands have a very good health care system and also very equal access to health care. And this is important because lets take as an example America. The top American healthcare system is probably better than what we get in the Netherlands. </p>
<p>VOICEOVER-männlich</p>
<p>Die Niederlande haben ein sehr gutes Gesundheitssystem und haben einen sehr gleichberechtigten Zugang dazu. Und das ist entscheidend. Beispiel USA: Deren bestes System ist wahrscheinlich besser als unseres hier. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber nur wenige Menschen können sie sich leisten. Wirtschaftswissenschaftler argumentieren, dass US-Amerikaner aufgrund dieser Arm-Reich-Schere heute im Schnitt sechs Zentimeter kleiner sind als Niederländer. Dabei waren sie noch im 19. Jahrhundert die weltweit größten. </p>
<p>Musik 6</p>
<p>&quot;Stones Throw&quot; - Album: Language Barrier - Komponist: Lusine Icl - Länge: 0&#39;31</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch ist unsere Körperhöhe dann tatsächlich eine Frage der Wirtschaftsleistung? Ein Zeichen also für unseren Fortschritt und stetig wachsenden Wohlstand? Oder ist sie vielleicht eher von der Kultur, der Gesellschaft abhängig? Weil die zum Beispiel darüber bestimmt, wer wie viel Zugang zu Ressourcen bekommt. Das hat sich unter anderem auch Archäologin Eva Rosenstock gefragt:</p>
<p>ZUSP_12</p>
<p>Können wir das quasi als so ein Bruttoinlandsprodukt-Ersatz für die Vorgeschichte verwenden? Das war die ursprüngliche Idee. Und je weiter wir geforscht haben, wurde uns immer klarer, dass so ein eindeutiges Bild, wie das Wirtschaftshistoriker zeichnen können, das hat sich halt für die Vorgeschichte gar nicht so abgezeichnet.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>… sagt die Forscherin von der Universität Bonn – laut Pass übrigens 1,66 Meter groß. Doch zurück zum Thema. Was hat sie mit Kollegen aus Österreich und den USA genau untersucht? Die Genetiker und Altertumswissenschaftler haben Daten von über 1.500 Skeletten ausgewertet, allesamt zwischen 6.000 und 8.000 Jahren alt. Gefunden bei Grabungen in Mitteleuropa, auf dem Balkan und im Mittelmeerraum. Knapp 130 Proben stammen auch aus der Gegend des heutigen Sachsen-Anhalt. Sie gehören zu Menschen aus der Gruppe der sogenannten Linienbandkeramik:</p>
<p>ZUSP_13</p>
<p>Die sind in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrtausends aus Südosteuropa nach Mitteleuropa zu uns gekommen und haben die bäuerliche Lebensweise, also Viehhaltung und Pflanzenbau, zu uns gebracht.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das besondere dieser Linienbandkeramiker: Sie besiedelten nahezu ausschließlich Gegenden mit fruchtbarem Lössboden. In dem erhalten sich Knochen meist sehr gut. Deshalb kann man mit ihnen auch gut ermitteln, wie groß die Menschen waren.</p>
<p>ZUSP_14</p>
<p>So durch die Bank rum haben wir, dass Männer irgendwo um die 1,65 bis maximal 1,70 rangieren und Frauen doch deutlich drunter. 1,55, maximal 1,60. Auf jeden Fall deutlich kleiner als das, was wir heute so gewohnt sind.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Gleichzeitig ergab sich anhand genetischer Proben aber: Die Menschen haben ihr vorgegebenes Wachstumspotenzial damals nicht ausgeschöpft – genetisch hätten sie größer sein können. Warum also waren die Männer und Frauen damals relativ klein? Zum Teil liegt das nach Ansicht der Wissenschaftler an der damaligen Umwelt und Lebensweise: Körperliche Schwerstarbeit beim Ackerbau, aufwendige und in reiner Handarbeit konstruierte Häuser – tagtäglich enorme Belastungen, die sich auch auf die Körpergröße ausgewirkt haben müssen. Allerdings reicht das nicht, um zu erklären, was Eva Rosenstock noch festgestellt hat – beim Vergleich von nördlichem Mitteleuropa und Mittelmeerraum: </p>
<p>ZUSP_15</p>
<p>Was auffällig war: dass die mediterranen Männer und Frauen ein- und derselben Kulturzeit weniger starke Unterschiede aufweisen als die Bandkeramiker.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Soll heißen: In der Gegend des heutigen Sachsen-Anhalt waren die Frauen deutlich kleiner als Männer, im Süden dagegen waren Frauen und Männer annähernd gleich groß. An Ernährung, Krankheiten oder Mangelzuständen kann das aber nicht gelegen haben, sagt die Archäologin. Das lässt sich aus den Analysen von in den Knochen eingelagertem Kohlenstoff und Stickstoff ableiten. Die zeigten keine auffälligen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.</p>
<p>ZUSP_16</p>
<p>Sodass wir jetzt einfach den Schluss ziehen müssen: Da muss es irgendetwas geben, was kulturell getrieben auf die Körperhöhe einwirkt und werdende Männer begünstigt und werdende Frauen benachteiligt hat.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die plausibelste Erklärung für die Wissenschaftler ist, dass Frauen weiter im Norden offenbar mehr leisten mussten als Männer. </p>
<p>ZUSP_17</p>
<p>Was wir wissen, ist, dass die Bandkeramiker ihre Frauen von woanders hergeholt haben. Und da kann man dann so sich Szenarien ausspinnen, wie ist das für so eine junge Frau, die verheiratet wird, den Ort wechselt? Das ist eine emotionale Belastung. Gab es schon so etwas wie Teenager-Schwangerschaften? Also eine Kombi aus früher Schwangerschaft, man wächst selber noch und muss aber auch schon arbeiten. </p>
<p>MUSIK 7</p>
<p>&quot;Stones Throw&quot; - Album: Language Barrier - Komponist: Lusine Icl - Länge: 0&#39;30</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Belegen können die Forschenden um Eva Rosenstock diese Theorie derzeit noch nicht. Es mehren sich aber die Hinweise darauf, dass nicht nur Wohlstand und Umwelt, sondern auch der kulturelle Rahmen eine wichtige Rolle dabei spielt, wie groß wir werden. Und diese Hinweise kommen auch aus anderen Disziplinen.</p>
<p>ZUSP_18</p>
<p>Früher fühlte ich mich eigentlich mittel bis eher klein. Und ich erinnere mich noch, als wir in der Schule so aufgereiht wurden im Sportunterricht, dass ich immer am unteren Ende war und wir immer hoffentlich nicht die letzten waren.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>… erzählt Christiane Scheffler. Sie ist Humanbiologin an der Universität Potsdam und Körpergröße ist eines ihrer großen Forschungsgebiete. Zusammen mit Kinder- und Jugendmediziner Michael Hermanussen spürt sie seit Jahrzehnten menschlichem Wachstum nach. Was groß zu sein für Menschen in unserer Gesellschaft bewirkt und bedeutet ist ihr daher vertraut:</p>
<p>ZUSP_19</p>
<p>Aber es ist nicht klar gewesen, warum die groß sind. Man ging davon aus, dass sie große Eltern haben, es die Gene sind. Und man ging davon aus, dass die besser ernährt wurden.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und dass in der Folge unsere Körpergröße dafür sorgt, wie unsere Gesellschaft reagiert. Ob wir als attraktiv gelten, Erfolg, Ansehen, Einfluss bekommen oder eher nicht. Doch die Forschung von Michael Hermanussen und Christiane Scheffler zeigt: Genetik und Ernährung sind zwar Voraussetzungen, um groß werden zu können – aber sie sind nicht der Auslöser für das Wachstum:</p>
<p>ZUSP_20</p>
<p>Was wir meinen ist, dass die Regulation der Körpergröße gesellschaftlich und sozial bedingt ist. Sicherlich haben Sie einen gewissen genetischen Rahmen, wie groß sie werden können. Der ist aber nicht so unterschiedlich in den einzelnen Bevölkerungen, wie wir vermuten könnten. Und wenn sie nicht ihr ganzes Leben lang extrem hungern, ist die Ernährung mehr oder weniger marginal, dass sie einen Einfluss auf die Körperhöhe hat.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Soziale Interaktion mit unserer gesellschaftlichen Umwelt als Schlüssel zu unserer Körpergröße – dieses anfängliche Gedankenexperiment sorgte in der Fachwelt zuerst für Aufregung. Nach über 20 Jahren Forschung dazu und mit rund 80.000 untersuchten Individuen ist das mittlerweile anders:</p>
<p>ZUSP_21</p>
<p>Unsere Idee, die setzt sich so langsam durch. Manche belächeln uns. Es kommt so langsam durch.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit einem Sachbuch wollen sie ihre Erkenntnisse künftig auch einem breiteren Publikum zugänglich machen. </p>
<p>MUSIK 8</p>
<p>&quot;Minamisoma&quot; - Album: Grüsse Aus Fukushima (Original Score) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;33</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Kernaussage: Größe ist ein biologisches Signal. Und das müssen wir verstehen, damit wir unser menschliches Miteinander besser verstehen:</p>
<p>ZUSP_22</p>
<p>Dass Körperhöhe ein Signal ist, sehen Sie an jeder Frau, die sich Hackenschuhe anzieht. Das sehen Sie an jedem König, der eine Krone aufsetzt. Immer ein Stückchen größer, immer ein Stückchen größer. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Über dieses Signal kommunizieren wir und formen unsere sozialen Strukturen und Hierarchien.  </p>
<p>ZUSP_23</p>
<p>Sie können das signalisieren, indem Sie sprechen und sagen: Ich bin der Chef. Aber eine einfache Signalgebung ist die Körperhöhe als ein Signal, ich bin größer. Und weil ich größer bin, habe ich mehr zu sagen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Muster, das aus Sicht der Wissenschaftler tief in uns verwurzelt ist. Ein Stück Evolution, das wir mit vielen anderen Tierarten teilen. </p>
<p>ZUSP_24</p>
<p>Und dieses Muster ist auch an bestimmte hormonelle Signale gebunden. Wir wissen von Primaten-Untersuchungen, dass die Organismen, die diesen dominanten Status erreichen und auch größer als Signal haben, höhere Insulin like growth Faktoren haben, also IGF-Faktoren haben. Und in dem Moment, wo sie die Position verlassen, schrumpfen sie nicht, aber das IGF-Level geht runter.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Wachstumshormone wirken nicht weiter. Anders ausgedrückt: Es ist die Hoffnung auf Dominanz, die zu größerer Körperhöhe führt. Und das passiert in der Kindheit und vor allem der Jugend, also der Zeit, in der wir noch wachsen.</p>
<p>ZUSP_25</p>
<p>In dieser Zeit nehme ich schon sehr wohl wahr, wo potenziell meine zukünftige Position sein könnte. Wenn Sie in der unteren sozialen Schicht sind und Sie haben keine Chance auf soziale Mobilität, dann nehmen Sie natürlich auch als Jugendlicher wahr, dass Sie keine Chance auf soziale Mobilität haben und nischen sich da ein. </p>
<p>ZUSP_26</p>
<p>Und wenn die jungen Leute merken, dass sie eine goldene Zukunft haben, dann wachsen sie besser.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>… sagt Michael Hermanussen. Übertragen auf die Gesellschaft würde das auch erklären, was wir zuvor als säkulare Akzeleration kennengelernt haben. Nur dass die Menschen nicht während einer Glanzzeit wachsen, sondern um und kurz nach einem Tiefpunkt:</p>
<p>ZUSP_27</p>
<p>Wir sehen, dass Menschen in einem Land immer dann wachsen, wenn die soziale Ordnung zusammenbricht. Die Deutschen haben einen unglaublichen Wachstumsschub gegen Ende des Ersten Weltkriegs in der Mitte der 20er-Jahre. Dasselbe ist noch mal nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir haben einen massiven säkularen Trend nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Also zu einer Zeit, als es den Leuten wirklich ganz dreckig ging im Land. Aber die Jugendlichen das Gefühl hatten, jetzt geht&#39;s aber los. Jetzt kann man was machen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit Ökonomie und Ernährung habe das aber nichts zu tun, so Hermanussen. Gleiches zeigen Christiane Scheffler zufolge auch die Daten zu den Niederlanden:</p>
<p>ZUSP_28</p>
<p>Die Holländer, wenn man ein bisschen die Geschichte sich anguckt, haben die zwar bis heute noch eine Monarchie. Aber sie haben eine konstitutionelle Monarchie. Dort war eine Demokratisierung, und dann fingen die Leute an zu wachsen.</p>
<p>Musik 9</p>
<p>&quot;Forest Of Fairytales&quot; - Komponist und Ausführender: Lauschgold - Länge: 0&#39;47</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Tatsache ist, dass in Europa inzwischen immer mehr Menschen 1,90 Meter und größer werden. Immer mehr also die Grenze dessen erreichen, was unsere Biologie hergibt und damit gesund möglich ist. Doch das sei eine Ausnahmesituation, so Michael Hermanussen, denn: </p>
<p>Historisch betrachtet war die Aussicht sozial aufzusteigen nie größer. Gleichzeitig hatten wir mit einer derart globalisierten Welt auch noch nie so viele, mit denen wir konkurrieren. </p>
<p>Die spannende Frage ist nun: Was bedeutet das alles? Was sagt uns dann Körpergröße überhaupt? Körpergröße muss differenziert gesehen werden, findet Christiane Scheffler:</p>
<p>ZUSP_31</p>
<p>Erstmal würde ich sagen, ist sie mit Sicherheit kein Indikator über den Wohlstand per se einer Gesellschaft. Zweitens ist sie kein Indikator für die individuelle Ernährungssituation. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und auch Soziologe Gert Stulp schränkt ein:</p>
<p>ZUSP_32</p>
<p>All of that might lead you to conclude that height is very important in contemporary society. And maybe it is. But we also should not overstate this.</p>
<p>VOICEOVER-männlich</p>
<p>Unsere Gesellschaft lässt uns vielleicht glauben, Körpergröße sei sehr wichtig. Aber wir sollten sie auch nicht überbewerten.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Alle Studien und Statistiken darüber, wie sich unsere Körpergröße gesellschaftlich auswirkt – Erfolg, Ansehen, Sexappeal – haben in seinen Augen einen gravierenden Haken: Sie geben nur Tendenzen wieder. Tendenzen, die sich durch beständiges Wiederholen ihrer Aussage verstärken können, wie selbst erfüllende Prophezeiungen. Tendenzen, über die wir aber im Zweifel erhaben sind, weil wir sie mit unserer freien Entscheidung selbst beeinflussen. </p>
<p>Beispiel Schönheitsideal: Solange wir festhalten an der Idee, dass der Mann größer zu sein hat als seine Partnerin, solange stützen wir auch einen Trend dahin, glaubt Eva Rosenstock. </p>
<p>ZUSP_34</p>
<p>Wir könnten uns trennen von dieser Idee, dass der Mann 10 Zentimeter größer sein muss als seine Partnerin. Dass man sich selber auf die Schliche kommt. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der mögliche Lösungsansatz klingt bestechend einfach: Sich bewusst zu machen, was es mit unserer Körpergröße auf sich hat oder eben auch nicht – und so aus dem Kreislauf auszubrechen. Diese Vorstellung macht Eva Rosenstock zumindest sehr neugierig:</p>
<p>ZUSP_35</p>
<p>Dass jetzt seit etlichen Jahrzehnten Mädchen einen Wertschätzungsboom erleben, die Girls Days und all diese Sachen. Ich wäre echt neugierig zu sehen, ob das auf Gesellschaftsebene gesehen dann auch irgendwann in der Körpergröße Früchte trägt.</p>
<p>Musik 10</p>
<p>&quot;Minamisoma&quot; - Album: Grüsse Aus Fukushima (Original Score) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;37</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Abgesehen davon bleibt uns wohl auch nicht viel anderes übrig, als kraft unserer Vernunft den Größenwahn zu durchbrechen. So urteilen jedenfalls Michael Hermanussen und Christiane Scheffler. Unsere Körpergröße ist ein Signal, mit dem uns unsere Biologie ausgestattet hat. Ein evolutionäres Überbleibsel, wenn wir so wollen. Groß oder klein zu sein hat demnach an sich keine Bedeutung. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Guanchen - Das rätselhafte Urvolk der Kanaren</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/guanchen-das-raetselhafte-urvolk-der-kanaren/2109625</link>
      <pubDate>Mon, 18 Aug 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c15b896c-30a6-45f0-a93d-6d6f77341bcd</guid>
      <description>Fernab der einst bekannten Welten entwickelte sich um Christi Geburt auf den Kanaren eine rätselhafte Kultur. Die ersten Bewohner der Inseln im Atlantik scheinen weder über seetaugliche Boote noch über Kenntnisse der Schifffahrt verfügt zu haben. Wie aber waren sie dann auf die Inseln mitten im Meer gekommen? - Nur eines der vielen spannenden Rätsel rund um die Ur-Kanaren, die Guanchen.</description>
      <enclosure length="20951040" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109625/c/feed/guanchen-das-raetselhafte-urvolk-der-kanaren.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:49</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Fernab der einst bekannten Welten entwickelte sich um Christi Geburt auf den Kanaren eine rätselhafte Kultur. Die ersten Bewohner der Inseln im Atlantik scheinen weder über seetaugliche Boote noch über Kenntnisse der Schifffahrt verfügt zu haben. Wie aber waren sie dann auf die Inseln mitten im Meer gekommen? - Nur eines der vielen spannenden Rätsel rund um die Ur-Kanaren, die Guanchen.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/658bf049-b37d-468b-a8c0-c3ef3da7ff76.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Fernab der einst bekannten Welten entwickelte sich um Christi Geburt auf den Kanaren eine rätselhafte Kultur. Die ersten Bewohner der Inseln im Atlantik scheinen weder über seetaugliche Boote noch über Kenntnisse der Schifffahrt verfügt zu haben. Wie aber waren sie dann auf die Inseln mitten im Meer gekommen? - Nur eines der vielen spannenden Rätsel rund um die Ur-Kanaren, die Guanchen.</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Lukas Grasberger<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Christian Baumann, Carsten Fabian, Katja Schild, Jennifer Güzel<br/>Technik: Matthieu Belohradsky<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Teresa Delgado, Archäologin und Konservatorin, Museo Canario, Las Palmas de Gran Canaria Prof. Harald Braem, Autor „Auf den Spuren der Ureinwohner: Ein archäologischer Reiseführer für die Kanaren<br/>Dr. Rosa Fregel, Genetikerin, Universidad de La Laguna, Teneriffa<br/>Dr. José Ignacio Sáenz, Direktor Museum Cueva Pintada, Gáldar, Gran Canaria</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>Angkor - die rätselhafte Stadt<br/>Angkor ist die größte Tempelanlage der Welt. Doch wieso ist diese mittelalterliche Megacity der Khmer verlassen worden? Schuld daran waren auch Klimaveränderungen.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/angkor-die-raetselhafte-stadt/bayern-2/84399290/">JETZT ENTDECKEN</a>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskripte-radiowissen-guanchen-uhrvolk-kanaren-geschichte-spanien-uhreinwohner-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>Sprecher</p>
<p>Touristen schlendern über die Strandpromenade von Maspalomas auf Gran Canaria. Einige schlürfen Eis, andere lassen den Blick über den tiefblauen Atlantik streifen. Für die ovale Steinformation zu ihren Füßen, ein paar Meter strandwärts, scheinen sich die meist deutschen Urlauber kaum zu interessieren. </p>
<p>Musik 2: ARD-Labelmusik Drifting beauty red – Z8021443108 – 29 Sek</p>
<p>…Ganz anders die kanarische Archäologin Teresa Delgado. Für Forschende wie sie sind die Spuren derjenigen, die bereits ein paar Tausend Jahre vor den Touristen auf die Insel kamen, ein spannendes Rätsel - das sie nur nach und nach zu lösen lernen. </p>
<p>O-Ton 1 Dr. Teresa Delgado, Konservatorin am Museo Canario, Las Palmas, span. </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Das sind Reste einer Siedlung, wie sie für die Ureinwohner der kanarischen Inseln typisch war. Damals boomte die Bevölkerung auf Gran Canaria, ihre Kultur blühte. Menschen, die seinerzeit in Berg-Höhlen lebten, zogen an die Küsten. Die Gesellschaft war im Aufbruch: Vormalige Viehzüchter entwickelten ihre Fähigkeiten im Ackerbau - und begannen auch den Ozean intensiv auszubeuten.“</p>
<p> Sprecher</p>
<p>In den Ruinen von „Punta Mujeres“ fanden die Archäologen Hinterlassenschaften, die auf einen reichhaltigen Fischkonsum der ersten Bewohner Gran Canarias hindeuteten. Doch da war eine Sache, die die Forscher bald ins Grübeln bringen sollte...</p>
<p>O-Ton 2 Delgado </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Bei dieser und anderen Ausgrabungen haben die Archäologen nie Gräten oder Köpfe von Hochsee-Fischen gefunden. Die ersten Bewohner der Inseln haben wohl nur an oder nahe der Küste gefischt. Darauf, dass sie das ohne Boote taten, weist eine besondere Ohrerkrankung hin, die man in Schädeln der Urkanarier gefunden hat. Diese hatten einen Tumor im Hörkanal, der bei häufigem Kontakt mit kaltem Wasser entsteht – etwa, wenn man am Ufer nach Meerestieren taucht. Auch hat man bei Ausgrabungen nie Überbleibsel von Schiffen entdeckt. In der Gesamtschau verleitet uns das zu dem Schluss, dass die frühen Bewohner der Inseln weder über Boote, noch über Fähigkeiten der Navigation verfügt haben dürften.“ </p>
<p>Atmo Meeresrauschen + </p>
<p>Musik 3: ARD Labelmusik Drifting beauty red – siehe oben – 19 Sek</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Wie aber waren die ersten Siedler dann auf die kanarischen Inseln gekommen – und warum? Und: Falls sie doch eigene Boote hatten: Weshalb hatten sie sich überhaupt auf die lebensgefährliche Überfahrt übers offene Meer, in unbekannte Gefilde, begeben? </p>
<p>Musik aus</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Vieles zur Herkunft und Lebensweise der kanarischen Ureinwohner erscheint uns heute, gut 500 Jahre nach der endgültigen Einnahme der Inseln durch die Spanier, geheimnisvoll. Die iberischen Eroberer haben die Guanchen, Canarios, Majos und Majoreros, die Gomeros, Bimbaches und die Benahoaritas gnadenlos ausgerottet. Deren Kultur und Zivilisation versank im Dunkel der Geschichte. </p>
<p>Musik 4: Weak Sunlight </p>
<p>Grabungs-Funde haben nachgewiesen, dass das mediterrane Seefahrer-Volk der Phönizier bereits im zehnten Jahrhundert vor Christus einen Fuß auf die Insel Lanzarote setzte. Später kamen die Römer. Doch beide waren keine Siedler, betont die Archäologin Teresa Delgado: Es waren wenige Menschen, die dort saisonal Stützpunkte für den Handel, etwa mit Purpur, betrieben. Die Urkanarier, das erste Volk, das die Inseln im Atlantik dauerhaft besiedeln sollte, waren andere... </p>
<p>O-Ton 3 Delgado </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Die erste nachhaltige Besiedlung der Inseln fand durch Berber-Völker aus dem Nordwesten Afrikas statt. Darauf deuten auch die jüngsten Untersuchungen von Spuren alten Erbguts hin.“ </p>
<p>O-Ton 4 Dr. Rosa Fregel, Genforscherin, Universidad de La Laguna, Teneriffa, span. </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Nach unseren genetischen Analysen waren die ersten dauerhaften Bewohner der Kanaren Berber, die aus dem Norden Afrikas stammen.“</p>
<p>Sprecher  </p>
<p>...bestätigt die Forscherin Rosa Fregel von der Universität von La Laguna auf Teneriffa. Die Biologin untersuchte mit ihrer Arbeitsgruppe das Erbgut von 48 Menschen, deren Überreste Archäologen an verschiedenen Orten der Inseln ausgegraben hatten. Die alten Erbgutspuren verraten, dass die Ur-Kanarier offenbar in zwei Wellen übers Wasser kamen: In Fregels Analysen zeigte das Erbgut der ersten Bewohner der östlichen Kanareninseln Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria einen größeren europäischen Einschlag - während bei den westlicher gelegenen der Anteil an nordafrikanischen Genen überwog. Und: Es war kein homogenes Berber-Volk, das da aus Nordafrika auf das Atlantik-Archipel gelangte.</p>
<p>O-Ton 5 Fregel </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Es war bereits ein Völkergemisch. Das Erbgut der ersten kanarischen Siedler weist nordafrikanische und mediterrane Elemente auf – sowie aus Subsahara-Afrika. Vor der ersten Migration auf die Kanaren dürfte es größere Wanderungsbewegungen im und in den Norden Afrikas gegeben haben. Auch von Menschen, die südlich der Sahara aufbrachen, Richtung Norden.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Waren es Verwerfungen rund um die römische Einnahme von Nordafrika, die Menschen unterschiedlicher Herkunft und in großer Zahl vertrieben, und diese zu einer Wanderung bis auf die kanarischen Inseln veranlassten? Nicht nur genetisch, auch ihrem Aussehen nach unterschieden sich die Guanchen, die Ureinwohner Teneriffas, frühen Beschreibungen zufolge deutlich. Der Dominikaner-Pater Fray Alonso de Espinosa, der mit den spanischen Eroberern auf die Insel kam, schilderte die Urbevölkerung einerseits als „dunkel und braungebrannt“; andererseits fand der Priester und Geschichtsschreiber im Norden des Eilands „hellhäutige“ Menschen vor - darunter Frauen „mit blondem und schönem Haar“. Die Forschung der Biologin Rosa Fregel und ihrem Team bestätigt, dass es besonders unter den Ureinwohnern der großen Inseln Teneriffa und Gran Canaria eine große genetische Vielfalt gab. </p>
<p>Musik 5: Weak sunlight – siehe vorne – 29 Sek</p>
<p>Doch: Wer genau wann auf die Inseln kam – und vor allem warum: Diese Fragen lassen sich auch mit Erbgut-Analysen nicht zufriedenstellend beantworten. Für Teresa Delgado passen die Erkenntnisse ihrer Forscher-Kollegin Fregel zumindest zu zwei Theorien über die Ankunft der ersten Siedler auf den Kanaren.</p>
<p>O-Ton 6 Delgado </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Die erste These geht davon aus, dass ein anderes Volk – wie die Römer – die ersten Inselbewohner herübergebracht, sie quasi auf den Inseln ausgesetzt hat: Als Gefangene oder Sklaven. Eine zweite These ist, dass sie aus eigenem Antrieb und mit eigenen Mitteln gekommen sind. Demnach hätten die Ur-Kanarier die Kunst der Schifffahrt mit der Zeit einfach verlernt. “</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Es gibt Quellen, die Wissenschaftler an der These vom Inselvolk ohne jegliche Kenntnisse und Mittel zur Seefahrt zweifeln lassen. So erwähnt der italienische Geschichtsschreiber Leonardo Torriani nach der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert, Boote von Ureinwohnern, gefertigt aus dem Holz von Drachenbäumen. Der deutsche Kanaren-Forscher Harald Braem verweist in diesem Zusammenhang auf Zeugnisse, die die indigene Bevölkerung selbst hinterließ. </p>
<p>O-Ton 7 Braem</p>
<p>„Gran Canaria ist stark vertreten mit interessanten Darstellungen…. die Felsbilder natürlich, sogar von einem Schilfboot.  Was jetzt wirklich interessant diskutiert wird, ist, dass diese Boote Schilfboote waren. Dieses Schilf ist quasi unsinkbar, weil es ja hohl ist innen. Und dass mit diesen Schilfbooten diese Expeditionen gemacht wurden.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Ob es diese Boote wirklich gab, und wie groß der Bewegungsradius damit gewesen sein mag – dies ist und bleibt eine weitere Unbekannte in der Geschichte der Urkanarier. In jedem Fall dürften die ersten Bewohner der Kanaren ihr Dasein über 1000 Jahre lang in Isolation gefristet haben - bis die Europäer die Inseln im späten Mittelalter wiederentdeckten. Selbst die benachbarten Inseln waren stets zum Greifen nah – und doch unerreichbar. Mangels Metallvorkommen stellten die Ur-Kanarier Werkzeuge und Waffen aus Stein und Knochen her. Und noch eine These wird durch DNA-Analysen von Rosa Fregel gestützt: dass sich Wirtschaft und Gesellschaft jeder einzelnen der Kanareninseln unabhängig voneinander entwickelten, Handel oder sonstiger Austausch fand nicht statt: </p>
<p>Ton 8 Fregel </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„insgesamt recht seltene Krankheiten, die auf El Hierro gehäuft auftraten, deuten auf eine starke Blutsverwandtschaft hin - und eine geringe genetische Vielfalt der Bewohner. Auf Gran Canaria dagegen hat sich eine große genetische Diversität erhalten. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass es auf dieser ungleich größeren Insel mehr Vieh und Getreide hab – und mehr Wasser, um auch eine größere Bevölkerung durch Krisenzeiten zu bringen.“</p>
<p>Atmo Plätschern Wasserquelle, darüber weiter mit</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Wasser – das gibt und gab es auf der nordwestlichsten Kanareninsel La Palma im Überfluss. Noch heute füllen die unterirdischen Quellen zuverlässig die Trinkwasserreservoirs. Die Nähe zum Wasser: Sie war ein entscheidender Grund, warum gerade hier die einst wichtigste Siedlung der Ureinwohner entstand.</p>
<p>O-Ton 9 Braem</p>
<p>„Wir sind hier im barranco gomeros, im Westen von La Palma, und das ist eine besondere Zone, mit 35 Höhlen der Ureinwohner. (...) Hier in dem barranco werden, hochgerechnet, 200 bis 250 Menschen gelebt haben, Männer, Frauen Kinder.(…) Die Population der Einwohner hier, der Ureinwohner, wird ungefähr auf 10.000 geschätzt, zur Ankunft der Spanier, in zwölf Stämmen aufgeteilt.“</p>
<p>Atmo Schritte, Abstieg in den barranco</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Über unwegsames Gelände geht es hinunter, zum Grund der Schlucht. Vor Ankunft der spanischen Eroberer, die Bäume und Sträucher in großer Zahl abholzten, dürfte der Barranco de Los Gomeros bewachsen und die Höhlensiedlung besser zugänglich gewesen sein. Heute prägen Sand, Fels und Geröll eine zerklüftete Landschaft, die schließlich ins Meer mündet.  </p>
<p>O-Ton 10 Braem</p>
<p>„Grundnahrungsmittel war das Meer. Dann war ja hier die Anbaumöglichkeit hier am Bach gegeben… Oder natürlich die Ziegen, die meiste Grundlage beruhte auf Ziegen. Also sowohl die Felle, für Kleidung. Oder die Sehnen, die Hörner. Also man konnte von der Ziege das Fleisch, alles verwenden. Das war hier so eigentlich eine ganz gut ausgewogene Kost zwischen Früchten… Beerensammler, nä? Und Gofio gabs ja auch. Gofio, das war die geröstete Wurzel des Farnkrauts...und dann hat man ein Mehl, so n Hirte hatte nen Beutel mit Gofio dabei für unterwegs: Schnell mal ein kleines Brot backen, oder so.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>In den Höhlen des Barranco de Los Gomeros fördern Archäologen noch immer zahlreiche Utensilien der Urkanarier zu Tage, weiß Harald Braem.</p>
<p>Atmo Braem klettert in Höhle herum</p>
<p>O-Ton 11 Braem</p>
<p>„Die interessantesten Sachen sind natürlich immer im vorderen Bereich, wo die Feuerstelle war, und wo man die Abfälle ´rauswarf. Und da findet man am meisten.“</p>
<p>Musik 6: Automatique love </p>
<p>Sprecher </p>
<p>Kunstvolle, aus Knochen geschnitzte Nadeln, mit denen die Ureinwohner Kleidung aus dem Leder der Ziegen nähten, fanden sich in den Höhlen ebenso wie steinernes Werkzeug, mit denen sie Fleisch schnitten. Unmengen an Splittern tönerner Töpfe lassen erahnen, dass hier groß aufgekocht wurde: Die Benahoaritas, so der Name der ersten Siedler auf La Palma, lebten wohl in Verbünden von Großfamilien zusammen. Ein Grund, warum die kanarischen Ureinwohner nicht in einzelnen Höhlen wohnten – sondern sich in Höhlenkomplexen niederließen: Überall dort, wo ihnen die vulkanische Geographie der Inseln genügend Platz bot.</p>
<p>O-Ton 12 Dr. José Ignacio Sáenz, Leiter der archäologischen Stätte Cueva Pintada, Gáldar, Gran Canaria, span., </p>
<p>Voice Over männlich</p>
<p>„Diese Orte bestehen teils aus natürlichen Höhlen, teils aus künstlichen Eintiefungen, die die Ureinwohner so in den Berg schlugen, dass sie einerseits unterirdische Wohnräume hatten, andererseits aber auch die Flächen der Terrassen nutzen konnten, die die Geografie der Hanglage für sie bereithielt. Später kamen auch freistehende, runde Steinhäuser dazu. Es entstanden nach und nach immer komplexere Siedlungen, wie etwa im Gáldar – wo sich mehr als 60 Häuser rund um die Cueva Pintada, die „bemalte Höhle“, gruppieren.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>...sagt José Ignacio Sáenz. Er leitet das Museum Cueva Pintada in Gáldar, im Nordwesten von Gran Canaria. Der heute knapp 25.000 Einwohner zählende Ort war einst Hauptstadt des Nordreiches der Altkanarier. An der Cueva Pintada von Gáldar zeigt sich, dass die kanarischen Ureinwohner Höhlen nicht nur für weltliche Zwecke nutzten (())</p>
<p>O-Ton 13 Sáenz </p>
<p>Voice Over männlich</p>
<p>„Die Cueva Pintada war keine normale Grabkammer. Bei den dort aufgebahrten Mumien dürfte es sich, ähnlich wie bei christlichen Heiligen-Reliquien, um bedeutende Persönlichkeiten gehandelt haben. Diese Bestattung, möglicherweise eines kanarischen Herrschers, dürfte die Höhle zu einem ,heiligen Ort’ aufgewertet haben.“</p>
<p>Musik 7: Dark Lake </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Auch die „bemalte Höhle“ von Gáldar hält, wie José Ignacio Sánz einräumt, letztlich mehr Fragen als Antworten über das Leben und Sterben der kanarischen Ureinwohner bereit. Denn deren Kenntnisse der Mumifizierung wollen nicht recht zu einem ausgewanderten Berbervolk aus Nordafrika passen: Dies rief den französischen Forscher Jean-Paul Canamas auf den Plan: Der behauptete, verbannte oder verschleppte Ägypter seien einst gemeinsam mit den Berbern auf die Inseln gelangt, und hätten dort ihre Bestattungsbräuche eingeführt. Doch warum unterscheiden sich die Arten der Mumifizierung der alten Ägypter und der Altkanarier dann so deutlich? Wie erklärt sich, dass die Ägypter Verstorbene ausweideten, die Urkanarier ihren dagegen mitsamt aller Organe einbalsamierten – und die Leichen schließlich auch noch in Lederhäute einnähten?</p>
<p>Musik aus. </p>
<p>Auch der Sinn und Zweck der Zeichen und Formen an der Wand der Cueva Pintada von Gáldar bleibt bis heute im Dunkel der Vergangenheit verborgen. Markierten die Kreise und Dreiecke, die Archäologen in unterschiedlicher Ausprägung auf allen Kanareninseln entdecken, die Zugehörigkeit zu einem Volk, Stamm oder Familie? Dienten sie einst als eine Art Kalender – oder für religiösen Riten? Die Forscherin Teresa Delgado glaubt: In der vorzeitlichen Gesellschaft der Urkanarier waren handfeste landwirtschaftliche Zwecke und spirituelle Praxis kaum zu trennen.</p>
<p>O-Ton 14 Delgado </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Diese Menschen mussten den Blick nach oben richten, die Sterne, das Wetter und die Jahreszeiten verfolgen: Sie sahen sich also im wahrsten Sinn des Wortes den Himmelsmächten ausgesetzt.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Ob sich die Geheimnisse der indigenen Bildersprache jemals vollständig lüften lassen? José Ignacio Sáenz hat daran Zweifel: Denn die ersten Bewohner der kanarischen Inseln hinterließen keinerlei schriftliche Dokumente, ihre Kultur wurde mündlich überliefert. Selbst von ihrer Sprache sind nur Bruchstücke bekannt – etwa die Ureinwohner-Bezeichnung Guanche - die sich aus den Worten „Guan“ für „Mensch“ und „Chinet“ für die Insel Teneriffa zusammensetzt. So bleibt Wissenschaftlern wie Sáenz nur, Scherben zusammenzufügen, auf dass sich ein stimmiges Bild von den ersten Kanariern ergebe; oder, im wahrsten Sinn des Wortes, die Zeichen an der Wand zu deuten: Felsgravuren etwa, oder die Malereien in der Cueva Pintada. Doch diese in ihrer tieferen Bedeutung zu entschlüsseln: Für José Ignacio Sáenz eine schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe. </p>
<p>O-Ton 15 Saénz </p>
<p>Voice Over männlich</p>
<p>„Als Archäologen kommen wir hier oft nicht weiter, weil wir mit den materiellen Zeugnissen einer Kultur arbeiten. Sobald es um die Welt des Denkens, des Glaubens, der Rituale und der Religion der Urkanarier geht, wird es für uns sehr schnell sehr kompliziert.“ </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Autor Harald Braem taucht in seinen Büchern und Filmen tief ein in diese mythenumrankte Welt der kanarischen Ureinwohner. Literarisch - und mit experimentellen Expeditionen folgt er den Spuren der Urkanarier, auch in seiner Wahlheimat La Palma. Die Gesellschaft der dort lebenden Benahoaritas, das wird dabei deutlich, war eine hierarchische. Die Autorität der Adelsklasse leitete sich ab aus dem Monopol über Mythen und Riten, aber auch aus der Fähigkeit, den Himmelskalender zu deuten. Als Mittler zwischen den Menschen und den übernatürlichen Kräften, als eine Art Priester und Zeremonienmeister traten dabei die Faycanes oder Fayzagues auf dem heiligen Berg der Ureinwohner auf: Dem Idafe – auf dem man Tiere opferte, die Götter beschwor - und weissagte.</p>
<p>O-Ton 16 Braem</p>
<p>„Also, Tieropfer, insofern, als man die Ziege danach aufgegessen hat, mit der ganzen Familie (lacht)...das ist klar. Aber die Innereien, das wurde dann zum Idafe hochgebracht, und dann auf einem kleinen Opferplatz hingelegt für die Seelenvögel. Also Adler, Geier und Raben. Und dann hat man beobachtet, wie die Tiere sich verhalten haben. Und daraus dann geweissagt. Das ganze Ritual ging eigentlich immer um Himmel und Wasser. Dass es wieder regnet und das Wasser kommt. Da gabs ganz ausgeklügelte Rituale von Steinbohrungen bis zu Zicklein, die angebunden wurden. Und die haben dann so gejammert, dass dann die große Regengöttin Munaiba dann ein Erbarmen hatte. Und hat´s dann regnen lassen“</p>
<p>Musik 8: No man’s river </p>
<p>Sprecher </p>
<p>Für kultische Zwecke genutzt worden sein soll auch eine Reihe von Steinbauten, die ebenfalls nach Himmelskörpern ausgerichtet sind - und die bis heute Rätsel aufgeben: Stufenpyramiden, die sich auf der Hälfte der acht kanarischen Inseln finden. Um den Ursprung der imposanten Bauten aus dunklem Lavastein entstand in den 1990er-Jahren eine erbitterte Kontroverse, an der sich Wissenschaftler und geschichtsinteressierte Laien, aber auch kanarischen Nationalisten und Esoteriker beteiligten. Auch Harald Braem hat gemeinsam mit dem norwegischen Archäologen Thor Heyerdahl an der Pyramide von Güimar auf Teneriffa gegraben. Nach Heyerdahls abenteuerlich anmutender These bildeten die kanarischen Pyramiden sowohl zeitlich als auch geografisch eine Zwischenstation auf dem Weg von ägyptischen Sonnenanbetern zu den Maya in Mexiko. Demnach wäre ihre Bauzeit rund 1000 Jahre vor Christi anzusiedeln. Kanarische Wissenschaftler wie die Kuratorin des Museo Canario von Las Palmas, Teresa Delgado, reagieren auf solche Spekulationen zunehmend gereizt.</p>
<p>O-Ton 17 Delgado Teil 1 </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Diese Pyramiden haben nichts mit der Welt der kanarischen Ureinwohner zu tun“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>..erklärt Teresa Delgado, Kuratorin des Museo Canario in Las Palmas de Gran Canaria.</p>
<p>O-Ton 17 Delgado Teil 2 </p>
<p>Voice Over weiblich</p>
<p>„Das sind Anhäufungen von Lesesteinen, die Bauern von ihren Feldern entfernt haben, die Stufen wurden dazu angelegt, um Früchte oder Getreide zu trocknen. Archäologen haben die Pyramiden nach Ausgrabungen eindeutig auf die Zeit nach der spanischen Eroberung datiert. Es ist schon wichtig, hier der wissenschaftlichen Evidenz zu folgen: Wir können nicht einfach Geschichten verbreiten, die nicht durch die Evidenz wissenschaftlicher Erkenntnis gedeckt sind.“</p>
<p>Sprecher </p>
<p>Diese „archäologischen Erkenntnisse“, entgegnet der deutsche Professor Harald Braem, seien das Ergebnis lediglich einer Grabung - und ließen andere Funde und historische Quellen außer Acht.</p>
<p>O-Ton 18 Braem</p>
<p>„Tatsächlich beschreiben Chronisten wie Leonardo Torriani die Rituale auf solchen Pyramiden. Das gabs ja vor den Spaniern! Da wurden die Könige, die Menceys gekrönt, da wurden die Feste gefeiert an diesen Pyramiden…und wir haben zum Beispiel unter der einen Pyramide eine Höhle ausgegraben, da lagen Scherben, und zwar der Ureinwohner! (()) Also man wird nicht ernstgenommen. Oder, die Ureinwohner werden nicht ernstgenommen.“</p>
<p>Musik 9 Rein – siehe vorn – 48 Sek</p>
<p>Sprecher </p>
<p>Es mangle an Finanzmitteln und Motivation, behauptet Braem. Und es fehlten Forscherinnen und Forscher mit einem frischen Blick, um das archäologische Erbe der kanarischen Ureinwohner unvoreingenommen zu erkunden, ihre steinernen Zeugnisse zum Sprechen zu bringen. Und dennoch: Trotz aller Kritik ist Harald Braem zuversichtlich, dass die weit zurückliegende Zivilisation der Urkanarier nicht in Vergessenheit geraten wird.</p>
<p>O-Ton 19 Braem</p>
<p>„Die Kultur hier ist irgendwie in den Menschen drin, in der Landschaft: Die ist auf eine magische Weise so kraftvoll, dass sie einfach überlebt.“</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gebrochene Zeit -  Egon Schieles Weg in den Expressionismus</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gebrochene-zeit-egon-schieles-weg-in-den-expressionismus/2108558</link>
      <pubDate>Sun, 17 Aug 2025 18:11:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">eed013b7-629f-45b2-9c8e-b85083399072</guid>
      <description>Ein Jahrhundert wird brüchig und mit den Rissen, die durch die Gesellschaft gehen, wird Kunst radikal anders: Egon Schiele, der 1918 mit 28 Jahren starb, macht die Schutzlosigkeit des Menschen zu seinem Thema. Er wird zu einem der Wegbereiter der Moderne und trifft den Nerv auch unserer Zeit.
Autorin: Brigitte Kohn (BR 2025) </description>
      <enclosure length="22307712" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108558/c/feed/gebrochene-zeit-egon-schieles-weg-in-den-expressionismus.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:14</itunes:duration>
      <itunes:author>Kohn, Brigitte</itunes:author>
      <itunes:summary>Ein Jahrhundert wird brüchig und mit den Rissen, die durch die Gesellschaft gehen, wird Kunst radikal anders: Egon Schiele, der 1918 mit 28 Jahren starb, macht die Schutzlosigkeit des Menschen zu seinem Thema. Er wird zu einem der Wegbereiter der Moderne und trifft den Nerv auch unserer Zeit.
Autorin: Brigitte Kohn (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c3934a76-50d3-4bc8-8feb-83dbe62a495b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahrhundert wird brüchig und mit den Rissen, die durch die Gesellschaft gehen, wird Kunst radikal anders: Egon Schiele, der 1918 mit 28 Jahren starb, macht die Schutzlosigkeit des Menschen zu seinem Thema. Er wird zu einem der Wegbereiter der Moderne und trifft den Nerv auch unserer Zeit.
Autorin: Brigitte Kohn (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Brigitte Kohn<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Benjamin Stedler,  Clemens Nicol<br/> Technik: Stefan Oberle <br/> Redaktion: Katharina Hübel </p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li><strong>Hilde Berger, </strong><strong>Schauspielerin, Buchautorin, Drehbuchautorin</strong></li>
<li><strong>Gregor Mayer, Journalist und Buchautor</strong></li>
</ul>

<br/>
<p>Weiterführende Links:</p>
<p>Die Wiener Sezession: Der Kunst ihre Freiheit. Um 1900 suchen die Wiener Sezessionisten, allen voran Gustav Klimt, Anschluss an die europäische Avantgarde in der bildenden Kunst. Sie rebellieren gegen den rückwärtsgewandten Kunstgeschmack der etablierten Kunstinstitutionen.</p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-wiener-sezession-der-kunst-ihre-freiheit/2097363">https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-wiener-sezession-der-kunst-ihre-freiheit/2097363</a></p>
<p>Auguste Renoir ist der wohl populärste Maler Frankreichs – und Stellvertreter des Impressionismus. Seine sonnendurchfluteten Bilder zeigen pure Lebensfreude.</p>
<p><a href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pierre-auguste-renoir-malerei-voll-licht-und-luft/1787408">https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pierre-auguste-renoir-malerei-voll-licht-und-luft/1787408</a></p>

<p>Literatur: </p>
<p><br/></p>
<p>Hilde Berger: Tod und Mädchen. Egon Schiele und die Frauen. Hilde Berger: Egon Schiele - Tod und Mädchen. Wien: Hollitzer Verlag, 2018. (Buch zum Film: Egon Schiele Tod und Mädchen) Romanbiographie mit Schwerpunkt  auf Schieles komplizierten Beziehungen zu Frauen.</p>
<p><br/></p>
<p>Gregor Mayer: Ich ewiges Kind. Das Leben des Egon Schiele. Residenz Verlag Salzburg 2018 Biographie des umstrittenen Künstlers mit viel zeithistorischem Kontext und Interpretation seiner Gemälde und Zeichnungen</p>
<p><br/></p>
<p>Natter, Tobias G (Hrsg.) Egon Schiele: Die Gemälde. April 23: Essays zu allen wichtigen Belangen rund um Egon Schiele mit vielen Abbildungen.</p>
<p><br/></p>
<p>Wunberg, Gotthart: Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Stuttgart Reclam 1981. Originaltexte der Literaten, Philosophen, Psychologen und Publizisten der Wiener Moderne mit Einführung und Erläuterungen.</p>
<p><br/></p>
<p>Weiterführende Links: </p>
<p><br/></p>
<p>Die Wiener Sezession: Der Kunst ihre Freiheit. Um 1900 suchen die Wiener Sezessionisten, allen voran Gustav Klimt, Anschluss an die europäische Avantgarde in der bildenden Kunst. Sie rebellieren gegen den rückwärtsgewandten Kunstgeschmack der etablierten Kunstinstitutionen.</p>
<p>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-wiener-sezession-der-kunst-ihre-freiheit/2097363</p>
<p><br/></p>
<p>Auguste Renoir ist der wohl populärste Maler Frankreichs – und Stellvertreter des Impressionismus. Seine sonnendurchfluteten Bilder zeigen pure Lebensfreude. </p>
<p>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pierre-auguste-renoir-malerei-voll-licht-und-luft/1787408</p>
<p><br/></p>
<p>Quellen zu Egon Schiele:</p>
<p><br/></p>
<p><a title="EXTERN" href="https://egonschieleonline.org/">Egon Schiele online, Kallir Research Institute</a></p>

<p><br/></p>
<p><a title="EXTERN" href="https://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/145/egon-schiele">Leopold-Museum Wien 1900</a></p>

<p><br/></p>
<p>Links zu den zitierten Quellen:</p>
<p>https://www.egonschiele.at/de/objekt/2435-2435-brief-von-egon-schiele-an-oskar-reichel</p>
<p><br/></p>
<p>https://onlinecollection.leopoldmuseum.org/objekt/4600-gedicht-ein-selbstbild/</p>
<p><br/></p>
<p>https://www.egonschiele.at/de/objekt/2297-2297-brief-von-heinrich-benesch-an-egon-schiele</p>
<p><br/></p>
<p>https://www.egonschiele.at/en/item/2142-2142-letter-from-egon-schiele-to-anton-peschka</p>
<p><br/></p>

<p><a title="EXTERN" href="https://www.egonschiele.at/de/objekt/2182-2182-brief-von-egon-schiele-an-karl-ernst-osthausfolkwang-museum">Brief von Egon Schiele an Karl Ernst Osthaus/Folkwang Museum - Egon Schiele Datenbank der Autografen</a></p>
<br/>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-egon-schiele-expressionismus-wien-sezession-klimt-malerei-akt-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Am 12. Juni 1890 wird in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie ein Kind geboren, das, kaum dass es laufen kann, zum Zeichenstift greift, und dies mit unglaublichem Talent. Das Lieblingsmotiv des kleinen Egon sind Züge. Vater Adolf Schiele ist der Bahnhofsvorstand von Tulln bei Wien, die Familie wohnt im Bahnhofsgebäude, sagt Gregor Mayer, Autor der Schiele-Biographie „Ich ewiges Kind“.</p>
<p><br/></p>
<p>01 O-TON GREGOR MAYER:</p>
<p>Für den kleinen Egon Schiele war das insofern eine wichtige Inspiration, als dass da wirklich viel los war. Anders als heute, wo das nur ein kleiner Provinzbahnhof ist. Da fuhren Schnellzüge, da fuhren Güterzüge, es gab Signalanlagen, das war eine durchstrukturierte Welt. Ich glaube, den kleinen Schiele hat das fasziniert, diese Strukturen von Schienen, Gleisen, Signalanlagen, und dann gab es eine Geräuschwelt dazu. Es gibt Überlieferungen: In der Wohnung hat er selbst gebastelt, auch Schienen aufgelegt. Und es gibt Überlieferungen, die besagen, dass er noch als 23-Jähriger, wenn er verreiste, eine Spielzeugeisenbahn dabeihatte.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik NEURO LOGIC_Gregor Huber</p>
<p>Das 19. Jahrhundert ist ganz im Bann des technischen Fortschritts, die Industrialisierung verändert das ganze Leben. Und auch in der Kunstszene brodelt es. Im traditionell eher konservativen Wien hat der Maler Gustav Klimt im Jahre 1897, da ist Egon Schiele sieben Jahre alt, die Sezession gegründet. Diese Künstlervereinigung gibt der damals modernen Kunst, den europäischen Stilrichtungen des Symbolismus und Jugendstils vor allem, auch in Österreich eine Heimat und trägt viel dazu bei, dass Wien zum lebendigsten, spannungsreichsten kulturellen Zentrum im damaligen Europa wird. Der heranwachsende Schiele bewundert Klimt und bewegt sich jahrelang ganz in seinem Fahrwasser. Mit 20 Jahren findet er zu seinem eigenen Stil: 330 Gemälde und über 3000 Zeichnungen und Aquarelle entstehen in nur 10 Jahren, bis zu seinem frühen Tod im Alter von 28 Jahren.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik Zitate Diffused Light</p>
<p><br/></p>
<p>ZITATOR SCHIELE:</p>
<p>„Ich bin wissend geworden. (…) Ich sehe mich verdunsten und immer stärker ausatmen, die Schwingungen meines astralischen Lichtes werden schneller, unvermittelter, einfacher und ähnlich einem großen Erkennen der Welt.“ </p>

<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>… schreibt Schiele im Jahr 1911 an seinen Förderer Oskar Reichel. Schiele empfindet sich als Seher. Der Künstler als Seher sieht die innere Wirklichkeit der Menschen und macht sie sichtbar für andere. Er verbindet sich aus Liebe mit der Schöpferkraft der Welt und treibt Neues aus ihr hervor. Das Publikum kann in die Werke eintreten und ebenfalls neu schauen lernen: auf die Tiefendimension von Welt und Mensch, die in einer von Materialismus, Technik und Fortschritt besessenen Zeit unter die Räder zu geraten droht. So hat Schiele seine künstlerische Mission verstanden, und so beschreibt er seinen Dienst am Menschen in einem Gedicht aus dem Jahre 1910:</p>
<p><br/></p>
<p>Musik Zitate Diffused Light</p>
<p>ZITATOR SCHIELE:</p>
<p>„Ich bin für mich und die, denen die durstige Trunksucht nach Freisein bei mir alles schenkt, und auch für alle, weil alle ich auch liebe, - liebe.</p>
<p>Ich bin vom Vornehmsten der Vornehmste und von Rückgebern der Rückgebigste.</p>
<p>Ich bin Mensch, ich liebe den Tod und liebe das Leben.“</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Den Beschenkten wird einiges zugemutet. Denn der Zwanzigjährige Egon Schiele malt keine Züge mehr, sondern nackte Menschen. Die aber sehen aus, als sei ein Zug über sie hinweggebraust. Kantige, ausgemergelte Männerakte winden sich mit verrenkten Gliedern, blicklosen Augen und wilden Grimassen, Frauen und Mädchen schürzen die Röcke und geben den Blick auf den Unterleib frei. </p>

<p>ZITATOR BENESCH:</p>
<p>Ich habe mich in die Betrachtung Ihrer Arbeiten vertieft und komme immer mehr zur Erkenntnis Ihrer machtvollen künstlerischen Eigenart, die anfänglich abstößt, um später umso mehr gefangen zu nehmen“,</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>…. bekennt Schieles Freund und Förderer, der Kunstsammler Heinrich Benesch in einem Brief aus dem Jahre 1910:</p>
<p><br/></p>
<p>ZITATOR BENESCH:</p>
<p>„Um Eines bitte ich Sie noch, lieber Herr Schiele, stecken Sie von Ihren Skizzen, was immer es sein möge, auch von den kleinsten unscheinbarsten Sachen, nichts in den Ofen. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Wer es tatsächlich einmal gewagt hat, Egons Kinderzeichnungen bündelweise in den Ofen zu stecken, das war Egons Mutter, verzweifelt über seine schlechten Schulnoten und die nicht erledigten Hausaufgaben. Egon soll Eisenbahningenieur werden später mal. Der Vater ist krank, die Familie lebt in finanzieller Not, einen verkrachten Künstler kann man nicht auch noch brauchen. Adolf Schiele hat sich bei einem Seitensprung mit Syphilis angesteckt, siecht jahrelang dahin, verliert seinen Beruf, endet in Wahnsinn und Delirium. Als er stirbt, ist Egon 15 Jahre alt und zutiefst erschüttert, zutiefst traurig. In einem Brief an seinen Freund Anton Peschka aus dem Jahr 1913 klingt der Schmerz noch nach:</p>

<p>Musik Zitate Diffused Light</p>
<p><br/></p>
<p>ZITATOR SCHIELE:</p>
<p>Ich weiß nicht, ob es überhaupt jemanden gibt, welcher mit</p>
<p>jener Wehmut an meinen edlen Vater sich erinnert; ich weiß nicht wer es verstehen kann, warum ich gerade solche Orte aufsuche, wo mein Vater war, wo ich den Schmerz in mir in wehmütigen Stunden absichtlich erleben lasse. … Warum malte ich Gräber? und viele ähnliche</p>
<p>Bilder? Weil das innig in mir fortlebt.</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Die Aufnahmeprüfung an der Wiener Kunstakademie besteht er mit Bravour. Mit seinen 16 Jahren ist er der jüngste Student seines Jahrgangs. Wichtiger noch als die Anerkennung der Professoren ist ihm der Kontakt zu Gustav Klimt, der das Genie des jungen Mannes sofort erkennt. Klimt ist so umstritten, erfolgreich und wohlhabend wie kein zweiter Künstler seiner Zeit, aber mit der Akademie hat er nichts zu tun. Sein Einfluss dürfte Egons Konflikte mit den konservativen Professoren eher befeuert als besänftigt haben. Jedenfalls verlässt Schiele die Akademie bereits im dritten Studienjahr und gründet mit anderen jungen Avantgardisten eine eigene Gruppe, die Neukunstgruppe. Im Juli 1913 schreibt Schiele das Manifest:</p>
<p><br/></p>
<p>Musik Zitate Diffused Light </p>
<p>ZITATOR SCHIELE:</p>
<p>„Der Neukünstler ist und muß unbedingt selbst sein, er muß Schöpfer sein, er muß unvermittelt ohne all das Vergangene und Hergebrachte zu benützen ganz allein den Grund bauen können. Dann ist er Neukünstler.“</p>
<p><br/></p>
<p>M And yes, there will be silence </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Das bedeutet: Auch Klimt ist jetzt – trotz Vorbildfunktion – einer von gestern in den Augen der jungen Leute. Klimt nimmt es gelassen. Kunst entwickelt sich eben weiter, das geht nicht ohne Brüche, er hat ja früher selbst genügend Wirbel gemacht. Allerdings hat sein farbenfrohes, ornamentales, dekoratives Werk immer auch den Schönheitssinn des Publikums angesprochen. </p>
<p><br/></p>
<p>M Fortschritt Micro metric (Länge: 0´31´´) C1595030106</p>
<p>Schiele hingegen misstraut dem Versprechen der Schönheit, er misstraut auch dem Versprechen der Ganzheit, der Einheit des Subjekts, wie viele Denker damals. Alles ist brüchig geworden, die Zeit ist aus den Fugen, die multinationale Habsburgermonarchie erbebt unter ethnischen Konflikten, Sigmund Freuds Psychoanalyse hat das Menschenbild revolutioniert. Egon Schiele ist zwar kein großer Theoretiker, aber …</p>
<p><br/></p>
<p>02 O-TON GREGOR MAYER:</p>
<p>Wir stellen uns vor, dass Schiele vieles mitbekommen hat und das sofort für sich auf seine eigene Art und Weise umgesetzt hat. Schiele hatte ja auch so seine eigenen Ich- und Identitätskrisen. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Sagt Schiele-Biograph Gregor Mayer. In Schieles erster Schaffensperiode dominieren die Aktzeichnungen, so Hilde Berger, Autorin der Romanbiographie „Tod und Mädchen. Egon Schiele und die Frauen“ </p>

<p>03 O-TON HILDE BERGER</p>
<p>Die ersten Frauen, die ihm als Modelle zur Verfügung gestanden sind, waren seine Schwestern. Die Melanie, die ältere Schwester, von der gibt es einige schöne Porträtzeichnungen.</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Auf dem bekanntesten ist Melanies Kopf unter silberfarbenen Tüchern verborgen, nur Augen und Nase liegen frei, die Augen blicken besorgt und erschöpft. Die künstlerischen Exzesse ihres Bruders sind ihr fremd, sie hält Distanz. Aber die jüngere Schwester Gertrude ist immer für Experimente zu haben. </p>
<p><br/></p>
<p>04 O-TON HILDE BERGER:</p>
<p>Mit Gerti hat er in seiner ganzen Kindheit ein sehr intimes Verhältnis gehabt, und Gerti ist ihm auch für Akte zur Verfügung gestanden. Es gibt Aquarelle, es gibt Zeichnungen, die ganz eindeutig Gerti als Aktmodell zeigen. Und dazu kamen die Selbstporträts, die er vor einem Spiegel gezeichnet hat, ein Spiegel, den er immer mit sich geschleppt hat, das war übrigens der Schlafzimmerspiegel seiner Mutter.</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Schiele will Menschen in ihrer Nacktheit, in ihrer Kreatürlichkeit, in ihrer Verwundbarkeit begreifen: nicht so symbolistisch und dekorativ wie Klimt, sondern provokanter und schonungsloser, auf das individuelle, oft konfliktreiche innere Erleben konzentriert. Damit stößt er in Österreich die Tür zum Expressionismus auf, eine Kunstrichtung, die in Europa ungefähr seit 1905 Fahrt aufnimmt und mit ihrer intensiven Farbigkeit, mit ihren dynamischen Linien traditionelle Konventionen sprengt.  Allerdings muss Egon zunächst sehr aufs Geld schauen. Professionelle Modelle sind teuer, und die Apanage seines Onkels und Vormunds ist nicht allzu üppig. </p>
<p><br/></p>
<p>05 O-TON HILDE BERGER:</p>
<p>Eine weitere Quelle für Aktmodelle stand ihm zur Verfügung in der gynäkologischen Abteilung eines Dr. Graf in Wien, dort durfte er die schwangeren Frauen zeichnen. Das waren in erster Linie Frauen aus der Unterschicht, arme Frauen, die dort gratis behandelt worden sind und die sich auch nicht wehren konnten dagegen, dass da ein junger Mann daherkam, der sie jetzt zeichnete.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Giftige Schönheit - Womit Menschen sich schminkten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/giftige-schoenheit-womit-menschen-sich-schminkten-1/2108494</link>
      <pubDate>Fri, 15 Aug 2025 18:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2f630034-3e98-4197-83c7-746c2fbc3bee</guid>
      <description>&quot;Todschick&quot; war so mancher historische Kosmetik-Trend. Vom Blei-Kajal im alten Ägypten über die toxische Blässe einer Elizabeth I. bis ins 19. Jahrhundert, als man für den Teint Arsenwaffeln knabberte und schleichend vergiftete. Viel Risiko für ein Ideal: Beim Make-Up geht es bis heute um mehr als nur ums Aussehen. Autorin: Karin Becker (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="21496320" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108494/c/feed/giftige-schoenheit-womit-menschen-sich-schminkten-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Becker, Karin</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Todschick&quot; war so mancher historische Kosmetik-Trend. Vom Blei-Kajal im alten Ägypten über die toxische Blässe einer Elizabeth I. bis ins 19. Jahrhundert, als man für den Teint Arsenwaffeln knabberte und schleichend vergiftete. Viel Risiko für ein Ideal: Beim Make-Up geht es bis heute um mehr als nur ums Aussehen. Autorin: Karin Becker (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6804a498-8f43-4696-99d4-78e758a32f58.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Todschick" war so mancher historische Kosmetik-Trend. Vom Blei-Kajal im alten Ägypten über die toxische Blässe einer Elizabeth I. bis ins 19. Jahrhundert, als man für den Teint Arsenwaffeln knabberte und schleichend vergiftete. Viel Risiko für ein Ideal: Beim Make-Up geht es bis heute um mehr als nur ums Aussehen. Autorin: Karin Becker (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Karin Becker<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Friedrich Schloffer, Thomas Birnstiel, Julia Fischer <br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li>Rabea Weihser, Autorin und Journalistin</li>
<li>Dr. Romana Sammern, Kunsthistorikerin, Universität Mozarteum Salzburg</li>
<li>Dr. Katharina Seidl, Kuratorin auf Schluss Ambras Innsbruck</li>
</ul>


<p><strong>Frauengeschichte:</strong></p>

<p>Für noch mehr spannende und überraschende Frauengeschichten empfehlen wir den BR-Instagram-Kanal FrauenGeschichte: <a title="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">https://www.instagram.com/frauen_geschichte/</a>. Und den Podcast zum FrauenGeschichte-Kanal in der ARD Audiothek: Ein Zimmer für uns allein: <a title="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/">https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/</a></p>


<p><strong>Literatur:</strong></p>

<p>-       Rabea Weihser: Wie wir so schön wurden. Eine Biografie des Gesichts. Diogenes 2025. Eine sehr informationsreiche und unterhaltsame Expedition durch die Kulturgeschichte der Selbstgestaltung.</p>
<p> </p>
<p>-       The Art of Beauty. Ausstellungskatalog Schloss Ambras 2025. Aufsätze auf Spurensuche zu Schönheit und Körperpflege von der Antike bis ins 18. Jahrhundert.</p>
<p> </p>
<p>-       Mit Haut und Haar. Frisieren, rasieren, verschönern. Wien Museum 2018. Ausstellungskatalog mit interessanten, teils allgemeinen, teils wienspezifischen Artikeln zur Geschichte der Schönheitspflege seit der Aufklärung, viele Abbildungen.</p>
<p> </p>
<p>-       Lisa Eldridge: Face Paint: The Story of Make Up. Make-up gestern-heute-morgen. Stiebner 2016. Sehr konkrete und beispielreiche Kosmetikgeschichte einer Make-Up-Begeisterten</p>
<p> </p>
<p>-       Maren Saiko: Cura dabit faciem. Kosmetik im Altertum; literarische, kulturhistorische und medizinische Aspekte. 2005. Grundlagenarbeit zur Kosmetik der Antike.</p>
<p> </p>
<p>-       Make Up! Aus der Geschichte der dekorativen Kosmetik. Begleitbuch zur gleichnamigen Wanderausstellung des Westfälischen Museumsamtes, LWL Münster 1998.</p>
<p> </p>
<p>-       Spieglein, Spieglein an der Wand. 300 Jahre Schminken und Frisieren. Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg 2003.</p>


<p><strong>Wir empfehlen rund um die Themen Schönheit und Kosmetik diese Folgen von Radiowissen und IQ Wissenschaft und Forschung:</strong></p>
<p><strong></strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/philosophie-der-schoenheit-was-den-menschen-schoen-macht/1828254">Philosophie der Schönheit. Was den Menschen schön macht.</a></p>
<p>Es sind nicht nur äußere Körpermerkmale, die Menschen schön machen, sondern auch Charakter und Sensibilität. Doch wie hängen Äußeres und Inneres zusammen? Die Antwort fällt in verschiedenen Kulturen und Zeiten unterschiedlich aus. </p>
<p><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schoenheitschirurgie-von-botox-silikon-und-sucht/1848535">Schönheitschirurgie. Von Botox, Silikon und Sucht. </a></p>
<p>Schönheit ist ein Wert an sich und wird seit jeher mit Glück und Erfolg assoziiert. Um ihrem Schönheitsideal näher zu kommen, nimmt eine wachsende Zahl von Menschen so einiges auf sich. Und die Schönheitschirurgie macht Vieles möglich.</p>
<p><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/botox-to-go-was-das-nervengift-botulinumtoxin-wirklich-kann/2105213">Botox to go? Was das Nervengift Botulinumtoxin wirklich kann</a></p>
<p>Botox gilt als wirksames Mittel gegen Falten und zählt heute zu den beliebtesten Schönheitsbehandlungen in Deutschland. Doch was genau bewirkt das Nervengift Botulinumtoxin im Gesicht? „IQ – Wissenschaft und Forschung“ Über Wirkweise und Risiken bei der Botox-Behandlung.</p>



<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.schlossambras-innsbruck.at/ausstellungen/the-art-of-beauty"><strong></strong>Informationen zur Ausstellung „The Art of Beauty“ auf Schloss Ambras:</a></p>
<p>Die Sonderausstellung The Art of Beauty begibt sich auf Spurensuche und betrachtet Schönheit und Körperpflege von der Antike bis ins 18. Jahrhundert.</p>
<p><a title="Hier geht es zum PDF" href="https://www.wdr.de/tv/applications/fernsehen/wissen/quarks/pdf/Q_Schoenheit.pdf">Quarks mit einem Experiment:  Warum haben es schöne Menschen leichter?</a></p>
<p>Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters – oder etwa nicht? Fakt ist: Schöne Babies erfahren mehr Zärtlichkeit, sie haben später mehr Freunde, bekommen bessere Noten, verdienen mehr Geld. Erliegen wir alle der Macht der Schönheit? </p>


<p>Wir freuen uns überFeedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-giftige-schoenheit-menschen-schminken-kosmetik-blei-arsen-radium-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die untersuchten Knochen des frühverstorbenen Nachwuchses weisen auf eine chronische Bleivergiftung hin. Was das für die Kinder bedeutet haben mag, will man sich kaum vorstellen: Von Bauch- und Kopfschmerzen über Lähmungserscheinungen, Panikattacken und Hyperaktivität bis hin zu verminderter Intelligenz. Auch zeitgenössische Berichte deuten darauf hin, dass der Kriegeradel zuletzt Nachwuchssorgen hat und einige ihrer letzten Anführer Zeichen geistiger Einschränkungen zeigen.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Das japanische Forschungsteam untersucht auch die Gebeine von Erwachsenen der Zeit: Die der Männer sind halb so stark mit Blei verseucht wie die der Frauen; die der Kinder im Durchschnitt aber zehnmal so stark – je jünger die Kinder, desto stärker. Jedoch gilt all das nur für die Knochen reicher Menschen. In denen von Bauern etwa, zum Vergleich untersucht, gibt es keinerlei Hinweis auf eine Bleivergiftung. Nur Menschen mit Geld sind also vergiftet, und unter ihnen besonders die Frauen und noch mehr die Kinder. Aus dieser Indizienlage zieht das Forscherteam seinen Schluss: </p>

<p>SPRECHERIN (selber Tonfall, wie beim Einstieg)</p>
<p>Es waren die Mütter. </p>
<p>Beziehungsweise deren bleihaltiges Make Up, mittels dessen sie sich – dem weiblichen Schönheitsideal der Zeit folgend – möglichst blass zeigen wollten. Dazu leisteten sich reiche Frauen eine Paste, die unter anderem Bleiweiß enthielt. Und das sei per intensivem Körperkontakt von den Kindern aufgenommen worden, so die Hypothese. Kinderkörper nehmen Blei deutlich leichter auf als die von Erwachsenen. Ein Fall von „toxischer Zärtlichkeit“ also, und zwar im wörtlichen Sinn.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ob es tatsächlich genau so war? Um sich sicher zu sein, ist die Studie zu klein und in manchem zu ungenau. Aber: sie stellt eine Hypothese auf, die von Japanologen durchaus für plausibel gehalten wird. Das bleihaltige Make Up könnte den Niedergang der Elitekrieger vorbereitet haben, indem es deren Nachwuchs schwächte. Hat es die Kosmetik-Geschichte tatsächlich in sich, ganze Kulturen und Machtsysteme ins Wanken zu bringen? </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch aus der westlichen Welt gibt es mannigfach Berichte über bewusste und unbewusste kosmetische Vergiftungen – um der Schönheit willen. </p>
<p>Der Mediziner und Publizist Carl Reclam berichtet Mitte des 19. Jahrhunderts gar:</p>

<p>ZITATOR </p>
<p>„daß Damen durch Schminken ihren Tod gefunden haben, ist thatsächlich.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Für die Ausstellung „The Art of Beauty“ hat sich Kuratorin Katharina Seidl mit Schönheit und Körperpflege seit der Antike beschäftigt. </p>

<p>OTON 1 Seidl</p>
<p>„Es gibt natürlich eine ganze Reihe von Giftstoffen, die in der Kosmetik über die Jahrhunderte verwendet worden sind. Ein ganz großes ist zum Beispiel Arsen.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die schönheits-befördernde Wirkung von Arsen ist bereits in Arzneimittelbüchern des 16. Jahrhunderts verzeichnet. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert wird das Schwermetall, heute bekannt als klassisches Giftmord-Mittel der Kriminalliteratur, vermehrt zur Schönheitspflege eingesetzt. </p>

<p>OTON 2 Seidl</p>
<p>Man hat Pferden, bevor man sie verkauft hat, Arsen zu fressen gegeben, weil dadurch das Fell glänzend geworden ist. Dann hat man sich gedacht, wenn das bei Pferden funktioniert, geht es sicher bei Menschen auch. (…) Und es hat tatsächlich diese Wirkung gehabt, dass das Haar glänzend geworden ist, dass aber auch der Teint gesund und rosig geworden ist und die Menschen zugenommen haben, weil durch diese Schleimhautreizung auch im Magen hat man einfach dann mehr Hunger gehabt, mehr gegessen, hat gleichzeitig generell stärkere Durchblutung erfahren, deswegen rote Wangen bekommen. Würde man meinen, ein perfektes Schönheitsmittel. Nur natürlich in höherer Dosierung und über längere Zeit eingenommen war es auch ein Problem.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Arsen führt dann zu dunklen Flecken auf der Haut, zu Haarausfall, zu geschädigten Nieren und erhöhtem Krebsrisiko. Mit Augenschäden und Kopfschmerzen musste hingegen rechnen, wer zu häufig ein Schönheitsmittel anwandte, das besonders im 18. Jahrhundert beliebt war. „Belladonna“, also „schöne Frau“ wurde das Mittel genannt,</p>


<p>OTON 3 Weihser</p>
<p>„mit dem sich Frauen die Pupillen geweitet haben, also Tollkirschengift.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Auch die Journalistin und Autorin Rabea Weihser hat sich ausführlich mit den kulturgeschichtlichen Spielarten der Selbstgestaltung beschäftigt.</p>

<p>OTON 4 Weihser</p>
<p>„Und warum will man weite Pupillen haben?! (lacht) weil geweitete Pupillen auf eine erhöhte Erregung schließen lassen. Und das wiederum hat einen anregenden Effekt auf das Gegenüber. Also wenn man von jemandem mit weiten Pupillen angeguckt wird, dann reagiert man ganz automatisch darauf, unwillkürlich. Und das ist natürlich interessant, dass das eben in der Kosmetik oder sagen wir im „Dating“ vor 200 Jahren angewandt wurde, und dass man damit Gifte einsetzte, die dann auch wirklich physiologische und psychologisch kommunikative Wirkung hatten.“</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Wenn Menschen ihr Aussehen beeinflussen und verändern, geht es also darum, der Außenwelt etwas mitzuteilen. Im Zentrum dieser Art von Kommunikation steht das Gesicht, so die These von Rabea Weihser. Ihr Sachbuch trägt auch den Titel: „Wie wir so schön wurden. Eine Biografie des Gesichts“.</p>

<p>OTON 5 Weihser</p>
<p>Also das Gesicht ist natürlich eine tolle Fläche, quasi eine Din-A-vier-Seite groß, auf der wir sehr viel kontrollieren können. Und auch wollen und auch müssen – da sitzen vier von fünf unserer Sinne, und das ist eigentlich eine dauerhafte Kommunikationsfläche nach innen und nach außen. Wir senden Informationen über unser Inneres nach außen, und wir nehmen wahr, wie uns andere begegnen. Und dass wir diese Fläche in Anführungszeichen optimal gestalten wollen, finde ich, erschließt sich da ganz automatisch.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Für die „optimale Gestaltung“ greifen Menschen – so sehr sich Schönheitsideale auch durch die Zeiten verändern – mindestens seit der Antike auch zu Giftstoffen: Blei, Quecksilber, Cadmium, Antimon, Arsen - um Beispiele zu nennen. Hinweise auf deren Verwendung ergeben sich einerseits aus Schriftquellen, wie etwa erhaltenen Rezepturen. Andererseits aus Relikten wie Knochen oder Resten von Schminkmitteln.</p>
<p>Über die vermeintlich ahnungslosen, sich „nur“ für ihr Aussehen selbst vergiftenden Vorfahren herablassend den Kopf zu schütteln, wäre aber viel zu einfach. Ein gutes Beispiel dafür: Das Augen-Make-up im antiken Ägypten.</p>

<p>MUSIK ALTES ÄGYPTEN</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die Kosmetikkultur damals ist groß, die Herstellungsprozesse langwierig und aufwendig. Das tägliche Make Up der Ägypterinnen und Ägypter in der Antike ist unglaublich vielfältig, was schon allein die große Zahl der gängigen Schminkutensilien verrät.</p>
<p>Ockergelbe Gesichtsgrundierung, bläulich nachgezogene Schläfenlinien, Rouge auf Wangen und Lippen, geschminkte Lider, mit Kajalsalben umrandete Augen: Sich zu schminken ist zum einen ein Weg, die Götter zu ehren und mit ihnen in Verbindung zu treten. Rabea Weihser:</p>

<p>OTON 6 Weihser</p>
<p>Im alten Ägypten hatten diese Schminkrituale einerseits einen religiösen Hintergrund. Andererseits waren sie sicherlich auch ein Mittel der Verschönerung. Aber – und das finde ich besonders interessant an dieser Epoche: Dass die alten Ägypter schon wussten, dass vor allen Dingen in der Augenschminke, in ihrem Kajal, antiseptische Wirkstoffe enthalten waren und sie das aufgetragen haben, um sich zum Beispiel vor Bindehautentzündungen zu schützen, weil sie in einem sehr sandigen, windigen und schlammigen Klima gelebt haben.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die schützende Wirkung ihres Kajals schreiben die antiken Ägypter, wie wir aus Handschriften wissen, den Gottheiten Horus und Ra zu: Sie schützen, so der Glaube, die Träger des Augen-Make-Ups vor Krankheiten. Überraschend ist, dass die damals also metaphysisch erklärte Wirkung des Augen-Make-Ups sich heute naturwissenschaftlich nachweisen lässt:</p>
<p>So veröffentlichte 2009 eine Gruppe französischer Forscherinnen und Forscher eine Studie zur chemischen Zusammensetzung altägyptischen Augenmakeups. Dazu untersuchten sie sparsamst entnommene Pulverreste aus 52 altägyptischen Schmink-Gefäßen aus dem Louvre Museum. Als Hauptbestandteil der Schminke fanden sie: Bleiverbindungen.</p>

<p>OTON 7 Weihser</p>
<p>Und das waren dann auch Stoffe, die man nicht unbedingt in der natürlichen Umwelt gefunden hat, sondern da muss man davon ausgehen, dass die Ägypter diese Bleierze ganz bewusst hergestellt haben. Durch chemische Prozesse, weil sie um die Wirkung wussten.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Die alten Ägypter wollten also Blei in ihrem Make Up und nahmen dafür aufwendige Produktionsverfahren in Kauf - dabei ist Blei heute vor allem für seine starke Giftigkeit bekannt. </p>
<p>Und genau deswegen ist so interessant, was bei den weiteren Tests der französischen Forscher im Labor passierte: Sie brachten dort nämlich die entdeckten Bleiverbindungen des altägyptischen Make-Ups mit menschlichen Hautzellen zusammen. Statt der erwarteten Schädigung der Hautzellen hatte das Blei eine ganz andere Wirkung: Es führte zu einer um 240 Prozent erhöhten Produktion von Stickoxiden. Und das ist im Prinzip das Gegenteil von Giftigkeit: Denn Stickoxide regen das Immunsystem an, Bakterien zu bekämpfen – sind also: antibiotisch. Gerade in sumpfigen Gebieten am Nil sicherlich hilfreich, so die Überlegung der Forschergruppe.</p>
<p>Ihr Fazit: Die Ägypter haben vor rund 4000 Jahren die Bleiverbindungen nicht etwa übersehen oder unterschätzt – sondern ziemlich sicher ganz bewusst gut dosiert und kosmetisch nutzbar gemacht.</p>

<p>MUSIKAKZENT</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>((Kosmetisch eingesetzte Gifte kann man also nicht so einfach als Fehler unserer Vorfahren abtun. Der Blick zurück muss differenzieren.)) Oft hängt mehr Kultur- und Sozialgeschichte an den historischen Beautytrends, als wir aus der heutigen Perspektive vielleicht vermuten mögen. Romana Sammern beispielsweise kann das für die Vormoderne bestätigen, also für die Zeit nach dem Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert. Sie ist Kunsthistorikerin am Mozarteum in Salzburg und hat die Ausstellung „The Art of Beauty“ wissenschaftlich beraten. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Endlich Pause - Der Sinn von Leerlauf </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/endlich-pause-der-sinn-von-leerlauf/1426570</link>
      <pubDate>Fri, 15 Aug 2025 05:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">520873a1-04bc-49b5-9b20-68c6c84838fe</guid>
      <description>Pause machen - ein zutiefst menschliches Grundbedürfnis, das in den letzten Jahrhunderten sehr unterschiedlich gehandhabt wurde. Autorin: Kirsten Zesewitz (BR 2019)
</description>
      <enclosure length="21629387" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1426570/c/feed/endlich-pause-der-sinn-von-leerlauf.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Kirsten Zesewitz</itunes:author>
      <itunes:summary>Pause machen - ein zutiefst menschliches Grundbedürfnis, das in den letzten Jahrhunderten sehr unterschiedlich gehandhabt wurde. Autorin: Kirsten Zesewitz (BR 2019)
</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/470c00ab-618f-49b3-83df-3fc29c9620cf.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Pause machen - ein zutiefst menschliches Grundbedürfnis, das in den letzten Jahrhunderten sehr unterschiedlich gehandhabt wurde. Autorin: Kirsten Zesewitz (BR 2019)
</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Kirsten Zesewitz<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Xenia Tiling, Jerzy May<br/> Technik: Siglinde Hermann<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-endlich-pause-der-sinn-von-leerlauf-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen: <br/></strong>Prof. Ulrich Wengenroth, Technikhistoriker, TU München (emeritiert);<br/>Prof. Götz Bachmann, Ethnologe, Zentrum für Digitale Kulturen, Leuphana Universität Lüneburg</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Die Erfindung der Ferien - Geschichte einer wunderbaren Zeit<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-erfindung-der-ferien-geschichte-einer-wunderbaren-zeit/bayern-2/78749112/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-erfindung-der-ferien-geschichte-einer-wunderbaren-zeit/bayern-2/78749112/"></a></strong>Ein Lob der Faulheit - Warum es nicht nur um Arbeit geht<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ein-lob-der-faulheit-warum-es-nicht-nur-um-arbeit-geht/bayern-2/78755026/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ein-lob-der-faulheit-warum-es-nicht-nur-um-arbeit-geht/bayern-2/78755026/"></a></strong>Gelassenheit - Was ist das, wie geht das?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/gelassenheit-was-ist-das-wie-geht-das/bayern-2/12333145/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Mikroabenteuer - Kleine Abenteuer im Alltag<a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mikroabenteuer-kleine-abenteuer-im-alltag/bayern-2/96122140/"><br/></a><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mikroabenteuer-kleine-abenteuer-im-alltag/bayern-2/96122140/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kann man sich glücklich essen? Von Genuss bis Gesundheit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kann-man-sich-gluecklich-essen-von-genuss-bis-gesundheit/2108461</link>
      <pubDate>Thu, 14 Aug 2025 18:09:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b31159d2-e59b-425b-963d-43c28a38a727</guid>
      <description>Es klingt so einfach: Wenn wir nur die richtigen Lebensmittel auf dem Teller haben, geht es uns besser. Stimmt das wirklich? Kann man sich glücklich essen? Wir zeigen die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche Ernährung unser Wohlbefinden steigert und welches Essen uns die Stimmung vermiest. Wie kommt das Glück vom Darm ins Hirn? Und sind Bananen und Schokolade wirklich so gut für uns? Anna Küch widmet sich genussvoll diesen Fragen. Autorin: Anna Küch (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21876480" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108461/c/feed/kann-man-sich-gluecklich-essen-von-genuss-bis-gesundheit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Küch, Anna</itunes:author>
      <itunes:summary>Es klingt so einfach: Wenn wir nur die richtigen Lebensmittel auf dem Teller haben, geht es uns besser. Stimmt das wirklich? Kann man sich glücklich essen? Wir zeigen die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche Ernährung unser Wohlbefinden steigert und welches Essen uns die Stimmung vermiest. Wie kommt das Glück vom Darm ins Hirn? Und sind Bananen und Schokolade wirklich so gut für uns? Anna Küch widmet sich genussvoll diesen Fragen. Autorin: Anna Küch (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cac8a44d-0968-4b64-a585-29e74de74b6d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es klingt so einfach: Wenn wir nur die richtigen Lebensmittel auf dem Teller haben, geht es uns besser. Stimmt das wirklich? Kann man sich glücklich essen? Wir zeigen die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche Ernährung unser Wohlbefinden steigert und welches Essen uns die Stimmung vermiest. Wie kommt das Glück vom Darm ins Hirn? Und sind Bananen und Schokolade wirklich so gut für uns? Anna Küch widmet sich genussvoll diesen Fragen. Autorin: Anna Küch (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Anna Küch<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Katja Schild und Peter Veit<br/> Technik: Heiko Hinrichs<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li>Dr. Matthias Riedl, Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner</li>
<li>Prof. Dr. Martin Smollich,  Ernährungsmediziner am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein</li>
<li>Prof. Dr. Lars Libuda,    Ernährungs-wissenschaftler Universität Paderborn</li>
<li>Fabienne Sitri, Köchin Provence</li>
<li>Salvatore Romano, Koch und Feinschmecker Sizilien</li>
<li>Toni Mörwald, Sternekoch Österreich</li>
<li>Lorenzo, ehemaliger Koch, Treviso</li>
</ul>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><a href="https://www.ernaehrungsmedizin.blog/">Ernährungsmedizinblog von Martin Smollich</a></p>
<p><a href="https://gu.de/products/65662-iss-deine-psyche-gesund?srsltid=AfmBOoq0KzrobSHVlEQCoCgGV20ZmU5EmDQTrb83OI3KRD3YlVldwwhQ">Buch von Matthias Riedl: „Iss deine Psyche gesund.“ </a></p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:06d483980a7c7da2/">Radiowissen · Rezepte des Überlebens (1) - Meine Familie und der Hungerwinter · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://br.de/s/7NTJ5Hj"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Mitten in der Provence in einem kleinen Dorf serviert Fabienne Sitri frischgebackenes Brot. Es ist noch warm und dampft. Dazu gibt es Olivenöl aus dem eigenen Anbau. Es folgen Kürbisgemüse und selbstgemachte Gnocchi. Die Köchin hat sich in einem alten Schafstall ein kleines Paradies eingerichtet, sie veranstaltet Kochkurse, bewirtet Gäste oder empfängt zum Tee.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 2 Fabienne Sitri</strong></p>
<p>„Here in my place you will only find local products. Its all doing by myself with my hands. Because the hands are the hearts and its important to put love in your food too.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Overvoice-Sprecherin </strong></p>
<p>„Bei mir findest du nur lokale Produkte. Ich habe alles selber gemacht mit meinen eigenen Händen. Für mich sind die Hände direkt mit dem Herzen verbunden und es ist wichtig, Liebe ins Essen zu stecken.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Gute Lebensmittel und gutes Essen machen glücklich, davon ist die Köchin überzeugt. Und sie zeigt schon Kindern, wie sie selbst kochen und genießen können:<strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 3:</strong></p>
<p>„Everybody has this knowledge inself. But little by little this knowledge come up and we can make and share about this knowledge but its a origin knowledge.“ </p>
<p> </p>
<p><strong>Overvoice-Sprecherin :</strong></p>
<p>„Eigentlich hat jeder dieses Wissen in sich. Die meisten haben es verlernt. Ich helfe den Menschen, es Stück für Stück wiederzuentdecken. Es ist ein uraltes Wissen.“<strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Atmo: Gläserklirren, Besteck, zum Wohl.</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Es klingt so einfach. Wenn wir nur die richtigen Lebensmittel auf dem Teller haben, geht es uns besser. Ist es wirklich so einfach? Kann man sich einfach glücklich essen?</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 4 Matthias Riedl</strong></p>
<p>„Ja, das kann man unbedingt. Derzeit haben wir aber eher noch in Deutschland. Das Gegenteil. Wir essen uns unglücklich, und man sieht es auch daran, dass ein Drittel der Bevölkerung, also jeder dritte, psychisch krank ist. Wir haben eine Abnahme der Empathie seit den 90er-Jahren, das ist messbar. Angsterkrankungen nehmen zu. Ich glaube, das merkt auch jeder in seinem Umfeld. Und ja, das hat auch was mit der Ernährung zu tun. Und das kann man ändern. Man kann sich genauso wieder glücklich essen.“</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Sagt Dr. Matthias Riedl. Er ist Ernährungsmediziner und Diabetologe. Sein jüngstes Buch heißt: „Iss deine Psyche gesund“. </p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 5 Matthias Riedl:</strong></p>
<p>„Wir wissen aus den Studien, das beispielsweise Obst und Gemüse, das Depressions- und das Angstrisiko signifikant senken.  Wer also viel davon isst - und da muss man sagen viel hilft viel - der hat ein geringeres Depressions- und Angststörungsrisiko. Das sollte man nutzen. Als zum Beispiel Kerne und Nüsse sind für uns eine total wichtige Quelle von Glück, sage ich jetzt mal so plakativ. Kürbiskerne beispielsweise unterstützten die Serotonin Produktion bei uns im Körper, und das sind ja bekanntermaßen die Glückshormone.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Make believe </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Auch Tomaten, Bananen oder Schokolade enthalten die Aminosäure Tryptophan, aus der unser Körper Serotonin bauen kann, das auch als Glückshormon bezeichnet wird.</p>
<p>Also her mit diesen Lebensmitteln und schon sind wir glücklich? Ganz so einfach ist es nicht. Denn die Inhaltsstoffe unserer Nahrung landen ja nicht direkt und ungefiltert im Gehirn. Wie kommt das Glück also vom Bauch in den Kopf? Dafür interessieren sich immer mehr Wissenschaftler:</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 6 Riedl</strong></p>
<p>„Wir haben in den letzten Jahren vielmehr Kenntnisse bekommen, wie der Darm und das Gehirn zusammenarbeiten, und zwar in beide Richtungen, wobei der Darm mehr als 80 Prozent der Kommunikation ausmacht als das Gehirn. Wir haben eine große Datenautobahn, den Nervus vagus, und über den laufen die Informationen hoch und runter. 80 Prozent der Informationen kommen vom Darm. Der Darm hat also dem Gehirn einiges mitzuteilen. Und entsprechend sind auch die Auswirkungen des Darms auf unsere Psyche groß.“</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Die Darmflora ist an unsere Stimmung gekoppelt, sagt Matthias Riedl. Je nachdem, was wir essen, bilden die Darmbakterien verschiedene Substanzen, die direkt über den Vagusnerv oder indirekt über Botenstoffe mit dem Hirn kommunizieren. Womöglich können die Bakterien sogar selbst den Stoff Dopamin herstellen, der fürs Wohlbefinden sorgt.  Das ist aber noch nicht nachgewiesen.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 7 Matthias Riedl:</strong></p>
<p>„Und das gipfelt darin, dass die guten Darmbakterien in der Lage sind, das Kuschelhormon Oxytocin zu produzieren. Also das Hormon, das wir vermehrt im Blut haben, wenn wir gestreichelt werden, wenn wir Geborgenheit und Nähe spüren.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Viel wird in diesem Feld geforscht. Rund 100 Billionen Mikroorganismen leben in uns. Jeder Mensch hat andere Darmbakterien. </p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON</strong><strong> 8 Matthias Riedl:</strong></p>
<p>„Und die Darmflora, das wissen wir heute ganz genau, lebt in einer Symbiose mit uns. Das heißt, wir geben den Darmbakterien eine Heimat, und dafür produzieren sie für uns sehr, sehr wichtige Substanzen. Und da kommt natürlich dann die große Frage was geben wir denen denn zu essen? Und da schließt sich der Kreis wieder, natürlich auch zu Obst und Gemüse. Ja, diese Bakterien brauchen Ballaststoffe, die ernähren sich von Ballaststoffen. Die sind für uns zwar auch gesund, aber für die Bakterien im Darm sind sie lebenswichtig. Und daraus stellen diese Darmbakterien die Substanzen her, die wir brauchen. Die gehen zum Teil sogar bis ins Gehirn, helfen Nervenzellen zu reparieren, wirken antientzündlich und natürlich wie gesagt auch können auch unsere Laune verbessern.“ </p>
<p> </p>
<p><strong>Atmo Essen Italien, Töpfeklappern</strong></p>
<p><strong>MUSIK: Love Tarantella </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Jemand, der gut gelaunt in seiner Küche steht, ist Salvatore Romano. Der Tisch in dem sizilianischen Dorf Graniti ist gedeckt mit verschiedenen Antipasti. Käse, selbstgemachte Blutorangenmarmelade. Auf dem Herd duftet es verführerisch aus weiteren Töpfen:</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 9 Salvatore Romano:</strong></p>
<p>„Das ist die Sauce. Die Datteltomaten im Meerwasser mit Schwertfisch.“<strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Salvatore Romano ist begeisterter Koch, er isst und trinkt leidenschaftlich gern und vertreibt sizilianische Feinkost.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 10 Salvatore Romano</strong></p>
<p>„Also Essen macht grundsätzlich glücklich. Und ich glaube, Essen verbindet vor allem. Und mit dem Essen kannst du Geschichten austauschen. Und es so schön, wenn man über Essen sprechen kann und es auch genießen kann. </p>
<p>Das ist ein bisschen, die Banane schälen und das immer das Schönste dann rauskommt oder wie die Artischocke essen bis zum Herz.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Rosa y clavel </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Gegenstand der Forschung ist immer wieder die sogenannte mediterrane Diät. Also das, was vor allem in Ländern rund ums Mittelmeer auf dem Speiseplan steht. Viel Gemüse, Salat, frisches Obst, Nüsse, Hülsenfrüchte, wenig Fleisch - dafür viel kalt gepresstes Olivenöl. Wichtig ist dabei, dass die Zutaten frisch sind.</p>
<p>Die mediterrane Küche soll das Wohlbefinden nachweislich steigern, sagt auch Professor Lars Libuda, Ernährungswissenschaftler an der Universität Paderborn. </p>
<p>Er untersucht, welchen Einfluss die Ernährung auf eine Depression hat.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 11 Lars Libuda</strong></p>
<p>„Es ist bisher noch Forschung, die so ein bisschen in den Kinderschuhen steckt. Aber es hat sich gezeigt, dass es positiv ist, auf Fett und zuckerreiche Produkte zu verzichten, auf Junkfood zu verzichten, auf der anderen Seite ballaststoffreiche nährstoffdichte Lebensmittel zu bevorzugen, insbesondere Gemüse zu bevorzugen. Das haben Metaanalysen gezeigt. Das war der gemeinsame Ansatz aus diesen bisherigen Studien. Und das ist die bisher vorsichtige Quintessenz, wir müssen sicherlich weiter forschen.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Chain reaction (reduced) </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Vor allem die australische SMILES Studie (ausgesprochen: engl. Smiles) hat 2017 von sich reden gemacht.</p>
<p>Untersucht wurden 67 Menschen mit einer Depression. Die eine Gruppe aß mediterran und bekam eine Ernährungsberatung, die anderen machten wie gewohnt weiter. Nach drei Monaten hatten sich die depressiven Symptome bei der ersten Gruppe signifikant verbessert. Das heißt, die Ernährung hatte offenbar einen Einfluss auf die Stimmung. Ein vielversprechender Ansatz, sagt Forscher Lars Libuda. Aber: Die Gruppe war klein und das Thema Depression ist komplex. </p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 12 Lars Libuda</strong></p>
<p>„Also der Effekt der Ernährung auf die Depression. Ich würde ihn nicht überbewerten. Es ist sicherlich nicht so, wenn Sie depressiv sind, dass Sie die Depression komplett mit einer Ernährungsumstellung heilen. Davon würde ich jetzt erst mal nicht ausgehen. Das mag im Einzelfall so sein, aber das kann man im Durchschnitt nicht erwarten. Das kann nur eine Ergänzung sein. Wie gesagt, diese eine Studie ist sehr ermutigend, aber das muss dann auch erst mal wieder reproduziert werden.  Da müssen wir schauen, was sich dann in der Praxis tatsächlich nachher zeigt.“</p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Mehr Studien gibt es dazu, was einzelne Nährstoffe bewirken. Vitamine haben eine wichtige Funktion in Stoffwechselprozessen und helfen dem Körper bei der Herstellung der Botenstoffe Dopanim und Serotonin. Unter anderem Vitamin D.</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 13 Libuda</strong></p>
<p>„Wenn Sie mit diesen Nährstoffen wirklich unterversorgt sind, könnte das negative Auswirkung auf ihre Stimmung haben. So könnte man, wenn man den Mangel behebt, das dann wieder ausgleichen. Aber es ist eben nicht so, wenn sie schon gut versorgt sind und dann nochmal eine Extradosis Vitamin D nehmen, dass es ihnen dann besser geht und das das ein totaler Stimmungsaufheller ist.“ </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Friedrich von Gärtner - Der Baumeister von Ludwig I.</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/friedrich-von-gaertner-der-baumeister-von-ludwig-i-1/2109520</link>
      <pubDate>Thu, 14 Aug 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ef176007-7f54-4b41-80e1-8d7685e8fb94</guid>
      <description>Als Sohn des königlich-bayerischen Hofbauintendanten Andreas Gärtner sollte und wollte Friedrich in die Fußstapfen des Vaters treten. Wurde der Vater seinerzeit von Leo von Klenze aus seiner Stellung vertrieben, nahm Friedrich nun Rache und wollte seinerseits Leo von Klenze vom Hofe des Königs jagen. Autor: Martin Trauner (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="21579648" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109520/c/feed/friedrich-von-gaertner-der-baumeister-von-ludwig-i-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:28</itunes:duration>
      <itunes:author>Trauner, Martin</itunes:author>
      <itunes:summary>Als Sohn des königlich-bayerischen Hofbauintendanten Andreas Gärtner sollte und wollte Friedrich in die Fußstapfen des Vaters treten. Wurde der Vater seinerzeit von Leo von Klenze aus seiner Stellung vertrieben, nahm Friedrich nun Rache und wollte seinerseits Leo von Klenze vom Hofe des Königs jagen. Autor: Martin Trauner (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0169e9b3-f8a8-47d5-bd0a-fc5bb285daf2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als Sohn des königlich-bayerischen Hofbauintendanten Andreas Gärtner sollte und wollte Friedrich in die Fußstapfen des Vaters treten. Wurde der Vater seinerzeit von Leo von Klenze aus seiner Stellung vertrieben, nahm Friedrich nun Rache und wollte seinerseits Leo von Klenze vom Hofe des Königs jagen. Autor: Martin Trauner (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Martin Trauner<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/></p>
<p>Interviews mit:</p>
<ul>
<li> Prof. Winfried Nerdinger (Architekturhistoriker, ehem. Leiter des   Architekturmuseum der TU München)</li>
<li> Prof. Egon Johannes Greipl - ehemaliger (seit 30-11-2013) bayerischer   Generalkonservator</li>
</ul>


<p><strong>Geschichte:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-friedrich-von-gaertner-ludwig-i-leon-von-klenze-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Endlich, nach beinahe 16 Jahren Planungs- und Bauzeit ist es soweit. - Jetzt, 1843, ist sie fertiggestellt: Die königliche Hof- und Staatsbibliothek in München.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZITATOR (Architekturführer)</strong></p>
<p>Dieser in den großartigsten Verhältnissen angelegte Bau wurde im italienischen-mittelalterlichen Style ausgeführt. -  </p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>- schreibt ein zeitgenössischer bautechnischer Führer -</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR (Architekturführer)</strong></p>
<p>- In seinen ausgedehnten Räumlichkeiten umschließt das Gebäude die außerordentlich reiche, gegenwärtig 1.300.000 Bände zählende Staatsbibliothek. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>1. ZUSPIELUNG (Greipl)</strong></p>
<p>Da denkt man - riesengroß - da müssen alle Bücher der Welt hineinpassen - </p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Sagt Egon Greipl, (ehemaliger) oberster Denkmalschützer in Bayern. - </p>
<p> </p>
<p><strong>2. ZUSPIELUNG (Greipl)</strong></p>
<p>- und dann geht man hinein und sieht, da ist eine Menge Platz verschenkt worden für eine Treppe und solche repräsentative Sachen. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Eine Prachttreppe, die seinerzeit nur der König benutzen durfte. An ihr hat man bis zuletzt gearbeitet. 54 Stufen muss die Majestät überwinden, um aus dem dunklen Eingangsbereich in das Licht, zu den Büchern, zur Wissenschaft zu gelangen. - Obwohl der König in den letzten Jahren meist ein schwieriger Auftraggeber gewesen ist, ständig an den Plänen etwas ändert oder ändern lässt, die Treppe findet selbst der Architekt so schlecht nicht:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER</strong></p>
<p>Für die Haupttreppe stehe ich gut, das ist die pompöseste die wenigstens in Deutschland existiert. Diese gefällt mir selbst.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Und das ist der Baumeister des 152 Meter langen und 24 Meter hohen Monumentalbaus: Friedrich von Gärtner. Die Bibliothek: sein erster Auftrag für König Ludwig I. - Vor 16 Jahren, 1827, ließ Ludwig den gar nicht mehr so jungen Architekten gewähren: Gärtner soll nun endlich sein erstes Gebäude überhaupt bauen. Und dann gleich ein so großes.</p>
<p> </p>
<p><strong>3. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Ein riesiger Bau. Und die besondere Pointe oder Gemeinheit könnte man auch sagen, liegt darin, dass er diesen Bau an der von Klenze geplanten Ludwigsstraße vorgesehen hat...</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>- so Winfried Nerdinger, Architekturhistoriker aus München. - Die Ludwigsstraße, sie ist des Königs Lieblingskind, sie soll seine Prachtmeile werden...</p>
<p> </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>4. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Klenze hat ja diese Straße komplett geplant, das war &quot;seine Straße&quot;, er hat den ganzen südlichen Teil bereits mit Neubauten bestückt und jetzt mitten hinein in seine Straße, der größte Bau überhaupt bis dahin, die Staatsbibliothek, da bekommt ausgerechnet sein Konkurrent den Auftrag. Und das war sicherlich für Klenze ein Schlag.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIKAKZENT</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Friedrich Gärtner und Leo Klenze, zwei Baumeister in königlichen Diensten - ein Berufsleben lang lauern sie wie Skylla und Charybdis, die beiden Ungeheuer, an der Meerenge von Messina. Und, um im mythologischen Bild zu bleiben, kein königlicher Auftrag soll an ihnen ungeschoren vorbei kommen.<strong></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>5. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Die waren beide nicht von Pappe, um es mal salopp zu formulieren und haben mit allen Mitteln sich gegenseitig bekämpft und für ihre Karriere gekämpft.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>26 Jahre ist er alt, da wird der junge begabte Nachwuchsarchitekt Friedrich Gärtner Ludwig vorgestellt. Und wer bringt ihn zum Kronprinzen? Der 7 Jahre ältere Klenze. Der, ein protestantischer Preuße, ist schon seit einem Jahr in Diensten des Königshofs. </p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER</strong></p>
<p>Dass dieser zum Faktotum geworden ist, ersah ich schon längst, den Grad aber ersah ich da näher. </p>
<p> </p>
<p><strong>6. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Als drittes muss man immer noch den König mit einbeziehen, genauer gesagt, den Kronprinzen, der beide letztlich wie Schachfiguren in seinem Spiel benutzt hat. </p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER</strong></p>
<p>Ich sah nur zu deutlich, dass einem schlechten Schachspieler leicht eine Figur genommen und die andere dafür hingesetzt werden kann.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIKAKZENT </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Über Gärtners Karriereleiter sind wir Sprosse um Sprosse relativ gut informiert. Denn mehr als 30 Jahre lang schreibt er Briefe, an Martin von Wagner. -  </p>
<p> </p>
<p><strong>7. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Nun: der Martin von Wagner war eigentlich der Kunsthändler des Kronprinzen in Rom. </p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Martin von Wagner ist der Freund von Friedrichs Vater, dem Hofbauintendanten Andreas Gärtner. Und auch wenn die Mutter Bedenken gegenüber Wagner äußert, Friedrich beschwichtigt:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER </strong></p>
<p>Deine Warnung, gute Muttern über Wagner ist recht gut, allein sei versichert, sie war nicht nötig. So kenne ich meine Leute noch. Wagner ist ein guter, ernsthaft rechtschaffener Mann, allein nie für einen Freund geschaffen.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Friedrich Gärtner und Wagner werden trotzdem Freunde, gute Freunde. Netter Nebeneffekt für Gärtner: Wagner hat einen sehr guten Draht zum Kronprinzen. - Gärtner macht in seinen Briefen aus seinem Herzen keine Mördergrube. Winfried Nerdinger:<strong></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>8. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Ich glaube auch, dass man natürlich mit gewissen Abstrichen diesen Briefwechsel als ziemlich wichtige authentische Aussage nehmen kann, weil er sich da einem Freund geöffnet hat - Wir können da doch relativ tiefe Einblick in das Gefühlsleben Gärtners tun und in das Intrigenspiel bei Hofe.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Über 100 Mal wird die Post von Gärtner die Zeiten überdauern, die Post von Wagner retour dagegen nicht. - Kennen gelernt haben sich die beiden in Rom. - </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER </strong></p>
<p>Rom ist nebenbei gesagt der herrlichste Ort, um einem als Mensch die besten Lebensregeln zu erteilen!</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Im Oktober 1814 kommt Gärtner nach Rom. Nach seinem Architekturstudium in München bei Carl von Fischer, nach Lehrjahren in Paris, zieht der 22-Jährige in die deutsche Künstlerkolonie. &quot;Quartiere degli Infedeli&quot;, &quot;Viertel der Abtrünnigen&quot;, nennen es die Römer, wegen der vielen deutschen Protestanten. Der Katholik Gärtner kennt bald alle Trattorien und Weinstuben rund um seine Wohnung in der Via Sistina, nahe der spanischen Treppe. Jetzt will er wieder lernen, dieses Mal aber das Leben:</p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER</strong></p>
<p>Der Durst war groß, der Wein war gut und so wurde allgemeiner Jubel unter der Gesellschaft. Eine Gitarre, die uns begleitete, spielte bald ihren Saltarello, bald ihren Walzer...</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Martin von Wagner nimmt Friedrich in seine Obhut, im Auftrag von Andreas Gärtner, dessen Vater. Er zeigt ihm die mediterrane Lebensart, er bringt ihn in die Kreise der Rom-liebenden deutschen Künstler. Die feiern sich und &quot;ihren&quot; bayerischen Kronprinzen, den Kunstmäzen, am liebsten im Caffè Greco - keine zwei Minuten von der Wohnung Gärtners entfernt. Hier treffen sich auch die Mitglieder eines von Martin von Wagner initiierten Geheimbundes: &quot;Nemesis&quot; heißt er :</p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>9. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Diese Künstler haben sich die Nemesianer genannt. - Die Nemesis als ihre Göttin, die dem einzelnen das Geschick zuweist, dem einen das Gute, dem anderen das schlechte. So etwas, was für Künstler ja ganz wichtig ist: Der eine steigt auf, der andere steigt ab...</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Nemesis gibt sich zunächst wankelmütige, was das Schicksal des jungen Friedrich betrifft. Der &quot;Orlando furioso&quot;, wie ihn seine Freunde jetzt rufen, genießt zwar in Rom das süße Leben in vollen Zügen, ganz untätig ist er freilich nicht. Er zeichnet etliche antike Ruinen, fährt nach Pompeji und Sizilien, besteigt die Vulkane Italiens. Und er beteiligt sich - auf sanftes Drängen seines Vaters -  am Wettbewerb zum Bau der Münchner Glyptothek. Mit Hilfe seines Vaters, der die Pläne ein wenig korrigiert und nachbessert, wird sein Entwurf vom Preisgericht als der für den Bau geeignetste befunden. Den Auftrag bekommt, allem zu Trotz, wie kann es anders sein, Leo Klenze.  </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER</strong></p>
<p>Thermometer 5 Grad Beaumont - </p>
<p>Pluvianopolis am 12ten des 8. Regenmonats 1817 nach Christi Geburt - </p>
<p>Parameter (wie gewöhnlich): Regen, Hagel, Wind.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Gärtner ist nach fast drei Jahren Sommer, Sonne, Kaktus wieder in München. In Pluvianopolis, der Regenstadt. Er schreibt an Wagner nach Rom: </p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER </strong></p>
<p>Der ewigen Nemesis zum Gruße! Ohne Nachrichten aus Rom bin ich ein geschlagener Mensch. Oh große Nemesis! Was habe ich verschuldet, dass du gerade jetzt mich ins Exil geschickt, wo ich dickes Bier um 12 Uhr saufen muss.</p>
<p><strong>MUSIK </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>Nemesis meint es tatsächlich nicht gut mit ihm. Nicht nur dickes Bier und saurer Wein schlagen ihm auf den Magen: In München, im Exil, findet er keine adäquate Anstellung, obwohl sein Vater immer noch königlich bayerischer Hofbauintendant ist, also de facto der oberste Baumeister. Und er würde so gerne in dessen Fußstapfen treten.</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER </strong></p>
<p>Es ist traurig, wenn  man mehrere Jahre sich bemüht, um etwas zu lernen und am Ende wieder dort hingestellt ist, von wo man ausgegangen. Seit meiner Zurückkunft sitze ich da und lege die Hände in den Schoß.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p>26 Jahre ist Gärtner mittlerweile. Er sehnt sich nach Rom. Hier im kalten Norden, in München: -  &quot;Ein Windloch&quot;. Die Mutter stirbt. Er fühlt sich dazu verpflichtet, die Familie finanziell zu unterstützen, lebt aber im Gegenteil vom Geld des Vaters. Und dann auch noch das:</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR GÄRTNER </strong></p>
<p>Mit unverändertem Gemüte durchlas ich heute die Entlassung meines alten und würdigen Vaters von seinem treuen Dienste und dessen Erstattung durch Klenze mit einer vermehrten Besoldung von 3000 fl. </p>
<p> </p>
<p><strong>10. ZUSPIELUNG (Nerdinger)</strong></p>
<p>Aus den Briefen, die er an seinen Freund Martin von Wagner schrieb, kommt ganz klar heraus, dass diese Verdrängung seines Vaters als Hofbauintendanten für die Familie sehr belastend war und in der Familie dann ein Hass auf Klenze aufgebaut worden ist.</p>
<p> </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN: </strong></p>
<p> </p>
<p>Wobei man hinzufügen muss, dass sein Vater bei seiner Entlassung bereits 74 Jahre alt ist. Und obwohl Klenze ihm noch am selben Tag einen Job verschafft - </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Allergietests - Warum das Immunsystem verrückt spielt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/allergietests-warum-das-immunsystem-verrueckt-spielt-2/2109518</link>
      <pubDate>Thu, 14 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2bcddcff-6182-4f3f-ac54-4e2a9a904513</guid>
      <description>Wer eine Allergie hat, sollte wissen, welcher Stoff die Beschwerden verursacht. Nur dann kann man diese Substanz meiden. Deshalb sind Allergietests nötig, die manchmal Detektivarbeit sind. Autor: Hellmuth Nordwig (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="19039488" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109518/c/feed/allergietests-warum-das-immunsystem-verrueckt-spielt-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:19:49</itunes:duration>
      <itunes:author>Helmut Nordwig</itunes:author>
      <itunes:summary>Wer eine Allergie hat, sollte wissen, welcher Stoff die Beschwerden verursacht. Nur dann kann man diese Substanz meiden. Deshalb sind Allergietests nötig, die manchmal Detektivarbeit sind. Autor: Hellmuth Nordwig (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3aa84669-c128-43a8-8ea3-70118cc5367c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer eine Allergie hat, sollte wissen, welcher Stoff die Beschwerden verursacht. Nur dann kann man diese Substanz meiden. Deshalb sind Allergietests nötig, die manchmal Detektivarbeit sind. Autor: Hellmuth Nordwig (BR 2025)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Hellmuth Nordwig<br/> Regie:  Frank Halbach<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Patrick Zeilhofer</p>
<p> Technik: Roland Böhm<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong>- Dr. Eva Oppel, Leiterin der Allergieambulanz der LMU München</strong></p>
<p><strong>- Prof. Ulf Darsow </strong></p>
<p><strong>- Niko Mirissas, Allergieambulanz der TU München; Patienten</strong></p>
<p><strong>- Dr. Josef Kornwachs, Arzt, München</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>- Dr. Michael Szardenings, Fraunhofer IZI, Leipzig</strong></p>
<br/>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/> <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-allergietests-immunsysten-diagnose-allergie-pollen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>ATMO 1: ALLERGIEAMBULANZ, PATIENTEN SPRECHEN, HUSTEN</p>
<p><br/></p>
<p>darüber SPRECHER:</p>
<p>In der Allergieambulanz der Universität München warten Dutzende Patienten. Wer sich zu ihnen setzt, blickt in gerötete Augen und geschwollene Gesichter, ist umgeben von vielstimmigem Husten und schniefenden Nasen. Vielen Menschen geht es richtig schlecht, sie können vor Heuschnupfen oder Asthma kaum atmen. Andere sind hier, weil ihr Körper auf ein Medikament oder ein Lebensmittel heftig reagiert hat, zum Beispiel mit Schwellungen oder Juckreiz. Wieder andere haben einen Haut¬ausschlag, bei dem die Ursache nicht klar ist.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 1: PATIENT</p>
<p>Wenn Sie meine Füße anschauen: Ich habe an den Füßen eine Art Ekzem. Und da wird jetzt getestet, dass man rausbekommt, woher das ist, damit man eine Diagnose bekommt, was es ist und dementsprechend auch behandeln kann. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Allergietests. Warum das Immunsystem verrückt spielt. Eine Sendung von Hellmuth Nordwig.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 2: OPPEL </p>
<p>Hier wird jetzt der Goldstandard der Allergiediagnostik durchgeführt, der sogenannte Pricktest. Es werden in einer Standardreihe die häufigsten Allergene, die in der Luft getragen werden, aufgetragen in einer Lösung. Das ist immer eine definierte Menge an Allergen. Und dann mit einer kleinen Lanzette in die oberste Hautschicht eingebracht. (25&quot;)</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Dr. Eva Oppel leitet die Allergieambulanz. Gerade hat eine Assistenzärztin ein Tröpfchen Flüssigkeit auf den Unterarm des Patienten gegeben. Jetzt ritzt sie dort die Haut ein kleines bisschen ein. Ganz wenig, nur so als würde man sich aus Versehen mit dem Fingernagel kratzen. Das macht sie rund 20 Mal mit verschiedenen Testlösungen. Die enthalten Extrakte von sogenannten Allergenen: von Pollen, Hausstaub oder anderen Substanzen, die in der Luft herumschwirren. Manche Menschen reagieren allergisch darauf, und zwar so rasch:</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 3: OPPEL </p>
<p>Dass Sie nach ca. 20 Minuten den Test ablesen können. Das ist also ein sehr schnelles Ergebnis, das wir haben. 21:37 Im Falle einer positiven Reaktion sehen Sie eine kleine Quaddel an der Stelle. Die entsteht, weil über Botenstoffe in der Haut - natürliche Botenstoffe wie das Histamin beispielsweise - dann solche klassischen Reaktionen auf der Haut auftreten. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Der Körper schüttet diese Botenstoffe aus, weil das Immunsystem Alarm schlägt. Eigentlich soll uns die Körperabwehr ja vor Krankheitserregern schützen. Sie registriert aber auch, wenn wir mit Stoffen aus der Umwelt in Kontakt kommen, etwa mit Staub oder Pollen. Bei einigen Menschen reagiert das Immunsystem dann besonders sensibel. Gegen die Umwelteinflüsse bildet es Abwehrmoleküle, die auch Antikörper heißen. Dafür sind bestimmte Gene verantwortlich, und die hat nicht jeder. Die Quaddeln beim Hauttest zeigen an, dass der Organismus Antikörper gegen das Allergen produziert, also gegen den getesteten Stoff aus der Umwelt. Quaddeln zu haben bedeutet aber noch nicht, dass die Person gegen die Substanz wirklich allergisch ist.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 4: OPPEL</p>
<p>Wenn Sie da etwas finden, dann nennt sich das Sensibilisierung. Sie können zum Beispiel Antikörper gegen die Katze haben, wenn der Patient aber sagt: Ich habe eine Katze zu Hause, ich niese nicht, wenn ich sie in die Hand nehme und streichle, und ich habe auch sonst keine Beschwerden, dann ist das eine stumme Sensibilisierung, die man dann aber nicht Allergie nennt.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Denn bei der müssen neben den Quaddeln passende Symptome dazu kommen. Deshalb halten Allergieexperten nichts davon, einfach so drauf los zu testen. Von Selbsttests, die man on¬line bestellen kann, raten sie dringend ab, auch wenn man auf einen Termin bei einem Spezialisten oft lange warten muss. Doch der kann auch einen anderen Typ von Allergie erkennen. Dabei treten die Beschwerden erst nach einigen Tagen auf, als Hautausschlag, der bei den Fachleuten Kontaktekzem heißt. Metalle, Latex oder Chemikalien sind typische Auslöser. Dafür gibt es einen anderen Hauttest, bei dem Allergene als Salbenzubereitungen auf den Rücken aufgetragen werden. Dort werden sie mit einem Pflaster fixiert und bleiben mehrere Tage auf der Haut. Das war auch bei einer Patientin so, die Eva Oppel jetzt untersucht. </p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 5: OPPEL </p>
<p>(Pflaster abreißen) Was man bei der Dame hier auch sieht, ist die Tätowierung. Wir haben immer mehr Patienten, die tätowiert sind, weil das heute sehr gewünscht wird und gemacht wird. Und da ist es tatsächlich so, dass man gerade auf die schwarze Tätowierungsfarbe ganz starke Kontaktallergien entwickeln kann und eigentlich jeder Patient, bevor er eine Tätowierung durchführen lässt, aufgeklärt werden müsste. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Doch bei der Patientin stellt sich etwas ganz anderes heraus. Tatsächlich ist die Haut in einem der Testfelder deutlich gerötet, auch kleine Bläschen sind zu sehen. Und zwar dort, wo Eva Oppel zwei Tage zuvor ein häufig verwendetes Desinfektionsmittel aufgetragen hatte. </p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 6: OPPEL </p>
<p>Die Dame bekommt dann einen Ausweis und sollte dann eben nachschauen in jedem Waschmittel, in jeder Körperlotion, ob der Stoff enthalten ist und sollte ihn dann auch meiden in Zukunft. 19:44 In der Mitte wird der Stoff eingetragen mit seiner Bezeichnung, und auf der rechten Seite sehen Sie dann, da steht: Diese Stoffe sind beispielsweise enthalten in ... , und dann kommt eine Auflistung, in welchen Materialien dieser Stoff vorkommen kann. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Manchmal werden diese Ergebnisse im Labor abgesichert, um ganz sicher zu gehen. Das ist nötig, wenn das Testresultat gravierende Folgen hat. Zum Beispiel, wenn jemand ein Zahnimplantat nicht verträgt oder das Metall in einem künstlichen Hüftgelenk. Solche Patienten müssen meist ein zweites Mal operiert werden und bekommen dann ein Implantat aus einem anderen Material. Zuvor muss aber ganz sicher feststehen, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt. An der Allergieambulanz der Uni München testet Dr. Burkhard Summer direkt die Immunzellen von Patienten daraufhin, ob sie auf bestimmte Metalle reagieren. Aus dem Blut hat er die Zellen gewonnen und auf Testplatten verteilt. Die bewahrt er in einem Brutschrank bei 37 Grad Celsius auf.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 7: SUMMER </p>
<p>Das hier ist mal so ein Test. Man sieht hier kleine Punkte, die Zellen. Und hier sind verschiedene Metalle. Kobalt, Nickel und Chrom in verschiedenen Konzentrationen mit den Zellen in Kontakt. Die sind als Lösungen zugegeben. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Fünf Tage lang wartet der Arzt, ob sich die Immunzellen vermehren. Das tun sie nur, wenn der Patient allergisch auf das Metall reagiert. Und das ist nicht selten, beob¬achtet Burkhard Summer.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 8: SUMMER </p>
<p>Nickel-Kontaktallergie in der Allgemeinbevölkerung ist bei 15 Prozent ungefähr, Kobalt und Chrom eher bei 2, 3 Prozent. Wir sehen aber bei den Patienten, die zu uns kommen mit einem Verdacht auf so eine Metallallergie in Bezug auf ein Implantat, Nickelallergiker etwa 20 Prozent, und deutlich mehr Kobalt- und Chromallergiker.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Trotzdem werden Patienten nicht routinemäßig vor einer Operation getestet, ob sie die Metalle vertragen oder nicht. Klingt erstaunlich, hat aber einen einfachen Grund: Eine Kontaktallergie kann erst dann entstehen, wenn der Körper in Berührung mit dem Fremdstoff kommt. Vorher hätte der Zelltest im Labor ein negatives Ergebnis. </p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 9: SUMMER </p>

<p>Wir testen die Metalle vorher, wenn ein Patient schon mal den Verdacht hat. Also wenn ein Patient auf Modeschmuck reagiert und er weiß, er hat Probleme mit Metallen, dann werden die Metalle vorher getestet. Aber im Normalfall, wenn kein Verdacht besteht, wird nicht getestet. </p>
<br/>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Grüner Salat: Wie kam es zu dem Hype?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gruener-salat-wie-kam-es-zu-dem-hype/2108520</link>
      <pubDate>Wed, 13 Aug 2025 03:46:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f6bc8434-af37-4a8e-9ab2-2bcda62c99c9</guid>
      <description>Salat soll gesund sein, gesünder als anderes Gemüse. Und auch beim Abnehmen soll das Essen von Salat helfen. Aber stimmt das auch? Über Jahrhunderte war das Essen von Salat der Not geschuldet: Ohne die grünen Blätter wären die Menschen nicht satt geworden. Das hat sich geändert, an Salat kommt heute kaum noch jemand vorbei. Zu Recht? Autorin: Daniela Remus (BR 2025) </description>
      <enclosure length="23307264" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108520/c/feed/gruener-salat-wie-kam-es-zu-dem-hype.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Remus, Daniela</itunes:author>
      <itunes:summary>Salat soll gesund sein, gesünder als anderes Gemüse. Und auch beim Abnehmen soll das Essen von Salat helfen. Aber stimmt das auch? Über Jahrhunderte war das Essen von Salat der Not geschuldet: Ohne die grünen Blätter wären die Menschen nicht satt geworden. Das hat sich geändert, an Salat kommt heute kaum noch jemand vorbei. Zu Recht? Autorin: Daniela Remus (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4f1f4859-4d96-448d-8cb1-c6e4905612e0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Salat soll gesund sein, gesünder als anderes Gemüse. Und auch beim Abnehmen soll das Essen von Salat helfen. Aber stimmt das auch? Über Jahrhunderte war das Essen von Salat der Not geschuldet: Ohne die grünen Blätter wären die Menschen nicht satt geworden. Das hat sich geändert, an Salat kommt heute kaum noch jemand vorbei. Zu Recht? Autorin: Daniela Remus (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprach: Julia Fischer <br/> Technik: Heiko Hinrichs<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li> Prof. Matthias Fasshauer, Ernährungswissenschaftler, Universität Gießen</li>
<li> Prof. Gunter Hirschfelder, Kulturwissenschaftler, Universität Regensburg</li>
<li> Gabriele Kaufmann, Ökotropholin, Bundeszentrum für Ernährung, Bonn</li>
<li> Prof. Christian Zoerb, Agragwissenschaftler, Universität Hohenheim</li>
</ul>


<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Mit Ernährung Krankheiten in den Griff bekommen oder sogar heilen. Das geht! Und die NDR Ernährungs-Docs wissen, wie es geht. Wissenschaftsjournalistin Julia Demann spricht mit Dr. Silja Schäfer, Dr. Viola Andresen und Dr. Matthias Riedl über ihre spannendsten Fälle und erstaunlichsten Erfolge. &quot;Essen als Medizin&quot; lautet ihre Strategie, die Themen reichen von antientzündlicher Ernährung bis Zuckerersatz. Gemeinsame Mission: eine Ernährung, die schmeckt, die beim Gesundwerden und -bleiben hilft und die man leicht zubereiten kann.</p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href=" https://1.ard.de/Ernaehrungs-Docs_Podcast">JETZT ENTDECKEN</a></p>


<p>Weitere handverlesene Hörtipps der Redaktion:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e1c401171355f345/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Ist das noch Essen? - Hochverarbeitete Lebensmittel - So wirken sie auf den Körper · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:0dcd133429b4396c/">Radiowissen · Was bringt nachhaltige Ernährung? Alles Natur · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:06d483980a7c7da2/">Radiowissen · Rezepte des Überlebens (1) - Meine Familie und der Hungerwinter · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-salat-woher-kommt-der-hype-blattsalat-gesundheit-superfood-hunger-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Rucola, Feldsalat, Endivie, Radiccio oder Lollo Rosso: Blattsalat gibt es heute in vielen Variationen. Selbst in jedem Supermarkt, eine große Auswahl.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Und solche Salatblätter haben die Menschen, nach allem, was bisher bekannt ist, schon immer gegessen. Aber offenbar hatten diese mehrheitlich grünen Blätter in der Menschheitsgeschichte nicht immer ein so idealisiertes Image wie heutzutage. Lange galten sie eher als Hasenfutter, kalte Küche oder Arme-Leute-Essen.</p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 1 (O-Ton Hirschfelder)                            </strong></p>
<p>Eigentlich sind wir schon immer Salatesser gewesen, wenn wir mit dem Wort mal beginnen, dann kommt das Wort Salat ja aus den romanischen Sprachen und bedeutet, etwas ist in irgendeiner Form eingesalzen, also wir haben schon eine markante Kulturtechnik, die können wir in den frühen Hochkulturen und v.a. in der klassischen Antike beobachten. Aber das Grundmuster ist ja, dass wir irgendein Grünfutter aus der Umgebung sammeln und niedrigschwellig zubereiten und essen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Erklärt Gunter Hirschfelder. Er ist Professor für kulturwissenschaftliche Ernährungsforschung und Agrarwissenschaft an der Universität Regensburg. „Irgendein Grünfutter aus der Umgebung sammeln”, diese saloppe Bemerkung des Kulturhistorikers passt auf den ersten Blick nicht so ganz zu der Bedeutung, die dem Salat heute von Ernährungswissenschaftlern und auch von selbsternannten Influencerinnen und Ernährungscoaches zugesprochen wird. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK: Change your mind </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ein Blick auf die verschiedenen SocialMedia-Plattformen und in die Regale mit Ratgeberliteratur zeigt: Heute soll Salat gesund und schlank machen, das Wohlbefinden und das Hautbild verbessern, unverzichtbar für die Fitness sein. Salat soll den Körper entgiften und die Vitalität steigern - und schön und schlank macht er angeblich auch noch!</p>
<p><br/></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Und einiges davon trifft, auch wissenschaftlich betrachtet, tatsächlich auf die Blattmahlzeiten zu, erklärt Matthias Fasshauer, Professor für Ernährungswissenschaften an der Universität Gießen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>TAKE 2 (O-Ton Fasshauer)                                      </strong></p>
<p>Generell kann man sagen, dass Salate gesund sind, gehören zum Gemüse und wir haben exzellente Daten, dass Gemüsekonsum gut ist für den Menschen. Also wenn ich sehr viel Gemüse esse und dazu gehört eben auch der Salat, dass ich dann weniger Krankheitshäufigkeit habe gerade auch für metabolische Erkrankungen wie Typ II Diabetes mellitus, wie Fettstoffwechselstörung, wie auch Gewicht, ist eher günstig, wenn ich viel Salat esse. </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Ganz pauschal lässt sich also festhalten, dass es tatsächlich gesundheitsfördernd ist, diese Gemüsepflanzen zu essen, die wir unter dem Oberbegriff Salat zusammenfassen. Denn die Blattsalate enthalten viel von dem, was unser Körper braucht, um leistungsfähig und gesund zu bleiben. </p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 3 (O-Ton Kaufmann)                                      </strong></p>
<p>Weil, sie haben … viele gesunde Inhaltsstoffe, aber haben kaum Kalorien, weil sie so wasserhaltig sind, irgendwo muss das ja alles untergebracht sein das Gesunde. Und so können wir uns am Salat ganz getrost satt essen. Und da sind wir gleich bei einem wichtigen Inhaltsstoff, bei Ballaststoffen und die machen ja bekanntlich satt.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Gabriele Kaufmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundeszentrum für Ernährung, einer Einrichtung, die zum Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin gehört. Die Sattmacher Ballaststoffe sind Pflanzenbestandteile, die im Darm nicht vollständig abgebaut werden können. Sie gehören zu den sogenannten Makronährstoffen. Makro, der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet groß, weit oder lang. Und diese Nährstoffe heißen so, weil unser Bedarf an ihnen groß ist.</p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 4 (O-Ton Kaufmann)                                    </strong></p>
<p>Wir haben Makronährstoffe, zu denen zählen die Proteine und Eiweiße, Fette, die Kohlenhydrate und Ballaststoffe haben wir auch. Und Ballaststoffe unterscheiden sich nochmal in verdauliche und unverdauliche und das ist neben den Proteinen, der Stoff, der satt macht. </p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Micro science </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Auch wenn es schwer vorstellbar ist. Salatblätter enthalten Proteine, Eiweiße und Fette. Wenn auch in minimalen Mengen. Und in deutlich geringerer Konzentration als z.B Fleisch, Käse oder Fisch.  Diese Makronährstoffe sind essentiell wichtig für uns: Ohne sie wären wir nicht nur schwach, müde und antriebsarm, sondern könnten letztendlich auch nicht überleben. Denn ohne diese Nährstoffe würde unser gesamter Organismus regelrecht verkümmern: Unser Gehirn wäre außerstande zu denken, die Muskeln könnten nicht arbeiten, Zellen würden sich nicht mehr erneuern und der ganze Stoffwechsel würde schließlich kollabieren. Genauso essentiell für den Körper sind allerdings auch die Mikronährstoffe. Auch wenn wir von denen weitaus geringere Mengen benötigen als von den Makronährstoffen. Deshalb der Name Mikro. Zu den Mikronährstoffen gehören beispielsweise Vitamine und Spurenelemente, sagt die Ökotrophologin Gabriele Kaufmann:</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>TAKE 5 (O-Ton Kaufmann)                                   </strong></p>
<p>In Salaten sind viele Vitamine und Mineralstoffe drin, die wir auch brauchen., weil der Körper sie zu einem Großteil gar nicht selber bilden kann, aber wir funktionieren ohne nicht! Dazu gehören vor allem auch in Salaten Co-Vitamin A, das Betacarotin, Vitamin C ist drin, B-Vitamine B1, B2, Folsäure, Folate sind drin.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Microelements </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Vitamin C braucht unser Immunsystem, um schlagkräftig arbeiten zu können, also beispielsweise, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Die B-Vitamine dagegen sind gut für die Nervenfunktionen und Folat ist entscheidend für den zellulären Stoffwechsel. Ein Mangel an Folat hemmt sogar die Zellteilung und das Zellwachstum. Und das bedeutet beispielsweise, dass die Blutbildung gestört ist. Folat kann wie die meisten anderen Vitamine und Spurenelemente heutzutage auch im Labor synthetisch hergestellt werden. Dann trägt es den Namen Folsäure.</p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 6 (O-Ton Kaufmann)                          </strong></p>
<p>Und dann sind die Mineralstoffe noch da und dazu gehören dann auch Eisen, Kalzium, Magnesium und Salate haben auch sehr viel Kalium, was für unseren Wasserhaushalt und die Zellgesundheit ebenfalls sehr gesund ist.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Mit all diesen Stoffen versorgen uns die grünen, gelben oder roten Salatblätter, wenn wir sie verspeisen, allerdings in unterschiedlicher Konzentration: Spinatsalat beispielsweise ist eine gute Eisenquelle, während Rucola besonders viel Calcium enthält. Andere Pflanzen, wie z.B. der Kopfsalat sind sehr wasserhaltig und eignen sich deswegen besonders gut zum Kaloriensparen. Allerdings gibt es Grenzen für das Lob auf den Salat als gesundes Lebensmittel: Wollten wir damit nämlich unseren täglichen Bedarf an Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen decken, dann würde das nicht klappen. So viel Salat, wie wir benötigten, um nicht nur satt, sondern auch optimal mit den lebenswichtigen Nährstoffen versorgt zu sein, könnten wir schon rein volumenmäßig gar nicht zu uns nehmen. Denn im Vergleich zu anderem Gemüse enthalten Salatblätter viel zu wenig Nahrhaftes, sagt Christian Zoerb, Professor für Agrarwissenschaft an der Universität Hohenheim. </p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 7 (O-Ton Zoerb)                                    </strong></p>
<p>Also da sind Kartoffeln besser oder anderes Gemüse, das ist da deutlich besser, das hat deutlich mehr wertgebende Inhaltsstoffe, das sind Blätter. Das ist immer so bei Blättern, Pflanzen speichern halt in Blättern nicht so viel wie in Samen oder in Wurzeln.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik:Green aspects </strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Biologisch betrachtet, sind Blätter längst nicht so nährstoffreich wie andere Pflanzenteile, gibt der Agrarwissenschaftler zu bedenken. Deshalb sei es zwar gesund, Salat zu essen, aber Salat als Vitaminbombe oder Superfood zu hypen, dazu taugten die bunten Blätter nicht. Doch sie haben einen anderen deutlichen Pluspunkt für die Gesundheit, sagt Ernährungswissenschaftler Matthias Fasshauer, sie sind nämlich sehr ballaststoffreich.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>TAKE 8 (O-Ton Fasshauer)                            </strong></p>
<p>Erstmal muss man sagen, Ballaststoffe sind für den Körper unverdauliche Stoffe, die man früher als Ballast angesehen hat, deshalb dieser Begriff, und heute weiß man, dass sie eine ganz wichtige Funktion haben im Organismus, die sind z.B. begünstigend dafür, dass die guten Darmbakterien gut wachsen können und schädliche Darmbakterien eher zurückgehalten werden im Wachstum, dass also das sogenannte Mikrobiom günstig sich verhält. Wir wissen auch, dass sie verdauungsfördernde Aspekte haben, das heißt also regelmäßige Stuhltätigkeit ermöglichen. </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Und Ballaststoffe tragen dadurch mit dazu bei, dass die Darmoberfläche gesund bleibt, Entzündungen und selbst tumorartige Veränderungen lassen sich dadurch verhindern. Aber Ballaststoff ist nicht gleich Ballaststoff. Die Forschenden unterscheiden lösliche von unlöslichen Ballaststoffen. Löslich bedeutet, sie lösen sich in Wasser auf, wie beispielsweise Zucker oder Salz.</p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 9 (O-Ton Fasshauer)                              </strong></p>
<p>Die haben als gesundheitliche Vorteile dass sie die Verdauung verlangsamen auch die Fettspiegel senken, … und dann haben wir die unlöslichen Ballaststoffe das sind die, die sich nicht in Wasser lösen und weitgehend unverändert dann wieder ausgeschieden werden, die sind dann v.a. die, die Verstopfung vorbeugen, und auch zu einem erhöhten Stuhlvolumen führen und damit insgesamt dazu dienen, die Darmtätigkeit anzuregen. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK</strong>: <strong>New ideas</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Salat enthält vor allem viele der unlöslichen Ballaststoffe, sie sitzen in den Zellwänden der Salatblätter. Wie wichtig diese löslichen und unlöslichen Ballaststoffe für unsere Gesundheit sind, war lange nicht bekannt. Auch wenn die ersten Wissenschaftler sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Darmflora beschäftigt haben, so richtig an Fahrt aufgenommen hat die Mikrobiomforschung erst vor ungefähr 15 bis 20 Jahren. Seither arbeiten Forschende daran, das Mikrobiom, also die Gemeinschaft der Milliarden von Bakterien, Pilzen und Viren in unserem Darm, zu verstehen. Mittlerweile ist zum Beispiel klar, dass das Mikrobiom sogar unser Immunsystem beeinflusst, vermutlich auch unsere Stimmung und unsere kognitiven Fähigkeiten. In Tierversuchen ließ sich z.B. zeigen, dass komplett keimfreie Mäuse nur ein stark unterentwickeltes Immunsystem haben. Noch haben die Forschenden vieles nicht verstanden, aber es ist mittlerweile in der Wissenschaft unbestritten, dass ein gesundes, ausbalanciertes Mikrobiom enorm wichtig ist für die Gesundheit. Aber Fakt ist auch, dass das Mikrobiom bei vielen Menschen in den westlichen Industrienationen gestört ist. Beispielsweise durch die Einnahme von Medikamenten, aber eben auch, weil sie zu wenig Ballaststoffe zu sich nehmen. Stattdessen essen viele Menschen tagein tagaus leicht Verdauliches wie Pizza, Nudeln oder einen Burger. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>MUSIK: Aphrodite’s temple </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Dabei ist das Wissen um die gesundheitsfördernde Wirkung von Salatblättern bereits seit der Antike bekannt. </p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 10 (O-Ton Hirschfelder)                         </strong></p>
<p>Es gibt durchaus Quellenhinweise, dass man schon im alten Ägypten also vor 4-2000 Jahren bestimmte Formen von Salat kannte. Die Ägypter pflanzten eine wildwachsende Pflanze namens Lactuca an, das sind Dinge, die wir heute als Lattich bezeichnen. Der Lattich ist ursprünglich für seine beruhigenden Eigenschaften. Tatsächlich wird Salat schon in ägyptischen Hieroglyphen erwähnte und es gibt Hinweise, darauf, dass vor allem Heilpflanzen gegessen worden sind. </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Erzählt Gunter Hirschfelder. Aber nicht nur in der Hochkultur der Ägypter wurde Salat gegessen, auch bei den Römern und Griechen standen die damals noch ausschließlich grünen Blätter hoch im Kurs: </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>TAKE 11 (O-Hirschfelder)                             </strong></p>
<p>In der griechischen und römischen Antike haben wir dann eine Weiterentwicklung des Salats, aber eher als krautige Beilage. Und der römische Historiker Plinius der Ältere berichtet dann von verschiedenen Sorten, die schon im 1. Jahrhundert nach Christus angebaut worden sind. Aber hier stehen eben auch die gesundheitsförderndne Dinge im Fokus. Die römische Geschichte, die römische Kultur, sind ja sehr erfolgsorientiert, und da essen und trinken wir vor allem Dinge, die eine Mehrheitsbevölkerung gesund und stark machen sollen und da spielen eben Salate eine besondere Rolle.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik: Old civilizations </strong></p>

<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Allerdings haben sich die Salatmahlzeiten deutlich davon unterschieden, wie wir heute in Mitteleuropa häufig Salat essen: Die Blätter wurden von den Römern mit Salz haltbar gemacht, eingemacht und fermentiert. Ein bisschen so, wie es auch heute noch in der osteuropäischen oder in der ostasiatischen Küche üblich ist. Mit dem Zusammenbruch des römischen Reichs geht damals auch viel Wissen aus der Antike verloren. Und zwar nicht nur die Fähigkeit, astronomische Berechnungen oder medizinische Operationen durchzuführen, sondern z.B. auch die Kenntnis der gesundheitsfördernden Wirkung von Salat. Zwar essen die armen Menschen in der Zeit des Mittelalters vermutlich auch Salatblätter, aber eher aus Not, gegen den Hunger, und nicht, weil sie damals gesundheitsbewusst sind.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK:  Romanesca u. Passamezzo </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Erst mit der frühen Neuzeit, also ungefähr ab dem 15. Jahrhundert, ändert sich das, sagt der Kulturwissenschaftler Gunter Hirschfelder: </p>
<p><strong>TAKE 12 (O-Ton Hirschfelder)                       </strong></p>
<p>Der Salat beginnt dann seine zweite Karriere sozusagen im Übergang zur Neuzeit. In der Renaissance des 15. und des 16. Jahrhunderts, als wir die großen Gartenanlagen der europäischen Fürstenhöfe haben, bei denen das Gärtnern zu einer Art Hobby, zu einer Art Schaufenster geworden sind. Wo man zeigen konnte, ich hab viel, ich kann viel und ich weiß viel! Ich habe eine bestimmte Nähe zur Natur. Und jetzt begannen europäische Gärten mehr Sorten von Salatpflanzen zu kultivieren und weiterzuentwickeln und die berühmtesten europäischen Gärten dieser Zeit förderten die Zucht von Salatarten.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>In dieser Zeit wird Salat modern. Er schafft es jetzt in unterschiedlichen Sorten auf die Eßtische der vornehmen Bevölkerung. Er wird sogar zu einem Nachweis der Kultiviertheit und etabliert sich damit als kalte Beilage zu den Hauptmahlzeiten. Und es gibt erste Berichte darüber, dass er mit Essig und Öl angemacht wurde, um ihn zu würzen. </p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK: La Fürstenberg     (17. Jahrhundert)</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>
<p>Im 17 und 18. Jahrhundert boomt die Züchtung verschiedenster Salatsorten.  Der Lattich, der als Urform aller Blattsalate gilt, und wohl ungefähr so aussah wie der heutige Romano-Salat ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Seit der Antike wurde er angebaut und gegessen. Im 17. und 18. Jahrhundert wird er gezüchtet und in Aussehen und Geschmack variiert. So entsteht zum Beispiel der Kopfsalat, aber auch Frisee, Eichblatt und auch der Romano-. Und Salat wird damals für die Ernährung der Bevölkerung immer wichtiger. Nicht nur, weil mehr Sorten verfügbar sind, oder weil Salatessen modern ist, sondern weil sich die Ernährungssituation großer Teile der Bevölkerung in dieser Zeit deutlich verschlechtert. <strong></strong></p>
<p> </p>
<p><strong>TAKE 13 (O-Ton Hirschfelder)                </strong></p>
<p>Weil wir in einer Zeit der klimatischen Ungunst sind, der Getreideanbau wurde schwieriger, der Fleischverbrauch ging seit dem späten 16. Jahrhundert stark zurück, Historiker sprechen von der Kleinen Eiszeit seit den 1560er Jahren, die über 200 Jahre andauern sollte. Der Lebensstandard sinkt und v.a. haben wir jetzt mehr Möglichkeiten robuste Salatsorten in den Gärten anzubauen …der Salat, was heute als gesunder Luxus gilt, hat also für die Alltagsbevölkerung eine Karriere sicherlich auch als Notspeisung begonnen.</p>
<p> </p>
<p><strong>Musik:</strong></p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN</strong></p>

<p>Heute ist es zwar angesagt, Salat zu essen, zumindest in der urbanen gesundheitsbewussten Bevölkerung, aber das ist doch tatsächlich eher ein gesunder Luxus als eine Notspeisung für diejenigen, die mit ihrem wenigen Geld haushalten müssen. Denn Salat ist im Verhältnis zu anderen Nahrungsmitteln nicht günstig und er sättigt auch schlechter als Pommes, Reis, Fleisch, Pizza oder Nudeln. Dass Salat trotzdem von unseren Speisekarten nicht wegzudenken ist, liegt an seinem Ruf als kalorienarme und gesunde Mahlzeit. Aber ob Salat tatsächlich kalorienarm und gesund ist, das hängt ganz entscheidend davon ab, wie wir ihn zubereiten.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Heinrich II. – Das mühsame Leben eines reisenden Herrschers</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/heinrich-ii-das-muehsame-leben-eines-reisenden-herrschers/2095364</link>
      <pubDate>Wed, 13 Aug 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4605a82d-29be-464e-92cc-fb9d37e1f580</guid>
      <description>Das mittelalterliche Kaisertum war kein Zuckerschlecken. Ständig galt es für den Herrscher, die Macht zu festigen, und Kriege zu führen. Dafür war der letzte Kaiser aus dem Geschlecht der Ottonen, Heinrich II. (973-1024), mit seinem Hofstaat fast ständig zu Pferd auf schlechten Straßen unterwegs. Von Susanne Roßbach   </description>
      <enclosure length="21939072" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095364/c/feed/heinrich-ii-das-muehsame-leben-eines-reisenden-herrschers.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Rossbach</itunes:author>
      <itunes:summary>Das mittelalterliche Kaisertum war kein Zuckerschlecken. Ständig galt es für den Herrscher, die Macht zu festigen, und Kriege zu führen. Dafür war der letzte Kaiser aus dem Geschlecht der Ottonen, Heinrich II. (973-1024), mit seinem Hofstaat fast ständig zu Pferd auf schlechten Straßen unterwegs. Von Susanne Roßbach   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e021e8a6-b4a5-4b0f-bb63-0edd486aa5ba.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das mittelalterliche Kaisertum war kein Zuckerschlecken. Ständig galt es für den Herrscher, die Macht zu festigen, und Kriege zu führen. Dafür war der letzte Kaiser aus dem Geschlecht der Ottonen, Heinrich II. (973-1024), mit seinem Hofstaat fast ständig zu Pferd auf schlechten Straßen unterwegs. Von Susanne Roßbach   </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Roßbach<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Christian Baumann<br/> Technik: Simon Lobenhofer<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Karin Schneider-Ferber, Historikerin und Buchautorin, Berlin <br/>Dr. Klaus van Eickels, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> </p>
<p><strong>Linktipps: <br/></strong><em>Das wahre Leben im ach so finsteren Mittelalter: Burgenromantik<br/></em><em>Ein Radiofeature von Susanne Roßbach über Mittelaltermythen<a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zeit-fuer-bayern/burgenromantik-100.html"> HIER</a></em></p>
<p><em>Gelebtes Mittelalter<br/></em><em>Eine BR Fernsehdoku von Reinhard Kungel über die anhaltende Begeisterung historischer Vereine, die mit Turnieren, Festen und Märkten mittelalterliches Leben nachempfinden wollen. <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzc1YTBmYWU0LTg1NTktNDRmNi04MjFiLTVlNGI2NWJmMDRkYw">HIER</a></em></p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-heinrich-ottonen-mittelalter-heiliges-roemisches-reich-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>„Immer diese Jugend!?“ - Der ewige Generationenkonflikt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/immer-diese-jugend-der-ewige-generationenkonflikt/1954195</link>
      <pubDate>Tue, 12 Aug 2025 08:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">613063c7-208f-420d-b3e9-673ae8a97692</guid>
      <description>Das Stereotyp der respektlosen Jugend ist so alt wie die Menschheit. Sie ist verdorben, faul, egoistisch, hat keine Moral und verstößt gegen die guten Sitten. Was steckt hinter den Klagen über Werte- und Moralverlust? Von Claudia Heissenberg (BR 2020) </description>
      <enclosure length="21715584" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1954195/c/feed/immer-diese-jugend-der-ewige-generationenkonflikt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:37</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Heissenberg</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Stereotyp der respektlosen Jugend ist so alt wie die Menschheit. Sie ist verdorben, faul, egoistisch, hat keine Moral und verstößt gegen die guten Sitten. Was steckt hinter den Klagen über Werte- und Moralverlust? Von Claudia Heissenberg (BR 2020) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cb0fc548-6b12-4565-96fa-341d0a67829e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Stereotyp der respektlosen Jugend ist so alt wie die Menschheit. Sie ist verdorben, faul, egoistisch, hat keine Moral und verstößt gegen die guten Sitten. Was steckt hinter den Klagen über Werte- und Moralverlust? Von Claudia Heissenberg (BR 2020) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Claudia Heissenberg<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Caroline Ebner, Frank Manhold<br/>Technik: Peter Preuß<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-immer-diese-jugend-generationenkonkflikt-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen: <br/></strong>Klaus Hurrelmann (Dr.; Professor, Sozialwissenschaftler und Jugendforscher);<br/>Pauline Brünger (Fridays for Future-Aktivistin);<br/>Rolf Sistermann (Dr.; Philosophielehrer im Ruhestand);<br/>Janine Engel (Philosophielehrerin);<br/>Stefan Ochs (Fachleiter Philosophie am Seminar Leverkusen)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong>Die Bravo - Starschnitt, Sextipps und Fotostories<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-bravo-starschnitt-sextipps-und-fotostories/bayern-2/92178046/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-bravo-starschnitt-sextipps-und-fotostories/bayern-2/92178046/"></a></strong>Woodstock - Der rebellische Sound der Utopie<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/woodstock-der-rebellische-sound-der-utopie/bayern-2/78760156/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Die Eltern im Kopf - Lebenslange Begleitung<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-eltern-im-kopf-lebenslange-begleitung/bayern-2/10311347/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-eltern-im-kopf-lebenslange-begleitung/bayern-2/10311347/"></a></strong>Die Geschichte der Kindheit - Die Entdeckung eines Lebensalters<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href=" https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-kindheit-die-entdeckung-eines-lebensalters/bayern-2/86208124/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Zunge - Ein Meisterwerk der Evolution</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-zunge-ein-meisterwerk-der-evolution/2095338</link>
      <pubDate>Tue, 12 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">117da9d9-dd77-44ed-bbf0-22051a424582</guid>
      <description>Beim Salamander ist die Zunge extra klebrig und kann greifen, die Giraffe kann sie in die Länge ziehen, die Schlange mit ihr in zwei Richtungen riechen - und der Schnecke wachsen auf der Zunge kleine Raspelzähne: ein Meisterwerk der Evolution und Inspirationsquelle für Technik und Robotik. Von Katharina Hübel </description>
      <enclosure length="22779648" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095338/c/feed/die-zunge-ein-meisterwerk-der-evolution.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Katharina Hübel-Gohr</itunes:author>
      <itunes:summary>Beim Salamander ist die Zunge extra klebrig und kann greifen, die Giraffe kann sie in die Länge ziehen, die Schlange mit ihr in zwei Richtungen riechen - und der Schnecke wachsen auf der Zunge kleine Raspelzähne: ein Meisterwerk der Evolution und Inspirationsquelle für Technik und Robotik. Von Katharina Hübel </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/118cb7f5-fd0e-402f-b3ab-ef06df120277.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Beim Salamander ist die Zunge extra klebrig und kann greifen, die Giraffe kann sie in die Länge ziehen, die Schlange mit ihr in zwei Richtungen riechen - und der Schnecke wachsen auf der Zunge kleine Raspelzähne: ein Meisterwerk der Evolution und Inspirationsquelle für Technik und Robotik. Von Katharina Hübel </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Katharina Hübel-Gohr<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Sebastian Fischer<br/> Technik: <br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Kurt Schwenk, Evolutionsbiologe University of Conneticut; <br/>Dr. Wencke Krings, Zentrum für Taxonomie und Morphologie am Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels in Hamburg; <br/>Dr. Ian Whishaw, Neurowissenschaftler an der University of Lethbridge</p>

<strong>Linktipps:</strong>
<p><strong>Das wissenschaftliche Paper von Wencke Krings darüber, wie Landschnecken ihre Radula zum Fressen benutzen <a title="Hier gehts zur Website." href="https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.190222">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Dazu passend ein Video, das Wencke Krings von einer fressenden Schnecke gedreht hat: <a title="Hier geht es zu YouTube" href="https://www.youtube.com/watch?v=82MhW1kwzD4">Youtube</a></strong></p>
<p><strong>Ein halbstündiges Audio-Interview der Uni Hamburg mit Wencke Krings darüber, wie das Wissen über Schneckenzungen in der Robotik helfen kann <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.uni-hamburg.de/newsroom/podcast/wissenswelle-krings.html">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Mehr über Krägtemessung von Schneckenzungen, die Wencke Krings im Labor gemacht hat und Fotoaufnahmen der Radula unterm Rasterelektronenmikroskop: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://hamburg.leibniz-lib.de/forschung/sektionen/biodiversitaet/aktuelles/2019-07-25-news.html">Hier </a> und <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/054-schneckenzaehne">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Einige Publikationen von Ian Whishaw von der Universität in Lethbridge zu Mäusen und Primaten, die greifen – und was da sonst noch so dran hängt aus neurobiologischer und evolutionärer Sicht: <br/><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.researchgate.net/publication/365997209_A_cortical_circuit_for_orchestrating_oromanual_food_manipulation">HIER</a> und<a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.researchgate.net/publication/369332334_Evolutionary_History_of_food_Withdraw_Movements_in_Primates_Food_Withdraw_is_Mediated_by_Nonvisual_Strategies_in_22_Species_of_Strepsirrhines?_tp=eyJjb250ZXh0Ijp7ImZpcnN0UGFnZSI6InByb2ZpbGUiLCJwYWdlIjoicHJvZmlsZSJ9fQ"> HIER</a> und <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.researchgate.net/publication/369433340_Hippocampal_conjunctive_and_complementary_CA1_populations_relate_sensory_events_to_movement">HIER</a>  </strong></p>
<p><strong>Den Reptilienzungen hat Kurt Schwenk von der Universität in Conneticut sein Forscherleben verschrieben. Hier sein Buch:<br/></strong><strong>Schwenk, Kurt: Feeding: Form, Function and Evolution in Tetrapod Vertebrates. Academic Press, San Diego. 2000.</strong></p>
<p><strong>Ein Artikel von Kurt Schwenk zum Züngeln der Schlangen (2022): <a title="Hier gehts zur Website." href="https://academic.oup.com/icb/article/62/4/852/6601462">ARTIKEL</a></strong></p>
<p><strong>Eine Übersicht über seine vielfältige Forschung zu Reptilienzungen inklusive einiger Links und Aufnahmen: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://hydrodictyon.eeb.uconn.edu/eebedia/index.php/Kurt_Schwenk#PUBLICATIONS">HIER</a></strong></p>
<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>OT 01 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Eigentlich eine lustige Geschichte. Ich trainierte gerade Mäuse darauf, nach Essen zu greifen. Mäuse sind wirklich gut darin. Dabei habe ich bemerkt, dass die Mäuse jedes Mal, wenn sie mit der Hand gezielt haben, ihre Zunge herausstreckten.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ian Whishaw, Forscher an der Universität von Lethbridge, ist Neurowissenschaftler und fragt sich bei seinem Laborversuch: Ist das Verhalten der Mäuse nur Zufall? Oder was ist da im Gehirn los? Braucht die Maus etwa die Zunge, um besser greifen zu können – oder weshalb gehen Zunge und Hand einher? Zeigen auch andere Lebewesen ein solches Verhalten? Er schaut sich Videos von Profisportlern an, die mit der Hand zielen. Wie Basketball-Legende Michael Jordan. </p>
<p>OT 02 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Ich hab etliche Videoaufnahmen von ihm angeschaut. Immer wenn er auf den Korb zielte, um den Ball zu versenken, genau dann hat er die Zunge herausgestreckt. Und wenn er ihn versenkt hat, war die Zunge wieder zurück im Mund. Das war genau das Gleiche, was die Maus in meinem Experiment gemacht hat. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ian Whishaw analysiert professionelle Dartspieler. Auch bei ihnen derselbe Befund. </p>
<p>OT 03 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Das scheint ein sehr übliches Verhalten zu sein – bei Mäusen und bei Menschen, wenn sie etwas erreichen wollen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Mit bildgebenden Verfahren und fluoreszierenden Proteinen kann Ian Whishaw Zellen im Gehirn sehen, wie sie miteinander vernetzt sind, welche aktiv sind, wenn die Maus nach etwas greifen will oder gerade die Zunge herausstreckt. Das, was er dabei sieht, lässt ihn nachdenken. Auch über den Menschen. Es wird ihn dazu bringen zu sagen: Die Zunge ist für den Menschen das Zentrum seines Seins. Eines komplexen Seins. Das allerdings vor vielen hunderten von Millionen Jahren noch nicht annähernd so in der Natur existiert hat. Einst sahen die Lebewesen auf dem Planeten Erde ganz anders aus. Manche Arten haben lange Zeit überdauert. Und ihre Zungen haben sich vielfältig entwickelt. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Schon seit rund 600 Millionen Jahren existieren Schnecken auf diesem Planeten. Sie haben so einiges an Evolution hinter sich. Schnecken gab es bereits lange, bevor überhaupt die ersten Amphibien an Land gekrochen sind. </p>
<p>OT 05 Wencke Krings</p>
<p>Schnecken haben ja leider wenig Liebhaber, es sei denn, es geht um die Meeresschnecken, die bunt sind und die alle cool finden. Es ist halt so das täglich Brot, dass die meisten Menschen Schnecken gar nicht so wahrnehmen. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>… und ihnen erst recht nicht in den Mund und auf die Zunge schauen. Schneckenforscherin Wencke Krings macht aber genau das. Sie arbeitet in Hamburg am Leibniz-Institut. Auch für Forscher war es lange nicht einfach, Schneckenzungen in Bewegung zu untersuchen. Zu verborgen liegen sie im Schlund. Radula ist der Fachbegriff – auch Raspel- oder Reibezunge genannt. Und auf dieser Zunge – das ist das Besondere: Sind viele kleine Zähnchen. </p>
<p>OT 06 Wencke Krings</p>
<p>Schneckenarten lassen sich in den meisten Fällen wirklich anhand von diesen Zähnen unterscheiden. Man kann eine Schneckenzunge unters Raster-Elektronenmikroskop legen. Man kann dann sich die Formenvielfalt anschauen und damit auch Artenbeschreibungen sehr gut machen, weil die sehr unterschiedlich sein können.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Zunge selbst ist relativ kurz. Die Schnecke drückt sie aus dem Schlund wie eine kleine Vorwölbung. Sie ist genau genommen ein Stütz-Polster.</p>
<p>OT 07 Wencke Krings</p>
<p>Da können Knorpelstrukturen drin sein, um Kräfte abzufedern, um die Bewegung der Radula zu koordinieren. Es kann aber auch einfach Bindegewebe sein, was drunter liegt. Es kann auch eine muskulöse Radula sein, also ganz unterschiedlich. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wencke Krings lässt Schnecken auf Glasplatten Substrat ablecken und filmt sie dabei mit einer high-speed-Kamera. So kann sie dann ganz nah ran an den Schneckenschlund und den Tieren in Slowmotion auf die Radula schauen. Sie untersucht auch deren chemische Zusammensetzung. Radula-Zähne sind aus Chitin. Anders als Säugetier-Zähne, die aus Kollagen bestehen. Für Wencke Krings liegt es daher nahe zu vermuten, dass Schnecken ihre Zungen-Zähne auch anders einsetzen.</p>
<p>OT 08 Wencke Krings</p>
<p>Und jetzt wird das Ganze kompliziert, weil wir natürlich nicht durch die Nahrung durch filmen können, das heißt, wir müssen Umwege gehen, wenn wir das erforschen wollen. Das hört sich jetzt ein bisschen brutal an, aber die Tiere spüren davon natürlich nichts, weil in den Zähnen sind ja keine Nerven drin (…). Jetzt kann man die Tiere auf Schleifpapier fressen lassen, dabei werden natürlich die Zähne abgenutzt, danach guckt man an den Zähnen: Wo sind die Verschleißspuren. Welche Zähne haben überhaupt Kontakt mit dem Untergrund? </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bei dem Versuch hat Wencke Krings festgestellt: Schnecken nutzen die Radula-Zähne tatsächlich nicht, um abzubeißen oder zu kauen. Sondern: Um die Zunge zu biegen.</p>
<p>OT 09 Wencke Krings</p>
<p>Das heißt, die Zähne bilden wie so kleine Gelenke und klappen die Radula auf oder halten sie in einer bestimmten Form aufgespannt.</p>
<p>OT 09.2. Wencke Krings</p>
<p>Da kommt natürlich hinzu, dass die Tiere ja keine Hände haben. Mit dem Fuß können die auch greifen, also im Zusammenspiel zwischen Fuß und Mund. Aber viele können die Radula wirklich falten. Und dann große Algen, Fetzen oder Blätter greifen und dann reinziehen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Zunge ist für viele Schnecken also ein Greifwerkzeug. Die Zähnchen auf ihr ersetzen die fehlenden Knochen und Gelenke, damit das funktioniert. Eine Inspirationsquelle für Ingenieure, die versuchen, das Prinzip für Roboter nachzubauen. Und auch die Materialwissenschaften interessieren sich für die Schneckenzungen. Denn diese haben weitere bemerkenswerte Eigenschaften. Beispielsweise bei Arten, die in Küstenregionen leben. </p>
<p>OT 10 Wencke Krings</p>
<p>… die grasen halt Algen von Steinen ab, das heißt, die leben halt in der Brandungszone und fressen die Algen direkt vom Stein. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dabei könnten die Schnecken ihre Zähne schnell abschaben. Das passiert aber nicht. Mit den abgehobelten Algen gelangen nämlich kleine Steinpartikel und damit auch Eisenoxide in die Schnecke, die sich in den Radula-Zähnen einlagern. Dadurch sind diese extrem hart. ((Wencke Krings hat für ihre Promotion Schnecken aus dem afrikanischen Tanganjikasee untersucht. Ein Mekka für rund 50 verschiedene Napfschnecken-Arten, kleine Küstenmuscheln mit häubchenförmiger Schale, die sich auf Steinen, die von Wasser umspült werden, festsaugen.</p>
<p>OT 12 Wencke Krings</p>
<p>Da haben zum Beispiel die ganzen Schnecken, die da leben, gar keine Eiseneinlagerungen, keine Sillikate. Trotzdem können die auf Steinen sitzen und die Algen abfressen, ohne hohen Verschleiß.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wie können diese Zungen den Steinen trotzen?</p>
<p>OT 13 Wencke Krings </p>
<p>Da haben wir kleine Kraftsensoren genommen und haben damit – natürlich bei toten Tieren – diese kleinen Zähne auf der Zunge belastet und geguckt, wie die Kräfte aushalten können. Wann brechen diese Zähne?</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das Ergebnis: Die Zähne der Napfschnecken aus dem Tanganjikasee halten die gleichen Kräfte aus wie die Zähne der Tiere mit Eiseneinlagerungen.</p>
<p>OT 14 Wencke Krings</p>
<p>Das kann man damit erklären, dass sich diese Zähne von den Tieren im Tanganjikasee gegenseitig abstützen können. Die Zähne, die stehen ja so hintereinander auf der Zunge, wenn die jetzt belastet werden, dann können sie sich so biegen und nehmen Kontakt auf. Und genau deswegen, weil sie halt keine Eisenablagerungen haben, sind sie natürlich sehr flexibel.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die rund 50 unterschiedlichen Napfschneckenarten haben eine Vielzahl an Schneckenzungen hervorgebracht. Ein ganzes Bündel an Lösungsansätzen für das Problem: Überleben auf algenbewachsenen Steinen.</p>
<p>OT 15 Wencke Krings</p>
<p>Evolutionsbiologen, die an Schnecken interessiert sind, für die sind halt die Pallodomidae ein bisschen das, was die Darwinfinken für die anderen Evolutionsbiologen sind.))</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Doch es gibt noch völlig andere Schneckenzungen. Für Schnecken, die nicht etwa Algen abweiden, sondern Fleischfresser sind. Sie brauchen eine völlig andere Zunge.</p>
<p>OT 16 Wencke Krings</p>
<p>Ein Extrembeispiel wäre Konus. Kegelschnecken, diese hochgiftigen Raubschnecken, die in den Tropen zu finden sind. Die haben nur einen einzigen Zahn, der aktiv genutzt wird. Der wird mit Gift gefüllt. Und dann wird er ausgeschossen aus der Zunge und trifft auf den Fisch. Da gibt es einen kleinen Rückholfaden, da ist so ein kleiner Zahn, der sieht aus wie eine Harpune und wird dann zurückgezogen. Der Zahn ist mit wirklich Dutzenden Toxinen beladen, die direkt wirken bei Wirbeltieren. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Kegelschnecken zählen aufgrund dieser Harpunen-Zunge zu den gefährlichsten Tieren der Welt. ((Andere räuberische Schneckenarten wie die Wellhornschnecke, die auch in Deutschland an der Nord- und Ostsee vorkommt, hat besonders kräftige und gut klebende Zungen. Sie spucken ihren Speichel auf Muscheln. </p>
<p>OT 17 Wencke Krings</p>
<p>Und dann löst der Speichel genau die Schale der Muschel in dem Moment auf. Dann gehen sie mit ihrer Zunge in die Schale rein und holen das Fleisch raus.))</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>80.000 Schneckenarten gibt es vermutlich weltweit. 80.000 verschiedene Zungen, 80.000 verschiedene Arten, in der Welt zu überleben. Eine funktionierende Zunge zu haben, bedeutet Zugriff zur Welt zu haben. Sie ist eine Brücke zwischen Innen und Außen. Ein sensibler Bereich.</p>
<p>OT 19 Wencke Krings</p>
<p>Das ist für mich gerade sehr, sehr spannend vor dem Hintergrund der Meeresversauerung. Das ist gerade das Herzensthema, an dem ich ganz stark arbeite. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Je saurer das Meer, desto weicher die Zähne der Meeresschnecken. Irgendwann klappen die bisherigen Ernährungsstrategien der Muscheln nicht mehr. Und dann kippt ein ganzes Ökosystem, denn die Schnecken sind nach den Insekten die zweitgrößte Tiergruppe der Welt. Ihre Zungen könnten sprichwörtlich ein Zünglein an der Waage sein.</p>
<p>MUSIK / TRENNER</p>
<p>OT 20 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Ich bin zu dem Forschungsfeld gekommen, weil ich nicht nur wissen wollte, wie das genau funktioniert, dass sich Tiere ernähren können, sondern auch: wie sich die Anatomie dazu und die Strategien der einzelnen Tiere entwickelt haben im Laufe der Evolution. Es ist nicht nur eine Zunge, es ist ein komplexes System, über das wir hier reden. Und wenn man auf Reptilien schaut, insbesondere auf Eidechsen und Schlangen, da kann man einen unfassbaren Variantenreichtum sehen. Ihre Zungen sind einfach total verrückt. Und als ich angefangen habe, sie zu erforschen, da hatte keiner eine Vorstellung davon, wie sie sie wirklich benutzen, geschweige denn, wie sich Reptilienzungen entwickelt haben im Verlauf der Evolution.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Kurt Schwenk ist Evolutionsbiologe an der Universität von Conneticut. Er wäre eigentlich schon im Rentenalter, ist aber noch lange nicht fertig mit seinem lebenslangen Projekt: Reptilienzungen. Er hat viel zu Schlangen geforscht. Die züngeln. Mit gesplitteter Zunge. Sie brauchen diese aber nicht etwa zum Fressen. </p>
<p>OT 20.2 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Schlangen sammeln Duftmoleküle mit ihrer Zunge ein; wenn sie etwas mit der Zungenspitze berühren – aber vermutlich können sie auch Duftmoleküle aus der Luft fischen. Wir können das noch nicht beweisen, haben aber Daten, die das nahelegen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Schlangenzunge ist vorne aufgespalten. Und so wie Menschen mit zwei Ohren hören, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt, kann die Schlange wahrnehmen, aus welcher Richtung ein Duft kommt. Riechen können die Schlangen mit der Zunge jedoch nicht. Das passiert im Inneren des Mauls.</p>
<p>OT 20.3. Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Die eingesammelten Duftmoleküle werden im Speichel auf der Zunge gebunden. Wenn die Zunge ins Maul zurückgezogen wird, zieht die Schlange den Speichel durch zwei kleine Löcher, die im Gaumen sind, hoch. Das ist wie eine zweite Nase. Wir verstehen momentan noch nicht, weshalb Schlangen zwei Geruchsorgane haben. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ein Forscherleben, ein Menschenleben reicht offensichtlich nicht aus, um Reptilienzungen bis ins letzte Detail zu verstehen. Das Organ ist komplex – und all die Prozesse, die damit verbunden sind. Kurt Schwenk interessiert vor allem eine Frage:</p>
<p>OT 22 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Wie konnte eine solche Vielfalt entstehen?</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der erste Schritt zu einer Antwort ist für den Evolutionsbiologen, sich die Mechanismen bei den einzelnen Tieren genau anzuschauen.</p>
<p>OT 23 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Ich wollte mal eine Filmaufnahme von einer Eidechse machen, wie sie ein Insekt fängt mit ihrer Zunge. Da war ich frustriert, weil der kleine Mehlkäfer, mit dem ich die Eidechse füttern wollte, einfach immer aus dem Fokus der Kamera gekrochen ist. Dann habe ich den Mehlwurm mit einem klitzekleinen Tropfen Kleber fixiert, ich dachte, er würde sich schon lösen. Die Eidechse streckte also ihre Zunge Richtung Wurm aus, der Wurm blieb erwartungsgemäß an ihrer Zunge kleben, die Eidechse zog daraufhin die Zunge wieder in den Mund ein. Aber der Wurm blieb am Boden kleben, anders als ich es gedacht hatte. Da die Zunge der Eidechse extrem klebrig ist, hat sich der Wurm aber auch nicht von ihrer Zunge gelöst. Dann hat es die ganze Eidechse zum Wurm hin katapultiert, es hat sie durch die Luft hoch geschleudert. Es sah sehr lustig aus. Das hat mir gezeigt, dass die Zunge so sehr am Wurm geklebt hat, dass sie das Gewicht der Eidechse hochheben konnte – und das ist doch schon sehr erstaunlich. Das ist, wie wenn man seine Zunge zu einer anderen Person hinstreckt und man die dann mit seiner Zunge hochheben kann. Das ist, was die Eidechse im Prinzip macht. Das ist schon verrückt. Das war für mich ein Moment, in dem ich viel gelernt habe.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Was macht die Zunge von Eidechsen so klebrig? Obwohl sie gleichzeitig nass ist? </p>
<p>OT 24 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Grundsätzlich basiert das auf einem physikalischen Prinzip, das heißt viskose Adhäsion, so eine Art Nass-Haftung. Wenn man mit seinem Finger etwas aufsammeln möchte und der Finger trocken ist, bleiben kleine Objekte eher schlecht kleben. Befeuchtet man ihn, dann klappt es. Feuchtigkeit schafft eine klebrige Oberfläche, das hat etwas mit der Oberflächenspannung von Flüssigkeit zu tun.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der Speichel von Eidechsen ist je nach chemischer Zusammensetzung zähflüssiger und damit klebriger. Zusätzlich haben Eidechsen auf ihrer Zunge kleine Härchen.</p>
<p>OT 25 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Wie kleine Fasern, die abstehen. Und jedes dieser kleinen Härchen hat eine kleine Spitze, die wie viele kleine nasse Finger sind und die Nasshaftung verstärken.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Aus Eidechsenzungen haben sich im Verlauf der Evolution Chamäleonzungen entwickelt. Der Speichel vom Chamäleon ist ein Superkleber und 400-mal zäher als menschlicher Speichel. Die Zunge ist aus gummiartigen Fasern und ultralang: bis zu zweieinhalb Mal so lang wie sein Körper. Das Chamäleon kann seine Zunge spannen, wie ein Katapult aus dem Maul schießen lassen, sie flexibel an die Oberfläche des Opfers anpassen und blitzartig wieder einziehen.</p>
<p>OT 26 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Chamäleons können ihre Zungenspitze zu einer kleinen Tasche falten. Die Beute wird da reingezogen. Es sieht dann aus, als ob ein Criquetschläger aus dem Chamäleonmaul herausschaut. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Auch das Chamäleon kann also aktiv die Form seiner Zunge verändern und mit ihr greifen. </p>
<p>OT 27 Overvoice Kurt Schwenk </p>
<p>Als Evolutionsbiologe ist es sehr vergnüglich, diese vielen verschiedenen Lösungen für ein und dasselbe Problem zu beobachten. Es ist sehr lehrreich, um zu sehen, wie Evolution funktioniert. (…)</p>
<p>In erster Linie gibt es mir ein tieferes Verständnis davon, wie der Druck, sich an eine Umwelt anzupassen, diese faszinierende Vielfalt an Lebewesen und Strukturen hervorbringt, die so wundervoll und kreativ funktionieren.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das Problem, von dem Kurt Schwenk spricht: Vor rund 350 bis 400 Millionen Jahren haben sich die ersten Landwirbeltiere entwickelt. Der Gang an Land bedeutete ein Leben in einem neuen Element. Umgeben von Luft herrschten andere physikalische Gesetze als im Wasser.</p>
<p>OT 28 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Unsere Vorfahren waren Fische. Auch unter Fischen gibt es verschiedene Taktiken, um an Nahrung zu kommen. Aber im Prinzip nutzen sie Saugkraft. Sie sperren einfach ihr Maul auf, erweitern ihre Kehlen und stellen einen Sog her. Kleinere Lebewesen werden so in ihr Maul gesaugt. An der Luft funktioniert das nicht. Aber es gibt viele Hinweise darauf, dass Landwirbeltiere im Prinzip die gleichen Bewegungen und Skelettstrukturen mit ihren Zungen nutzen wie Fische, wenn sie einen Sog herstellen. Die Zunge ersetzt an Land die Rolle des Wassers, sie kreiert zum einen Bewegung, zum Beispiel von Nahrung Richtung Maul. Und die Zunge leistet noch etwas: Wenn die Beute im Wasser schwebt, muss der Fisch kein Gewicht stemmen. Aber an Land unterliegt die Beute der Schwerkraft. Wenn Du sie fangen willst, musst Du ihr Gewicht tragen. Sie wird nicht einfach in Dein Maul schweben. Das heißt, die muskuläre Zunge muss relativ früh in der Evolution entstanden sein, bevor sich das Leben an Land wirklich ausbreiten konnte. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Zunge ist am Boden des Munds festgewachsen, verbunden mit einer Skelettstruktur, die noch auf unsere Fisch-Vorfahren hindeutet. </p>
<p>OT 29 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Die Muskulatur, die bei den Fischen da war, ist bei den Landlebewesen zu einer Zunge expandiert. Der ursprüngliche Muskelbogen der Fische ist aber noch als Relikt da. Beim Menschen liegt er hinter der Kehle; man kann ihn von außen nicht fühlen. (…) Dieser kleine Knochen aus der Fisch-Kehle hat ursprünglich einmal die Kiemen unterstützt. Und unterstützt jetzt die Zunge.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Eine Zunge, die beim Menschen nicht einfach nur EIN Muskel ist.</p>
<p>OT 30 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Ich habe lange ins Mikroskop geschaut, um annährend zu verstehen, welche Muskelfasern da wie verlaufen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die menschliche Zunge ist ein Zusammenspiel verschiedenartiger Muskelfasern: Innere, äußere, von innen nach außen, von außen nach innen, vertikal, quer, über Kreuz verlaufend, in alternierenden Bögen. Muskelfasern, die sich mischen und miteinander verwachsen sind. Mit dieser komplexen Struktur kann die menschliche Zunge auch komplexe Formen annehmen.</p>
<p>OT 31 Overvoice Kurt Schwenk</p>
<p>Das ist wichtig für die Sprache. Die Zunge nimmt komplizierte Formen an, wenn wir sprechen oder verschiedene Geräusche machen. Das ist eben nicht nur Resultat der Lippen, wie der Mund geformt ist oder was in der Kehle passiert. Auch die Zunge verändert die ganze Zeit ihre Form und bewegt sich dabei.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Eine der komplexesten Aufgaben, die die Zunge übernehmen kann. Doch nicht nur die Zunge muss dazu in der Lage sein: vor allem auch das Gehirn. Neurowissenschaftler Ian Whishaw aus Lethbridge hat das erforscht. Unter anderem, in dem er zugeschaut hat, wie eine kleine Maus die Zunge rausstreckt, während sie greifen will – wie Michael Jordan beim Anpeilen des Basketballkorbs.</p>
<p>OT 32 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Als die Tiere sich im Lauf der Evolution entwickelten und an Land kamen, entwickelten sie auch zwei verschiedene Strategien, um an Nahrung zu kommen: Die eine ist, die Zunge herauszustrecken und so Nahrung zu greifen. Die andere, nach der Nahrung mit der Hand zu greifen. Manche Tiere wie die Primaten habe beide Strategien vererbt. Das hat uns erlaubt, immer kompliziertere Bewegungen zu machen: sowohl mit der Hand – als auch mit der Zunge.</p>
<p>OT 33 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Das gibt uns neue Einblicke, wie das Gehirn komplexe Bewegungen zustande bringt.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das Gehirn kombiniert beide Bereiche: Hand und Mund. Die Kombination von Gehirnbereichen macht Sprechen mit komplexen Zungenbewegungen überhaupt erst möglich, vermutet Ian Whishaw. </p>
<p>OT 34 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Wenn Sie schon mal beobachtet haben, dass Menschen ihre Hände beim Reden benutzen, dann ist das ein Beispiel dafür, dass Zunge und Hände gemeinsam benutzt werden, um hörbare Sprache zu produzieren.</p>
<p>OT 35 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Es geht um die Evolution von Fähigkeiten. Unser Gehirn ist vor allem dazu designed, etwas zu erreichen. Zunächst wollen wir etwas im Geist, dann haben wir gelernt, es mit unserer Zunge zu erreichen, und schließlich mit der Hand. (…) Das legt für mich nahe, dass die Zunge ein Teil des gedanklichen Prozesses ist. Wenn man durch bildgebende Verfahren in das menschliche Gehirn schaut, dann ist die Region, die die Zunge steuert, auch die, in der die Gedanken von dem Vorhaben ablaufen, das wir fassen, um eine Bewegung auszuführen – und zwar eine solche, die dazu dient, etwas zu erreichen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ein Vorhaben fassen, einen Plan machen, Zungenbewegung und die Motorik der Hand – das passiert alles in ein und demselben Areal im Gehirn beim Menschen. Diese Erkenntnis bedeutet für Ian Whishaw: Die Zunge könnte einen Einfluss auf das Denken haben.</p>
<p>OT 36 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Die Gehirngegend beim Menschen, die für die Zunge zuständig ist, ist vermutlich der fortgeschrittenste Bereich, wenn es um Vorausdenken, Planen und künftige Vorhaben geht.</p>
<p>OT 37 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Wenn wir darüber nachdenken, wie wir ein Problem lösen können, zum Beispiel ein Kind bei einer schwierigen Mathe-Aufgabe, dann sieht man nicht nur, wie es mit der Hand auf dem Papier arbeitet, sondern auch allerhand Mundbewegungen. Auch die Zunge wird sich bewegen. Wir planen unsere Zukunft also vermutlich, indem wir unsere Zunge mit einbeziehen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das bringt Ian Whishaw dazu zu sagen: Die Zunge ist für den Menschen das Zentrum seines Seins.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>OT 04 Overvoice Ian Whishaw</p>
<p>Es ist ein Zentrum des menschlichen Seins in der Hinsicht: wir tun ja nicht die ganze Zeit Dinge, wir handeln ja nicht immer. Manchmal und erstmal haben wir auch einfach ganz stark eine Absicht – so wie die Maus, die die Nahrung greifen möchte. Wir denken viel darüber nach, Dinge zu tun. Wir schmieden meist Pläne, bevor wir etwas machen.</p>
<p>Sprecherin</p>

<p>Die Zunge, das ist das Ergebnis seiner Forschung, hat damit ganz entschieden etwas zu tun, dass uns das gelingt. Denn komplexes Verhalten wie Denken ist vermutlich aus der Hirnleistung entstanden, die ursprünglich dazu da war, die Zunge zu koordinieren. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schmetterlingssammler - Von Hesse bis Nabokov</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schmetterlingssammler-von-hesse-bis-nabokov-1/1797612</link>
      <pubDate>Mon, 11 Aug 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">fb4b184e-3a8b-48e4-9594-82d9af42ec7b</guid>
      <description>Bis ins 20. Jahrhundert hinein streiften Schmetterlingsjäger und Sammler mit ihren Netzen durch Wald und Wiesen, um die flatternden Schönheiten zu erhaschen. Auch einige bekannte Schriftsteller frönten dem lustvollen Zeitvertreib.
Autorin: Justina Schreiber (BR 2020)</description>
      <enclosure length="22270119" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1797612/c/feed/schmetterlingssammler-von-hesse-bis-nabokov-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Bis ins 20. Jahrhundert hinein streiften Schmetterlingsjäger und Sammler mit ihren Netzen durch Wald und Wiesen, um die flatternden Schönheiten zu erhaschen. Auch einige bekannte Schriftsteller frönten dem lustvollen Zeitvertreib.
Autorin: Justina Schreiber (BR 2020)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/edfec625-7b6c-439f-abfd-d76dd90f4573.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bis ins 20. Jahrhundert hinein streiften Schmetterlingsjäger und Sammler mit ihren Netzen durch Wald und Wiesen, um die flatternden Schönheiten zu erhaschen. Auch einige bekannte Schriftsteller frönten dem lustvollen Zeitvertreib.
Autorin: Justina Schreiber (BR 2020)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Justina Schreiber<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: : Katja Bürkle<br/> Technik: Helge Schwarz<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Anita Albus, Illustratorin und Schriftstellerin<br/> <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/> <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-schmetterlingssammler-von-hesse-bis-nabokov-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p> </p>
<p> <strong>ZITATOR 1: </strong>(Hesse)</p>
<p>Ich weiß noch, wie sehr ich als junger Mensch mir wünschte, einmal einen gewissen Schmetterling zu sehen, der nach Angabe der Bücher im Monat Mai in Andalusien fliegen soll.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Wie angewurzelt mit offenem Mund steht der Schmetterlingssammler auf einer Lichtung. Vor ihm heben gerade zwei Prachtexemplare vom sonnenbeschienenen Boden ab. </p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR 1: </strong>(Hesse)<strong></strong></p>
<p>Und als ich da und dort bei Freunden und in Museen manche von den großen Prachtfaltern aus den Tropen zu sehen bekam, habe ich jedes Mal etwas von dem unsäglichen Entzücken der Kindheit wieder in mir zucken fühlen, etwas von dem atemberaubenden Entzücken, das ich z. B. als Knabe beim ersten Anblick des Falters Apollo empfunden hatte.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Vom Tropenhelm bis zu den Stiefeln - der schrullige Typ mit der spiegelnden Nickelbrille wirkt wie erstarrt, als sei er von seinen Gefühlen überwältigt. Er hat gefunden, was er suchte. Aber er kann „es“ nicht fassen, sein Glück… zu seinem Pech. </p>
<p> </p>
<p>Carl Spitzwegs Gemälde aus dem Jahr 1840 ironisiert einen Moment, den wohl so mancher passionierte Schmetterlingssammler kannte. Der Schriftsteller Hermann Hesse auf jeden Fall - wenn er, den Kescher gezückt, zwischen Himmel und Hölle schwebte, dem Pathos wie der Paralyse so nah.</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR 1: </strong>(Hesse)<strong></strong></p>
<p>Zugleich mit diesem Entzücken, das auch Wehmut enthält, tat ich beim Anblick solcher Wunderfalter oft jenen Schritt in das Goethesche Erstaunen hinein und erlebte einen Augenblick der Bezauberung, der Andacht und Frömmigkeit.</p>
<p> </p>
<p><strong>MUSIK 2</strong></p>
<p>&quot;Remember me&quot; M0075027101 - Länge: 1&#39;27</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Das Wunder der Natur „ergreift“ den Menschen, während er es erhaschen und „be-greifen“ möchte. Was für ein Exempel. Was für eine Aufgabe für die Denker und Dichter unter den Schmetterlingsliebhabern. Und noch dazu an der frischen Luft! Vladimir Nabokov gilt als der berühmteste falterjagende Literat.</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR 2: </strong>(Nabokov)<strong></strong></p>
<p>Über Moorbeersträucher voller matt und verträumt blauer Beeren, über die braunen Augen stehender Gewässer, über Moos und Moor, über die Blütenstiele des duftenden Sumpfweichkrauts …</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Spaziergänger staunten über sie. Bauern verhöhnten und Hunde verfolgten sie. Wie besessen schienen die mehr oder weniger professionellen Schmetterlingskundler vergangener Zeiten mit ihren Netzen durch Wald und Wiesen zu springen. Der Welt entrückt…</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZITATOR 2: </strong>(Nabokov)</p>
<p>… Strich in niedrigem raschen Flug ein dunkler kleiner Perlmutterfalter. Eine hübsche Moorbunteule, ein Nachtfalter wie ein Edelstein, summte auf und ab an ihrer sumpfigen Futterpflanze.</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>… Und zugleich inmitten eines elementaren Geschehens.</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR 2: </strong>(Nabokov)<strong></strong></p>
<p>Ich setzte rosagerandeten Gelblingen nach und graumarmorierten Satyrfaltern. <strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Fotos aus den 1960er Jahren zeigen Vladimir Nabokov, den Autor des berühmten „Lolita“-Romans, auf der Jagd in den Schweizer Bergen – mit zusammengekniffenen Augen seinen schillernden „Dämon“ im Blick. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musik 3</strong></p>
<p>&quot;Remember me&quot; M0075027101 - Länge: 0&#39;42</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>ZITATOR 2: </strong>(Nabokov)</p>
<p>Ohne der Mücken zu achten, die mir die Unterarme bedeckten…,</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Es war ein Tanz ungleicher Paare. Hier der ältere Herr in Turnhosen oder der halbwüchsige Junge mit Strohhut und dort das bunte Flatterwesen, das sie narrte… Von wegen! </p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR 2: </strong>(Nabokov)</p>
<p>… Bückte ich mich mit einem kehligen Freudenlaut, um das Leben eines silberbesetzten Lepidopterons, das in den Falten meines Netzes zuckte, mit meinen Fingern auszulöschen. Immer noch nicht befriedigt, drängte ich weiter.</p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Was suchten sie bloß?</p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 01:</strong> (Anita Albus) </p>
<p>„Ich mein, das war einfach auch gang und gäbe im 19. Jahrhundert, dass man sowohl seine Botanisiertrommel hatte als auch eben auch unter Umständen Schmetterlinge gejagt hat.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>So die Illustratorin und Autorin Anita Albus. Im 20. Jahrhundert jedoch überwogen bereits „Unverständnis, Gereiztheit und Spott“, wenn ein Schmetterlingssammler seiner „stillen Suche“ nachging, wie Vladimir Nabokov es oft genug zu spüren bekam. Wie überhaupt der Sinn für naturkundliche Zusammenhänge verloren ging. Wissenschaftlicher Fortschritt bedeutete Spezialistentum. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 02:</strong> (Anita Albus) </p>
<p>„Im 19. Jahrhundert war es noch selbstverständlich, dass alle Zoologen und Botaniker auch zeichnen konnten. Das ist schon lange nicht mehr der Fall.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Anita Albus hat ein Buch mit dem schönen Titel „Sonnenfalter und Mondmotten“ publiziert. Neben gelehrten Essays steuerte sie eigene Aquarelle bei. Dass sie einen Enzian-Ameisen-Bläuling, ein Grünwidderchen oder einen Isabellaspinner detailgetreu in ihrer Imago, in der erwachsenen Erscheinungsform abbilden konnte, verdankte sie den Schmetterlingsjägern, die ihre Fänge gut präpariert zoologischen Sammlungen überlassen hatten. Anita Albus wollte die Formen und Farben der Falter „getreu“ nach der Natur zeichnen. Inmitten der Natur ging das nicht. </p>
<p> </p>
<p><strong>O-TON 03:</strong> (Anita Albus)</p>
<p>„Es gibt natürlich Leute, die nach dem fliegenden Schmetterling…, das ist aber eine vollkommen andere Vorgehensweise. Wenn man auf das Detail fixiert ist, bleibt einem nichts Anderes übrig als nach Präparaten zu arbeiten.“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Ein Notbehelf. Denn präparierte Schmetterlinge sind „unnatürlich“ aufgespannt, aber eben keine unsicheren flüchtigen Kandidaten mehr. <strong></strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>O-TON 04:</strong> (Anita Albus)</p>
<p>„Ich kann mich einem Schmetterling in der Natur nicht so annähern wie ich es müsste. Da fliegt er weg!“</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Abgesehen davon, dass viele Arten mittlerweile ausgestorben sind - und zwar nicht wegen allzu emsiger Schmetterlingssammler!</p>
<p>Die Finessen des Insektenfangs lernten meist die Söhne von ihren Vätern und Großvätern. Vielleicht inspiriert von Alexander von Humboldt, dem bedeutenden Forschungsreisenden, hatte im 19. Jahrhundert so mancher brave Bürgersmann die anschauende Naturkunde zu seinem Zeitvertreib erwählt. Und der Nachwuchs fand eines Tages auf dem Gabentisch auch eine Ausrüstung vor.</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR 1: </strong>(Jünger)<strong></strong></p>
<p>Netz, Nadeln, Fangflasche, ein Kasten. Damit beginnen alle Entomologen, und die meisten in früher Jugend – subtile Jäger, die den Kerfen, den Entoma… </p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>… den Insekten…</p>
<p> </p>
<p><strong>ZITATOR 1: </strong>(Jünger)</p>
<p>… nachstellen. Dazu ein Buch mit vielen Bildern…</p>
<p> </p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Im Fall des Schriftstellers Ernst Jüngers war es allerdings „Der Käferfreund, eine praktische Anleitung zum Sammeln und Bestimmen von Käfern“. Womit, wie Jünger in seinem Essayband „Subtile Jagden“ schreibt, „eine erste Weiche“ gestellt war. In Richtung Krabbeltiere. Während andere Kinder, wie Walter Benjamin, der Sohn eines Berliner Kunst- und Antiquitätenhändlers, oder der Missionars-Spross Hermann Hesse offenkundig luftigere Jagdgründe nahegelegt bekamen. </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zum Weltkatzentag: Die Wildkatze - Rückkehr der Unzähmbaren</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zum-weltkatzentag-die-wildkatze-rueckkehr-der-unzaehmbaren/2028194</link>
      <pubDate>Thu, 07 Aug 2025 02:50:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">757f484f-2657-4200-a05c-9e337f9fa1f4</guid>
      <description>Die Wildkatze kehrt zurück in unsere Wälder. Damit sie und andere Tiere dauerhaft überleben können, müssten die Wälder vernetzt werden. Doch wie soll das gehen, in einem Land, das wie kaum ein zweites durch Straßen zerschnitten ist? Autor: Marko Pauli (BR 2018)  </description>
      <enclosure length="21629952" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2028194/c/feed/zum-weltkatzentag-die-wildkatze-rueckkehr-der-unzaehmbaren.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Marko Pauli</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Wildkatze kehrt zurück in unsere Wälder. Damit sie und andere Tiere dauerhaft überleben können, müssten die Wälder vernetzt werden. Doch wie soll das gehen, in einem Land, das wie kaum ein zweites durch Straßen zerschnitten ist? Autor: Marko Pauli (BR 2018)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6c499654-e9ad-456a-be2b-489888ef8e74.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Wildkatze kehrt zurück in unsere Wälder. Damit sie und andere Tiere dauerhaft überleben können, müssten die Wälder vernetzt werden. Doch wie soll das gehen, in einem Land, das wie kaum ein zweites durch Straßen zerschnitten ist? Autor: Marko Pauli (BR 2018)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Marko Pauli<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Laura Maire, Stefan Merki<br/> Technik: Helge Schwarz<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Andrea Krug (BUND, Projektkoordinatorin &quot;Rettungsnetz Wildkatze&quot;);<br/>Antje Oldenburg (Dr.; BUND, ehrenamtliche Mitarbeiterin);<br/>Till Hopf (NABU, Team Naturschutz und Landnutzung);<br/>Pierre Ibisch (Professor; für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Eberswalde);<br/>Gerd Jülke (Revierleiter, Revierförsterei Ahlden)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-wildkatze-katze-raubtier-wildtier-wald-naturschutz-umwelt-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Placeboeffekt - Wie wirksam er wirklich ist</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/placeboeffekt-wie-wirksam-er-wirklich-ist/2096098</link>
      <pubDate>Thu, 07 Aug 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">54c1090b-3aa4-456c-be7c-af13f1e7fef4</guid>
      <description>Placebos sind Scheinbehandlungen und Pillen ohne Wirkstoff. Trotzdem helfen sie in vielen Fällen - sogar dann, wenn Patientinnen und Patienten wissen, dass sie ein Medikament ohne Inhalt schlucken. Forschende rätseln noch, warum wir uns von Placebos überlisten lassen. Von Veronika Bräse (BR 2024)   </description>
      <enclosure length="22551936" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2096098/c/feed/placeboeffekt-wie-wirksam-er-wirklich-ist.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Veronika Bräse</itunes:author>
      <itunes:summary>Placebos sind Scheinbehandlungen und Pillen ohne Wirkstoff. Trotzdem helfen sie in vielen Fällen - sogar dann, wenn Patientinnen und Patienten wissen, dass sie ein Medikament ohne Inhalt schlucken. Forschende rätseln noch, warum wir uns von Placebos überlisten lassen. Von Veronika Bräse (BR 2024)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c27a52da-6fa1-4b6a-9211-6c2c4ff79fbd.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Placebos sind Scheinbehandlungen und Pillen ohne Wirkstoff. Trotzdem helfen sie in vielen Fällen - sogar dann, wenn Patientinnen und Patienten wissen, dass sie ein Medikament ohne Inhalt schlucken. Forschende rätseln noch, warum wir uns von Placebos überlisten lassen. Von Veronika Bräse (BR 2024)   </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Veronika Bräse<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprach: Katja Amberger<br/> Technik: <br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. med. Ulrike Bingel, Professur für Klinische Neurowissenschaften, Leiterin Zentrum für universitäre Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Essen<br/>Prof. Dr. med. Dominik Irnich, Leiter der interdisziplinären Schmerzambulanz und Tagesklinik am Campus Innenstadt der LMU München<br/>Dr. Marcel Wilhelm, klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Marburg</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p><strong>Frag dich fit mit Doc Esser und Anne Schneider - WDR 2 </strong><br/>Doc Esser beantwortet jeden Freitag Eure Gesundheitsfragen. Zusammen mit Anneg gibt er Tipps für ein besseres und gesünderes Leben <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www1.wdr.de/radio/wdr2/podcast/podcastpicker/index~_sid-frag-dich-fit-100.html">JETZT ENTDECKEN</a><br/></p>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Ulrike Bingel: Erwartungen beeinflussen den Behandlungserfolg <a title="Hier gehts zur Website." href="https://treatment-expectation.de/">HIER</a></strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>NDR-Info: Die Macht der Erwartung - Placebo- und Nocebo Effekte <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/synapsen-ein-wissenschaftspodcast/74-die-macht-der-erwartung-placebo-und-nocebo-effekte/ndr-info/12478073/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>WDR: Die Akte Placebo - viel stärker als man denkt? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/quarks-science-cops/die-akte-placebo-viel-staerker-als-man-denkt/wdr/12813443/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Wissen Weekly: Placebo-Effekt: Ist er wirklich nur Einbildung? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://open.spotify.com/episode/74UT4j1osfqZJwm6tjd5N1">HIER</a> </strong></p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Toxische Weiblichkeit – Gefährliche Stereotype über und von Frauen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/toxische-weiblichkeit-gefaehrliche-stereotype-ueber-und-von-frauen/2108288</link>
      <pubDate>Wed, 06 Aug 2025 07:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0ddd8672-fe2c-471c-82a5-dd812f3dced7</guid>
      <description>Toxisch - das gilt längst nicht nur für Männlichkeit. Auch weibliche Rollenbilder stehen in der Kritik: aufopfernd, kümmernd, oder zu ich-bezogen. Was ist dran an den toxischen Stereotypen der Frau - und hilft der Begriff uns wirklich weiter? Autorin: Lavina Stauber (BR2025)   </description>
      <enclosure length="20967936" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108288/c/feed/toxische-weiblichkeit-gefaehrliche-stereotype-ueber-und-von-frauen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:50</itunes:duration>
      <itunes:author>Stauber, Lavina</itunes:author>
      <itunes:summary>Toxisch - das gilt längst nicht nur für Männlichkeit. Auch weibliche Rollenbilder stehen in der Kritik: aufopfernd, kümmernd, oder zu ich-bezogen. Was ist dran an den toxischen Stereotypen der Frau - und hilft der Begriff uns wirklich weiter? Autorin: Lavina Stauber (BR2025)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4d352287-e6f3-4834-b5ec-fee0dff52e8b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Toxisch - das gilt längst nicht nur für Männlichkeit. Auch weibliche Rollenbilder stehen in der Kritik: aufopfernd, kümmernd, oder zu ich-bezogen. Was ist dran an den toxischen Stereotypen der Frau - und hilft der Begriff uns wirklich weiter? Autorin: Lavina Stauber (BR2025)   </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Lavina Stauber  <br/> Regie: <br/> Es sprachen:  Susanne Schroeder, Christian Baumann, Sisi Forster, Sophie Rogall <br/> Technik: Martin Trauner<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>Dr. Stevie Schmiedel: Expertise in medialen und gesellschaftlichen Geschlechterbildern, insbesondere in der Analyse moderner Frauenrollen und ihrer normativen Wirkung.</li>
</ul>
<ul>
<li>Dr. Hannah McCann: Expertise in Critical Femininity Studies; analysiert rigide Weiblichkeitsnormen und kritisiert die pauschale Verwendung des Begriffs „toxische Weiblichkeit“.</li>
</ul>
<ul>
<li>Maike Plath: Expertise in pädagogischer Praxis zu Geschlechterrollen; arbeitet u.a. an der Auflösung internalisierter Stereotype durch performative Bildung.</li>
</ul>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:54b2cd599f725a0c/">Toxische Männlichkeit</a></strong></p>
<p>Gewaltbezogene Männlichkeitsideale und Antifeminismus sind in Deutschland weit verbreitet, auch unter Muslimen, wie der Autor Ahmet Toprak erklärt. Wichtig ist der Blick auf die Wurzeln toxischer Männlichkeit, sagt Demokratieforscherin Fiona Kalkstein.</p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Toxisch – ein Wort wie ein Warnschild. Toxisch ist, was den Körper schädigt.</p>
<p>Schlangengift. Tollkirschen. Ein Hauch zu viel Quecksilber. Die Toxikologie ist die Lehre von Giftstoffen, ein Toxin ein Gift, das die Stoffwechselprozesse des Körpers stört, und die Toxizität beschreibt, wie giftig eine Substanz ist – wie schnell, wie stark, wie zerstörerisch sie wirkt.</p>
<p>Doch irgendwann ist dieser Begriff aus dem Labor ausgebrochen und hat sich in unseren Alltag geschlichen: </p>
<p>Toxisch - das können heute Freundschaften sein. Chatverläufe. Liebe und extremer Reichtum. Chefs können toxisch sein. WGs auch. Und ganz selbstverständlich sprechen wir inzwischen in manchen Zusammenhängen auch von gesellschaftlichen Vorstellungen, die als „toxisch“ gelten.</p>
<p>Welche das sind, und was uns die Diskussion darüber bringt, darum geht es in dieser Sendung. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Das Konzept der toxischen Männlichkeit kommt zu Beginn dieser Betrachtungen. Es hat in den vergangenen Jahren immer mehr in unserer Alltagssprache Verwendung gefunden. Wie der Begriff zu verstehen ist, fasst die australische Kulturwissenschaftlerin Hannah McCann zusammen:</p>
<p><br/></p>
<p>01 ZSP O-Ton Hannah McCann</p>
<p>The way that toxic masculinity to refer to problematic traits of, that kind of aggression and the kind of dangers of masculinity… </p>
<p><br/></p>
<p>VoiceOver:</p>
<p>Mit dem Begriff ‚toxische Männlichkeit‘ werden problematische Eigenschaften beschrieben – etwa Aggression, Gewaltbereitschaft und all jene gefährlichen Seiten von Männlichkeit, an denen viele Männer festhalten.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Es geht um die destruktiven, gewaltvollen Aspekte von Männlichkeitsbildern. Und diese männlichen Rollenbilder werden schon in den späten 1980er-Jahren kritisch hinterfragt. Es dreht sich um Begriffe wie die „hegemoniale Männlichkeit“, die ein gesellschaftliches Idealbild vom Mann beschreiben, das aber als schädigend verstanden wird: stark, durchsetzungsfähig, dominant, emotional kontrolliert und heterosexuell. </p>
<p>In den 1990er-Jahren taucht dann dieser neue, poppige und lautere Begriff auf, der diesen Männlichkeitsidealen einen griffigen Namen gibt: „toxische Männlichkeit“.</p>
<p><br/></p>
<p>02 ZSP O-Ton Hannah McCann</p>
<p>And that&#39;s around the time when we saw the rise in masculinity studies in academia. </p>
<p><br/></p>
<p>VoiceOver:</p>
<p>Das war auch die Zeit, in der die Männlichkeitsforschung in der Wissenschaft an Bedeutung gewann.</p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Männlichkeitsbilder rücken stärker in den Fokus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beginnen, sie kritisch zu hinterfragen – vor allem, wenn es um schädliche und destruktive Stereotype von Männlichkeit geht. Der Begriff „toxische Männlichkeit“ bietet sich als neues Schlagwort an. </p>
<p><br/></p>
<p>Eine vergleichbare kritische Forschung zur Weiblichkeit gibt es zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Erst ab den 2010er Jahren entsteht in der Wissenschaft ein entsprechendes Pendant: Die Critical Femininity Studies, also die kritische Feminismus- und Weiblichkeitsforschung.</p>
<p>Die australische Kulturwissenschaftlerin Hannah McCann ist in diesem noch jungen Forschungsfeld tätig. 2020 wirft sie in einem mittlerweile viel zitierten Essay den kritischen Blick auf das Konzept der Weiblichkeit. Sie fragt: Gibt es denn auch destruktive Weiblichkeitsbilder? Solche die  als schädlich verstanden werden, genau wie die toxische Männlichkeit auch?</p>
<p>Sie stellt – so auch der Titel ihres Essay – eine provokante Frage: Is there anything ‘toxic’ about femininity?  Also: Gibt es da etwas ‚Toxisches‘ an Weiblichkeit?</p>
<p><br/></p>
<p>Musikakzent</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Und so findet sich seit einiger Zeit findet sich zwischen Arbeitskultur, Social Media-Feeds und Beziehungsmustern, gleich neben der toxischen Männlichkeit, ein weiterer Begriff auf der Liste der toxischen Dinge ein: die toxische Weiblichkeit. </p>
<p><br/></p>
<p>03 ZSP O-Ton Stevie Schmiedel: </p>
<p>Als ich das erste Mal toxische Weiblichkeit hörte, dachte ich natürlich sofort an die Königin in Schneewittchen, die Schneewittchen auch mit dem Apfel vergiftet, insofern sehr passend. Ich dachte an die Frauen im Job, die andere Frauen wegboxen und an Konkurrenz.</p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Stevie Schmiedel ist Genderwissenschaftlerin und Gründerin der Organisation Pinkstinks, die sich kritisch mit Geschlechterrollen in Werbung, Popkultur und Bildung auseinandersetzt. Ihr Ziel: sexistische Stereotype sichtbar machen und abbauen.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Toxische Weiblichkeit – das klingt erstmal wie das Gegenstück zur toxischen Männlichkeit. Geht es hier um „giftige Frauen“? Um böse Königinnen und fiese Kolleginnen? Um Frauen, die dominant, kontrolliert, ehrgeizig und emotionslos auftreten – so, wie Männern als toxisch beschrieben werden?</p>
<p>Doch ganz so einfach ist es nicht.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Als das Konzept der toxischen Weiblichkeit zum ersten Mal auftaucht, ist es noch lange nicht klar umrissen. Auch Stevie Schmiedel muss sich erst erschließen, was genau damit gemeint ist.</p>

<p>04 ZSP O-Ton Stevie Schmiedel: </p>
<p>Ich hatte eigentlich eher toxische männliche Attribute dieser toxischen Weiblichkeit zugeschrieben. Ich musste dann aber verstehen, dass toxische Weiblichkeit eher von den Frauen spricht, die sich eher zurücknehmen, sehr um ihre traditionelle Weiblichkeit kümmern, weil sie das so gelernt haben. Und damit sich selber schaden. Und das muss man natürlich auch erstmal verstehen, es ist eben wieder ein neuer Begriff. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Begriff „toxische Weiblichkeit“ ist ein neuer Begriff. Während über „toxische Männlichkeit“ inzwischen in den Medien, in Talkshows oder in sozialen Netzwerken breit diskutiert wird, bleibt das Konzept toxischer Weiblichkeit vage, ungenau und vor allem – wenig besprochen.</p>
<p>Und das hat einen Grund:</p>
<p><br/></p>
<p>05 ZSP O-Ton Hannah McCann</p>
<p>Femininities as a concept has been relatively under-theorized and under focused on, not focused on, compared to … </p>
<p><br/></p>
<p>VoiceOver:</p>
<p>Weiblichkeit als Konzept ist bislang vergleichsweise wenig theoretisch durchdrungen worden – und wurde auch weniger in den Fokus genommen, zumindest im Vergleich zur Männlichkeit. Natürlich gibt es eine lange Geschichte feministischer Theorie, feministischer Debatten, von Aktivismus und der Frauenforschung als eigenständigem Feld. Aber die spezifische Begrifflichkeit von Weiblichkeit stand nie so im Mittelpunkt – jedenfalls nicht in einer Weise, wie wir es aus den Männlichkeitsstudien kennen.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Frauen und die Weiblichkeit rücken nicht nur später in den Fokus der Forschung – sie werden auch insgesamt weniger diskutiert. In der wissenschaftlichen Literatur ist „toxische Männlichkeit“ mittlerweile ein etablierter Begriff: Es gibt unzählige Artikel, Debatten, Kommentare. „Toxische Weiblichkeit“ dagegen? Eher ein Randphänomen.</p>
<p>Und doch: Der Begriff hat sich seinen Weg gebahnt.</p>
<p><br/></p>
<p>06 ZSP O-Ton Hannah McCann</p>
<p>The term toxic femininity kind of doesn&#39;t exist in academia. It really doesn&#39;t. But it does exist in these other spaces …</p>
<p><br/></p>
<p>VoiceOver</p>
<p>Den Begriff ‚toxische Weiblichkeit‘ gibt es in der Wissenschaft so gut wie nicht. Aber in anderen Räumen ist er präsent: online, in sozialen Netzwerken und im öffentlichen Diskurs. Dort existiert er.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER / Zwischenfazit</p>
<p>Online finden sich mittlerweile über 80.000 Treffer zum Begriff „toxische Weiblichkeit“. Der Ausdruck ist also im Umlauf. Aber was genau meint er eigentlich?</p>
<p>Bisher wissen wir nur: Der Begriff ist relativ neu, wissenschaftlich kaum erforscht, eher vage umrissen – und lässt sich nicht einfach eins zu eins mit der „toxischen Männlichkeit“ vergleichen. Die Frage ist also: Wie wird sie nun definiert, die toxische Weiblichkeit?</p>

<p>Tja, eine einfache Antwort gibt es leider nicht. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hiroshima und Nagasaki - Atombomben auf Großstädte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hiroshima-und-nagasaki-atombomben-auf-grossstaedte/1801803</link>
      <pubDate>Wed, 06 Aug 2025 04:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5c035240-2ad1-4864-90f3-80be754cebaa</guid>
      <description>1945 warfen die USA Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab. Die Begründung damals: So wurde Japan zur Kapitulation gezwungen und der Zweite Weltkrieg verkürzt. Heute gibt es Zweifel an diesen Annahmen. Von Linus Lüring (BR 2020)   </description>
      <enclosure length="22831438" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1801803/c/feed/hiroshima-und-nagasaki-atombomben-auf-grossstaedte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Linus Lüring</itunes:author>
      <itunes:summary>1945 warfen die USA Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab. Die Begründung damals: So wurde Japan zur Kapitulation gezwungen und der Zweite Weltkrieg verkürzt. Heute gibt es Zweifel an diesen Annahmen. Von Linus Lüring (BR 2020)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8aeeccf3-ebdf-4ac7-8f74-89c75df24194.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>1945 warfen die USA Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab. Die Begründung damals: So wurde Japan zur Kapitulation gezwungen und der Zweite Weltkrieg verkürzt. Heute gibt es Zweifel an diesen Annahmen. Von Linus Lüring (BR 2020)   </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Linus Lüring<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Andreas Neumann, Jerzy May<br/> Technik: Peter Preuß<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Gerhard Krebs (Dr.; Historiker und Japanologe)</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p> </p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>Musik 1</p>
<p>&quot;Overtones, Pt. 1&quot; - Komponist: Martin Todsharow Album: Der Hauptmann (Original Motion Picture Soundtrack) Länge: 0&#39;52</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Anfang August 1939 - Albert Einstein ist in großer Sorge. Er schreibt einen Brief an den damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Neue wissenschaftliche Untersuchungen würden darauf hindeuten, schreibt Einstein, dass es schon bald möglich sein könnte, eine nukleare Kettenreaktion in einer großen Masse von Uran auszulösen. Das würde gewaltige Energiemengen freisetzen. Und dann kommt der Schlüsselsatz:</p>
<p>Zitator</p>
<p>„Dieses Phänomen könnte auch zum Bau von Bomben führen.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Und Einstein warnt, dass jemand bereits dabei sein könnte, diese neue, ungeheuer gefährliche Bombe zu bauen: Die Nationalsozialisten. Er empfiehlt den USA, selbst eine solche Bombe zu bauen – eine Atombombe.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die US-Führung ist jetzt alarmiert, erklärt Gerhard Krebs. </p>
<p>Der Historiker hat intensiv zur Endphase des Zweiten Weltkriegs geforscht und unter anderem in Berlin und Tokio gearbeitet.</p>
<p>Zusp 1 Krebs </p>
<p>Man fürchtete, dass die Deutschen den Amerikanern zuvorkommen und die Atombombe zuerst einsetzen. Deswegen brauchte man ein Gegengewicht. Und Abschreckungswaffe. Dass die schließlich gegen Japan eingesetzt wurde, lag daran, dass sie zu spät fertig wurde für Deutschland</p>
<p>Musik 2</p>
<p>&quot;End of War&quot; - Album: The Imitation Game (Original Motion Picture Soundtrack)</p>
<p>K: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;33</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Im August 1945, fast auf den Tag genau sechs Jahre nach Einsteins Brief, werden die USA die weltweit erste Atombombe abwerfen - über der japanischen Stadt Hiroshima, drei Tage später eine weitere über Nagasaki. Der Einsatz der Atombomben ist bis heute umstritten. Waren die Bomben und das Leid, das sie verursachten, gerechtfertigt? Wurde der Zweite Weltkrieg damit tatsächlich schneller beendet?</p>
<p>Musik 3</p>
<p>&quot;Tadaima&quot; - K: Ulrike Haage - Grüsse Aus Fukushima (Original Score)</p>
<p>- Länge: 0&#39;40</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im Sommer 1939 aber herrscht in den USA noch große Einigkeit: Man möchte den Nationalsozialisten unbedingt zuvorkommen und die Atombombe zuerst entwickeln. Die Eile ist verständlich. Dem Deutschen Otto Hahn ist kurz zuvor in Berlin die erste Kernspaltung gelungen. Deutsche Wissenschaftler gelten als führend auf dem Gebiet der Kernphysik.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Präsident Roosevelt befiehlt umgehend den Ausbau der US-amerikanischen Atomforschung. </p>
<p>Musik 4</p>
<p>&quot;These Walls&quot; K: Tyler Bates, Album: The Belko Experiment (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 1&#39;03</p>
<p>Sprecher</p>
<p>1942 startet dann ein gigantisches Forschungsprogramm: Das sogenannte Manhattan-Projekt. In der Wüste New Mexicos entsteht ein streng geheimes Labor: Los Alamos. Hier arbeiten Tausende hochqualifizierte Physiker und Techniker. Albert Einstein gehört übrigens nicht dazu. </p>
<p>Er gilt politisch als nicht zuverlässig genug. Im Wettlauf um die Atombombe mit den Nazis spielt Geld jetzt keine Rolle. Insgesamt werden in das Manhattan-Projekt damals zwei Milliarden Dollar investiert. Umgerechnet auf die heutige Kaufkraft wären das schätzungsweise über 20 Milliarden Dollar.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der Zweite Weltkrieg ist voll entbrannt. Die USA unterstützen zwar ihren Hauptverbündeten Großbritannien massiv, bleiben offiziell aber neutral. Das ändert sich im Dezember 1941. Japan greift überraschend Pearl Harbor an, den Hauptstützpunkt der US-Pazifikflotte auf Hawaii. Dutzende Schiffe werden zerstört. Weit über 2000 Menschen sterben. Nur einen Tag später erklären die USA Japan den Krieg.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Die amerikanische Öffentlichkeit war mehrheitlich lange dagegen, dass sich die USA am Zweiten Weltkrieg beteiligen. Pearl Harbor ändert die Stimmung. Viele US-Bürger drängen jetzt immer stärker auf eine harte Bestrafung der Japaner</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die US-Wissenschaftler machen unterdessen gewaltige Fortschritte. 1942 gelingt die erste von Menschen eingeleitete nukleare Kettenreaktion. Diese könnte riesige Energiemengen produzieren – ein Meilenstein auf dem Weg zur Atombombe.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Von solchen Erfolgen sind die Forscher im Deutschen Reich zur gleichen Zeit weit entfernt. Deshalb werden andere Prioritäten in der Waffenentwicklung gesetzt. Ganz eingestellt wird die Forschung an der Atombombe zwar nie, aber der von den USA angenommene Wettlauf mit dem NS-Regime – er ist schon früh keiner mehr. </p>
<p>Das wird endgültig klar, als Anfang 1945 die größten Teile Deutschlands besetzt sind - die Entwicklung der Atombombe wird in den USA trotzdem mit großem Einsatz fortgesetzt. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Mitten in der entscheidenden Schlussphase des Kriegs, am 12. April 1945, stirbt völlig unerwartet Präsident Roosevelt. Der Mann, der den Bau der Atombombe befohlen und maßgeblich vorangetrieben hat. Neuer Präsident der Vereinigten Staaten wird Harry S. Truman, der bisherige Vize-Präsident. Und jetzt zeigt sich, wie geheim die Entwicklung der Atombombe tatsächlich ist: </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Truman wird erst nach seiner Amtseinführung in das Projekt eingeweiht. Dazu kommt: Truman gilt auf der Bühne der Weltpolitik als völlig unerfahren. Viel Zeit zur Einarbeitung hat er nicht. Jetzt - gegen Ende des Zweiten Weltkriegs muss er täglich wichtige Entscheidungen treffen – darunter auch den weiteren Umgang mit der Atombombe. Zwar kapituliert das Deutsche Reich am 8. Mai und der Krieg in Europa ist beendet. Aber Präsident Truman warnt: </p>
<p>Zusp 2 Truman Rede</p>
<p>Our victory is but half-won. The West is free, but the East is still in bondage to the treacherous tyranny of the Japanese. When the last Japanese division has surrendered unconditionally, then only will our fighting job be done.</p>
<p>Zitator Overvoice Truman</p>
<p>Unser Sieg ist nur halb gewonnen. Der Westen ist frei, aber der Osten ist immer noch der verräterischen Tyrannei der Japaner ausgeliefert. Erst wenn die letzte japanische Einheit bedingungslos kapituliert hat, dann ist unsere kämpferische Aufgabe erledigt.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im Frühjahr 1945 haben die USA fast uneingeschränkte Lufthoheit über den japanischen Inseln. Die US-Luftwaffe fliegt jetzt immer verheerendere Bombenangriffe. Aber trotz der immer hoffnungsloseren Lage ist Japan weit davon entfernt sich zu ergeben. Noch immer kontrolliert es unter anderem die koreanische Halbinsel und die Mandschurei, ein großes Gebiet im Nordosten Chinas. Noch immer verkündet die japanische Führung aggressive Durchhalte-Parolen. </p>
<p>Musik 5</p>
<p>&quot;Tadaima&quot; - K: Ulrike Haage - Grüsse Aus Fukushima (Original Score)</p>
<p> - Länge: 1&#39;36</p>
<p>Sprecher</p>
<p>In den USA ist Präsident Truman inzwischen informiert worden, dass die erste Atombombe schon in wenigen Wochen fertig ist. Eine Frage wird jetzt immer drängender: Ob und wie sollte eine Atombombe eingesetzt werden? </p>
<p>Ursprünglich waren ja nur deutsche Städte als Abwurfziele vorgesehen. Jetzt gerät Japan in den Fokus. Wissenschaftler um den Physiker James Franck versuchen in dieser Zeit, Truman davon zu überzeugen, die Bombe nicht gegen Japan einzusetzen. Im sogenannten Franck-Report warnen sie vor einem Wettrüsten und schlagen stattdessen eine Demonstration der Atombombe vor der Weltöffentlichkeit über unbewohntem Gebiet vor. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Solche Vorschläge werden im sogenannten Interim Committee beraten. Politiker, Militärvertreter und andere Experten besprechen unterschiedliche Strategien zum Umgang mit der Atombombe. Die überraschend eindeutige Empfehlung lautet schließlich: Die Bombe soll so schnell wie möglich und ohne Vorwarnung über japanischen Städten abgeworfen werden. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der persönliche Berater von Präsident Truman und spätere US-Außenminister, James Byrnes, spielt bei dieser Empfehlung eine entscheidende Rolle. Er hat vor allem die Bevölkerung in den USA im Blick. </p>
<p>Eine Mehrheit fordert nach dem Angriff auf Pearl Harbor maximale Härte gegenüber Japan. Byrnes hat großen Einfluss auf den unerfahrenen Truman, erklärt Gerhard Krebs.</p>
<p>Zusp 3 Krebs</p>
<p>Eigentlich war die Mehrheit der Politiker und Militärs dafür, die Waffe nicht gegen Japan einzusetzen ohne Vorwarnung und möglichst nur gegen militärische Ziele. Der Scharfmacher war dann Byrnes. Mit Byrnes kippte die Stimmung. Weil der das Ohr von Truman erhielt. Wer das Ohr des Präsidenten hat, der entscheidet. </p>
<p>Musik 6</p>
<p>&quot;These Walls&quot; K: Tyler Bates, Album: The Belko Experiment (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;16</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im Juli 1945 überschlagen sich dann die Ereignisse. In den Laboren von Los Alamos ist es gelungen, die erste Atombombe der Welt fertigzustellen und für eine Testzündung vorzubereiten. </p>
<p>Musik 7</p>
<p>&quot;Head Tag&quot; - K: Tyler Bates, Album: The Belko Experiment (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;41</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Am 16. Juli explodiert sie am frühen Morgen in der Wüste von New Mexico. Auf einen gleißend hellen Blitz folgt ein orange-gelber Feuerball, der in Sekunden in den Himmel steigt. Zum ersten Mal entsteht der typische Atompilz. Noch in über 100 Kilometern Entfernung ist die Druckwelle zu spüren. Die Wissenschaftler sind völlig überrascht. Die Explosion ist dreimal so stark wie berechnet. Es ist tatsächlich die verheerende Bombe eines neuen Typs, die Einstein vorhergesagt hatte.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Währenddessen reist US-Präsident Truman nach Potsdam. Nach dem Ende des Kriegs in Europa wollen die Alliierten hier beraten, wie es weitergehen soll. Auch der britische Premierminister Winston Churchill und Josef Stalin, der sowjetische Regierungschef, kommen zur sogenannten Potsdamer Konferenz. </p>
<p>Als Truman die Nachricht vom erfolgreichen Atombombentest erhält, ist er euphorisiert. Nicht eingeweihte Beobachter in Potsdam registrieren überrascht, wie selbstbewusst Truman plötzlich auftritt. Stalin kann er allerdings kaum beeindrucken. Durch einen Spion in Los Alamos ist er bestens über die Fortschritte der Amerikaner informiert. </p>
<p>Musik 8</p>
<p>&quot;Tadaima&quot; - K: Ulrike Haage - Grüsse Aus Fukushima (Original Score)</p>
<p>- Länge: 0&#39;38</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der 24. Juli ist dann ein entscheidender Tag: Truman berät sich mit seinen engsten Vertrauten, darunter auch Hardliner James Byrnes. Und dann ordnet er von Potsdam aus an: Über Japan sollen Anfang August Atombomben abgeworfen werden. Im Einsatzbefehl werden auch gleich vier mögliche Ziele genannt. Darunter die Städte Hiroshima und Nagasaki. Beide Städte haben Militärbasen oder Rüstungsindustrie. Vor allem aber wurden sie bislang nur wenig zerstört, ideal, um die Wirkung der neuen Bombe zu testen.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Wenige Tage nach diesem Befehl wird die sogenannte Potsdamer Erklärung veröffentlicht. Unterzeichnet ist sie von den USA, nicht aber von der Sowjetunion. Diese befindet sich offiziell nicht mit Japan im Krieg und gilt als neutral. Die Erklärung soll eine letzte Warnung an Japan sein. Am Ende heißt es:</p>
<p>Zitator</p>
<p>Wir rufen die Regierung Japans auf, nunmehr die bedingungslose Kapitulation aller bewaffneten Kräfte Japans zu erklären und angemessene und adäquate Garantien ihres guten Willens in dieser Aktion zu zeigen. Die Alternative für Japan ist seine prompte und vollständige Zerstörung.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dass damit auch der Einsatz von Atomwaffen gemeint ist, erfährt die Öffentlichkeit nicht.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Niemand rechnet damit, dass Japan jetzt kapitulieren würde. Und tatsächlich erklärt der japanische Premierminister in einer Pressekonferenz, dass seine Regierung die Potsdamer Erklärung „ignorieren“ werde. Diese eindeutige Haltung der japanischen Regierung bedeutet in den Augen der USA: Die Atombomben werden abgeworfen. Der erste Atomsprengkörper ist da bereits auf einem Schiff unterwegs zu US-Stützpunkten im Südpazifik.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Diese öffentlich verkündete Absage Japans passt allerdings nicht zu dem, was hinter den Kulissen in der japanischen Führung diskutiert wird. Hier gibt es sehr wohl kritische Stimmen. Weil die Lage hoffnungslos ist, wollen sie ein schnelles Kriegsende erreichen. Der japanische Botschafter in Moskau sendet seit einiger Zeit vorsichtige Signale an die sowjetische Führung. Die Idee: Die offiziell neutrale Sowjetunion soll zwischen den Kriegsparteien vermitteln. Die japanische Elite hofft dabei noch einen akzeptablen Frieden zu erreichen und die geforderte bedingungslose Kapitulation zu verhindern. Denn eine zentrale Bedingung haben die Japaner, erklärt der Historiker und Japanologe Gerhard Krebs: Sie wollen um jeden Preis das Kaisertum erhalten. </p>
<p>Zusp 4 Krebs</p>
<p>Japan betrachtete sich als einmalige Staatsform in der Welt und der Kaiser war ja immerhin göttlicher Abkunft. Ohne Kaiser konnten sich die Japaner einen Weiterbestand ihrer Nation einfach nicht vorstellen.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Für Kaiser Hirohito sind die Japaner bereit, den schon so gut wie verlorenen Krieg fortzusetzen, auch wenn das den Untergang bedeutet.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Reaktionen aus Moskau auf die japanischen Botschaften waren allerdings sehr verhalten. Die Sowjetunion hatte längst beschlossen, Japan in Kürze selbst den Krieg zu erklären. Die Sowjets wollten sich die von Japan besetzten Gebiete sichern.</p>
<p>Musik 9</p>
<p>&quot;With Suspicion&quot; - Album: Gone Girl (Soundtrack from the Motion Picture) K und Ausführende: Atticus Ross &amp; Trent Reznor Länge: 0&#39;47</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Dann kommt der 6. August 1945: Vom US-Luftwaffenstützpunkt Tinian, mitten im Südpazifik, startet um kurz nach Mitternacht ein B29-Bomber: Sein Ziel ist Hiroshima, etwa 2500 Kilometer weit weg. An Bord ist nur eine einzige Bombe. Es ist die Atombombe mit dem Codenamen „Little Boy“, kleiner Junge. Etwa drei Meter lang, vier Tonnen schwer. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Um 8.15 Uhr kommt Hiroshima in Sicht. In einer Höhe von 10000 Metern klinkt die Besatzung die Bombe aus und dreht ab. </p>
<p>Musik 10</p>
<p>&quot;Head Tag&quot; - K: Tyler Bates, Album: The Belko Experiment (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;18</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Sekunden später explodiert die Atombombe über dem Stadtzentrum. Ein gleißend heller Blitz zuckt durch den Morgenhimmel. Im Kern der Explosion ist es mehrere Millionen Grad heiß. Am Boden herrschen immer noch an die 3000 Grad. Gebäude und Bäume verglühen. </p>
<p>Musik 11</p>
<p>&quot;Morbid Beauty&quot; - K: Martin Todsharow - Album: Der Hauptmann (Original Motion Picture Soundtrack) - 0&#39;53</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Die folgende Druck- und Hitzewelle zerstört die Innenstadt Hiroshimas fast komplett. Die Explosionskraft der Bombe entspricht etwa der von 11-13 Tausend Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffs TNT. Eine genaue Zählung der Toten ist unmöglich. An die 70-80 Tausend Einwohner Hiroshimas sterben sofort. </p>
<p>Von vielen bleibt nichts zurück. Die Körper verdampfen in der Explosions-Hitze. An den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung werden in den Jahren danach noch weitere zehntausende Menschen sterben. Darunter sind zwar auch Soldaten, die übergroße Mehrheit sind Zivilisten.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dieses Leid ist für US-Präsident Truman weit weg. In einer Ansprache stellt er das Geschehen anders dar.</p>
<p>Zusp 5 Truman Rede</p>
<p>The world will note that the first atomic bomb was dropped on Hiroshima, a military base. That was because we wished in this first attack to avoid, insofar as possible, the killing of civilians. But that attack is only a warning of things to come</p>
<p>Zitator Overvoice Truman</p>
<p>Die Welt muss zur Kenntnis nehmen, dass die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde. Eine Militärbasis. Wir haben in diesem ersten Angriff versucht, soweit wie möglich zu vermeiden, dass Zivilisten sterben. Aber dieser Angriff ist nur eine Warnung vor dem was kommen kann</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Eine offizielle Reaktion aus Japan auf den ersten Atombombenabwurf gibt es dagegen nicht. </p>
<p>Musik 12</p>
<p>&quot;With Suspicion&quot; - Album: Gone Girl (Soundtrack from the Motion Picture) K und Ausführende: Atticus Ross &amp; Trent Reznor Länge: 0&#39;34</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Schon drei Tage später, am Morgen des 9.8.1945 hebt wieder ein B29-Flugzeug in Richtung Japan ab. An Bord ist eine weitere Atombombe, Deckname „Fat Man“, „Dicker Mann“. Das Ziel ist eigentlich eine Stadt im Norden der japanischen Insel Kyushu. Da sie wegen einer dichten Wolkendecke nicht auszumachen ist, entscheidet sich die Crew das Ersatzziel anzufliegen: Nagasaki. </p>
<p>Musik 13</p>
<p>&quot;Head Tag&quot; - K: Tyler Bates, Album: The Belko Experiment (Original Motion Picture Soundtrack) - Länge: 0&#39;11</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Um 11.02 Uhr explodiert „Fat Man“ über der Stadt. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Die Bombe ist anders gebaut als die Hiroshima-Bombe. Die Explosionskraft von „Fat Man“ ist fast eineinhalbmal so stark. </p>
<p>Musik 14</p>
<p>&quot;Morbid Beauty&quot; - K: Martin Todsharow - Album: Der Hauptmann (Original Motion Picture Soundtrack) - 0&#39;59</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Die Ausbreitung der typischen Schockwelle wird allerdings durch Hügel am Stadtrand abgebremst. Dennoch sterben auch in Nagasaki mindestens 20.000 Menschen, nach anderen Schätzungen sogar 70 bis 80.000 Menschen sofort und Tausende in der Zeit danach an den Spätfolgen, etwa durch die radioaktive Strahlung. Auch hier sind die meisten Opfer Zivilisten. Das eigentliche Ziel, eine Rüstungsfabrik, hat die Bombe verfehlt.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Einen Tag später dann die Wende: Zwar sind immer noch Teile der japanischen Führung vehement dafür, den Krieg fortzusetzen. Aber nach einem Machtwort von Kaiser Hirohito erklärt Japan, dass man nun bereit wäre zu kapitulieren.</p>
<p>Zusp 6 Rede Kaiser</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Am 15. August hören viele Japaner zum ersten Mal die Stimme des Kaisers. In einer Radioansprache verkündet er das Ende des Krieges. Der Feind habe begonnen, eine neue, ungeheuer grausame Bombe einzusetzen, deren Zerstörungskraft unermesslich sei und unschuldige Leben fordere, sagt er.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und eine kontroverse Debatte beginnt, die bis heute geführt wird. Waren die Abwürfe der Atombomben gerechtfertigt? </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Dank der Atombombe kapitulierte Japan und der Zweite Weltkrieg ging deutlich früher zu Ende. So ist es in vielen Lexika bis heute zu lesen. Und davon sind nach wie vor viele Historiker und auch große Teile der US-amerikanischen Öffentlichkeit überzeugt. Die USA hätten keine andere Möglichkeit gehabt, als die beiden zerstörerischen Bomben einzusetzen, um den Krieg zu beenden. Manche gehen noch weiter und erklären, dass die Atombomben auch Leben gerettet hätten: Denn ohne die Bomben wäre eine Invasion auf den japanischen Inseln nötig gewesen und die hätte zehntausende US-Soldaten möglicherweise das Leben gekostet.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Nicht nur in den USA, auch in Japan haben bis heute manche ein großes Interesse daran, dass diese Version weiterverbreitet wird. Auch der Kaiser hatte ja betont, dass die Bomben der entscheidende Grund für die Aufgabe Japans waren. Die Logik dahinter: Japan hat zwar in Ostasien einen aggressiven Angriffskrieg begonnen – dank der Atombomben konnte man sich jetzt aber auch zum Opfer einer heimtückischen Waffe erklären. Die massiven Kriegsverbrechen, für die Japan verantwortlich ist, versuchen manche dahinter zu verstecken.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Aber waren die Atombomben wirklich kriegsentscheidend? </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dafür ist die Zeit zwischen den Atombombenabwürfen besonders interessant: Da versucht Japan nochmal in Moskau vorzufühlen. Man hofft immer noch auf eine Vermittlung eines möglichst annehmbaren Friedens durch die Sowjets. </p>
<p>Aber stattdessen erklärt die Sowjetunion am 8. August 1945 Japan den Krieg. Sowjetische Soldaten greifen wenige Stunden später japanische Truppen in China an. Vergleicht man die sowjetische Kriegserklärung mit den Atombombenabwürfen, dann steht für Historiker Gerhard Krebs fest:</p>
<p>Zusp 7 Krebs</p>
<p>Der Kriegseintritt der Sowjetunion war sicher der größere Schock. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Andere Historiker sehen das inzwischen ähnlich. Sie sind überzeugt: Die Atombomben hatten zwar eine bis dahin ungekannte Zerstörungskraft. Gleichzeitig war ihre Wirkung vergleichbar mit dem, was Japan in den Monaten zuvor schon viele Male erlebt hatte, nämlich verheerende amerikanische Flächenbombardements mit tausenden Sprengkörpern. Über die Folgeschäden durch radioaktive Strahlung war damals noch wenig bekannt. Außerdem ging Japan davon aus, dass die USA nur wenige einsatzbereite Atombomben haben würden.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der Kriegseintritt der Sowjetunion trifft Japan dagegen doppelt. Zum einen muss Japan nun an einer weiteren Front kämpfen und es befürchtet, dass der Kommunismus sich immer mehr ausbreiten könnte. Zum anderen ist jetzt klar: Alle Hoffnungen der Japaner waren umsonst - die Sowjets würden nicht dabei helfen einen Frieden zu vermitteln. Japan ist endgültig allein.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Auch wegen solcher Erkenntnisse wächst in den Jahren nach 1945 die Kritik an den USA. Hätten die USA die Folgen des sowjetischen Kriegseintritts nicht besser mit einkalkulieren können? Mussten die Bomben fallen, schon allein, um die gewaltigen Milliarden-Investitionen zu rechtfertigen? </p>
<p>Hätten die USA früher kompromissbereiter sein sollen gegenüber Japan? Nach Kriegsende durfte der Kaiser nämlich, wie von Japan gefordert, tatsächlich im Amt bleiben. Eine Hoffnung der USA war, dass die japanische Gesellschaft so kooperativer sein würde in der Nachkriegszeit. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dazu kommen Überlegungen, dass die Atombomben möglicherweise auch abgeworfen wurden, weil der Kalte Krieg sich schon ankündigte. Auch das spielte wohl eine Rolle, glaubt Gerhard Krebs:</p>
<p>Zusp 8 Krebs</p>
<p>Sicher wollte Truman auch die Sowjetunion beeindrucken. Er hatte schon Bauchschmerzen, wegen der Ausbreitung der Sowjets in Osteuropa, besonders in Polen. Und es sollte sicher auch als Warnschuss für die Sowjetunion dienen. (Hart ausblenden)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Und für manche Wissenschaftler steht fest – die USA hätten die Friedensinitiative der Japaner über Moskau ernster nehmen sollen. Dann wäre ein Frieden schnell möglich gewesen. Allerdings könnte diese Position etwas zu optimistisch sein. Zu unklar waren die japanischen Positionen, zu laut die offizielle Propaganda, die den Krieg unerbittlich fortsetzen wollte. Mit Blick auf die Atombombe steht für Gerhard Krebs aber insgesamt fest:</p>
<p>Zusp 9 Krebs</p>
<p>Man hätte es anders lösen sollen. Man hätte nicht ohne Vorwarnung die Bomben abwerfen sollen und vor allem nicht die zweite so schnell. </p>
<p>Musik 15:</p>
<p>&quot;End of War&quot; - Album: The Imitation Game (Original Motion Picture Soundtrack)</p>
<p>K: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;39</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Auch viele Beteiligte bereuten später die Art und Weise, wie mit den Atombomben umgegangen wurde. Und Albert Einstein vertraut einige Jahre später einem Bekannten an, wie sehr er es bedauert, dass er einen entscheidenden Anstoß für die Entwicklung der Atombomben gab.</p>
<p>Zitator</p>
<p>„Ich beging einen großen Fehler meines Lebens, als ich den Brief an Präsident Roosevelt unterschrieb, in dem ich die Herstellung der Atombombe empfahl.“</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Antibiotika - Medizin-Revolution mit Nebenwirkungen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/antibiotika-medizin-revolution-mit-nebenwirkungen/1644774</link>
      <pubDate>Wed, 06 Aug 2025 03:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">12adb518-86c7-473c-8602-d11b2373b3f0</guid>
      <description>Wir leben im Zeitalter des Antibiotikums. Krankheiten wie Tuberkulose sind heilbar, auch entzündete Wunden können uns kaum etwas anhaben. Doch Resistenzen werden immer häufiger. (BR 2019)  </description>
      <enclosure length="22094994" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1644774/c/feed/antibiotika-medizin-revolution-mit-nebenwirkungen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:00</itunes:duration>
      <itunes:author>Yvonne Maier</itunes:author>
      <itunes:summary>Wir leben im Zeitalter des Antibiotikums. Krankheiten wie Tuberkulose sind heilbar, auch entzündete Wunden können uns kaum etwas anhaben. Doch Resistenzen werden immer häufiger. (BR 2019)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9e6abf51-d2a0-4b0e-9392-390dd1ca1b21.jpeg?w=1800"/>
    </item>
    <item>
      <title>Uruk und wie alles begann - Die Anfänge der Moderne in der Vorgeschichte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/uruk-und-wie-alles-begann-die-anfaenge-der-moderne-in-der-vorgeschichte/2049541</link>
      <pubDate>Wed, 06 Aug 2025 02:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">27b9e58f-a704-41d2-b510-5d472525d2c6</guid>
      <description>Eine antike City der Superlative: Uruk. Die Stadt war die erste Stadt der Welt - eine Megapolis mit bis zu 50 000 Menschen. Sie entstand im 5. Jt. v.Chr. im Süden des heutigen Irak. Von Christine Hamel (BR 2023) </description>
      <enclosure length="23306880" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2049541/c/feed/uruk-und-wie-alles-begann-die-anfaenge-der-moderne-in-der-vorgeschichte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Christine Hamel</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine antike City der Superlative: Uruk. Die Stadt war die erste Stadt der Welt - eine Megapolis mit bis zu 50 000 Menschen. Sie entstand im 5. Jt. v.Chr. im Süden des heutigen Irak. Von Christine Hamel (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/06d75ce7-fc5b-4e6e-a231-5a6fe7a9cb6c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine antike City der Superlative: Uruk. Die Stadt war die erste Stadt der Welt - eine Megapolis mit bis zu 50 000 Menschen. Sie entstand im 5. Jt. v.Chr. im Süden des heutigen Irak. Von Christine Hamel (BR 2023) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Christine Hamel<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle, Christian Baumann, Friedrich Schloffer, Katja Amberger<br/>Technik: Wolfgang Lösch<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>In Mesopotamien, im heutigen Irak, entstand vor rund 5.200 Jahren die erste Schrift. Die Keilschrift war kompliziert und dennoch sehr weit verbreitet. Lesen und Schreiben war der Oberschicht vorbehalten. <br/>Die Erfindung der Schrift - Vom Bild zum Symbol<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-erfindung-der-schrift-vom-bild-zum-symbol/bayern-2/12157473/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-uruk-wie-alles-begann-epos-antike-megapolis-gilgamesch-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>&quot;Pirate Queens&quot;. Frauen unter der Totenkopf-Flagge</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pirate-queens-frauen-unter-der-totenkopf-flagge/2108256</link>
      <pubDate>Tue, 05 Aug 2025 15:03:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">084956b9-14b4-40c6-8996-3e8259365ac9</guid>
      <description>Sie sind Mythos: &quot;Pirate Queens&quot;, Seeräuberinnen, der Schrecken der Karibik. Es gab sie wirklich, sie waren reale Personen in der Geschichte der Piraterie. Als Abenteurerinnen, Kämpferinnen für Frauenrechte und leidenschaftliche Liebhaberinnen sind sie zu Ikonen der Popkultur geworden. Autor: Frank Halbach </description>
      <enclosure length="21785088" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108256/c/feed/pirate-queens-frauen-unter-der-totenkopf-flagge.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:41</itunes:duration>
      <itunes:author>Halbach, Frank</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie sind Mythos: &quot;Pirate Queens&quot;, Seeräuberinnen, der Schrecken der Karibik. Es gab sie wirklich, sie waren reale Personen in der Geschichte der Piraterie. Als Abenteurerinnen, Kämpferinnen für Frauenrechte und leidenschaftliche Liebhaberinnen sind sie zu Ikonen der Popkultur geworden. Autor: Frank Halbach </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f590577a-9c68-48f3-8fc4-cf57289696ae.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie sind Mythos: "Pirate Queens", Seeräuberinnen, der Schrecken der Karibik. Es gab sie wirklich, sie waren reale Personen in der Geschichte der Piraterie. Als Abenteurerinnen, Kämpferinnen für Frauenrechte und leidenschaftliche Liebhaberinnen sind sie zu Ikonen der Popkultur geworden. Autor: Frank Halbach </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge:  Frank Halbach <br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Katja Bürkle, Sophie Rogall und Sven Hussock <br/> Technik: Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Katharina Hübel </p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>- PD Dr. phil. habil. Jan Simon Karstens, Deutsches Historisches Institut Paris; Leiter des Forschungsprojekts Seefahrende und Seereisende Frauen in der Frühen Neuzeit und Autor <br/> <br/></p>
<p><strong>Literatur: </strong></p>
<p>- Simon Karstens: „Pirate Queens?” Was uns historische Quellen über Mary Read und Ann Bonny verraten – und was nicht. Identifying Maritime Women in the Age of Sail. Abgerufen am 14. Mai 2025 von https://doi.org/10.58079/vb7g</p>
<p>(sehr differenzierte Auseinandersetzung mit den Quellen und wie ein Mythos daraus entstand)</p>
<p>- Robert Bohn: Die Piraten. München 2020.</p>
<p>(Schilderung der der Wirklichkeit des Piratenlebens im Goldenen Zeitalter der Seeräuberei)</p>
<p>- Captain Charles Johnson: „Umfassende Geschichte der Räubereien und Mordtaten der berüchtigten Piraten. Frankfurt am Main 1982.</p>

<p>(Die ebenso umstrittene wie bedeutsame Schilderung der Geschichte von Anne Bonny und Mary Read, die sie zum Mythos gemacht hat.</p>
<br/>
<p><strong>Besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Frauengeschichte:</strong></p>
<p>Wenn ihr euch für noch mehr spannende und überraschende Frauengeschichten interessiert, dann können wir euch den BR-Instagram-Kanal FrauenGeschichte empfehlen. Den findet ihr hier: <a title="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">https://www.instagram.com/frauen_geschichte/</a>. Und den Podcast zum FrauenGeschichte-Kanal findet ihr in der ARD Audiothek: Ein Zimmer für uns allein: <a title="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/">https://www.ardaudiothek.de/sendung/ein-zimmer-fuer-uns-allein/urn:ard:show:0901ee64e854603b/</a></p>
<p> </p>
<p><strong>Hörspiel-Podcast über Anne Bonny beim WDR:</strong></p>
<p>Ihr wollt mehr über die wohl berühmteste Piratin der Karibik erfahren? Der Hörspiel-Podcast „Anne Bonny. Die Piratin“ erzählt ihre Lebensgeschichte als großes Abenteuer-Epos:<br/> <a href="https://www1.wdr.de/radio/hoerspiel/podcast/annebonny/index.html">Anne Bonny. Die Piratin - Infos und Hintergründe - Hörspiel - Radio - WDR</a></p>
<p><br/></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>

<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-superheldin-patriarchales-konstrukt-oder-popstar/bayern-2/94667434/">Die Superheldin - Patriarchales Konstrukt oder Popstar?</a></strong></p>
<p> Als Wonder Woman, Black Widow oder Catwoman ist sie heute Teil der Popkultur: Die Superheldin. Doch bis heute ist sie nicht frei von patriarchalen Konstrukten: Sie muss erotisch sein und friedfertig. „Weiblich“ eben – oder verlieren. Fragt sich, wie lange die Superheldin sich das noch gefallen lassen wird.</p>

<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:a51f93201e5e1a55/">Emma Goldman - Anarchie, Freiheit und Frauenrechte</a></strong></p>
<p>Die radikale Aktivistin Emma Goldman hat für Anarchie, Freiheit und Frauenrechte gekämpft. Sie war Zeugin der Russischen Revolution von 1917 und nahm 1936 am Spanischen Bürgerkrieg teil. Eine herausragende Persönlichkeit in ihrer Zeit – und nach wie vor eine Ikone, die auf T-Shirts gedruckt wird.</p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frauen-auf-raedern-wie-radfahren-frauen-emanzipierte/2094888">Frauen auf Rädern - Wie Radfahren Frauen emanzipierte</a></strong></p>
<p>Fahrradfahren – und Feminismus. Zwei Themen die auf den ersten Blick wenig zusammenpassen. Doch Ende des 19. Jahrhunderts war es eine Revolution, dass auch Frauen sich aufs Bicycle schwingen wollten. Das passte ganz und gar nicht zum gesellschaftlich erwünschten Bild der schwachen Frau.</p>

<p><a title="EXTERN" href="https://womensail.hypotheses.org/"><strong>Identifying Maritime Women in the Age of Sail</strong></a></p>
<p>Der Forschungsblog von Historiker Simon Karstens, auf dem er gut verständlich in einzelnen Artikeln u. a. die historischen Quellen zu den legendären „Pirate Queens“ ausgewertet hat</p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-pirate-queens-unter-totenkopfflagge-anne-bonny-karibik-piratin-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>In die Wanten, ihr faulen Nichtsnutze! Sonst mach ich euch mit der Neunschwänzigen Beine! Hisst die schwarze Flagge und setzt die „Revenge“ vor den Wind. <em>(Peitschenknallen) </em></p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Karibik Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts: Das Goldene Zeitalter der Piraterie.</p>
<p> </p>
<p><em>ATMO </em><em>hoch</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bringt sie längsseits! Versetzen wir ihnen eine Breitseite! Kanonen - Feuer!</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Geräusch Kanonendonner, -einschläge, Seegefecht</em></p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Es ist eine Zeit, um die sich viele Abenteuer und Legenden ranken. Aber auch eine Zeit, in der Piraten tatsächlich massiv die Meere unsicher machten. Der spanische Erbfolgekrieg schlägt auch Wellen auf den Ozeanen: Freibeuter sind im Interesse Englands auf der Jagd nach spanischen Schatzschiffen - der legendären Silberflotte, die voll beladen und begleitet von Kriegsschiffen zurücksegelt nach Europa. Offene Piraterie beim Überfall auf Sklavenschiffe. Seeräuber, die alle vorherrschenden Konventionen über Rasse, Klasse, Nation und Geschlecht in Frage stellten, verklärt zu einer heldenhaften und ruhmreichen Kameradschaft im herrschaftsfreien Raum der hohen See</p>
<p> </p>
<p>ATMO <em>hoch Seeschlacht, Entern</em> </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Alles klar zum Entern! Vorwärts Männer! Folgt Eurer Kapitänin! <em>(schwingt sich vom Schiff) </em>Aiiiiiiii!</p>
<p> </p>
<p>ATMO <em>hoch dann ganz leise blenden; </em>MUSIK 1 <em>langsam</em> <em>überblenden in</em> MUSIK 2 <em>„Trinkt aus Piraten, yo-ho“</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ähm. Kapitänin? Seeräuberromantik schön und gut – aber: Piratinnen? Das ist ja jetzt wirklich unglaubwürdig - Woke Erfindungen der Popkultur!</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Von wegen, du Landratte! Es gab sie wirklich: Die „Piratinnen der Karibik&quot;. </p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sogar ihre Namen kennen wir aus historischen Quellen – und in ebensolche musste es erstmal überhaupt eine Frau schaffen Anfang des 18. Jahrhunderts: Anne Bonny und Mary Read waren legendär. Sie erlangten in der Piratenszene nicht nur als gewöhnliche Seeräuberinnen Ruhm, sondern sie galten sogar als berüchtigte Anführerinnen und Kapitäninnen </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Schrecken aller Gouverneure – Sie waren die Pirate Queens, die Piratenköniginnen!</p>
<p> </p>
<p><em>MUSIK</em></p>
<p> </p>
<p><em>darüber</em> SPRECHER <em>(abschätzig)</em><em></em></p>
<p>Die Piratinnen der Karibik! Aufgebauschtes Seemannsgarn! Lächerlich.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nein! Eine wahre Geschichte! Die viele Menschen auch heute noch inspiriert. </p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Piratinnen Anne Bonny und Mary Read sind Heldinnen der 38 Episoden umfassenden US-Fernseh-Serie „Black Sails“…</p>

<p>SPRECHER<em> (spöttisch)</em></p>
<p>…die die Vorgeschichte zu Robert Louis Stevenson haarsträubenden Abenteuerroman „Die Schatzinsel“ erzählt. Alles nur ausgedacht. Eine imaginäre Welt!</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sie sind die Hauptfiguren im Hörspiel-Podcast des WDR „Anne Bonny. Die Piratin“.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die wahre Geschichte der berühmtesten Piratin der Karibik!</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wahr! Nie im Leben!</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Piratinnen sind die Protagonistinnen von…</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(unterbrechend, abwertend)</em></p>
<p>Spielfilmen, Comics und Abenteuerromanen!</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(auftrumpfend)</em></p>
<p>Von Fernsehdokumentationen, Sachbüchern und Biographien.</p>

<p>ERZÄHLERIN <em>(vermittelnd)</em></p>
<p>Die Pirate Queens, die Piratinnen der Karibik, Anne Bonny und Mary Read – echte Menschen? Reale Figuren der Geschichte? Oder Fiktion, Fantasieprodukte, Mythos?</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>MUSIK ENDE</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>01 O-Ton Karstens </p>
<p><em>Ja, Read und Bonny, die hat es gegeben. Sie wurden nachweislich von der Obrigkeit gejagt, sie haben Menschen überfallen, sie sind gefangen genommen worden und von einem Gericht rechtskräftig zum Tode verurteilt worden. All das wissen wir und können wir beweisen.</em> </p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sagt der Historiker Dr. Simon Karstens, der sich eingehend mit den Piratinnen befasst hat In einem Forschungsprojekt am Deutschen Historischen Institut Paris untersucht er Seefahrende und Seereisende Frauen in der Frühen und er betreibt einen Forschungsblog zu dem Thema. Zu Mary Read und Anne Bonny. </p>
<p><strong> </strong></p>
<p>02 O-Ton Karstens </p>
<p><em>Bereits direkt nachdem sie gestorben sind, ist ein Mythos über sie entstanden. Eine Geschichte, die selbst eine Geschichte hat, eine Legende mit Vergangenheit sozusagen. Und dieser Mythos ist fast genauso alt wie sie selbst. Und an dem Mythos ist nicht unbedingt so viel Wahres dran.</em></p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Simon Karstens untersucht die Präsenz und Bedeutung historischer Akteurinnen in maritimen Räumen einerseits und die Konstruktion von Geschlechterrollen und -grenzen andererseits..</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(engagiert)</em></p>
<p>Und er bestätigt, dass es die Piratinnen gegeben hat.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(abwiegelnd)</em></p>
<p>Und dass an der Geschichte um sie nicht viel Wahres dran ist.</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Eine Legende, die eine Geschichte hat. Und sie beginnt mit einem Buch, das seinerzeit ein Bestseller war und unser Bild von Piraten bis heute prägt: Charles Johnson’s „A General History of the Pyrates” – „eine allgemeine Geschichte der Piraten“ aus dem Jahr 1724.</p>
<p> </p>
<p>03 O-Ton Karstens </p>
<p><em>Wir wissen nicht mal, wer der Autor tatsächlich ist. ((Es gab da lange Zeit Theorien, ob vielleicht Daniel Defoe, der Autor von unter anderem berühmten Geschichten auch über Seefahrt und Piraterie eine Rolle gespielt hat. Aber das gilt als widerlegt. Und es gibt viele Überlegungen, aber es war ein Pseudonym. Wir wissen nicht, wer der Autor ist.)) Belegen können wir den Herausgeber Charles Rivington, der in London für das Marketing zuständig war, mit dem Buch auch das ganze Geld verdient hat.</em></p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Als Verleger ahnte er, dass seine Leser sich für Piratinnen besonders interessieren würden.</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>„Frauen an Bord“ – so gut wie immer präsentiert als freiheitsliebende Piratin oder Piratenbraut – sind seit dem 18. Jahrhundert ein etabliertes Element in den populären Medien – von Flugschriften und frühen Historienwerken damals über Romane und Opern bis zu den Filmen und Computerspielen von heute. Es hat sich einfach schon immer gut verkauft – es klingt nach Skandal, nach Faszinosum – die Bildzeitungs-Headlines von damals eben.</p>
<p>Dementsprechend warb Rivington auf dem Titelblatt mit der sensationellen Geschichte der beiden Frauen.</p>
<p> </p>
<p>((SPRECHER</p>
<p>Dazu griff er tief in die Klamottenkiste der Klischees, beziehungsweise dachte sich gleich einfach etwas aus, von dem er glaubte, dass es sich gut verkaufen würde.))</p>
<p> </p>
<p>04 O-Ton Karstens </p>
<p><em>Die Werbung verspricht eigentlich mehr, als das Buch dann hält. Und wenn wir ein bisschen darüber reden, was für einen Mythos er selber schon spinnt, der Johnson, was für eine Geschichte er erzählt, dann finde ich es total spannend zu sehen, wie wichtig für Johnson ist, zu erklären, warum diese Frauen Piratinnen wurden. ((Die Vorgeschichte, das Leben, sogar die Eltern und die Moral der Eltern sind für ihn viel wichtiger, als die Piratentaten, auf die heute jeder gucken würde.)) Er will sein Publikum erklären, warum Frauen Verbrecherinnen geworden sind und für eine Weile die Geschlechtergrenzen ihrer Zeit in Frage gestellt haben. Und das ist komplett geprägt von dem Wertesystem, von den moralischen Konventionen seiner Zeit, dem ist alles ein- und zugeordnet.</em></p>
<p> </p>
<p><em>MUSIK 3 </em><em>„Black Sails Theme and Variations“</em><em></em></p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(herausfordernd)</em></p>
<p>Frauen, die es wagen alle Normen und Konventionen in Frage zu stellen. Im 18. Jahrhundert! Die eine Gesellschaft herausfordern, der der Aufstieg von Frauen zu Anführerinnen, Kapitäninnen, Piratenköniginnen ein Dorn im Auge ist!</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Eine Einordnung als Anführerin, Kapitänin oder gar als Piratenkönigin ist laut Simon Karstens unbelegbar und unzutreffend. Aber ist es für Frauen im 18. Jahrhundert nicht Leistung genug, vollwertiges Mitglied einer Seeräubercrew zu sein?</p>
<p> </p>
<p>05 O-Ton Karstens </p>
<p><em>Die Frauen sind den Männern, wenn sie mal die Männerkleidung anlegen völlig ebenbürtig. Beide Frauen sind also an Bord Teil der Bordgemeinschaft</em></p>
<p> </p>
<p>ATMO <em>Säbelgefecht</em></p>
<p>SPRECHERIN <em>(intensiv)</em></p>
<p>&quot;Die beiden Frauen trugen Männerjacken und lange Hosen und um den Kopf gebundene Taschentücher; jede von ihnen hatte eine Machete und eine Pistole in der Hand.&quot; </p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So beschreibt eine Zeugenaussage die beiden Piratinnen im Prozessbericht von 1721. Einem Prozess, bei dem sie ihrer Verbrechen angeklagt wurden.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(begeistert)</em></p>
<p>Sie waren Heldinnen feministischer Emanzipation und des Crossdressing.</p>
<p> </p>
<p>ATMO ENDE</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(abwiegelnd)</em></p>
<p>Man kam in der Gesellschaft des frühen 18. Jahrhunderts in Männerkleidern einfach besser durch als in Frauengewändern, zumal auf einem Schiff.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(überschwänglich) </em></p>
<p>Und beide liebten einander: Sie waren Female Pirate Lovers, Vorkämpferinnen lesbischer Liebe und fochten für Freiheit und gegen Ausgrenzung.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(nüchtern)</em></p>
<p>Lesbische Liebe, offen gelebt? Vorkämpferinnen für die Lgbtqi-Community im 18. Jahrhundert? Und dann noch female leadership? Dein Ernst? </p>
<p> </p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Von einer romantischen oder sexuellen Beziehung zwischen beiden Frauen ist in den Quellen in der Tat nirgendwo die Rede. </p>
<p> </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p> </p>
<p>06 O-Ton Karstens (11:43)</p>
<p><em>Während Read keusch lebt und ihre Tarnung gut aufrecht erhält, hat Anne Bonny mit Jack Rackham eine Affäre, wird mehrfach schwanger, bringt Kinder zur Welt, wofür sie eine Weile an Land geht und kehrten immer wieder an Bord zurück. Und spannend ist natürlich der Moment, sind wir so schon am Ende des Mythos, als Anne Bonnys promiskuitive Natur durchkommt sozusagen, die Johnson ihr zuschreibt, dass sie sich in die   junge Mary Reed verliebt, den sie als Mann ansieht, sich enttarnt als Frau und eine Affäre neben der Beziehung zu Rackham mit ihm führen möchte. Mary Read aber sofort zurückenttarnt und sagt: Ich bin eine Frau. Und danach sind die die beiden dann nur Bordkameradinnen, Freundinnen.</em></p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Anne Bonny und Mary Read bedienen zwei verschiedene Klischeerollen von Frauen für das Publikum von Johnsons Piratengeschichte: Die keusche, sexuell enthaltsame Mary Read, die auf den richtigen Mann wartet und die unmoralische verdorbene Anne Bonny. Der Löwenanteil des Kapitels über Anne Bonny behandelt ihre Mutter - die auch schon eine unmoralische Frau gewesen sei. Woher auch immer der Autor das zu wissen glaubt.</p>
<p> </p>
<p>MUSIK 4 „On the Beach“ <em>ab 00:25</em></p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(aburteilend)</em></p>
<p>Dementsprechend ist Anne ein uneheliches Kind…</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(parteiisch)</em></p>
<p>…hat gegen den Willen ihres Vaters einen Seemann geheiratet…</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(ablehnend)</em></p>
<p>…den sie sitzen lässt, nachdem sie ein Dienstmädchen mit einem Buttermesser erstochen und einen Mann krankenhausreif geschlagen hat.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(protestierend)</em></p>
<p>Weil der versucht hat, sie zu vergewaltigen.</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Was damals als verworfen und böse galt, werten wir heute teilweise als berechtigt, als emanzipiert, sogar heldinnenhaft. Frauen in Männerkleidung waren als literarische Figuren schon Anfang des 18. Jahrhunderts keineswegs unbekannt. In Liedern, Flugblättern und Geschichten ziehen Frauen zeitweise in den Krieg oder fahren zur See.  </p>
<p> </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p> </p>
<p>07 O-Ton Karstens (16:08)</p>
<p><em>Und da geht es immer um die Frage das sind Ausnahmen. Wie passiert das? Wie kommt es zu dieser Ausnahme? Und das Ziel ist aber immer am Ende, diese Ausnahme wieder einzufangen, damit es kein Appell zur Rebellion, kein Aufruf zum Bruch mit den Normen ist, sondern letztlich die Ausnahme die Norm wieder bestätigt. Das ist für diesen Topos an Literatur, für dieses Genre, für die Geschichten, sehr wichtig und das macht Johnson letztlich auch mit seinen Figuren.</em></p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(leicht triumphierend)</em></p>
<p>Figuren! Also Erfindung! Piratinnen, lesbischen Heldinnen, Abenteurerinnen, Entdeckerinnen: nichts weiter als Mythen!</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aber weshalb interessiert uns diese Mythen heute? Wie kam es zum Mythos von den Pirate Queens? Und wann hat es angefangen?</p>
<p> </p>
<p>08 O-Ton Karstens (21:09) </p>
<p><em>Ich glaube, damit ein Mythos gut funktioniert, braucht es den besonderen Anreiz eines wahren Kerns. Aber es braucht genug Unschärfen, Unsicherheiten, genug Lücken, die Spekulationen zulassen und vielleicht sogar schon eine Geschichte von tollen, spannenden Spekulationen. Und das kommt hier bei diesen Fällen schon 1724 bei Johnson zusammen; also der Geburtsstunde der medialen Präsenz dieser beiden Akteurinnen. Da haben wir bereits einen Mythos in Reinkultur.</em></p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN <em>(engagiert)</em></p>
<p>Ein Mythos mit einem wahren Kern: Die Piratinnen haben gelebt, geliebt und gekämpft.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER <em>(ablehnend)</em></p>
<p>Aber schon <em>die</em> Quelle schlechthin, Johnsons „History of the Pyrates“ eine Ansammlung von Gerüchten, Erfindungen – fragwürdig und unzuverlässig.</p>
<p> </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wir haben weder von Anne Bonny noch von Mary Read ein Tagebuch, einen Brief, nicht einmal einen Eintrag im Bordbuch. Aber es gibt einen 45 Seiten umfassenden Prozessbericht: Gerichtsprotokolle über die Anklage, Zeugenaussagen und Beschreibungen des Verhaltens der beiden angeklagten Piratinnen. Der Prozess findet am 29. November 1721 statt nachdem Käpt’n Rackham und die anderen männlichen Piraten bereits abgeurteilt worden sind.</p>
<p> </p>
<p>09 O-Ton Karstens (21:09)</p>
<p><em>William Morris, der königliche Ankläger verliest die gesamten Anklagepunkte. Und bemerkenswert ist: Es werden ihnen exakt die gleichen Sachen vorgeworfen, die gleichen Delikte und Verbrechen, wie der männlichen Crew. Es gibt keine Anklage – wie es manche Leute behaupten - weil sie Männerkleidung getragen hätten oder so etwas. Das ist nicht justiziabel für das Marinegericht, das da tätig wird. Für die geht es um Bildung einer verbrecherischen Vereinigung, Seeraub, Gewaltausübung, Nötigung und solche Delikte.</em></p>
<p> </p>
<p>MUSIK 5 A Nation of Thieves</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Gericht verurteilt beide zum Tode.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Woraufhin beide Frauen erstmals erwähnen, dass sie schwanger sind. </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sie bitten um einen Aufschub bis zur Entbindung. </p>
<p> </p>
<p>SPRECHEER</p>
<p>Das war damals durchaus üblich in solchen Fällen. </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Bavaria - Symbol und Wahrzeichen Bayerns</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-bavaria-symbol-und-wahrzeichen-bayerns/2095190</link>
      <pubDate>Tue, 05 Aug 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">117f9682-41aa-4cfd-ac10-ba451a3dd745</guid>
      <description>Sie ist weibliche Symbolgestalt und weltliche Schutzherrin des Freistaats: Die Bavaria. Als Statue, auf Gemälden, in Wappen oder über Hauseingängen begegnet sie uns. Doch ihre berühmteste Darstellung ist die fast 20 Meter hohe Statue, die vor der Ruhmeshalle über die Theresienwiese wacht. Von Frank Halbach (BR 2024)   </description>
      <enclosure length="22348416" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095190/c/feed/die-bavaria-symbol-und-wahrzeichen-bayerns.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Frank Halbach</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie ist weibliche Symbolgestalt und weltliche Schutzherrin des Freistaats: Die Bavaria. Als Statue, auf Gemälden, in Wappen oder über Hauseingängen begegnet sie uns. Doch ihre berühmteste Darstellung ist die fast 20 Meter hohe Statue, die vor der Ruhmeshalle über die Theresienwiese wacht. Von Frank Halbach (BR 2024)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/01ab8bfd-3ab6-4813-a14a-abafa1b6d139.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie ist weibliche Symbolgestalt und weltliche Schutzherrin des Freistaats: Die Bavaria. Als Statue, auf Gemälden, in Wappen oder über Hauseingängen begegnet sie uns. Doch ihre berühmteste Darstellung ist die fast 20 Meter hohe Statue, die vor der Ruhmeshalle über die Theresienwiese wacht. Von Frank Halbach (BR 2024)   </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor und Regisseur dieser Folge: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Thomas Birnstiel, Peter Weiß, Peter Veit<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Andrea Bräu, Karin Becker</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Thorsten Marr, Bayerische Verwaltung der staatl. Schlösser, Gärten und Seen</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/>Ludwig Schwanthaler - Gestalter der Münchner Bavaria<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ludwig-schwanthaler-gestalter-der-muenchner-bavaria/bayern-2/78756102/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Das Münchner Oktoberfest - Brotzeit, Bier und Belustigung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-muenchener-oktoberfest-brotzeit-bier-und-belustigung/bayern-2/10819783/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Regent im Rebenland - König Ludwig I und die Pfalz<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/forum/regent-im-rebenland-koenig-ludwig-i-und-die-pfalz/swr-kultur/94817488/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>


<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong></p>
<p>Bayerische Schlösserverwaltung: Ruhmeshalle und Bavaria. Bearbeitet von Manfred F. Fischer und Sabine Heym. München 2009. [Amtlicher Führer der Bayerischen Schlösserverwaltung, der einen umfassenden Überblick bietet]</p>

<p>Frank Otten: Die Bavaria. In: Hans-Ernst Mittig, Volker Plagemann: Denkmäler im 19. Jahrhundert. München 1972 [kunsthistorische Einordung in die Geschichte der Denkmäler des 19.Jahrhunderts].</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-die-bavaria-bayern-freistaat-landespatronin-symbol-allegorie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<strong> <br/></strong></p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Ich hab‘ viel des Schönen gesehen -  so Schönes noch nie!</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das hat König Ludwig I. von Bayern über sie gesagt:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die einst vielleicht mächtigste Frau des Freistaats: imposant, monumental, majestätisch. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auf einem steinernen Sockel thront sie. 48 Stufen führen zu ihr empor. Da steht sie - würdevoll: Achtzehneinhalb Meter hoch.</p>
<p>SPRECHERIN <em>(genießerisch)</em></p>
<p>Von dort blickt sie frei über die Theresienwiese weit hinüber bis zum Wetterturm des Deutschen Museums und zur mächtigen Maximilianskirche im Glockenbachviertel.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Kolossale 1.560 Zentner ist sie schwer.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aus dem Erz türkischer Kanonen gegossen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Bavaria: Weltliche Patronin Bayerns, <em>das</em> Gesicht Münchens und personifizierte Allegorie für den Freistaat.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 1 Marr (33:50)</p>
<p><em>Im Grunde ist die Bavaria und die Theresienwiese mit dem Oktoberfest die Verkörperung Bayerns.</em></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sagt Konservator und Museumsreferent Dr. Thorsten Marr von der Bayerischen Schlösserverwaltung, der uns im Schloss Nymphenburg empfängt.</p>
<p>O-Ton 2 Marr (13:09)</p>
<p><em>Die Bavaria steht ja als gewaltige Kolossalstatue zwischen den beiden Flügeln der Ruhmeshalle. Und sie ist gewissermaßen der Augenpunkt für Besucher, die auf das Denkmal zu gehen. Und insofern ist auch die Statue ikonografisch auf Fernwirkung ausgerichtet.</em></p>
<p>MUSIK „Festlicher Marsch“; ZEIT: 00:30</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sie trägt ein Bärenfell über ihrem schlichten Gewand. In ihrer Rechten hält sie etwas Eichenlaub und ein umwickeltes Schwert, das in der Scheide ruht. Mit der Linken hebt sie einen Ruhmeskranz aus Eichenlaub hoch über ihr Haupt. Zu ihrer Rechten sitzt kraftvoll und stark ein Löwe.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Warum steht sie da? Ausgerechnet da? Was soll der Lorbeer… – pardon Eichenkranz? Und wer hat das Standbild dieser bayerischen Amazone dort aufstellen lassen? Und wieso? </p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Möchten alle Deutschen, welchen Stammes sie auch seien, immer fühlen, dass sie ein gemeinsames Vaterland haben, ein Vaterland auf das sie stolz sein können, und jeder trage bei, soviel er vermag, zu dessen Verherrlichung.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Meinte König Ludwig I. 1842 bei der Einweihung der Walhalla nahe Regensburg. Die Idee für diesen und weitere Gedächtnisorte keimte in Ludwig seit dem als schmachvoll empfundenen Siegeszug der napoleonischen Armeen. Über der Jugendzeit des Königs lagen die Schatten der Machtansprüche Napoleons auf der einen und Österreichs auf der anderen Seite.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sein Haus, das der Wittelsbacher, drohte zum Spielball der beiden Großmächte zu werden. Bayern wurde mehrfach Kriegsschauplatz mit allen dazugehörigen fatalen Folgen für das Land. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erst mit der Niederlage Napoleons bei der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 begann in Bayern eine Periode des Friedens. Für Ludwig I. Zeit, Zeichen zu setzen: von künstlerischer und zugleich politischer Einheit.</p>
<p>MUSIK Bayernhymne. Bearbeitet für Streicher; ZEIT: 00:25</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Ein Baiern aller Stämme, eine größere deutsche Nation. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Motiv, das Ludwig zu einer ganzen Reihe von Bauprojekten für Nationaldenkmäler inspirierte. Darunter die Bavaria und die Ruhmeshalle, die der König 1834 in Auftrag gab. Thorsten Marr: </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 3 Marr (01:19)</p>
<p><em>Ludwig I. als König, als bayerischer König, hatte den Auftrag gegeben und zunächst einmal einen Wettbewerb ausgelobt. Und Ende des Wettbewerbs bekam dann Leo von Klenze den Auftrag, die Ruhmeshalle mit der Bavaria, und zwar beides zusammen, zu errichten. Die Bavaria war nie als einzelnes Monument gedacht, sondern hat sich aus dem Wettbewerb entwickelt. Und Klenze hatte in seinem Wettbewerb einer Ruhmeshalle zusätzlich die Bavaria als übergeordnete Instanz derer, die in der Halle geehrt werden, gewählt. Und als Ort wurde ja die Theresienwiese ausgedacht oder ausgewählt.</em><em> </em><em>Und das hängt zweifellos mit dem patriotischen Hintergrund, sage ich jetzt mal etwas vollmundig, der Theresienwiese zusammen.</em></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nach der Niederlage der verbündeten französischen und bayerischen Truppen in der Schlacht von Höchstädt im Jahr 1704 hatten die Habsburger das bayerische Oberland und die Residenzstadt München besetzt und außerdem die Steuern drastisch erhöht.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es kam bald zu ersten Aufständen, die schließlich 1705 in der Sendlinger Mordweihnacht und einem bayerischen Volksaufstand gipfelten, der gnadenlos niedergeschlagen wurde.</p>
<p>ZITATOR<em> </em>2</p>
<p>Lieber bayerisch stea&#39;m als kaiserlich verdea&#39;m.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hundert Jahre später galt der Aufstand als patriotische Tat zum Wohle des Hauses Wittelsbach und zur Wiedereinsetzung des Kurfürsten und zur Rettung der Souveränität des Kurfürstentums. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Sendlinger Anhöhe am Rande der Theresienwiese war somit ein symbolträchtiger und wohl überlegter Ort für ein Nationaldenkmal.</p>
<p>MUSIK Instrumentaleinleitung zu &quot;Bayerischer Schützenmarsch&quot;; ZEIT: 01:00</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und nutzte zudem die Popularität der Festwiese, auf der seit der Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese im Jahr 1810 alljährlich ein Volksfest stattfand. </p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Der anwesenden Königsfamilie huldigten damals Kinder in bayerischen Volkstrachten mit Gedichten, Blumen und Früchten des Landes. </p>
<p>Zu Ehren der Braut war die Festwiese „Theresens-Wiese“ getauft worden.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hier, auf der Sendlinger Anhöhe entstand die U-förmige Säulenhalle, die das Gelände nach hinten abschließt. Und zwischen den beiden Flügeln steht sie: die Bavaria. Wie die Ruhmeshalle blickt sie auf die Theresienwiese, von der eine Treppenanlage hinauf zur Bavaria gebaut wurde, von der aus man wieder über Stufen weiter zur Ruhmeshalle gelangt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine gestalterische Verknüpfung.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 4 Marr (11:44)</p>
<p><em>Also insofern ist auch ein geschicktes Miteinander und eine geschickte Wechselwirkung zwischen Statue einerseits und Ruhmeshalle geschaffen. Und das immer ausgerichtet auf den Besucher, der von der Theresienwiese aus kommt. Aber es war immer schon ausgerichtet auf die Besucher, die dann bei einem Fest auf der Wiese waren und das heißt mindestens einmal im Jahr mit dem Oktoberfest Blick hatten auf das Ensemble, auf das Denkmal.</em></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Bavaria selbst hatte in den ersten Entwürfen eine ganz andere Gestalt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>König Ludwig I. vergötterte alles Griechische. </p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Ich will nicht eher ruhen, bis München aussieht wie Athen!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Isar-Athen! Wenig verwunderlich also, dass sich Leo von Klenzes ursprüngliche Bavaria, deren erster Entwurf bereits 1824 erstellt wurde, stark an griechischen Vorbildern ausrichtete.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Bavaria des Erstentwurfes war eine griechische Amazone, im Chiton, - einer Art Tunika, mit Sandalen und einer mit bayerischen Rauten geschmückten Aegis, einem Brustpanzer mit Medusenhaupt. Dazu ein kleiner Löwe, eher ein zahmes Kätzchen zu ihren Füßen. Ungewöhnlich auch die viergesichtige Herme, also ein Pfeiler mit aufgesetztem Kopf, an den sie sich lehnt, und dessen vier Gesichter die Kunst und Wissenschaft, sowie die Staats- und Kriegsführung symbolisieren sollten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nach der Beauftragung durch den König geriet die Bavaria in einem weiteren Entwurf gar zur &quot;Athena Promachos&quot; – der Schutzgöttin Athens mit Helm, Schild und Speer: Eine klassisch griechische Bavaria. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch das Neue an Klenzes Entwurf: Indem er Motive verschiedener Herkunft mischt, erschafft er einen neuen Typ der bildlichen Darstellung für die Personifikation Bayerns. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und die Bavaria entwickelte sich weiter. Thorsten Marr:</p>
<p>O-Ton 5 Marr (16:17)</p>
<p><em>Und während des Planungs- und Konzeptionszeitraums wurde allmählich aus der griechischen Figur einer Siegesgöttin die germanische Siegesgöttin Bavaria in diesem Fall umgewandelt.</em></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Wandel, der auf den Einfluss des Bildhauers Ludwig Schwanthaler zurückzuführen ist, den Ludwig I. zusammen mit den Erzgießern Johann Baptist Stiglmaier und Ferdinand von Miller hinzugezogen hatte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit der Antike hatte Schwanthaler nicht so viel am Hut. Er war Anhänger der romantischen Bewegung und gehörte mehreren Münchner Mittelalter-Zirkeln an, die für das „Vaterländische“ brannten. Fremdes, auch aus der Antike, war da wenig gelitten.</p>
<p>Schwanthalers Vision und Klenzes klassizistisches Vorhaben widersprachen sich also.</p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Aber ganz offensichtlich war genau das die Strategie des Königs: Ludwig I. ließ konträre Kunstauffassungen in dasselbe patriotische Projekt einfließen. </p>
<p> ZITATOR 1</p>
<p>Ein Denkmal, das die zerstrittenen Lager unter dem Dach einer Nation eint.</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Diese Synthese der klassizistischen und der romantisch-gotischen Stilrichtung nennt man heute:  </p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Romantischen Klassizismus </p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Oder:</p>
<p> ZITATOR 2</p>
<p>Ludovizianischen Stil.</p>
<p> MUSIK „Bayerische Königs-Hymne“; ZEIT: 00:50</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Die Bavaria wird eine Germania. Mit Bärenfell über dem bodenlangen Kleid und Eichenkranz im langen Haar. Und auch die strengen Gesichtszüge werden mädchenhafter. </p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Dazu der Löwe als Symbol Bayerns, der zugleich als Zeichen der Kraft und Stärke seit jeher auf Herrscherportraits zu sehen ist.</p>
<p>Das Schwert: ein allgemeines Symbol für Macht und Wehrhaftigkeit.</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Am wichtigsten aber: der Eichenkranz, den die Bavaria in der linken Hand hält. Im Verständnis der Zeitgenossen bezog sich der Eichenkranz speziell auf die bürgerlichen Tugenden. Dieser Kranz ist die Ehrengabe für all jene, deren Büsten im Inneren der Ruhmeshalle aufgestellt sind.</p>
<p> MUSIK ENDE</p>
<p> O-Ton 6 Marr (05:04)</p>
<p><em>Man ehrt mit Büsten in der Ruhmeshalle diejenigen, die sich für Bayern verdient gemacht haben oder aber Bürger Bayerns sind. Also das Kurfürstentum zunächst oder des Königreichs. Und damit die Deutung der Ruhmeshalle mit der Bavaria in keinem Fall falsche Bahn läuft, sondern die Deutungshoheit beim König bleibt, hat der König im Grunde eine Inschrift auch in der Bavaria an der Tür hinterlassen. Und die ist für jeden Eintretenden gut sichtbar und gut lesbar:</em></p>
<p><em> </em>MUSIK Bayernhymne. Bearbeitet für Streicher; ZEIT: 00:25</p>
<p> ZITATOR 2</p>
<p>Als Anerkennung Bayerischen Verdienstes und Ruhmes ward diese Halle errichtet von Ludwig I. König von Bayern. Ihr Erfinder und Erbauer war Leo von Klenze. Begonnen den 15. Oktober 1843, vollendet, den 15. Oktober 1853.</p>
<p> MUSIK ENDE</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Bildliche Darstellungen einer Frau, die Bayern symbolisiert, gibt es freilich schon lange Zeit vor der Entstehung der Ruhmeshalle und der Geburt der kolossalen germanischen Bavaria davor.</p>
<p> MUSIK  „Ave Maria“; ZEIT:01:55</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Tellus Bavarica. Eine schon seit Jahrhunderten gebräuchliche Allegorie der „bayerischen Erde“. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der archetypischen Mutter Erde, der griechischen Gaia, entspricht in der römischen Mythologie die Gottheit Tellus. Von ihr leitet sich die Tellus Bavarica, die bayerische Mutter Erde ab. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sie ziert Wappen, Gemälde und Reliefs über Hauseingängen. Die Kuppel des zentralen „Dianatempels“ im Münchner Hofgarten zierte ursprünglich eine bronzene Statue der römischen Jagdgöttin Diana. Sie 1623 wurde sie zur Bavaria umgestaltet: Ihr Helm wurde zum Kurfürstenhut und der Ährenkranz in ihrer Hand durch einen Reichsapfel ergänzt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Kloster Fürstenzell bei Passau platzierte der österreichische Freskenmaler Bartolomeo Altomonte eine Bavaria im Zentrum des Deckenfreskos im Fürstensaal: Als Königin, die von einem Engel gekrönt wird, umgeben von Allegorien der Kirche, des Handels, der Landwirtschaft und der Künste.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Gemälde der Münchner Historienmalerin Marianne Kürzinger zeigt eine zarte mädchenhafte Bavaria in weiß-blauem Gewand, die sich an eine große, wehrhafte Amazonenkriegerin schmiegt: „Gallia schützt Bavaria.“ So der Titel. Das Bild stellt die Allianz von Bayern und Frankreich in jener Zeit dar.</p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Ich werde Bayern nicht nehmen, ich werde es verschlingen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hat der Habsburger Kaiser Franz gedroht. Es gäbe eine Reihe weiterer Beispiele – doch in der öffentlichen Wahrnehmung wird die Bavaria heutzutage fast ausschließlich mit der monumentalen Statue auf der Theresienwiese identifiziert.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und deren Vollendung war auch nach von Ihrer Majestät abgesegneten Entwürfen eine schwere Geburt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine Bronzefigur mit der enormen Größe von 18,52 Metern bedarf ausgefeilter Technik. Schon die Ausgestaltung der Figur durch Ludwig Schwanthaler dauerte ihre Zeit. Ebenso war der Aufwand in der Königlichen Erzgießerei an der Nymphenburger Straße enorm:</p>
<p>O-Ton 7 Marr (21:42</p>
<p><em>Also dafür mussten dann zu Beginn der Vierzigerjahre zusätzliche Gebäude errichtet werden. Ein Gußhaus und schließlich sogar eine Holzhütte, in der die Bavaria im Format eins zu eins errichtet wurde. Das heißt, man brauchte keine flache Holzhütte, sondern brauchte einen Holzturm, der mindestens 18 Meter noch was hoch ist und darüber einen Dach noch hat. Und in diesem Holzhaus oder im Holzturm hat dann Schwanthaler 1840 folgende Jahre seine Gipsfigur geschaffen. Die Gipsfigur wurde dann wiederum 1843 in Einzelteile zerlegt, zwölf Einzelteile. Und von diesen Einzelteilen wurden dann Gussmodelle, also Modelle, von denen dann der Guss, der Bronzeguss gemacht werden konnte, gemacht. Und dann ergibt sich dann schon dass 1844 mit dem Gießen begonnen wurde und bis 1850 waren die Einzelteile gegossen und auch die Oberflächen bearbeitet. </em></p>
<p><em> </em>SPRECHERIN</p>
<p>An den Ort der Herstellung erinnern heute noch die Münchner Erzgießereistraße sowie die parallele Sandstraße, an der die für den Guss notwendige Sandgrube lag.</p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Parallel dazu lief der Bau der Ruhmeshalle. </p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Wie alle Nationaldenkmäler wurden Bavaria und Ruhmeshalle aus der Privatschatulle des Königs finanziert. Als Ludwig 1848 unter Druck nach der „Affäre Lola Montez“ zu Gunsten seines Sohnes Maximilian abdankte, versprach Maximilian zwar, das Projekt zu vollenden. Er plante dafür aber lediglich ein Budget von 9000 Gulden pro Jahr ein. </p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Viel zu wenig. Erst als der abgedankte König die Finanzierung wieder aus seiner Privatschatulle übernahm, konnte die Bavaria fertiggestellt werden.</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Zum Oktoberfest des Jahres 1850 – es wäre Ludwigs 25. Regierungsjahr gewesen - wurde die Bavaria am 9. Oktober feierlich enthüllt.</p>
<p> MUSIK „Vorspiel zum 3. Akt aus Lohengrin“; ZEIT: 01:15</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Nero und ich sind die einzigen, die so Großes gemacht haben.</p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Notierte sich der Monarch im Ruhestand. Das Fest geriet zur Huldigungsfeier für den abgedankten König – und für das, was er aus München gemacht hatte, der Stadt…</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>…die Teutschland so zur Ehre gereichen soll, dass keiner Teutschland kennt, wenn er nicht München gesehen hat.</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Selbstredend würdigten ihn die Künstler, die Ludwig so sehr gefördert und durch seine rege Bautätigkeit mit Aufträgen versorgt hatte, besonders:</p>
<p> ZITATOR 2</p>
<p>Dank und Preis der Gegenwart, der Nachwelt, – Bavarias eh’rne Eichenkrone gebührt vor Allen König Ludwig dem Kunstbeschützer! </p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Rief der für die Münchner Künstlerschaft sprechende Festredner Tischlein.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Ruhmeshalle freilich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt. Darauf musste das Isar-Athen noch drei Jahre warten. Dabei ist sie mit der Bavaria nicht nur baulich, sondern auch gedanklich eng verbunden.</p>
<p> MUSIK ENDE</p>
<p> O-Ton Marr 8 <em>(05:05)</em></p>
<p><em>Man ehrt mit Büsten in der Ruhmeshalle diejenigen, die sich für Bayern verdient gemacht haben oder aber Bürger Bayerns sind, also des Kurfürstentums zunächst oder des Königreichs. (…) 06:25 Und sie werden zusammengefasst durch die gewaltige Figur, diese kolossale Statue der Bavaria. Sie ist gewissermaßen die Symbolfigur aller, die hier in der Ruhmeshalle versammelt sind. Insofern ist dann auch die  Bedeutung der Bavaria immer auf die Personen bezogen, die in der Ruhmeshalle auch ausgestellt sind oder als Büsten wiedergegeben sind. </em></p>
<p><em> </em>SPRECHER</p>
<p>Vorbildliche Bayern – so der Erziehungsgedanke Ludwigs I. -, die anspornen sollen, ihnen nachzueifern. Ein Leistungsprinzip visualisiert im Rahmen eines Denkmals.</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Büsten bayerischer, fast ausschließlich männlicher Vorbilder unter Obhut einer überlebensgroßen weiblichen Figur – diese Konstellation hat dazu geführt, dass die Bavaria als Mutterfigur wahrgenommen wurde.</p>
<p>O-Ton 10 Kinseher W0304201 101</p>
<p><em>Griaß eich, I bin’s eier Mama!</em></p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Also solche inkarnierte sich Mama Bavaria im Jahr 2010 in der Kabarettistin Luise Kinseher, die denen, die Bayern als Vorbilder lenken sollten, auf dem Nockherberg gehörig die Leviten las.</p>
<p> O-Ton 11 Kinseher W0304201 101</p>
<p><em>Ich bin die Bavaria, und da bin i dahoam. </em></p>
<p><em> </em>O-Ton 12 Kinseher W0364024 101</p>
<p><em>Mei, Kinder! Wenn I eich so oschau, frag ich mich: Hob I als Mutter versagt? Ihr seid verwöhnt und verhätschelt, egoistisch und eingebildet.</em></p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Bis 2018 hielt Kinseher als Bavaria, als erste Frau überhaupt, die Salvatorrede.</p>
<p> MUSIK 7  Bayernlied. Bearbeitet für Streichquartett; ZEIT: 00:15</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wann, wo und in wem die Bavaria wohl in Zukunft inkarniert? </p>
<p> MUSIK ENDE</p>
<p> O-Ton 12 Marr <em>(35:42)</em></p>
<p><em>Was so ein bisschen in Vergessenheit geraten ist, ist, dass das Denkmal noch ein lebendes Denkmal ist. Es ist kein abgeschlossenes. Es werden noch heute Persönlichkeiten geehrt, die zum Wohle Bayerns gewirkt haben. Und der letzte, der die letzte Büste, die aufgestellt worden ist. Es ist gerade 15 Jahre her, so um den Dreh, das ist der Komponist Carl Orff also. Es ist kein Denkmal, was mit Ludwig I. dann in sich auch inhaltlich abgeschlossen und beendet ist, sondern es werden weit darüber hinaus Büsten aufgenommen, um diesen Gedanken Ruhmeshalle weiter auch mit Leben zu erfüllen. Und da sind eben auch seit den Jahren nach 45 auch Frauen dazugekommen, was in den Jahren davor eben nicht war. </em></p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Die Schriftstellerin Lena Christ, die Schauspielerin Clara Ziegler, die Forschungsreisende Therese von Bayern und die Mathematikerin Emmy Noether. </p>
<p>MUSIK 7 Bayernlied. Bearbeitet für Streichquartett; ZEIT: 01:10</p>
<p>Diese vier Frauen haben den Anfang gemacht. Doch wichtige weibliche Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte gibt es noch viele mehr, die an die Seite des großen Sinnbilds Bavaria treten könnten, das Ludwig I. aufstellen und feierlich einweihen ließ.</p>
<p> ZITATOR 2</p>
<p>Nachdem sämtliche Festwagen zu beiden Seiten der Tribüne im Halbkreis aufgestellt waren, fiel bei klarstem Herbsthimmel unter den Salven der Landwehr-Artillerie und den betäubenden Zurufen der zahllosen Menge die 70 Fuß hohe Bretterwand krachend nieder, und das erhabenste Bildnis glänzte zum ersten Mal vor den entzückten Blicken im lachendsten Herbstsonnenschein. Nie bisher hatte das Volk in solcher Menge den hohen Wert der Kunstschöpfung des Königs gefühlt oder gar anerkannt. König Ludwig aber sprach, auf&#39;s tiefste ergriffen, die denkwürdigen Worte: „Ich bin vierundsechzig Jahre alt, hab&#39; viel des Schönen gesehen, so Schönes noch nie, hab&#39; viel Freuden erlebt, doch solche Freude noch nie!“</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schuldgefühle - Wenn Selbstvorwürfe zur Qual werden </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schuldgefuehle-wenn-selbstvorwuerfe-zur-qual-werden-1/1799545</link>
      <pubDate>Mon, 04 Aug 2025 18:06:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">13100fc3-6275-4e6f-989d-e1a9376e8783</guid>
      <description>Schuldgefühle drücken nieder. Sie können Selbstwertgefühl und Verhalten stark beeinflussen. Nach dem Motto: Buße tun hilft vielleicht. Doch oft lohnt der Blick auf zu Grunde liegende Ängste und Konflikte mehr. Autorin: Justina Schreiber (BR 2020) </description>
      <enclosure length="22051944" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1799545/c/feed/schuldgefuehle-wenn-selbstvorwuerfe-zur-qual-werden-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Schuldgefühle drücken nieder. Sie können Selbstwertgefühl und Verhalten stark beeinflussen. Nach dem Motto: Buße tun hilft vielleicht. Doch oft lohnt der Blick auf zu Grunde liegende Ängste und Konflikte mehr. Autorin: Justina Schreiber (BR 2020) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ab1bb9dc-7a9c-42e4-84b9-793ba001fb27.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schuldgefühle drücken nieder. Sie können Selbstwertgefühl und Verhalten stark beeinflussen. Nach dem Motto: Buße tun hilft vielleicht. Doch oft lohnt der Blick auf zu Grunde liegende Ängste und Konflikte mehr. Autorin: Justina Schreiber (BR 2020) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Justina Schreiber<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Andreas Neumann<br/> Technik: Helge Schwarz<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview: </strong><br/> </p>
<p>- Heidi Spanl, Psychoanalytikerin, und Helga Kernstock-Redl, Psychotherapeutin</p>
<p><br/></p>
<p>Psychologie:</p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:</p>
<p><br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><br/></p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>Es war ein Fehler. Man hat etwas verkehrt gemacht. Etwas Wichtiges versäumt. Wie furchtbar. Wie konnte man nur! </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Schuldgefühle drücken nieder. Es sind schwere Gefühle.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Übel größtes ist die Schuld! </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Sagt ein Sprichwort.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Man grübelt und zermürbt sich. Vielleicht hängen die Schultern. Der Blick ist gesenkt, die Stimmung im Keller. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Gute Laune ist etwas anderes. Nicht ohne Grund zählen Schuldgefühle zu den negativ bewerteten Gefühlen, sagt die Wiener Psychotherapeutin Helga Kernstock-Redl.</p>

<p>O-TON 01: (Kernstock-Redl)                                                                      </p>
<p>„Schuldgefühle sind belastend, quälend werden sie beschrieben. Sie lösen auch Angst aus, einerseits die Angst vor Strafe, wer Schuld hat, wird vielleicht bestraft.“ </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Alle Schuld rächt sich auf Erden.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 02: (Kernstock-Redl)                                                                             </p>
<p>„Aber auch Angst vor dem Gefühl selbst, weil es eben so ein unangenehmes Gefühl ist.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Jeder Mensch kennt es. Weltweit in allen Kulturen kommen Schuldgefühle vor. Dass sich auch Tiere, vor allem Primaten, schuldig fühlen können, wird vermutet, lässt sich aber nicht so leicht belegen. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Schuldgefühle werden schnell mit Scham oder Angst verwechselt. Unter Wissenschaftlern gelten sie als schwer zu fassende, komplexe Emotionen.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 03: (Kernstock-Redl)                                                                            </p>
<p>„Hirnscans zeigen, dass viele Hirnareale da beteiligt sind, vor allem das Denken, also die Hirnareale, wo es um Gedanken geht, um Soziales geht, die sind auch sehr stark aktiv bei Schuldgefühlen.“</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 2 </p>
<p>&quot;Massage&quot; - Komponist: Daniel Pemberton - Album: The Haunted Airman (Soundtrack) Länge: 0&#39;44</p>

<p>O-TON 04: (Heidi Spanl)                                                                              </p>
<p>„Erst einmal finde ich es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Schuldgefühle nichts direkt mit Schuld zu tun haben. Also, man hat sich keine Schuld aufgeladen, nur weil man ein Schuldgefühl hat, die existieren sozusagen unabhängig davon.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ihre Entstehung belegt es, erklärt die Psychoanalytikerin Heidi Spanl. Kinder kommen ohne eigene Schuld, also „unschuldig“ zur Welt. (Auch wenn die Lehre von der Erbsünde etwas anderes behauptet.)</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Trotzdem verfügen Neugeborene offenkundig über die Fähigkeit, Schuldgefühle zu entwickeln. Der Lernprozess beginnt mit der Geburt. </p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 05: (Heidi Spanl)                                                                            </p>
<p>„Man kann sich das ganz schwer nur vorstellen. Aber dass Erwachsene den Kindern schon, den Neugeborenen ein Stück Schuldgefühle auch vermitteln für bestimmte Dinge, die sie tun, dass sie besonders laut brüllen, wenn sie Hunger haben und nicht sofort gestillt oder gefüttert werden.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ein „Nein“ folgt dann vielleicht als Reaktion. Oder ein Stirnrunzel, ein Zögern, ein Genervtsein. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Säuglinge nehmen die Forderungen ihrer Umgebung wahr. Abhängig wie sie sind, passen sie sich immer auch den Bedingungen an. Empathisch zu sein, erweist sich als nützlich. Auch in späteren Jahren.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 06: (Heidi Spanl)                                                                             </p>
<p>„Also, man möchte eigentlich auch den Eltern, den Pflegepersonen gefallen, damit man nicht ausgestoßen wird, damit man geliebt wird, damit man Anerkennung bekommt.  Das brauchen wir einfach.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ohne Zuwendung, ohne positives Feedback kann der Mensch, das soziale Wesen, nicht überleben. Es gilt, die Spielregeln möglichst schnell und gut zu verinnerlichen, um zu wissen, was „man“ tut und was „man“ nicht tut. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 3</p>
<p>&quot;Massage&quot; - Komponist: Daniel Pemberton - Album: The Haunted Airman (Soundtrack) Länge: 0&#39;39</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 07: (Heidi Spanl)                                                                                </p>
<p>„Man muss ja erst mal ein Gewissen entwickeln. Man kommt mit seinen Wünschen, also mit seiner triebhaften Ausstattung, mit den Instinkten auf die Welt, aber man hat noch keine Psyche und auch kein Gewissen: was ist gut, was ist böse?“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das ist die zentrale Frage. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Das biologische Programm lässt den Menschen nach egoistischer Wunsch- oder Triebbefriedigung streben. Das Gewissen, das sich dann im Laufe der Erziehung über positive und negative Verstärkungen Schicht für Schicht herausbildet, wirkt wie eine Art Korrektiv. </p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Sigmund Freud nannte diese innere Instanz „Über-Ich“. Es versucht, das „Ich“, das mehr oder weniger bewusst agierende Ego des Individuums zu dirigieren. Die Psychoanalytikerin Heidi Spanl erklärt:</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 08: (Heidi Spanl)                                                                             </p>
<p>„Das Über-Ich ist die Instanz, die alle Normen, alle Verbote aufnimmt, natürlich wieder vermittelt durch die Eltern auch, aber auch durch die Gesellschaft, durch die Sozialisation.“ </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Wer gewissen Normen und Erwartungen entspricht, wird belohnt. Auch durch das eigene gute Gewissen. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 4</p>
<p>&quot;End Credits&quot; - Album: Shame - K und A: Harry Escott </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ganz anders das schlechte Gewissen, das sich in Schuldgefühlen äußert. Sie können für schlaflose Nächte sorgen. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Je nachdem wie rigide das Über-Ich ist beziehungsweise wie versagend die Erziehung war: Wer es wagt, eine verinnerlichte Regel zu brechen und einer an sich verbotenen Lust zu frönen, handelt sich „zur Strafe“ mal heftigere, mal schwächere Unlustgefühle ein. Im Brav sein, im Verzicht liegt also ein emotionaler Gewinn. Denn das Gewissen schweigt. </p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Das ist der Sinn und Zweck der Fähigkeit, Schuldgefühle zu empfinden:</p>
<p><br/></p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 09: (Kernstock-Redl)                                                                </p>
<p>„Der Sinn liegt im Vermeiden.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die Psychotherapeutin Helga Kernstock-Redl hat einen Ratgeber zum Thema verfasst. Sie nennt den psychischen Mechanismus einen „Kunstgriff der Natur“: Bringen Schuldgefühle die Menschen doch dazu, allgemein erwünschte, (in Anführungszeichen) „richtige“ Verhaltensweisen anzunehmen. </p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 10: (Kernstock-Redl)                                                                 </p>
<p>„Wir haben so eine breite Straße von Verhaltensweisen, die für uns in Ordnung sind, und die gehen wir. Da folgen wir unseren inneren Regeln und spüren natürlich keine Schuldgefühle, wenn wir sie nicht brechen. Wenn wir aber diese vorgegebene Bahn verlassen, dann merken wir an diesem unangenehmen Gefühl: upps, ich bin quasi vom Weg abgekommen.“</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 5</p>
<p>&quot;La marche de Henri IV (Henri IV)&quot; - Musique de l&#39;air de Paris - Album: Airs militaires anciens / Marches refrains batteries de la garde impériale / Fanfares royales et impériales - K: Robert Fayeulle &amp; Robert Goutte Länge: 0&#39;52</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Schuldgefühle erleichtern Eltern, Erziehern und staatlichen oder kirchlichen Institutionen die Arbeit. Sie sind Werkzeuge der Moral. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Weg geht es vom „Bösen“, hin zum Guten. Weg vom Körper, hin zum Geistigen. Weg vom Schmutz, hin zur reinen Weste. Hin zu Lob und Schulterklopfen. Die Tendenz zum Sich-Verbiegen gehört zum Programm. Wobei Schuldgefühle in einer Diktatur ganz andere Formen annehmen können als in einer Demokratie.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Helga Kernstock-Redl verweist als Beispiel auf die Kriegsgeneration, die Generation der Groß- und Urgroßeltern:</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 11: (Kernstock-Redl)                                                               </p>
<p>„Da war die Regel: nur ja niemanden etwas schuldig bleiben! Das heißt, die konnten gar kein Geschenk annehmen, ohne es doppelt und dreifach zurückzuzahlen und hatten immer so dieses Gefühl, eben ein Schuldgefühl zu haben, ist das Schlimmste überhaupt. Viele kennen dann gar keine Dankbarkeit mehr.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Was eigentlich schade ist.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 12: (Kernstock-Redl)                                                                  </p>
<p>„Wenn ich aber das innere Gesetz hab, ich darf nichts annehmen ohne es doppelt und dreifach zurückzuzahlen, entgeht mir dieses Gefühl der Dankbarkeit, weil es sofort überlagert wird von einem Schuldgefühl.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Es hält den Menschen auf Trab. Nur nicht lockerlassen. Geben ist seliger denn Nehmen!</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 6 - &quot;La marche de Henri IV (Henri IV)&quot; - Musique de l&#39;air de Paris - Album: Airs militaires anciens / Marches refrains batteries de la garde impériale / Fanfares royales et impériales - K: Robert Fayeulle &amp; Robert Goutte Länge: </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Je nachdem, welchen Prämissen eine Gesellschaft, eine Gruppe, eine Familie folgt: Schuldgefühle dienen der Dressur, dem Zurechtstutzen des Menschen, indem sie seine biologischen Anlagen, seine Faulheit, sein Begehren, kulturell überformen, also gewissermaßen veredeln. In Anführungszeichen „primitive“ Triebe oder egoistische Wünsche werden zu Gunsten sozial verträglicherer Verhaltensweisen unterdrückt. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Emotionale Energien werden kanalisiert. Die Psychoanalyse nennt den Vorgang „sublimieren“, erklärt Heidi Spanl.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 13: (Heidi Spanl)                                                                       </p>
<p>„Durch die Schuldgefühle gelingt es dem menschlichen Individuum, das Triebhafte zu sublimieren, das heißt eben, anders zu nutzen als jetzt nur in einer triebhaften Wunschbefriedigung, und aber auch zu transformieren, also das Triebhafte in uns kann über Schuldgefühle sublimiert und transformiert werden.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Du sollst lieber beten statt morden. Arbeiten statt trinken. Lesen statt liederlich sein. So trägt das schlechte Gewissen des Einzelnen zum Gemeinwohl des größeren Ganzen bei. Es hat beileibe nicht das private Glück im Auge. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Nein! Schuldgefühle etablieren die Pflichterfüllung als wichtiges Gebot. Sie liefern den Kitt menschlicher Gemeinschaften:</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 14: (Kernstock-Redl)                                                              </p>
<p>„Sie halten Gemeinschaften aufrecht, weil sie Konflikte vermeiden helfen, weil sie so einen moralischen Überbau gewährleisten, weil wir einander vorhersagbar werden dadurch, weil ich ungefähr weiß oder hoffen darf, dass sich die anderen in meiner Gemeinschaft an dieselben Regeln halten wie ich.“</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 7</p>
<p>&quot;Litany of Bananas&quot; - K: Harry Escott - Album: River (Original Television Soundtrack)</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Doch schon Sigmund Freud warnte vor dem „Unbehagen in der Kultur“. </p>
<p>Die Decke der Zivilisation ist dünn. Darunter brodelt es. Verlangen die Schuldgefühle dem Menschen unterm Strich vielleicht zu viel an Selbstbeherrschung und Triebverzicht ab?  </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Hinzu kommt: die verinnerlichten Regeln können jeglicher Vernunft und Logik entbehren. Jedes Individuum verfügt ja über sein ganz persönliches Schuldgefühl, also über ein ganz persönliches Sammelsurium innerer Richtlinien, die sich auf unterschiedliche Weise manifestiert haben.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 15: (Kernstock-Redl)                                                 </p>
<p>„Diese sind anerzogen, beobachtet, eingeredet, sind eigene Schlussfolgerungen, wir erschaffen unsere Regeln auch ganz selber, also da sind auch eigene Schlussfolgerungen dahinter.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Schuldgefühle stellen den Sinn der Regeln, deren Einhaltung sie steuern, nicht in Frage. Vielmehr sorgen sie dafür, dass sich auch problematische oder gar schädliche Überzeugungen verfestigen. Zum Beispiel:</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 16: (Heidi Spanl)                                                </p>
<p>„Wenn Kinder nicht erwünscht sind, also keine Wunschkinder sind und immer das Gefühl haben, irgendwie eine Schuld zu tragen, dass sie überhaupt da sind oder wenn ein Geschwisterkind gestorben ist, dass sie dieses Kind ersetzen sollen und merken, sie schaffen das nicht.“ (REISST ETWAS AB)</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 8</p>
<p>&quot;Litany of Bananas&quot; - K: Harry Escott - Album: River (Original Television Soundtrack)</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>So sehr sie sich auch bemühen: das Schuldgefühl bleibt. Denn die innere Regel, die die Bezugspersonen - wie auch immer - vermittelt haben, lautet: </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Du bist nicht richtig, so wie du bist. Ein anderes Kind glaubt vielleicht: du bist nur richtig, wenn du dich still und unauffällig verhältst.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Oder jemand hat die Regel verinnerlicht, dass man alle Versprechen halten muss: </p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 17: (Kernstock-Redl)                                            </p>
<p>„Das ist schon ein Gesetz, das extrem ist. Da werde ich relativ oft in meinem Leben Schuldgefühle haben. Wenn der Durchschnitt meiner Umgebung denkt: na, ich halte Versprechen, wenn es irgendwie geht, aber wenn nicht, macht es auch nichts. Die werden mir dann sagen: ja, was tust du dir an? Es ist halt manchmal so, man kann Versprechen nicht einhalten, Dinge ändern sich, das heißt, die können dann vielleicht gar nicht nachvollziehen, dass ich ein Schuldgefühl hab.“</p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>„Schuld“ und „Soll“ oder „Sollen“ haben dieselben sprachlichen Wurzeln. Es geht um Defizite, die ausgeglichen werden „sollten“. Wie auch immer.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 9</p>
<p>&quot;Litany of Bananas&quot; - K: Harry Escott - Album: River (Original Television Soundtrack)</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Es ist gehupft wie gesprungen: Ob man sie nun brav vermeidet oder im Nachhinein das Zwicken ertragen muss - vor Schuldgefühlen gibt es kein Entkommen. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Nur gewissenlose Menschen kennen sie nicht.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Bestenfalls werden Schuldgefühle von freundlicheren Emotionen in Schach gehalten oder durch so etwas wie Gelassenheit abgemildert. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Aber es bleibt ein ständiges Ringen um psychische Stabilität. Vor allem bei Menschen, die die Moral hochhalten, kann schnell eine Katerstimmung überhandnehmen. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Oder das schlechte Gewissen breitet sich immer wieder aus, weil nahestehende Personen dazu neigen, ihr Befremden zu äußern - nach dem Prinzip: Wie konntest du nur? Das geht ja wohl gar nicht.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 19: (Kernstock-Redl bei 23 Min) </p>
<p>„Wir alle kennen so Menschen, die durch die Welt gehen und Vorwürfe ausstrahlen oder anderen ständig Vorwürfe machen, also ein Schuldgefühl suggerieren. Und das kann man sich dann schon auch mal einreden lassen. Und man entwickelt dann ein Schuldgefühl, obwohl man außerhalb der Beziehung, wenn man quasi sich wieder ein bissel wachgerüttelt hat, sich denkt: ich bin ja überhaupt nicht schuldig, warum lasse ich mir ein Schuldgefühl einreden?“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Vielleicht weil man weiß, dass der Mensch schuldig werden kann, ohne es zu wollen. Wie schnell verstößt man gegen ungeschriebene Gesetze und Konventionen. Also lieber den Kopf einziehen. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK 10</p>
<p>&quot;End Credits&quot; - Shame - K und A: Harry Escott </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Wenn Schuldgefühle ausufern, wenn sie sich ständig vorwurfsvoll zu Wort melden. Wenn sie überlaut werden, dann geht die Lebensfreude verloren. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Dann zeigt das innere (oder auch ausgesprochene) Meckern, Mahnen und Hadern, dass die psychische Verfassung massiv aus dem Gleichgewicht geraten ist. Etwa, weil eine seelische Erkrankung vorliegt, ein Burnout oder eine Depression vielleicht. </p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 21: (Kernstock-Redl)                                                   </p>
<p>„Eine Untergruppe von depressiven Menschen leidet vorrangig unter Grübelzwängen und die drehen sich sehr oft um Schuld oder um Versagen, die eigene Schlechtigkeit.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Als wäre der eigene Zeigefinger immer erhoben: Der Ton war zu schrill, der sprachliche Ausdruck unangemessen, das Verhalten schlichtweg falsch. Und überhaupt kriegt man wohl nichts mehr auf die Reihe.</p>
<p>wenn Schuldgefühle zu quälenden inneren Gesprächen werden, leidet das Selbstwertgefühl extrem. Als würde man nur noch durch die Gegend schleichen. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Oder ist es nicht eher umgekehrt: Dass ein schwaches Selbstwertgefühl drückenden Schuldgefühlen Tür und Tor öffnet? </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Kann sein, sagt Helga Kernstock-Redl. Wer von übertriebenen Schuldgefühlen beherrscht wird, gleicht schlichtweg einem bankrotten Schuldner.</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 22: (Kernstock-Redl)                                                             </p>
<p>„Ein innerer Faktor, der Schuld begrenzt, sind Rechte. Wenn ich ein Recht habe, etwas zu bekommen, dann entsteht keine Rückzahlungsverpflichtung. Das heißt, ich bin nichts schuldig. Wenn Menschen für sich gar keine Rechte haben, das heißt, wenn jemandem innere Rechte fehlen, das, was man Selbstwert nennt auch, dann ist er hochgradig anfällig, enorme Schuldgefühle zu entwickeln, weil er eben keine Gegenkraft hat.“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Deshalb neigen extrem abhängige Personen zu vermehrten Schuldgefühlen. Etwa Menschen, die in tyrannischen Beziehungen leben und ihren eigenen Willen unterdrücken. </p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Schuldgefühle machen erpressbar. Da ist die Angst vor Liebesverlust, da ist der niederschmetternde Eindruck, nichts wert zu sein. Da ist das Kreisen um die eigenen Fehler und Versäumnisse. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Weitaus produktiver wäre es jedoch, sich die Frage zu stellen:</p>
<p><br/></p>
<p>O-TON 23: (Kernstock-Redl)                                                       </p>
<p>„Wann leide ich so sehr, dass ich den Eindruck hab, ich kann mein Leben gar nicht mehr genießen. Und spätestens dann ist es wichtig, sich das Gefühl selber mal anzuschauen und dagegen vorzugehen, es zu überprüfen: ist es real?“</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Also: Hat man wirklich so viel Schuld auf sich geladen, dass die anhaltenden Schuldgefühle gerechtfertigt wären? </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Selbst wenn jemand seinen Mann verlassen hat oder Insolvenz anmelden musste… </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die Psychotherapeutin Helga Kernstock-Redl empfiehlt, nach den inneren Regeln hinter den Schuldgefühlen zu suchen, also erst einmal überhaupt zu erkennen, was die wahre Ursache ist. Als da wäre etwa das Verbot, Nein sagen oder auf das persönliche Wohlbefinden achten zu dürfen. </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Fisch im Menschen - Unser evolutionäres Erbe</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-fisch-im-menschen-unser-evolutionaeres-erbe/2095956</link>
      <pubDate>Mon, 04 Aug 2025 02:20:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c6594f8b-b679-4241-88ee-dde0b8583f87</guid>
      <description>Der Mensch ist ein Tier unter Tieren, Ergebnis einer Milliarde Jahre dauernden Evolution. Spuren dieser Geschichte des Lebens sind in unserem Körper zu finden: Im Aufbau unseres Skeletts, in der Struktur unserer Organe, im Aufbau unserer Zellen. Evolutionär sind wir eigentlich Fische, die an Land gegangen sind und mit ihren früheren Flossen heute die Welt gestalten. Autor: Geseko von Lüpke (BR 2024)  </description>
      <enclosure length="21926400" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095956/c/feed/der-fisch-im-menschen-unser-evolutionaeres-erbe.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:50</itunes:duration>
      <itunes:author>Geseko von Lüpke</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Mensch ist ein Tier unter Tieren, Ergebnis einer Milliarde Jahre dauernden Evolution. Spuren dieser Geschichte des Lebens sind in unserem Körper zu finden: Im Aufbau unseres Skeletts, in der Struktur unserer Organe, im Aufbau unserer Zellen. Evolutionär sind wir eigentlich Fische, die an Land gegangen sind und mit ihren früheren Flossen heute die Welt gestalten. Autor: Geseko von Lüpke (BR 2024)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8107aa5f-4897-4e1e-b9e0-30c8a8e50e55.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Mensch ist ein Tier unter Tieren, Ergebnis einer Milliarde Jahre dauernden Evolution. Spuren dieser Geschichte des Lebens sind in unserem Körper zu finden: Im Aufbau unseres Skeletts, in der Struktur unserer Organe, im Aufbau unserer Zellen. Evolutionär sind wir eigentlich Fische, die an Land gegangen sind und mit ihren früheren Flossen heute die Welt gestalten. Autor: Geseko von Lüpke (BR 2024)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Geseko von Lüpke<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Thomas Birnstiel, Susanne Schroeder, Johannes Hitzelberger<br/> Technik: <br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Thassilo Franke (Biologe an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns),<br/>Neil Shubin (Paläontologie-Professor an der University of Chicago), <br/>Joachim Haug (Prof. f. Zoomorphologe am GeoBioCenter der Universität München), <br/>Reiner Schoch (Professor f. Paläontologie an der Universität Hohenheim), <br/>Walter Salzburger (Professor f. Evolutionsbiologe an der Uni Basel), <br/>Axel Meyer (Prof. f. Evolutionsbiologie Universität Konstanz)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
Urvogel Archaeopteryx - Beweisstück der Evolution? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/urvogel-archaeopteryx-beweisstueck-der-evolution/bayern-2/10397545/">JETZT ENTDECKEN</a>
Lebende Fossilien - Von der Evolution vergessen <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/lebende-fossilien-von-der-evolution-vergessen/bayern-2/78757964/">JETZT ENTDECKEN</a>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Harrison, Keith: Du bist (eigentlich) ein Fisch. Die erstaunliche Abstammungsgeschichte des Menschen, Spektum Akademischer Verlag 2007</p>
<p>Shubin, Neil: Der Fisch in uns. Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers, Fischer-Verlag 2010</p>
<p>Filmtipps:</p>
<p>‚Your inner fish‘ Website Your Inner Fish | PBS, <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.pbs.org/your-inner-fish/">Watch Your Inner Fish (pbs.org)</a></p>
<p>‚Der Fisch in uns‘  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.fernsehserien.de/der-fisch-in-uns/episodenguide/0/26916">Der Fisch in uns Dokumentation in 3 Teilen Episodenguide – fernsehserien.de</a></p>
<br/>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-wiener-narrenturm-erste-irrenanstalt-der-welt-panoptikum-freud-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Was sehen Sie, wenn sie morgens ins Badezimmer kommen und aus verschlafenen Augen einen ersten Blick in den Spiegel wagen? Ringe unter den halbgeöffneten Augen? Eine zerknautschte Frisur, die wachsenden Geheimratsecken, das leidige Doppelkinn oder – in Ganzkörper-Sicht – zu viel Fett irgendwo?</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Thassilo Franke, Münchner Biologe an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, hat morgens einen ganz anderen Blick. Und nicht, weil er gerade mit Taucherbrille und Schnorchel in seiner Badewanne unterwegs war. Sondern weil er evolutions-wissenschaftlich sich selbst in Augenschein nimmt:</p>
<p>1. ZUSPIELUNG  Wort                  13:49) </p>
<p>Eigentlich, wenn Sie sich in den Spiegel schauen, dann sehen Sie den Fisch überall. Man sieht den Fisch in der Haut, man sieht den Fisch in den Haaren, man sieht den Fisch in den Ohren, in der Nase, in den Augen, in den Zähnen, in den Extremitäten. Überall haben wir Merkmale, wo wir Vorläuferstrukturen auch an unseren schuppigen, kiementragenden Vorfahren im Wasser nachweisen können. (0:56) Wir sind eigentlich Fische, die sich auf ihren Bauchflossen durchs Leben bewegen, die zu Beinen umgewandelt wurden und die mit ihren Brustflossen, die unsere Hände darstellen, die fantastischen Sachen machen können. Ich meine, mit unseren fünf Flossenstrahlen pro Brustflosse können wir Sonaten auf dem Klavier spielen.</p>
<p>ZUSPIELUNG    Musik  1   Klaviersonate von J.S. Bach, (schon drunter, kurz frei, unter Text)</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Moment mal! Klavierspielende Fische? Wesen mit Flossen, Kiemen, Gräten, Schuppen?  (Musik weg)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Genau diese! Wer mit dem Wissen der Evolutionsforschung und der Paläontologie auf den Menschen schaut, schaut quasi in ihn hinein, sieht Schichten von Geschichte in der Haut und darunter. Kann sehen, wie dieses Wunderwerk Mensch sich über die Jahrmillionen herausformte. Sieht Vorfahren, die zwar noch nicht am Flügel saßen (Musik wieder lauter), aber schon die Gliedmaßen besaßen, die ein paar Millionen Jahre später Bach-Kantaten zum Klingen bringen. Neil Shubin, Paläontologie-Professor an der University of Chicago und Autor des Buches ‚Der Fisch in uns‘ spricht im gleichnamigen Dokumentarfilm ganz ohne mystische Nebel von den ‚Geistern der Vergangenheit‘:</p>
<p>OVERVOICE_SPRECHER:</p>
<p>2. ZUSPIELUNG  Wort              1:00:14)</p>
<p>When I look at my fellow humans, I see ghosts of animals past … </p>
<p>Wenn ich auf meine Artgenossen schaue, sehe ich die Geister der vergangenen Tiere. Flüchtige Momente einer epischen Geschichte, die in uns allen verborgen ist (…) Wie unsere Hände zugreifen, mag uns noch an unsere Ahnen unter den Primaten erinnern. Aber schon wie unser Gehör sich formte, datiert zurück auf eine Spitzmaus. Und je weiter wir zurückgehen, desto fremdartiger wird es:  (1:1:44) Richtig abenteuerlich wird es, wenn wir nach den längst verschwundenen Verwandten suchen, jenen Fischen, die vor Hunderten von Millionen Jahren aus dem Wasser an Land krochen. Ob es der Nacken oder unsere Lunge ist, unsere Extremitäten oder Hände – wir verdanken diesen mutigen Pionieren eine ganze Menge. Wenn Sie also wirklich verstehen wollen, wieso sie so gebaut sind, wie sie sind, wird es Zeit ihrem inneren Fisch zu begegnen.… time to meet your inner fish.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Neil Shubin weiß, wovon er spricht. Er wurde weltberühmt, weil er nach 15 Jahren Steineklopfen 2008 ebenjenes Fossil aus dem Gestein der arktischen Küsten Westkanadas herausarbeitete, dass als bislang fehlende Verbindung, als sogenanntes  ‚missing link‘ zwischen Wasser- und Landwesen gilt: Tiktaalik, ein Wesen zwischen Fisch und Amphibie, das aber schon Oberarmknochen, Elle, Speiche und Fingerknochen entwickelt hatte, wie sie als Grundmuster in jedem Mensch der Gegenwart zu finden sind.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und tatsächlich: Wer den Stammbaum aller Wirbeltiere zurückverfolgt, trifft irgendwann vor einer halben Milliarde Jahre auf einen gemeinsamen Vorfahren, aus dem sich Knorpelfische wie der Hai und Knochenfische wie zum Beispiel der Barsch entwickelten. Und letztere – die Knochenfische – wurden zu den Abenteurern der Evolution. Denn aus ihnen wiederum entwickelten sich Fleischflosser, wie die Lungenfische, die sich in den seichten Gewässern der Urmeere tummelten und neue Sinne und Formen entwickelten, erklärt Prof. Joachim Haug, Zoomorphologe am GeoBioCenter der Universität München …</p>
<p>3. ZUSPIELUNG    Wort            13:18) </p>
<p>Wir sind hochspezialisierte Fische. Und viele von den Merkmalen, auf die wir als Landwirbeltiere so stolz sind, die können wir relativ weit zurück verfolgen in der Evolution. (13:25) Wir haben eine Lunge, viele Fische haben eine Schwimmblase. (14:11) Das heißt, Lunge geht ganz weit zurück in der Evolution. Zum Beispiel ein Kiefer mit Zähnen ist ein Merkmal, das ja ganz früh eine Rolle spielt. (15:06) Einer unserer wichtigsten Sinnesorgane ist der Tastsinn. Der Tastsinn geht zurück auf die Seitenlinienorgane von vielen Fischen. (15:25) Genauso natürlich Linsenaugen, Wahrnehmung von Licht, das geht auch alles zurück auf diese Tiere, das ist da bereits evolviert mit dem komplexen Nervensystem, das dahinter steht, die Muskulatur, die Augen bewegen können. (15:56) Alles in Bezug auf Fische. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es liegt nahe und ist doch so fremd. Wer eine Forelle ausnimmt, findet in ihr Herz, Niere, Leber, Galle, Gehirn, Augen – ein Grundbauplan, der sich historisch in Wirbeltieren aller Art fortsetzte. Doch der ‚innere Fisch‘ findet sich auch im Blutkreislauf, im Salzgehalt unseres Körpers, der dem der Meere entspricht. Und wer im Restaurant mühsam das Fleisch von den Gräten trennt, mag sich angesichts der pieksigen Knöchelchen erinnert fühlen an die Rippen, welche die eigene Lunge schützen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch der detaillierte Blick auf den Fisch im Mensch ist eine Reise in die Tiefen der Zeit, ins ‚Erdaltertum‘ – das Paläozoikum, das Kambrium vor 540 Millionen Jahren. Zurück in eine Zeit, in der sich explosionsartig die Lebensformen fast aller Tierstämme entwickeln sollten. Eben aufgrund von kreativen zufälligen Erfindungen der Evolution, die sich in den Tiefen der Meere in winzigen Schritten Leben für Leben entwickelten. Aber ohne einen Plan, wozu das einmal gut sein sollte: Für Wesen, die aus dem Wasser klettern sollten, Millionen Formen annahmen, Säugetiere wurden, ja, Bewusstsein entwickelten! Neil Shubin beschreibt, wie er auf der Suche nach dem ersten Landgänger, dem Tiktaalik, in der kanadischen Arktis staunend durch die Schichtungen der Zeit reiste.</p>
<p>OVERVOICE-SPRECHER:</p>
<p>4. ZUSPIELUNG      Wort                  (1:23:15)             </p>
<p>It’s hard to believe when you look out across this frozen terrain </p>
<p>Wenn man auf diesem kargen gefrorenen Land steht, ist es schwer vorstellbar, dass hier einst eine warm-wässrige Welt war, in der das Leben schwamm. Es ist eine riesiger Spalt zwischen dieser Urvergangenheit und der Gegenwart. Aber die Steine hier berichten uns von einer Zeit vor 375 Millionen Jahren von einer riesigen Auenlandschaft voller Flüsse, die auf- und abschwollen, Sümpfe und Ströme aller Größen formten     ….  and streams of all different sizes.</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In solcher Ur-Szenerie haben sich wohl urtümliche knochige Lungenfische auf der Flucht vor gefräßigen Raubfischen in die flachen Uferregionen gerettet, wo nach und nach aus Schwimm-Flossen unförmige Gliedmaßen wurden, aus Fischen letztlich Amphibien. Neil Shubins Fund, den er nach der Sprache der Inuits ‚Tiktaalik‘ taufte, konnte sich schon mit seinen Flossen abstützen, den Kopf aus dem Wasser strecken und links und rechts in die Welt seiner Nachfahren schauen.</p>
<p>OVERVOICE-SPRECHER:</p>
<p>5. ZUSPIELUNG    Wort    (1:50:02)</p>
<p>Here was an animal, Darwin had predicted ….      Hier fanden wir das Tier, das Darwin vorausgesagt hatte, ein anatomischer Zwitter. Es hatte mit Schuppen, Flossen und Kiemen Züge eines Fisches, aber auch eine Lunge. Und zu unserem Erstaunen auch einen Nacken, den frühesten, der je gefunden wurde. Der Trumpf aber fand sich in der Flosse: Da war das erste Grundmuster von einem Knochen, zwei Knochen, vielen Knochen, dass wir auch in unseren heutigen Armen finden. Da gab es sogar eine Art Handgelenk, erste Hinweise auf das was mal eine menschliche Hand werden würde. Immer wenn wir eine Hand schütteln oder den Kopf drehen, können wir uns eigentlich bei Tiktaalik und seinen Cousins des Devons bedanken, die sich an das Leben dieser urtümliche Flüsse anpassten                                      …adapting to life in these ancient streams.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Diese rund einen Meter lange Wesen mit krokodilartigem Schädel sollten dann vor 375 Millionen Jahren zum gemeinsamen Vorfahren aller Landwirbeltiere werden, die man als Vierfüßler in der Biologie ‚Tetrapoden‘ nennt. Sie eroberten ein fast unbegrenztes Habitat, in das ihnen kein Raubfisch folgen konnten und füllten nach und nach alle ökologischen Nischen an Land, wo es bislang nur Algen, Moose, Pilze gab, kleine Wirbellose, winzige Insekten und andere Gliederfüßler.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch als der Landgang einmal vollzogen war, bildeten sich aus diesen Pionieren rasant und in Schüben neue Äste am Baum der Evolution: Alle Amphibien, alle Reptilien, alle Vögel, alle Plazenta- und Säugetiere. Millionenfach – von der Schildkröte bis zum Dino, vom Salamander bis zum Adler, von der Spitzmaus bis zum Primaten. Bis zu uns, die wir – wie der Biologe Thassilo Franke – heute staunend vorm Spiegel das Ergebnis dieser Zeitreise in sich selbst sehen können:</p>
<p>6. ZUSPIELUNG     Wort              50:00) </p>
<p>Wenn man jetzt vom evolutionsbiologischen Standpunkt das Ganze betrachtet, gibt es ja keinen intelligenten Schöpfer, der hinter all dem steht. Sondern die treibende Kraft war natürliche Selektion, genetische Drift, die eigentlich ungerichtet abläuft. (12:26) Der Weg des geringsten Widerstands in der Evolution besteht eigentlich darin, Strukturen, die bereits vorhanden sind, umzustrukturieren und einer neuen Nutzung zuzuweisen. (52:57) Und wir Menschen sind nicht mehr als einfach die Spitze eines Zweiges unter Tausenden und Millionen und Abermillionen von Zweigen, die an diesem Baum entstanden sind. Nur durch das, was unsere geistigen Fähigkeiten eigentlich uns erlauben zu tun, unterscheiden wir uns im Handeln von den vielen anderen Lebewesen. Aber was unseren Bauplan betrifft, sind wir eigentlich nichts Besonderes.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Fische halt, ebenso wie jedes Reptil, jeder Vogel, jeder Säuger. Alles besondere, hochspezialisierte Fische. Keine gerade Linie der Entwicklung, eher ein fraktales Baum-Muster mit vielen Möglichkeiten und Richtungen. Ein Mosaik aus Lebenslinien, dass mit erfolgreichen Bausteinen immer wieder neue Körper baut, neue Sinne, neue Fähigkeiten. (Musik wieder rein) Wo nicht nur aus Flossen klavierspielende Finger wurden, sondern aus Kiemen weitere Wunder wuchsen, welche diese Worte sprechen und Ihre Ohren hören lässt, erklärt Reiner Schoch. Professor für Paläontologie an der Universität Hohenheim.</p>
<p>7. ZUSPIELUNG        Wort          12:14) </p>
<p>Die Tatsache, dass ich zu Ihnen sprechen kann, hängt damit zusammen, dass mein Vorfahr einen Kiemenkorb hatte und ein Teil dieses Kiemenkorbes wurde, umgebaut zu dem Hyalknorpel, mit dem ich sprechen kann. Und die Tatsache, dass die Zuhörer mich hören können, liegt ebenso an diesem Kiemenkorb, denn ein anderer Teil dieses Kiemenkorbes wurde zu einem Gehörknöchelchen umgebaut. Das ging nicht mit einem Schritt, sondern, wie vorhin bereits erwähnt, über viele kleine Einzelschritte, bei denen jeder so ein bisschen in eine neue Richtung geführt hat. (22:05) Das heißt, wir sind ein Teil der Fische. Zusammen mit den Haien und den Knochenfischen bilden wir eine Teilgruppe der Fische. Und natürlich zusammen mit den Stachelhäutern, also zum Beispiel den Seeigeln oder zusammen mit der Stubenfliege bilden wir die Tiere.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die innere Stubenfliege? Auch das! Ihr Körper ist genetisch genau wie unserer in Kopf, Rumpf und Extremitäten gegliedert – uralte ‚Hox-Gene‘ geben diesen Aufbau seit Urzeiten von Wesen zu Wesen weiter. Und der innere Hai?</p>
<p>ZUSPIELUNG     Musik  3  (Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht…)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bei der Moritat von Mecky Messer aus der Dreigroschenoper aber irrte Texter Bertolt Brecht vor rund 100 Jahren. Zwar können Menschen sich wie Raubfische verhalten! Aber Haie tragen ihre Zähne nicht nur im Gesicht, sondern – das wissen wir heute – als winzige schuppige Hautzähnchen am ganzen Körper: Von wo sie dann auch in den menschlichen Mund gewandert sind. Noch einmal der Evolutionsbiologe und Haiforscher Rainer Schoch </p>
<p>8. ZUSPIELUNG          Wort      19:30) </p>
<p>Wir haben Zähne gemeinsam nicht nur mit Knochenfischen, sondern auch mit Haien. Und die heutigen Haie zeigen uns auch, wo die Zähne eigentlich herkommen. Denn der gesamte Körper des Haies ist überzogen mit kleinen Schüppchen, sogenannten Plakoidschuppen. Und die haben einen Aufbau, der völlig gleich ist mit dem der Zähne. Es ist also möglich, dass die Zähne erst entstanden aus solchen vergrößerten Schuppen, die am Mundrand gewachsen waren und die einfach zum Beißen umfunktioniert wurden. (20:45) Was aber auf jeden Fall klar ist, Schuppen und Zähne sind, wie wir sagen, homologe Strukturen. D.h., die sind verwandt miteinander. (21:03) Die Schuppe des Knochenfischs und mein Zahn z.B. haben einen gemeinsamen Vorfahren.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Lächeln Sie sich mal im Spiegel an und ehren die 500 Millionen Jahre alten Haifischzähne im eigenen Gebiss! </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Denn natürlich endet die Verwandtschaft im Baum des Lebens nicht bei den Primaten, den Tetrapoden, den Fischen, sondern geht immer weiter zu den Wurzeln zurück. Bis man irgendwann zu einem hypothetischen Organismus kommt, der den Namen ‚LUCA‘ trägt, die Abkürzung für den ‚Last Universal Common Ancestor‘, dem Vorfahr aller Lebewesen, erklärt Prof. Walter Salzburger, österreichischer Evolutionsbiologe an der Universität Basel.</p>
<p>9. ZUSPIELUNG    Wort    21:39) </p>
<p>Genauso wie wir den Fisch in uns tragen, tragen wir auch den Wurm in uns oder den Einzeller in uns. An und für sich tragen wir alles in uns seit dem Ursprung des Lebens. (22:11) Und wenn wir nur weit genug zurückgehen, dann haben Pflanzen, Pilze, Bakterien und wir, als Menschen, Primaten, als Wirbeltiere, gehen wir alle auf diesen Ursprung des Lebens zurück. Und grundlegende Prozesse in unserem Körper, grundlegende zelluläre Prozesse und damit auch die genetischen Bauplan dafür, den teilen wir beispielsweise mit allen Tieren und somit auch mit allen Würmern oder sogar noch weiter zurück, mit allen Vielzellern, also mit den Pflanzen und den Pilzen. (22:54) Wo wir uns in diesem verschachtelten System sehen wollen, das ist eine willkürliche Einteilung, aber widerspiegelt ja eigentlich nur die Evolution des Lebens auf unserem Planeten.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und von dort, jenem Urknall des Lebens, führt letztlich die genetische Leiter der DNA aufwärts durch die Zeitalter des Lebens, Abermillionen von Lebensspannen mit unendlich vielen Experimenten und Erfahrungen, die letztlich alle in den Genen kodiert sind – wie eine komplette Aufzeichnung der Evolutionsgeschichte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sie findet sich bis heute in jeder Befruchtung aus männlichem Samen und weiblicher Eizelle zu einem neuen Schriftsatz zusammen. Und dann durchläuft der immer wieder einmalige Organismus tatsächlich im Mutterleib im Zeitraffer große Teile der evolutionären Reise noch einmal. Weil sich wie im Baukasten eins aus dem anderen bilden muss, erklärt Evolutionsbiologe Axel Meyer aus Konstanz</p>
<p>10. ZUSPIELUNG      Wort         21:40) </p>
<p>Also wenn sich beim menschlichen Embryo eine Hand oder ein Bein entwickelt, dann kommt erst so eine Art Flosse, so eine Art Paddel.  (23:10)  Zum Beispiel haben auch wir ursprünglich als frühe Embryos Kiemenspalten, die ja auch Fische haben. (24:15) Und das ist ein altes Muster in der Evolution, der Aufbau des Körpers in Segmenten, der eben schon in Fischen und in allen Wirbeltieren ganz früh als Embryo sichtbar ist. Ganz früh in der Embryonalentwicklung sind die Gemeinsamkeiten viel größer. Zu späteren Stadien in der Entwicklung kommen die Unterschiede, die sich dann eben zeigen in einer Entwicklung eines Pferdefußes oder eines Flügels einer Fledermaus im Vergleich zu einer Hand eines Primaten. Man kann diese Schritte nicht auslassen oder überspringen. (((29:00) Das sind hinkende Metaphern des Bauplans, wie die Gene miteinander agieren. Da ist eher die Musik der Veränderung drin. Es geht weniger darum, dass grundsätzlich andere Wege beschritten werden, sondern eher darum, dass sich die Melodie der Musik irgendwo klein wenig ändert - nicht viel mehr.))</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kaum zu glauben: Jeder von uns war in den ersten Tagen seiner Existenz erst eine Art Urzelle, eine Art Kaulquappe, ein Fisch, ein Tetrapode, ein noch undifferenziertes Säugetier, bevor wir zum menschlichen Embryo wurden – eine auf Wochen verdichtete Zeitreise durch eine Milliarde Jahre Evolution.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Man hat die Evolution einen ‚faulen Kopierer‘ genannt, einen Zufalls-Architekten, aber auch mit einen spielenden Bastler oder alte Rezepte variierenden Koch verglichen, Bäume und Mosaike als Metaphern für die wundersame Entwicklung des Lebens bemüht. Heute zeigt sich die evolutionäre Reise eher als ein fraktales Netzwerk der Anpassung, ohne eindeutige Richtung, ohne Ziel, ohne Hierarchien, sagt Prof. Joachim Haug vom GeoBioCenter der Ludwig-Maximilians-Universität München</p>
<p>11. ZUSPIELUNG       Wort                        25:00)  </p>
<p>Dieses ewige Weiter und Höher, das ist nicht überall der Fall. (((25:50) Wir sehen das gerne so, weil wir aus unserer Perspektive auf die Evolution runtergucken. (25:21) Vor 100 Millionen Jahren hatten wir auch schon Tiere, die so hoch entwickelt waren wie heute. (28:38) Da gibt es nicht  ‚Wir sind höher als die!‘, sondern es gibt immer diese Dinge, die nebeneinanderstehen. Es gibt ja keine Überhöhung in irgendeiner Form. )) (48:53) Der Mensch stammt nicht vom Affen ab. Der Mensch ist ein Affe.  (49:05) Der Mensch ist ein Fisch. Es gibt keine Möglichkeit, uns da rauszunehmen. (((28:56) Bei strikter Anwendung des philosophischen Hintergrundes gibt es keine Hierarchisierung in dieser Form. Wir sind Teil des Ganzen, wir stehen da nicht raus (49:10))) Das heißt, wir sind plötzlich mit all dem verbunden in unserem körperlichen Sein. Wir sind Teil dieses Ganzen. (49:27) Es entthront einen ein Stück weit. ((Also das ist glaube ich wirklich die Konsequenz, die man ziehen muss.)) Der Mensch als Art ist nicht besonders hervorgehoben in diesem System. ((Wenn wir uns den Impact anschauen würden, könnte man sogar so weit gehen, wenn der Mensch aus dem System rausfallen würde, wäre das für das System wahrscheinlich eher besser, als dass es schädlich wäre. (49:55) Es sieht zumindest so aus, als ob das alles auch ohne uns gut weitergehen könnte.))</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es geht weiter. Alles ist möglich, sagt die Evolutionsforschung. Und wie es weitergeht, bestimmt der geniale Zufallsgenerator der Evolution. Ob mit oder ohne Menschen, daran sind wir selbst beteiligt. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und manches spricht dafür, dass der Homo sapiens dafür begreifen müsste, dass er einerseits Teil einer wunderbaren großen ästhetischen Ganzheit ist. Und andererseits nicht mehr als ein einfacher Knochenfisch. Thassilo Franke von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns zuckt mit den Schultern, schaut aus dem Fenster - und sagt:</p>
<p>12. ZUSPIELUNG           Wort                       51:08) </p>
<p>Ich muss zugeben, ich sehe da laufende Fische. Ich finde das aber auch nicht erniedrigend, weil ich finde das eigentlich großartig, dass wir nichts anderes sind als landbewohnende Fleischflosser. Je mehr man eigentlich solche Bilder im Kopf hat, desto ehrfürchtiger wird man eigentlich, weil man sieht, was alles im Laufe der Jahrmillionen sich für unglaublich faszinierende Anpassungsstrategien entwickelt haben. Wie zum Beispiel Fische, die an Land leben, den aufrechten Gang beherrschen, die mit ihren Brustflossen Dinge fabrizieren wie eine Mona Lisa, wie ein Quantencomputer, wie eine fantastische Sonate auf dem Klavier spielen können. Das finde ich einfach faszinierend.</p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Absturz von Luftschiff LZ 7 - Zeppelin-Katastrophe ohne Panik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/absturz-von-luftschiff-lz-7-zeppelin-katastrophe-ohne-panik/2108076</link>
      <pubDate>Sun, 03 Aug 2025 18:04:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e29dbb97-e4e2-4e7d-a3fb-065c07408b1a</guid>
      <description>Die Fahrt des Zeppelin Luftschiffes LZ 7 am 28. Juni 1910 geriet zu einer Beinahe-Katastrophe. Der Begeisterung in Bevölkerung und Presse schadete diese Havarie jedoch nicht. Denn es ging in dieser frühen Phase der Luftfahrtgeschichte um mehr als eine neue Form des Reisens. Es ging um das Renommee der ganzen Nation. Autor: Thomas Grasberger (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="21936000" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108076/c/feed/absturz-von-luftschiff-lz-7-zeppelin-katastrophe-ohne-panik.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Grasberger, Thomas</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Fahrt des Zeppelin Luftschiffes LZ 7 am 28. Juni 1910 geriet zu einer Beinahe-Katastrophe. Der Begeisterung in Bevölkerung und Presse schadete diese Havarie jedoch nicht. Denn es ging in dieser frühen Phase der Luftfahrtgeschichte um mehr als eine neue Form des Reisens. Es ging um das Renommee der ganzen Nation. Autor: Thomas Grasberger (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d5d5add5-5817-4bb7-89db-3ef47d9c0e35.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Fahrt des Zeppelin Luftschiffes LZ 7 am 28. Juni 1910 geriet zu einer Beinahe-Katastrophe. Der Begeisterung in Bevölkerung und Presse schadete diese Havarie jedoch nicht. Denn es ging in dieser frühen Phase der Luftfahrtgeschichte um mehr als eine neue Form des Reisens. Es ging um das Renommee der ganzen Nation. Autor: Thomas Grasberger (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Thomas Grasberger<br/> Regie: <br/> Es sprachen: <br/> Technik: <br/> Redaktion: </p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<ul>
<li>Jürgen Bleibler, Leiter der Zeppelin-Abteilung am Zeppelin Museum in Friedrichshafen</li>
</ul>
<br/>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hubschrauber-und-multikopter-die-geschichte-der-drehfluegler/bayern-2/13189785/">Hubschrauber und Multikopter - Die Geschichte der Drehflügler</a></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong></strong></a><strong></strong>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Geschichte:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-absturz-luftschiff-lz7-zeppelin-luftschiffahrt-kaiserreich-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p> </p>
<p>Erzähler</p>
<p>Ein großes Ereignis soll es werden – eines von nationaler Bedeutung. Deshalb warten am Morgen des 28. Juni 1910 viele Menschen im Norden von Düsseldorf darauf, dass die riesige „Zigarre“ in den Himmel aufsteigt und über den Sandbänken des Rheins majestätisch ihre Bahnen zieht.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Ein großes Erlebnis soll es auch für die Wenigen werden, die oben mit dabei sein dürfen. Luftschiff-Kapitän Kannenberg bittet die 19 ausgewählten Journalisten, darunter zwei Reporter aus England, auf den eleganten Korbstühlen in der Passagierkabine Platz zu nehmen. Das Interieur ist vom Feinsten: Überall Mahagoni-Holz, Perlmutt-Intarsien, Teppiche.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Fürs Kulinarische sorgt ein Kellner, der Gänseleber-Pastete, Hummer, Kaviar und Pralinés bereithält – dazu reichlich Champagner, Wein und Cognac. Alles wie im Luxus-Restaurant. Nur, dass man hier in 300 Metern Höhe diniert und dabei die Welt durch große Schiebefenster von oben betrachten kann.</p>

<p>Musik</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>550.000 Mark hat der Bau des Riesen verschlungen – in heutiger Kaufkraft etwa fünf Millionen Euro. Als Starrluftschiff verfügt LZ 7 über ein festes Gerüst aus Trägern und Streben sowie über mehrere Gaszellen mit Wasserstoff. Es ist das siebte in der Flotte der Luftschiffbau Zeppelin GmbH in Friedrichshafen am Bodensee.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Die Jungfernfahrt von LZ 7 war erst wenige Tage her. Der 72-jährige Ferdinand Graf von Zeppelin höchstpersönlich hatte sein Luftschiff an den Rhein gesteuert, wo er mit großem „Oh“ und „Hallo“ von der Menge begrüßt wurde. Zwei Tage später fand eine erste Rundreise statt. 20 Passagiere, unter ihnen fünf Frauen, genossen die zweistündige Ausflugsfahrt in 200 bis 300 Metern Höhe. Es waren sehr reiche Leute aus Bürgertum, Adel und Militär, die sich damals so ein Abenteuer leisteten, sagt Jürgen Bleibler, Leiter der Zeppelin-Abteilung am Zeppelin Museum in Friedrichshafen.</p>

<p>ZSP 1 Bleibler Passagiere</p>
<p>Natürlich ist es was Elitäres, es ist was Teures, aber es ist aus der Perspektive der DELAG eben auch die Möglichkeit, diese Euphorie von denen, die das Luftschiff von unten sehen, zu denen zu bringen, die es benutzen können.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Die DELAG – das ist die Deutsche Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Diese erste Fluggesellschaft der Welt war ein halbes Jahr zuvor, im November 1909, mit staatlicher Unterstützung gegründet worden. Als kommerzielles Tochterunternehmen der Zeppelin GmbH soll die DELAG die Passagierfahrten mit den Verkehrsluftschiffen organisieren.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Zum Beispiel eine Fahrt mit LZ 7. Die zweite findet am 28. Juni statt. Es ist ein ganz besonderer Termin, ((für den hohe Repräsentanten des Unternehmens anreisen. Graf Zeppelins enger Berater Hugo Eckener wird mit an Bord gehen. Auch Alfred Colsman, der Direktor des Zeppelin-Konzerns.)) Denn an diesem Dienstag geht es immerhin darum, eine neue Ära der Luftfahrt einzuläuten – die der Passagierluftfahrt.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Dafür braucht man eine breite Öffentlichkeit, die die Unternehmung möglichst euphorisch begleitet. Eine gezielt angelegte Imagekampagne also. Eine Pressefahrt – mit der LZ 7.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Alles ist genauestens geplant. Man will pünktlich abheben, um sich vor den Zeitungsleuten nicht zu blamieren. Aufs Wetter warten? Kam nicht in Frage, sagt Jürgen Bleibler. Von unsicheren Vorhersagen wollten sich die Lobbyisten der Lüfte ihr Projekt nicht verhageln lassen.</p>

<p>ZSP 2 Bleibler Deutschland </p>
<p>Und so startet man jetzt eben zu dieser Fahrt und kommt in eine schwierige Wettersituation.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Dabei hat alles so gemütlich angefangen: Luftschiff LZ 7 hebt ab und nimmt Kurs auf Solingen. Um 8 Uhr 35 Uhr wird an Bord ein Sektfrühstück mit Kaviar gereicht. Aber schon zehn Minuten später setzt der hintere Backbord-Motor aus. Um 9 Uhr 45 – das 148 Meter lange Luftschiff steht gerade über Remscheid – weht der Wind immer kräftiger.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>LZ 7 wird zum Spielball der Natur, die heitere Rundfahrt gerät zur stundenlangen Odyssee. Über Dortmund treibt das Luftschiff nach Nordosten in Richtung Münster und Osnabrück. Kurz nach 17 Uhr setzt auch der vordere Motor aus. Am Limberg nahe Bad Iburg geht die „Deutschland“ zu Boden...</p>

<p>Fortsetzung ZSP 2 Bleibler Deutschland </p>
<p>... und strandet witzigerweise auch noch auf den Nadelbäumen des Teutoburger Walds. Und die Presse wird dann sofort hämisch und sagt: Deutschland liegt im Teutoburger Wald. Denn dieser LZ 7 war das erste Zeppelin Luftschiff, das tatsächlich einen Taufnamen hatte, und dass es den Namen Deutschland bekam, spricht ja auch schon wieder Bände, also welche Mechanismen da eine Rolle spielen.</p>

<p>Zitator</p>
<p>„luftschiff teutoburger wald baeume geraten. mir nichts passiert gruesse – franz“</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Schreibt einer der Passagiere kurz nach der Havarie in einem Telegramm nach Hause. Das Desaster ist glimpflich ausgegangen, es gibt nur einen Leichtverletzten. Aber das Presseecho ist enorm: „Deutschland“ am Boden! Es ist eine Meldung von nationaler Tragweite. Und auch im Ausland berichten die Zeitungen darüber.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Denn Technikbegeisterung und Fortschrittseuphorie beherrschen damals eine Welt, die sich rasant verändert. Zwischen 1870 und 1914 gibt es so viele bahnbrechende Erfindungen, dass von einer zweiten industriellen Revolution die Rede ist. Telefon, Radio und Automobil – Kunststoff, Kühlschrank und Klimaanlagen – Röntgenstrahlen, Fließbänder und Lochkartenmaschinen. Nahezu alle Lebensbereiche werden von Innovationen überschwemmt.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Diese Neuerungen sind kein Selbstzweck. Denn es geht um Profit und Wachstum, um industrielle Potenz, Wettbewerbsvorteile und Macht. Und um Renommee fürs Vaterland, sagt der Luftschiff-Experte Jürgen Bleibler.</p>

<p>ZSP 3 Bleibler Technikbegeisterung </p>
<p>Es hat was mit nationaler Identität zu tun, also es geht um Prestige, um Konkurrenz natürlich auch, gerade mit Frankreich und Großbritannien, im Fall des deutschen Kaiserreichs. Es geht um Wettrüsten, um den viel zitierten Platz an der Sonne, also auch eine Großmacht werden, eine Kolonialmacht werden. Und ich würde schon sagen, dass diese Luftfahrt als eine neue Technologie sich davon noch mal speziell abhebt durch etwas, was man als starke Emotionalisierung bezeichnen muss.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist eine Zeit großer Begeisterung für die Luftschifffahrt. Im deutschen Kaiserreich ist sie auf das Engste verbunden mit dem Namen eines Adligen und den nach ihm benannten Maschinen.</p>

<p>ZSP 4 Bleibler Staatssymbol </p>
<p>Es gibt diese spezielle Person dieses Grafen Zeppelin, der eine ganz bestimmte Rolle im deutschen Kaiserreich spielt. Der sich auch als Beherrscher der Lüfte inszeniert, auch sehr clever mit verschiedenen Dingen agiert, auch mit Emotionen. Und so ist dieses Zeppelin-Luftschiff eben etwas, was zwischen 1908, das ist ein erster Höhepunkt, und dem Beginn des Ersten Weltkriegs ein deutsches Staatssymbol wird.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Ferdinand Graf von Zeppelin – geboren 1838 in Konstanz am Bodensee als Sohn eines adligen Hofbeamten und dessen Frau, die aus einer hugenottischen Bankiersfamilie stammt. Der junge Graf studiert Maschinenbau, Chemie und Staatswissenschaften in Stuttgart und Tübingen. Standesgemäß schlägt er die militärische Laufbahn in der württembergischen Armee ein. Für einige Zeit beurlaubt, kämpft er 1863 im amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Südstaatenarmeen. Dort, in den USA, erlebt er als 25-Jähriger seine erste Ballonfahrt.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Was im 19. Jahrhundert nichts Überraschendes ist. Überall steigen Ballone in den Himmel, sei es aus wissenschaftlichen Gründen, sportlichen oder militärischen – zur Beobachtung feindlicher Truppen. Zurück auf den Schlachtfeldern Europas studiert Zeppelin im deutsch-französischen Krieg die Balloneinsätze der Franzosen. Die Luftfahrt lässt ihn nicht mehr los. Inspiriert von einem Vortrag des damaligen Reichspostministers Heinrich von Stephan über „Weltpost und Luftschifffahrt“, notiert Zeppelin am 25. April 1874 in seinem Tagebuch erstmals die Idee, ein starres Luftschiff zu bauen. Es dauert dann allerdings zwei Jahrzehnte, bis er sich näher damit beschäftigen kann.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Weil Zeppelin als Anhänger des Reichskanzlers Otto von Bismarck gilt, ist nach dessen erzwungenem Rücktritt auch seine Karriere beim Militär bald zu Ende. Tief gekränkt geht er mit 52 Jahren in den Ruhestand und hat Anfang der 1890er Jahre plötzlich viel Zeit. Der Graf holt seine Luftschiff-Pläne aus der Schublade und fängt an zu basteln.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Was bei vielen Zeitgenossen nur Kopfschütteln auslöst. Kaiser Wilhelm II. und seine Sachverständigen halten das Zeppelin-Projekt für „undurchführbar“. Aber der Graf lässt nicht locker, erwirbt das Deutsche Reichspatent auf einen „lenkbaren Luftzug“ und gründet 1898 die Gesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt AG. Die Hälfte des Kapitals von 800.000 Mark stammen aus seinem Privatvermögen.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>In Jahren harter Arbeit bauen Zeppelin und seine Mitstreiter, die schwäbischen Ingenieure Theodor Kober und Ludwig Dürr, einen Prototyp. „Leichter als Luft“ lautet das Prinzip. Das Traggas für die Füllung des Luftfahrzeugs ist damals Wasserstoff. Es hat eine geringere Dichte als die umgebende Luft. Dadurch entsteht Auftrieb.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Ganz neu ist das Prinzip nicht. Der griechische Gelehrte Archimedes hatte es schon mehr als 2000 Jahre zuvor beschrieben. Und dass es auch in der Luft funktionierte, bewiesen die Gasballone am Himmel. Nur waren die nicht lenkbar. Aber genau das wollte Zeppelin – eine kontrollierte, lenkbare Luftfahrt. Dass auch sie möglich ist, stellt er am 2. Juli 1900 in der Bodenseebucht von Manzell bei Friedrichshafen unter Beweis. An jenem Sommerabend um 20.03 Uhr erhebt sich die LZ1 unter dem Jubel von 12.000 Zuschauern zum Jungfernflug des ersten Starrluftschiffes in der Geschichte.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Lang dauert sie nicht, die erste Zeppelin-Fahrt. Nach 18 Minuten bricht eine Kurbel und das Luftschiff muss notwassern. Aber ein Anfang war gemacht. Das Jahrhundert der Luft- und Raumfahrt, wie es später oft genannt wird, ist an jenem Sommerabend über dem Bodensee eingeläutet worden. Von Anfang an hat Graf Zeppelin dabei auf das Publikum gesetzt, sagt Jürgen Bleibler, denn verbergen ließ sich die spektakuläre Fahrt mit einem 128 Meter langen Luftschiff ja ohnehin nicht.</p>

<p>ZSP 5 Bleibler Presse </p>
<p>Also geht er in die Offensive und sucht die Öffentlichkeit, und sucht die Presse und arbeitet mit der Presse und versucht sich der Presse zu bedienen, ganz klar. Und das ist was, was die gesamte Geschichte der Luftfahrt eben prägt, was die Presse als Sponsor, als Kommunikator, als Fürsprecher, als Erwartungs-Wecker und Erwartungs-Anschieber für eine immens gigantische Rolle spielt.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Und trotzdem finden sich zunächst keine Investoren für das technisch noch unausgereifte Fahrzeug. Die Aktiengesellschaft wird liquidiert. Dennoch baut Zeppelin drei weitere Luftschiffe, die er vor allem mit eigenem Geld finanziert. 1908 endlich signalisieren die Reichsbehörden Interesse: Eine Förderung für militärische Zwecke komme in Frage. Unter der Bedingung, dass das Luftschiff eine 24-stündige Dauerfahrt besteht.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Was damals ein abenteuerliches Unterfangen ist. Und prompt findet der Stresstest im August 1908 ein jähes Ende. LZ 4 soll am Rhein entlang bis Mainz fahren, muss aber bei Oppenheim schon runter – wegen Motorproblemen. Was sich in Windeseile herumspricht, weil die Zeitungen Extrablätter herausbringen. Überall laufen Schaulustige zusammen.</p>

<p>ZSP 6 Bleibler Nationaleuphorie </p>
<p>Man repariert das Schiff und fährt dann halt weiter. Die 24-Stunden-Fahrt war dadurch gescheitert, weil man runter musste. Und jetzt beginnt im Angesicht des Luftschiffes eine Menschengruppe – und alle stimmen ein – das Deutschlandlied abzusingen. Das heißt, dieses Objekt und die Figur des Grafen wird sozusagen eins mit der Nation.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Bei der Rückfahrt am 5. August muss LZ 4 in Echterdingen bei Stuttgart erneut notlanden. Ein Sturm reißt das Luftschiff aus seiner Verankerung – es geht in Flammen auf. Der Herr Graf ist am Boden zerstört, die Bevölkerung aber zeigt sich begeistert. Bei der folgenden „Zeppelinspende des deutschen Volkes“ kommen mehr als sechs Millionen Mark zusammen, die in eine Stiftung fließen und die Gründung der Luftschiffbau Zeppelin GmbH ermöglichen. Wie Phönix aus der Asche steigt der Zeppelin immer wieder auf – aus den Trümmern seiner havarierten Vorgänger.</p>

<p>ZSP 7 Bleibler Glaubensfrage </p>
<p>Das führt zu einer paradoxen Verstärkung, die uns heute etwas bizarr vorkommt. Dass nämlich eigentlich jedes Scheitern das Ding nur noch stärker macht, weil jedes Zweifeln am System ist Zweifel an der Nation und quasi Majestätsbeleidigung. Und das geht, was diese Zeppelin Luftschiffe angeht, wirklich durch ganz breite Bevölkerungsschichten in diesem ja innenpolitisch auch sehr zerrissenen Kaiserreich. Also auch die SPD fand die Zeppeline gut. Und die SPD sagte, die Zeppeline werden die Weltverbrüderung herbeiführen.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Viele wollen Teil dieser großartigen Zukunft sein, in der alle um die Welt gondeln, in den Zigarren der Lüfte. Selbst wenn damals noch eine nach der anderen buchstäblich in Rauch aufgeht.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Auch die 1910 gescheiterte Pressefahrt der LZ 7 führt nicht etwa zu Katzenjammer und Unkenrufen. Im Gegenteil. Am Morgen nach der Havarie trifft Graf Zeppelin mit dem Schnellzug in Osnabrück ein. Vor seinem Hotel versammelt sich eine jubelnde Menschenmenge. Zeppelin zeigt sich dankend am Fenster. Und fährt fort mit der Entwicklung seiner Luftschiffe. Während die Presse weiterhin das Majestätische und Erhabene der Luftfahrt besingt.</p>

<p>ZSP 8 Bleibler dritte Dimension </p>
<p>((Ich glaube, dass der jahrtausendealte Traum vom Fliegen ein Konstrukt ist, um der Luftfahrt auch diese Besonderheit zu geben im Nachhinein. Aber ich glaube, dass natürlich schon die Eroberung der dritten Dimension, die nationale Dominanz in dieser dritten Dimension)) – also es war ja im deutschen Kaiserreich ein geflügeltes Wort: Den Briten gehört das Meer, aber uns wird der Himmel gehören. Und ich kann als Passagier da teilhaben. Und letztendlich habe ich auch Teil als derjenige, der sich diesen Flug nie leisten können wird, aber ich bin Teil einer großen, ganzen, nationalen Errungenschaft und ich sehe es.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Dass die Havarie im Teutoburger Wald nicht kritischer diskutiert wurde, meint Jürgen Bleibler, hatte vermutlich auch damit zu tun, dass die 19 Journalisten an Bord im Nachhinein nicht zugeben wollten, dass sie während der Fahrt eine Heidenangst hatten.</p>

<p>ZSP 9 Bleibler Journalisten 0,21</p>
<p>Es gibt in den Lebenserinnerungen von Alfred Colsman, der ja dabei war, eine Schilderung, dass ab einem bestimmten Punkt, als dann wirklich fiese gelbe Regenvorhänge und Gewittervorhänge da aufgetaucht sind, als das Schiff dann sehr schnell von 300 auf 1500 Meter hochgedrückt worden ist – da gibt es bei Colsman schon so einen Satz, dass dann vielleicht so ein bisschen was in die Hose gerutscht sei.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Was nicht verwundert, denn auch die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Von zehn Luftschiffen, die bis Juni 1912 gebaut werden, gehen sieben durch unfallbedingte Zerstörung verloren. Dass es bei den Havarien zwar einige Verletzte, aber keine Toten gab, war reines Glück.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Was sich in den Folgejahren ändert. Zwar bleiben die sieben Passagier-Luftschiffe im Dienst der DELAG bis 1914 unfallfrei. Insgesamt 34.000 Menschen bei 1600 zivilen Rundfahrten können unversehrt wieder von Bord gehen. Aber solche Vergnügungsfahrten finden auch meist bei schönem Wetter statt.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Anders beim Militär, wo bis zum Ersten Weltkrieg vier Zeppeline verunglücken. Im Herbst 1913 wird unweit von Helgoland das Marine-Luftschiff L 1 von Orkanböen erfasst und wild herumgewirbelt. Völlig außer Kontrolle geraten, stürzt der Zeppelin mit großer Wucht in die tosende Nordsee. Von der 20-köpfigen Besatzung können nur sechs Mann gerettet werden.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Fünf Wochen später explodiert das Marineluftschiff L2 in etwa 200 Meter Höhe über Johannisthal bei Berlin. Wasserstoff, damals als Traggas verwendet, hat sich mit Sauerstoff zu Knallgas verbunden und ist explodiert. Bei dieser schwersten Luftfahrtkatastrophe vor dem Ersten Weltkrieg überlebt von der 28-köpfigen Besatzung niemand.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Das Traggas bleibt lange Zeit die Schwachstelle der Zeppelin-Luftfahrt. Erst 1923 startet ein US-amerikanisches Luftschiff, das von unbrennbarem Helium getragen wird. Deutsche Zeppeline hingegen müssen weiterhin den leicht entzündlichen Wasserstoff verwenden, weil die USA ein Helium-Exportverbot verhängt haben. Auch die „Hindenburg“, die im Mai 1937 verunglückt, ist mit Wasserstoff gefüllt, der sich während des Landeanflugs entzündet.</p>

<p>Musikakzent</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Von einer linearen Erfolgsgeschichte der Luftschifffahrt kann also zu keinem Zeitpunkt die Rede sein, sagt Jürgen Bleibler. Aber die zwei Katastrophen vom Herbst 1913 haben die Zeppelin-Euphorie in Deutschland ganz erheblich gedämpft.</p>

<p>ZSP 10 Bleibler </p>
<p>Der Absturz bei Helgoland im Manöver war sozusagen auf offener See, da konnte man drüber spekulieren, ob der Kapitän irgendwie zu risikofreudig oder der Druck zu groß war. Aber L 2 war halt, wenn sie so wollen, ein Systemversagen über besiedelter Stadt. Das konnte man nicht verheimlichen. Und jetzt musste man damit umgehen, und das wurde schwierig.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Kritische Stimmen kamen vor allem von der Marine, die den Einsatz teurer Zeppeline über der Nordsee skeptisch betrachtete. Andererseits war da aber der Druck der öffentlichen Meinung, die auf die Einführung des Luftschiffes als Waffensystem drängte.</p>

<p>ZSP 11 Bleibler Weltkrieg </p>
<p>Es gibt da wenig Quellen, aber ich glaube, dass dieses Zeppelin-Luftschiff sich letztendlich in den Ersten Weltkrieg retten konnte, um dann dort in diesen vier Jahren diese wahnsinnige Entwicklung zum interkontinentalen Verkehrsmittel mitmachen zu können. Wer hätte das sonst finanzieren sollen?</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Im Ersten Weltkrieg werden Luftschiffe in großer Zahl für militärische Zwecke eingesetzt. Im Januar 1915 auch erstmals für einen Bombenabwurf über London. Bei 50 weiteren Luftangriffen gegen England werden 58 Soldaten und 500 Zivilisten getötet. Letztlich aber bleiben die deutschen Luftschiffe weit hinter den Erwartungen der Militärs zurück.</p>

<p>ZSP 12 Bleibler Waffe </p>
<p>Der strategische Luftkrieg, vor allem gegen die britischen Inseln – diese Funktion ist aufgrund der Wasserstofffüllung und hoher Verluste und verbesserter Abwehrmethoden ab 1916/17 gestorben. Also, man hat es aus militärischer Sturheit bei der Marine bis 1918 weitergeführt, aber die Verluste wurden letztendlich untragbar.</p>


<p>Erzählerin</p>
<p>Als Waffe hat das Luftschiff nach dem Ersten Weltkrieg weitgehend ausgedient. Aber der medial befeuerte Traum von der globalen Vernetzung beginnt jetzt erst, Wirklichkeit zu werden. Graf Zeppelin erlebt es nicht mehr, er stirbt 1917 im Alter von 78 Jahren.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Sieben Jahre danach, im Oktober 1924, überquert erstmals ein Luftschiff den Atlantik. Und weitere vier Jahre später, im Herbst 1928, fahren die ersten Passagiere über den Ozean. Ihr Luftschiff trägt den Namen „Graf Zeppelin“.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Seit 1919 sind auch Flugzeuge in der Lage, ohne Zwischenlandung übers große Wasser zu fliegen. Der Zeppelin aber hat die Nase damals noch vorn, sagt Jürgen Bleibler.</p>

<p>ZSP 13 Bleibler Wettlauf </p>
<p>Die Luftschiffe hatten einfach die größere Zuladung, die größere Tragkraft. Und das Flugzeug lag dann in der Zwischenkriegszeit sozusagen in der Verkehrsentwicklung immer dem Luftschiff im Nacken. Aber das Luftschiff hatte bis an den Zweiten Weltkrieg durch die Hindenburg einen wahnsinnigen Reichweitenvorteil gegenüber Flugzeugen.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>12.000 Kilometer nonstop – LZ 129 „Hindenburg“ ist 1936/37 ein luxuriöses transatlantisches Verkehrsmittel. 14 Monate lang quert es im fahrplanmäßigen Fracht- und Passagier-Verkehr immer wieder den Ozean, von Europa an die US-amerikanische Ostküste oder ins brasilianische Rio de Janeiro. Bis zum 6. Mai 1937. An jenem Donnerstag geht die „Hindenburg“ bei der Landung in Lakehurst, New Jersey, in Flammen auf. 13 Passagiere und 22 Crewmitglieder verlieren ihr Leben.</p>

<p>Erzähler</p>
<p>Danach ist das Vertrauen in die Luftschiffe schlagartig erloschen. Ihre Produktion wird schrittweise eingestellt. Und nach dem Zweiten Weltkrieg erobert dann das Flugzeug den Himmel.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Erst in den 1990er Jahren kehren die fliegenden Riesen zurück. Eine neue Generation moderner Zeppeline bietet heute wieder Rundfahrten an. In jüngster Zeit ist sogar die Rede davon, dass die fliegenden Zigarren eine klimaschonende Alternative in der Luftfahrt sein könnten. Allen Rückschlägen und Havarien zum Trotz – der Luftschiff-Traum scheint noch nicht ganz ausgeträumt zu sein.</p>
<br/>
<p><strong><br/></strong></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Weg mit der Beißschiene! – Wie geht nachhaltige Entspannung?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/weg-mit-der-beissschiene-wie-geht-nachhaltige-entspannung/2108075</link>
      <pubDate>Sun, 03 Aug 2025 18:03:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a8aeafa3-d78f-4b16-8345-d4225e1eb6ef</guid>
      <description>Morgens müde mit Nacken- oder Kieferschmerzen aufwachen - das kennen alle, die nachts die Sorgen des Alltags zermalmen. Beißschienen helfen, Zähne zu schützen, aber das eigentliche Problem lösen sie nicht: Stress, Anspannung, Unruhe! Wie schaffen wir es, uns zu entspannen, und zwar nachhaltig. Victoria Marciniak macht sich auf die Suche nach Antworten. Autorin Victoria Marciniak (BR2025) </description>
      <enclosure length="21737856" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108075/c/feed/weg-mit-der-beissschiene-wie-geht-nachhaltige-entspannung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:38</itunes:duration>
      <itunes:author>Marciniak, Victoria</itunes:author>
      <itunes:summary>Morgens müde mit Nacken- oder Kieferschmerzen aufwachen - das kennen alle, die nachts die Sorgen des Alltags zermalmen. Beißschienen helfen, Zähne zu schützen, aber das eigentliche Problem lösen sie nicht: Stress, Anspannung, Unruhe! Wie schaffen wir es, uns zu entspannen, und zwar nachhaltig. Victoria Marciniak macht sich auf die Suche nach Antworten. Autorin Victoria Marciniak (BR2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1718eda2-ab8a-4b67-91d0-f6c761115374.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Morgens müde mit Nacken- oder Kieferschmerzen aufwachen - das kennen alle, die nachts die Sorgen des Alltags zermalmen. Beißschienen helfen, Zähne zu schützen, aber das eigentliche Problem lösen sie nicht: Stress, Anspannung, Unruhe! Wie schaffen wir es, uns zu entspannen, und zwar nachhaltig. Victoria Marciniak macht sich auf die Suche nach Antworten. Autorin Victoria Marciniak (BR2025) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Victoria Marciniak<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Victoria Marciniak Katja Amberger, Sven Hussock <br/> Technik: <br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>Dr. Hilde A. Urnauer – psychologische Psychotherapeutin </li>
<li>Dr. Saundra Dalton-Smith – Fachärztin für Innere Medizin. Sie forscht zum Thema Work-Life-Balance.</li>
</ul>


<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong></strong></a><strong></strong>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>


<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-weg-mit-der-beissschiene-nachhaltige-entspannung-stress-knirschen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>Sprecherin: </p>
<p>Na, wo versteckt Ihr Eure? Vielleicht in der hintersten Ecke vom Nachttischchen unter einem Bücherstapel? Ganz offensiv in einem Glas mit Kukident-Lösung neben der Zahnbürste und dem Seifenspender? Oder so wie ich: Versteckt im unteren Teil der zweistöckigen Bambusbox im Badezimmer. Die öffne ich abends heimlich, um meine Beißschiene in den Mund zu legen (ATMO).</p>
<p>MUSIK </p>
<p>Und wofür das Ganze? Nur weil mein Zahnarzt beim letzten Kontrollbesuch entsetzt gesagt hat: </p>
<p>Zitator</p>
<p>„Frau Marciniak, Sie essen Ihre Zähne auf!“ </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Denn: Ich knirsche so stark, dass meine Backenzähne - laut meinem Zahnarzt - so abgenutzt sind wie die Zähne einer 70- jährigen. Aber was kann ich dagegen tun? </p>
<p>Zitator</p>
<p>„Stressen Sie sich weniger! Versuchen Sie, ausgeglichener zu werden.“ </p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Klar, aber: wie geht das? Wie kann ich mich entspannen, auch im Alltag?</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Podcast-Ansage</p>
<p>Ich bin Victoria Marciniak und für diesen Podcast habe ich mich auf eine persönliche Suche gemacht. Dafür habe ich mit Expertinnen gesprochen, einen Test gemacht und gelernt: Entspannung, die findet man nicht unbedingt auf dem Sofa vor dem Fernseher, im Yogakurs, auf einem Achtsamkeitswochenende oder im dreiwöchigen Thailandurlaub am Strand…Entspannung ist etwas sehr Individuelles und Differenziertes. Es lohnt sich also ganz genau hinzuschauen, was wirklich und nachhaltig hilft. Und genau das machen wir jetzt.</p>
<p>MUSIKAKZENT </p>
<p>TON 1</p>
<p>Ich hab auch ne Beißschiene (lacht) Ja, ich trage sie manchmal, manchmal nicht.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dr. Hilde Urnauer ist psychologische Psychotherapeutin in Potsdam. Sie beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Psyche und Zähne und ist seit etwa 20 Jahren im Team einer deutschlandweit einzigartigen Beratungsstelle mit dem Namen: Seele und Zähne. </p>
<p>Ton 2</p>
<p>Das ist eine Beratung, die immer von einer Zahnärztin und mir als Psychologin durchgeführt wird. Und zwar, es ist ja ein Zusammenspiel im Organismus, dass die Seele auch auf die Zähne wirkt. Das kennen wir auch schon umgangssprachlich. So Zähne zusammenpressen, dass da, wenn ganz viel Druck da ist im Leben. Man muss nicht durchbeißen. Die Begriffe sagen schon, dass da Spannungen sind, Belastungen sind, die sich auch auf den Körper auswirken. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Und wer gestresst ist, wird vermutlich (so wie ich) also mit den Zähnen knirschen oder sie zusammenbeißen. Und anscheinend müssen sich immer mehr Menschen „durchbeißen“: Zahnärztinnen und -ärzte verschreiben die sog. Knirscheschienen nämlich immer häufiger, insbesondere bei großen Krisen wie der Corona-Pandemie. Das wurde mir auf Anfrage bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auch bestätigt. Während 2019 noch rund 1,6 Millionen Knirscheschienen an gesetzlich Versicherte verschrieben wurden, waren es 2021 fast 2 Millionen. Klar, das kann ganz viele Gründe haben, aber ich frage mich schon: Sind wir gestresster als früher? Das habe ich psychologische Psychotherapeutin Dr. Hilde Urnauer gefragt:</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Ton 3</p>
<p>Ja, das ist so dieses Fremdbestimmte, fremdgetaktet, immer funktionieren, immer nach draußen. Das heißt, es gibt diese Rückkoppelung, also diese Resonanz zu sich, was möchte ich, was tut mir gut, immer erreichbar, heißt, immer auch im Funktioniermodus zu sein und dann tatsächlich so den Bezug zu sich zu verlieren.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dass wir gestresster sind als früher bestätigt mir auch Dr. Saundra Dalton-Smith. Die US-amerikanische Fachärztin für Innere Medizin forscht u.a. zum Thema Work-Life-Balance.</p>
<p>Ton 4 </p>
<p>Overvoice</p>
<p>I believe we are more stressed today than in past….</p>
<p>Ich glaube, wir sind heute gestresster als früher, weil wir uns an diese mühselige Arbeitskultur angepasst haben. Eine Arbeitskultur, in der Ruhe als etwas angesehen wird, das nach getaner Arbeit zu erledigen ist, anstatt als etwas, das uns helfen kann, effektiver, produktiver und zufriedener in unserer Arbeit zu sein.</p>
<p>… and more satisfied in the work that we do…</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der größte Stressfaktor der Frauen ab 18 in Deutschland ist übrigens „hohe Ansprüche an sich selbst“ zu haben – das hat eine forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse 2021 ergeben.  Bei den Männern ab 18 ist es die Schule, das Studium oder der Beruf.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>Natürlich wissen wir alle, dass wir uns mehr entspannen sollten. Und wir alle versuchen es auf unsere Weise. Ich habe mal meine beiden besten Freundinnen Hannah und Bekee gefragt (ATMO), was sie machen, um den Kopf freizubekommen… </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Ton 5</p>
<p>H: ich glaube, es ist voll abhängig, von was für einer Situation man entspannen möchte. Manchmal finde ich rausgehen super entspannt und irgendwie in der frischen Luft sein und andere Male finde ich mich auf die Couch legen und irgendwas dummes anschauen.</p>
<p>B: Ja, das ist voll, aber wenn du halt entweder auch dabei anschaust oder du gehst spazieren und hörst Musik dabei, ist das wirklich Entspannung oder ist das nicht... Ich beschalle das, ich überschalle das was in meinem Kopf passiert. Entspanne ich dadurch wirklich? Ich höre halt immer Musik an. Also ich meine, mein Spotify-Wrap besteht ja aus, Sie haben 3 Millionen Jahre Musik gehört. Ich komme halt zu Hause rein, das Erste, was ich mache, ist Musik an! Ich mache oft Musik an, bevor ich überhaupt meinen Schuh ausziehe. (…) Und ja, ich würde sagen schon, dass Musik für mich schon was ist, was irgendwie für mich entspannend ist. (…) Aber gleichzeitig denke ich mir halt so, ist es Entspannung, weil wenn ich ... Wenn ich nicht Musik hören würde, hätte ich ja wahrscheinlich ein Gedankenkarussell. Übertöne ich das damit nicht nur. Weil das ist halt so ein, ich mache Musik an und meistens zu, keine Ahnung, mindestens 80% der Fälle, wenn ich noch mehr aus meinem Playlist singe, singe ich halt mit. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die meisten Deutschen machen am liebsten Sport gegen den Stress. Einige essen Chips und Schokolade  , andere schwören auf Yoga, Tai-Chi und Qigong, Autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen. Ich für meinen Teil versinke gerne in Welten von Fantasy-Romanen. Aber was meinen Freundinnen und mir auffällt: Irgendwie sind unsere persönlichen Entspannungsmethoden nicht nachhaltig. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>MUSIK</p>
<p>Kaum ist die Musik aus oder das Buch weggelegt, holen uns dann doch wieder die Sorgen des Alltags ein und werden in der Nacht mit dem Kiefer zermalmt. Und enden immer gleich: in Müdigkeit und Erschöpfung. Und das, obwohl ich teilweise bis zu 9 Stunden schlafe. Was wir also brauchen, ist vielleicht gar keine Entspannung, sondern Erholung. Dieses Gefühl, dass die Batterien wieder aufgeladen sind und Energie für den Tag da ist. Aber, wie erholt man sich richtig? Reicht es nicht, sich einfach auf die Couch zu legen und die Lieblingsserie zu gucken? Nein, sagt Dr. Dalton-Smith.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Ton 6 </p>
<p>Overvoice</p>
<p>Too often we think rest is just laying around, watching TV, doing nothing on the weekend…</p>
<p>Wir setzen Erholung oft damit gleich, am Wochenende herumzuliegen, lesen, fernzusehen und nichts zu tun, und dann wundern wir uns, warum wir am Montag immer noch müde sind. Der Grund für die Müdigkeit ist, dass wir nichts für den Bereich getan haben, in dem wir ein Erholungsdefizit haben. Wir tun zwar nichts, während wir auf dem Sofa liegen, aber vom Nichtstun lädt sich unsere Batterie nicht wieder auf. </p>
<p>…And that&#39;s the real purpose of rest…</p>
<p>Sprecherin  </p>
<p>Müdigkeit - trotz ausreichend viel Schlaf - ist laut Dr. Dalton-Smith übrigens DAS Zeichen für ein Erholungsdefizit. Sie sagt auch, dass es bei Erholung darum geht, dass sich die Bereiche von Körper und Psyche erholen müssen, die im Alltag besonders gebraucht werden. Wir müssen dann gezielt in den Bereichen ansetzen, wo wir ein Erholungsdefizit haben. Und um herauszufinden, was mich eigentlich so erschöpft und nachts zum Knirschen bringt, fülle ich in meinem Büro einen Fragebogen von Dr. Dalton-Smith aus – mit rund 70 Aussagen, die ich mithilfe von 5 Antwortmöglichkeiten beantworten kann. Also zum Beispiel: Ich vermeide soziale Situationen; Trifft nicht auf mich zu, Trifft selten auf mich zu, Trifft gelegentlich auf mich zu, Trifft oft auf mich zu, Trifft fast immer auf mich zu. Und: Das alles auf englisch…</p>
<p>Ton 07 – reportagiger Ton (ca. 1 Minute)</p>
<p>(ATMO Computermausklicken) Und dann am Ende kann ich hier meinen Namen und meine E-Mail-Adresse eingeben und dann kriege ich die Ergebnisse. Senden! Das kam jetzt relativ schnell an. Mal schauen. (…)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Was beim Test rausgekommen ist, das erzähle ich Euch gleich. Zuerst müssen wir klären: Was für sogenannte Erholungsdefizite gibt es laut Dr. Dalton-Smith denn?</p>
<p>Ton 08 </p>
<p>Overvoice</p>
<p>The seven types of rest include physical, mental, …</p>
<p>Es gibt sieben Arten der Erholung: die körperliche, mentale, spirituelle, emotionale, soziale, sensorische und kreative. Die habe ich über einen Zeitraum von etwa sechs Jahren entwickelt, in denen ich mit Patienten gearbeitet, Forschungsergebnisse ausgewertet und meinen eigenen Burnout untersucht habe. Ich habe also mein eigenes Leben betrachtet und war Teil meiner eigenen Fallstudie. </p>
<p>… So looking at my own life and being my own case study in part…</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Heute weiß Dr. Dalton-Smith, warum sie ständig so müde war und warum sie einen Burnout hatte. Sie hatte ein Defizit bei der kreativen Erholung. Und deswegen hat sie sich eine Routine zurechtgelegt:</p>
<p>Ton 9 </p>
<p>Overvoice</p>
<p>You can then begin to start evaluating in the morning when you wake up, how do I feel? …</p>
<p>Jeden Tag beim Aufstehen frage ich mich erst einmal: wie fühle ich mich? Wie ist mein Energielevel? Fühle ich mich auf den Tag vorbereitet? Und wenn nicht, welche Art von Energie habe ich gestern verbraucht, dass ich heute ein Erholungsdefizit habe? Mein persönlich größtes Defizit habe ich bei der kreativen Erholung. Das hat jeder Mensch, der in irgendeiner Weise Problemlöser ist: alle, die innovativ sein müssen, auch Ärzte wie ich, die diagnostizieren. Auch das ist ein kreativer Prozess. Sie hören sich die Beschwerden und Symptome der Patienten an und erstellen daraus eine Diagnose. Jemand, der im Marketing tätig ist, setzt kreative Energie ein, wenn er sich Grafiken ausdenkt. Meistens bekommt man kreative Erholung dadurch, dass man sich an dem erfreut und das wertschätzt, was bereits „geschaffen“ wurde: wie ein Kunstwerk oder Musik. </p>
<p>… So I love artwork, I love music. specific nature scenes, usually more water-based nature scenes but all of those improve my creative rest deficit…</p>
<p>MUSIKAKZENT </p>
<p>Die meisten Menschen aber haben ein sogenanntes mentales Erholungsdefizit – sagt Dr. Dalton-Smith. Also den Kopf zu voll mit zu vielen Informationen und to dos. </p>
<p>Ton 10</p>
<p> Overvoice</p>
<p>The most common one I see typically is mental rest deficits …</p>
<p>Das haben Menschen, die viel vor dem Computer sitzen und viele Informationen pro Tag aufnehmen. Die leiden dann z.B. an Vergesslichkeit oder haben Schwierigkeiten, nachts einzuschlafen, weil ihr Gehirn nicht zur Ruhe kommt. Sie denken, anstatt zu schlafen. Leuten mit einem mentalen Erholungsdefizit empfehle ich regelmäßiges Laufen oder Radfahren – oder irgendetwas, das dem Gehirn erlaubt, in einen ruhigen Zustand zu kommen. Bei vielen Menschen funktioniert auch Meditation oder Achtsamkeitsübungen. Es gibt da viele verschiedene Möglichkeiten, mit denen die Leute experimentieren können. </p>
<p>… So multiple different ways of doing that that people can experiment with…</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Fast so häufig wie das mentale ist auch das körperliche Erholungsdefizit. Das äußert sich zum Beispiel in Gelenkschmerzen, Rücken- und Nackenbeschwerden, sagt Dr. Dalton-Smith. </p>

<p>Gerade Leute, die im Alltag viel sitzen, sollten deshalb auf ausreichend Bewegung achten. Zum körperlichen Erholungsdefizit gehört aber auch körperliche Entspannung im klassischen Sinn, also gute Ernährung und genügend Schlaf. Also Ruhe. Die ist auch für den nächsten Punkt wichtig…</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bauen mit Atombomben - Zivile Projekte während des Kalten Krieges</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bauen-mit-atombomben-zivile-projekte-waehrend-des-kalten-krieges/2107985</link>
      <pubDate>Sat, 02 Aug 2025 18:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a1446985-535b-437e-b102-f619893a4d70</guid>
      <description>Atombomben zünden im eigenen Land? Ganze Bergketten pulverisieren für eine Autobahn? Oder gleich einen Durchbruch vom Atlantik zum Pazifischen Ozean mit einigen Nuklearexplosionen graben und dafür Millionen Menschen umsiedeln? Klingt absurd. Und doch gab es in der Zeit des Kalten Krieges in der Sowjetunion und den USA ernstzunehmende Überlegungen dazu. Autor: Markus Mähner (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="22603008" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107985/c/feed/bauen-mit-atombomben-zivile-projekte-waehrend-des-kalten-krieges.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Mähner, Markus</itunes:author>
      <itunes:summary>Atombomben zünden im eigenen Land? Ganze Bergketten pulverisieren für eine Autobahn? Oder gleich einen Durchbruch vom Atlantik zum Pazifischen Ozean mit einigen Nuklearexplosionen graben und dafür Millionen Menschen umsiedeln? Klingt absurd. Und doch gab es in der Zeit des Kalten Krieges in der Sowjetunion und den USA ernstzunehmende Überlegungen dazu. Autor: Markus Mähner (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4adc846a-2a9e-4ec9-b1dd-5c483c86199b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Atombomben zünden im eigenen Land? Ganze Bergketten pulverisieren für eine Autobahn? Oder gleich einen Durchbruch vom Atlantik zum Pazifischen Ozean mit einigen Nuklearexplosionen graben und dafür Millionen Menschen umsiedeln? Klingt absurd. Und doch gab es in der Zeit des Kalten Krieges in der Sowjetunion und den USA ernstzunehmende Überlegungen dazu. Autor: Markus Mähner (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor: dieser Folge: Markus Mähner<br/>Es sprachen: Burchard Dabinnus, Hemma Michel, Friedrich Schloffer; Peter Veit <br/>Technik: Robin Auld<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Geschichte:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen | <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-bauen-mit-atombomben-nuklear-atom-bombe-plowshare-usa-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Werbefilm der Amerikanischen Atomenergiebehörde, der AEC…</p>

<p>AEC 2:</p>
<p>&quot;The 100kT Nuclear Explosion excavated more than 6 Million cubic Yards of Earth in a Matter of Seconds. </p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Er beschreibt begeistert, wie in nur wenigen Sekunden gut viereinhalb Millionen Kubikmeter Erde weggesprengt wurden.</p>

<p>AEC 2: </p>
<p>The result was a crater more than 12000 Feet in Diameter, the length of 4 Football-Fields and 325 Feet Deep - the height of a 32-storey Building. Created in less time than it takes to describe it.&quot;</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Krater blieb, der so tief war wie ein 32-stöckiges Hochhaus!</p>
<p>Wie war das zu schaffen? – Die AEC schwärmt in dem Film von den Folgen eines Kernwaffentests im Testgelände Nevada vom 6. Juli 1962, dem sogenannten Project Sedan. Und diese hocheffiziente Sprengung war angeblich ohne gravierende Nebenwirkungen zu haben. Denn: 95 Prozent der freigesetzten Radioaktivität verblieben im Krater, hieß es. Die restlichen 5 Prozent seien gleich daneben niedergegangen, so die AEC.</p>

<p>MUSIK m01 Manhattan Project, Oppenheimer OST, Ludwig Göransson</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Wirklichkeit jedoch sah ein wenig anders aus: Tatsächlich war der radioaktive Niederschlag ungefähr fünfmal so hoch wie erwartet. Ein Wissenschaftler mit Studenten von der Universität Utah war zufällig genau an diesem Tag mit Geigerzählern unterwegs. Auch wenn sie über 600 Kilometer von der Sprengung entfernt waren, so war die radioaktive Belastung doch so hoch, dass sie unverzüglich in die Universität zurückkehrten.</p>
<p>Noch Monate später wurde – wenn auch nur geringer - radioaktiver Fallout bis in die Nähe von Chicago nachgewiesen. Über 2000 Kilometer entfernt! Heute geht man davon aus, dass durch Sedan etwa 7 Prozent der Bevölkerung der USA, also ungefähr 13 Millionen Menschen radioaktiv belastet wurden.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Sedan war nur einer von vielen Kernwaffentests, die die USA im Namen der „friedlichen“ Erforschung dieser unglaublichen Kraft durchführten. Das sogenannte „Plowshare“-Programm sollte zeigen, dass man damit Häfen, Kanäle, Straßen oder Speicherseen bauen könnte.</p>

<p>AEC 1:</p>
<p>This is the peaceful potential of nuclear explosives that the US is developing for all mankind in a program it calls PLOWSHARE.&quot; - Musik</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>„Friedliche Nukleare Sprengungen für den Nutzen der ganzen Menschheit“. Nichts weniger versprach der Werbefilm der AEC.</p>

<p>Kaufman 21 (Über Musik von AEC 1)</p>
<p>Well, I was fascinated by it because I happened to come across it while working on a different project, and I thought: This cannot be true! But it was! It&#39;s it&#39;s another example of the idea that science has all the answers, when sometimes science doesn&#39;t. </p>
<p>VO:</p>
<p>Ich bin zufällig darüber gestolpert und dachte mir: Das kann nicht wahr sein! Aber es war Wirklichkeit! Ein weiteres Beispiel für die Vorstellung, die Wissenschaft hätte Antworten auf alle Fragen. Aber so ist es einfach nicht!</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Scott Kaufmann, Historiker an der Francis Marion Universität in South Carolina, hat sich ausführlich mit dem Projekt Plowshare beschäftigt und letztlich ein ganzes Buch darüber geschrieben. Darin setzt er sich unter anderem mit seiner eigenen Verwunderung auseinander. Seiner Verwunderung darüber, wie Menschen in den 1950er und 1960er Jahren der Idee verfallen konnten, Kernwaffen im eigenen Land einzusetzen, lediglich, um Gräben – wenn auch recht große – zu graben. Eine Verwunderung, die er heute wohl mit den meisten Menschen teilt. </p>

<p>SPRECHER</p>
<p>In den Nachkriegsjahren war das anders. Damals galt die Kernenergie als verheißungsvolle Energiequelle für ein paradiesisches Zeitalter:</p>

<p>Kaufman 19</p>
<p>[...] We have to keep in mind that there was and I think still is enormous faith in science. [...] And if we look back at the 1950s, which is when Plowshare began, there was this idea that everybody would have their own private plane, that they would fly around. That we [...] would get to the moon by the end of the century and even have bases on the moon. This faith in science and what it could do for us, what it could achieve. And that&#39;s a part of Project Ploughshare: This faith in science. You tie into that Dwight Eisenhower&#39;s idea that he gave 1953 called „Atoms For Peace“: </p>
<p>VO:</p>
<p>Wir dürfen nicht vergessen: Es gibt einen starken Glauben an die Kraft der Wissenschaft. Besonders in den 1950er Jahren, als das Projekt Plowshare anfing. Man dachte: Jeder würde bald seinen Privatjet haben, man würde Mondbasen bauen. Dieser ungebremste Glaube an die Fähigkeiten der Wissenschaft spiegelt sich auch in Dwight D. Eisenhowers berühmter Rede vor den Vereinten Nationen wider, der „Atoms for Peace“-Rede von 1953:</p>

<p>Eisenhower:</p>
<p>&quot;It is not enough to take this weapon out of the Hands of the soldiers. It must be put in the Hands of those who have the Know-how to strip its military casing and adapt it to the Acts of Peace. The United States knows that if the fearful trend of atomic military build-up can be reversed, this greatest of destructive forces can be developed into a great boon, for the benefit of all mankind. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>„Wir müssen diese Waffe nicht nur dem Militär wegnehmen, wir müssen ihre zerstörerische Kraft in die Hände derer legen, die sie so weiterentwickeln können, damit sie ein Segen für die gesamte Menschheit wird,…“</p>

<p>Kaufmann 19b</p>
<p>[...] So you have that in mind. And add to that the idea that this would be cheaper. It would be faster. You put it all together and you end up with this idea: yes, we can control the atom! Yes, we can make the atom do our bidding! And by doing that, we can use the atom to lead us down the path of progress, the path of modernity and do it far faster and far cheaper than by using conventional means!</p>
<p>VO:</p>
<p>Und wenn man zu diesen Gedanken auch noch die Vorstellung hinzufügt, es würde alles viel billiger und schneller machbar sein, dann kommt man schnell zu dem Schluss: Ja, wir können die Kraft des Atoms kontrollieren und ihm befehlen was es für uns zu tun hat!</p>

<p>MUSIK m12 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Glaube an die Kontrollierbarkeit einer nuklearen Kettenreaktion spiegelt sich nicht nur in Werbefilmen wie „Unser Freund, das Atom“ von Walt Disney aus dem Jahr 1956 wider:</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>1957 nehmen die USA das erste Kernkraftwerk in Betrieb. Ein Jahr später stellt Ford Pläne für das Nucleon vor, ein mit Atomkraft betriebenes Auto. Gleichzeitig läuft die Nautilus, das erste US-Atom-U-Boot, vom Stapel.</p>

<p>MUSIK m05 (Los Alamos, Oppenheimer OST, Ludwig Göransson)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dass das Atom nicht immer nur unser Freund ist, zeigt wiederum ein Vorfall im März 1958: Ein US-Kampfjet verliert versehentlich eine Atombombe über einer kleinen Farm in South Carolina. Zwar war die Bombe nicht mit spaltbarem Material versehen; der Auslöser explodierte dennoch und hinterließ dort, wo sich einmal die Farm befand, ein 10 Meter tiefes und 25 Meter breites Loch – und einen Zweifel an den Glauben der Beherrschbarkeit des Atoms: Denn was wäre passiert, wenn die verlorene „Atombombe“ tatsächlich spaltbares Material an Bord gehabt hätte?</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Als der ein wenig aus dem Ruder gelaufene Kernwaffentest „Projekt Sedan“ im Juli 1962 stattfindet, ist das Projekt Plowshare schon viele Jahre alt und bereits in der Krise. Einen Monat später, im August, wird das erste Vorhaben des Plowshare-Programms offiziell als beendet erklärt: das Projekt Chariot, dessen Anfänge schon fast zehn Jahre zurückreichen. Scott Kaufman:</p>

<p>Kaufman 1</p>
<p>What they wanted to do was to build a port using nuclear explosives. And the idea was that the port would be located near coal and oil reserves, so that way the people could use the port to ship out the coal and oil.</p>
<p>VO:</p>
<p>Sie wollten einen Hafen mit Hilfe von Kernwaffen bauen. Ganz in der Nähe von Kohle- und Ölvorkommen, die dann verschifft werden sollten.</p>

<p>MUSIK m01 (Manhattan Project, Oppenheimer OST, Ludwig Göransson)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damit wollte man zeigen, welche Möglichkeiten solche Bomben für friedliche Projekte hatten. Dennoch war man sich der Gefahr der radioaktiven Strahlung wohl bewusst. Es musste also in einem wenig besiedeltem Gebiet stattfinden. Arthur Larson, stellvertretender Arbeitsminister in der Regierung Eisenhowers, hatte damals die Idee:</p>

<p>ZITATOR </p>
<p>„Warum nicht einen einigermaßen abgelegenen Ort – wie zum Beispiel Alaska – finden, der einen Hafen braucht, und die ganze Arbeit mit einer einzigen Explosion erledigen?“</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Frei nach dem Motto des damaligen US-Verteidigungsministers „Far more bang for the buck!“ - „Mehr Wums für Piepen!&quot;</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Edward Teller, der „Vater der Wasserstoffbombe“ und glühendster Befürworter des Plowshare-Programms ist begeistert! Und sogleich ist auch ein Ort gefunden: Cape Thompson an der Westküste Alaskas. Einziges Problem: Die Nähe zu Russland.</p>

<p>Kaufman 5b</p>
<p>If you can&#39;t guarantee which way the wind is going to be blowing that day - what if the wind not blows from the west, but blows from the east: You&#39;re then going to have radioactivity falling over the Soviet Union, which is not that far away, and the Soviets are not going to be happy about that.</p>
<p>VO:</p>
<p>Was ist, wenn der Wind an dem Tag nicht aus Westen, sondern aus Osten weht? Dann wird Radioaktivität über der Sowjetunion niedergehen. Die ist nicht weit entfernt. Und die Sowjets werden darüber nicht erfreut sein.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dass in dem Gebiet auch eine indigene Bevölkerung wohnt, scheint erst einmal niemanden zu stören. Besonders nicht Edward Teller, der Zweifel darüber, ob diese weiter jagen und fischen könnten, ein für allemal aus dem Weg räumt:</p>

<p>MUSIK m08 (Ground Zero, Oppenheimer OST, Ludwig Göransson)</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>„Wir interessieren uns nicht dafür, den Eskimo als Jäger zu erhalten. Wir wollen ihm die Gelegenheit verschaffen, in einer Kohlenmine zu arbeiten.“</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um die Bevölkerung in der 30 Meilen von Cape Thompson entfernten Stadt Point Hope zu beschwichtigen, reist im August 1958 Gary Higgins dorthin, leitender Wissenschaftler des Plowshare-Programms. Er versichert den Bewohnern, die freigesetzte Radioaktivität sei ungefährlich. Es könnten lediglich einige Scheiben in ihren Häusern kaputt gehen. Und ja, die müssten sie ohnehin für so ungefähr ein Jahr verlassen – nur um sicher zu gehen. Falls irgendetwas schieflaufen würde - was eigentlich unvorstellbar sei – dürften sie selber entscheiden, ob sie zurückkehrten oder nicht.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Doch Higgins spricht lediglich mit den aus den USA zugezogenen Bürgern, nicht mit den Ureinwohnern, den Inupiat – die von der AEC stark unterschätzt werden: Nicht nur schreiben sie Briefe mit Bitte um Aufklärung an die Atomenergiebehörde, sie unterrichten auch andere Indigene aus ganz Alaska, was die US-Regierung mit ihrem Land vorhat. Daraus entsteht die erste landesweite Zeitung für Indigene.</p>

<p>Kaufman 4</p>
<p>You had indigenous people, Eskimos, living in the area who said: We&#39;re very well aware of what happened to Hiroshima. We&#39;re very well aware of other accidents that have taken place with nuclear explosives, such as one near Bikini Atoll that ended up killing a Japanese sailor and injuring others because of the fallout. And they said: we have no evidence that you can do this safely. And there is no way that we are going to support this if you can&#39;t do this safely. And the opposition of those individuals in Alaska expanded to include scientists, politicians and others throughout the country. It became nationally known what the Atomic Energy Commission wanted to do and generated intense opposition.</p>
<p>VO:</p>
<p>Die Indigenen aus der Gegend sagten: Wir wissen genau, was in Hiroshima passiert ist. Wir kennen auch andere Unfälle mit nuklearen Sprengstoffen, wie zum Beispiel dem nahe des Bikini-Atolls, bei dem ein japanischer Matrose starb und andere durch den radioaktiven Niederschlag verseucht wurden. Es gibt keine Belege dafür, dass dies hier nicht passiert. Und solang dies der Fall ist, werden wir das auf keinen Fall unterstützen. Und der Widerstand dieser Indigenen in Alaska wurde landesweit bekannt und löste heftigen Widerstand in den ganzen Vereinigten Staaten aus.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Problem war also größer als gedacht. Da half es auch nicht, dass die AEC bereits im Jahr 1959 – Alaska war soeben 49. Bundesstaat der USA geworden - Wissenschaftler in das Gebiet sandte, um Umweltverträglichkeitsuntersuchungen anzustellen.</p>

<p>Kaufman 5</p>
<p>The Atomic Energy Commission, the AEC, did hire scientists, local scientists, who conducted what were called bioenvironmental surveys to try to learn more about the geology, the geography, the plants, the animals, the people living in the area. And what they were discovering was if you test something like this, if you conduct this experiment it increasingly became clear you&#39;re going to have an enormous amount of fallout that is going to cause radioactive that can have enormous amount of fallout that&#39;s going to affect the plants on which the reindeer eat - the reindeer which the locals eat. It&#39;s going to get in their systems. It is going to cause immense harm to the local ecology, is going to cause immense harm to the human population. And this would be an absolute disaster.</p>
<p>VO:</p>
<p>Man wollte mehr über die Geologie, Geographie, Pflanzen, Tiere und Menschen in der Region erfahren. Dabei wurde immer deutlicher: Wenn man solche Tests durchführt, kommt es zu enormen Mengen radioaktiven Niederschlags, der von den Pflanzen aufgenommen wird. Und die werden von den Rentieren gegessen. Und die Rentiere werden von der lokalen Bevölkerung gegessen. Es wird also sowohl der lokalen Ökologie als auch der Bevölkerung enormen Schaden zufügen. Das wäre eine absolute Katastrophe.</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Denn die nukleare Sprengkraft, um die es hier ging, war um einiges höher als man das bisher kannte.</p>

<p>Kaufman 2</p>
<p>It started out around 500 kilotons and they reduced it to about 260 kilotons. So they kept changing the amount, but we&#39;re still talking about a huge amount of explosives. Just to give you an idea what I&#39;m talking, what I&#39;m explaining here: The bomb that was used in Hiroshima, Japan, that killed 100,000 people was 17 kilotons, so 17,000 tons of TNT. At Chariot we&#39;re talking about at a minimum. 260 to 280 kilotons, so many times more powerful than what was used on Japan.</p>
<p>VO:</p>
<p>Sie begannen mit einer Sprengkraft von etwa 500 Kilotonnen. Die wurde später auf etwa 260 Kilotonnen reduziert. Es handelt sich aber dennoch um eine riesige Menge Sprengstoff: Die Bombe, die in Hiroshima eingesetzt wurde und 100.000 Menschen tötete, hatte 17 Kilotonnen, also 17.000 Tonnen TNT. Bei Chariot sprechen wir von mindestens 260 bis 280 Kilotonnen, also um ein Vielfaches stärker als die Atombombe von Hiroshima.</p>
<br/>
<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gedenkstätten - Institutionen der Demokratie</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gedenkstaetten-institutionen-der-demokratie/2108001</link>
      <pubDate>Fri, 01 Aug 2025 18:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2c4abec9-506f-44e1-a717-51fd0ca15846</guid>
      <description>Für Angehörige sind sie Orte der Trauer - Besucherinnen und Besucher sollen über vergangenes Leid informiert und für die Gefahren der Zukunft sensibilisiert werden. Doch ob Gedenkstätten den hohen Ansprüchen einer nachhaltigen Wirkung gerecht werden können, ist nahezu unerforscht. Autor: Justin Patchett (BR 2025) </description>
      <enclosure length="21568896" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108001/c/feed/gedenkstaetten-institutionen-der-demokratie.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:28</itunes:duration>
      <itunes:author>Patchett, Justin</itunes:author>
      <itunes:summary>Für Angehörige sind sie Orte der Trauer - Besucherinnen und Besucher sollen über vergangenes Leid informiert und für die Gefahren der Zukunft sensibilisiert werden. Doch ob Gedenkstätten den hohen Ansprüchen einer nachhaltigen Wirkung gerecht werden können, ist nahezu unerforscht. Autor: Justin Patchett (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b22172f8-4574-4c8e-82d2-6e73696e4b94.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Für Angehörige sind sie Orte der Trauer - Besucherinnen und Besucher sollen über vergangenes Leid informiert und für die Gefahren der Zukunft sensibilisiert werden. Doch ob Gedenkstätten den hohen Ansprüchen einer nachhaltigen Wirkung gerecht werden können, ist nahezu unerforscht. Autor: Justin Patchett (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Justin Patchett <br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Friedrich Schloffer <br/> Technik: Roland Böhm<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>-      Prof. Dr. Jörg Skriebeleit (Leitung KZ-Gedenkstätte Flossenbürg), </p>
<p>-      Rikola-Gunnar Lüttgenau (Historiker in der Gedenkstätte Buchenwald),</p>
<p>-      Dr. Bert Pampel (Politologe) </p>
<p>-      Dr. Iris Groschek (verantwortlich für Social Media der KZ-Gedenkstätte Neuengamme)</p>
<p> <br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/die-befreiung-die-brueder-durnez-im-kz-flossenbuerg-1-5/ard/14475625/">Alles Geschichte - Der History-Podcast · DIE BEFREIUNG – Die Brüder Durnez im KZ Flossenbürg (1/5) · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>

<p><strong>Literatur:</strong></p>

<ul>
<li><a href="https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/mit_eigenen_augen_sehen_wozu_der_mensch_faehig_ist-2992.html">Mit eigenen Augen sehen, wozu der Mensch fähig ist, ein Buch von Bert Pampel - Campus Verlag</a></li>
<li><a href="https://www.gedenkstaettenforum.de/fileadmin/user_upload/Aktivitaeten/Rundbrief/Rundbriefe_PDF/einzelne_Artikel/182/Garbe_Detlef_Gedenkstaettenkonzeption_des_Bundes.pdf">Die Gedenkstättenkonzeption des Bundes: Förderinstrument im geschichtspolitischen Spannungsfeld – Detlef Garbe</a></li>
</ul>


<p><br/></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>

<p><strong>Geschichte:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>01 Zsp. Gedenkstätten Skriebeleit: </p>
<p>Dass Verbrechen in einem unvorstellbaren, und ich mag diese Allgemeinwörter nicht, in einem wirklich schwer vorstellbaren Maße an diesen Orten begangen worden sind. Das zieht Menschen hierher und dafür stehen diese Orte.</p>

<p>02 Zsp. Gedenkstätten</p>
<p>Wie können Menschen Menschen sowas antun? Das heißt, der Blick in den Höllenschlund und die Vergegenwärtigung, die an solchen Orten stattfindet, bringt einen an das Fundamentalste von Humanität. Und das merken Menschen, egal mit welchen sozialen, kulturellen, religiösen oder Altershintergründen sie hier auftauchen, das merken nicht alle, aber viele. Das betrifft ja auch mich. Das ist ein Ort, wo es keine Menschenwürde gab.</p>

<p>Musik Ende</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Prof. Jörg Skriebeleit ist der Leiter der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg. Ein Ort, den er seit seiner Kindheit kennt. Er wächst in der nördlichen Oberpfalz, in Vohenstrauß auf. Ganz in der Nähe von Flossenbürg. In seiner Kindheit besucht er das ehemalige Lager mit seinen Eltern.</p>

<p>03 Zsp. Gedenkstätten Skriebeleit:</p>
<p>Flossenbürg ist ja ein schwieriger Ort, ein irritierender Ort, weil es im Prinzip eine Parklandschaft war. Also es gab zwar eine Gedenkstätte, die aber als Friedhof, als Waldfriedhof gepflegt worden ist. Ich erinnere eigentlich nur, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass da Menschen geschunden und ermordet wurden. Das Krematorium, sowas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Und die Erzählung, dass da Menschen verbrannt wurden. Das war ein befremdlich gruseliges Gefühl, das da zurückblieb. Aber mehr auch nicht.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Auf dem ehemaligen Lagergelände entstand nach dem Krieg eine Wohnsiedlung. Auf Hinweisschildern zur Gedenkstätte fehlen lange die Buchstaben „KZ“. Jörg Skriebeleit wartet in Berlin auf ein Stipendium für seine Doktorarbeit, als der Kulturwissenschaftler Mitte der 1990er Jahre ein Stellenangebot aus seiner alten Heimat bekommt. Er soll die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg neugestalten, mehr als 50 Jahre nach der Befreiung des Lagers. </p>





<p>04 Zsp. Gedenkstätten Skriebeleit:</p>
<p>Die 90er Jahre, also der 50. Jahrestag der Befreiung, war ja das erste gemeinsame Großgedenken des wiedervereinigten Deutschlands. Und es war überhaupt nicht klar, ob jetzt die Erinnerung an die kommunistischen Verbrechen, die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen verdrängt oder überdeckt. Das heißt, wir sind in einem gesamtgesellschaftlich hochpolitischen Diskurs und in einer extrem hohen Aufmerksamkeit.</p>

<p>Musik: Recalling the trauma </p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Genau wie Flossenbürg geraten viele ehemalige Konzentrationslager nach dem Krieg zunächst in Vergessenheit. In Sachsenhausen, Bergen-Belsen oder Neuengamme werden die Krematorien abgerissen. Die Erinnerung an den Völkermord des NS-Regimes an rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden ist in der Bundesrepublik verknüpft mit Orten wie Dachau oder Auschwitz. Genau wie die Verfolgung von Homosexuellen, politischen Gegnern, Sinti und Roma, Behinderten und Menschen aus Osteuropa. Diejenigen, die sich nach dem Krieg für KZ-Gedenkstätten einsetzen, gelten als Nestbeschmutzer und sind bis in die 1980er Jahre oft in der Minderheit.</p>

<p>05 Zsp. Gedenkstätten Lüttgenau:</p>
<p>Im Westen waren es tatsächlich im Wesentlichen verwaltete Friedhöfe, wo es keine Mitarbeiter gab, wo es keine Sammlung gab, keine Archive gab, keine wissenschaftliche Forschung gab.</p>


<p>Erzählerin:</p>
<p>Sagt Rikola-Gunnar Lüttgenau, Historiker und Kurator der Dauerausstellung in der Gedenkstätte Buchenwald. Anders ist es nach dem Krieg in der DDR.</p>

<p>06 Zsp. Gedenkstätten Lüttgenau:</p>
<p>Das gab es schon zu DDR-Zeiten, weil eben Überlebende gesagt haben, wir müssen die Erinnerungen auf Dauer stellen und damit gab es in einer Gedenkstätte wie Buchenwald, wenn Sie so wollen, eine gelungene Infrastruktur, die westdeutsche Gedenkstätten zu dem Zeitpunkt Anfang der 90er Jahre noch nicht hatten. Das musste erst nachgeholt werden in den 90er Jahren. Und da hat tatsächlich erstmals auch die Bundesrepublik gesagt, ja, das ist eine nationale Aufgabe, denn tatsächlich vor 1990 gab es keine einzige Gedenkstätte in Westdeutschland, die Bundesgelder bekommen hätte. Nach 1990 ist es dann erstmals erfolgt.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>In der „Gedenkstättenkonzeption“ bekennt sich der Bund 1999 zu einer dezentralen Erinnerungskultur und ermöglicht die Förderung von Gedenkstätten. Die 1990er Jahre gelten daher auch als die Jahre des „Memory Booms“, sagt Jörg Skriebeleit, von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.</p>

<p>07 Zsp. Gedenkstätten Skriebeleit:</p>
<p>Und als wir hier Mitte, Ende der 90er Jahren begonnen haben, diesen Ort neu zu konzipieren, ist es unter der Überschrift Wiederentdeckung eines europäischen Erinnerungsortes gelaufen.</p>
<p>Wichtig war für uns erstmal, einen zugewachsenen, einen bewusst verschwundenen, zum Verschwinden gebrachten Verbrechensort in dem, was noch da ist, wieder sichtbarer zu machen.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Unter der Leitung von Skriebeleit werden große Teile des Bewuchses abgeholzt. Grabungen durchgeführt, bis die Spuren der Baracken entdeckt werden. Heute gibt es in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zwei Dauerausstellungen, und ein Bildungszentrum mit einem Museumscafé.</p>

<p>08 Zsp. Gedenkstätten Skriebeleit:</p>
<p>Mir persönlich und uns als dann eine Einrichtung, die sehr schnell gewachsen ist, auch mit den Kolleginnen und Kollegen, war es fundamental wichtig, von Anfang an nicht permanent den moralischen Zeigefinger zu erheben, sondern in einer den Opfern zugewandten, selbstkritischen Geschichtserzählung und in immer offener werdenden Bildungsprogrammen über die Verbrechensgeschichte zu informieren, gleichzeitig aber mit Menschen, sowohl den Bewohnerinnen von Flossenbürg als auch denen, die dann vermehrt nach Flossenbürg gekommen sind, in Gespräche zu kommen, welche Bedeutung diese Verbrechensgeschichte für uns in der Gegenwart und Zukunft hat.</p>

<p>Musik: Foreboding of war</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Seit der frühen Neuzeit markieren Menschen historische Orte, zum Beispiel Schlachtfelder des Bauernkriegs, sagt der Historiker Rikola-Gunnar Lüttgenau. Doch das, was wir heute unter einer Gedenkstätte verstehen, ist geprägt durch die Erinnerung an die Opfer von Verfolgung und Gewaltherrschaft im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Rikola-Gunnar Lüttgenau:</p>

<p>09 Zsp. Gedenkstätten Lüttgenau:</p>
<p>Was auch damit zu tun hat, dass die Konzentrationslager selber ein völlig neues Ereignis sind, was in ihrer Umwertung und Umwerfung all dessen, was vorher gültig schien, viel radikaler, universal, gleichsam in die Zivilisation eingreifen, als das zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste Schlachtfeld, was es vielleicht vorher gab.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Gedenkstätten sind mehr als ein Mahnmal oder ein Denkmal. Sie sind Institutionen, sagt der Politologe Dr. Bert Pampel. Er leitet die Dokumentationsstelle der Stiftung Sächsische Gedenkstätten.</p>

<p>10 Zsp. Gedenkstätten Pampel:</p>
<p>Eine Gedenkstätte befindet sich am historischen Ort. Eine Gedenkstätte im Sinne, wie ich es verstehe, ist ein Ort, an dem man sich informieren kann über das Geschehen, in dem es eine Sammlung gibt, an dem im besten Fall historische Delikte sichtbar sind, anschaulich sind. Im besten Fall gibt es noch ein Vermittlungsangebot in Form von Pädagogik.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Für Angehörige sollen Gedenkstätten außerdem ein Ort der Trauer sein können. Die Besucher sollen Mitgefühl mit den Opfern empfinden und für die Gefahren der Zukunft sensibilisiert werden, sagt Bert Pampel. Doch gelingt das überhaupt?</p>
<p>11 Zsp. Gedenkstätten Pampel:</p>
<p>Ja, da kommen wir zum schwierigen Thema Wirkungen von Gedenkstättenbesuchen. </p>

<p>Musik: Streichquartett Nr. 2</p>

<p>11 Zsp. Gedenkstätten Pampel:</p>
<p>Es gibt so gut wie keine Forschung über die Wirkungen von Gedenkstättenbesuchen. Es gibt einige Versuche, aber die sind oft auf kleiner Datengrundlage. Sie entstehen durch Beobachtungen von Mitarbeitern, sie entstehen durch Einträge in Gästebüchern. Also im Verhältnis zur Bedeutung der Frage, was bewirken Besuche eigentlich und im Verhältnis zu den Ansprüchen, die an Gedenkstätten öffentlich oder auch von den Mitarbeitern selbst gestellt werden, ist die Forschung kläglich.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Bert Pampel zählt zu den wenigen Wissenschaftlern, die zur Wirkung von Gedenkstätten geforscht haben. Er sagt, Besucher erfahren in Gedenkstätten durchaus Neues. Zum Beispiel, wie es den Häftlingen dort ging. Anders sieht es bei der Frage aus, wie es überhaupt so weit kommen konnte.</p>

<p>12 Zsp. Gedenkstätten Pampel:</p>
<p>Und da haben die Untersuchungen, die wenigen Untersuchungen, die es gibt, ergeben, dass der Besuch nicht notwendigerweise simplifizierende, vereinfachte Deutungsmuster, wie zum Beispiel die These vom Befehlsnotstand, dass sich Täter nicht anders verhalten konnten oder dass die Mehrheitsbevölkerung davon nichts wusste, von den Verbrechen. Die ändern sich nicht durch solche Besuche. Also da gibt es wenige Anhaltspunkte dafür.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Auch die Frage, ob sich rechts- oder linksextreme Einstellungen durch einen Besuch ändern, haben wenige Studien erforscht. Diese deuten jedoch darauf hin, dass Gedenkstättenbesuche in dieser Hinsicht nicht wirken.</p>

<p>13 Zsp. Gedenkstätten Pampel:</p>
<p>Das heißt, weder nimmt Ausländerfeindlichkeit ab, das ist ein Ergebnis, was man schon in den 1980er-Jahren bei Befragungen gezeigt hat, noch ändern sich Einstellungen zum Nationalsozialismus im Hinblick zum Beispiel auf eine Frage, die man gestellt hat, die lautete, der Faschismus hatte auch seine guten Seiten. </p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Gedenkstätten können im besten Fall bewirken, dass Einstellungen in Frage gestellt werden, sagt Bert Pampel. Doch wie lassen sich Bewusstseinsänderungen überhaupt feststellen? Möglicherweise gibt es einen Effekt, der wissenschaftlich schwer zu erfassen ist. Jörg Sriekebeleit von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.</p>

<p>14 Zsp. Gedenkstätten Skriebeleit:</p>
<p>Es ist immer so ein bisschen die Erwartung nach diesen Gedenkstättenpädagogischen Marienerscheinungen. </p>
<p>Du schickst die in eine Gedenkstätte und dann werden sie gute Demokraten. So einfach funktioniert das überhaupt nicht. Messen kann man es sowieso nicht. Und auch nicht an Wahlergebnissen. Das ist eine totale Schimäre.</p>

<p>Also ich glaube, wir müssen auch extrem mit in Betracht ziehen, dass das, was Menschen hier ganz real empfinden, als Erlebnis, als Emotion, ein nicht messbarer, aber vielleicht doch auch nachhaltiger Effekt wird.</p>

<p>Musik: Sad story alt</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Jörg Skriebeleits Schreibtisch steht in der ehemaligen Lagerkommandantur – im Büro des „Schutzhaftlagerführers“. Als Leiter der Gedenkstätte beobachtet er oft, wie sich Besucher über das Gelände bewegen und worüber sie sprechen.</p>

<p>15 Zsp. Gedenkstätten Skriebeleit:</p>
<p>Und auf einmal sitzen da junge Leute und machen da Pause und blicken aufs Lager und unterhalten sich. Das ist das, was man so mitkriegt, wenn man daran vorbeigeht. Die unterhalten sich ganz anders als vor einer Informationstafel. Aber nicht anders despektierlich, sondern anders tiefer.</p>

<p>Erzählerin:</p>
<p>Das, was Besucher abseits einer Führung durch die Gedenkstätte erleben, kann prägende Eindrücke hinterlassen. Auch wenn sie sich mit Fragen beschäftigen, die nicht direkt mit dem Holocaust zu tun haben, kann das zu einer nachhaltigen Wirkung beitragen.</p>

<p> </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Klara von Assisi - Von der Adeligen zur Asketin</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/klara-von-assisi-von-der-adeligen-zur-asketin/2095132</link>
      <pubDate>Fri, 01 Aug 2025 10:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6c9fee7c-949e-40b9-8ff1-92253f6408ad</guid>
      <description>Die heilige Klara von Assisi, reiche Bürgerstochter, trifft eine radikale Entscheidung: für ein Leben in  einer Frauengemeinschaft in absoluter Armut. Lange galt sie nur als Gefährtin des heiligen Franziskus, heute erfährt die Heilige eine Neubewertung durch die feministische Theologie: Als erste Frau der Kirchengeschichte entwirft sie eine eigenständige Ordensregel. Von Steffi Illinger (BR 2024)     </description>
      <enclosure length="23352960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2095132/c/feed/klara-von-assisi-von-der-adeligen-zur-asketin.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Steffi Illinger</itunes:author>
      <itunes:summary>Die heilige Klara von Assisi, reiche Bürgerstochter, trifft eine radikale Entscheidung: für ein Leben in  einer Frauengemeinschaft in absoluter Armut. Lange galt sie nur als Gefährtin des heiligen Franziskus, heute erfährt die Heilige eine Neubewertung durch die feministische Theologie: Als erste Frau der Kirchengeschichte entwirft sie eine eigenständige Ordensregel. Von Steffi Illinger (BR 2024)     </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2e7fcb36-18e4-4868-93b8-ea120142a86e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die heilige Klara von Assisi, reiche Bürgerstochter, trifft eine radikale Entscheidung: für ein Leben in  einer Frauengemeinschaft in absoluter Armut. Lange galt sie nur als Gefährtin des heiligen Franziskus, heute erfährt die Heilige eine Neubewertung durch die feministische Theologie: Als erste Frau der Kirchengeschichte entwirft sie eine eigenständige Ordensregel. Von Steffi Illinger (BR 2024)     </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Steffi Illinger<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Thomas Birnstiel, Peter Veit<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Karin Becker, Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Martina Kreidler-Kos, katholische Theologin, Bistum Osnabrück<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong><br/><strong>Hildegard von Bingen - Kämpferin, Komponistin, Universalgelehrte<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hildegard-von-bingen-kaempferin-komponistin-universalgelehrte/bayern-2/94508340/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Weird Animals</strong><br/>Die Welt ist im Dauerstress. Das Einzige, was hilft: Raus in die Natur – wo die kuriosesten Tiere wohnen. Bei Weird Animals widmen sich die Hosts Robinga Schnögelrögel und Tereza Hossa den schrägen, spannenden und lustigen Seiten der Tierwelt. Eine Liebeserklärung an Axolotl, Kalikokrebs und viele andere. Vor allem aber ist Weird Animals ein Comedy-Wissenspodcast. Jede Woche stellt ein Host dem anderen ein Tier vor und erklärt, was es weird macht. Dabei nehmen sie auch stets das große Ganze in den Blick – Biodiversität, Artensterben, Klimawandel und die Zukunft von Mensch und Tier. Jeden Dienstag gibt es eine neue Folge. <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/weird-animals/13490917/">JETZT ENTDECKEN</a> </p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong>Martin Kreidler-Kos, Ancilla Röttger, Nikolaus Kuster: Klara von Assisi. Freundin der Stille – Schwester der Stadt. 2015<br/>Martina Kreidler-Kos: Lebensmutig. Klara von Assisi und ihre Gefährtinnen. 2015<br/>Sabine Pemsel-Maier: Genderperspektiven – neue Blicke auf Klara von Assisi. 2018</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-klara-von-assisi-adelig-zu-asketin-frauenorden-assisi-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bergsturz - Bedrohte Berge</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bergsturz-bedrohte-berge/1810457</link>
      <pubDate>Fri, 01 Aug 2025 03:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">95b20a37-a519-43b4-9960-b2344e54518b</guid>
      <description>Bergstürze gehören zur Natur der Alpen genauso wie ihre Auffaltung. Aber sie bedrohen Menschen und Infrastruktur. Geologen versuchen deshalb die Zerfallsprozesse mit Einsatz von viel Technik vorherzusehen. Von Georg Bayerle (BR 2020) </description>
      <enclosure length="22299264" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1810457/c/feed/bergsturz-bedrohte-berge.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Georg Bayerle</itunes:author>
      <itunes:summary>Bergstürze gehören zur Natur der Alpen genauso wie ihre Auffaltung. Aber sie bedrohen Menschen und Infrastruktur. Geologen versuchen deshalb die Zerfallsprozesse mit Einsatz von viel Technik vorherzusehen. Von Georg Bayerle (BR 2020) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f46a4c99-aaea-43fd-b2d7-8547ae0496c6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bergstürze gehören zur Natur der Alpen genauso wie ihre Auffaltung. Aber sie bedrohen Menschen und Infrastruktur. Geologen versuchen deshalb die Zerfallsprozesse mit Einsatz von viel Technik vorherzusehen. Von Georg Bayerle (BR 2020) </p><p>Credits</p>
<p>Autor dieser Folge: Georg Bayerle<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Andreas Discherl<br/> Technik: Peter Preuß<br/> Redaktion: Matthias Eggert<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Radiowissen | Bergsturz" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-bergsturz-100.html">HIER</a></strong>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bergsteigerinnen - Unbekannte Heldinnen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bergsteigerinnen-unbekannte-heldinnen/1788561</link>
      <pubDate>Thu, 31 Jul 2025 09:25:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9089ea03-1949-44a6-9ffa-2221d777ea9c</guid>
      <description>Der frühe Alpinismus war reine Männersache. Aber willensstarke Pionierinnen zeigten, dass Frauen auf dem Weg nach ganz oben mithalten können. Im Bergsport spiegelt sich beispielhaft ein Kapitel weiblicher Emanzipationsgeschichte. (BR 2019)   </description>
      <enclosure length="21458024" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1788561/c/feed/bergsteigerinnen-unbekannte-heldinnen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:21</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Der frühe Alpinismus war reine Männersache. Aber willensstarke Pionierinnen zeigten, dass Frauen auf dem Weg nach ganz oben mithalten können. Im Bergsport spiegelt sich beispielhaft ein Kapitel weiblicher Emanzipationsgeschichte. (BR 2019)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/22b4e20e-7a30-4dea-a3e5-62a93527d26f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der frühe Alpinismus war reine Männersache. Aber willensstarke Pionierinnen zeigten, dass Frauen auf dem Weg nach ganz oben mithalten können. Im Bergsport spiegelt sich beispielhaft ein Kapitel weiblicher Emanzipationsgeschichte. (BR 2019)   </p>
<p>Autor/in dieser Folge: Justina Schreiber<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Julia Cortis, Christopher Mann<br/> Technik: Christian Schimmöller<br/> Redaktion: Matthias Eggert<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Bergsteigerinnen" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-bergsteigerinnen-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/>Wollen Sie noch mehr über Bergsteigerinnen hören? Dann empfehlen wir:<br/><br/><strong>Pionierinnen in Fels und Eis - Frauen im Alpinismus.</strong><br/>Von Königin Marie von Bayern bis zu den Munich Mountain Girls: Ein Expeditionsbericht, der von beschwerlichen und beglückenden Touren der Bergsteigerinnen erzählt. Eine kleine Geschichte des Alpinismus aus Frauenperspektive von Justina Schreiber.<br/><strong><a title="Bayern 2 | Bayerisches Feuilleton | Frauen im Alpinismus" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/bayerisches-feuilleton/der-berg-ist-das-ziel100.html">BAYERN 2 | BAYERISCHES FEUILLETON | FRAUEN IM ALPINISMUS</a><br/></strong><br/>Und natürlich den Bayern 2-Podcast:<br/><strong>Bergfreundinnen<br/></strong>Anna, Toni und Kaddi lieben Berge. Ständig zieht es die drei hinaus und hinauf – und wenn sie nicht am Berg sind, reden sie darüber. Die Bergfreundinnen sprechen sich Mut zu, halten einander und schöpfen am Gipfel neue Kraft – für die nächste Tour und fürs ganze Leben. Sie hören zu und diskutieren Fragen wie: Wie kriegt man mehr Selbstvertrauen am Berg? Wie schaffe ich es nachhaltig Bergzusteigen? Und wie ist das eigentlich mit der Menstruation, wenn ich unterwegs bin? Es sind also eher die großen Themen des Lebens, die im Bergfreundinnen-Podcast behandelt werden.<br/><a title="BR Podcast | Bergfreundinnen" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/bergfreundinnen/834">BR PODCAST | BAYERN 2 | BERGFREUNDINNEN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Auch im BR Fernsehen sind die Bergfreundinnen zu sehen – in der vierteiligen Dokuserie <strong>Alpenüberquerung</strong>:<br/><strong><a title="BR Mediathek | Bergfreundinnen - Alpenüberquerung" href="https://www.br.de/mediathek/video/bergfreundinnen-alpenueberquerung-folge-1-aufbruch-ueber-die-alpen-s01-e01-av:6252031e45b35700097c2649">BR MEDIATHEK | BERGFREUNDINNEN - ALPENÜBERQUERUNG Folge 1 von 4</a><br/><br/></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Earl Hamner, Erfinder der Waltons - Sehnsucht nach dem Landleben</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/earl-hamner-erfinder-der-waltons-sehnsucht-nach-dem-landleben/2087436</link>
      <pubDate>Thu, 31 Jul 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e29de526-ce76-48fd-8bce-16c92f7cae38</guid>
      <description>Gute Nacht, John-Boy - dieser Satz aus &quot;Die Waltons&quot; ist weltbekannt. Autor Earl Hamner hat mit der Familienserie Fernsehgeschichte geschrieben. Aber auch viele andere Filme, Reihen, Romane Hamners haben das Publikum begeistert auf ihre sehr herzliche, oft humorvolle Hamner-Art. Autorin: Susi Weichselbaumer (BR 2023)</description>
      <enclosure length="22247424" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087436/c/feed/earl-hamner-erfinder-der-waltons-sehnsucht-nach-dem-landleben.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:10</itunes:duration>
      <itunes:author>Susi Weichselbaumer</itunes:author>
      <itunes:summary>Gute Nacht, John-Boy - dieser Satz aus &quot;Die Waltons&quot; ist weltbekannt. Autor Earl Hamner hat mit der Familienserie Fernsehgeschichte geschrieben. Aber auch viele andere Filme, Reihen, Romane Hamners haben das Publikum begeistert auf ihre sehr herzliche, oft humorvolle Hamner-Art. Autorin: Susi Weichselbaumer (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2c2e054a-dcce-471b-94d5-8f718dcb4d28.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gute Nacht, John-Boy - dieser Satz aus "Die Waltons" ist weltbekannt. Autor Earl Hamner hat mit der Familienserie Fernsehgeschichte geschrieben. Aber auch viele andere Filme, Reihen, Romane Hamners haben das Publikum begeistert auf ihre sehr herzliche, oft humorvolle Hamner-Art. Autorin: Susi Weichselbaumer (BR 2023)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autorin dieser Folge: Susi Weichselbaumer<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Es sprachen: Berenike Beschle, Herbert Schäfer, Clemens Nicol, Friedrich Schloffer, Rahel Comtesse<br/>Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/>Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Earl Hamner und Ralph Giffin: Goodnight John-Boy – feinfühlige Einführung zur Serie „Die Waltons“ mit Biografischem zu Hamner und zur Entstehungsgeschichte sowie Episodenguide</p>

<p>James E. Person JR., Earl Hamner. From Walton´s Mountain to tomorrow – detailreiche und umfassende Biografie zu Hamner </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>ATMO Graduation 1 </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin </p>
<p>Stolz, glücklich, nervös - die Absolventinnen und Absolventen in den schwarzen Roben drängen in die Sporthalle, die bestuhlt ist für diesen Anlass. Sie suchen ihre Plätze in den ersten Reihen vor der Bühne. Omas, Opas, Mamas, Papas, Geschwister, Freunde verteilen sich dahinter.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Es dauert, bis alle sitzen.</p>
<p><br/></p>
<p>1 ZU Burke 0.21 We brought him…</p>
<p>Ov m1 </p>
<p>Wir hatten ihn 2004 zu uns auf den Campus eingeladen und ihm einen Preis verliehen für außerordentliche Verdienste um Film und Fernsehen. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin </p>
<p>Erinnert sich Kevin Burke. Er ist Leiter des Studiengangs Medienproduktion an der Universität Cincinnati in Ohio. </p>
<p><br/></p>
<p>2 ZU Burke 0.21 +45.26 And in 2008…</p>
<p>Ov m 1</p>
<p>2008 kam er wieder – um einen Ehrendoktortitel anzunehmen. Und er hat die Abschiedsrede gehalten auf der Feier des Abschlussjahrgangs. Tausende bekamen da ihr Zeugnis. Wir haben insgesamt 45.000 Studierende hier jedes Jahr. Und er gab ihnen Weisheiten mit für ihren weiteren Lebensweg. </p>
<p><br/></p>
<p>ATMO Graduation 2</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Earl Hamner.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der freundliche Mann mit dem dunklen welligen Haar und der quadratischen Hornbrille.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Der renommierte Schriftsteller, erfolgreiche Drehbuchautor – </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der selbst Student war an der Universität Cincinnati, Diplom 1948, im damals ganz neuen Kurs „Publizistik“.</p>
<p><br/></p>
<p>ATMO ENDE/ MUSIK Thema Waltons CD 924520 041 0.58 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Der Serien und Filme gemacht hat für die Fernsehewigkeit.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Mediathek- und Streamingdienstewigkeit.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die ewige Ewigkeit.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK hoch und weiter</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Kamera schwenkt über die bewaldeten Gipfel Virginias. Die Sonne scheint. Mama Walton tritt lächelnd aus der Tür des weiß gestrichenen Farmhauses und wischt sich die Hände an der Schürze ab. </p>
<p><br/></p>
<p>(Stelle in der Musik: Autohupe)</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Papa Walton fährt mit dem klapprigen Ford Pick Up auf den Hof. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die sieben Kinder laufen fröhlich durch den Vorspann.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Opa Walton kuschelt Oma Walton.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die wehrt ihn ab. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Ach was.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der Autor der Serie „Die Waltons“, Earl Hamner, erzählt zu Beginn jeder Episode, um was es diesmal geht. Die kurze Zusammenfassung aus dem Off wird Standard, 9 Jahre und 9 Staffeln lang.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>221 Folgen, ab 1972, zunächst zu sehen im US-amerikanischen Sendernetzwerk CBS. 50 Millionen Menschen schalten jeden Donnerstagabend ein.  </p>
<p><br/></p>
<p>5 ZU Hamner (2.30) The audience made…</p>
<p>OVm2 </p>
<p>Das Publikum hat uns an die Spitze der Einschaltquoten katapultiert. Das war die beste Antwort auf all die Kritiker, die im Vorfeld meinten: Wen in aller Welt interessiert der Alltag einer Familie in den hinteren Wäldern Virginias während der Wirtschaftskrise? </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Freut sich Hamner in einem Interview später. Da haben ihn „Die Waltons“ bereits weltberühmt gemacht. Angesiedelt im ländlichen Amerika der 1930er Jahren, in der Zeit der Großen Depression, erleben die Familienmitglieder kleine Abenteuer. </p>
<p><br/></p>
<p>ATMO Schyler 1/ MUSIK The Waltons CD947590 211 0.34 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>„Die Waltons“ spielen in etwa da, wo Earl Hamner herkommt. Aus dem überschaubaren Schyler, Nelson County, weit draußen in der waldigen Hügellandschaft des südlichen Virginia. Ein paar Farmhäuser, eine Baptistenkirche, eine Seifenfabrik. Hier wird Earl Hamner Junior am 10. Juli 1923 geboren. Als ältestes von acht Kindern. Der Vater ist Maschinist in der Fabrik, die Mutter kümmert sich um den Haushalt. </p>
<p><br/></p>
<p>ATMO Schyler 2</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Heute ist Schyler Sehnsuchtsort vieler Walton-Fans. Mehrmals im Jahr gibt es in dem 300-Einwohner-Örtchen Festivals, zu denen nach wie vor auch die Stars aus der Serie kommen, Autogramme verteilen und Fragen beantworten. Bed and Breakfast-Adressen werben mit Mama Waltons berühmtem Apfelsaucenkuchen zum Frühstück. </p>
<p><br/></p>
<p>6 ZU Mary Clark (Hesse) I was born and raised here.. </p>
<p>OVw1</p>
<p>Ich bin hier geboren und aufgewachsen und als die Waltons starteten, waren wir so stolz!</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Sagt Mary Clark. Sie betreibt ehrenamtlich das Waltons Mountain Museum in Schyler. </p>
<p><br/></p>
<p>ATMO Museum</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Gäste schlendern durch Nachbauten der Wohnräume im Farmhaus der Waltons, drehen am alten Röhrenradio aus dem Waltons Vorspann und blättern durch Autogrammkarten der Darsteller -  </p>
<p><br/></p>
<p>8 ZU Joe (Hesse) It brings back…</p>
<p>OVw2</p>
<p>Es bringt Erinnerungen aus der Serie zurück, gute Gefühle. Die Familie, die Verbundenheit, wie sie zusammenhalten.</p>
<p>OVw1</p>
<p>Die enge Familie, ich wünschte das wäre heute noch so.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Dueling Banjos Z8008909 116 0.37 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Diesen Wunsch hat das Publikum wohl bereits in den turbulenten 1970er Jahren, als die Serie anläuft: Zurück in die 30er, als da bei aller Finanzkrise gefühlt wenigstens noch Geborgenheit und Miteinander herrschten, ein stabiles Wertesystem existierte. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Mitten hinein in die landesweiten Proteste gegen den Vietnamkrieg erzählt Hamner vom Scheunentanzabend in Waltons Mountain, der ersten Liebe, dem ersten Kuss. Während die Watergate-Affäre über die USA hinaus Schlagzeilen macht, verpasst Hamner den Eltern Walton bei ihrer nachgeholten Hochzeitsreise eine romantische Reifenpanne.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Mit dieser Art von Nostalgie begeistert Hamner nicht nur viele Menschen in den USA. 1975 bringt das ZDF die Waltons nach Deutschland. Die Zuschauerzahlen sind so gut, dass mehrere Privatsender die Serie sofort komplett wiederholen. </p>
<p><br/></p>
<p>9 ZU Kevin Burke 14.00 He was very much into familiy programming</p>
<p>OVm1</p>
<p>Familienprogramme waren absolut sein Ding. Filme, die Eltern mit ihren Kindern schauen, Geschichten über Leute, mit denen die Menschen mitfühlen können, also nicht irgendwelche Verbrecher oder Superhelden.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Erklärt der Professor für Medienproduktion an der Universität Cincinnati und selbst bekannter Dokumentarfilmer, Kevin Burke.</p>
<p><br/></p>
<p>10 ZU Kevin Burke 14.00 Creating programming for television that</p>
<p>OVm1</p>
<p>Er wollte Fernsehsendungen machen, die Bedeutung haben, von Herzen kommen und die eine Verbindung herstellen zu universeller Wahrheit. Ich habe hier mal ein Zitat, das hat Hamner gesagt, als er bei uns auf dem Campus die Abschlussrede für den Jahrgang 2008 gehalten hat. </p>
<p><br/></p>
<p>Ohne Mut, Ehre, Leidenschaft, Mitleid, Liebe und Opferbereitschaft würden wir nichts wissen von Liebe, sondern nur von Verlust. Wir können unsere Zuschauer bereichern und uns selber bereichern, indem wir das Gute sehen in dieser wunderbaren Erfahrung, die wir Leben nennen.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Sauboy Song A C1616900 114 0.52 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Dass er schreiben und bereichern will, weiß Hamner früh. Als Schüler in Schyler verfasst er kleine Gedichte, die schon mal die Lokalzeitung herausbringt. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>In Kurzgeschichten skizziert er den Alltag der Großfamilie daheim auf der Farm mit ein paar Hühnern, Schweinen und der Kuh „Chance“ – </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler </p>
<p>„Chance“ erhält denn auch in den Waltons eine durchgehende Rolle.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Überhaupt ist vieles ähnlich. Das Motto lautet: Arm, aber glücklich – und wird sich durch Texte Hamners genauso ziehen wie durch Teile seines Lebens. Während der Wirtschaftskrise verliert sein Vater den Job, man muss umziehen in eine Nachbarstadt, in der es wenigstens schlecht bezahlte Arbeit in einer Chemiefabrik gibt. Dank eines Stipendiums kann Earl Hamner die private Universität Richmond besuchen.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Der zweite Weltkrieg kommt dazwischen. 1943 wird er als Soldat eingezogen. Die Army schickt ihn für zwei Jahre zum Einsatz nach Frankreich.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Hamner schreibt auch dort in jeder freien Minute, am liebsten Kurzgeschichten. Die schickt er per Post an Zeitschriften daheim in den USA. Sämtliche Verlage lehnen ab: </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Passt nicht thematisch. Ungelesen zurück, da Schriftsteller unbekannt. Abgelehnt, weil Autor ohne Agentur. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Wooden Meatballs B C1617750 113 0.35 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Hamner ist hartnäckig. Nach dem Krieg studiert er fertig, unter anderem an der Universität Cincinnati in Ohio. Abschlussjahrgang 1948. Studienschwerpunkt: Schreiben fürs Radio.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>WLW – die führende Radiostation in Cincinnati, zu hören im gesamten Osten der USA – engagiert den talentierten jungen Mann direkt von der Collegebank weg. Hörspiele, Kindersendungen, Dramenbearbeitungen – Hamner liegt das Texten fürs Sprechen. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK/ ATMO ENDE</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Sein Traum ist aber ein anderer:</p>
<p><br/></p>
<p>11 ZU Kevin Burke 6.32 He stayed there..</p>
<p>OVm1</p>
<p>Er blieb einige Jahre bei WLW. Dann kündigte er, weil er endlich genug Zeit haben wollte für ein Romanprojekt.   </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler </p>
<p>Ein großes Romanprojekt, wie es sich für einen richtigen Schriftsteller gehört.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>So stellt es sich Earl Hamner vor.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK First sight of New York M0021345 000 0.37 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Deswegen zieht er nach New York. Ins Zentrum von Kunst, Musik und Literatur. Wolkenkratzer im Lichtermeer, Dauerstau auf den Straßen und Gedränge auf den Gehsteigen. In der Stadt, die nie schläft und die den größtmöglichen Kontrast bietet zu Schyler in den einsamen bewaldeten Bergen Virginias – </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Entsteht 1953 schließlich „Fifty Roads of Town“. Ein Roman, in dem es um eine junge Frau geht – die in den Bergen Virginias lebt.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Ja. Aber inzwischen schreibt Hamner auch ganz Anderes. Das Fernsehen hat es ihm angetan. Er klappert in New York einen Produzenten nach dem anderen ab. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Viele sagen ihm, nein, nur weil er Radiotexte könne… Fernsehen sei so ganz… </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Anderes?!?!</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Dueling Banjos Z8008909 116  0.25 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Ein Mann gibt ihm eine Chance, Mark Smith, ein befreundeter Redakteur von „The United States Steel Hour“. Die TV-Show adaptiert Bühnenwerke der Weltliteratur, von Shakespeare über Oscar Wilde bis Tennessee Williams.  </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler  </p>
<p>Hamner begeistert Redakteur Smith. Der Fuß ist in der Tür. Weitere Aufträge folgen.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Ende der 1950er Jahre ist die Goldene Zeit des Fernsehens in New York vorbei. Gameshows, Sitcoms, Musicals, Werbefilmproduktionen – wandern an die Ostküste. Im sonnigen Kalifornien sind die Drehbedingungen besser und billiger.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Hamner ist mittlerweile Familienvater. Kurzentschlossen packt er seine Frau Jane, Sohn Scott und Tochter Caroline ein, die beiden Cockerspaniels und die Landschildkröte - und zieht nach Hollywood.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Lazy summer M0017577Z00 0.44 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Diese Idee haben allerdings auch andere. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Viele. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Hamner findet nirgendwo Anstellung. Schnell geht das Geld zur Neige. In der winzigen Wohnung ist kein Platz für einen Schreibtisch, also setzt er sich in eine Ecke der Garage. Dort arbeitet er an einem biografischen Roman, wann immer er gerade kein Vorstellungsgespräch hat bei einem Produzenten oder einer Filmfirma.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>In einem brütend heißen kalifornischen Sommer entsteht in der Garage ohne Klimaanlage bei offenem Rolltor „Spencer´s Mountain“. Der deutsche Titel: „Sommer der Erwartung“. Eine Familiengeschichte, angesiedelt irgendwo in den kühl bewaldeten Bergen Virginias.  </p>
<p><br/></p>
<p>12 ZU Burke 10.00 It was about familiy and…</p>
<p>OVm1</p>
<p>Es geht da um die Familie und ums Aufwachsen in einer vielleicht einfacheren Zeit, in einer Zeit, in der die Menschen in den Vereinigten Staaten, überhaupt auf der Welt, wenig Geld hatten und sie haben sich aufeinander verlassen, um durchzukommen. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Erklärt der Professor für Medienproduktion an der Universität Cincinnati, Kevin Burke. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Americana M0007510 0.19 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>In „Spencer´s Mountain“ steht der Traum des Vaters gegen den des ältesten Sohnes. Der Junior will aufs College gehen. Der Vater möchte ein eigenes Haus bauen für die Mutter und die weiteren acht Geschwister, oben auf dem Berg, auf dem Land, das ihnen gehört.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Am Ende verkauft der Vater Haus und Berg für die Zukunft seines Jungen.</p>
<p><br/></p>
<p>13 ZU Burke 10.40</p>
<p>OVm1</p>
<p>Das ist einer der Gründe, warum Hamners Arbeit bei so einem breiten Publikum über alle Altersstufen hinweg derart gut ankam in den USA. Die Menschen konnten sich einfühlen, kannten das aus eigenen Erfahrungen.    </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der Roman kommt 1961 heraus und landet sofort auf der Bestseller-Liste der New York Times. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Rezensionen sind hymnisch. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Präsident John F. Kennedy wählt das Buch aus als Gastgeschenk für andere Regierungschefs, weil es – so der Präsident – das beste amerikanische Leben präsentiere. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Grab your partner M0021336 000 0.37 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Und Warner Brother´s machen den Film dazu. In buntem Technicolor. Pompös beworben in langen Trailern. Und in Starbesetzung.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Henry Fonda.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Und Maureen O´Hara – </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin </p>
<p>Als Mama –</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Und Papa von neun Kindern. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Finanziell ist das endlich ein Durchbruch für Hamner. Allerdings beteiligt ihn die Warner nicht am Drehbuch, das schreiben andere.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler </p>
<p>Hamner ist das alles zu groß und zu bunt und zu effektheischend. Also mischt er sich ein. Dass Hamner für seine Figuren und Konzepte kämpft, imponiert den Studiobossen. Seine Art zu schreiben, kommt beim Publikum an. Aufträge flattern ins Haus. Drehbücher für Fernsehserien, Kurzgeschichten für Sammelbände, Romanideen – die Palette an Themen ist breit. Und bisweilen überraschend. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK The twilight Zone Z8038688 221 0.53 Min</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Ein früherer Kollege beim Radio in Cincinnati, Rod Serling, ist mittlerweile Produzent und Gastgeber der legendären „Twilight Zone“. Unwahrscheinliche Geschichten, unbekannte Dimensionen – in 25 Minuten pro Folge entspinnen sich unglaubliche Begebenheiten. Gruselig, psychologisch doppelbödig, mitunter makaber. Hamner liegt dieses Fernsehformat mit Fokus auf grotesken zwischenmenschlichen Details. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Er erzählt von einer verliebten jungen Frau, die sich einer alten Hexe in den Bergwäldern anvertraut. Doch obsessive Liebe und obskure Kräuterkunde führten noch nie zum Guten.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>In einer anderen Folge lässt Hamner ein junges Paar in Pappkulissen aufwachen. Es stellt sich erst langsam heraus: Sie wurden von der Erde entführt und dienen jetzt dem Kind eines Außerirdischen als Spielzeuge im Puppenhaus. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Bergpanorama Alphorn C1482290008 m 0.50 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>1968 fragt eine Produktion an, ob Hamner das Skript ausdenken möchte für die deutsch-US-amerikanische Produktion „Heidi kehrt heim“. In der Hauptrolle als Alm-Öhi Maximilian Schell. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Statt die Berge Virginias durchstreift Hamner jetzt die Schweizer Alpen nahe St. Moritz. Er ist gerne am Drehort dabei, feilt mit den Darstellern bis kurz vor Kamera an den Dialogen. Die Romanvorlage von Johanna Spyri dichtet er um, mehr Drama, aber auch mehr Liebe. Aus der strengen Gouvernante Fräulein Rottenmeier wird diesmal eine reizende neue Mama Sesemann für Klara.  </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Anspruchsvolle Unterhaltung im Stil deutscher Heimatfilme, loben die hiesigen Filmkritiken.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>In den USA gerät die Erstausstrahlung am 17. November 1968 zum Desaster. Aus rechtlichen Gründen muss der Sender NBC den Film Punkt 19 Uhr starten und beendet deshalb die Übertragung des Footballspiels Oakland Raiders gegen New York Jets eine Minute vor Schluss. Dass die Raiders die verloren geglaubte Partie in dieser letzten Minute doch noch drehen konnten – verpassen die Fans. Wegen des Alm-Öhi. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Heute ist „Heidi-Gate“ Fernsehgeschichte. Die Verfilmung längst auch in den USA ein Klassiker. </p>
<p><br/></p>
<p>15 ZU Kevin Burke (16.19) I am not a big… </p>
<p>OVm1</p>
<p>Ganz ehrlich bin ich jetzt kein großer Waltons-Fan, aber er hat einen Pilotfilm geschrieben für die Serie. „The Homecoming“, eine Weihnachtsgeschichte, 1971, und der wurde nominiert für drei Emmys und Hamner selbst wurde nominiert für herausragende Leistungen im Bereich Drehbuch. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Erinnert sich Kevin Burke. Tatsächlich plant Hamner „The Homecoming“ zunächst als Romanfortsetzung von „Spencer´s Mountain“. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Dancing snow flakes Z80347 68 137 0.25 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Darin sind die Kinder etwas älter geworden. Es ist Weihnachtsabend und man wartet im festlich geschmückten Farmhaus darauf, dass der Vater endlich zurück kommt von der Arbeit in der Fabrik in der Nachbarstadt. Doch draußen tobt ein gewaltiger Schneesturm. Vom Vater fehlt jede Spur. Der älteste Sohn zieht los, sucht ihn in der Poolhalle, beim Krämer, klappert die Nachbarn ab. Vergeblich.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Snow scene M0017516 000 0.20 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Schließlich steht der Vater vor der Tür mit einem Sack voller Geschenke. Er hatte den Bus verpasst und musste im Sturm nach Hause trampen. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Firma CBS kauft das Buch an. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Der Pilotfilm übertrifft sämtliche Erwartungen. Earl Hamner bekommt sein erstes ganz eigenes Projekt. </p>
<p><br/></p>
<p>16 ZU Hamner 1.17</p>
<p>OVm2</p>
<p>Wegen des Erfolgs von „The Homecoming“ erhielt ich den Auftrag von CBS eine Serie daraus zu entwickeln, daraus und aus dem Roman davor, „Spencer´s Mountain“. Der großartige Will Geer war der erste Schauspieler, den wir gecastet hatten als Opa Walton. Und als wir sie alle zusammen hatten, wussten wir, dass wir da eine wunderbare Gruppe hatten, jede und jeder passte einzigartig in seine Rolle.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK The Waltons CD 924520 041 1.01 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Ralph Waite, der zig andere Jobs gemacht hatte, bevor er zur Schauspielerei kam und dessen Privatleben eben den Bach runtergeht, wird Papa John Walton. Später sagt er: Die Rolle habe ihm gezeigt, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und ein guter Vater zu sein.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Theaterschauspielerin Michael Learned, mitten in der Scheidung, alleinerziehend mit drei Jungs, braucht eine Zusage schon wegen des Geldes. Sie kommt komplett verkatert zum Casting – und kriegt den Part der Mama, Olivia Walton. Damit habe ein neues Leben begonnen, erzählt sie in Interviews bis heute. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin  </p>
<p>John und Olivia werden ein Traumpaar vor der Kamera. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Hinter der Kamera auch.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Sie verzichten auf eine Liebesbeziehung in echt.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Ehe der Waltons ist ihnen zu wichtig. Dass sie die sehr ernst nehmen, zeigt sich auch in Gesprächen mit dem Autor Earl Hamner. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Michael Learned mag ihn sehr, beschwert sich aber oft: Sie möchte mehr als Olivia erleben dürfen, als nur Kaffee kochen und die Küche auf Waltons Mountain fegen.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Also lässt Hamner Mama Walton schwere Krankheiten durchleben, einen Verehrer finden, den sie nicht erhöht, zum Geburtstag darf sie sogar abheben per Postflugzeug.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Hamner ist durchaus selbstkritisch. Oma Esther Walton alias Ellen Corby macht es ihm auch nicht leicht.  </p>
<p><br/></p>
<p>17 ZU Hamner (2.09) Ellen was dure and unfriendlly...</p>
<p>OVm2</p>
<p>Ellen hat das manchmal so hart, fast unfreundlich gespielt. Da habe ich ihr gesagt, ich möchte mehr von meiner eigenen Großmutter in der Rolle sehen, sie war die süßeste Person. Ellen schnitt mir das Wort ab: Junger Mann! Ich gebe der Großmutter ein paar Ecken und Kanten. Sie haben so viele nette Menschen in dieser zuckersüßen Show, das Publikum wird sterben an Diabetes. Ich habe sie daraufhin nie wieder kritisiert.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Am 14. September 1972 läuft die erste Folge der Waltons. Bis 1981 werden es 221 sein. Dazu kommen sechs später produzierte Fernsehfilme, die die Geschichte der Familie jeweils ein Stückchen weiterdrehen. Das Ende jeder Episode wird zum geflügelten Wort.</p>
<p><br/></p>
<p>19 ZU Trailer Ende: Good night, John Boy!</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>1972 und 1973 wird Hamner für seine Waltons wieder für den Emmy nominiert. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Er ist eine Hausnummer in Hollywood.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Eine sichere Bank.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK Falcon Crest (Theme) Z8091424 217 0.52 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Als 1981 die Serie „Falcon Crest“ ins US-amerikanische Fernsehen kommt, weiß man – </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Wo Earl Hamner draufsteht –</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin </p>
<p>Sind sicher wieder über 200 Folgen drin. Gemeinsam mit „Dallas“, dem „Denver Clan“ und „Unter der Sonne Kaliforniens“ wird „Falcon Crest“ in den 1980er Jahren eine der erfolgreichsten Soaps weltweit. Weingutbesitzerin Angela Channing ist die unumstrittene Clanchefin und despotische Herrscherin von Falcon Crest. Ihr soll einmal das ganze Tal gehören. Also schmiedet sie finstere Intrigen gegen die anderen Weinbauern in der Umgebung. Doch auch in der eigenen Familie gibt es Konkurrenz. </p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Neffe Chase und Richard, der Sohn ihres verstorbenen Ex-Ehemanns, wollen an Angelas Erbe. Und das möglichst schnell.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Ohne Erfolg.</p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Über sein Erbe macht sich auch Earl Hamner immer wieder Gedanken. Im März 2016 stirbt er im Alter von 92 Jahren in Los Angeles. Sein Sohn wird wie er Drehbuchautor. Viele andere Filmemacherinnen und Filmemacher folgen Hamners Vorbild.</p>
<p><br/></p>
<p>20 ZU Kevin Burke (42.50) His work had an impact on me.. </p>
<p>OVm1 </p>
<p>Seine Arbeit hatte Einfluss auf mich. Und als ich ihm das gesagt habe, hat er sich gefreut.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Erinnert sich der Professor für Medienproduktion und renommierte Dokumentarfilmer Kevin Burke an ein Treffen mit Earl Hamner. Gleich im Anschluss an die Abschlussfeier an der Universität Cincinnati 2008. Als ehemaliger Student war Hamner dort Ehrengast und Redner. </p>
<p><br/></p>
<p>21 ZU Kevin Burke (42.50) I think he really .. </p>
<p>OVm1</p>
<p>Ich glaube, er hat unser Buffet genossen und gerne mit den Studierenden gesprochen. Die mochten ihn alle und ich denke, das gefiel ihm. Er wollte ihnen erklären, was er weiß übers Geschichtenerzählen und welche Art von Geschichten man wie erzählen kann. Und dass man von seinen eigenen Erfahrungen zehrt, um Geschichten zu erzählen. </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK The Waltons CD947590 211  0.17 Min.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>So wie er selber seine Erfahrungen eingebracht hat in seine bekannteste Geschichte bis heute.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Waltons.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Earl Hamner –</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Alias John Boy Walton.</p>
<p><br/></p>
<p>22 ZU Good night, Mary Ellen. Good night, Mama. Good night, John Boy. Good night, everybody.</p>
<p><br/></p>

<p>ENDE</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Pierre Bourdieu - Denker der feinen Unterschiede</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/pierre-bourdieu-denker-der-feinen-unterschiede-1/2109033</link>
      <pubDate>Wed, 30 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3771b490-1efc-415c-887e-040e39b186e9</guid>
      <description>Italiener oder Imbiss. Puccini oder Punkrock. Die Herkunft prägt den Geschmack ein Leben lang. Davon ist der Franzose Pierre Bourdieu überzeugt. Wer ist der Mann, der die Soziologie als Kampfsport bezeichnet? Autorin: Maike Brzoska (BR 2020)</description>
      <enclosure length="21312384" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2109033/c/feed/pierre-bourdieu-denker-der-feinen-unterschiede-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Brzoska, Maike</itunes:author>
      <itunes:summary>Italiener oder Imbiss. Puccini oder Punkrock. Die Herkunft prägt den Geschmack ein Leben lang. Davon ist der Franzose Pierre Bourdieu überzeugt. Wer ist der Mann, der die Soziologie als Kampfsport bezeichnet? Autorin: Maike Brzoska (BR 2020)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/fc36aa75-8a98-4b13-9f9b-27517342be52.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Italiener oder Imbiss. Puccini oder Punkrock. Die Herkunft prägt den Geschmack ein Leben lang. Davon ist der Franzose Pierre Bourdieu überzeugt. Wer ist der Mann, der die Soziologie als Kampfsport bezeichnet? Autorin: Maike Brzoska (BR 2020)</p><p>Autor/in dieser Folge: Maike Brzoska</p>
<p>Regie: Christiane Klenz</p>
<p>Es sprachen: Katja Bürkle, Stefan Merki, Andreas Dirscherl</p>
<p>Technik: Roland Böhm</p>
<p>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>

<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>SPRECHERIN</p>

<p>Eine Abendgesellschaft irgendwo in Frankreich. Zahlreiche Gäste sind geladen.</p>

<p>Sie nehmen Platz an einem großen Tisch. Gleich wird das Essen serviert. Schon</p>

<p>an wenigen Details kann man erkennen, wer hier diniert.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Sitzen die Paare nebeneinander? Dann gehören die Gastgeber vermutlich der</p>

<p>unteren Schicht oder dem Kleinbürgertum an. Sitzen die Paare getrennt</p>

<p>voneinander, gehören sie zur Oberschicht, zur Bourgeoisie.</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Auch die Speiseordnung kann die soziale Herkunft verraten.</p>



<p>MUSIK 2</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Suppe, Kartoffeln, Fleisch – bei Angehörigen ärmerer Schichten kommen die</p>

<p>vollen Töpfe und Pfannen mit auf den Tisch. Aufgetragen wird reichlich und mit</p>

<p>großen Schöpfkellen. Die Reihenfolge der Speisen ist zwanglos, Zwänge gibt es</p>

<p>im Alltag schließlich schon genug. Deshalb räumt die Frau zwischendurch auch</p>

<p>ein paar Teller beiseite und holt schon mal die Torte, während andere noch essen.</p>



<p>MUSIK 3 </p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Bei den Wohlhabenden hingegen hält man sich zurück. Erst wenn ein Gang</p>

<p>vollständig abgeräumt ist – inklusive Salzstreuer –, wird das Dessert aufgetragen.</p>

<p>Gegessen wird erst, wenn alle einen Nachtisch haben. Sich nicht zurück zu halten,</p>

<p>wäre respektlos gegenüber den Gastgebern.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Und wer sich immer noch nicht sicher ist, wer hier feiert, sollte auf Speisen und</p>

<p>Getränke selbst achten.</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Gemüse, Fisch, Wasser, Wein – auf den Tisch der Oberschicht kommen leichte</p>

<p>und exquisite Speisen. Schlank ist schließlich schick.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Bei ärmeren Leuten hingegen gibt es kalorienreiches Essen: Fettes Fleisch,</p>

<p>salzige Beilagen, Bier, Limo, Schnaps. Gefragt ist hier, was satt macht. Ab Montag</p>

<p>wird wieder schwer geschuftet.</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Zurückhaltende Askese hier, zwanglose Völlerei dort. Diese Analyse der</p>

<p>Tischsitten stammt von dem Soziologen Pierre Bourdieu. Sein 1979 in Frankreich</p>

<p>erschienenes Buch La distinction, zu deutsch: Die feinen Unterschiede, machte</p>

<p>ihn über Nacht berühmt, auch außerhalb der wissenschaftlichen Welt. Bourdieu</p>

<p>zeigt darin, wie kulturelle Praktiken, ästhetische und kulinarische Vorlieben sich je</p>

<p>nach sozialer Herkunft unterscheiden.</p>



<p>MUSIK 4 </p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Wobei die Tischsitten nur ein kleines Detail sind aus der Fülle des empirischen</p>

<p>Materials, das er über Jahre hinweg gesammelt hat. Stunden habe er damit</p>

<p>zugebracht, Gesprächen zuzuhören, schreibt Bourdieu in seinem Buch Ein</p>

<p>soziologischer Selbstversuch.</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Gelauscht hat er in Cafés, beim Boule, beim Fußball, auf Postämtern. Aber auch</p>

<p>bei Abendgesellschaften, Cocktailpartys und auf Konzerten. Manchmal habe er</p>

<p>unter einem Vorwand ein Gespräch angefangen, nur um mehr über Herkunft und</p>

<p>Beruf seines Gegenübers zu erfahren.</p>



<p>01 O-TON (Schultheis)</p>

<p>Das ist das Besondere bei ihm, seine gesamte Theorie ist empirisch gewonnen.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Der Soziologe Franz Schultheis. Er ist Professor an der Universität St. Gallen und</p>

<p>hat viele Jahre mit Bourdieu zusammengearbeitet.</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Bourdieus Beobachtungen stammen aus den 1960er und -70er Jahren. Deshalb</p>

<p>ist die Analyse des Festessens auch mit Vorsicht zu genießen. Denn ob es bei</p>

<p>französischen Abendgesellschaften auch heute noch so zugeht, oder ob die</p>

<p>Unterschiede inzwischen mehr Klischee als Realität sind – Bourdieu wäre wohl</p>

<p>der erste, der eine neuerliche Analyse anmahnen würde.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Aber ganz allgemein lässt sich seine These in Die feinen Unterschiede so</p>

<p>zusammenfassen:</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Was ich esse, wie ich mich kleide, welche Musik ich höre, wie ich wohne, was ich</p>

<p>schön finde – all das zeigt, welcher sozialen Gruppe ich angehöre. Bourdieu nennt</p>

<p>das den Habitus eines Menschen. Er verbindet ihn mit Anderen, die einen</p>

<p>ähnlichen Bildungsgrad und eine ähnliche soziale Herkunft haben.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Gleichzeitig ist das, was in einer sozialen Gruppe als guter oder schlechter</p>

<p>Geschmack gilt, nicht für alle Zeiten festgelegt. Was en vogue ist, resultiert aus</p>

<p>Klassenkonflikten, die immer wieder neu ausgetragen werden. Es ist ein ständiger</p>

<p>Kampf, ein ständiges „Spiel“, wie Bourdieu es nennt, um Anerkennung und Macht.</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Soziale Hierarchien sind Bourdieus Lebensthema. Wie unterscheiden sich die</p>

<p>Schichten voneinander? Was trägt das Bildungswesen zu diesen Unterschieden</p>

<p>bei? Warum geben manche Intellektuelle den Ton an? Wie kommt es zur</p>

<p>männlichen Herrschaft? Das sind einige der Themen seiner Feldforschung.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Und immer schwingt in seinen Analysen auch eine gewisse Kritik mit an den</p>

<p>herrschenden Gruppen, den Eliten.</p>



<p>MUSIK 5</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Geboren ist Pierre-Félix Bourdieu 1930 in einem kleinen Dorf am Fuße der</p>

<p>Pyrenäen. Sein Vater Albert war erst Kleinbauer und später Postbeamter. Seine</p>

<p>Mutter Noémie war ebenfalls bäuerlicher Herkunft.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Vor allem sein Vater habe ihn geprägt, schreibt Bourdieu. Albert war Mitglied einer</p>

<p>Gewerkschaft und habe weit links gewählt, was in der konservativ-ländlichen Welt</p>

<p>immer wieder zu Problemen führte. Er habe seinen Vater nie glücklicher erlebt, als</p>

<p>in Momenten, in denen er Bedürftigen helfen konnte.</p>

<p>Anweisungen, Witwenrenten, Schuldverschreibungen – in blindem Vertrauen</p>

<p>überließen die Leute dem Postbeamten Albert ihre wichtigsten Angelegenheiten,</p>

<p>der immer verantwortungsvoll damit umging. Diese Haltung seines Vaters habe</p>

<p>ihn früh gelehrt, die sogenannten „kleinen Leuten“ zu achten, so Bourdieu</p>

<p>rückblickend.</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Nach der Grundschule kommt er ins Internat nach Pau, um dort aufs Gymnasium</p>

<p>zu gehen. Später besucht er noch ein Gymnasium in Paris. Damals etwas</p>

<p>Besonderes für einen Jungen aus der Provinz.</p>



<p>03 O-TON (Schultheis)</p>

<p>Gleichzeitig hat er aber auch die Schattenseiten kennen gelernt als Außenseiter in</p>

<p>diesen Gymnasien, wo er war. Die Anderen waren bürgerlicher Herkunft und er</p>

<p>kam eher aus der Unterschicht, und dadurch hat er ein ambivalentes Verhältnis</p>

<p>entwickelt.</p>



<p>MUSIK 6</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Raufereien, Fausthiebe, Hoffnungslosigkeit – die Jahre im Internat in Pau seien</p>

<p>fürchterlich gewesen, schreibt Bourdieu. Als Musterschüler sei er immer schnell</p>

<p>Zielscheibe von Aggressionen gewesen. Um nicht vollends ausgeschlossen zu</p>

<p>werden, habe er angefangen, mit den anderen Jungs Rugby zu spielen. Es seien</p>

<p>diese permanenten Auseinandersetzungen gewesen, die ihn dazu gebracht</p>

<p>haben, die soziale Welt als andauernden Kampf zu betrachten. Aber trotz dieser</p>

<p>negativen Erfahrungen an der höheren Schule war er dem Bildungssystem</p>

<p>insgesamt gegenüber wohlgesonnen.</p>



<p>04 O-TON (Schultheis)</p>

<p>Er wurde von diesem Bildungssystem quasi entdeckt und über verschiedene</p>

<p>Stufen bis an eine Eliteuniversität befördert. Und dadurch hatte er eigentlich</p>

<p>gegenüber diesem Bildungssystem immer auch eine sehr positive Einstellung. Es</p>

<p>hat ihn errettet, aus dieser Marginalität.</p>



<p>MUSIK 7</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>Von der französischen Provinz nach Paris. Als Sohn einfacher Leute auf</p>

<p>die besten Gymnasien des Landes. Bourdieu ist ein Außenseiter in mehrfacher</p>

<p>Hinsicht. Aber erst später habe er die Besonderheiten seines eigenen Habitus</p>

<p>erkannt, schreibt er. Tonfall, Stimme, Gesichtsausdruck – als Junge vom Land</p>

<p>habe er sich in vielem von den hochgeborenen Parisern mit ihrer kühlen</p>

<p>Selbstsicherheit unterschieden. Vielleicht sei er deshalb so oft als aufmüpfig</p>

<p>wahrgenommen worden.</p>



<p>SPRECHER</p>

<p>Ab 1951 studiert Bourdieu Philosophie an der Pariser École Normale Supérieure,</p>

<p>der Kaderschmiede der französischen Intellektuellen, die auch berühmte Denker</p>

<p>wie Jean-Paul Sartre, Michel Foucault und Émil Durkheim besucht haben.</p>

<p>Anfangs ist er beeindruckt von der akademischen Welt mit ihren Diskursen und</p>

<p>illustren Zirkeln. Seine Dissertation will er – wie damals üblich für einen</p>

<p>Philosophie-Studenten – über ein abstraktes Thema schreiben. Aber es kommt</p>

<p>anders.</p>



<p>MUSIK 8</p>



<p>SPRECHERIN</p>

<p>In Algerien brechen zu dieser Zeit bewaffnete Konflikte aus. Das nordafrikanische</p>

<p>Land stand damals unter französischer Kolonialherrschaft und kämpfte für seine</p>

<p>Unabhängigkeit. Das französische Militär schlägt die Aufstände blutig nieder.</p>

<p>Bourdieu, obwohl erklärter Gegner des Krieges, muss ab 1955 seinen Wehrdienst</p>

<p>dort leisten.</p>


<p>05 O-TON (Schultheis)</p>

<p>In Algerien trifft er auf eine Situation, die ihn wachrüttelt, wo er sagt; Ich kann unter</p>

<p>diesen Bedingungen, diesem Kolonialkrieg, dem Elend, was er da zu sehen</p>

<p>bekam, nicht einfach weiter Philosophie betreiben. Ich muss mich dieser Lage</p>

<p>annehmen, kritisch annehmen. Und er schreibt ein Buch Sociologie d Algerie,</p>

<p>Soziologie Algeriens, und mit diesem Buch, so sagte er, wollte ich daheim den</p>

<p>Franzosen überhaupt mal deutlich machen, was Algerien bedeutet. Denn in</p>

<p>Frankreich kennt man Algerien gar nicht. Ich will auch vermitteln, dass auch die</p>

<p>Algerier eine eigene Kultur haben, was eigentlich von den Kolonialherren immer</p>

<p>verneint wird</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Geschichte der Sklaverei - Wenn der Mensch zum Werkzeug wird</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/geschichte-der-sklaverei-wenn-der-mensch-zum-werkzeug-wird/32134</link>
      <pubDate>Wed, 30 Jul 2025 00:01:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">170403_0905_Radiowissen_Geschichte-der-Sklaverei---Wenn-der-Mensch-.mp3</guid>
      <description>Seit wann gibt es die Sklaverei? Auf jeden Fall, seit es Gesetzestexte gibt, von der Frühgeschichte bis in die Neuzeit. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sie weltweit verboten wurde. Autor: Johannes Munzinger</description>
      <enclosure length="21425467" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/32134/c/feed/geschichte-der-sklaverei-wenn-der-mensch-zum-werkzeug-wird.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Munzinger, Johannes</itunes:author>
      <itunes:summary>Seit wann gibt es die Sklaverei? Auf jeden Fall, seit es Gesetzestexte gibt, von der Frühgeschichte bis in die Neuzeit. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sie weltweit verboten wurde. Autor: Johannes Munzinger</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
    </item>
    <item>
      <title>Wilhelm Reich - Soziologe, Sexualforscher, Psychoanalytiker</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wilhelm-reich-soziologe-sexualforscher-psychoanalytiker/1853072</link>
      <pubDate>Tue, 29 Jul 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ad915ce8-312d-408b-9fd8-2d1fa1f5e8b4</guid>
      <description>Für die 68er-Bewegung hatte das Werk Wilhelm Reichs Kultstatus. Der Wiener Psychoanalytiker hielt nämlich die sexuelle Befreiung für politisch notwendig. Später, im amerikanischen Exil, forschte er dann zu einer universellen Lebensenergie namens Orgon. Er war ein höchst umstrittener, radikaler Denker. 
Autorin: Justina Schreiber (BR 2022)  </description>
      <enclosure length="22485888" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1853072/c/feed/wilhelm-reich-soziologe-sexualforscher-psychoanalytiker.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:25</itunes:duration>
      <itunes:author>Justina Schreiber</itunes:author>
      <itunes:summary>Für die 68er-Bewegung hatte das Werk Wilhelm Reichs Kultstatus. Der Wiener Psychoanalytiker hielt nämlich die sexuelle Befreiung für politisch notwendig. Später, im amerikanischen Exil, forschte er dann zu einer universellen Lebensenergie namens Orgon. Er war ein höchst umstrittener, radikaler Denker. 
Autorin: Justina Schreiber (BR 2022)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9eae8884-e336-49f3-8e79-08fd265ea3bb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Für die 68er-Bewegung hatte das Werk Wilhelm Reichs Kultstatus. Der Wiener Psychoanalytiker hielt nämlich die sexuelle Befreiung für politisch notwendig. Später, im amerikanischen Exil, forschte er dann zu einer universellen Lebensenergie namens Orgon. Er war ein höchst umstrittener, radikaler Denker. 
Autorin: Justina Schreiber (BR 2022)  </p><p>Autor/in dieser Folge: Justina Schreiber<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Berenike Beschle und Andreas Neumann<br/>Technik: Regina Staerke<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="Wilhelm Reich Manuskript" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-wilhelm-reich-soziologe-sexualforscher-100.html">HIER</a>.<br/><br/>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://br.de/mediathek/podcast/alles-geschichte-history-von-radiowissen/841"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/>Hier gibt es eine weitere spannende Folge von radioWissen:<br/>Freuds Psychoanalyse - Die relativierte Revolution<br/><a title="Radiowissen | BR Podcast - Freuds Psychoanalyse" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/freuds-psychoanalyse-die-relativierte-revolution/32440">JETZT ANHÖREN</a><br/><strong><br/>Literaturtipps<br/></strong><strong><br/></strong>Fallend, Karl und Nitzschke, Bernd (Hrsg), Der „Fall“ Wilhelm Reich, Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1997<br/><br/>Laska, Bernd A., Wilhelm Reich in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, rororo Bildmonographien, Rowohlt Taschenbuchverlag Reinbek bei Hamburg, 1981<br/><br/>Majewska, Magda, Lust und Limit. Der postmoderne Roman und die sexuelle Befreiungsbewegung in den USA, transcript Verlag, Bielefeld 2019<br/><br/>Mitchell, Juliet, Psychoanalyse und Feminismus, Freud, Reich, Laing und die Frauenbewegung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1985</p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Margaret Stonborough-Wittgenstein - Mit Geld und Moral</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/margaret-stonborough-wittgenstein-mit-geld-und-moral/1822193</link>
      <pubDate>Mon, 28 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">af46dcb4-800c-4457-9fe3-ed3dce19bce3</guid>
      <description>Anfang des 20. Jahrhunderts war sie eine der reichsten Frauen Wiens. Klug, kunstbeflissen und voll karitativen Engagements lebte die Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein ein außergewöhnliches Leben. Autorin: Julie Metzdorf (BR 2021)</description>
      <enclosure length="22452480" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1822193/c/feed/margaret-stonborough-wittgenstein-mit-geld-und-moral.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:23</itunes:duration>
      <itunes:author>Julie Metzdorf</itunes:author>
      <itunes:summary>Anfang des 20. Jahrhunderts war sie eine der reichsten Frauen Wiens. Klug, kunstbeflissen und voll karitativen Engagements lebte die Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein ein außergewöhnliches Leben. Autorin: Julie Metzdorf (BR 2021)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8af295a8-0590-413e-8ce1-cd9a0d4a4494.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Anfang des 20. Jahrhunderts war sie eine der reichsten Frauen Wiens. Klug, kunstbeflissen und voll karitativen Engagements lebte die Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein ein außergewöhnliches Leben. Autorin: Julie Metzdorf (BR 2021)</p><p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskriptradiowissen-4520.html">HIER</a>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der schmale Grat - über Takt und Taktgefühl</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-schmale-grat-ueber-takt-und-taktgefuehl/2107971</link>
      <pubDate>Mon, 28 Jul 2025 02:28:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e51969b0-edee-45c9-862d-f5dc79f5a7ed</guid>
      <description>Im falschen Moment grinsen, im richtigen Moment schweigen - zwischen Taktlosigkeit und Taktgefühl liegt oft nur eine winzige, aber entscheidende Geste. Kippt die Stimmung oder hält die zwischenmenschliche Wetterlage? Über eine Tugend, die keinen Regeln gehorcht und doch so wichtig ist für ein gutes Miteinander. Autorin: Constanze Álvarez (BR 2025) </description>
      <enclosure length="22130304" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107971/c/feed/der-schmale-grat-ueber-takt-und-taktgefuehl.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Alvarez, Constanze</itunes:author>
      <itunes:summary>Im falschen Moment grinsen, im richtigen Moment schweigen - zwischen Taktlosigkeit und Taktgefühl liegt oft nur eine winzige, aber entscheidende Geste. Kippt die Stimmung oder hält die zwischenmenschliche Wetterlage? Über eine Tugend, die keinen Regeln gehorcht und doch so wichtig ist für ein gutes Miteinander. Autorin: Constanze Álvarez (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ecd93272-5cfd-42f1-be40-212c143c0b2f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im falschen Moment grinsen, im richtigen Moment schweigen - zwischen Taktlosigkeit und Taktgefühl liegt oft nur eine winzige, aber entscheidende Geste. Kippt die Stimmung oder hält die zwischenmenschliche Wetterlage? Über eine Tugend, die keinen Regeln gehorcht und doch so wichtig ist für ein gutes Miteinander. Autorin: Constanze Álvarez (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autorin dieser Folge: Constanze Alvarez<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Thomas Birnstiel, Friedrich Schloffer <br/> Technik: Monika Gsaenger<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p> - Martin Scherer, Schriftsteller, Philosoph</p>
<p> - Niklas Barth, Soziologe an der LMU München</p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-schmaler-grat-taktgefuehl-takt-manieren-soziologie-kultur-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Als Angela Merkel 2007 zu Gast bei Wladimir Putin im Kreml war, wartete der russische Präsident ihr mit einer unangenehmen Überraschung auf: Er ließ einen riesigen schwarzen Labrador um ihre Beine streifen, wohlwissend, dass sich die deutsche Kanzlerin vor Hunden fürchtet. Auf diese Taktlosigkeit, die man auch als Boshaftigkeit bezeichnen könnte, reagiert Angela Merkel mit äußerster Zurückhaltung. Ihr Gesichtsausdruck verrät, dass sie sich unwohl fühlt. Allerdings verzichtet die Kanzlerin darauf, sich zu Putins Affront zu äußern.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Merkel verlässt weder den Saal, noch beschwert sie sich lauthals, sie verkneift sich sogar eine kritische Bemerkung. Damit vermeidet sie einen Eklat, möglicherweise einen Gesichtsverlust. Vor allem sorgt sie mit ihren Verhalten dafür, dass das Gespräch weiter geht, dass es nicht stockt oder abrupt aufhört. Man könnte auch sagen: Ihr Gespür für die richtige Geste im richtigen Moment rettete sie aus der Situation.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Die richtige Geste im richtigen Moment, damit nähern wir uns der Definition von Takt:</p>

<p><strong>OT 1 Takt Martin Scherer</strong></p>
<p>Takt ist eine Form des Feingefühls. Takt ist ein Gespür. Takt ist eine Intuition. Takt ist ein bewusstes Momentum, in dem eine Geste zum richtigen Zeitpunkt fällt, ausgeübt wird. Genauso ist aber Takt das Vermeiden und Unterlassen einer Geste. Es kann taktvoll zu sein, auf etwas nicht zu reagieren, nichts zu sagen in einem Moment, beispielsweise auch kein Trost zu spenden, der einfach und billig wirken würde, wie umgekehrt es sozusagen auch aktive, kreative Gesten geben kann, die das Gegenüber überraschen, verblüffen und für einen Moment entlasten.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Sagt der Schriftsteller und Philosoph Martin Scherer. In seinem Buch „Takt – Über Nähe und Distanz im menschlichen Umgang“ hat er sich eingehend mit dieser Tugend beschäftigt. Der Begriff Takt mag altmodisch klingen. Und doch ist er nach wie vor wichtig, nicht nur, um in der hohen Politik zu bestehen, sondern auch im ganz normalen Alltag.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Takt hat viele Facetten: Er ist dazu da, Peinlichkeiten zu vermeiden, oder, wenn diese eingetreten sind, der Person über den Faux Pas, also den Fehltritt, hinwegzuhelfen. Interessanterweise sprechen wir meistens über Takt, wenn wir ihn vermissen, wenn er in einer bestimmten Situation fehlt. Spanier sprechen dann immer von einer „<em>falta de tacto</em>“. Wobei das Wort „tacto“ eine doppelte Bedeutung hat: es steht sowohl für Taktgefühl und als auch für den „Tastsinn“. Auf Deutsch wiederum verfügt ein taktloser Mensch über keinerlei „Fingerspitzengefühl“.</p>

<p><strong>OT 2 Takt Martin Scherer</strong></p>
<p>Was Sie sagen, ist insofern auch mein Eindruck, als wir, glaube ich, leichter sagen können, was Taktlosigkeit ist, als positiv definieren, was Takt bedeutet. Also wir spüren eine Taktlosigkeit, wir nehmen sie wahr, sind verstört, vielleicht auch empört, ohne immer genau zu wissen, warum. Aber wir sehen: Es ist etwas komplett schiefgelaufen, und eine oder mehrere Personen gehen ein bisschen als Verlierer aus der Situation.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Im Falle von Putin und dem Hund hilft sich Angela Merkel selber aus der Bredouille. Sie entgeht der Peinlichkeits-Falle dadurch, dass sie Contenance behält. Sie ummantelt ihre wahren Gefühle und macht gute Miene zu bösem Spiel.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Der Soziologe Niklas Barth bezeichnet diese Art des taktvollen Verhaltens als eine Form der „unaufrichtigen Aufrichtigkeit“. Das klingt kompliziert, bedeutet aber nichts anderes, als dass wir in bestimmten Situationen einfach nicht die Wahrheit sagen, um unbeschadet einen Konflikt durchzustehen. Oder, um jemand anderes zu schützen. Häufig wird in der zwischenmenschlichen Kommunikation ein solch „unaufrichtig aufrichtiges“ Verhalten geradezu erwartet, oft läuft es sogar unbewusst ab.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>In seinen Seminaren an der Ludwig-Maximilians-Universität versucht Niklas Barth, diese „Kippfigur zwischen Aufrichtigkeit und Unaufrichtigkeit“ seinen Studierenden mithilfe eines Denkexperiments zu vermitteln:</p>

<p><strong>OT 3 Takt Niklas Barth</strong></p>
<p>Das hat der Soziologe Helmut Plessner einmal vorgeschlagen und das ist eigentlich ganz einfach, dieses Gedankenexperiment. Die Aufgabenstellung, (..) lautet: „Stellen Sie sich mal eine Welt vor, in der sie in jeder Interaktion exakt das sagen müssten, was sie sich vermeintlich denken.“ Da kann man jetzt sehr schnell Situationen durchspielen, die zu Peinlichkeiten, zu Konflikten, zu Gewalt womöglich führen. Und das Gedankenexperiment macht darauf aufmerksam, auf welche Voraussetzungen soziale Ordnung eigentlich aufbaut, auf welchen Voraussetzungen sie aufruht (…) Auf der Ebene von einfachen Interaktionen müssen bestimmte Kulturtechniken erlernt und habitualisiert werden, mit denen wir eben nicht alles so aufrichtig oder direkt sagen, wie wir es vermeintlich meinen, sondern wir müssen Techniken des Simulierens lernen, das „so-tun-als-ob“ oder des Dissimulierens, also die Wahrheit verbergen.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Führen wir das Experiment doch mal jetzt miteinander durch: Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch den Tag und sagen von früh bis spät jedem, der Ihnen begegnet, dass, was sie gerade über ihn oder sie denken. Nehmen wir an, Sie sagen einer Freundin, die sie lange nicht mehr gesehen haben: „Du bist aber grau geworden!“. Wie würde sie reagieren?</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Oder stellen wir uns vor, Sie sitzen beim Abendessen neben einem erfolgreichen Autodesigner. Ohne sich was dabei zu denken, werfen Sie ihm diese Phrase an den Kopf: „Gut, dass ich nicht Autodesigner geworden bin! Heutzutage sehen doch alle Autos gleich aus!“</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Menschen mit einem ausgesprochenen Taktgefühl versuchen solche Situationen zu vermeiden und gehen bestimmten Themen beim Dinner aus dem Weg. Sie ziehen es vor, nicht über Politik und Religion zu sprechen. Und sie wissen auch, dass Verstellung manchmal dazu gehört, um die Stimmung bei Tisch nicht kippen zu lassen. Verstellung – sind wir da nicht schon gefährlich nah dran an der Lüge? Der Philosoph Martin Scherer sieht das anders. Die Verstellung gehört zu einem Code der Höflichkeit, einem Code der Diplomatie, zu dem auch die Diskretion zählt. Lauter Hilfsmittel, um den menschlichen Umgang reibungsloser zu gestalten:  </p>

<p><strong>OT 4 Takt Martin Scherer</strong></p>
<p>… da ist Zurückhaltung dabei, da ist Selbstkontrolle dabei, da ist Schmeichelei dabei. Aber warum nicht? Warum ist das unstatthaft? Oder in welcher Matrix wünschen wir uns zu sein, wenn wir darauf verzichten wollen? Sollen wir uns wirklich unsere Meinung (…) ständig ins Gesicht sagen? Ist Offenheit ein Selbstzweck? Was hinterließe diese Art des Miteinanderumgehens? Verletzte aller Orten, Gekränkte aller Orten, Beleidigte aller Orten …</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Genau das erleben wir ja zurzeit in den sozialen Medien. In den Kommentarspalten zu Artikeln liefern sich die User regelrechte Meinungs-Schlachten. Werfen sich online Grobheiten und Beschimpfungen an den Kopf, die sie wahrscheinlich von Angesicht zu Angesicht nie aussprechen würden. Oft ist es ein Buhlen um Aufmerksamkeit, aber eben „im Modus des Kampfes, der Injurien, der Abwertung des Anderen“, wie Martin Scherer es ausdrückt.</p>

<p><strong>Trenner</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Kehren wir zurück zum Experiment: Was Angela Merkel wirklich<strong> </strong>über Putins Aktion mit Hund gedacht haben mag, werden wir natürlich nie erfahren. Fest steht – das „so-tun-als-ob“, das Übersehen seiner Taktlosigkeit, half ihr, die Situation ohne größeren Schaden zu überstehen und den Frieden zu wahren.</p>

<p><strong>Musikakzent</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Im richtigen Moment das Richtige zu sagen – oder aber zu schweigen, notfalls die wahren Gedanken oder Gefühle zu verhüllen: Diese Form des taktvollen Verhaltens stand schon in der höfischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts hoch im Kurs. Im prachtvollen Haifischbecken rund um Fürsten und Monarchen, konnte ein einziges Wort ein Schicksal besiegeln. Oder wie Martin Scherer es formuliert: In Zeiten der Inquisition konnte „Authentizität der Tod sein.“</p>

<p><strong>OT 5 Takt Martin Scherer</strong></p>
<p>Sie sagen Haifischbecken, sie sagen das zu Recht, es ist ein Ort der Schranzen, es ist ein Ort, in dem Karriere über Karrieren entschieden wird, häufig nach Gutdünken der Herrschenden oder des Herrschers und in dem man genauso schnell und gut in Ungnade fallen kann. In der es die Denunziation gibt, in der das falsche Wort an die falsche Person im falschen Moment unglaubliche Folgen haben kann, über eine Existenz entscheiden können. Und dann kommen wir zur Technik der Maske, wir kommen zum Verhehlen als Überlebensform, das Verhehlen der eigenen Meinung, des Eindrucks, der Impulse, dessen was einem auf der Zunge liegt, und dieses Verhehlen hat eine ganz vitale Dimension gehabt.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Das wusste auch der spanische Jesuit und Gelehrte Baltasar Gracián. Im Jahr 1647 schreibt er: </p>

<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Es gibt nichts, das mehr Fingerspitzengefühl fordert, als die Wahrheit, sie ist ein Aderlass des Herzens.“</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>In seiner berühmten Aphorismen-Sammlung mit dem Titel „Handorakel und Kunst der Weltklugheit“ rät der Gelehrte dem Höfling tatsächlich, „ohne zu lügen, nicht alle Wahrheit zu sagen.“</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Weitere Ratschläge, die Baltasar Gracián erteilt, um auf dem glatten Parkett der hohen Gesellschaft zurechtzukommen:</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Es nie zum Bruch kommen zu lassen: denn immer geht das Ansehen daraus beschädigt hervor.“</p>
<p>„Den Beleidigungen zuvorkommen und aus ihnen Gunsterweise machen. Mehr Scharfsinn ist es, sie zu vermeiden, als sie zu rächen.“</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Und – auch das gehört für Gracián zum taktvollen Benehmen bei Hof: Als Untertan sollte man unbedingt „Siege über den Vorgesetzten vermeiden“.</p>

<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Fürsten wollen auf höchster Ebene fürstlich sein. Sie lassen sich gerne helfen, aber nicht überbieten, und deswegen muss der Rat, den man ihnen gibt, eher wie eine Erinnerung an etwas Vergessenes wirken, denn wie ein Verweis auf etwas ihnen nicht Zugängliches. Eine glückliche Anleitung dazu geben uns die Sterne, denn obwohl sie ihre Kinder sind, wagen sie sich nie an die Strahlen der Sonne heran.“</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Natürlich lassen sich Graciáns Maximen nicht eins zu eins auf unser Leben im Europa des 21. Jahrhundert übertragen. Schließlich ist es ja <em>die</em> Errungenschaft des Bürgertums, dass wir frei unsere Meinung sagen dürfen. In einer Demokratie landen wir deswegen nicht im Kerker. In gewisser Weise aber wirken Graciáns Handlungsanweisungen nach.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Heute leben wir nicht mehr an frühneuzeitlichen Höfen oder barocken Salons. Dafür bewegen wir uns in Organisationen, die allerdings auch hierarchisch strukturiert sind: Wir verbringen viel Zeit in Betrieben, Schulen, Universitäten. Wir sind darauf diszipliniert, zusammenzuarbeiten, zu kooperieren, um einen gemeinsamen Zweck zu verfolgen. Und gleichzeitig kann jeder Einzelne innerhalb einer Organisation eigene Interessen und Absichten verfolgen.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Ein Spagat, mit dem wir Menschen umgehen müssen. Und für den wir taktvolle Strategien des Miteinanders entwickelt haben. Niklas Luhmann spricht in diesem Zusammenhang vom „Gesetz des Wiedersehens“.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>OT 6 Takt Niklas Barth</strong></p>
<p>Das Gesetz des Wiedersehens, das heißt, man wählt sein aktuelles Verhalten immer unter der Maßgabe, dass man erwartet, dass man sich immer zweimal sieht, dass man auch morgen noch gemeinsam Kollege sein wird. Also es verpflichtet darauf, bestimmte sozialverträgliche Formen zu habitualisieren, die gewissermaßen die Kontinuität des Sozialkontakts möglich machen.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Nach dem Motto: „Ich muss in der Lage sein, diesem Menschen morgen auch noch in die Augen zu schauen, ganz gleich, was ich von ihm halte.“ Türenknallend den Raum zu verlassen ist bei Ärger im Büro nicht angebracht. Besser ist es eine Runde um den Block zu gehen, den Ärger verrauchen zu lassen und zu einem späteren Zeitpunkt in einem zivilisierten Ton die eigene Meinung herzubringen. Oder eben, wenn es um eine Lappalie geht, großzügig über die Provokation hinwegzusehen. Taktvolles Benehmen kann im Arbeitsleben also durchaus helfen, andere zu überlisten, sagt Niklas Barth.</p>

<p><strong>Trenner od. Musikakzent</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Doch nicht nur im Arbeitsleben ist taktvolles Verhalten gefragt. Auch in der Liebe spielt es eine große Rolle. Denn auch hier gerät der Mensch regelmäßig in widersprüchliche Situationen. Viele Paare erwarten voneinander absolute Ehrlichkeit. Und sind dann gekränkt, wenn der andere aufrichtig sagt, was er oder sie denkt. Beispielsweise über die neue Frisur, das neue Kleid oder die neue Hose. Hier bewegt sich taktvolles Verhalten auf einem äußerst schmalen Grat, erklärt Niklas Barth:</p>

<p><strong>OT 7 Takt Niklas Barth</strong></p>
<p>Wir würden eine schlechte Beziehung führen, wenn wir nicht auch die Idee hätten, dass wir uns wechselseitig alles sagen können. Das ist im romantischen Ideal der Liebe fest verankert. Zugleich bedarf es aber auch hier der Konsensfiktion, so hat das Alois Hahn, der Soziologe, mal genannt, dass man nicht zu genau nachfragt, ob man wirklich gleich versteht, nicht nachbohrt, nicht prüft, sondern gewissermaßen gemeinsam Konsens ungetestet fortführt und damit auch sich wechselseitig schont und überhaupt eine Beziehung führen kann.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Jeder oder jede darf also das eine oder andere Geheimnis haben. Wichtig ist, dass die Grenzen klar sind. Wie weit dürfen wir gehen? Wo endet der Takt, wo beginnt der Betrug? Wo bleibt das richtige Maß, das Gleichgewicht?</p>

<p><strong>OT 7 Takt Niklas Barth</strong></p>
<p>Das ist eine ganz entscheidende Figur, die Sie ansprechen, das Gleichgewicht. In einer differenzierten und pluralen Gesellschaft sind wir in allen Situationen permanent durch zum Teil widersprüchliche Erwartungen umstellt. Und mit Takt lassen sich diese zum Teil widersprüchlichen Erwartungen ausbalancieren, ein Maß finden.</p>

<p><strong>Trenner</strong></p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Wie so oft im Leben kommt es also auf Maß und Mitte an. Niemand soll sich verbiegen oder sich selbst verleugnen, um Harmonie heraufzubeschwören. In bestimmten Konfliktsituationen, in denen Probleme gelöst, Entscheidungen getroffen werden müssen, ist Takt eine Sekundär-Tugend. Dann müssen die Beteiligten die Karten auf den Tisch legen und klar Position beziehen. Anders lässt sich ja kein Kompromiss aushandeln oder keine Lösung finden.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Geht es um das alltägliche Miteinander, hilft es allerdings, ein Wohlwollen mitschwingen zu lassen in der Beurteilung anderer. Eine Großzügigkeit, gemischt mit einer Portion Gelassenheit.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Das bringt beispielsweise Schülerinnen und Schüler dazu, motivierter zu lernen. Ein taktvoller Umgang in der Schule oder an der Uni kann Lernende dazu bewegen, bestimmte Zwänge nicht mehr als solche zu erleben, im Gegenteil, erklärt Niklas Barth. Hier knüpft der Begriff vom „pädagogischen Takt“ an.</p>

<p><strong>OT 8 Takt Niklas Barth</strong></p>
<p>Der pädagogische Takt zehrt ganz stark davon, dass man letztendlich Freiheit <em>und</em> Zwang vermittelt. (…)<strong> </strong>zum Beispiel im Hinblick auf die Bewertung von Leistungen. Da finden sich ganz viele taktvolle Strategien des Simulierens. Man stellt Leistungen besser dar, als sie waren, um den Lernerfolg nicht zu gefährden, um zum Lernen zu motivieren, um letztendlich auch die Motivation bei den SchülerInnen zu erzeugen, dass sie das, was sie eben sollen, selber wollen. Dafür ist Takt ein Vehikel.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Wer zu harsch und streng kritisiert, möglicherweise den anderen dabei beschämt, bezweckt damit nur, dass sich das Gegenüber gekränkt zurückzieht. Im schlimmsten Fall entwickeln sich dadurch auch psychische Blockaden. Für die Kreativität ist das Gift.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Viel hilfreicher und motivierender ist da die sogenannte „konstruktive Kritik“. In der Grundschule klingt sie bei einer nicht ganz so guten Leistung dann eher so: „Das kannst Du besser!“ oder: „Da ist noch Luft nach oben!“ Das ist viel freundlicher und motivierender als: „Das nennst Du einen Aufsatz?“ oder „Das war wohl nichts!“</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Gleiches gilt auch im geselligen Gespräch. Wer ständig dagegenhält und alles schlecht redet, an allem Kritik übt, um sich dabei über andere zu erheben, der macht sich nicht beliebt. Im Gegenteil, sagt Soziologe Niklas Barth. Goethe thematisiere das in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ über die Figur der Ottilie…</p>

<p><strong>OT 9 Takt Niklas Barth</strong></p>
<p>… die schreibt in ihr Tagebuch. „Jedes Wort erregt den Gegensinn.“ Also, in der Sprache kann man immer negieren, aber wer taktvoll ist, verzichtet darauf, permanent zu negieren und Kritik (…) vorzubringen. Die Sozialfigur, die das nicht gelernt hat, das ist der <strong>Pedant</strong>, den wir als sehr unangenehm empfinden, gerade in Konversationen. Der Geist, der stets verneint und nochmal eine kleine Detailfrage negiert und nochmal und nochmal.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Angenehm ist hingegen ein gewisses Maß an Freundlichkeit, ein laisser-faire, also eine Gelassenheit, die häufig mit einem taktvollen Verhalten einhergeht.</p>

<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Freundlichkeit, die nicht-adelige Vertraute der Höflichkeit, dient als Puffer zwischen den Identitäten, die ohne sie ungebremst aufeinanderprallen würden.“       </p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>… schreibt Martin Scherer in seinem Buch „Takt – Über Nähe und Distanz im menschlichen Umgang.“ In seinem Essay macht der Schriftsteller darauf aufmerksam, dass Taktgefühl und Höflichkeit, anders als oft angenommen, nicht unbedingt mit Herkunft und sozialem Status verknüpft sind. Die Oberschicht würde zwar Höflichkeit und Etikette gerne verwenden, um sich gegen andere soziale Gruppierungen abzugrenzen. Gepachtet habe sie diese Werte aber nicht.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Auch unsere Zeiten sind rau. Politiker werden angefeindet oder gar öffentlich attackiert. Viele beklagen eine „Verrohung der Sitten“. Die Grenze der Scham, dessen, was wir einander zumuten, ist gesunken. Allerdings haben sich, zumindest im Netz, in manchen Foren sogenannte „Nettiketten“ herausgebildet. Also Leitlinien dazu, wie wir im Netz miteinander respektvoll umgehen können. Leben wir also in besonders taktlosen Zeiten oder trügt der Eindruck?</p>
<p><strong>OT 11 Takt Niklas Barth</strong></p>
<p>Da muss man differenzieren, um das beantworten zu können.</p>
<p>Zum einen fallen uns viele Taktlosigkeiten heute besonders auf, weil die Sensibilitäten auch zugenommen haben. Das ist ein typisches Paradox von Zivilisationsprozessen, dass die Vulgarität, die Taktlosigkeit, die Abweichung, die Enttäuschung gerade dann erst wahrnehmbar wird, weil die Antennen gewissermaßen sensibler wurden. Das ist das eine. Und zum anderen muss man natürlich sagen: Takt ist eine sehr unwahrscheinliche, sehr komplexe und letztlich auch in vielen Kontexten optionale Verhaltensform. Es verpflichtet uns in vielen Situationen ja nichts darauf, den anderen taktvoll zu schonen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>Fassen wir zusammen: Taktvolles Benehmen hält sich an keine Regeln und keine Moral, es geht um die richtige Geste im richtigen Moment. Takt kann uns schützen, uns helfen, einem möglichen Konflikt aus dem Weg zu gehen. Mit Hilfe des Takts können wir andere überlisten. Oder ganz im Gegenteil: Wir können unser Gegenüber schonen, ihm eine Brücke bauen und aus einer peinlichen Situation heraushelfen.</p>

<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Ein schönes Beispiel dafür ist die Legende des Kaisers, der einmal einen Mann aus einfachen Verhältnissen zu sich einlud, zum Dank für einen großen Dienst. Als der Kaiser sah, dass der Mann aus Versehen aus der Fingerschale getrunken hatte, tat er ihm dies einfach nach. Daraufhin hörten die übrigen Gäste schlagartig damit auf, sich hinter vorgehaltener Hand über den Mann lustig zu machen.</p>

<p><strong>SPRECHERIN:</strong></p>
<p>„Der schmale Grat“ – Constanze Alvarez über Takt und Taktgefühl. Und warum es sich lohnt, nicht immer gleich die eigene Meinung in die Welt zu posaunen. Viele weitere radioWissen-Beiträge rund um das menschliche Miteinander stehen Ihnen in der ARD Audiothek zur Verfügung - und überall dort, wo´s Podcasts gibt. Wir haben Ihnen eine kleine Auswahl an Sendungen zusammengestellt - Die Links zu diesen Hörtipps finden Sie in den Shownotes. Zum Beispiel eine Sendung über die richtige Anrede in unseren modernen Zeiten. Oder einen Beitrag über die Freundlichkeit.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Seenotrettung - Einsatz in höchster Gefahr</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/seenotrettung-einsatz-in-hoechster-gefahr/1811193</link>
      <pubDate>Sun, 27 Jul 2025 21:40:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8bafb80d-e36c-4abd-b309-70bd60951e79</guid>
      <description>Seit Beginn der Seefahrt ist das Meer eine Brücke zwischen Kontinenten - doch ohne festen Boden, ein gefährlicher Ort. Wer einmal den Naturgewalten ausgesetzt war, weiß: Gut, dass es Seenotretter gibt. Von Christiane Neukirch (BR 2020)   </description>
      <enclosure length="22366464" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1811193/c/feed/seenotrettung-einsatz-in-hoechster-gefahr.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:17</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Neukirch</itunes:author>
      <itunes:summary>Seit Beginn der Seefahrt ist das Meer eine Brücke zwischen Kontinenten - doch ohne festen Boden, ein gefährlicher Ort. Wer einmal den Naturgewalten ausgesetzt war, weiß: Gut, dass es Seenotretter gibt. Von Christiane Neukirch (BR 2020)   </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4717a6d3-11fe-4b34-b5f1-e2b0763c7173.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit Beginn der Seefahrt ist das Meer eine Brücke zwischen Kontinenten - doch ohne festen Boden, ein gefährlicher Ort. Wer einmal den Naturgewalten ausgesetzt war, weiß: Gut, dass es Seenotretter gibt. Von Christiane Neukirch (BR 2020)   </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Christiane Neukirch<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Hemma Michel, Andreas Neumann, Benedikt Schregle<br/>Technik: Peter Preuß<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Seenotrettung" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-seenotrettung-einsatz-in-hoechster-gefahr-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Gero Klemke (Marinezeichner, 1987 - 2002 Seenotretter bei der DGzRS);<br/>Hanno Renner (Vormann auf dem Seenotkreuzer &quot;Anneliese Kramer&quot; Cuxhaven);<br/>Torsten Brumshagen (Rettungsmann auf dem Seenotkreuzer &quot;Anneliese Kramer&quot; Cuxhaven)</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Mythos Titanic - Ein unsinkbares Drama<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mythos-titanic-ein-unsinkbares-drama/bayern-2/94594984/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Hochseefischerei - Geschichte einer Industrie zu See<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hochseefischerei-geschichte-einer-industrie-zu-see/bayern-2/10742985/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Ferdinand Magellan - Die erste Weltumsegelung<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ferdinand-magellan-die-erste-weltumsegelung/bayern-2/83847420/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ferdinand-magellan-die-erste-weltumsegelung/bayern-2/83847420/"></a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><br/><br/></p>
<p><br/><br/></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Autarkie - Krisenfest durch Unabhängigkeit?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/autarkie-krisenfest-durch-unabhaengigkeit/1947754</link>
      <pubDate>Fri, 25 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">37200750-00b6-4d8c-ac8c-68e506900cf1</guid>
      <description>Autark werden, sich unabhängig machen: Dies klingt gerade in krisenhaften Zeiten nach einem erstrebenswerten Ziel. Doch der Weg zur Autarkie ist steinig, das Konzept birgt Fallstricke - und kann dem Einzelnen wie größeren Gemeinwesen beträchtliche Nachteile bringen. Autor: Lukas Grasberger (BR 2023) </description>
      <enclosure length="18566400" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1947754/c/feed/autarkie-krisenfest-durch-unabhaengigkeit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:19:20</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Autark werden, sich unabhängig machen: Dies klingt gerade in krisenhaften Zeiten nach einem erstrebenswerten Ziel. Doch der Weg zur Autarkie ist steinig, das Konzept birgt Fallstricke - und kann dem Einzelnen wie größeren Gemeinwesen beträchtliche Nachteile bringen. Autor: Lukas Grasberger (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3e71d9e1-e40a-4125-a899-5f03d4d2abe8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Autark werden, sich unabhängig machen: Dies klingt gerade in krisenhaften Zeiten nach einem erstrebenswerten Ziel. Doch der Weg zur Autarkie ist steinig, das Konzept birgt Fallstricke - und kann dem Einzelnen wie größeren Gemeinwesen beträchtliche Nachteile bringen. Autor: Lukas Grasberger (BR 2023) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor/in dieser Folge: Lukas Grasberger<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Katja Amberger<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>

<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Markus Hörmann, Eigentümer eines energieautarken Hauses und Solar-Unternehmer, Zusmarshausen; <br/>Oliver Weber, Philosoph und Autor, promoviert zur Ideengeschichte des politischen Eigentumsbegriffs im frühen Liberalismus, Regensburg; <br/>Maik Fielitz, wissenschaftlicher Referent am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft, Jena; <br/>Thieß Petersen, Volkswirtschaftler, Senior Adviser Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh </p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Die Singuläre Gesellschaft - Der Wert des Besonderen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-singulaere-gesellschaft-der-wert-des-besonderen/bayern-2/78760006/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-singulaere-gesellschaft-der-wert-des-besonderen/bayern-2/78760006/"></a></strong>John Rawls - Vordenker einer gerechten Gesellschaft<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/john-rawls-vordenker-einer-gerechten-gesellschaft/bayern-2/78753486/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/john-rawls-vordenker-einer-gerechten-gesellschaft/bayern-2/78753486/"></a></strong>Geschichte der Finanzkriege - Wenn Geld zur Waffe wird<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/geschichte-der-finanzkriege-wenn-geld-zur-waffe-wird/bayern-2/86927156/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

Wir empfehlen außerdem diese spannende Folge von <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a>:<br/>
RAUS AUS DER KRISE! Keynes&#39; folgenreicher Plan für die Wirtschaft<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/raus-aus-der-krise-keynes-folgenreicher-plan-fuer-die-wirtschaft/bayern-2/10435803/">JETZT ANHÖREN</a></strong>
<br/>
<strong>Linktipps:</strong>
<strong><br/></strong>
Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a>

<br/>
<strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/raus-aus-der-krise-keynes-folgenreicher-plan-fuer-die-wirtschaft/bayern-2/10435803/"></a></strong>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-autarkie-krisenfest-durch-unabhaenigkeit-wirtschaft-energie-100.html">HIER</a></strong>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>29. Juni 1934, Freitagnachmittag. Früher als geplant treffen die schwarzen Mercedes-Benz-Limousinen am Rheinhotel in Bad Godesberg ein. Der Reichskanzler Adolf Hitler hat seine Inspektionsreise durch Westdeutschland vorzeitig abgebrochen, um sich mit ranghohen Parteifunktionären zu treffen. Propagandaminister Goebbels wird per Flugzeug aus Berlin eingeflogen. Ebenso Sepp Dietrich, der Kommandeur der SS-Leibstandarte. Über den Rheinauen steht der Sommer, aber die Idylle ist trügerisch. Denn an jenem Freitag werden auf der Godesberger Hotelterrasse mörderische Pläne geschmiedet.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik hoch</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Hitler teilt seinen Vertrauten mit, dass er am Tag darauf gegen seinen alten Mitstreiter, den SA-Chef Ernst Röhm vorgehen wird. Und zwar „mit Blut“. Röhm und „seine Rebellen“ sollen zu spüren bekommen, „dass Auflehnung den Kopf kostet“.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Seit Tagen machen Gerüchte über einen anstehenden Putsch die Runde. Nun scheint sich die Lage zuzuspitzen. Noch in der Nacht, unmittelbar nach der Godesberger Besprechung, fliegt Hitler nach München, um weitere „Maßnahmen“ zu ergreifen.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>„Maßnahmen“, die nichts anderes bedeuten als blutige Schläge gegen politische Gegner.  Musik hoch und aus</p>
<p>Von „Staatsnotwehr“ wird später die propagandistische Rede sein. Und von einem „Röhm-Putsch“, gegen den sich der „Führer“ zur Wehr setzen musste. Dieser Putsch-Begriff hält sich seither hartnäckig, sagt der Münchner Zeithistoriker und Geschichtsprofessor Peter Longerich. Seltsamerweise, denn...</p>

<p>ZSP 1 Long Begriff 0,32</p>
<p>Alle sind sich darüber einig, dass es nie einen Röhm-Putsch oder einen Versuch eines Röhm-Putsches gegeben hat. Auch die Nazis haben ja keine Belege dafür vorlegen können und trotzdem hat sich das gehalten, wird dann in Anführungszeichen gesetzt. Oder man spricht dann etwas verschämt von der Röhm-Affäre, was ja auch ein bisschen merkwürdig ist. Es ist einfach doch ein Massenmord gewesen, ein Massenmord, dem insgesamt 90 Personen zum Opfer gefallen sind. Befohlen durch den Diktator, durch den Chef, ausgeführt durch die SS mit Unterstützung der Wehrmacht und der Gestapo natürlich. Und so sollte man die Dinge auch beim Namen nennen.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>„Hitler, Röhm und die Morde vom 30. Juni 1934“. So heißt Peter Longerichs 2024 erschienenes Buch, das ein Schlüsselereignis in der Geschichte des Dritten Reiches behandelt. Denn mit dem blutigen Rundumschlag, der einer ganze Reihe von verschiedenen Gegnern galt, hat Hitler die Weichen für seine Alleinherrschaft gestellt.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik 2: Biegler auf der Wache – 1:16 Min</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Im Hintergrund des politischen Massenmords steht eine schwere Krise des NS-Regimes. Gerade mal 17 Monate ist die sogenannte Machtergreifung her, in weiten Teilen der Bevölkerung aber herrschen bereits Ernüchterung und Unmut über das Regime. Selbst im nationalsozialistischen Block, der etwa 40 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist die anfängliche Euphorie verflogen. Die wirtschaftlichen Probleme lassen sich auf Dauer nicht hinter Paraden, Heil-Gebrüll und Fähnchen-Schwingerei verstecken</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Zwar sinkt die Arbeitslosigkeit, aber oft nur dank statistischer Tricks, während die Löhne der Arbeiter weiter auf dem Krisenstand von 1932 verharren. Auch der Mittelstand leidet unter der geringen Kaufkraft. Händler, Handwerker und Ladenbesitzer sind von der Hitler-Regierung enttäuscht, viele Bauern sauer über Reglementierungen. In bürgerlichen Kreisen ist man entsetzt über die Abschaffung von Meinungs- und Pressefreiheit. Und auch in den zwei großen christlichen Kirchen macht sich erhebliche Unruhe breit.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik 3: Typewriter – 13 Sek</p>
<p><br/></p>
<p>Zitator</p>
<p>„Nicht nur notorische „Meckerer und Miesmacher“, sondern „gerade die treuesten Nationalsozialisten sehen der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung sorgenvoll entgegen“.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Heißt es zum Beispiel in einem Bericht der Staatspolizei Kassel Anfang Juni 34. Für Hitler ist dieser Vertrauensverlust höchst beunruhigend, sagt Historiker Longerich.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 2 Long Gefahr 0,18</p>
<p>Und das war natürlich auch einer der Gründe, hier – wie man das so nennt –, ein Exempel zu statuieren, um dafür zu sorgen, dass sich diese Unzufriedenheit nicht irgendwie öffentlich vernehmbar machte. Und dass diese ganze Diktatur sich dann vielleicht innerlich allmählich aufgelöst hätte. Das war wohl die Gefahr, die man an der Spitze gesehen hat.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Denn Mitte 1934 gibt es durchaus noch mehrere Machtzentren. In Hitlers Koalitions-Regierung stellt die NSDAP anfangs nur den Reichskanzler und zwei Minister, gewinnt aber bald weitere Posten hinzu. Als parteiloser Vizekanzler fungiert jedoch der ultrakonservative Katholik Franz von Papen. Diese konservative Rechte hat Hitler 1933 an die Macht verholfen. In der irrigen Annahme, ihn kontrollieren und „in die Ecke drücken zu können.“</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Und auf der eher linken, antikapitalistischen Seite der NSDAP scharrt der revolutionäre Flügel der Partei mit den Stiefeln: die Sturmabteilung, kurz SA. </p>
<p><br/></p>
<p>Musik 4: Erstes Schachspiel auf dem Schiff – 1:20 Min</p>
<p><br/></p>
<p>Ihr prominentester Mann ist der Weltkriegs-Kompaniechef und ehemalige Freikorps-Offizier Ernst Röhm, eine Landsknecht-Natur mit mit einem derben, von Kampf und Krieg vernarbten Gesicht.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Der Münchner Eisenbahner-Sohn Röhm, ein verdienter alter Kämpfer der Partei und eine Schlüsselfigur im Hitler-Ludendorff-Putsch 1923, ist ein Duz-Freund Hitlers, verfolgt aber immer wieder Pläne, die von dessen Konzeption stark abweichen. Röhm will seine mächtige SA der Partei-Kontrolle entziehen. Im Dezember 1933 wird er jedoch von Hitler mit einem Ministerposten ohne Geschäftsbereich abgespeist.</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Röhm will aber mehr und spricht von einer zweiten Revolution. Nicht die Spießbürger, Karrieristen und Parteibürokraten sollen das Sagen haben, sondern seine politischen „Soldaten“. Schließlich findet er, waren es ja doch die paramilitärischen Kräfte der SA, die die Gegner grün und blau und tot schlugen und Hitler an die Macht brachten.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 3 Long SA 0,33</p>
<p>Also eine äußerst gewalttätige Truppe, die auch nach der sogenannten Machtergreifung 33 die Machtdurchsetzung der NSDAP natürlich besorgt hat mit den wilden Konzentrationslagern. Als Hilfspolizei, als immer bereitstehende, gewalttätige Truppe, die auch auf lokaler Ebene die Ziele der Nationalsozialisten durchsetzt. Und diese SA wollte natürlich belohnt werden, nachdem nun die Machtergreifung gelungen war. Im Wesentlichen ging es eigentlich darum, diese alten SA Haudegen irgendwie unterzubringen auf Versorgungsposten.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik 5: Erstes Schachspiel auf dem Schiff – siehe oben – 1:01 Min</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Röhms Plan, die SA zum Milizheer umzugestalten und mit der Landesverteidigung zu betrauen, scheitert. Denn Hitler setzt bei der Wiederaufrüstung Deutschlands auf die alte Reichswehr. Die SA benötigt er nicht mehr. Was aber tun mit diesem anschwellenden Heer von Braunhemden?</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 4 Long Riesenhaufen 0,23</p>
<p>Also die SA bestand 1933 hauptsächlich aus arbeitslosen jungen Männern. Sie ist dann ja sehr stark angewachsen, weil nun einmal hat man die Wehrverbände, die übrigen Wehrverbände aufgesogen. Und dann haben sich auch viele Männer der SA angeschlossen, weil sie hofften, damit schneller Arbeit zu bekommen. Also das war ein sehr schnell anwachsender Riesenhaufen von 400 000 Mann etwa 1933 auf schließlich mehr als vier Millionen.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Röhms Forderung nach mehr Teilhabe der SA an der Macht, lehnt Hitler kategorisch ab. Schon im Juli 1933 hat er die Nationalsozialistische Revolution für beendet erklärt. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.             Musik aus</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Genau das versuchen nun die nationalkonservativen Kräfte in der Regierungskoalition für sich zu nutzen. Ihre zentrale Figur ist Franz von Papen, ein weit rechts stehender Katholik, der einst der Zentrumspartei angehörte und nun parteiloser Vizekanzler unter Hitler ist.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 5 Long Papen 0,27</p>
<p>Und in seiner Vizekanzlei fand sich nun eine Gruppe von Rechtsintellektuellen, möchte ich das Mal nennen, zusammen, die die Vormachtstellung der NSDAP wieder zurückfahren wollten und im Grunde genommen darauf zielten, eine Rechtsdiktatur zu etablieren, ohne oder mit wenig Nationalsozialismus. Und der Papen war im Grunde die Galionsfigur. Der Papen hatte nicht vor, einen ernsthaften Konflikt, also einen Machtkampf mit Hitler zu führen, aber er wurde von dieser Gruppe praktisch nach vorne geschoben.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Als Papen am 17. Juni 1934 eine Rede an der Universität Marburg hält, scheint er das Manuskript vorher nicht richtig gelesen zu haben. Es ist ihm offenbar von seinen Mitarbeitern untergeschoben worden. Autor dieses NS-kritischen Textes ist Papens Mitarbeiter Edgar Jung. Der 40-jährige Publizist wird anschließend sofort verhaftet, die Verbreitung des Textes gestoppt. Aber einige Exemplare der Marburger Rede geraten doch unters Volk und machen vor allem in bürgerlichen Kreisen schnell die Runde, sagt Historiker Longerich.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 6 Long Marburger Rede 0,24</p>
<p>Das war so eine Art Manifest. Also es war schon eine recht massive Beschwerdeschrift über diese Willkürherrschaft der Nationalsozialisten. Und vor allen Dingen, was natürlich im bürgerlichen Lager störte, war die Zerstörung des Rechtsstaates. Also man war natürlich auch antidemokratisch eingestellt, man wollte eine autoritäre Herrschaftsform, aber es sollten doch die Grundlagen des Rechtsstaates bewahrt werden. Das war immer so die große Sorge im bürgerlichen Lager.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Im Frühsommer 1934 setzen die konservativen Kräfte um Papen ihre Hoffnung auf den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Der schwer kranke 86-jährige hätte Hitler theoretisch wieder absetzen oder zumindest erheblich beschränken können.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 7 Long Hindenburg 0,21</p>
<p>Es stellte sich später aber heraus, dass Hindenburg überhaupt kein Interesse an solchen Plänen hatte. Er war einfach sehr zufrieden, dass er mit dem Hitler jemanden gefunden hatte, wie er meinte, der nun sozusagen das alles wieder in Ordnung bringen würde, die nationale Krise Deutschlands, die Wirtschaftskrise, die politische Krise. </p>
<p><br/></p>
<p>Musik 6: About something – 59 Sek</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>In der zweiten Juni-Hälfte 1934 kursierten Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch der SA. Ob sie von der SS oder der Gestapo geschürt wurden, sei schwer zu sagen, meint Peter Longerich. Überhaupt stellt sich dem Historiker ein Überlieferungsproblem. Denn niemand hat damals Akten angelegt. Was wir wissen, stammt meist aus Nachkriegserzählungen oder Gerichtsprozessen, die in den 1950er Jahren geführt worden sind. Anekdoten, Rechtfertigungen und Lügen erschweren oft die historische Bewertung.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Klar ist allerdings, dass Hitler im Juni 1934 beschließt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu (er)schlagen: die revolutionäre SA von Röhm und die ultrakonservativen Kreise um Papen.</p>
<p><br/></p>
<p>ZSP 8 Long Entscheidung 0,21</p>
<p>Man kann in etwa sagen, dass er so eine Woche etwa vor dem 30. Juni entschlossen war, etwas zu unternehmen, aber es war noch nicht ganz klar, was.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik 7: The organ grinder – 55 Sek</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Entscheidung, mit Gewalt vorzugehen, trifft Hitler auf seiner Reise durch Westdeutschland. Am 28. Juni nutzt er die Hochzeitsfeier des Gauleiters in Essen, um seine Pläne mit Hermann Göring und dem loyalen SA-Gruppenführer Victor Lutze zu besprechen. An jenem Donnerstag gibt Hitler telefonisch die Anweisung, dass alle wichtigen SA-Leute am Samstag zu einer Führerbesprechung im oberbayerischen Bad Wiessee erscheinen sollen. Dort macht Ernst Röhm gerade Urlaub.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Ob Hitler wirklich an einen bevorstehenden Putsch glaubt? Ob er sich in einen Wutrausch gegen die vermeintlichen Verräter hineinsteigert? Oder ob es eiskaltes Machtkalkül ist, das ihn zuschlagen lässt? Das sei nicht zu beantworten und eigentlich auch zweitrangig, meint der Historiker Peter Longerich.</p>
<p><br/></p>
<p>ATMO Propellerflugzeug / Musik aus</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Fest steht: Nach der Freitags-Besprechung auf der Godesberger Rheinterrasse fliegt Hitler noch in der Nacht zurück nach München. Frühmorgens wird ihm auf dem Flugplatz Oberwiesenfeld mitgeteilt, dass größere SA-Haufen randalierend durch die Stadt gezogen seien. War das der Beginn eines Putsches?</p>
<p><br/></p>
<p>Erzähler</p>
<p>Hitler wartet nicht länger auf Verstärkung. Am 30. Juni 1934 fährt er zusammen mit Goebbels, Viktor Lutze, Otto Dietrich und einem kleinen SS- und Kripo-Kommando ins 60 Kilometer südlich von München gelegene Bad Wiessee. Am Ufer des Tegernsees hat sich Ernst Röhm in der Pension Hanselbauer einquartiert. Auch die anderen SA-Leute nächtigen hier. Als Hitler kurz vor sieben Uhr früh eintrifft, schlafen die Herren noch.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>

<p>Was dann geschieht, wird von der Goebbels-Propaganda dramatisch aufgebauscht und später oft unkritisch nacherzählt. Hitler sei mit der Hundepeitsche in der Hand in die Pension gestürmt und habe Röhm förmlich aus seinem Bett herausgerissen.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der sogenannte Röhm-Putsch - Hitlers Mordserie im Sommer 1934</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-sogenannte-roehm-putsch-hitlers-mordserie-im-sommer-1934/2094969</link>
      <pubDate>Thu, 24 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">482aab08-fa87-4ebd-9ab8-c20aa75b3d94</guid>
      <description>Obwohl es nie einen Putsch gegeben hat, hält sich der Begriff bis heute hartnäckig. In Wirklichkeit war der sogenannte Röhm-Putsch ein Massenmord, dem insgesamt 90 politische Gegner Hitlers zum Opfer gefallen sind. Befohlen hat ihn der Diktator selbst, der damit die Weichen für seine Alleinherrschaft gestellt hat. Von Thomas Grasberger (BR 2024) </description>
      <enclosure length="22503936" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094969/c/feed/der-sogenannte-roehm-putsch-hitlers-mordserie-im-sommer-1934.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Obwohl es nie einen Putsch gegeben hat, hält sich der Begriff bis heute hartnäckig. In Wirklichkeit war der sogenannte Röhm-Putsch ein Massenmord, dem insgesamt 90 politische Gegner Hitlers zum Opfer gefallen sind. Befohlen hat ihn der Diktator selbst, der damit die Weichen für seine Alleinherrschaft gestellt hat. Von Thomas Grasberger (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/86a0fa4e-4c06-4e40-ac76-69e6254557f3.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Obwohl es nie einen Putsch gegeben hat, hält sich der Begriff bis heute hartnäckig. In Wirklichkeit war der sogenannte Röhm-Putsch ein Massenmord, dem insgesamt 90 politische Gegner Hitlers zum Opfer gefallen sind. Befohlen hat ihn der Diktator selbst, der damit die Weichen für seine Alleinherrschaft gestellt hat. Von Thomas Grasberger (BR 2024) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor dieser Folge: Thomas Grasberger<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Burchard Dabinnus, Irina Wanke, Friedrich Schloffer<br/> Technik: Simon Lobenhofer<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Peter Longerich, Professor, Royal Holloway and Bedford New College Universität London; Direktor Research Centre for the Holocaust and Twentieth-Century History.<br/></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:</p>
<p><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/><br/> </p>
<p><strong>Linktipps:<br/></strong></p>
<p>Der Hitlerputsch - Anfang vom Ende der Demokratie<br/>Von Astrid Freyeisen<br/>München, 9. November 1923. Vor der Münchner Feldherrnhalle scheitert Adolf Hitlers Putschversuch kläglich. Doch die Folgen sollten sich als drastisch erweisen - für Deutschland und für die Welt.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/der-hitlerputsch-anfang-vom-ende-der-demokratie/bayern-2/12888299/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: <br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-roehm-putsch-hitlers-mordserie-sommer-1934-sa-massenmord-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Erzähler</p>
<p>29. Juni 1934, Freitagnachmittag. Früher als geplant treffen die schwarzen Mercedes-Benz-Limousinen am Rheinhotel in Bad Godesberg ein. Der Reichskanzler Adolf Hitler hat seine Inspektionsreise durch Westdeutschland vorzeitig abgebrochen, um sich mit ranghohen Parteifunktionären zu treffen. Propagandaminister Goebbels wird per Flugzeug aus Berlin eingeflogen. Ebenso Sepp Dietrich, der Kommandeur der SS-Leibstandarte. Über den Rheinauen steht der Sommer, aber die Idylle ist trügerisch. Denn an jenem Freitag werden auf der Godesberger Hotelterrasse mörderische Pläne geschmiedet.</p>
<p>Musik hoch</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Hitler teilt seinen Vertrauten mit, dass er am Tag darauf gegen seinen alten Mitstreiter, den SA-Chef Ernst Röhm vorgehen wird. Und zwar „mit Blut“. Röhm und „seine Rebellen“ sollen zu spüren bekommen, „dass Auflehnung den Kopf kostet“.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Seit Tagen machen Gerüchte über einen anstehenden Putsch die Runde. Nun scheint sich die Lage zuzuspitzen. Noch in der Nacht, unmittelbar nach der Godesberger Besprechung, fliegt Hitler nach München, um weitere „Maßnahmen“ zu ergreifen.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>„Maßnahmen“, die nichts anderes bedeuten als blutige Schläge gegen politische Gegner.  Musik hoch und aus</p>
<p>Von „Staatsnotwehr“ wird später die propagandistische Rede sein. Und von einem „Röhm-Putsch“, gegen den sich der „Führer“ zur Wehr setzen musste. Dieser Putsch-Begriff hält sich seither hartnäckig, sagt der Münchner Zeithistoriker und Geschichtsprofessor Peter Longerich. Seltsamerweise, denn...</p>
<p>ZSP 1 Long Begriff 0,32</p>
<p>Alle sind sich darüber einig, dass es nie einen Röhm-Putsch oder einen Versuch eines Röhm-Putsches gegeben hat. Auch die Nazis haben ja keine Belege dafür vorlegen können und trotzdem hat sich das gehalten, wird dann in Anführungszeichen gesetzt. Oder man spricht dann etwas verschämt von der Röhm-Affäre, was ja auch ein bisschen merkwürdig ist. Es ist einfach doch ein Massenmord gewesen, ein Massenmord, dem insgesamt 90 Personen zum Opfer gefallen sind. Befohlen durch den Diktator, durch den Chef, ausgeführt durch die SS mit Unterstützung der Wehrmacht und der Gestapo natürlich. Und so sollte man die Dinge auch beim Namen nennen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>„Hitler, Röhm und die Morde vom 30. Juni 1934“. So heißt Peter Longerichs 2024 erschienenes Buch, das ein Schlüsselereignis in der Geschichte des Dritten Reiches behandelt. Denn mit dem blutigen Rundumschlag, der einer ganze Reihe von verschiedenen Gegnern galt, hat Hitler die Weichen für seine Alleinherrschaft gestellt.</p>
<p>Musik 2: Biegler auf der Wache – 1:16 Min</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Im Hintergrund des politischen Massenmords steht eine schwere Krise des NS-Regimes. Gerade mal 17 Monate ist die sogenannte Machtergreifung her, in weiten Teilen der Bevölkerung aber herrschen bereits Ernüchterung und Unmut über das Regime. Selbst im nationalsozialistischen Block, der etwa 40 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist die anfängliche Euphorie verflogen. Die wirtschaftlichen Probleme lassen sich auf Dauer nicht hinter Paraden, Heil-Gebrüll und Fähnchen-Schwingerei verstecken.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Zwar sinkt die Arbeitslosigkeit, aber oft nur dank statistischer Tricks, während die Löhne der Arbeiter weiter auf dem Krisenstand von 1932 verharren. Auch der Mittelstand leidet unter der geringen Kaufkraft. Händler, Handwerker und Ladenbesitzer sind von der Hitler-Regierung enttäuscht, viele Bauern sauer über Reglementierungen. In bürgerlichen Kreisen ist man entsetzt über die Abschaffung von Meinungs- und Pressefreiheit. Und auch in den zwei großen christlichen Kirchen macht sich erhebliche Unruhe breit.</p>
<p>Musik 3: Typewriter -  13 Sek</p>
<p>Zitator</p>
<p>„Nicht nur notorische „Meckerer und Miesmacher“, sondern „gerade die treuesten Nationalsozialisten sehen der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung sorgenvoll entgegen“.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Heißt es zum Beispiel in einem Bericht der Staatspolizei Kassel Anfang Juni 34. Für Hitler ist dieser Vertrauensverlust höchst beunruhigend, sagt Historiker Longerich.</p>
<p>ZSP 2 Long Gefahr 0,18</p>
<p>Und das war natürlich auch einer der Gründe, hier – wie man das so nennt –, ein Exempel zu statuieren, um dafür zu sorgen, dass sich diese Unzufriedenheit nicht irgendwie öffentlich vernehmbar machte. Und dass diese ganze Diktatur sich dann vielleicht innerlich allmählich aufgelöst hätte. Das war wohl die Gefahr, die man an der Spitze gesehen hat.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Denn Mitte 1934 gibt es durchaus noch mehrere Machtzentren. In Hitlers Koalitions-Regierung stellt die NSDAP anfangs nur den Reichskanzler und zwei Minister, gewinnt aber bald weitere Posten hinzu. Als parteiloser Vizekanzler fungiert jedoch der ultrakonservative Katholik Franz von Papen. Diese konservative Rechte hat Hitler 1933 an die Macht verholfen. In der irrigen Annahme, ihn kontrollieren und „in die Ecke drücken zu können.“</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Und auf der eher linken, antikapitalistischen Seite der NSDAP scharrt der revolutionäre Flügel der Partei mit den Stiefeln: die Sturmabteilung, kurz SA. </p>
<p>Musik 4: Erstes Schachspiel auf dem Schiff–  1:20 Min</p>
<p>Ihr prominentester Mann ist der Weltkriegs-Kompaniechef und ehemalige Freikorps-Offizier Ernst Röhm, eine Landsknecht-Natur mit mit einem derben, von Kampf und Krieg vernarbten Gesicht.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Der Münchner Eisenbahner-Sohn Röhm, ein verdienter alter Kämpfer der Partei und eine Schlüsselfigur im Hitler-Ludendorff-Putsch 1923, ist ein Duz-Freund Hitlers, verfolgt aber immer wieder Pläne, die von dessen Konzeption stark abweichen. Röhm will seine mächtige SA der Partei-Kontrolle entziehen. Im Dezember 1933 wird er jedoch von Hitler mit einem Ministerposten ohne Geschäftsbereich abgespeist.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Röhm will aber mehr und spricht von einer zweiten Revolution. Nicht die Spießbürger, Karrieristen und Parteibürokraten sollen das Sagen haben, sondern seine politischen „Soldaten“. Schließlich findet er, waren es ja doch die paramilitärischen Kräfte der SA, die die Gegner grün und blau und tot schlugen und Hitler an die Macht brachten.</p>
<p>ZSP 3 Long SA 0,33</p>
<p>Also eine äußerst gewalttätige Truppe, die auch nach der sogenannten Machtergreifung 33 die Machtdurchsetzung der NSDAP natürlich besorgt hat mit den wilden Konzentrationslagern. Als Hilfspolizei, als immer bereitstehende, gewalttätige Truppe, die auch auf lokaler Ebene die Ziele der Nationalsozialisten durchsetzt. Und diese SA wollte natürlich belohnt werden, nachdem nun die Machtergreifung gelungen war. Im Wesentlichen ging es eigentlich darum, diese alten SA Haudegen irgendwie unterzubringen auf Versorgungsposten.</p>
<p>Musik 5: Erstes Schachspiel auf dem Schiff – siehe oben – 1:01 Min</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Röhms Plan, die SA zum Milizheer umzugestalten und mit der Landesverteidigung zu betrauen, scheitert. Denn Hitler setzt bei der Wiederaufrüstung Deutschlands auf die alte Reichswehr. Die SA benötigt er nicht mehr. Was aber tun mit diesem anschwellenden Heer von Braunhemden?</p>
<p>ZSP 4 Long Riesenhaufen 0,23</p>
<p>Also die SA bestand 1933 hauptsächlich aus arbeitslosen jungen Männern. Sie ist dann ja sehr stark angewachsen, weil nun einmal hat man die Wehrverbände, die übrigen Wehrverbände aufgesogen. Und dann haben sich auch viele Männer der SA angeschlossen, weil sie hofften, damit schneller Arbeit zu bekommen. Also das war ein sehr schnell anwachsender Riesenhaufen von 400 000 Mann etwa 1933 auf schließlich mehr als vier Millionen.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Röhms Forderung nach mehr Teilhabe der SA an der Macht, lehnt Hitler kategorisch ab. Schon im Juli 1933 hat er die Nationalsozialistische Revolution für beendet erklärt. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.             Musik aus</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Genau das versuchen nun die nationalkonservativen Kräfte in der Regierungskoalition für sich zu nutzen. Ihre zentrale Figur ist Franz von Papen, ein weit rechts stehender Katholik, der einst der Zentrumspartei angehörte und nun parteiloser Vizekanzler unter Hitler ist.</p>
<p>ZSP 5 Long Papen 0,27</p>
<p>Und in seiner Vizekanzlei fand sich nun eine Gruppe von Rechtsintellektuellen, möchte ich das Mal nennen, zusammen, die die Vormachtstellung der NSDAP wieder zurückfahren wollten und im Grunde genommen darauf zielten, eine Rechtsdiktatur zu etablieren, ohne oder mit wenig Nationalsozialismus. Und der Papen war im Grunde die Galionsfigur. Der Papen hatte nicht vor, einen ernsthaften Konflikt, also einen Machtkampf mit Hitler zu führen, aber er wurde von dieser Gruppe praktisch nach vorne geschoben.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Als Papen am 17. Juni 1934 eine Rede an der Universität Marburg hält, scheint er das Manuskript vorher nicht richtig gelesen zu haben. Es ist ihm offenbar von seinen Mitarbeitern untergeschoben worden. Autor dieses NS-kritischen Textes ist Papens Mitarbeiter Edgar Jung. Der 40-jährige Publizist wird anschließend sofort verhaftet, die Verbreitung des Textes gestoppt. Aber einige Exemplare der Marburger Rede geraten doch unters Volk und machen vor allem in bürgerlichen Kreisen schnell die Runde, sagt Historiker Longerich.</p>
<p>ZSP 6 Long Marburger Rede 0,24</p>
<p>Das war so eine Art Manifest. Also es war schon eine recht massive Beschwerdeschrift über diese Willkürherrschaft der Nationalsozialisten. Und vor allen Dingen, was natürlich im bürgerlichen Lager störte, war die Zerstörung des Rechtsstaates. Also man war natürlich auch antidemokratisch eingestellt, man wollte eine autoritäre Herrschaftsform, aber es sollten doch die Grundlagen des Rechtsstaates bewahrt werden. Das war immer so die große Sorge im bürgerlichen Lager.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Im Frühsommer 1934 setzen die konservativen Kräfte um Papen ihre Hoffnung auf den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Der schwer kranke 86-jährige hätte Hitler theoretisch wieder absetzen oder zumindest erheblich beschränken können.</p>
<p>ZSP 7 Long Hindenburg 0,21</p>
<p>Es stellte sich später aber heraus, dass Hindenburg überhaupt kein Interesse an solchen Plänen hatte. Er war einfach sehr zufrieden, dass er mit dem Hitler jemanden gefunden hatte, wie er meinte, der nun sozusagen das alles wieder in Ordnung bringen würde, die nationale Krise Deutschlands, die Wirtschaftskrise, die politische Krise. </p>
<p>Musik 6: About something –  59 Sek</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>In der zweiten Juni-Hälfte 1934 kursierten Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch der SA. Ob sie von der SS oder der Gestapo geschürt wurden, sei schwer zu sagen, meint Peter Longerich. Überhaupt stellt sich dem Historiker ein Überlieferungsproblem. Denn niemand hat damals Akten angelegt. Was wir wissen, stammt meist aus Nachkriegserzählungen oder Gerichtsprozessen, die in den 1950er Jahren geführt worden sind. Anekdoten, Rechtfertigungen und Lügen erschweren oft die historische Bewertung.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Klar ist allerdings, dass Hitler im Juni 1934 beschließt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu (er)schlagen: die revolutionäre SA von Röhm und die ultrakonservativen Kreise um Papen.</p>
<p>ZSP 8 Long Entscheidung 0,21</p>
<p>Man kann in etwa sagen, dass er so eine Woche etwa vor dem 30. Juni entschlossen war, etwas zu unternehmen, aber es war noch nicht ganz klar, was.</p>
<p>Musik 7: The organ grinder –  55 Sek</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die Entscheidung, mit Gewalt vorzugehen, trifft Hitler auf seiner Reise durch Westdeutschland. Am 28. Juni nutzt er die Hochzeitsfeier des Gauleiters in Essen, um seine Pläne mit Hermann Göring und dem loyalen SA-Gruppenführer Victor Lutze zu besprechen. An jenem Donnerstag gibt Hitler telefonisch die Anweisung, dass alle wichtigen SA-Leute am Samstag zu einer Führerbesprechung im oberbayerischen Bad Wiessee erscheinen sollen. Dort macht Ernst Röhm gerade Urlaub.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Ob Hitler wirklich an einen bevorstehenden Putsch glaubt? Ob er sich in einen Wutrausch gegen die vermeintlichen Verräter hineinsteigert? Oder ob es eiskaltes Machtkalkül ist, das ihn zuschlagen lässt? Das sei nicht zu beantworten und eigentlich auch zweitrangig, meint der Historiker Peter Longerich.</p>
<p>ATMO Propellerflugzeug / Musik aus</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Fest steht: Nach der Freitags-Besprechung auf der Godesberger Rheinterrasse fliegt Hitler noch in der Nacht zurück nach München. Frühmorgens wird ihm auf dem Flugplatz Oberwiesenfeld mitgeteilt, dass größere SA-Haufen randalierend durch die Stadt gezogen seien. War das der Beginn eines Putsches?</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Hitler wartet nicht länger auf Verstärkung. Am 30. Juni 1934 fährt er zusammen mit Goebbels, Viktor Lutze, Otto Dietrich und einem kleinen SS- und Kripo-Kommando ins 60 Kilometer südlich von München gelegene Bad Wiessee. Am Ufer des Tegernsees hat sich Ernst Röhm in der Pension Hanselbauer einquartiert. Auch die anderen SA-Leute nächtigen hier. Als Hitler kurz vor sieben Uhr früh eintrifft, schlafen die Herren noch.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Was dann geschieht, wird von der Goebbels-Propaganda dramatisch aufgebauscht und später oft unkritisch nacherzählt. Hitler sei mit der Hundepeitsche in der Hand in die Pension gestürmt und habe Röhm förmlich aus seinem Bett herausgerissen.</p>
<p>ZSP 9 Long Hanselbauer 0,33</p>
<p>Es gibt ja nun Zeugenaussagen aus den 50er Jahren, und es scheint so gewesen zu sein, dass das eigentlich sehr viel ruhiger abging. Also der Hitler hat nach einer dieser Aussagen an der Tür geklopft von dem Röhm, hat dann gesagt, er möchte mal rauskommen. Der Röhm hat noch einen Kaffee getrunken in der Pension Hanselbauer. Es scheint eher nicht so dramatisch abgelaufen zu sein. Dann ist da immer diese Geschichte, dass man den Heines dann mit einem jungen Geliebten im Bett vorgefunden hätte. Das sind alles Dinge, die eigentlich erst durch die Nationalsozialisten aufgebauscht worden sind, um eben einen Skandal aus dieser ganzen SA-Führung zu machen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Dass Röhm und einige SA-Führer wie Edmund Heines homosexuell sind, war längst kein Geheimnis mehr und auch kein Aufreger. Aber jetzt ließ es sich propagandistisch gut ausschlachten. Nach dem Motto: Der Führer höchstpersönlich habe diesen moralischen Sumpf nun trockengelegt!</p>
<p>Musik 8: Search party –  1:26 Min</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Röhm und die anderen SA-Führer werden nach München ins Gefängnis Stadelheim gebracht. Eigenhändig schreibt Hitler eine Liste der Hinzurichtenden. „Sepp“ Dietrich, Chef der SS-Leibstandarte, lässt noch am selben Tag sechs SA-Führer durch seine Truppe erschießen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Bei seinem alten Duz-Freund Röhm zögert Hitler zunächst. Aber schon am Tag darauf lässt er dem SA-Chef eine Pistole in die Zelle legen. Als Röhm sich weigert, Selbstmord zu begehen, wird er in seiner Zelle am 1. Juli 1934 auf Befehl Hitlers vom Kommandanten des Konzentrationslagers Dachau, dem SS-Obergruppenführer Theodor Eicke erschossen.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Auch andernorts läuft die Mordmaschinerie an. In Berlin werden ebenfalls am 30. Juni 27 Personen getötet, darunter neun, die nichts mit der SA zu tun haben, aber politisch missliebig sind. Prominentestes Opfer ist Kurt von Schleicher, Hitlers Vorgänger als Reichskanzler. Auch Schleichers Frau und sein engster Vertrauter Generalmajor Ferdinand von Bredow werden erschossen. Ebenso Gregor Strasser, Hitlers früherer Widersacher vom antikapitalistischen Flügel der NSDAP.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die meisten Morde, sagt Peter Longerich, sind von Anfang an von Hitler selbst gewollt gewesen. Nur einige erst im Nachhinein autorisiert worden. Ausgeführt werden sie von Angehörigen der Geheimen Staatspolizei und des Sicherheitsdienstes SD. Aber auch die allgemeine SS und die Leibstandarte sind beteiligt.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Neben München und Berlin ist Schlesien der dritte regionale Schwerpunkt der Mordserie. Mit Breslau im Zentrum gilt es als eine SA-Hochburg, gegen die besonders hart vorgegangen wird. Doch auch anderswo gibt es Tote. Von den reichsweit 90 Opfern sind 50 SA-Führer. Die meisten Namen stehen von Anfang an auf Listen der SS. Es kommt aber auch zu spontanen, improvisierten Tötungen.</p>
<p>ZSP 10 Long Mafiamethoden 0,38</p>
<p>Bei den anderen Morden ist es so, dass die eigentlich so nach Mafia-Art zum großen Teil begangen wurden. Also die Opfer wurden in ihren Wohnungen ermordet oder sie wurden verschleppt, auf der Straße erschossen, die Leichen wurden liegengelassen. Und das begann in Berlin ja schon am 30. Juni. Also, das heißt, das beginnt schon, bevor man eigentlich gegen diese sogenannten SA-Revoluzzer vorgeht. </p>
<p>Erzähler</p>
<p>Während sich das Regime lange in Schweigen hüllt und offiziell nie mehr als ein Dutzend Opfer zugibt, gehen in der Bevölkerung bald Gerüchte um, es könnten Hunderte gewesen sein. In der Neuen Zürcher Zeitung, die auch in Deutschland zu lesen ist, stehen immer wieder Namen von Opfern. Edgar Jung zum Beispiel, der Papen-Mitarbeiter und Verfasser der Marburger Rede, der bereits seit zwei Wochen inhaftiert war. Oder Gustav von Kahr, der ehemalige bayerische Ministerpräsident, von dem sich Hitler beim Putschversuch 1923 verraten fühlte.</p>
<p>ZSP 11 Long Terrorherrschaft 0,25</p>
<p>Das hat natürlich große Unsicherheit und große Unruhe in die Bevölkerung getragen. Es lag sozusagen auch in den ersten Tagen danach so ein lähmender Schrecken über dem Land, und das war natürlich auch durchaus wohl von den Nationalsozialisten beabsichtigt. Das ist eben das, was man als Terrorherrschaft bezeichnet.</p>
<p>Musik 9: The horror of war –  1:23 Min</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Erst am 13. Juli rechtfertigt Hitler in einer Reichstagsrede ausführlich die sogenannte Niederschlagung des angeblichen „Röhm-Putsches“. Es sind wortreiche Lügen von der „Staatsnotwehr“! Dabei war den meisten längst klar: Der blutige Rundumschlag richtete sich gegen verschiedenste Gruppen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Nicht zuletzt gegen die Rechtskonservativen aus dem Kreis um Papen. Dessen Pressechef Herbert von Bose ist in seinem Büro erschossen worden. Ebenso Erich Klausener, Leiter der katholischen Laienbewegung im Bistum Berlin. Auch der katholische Publizist Fritz Gerlich, einer der schärfsten Kritiker der Nazis, wird am 1. Juli 1934 im KZ Dachau ermordet.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Franz von Papen zieht daraus übrigens keine Konsequenzen. Obwohl zwei seiner engsten Mitarbeiter ermordet wurden, bricht der Vizekanzler nicht mit Hitler. Papen wird später Gesandter in Wien.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Ein anderer konservativer Katholik, der längst die Seiten gewechselt hat, ist der Staatsrechtler Carl Schmitt. Als „Kronjurist des Dritten Reiches“, wie ihn Gegner spöttisch nennen, rechtfertigt er am 1. August 1934 Hitlers Mordserie in einem Artikel in der Deutschen Juristen-Zeitung:</p>
<p>Musik 10: Typewriter – siehe oben – 13 Sek</p>
<p>Zitator:</p>
<p>„Der Führer schützt das Recht“ vor „dem schlimmsten Missbrauch“, wenn er „im Augenblick der Gefahr kraft seines Führertums als oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht“ schaffe.</p>
<p>Musik aus</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Die konservativen Eliten Deutschlands sind Mitte 1934 weder bereit noch in der Lage, sich dem Diktator zu widersetzen. Und auch die SA ist geschwächt. Sie wird entwaffnet und von 4,5 Millionen auf 1,6 Millionen SA-Leute zurechtgestutzt. Erhalten geblieben ist zwar das erhebliche Gewaltpotenzial der SA, das sich insbesondere in „Aktionen“ gegen Juden zeigte. Aber als revolutionärer sogenannter „linker“ Flügel der NSDAP war sie nun endgültig entmachtet, sagt Peter Longerich.</p>
<p>ZSP 12 Long wesentliches Ergebnis 0,30</p>
<p>Wenn man diese Stimmungsberichte aus dem Jahre 34 liest, dann sieht man, dass es im bürgerlichen Lager doch noch ziemliche Befürchtungen gab, dass sich in der NSDAP ein linker Kurs durchsetzen könnte, also ein antikapitalistischer Kurs. Und dass man dort Einbußen erleiden würde, und das ist natürlich jetzt nach dem 30. Juni vorbei. Also man hat zwar jetzt eine terroristische Diktatur, aber man ist sich doch ziemlich sicher, dass sie nicht versuchen wird, sozusagen an die Eigentumsverhältnisse massiv heranzugehen. Ich glaube, das ist ein ganz wesentliches Ergebnis dieses Tages gewesen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Gestärkt geht die Reichswehr aus den blutigen Ereignissen hervor. Vor allem aber profitiert die andere paramilitärische Nazi-Truppe von den Morden: Heinrich Himmlers Schutzstaffel, kurz SS.</p>
<p>ZSP 13 Long SS 0,18</p>
<p>Der große Gewinner war natürlich die SS, die ja nun auch die Gestapo kontrollierte, aber vor allen Dingen auch die SS als Organisation jetzt aus dem Unterstellungsverhältnis unter den SA-Chef rausgelöst wurde, eigenständig wurde und in verschiedene Richtungen dann expandieren konnte. Also es war der Machtzuwachs Himmlers.</p>
<p>Musik 11: The organ grinder – siehe oben – 1:08 Minuten</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Und natürlich Hitlers. Denn vor allem verändern die Mordaktionen den Charakter seiner Diktatur. Alle Nebenzentren der Macht sind nun beseitigt. Abweichende Meinungen in wichtigen Fragen gibt es keine mehr. Und Terror wird zum festen Bestandteil der Herrschaftspraxis. Hitlers Weg zur Alleinherrschaft ist frei. Er muss ihn nur noch gehen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Als wenige Wochen später Paul von Hindenburg stirbt, übernimmt der Reichskanzler Hitler auch noch das Amt des Reichpräsidenten und den Oberbefehl über die Reichswehr. In einem nachträglichen Plebiszit spricht sich das Volk im August 1934 mit „überwältigender Mehrheit&quot;, wie es hieß, für die unumschränkte Macht des jetzt sogenannten „Führers und Reichskanzlers“ aus.</p>
<br/>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Räuber, Köhler, Jagdgehilfen - Der Wald und seine Menschen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/raeuber-koehler-jagdgehilfen-der-wald-und-seine-menschen/2107745</link>
      <pubDate>Thu, 24 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ab31e93d-4629-4b6f-b41a-0ac558266793</guid>
      <description>Seit es Menschen gibt, ist der Wald für sie von höchster Bedeutung. Er nährt, heilt, wärmt, schützt und bietet alles, was zum Überleben gebraucht wird. Im &quot;hölzernen Zeitalter&quot;, das bis ins Jahr 1800 dauert, sorgt die Jagd für proteinreiche Nahrung, und das Holz liefert Brennmaterial sowie den Baustoff für Häuser und Werkzeuge. Von: Thomas Grasberger (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22040832" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107745/c/feed/raeuber-koehler-jagdgehilfen-der-wald-und-seine-menschen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:57</itunes:duration>
      <itunes:author>Grasberger, Thomas</itunes:author>
      <itunes:summary>Seit es Menschen gibt, ist der Wald für sie von höchster Bedeutung. Er nährt, heilt, wärmt, schützt und bietet alles, was zum Überleben gebraucht wird. Im &quot;hölzernen Zeitalter&quot;, das bis ins Jahr 1800 dauert, sorgt die Jagd für proteinreiche Nahrung, und das Holz liefert Brennmaterial sowie den Baustoff für Häuser und Werkzeuge. Von: Thomas Grasberger (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c00bb4b9-25c2-46b2-ab79-4ebc595a78a5.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit es Menschen gibt, ist der Wald für sie von höchster Bedeutung. Er nährt, heilt, wärmt, schützt und bietet alles, was zum Überleben gebraucht wird. Im "hölzernen Zeitalter", das bis ins Jahr 1800 dauert, sorgt die Jagd für proteinreiche Nahrung, und das Holz liefert Brennmaterial sowie den Baustoff für Häuser und Werkzeuge. Von: Thomas Grasberger (BR 2025)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Thomas Grasberger<br/> Regie: Ron Schickler<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Peter Veit<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>- Dr. Joachim Hamberger (Leiter des Bayerischen Amts für Waldgenetik und in Teisendorf , Vorsitzender des Vereins für Nachhaltigkeit e.V.. , Dozent für Forst- und Umweltgeschichte an der TU München sowie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf).</p>
<p>- Dr. Elisabeth Weinberger (Historikerin, Archivarin und Autorin des Buches „Waldnutzung und Waldgewerbe in Altbayern im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert, 2001),</p>
<p>- Gerhard Redenböck (Harvester-Fahrer aus Hohenlinden),</p>
<p>- Georg und Hans Sojer (+, Holzarbeiter aus Ruhpolding, Interview aus dem Jahr 2011, beide mittlerweile verstorben)</p>

<p> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folge von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>Geschichte der Jagd - Herrschaft in der Natur</strong></p>
<p> Wem gehört die Natur? Wer darf auf ihre Gaben zugreifen? Zunächst alle! Dann erklärt das Feudalsystem die Jagd zum Adelsprivileg. Damit beginnt ein Streit, der bis heute politische und gesellschaftliche Entwicklungen spiegelt. Von Volker Eklkofer und Simon Demmelhuber </p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/geschichte-der-jagd-herrschaft-in-der-natur/bayern-2/78753290/">HIER ENTDECKEN</a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-raeuber-koehler-jagdgehilfen-wald-und-seine-menschen-baum-berufe-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>Diese Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</p>
<p><a name="_Hlk197604373">Erzähler:</a></p>
<p>„Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt, behaart und mit böser Visage“ – mit diesen Worten beginnt Erich Kästner sein satirisches Gedicht über „Die Entwicklung der Menschheit“. Ob sie wirklich so düster dreingeschaut haben, unsere haarigen Vorfahren? Fest steht, dass sie auf Bäumen saßen. Und irgendwann herunterstiegen, um sich auf die Hinterbeine zu stellen und im offenen Grasland der Savannen nach Nahrung zu suchen.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Der Wald und seine Bäume aber blieben von höchster Bedeutung für die Menschen, die jetzt aufrecht gingen und zwei Hände frei hatten, mit denen sie jagen, Kräuter sammeln und Holz bearbeiten konnten.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Seit Menschengedenken ist es der Wald, der nährt, heilt, schützt und alles liefert, was wir zum Leben brauchen, sagt der Diplom-Forstwirt Joachim Hamberger. Er ist Leiter des Bayerischen Amts für Waldgenetik in Teisendorf.</p>
<p><strong> ZSP 1 Hamberger Steinzeit</strong></p>
<p>Das geht schon in der Steinzeit los. Feuer machen, wärmen, kochen geht nur mit Holz aus dem Wald. Bögen machen oder Speere machen, Wurfspeere, geht auch nur mit Holz. Die ältesten Speere sind aus Eibenholz. Uralte Fichtenpfeile. Also Holz ist schon immer genutzt worden. Und es ist eine ganz enge Verbindung über alle Zeiten.</p>
<p><strong>Atmo Vögel Wald</strong></p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Werkzeuge, Waffen, Häuser, Kirchen – alles war aus Holz. Bis ins Jahr 1800 nach Christus dauerte dieses „hölzerne Zeitalter“, in dem sich der Mensch buchstäblich durchs Gestrüpp der Geschichte schlagen musste. Was nicht immer ein gemütlicher Waldspaziergang war, sagt der Dozent für Forst- und Umweltgeschichte Joachim Hamberger.</p>
<p><strong>ZSP 2 Hamberger Wildnis</strong></p>
<p>Der Wald war tatsächlich Bedrohung, er war Wildnis, der mühsam dem Acker abgerungen worden ist. Im Hochmittelalter ist alles gewachsen, die Familien, die Dörfer – die Jungen mussten auswandern, die Flüsse entlang, hoch ins Mittelgebirge. Dort war es erstens kühler, zweitens, es lag länger Schnee, drittens es war steiniger, weniger Boden und dann mussten sie die Bäume fällen und die Wurzeln ausgraben. Eine furchtbare Arbeit in dieser Wildnis. Dazu gab es Bären, Luchse, Wölfe und was weiß ich, was es noch alles gab. Und es gab natürlich auch keine Wege. Also Wildnis war ein ganz anderer Begriff als heute, wo er positiv belegt ist.</p>
<p><strong>Atmo Hirsch Wald</strong></p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>95 Prozent des Landes waren damals mit Wald, vor allem mit Laubbäumen bedeckt. Und die Menschen des Frühmittelalters waren frei, aus diesen Wäldern zu holen, was sie zum Überleben brauchten. Zum Beispiel einen stattlichen Hirsch.</p>
<p> </p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Denn vor allem die Jagd gehört zu den ältesten und ursprünglichsten Tätigkeiten des Menschen. Sie liefert ihm proteinreiche Nahrung in Form von Fleisch, aber auch wärmende und schützende Kleidung in Form von Pelzen und Häuten.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Um das Jahr 800 nach Christus aber beginnt die Obrigkeit, Revier zu markieren. Bestimmte Gebiete dürfen nur noch exklusiv bejagt werden – von Adel, König und Klerus. Dieses Forst- und Jagdrecht, der sogenannte Wildbann, wird im Lauf der Jahrhunderte immer weiter ausgedehnt. Für das einfache Volk sind die Bannforste gesperrt. Wer dennoch dort jagt, muss mit drakonischen Strafen rechnen<br/></p>
<p><strong>ZSP 3 Hamberger Einforstung</strong></p>
<p>Der König hat es dann erst zu Beginn in dieser Zeit eingeforstet. Einforstungen sind ein Rechtsakt, das heißt, der König nimmt sich das Recht, alle Rechte an diesem Wald und vergibt Teile dieser Rechte weiter. Zum Beispiel das Jagdrecht – meistens an adlige Lehensherren. Oder das Recht, eine Mühle zu bauen an irgendwelche Müller. Also um das Land langsam zu nutzen und zu entwickeln.</p>
<p><strong>Atmo Hahn im Wald</strong></p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Neben wenigen adligen Jägern gibt es weiterhin viele einfache Menschen, die ihrer täglichen Arbeit nachgehen. In Mitteleuropa leben sie oft in sogenannten Markgenossenschaften, also Siedlungsverbänden mit mehreren Dörfern, Einzelhöfen oder ganzen Talschaften. Als im Hochmittelalter die Bevölkerung zunimmt, sagt Joachim Hamberger, dehnen sich auch die Siedlungen aus.</p>
<p><strong>ZSP 4 Hamberger Dörfer</strong></p>
<p>In dieser Zeit werden in Mittelgebirgen von Königen, Lehensherren und so weiter auch Dörfer angesiedelt. Damals war ein Dorf eine Überlebensgemeinschaft, die war arbeitsteilig, und man hat den umliegenden Wald, die umliegende Fläche gemeinschaftlich in einer Allmende genutzt. Weideflächen und Ackerflächen, relativ nah ums Dorf, das kann man sich kreisförmig vorstellen. Und dann gibt es Weideflächen, die in den Wald übergehen.</p>
<p><strong>Atmo Hacke</strong></p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Dort läuft dann das Vieh herum, das die Dörfler zur Nahrungssuche in die Buchenwälder treiben. Für die ländliche Bevölkerung, die auf Selbstversorgung ausgerichtet ist, ist der Wald die Über-Lebensgrundlage schlechthin. Er liefert vor allem Holz – für den Bau der Blockhäuser, Hütten und Stallungen; für Zäune, Gatter und Hürden; für die Herstellung von Rechen, Heugabeln, Leitern und Reisigbesen; für die Stiele von Hammer und Sense, auch für Tische und Stuhlbeine. Selbst die Schuhe, die der Bauer an den Füßen trägt, sind aus Holz gemacht. </p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Und natürlich muss der Mensch auch kochen und heizen. Die „Köhlerei“, die Herstellung von Holzkohle, ist eine uralte Technik, die bis in die Altsteinzeit zurückreicht.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Erhitzt man Holz fast ohne Sauerstoff, bleibt ein leichter, gut brennbarer Rückstand übrig – die Holzkohle. Vor der Einführung stählerner Ringöfen fand der Brennvorgang traditionell in Meilern statt: Der Köhler schichtet sie aus Holz in konischen Stapeln auf, die er mit Stroh, Asche und Erde abdeckt. Für den Bau braucht es viel Geschick: Zirkuliert zu viel Luft im Meiler, verbrennt das Holz. Bei zu wenig Luft, wird die Qualität der Kohle schlecht.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Die aber wird dringend benötigt: Für die Eisenverhüttung, die Glasherstellung und viele andere Gewerke. Kein Wunder, dass der Beruf des rußgeschwärzten Köhlers im 14. Jahrhundert zu einem eigenständigen Handwerk wird.<br/></p>
<p><br/><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Weil aber der Mensch damals immer weiter in die Wälder vordringt, kommt es häufiger zu Konflikten, sagt Forstwirt Hamberger.<br/></p>
<p><strong>ZSP 5 Hamberger Rodungsinseln</strong></p>
<p>Es gab Inseln, Rodungsinseln in diesem riesigen Waldmeer. Und diese Rodungsinseln sind aber gewachsen. Der Wald dazwischen war von den Dorfgemeinschaften genutzt. Wenn sie zwei Dörfer nehmen, A und B, die sind sich nicht ins Gehege gekommen. Aber mit der Zeit ist ihr ökologischer Fußabdruck gestiegen, je mehr sie geworden sind. Und dann haben sich diese Grenzen, diese Säume immer ausgeweitet und im Hochmittelalter und dann auf jeden Fall im Spätmittelalter haben sie sich überschnitten. Und dann gab es die großen Waldstreite gegen Ende des Mittelalters.</p>
<p><strong>Atmo Schritte durch Wald</strong></p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Und immer wieder Konflikte zwischen oben und unten. Auf der einen Seite steht eine privilegierte Oberschicht, die ihre Rechte mit Gewalt und Gesetzen verteidigt. Schon seit dem 13. Jahrhundert gibt es in Bayern so etwas wie fürstliche Jagdaufseher, die im Dienst ihrer Herren für die Hege des Wildes und den Kampf gegen Wilderei zuständig sind.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Denn auf der anderen Seite steht das Gros der einfachen Bevölkerung, das täglich ums Überleben kämpft. Nicht jeder will dabei auf die alte Freiheit des Jagens verzichten. Und so wird der Wald zum Rückzugsort auch für all jene, die etwas zu verbergen haben oder sich selbst verbergen müssen – nicht nur Wilderer, sondern auch Räuber, Briganten, Deserteure.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Und die liefern immer schon guten Stoff für Dichter und Literaten. In Friedrich Schillers berühmten Drama „Die Räuber“ versteckt sich der Räuberhauptmann Karl Moor mit seiner Bande in den wilden, unzugänglichen böhmischen Wäldern.</p>
<p><strong>((Erzählerin:</strong></p>
<p>Der bekannteste Wald-Delinquent aber stammt wohl aus England. Robin Hood, der „edle Räuber“, der mit seinen Mannen durch den Sherwood Forest und zahlreiche Balladen der Frühneuzeit galoppiert. Habgierige Adlige um ihre Schätze zu erleichtern, um sie unter den Armen zu verteilen – das ist der Kern der Robin-Hood-Legende. Frei erfunden ist sie vermutlich nicht, es gab wohl historische Vorbilder für den Volkshelden.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Solche Sozialrebellen, wie sie der englische Historiker Eric Hobsbawm in seiner vergleichenden Studie „Die Banditen“ beschrieben hat, gab es in allen Kulturen und zu allen Zeiten. Ihre Rebellion im ländlichen Raum ist meist eng verknüpft mit dem Lebensraum des Waldes.<strong>))</strong></p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Hierzulande sind die Spessarträuber besonders bekannt geworden, weil sie von Schriftstellern romantisch überhöht und im 20. Jahrhundert durch Heimatfilme berühmt gemacht wurden. Aber Räuber und Wilddiebe gab es auch andernorts. Bis heute viel besungen ist der Wilderer Georg Jennerwein, der 1877 am oberbayerischen Peißenberg hinterrücks erschossen wurde.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Zu Helden konnten solche Männer nur werden, weil ihr Widerstand gegen eine als ungerecht empfundene obrigkeitliche Jagd- und Forstordnung vielen einfachen Menschen aus der Seele gesprochen hat. Nicht wenige gerieten früher unverschuldet in prekäre Situationen und wurden an den Rand der Gesellschaft, ins Dunkel des Waldes gedrängt. Wo sie ihren Lebensunterhalt mit Überfällen, Holzdiebstahl oder Wilderei erwirtschaften mussten.</p>
<p><strong>neu ZSP 6 Hamberger Zuflucht</strong></p>
<p>Der Wald war einerseits Ort des Schreckens, aber andererseits, das sehen wir aus dem Märchen, auch ein Ort, der bergend war, der schützend war. Und in vielen Kriegen war es immer ein Zufluchtsort – die Schwedenschanzen, die wir noch allerorten im Wald finden. In der Regel sind es Schanzen aus der Keltenzeit, aber sie werden als Schwedenschanzen bezeichnet, weil die Dörfler früherer Zeiten dort Zuflucht gesucht haben im Wald, im Schutz des Waldes. Nicht gesehen von den Soldaten, die durchritten, haben sie Zuflucht gesucht.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Je dichter die Bevölkerung, desto mehr wächst der Druck auf den Wald, der dann als Rohstoff-Lieferant immer unergiebiger wird. Wo aber Holz knapp ist, wächst bald auch die Not. Was im 14. Jahrhundert eine neue Berufsgruppe auf den Plan ruft – den Forstunternehmer.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Peter Stromer, ein um 1315 geborener Patrizier, war nicht nur Bürgermeister und Ratsherr der Stadt Nürnberg, er besaß auch ein Handelshaus samt Bank sowie Bergwerke in Osteuropa, sagt Joachim Hamberger. Für seine Betriebe brauchte Montanunternehmer Stromer viel Energie,</p>
<p><strong>ZSP 7 Hamberger Stromer</strong></p>
<p>Und um Nürnberg herum war inzwischen alles kahl. Man hat es schon mit Gesetzen versucht in den Griff zu kriegen, hat es aber nicht geschafft. Und dieser Peter Stromer hat 1368, also vor 650 Jahren, angefangen, systematisch dort zunächst einmal Versuche zu machen und Bäume auszusäen. Was völlig Undenkbares, dass man Bäume aussät, die sind doch einfach da. Und er hat es systematisch gemacht.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Die Reichswälder um Nürnberg sind also fortan nicht mehr nur einfach Gottesgeschenke, sondern das Ergebnis einer planmäßigen Zucht. Man braucht allerdings einen langen Atem für dieses Geschäftsmodell, denn es dauert mindestens 50 Jahre, bis die Holzernte eingefahren werden kann. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ sollte zwar erst 300 Jahre später geprägt werden, die Idee aber hatte schon Peter Stromer, der „Vater der Forstkultur“.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Der exportierte die Samen seiner Nadelbäume. Und in Nürnberg entstand die sogenannte Tannensäerzunft, die streng darauf achtete, dass ihr Zunftwissen geheim blieb.</p>
<p><strong>ZSP 8 Hamberger Tannensäer</strong></p>
<p>Dieses Geheimwissen, das haben sie kultiviert, wie der Boden aufbereitet werden muss, wie man an den Samen kommt. Denn auch das ist nicht trivial. Sie müssen nämlich einen Zapfen ernten, bevor er ausfällt am Baum oder bevor er zerfällt. Und sie müssen aufpassen, wenn sie diesen Samen im Winter aufheben, dass ihn erstens nicht die Mäuse fressen, dass er zweitens nicht verschimmelt und drittens nicht vertrocknet. Also gar nicht so einfach. Und dieses Wissen haben sie gepflegt und haben nach Frankfurt, nach Ungarn und in viele Städte und Gegenden das Wissen exportiert und Wälder begründet.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Zu den Berufen des Waldes zählt auch der Jurist. Denn seit dem 16. Jahrhundert wird Deutschland von einer regelrechten Gesetzesschwemme heimgesucht. 1568 etwa erlässt Herzog Albrecht V. die „Bayerische Forstordnung“, die bis etwa 1800 gültig bleibt. Neben der Flut von Paragraphen stellen sich aber auch ganz praktische Fragen: Wie transportiert man das sperrige Holz? Mit Rössern kann man die Baumstämme aus dem Wald ziehen. Aber dann?</p>
<p><strong>ZSP 9 Hamberger Flößer</strong></p>
<p>Man beginnt Holz zu flößen, zum Beispiel wird in dieser Zeit schon das erste Holz Richtung Holland aus dem Schwarzwald oder auch aus dem Frankenwald geflößt. Das heißt, von Holzüberschussgebieten, wo wenig Menschen leben, transportiert man das Holz in Holz- Mangelgebiete, wo viele Menschen leben und hoher Bedarf ist.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>In der „Bayerische Forstordnung“ von 1568 ist auch der Schutz des Waldes schon ein Thema. Aber was in Büchern steht, kommt nicht immer bei den Menschen an, selbst wenn die Forstgesetze einmal im Jahr auf der Kanzel vorgelesen werden. Oder wenn strenge, ungeliebte Förster dafür sorgen, dass die Leute nicht einfach Holz aus dem Wald holen.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>Dennoch nimmt die Ausbeutung der Ressourcen im 18. Jahrhundert weiter zu. Wissenschaftler fordern im Geist der Aufklärung eine nachhaltigere Nutzung des Waldes. Forstschulen werden gegründet, Wälder vermessen, Karten gezeichnet. Die Angst vor der Holznot geht um. Weil dieses Holz jetzt ein volkswirtschaftlicher Faktor wird, hat auch der Staat ein Interesse daran.</p>
<p><strong>Erzähler:</strong></p>
<p>Während die ländliche Bevölkerung es weiterhin als ihr natürliches Recht ansieht, den Wald stark zu nutzen. Denn der gehört – grob gesagt – allen. Privaten Waldbesitz gibt es bis 1800 noch nicht. Aber Nutzungsrechte, sagt Joachim Hamberger, die gibt es schon.</p>
<p><strong>ZSP 10 Ham Rechte</strong></p>
<p>Die wichtigsten Rechte waren die Brennholzrechte, weil, davon hat die Bevölkerung gelebt, sich ernährt, sich gewärmt. Es gab Bauholzrechte, von irgendwas musste der Stadel gebaut werden oder die Schindeln mussten her fürs neue Dach. Es gab Rechte zur Schweinemast. Es gab Rechte, kleines Vieh einzutreiben, also Ziegen, Schafe. Und es gab Rechte, auch großes Vieh einzutreiben, zum Beispiel Rinder oder Pferde.</p>
<p><strong>Erzählerin:</strong></p>
<p>In den Weiten der Wälder waren also ständig Tiere und Menschen unterwegs. Alte Frauen sammelten Kräuter, Pilze oder Leseholz. Kinder rechten Laub zusammen, das als Einstreu für die Schweineställe gebraucht wurde. Und dann gab es im ausgehenden 18. Jahrhundert auch noch Berufe, die man heute kaum mehr kennt, sagt die Historikerin und Archivarin Elisabeth Weinberger. Über diese sogenannte gewerbliche Waldnebennutzung hat Weinberger ihre Dissertation geschrieben.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Korallen - Das große Sterben</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/korallen-das-grosse-sterben-1/1804976</link>
      <pubDate>Wed, 23 Jul 2025 14:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">34c10afa-3568-4e5e-a60c-1d81c20d28bc</guid>
      <description>Stein, Holz, Pflanze oder Tier? Die Symbiose aus Korallen, Polypen und Algen hat die Wissenschaftler lange vor Rätsel gestellt. Schützen wir unsere Meere nicht, werden die Wunderwesen bald verschwunden sein. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2020)</description>
      <enclosure length="22386311" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1804976/c/feed/korallen-das-grosse-sterben-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:19</itunes:duration>
      <itunes:author>Bernd-Uwe Gutknecht</itunes:author>
      <itunes:summary>Stein, Holz, Pflanze oder Tier? Die Symbiose aus Korallen, Polypen und Algen hat die Wissenschaftler lange vor Rätsel gestellt. Schützen wir unsere Meere nicht, werden die Wunderwesen bald verschwunden sein. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2020)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/57e2ad1b-109d-4dbf-9015-46c992c05ece.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Stein, Holz, Pflanze oder Tier? Die Symbiose aus Korallen, Polypen und Algen hat die Wissenschaftler lange vor Rätsel gestellt. Schützen wir unsere Meere nicht, werden die Wunderwesen bald verschwunden sein. Von Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2020)</p><p>Credits:</p>
<p>Autor dieser Folge: Bernd-Uwe Gutknecht<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Xenia Tiling, Jerzy May, Patrick Zeilhofer, Peter Veit, Carsten Fabian, Gudrun Skupin<br/> Technik: Regina Staerke<br/> Redaktion: Matthias Eggert<br/></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-korallen-das-sterben-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><br/>Weitere hörenswerte Folgen von radioWissen finden Sie hier:<br/> </p>
<ul>
<li>Fische - Die unterschätzten Lebewesen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/fische-die-unterschaetzten-lebewesen/31650">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
<li>Es war einmal ein Ozean - Geschichte der Meeresausbeutung<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/es-war-einmal-ein-ozean-geschichte-der-meeresausbeutung/1692791">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
<li>Mikroplastik - Ein aussichtsloser Kampf?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mikroplastik-ein-aussichtsloser-kampf/1799162">JETZT ANHÖREN</a></strong></li>
</ul>

<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/> <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/651"><strong>BR PODCAST | BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a><strong></strong></p>
<p><br/></p>
<p><br/></p>

<p><br/></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Michel de Montaigne - Skeptiker und Menschenfreund</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/michel-de-montaigne-skeptiker-und-menschenfreund/1795160</link>
      <pubDate>Wed, 23 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cb0ced7a-2231-4df5-a209-2b0bcf88c219</guid>
      <description>Den Essay hat der Humanist Michel de Montaigne erfunden, mit seinen philosophischen Versuchen, französisch: essayer. Er war ein Philosoph, der nach der Wahrheit eher tastete, als dass er sie vollmundig verkündet hätte. 
Autor: Christian Schuler (BR 2020)</description>
      <enclosure length="22669688" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1795160/c/feed/michel-de-montaigne-skeptiker-und-menschenfreund.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Christian Schuler</itunes:author>
      <itunes:summary>Den Essay hat der Humanist Michel de Montaigne erfunden, mit seinen philosophischen Versuchen, französisch: essayer. Er war ein Philosoph, der nach der Wahrheit eher tastete, als dass er sie vollmundig verkündet hätte. 
Autor: Christian Schuler (BR 2020)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ba6ba13b-6e76-42a3-b45d-25c49a8378a7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Den Essay hat der Humanist Michel de Montaigne erfunden, mit seinen philosophischen Versuchen, französisch: essayer. Er war ein Philosoph, der nach der Wahrheit eher tastete, als dass er sie vollmundig verkündet hätte. 
Autor: Christian Schuler (BR 2020)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor dieser Folge: Christian Schuler </p>
<p> Regie: Irene Schuck</p>
<p>Sprecher/in: Beate Himmelstoß,Thomas Loibl, Friedrich Schloffer </p>
<p> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>PD Dr. Dagmar Stöferle, LMU München</li>
</ul>
<p> <br/> <br/>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a><strong><br/> <br/> </strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-michel-de-montaigne-skeptiker-menschenfreund-philosoph-frankreich-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>Erzählerin </p>
<p>Es ist die Nacht vom 23. auf den 24. August 1572. In Paris ist soeben mit großem Pomp die Hochzeit des Hugenotten Heinrich von Navarra mit der Katholikin Margarete von Valois gefeiert worden. Ein Fest, das Versöhnung zwischen den verfeindeten Parteien stiften und damit die Einheit des Reiches stärken sollte. Doch es kommt anders. </p>
<p><br/></p>
<p>Musik: </p>
<p>&quot;Hitchhiker&quot; - Komponist und Ausführender: Jeremiah Cymerman - Album: Badlands Label: 5049 Records ‎– 5049-006 - Länge: 0&#39;51</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Ein gescheitertes Attentat auf den Hugenottenführer Coligny löst Unruhen aus. Augenzeugen berichten von Massakern: </p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 2</p>
<p>„Da setzte überall in Paris ein Gemetzel ein, dass es bald keine Gasse mehr gab, auch die allerkleinste nicht, wo nicht einer den Tod fand. Und das Blut floss über die Straßen, als habe es stark geregnet ... Schon war der Fluss mit Leichen bedeckt und ganz rot vom Blut.“</p>

<p>Erzählerin</p>
<p>Unter dem Namen „Bartholomäusnacht“ sind diese Pogrome in die Geschichte eingegangen. Tausende Menschen fielen ihnen zum Opfer, vor allem protestantische Hugenotten. Und bei den Unruhen, die anschließend auf das ganze Land übergriffen, starben noch einmal einige zehntausend. Die Reformation in Frankreich war damit blutig niedergeschlagen worden, die Versöhnung zwischen den Parteien gescheitert. Hugenotten wanderten in den folgenden Jahren zu Hunderttausenden nach England, in die Schweiz und nach Preußen aus. Frankreich war durch die Aufstände und Verfolgungen zunächst politisch, dann durch die Auswanderungswellen auch wirtschaftlich geschwächt. Auch Bordeaux war von den Unruhen betroffen. </p>
<p><br/></p>
<p>Musik: </p>
<p>&quot;Hitchhiker&quot; - Komponist und Ausführender: Jeremiah Cymerman - Album: Badlands Label: 5049 Records ‎– 5049-006 - Länge: 0&#39;35</p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 1</p>
<p>„O des ungeheuren Krieges! Andere Kriege wirken auswärts, dieser gegen sich selbst, zerfleischt und zerstört sich durch sein eigenes Gift ... Er soll den Aufruhr dämpfen, und ist selbst voller Aufruhr; will den Ungehorsam strafen, und gibt davon ein Beispiel; wird zur Verteidigung der Gesetze geführt, und ist offenbare Rebellion gegen seine eigenen. Wohin ist es mit uns gekommen?“ </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Der das schreibt, sitzt im Turm seines Schlosses, 60 Kilometer östlich von Bordeaux, wo er bis vor kurzem als Berufungsrichter tätig gewesen war. Mit 38 Jahren hatte er seinen Dienst quittiert und sich auf das Anwesen zurückgezogen, das ihm sein Vater hinterlassen hatte: Schloss Montaigne. </p>

<p>Zitator 1</p>
<p>„Genug nun für andere gelebt – leben wir zumindest dies letzte Stück des Lebens für uns.“</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin </p>
<p>Hier, auf Schloss Montaigne, war Michel Eyquem, wie er eigentlich hieß, 1533 zur Welt gekommen; hier hatte er den größten Teil seiner Kindheit verbracht; hier wollte er fortan im Kreise seiner Familie das stille Leben eines gelehrten Landedelmannes führen. Er nahm das Studium der lateinischen Klassiker wieder auf, mit denen er aufgewachsen war - Lukrez, Horaz, Seneca - und begann, das Werk zu verfassen, mit dem sein Name bis heute untrennbar verbunden ist: die drei Bände der „Essais“. </p>
<p><br/></p>
<p>Musik:</p>
<p>&quot;Bernie Alap&quot; - Ausführende: Hank Roberts, Marc Ducret &amp; Jim Black - Album: Green - Komponist: Hank Roberts Label: Winter &amp; Winter ‎– 910 141-2 </p>
<p>Länge: 1&#39;06</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Weit über tausend Seiten mit Aufsätzen, Betrachtungen und anekdotenreichen Reflexionen, die sich im wahrsten Sinn des Wortes um Gott und die Welt drehen. </p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 1</p>
<p>„Ich trage unausgegorene und nicht zu Ende gedachte Einfälle vor ..., nicht um die Wahrheit zu definieren, sondern um sie zu suchen.“</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Montaigne tritt gern unter der Maske des Unwissenden auf, aus Bescheidenheit oder aus Koketterie. Oder auch um etwaige Erwartungen des Publikums von vornherein zu unterlaufen. Denn hier soll kein schlüssiges philosophisches System erdacht werden. Hier verkündet einer nicht mit Pomp eine neue Lehre, die alle anderen widerlegen will. Der Autor der Essais schreibt zunächst zu seinem eigenen Vergnügen. Und was dabei herauskommt, nennt er „Essais“, eine Textgattung, die bis dahin unbekannt war und die sich vom französischen Verb „essayer“, versuchen, ableitet. </p>
<p><br/></p>
<p>O-Ton Stöferle (ab 24:50)</p>
<p>Der Essai, (wenn man ihn heute definieren müsste,) definiert sich dadurch, dass ein Ich über ein beliebiges Thema versuchsweise sich schriftlich auslässt oder versuchsweise ein Thema erkundet. Ich denke, so muss man das bei Montaigne auch verstehen, mit der Präzisierung, dass der Gegenstand eigentlich sein Ich ist.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Sagt Dagmar Stöferle, Romanistin und Dozentin an der Ludwig-Maximilian-Universität München. </p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 1</p>
<p>„Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser.“</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin </p>
<p>… heißt es im Vorwort des ersten Bandes der Essais. </p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 1</p>
<p>„Es warnt dich schon zu Beginn, dass ich mir darin kein anderes Ziel gesetzt habe als ein häusliches und privates. Um deinen Nutzen ging es mir dabei so wenig wie um meinen Ruhm. Ich habe es dem persönlichen Gebrauch meiner Verwandten und Freunde gewidmet. </p>
<p>Sie sollen, wenn sie mich verloren haben (und das wird bald sein), darin einige Züge meiner Lebensart und meiner Gemütsstimmung wiederfinden. ... Wäre es mir darum gegangen, die Gunst der Welt zu gewinnen, so hätte ich mich besser herausgeputzt ... Ich will aber, dass man mich darin in meiner schlichten, natürlichen und gewöhnlichen Art sehe, ohne Gesuchtheit und Geziertheit: denn ich bin es, den ich hier darstelle.“</p>
<p><br/></p>
<p>O-Ton Stöferle (ab 6:25)</p>
<p>Das ist ja die Kunst des Essais, wie es an manchen Stellen heißt, dass ihm kein Gegenstand zu gering ist und kein Gegenstand zu hoch, dass er immer das Abseitige ins Auge fasst, und gerechtfertigt wird das durch das erklärte Ziel, sich selbst zum Gegenstand zu machen.</p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>In den Essais meldet sich also einer zu Wort, der das Leben als Jurist und Parlamentsrat von Bordeaux, als Familienvater und wacher Beobachter des Zeitgeschehens in vielen Facetten kennengelernt hat, der sich nun aber schreibend und denkend auf sich selbst besinnen möchte. In einer Zeit politischer Zerrissenheit und konfessioneller Spaltung erprobt er die Weisheit der Klassiker an sich, seinem eigenen Leben und seiner Zeit. So werden die Essais zu einem Werk der Selbstbehauptung - und zelebrieren zugleich die Lust an der eigenen geistigen Beweglichkeit. </p>
<p>Auffallend ist, dass Montaigne in den Jahrhunderten nach seinem Tod bei Schriftstellern und Sprachwissenschaftlern mindestens ebenso viel Resonanz gefunden hat wie bei Philosophen. </p>
<p>Und unter den Philosophen schätzten ihn vor allem solche, die - wie Montaigne selbst - mit der systematischen Unabgeschlossenheit ihrer Gedanken gut leben konnten und denen - wie Montaigne - an prägnanter Formulierung ebenso gelegen war wie an gedanklicher Schärfe: Brillante Stilisten also wie Voltaire, Diderot - oder auch Friedrich Nietzsche, der die vielleicht schönste und berühmteste Huldigung an Montaigne formuliert hat: </p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 2</p>
<p>„Dass ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust, auf dieser Erde zu leben, vermehrt worden ... Mit ihm würde ich es halten, wenn die Aufgabe gestellt wäre, es sich auf Erden heimisch zu machen.“</p>
<p><br/></p>
<p>Musik: &quot;Aurora lucis rutilat&quot; - Orlando di Lasso  SC006440011 1&#39;11 </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Michel de Montaignes Kindheit und Jugend fallen in die Amtszeit von König Franz I., der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Frankreich eine absolutistische Monarchie machte. Franz war es auch, der damit begann, die Institutionen der Macht in Paris zu bündeln, auf Kosten weitgehend selbständiger Regionen wie etwa der Guyenne und ihres Zentrums Bordeaux. Es gab Unruhen und Aufstände, die blutig niedergeschlagen wurden. Zeitweise wurden Bordeaux die Stadtrechte aberkannt. </p>
<p>Montaignes Vater, Pierre Eyquem, hatte den König auf verschiedenen Feldzügen begleitet, zugleich aber hatte er hohe Ämter in Bordeaux inne, als Jurist und später als Bürgermeister. Es gelang ihm, eine vermittelnde Position zwischen König und Stadt einzunehmen und für Bordeaux, bei aller Loyalität zum König, die Stadtrechte zurückzugewinnen. Diese ausgleichende und diplomatische Haltung, der alles radikale Eiferertum verhasst war, sollte sich auf seinen Sohn vererben. </p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 1</p>
<p>„Man sieht sehr gewöhnlich, dass gute Absichten, wenn sie ohne Mäßigung durchgesetzt werden, die Menschen zu sehr fehlerhaften Handlungen verleiten.“ </p>
<p><br/></p>
<p>Erzählerin </p>
<p>Michel Eyquem wurde – wie sein Vater - Jurist und später Bürgermeister von Bordeaux. Auch seine Lebenszeit war gekennzeichnet von Kriegen und Bürgerkriegen, vor allem konfessioneller Art. Und wie sein Vater blieb Montaigne königstreu und katholisch, verabscheute jedoch jede Art des Fanatismus: </p>
<p><br/></p>
<p>Zitator 1: </p>

<p>„In dem Streit, durch welchen Frankreich jetzt durch den bürgerlichen Krieg beunruhigt wird, ist die beste und sicherste Partei ohne Zweifel diejenige, welche die alte Religion und alte Verfassung des Landes verficht. Gleichwohl sieht man unter den redlichen Leuten, welche daran hängen ... viele, welche durch Leidenschaft die Grenzen der Billigkeit überschreiten und zuweilen ungerechte, gewalttätige und dabei unüberlegte Entschlüsse fassen.“ </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Abenteuer der Schatzsuche - Geschichte einer Leidenschaft</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-abenteuer-der-schatzsuche-geschichte-einer-leidenschaft/2107791</link>
      <pubDate>Wed, 23 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3842bf14-de57-49b7-8ab8-0ed358dfeb06</guid>
      <description>Ein Schatz ist eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist. So nüchtern die Definition, so sagenumwoben die Schätze selbst: von Drachen bewacht, mit einem X markiert, durch Beschwörungsformeln gefunden - und noch immer gesucht. Autorin: Inga Pflug (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21879552" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107791/c/feed/das-abenteuer-der-schatzsuche-geschichte-einer-leidenschaft.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Pflug, Inga</itunes:author>
      <itunes:summary>Ein Schatz ist eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist. So nüchtern die Definition, so sagenumwoben die Schätze selbst: von Drachen bewacht, mit einem X markiert, durch Beschwörungsformeln gefunden - und noch immer gesucht. Autorin: Inga Pflug (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2f5e26e6-09c6-4a49-8084-0ee2aa539351.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Schatz ist eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist. So nüchtern die Definition, so sagenumwoben die Schätze selbst: von Drachen bewacht, mit einem X markiert, durch Beschwörungsformeln gefunden - und noch immer gesucht. Autorin: Inga Pflug (BR 2025)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Inga Pflug<br/> Regie: Ron Schickler<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Peter Veit<br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>

<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>-      - Dr. Markus Hirte, Experte für Ältere und Neuere Strafrechtsgeschichte und geschäftsführender Direktor im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber</p>
<p>-      - Dr. Stefanie Berg, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Bodendenkmalpflege </p>
<p>-      - Mäxe Hirscher, Pädagoge Windsbacher Knabenchor, Sondengänger</p>
<p>-      Knaben des Windsbacher Knabenchors</p>
<p>-      - Uta Kirpal, Archäologin, ARCHAIOS Archäologische Dienstleistungen GmbH</p>
<p>-     - Dr. Manfred Hilgart, Archäologe, ARCHAIOS Archäologische Dienstleistungen GmbH</p>
<p>-      - Lennart Schönemann, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Grabungsreferent, stv. Referatsleiter Lineare Projekte</p>

<p>LINK-TIPS:</p>
<p><a href="https://www.kriminalmuseum.eu/blog/ausstellung/schatz-und-schatzsuche-in-recht-und-geschichte/">https://www.kriminalmuseum.eu/blog/ausstellung/schatz-und-schatzsuche-in-recht-und-geschichte/</a></p>
<p><a href="https://www.kriminalmuseum.eu/">https://www.kriminalmuseum.eu/</a></p>
<p><a href="https://www.blfd.bayern.de/information-service/schatzregal/index.html">https://www.blfd.bayern.de/information-service/schatzregal/index.html</a></p>
<p><a href="https://www.blfd.bayern.de/denkmal-atlas/index.html">https://www.blfd.bayern.de/denkmal-atlas/index.html</a></p>

<p><a href="https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/liste.html">https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/liste.html</a></p>
<p><br/></p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Bayern 2 könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/groenlands-rohstoffe-unerreichbarer-schatz-unter-eis/bayern-2/14480827/">IQ - Wissenschaft und Forschung · Grönlands Rohstoffe - Unerreichbarer Schatz unter Eis? · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/bodenschaetze-in-der-tiefsee-das-schuerfen-von-rohstoffen/bayern-2/78750768/">Radiowissen · Bodenschätze in der Tiefsee - Das Schürfen von Rohstoffen · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-grundwasser-schatz-aus-der-tiefe/bayern-2/78758296/">Radiowissen · Das Grundwasser - Schatz aus der Tiefe · Podcast in der ARD Audiothek</a></p>
<p>Literatur: </p>
<p><strong></strong></p>
<p>-       Schatz und Schatzsuche in Recht und Geschichte – Kataloge des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber, Band 4; Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kriminalmuseum mit zahlreichen Bildern und Beispielen</p>
<p><br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-abenteuer-schatzsuche-geschichte-einer-leidenschaft-fund-grabung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Eine dunkle, stürmische Nacht, irgendwo im nirgendwo, vielleicht 1748. </p>
<p><strong>01 Zuspielung Museum (raffbar): </strong></p>
<p>(Eule, Donner, Schritte) Hier muss es sein. Oh heiliger Christopherus, steh mir bei. Lass mich den Schatz schnell finden … (Schaufeln)  Oh gloriosem … (Donner) …<strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> So wie hier in der akustischen Untermalung im Rothenburger Kriminalmuseum könnte sie abgelaufen sein, eine frühneuzeitliche Schatzsuche: nachts, im Wald, mit Hacke und Schaufel – und unter Zuhilfenahme gebetsähnlicher magischer Formeln. Denn:</p>
<p><strong>02 Hirte:</strong></p>
<p>In der magischen Welt unserer Vorfahren vor allem des späten Mittelalters, frühen Neuzeit, im Mittelalter selbst, war der Schatz immer irgendetwas Magisches, Geheimnisvolles gewesen, und das in mehrerer Hinsicht.<strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p> … beschreibt Markus Hirte, Experte für Ältere und Neuere Strafrechtsgeschichte und geschäftsführender Direktor im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber.</p>
<p>MUSIK: Who&#39;s Knocking</p>
<p><strong>03 Hirte:</strong></p>
<p><strong> </strong>Zum einen gab es in der Vorstellungswelt unserer Vorfahren Schatzgeister, Poltergeister, wo ein Schatz gefunden werden wollte.<strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> </p>
<p>… worauf der Poltergeist durch sein Poltern aufmerksam macht:</p>
<p> </p>
<p><strong>04 Hirte: </strong></p>
<p>Die Vorstellung war, dass manche Menschen, die besonders schlimme Sachen gemacht haben oder noch eine Aufgabe zu erfüllen hatten, noch so lange der Erde als Geist gewandelt haben, bis ihre Aufgabe erfüllt ist. Zum Beispiel fiktiv jetzt mal, dass jemand Menschen umgebracht hat und Geld gestohlen hat. Und dann wurde er nicht mal zum Sterben gelassen, sondern wandelte als Geist durch die Zwischenwelten und musste sehen, dass dieser Schatz wiedergefunden wird.<strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p> … damit der Schatz den Eigentümern zurückgegeben werden kann – und der Poltergeist erlöst. </p>
<p>Umgekehrt gab es aber auch die Vorstellung von bewachten Schätzen, die eben nicht gefunden werden sollten:</p>
<p><strong>05 Hirte: </strong></p>
<p>Schätze werden bewacht von – und dann kommt das ganze Sammelsurium – zum Teil von wilden Tieren, von Drachen natürlich. Da haben wir sofort die Erinnerung an das Nibelungenlied, an Beowulf, es gab natürlich auch Geister und Dämonen, die Schätze bewacht haben.<strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p> … erklärt Museumsdirektor Markus Hirte. </p>
<p>So wird im Mittelalter, der Zeit zwischen etwa 500 und 1500 nach Christus, zunächst noch selten nach Schätzen gesucht. In den beiden bekanntesten Erzählungen um Schätze des Mittelalters, „Beowulf“ und Nibelungenlied, ist der Schatz gefährlich. Er ist verflucht oder bringt den Tod, weil Konflikte um ihn entstehen. Ungefährlich ist der Schatz nur, wenn er unentdeckt oder unerreichbar ist: in der Behausung des Drachens oder auf dem Grund des Rheins.</p>
<p><strong>06 Hirte: </strong>Das für mich spannendste war, dass nach der Vorstellung vieler – und auch quellenmäßig belegt über sogenannte Zauberbücher und Gerichtsprozessakten – dass der Schatz selbst magisch war, sich nämlich bewegen konnte, so die Vorstellung, dass der durch die Erde wandelt, dass manche Schätze auch gar nicht gefunden werden wollten, die sich dann mal zum Sonnenbad nach oben bewegten und sobald einer kam, wieder verschwunden sind. Also eine ganz fantastische Welt, die man auch wirklich heute noch nachlesen kann, in Literatur längst vergangener Zeit.</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> … Und die das Rothenburger Kriminalmuseum zu einer Sonderausstellung über Schatz und Schatzsuche in Recht und Geschichte zusammengetragen hat: </p>
<p>MUSIK: Glitch Fork Cello2</p>
<p>Besonders spannend wird diese Geschichte in der Volkskultur der Frühen Neuzeit, also in der Zeit ab etwa 1500, als die Suche nach dem magischen Objekt „Schatz“ beginnt. Markus Hirte:</p>
<p><strong>07 Hirte: </strong></p>
<p>Reisen wir zurück ins 16. Jahrhundert, einer hat gehört, dass auf dieser Burg ein Schatz versteckt ist. Also nicht wie heute Quellensuche, schauen, wo könnte sie gewesen sein? Man hat das gehört, manchmal hat auch einer ne Flamme nachts gesehen. Das war schon ein Hinweis, da könnte was sein….</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> Damit die frühneuzeitliche Schatzsuche starten kann, ist ein „<em>Schatzmagier“</em> essenziell. Jemand, der lesen und schreiben kann und die magischen Gebete und Formeln kennt, die für die Suche nach dem magischen Schatz unabdingbar sind.</p>
<p><strong>08 Hirte: </strong></p>
<p>Man hat sich durchaus auch irgendwie mit dem Teufel oder mit den Dämonen einlassen müssen, hat aber auch um göttlichen Beistand zum Beispiel gebetet. Eben, dass die Höllenhunde einen nicht zerreißen. Und diese Magier, das waren teilweise auch Kleriker gewesen. Das war auch gar nicht so fernliegend, da gab es auch Exorzismen. Da spielten ja auch Dämonen und Engel noch eine andere Rolle als beim Protestantismus, später zum Beispiel. Und wenn man also einen Priester hat, einen Exorzisten hat, der sowieso den Dämonen austreiben muss, dann hat der möglicherweise auch Ahnung, wie das mit anderen Dämonen zum Beispiel geht. </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p> Gegraben wird dann meist in der Nacht. Kein ungefährliches Unterfangen – leben in den Wäldern doch noch Wölfe und andere Raubtiere. Und manch ein Schatzsucher mag auch über Böschungen gestürzt oder anderweitig verunfallt sein. </p>
<p>Waren die Schatzsucher schließlich am Ort einer Lichterscheinung angelangt … </p>
<p>MUSIK: Incubus</p>
<p><strong>09 Hirte: </strong></p>
<p>Dann wurde teilweise dann mit einer Wünschelrute gegangen. Und wenn sie ausgeschlagen hat, war das ein Zeichen. Und je nach Konstellation begann dann der Magier Pentagramme in dem Boden zu zeichnen. Paraphernalia, Totenköpfe, kleine Gefäße, Räucherstäbchen. Das war ganz, ganz bunt. Das war ja auch so ein bisschen seine Show gewesen – wie heute bei den Magiern im Fernsehen auch, es wird ja auch was verkauft – und hat dann Dämonen angerufen oder Geister gebannt. Und dann begann die Suche. Und wie aber die Geschichte fast überall zeigt: gefunden ist eigentlich nie irgendwas worden.</p>
<p><strong>Atmo Kinder</strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> </p>
<p>Und heute? Schatzsuche beim Windsbacher Knabenchor. Im Sand des Volleyballfelds auf dem Campus der jungen Sänger hat Pädagoge Mäxe Hirscher ein paar Schätze vergraben, nach denen eine quirlige Schar Elf- bis Fünfzehnjähriger nun suchen darf. </p>
<p><strong>Atmo</strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> </p>
<p>Metalldetektoren, also Ortungsgeräte, die Metalle im Boden aufspüren können und durch einen Piepton anzeigen, unterstützen bei der Schatzsuche.</p>
<p><strong>10 Hirscher: </strong></p>
<p>Schaut mal, ich mach Euch mal die Geräte an, … und jetzt schwenkt Ihr einfach mal über den Boden …<strong> </strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> Und dann geht es auch schon los. </p>
<p><strong>Atmo unterliegend</strong></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> Die Windsbacher Knaben sind mit Eifer dabei. Und es dauert nicht lange, bis der Metalldetektor anschlägt:</p>
<p><strong>11 Knaben: </strong></p>
<p>I hab was gefunden / Hier / dann geh mal drauf dass wir genau hören, wo es ist. / Dann darf der Max mal buddeln / … Hier, hier // Wir habens.</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> Und schon halten die Jungen ihren ersten Schatz in Händen.</p>
<p>MUSIK: Friendly Exploration</p>
<p><strong>12 Knaben: </strong></p>
<p>Schaut mal, wir haben hier so ne Münze gefunden, willst du mal schauen / darf ich mal / Pfennig / was könnte das denn sein, da steht drauf? / der deutsche Reichsadler, oder? / Reichspfennig / 1919 steht da / Ein Pfennig von 1919. / sehr gut.</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> </p>
<p>Die initiierte Schatzsuche ist Freizeitbeschäftigung für die Windsbacher Knaben. Auch alte, leere Patronenhülsen, Knöpfe, ein Blei-Gewicht und Cent-Stücke tauchen im Sand noch auf. Allesamt echte Fundstücke von zurückliegenden Exkursionen, bei denen auch umliegende Äcker, Wiesen und Feldwege abgesucht wurden. Und die Pädagoge Mäxe in einer kleinen Schatzschatulle für das Internat aufbewahrt.</p>
<p><strong>13 Hirscher:</strong></p>
<p><strong> </strong>Ich möchte, dass die Jungs nicht dieses Schatzsuchergen mitbekommen, dass se sagen, was ich hab, das ist unbedingt meins. Sondern, ich möchte wirklich, dass die Nachwelt was davon hat. Und zum einen die Jungs was davon haben, dass sie ihre Vergangenheit ein bisschen recherchieren können, aber zum anderen, was ich viel wichtiger finde: dass sie ehrenhaft und toll mit diesen Sachen umgehen können. Dass sie wissen, was das ist, dass sie wissen, was sie da mitbekommen und dass sie auch ordentlich damit umgehen können und nicht sagen, ich schmeiß das jetzt mal am Boden, ist mir egal, was das ist. Das ist mir wichtig. </p>
<p>MUSIK: Friendly Exploration</p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> </p>
<p>Der materielle Wert der gefundenen Schätze steht bei den Nachwuchs-Schatzsuchern ohnehin nicht an oberster Stelle. </p>
<p><strong>14 Knaben: </strong></p>
<p>Es macht Spaß / das Spannendste ist wenn das Piepen kommt / Du weißt nicht, was da kommt / dass man Gemeinschaft hat, zusammenhilft / dass die Sachen schon so alt sind / du das ausgräbst und dann ist das halt einfach irgendeine coole Sache.</p>
<p><strong>16 Hirte:</strong></p>
<p><strong> </strong>Der Schatz, da sagt das Gesetz, 984 BGB, dass das ein Gegenstand ist, eine Sache, die so lange verborgen war, dass man den Eigentümer nicht mehr ermitteln kann. Das heißt, da gibt&#39;s keinen Eigentümer, das sind in der Regel alte Sachen. Das ist so die ganz nüchterne Definition eines Schatzes.</p>
<p> </p>
<p> </p>
<p><strong>Sprecherin:</strong> </p>
<p>Sagt Markus Hirte im Rothenburger Kriminalmuseum. </p>
<p>Dabei kann es sich freilich grundsätzlich auch um vor langer Zeit verlorengegangene Dinge handeln. Denkt man beim Schatz aber an Schatzkästchen voller Schmuck, Gold oder Münzen, wurden die in der Regel absichtlich in der Erde vergraben oder in einem Geheimfach verborgen. Aus gutem Grund, wie der Museumsdirektor resümiert:</p>
<p><strong>17 Hirte:</strong></p>

<p><strong> </strong>Es war eine Zeit, wo es noch keine Sparkassen, wo es noch keine Banken gab, wo die Menschen auch noch nicht zu viele Habseligkeiten hatten. Die wurden dann aus Angst vor Überfällen oder um das Geld einfach ja sicher zu verwahren, in der Erde eingegraben. Das konnte aber auch ein Dieb sein, der was geraubt hatte, auf der Flucht dann seine Beute irgendwo versteckt. Ja, und dann stirbt der Dieb oder in der Familie bekommt der, der es versteckt hat, ein Herzinfarkt. Und dann ist keiner mehr da, der um den Fundort weiß. Und so gerät dann dieser Schatz in Vergessenheit und überdauert dann manchmal Jahre, Jahrhunderte und Jahrtausende.</p>
<p><br/></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>&quot;Der Hund oder ich!&quot; - Tiere in der Partnerschaft</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-hund-oder-ich-tiere-in-der-partnerschaft/2094926</link>
      <pubDate>Tue, 22 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">12736b31-c409-49be-bf11-6684777b9fd9</guid>
      <description>Haustiere können in Partnerschaften durchaus für Reibereien sorgen: Der Hund schläft im Bett, der neue Partner hingegen im Gästezimmer. Die Katze pinkelt auf die Klamotten des &quot;Nebenbuhlers&quot;, der in ihr Revier eingedrungen ist. Ohne viel Geduld und Kompromissbereitschaft läuft dann gar nichts. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22303104" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094926/c/feed/der-hund-oder-ich-tiere-in-der-partnerschaft.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Lamsfuß</itunes:author>
      <itunes:summary>Haustiere können in Partnerschaften durchaus für Reibereien sorgen: Der Hund schläft im Bett, der neue Partner hingegen im Gästezimmer. Die Katze pinkelt auf die Klamotten des &quot;Nebenbuhlers&quot;, der in ihr Revier eingedrungen ist. Ohne viel Geduld und Kompromissbereitschaft läuft dann gar nichts. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f158b5ec-de8f-422f-9066-9a4ffa290b3e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Haustiere können in Partnerschaften durchaus für Reibereien sorgen: Der Hund schläft im Bett, der neue Partner hingegen im Gästezimmer. Die Katze pinkelt auf die Klamotten des "Nebenbuhlers", der in ihr Revier eingedrungen ist. Ohne viel Geduld und Kompromissbereitschaft läuft dann gar nichts. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Julia Fischer, Thomas Birnstiel<br/> Technik: Helge Schwarz<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Silke Wechsung, Psychologin<br/>Prof. Andrea Beetz, Psychologin<br/>Eric Hegmann, Paartherapeut<br/>Tanja Brandt, Tierfotografin</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Als das Tier zum Freund wurde - Geschichte des Haustieres<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/als-das-tier-zum-freund-wurde-geschichte-des-haustieres/bayern-2/78753302/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>WirTier</strong><br/><strong>Folge 3: Underdogs</strong><br/><br/>Hannah studiert BWL. Bis ihr Hund Schoki einen schweren Unfall hat und danach an Epilepsie leidet. Hannah beschließt, Tierärztin zu werden. Um Hunden zu helfen, die krank oder verhaltensauffällig sind und die sonst keiner mehr haben will. WirTier-Host Vici im Hundehimmel – oder doch nicht so ganz? <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://1.ard.de/wir-tier-underdogs">HIER</a> geht es zum Podcast</p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong></p>
<p> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literaturtipps:<br/></strong></p>
<p>Silke Wechsung: Mensch und Hund: Beziehungsqualität und Beziehungsverhalten (Schriftenreihe Psychologie der Mensch-Tier-Beziehung) 2008, S. Roderer Verlag</p>
<p>Tanja Brandt: Die Eulenflüsterin. Lübbe Verlag, 2019</p>
<p><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-tier-psychologie-partnerschaft-eifersucht-liebe-konkurrenz-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Silke Wechsung (0‘12“)</p>
<p>Man kommt abends vom Arbeiten und der Hund wird fröhlich begrüßt und dann kommt erst mal lange nichts. Und irgendwann dann sagt man dann vielleicht auch mal der Ehefrau oder dem Ehemann „Hallo“. </p>
<p>O-Ton 2 Eric Hegmann (0‘10“): </p>
<p>„Es ist doch ganz normal, dass man sich morgens erst mal küsst und danach den Hund küsst.“ Wer sagt das? Wer sagt, dass das normal ist?</p>
<p>O-Ton 3 Tanja Brandt (0‘05“): </p>
<p>Für mich sind die Tiere komplett selbstverständlich. Ich denk mir jetzt nicht, dass da jemand Probleme mit haben kann. </p>
<p>O-Ton 4 Silke Wechsung (0‘07“)</p>
<p>Unabhängig vom Familienstatus ist der Hund für 35 Prozent aller Hundehalter der wichtigste Partner.</p>
<p>O-Ton 5 Tanja Brandt (0‘05“): </p>
<p>Die Hunde sind schon so ein bisschen Killer. Also ich glaube, die Beziehung wäre harmonischer ohne die Hunde. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Tiere in der Partnerschaft: Sie können die Zweierbeziehung bereichern, beide Partner gleichermaßen erfreuen. Mit einem Haustier zusammenzuleben, kann herzerwärmend sein, berührend, tröstend, verbindend und manchmal auch einfach unglaublich lustig. Gemeinsam für ein Lebewesen zu sorgen, kann beide Partner zusammenschweißen. Muss es aber nicht. </p>
<p>Musik:  Mysterious animal play (reduced) 0‘54</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Es geschah während der Corona-Pandemie. Lockdown. Das Leben stand mehr oder weniger still. Die Tierfotografin Tanja Brandt dachte sich: Ein neuer Partner wäre vielleicht nicht schlecht. Sie meldete sich bei einer Dating App an – mit bescheidenen Angaben: Alter, Ort und ein Bild von ihr, gemeinsam mit einer ihrer Eulen. Dass sie zudem mit zwei Steinkäuzen, zwei Habichtskäuzen, einem Wüstenbussard und zwei großen Hunden zusammenlebt, war ihr zunächst keine Erwähnung wert. Dass ein Mann damit Probleme haben könnte, kam ihr nicht in den Sinn, so selbstverständlich sind die Tiere für sie. Doch Chris hatte genau damit Probleme. </p>
<p>O-Ton 6 Tanja Brandt (0‘33“): </p>
<p>Irgendwann kam es zu diesem ersten Telefonat, was ja so schrecklich war, wir haben zwei Stunden über Hunde gestritten. Also über Frauen mit Hund. Und da hat er eben gesagt: „Auf gar keinen Fall kommt für ihn ne Frau mit Hund infrage, auf gar keinen Fall mit im Bett, und die Frauen mit Hund, die haben vielleicht psychisch Probleme, und wenn die dann die Hunde auch noch im Bett haben, das sind dann die Hunde, die so gar nicht folgen!“ Und ich hab während dem Telefonat meinen Ingo angeguckt, der so neben mir auf dem Bett lag, gemütlich, und er hat geschlafen, und ich hab gedacht: ‚Was stimmt mit dem Typen nicht?‘</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Für den Paartherapeuten Eric Hegmann entscheidet sich oft schon in der Kennenlernphase, ob das Modell ‚neue Liebe plus Haustier‘ überhaupt eine Chance haben kann. Für ein Online-Dating-Portal hat er eine Studie zu Tieren und Partnerschaft begleitet:</p>
<p>O-Ton 7 Eric Hegmann (0‘41“)</p>
<p>Dieser urbane Mythos, nach dem männliche Hundebesitzer bei Frauen besonders gut ankommen, das stimmt tatsächlich. Umgekehrt ist es anders: Männer fühlen sich durch Haustiere von Frauen eher bedroht. Und als besonders bedrohliches Tier ist das Pferd. Und meine Vermutung ist: Je zeitintensiver, je pflegeintensiver das Haustier ist, desto eher nimmt es eine Position ein, die mich als neuen Partner vielleicht auf Platz zwei setzt und das buche ich ja nicht, wenn ich eine Beziehung eingehe. Ich möchte ja Prio eins ein. </p>
<p>Musik: Discussion points (reduced 2) 0‘14</p>
<p>dann darüber</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Tierfotografin Tanja Brand und ihr Internet-Date Chris diskutierten weiter. Nacht für Nacht. Über Frauen und Hunde, und dass das ja gar nicht ginge. </p>
<p>O-Ton 8 Tanja Brandt (0‘24“): </p>
<p>Und dann sagt er plötzlich mitten in der Nacht „Ja, jetzt haben wir wieder ne Stunde gestritten, in der Zeit hättest du eigentlich hierherfahren können und nen Kaffee trinken. Und mich muss was gebissen haben, dass ich jetzt noch ne Stunde auf die Autobahn fahre zu nem Idioten und mit dem dann noch irgendwie in seiner Wohnung weiterstreite, den ich nicht mal kenne, ja, ich bin tatsächlich gefahren, und seither sind wir eigentlich zusammen. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Der Mann, der nie eine Frau mit Hund wollte. Und die Frau, deren Tiere ihr Lebensinhalt sind. Das birgt ordentlich Zündstoff.</p>
<p>Musik: Sparkling curiousity 0‘32</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Menschen und ihre Haustiere. Oft eine tiefe Liebesgeschichte. Sie öffnen unsere Herzen und gelangen in Bereiche, in die ein Mensch nie vordringen kann. Sie sind warm und weich und hingebungsvoll. Kein Mensch kann einen so bestechend und herzzerreißend ansehen. 34 Millionen Haustiere leben in deutschen Haushalten.</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Prof. Andrea Beetz ist Psychologin und erforscht Mensch-Tier-Beziehungen. Sie weiß aus ihren Forschungen: Ein Haustier ist nicht irgendein Wesen, sondern ein wichtiger Sozialpartner. </p>
<p>O-Ton 9 Andrea Beetz (0‘18“): </p>
<p>Das basiert darauf, dass in der Mensch-Heimtier-Beziehung die gleichen Mechanismen greifen, die wir auch in anderen engen Beziehungen nutzen. Nämlich das Bindungssystem und das Fürsorgesystem. Und das ist mit ganz vielen Hormonen verbunden, mit Stressregulation, mit der Regulation von Emotionen, sich wohlfühlen, sich sicher fühlen. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Das macht klar, warum ein Konflikt um ein Haustier viel tiefer geht als Streit über den Abwasch oder das neue Auto.</p>
<p>O-Ton 10 Andrea Beetz (0‘25“): </p>
<p>Gerade wenn die Tiere als junge Tiere zu uns kommen, dann versorgt man sie, man kümmert sich, und irgendwann werden die erwachsen, und dann ist es auch so, dass man selber sagt: Wenn es mir mal nicht so gut geht, geh ich da hin, hab den Kontakt und fühl mich irgendwie unterstützt und wird ruhiger. Und bin auch nicht allein. Und dadurch, dass das die gleichen Systeme sind, ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Beziehungen so eng werden und so emotional wichtig für den Menschen. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Tiere als Seelentröster, als Sozialpartner, für manche sogar die ganz große Liebe. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Wie wichtig Haustiere für viele Menschen sind, das hat die Psychologin Dr. Silke Wechsung in Bezug auf Hunde an der Uni Bonn erforscht:</p>
<p>O-Ton 11 Silke Wechsung (0‘11“): </p>
<p>Wir haben die Frage gestellt: Welchen Stellenwert hat der Hund in Ihrem Leben? Und da haben 35 Prozent der Hundehalter gesagt, dass der Hund für Sie der wichtigste, wichtigste Beziehungspartner ist.</p>
<p>Musik: Sandbath 0‘19</p>
<p>dann darüber: </p>
<p>O-Ton 12 Tanja Brandt (0‘09“): </p>
<p>Ich liebe meine Tiere! Ich würde für meine Tiere wahrscheinlich so ziemlich alles aufgeben! Ich leb mein komplettes Leben lang mit Tieren zusammen. Komplett! Und ich kenn das gar nicht anders. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wenn in diese tiefe Liebesbeziehung dann ein neuer Mensch eindringt, kann das eingespielte soziale Gefüge durcheinandergeraten. Denn ob er will oder nicht: Der oder die Neue tritt in Konkurrenz zu einem Lebewesen, das schon lange da ist. Einen festen Platz im Herzen hat und womöglich schon einige Partner kommen und gehen gesehen hat.</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Im Fall der Tierfotografin Tanja Brandt verlief das nicht unbedingt reibungslos. </p>
<p>O-Ton 13 Tanja Brandt (0‘33“): </p>
<p>Er kam dann irgendwann auch mal zu mir, und da musste ich ihm ja die Tiere direkt vorstellen. Ich hab ihm die ganzen Vögel vorgestellt, die fand er auch spannend, den Hund fand er … mittel.  Jetzt muss man dazusagen: Der Ingo ist halt nicht so begeistert, wenn da ein Typ reinschneit. Der passt halt schon auf mich auf! Und wenn da ne Hand in meine Richtung kommt, dann freut er sich da nicht so drüber. Er war auch nicht begeistert, dass er aus dem Bett ausquartiert wurde und dass er viele Sachen nicht mehr so machen durfte …</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Ingo ist ein Malinois, ein belgischer Schäferhund. Mit stark ausgeprägtem Schutztrieb. Er begleitet Tanja Brandt schon seit 12 Jahren überall hin, posiert auf unzähligen ihrer Fotos. </p>
<p>Musik:  Simple but complex behaviour 0‘17</p>
<p>Atmo Hund</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wenn eine Dreiecksbeziehung zwischen Mensch-Mensch und Tier entsteht, entsteht auch eine neue Ordnung. Oft verbunden mit dem Verlust von Privilegien. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Hund Ingo durfte nicht mehr mit im Bett schlafen. Was er keineswegs klaglos hinnahm. </p>
<p>O-Ton 14 Tanja Brandt (0‘31“): </p>
<p>Ich sag mal, so Romantik ist ganz schwierig, da schmeißt sich der Ingo nämlich gegen die Schlafzimmertüre, und wenn ich jetzt fünf Mal sag „Ingo, geh jetzt bitte in dein Körbchen“, dann geht er in sein Körbchen, und dann lässt er das auch, aber ich sag mal, so fünf Minuten später sitzt er dann vor der Schlafzimmertür und macht (ahmt Jaulen nach), das lenkt jetzt irgendwie auch ab, und ja, er kam auch tatsächlich einmal in das Bett gesprungen, mit Karacho, das fand er nicht lustig. Er ist halt so ein Schutzhund so ein bisschen. Beschützer.</p>
<p>O-Ton 15 Silke Wechsung (0‘19“)</p>
<p>Da Hunde eben sehr rang- und statusbewusst sind, werden sie erst mal versuchen, den Rang, den sie sich erarbeitet haben, auch zu erhalten. Das ist ja wie bei uns Menschen. Wenn ich erst mal ein bestimmtes Privileg habe, möchte ich das ja auch nicht ohne Not einfach so schnell wieder abgeben. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Doch wer denkt, dass nur Hunde ihren Unmut über den menschlichen Eindringling missmutig kundtun, der täuscht sich. Katzen stehen dem in nichts nach …</p>
<p>Musik: Animals playing catch 0‘25</p>
<p>dann darüber:</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Alex hatte sich gerade frisch verliebt. In eine Frau mit Katze. Die erste gemeinsame Nacht in der Studentenwohnung. Doch die war gleichzeitig Revier des alteingesessenen Katers. Alles endete mit einer Überraschung am nächsten Tag. Beim Aufwachen roch es irgendwie seltsam: </p>
<p>O-Ton 16 Alex (0‘25“) </p>
<p>Am nächsten Morgen wachte ich dann auf und dachte so: Mein schönes himbeerfarbenes, vornehmes Hemd zusammengefaltet? Und dann hab ich das ausgefaltet, und was musste ich darin entdecken? Da hatte der Kater einen Haufen da reingemacht. Offensichtlich um mich zu bestrafen für meine Anwesenheit oder um ein deutliches Zeichen seiner Missbilligung zu setzen, das war irre.</p>
<p>Musik:  Animals playing catch 0‘4</p>
<p>Atmo Katze</p>
<p>O-Ton 17 Alex (0‘25“)</p>
<p>Also offenbar hat ihm einfach nicht geschmeckt, dass ich da übernachtet hab, dann hat er sich die Mühe gemacht, da erst mal reinzumachen und das dann auch noch ordentlich zusammenzufalten. Also unglaublich, zu was für Aktionen ein solches Tier dann imstande ist, wir haben natürlich herzlich gelacht, und über die Jahre hinweg hat sich zwischen den Kater und mir dann durchaus eine gute Freundschaft entsponnen – tatsächlich beidseitig.</p>
<p>Musik: Stork’s walk 0‘22</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Das Tier, das eifersüchtig ist auf den Eindringling. Aus tierischer Sicht verständlich: Der neue Partner, die Partnerin sitzt auf dem Lieblingsplatz, bekommt die Aufmerksamkeit, die Zuwendung, die zuvor ausschließlich dem Tier galt. Das, so sagen Tierverhaltenstrainer, löst man am besten mit sehr viel Geduld und vorsichtiger Annäherung. So haben beide die Chance, sich langsam aneinander zu gewöhnen.</p>
<p>Doch Eifersucht gibt es auch auf der anderen Seite: nämlich dann, wenn das Haustier Privilegien genießt, die eigentlich dem Menschen zustünden, so die Psychologin Silke Wechsung. </p>
<p>O-Ton 18 Silke Wechsung (0‘20“): </p>
<p>Wenn man sich immer mal damit beschäftigt, wie viele Stunden am Tag sich eben mit dem Tier beschäftigt wird im Vergleich zu dem, wie viele Stunden am Tag sich mit dem Partner oder den Kindern beschäftigt wird, dann fällt doch auf, dass der Hund einfach unheimlich viel Aufmerksamkeit bekommt.</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Paartherapeut Eric Hegmann sagt: Unter zahlreichen Konflikten liegen häufig viel tiefere Themen: </p>
<p>O-Ton 19 Eric Hegmann (0‘29“): </p>
<p>Es geht bei dem Konflikt um Haustiere häufig um das eigene Bedürfnis nach Anerkennung, nach Gesehenwerden, dieses Gefühl ‚bist du für mich da? Kann ich mich auf dich verlassen?‘ Und wenn ich immer wieder den Eindruck habe: ‚Für dein Haustier machst du alles! Das Tier hustet einmal, und schon sind wir beim Tierarzt. Und du lässt alles stehen und liegen. Ich liege mit Grippe im Bett, und ich bekomme noch nicht mal ne Suppe!‘</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>In ihrer Forschungsarbeit über die Mensch-Hund-Beziehung ist Silke Wechsung auch auf einige extreme Ausprägungen gestoßen:</p>
<p>O-Ton 20 Silke Wechsung (0‘12“): </p>
<p>Wo der Hund dann vorne im Auto mitfährt, auf dem Beifahrersitz und die Partnerin hinten im Auto sitzt. Oder Menschen, die dann eben mit dem Hund das Schlafzimmer teilen, während der Partner in einem Nebenraum schläft. </p>
<p>O-Ton 21 Eric Hegmann (0‘14“): </p>
<p>Hier würde ich schon fragen „Ist das wirklich eine Rolle, die Sie auf Dauer einnehmen wollen? Kommen Sie damit zurecht? Wie ist das, wenn Sie „Schichtwechsel“ haben: Sie steigen aus dem Bett aus und der Hund kommt da rein. Wie fühlen Sie sich dabei?“</p>
<p>Musik:  In this together 0‘17</p>
<p>dann darüber:</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Es vergeht kaum ein Tag, erzählt Tierfotografin Tanja Brandt, an dem sie nicht mit ihrem Partner Chris über den Hund Ingo streitet. </p>
<p>O-Ton 22 Tanja Brandt (0‘28“): </p>
<p>Der Chris, der ist auch selbstständig und hat hier so Online-Kurse. Und diese Online-Kurse, die kennt der Ingo ganz genau. Und dann setzt der sich natürlich in dem Nachbarraum an die Wand und macht die ganze Zeit ahmt Bellen nach. Drei Stunden lang. Der Chris sagt dann auch „super, ich war den ganzen Tag mit dieser Winsel-Stute hier alleine!“ und da kriegen wir dann auch Krach. Weil er dann echt gereizt ist. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Trotz alledem verstehen sich die Tierfotografin und ihr Partner sehr gut, sogar so gut, dass sie sich zusammen ein altes, renovierungsbedürftiges Haus gekauft haben. Dort gibt es klare Regeln.  Die wichtigste: Chris hat sein eigenes Zimmer, zu dem Malinois Ingo keinen Zutritt hat. Doch es kam der Tag, an dem der Hund die Tür irgendwie aufbekommen haben muss. </p>
<p>O-Ton 23 Tanja Brandt (0‘22“): </p>
<p>Er hat dahingepullert, an das Sofa. Das würde der nie machen normalerweise. Das ist so Protest bei ihm einfach. Die Aktion die hab ich gar nicht mitbekommen. Weil ich ja geschlafen hab. Die hat mir der Chris ja wutentbrannt am nächsten Morgen erst erzählt. (…) und wenn ich um die Ecke komme, dann liegt der Ingo natürlich irgendwo in seinem Körbchen und guckt ganz unschuldig! </p>
<p>Musik: Cute rodent (reduced) 0‘10</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Mit den Greifvögeln kommt Chris gut klar. Mit dem zweiten Hund, dem Wolfshund Dio auch. Dio verehrt Chris und folgt ihm überall hin. Wenn da nur nicht seine gefühlt Millionen einzelner Haare wären, die wirklich überall rumfliegen. Das Hundehaar-Drama beginnt bereits morgens im Bett, beim Aufstehen: </p>
<p>O-Ton 24 Tanja Brandt (0‘23“): </p>
<p>Ja, der hat so zarte Füße! Der Chris hat ganz zarte Füße tatsächlich! Und er geht auch so aus diesem Bett raus: Er schwingt die Füße so seitlich und hält die nach oben. Und dann hat er die Socken parat liegen und die Schuhe, und dann schlüpft der da rein in die Socken und in die Schuhe. Und wenn das sein muss, dann wird dann noch abgefusselt. Damit er ja nicht mit den Füßen auf diesen Boden muss, wo vielleicht Hundehaare sind oder so. Also er läuft hier nicht mit Socken rum. Auf gar keinen Fall. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Zusammenleben mit Haustieren: Das kann ein Traum sein – vor allem, wenn sich beide bestenfalls gemeinsam ein Tier ausgesucht haben. Und es kann zum Albtraum werden. Wenn es ein eingespieltes Mensch-Tier-Team gibt, eine tiefe Bindung, viel Liebe – und oft auch viele Konflikte. Denn die Intensität dieser besonderen Bindung ist nicht zu unterschätzen:</p>
<p>Musik: Sad clown in the rain 0‘48</p>
<p>einbetten:</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wenn sie krank sind, kommen wir um vor Sorge. Wenn sie ihren letzten Atemzug machen, dann ist es, als ginge die Welt unter. Auch wenn die Trauer anders ist: In der Tiefe ähnelt sie dem Verlust eines geliebten Menschen, so die Psychologin Andrea Beetz:</p>
<p>O-Ton 25 Andrea Beetz (0‘19“): </p>
<p>Vor allem wenn wir ein Tier verlieren, im Sinne von es stirbt, dann merken ganz viele, wie eng und wie wichtig dieses Tier ihnen war, und heute wird das viel mehr zugegeben. Das ist heute viel akzeptierter, wenn Sie sagen „ich trauere“. Das war vor 20, 30 Jahren noch nicht so sehr der Fall. Jede dieser Beziehungen ist einzigartig. </p>
<p>Musik weg</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>So einzigartig, dass manch ein Tierhalter behauptet: Tiere seien die besseren Menschen. Ja, eigentlich mehr noch: Die idealen Partner: Sie sind treu, immer da, enttäuschen nie. Das Tier als Partnerersatz anzusehen, so Paartherapeut Eric Hegmann, sei jedoch ein Trugschluss:</p>
<p>O-Ton 26 Eric Hegmann (0‘24“): </p>
<p>Wo gesagt wird „Die bedingungslose Liebe, die ich von meinem Haustier erlebe, die erlebe ich niemals mit einem Menschen. (…) ‚Bedingungslose Liebe‘, das ist ein spannender Gedanke. Der kommt aber auch mit der Frage: Steht vielleicht bedingungslose Liebe für dieses tiefe menschliche Bedürfnis nach Sicherheit in der Liebe? Aber bedingungslose Liebe von Tieren hat in der Realität auch ganz viel mit Abhängigkeit zu tun. </p>
<p>Musik:  Healing process  0‘31</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die fast kindliche Sehnsucht nach der bedingungslosen Liebe, nach der totalen Akzeptanz. In erwachsenen, ebenbürtigen Beziehungen kaum zu finden. All diese Sehnsüchte in das Tier zu projizieren und es zum Partnerersatz zu machen, mag verlockend sein. Doch die Konflikte sind dann vorprogrammiert. Und wie löst man die?</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Paartherapeut Eric Hegmann sagt: Mit Mut. Und Offenheit. Und der Bereitschaft, über die wirklich relevanten Fragen zu sprechen: </p>
<p>O-Ton 28 Eric Hegmann (0‘37“): </p>
<p>Das Thema Haustier, das steht natürlich noch für ganz andere Sachen: für Selbstwert. Für meine Vorstellung von Beziehungs-Dynamik. Für meinen Wunsch nach Aufmerksamkeit. Für meinen Wert, wie viel gemeinsame Zeit ich mit meiner Partnerin, mit meinem Partner verbringen möchte. Das sind letztlich die Gesprächsangebote, die Partner einander machen können und sollten, wenn es um Konflikte geht. „Erzähl mir mehr, warum dir das so wichtig ist. Ich erleb das anders. Ich erleb das bedrohlich. Ich erlebe da Schmerzen.“</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Und: Konflikte über Haustiere sind manchmal nur stellvertretend für tieferliegende Partnerschafts-Themen:</p>
<p>O-Ton 29 Eric Hegmann (0‘28“): </p>
<p>Das kommt daher, weil eben das Haustier zum Teil einer Beziehungsdynamik werden kann, wenn beide Partner es lassen. Es ist nicht das Haustier. Das wird schnell zum Gegner. Sondern wie gehen wir damit um, dass ich dieses Bedürfnis, das ich habe: morgens in den Arm genommen zu werden, dass ich das nicht bekomme von dir. Und stattdessen sehe ich: Das bekommt der Hund! Wie gehen wir damit um?</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Sich diesen Konflikten zu stellen, kann bereichernd für die Beziehung sein, so Eric Hegmann. </p>
<p>Musik: Good results 0‘19</p>
<p>darin einbetten</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Tierfotografin Tanja Brandt, ihr Freund Chris und ihre vielen Tiere haben sich nach all den Jahren irgendwie arrangiert. Eine Art Burgfrieden geschlossen. Weitgehend. </p>
<p>O-Ton 31 Tanja Brandt (0‘14“): </p>
<p>Also sie versuchen sich zu akzeptieren. Der Ingo weniger, aber der Chris versucht ihn zu akzeptieren. Also der Chris weiß halt, dass mein Hund mir wichtig ist. Und der weiß auch, wie viel ich mit ihm erlebt habe. Und klar: Der würde natürlich nie sagen „Dieser Hund muss weg!“ </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Natürlich wäre es perfekt, wenn Chris die Hunde und die Vögel genauso lieben würde, wie Tanja Brandt es tut. Aber was ist schon perfekt?</p>
<p>O-Ton 32 Tanja Brandt (0‘16“): </p>
<p>Wir haben wirklich gemeinsam sehr viel zu lachen, sehr viel Humor, ich mach ihm auch schon viel Geschenke und Überraschungen und koch für ihn, ich mach schon viel für ihn. Ich versuche schon, ihm viel angenehm zu machen. Ich weiß das auch total zu schätzen. Und ich versuche, ihm das schon zurückzugeben! </p>
<p>Musik: Feeling good 0‘23</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Bei allen Eifersüchteleien, Revierkämpfen, Machtspielchen, die in einer Mensch-Tier WG entstehen können, darf eins nicht vergessen werden: Das Zusammenleben mit Tieren kann auch eine ganz große Bereicherung sein und sich positiv auf die Beziehungsqualität auswirken:</p>
<p>O-Ton 33 Silke Wechsung (0‘31“)</p>
<p>Da ist das Tier sogar eher Beziehungskatalysator, weil man ja, wenn beide Beziehungspartner tierlieb sind und da Spaß haben, natürlich auch ein gemeinsames Hobby haben, gemeinsamen Gesprächsstoff haben, letztlich ein Tier haben, für das sie gemeinsam sorgen können, mit dem sich gemeinsam beschäftigen können. Also das heißt, das gibt es sehr, sehr oft, dass Tiere eher beziehungsförderlich sind. Voraussetzung ist aber: Beide haben Spaß daran.</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Und wer weiß: Vielleicht entdecken Chris und Hund Ingo ja eines Tages ihre Liebe füreinander. Nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen…</p>
<p>Musik:  Cute rodent (reduced) 0‘30</p>
<p>O-Ton 34 Eric Hegmann (0‘27“): </p>
<p>Und da habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn das Paar eine gute Lösung gefunden hat, mit der beide Partner zufrieden sind, dann geht es auch dem Tier besser, weil es nicht zum Spielball wird zwischen den Partnern. Dann wäre mein Ratschlag: Versuchen Sie, einen guten Weg zu finden, wie Sie beide glücklich werden mit dem Tier, dann wird auch das Tier glücklich sein!</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Du kluge Kuh - Das überraschende Sozialverhalten der Kühe</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/du-kluge-kuh-das-ueberraschende-sozialverhalten-der-kuehe/2107721</link>
      <pubDate>Mon, 21 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a0c9f9bf-8547-4ef4-bfdd-c9bb6d9ea93b</guid>
      <description>&quot;Dumme Kuh!&quot; lautet eine gängige Beschimpfung. Doch die Nutztiere sind alles andere als dumm: Rinder sind sehr soziale Tiere. Sie bauen Freundschaften auf, haben starke Bindungen zu ihrem Nachwuchs und zeigen Gefühle. Autorin: Claudia Steiner (BR 2025) </description>
      <enclosure length="22487424" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107721/c/feed/du-kluge-kuh-das-ueberraschende-sozialverhalten-der-kuehe.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:25</itunes:duration>
      <itunes:author>Steiner, Claudia</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Dumme Kuh!&quot; lautet eine gängige Beschimpfung. Doch die Nutztiere sind alles andere als dumm: Rinder sind sehr soziale Tiere. Sie bauen Freundschaften auf, haben starke Bindungen zu ihrem Nachwuchs und zeigen Gefühle. Autorin: Claudia Steiner (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6cb601ff-530b-4897-9a13-dba50a9b34fe.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Dumme Kuh!" lautet eine gängige Beschimpfung. Doch die Nutztiere sind alles andere als dumm: Rinder sind sehr soziale Tiere. Sie bauen Freundschaften auf, haben starke Bindungen zu ihrem Nachwuchs und zeigen Gefühle. Autorin: Claudia Steiner (BR 2025) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Berenike Beschle <br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Bernhard Kastner </p>
<p><strong>Im Interview: </strong></p>
<p>Maximilian Knoller, Landwirt vom Seekuhhof in Dießen am Ammersee; </p>
<p>Dr. Jan Langbein, Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf in Mecklenburg-Vorpommern; </p>
<p>Prof. Dr. Dr. Eva Zeiler, Landwirtin und Professorin für Tierproduktionssysteme in der ökologischen Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.<br/> </p>
<p><br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/podcast-anna-und-die-wilden-tiere">Der Podcast zur bekannten Fernsehsendung Anna und die wilden Tiere für Kinder</a> </p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>WirTier – Ein Podcast über die Begegnung von Mensch und Tier - <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wirtier-1-wespenschwaermerei/bayern-2/14557187/">HIER</a></p>
<p><br/></p>
<p>WirTier Folge 04 - Auf Kuh-Fühlung <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wirtier-4-auf-kuh-fuehlung/bayern-2/14666911/">HIER</a></p>

<p>Das Schwein - Verkanntes Borstentier <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-schwein-verkanntes-borstentier/bayern-2/13193385/">HIER</a></p>

<p>Multitalent Pferd - Freund, Lasttier und Kriegsgerät <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/multitalent-pferd-freund-lasttier-und-kriegsgeraet/bayern-2/78749824/">HIER</a></p>

<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Erfolgreiches Rinderhandling, Wahrnehmen, verstehen, kommunizieren</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zum PDF" href="https://www.bioland.de/fileadmin/user_upload/Erzeuger/Fachinfos/Merkblaetter/Erfolgreiches_Rinderhandling.pdf">HIER</a></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Kuhgebundene Kälberaufzucht</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zum PDF" href=", https://www.alb-bayern.de/media/files/0005/4ba7-kuhgebundenek-lberaufzucht.pdf">HIER (PDF)</a></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Forscher lehren Kühe aufs Klo zu gehen</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.agrarheute.com/tier/rind/forscher-lehren-kuehen-aufs-klo-gehen-571142">HIER</a></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Der Sprachführer: Kühe verstehen</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardmediathek.de/video/quarks/der-sprachfuehrer-kuehe-verstehen/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTZjMDFkMTUxLTQyMzYtNDlkZS05NTM2LWMzYjM3ZmE0ZjJhNg">HIER</a></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Körpersprache von Kühen</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Sendung" href="https://www.ardmediathek.de/video/unser-land/ackerbauern-im-winter-oder-koerpersprache-von-kuehen-oder-brustbeinbrueche-bei-huehnern/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9XT046MzE1NDA5OTk4ODEzX0YyMDIxV08wMjU5ODJBMDpjaGFubmVsXzI4MTA3">HIER</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-du-kluge-kuh-sozialverhalten-der-kuehe-nutztier-tier-kuh-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>MUSIK </p>
<p>ATMO 1 / 2 (Schmatzen, Schnaufen, Muh) </p>

<p>SPRECHERIN </p>
<p>Kühe leben in Herden – mit einer klaren Hierarchie. Wer Chefin ist, hat das Sagen, auch im Stall. Und die Jüngeren, Schmächtigeren müssen sich unterordnen und auch mal zur Seite gehen, wenn die Ranghöhere kommt.  </p>

<p>01 Zsp Kuh  (Knoller) </p>
<p>Das war jetzt auch wieder so eine Art kurzer Konflikt, weil die eine, die jetzt weggeht, die hat noch kein Halsband. Die hat noch nicht gekalbt. Die läuft gerade in der Herde mit, um das mal alles kennenzulernen. Und die andere hat jetzt mal gesagt: Ne, du bist hier nicht die Chefin. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>…sagt Maximilian Knoller vom Seekuhhof in Dießen am Ammersee. In seinem Biobetrieb können 75 Milchkühe und gut 30 Kälber und Jungtiere in verschiedenen Bereichen im Stall herumlaufen. Von April bis Oktober sind die Tiere auf der Weide. Doch wenn es im Sommer zu heiß ist, kommen die Kühe auch freiwillig zurück in den kühlen, schattigen Stall. Sie haben nämlich eine Wohlfühltemperatur zwischen vier und 16 Grad. </p>

<p>ATMO 1 / 2 </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Milchkühe befinden sich auf der rechten Seite des Stalls, die jüngeren – nach Alter gruppiert – auf der linken. In der Mitte ist ein Wellness-Bereich mit Bürste, die anfängt sich zu drehen, wenn die Tiere dagegen stoßen. Im Sommer gibt es noch eine kühle Dusche von oben. Einige Kühe fressen Heu, andere liegen auf Stroheinstreu oder Gummimatten, wieder andere gehen herum. Dass es in Herden klare Rangordnung gibt, sagen auch Wissenschaftler. Der promovierte Verhaltenswissenschaftler Jan Langbein arbeitet am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf in Mecklenburg-Vorpommern.</p>

<p>02 Zsp Kuh (Langbein) </p>
<p>Kühe leben in sozialen Gruppen, …  und haben innerhalb dieser Gruppe dann über kurz oder lang eine stabile Rangordnung ausgebildet. Wo also ganz klar ist, wer ist das Alphatiers in der Gruppe und zuerst Zugang zu bestimmten Ressourcen hat, beziehungsweise wer in der Rangordnung weiter unten steht und sich unterordnen muss. </p>

<p>MUSIK</p>
<p>ATMO 1/ 2 </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Dumme Kuh!“, lautet eine gängige Beschimpfung. Doch tatsächlich sind Rinder alles andere als dumm. Sie sind lernfähig, haben Gefühle und sogar beste Freundinnen. Die Haltungsbedingungen haben jedoch einen großen Einfluss darauf, inwieweit Kühe ihre natürliche Interaktion mit anderen Artgenossen ausleben können. Die Verbindung von Kuh zu Kuh ist eng. Forscher beobachten unterschiedlichste Kontakte. Eva Zeiler nennt als Beispiel die gegenseitige Fellpflege. Die Landwirtin und Tierärztin ist Professorin für Tierproduktionssysteme in der ökologischen Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.</p>

<p>03 Zsp Kuh (Zeiler) </p>
<p>Dieses gegenseitige Belecken - sei es jetzt an der Schulter oder Halsregion oder Kopfregion - das kann man ja auch auf der Weide immer wieder sehen oder auch im Stall. Das ist nicht nur: Ich pfleg dir jetzt das Fell. Sondern das ist schon auch so ein: „Ich mag dich …“. </p>

<p>SPRECHERIN</p>

<p>Tatsächlich gibt es sogar Hinweise darauf, dass Kühe manche Tiere aus der Herde lieber mögen als andere. Man könnte sagen, sie haben beste Freundinnen. Dafür erfasste ein Team um Jan Langbein in vier Durchgängen mit einem automatischen Tracking-System jeweils die Bewegungsmuster von Gruppen mit 12 bis 15 Tieren im Stall – je über zwei Wochen. </p>

<p>04 Zsp. Kuh (Langbein) </p>
<p>Wir haben in einem ersten Schritt in Auswertung dieser Tracking-Daten in mehreren Durchgängen nachweisen können, dass bestimmte Tiere mit bestimmten anderen Tieren in der Gruppe überdurchschnittlich häufig in benachbarten Liegeboxen liegen, während sie mit anderen Tieren in der Gruppe unterdurchschnittlich häufig benachbarte Liegeboxen besetzen. Und dann haben wir uns solche Paare rausgenommen und haben mal postuliert, möglicherweise ist das ein Hinweis auf ein gutes oder ein spezielles freundschaftliches, in Anführungsstrichen, Verhältnis miteinander. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Anschluss daran wurde diese Annahme mittels des sogenannter Social Buffering Tests überprüft. Dabei wurden die Kühe von der Gruppe getrennt und verbrachten 30 Minuten mit ihrer bevorzugte Liegenachbarin in einem unbekannten Raum. Trennung von der Gruppe, neue Umgebung – das bedeutet Stress für die Tiere. In einem weiteren Versuch verbrachten die Rinder erneut 30 Minuten in dem Raum, dieses Mal aber mit einem Tier, zu dem sie offenbar keine enge Bindung haben. In beiden Situationen maß das Team zu Beginn und am Ende des Versuchs das Bindungshormon Oxytocin, das Stresshormon Cortisol sowie die Herzfrequenz - und sie beobachten das Verhalten der Kühe. Jan Langbein: </p>

<p>05 Zsp. Kuh (Langbein) </p>
<p>Das heißt, einmal ist in der Stresssituation ein Buddy dabei und einmal ist jemand dabei, zu dem gar keine große Beziehung besteht. Und wir wollten wissen: Wenn diese Paare, die wir aufgrund der gemeinsamen Liegeboxen oder benachbarten Liegenboxen-Benutzung gefunden haben, so etwas wie Buddys sind, dann sollte sich das in so einer Stresssituation bemerkbar machen - dahingehend, dass der bevorzugte soziale Partner diese Stresssituation besser abpuffert als jedes andere Tier, also ein beliebiges anderes Tier.</p>

<p>SPRECHERIN</p>

<p>Noch sind nicht alle Daten ausgewertet – die Forscher hoffen aber, nachweisen zu können, dass Kühe soziopositive Beziehungen, also so etwas wie beste Freundinnen haben. Auch Maximilian Knoller kennt solche Beispiele. In seinem Stall sind die jüngeren Tiere nach Alter gruppiert und durch Gitter getrennt. Wenn ein Tier aus der Gruppe noch kleiner ist als die anderen, kommt es noch nicht in die nächsthöhere Gruppe. </p>

<p>06 Zsp Kuh (Knoller) </p>
<p>Und wenn dann aber zwei, drei Tage immer noch von der Box nach drüben gerufen wird, dann weiß man: Okay, da war anscheinend noch ein Kalb, was mit dem ziemlich dicke war ((und jetzt natürlich irgendwie getrennt wurde. … Die sehen sich, die haben den Sichtkontakt, die können sich immer noch beschnuppern. Aber sie sind halt nicht ganz beieinander, da ist eigentlich nur ein Gitter dazwischen. Aber da könnte man schon darauf anspielen zu sagen: Okay, da haben die Tiere auch eine Bindung untereinander aufgebaut, die derzeit gerade durch dieses Gitter getrennt wird.)) </p>

<p>Atmo Kuhglocken / Alm (Schallarchiv) </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die folgende Geschichte von Eva Zeiler, die aus dem steirischen Ennstal stammt, mag anekdotisch klingen. Aber sie verdeutlicht, wie eng die Tiere mit ihrer Herde verbunden sind. Sie hatten zuhause eine Leitkuh. Susi war jeden Sommer auf der Alm. </p>

<p>07 Zsp Kuh (Zeiler) </p>
<p>Ich glaub, sie war damals zwölf Jahre alt, also richtig alt für eine Kuh. Und dann haben wir beschlossen, ne, wir lassen jetzt unten, sie darf nicht auf die Alm, weil sie ist halt einfach schon gebrechlich, sie ist einfach schon alt. Und die anderen Kühe wurden aufgetrieben, und die Susi muss unten bleiben und die ist richtig depressiv geworden. Die … war richtig fertig. So nach dem Motto: Jetzt haben sie mich abgeschrieben. Und wir haben gesagt, ja gut, die frisst nimmer gescheit. Und der Tierarzt hat nichts gefunden. (…) Ja, wir haben sie letztendlich dann vier Tage später nachgetrieben, weil wir einfach gesagt haben: Hilft ja nichts, entweder du brichst Dir oben jetzt die Haxen. Aber die hat das dann noch drei Sommer lang durchgezogen. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Trennung – auch wenn einzelne Tiere verkauft oder zum Schlachter gebracht werden - und Neugruppierung bringen Unruhe in die Herde. Dieser Stress kann sich negativ auf die Gesundheit und auch die Milchproduktion auswirken. Eine mögliche Konsequenz für Nutztierhalter könnte sein, dass sie versuchen, die Gruppen so stabil wie möglich zu halten oder wenigstens beste Freundinnen nicht zu trennen.</p>

<p>MUSIK</p>
<p>ATMO 1 / 2 + Kuhglocke (Schallarchiv)  </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch die Bindung zwischen Kuh und Kalb ist sehr eng. Mütter beschützen ihr Kalb - zum Beispiel auch auf der Alm. Angriffe von Kühen auf Wanderer hängen meist damit zusammen, dass Menschen den Kleinen zu nahegekommen sind. </p>

<p>MUSIK </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damit Kühe ihr Leben lang Milch geben, müssen sie etwa einmal pro Jahr ein Kalb bekommen. Der Durchschnitt pro Tier in Bayern lag 2023 bei 8.300 Kilogramm Milch, Öko-Kühe gaben im Schnitt zwischen 6.100 und 7.500 Kilogramm Milch. In vielen Betrieben werden die Tiere künstlich besamt. In nur wenigen Bauernhöfen bleiben die Kälber nach der Geburt bei der Mutter oder wahlweise bei einer Amme. In dem Fall werden die Kälber gesäugt. Die Kühe werden trotzdem gemolken. Der Bauer oder die Bäuerin verzichtet aber auf einen Teil der Milch. Diese Art der Aufzucht benötigt allerdings separate Stallungen oder Begegnungsstätten. Eva Zeiler forscht zum Thema kuhgebundene Kälberaufzucht. Sie sieht klare Vorteile: </p>

<p>08 Zsp. Kuh (Zeiler) </p>
<p>Wir merken ganz genau, dass die Kälber die kuhgebunden aufgezogen werden, sei es jetzt bei der Amme oder bei der eigenen Mutter, dass die eine ganz andere Sozialkompetenz haben, wenn die dann später wieder in den Herdenverbund als Jungkuh zurückkommen. Also die haben … diesen Kuh-Knigge erlernt und meistern den auch gut und können damit in diesen neuen, doch auch stressigen Situationen viele kompetenter umgehen. (…) ((Wenn ich da eine Kindergartentante – spricht eine Amme oder die Mama - dabei habe, dann lernen die Kälber halt schon von klein auf: Wie ist die Interaktion? Wie ist die Rangordnung? Wie funktioniert das?)) </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Derzeit werden Kälber jedoch oft so aufgezogen, dass sie in Gruppen mit anderen Kälbern gehalten werden, die etwa gleich alt sind. Das heißt: Sie sind zuerst im Kälberbereich, danach im Jungtierbereich. Ab einem Alter von etwa 15 Monaten können sie frühestens zum ersten Mal besamt werden. Die Kuh ist dann neun Monate lang trächtig. Erst nach dem ersten Kalb kommt das Tier in die Gruppe der Milchkühe. Lernen von Größeren ist so nicht möglich. Eva Zeiler: </p>

<p>09 Zsp Kuh (Zeiler) </p>
<p>Und da ist keiner dabei, der sagt: Ne, so macht man das nicht, benimm dich. Und da müsste man stallbautechnisch schon, denke ich, bissl trauen, neue Wege zu gehen. </p>

<p>ATMO 3 / 4 Kälber-Muh/Schnaufen, Rumlaufen </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>((Auch im Biolandbau dürfen Kuh und Kalb direkt nach der Geburt getrennt werden. Auf dem Hof von Maximilian Knoller wachsen die Kälber ebenfalls nicht zusammen mit der Mutter auf, vor allem weil der Stall dafür nicht ausgelegt ist. Kälber mögen es zum Beispiel etwas wärmer als adulte Tiere, vertragen weniger Zugluft und sind empfindlicher gegenüber Keimen. Die Kälber bekommen die sogenannte Biestmilch aus einem Tränkeeimer mit Saugaufsatz. Diese gelbe, dickflüssige Milch, die die Kuh direkt nach der Geburt produziert, ist reich an Mineralstoffen und Antikörpern, was wichtig für das Immunsystem der Kleinen ist.)) Manche Höfe – auch im Biolandbau - trennen Kuh und Kalb direkt nach der Geburt, manche nach ein paar Tagen, einige wenige Betriebe erst nach Wochen oder Monaten. Jeder Tag, an dem Kuh und Kalb zusammenbleiben können, sei ein gewonnener Tag, sagt Eva Zeiler.  </p>

<p>10 Zsp. Kuh (Zeiler) </p>
<p>Es ist nachgewiesen, dass die Kälber, die bei den Kühen länger bleiben können - und ich bin jetzt nicht bei drei Tagen, sondern bei drei Monaten - dass die Kühe immer wieder den Peri-Analbereich zum Beispiel sauber lecken und dadurch Durchfallerreger-Keime vom Kalb aufnehmen und automatisch Antikörper bilden. Und das wiederum trinkt das Kalb dann wieder mit und wird dadurch wieder vital und hat ein besseres Immunsystem. </p>

<p>SPRECHERIN </p>
<p>Je länger Kalb und Kuh zusammenbleiben, desto stärker ist in der Regel die Bindung. Dies führt dann häufig dazu, dass die Kuh nach der Trennung nach ihrem Kalb sucht und nach ihm ruft – oft tagelang. Trotz des Trennungsschmerzes sieht auch Jan Langbein Vorteile, wenn Mutter und Kalb lange zusammenbleiben. </p>

<p>11 Zsp. Kuh (Langbein) </p>
<p>Dadurch, dass das Kalb … bei der Mutter trinken kann, hat es ein besseres Wachstumsverhalten, eine wesentlich stabilere Tiergesundheit und in dieser Zeit auch ein reiches emotionales Erleben, was die Tiere möglicherweise dann trotz der folgenden Trennung resilienter macht, also widerstandsfähiger macht, für alles das, was auf das Tier in Zukunft noch zukommt.</p>

<p>MUSIK </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kühe lernen schnell. Wenn sie zum Beispiel regelmäßig mit ihren Namen angesprochen werden, erkennen sie diesen. Auch reagieren sie auf Lockrufe. Auf Youtube gibt es ein Video eines ostfriesischen Bauern, der seinen Kühen: „Komm her, komm“ zuruft. Die Tiere auf der Weide trotten daraufhin recht zügig in Richtung Stall. Rinder können - wie viele Tiere - konditioniert werden: Positives Verhalten kann zum Beispiel durch Futter belohnt und verstärkt werden. Diese Tatsache nutzte ein Team um Jan Langbein, für ein Toilettentraining. </p>


<p>12 Zsp. Kuh (Langbein) </p>
<p>Wir alle müssen lernen, auf die Toilette zu gehen. Unsere Babys lernen das, Hund und Katze lernen das. Warum sollte jetzt ausgerechnet das Rind dazu nicht in der Lage sein?</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dahinter steckt ein ernsthaftes Problem: Kühe sind für einen großen Teil der Ammoniakemissionen verantwortlich. Ammoniak ist ein umweltschädliches Gas. Eine Kuh scheidet pro Tag etwa 20 bis 30 Liter Urin aus. Wenn sich im Stall Urin und Kot vermischen, dann läuft folgende chemische Reaktion ab:  Das von Bakterien im Kot gebildete Enzym Urease spaltet den Harnstoff. Der Harnstoff im Urin wird dann mithilfe von Wasser in Ammoniak und Kohlendioxid aufgespalten. Nach Angaben des Umweltbundesamts stammen mehr als 70 Prozent der gesamten Ammoniakemissionen aus der Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel – der Anteil aus der Rinderhaltung beträgt 43 Prozent.  </p>

<p>ATMO 1/ 2 + Kuh pieselt/kackt (Schallarchiv) </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wenn die Tiere allerdings lernen, nur in einem bestimmten Bereich des Stalls zu urinieren, können Urin und Kot getrennt und Ammoniakemissionen deutlich reduziert werden. Mit insgesamt 16 Kälbern machte das Team ein Toilettentraining. Wenn die Tiere an einem speziellen Ort im Stall urinierten, bekamen sie eine Belohnung in Form von Melasse oder gequetschter Gerste. Wenn sie nicht in der dafür vorgesehenen Latrine urinierten, kam für wenige Sekunden ein kurzer Wasserstrahl von oben. Jan Langbein: </p>

<p>13 Zsp. Kuh (Langbein) </p>
<p>Von diesen 16 Kälbern haben elf gelernt, zuverlässig die Latrine aufzusuchen, sprich 75 Prozent aller Urinationen in der Latrine zu machen. Und das war ein relativ kurzer Trainingszeitraum, manche der Tiere haben das in 5, 6, 7 Trainingssessions von jeweils 30 Minuten gelernt. / ((Was wirklich faszinierend zu sehen war, dass manche Tiere im Verlauf des Trainings sich selbst korrigiert haben. Das heißt also, die standen auf dem Gang zwei, drei Meter vor der Latrine und haben dann angefangen zu urinieren. Die Dusche setzt ein. Sie haben gestoppt, den Urinationsvorgang, sind in die Latrine gegangen und haben dann fortgesetzt.))  </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Jan Langbein geht davon aus, dass mit ausreichend Zeit auch die übrigen Kälber noch gelernt hätten, die Latrine aufzusuchen. Bis so ein System in der Praxis umgesetzt werden kann, wird es aber dauern. So muss zum Beispiel auch noch geklärt werden, wie sich die Tiere bei einer kombinierten Stall- und Weidehaltung verhalten.</p>

<p>Musik </p>
<p>ATMO 1 / 2 oder Schallarchiv </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Landwirte berichten, dass sich Kühe vom Charakter unterscheiden. Manche sind zurückhaltend wie die 16 Jahre alte Edith. Die gescheckte Kuh ist deutlich älter als die anderen Tiere im Seekuhhof und mit ihren 16 Jahren die dienstälteste Kuh im Stall von Maximilian Knoller. Gerade die weiß-braun gescheckte Rasse Fleckvieh wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur auf Leistung, sondern auch auf Gutmütigkeit gezüchtet, sagt Eva Zeiler. </p>

<p>14 Zsp. Kuh (Zeiler) </p>
<p>Die sind sehr phlegmatische, sehr ruhige Tiere geworden. Man versucht, jetzt halt auch zunehmend des Interieur, (…) das Innere Wesen mit in die Zuchtwertschätzung aufzunehmen. Was man bei Pferden ja schon viel, viel länger macht. (…) Ich könnte Ihnen einen Besamungsbullen nennen, wo ich mich dann echt auch mal geweigert habe, mit dem zu besamen, weil die Töchter so: „Uaaaa, da ist eine Fliege oder huch, da ist ein Staubkorn. Also das ist furchtbar. ((Also man braucht schon robuste Tiere, die, wenn es mal ein bisschen lauter ist und Technik im Stall kann laut sein (…), dass die da einfach total entspannt das kennen und damit umgehen.)) </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Andere Tiere sind explorativ, also erkunden gerne ihre Umgebung. Und wieder andere Kühe benehmen sich wie verschmuste Hunde. Maximilian Knoller: </p>

<p>15 Zsp. Kuh (Knoller) </p>
<p>Die Zwitschie, wenn ich da an die Box reingehe, dann will die einen versuchen aufzufressen. Also die ist wirklich so aufdringlich, wo ich mir dann halt später die Gedanken mache, wenn sie dann mal eine große Kuh ist und natürlich mehr Gewicht hat als ich. Ob sie dann auch wirklich ihr Gewicht auch mal ausnutzen kann, das ist natürlich dann so ein zweischneidiges Schwert. … ((Wir haben letzte Woche die Fenster oben ausgehangen. Und dann ist sie nur neben einem gestanden. Also die hat einen fast gar nicht in Ruhe arbeiten lassen, weil die einfach weiß: Okay, jetzt habe ich Zeit. Jetzt muss ich gestreichelt werden.))</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Charakter von Kühen hat für Landwirte durchaus Bedeutung, nicht nur was die Sicherheit im Stall angeht. Der Charakter hat möglicherweise auch wirtschaftliche Auswirkungen. So ist es denkbar, dass eine eher introvertierte Kuh, die in der Rangordnung deshalb vielleicht weiter unten steht, mehr Stress erfährt und dadurch weniger Leistung bringt, sprich weniger Milch gibt. Jan Langbein: </p>

<p>16 Zsp. Kuh (Langbein) </p>
<p>Alles das rückt zunehmend auch ins Interesse der Wissenschaft, war aber über lange Jahre nicht sozusagen das Nummer-eins-Thema… sonst haben wir immer geguckt: Wie ist die Leistung der Gruppe, wie ist die Futteraufnahme der Gruppe und dann haben wir einen Mittelwert, und damit kann man arbeiten und so weiter. Und dann sind das Leistungsgruppen. Aber da können einige Tiere in der Leistungsgruppe ganz fehl am Platz sein, weil wenn sie anders gefüttert werden würden, dann würden sie eben noch mehr Leistung abrufen können. Und das geht einher mit solchen Persönlichkeitsmerkmalen, die sowohl physiologisch als auch verhaltensorientiert sein können und dann zunehmend eine Rolle spielen.</p>

<p>ATMO 1 /2 </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dass Rinder, die in der Rangordnung weiter unten stehen, trotzdem ausreichend Futter bekommen, oder auch Kühe, die sehr viel Milch geben und deshalb zusätzliches Futter brauchen, kann Hightech im Stall regeln. In der Mitte des Stalls vom Seekuhhof steht eine Kraftfutterstation. Ein Computer erkennt das Halsband der jeweiligen Kuh und gibt ihr genau die Ration Kraftfutter, die sie braucht. Während das Tier frisst, geht hinten ein Riegel nach unten, so dass andere Kühe das fressende Tier nicht wegscheuchen können. Maximilian Knoller: </p>

<p>17 Zsp. Kuh (Knoller) </p>
<p>Die hat halt auf einen Tag verteilt – keine Ahnung - vier Kilo, was sie da bekommt. Aber sie bekommt nicht auf einmal die vier Kilo, sondern sie kann halt dann jetzt mal reingehen. Nach zwei, drei Stunden darf sie‘s dann wieder versuchen. Also wenn sie dazwischen mal reingeht, dann kriegt sie halt nichts. (…)  Ja, das ist so wie für den Menschen die Süßigkeiten, die holt man sich halt, sobald es was gibt, dann wird sich da was geschnappt. ))</p>

<p>ATMO 2 / 3  </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Muh ist übrigens nicht gleich muh. Es gibt unterschiedliche Kuh-Laute, die verschiedene Zustände, Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken. Eva Zeiler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.</p>

<p>18 Zsp. Kuh (Zeiler) </p>
<p>Kühe sind sehr vokale Tiere. (…) Ich kann ganz klar erkennen vom Ton: Kann die nicht, mag die nicht oder will die nicht. Und auch Kühe, wenn die quasi in Interaktion sind zu ihren Kälbern, dann können die die rufen und sagen: „Jetzt komm bitte und trink bei mir“ zum Beispiel - oder „wo bist du“? Das ist ein ganz eigener Klang. Aber auch umgekehrt kann das Kalb die Mutter rufen und klar sagen: Mama, ich habe jetzt Hunger, wo bist du? Und dann steht die auch auf. Und dann geht die auch zu diesen Kälberbereich hin und dann finden die sich.  (…) Ja, wir unterschätzen ist immer, muss ich ganz klar sagen. (…) ((Ich komme aus Österreich, wir haben ein Alpengebiet zu Hause, wenn da sich - warum auch immer - eine Kalbin von der restlichen Herde separiert, die plärrt solange und so deutlich und so vehement, also das ist wieder ein anderer Klang. So nach dem Motto: „Wo seid ihr?“, „Wo ist der Rest?“. ))</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch im Stall von Maximilian Knoller geben Kühe so manche Geräusche von sich. Und auch er sagt, er könne hören, wie es seinen Rindern gehe. </p>

<p>19 Zsp. Kuh (Knoller) </p>
<p>Wenn wir wissen, dass eine Kuh kurz vom Abkalben ist, und man sitzt auf der Terrasse, und dann kriegt man irgendein Geräusch mit. Es hört sich einfach dann auch anders an. Also wenn eine Kuh zum Beispiel auch gerade ihre Wehen hat, dann merkt man schon den Unterschied. Also man weiß: Okay, im Stall ist gerade irgendwas anders. Und dann hat man da auch schon ein bisschen ein Gehör für. Zum Beispiel die eine jetzt gerade, die das Geräusch von sich gibt, die ist gerade am Tiefenentspannen. (Muh im Hintergrund) Also es gibt Geräusche, wo man dann sagt: Okay, jetzt schauen wir mal schnell, was los ist. Aber es gibt eben auch solche Geräusche, wo man sich denkt. Ja, es geht gerade gut.</p>

<p>MUSIK </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Mai 2024 gab es in Deutschland rund 3,7 Millionen Milchkühe. Im Idealfall bekommen Kühe Futter, Wasser, Licht, Luft, Ruhe, Raum, eine Weide – und Kontakt zu ihrer Herde. Das haben jedoch nicht alle: Obwohl die Zahlen rückläufig sind und seit Jahren über ein Verbot diskutiert wird, lebten 2020 in Deutschland noch mehr als eine Million Rinder zeitweise oder ganzjährig in Anbindehaltung. Interaktion mit Artgenossen ist so nur sehr eingeschränkt möglich. Denn sie stehen mit einer Kette fixiert an einer Stelle, können sich nicht umdrehen und nicht herumlaufen. </p>

<p>ATMO Kühe auf Weide (Schallarchiv) </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch Kühe wollen sich bewegen. Das kann man besonders gut im Frühjahr beobachten, wenn sie nach dem Winter zum ersten Mal wieder aus dem Stall gelassen werden und auf die Weide dürfen. Da wird gehüpft, gesprungen, gerannt. Maximilian Knoller: </p>

<p>20 Zsp. Kuh (Knoller) </p>
<p>Es ist jedes Mal ein Highlight. (…) Ich könnte es mir ohne Weide bei den Kühen nicht mehr vorstellen. Du machst das Tor auf, die springen, rennen, laufen rum. Und dann, wenn sie mal die Ruhe haben und anfangen, das Gras zu fressen, da fühlt man sich einfach wohl das. Es lässt sich schwer beschreiben, weil es einfach ja richtig schön ist, dann zuzugucken.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kühen, die immer angebunden sind, fehlt diese Erfahrung. Deshalb sagt die Landwirtin und Tierärztin Eva Zeiler. </p>

<p>21 Zsp. Kuh (Zeiler) </p>
<p>Und darum bin ich absolut der Meinung, dass eine ganzjährige Anbindehaltung nicht nur nicht tiergerecht ist, sondern halt einfach absolut aus der Zeit gefallen.</p>

<p>SPRECHERIN </p>
<p>Konventionelle, aber auch Biolandwirte sind Unternehmer. Sie verkaufen Milch und Fleisch. Die Aufzucht muss sich rentieren. Das heißt: Verbraucher müssen bereit sein, einen zusätzlichen Aufwand zum Beispiel in der Haltung und damit für mehr Tierwohl zu bezahlen. Denn oft sind aufwändige Umbauarbeiten notwendig, um den Tieren mehr Platz, mehr Bewegungsmöglichkeiten und bessere Begegnungsräume zu schaffen. </p>

<p>MUSIK </p>

<p>Atmo 1 / 2 / 3 </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Je mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Kühe herausfinden, umso klarer wird, dass sie keineswegs anspruchslose Nutztiere sind, die nur Milch und Fleisch produzieren, sondern kontaktfreudige Wesen mit Bedürfnissen und Gefühlen. Eva Zeiler: </p>

<p>22 Zsp. Kuh (Zeiler) </p>
<p>Kühe sind freundlich, Kühe sind supercoole Wesen und sie sind auch sehr respektvoll. Und ich finde, das sollte man auch sein im Umgang zu ihnen. </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Lady Chatterleys Liebhaber - Erotik, Sex, Ehebruch</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/lady-chatterleys-liebhaber-erotik-sex-ehebruch/2087720</link>
      <pubDate>Mon, 21 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">984b5738-6e4e-4bd9-8fd8-ae09d6f57ebd</guid>
      <description>In seinem Roman &quot;Lady Chatterley&apos;s Lover&quot; erzählt D.H. Lawrence die Liebesgeschichte einer englischen Lady und eines Mannes aus der Arbeiterklasse. Das Buch sorgt für einen der größten Skandale der Literaturgeschichte. Es ist ein Plädoyer für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die die Sexualität ganz explizit miteinschließt. (BR 2023)
Autor: Frank Halbach </description>
      <enclosure length="21982080" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087720/c/feed/lady-chatterleys-liebhaber-erotik-sex-ehebruch.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:53</itunes:duration>
      <itunes:author>Frank Halbach</itunes:author>
      <itunes:summary>In seinem Roman &quot;Lady Chatterley&apos;s Lover&quot; erzählt D.H. Lawrence die Liebesgeschichte einer englischen Lady und eines Mannes aus der Arbeiterklasse. Das Buch sorgt für einen der größten Skandale der Literaturgeschichte. Es ist ein Plädoyer für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die die Sexualität ganz explizit miteinschließt. (BR 2023)
Autor: Frank Halbach </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ce350cbb-a2e7-452b-842d-6392fcdceb2a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In seinem Roman "Lady Chatterley's Lover" erzählt D.H. Lawrence die Liebesgeschichte einer englischen Lady und eines Mannes aus der Arbeiterklasse. Das Buch sorgt für einen der größten Skandale der Literaturgeschichte. Es ist ein Plädoyer für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die die Sexualität ganz explizit miteinschließt. (BR 2023)
Autor: Frank Halbach </p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Frank Halbach<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprachen: Christiane Roßbach, Christoph Jablonka, Ines Hollinger<br/>Technik: Ursula Kirstein<br/>Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Dr. Stephan Karschay, Professor für Britische Literatur- und Kulturwissenschaft mit Forschungsschwerpunkt Skandal und Zensur</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Das Kamasutra - Leitfaden für Liebe, Erotik und Lebensweise<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-kamasutra-leitfaden-fuer-liebe-erotik-und-lebensweise/bayern-2/10843805/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Burlesque - Von der Komik zur Erotik<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/burlesque-von-der-komik-zur-erotik/bayern-2/12251817/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Anais Nin - den Traum leben<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/anais-nin-den-traum-leben/bayern-2/78750772/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>D.H. Lawrence: Lady Chatterley, Reinbek bei Hamburg 1973.</p>
<p>Sybille Bedford: The trial of Lady Chatterley&#39;s lover, London 2016.</p>
<p>David Bradshaw / Rachel Potter (Hgg.): Prudes on the Prowl: Fiction and Obscenity in England, 1850 to the Present Day, Oxford 2013.</p>

<p>Stephan Karschay: Scandals in British Culture. In: Jürgen Kramer / Bernd Lenz (Hgg): How to Do Cultural Studies: Approaches, Ideas, Scenarios, S. 191-220,  Würzburg 2019. </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p><br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>MUSIK 1 „A Zed and Two Noughts“ auf Schluss; ZEIT: 02:49</p>
<p>ERZÄHLERIN (bewundernd)</p>
<p>Einer der bedeutsamsten Romane des 20. Jahrhunderts...</p>
<p>SPRECHER (gereizt)</p>
<p>Das obszönste Buch in englischer Sprache!</p>
<p>ERZÄHLERIN (gelassen)</p>
<p>Ein klassisches erotisches Meisterwerk.</p>
<p>ZITATORIN (lustvoll)</p>
<p>„Lady Chatterley’s Lover”</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>D. H. Lawrence’s „Lady Chatterley“ gilt als eines der ersten seriösen Werke der Literaturgeschichte, das Sexualität detailliert und explizit schildert. Es geht um Liebe, Ehebruch und weibliche Lust.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Eine Frau konnte sich einem Mann hingeben, ohne zugleich auch ihr inneres freies Wesen hinzugeben. Das schienen die Dichter und alle, die über den Sexus schwatzten, nicht genügend bedacht zu haben. </p>
<p>SPRECHER (ablehnend)</p>
<p>Ein aufrührerisches, skandalöses und vulgäres Buch!</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>D. H. Lawrence löste damit einen der größten Skandale der Literaturgeschichte aus: Nicht nur dass eine junge Lady ihren Stand verrät und sich über Klassenschranken hinwegsetzt, sondern sie wagt es auch noch nach einer erfüllten Sexualität zu suchen und sie sogar zu finden. Das puritanische England fühlte sich in seinen Grundfesten erschüttert.</p>
<p>Der Roman aus dem Jahr 1928 war über 30 Jahre lang verboten. Der Skandal um die Publikation des Buches würdigte den Namen Chatterley zum Synonym für Schlüpfriges und Pornografisches herab.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Ein Jammer, dass die Männer in dieser Hinsicht so weit hinter den Frauen herhinkten. Gierig wie die Hunde waren sie auf das Sexuelle aus. Und eine Frau hatte nachzugeben.</p>
<p>SPRECHER (aburteilend)</p>
<p>Die anrüchige Geschichte eines Ehebruchs zwischen einer ebenso frustrierten wie wollüstigen Aristokratin und einem (verachtend) Proletarier.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Bruch mit den Moral- und Gesellschaftsnormen seiner Zeit, die Darstellung befreiter weiblicher Sexualität und die scharfe </p>
<p>Kritik im Roman des englischen Schriftstellers D.H. Lawrence an der britischen Gesellschaft, kulminierten 1960 in einem aufsehenerregenden Gerichtsverfahren…</p>
<p>SPRECHER (sich ereifernd)</p>
<p>Ein Obszönitätsprozess!</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>An dessen Ende die Aufhebung etlicher Zensurbestimmungen stand, und der „Lady Chatterley’s Lover“ zum Vorreiter der „Sexuellen Revolution“ werden ließ, eine Flamme, die in den 1960er Jahren Großbritannien und schließlich ganz Europa erfasste - trotz oder gerade wegen seiner expliziten Sprache.</p>
<p>ZITATORIN (lustvoll melancholisch) </p>
<p>Wir haben eine Flamme ins Sein gefickt. Und wenn der wirkliche Frühling kommt, dann können wir die kleine Flamme zu strahlender gelber Helle ficken.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 1 Karschay (03:33)</p>
<p>Also „Lady Chatterley&#39;s Lover“ ist mit Sicherheit ungewöhnlich für seine explizite Darstellung von Sexualität. Denn dieser Bereich ist im Liebesroman, in diesem Genre, nicht vorgesehen und gehört eigentlich in den Bereich der Pornografie, also in den Untergrund. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erläutert Dr. Stephan Karschay, Professor für Britische Literatur- und Kulturwissenschaft. Einer seiner Forschungsschwerpunkte: die Beschäftigung mit Skandalen und Zensur in der britischen Kulturgeschichte. </p>
<p>O-Ton 2 Karschay (03:47)</p>
<p>Und selbst ein so wichtiger und ja auch im neunzehnten Jahrhundert schon zensierter Roman wie Gustave Flauberts „Madame Bovary“ beispielsweise muss die Darstellungen des körperlichen Ehebruchs zwischen Emma Bovary und Léon ausblenden. Das ist etwas, was völlig der Fantasie der Leser überlassen wird. (…) Und das macht Lawrence anders. Wir sind hier ganz nah mit dabei. Und das ist ungewöhnlich für einen Roman, und das hat letztlich auch dazu geführt, dass dieser Roman zu Lebzeiten Lawrence‘ nicht veröffentlicht werden konnte und tatsächlich erst 30 Jahre nach seinem Tod, also 1960, in der unbereinigten Form veröffentlicht wurde.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Was oft zu sehr in den Hintergrund rückt: Der Roman von D. H. Lawrence bricht nicht nur hinsichtlich der Darstellung und Thematisierung von Sexualität Tabus. „Lady Chatterley“ schlägt auch deshalb ein wie eine Bombe weil Lawrence die Orientierungslosigkeit einer Gesellschaft, den Niedergang des guten alten England, nach dem Ersten Weltkrieg thematisiert.</p>
<p>MUSIK 2 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 00:56</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Die Katastrophe ist hereingebrochen, wir stehen zwischen den Trümmern, wir fangen an, neue kleine Gewohnheiten zu bilden, neue kleine Hoffnungen zu hegen. Es ist ein hartes Stück Arbeit: Kein ebener Weg führt in die Zukunft; wir umgehen die Hindernisse jedoch oder klettern über sie hinweg. Wir müssen leben – einerlei, wie viele Himmel eingestürzt sind. Ungefähr in dieser Situation befand sich Constance Chatterley.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Großbritannien befand sich nach dem Ersten Weltkrieg in einer wirtschaftlichen Krise. Viele Arbeiter hatten mit zunehmender Verarmung zu kämpfen. Impulse, Orientierung durch die Upper class? Fehlanzeige. Und dann dieser Roman.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHER (voller Verachtung)</p>
<p>Eine Frau von Adel, die ihren kriegsversehrten Mann verlässt zugunsten eines Wildhüters aus der Arbeiterklasse!</p>
<p>O-Ton 3 Karschay (05:42)</p>
<p>Ich glaube, was die Verstöße gegen die Moralvorstellungen der Zeit angeht, muss man unterscheiden zwischen den Normverstößen der Protagonistin Constance Chatterley, also auf der Ebene der Handlung und den Normverstößen des Autors D. H. Lawrence  auf einer ästhetischen Ebene. Was Lady Chatterley angeht, ist es so, dass sie sich gegen die Normen der gesellschaftlichen Oberschicht stellt. Denn was sie eingeht, ist letztlich eine Mesalliance mit dem Wildhüter Oliver Mellors. Und sie führt dadurch auch im Roman gewissermaßen einen Klassenkampf vor. Denn Lady Chatterley&#39;s Lover ist auch ein Roman, der die Klassenstruktur der britischen Zwischenkriegsgesellschaft in Frage stellt. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zugleich stellt der Roman im Kern eine Emanzipationsgeschichte dar.</p>
<p>O-Ton 4 Karschay (16:38)</p>
<p>Denn die Protagonistin Constance Chatterley emanzipiert sich und die weibliche Sexualität von den verkrusteten sozialen Normen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Man kann schon sagen, dass sie von vorneherein als außergewöhnliche Figur charakterisiert ist. Denn sie wächst als Jugendliche zunächst in einem quasi freidenkerischen Umfeld auf und macht dann auch recht früh als 18-Jährige ihre ersten sexuellen Erfahrungen. </p>
<p>MUSIK 3 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 01:03</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>1917 heiratet Constance, Sir Clifford Chatterley. Kurz nach den Flitterwochen zieht Clifford als Offizier in den Ersten Weltkrieg.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Schwer verwundet, gelähmt und impotent kehrt Clifford aus dem Krieg zurück zu Connie. </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Nichts hatte Substanz – weder sie noch irgendetwas… keine Fühlung, keine Nähe. Nur dies Leben mit Clifford, dies endlose Spinnen von Geweben aus Worten und kleinen Einzelheiten des Bewusstseins.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 5 Karschay (17:17)</p>
<p>Und auch eine erste Affäre mit dem irischen Dramatiker Michaelis ändert daran überhaupt nichts. Das heißt, das Problem ist nicht nur ein Mangel an Sexualität, sondern das Problem besteht vielmehr in der Unfähigkeit der Männer des Romans, für eine erfüllte und letztlich gleichberechtigte Sexualität Sorge zu tragen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In einer abgeschiedenen Hütte im Wald trifft Connie unversehens auf den Wildhüter der Chatterleys – der sich gerade wäscht</p>
<p>MUSIK 4 „A Zed and Two Noughts“ auf Schluss; ZEIT: 02:33 </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Sie hatte gesehen, wie die plumpe Hose niederglitt über die reinen, schmalen, weißen Hüften, an denen ein wenig die Knochen hervortraten, und das Gefühl der Einsamkeit hier, das Gefühl ein Geschöpf in reiner, tiefer Einsamkeit vor sich zu haben, überwältigte sie. Die warme weiße Flamme eines Einzellebens, das sich in Konturen offenbarte, die man berühren konnte; ein Leib!</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Im Laufe der Handlung beginnt Connie mit Mellors ein zutiefst unanständiges Liebesverhältnis, das im Roman ausführlich und anstoßerregend geschildert wird.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Weite Teile des Romans schildern Connies seelische Entwicklung. Schließlich eröffnet sie ihrem Mann: </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Ich habe mich in einen anderen Mann verliebt, und ich hoffe sehr, du wirst mich freigeben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ich für meinen Teil, ziehe vor – da du nun mal meine Frau bist -, dass du in Würde und Ruhe weiterlebst unter meinem Dach. Ganz abgesehen von persönlichen Empfindungen – und ich versichere dir, was mich betrifft, sehe ich von einer ganzen Menge ab -, ist es verdammt hart für mich, mir meine Lebensordnung hier auf Wragby und den geregelten Ablauf des täglichen Lebens kaputtmachen zu lassen, einfach wegen irgendeiner Laune von dir.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Ich kann es nicht ändern. Ich muss gehen. Ich bekomme wahrscheinlich ein Kind.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Du gehörst zu diesen halb irrsinnigen, perversen Frauen, die ihrer Verworfenheit nachrennen müssen. Du kannst gehen, wohin du willst, aber ich werde mich nicht von dir scheiden lassen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Noch in derselben Nacht packt Connie ihre Sachen und verlässt Wragby für immer. Der entlassene Wildhüter Mellors schreibt ihr in einem Brief, wie gern er später mit ihr zusammenleben würde und dass er im Grunde nur für sie lebe. Der Brief endet mit den Worten:</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Mit hoffnungsvollem Herzen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und so endet auch der Roman von D.H. Lawrence. Vielfach interpretiert als Protest gegen die Verteufelung von Sinneslust und ein Plädoyer für emanzipierte weibliche Sexualität. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>So äußert beispielsweise die Autorin Catherine Millet, die mit ihrer Autobiografie „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ einen eigenen Literaturskandal provoziert hat: </p>
<p>„Lesen Sie mal „Lady Chatterley“. Dort gibt es Stellen, in denen er den weiblichen Orgasmus mit einer Präzision beschreibt, die unglaublich ist. Ich hätte das gern selbst so gekonnt.“ Lawrence ließ sich für seine Schilderungen von seiner Frau Frieda von Richthofen die Empfindungen einer Frau beim Orgasmus präzise beschreiben, erinnert sich Frieda in ihren Memorien.</p>
<p>MUSIK 5 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 01:06</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Dann, als er sich zu bewegen begann, in der plötzlichen Hilflosigkeit des Orgasmus, erwachten in ihrem Innern ganz neue, fremde, sie durchflutende Schauer. Sie kamen Welle auf Welle, wie das flackernde Überlappen sanfter Flammen, sanft wie Federn, sie liefen aus in leuchtenden Spitzen, köstlich, so köstlich, und ihr Inneres schmolz dahin, zerfloss. Es war wie Glockengeläut, das sich höher und höher bis zum Höhepunkt aufschwang.</p>
<p>MUSIK wegblenden</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Lawrence spricht sich vehement für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit aus - das schließt die Sexualität mit ein und: Es schließt Frauen mit ein. Connie emanzipiert sich in einer männlich-kapitalistisch geprägten Gesellschaft. Das hat Lawrence nicht davor bewahrt von feministischer Seite kritisiert zu werden.</p>
<p>O-Ton 6 Karschay (15:18)</p>
<p>Manche sahen in ihm eben ein Plädoyer für ein erfülltes, gleichberechtigtes Sexualleben zwischen den Geschlechtern, aber manch feministische Stimmen, besonders die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Kate Millett hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Sexual Politics“, in dem sie Lawrence vielmehr als einen chauvinistischen Vertreter einer patriarchalen Kultur sah, der den Phallus zum dominanten Symbol einer männlichen Sexualität machte. </p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>So stolz und so gebieterisch. Jetzt weiß ich, warum Männer so anmaßend sind. Aber er ist herrlich, wirklich! Wie ein anderes Wesen! Ein bisschen zum Fürchten. Aber so schön, wirklich! Und er kommt zu mir!</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Huldigt Connie Mellors‘ Phallus. Lawrence löst mit „Lady Chatterley“ nicht nur durch die Themen eine Kontroverse aus, sondern auch besonders durch seinen Stil. So vermeidet er in seiner Sprachwahl der Lüsternheit einer bigotten Leserschaft scheinheilig zu entsprechen. Lawrence schildert offen und präzise. Dazu gebraucht er auch Ausdrücke, die ein Mann aus dem Volk wie Mellors verwenden würde.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Fuck! </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Vulgär einerseits, in pathetischen Beischlafszenen schwülstig und kitschig andererseits. Lächerlich!</p>
<p>MUSIK 6 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 00:52</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Und ihr war, als sei sie wie das Meer, nichts als dunkles steigendes und fallendes Gewoge, von einem Strom getragen, und langsam geriet ihre ganze Dunkelheit in Bewegung, und diese war das Weltmeer, das in seiner dunklen Schwere dahinrollte. Und auf dem Grund ihres Inneren teilten sich die Tiefen und wogten auseinander von dem Mittelpunkt sanften Eindringens aus, als der Taucher tiefer eindrang, immer tiefer, (ab hier Text + MUSIK wegblenden) [tiefer wurde sie bloßgelegt und machtvoller rollten die Wogen ihres Seins dahin, einem fremden Ufer zu und deckten sie auf…] </p>
<p>(darüber)</p>
<p>O-Ton 7 Karschay (19:48)</p>
<p>Es ist in der Tat so, dass Lawrence‘ Schreibstil manchmal unangenehm, pathetisch und vielleicht heute, wenn man ihn liest, ungewollt komisch wirkt. Aber man muss ihn auch an seinen eigenen Maßstäben messen. Es bringt also nichts ihn für seine insistierenden Wiederholungen und seine schiefen Bilder zu kritisieren, denn diese stammen letztlich aus einer künstlerischen Überzeugung das Verhältnis des Menschen zu seiner Sexualität, aber auch zur nicht-menschlichen Natur neu und eben emphatisch, mit Nachdruck, zu konzipieren. Und er sah in diesem sehr geordneten, überintellektualisieren und in der asketischen Geistesarbeit letztlich Zivilisationskrankheiten, die zur Unterdrückung der sexuellen Natur des Menschen führen. Und für Lawrence war die Sexualität fast etwas mythisch heiliges, ja, fast eine Religion der Sexualität. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Lawrence kritisiert die Entfremdung des Menschen von sich selbst durch die Allmacht des Kapitalismus. Sir Clifford repräsentiert die zerstörerische und zugleich nicht zeugungsfähige Kraft der Industrialisierung. Bei einem Waldausflug mit Connie zum Beispiel zermalmt er zahllose blühende Blumen unter den Rädern seines Rollstuhls und hinterlässt in der vorher unberührten Natur eine Spur der Verwüstung.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Seine Fans haben Lawrence später gar zu einem Vorreiter der Umweltschutzbewegung erklärt.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Davon, dass man ihn zur Ikone von Umweltschutz, Arbeiterklasse und sexueller Revolution erhob, bekam Lawrence freilich nicht mehr mit.</p>
<p>Als er seine Arbeit an „Lady Chatterley“ begann, war er bereits schwer krank. Ende November 1926 schloss er die erste Fassung des Romans ab. Zwei weitere sollten folgen. </p>
<p>Erfahrungen mit der Zensur wegen zu expliziter Darstellung von Erotik hatte Lawrence schon mit seinem Roman „The Rainbow – Der Regenbogen“ von 1915 gemacht.</p>
<p>SPRECHER (pikiert)</p>
<p>Er umging daher bei „Lady Chatterley“ die von der Zensur vorgegebenen Grenzen von Sitte und Moral mit einer privaten Erstveröffentlichung von 200 Exemplaren der unbereinigten Fassung in Florenz. Raubkopien davon geraten in Umlauf.</p>
<p>O-Ton 8 Karschay (24:13)</p>
<p>Und dann gab es eine zweite Fassung, die erst später in den 70er-Jahren in englischer Sprache erschien, als „John Thomas an Lady Jane“. Und hier ist zum ersten Mal erkennbar, wenn man das zurückverfolgt, dass Lawrence in diesem Text vor allen Dingen seine Auseinander-setzung mit der Industrialisierung ausgebreitet hat. (…) Und die Endfassung, die über die wir eigentlich heute sprechen, das ist die von 1928. Und hier haben wir dann eben die zunehmend explizite Darstellung von Sexualität. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die unzensierte 3. Fassung erschien in Großbritannien erst wieder 1960. Der Taschenbuchverlag Penguin Books, stellte sich damit offen gegen den im Jahr zuvor in Kraft getretenen „Obscene Publications Act“. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein vom britischen Parlament verabschiedetes Gesetz das die Veröffentlichung von pornographischer Literatur zu verhüten suchte.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Um ein Gerichtsverfahren zu erzwingen, zeigte sich Penguin Books gleichzeitig mit der Veröffentlichung selbst an. Stephan Karschay:</p>
<p>O-Ton 9 Karschay (09:34)</p>
<p>Die Anklage in diesem Prozess hatte eine ganz klare Agenda: Sie versuchte zu zeigen, dass der Roman geeignet sei, bestimmte Leser*Innen zu korrumpieren. (…) Und dabei spielte auch die Veröffentlichung als billiges Taschenbuch eine Rolle also, dass der Verlag Penguin in Großbritannien diesen Text nicht nur veröffentlichen und einer Leserschaft zur Verfügung stellen wollte, sondern dass auch in einem Format tun wollte, das sich durchaus ein breites Publikum leisten konnte. </p>
<p>MUSIK 7 „The Draughtsman&#39;s Contract“ auf Schluss; ZEIT: 02:35</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Prozessendete am 2. November 1960.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mit einem Freispruch. Das Exemplar der „Lady Chatterley“ das der Richter Sir Lawrence Byrne im Prozess verwendet hatte, erzielte 2018 bei Sotheby’s in London einen Auktionsrekord.</p>
<p>ZITATORIN (amüsiert)</p>
<p>56.250 Pfund für das anstößigste Buch der Welt. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Frau des Richters hatte ihrem Gatten darin die anzüglichsten Passagen angestrichen und dem Exemplar eine graue Tasche aus Damast genäht – um zu verhindern, dass Pressefotografen ihren Mann mit dem Buch ablichteten. Im Anschluss an den aufsehenerregenden Londoner Prozess wurde der Roman 1960 als Taschenbuch in Deutschland veröffentlicht – vom Rowohlt Verlag, aus dessen Übersetzung in dieser Sendung zitiert wird.</p>
<p>Ganz England stürzte sich nach dem Prozess auf die erstmalig unzensierte Fassung von „Lady Chatterley“. </p>
<p>Die Folge des Prozesses waren aber nicht nur enorme Verkaufszahlen, sondern vor allem die Aufhebung von Zensurbestimmungen in Großbritannien und auf dem Fuße folgend: eine sexuelle Revolution, die nicht auf die britischen Inseln beschränkt bleiben sollte.</p>
<p>SPRECHER (unbehaglich)</p>
<p>Ein Wandel der öffentlichen Sexualmoral im Sinne einer Enttabuisierung sexueller Themen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Prozess um Lady Chatterley gewann damit nicht nur eine juristische, sondern eine kulturelle Bedeutung. Die Gesellschaft der westlichen Welt wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine andere.</p>
<p>SPRECHER (naserümpfend)</p>
<p>Man adaptierte das Buch als Film – als Softporno mit Sylvia Kristel 1981.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Als BBC-Vierteiler 1993, als preisgekrönte Erweckungsgeschichte der französischen Regisseurin Pascale Ferran oder aufwendige Netflix-Produktion mit Emma Corrin in der Hauptrolle.</p>
<p>SPRECHER (aburteilend)</p>
<p>Nicht wenigen Kritikern wie etwa James Joyce gilt Lawrence’ Werk als trivial. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mit „Lady Chatterley“ hat eine der imponierendsten Frauengestalten der Literaturgeschichte geschaffen.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Eine Frau muss ihr Leben leben oder leben, um zu bereuen, dass sie es nicht gelebt hat.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Selbst Feministinnen kritisieren Lawrence als Chauvinisten, der über die heilige Kraft des Phallus schwadroniert!</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 10 Karschay (28:12)</p>
<p>Lawrence ist ein sich selbst widersprechender Schriftsteller, für den die Literatur immer ein Experimentierfeld darstellte. Und Lawrence verdient es auch heute noch kritisch gelesen zu werden. Selbst wenn man dann am Ende zu dem Schluss kommen sollte, dass seine Texte ambivalent und zutiefst widersprüchlich bleiben. Vielleicht ist gerade, dass ihr besonderer Reiz. Man wird dem Roman auch nicht gerecht, wenn man ihn ausschließlich für seine erotischen Passagen liest, dann würde man den gleichen Fehler begehen wie die Zensoren von Literatur vor 1959. Nur wenn man sich auf den Roman letztlich als Ganzes einlässt, erhält man einen Eindruck von D. H. Lawrence als einem der wichtigsten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts, der uns auch heute besonders in unserem Verhältnis zur nicht-menschlichen Natur, vieles zu sagen hat.</p>
<p>MUSIK 8 M0025854 W03 „Drowning by Numbers“; ZEIT: 00:50</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Und immer weiter rollten die Wogen ihres Seins fort von ihr, ließen sie zurück, bis jäh, in sanftem, schauerndem Erbeben, der Kern all ihres Plasmas getroffen wurde – sie sich getroffen wusste – und die Vollendung über sie kam und sie verging. Sie verging, sie war nicht mehr, sie wurde geboren…</p>
<p>MUSIK ENDE</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Grönlandhai - Das langlebigste bekannte Wirbeltier der Welt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-groenlandhai-das-langlebigste-bekannte-wirbeltier-der-welt/1958734</link>
      <pubDate>Mon, 21 Jul 2025 01:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c4d953ab-aa09-4ae7-a859-a014a4781af0</guid>
      <description>Grönlandhaie werden bis zu 600 Jahre alt und sind damit die ältesten bekannten Wirbeltiere. Sie sind auch sehr langsam, sie schaffen nur rund drei Stundenkilometer. Ob sie gefährdet sind, weiß man nicht. Mit der Eisschmelze in der Arktis nimmt aber die Fischerei und damit die Bedrohung ihres Lebensraums zu. Von Brigitte Kramer (BR 2023) </description>
      <enclosure length="22002048" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1958734/c/feed/der-groenlandhai-das-langlebigste-bekannte-wirbeltier-der-welt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:55</itunes:duration>
      <itunes:author>Brigitte Kramer</itunes:author>
      <itunes:summary>Grönlandhaie werden bis zu 600 Jahre alt und sind damit die ältesten bekannten Wirbeltiere. Sie sind auch sehr langsam, sie schaffen nur rund drei Stundenkilometer. Ob sie gefährdet sind, weiß man nicht. Mit der Eisschmelze in der Arktis nimmt aber die Fischerei und damit die Bedrohung ihres Lebensraums zu. Von Brigitte Kramer (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e8921b04-f841-45d5-9043-efd2cbbe9455.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Grönlandhaie werden bis zu 600 Jahre alt und sind damit die ältesten bekannten Wirbeltiere. Sie sind auch sehr langsam, sie schaffen nur rund drei Stundenkilometer. Ob sie gefährdet sind, weiß man nicht. Mit der Eisschmelze in der Arktis nimmt aber die Fischerei und damit die Bedrohung ihres Lebensraums zu. Von Brigitte Kramer (BR 2023) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Irina Wanka<br/> Technik: Monika Gsaenger<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>

<p><strong>Interviewpartner/innen:</strong></p>
<p>Jürgen Kriwet, Paläobiologe, Universität Wien; <br/>Matthias Schaber, Biologe, Ozeanograph, Thünen-Institut (Institut für Seefischerei), Bremerhaven</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Pottwale - Tauchmeister der Tiefsee<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/pottwale-tauchmeister-der-tiefsee/bayern-2/78758528/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Artenwandel im Anthropozän - Der Einfluss des Menschen auf die Evolution<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/artenwandel-im-anthropozaen-der-einfluss-des-menschen-auf-die-evolution/bayern-2/12364187/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/artenwandel-im-anthropozaen-der-einfluss-des-menschen-auf-die-evolution/bayern-2/12364187/"></a></strong>Wale - Faszinierende Wanderer der Ozeane<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wale-faszinierende-wanderer-der-ozeane/bayern-2/78758748/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wale-faszinierende-wanderer-der-ozeane/bayern-2/78758748/"></a></strong>Der Narwal - Einhorn des arktischen Ozeans<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-narwal-einhorn-des-arktischen-ozeans/bayern-2/96691460/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-narwal-einhorn-des-arktischen-ozeans/bayern-2/96691460/"></a></strong>Das Walross - Dickhäutiger Koloss der Arktis<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-walross-dickhaeutiger-koloss-der-arktis/bayern-2/12259939/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-walross-dickhaeutiger-koloss-der-arktis/bayern-2/12259939/"></a></strong>Eisschmelze - Verlorene Lebensräume für viele Tiere<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/eisschmelze-verlorene-lebensraeume-fuer-viele-tiere/bayern-2/12261719/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Katherine Rundell: The golden mole and other living treasure. Faber &amp; Faber Ltd, 2022<strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-groenlandhai-arktis-haie-wirbeltier-eisschmelze-100.html">HIER</a></strong>.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Afrikas Ubuntu - Die Philosophie der Menschlichkeit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/afrikas-ubuntu-die-philosophie-der-menschlichkeit-1/1411101</link>
      <pubDate>Fri, 18 Jul 2025 01:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">87928e97-5f11-479a-bd9c-e24cf3c44e96</guid>
      <description>Die Philosophie &apos;Ubuntu&apos; steht für Brüderlichkeit, Vergebung, Solidarität, Mitgefühl und gemeinsame Verantwortung. Diese Philosophie der Menschlichkeit wurde durch den früheren Präsidenten Nelson Mandela repräsentiert. Autor: Geseko von Lüpke (BR 2016)</description>
      <enclosure length="21629952" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1411101/c/feed/afrikas-ubuntu-die-philosophie-der-menschlichkeit-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:31</itunes:duration>
      <itunes:author>Geseko von Lüpke</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Philosophie &apos;Ubuntu&apos; steht für Brüderlichkeit, Vergebung, Solidarität, Mitgefühl und gemeinsame Verantwortung. Diese Philosophie der Menschlichkeit wurde durch den früheren Präsidenten Nelson Mandela repräsentiert. Autor: Geseko von Lüpke (BR 2016)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a76275ab-5a25-4437-82eb-1f7b23d55140.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Philosophie 'Ubuntu' steht für Brüderlichkeit, Vergebung, Solidarität, Mitgefühl und gemeinsame Verantwortung. Diese Philosophie der Menschlichkeit wurde durch den früheren Präsidenten Nelson Mandela repräsentiert. Autor: Geseko von Lüpke (BR 2016)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Geseko von Lüpke<br/>Regie: Susi Weichselbaumer<br/>Es sprachen: Friedrich Schloffer, Ruth Geiersberger, Armin Berger, Beate Himmelstoß<br/>Technik: Fabian Zweck<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-afrikas-ubuntu-menschlichkeit-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Augustine Shutte (Professorin; Philosophieprofessorin, Kapstadt);<br/>Dirk Louw (Professor; Philosophieprofessor, Stellenbosh);<br/>Lesbila Teffo (Professorin; Philosophieprofessorin, Pretoria);<br/>Didintle Ntsie (Sozialarbeiterin, Kapstadt);<br/>Barbara Nussbaum (Autorin, Stellenbosh);<br/>Johan Broodryk (Autor und Philosophie, Pretoria);<br/>Elaine Miller (Gastwirtin, Hermanus)</p>
<p><strong>Ein Porträt über Nelson Mandela finden Sie ebenfalls auf radioWissen:</strong><br/>Nelson Mandela - Der lange Weg zur Freiheit<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nelson-mandela-der-lange-weg-zur-freiheit/33696">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p><br/><br/><br/></p>
<p><br/><br/><br/></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frauen auf Rädern - Wie Radfahren Frauen emanzipierte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frauen-auf-raedern-wie-radfahren-frauen-emanzipierte/2094888</link>
      <pubDate>Thu, 17 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d2b4d4da-188e-4632-b6ac-c7f7e7be8e67</guid>
      <description>Fahrradfahren macht mobil - und damit frei. Das passte Ende des 19. Jahrhunderts nicht zum Bild der passiven, schwachen Frau. Mediziner diskutierten Folgen für die Gebärfähigkeit, Gesellschaft und Kleiderordnung machten die ersten Touren von Pionierinnen zu Spießroutenfahrten. Von Axinja Weyrauch (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22030080" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094888/c/feed/frauen-auf-raedern-wie-radfahren-frauen-emanzipierte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Axinja Weyrauch</itunes:author>
      <itunes:summary>Fahrradfahren macht mobil - und damit frei. Das passte Ende des 19. Jahrhunderts nicht zum Bild der passiven, schwachen Frau. Mediziner diskutierten Folgen für die Gebärfähigkeit, Gesellschaft und Kleiderordnung machten die ersten Touren von Pionierinnen zu Spießroutenfahrten. Von Axinja Weyrauch (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4e4fccf7-2af3-4653-a047-905bfccd2d4a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Fahrradfahren macht mobil - und damit frei. Das passte Ende des 19. Jahrhunderts nicht zum Bild der passiven, schwachen Frau. Mediziner diskutierten Folgen für die Gebärfähigkeit, Gesellschaft und Kleiderordnung machten die ersten Touren von Pionierinnen zu Spießroutenfahrten. Von Axinja Weyrauch (BR 2024)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Axinja Weyrauch<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Hemma Michel, Peter Weiß, Katja Schild<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Dörte Florack, HistorikerinNoch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:</p>
<p><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><br/><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-frau-fahrrad-feminismus-mobilitaet-frauensport-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>Sprecherin</p>
<p>Angeline hat nie Fahrradfahren gelernt. Nun sitzt sie auf einem Fahrrad, Trainerin Jess hält sie hinten am Gepäckträger fest.  </p>
<p>Zsp A Angeline und Jess</p>
<p>„nach vorne nach vorne“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Angeline schiebt an, findet die Balance, tritt in die Pedale</p>
<p>Und irgendwann, lässt Trainerin Jess einfach los.</p>
<p>Zsp A Angeline und Jess</p>
<p>„sehr schön, immer nach vorne, und dann Bremsen </p>
<p>„Das hast du alleine gemacht“ </p>
<p>– Jubel!“ Freude, Kindergarten here I come“</p>
<p>Musik 1</p>
<p>&quot;Los mundos sutiles (Part II)&quot; - Album: Los mundos sutiles - Komponist und Ausführender: Pascal Gaigne - Zeit: 0&#39;26</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die junge Frau aus Kenia ist gerade das erste Mal in ihrem Leben Fahrrad gefahren. Sie macht zusammen mit anderen Frauen mit Migrationsgeschichte einen Fahrradkurs auf der Theresienwiese in München. Jess ist die Trainerin der Organisation Juno, die den Kurs anbietet.</p>
<p>OTON B Jess</p>
<p>In Deutschland das Fahrrad spielt eine große Rolle, viele lernen als kleine Kinder. So viele Deutsche fühlen sich wohl beim Fahrradfahren. Aber als Migranten… es gibt verschiedene Mobilitätskulturen in verschiedenen Ländern. Und auch für Frauen insbesondere, in vielen Ländern ist Fahrradfahren nicht selbstverständlich oder es ist tabu oder sogar verboten. Und hier darf man das als Frau, ich glaube, es gibt mentale Barrieren als auch psychische, weil das ist als Erwachsene noch schwieriger.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Abeer zum Beispiel kommt aus dem Irak. </p>
<p>Zsp C Abeer</p>
<p>Bei unserer Heimat wir haben nicht Fahrradfahren gelernt, weil einfach es ist keine Fahrrad. Oder viele Familien darf nicht die Mädchen Fahrradfahren oder so. Aber meine Kinder und auch mein Mann alles kann fahren. Und ich will auch mitfahren.“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das Fahrrad bietet Freizeitwert – ein Erlebnis. Aber auch mehr Möglichkeiten im Alltag.</p>
<p>Zsp D Abeer </p>
<p>Zum Schule abholen, mit Fahrrad ganz schnell. Zu Fuß ich brauche halbe Stunde, 20 Minuten. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Etwas, was den meisten hierzulande recht banal vorzukommen scheint – mal eben schnell mit dem Radl zum Bäcker oder das Kind abholen – bedeutet für diese Frauen eine ganz neue Freiheit. </p>
<p>Musik 2</p>
<p>&quot;Is she dead?&quot; - Komponist: Alexandre Desplat - Album: Tamara Drewe (Original Soundtrack) - Länge: 0&#39;28</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Diese Freiheit auf zwei Rädern gibt es etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts – in dieser Zeit verbreiten sich die ersten Modelle langsam in der Gesellschaft. Wer sich die damalige Gesellschaft anschaut, wundert sich wahrscheinlich nicht, dass die erste Laufmaschine, später das Veloziped, das Hochrad und auch das erste Niederrad – alles Erfindungen auf dem Weg zum heute bekannten Fahrrad – nicht für Frauen gemacht sind. </p>
<p>ZSP OT 01 Florack</p>
<p>Als das Fahrrad auf die Welt kam, war es männlich.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Die Historikerin Dörte Florack hat ein Buch über die Anfänge des Frauenradfahrens im Deutschen Reich geschrieben. Das war kurz vor der Jahrhundertwende. Alle ersten Modelle …</p>
<p>ZSP OT 02 Florack</p>
<p>sind entwickelt worden für Männer. In ihrem üblichen, wie darf man sich verhalten und wie darf man sich kleiden und wie kann ich so ein Sportgerät oder so ein Fortbewegungsmittel verwenden.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Und das macht es für Frauen zunächst nicht so einfach. Das liegt zum einen an gesellschaftlichen Erwartungen an die Frau – aber zum anderen auch ganz praktisch: An ihrer Kleidung. </p>
<p>Musik 3</p>
<p>&quot;Demonstration&quot; - Album: Suffragette (Original Motion Picture Soundtrack) - Komponist: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;58</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Mit einem langen Rock auf ein Fahrrad mit hoher Stange zu steigen, ist auch heute nicht besonders praktisch. Damals aber tragen Frauen nicht einfach Röcke, sondern mehrlagige, sehr weite Röcke – an ihnen hingen mehrere Quadratmeter Stoff. Damit auf ein Hochrad zu steigen, dessen Sattel sehr nah am riesigen Vorderrad ist – undenkbar. </p>
<p>Zitatorin Amalie Rother</p>
<p>Auf den Gedanken, die Kleidung der Maschine entsprechend anzupassen, das heißt, in Hosen zu fahren, wären damals selbst die Kühnsten unter uns nicht geraten.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Schreibt Amalie Rother in einem Aufsatz 1897. Sie hat einen Frauen-Fahrradklub in Berlin gegründet. </p>
<p>Zitatorin Amalie Rother</p>
<p>In Berlin dürften meine Freundin Clara Beyer und ich die ersten Damen gewesen sein, die sich dem entsetzten Volke auf dem Rade zeigten, und zwar auf dem Dreirad. Das war 1890.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Zwar beschreibt Amalie Rother es an der Stelle nicht eindeutig – vermutlich tragen die beiden aber lange Kleider und sind deswegen aufs Dreirad gestiegen, das funktioniert mit Rock besser. Trotzdem: Bei ihrer ersten Ausfahrt innerhalb Berlins sind sie eine Provokation. </p>
<p>Musik 4 :</p>
<p>&quot;Lost&quot; - Ausführende: Ben Salisbury &amp; Geoff Barrow- Album: Civil War (Original Score) - Länge: 0&#39;41</p>
<p>Zitatorin Amalie Rother</p>
<p>„Sofort sammelten sich hunderte von Menschen, eine Herde von Strassenjungen schickte sich zum Mitrennen an, Bemerkungen liebenswürdigster Art fielen in Haufen, kurz, die Sache war das reinste Spiessrutenlaufen, so dass man sich immer wieder fragte, ob das Radfahren denn wirklich alle die Scheusslichkeiten aufwöge, denen man ausgesetzt war.“ </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Und weiter schreibt sie: </p>
<p>Zitatorin Amalie Rother</p>
<p>„Alles Verweisen auf Reiterinnen, Schlittschuhläuferinnen half nichts, Radfahren war und blieb &quot;unweiblich&quot;. Einen vernünftigen Grund, warum, konnte natürlich niemand angeben.“</p>
<p>ZSP 3 OT Florack</p>
<p>„Es gab die Vorstellung einer Geschlechterverschiedenheit und einer Geschlechterhierarchie. Und zur Verschiedenheit gehörte, dass Männern und Frauen verschiedene Sphären zugeschrieben waren.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Als das Fahrrad sich in bürgerlichen Kreisen verbreitet, herrschen klare Rollenvorstellungen. </p>
<p>Zsp 4 OT Florack </p>
<p>„Dem Mann war die Kultur zugeschrieben, die Erwerbsarbeit, er galt als aktiv, ihm war Kraft zugeschrieben. Während der Frau umgekehrt die Natur, die Hausarbeit, sie galt als passiv und Schwäche zugeschrieben war. Dazu passte es natürlich gar nicht, sich auf ein Fortbewegungsmittel zu setzen, das ja irgendwie auch Sportgerät war.“</p>
<p>Musik 5:</p>
<p>&quot;Demonstration&quot; - Album: Suffragette (Original Motion Picture Soundtrack) - Komponist: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;17</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Das Fahrrad verbreitet sich zunächst nur in den sozial besser gestellten Kreisen. Es ist eine spannende Zeit: Zwar sind die Rollenbilder extrem starr, doch erste Frauenrechtlerinnen hinterfragen das gesellschaftliche Korsett, in dem sie sich bewegen. </p>
<p>MUSIK 6</p>
<p>&quot;Biggest Shagging&quot; - Komponist: Alexandre Desplat - Album: Tamara Drewe (Original Soundtrack) - Länge: 1&#39;09</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Dazu gehört in den USA beispielsweise Caroline, mit Künstlernamen Elsa von Blumen. Sie steigt mit Hosen aufs Hochrad – in einer Zeit, in der Sport für die allermeisten Frauen kein Thema war. Sie beginnt ihre Karriere als Läuferin um ihr Kränkeln zu bekämpfen. Mit dem Hochrad tritt sie zu Wettbewerben an: Zum Jahreswechsel 1885 auf 1886 sind zwei Männer ihre Gegner - die aber als Team fahren und sich so immer abwechseln. Elsa von Blumen fährt 590 Kilometer in 51 Stunden – und gewinnt. Über die Jahre nimmt sie an vielen Wettbewerben teil und stößt auf gemischte Reaktionen. Die Lokalpresse feiert sie oft – aber immer wieder rennen ihr Männer hinterher, sie stürzt mehrere Male. Bei einem Rennen wirft ihr ein Mann einen Stock zwischen die Speichen. Trotzdem wird sie Zweite. </p>
<p>In einem Interview sagt Elsa von Blumen: </p>
<p>Zitatorin Elsa von Blumen</p>
<p>„Indem ich mit meinen Bicycle-Übungen vor Publikum auftrete, biete ich meinem Verständnis nach nicht bloß die aktuell modernste und faszinierendste Unterhaltung, sondern demonstriere auch den großen Bedarf nach Körperkultur und Körpertraining, besonders der jungen amerikanischen Damen.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Die meisten bürgerlichen Frauen trauen sich nicht sofort, einfach Hosen zu tragen. Durch das Fahrrad wird eine Entwicklung losgetreten, die den langen Rock zumindest etwas praktischer macht – etwas kürzer, etwas weniger weit geschnitten, manche Frauen nähen sich Ziehbänder in den Rock. Und denken sich ganz neue Modelle aus.</p>
<p>ZSP 5 OT Florack</p>
<p> „Dann gibt es den Rock mit Unterbeinkleidern. Also eine Art Pumphose drunter, das hatte schon die Gefahr, dass sich die Oberschenkel abzeichneten. Dann gab es sowas wie Hosenröcke, sehr weit in den Beinen, da war die Gefahr, dass man den Schritt sehen konnte, sodass mitunter vorne ein Tuch drüber gespannt wurde, damit das eben nicht geschah.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>In Deutschland gibt es in den 1890er Jahren zwei Fahrradzeitschriften speziell für Frauen. In „Der Radlerin“ und der „Draisena“ werden verschiedene modische Möglichkeiten diskutiert, das Radgewand praktisch zu gestalten, aber trotzdem noch den Konventionen zu entsprechen. </p>
<p>Eine Idee waren „Verwandlungskostüme“. Beispielsweise eine Pumphose, die mit extra Stoff und Knöpfen schnell zu einem Rock umfunktioniert werden kann. </p>
<p>Pumphosen ohne alle Rock-Umbaumöglichkeit sind die gewagteste Form, mit der sich nach und nach Frauen aufs Fahrrad trauen. </p>
<p>Neu erfinden müssen sie sie nicht – etwa vier Jahrzehnte vorher schon sind sie Thema in der US-amerikanischen Frauenbewegung. Dort werden sie Bloomers genannt - der Name geht auf die US-amerikanische Frauenrechtlerin Amelia Jenks Bloomer zurück. </p>
<p>Sie setzt sich dafür ein, den Dresscode für Frauen zu lockern und praktischer zu gestalten. Eine Entwicklung, die auch in den USA nicht jedem gefällt. </p>
<p>Musik 7</p>
<p>&quot;Subliminal&quot; - Album: Lasa &amp; Zabala (Original Motion Picture Soundtrack) - Komponist und Ausführende: Pascal Gaigne - Länge: 0&#39;35</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Allein die Angst davor, dass Lehrerinnen demnächst den langen Rock gegen Hosen eintauschen könnten, treibt die örtliche Schulbehörde zuständig für Flushing auf Long Island in den USA dazu, drei Lehrerinnen das Fahrradfahren zur Schule zu verbieten. Ein Behördenmitarbeiter sagt laut eines Zeitungsartikels:  </p>
<p>Musik 8</p>
<p>&quot;Full Tense&quot; - Album: Requiem for a Dream (Soundtrack from the Motion Picture) - Komponist: Clint Mansell - Länge: 0&#39;44</p>
<p>Zitator Zeitungsartikel Behördenmitarbeiter </p>
<p>„Es ist nicht recht, dass Frauen das Fahrrad fahren. Sie tragen natürlicherweise Röcke, aber wenn wir sie jetzt nicht stoppen, dann wollen sie im Stil der New Yorker Frauen fahren und Bloomers tragen. Wie würden dann unsere Klassenzimmer aussehen, wenn die Lehrerinnen in Bloomers zwischen den Mädchen und Jungen umhergehen. Sie könnten ebenso gut Männerhosen tragen. Ich vermute, dass es so weit noch kommen wird, doch wir sind entschlossen, rechtzeitig unsere Lehrerinnen zu stoppen, bevor sie so weit gehen.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Doch einige Frauen gehen tatsächlich so weit, ziehen Bloomers an und trauen sich damit aufs Fahrrad. Aber viele von ihnen ziehen sich nach dem Radeln direkt wieder um. Das heißt, das Fahrrad schafft etwas, was dem Pferd mit seinem Damensattel nicht gelang: Zumindest zeitweise tauschen manche Frauen öffentlich sichtbar Rock gegen Hose – aber die gesellschaftliche Konvention wird – vor allem in Deutschland - durch das Fahrrad nicht sofort gebrochen. Auch Amalie Rother, die Pionier-Radlerin aus Berlin, spricht sich gegen Hosen fernab vom Fahrrad aus. </p>
<p>Die Radlerinnen erkämpfen sich zwar das Fahrradfahren – aber nicht alle von ihnen wollen auch fernab der zwei Räder Konventionen brechen. Manche Frauen wollen wohl einfach die schöne Ausfahrt ins Grüne genießen und nicht gleichzeitig die Gesellschaft revolutionieren.</p>
<p>Die Modefrage ist in Sachen Rock außerdem nicht mehr so wichtig, als sich das Rad mit niedrigem Einstieg verbreitet. </p>
<p>Amalie Rother, die Berliner Fahrradpionierin aus Berlin schreibt darüber: </p>
<p>Zitatorin Amalie Rother</p>
<p>„Ich bin gewiss heute keine Freundin des eben so hässlichen, wie unpraktischen Damenrades, aber das steht fest: Ohne diese Maschine hätte das Damenfahren nie den jetzigen Aufschwung genommen, die besseren Kreise hätten sich viel schwerer zum Fahren entschlossen“. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Aber es gibt noch ein anderes Kleidungsstück, dem manche Radlerinnen den Kampf ansagen – auch Amalie Rother: </p>
<p>Zitatorin Amalie Rother</p>
<p>„Das erste, was unbedingt in die Rumpelkammer muss, ist das Korsett. Tiefes, lebhaftes Atmen, wie es das Radfahren verlangt, kann nur geschehen bei voller Ausdehnung des Brustkorbes.“ </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Im 19. Jahrhundert gilt die Wespentaille als Schönheitsideal. Vor allem wohlhabendere Frauen greifen zu dem Kleidungsstück mit eingenähten Drähten, was so eine aufrechte Haltung erzwingt.  </p>
<p>Nicht einfach, damit Fahrrad zu fahren. </p>
<p>Der neue Sport entfacht eine Diskussion über das Korsett, die es teilweise schon gab. Manche Mediziner warnen schon länger vor Konsequenzen für die Organe, die Atmung und die Rippen. Als Alternative wird das Reformkorsett empfohlen, etwas weiter geschnitten und dehnbar, oder Büstenhalter. </p>
<p>Laut Historikerin Dörte Florack wird die Diskussion um das Korsett vor allem von Medizinern geführt. Dabei geht es zum einen um gesundheitliche Aspekte – aber manche Ärzte kommentieren auch die Ästhetik, beispielsweise, dass auch das Reformkorsett selbst „starken Frauen“ eine hübsche Figur verleihen solle. </p>
<p>ZSP 6 OT Florack</p>
<p>„Die Mediziner haben die Priester abgelöst als Hauptkommentatoren gesellschaftlicher Entwicklungen. Somit hatten sie Gewicht.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Und als Hauptkommentatoren haben sie noch ganz anderes beizutragen als nur zum Korsett. Zum Beispiel die Frage, ob lange Touren nicht schädlich für das „schwache Geschlecht“ seien. </p>
<p>OT Florack</p>
<p>„Ich hatte vielmals nicht das Gefühl, dass Frauen, dass Radlerinnen überhaupt befragt wurden – sondern es wurde halt über sie geschrieben.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Gewarnt wird vor Haltungs- und Organschäden – das gilt auch für Männer. Insgesamt hält man die Frau aber für weniger leistungsfähig. Ein Arzt empfiehlt allgemein für „Vergnügungstouren“ nicht mehr als 50 Kilometer – die gesunde Jugend könne sich aber auch an das Doppelte heranwagen. Für Frauen schränkt er die Richtwerte aber um ein Viertel ein. </p>
<p>Außerdem Gegenstand von Diskussionen – der Unterleib der Frau. Neben der Warnung, das Fahrradfahren könne der Fruchtbarkeit schaden, wird eine These besonders oft zitiert und diskutiert: </p>
<p>1896 schreibt der Arzt Martin Mendelsohn in „Der Einfluß des Radfahrens auf den menschlichen Organismus: </p>
<p>Musik 9/10</p>
<p>&quot;Full Tense&quot; - Album: Requiem for a Dream (Soundtrack from the Motion Picture) - Komponist: Clint Mansell - Länge: 0&#39;41</p>
<p>&quot;Subliminal&quot; - Album: Lasa &amp; Zabala (Original Motion Picture Soundtrack) - Komponist und Ausführende: Pascal Gaigne - Länge: 0&#39;41</p>
<p>Zitator Mendelsohn</p>
<p>„Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass, wenn die betreffenden Individuen es wollen, kaum eine Gelegenheit zu vielfacher und unauffälliger Masturbation so geeignet ist, wie sie beim Radfahren sich darbietet. Wenn man, was vorgekommen ist, ganz absieht von denjenigen Fällen, in denen der Sattel auf ganz besonderer Absicht mit einem nach oben gekrümmten Vordertheile versehen wurde, so bietet auch sonst der Sitz, rittlings mit ausgespreizten Schenkeln, ausreichende Möglichkeit, solchem Hange nachzugeben.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Da Mendelssohn hinzufügt, dass auch Männer ihre Fahrt wegen ständiger Erektionen oft unterbrechen müssen, scheint recht offensichtlich, dass er seine Abhandlung nicht empirisch belegen kann. </p>
<p>Zwar will er das Fahrradfahren nicht ganz verbieten, weil er durchaus auch gesundheitlichen Nutzen sieht. Aber seine These wird vor allem von Kritikern des Radfahrens als Argument genutzt. Einer schreibt, dass Frauen und Mädchen das Radfahren zu „verbotenen Zwecken“ nützten und das Frauenradfahren etwas Unsittliches sei. </p>
<p>Wie sich eine Radlerin benehmen soll – und vor allem, in welcher Gesellschaft sie fahren durfte, ist immer wieder Thema in Zeitschriften und Büchern. </p>
<p>Wenn eine Frau mit Männern unterwegs ist, sollte sie zum Beispiel in der Mitte fahren, damit die Herren die Dame „vor Blicken und sonstigen Gefahren“ schützen können. Um mit nur einem Mann zu fahren, muss es schon ein naher Verwandter oder nahestehender Freund zu sein, der laut einem Text in der Draisena als „ihr Beschützer und Wächter“ schräg versetzt knapp hinter der Frau fahren soll. </p>
<p>Ein besonderes Modell stellt besonders herausfordernde Fragen: Das Tandem. Wer sitzt vorne, wer sitzt hinten? </p>
<p>ZSP 7 OT Florack</p>
<p>„Hier widerspricht sich nämlich einerseits, dass natürlich die Frau vorne zu sitzen hat, weil der Mann ihr doch nicht den Rücken zuwenden darf und sie natürlich den Blick auf die Landschaft haben soll. Und auf der anderen Seite natürlich der Mann derjenige sein muss, der steuert.“</p>
<p>MUSIK 11</p>
<p>&quot;Is she dead?&quot; - Komponist: Alexandre Desplat - Album: Tamara Drewe (Original Soundtrack) - Länge: 0&#39;45</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Alle Bedenken von Ärzten, Modevorschriften oder gesellschaftliche Erwartungen können Frauen über kurz oder lang aber nicht aufhalten, auf Fahrräder zu steigen.</p>
<p>Zitatorin Susan B. Anthony</p>
<p>„Ich denke, es hat mehr für die Emanzipation der Frauen getan als irgendetwas anderes auf der Welt.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Sagt die amerikanische Frauenrechtlerin Susan B: Anthony schon 1896 in einem Interview </p>
<p>Zitatorin Susan B. Anthony</p>
<p>„Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine Frau auf einem Fahrrad sehe. Es gibt Frauen ein Gefühl von Freiheit und Selbstvertrauen.&quot; </p>
<p>ZSP 10 OT Florack</p>
<p>„Es wird individuell sehr zur Emanzipation beigetragen hatte, weil sie auf einmal einen ganz anderen Bewegungsradius hatte. Sie konnten beim Sport ihre Kleidung anders gestalten, sie konnten raus in die Natur, sie konnten sich leichter mit Freundinnen treffen. Es wurde manches aufgebrochen. Und ich glaube schon oder bin überzeugt, dass es für manche Frauen durchaus stärkend war.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Allerdings sagt die Historikerin auch, dass nicht jede Fahrradfahrende Frau im Deutschen Kaiserreich ihr Tun gleich als politisches, feministisches Statement versteht. </p>
<p>ZSP 11 OT Florack</p>
<p>„Man darf sich jetzt aber keine kämpferische Klientel vorstellen, jedenfalls nicht so, wie es aus den Quellen nachvollziehbar ist. Es gab extra Frauenradzeitschriften, da wurde manches diskutiert, da wurden die medizinischen Auseinandersetzungen und so weiter reflektiert, es wurde auch mal gesagt – in meinen Worten – das ist ja Quatsch. Aber es wird nicht verbunden mit einem: So jetzt müssen wir heraustreten aus dem, was uns als Zwängen auferlegt ist als bürgerliche Frauen.“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>In Deutschland ist das Fahrrad also nicht Symbol und Mittel einer Frauenrechtsbewegung geworden. Anders ist das in Großbritannien.</p>
<p>Alice Hawkins aus Leicester arbeitet um 1900 herum in einer Fabrik – und setzt sich dafür ein, dass Frauen die gleiche Bezahlung erhalten sollen wie Männer. Und: Das Wahlrecht. </p>
<p>Sie gründet den Ableger der WSPU in Leicester – also der Women’s Social and Political Union – besser bekannt als Suffragetten. Um ihre Ideen auch in umliegenden Ortschaften zu verbreiten und sich mit Gleichgesinnten zu treffen, benutzt sie: das Fahrrad. So legt sie Strecken zurück, die zu Fuß nicht möglich gewesen wären. </p>
<p>1907 gründet Flora Drummond die WSPU Cycling Scouts. Jeden Samstag trifft sich die Gruppe auf einem Platz in London und fährt los, auch aus der Stadt raus, um ihre Ideen zu verbreiten. </p>
<p>Dabei tragen die Frauen lila, weiß und grün – die Farben der Suffragetten und Flaggen der Women’s and Social Political Union flattern am Fahrrad. </p>
<p>Nach teils militanten Aktionen ist das Fahrrad auch oft das Mittel zur Flucht – manche Frauen schaffen es so, dem Gefängnis zu entkommen. </p>
<p>Auf Fotos der britischen Suffragetten sieht man sie oft mit Fahrrädern. Manchmal ist das Fahrrad beiläufig dabei, manchmal posieren die Frauen damit. </p>
<p>Das Rad ist damals das einfachste, schnellste und unabhängigste Fortbewegungsmittel für die Frauen. Arbeiterinnen sind in ihrer knapp bemessenen Freizeit sonst zu Fuß unterwegs, Frauen der oberen Schichten verbringen viel ihrer Zeit in Innenräumen oder werden in Kutschen umhergefahren. </p>
<p>Das Beispiel der Suffragetten zeigt, wie wichtig eine unabhängige, schnellere Mobilität für politische Arbeit ist, um sich überhaupt austauschen und vernetzen zu können. </p>
<p>Musik 12</p>
<p>&quot;Los mundos sutiles (Part II)&quot; - Album: Los mundos sutiles - Komponist und Ausführender: Pascal Gaigne - Zeit: 0&#39;29</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Wie sehr das Fahrradfahren emanzipiert, ist auch schon nach wenigen Tagen beim Kurs für Frauen mit Migrationsgeschichte auf der Theresienwiese spürbar. Mittlerweile drehen fast alle Frauen schon sicher ihre Runden auf der riesigen Fläche. </p>
<p>Abeer aus dem Irak ist nicht mehr zu bremsen.</p>
<p>Zsp E Abeer </p>
<p>„Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass ich kann Fahrradfahren. Ich fühle mich wie fliegen, wie Vogel“</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Für Angeline aus Kenia bedeutet es</p>
<p>Zsp F Angeline </p>
<p>„Freedom, you feel the air, coming to your face, it is really nice. I think this week we can go have a look for a bike for me“</p>
<p>Sprecherin OV: </p>
<p>Freiheit, man fühlt die Luft im Gesicht, es ist toll. Ich denke nächste Woche können wir nach einem Fahrrad für mich schauen. </p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Was sagen die Frauen hier zu dem Satz der Frauenrechtlerin Susan B. Anthony, das Fahrrad hätte mehr für die Emanzipation der Frau getan als irgendetwas anderes auf der Welt? </p>
<p>Zsp G Angeline: </p>
<p>„Yeah Yeah, true, it really opens up. Because imagine I take my son from school, I need 15 Minutes, so it is 30 minutes… in 30 minutes I </p>
<p>can do a lot oft hings. You get more time to do things that matter.“</p>
<p>Sprecherin OV</p>
<p>Ja, das ist wahr, es gibt mehr Möglichkeiten. Wenn ich meinen Sohn zur Schule bringe, brauche ich 15 Minuten, also 30 insgesamt. In 30 Minuten kann ich so viel tun – man bekommt mehr Zeit um wichtige Dinge zu tun.“</p>
<p>Musik 13</p>
<p>&quot;Los mundos sutiles (Part II)&quot; - Album: Los mundos sutiles - Komponist und Ausführender: Pascal Gaigne - Zeit: 0&#39;30</p>
<p>Zsp H Ayyah: </p>
<p>„Ich dachte, ich könnte nicht Fahrradfahren, weil man das als Kind lernen muss. Aber besonders in Arabische Kultur, ist nicht normal das viele Leute Fahrradfahren. Aber jetzt danach, ich hab das Gefühl, ich könnte alles machen.“ </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Kreuzotter - Gut getarnt und giftig</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-kreuzotter-gut-getarnt-und-giftig/2104974</link>
      <pubDate>Wed, 16 Jul 2025 03:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d85b10d7-3502-45ec-b14c-c5df7f99a1cb</guid>
      <description>Kreuzottern sind die einzigen Giftschlangen Bayerns. Angst müssen Menschen aber nicht haben: Weil ihre Lebensräume immer kleiner werden, sind die Schlangen mit dem typischen Zickzackmuster inzwischen selten. Von Claudia Steiner (BR 2025)</description>
      <enclosure length="20907264" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2104974/c/feed/die-kreuzotter-gut-getarnt-und-giftig.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Kreuzottern sind die einzigen Giftschlangen Bayerns. Angst müssen Menschen aber nicht haben: Weil ihre Lebensräume immer kleiner werden, sind die Schlangen mit dem typischen Zickzackmuster inzwischen selten. Von Claudia Steiner (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/530c8d1d-4f12-4283-8841-240c0465a1a2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kreuzottern sind die einzigen Giftschlangen Bayerns. Angst müssen Menschen aber nicht haben: Weil ihre Lebensräume immer kleiner werden, sind die Schlangen mit dem typischen Zickzackmuster inzwischen selten. Von Claudia Steiner (BR 2025)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/>Regie: Frank Halbach<br/>Es sprach: Irina Wanka<br/>Technik: Anton Wunder<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Paul Hien, Reptilienexperte und Tierfilmer<br/>Max Prietzel vom Bayerischen Artenschutzzentrum am Bayerischen Landesamt für Umwelt<br/>Tobias Windmaißer Bund Naturschutz in Bayern</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Schlangengrube - WirTier</strong><br/>Markus hat als Tierarzt eine Mission: Reptilien vor Leid bewahren. Er kümmert sich um Schlangen aus Qualzuchten oder auch um exotische Tiere, die als Ware illegal gehandelt und wenig artgerecht gehalten werden. Host Vici nimmt für WirTier ihren Mut zusammen: Schafft sie es, Schlangen auf Augenhöhe zu begegnen? <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:575f91d6b4f9bd53/">HIER</a> geht es zur Folge.</p>
<br/>
<strong>Wildtiere erobern die Großstadt - Waschbär, Fuchs und Fledermaus<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wildtiere-erobern-die-grossstadt-waschbaer-fuchs-und-fledermaus/bayern-2/78751702/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Das Reh - Scheuer Waldbewohner im Kreuzfeuer<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-reh-scheuer-waldbewohner-im-kreuzfeuer/bayern-2/79892220/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Die Alpenkreuzotter aus der Zeitschrift für Feldherpetologie <a title="Hier gehts zur Website." href="https://shop.laurenti.de/media/Abstracts%20ab%202020/ZfF%202020-02-02%20-%20Schmidtler%20%26%20Hansbauer-abstract.pdf">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Kreuzottern - faszinierend und gefährdet - Website des Bayerischen Landesamt für Umwelt <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.lfu.bayern.de/buerger/doc/uw_114_kreuzottern_faszinierend_und_gefaehrdet.pdf">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Lebensräume der Kreuzotter kennen und schützen Website NABU Baden-Württemberg <a title="Hier gehts zur Website." href="https://baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2021/juli/30269.html">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Scheue Sonnenanbeterin - Die Kreuzotter im Porträt Website NABU  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/reptilien/01012.html">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Kreuzotter - Vipera berus Website Herpetofauna.at <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.herpetofauna.at/index.php/kreuzotter">HIER </a></strong></p>
<p><strong>Achtung Kreuzotter - ARD Mediathek <a title="Hier geht es zur ARD Mediathek" href="https://www.ardmediathek.de/video/natur-exclusiv/achtung-kreuzottern/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzVjZDYxZDA2LTQ3M2EtNDc0OS05MTVjLTI0YTJhNjY4NGZhYw">HIER</a></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-schlange-kreuzotter-reptilien-tiere-gefaehrdung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>ATMO Wald </p>
<p>01 Zsp Kreuzotter Paul Hien </p>
<p>Kreuzottern sind in mehrerlei Hinsicht Schlangen der Superlative. Also, es fängt schon mal an, dass sie die größte Verbreitung aller Landschlangen der Welt hat. Das reicht von Schottland quer durch Eurasien bis hinter fast bis nach Japan. Und in Europa geht sie zum Beispiel in Norwegen sogar über den nördlichen Polarkreis raus – als einzige Schlange der Welt. Und im Süden bis zum Balkan. Und in ihrem Riesengebiet hat man mittlerweile schon mehrere Unterarten beschrieben. </p>
<p>MUSIK  „Nomad Theme“; ZEIT: 01:16</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>… sagt der Reptilienexperte und Tierfilmer Paul Hien. Er berät den Nationalpark Bayerischer Wald und gibt dort Kreuzotter-Führungen. In Deutschland begegnet man Kreuzottern unter anderem in der Norddeutschen Tiefebene und in den östlichen Mittelgebirgen. In Bayern kommen die Schlangen mit dem typischen Zickzackmuster auf dem Rücken vor allem im Norden, im Voralpenland und in den Alpen vor, sogar bis auf eine Höhe von über 2.200 Metern, in der Schweiz sogar bis auf 3.000 Höhenmeter. </p>
<p>MUSIK kurz hoch </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>2024 war die Kreuzotter in Deutschland „Reptil des Jahres 2024“. Doch die einzige Giftschlange Deutschlands wird immer seltener. Inzwischen wird sie bundesweit auf der Roten Liste geführt. Sie gilt als stark gefährdet. Im Freistaat ist die Schlange in Gebieten außerhalb des Alpen- und Alpenvorlandes sogar vom Aussterben bedroht. Sie zu töten, steht unter Strafe. Das war nicht immer so. Die gut getarnte Kreuzotter war lange gefürchtet, denn beim Torfstechen, bei der Heuernte oder bei Waldarbeiten kam es immer wieder zu Begegnungen zwischen Tier und Mensch und manchmal auch zu schmerzhaften Bissen. Der Amphibien- und Reptilienexperte Max Prietzel vom Bayerischen Artenschutzzentrum am Bayerischen Landesamt für Umwelt. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>02 Zsp Kreuzotter   Max Prietzel</p>
<p>Es wurden tatsächlich auch Kopfgeldprämien auf erschlagene Tiere ausgezahlt. Das lief tatsächlich auch noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts, also nach dem Zweiten Weltkrieg. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im 19. Jahrhundert wurden allein um Baiersbronn im Schwarzwald pro Jahr rund 100 getötete Schlangen abgeliefert. Laut NABU Baden-Württemberg sind auf diese Weise im Nordschwarzwald die Bestände in nur 100 Jahren um etwa 90 Prozent zurückgegangen. Hinzu kommt, dass der Lebensraum der Schlangen immer kleiner wird. So wurden zum Beispiel in Bayern zahlreiche Flüsse wie der Lech und die Isar begradigt. Flussauen verschwanden. Auch viele Moore wurden trockengelegt, riesige Flächen versiegelt. Max Prietzel: </p>
<p>03 Zsp Kreuzotter Max Prietzel </p>
<p>Und natürlich kam dann auch noch die land- und forstwirtschaftliche Intensivierung mit dazu, also die Umwandlung gerade von diesen Standorten und Lebensräumen, die davor nicht ganz so in der Nutzung waren. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So sind nach und nach wichtige Strukturen für die in Bayern etwa 50 bis 70 Zentimeter lange Schlange verlorengegangen. </p>
<p>MUSIK  „Natural Harmony“; ZEIT:. 00:49</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die zur Familie der Vipern gehörenden Reptilien sind wechselwarm. Das heißt, ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebungstemperatur ab. Besonders agil sind die Schlangen, wenn es warm ist. Morgens suchen sie gerne lichte Stellen zum Beispiel in der Nähe von Heidelbeersträuchern auf, um sich dort ungestört in die Sonne zu legen. Sie können ihre Rippen abspreizen: Dadurch wird ihre Körperoberfläche größer und sie können noch mehr wärmende Sonnenstrahlen einfangen. Sonst mögen Kreuzottern aber eher kühle und feuchte Lebensräume wie Heide, Torfmoore und Grasland mit Tümpeln. Paul Hien: </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>04 Zsp Kreuzotter Paul Hien  </p>
<p>Kreuzottern haben relativ hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Ich nenne sie immer den Mercedes unter den Kriechtieren, also da wo es die Kreuzotter noch gibt, da gibt es eigentlich die anderen Arten auch noch alle und eine Kreuzotter braucht halt richtige Wildnis.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Als Unterschlupf – auch im Winter - suchen sie sich frostsichere Steinhaufen, Felsspalten, Totholzhaufen, Mäusegänge oder Lücken im Wurzelwerk großer Bäume. Im Bayerischen Wald zum Beispiel wurden früher aus Äckern Steine und Felsbrocken gelesen, um Flächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Die Steine wurden entlang der Felder und Äcker aufgeschüttet – diese Haufen waren ideale Sonnenplätze und Rückzugsorte für die Ottern. Doch diese Strukturvielfalt gibt es inzwischen nur noch in wenigen Regionen.  </p>
<p>ATMO Wald</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Deshalb braucht die Kreuzotter inzwischen Unterstützung. Ein großes Naturschutzprojekt in Deutschland, das auch der Viper zugutekommt, ist das Grüne Band entlang der etwa 1.400 Kilometer langen, ehemaligen Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Hier – entlang des Eisernen Vorhangs – wurde der Grenzstreifen 40 Jahre lang aus militärischen Gründen offengehalten und nicht landwirtschaftlich genutzt. Naturschützer versuchen, den Artenreichtum dort zu erhalten. </p>
<p>MUSIK  „Roof of the world”; ZEIT: 00:52</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und dann gibt es noch das Grüne Band Europa, das vom Eismeer im Norden bis zur Adria und dem Schwarzen Meer reicht. Im Grenzbereich zwischen Bayern und heute Tschechien gab es viele Jahre ein absolutes Sperrgebiet auf tschechischer Seite, in dem die Natur sich selbst überlassen wurde. Der Innere Bayerische Wald wiederum war lange und ist vielerorts immer noch von kleinbäuerlicher Landwirtschaft geprägt. Die Region ist bekannt für ein artenreiches Mosaik aus Kultur- und Naturlandschaften, doch auch hier verändert sich die landwirtschaftliche Nutzung. Deshalb versuchen Naturschützer, die Vielfalt zu bewahren oder wieder aufzubauen. Tobias Windmaißer ist beim Bund Naturschutz in Bayern für die Vernetzung des Grünen Bandes im Inneren Bayerischen Wald zuständig.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>05 Zsp Kreuzotter Tobias Windmaißer</p>
<p>Wir konnten auf mehreren Flächen die Attraktivität für die Kreuzotter erhöhen, dadurch dass wir Totholzhaufen und Lesesteinriegel angelegt haben. Viele Flächen werden extensiv beweidet und Teilbereiche nur sporadisch gemäht. Das alles führt zu einer höheren Strukturvielfalt auf der Fläche. Und zum Beispiel brauchen junge Kreuzottern als Nahrung die Hüpferlinge, also die Larven von Amphibien wie dem Grasfrosch. Die kommen natürlich nur vor, wenn auf der Fläche auch Tümpel oder kleine Gewässer vorliegen. Und die haben wir aktiv reaktiviert oder neu angelegt. Und das in der Summe führt dann dazu, dass die Flächen für die Kreuzotter besser geeignet sind.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Solche Maßnahmen zeigen Wirkung: Auf einigen wenigen, besonders abwechslungsreichen Flächen im Bayerischen Wald können Experten zuletzt zur Paarungszeit mehrere Tiere auf einmal beobachten. Tobias Windmaißer: </p>
<p>06 Zsp Kreuzotter Tobias Windmaißer</p>
<p>Und mittlerweile ist dieses Gebiet in Anführungszeichen eine Paarungsarena geworden für die Kreuzotter. Und dort wurden schon einmal über zwei Dutzend Exemplare auf einmal gezählt. Sowas ist allerdings wirklich eine Seltenheit.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In Bayern kommen die Schlangen inzwischen nur noch in abgegrenzten Gebieten vor. Ziel der Umweltschützer ist es, die Lebensräume zu erhalten und falls möglich - die Gebiete wieder zu vernetzen, so dass es zu einem genetischen Austausch kommt. Oft sind die Populationen aber so stark isoliert, dass dies schwierig ist. Max Prietzel vom Bayerischen Artenschutzzentrum: </p>
<p>07 Zsp Kreuzotter Max Prietzel</p>
<p>Kleine, stark isolierte Populationen, denen fehlt natürlich der genetische Austausch und das kann natürlich durch genetische Prozesse zu einer Verarmung (…) und dementsprechend zu geringerer Reproduktion bis hin zum Aussterben der Population führen. (…) Es laufen tatsächlich Studien, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, unter anderem in Schweden gibt es ein sehr ausführliches Beispiel, da wurde eine Population (…) über mehrere Jahre untersucht und die war eben stark verarmt und man hat dann aus einer nahen Population einzelne Tiere, in dem Fall männliche Tiere, in diese Population eingebracht und konnte eben relativ schnell Erfolge sehen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Reproduktionsrate stieg, heißt: es gab wieder mehr Jungtiere. Aber auch die Zahl der Tiere insgesamt nahm zu. In Bayern greift man noch nicht zu solchen Maßnahmen, sagt Max Prietzel.  </p>
<p>08 Zsp Kreuzotter Max Prietzel</p>
<p>Da ist ein weiteres Problem natürlich, dass wir aktuell tatsächlich noch zu wenig zur Genetik der Art selber wissen, also erst vor relativ kurzer Zeit, (…) ist eine neue genetische Unterart, die Alpenkreuzotter, auch in Bayern festgestellt worden und da ist es natürlich so, dass man, wenn man da Tiere aus sehr stark unterschiedlichen Regionen miteinander verbringt, dass dann natürlich da auch Effekte auf die genetische Diversität wirken, also dass das natürlich auch zu Nachteilen führen kann. Dementsprechend brauchen wir da eigentlich erstmal noch deutlich fundiertere Daten, um in diese Richtung denken zu können.</p>
<p>ATMO Donner &amp; Regen, Wind</p>
<p>MUSIK privat Take 009 „Dusty Rain”; Album: Mind of Tesla; Label: CD Baby; Interpret: Kim Merlino; Komponist: Kim Merlino; ZEIT: 00:29</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Je nach Witterung suchen sich die Schlangen im Herbst oder Spätherbst ein Winterquartier – zum Beispiel frostsichere Höhlen oder Hohlräume unter Steinhaufen. Etwa von Oktober bis März verbringen die Tiere, die sonst als Einzelgänger unterwegs sind, dann oft zusammen mit Artgenossen. Sie müssen etwa ein halbes Jahr ohne Nahrung auskommen. Völlig regungslos sind sie aber auch im Winter nicht. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>MUSIK „Particle“; ZEIT: 01:20</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Frühjahr kommen dann zunächst die Männchen aus ihren Winterquartieren. Sie legen sich in der Nähe ihres Schlafplatzes zum Aufwärmen in die Sonne. In diesen Wochen reifen ihre Spermien. Ab April häuten sich die Reptilien dann. Da die Haut nicht mitwächst, muss die zu klein gewordene Haut regelmäßig abgestreift werden. Dies geschieht vier bis fünf Mal im Jahr, indem die Tiere zum Beispiel über Steine oder Baumstümpfe kriechen. Dabei wringen sie sich aus der zu eng gewordenen Haut wie Menschen aus einer zu engen Jeans. Zurück bleibt das sogenannte Natternhemd. Im neuen, silber-schwarzen Hochzeitskleid steht dann im April und Mai die Paarung an. Kreuzottern werden im Alter von drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Die paarungsbereiten Weibchen sondern Pheromone ab. Die etwas kleineren Männchen folgen dem Duft. Sinneszellen auf ihrer gespaltenen Zunge ermöglicht es ihnen, räumlich zu riechen und die Weibchen zu finden. Wenn auch andere Männchen um das Weibchen buhlen, findet ein Ringkampf statt. Dazu richten die konkurrierenden Männchen ihre Vorderkörper auf und umschlingen sich. Jeder versucht, seinen Kopf über den des anderen zu schieben und den Gegner auf den Boden zu drücken. Das unterlegene Männchen bei den ritualisierten Kommentkämpfen ergreift die Flucht. Der Sieger kommt zum Zug. Paul Hien:   </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>09 Zsp Kreuzotter Paul Hien </p>
<p>Also die setzen niemals ihre Giftzähne ein. (…) Das sind so rituelle Kämpfe. Da wird nur kurz geschaut, wer ist der Stärkere, ohne dass man jemanden wirklich verletzen will. (…) </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>((Bei der Paarung kriecht das Männchen mit zuckenden Bewegungen über das Weibchen und berührt es immer wieder mit der Zunge. Dann erfolgt die Begattung, indem die sogenannten Kloaken aneinandergepresst werden.)) Der Paarungsakt kann mehr als zwei Stunden dauern, erzählt Reptilienexperte Paul Hien. </p>
<p>10 Zsp Kreuzotter Paul Hien</p>
<p>Und es ist so, dass sich ein Weibchen mit mehreren Männchen paaren kann. Und da kann sogar der Wurf mehrere Väter (…) haben. (…) Nach dem Paaren versucht das Männchen, sein Weibchen dann noch eine Weile zu beschützen vor anderen Männchen. Weil je mehr sich damit paaren, desto weniger Chancen hat das erste Männchen, dass seine Gene dann tatsächlich weitergegeben werden. </p>
<p>MUSIK  „Natural Harmony“; ZEIT: 01:04</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Kreuzottern gehören zu den ovoviviparen Reptilien. Ovovivipar bedeutet Ei-Lebend-Geburt. Das heißt: Die Weibchen brüten die Eier acht bis zehn Wochen im Körper aus und legen sich dazu jeden Tag in die Sonne. Zwischen August und Oktober kommen dann mehrere Jungschlangen lebend zur Welt, umhüllt von einer dünnen, durchsichtigen Eihülle. Diese müssen die neu geborenen, bis zu zwölf Zentimeter langen Schlangen zerreißen. Kurz darauf häuten sie sich zum ersten Mal. Die Jungtiere sind sofort selbstständig. Sie ernähren sich hauptsächlich von jungen Gras- oder Moorfröschen. Dafür bewegen sie ihren kleinen Schwanz hin- und her. Für die Frösche sieht der winkende Schlangenschwanz wie ein fetter Wurm aus. Wenn die Hüpferlinge in Reichweite sind, beißen die kleinen Jungvipern, die bereits Gift haben, zu. Doch es gibt immer weniger Frösche, sagt Max Prietzel. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>11 Zsp Kreuzotter Max Prietzel </p>
<p>Wir haben jetzt in den letzten Jahren, auch klimawandelbedingt, sehr starke Rückgänge, vor allen Dingen von Grasfrosch und diese frisch metamorphierten Hüpferlinge, die spielen eben eine wichtige Rolle bei den jungen Kreuzottern und durch den Rückgang eben des Grasfrosches sind langfristig auch Auswirkungen auf die Kreuzotterbestände zu befürchten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein weiterer Grund für den Rückgang der Amphibien wie dem Grasfrosch: Sie reagieren sehr empfindlich auf Umweltgifte oder auch Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat. ((Kreuzotter-Experte Paul Hien: </p>
<p>12 Zsp Kreuzotter Paul Hien </p>
<p>Amphibien geht es gerade richtig schlecht weltweit. Und wenn es den Amphibien schlecht geht, geht es leider auch den Kreuzottern schlecht. ))</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Adulte, also ausgewachsene Schlangen jagen Eidechsen, Frösche, Feld-, Wald- oder Spitzmäuse. Paul Hien: </p>
<p>13 Zsp Kreuzotter Paul Hien</p>
<p>Und die ausgewachsenen Ottern, die sind dann auf Mäuse spezialisiert und dieser langgestreckte Körper von einer Schlange, der ist natürlich perfekt dazu geeignet, dass man in ein Mauseloch hineinschlüpft und die Maus da drin direkt fangt. Das kann natürlich ein anderer Beutegreifer in der Form nicht, wie zum Beispiel ein Fuchs oder der Bussard. Der muss eben warten, bis die Maus rauskommt oder danach graben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Über ihre gespaltene Zunge können die Ottern räumlich Geruchsspuren erfassen und potenzielle Beutetiere verfolgen. Max Prietzel: </p>
<p>14 Zsp Kreuzotter Max Prietzel  </p>
<p>Und dann, wenn sie die Tiere aufgespürt haben, sind sie eigentlich ein Lauerjäger. Also sie warten eigentlich, dass das Tier in Reichweite kommt, um dann eben zum Giftbiss anzusetzen und das Tier zu beißen.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Dazu werden die beiden im Oberkiefer im Ruhezustand nach hinten geklappten Giftzähne nach vorne aufgestellt. Die beiden hohlen Zähne sind am Kiefer mit einer Giftdrüse verbunden. Von dort fließt das Gift in Sekundenbruchteilen durch die Zähne in die Bisswunde. Nach dem Biss lassen die Schlangen die Beute los und warten einige Sekunden oder Minuten, bis das Gift auf das Herz-Kreislaufsystem des Opfers gewirkt hat. Die Schlangen verfolgen das mit letzter Kraft flüchtende Tier und verschlingen es dann vom Kopf aus im Ganzen. ((Damit die Schlange beim Schlingen atmen kann, stülpt sie ihren Kehlkopf nach vorne.)) Pro Jahr frisst eine ausgewachsene Kreuzotter etwa 20 bis 30 Kleintiere. </p>
<p>ATMO (Laubrascheln, Schritte, Menschen im Wald) </p>
<p>MUSIK privat Take 003 „Children of Pizzicato”; Album: Perfect Fith Intervals; Label: 2018 Hoshow Mitani; Interpret: Hoshow Mitani; Komponist: Hoshow Mitani; ZEIT: 00:50</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Menschen werden selten gebissen. Weil die scheuen Kriechtiere Erschütterungen wahrnehmen können, sind sie in der Regel längst geflohen, wenn Menschen in ihre Nähe kommen. Nur wenn man versucht, das Reptil anzufassen, beim Beerensammeln oder bei Waldarbeiten aus Versehen auf sie tritt oder sich die Schlange bedroht fühlt, beißt sie auch bei Menschen zu. Das Gift der Kreuzotter ist zwar stark und bis zu dreimal so giftig wie das der Klapperschlange - aber sie verfügt nicht über große Giftmengen. Für einen gesunden Erwachsenen ist ein Kreuzotterbiss vor allem schmerzhaft. ((Je nach abgegebener Giftmenge und Gesundheitszustand kann es auch zu Übelkeit, Schwindel und Atemnot kommen.)) In der Regel ist ein Biss aber nicht lebensgefährlich. Paul Hien: </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>15 Zsp Kreuzotter Paul Hien</p>
<p>So wie alle anderen Giftschlangenarten auch, kann die Kreuzotter ihr Gift beim Biss dosieren. Es kann sein, dass überhaupt kein Gift eingesetzt wird, das ist dann ein sogenannter Trockenbiss oder man bekommt eine volle Dosis ab oder irgendwas dazwischen. Normalerweise wird eine Kreuzotter immer versuchen, ihr Gift sparsam, so sparsam wie möglich einzusetzen und nicht an den Menschen zu verschwenden, weil den kann sie ja letztendlich nicht fressen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bei den meisten Patienten kommt es nur zu einer Rötung und Schwellung an der Bissstelle. Ein Antiserum, also Gegengift, muss nach einem Kreuzotterbiss nur sehr selten eingesetzt werden, zum Beispiel wenn schwere Herz-Kreislauf-Probleme auftreten. Dennoch empfehlen Mediziner, das betroffene Körperteil nach einem Biss zu schienen und sich nicht anzustrengen. Denn je niedriger die Herzfrequenz, desto langsamer verteilt sich das Gift im Körper. Auch sollten Menschen, die gebissen wurden, zur Sicherheit zum Arzt gehen. Abbinden oder die Wunde auszusaugen wird nicht empfohlen – im Gegenteil, dies kann die Symptome eher verschlimmern. Manchmal kommt es auch zu Bissen, weil die Kreuzotter verwechselt wird, zum Beispiel mit der ungiftigen Ringelnatter. Dabei hat die Ringelnatter kein Zickzackmuster und anders als die Kreuzotter runde und nicht schlitzförmige Pupillen. Doch die sehr unterschiedlichen Färbungen von Kreuzottern führen dazu, dass sie oft nicht erkannt wird. Es gibt silbergraue, hell- und dunkelgraue, braune, blau-graue, orangene, rotbraune oder kupferrote Exemplare. Einfarbig kupferfarbene Tiere werden Kupferottern genannt. Und es gibt auch schwarze Kreuzottern – auch bekannt unter dem Namen Höllenotter oder Bergviper. Paul Hien: </p>
<p>16 Zsp Kreuzotter Paul Hien</p>
<p>Die Kreuzotter ist eine polymorphe Art, das heißt, die sind individuell sehr unterschiedlich gefärbt und gezeichnet. Also bei Tieren ist sowas generell sehr selten, weil normalerweise sind die Tiere halt farblich perfekt an ihre Umgebung angepasst und die Kreuzotter besticht aber da durch eine Vielfalt, die ist unglaublich und es gibt kaum eine andere Schlangenart auf der Welt, die derart variabel ist. ((Also die meisten haben ja dieses namensgebende Zickzackband am Rücken, aber auch da gibt es unglaublich viele Varianten, da schauen wirklich keine zwei gleich aus.)) </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vor allem vor der schwarzen Kreuzotter war die Furcht groß. Lange Zeit glaubten die Menschen fälschlicherweise, dass die schwarzen Exemplare giftiger seien als heller gefärbte Tiere. </p>
<p>Atmo (Schrei von Greifvogl)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Trotz ihres potenten Gifts hat auch die Kreuzotter natürliche Fressfeinde. So werden die Schlangen von Greifvögeln wie dem Mäusebussard oder dem Schwarzmilan, aber auch von Raben erlegt. Auch Marder, Dachse, Füchse und Fischotter fressen die Schlangen. Die Liste der Prädatoren ist lang, sagt Max Pritzel vom Bayerischen Artenschutzzentrum: </p>
<p>18 Zsp Kreuzotter Max Pritzel</p>
<p>In letzter Zeit häufen sich auch die Hinweise, dass die erhöhte Schwarzwilddichte lokal sehr stark auf die Kreuzotter-Populationen wirkt. Die Wildschweine können die Kreuzottern vor allen Dingen in den Winterquartieren aufspüren durch ihren guten Geruchssinn und dann natürlich auch ausgraben und fressen ((und dementsprechend ist es vor allen Dingen auch wichtig, dass Kirrungen in kreuzottersensiblen Gebieten natürlich entsprechend verlegt werden.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Unter Kirrung versteht man einen Ort, an dem Futter ausgebracht wird, um Wild anzulocken und zu bejagen. Kirrungen in offenere Waldbereiche oder an Waldränder sollten deshalb vermieden werden, weil diese Bereiche Hotspots für Kreuzottern sind. Durch die erhöhte Frequenz der Wildschweine aufgrund der Kirrungen steigt die Gefahr, dass die Tiere im Umkreis aus den Winterquartieren ausgebuddelt werden.)) Unter anderem durch den Maisanbau hat sich Schwarzwild, also Wildschweine, stark vermehrt. Wie viele Wildschweine in Bayern in den Wäldern leben, ist unklar. Klar ist nur, dass ihre Zahl über die Jahrzehnte deutlich zugenommen hat und durch Jagd immer wieder reduziert werden muss. Hinzu kommen neue Feinde, sagt Paul Hien: </p>
<p>19 Zsp Kreuzotter Paul Hien</p>
<p>Der Mensch hat Waschbär oder Marderhund eingeführt, die gab es vorher überhaupt nicht und es werden auch immer mehr Hauskatzen, Freigängerkatzen, die den Tieren draußen das Leben schwer machen.</p>
<p>MUSIK  „Wave“; ZEIT: 00:53</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Weniger Lebensräume, mehr Feinde, mehr Landwirtschaft, mehr Umweltgifte – für die Kreuzotter bei uns wird es eng – und das wirkt sich nicht nur auf das Überleben der Schlangen aus. Paul Hien: </p>
<p>20 Zsp Kreuzotter Paul Hien</p>

<p>Reptilien und vor allem Amphibien sind wie eine Art Frühwarnsystem. (...) Das ist wie mit dem Kanarienvogel, den man früher in Kohleminen mit reingenommen hat. Allerdings haben viele Menschen nicht verstanden, dass es dabei eigentlich gar nicht um den Kanarienvogel geht. Also im übertragenen Sinne geht es halt bei dem Schutz von Reptilien und Amphibien eigentlich um unsere eigene Zukunft. Also ohne Tiere funktionieren halt keine Ökosysteme und ohne funktionierende Ökosysteme haben wir ein massives Problem irgendwann.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gotische Bilderwelten - &quot;Völlig losgelöst von der Erde&quot;</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gotische-bilderwelten-voellig-losgeloest-von-der-erde/2087588</link>
      <pubDate>Wed, 16 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">691fcc3a-22ca-4fd3-adc4-82436bb5e4c6</guid>
      <description>&quot;Es werde Licht, es geht immer weiter aufwärts&quot;, so könnte man einen Stil umschreiben, der sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts von England aus in ganz Europa durchgesetzt hat. Die sogenannte &quot;Gotik&quot;. Die Gotik brachte, um es ein wenig salopp zu sagen, ein wenig Licht ins vermeintlich dunkle Mittelalter. (BR 2023)
Autor: Martin Trauner </description>
      <enclosure length="22816512" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087588/c/feed/gotische-bilderwelten-voellig-losgeloest-von-der-erde.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Trauner</itunes:author>
      <itunes:summary>&quot;Es werde Licht, es geht immer weiter aufwärts&quot;, so könnte man einen Stil umschreiben, der sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts von England aus in ganz Europa durchgesetzt hat. Die sogenannte &quot;Gotik&quot;. Die Gotik brachte, um es ein wenig salopp zu sagen, ein wenig Licht ins vermeintlich dunkle Mittelalter. (BR 2023)
Autor: Martin Trauner </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f22e2a77-bf37-45e2-9ba2-33e02b2d6a3f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>"Es werde Licht, es geht immer weiter aufwärts", so könnte man einen Stil umschreiben, der sich ab Mitte des 12. Jahrhunderts von England aus in ganz Europa durchgesetzt hat. Die sogenannte "Gotik". Die Gotik brachte, um es ein wenig salopp zu sagen, ein wenig Licht ins vermeintlich dunkle Mittelalter. (BR 2023)
Autor: Martin Trauner </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Martin Trauner<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Johannes Hitzelberger<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Heidrun Stein-Kecks, Department Medienwissenschaften und Kunstgeschichte - Institut für Kunstgeschichte Erlangen;<br/>Dr. Matthias Weniger, Bayerisches Nationalmuseum</p>

<p> <strong>Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Die Geschichte der Glasarchitektur - Durchlässig für Licht <br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-glasarchitektur-durchlaessig-fuer-licht/bayern-2/84660728/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-glasarchitektur-durchlaessig-fuer-licht/bayern-2/84660728/"></a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="Frauen auf Rädern"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>MUSIK und evtl. Atmo</p>
<p>ZITATOR (Goethe)</p>
<p>Als ich das erste Mal nach dem Münster ging, hatte ich den Kopf voll allgemeiner Erkenntnis guten Geschmacks. Auf Hörensagen ehrte ich die Harmonie der Massen, die Reinheit der Formen …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schreibt im 18. Jahrhundert der damalige Jurastudent Johann Wolfgang Goethe. Er war Anfang zwanzig, einigermaßen gebildet und er war zum Studieren in Straßburg gelandet. Also wollte er, wie man das halt in einer neuen, fremden Stadt so macht, er wollte sich die Kirche, das Münster anschauen… Die Kirche war schon damals vor langer Zeit, für Goethe muss das wohl im finstersten Mittelalter gewesen sein, im sogenannten „gotischen Stil“ erbaut worden… </p>
<p>ZITATOR (Goethe)</p>
<p>Ich war ein Feind der verworrenen Willkürlichkeiten gotischer Verzierungen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Verworrenheit hätte der junge Goethe, der ja auch in seinen jungen Jahren schon alles wusste, natürlich sofort auf den ersten Blick erkannt, aber zur Sicherheit hatte er in einem damaligen Wörterbuch, also einer Enzyklopädie 18. Jahrhunderts nachgeschlagen. Da stand freilich nichts Gutes drin über die Gotik… Das Wörterbuch schreibt (von …)</p>
<p>ZITATOR (Goethe)</p>
<p>… von Unbestimmtem, Ungeordnetem, Unnatürlichem, Zusammengestoppeltem, Aufgeflicktem, Überladenem… </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Also: Von aufwändig gestalteten Gewölben und von Spitzbögen; von viel zu großen, und viel zu bunten Fenstern; ja: und alles strebt in die Höhe, alles irgendwie vertikal… Alles zusammengewürfelt. Scheußlich. Oder nicht? - Goethe überlegt tatsächlich, ob er das Straßburger Münster überhaupt</p>
<p>betreten soll…</p>
<p>MUSIK und Atmo aus</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kurz mal eine Pause. Verlassen wir mal Goethe in Straßburg. – Begeben wir uns - wie der spätere Großdichter Goethe - auf eine Spurensuche und fragen mal bei heutigen Experten nach. - Was eigentlich bedeutet heutzutage der Begriff „Gotik“?</p>
<p>001 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>(Stöhnt) – Schwieriger Begriff, weil er eine lange Geschichte hat und weil er, einerseits, sehr bekannt ist, weil jeder was mit Gotik anfangen kann… aber doch das Ganze differenzierter gesehen werden muss..</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt Heidrun Stein-Kecks, Professorin für Kunstgeschichte… Wobei? Erkennen wir auch heute noch – so wie Goethe damals – erkennen wir Gotik auf den ersten Blick?</p>
<p>002 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Ja, auf den ersten Blick erkennt’s man freilich an den Spitzbögen und an dem Gewölbe, an den Dimensionen, an der Höhenentwicklung, am bestimmten Vertikalismus, an den Glasfenstern, also alles solche Dinge, die man sehr leicht erkennt und die auch allseits bekannt sind… Aber das alleine bedeutet nicht den Unterschied zwischen Gotik und Romanik</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nochmals zum Begriff der Gotik. Das klingt ja schon irgendwie nach den Goten? - Gotik und Goten, gibt’s da eine Verbindung?</p>
<p>003 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Also es stimmt tatsächlich, dass der Begriff der „Gotik“ von den Goten abgeleitet wird. Das geht zurück auf einen Autor des 16. Jahrhunderts …  </p>
<p>SPRECHER (ZITATOR)</p>
<p>Auf Giorgio Vasari. Der war ein Italiener. Aus dem 16. Jahrhundert. Er schrieb Künstlerbiographien. Und er teilte die Welt der Kunst in „Stilepochen“ ein. Also erfand er Begriffe wie „Manierismus“, „Renaissance“ oder auch die „Gotik“. Die Gotik oder die Goten, die mochte er freilich nicht. Die Goten, das waren die Deutschen… Er glaubte…</p>
<p>004 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>…dass die Goten diejenigen waren, die das römische Reich zerstört haben. Und zugleich aber auch alles damit Verbundene in der Architektur, also alle antike Architektur im Römischen Reich zerstört haben, in den vielen Kriegen, die sie geführt haben (…) Und niemand wusste mehr, wie man gut baut. Also das Wissen um eine gute Architektur ist vollständig verloren gegangen. Durch den Einfall der Goten und der Zerstörung des Römischen Reiches.</p>
<p>MUSIK und ATMO (Straßburger Dom)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber jetzt nochmals zurück zu Goethe, zu dem Moment, als er in das Straßburger Münster reingehen will: Die Goten, die waren also halbwilde Halsabschneider, das dachte auch Goethe seinerzeit. Die Kunst der Gotik, die Kunst des Mittelalters, die muss folglich – Giorgio Vasari hatte es ja so geschrieben - barbarisch gewesen sein…</p>
<p>ZITATOR (Goethe)</p>
<p>Ich war nicht gescheiter als ein Volk, das die ganze fremde Welt barbarisch nennt. Es hieß alles „Gotisch“, was nicht in mein System passte. Also: „Ganz vom Zierat erdrückt.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vielleicht kann man Goethes Eindrücke am besten mit Musik nachvollziehen. Eine so alte Kirche wie das Straßburger Münster, die hätte Goethe gerne im Sinne der Romanik gesehen, also die Kunst aus der Zeit vor der Gotik... Dunkel, ein paar Kerzen, bescheiden, gregorianische Choräle, natürlich einstimmige Musik … Also in etwa so…</p>
<p>MUSIK „Sederunt“ – „langweilige“ Gregorianik</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und dann betritt Goethe das Straßburger Münster. Eine „neue Musik“ empfängt ihn, die Kunst der „Ars Nova“. Es ist die Kunst der, ja, nennen wir sie einfach mal so, die Kunst der Gotik. - Mehrstimmige Musik. Die war extra für den gotischen Kirchenraum komponiert worden …</p>
<p>MUSIK „Sederunt“ - Perotin</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es werde Licht!</p>
<p>005 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Es war schon das Gefühl der ganzen Epoche, was sich auch in der Musik natürlich fortgesetzt hat (…)  </p>
<p>ZITATOR (Goethe)</p>
<p>Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davor trat. Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonierenden Einzelheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Baumeister des Münsters, erkannte Goethe, muss ein Genie gewesen sein. Denn er brachte den Himmel auf Erden…</p>
<p>MUSIK hoch und aus</p>
<p>006 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Mit der Gotik kommt ja Licht in ganz anderer Form in die Kirchen hinein. Und das sieht man den Kunstwerken natürlich auch an. Romanische Kirchen waren sehr dunkel oft, hatten nur kleine Fenster (…) in der Gotik werden die Wände geöffnet, durch die riesigen Fenster.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt der Kunsthistoriker Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum in München…</p>
<p>ATMO Bayerisches Nationalmuseum</p>
<p>007 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Also, wir stehen jetzt hier im Kirchensaal des Bayerischen Nationalmuseums mit viel gotischer Kunst…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der sogenannten Kirchensaal sieht aus wie eine kleine gotische Kirche, also halt so mit Spitzbögen und Rippengewölbe, aber voll mit Bildern, Skulpturen und Grabplatten aus der Zeit der „Gotik“…</p>
<p>008 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Man wollte einfach den Gegenständen aus dem christlichen Mittelalter einen entsprechenden Rahmen geben und hat deshalb so eine kirchenartige Halle um die Figuren herumgebaut, die dann tatsächlich als Kirchensaal bekannt ist, nicht nur innerhalb des Hauses …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Kirchensaal, erbaut in den 1890er Jahren in einem neugotischen Stil, hat keine Fenster, ist aber hell erleuchtet, durch Lichtspots an der Decke…</p>
<p>009 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Wenn Sie einmal die Möglichkeit hatten, sich gotische Kunstwerke in gotischen Kirchen ohne künstliches Licht anzuschauen, dann werden Sie merken, wie das Licht spielt… und das geht verloren, wenn Sie da mit Spots drauf leuchten, dann verliert das alle Tiefe und verliert auch alles Leben…</p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was nun heißt „gotische Kunst“. Bedeutet das mehr als ein paar Verspieltheiten in der Architektur? - Erstmal zurück auf Anfang. Wo hat diese mittelalterliche Kunst ihren Anfang gefunden? </p>
<p>010 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Ja. Entstanden ist das, was wir heute „gotische Architektur“ bezeichnen, als „Stilepoche“, als eine Epoche mit einer bestimmten Stilzuschreibung, das beginnt tatsächlich in Frankreich.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Also nicht bei den vermeintlichen Goten in Deutschland. Sondern in Frankreich.</p>
<p>011 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Da hat man sogar zeitweise von französischer Kunst gesprochen, was ja auf eine gewisse Weise auch stimmte, weil es wirklich aus Frankreich kam…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Kunsthistorikerin Heidrun Stein-Kecks ergänzt…</p>
<p>012 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, in den elfhundert 30er und 40er Jahren. Und zwar nicht in Frankreich, man müsste schon differenzieren, es beginnt tatsächlich in Paris, und in den Kronlanden, also in er Krondomäne des französischen Königtums …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Krondomäne oder Krongut, das waren und sind schon wirklich sehr spezifische Begriffe für mittelalterliche Herrschaft, also, das was wir heute unter Gotik verstehen, begann in der Nähe von Paris, in Saint Denis. Die Stadt Saint Denis grenzte nördlich an Paris…l </p>
<p>013 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Als man 1140 in Saint Denis den Chorumgang gebaut hat, Abt „Suger“ oder „Suscher“, die Geburtstunde der, was wir heute als Gotik so verstehen, da war hier noch tiefste Romanik, und da war noch hundert Jahre lang Romanik, also noch als die Gotik in Frankreich ihren Höhepunkt erreichte, in Reims, da war immer noch Romanik in Bayern, bei uns.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Kathedrale von Saint Denis wird zum Vorbild für viele neue Sakralbauten. Plötzlich wollten viele Fürsten in ihren Städten solche prächtigen Kathedralen, etwa in Köln, Regensburg oder Straßburg. Denn die Kathedrale ist ja nicht nur Ausdruck der göttlichen Herrschaft, sondern auch ein Zeichen der weltlichen Macht.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und die Gotik zeigt sich nicht nur in neuen Kirchenbauten …</p>
<p>014 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Gotik bedeutet ja nicht nur die Architektur, sondern das ist ja ein Gebilde aus verschiedenen Künsten, die sich in der Architektur und gemeinsam in der Architektur zusammenfinden…</p>
<p>ATMO Nationalmuseum</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Bayerischen Nationalmuseum stehen wir vor einer bärtigen, langhaarigen  Figur, die sich scheinbar um einen Stock wickelt, auf den Schultern trägt der Wilde, ein Kind…</p>
<p>015 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Also Extravaganz ist sicher ein Aspekt, der wichtig ist, dieses tänzerische, dieses Extrovertierte…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber wer ist jetzt dieser extrovertierte Tänzer?</p>
<p>016 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Das ist der Heilige Christophorus, der wirkte natürlich besonders wild und urtümlich…</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Christophorus ist ein sehr spezieller Heiliger. In der Kunst wurde er als bärtiger Riese dargestellt, der ein Kind auf seinen Schultern über einen Fluss trägt. Der Legende nach soll er zum dem Kind gesagt haben, du bist mir immer schwerer geworden, so als hätte ich die Last der ganzen Welt auf den Schultern getragen. Das Kind habe geantwortet: Du hast sogar den Schöpfer der Welt auf deinen Schultern getragen. Ich bin das Christuskind….</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>An der Holzfigur des Christophorus im Museum fällt sofort das kunstvoll gestaltete Gewand auf…</p>
<p>017 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Es ist vor allem immer in der Anlage der Gewänder… Also, was wir noch als Kunstgeschichtsstudenten etwas merkwürdig fanden, wenn unsere Lehrer immer nur über die Gewandbildung und über die Falten und über die Schüsselfalten und über die Muldenfalten und über die Röhrenfalten geredet haben… Aber man merkt, dass sich diese Generationen doch darüber definiert haben und dass das doch im Zentrum der künstlerischen Beschäftigung stand. Das kann man halt an den Zeichnungen und den Zeugnissen der Zeit ablesen…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der aus Lindenholz gefertigte Christophorus stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. – Also weit nach der Zeit der Begründung der Gotik in den Parisern Vororten… Und dann stellt sich doch die Frage, wie lange dauerte eigentlich die „Gotik“ – </p>
<p>018 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Das, was man als Gotik bezeichnet, erstreckt sich über ein halbes Jahrtausend. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber wenn man so möchte, den Beginn in der französischen Gotik des 12. Jahrhunderts bis hin zur spätesten Gotik nördlich der Alpen…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gotik zeigte sich in vielen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten. Etwa in England, aber auch in Italien oder Spanien. Und auch in Bayern. Doch man muss wegen des großen Zeitrahmens vorsichtig sein, meint Heidrun Stein-Kecks</p>
<p>019 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Deswegen komme ich auf diese zeitliche Differenzierung. Wir haben in der Frühzeit Beispiele in Regensburg mit der Ulrichskirche, eine erste Übernahme von gotischen Formen in einer Kirche neben dem Dom und dann natürlich den Dom selber, der ein schönes Bespiel französischer Gotik in verschiedenen Elementen zeigt…</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Mit dem Bau des Regensburger Doms wurde 1275 begonnen, nachdem die alte Kirche abgebrannt war. Angeblich war der damaligen Bischoff von Regensburg bei einer Reise nach Frankreich auf ein Kirchenkonzil in Lyon von der dortigen Bauweise so beeindruckt, dass er seine neue Kirche im Stile der französischen Gotik bauen wollte…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wohl eine Legende, sie erklärt aber sehr schön den Einzug der Gotik nach Bayern. Aber auch der Bischoff von Regensburg durfte damals schon gewusst haben, die Fertigstellung seiner Kirche wird er nicht mehr erleben…</p>
<p>020 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Die Lebensspanne eines Baumeisters ist bei Gott nicht der angemessene Rahmen für die zeitliche Spanne eines solchen Auftraggebers, es sei eines Königs oder Bischoffs oder die wie auch immer… Also wenn es um ein Projekt geht, wie bei einem solchen Kathedralbau oder eine große Abteikirche… Dieser Bau dient nicht nur der Versammlung der Menschen zum Gottesdienst. Sondern diese Architektur ist ja selbst ein Ort, in dem „Gott Wohnung nimmt“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Also etwa nach der Apokalypse, wenn die Welt zu Ende geht, wenn der Herrgott wiederkehrt. Wenn alles den Bach runter gegangen ist…</p>
<p>021 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Dann braucht es hier Bauten, die als Wohnstatt Gottes dienen können</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In einer gotischen Kirche, die vielleicht als Abbild des himmlischen Jerusalems dienen könnten?</p>
<p>022 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Sagt sich so leicht dahin, Abbild des himmlischen Jerusalems, aber es ist tatsächlich eben ein Ort, in dem Gott Wohnung nimmt, da gelten andere Spannen als eines menschlichen Lebens.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und dieses Denken beeinflusst auch Bayern weiter… </p>
<p>023 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Was wir dann in Bayern natürlich auch haben, ist aus der Spätgotik die Nürnberger großen Pfarrkirchen, Sankt Sebald und Sankt Lorenz, also die Chöre an diesen älteren Kirchen oder in Sankt Lorenz eben auch das ganze Langhaus. - Also, wir haben durchaus Beispiel, die zur gotischen Architektur zu zählen sind.</p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Kunst, die heute unter der Rubrik Gotik überliefert ist, scheint dann doch sehr stark auf den sakralen Raum begrenzt zu sein. Also hohe Kirchen mit ihren Heiligendarstellungen. - Gotik in der normalen Welt, also im profanen Bereich, scheint es nicht all zu viel gegeben zu haben. Oder doch? </p>
<p>024 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Das gab’s natürlich auch im profanen Bereich… Der Punkt ist nur, dass die Dinge, die erhalten sind, meistens über Kirchen überliefert worden sind, weil im profanen Bereich die Dinge dann durch Neuausstattung verschwunden sind oder dass auch private Kunst später in Kirchen gestiftet wurde und dadurch überlebt hat…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum. Und Heidrun Stein-Kecks meint, natürlich ist Gotik in der normalen Welt sichtbar, zumindest in der Architektur.</p>
<p>025 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Was auch dazukommt, dass sich in dieser Spanne der „Gotik“ sich auch die Gesellschaft verändert, die Herrschaftsstrukturen sich verändern. Dass mit einem Erstarken der Städte der neuesten Technik und den neuesten Bauformen errichtet werden, wie zum Beispiel die Rathäuser…</p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>ZUSPIELUNG (ATMO Stufen)</p>
<p>„Was ich Ihnen noch zeigen kann, wenn wir hier ein paar Stufen hochgehen….</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum führt in einen Raum…  na ja, wie soll man das beschreiben, der Raum ist ein sogenanntes Tonnengewölbe und die holzvertäfelte Decke besteht aus lauter kleinen Bildern. </p>
<p>026 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Wir haben hier zum Beispiel die Zunftstube der Augsburger Weber. Den Versammlungsraum. Das ist also ein profaner Versammlungsraum. Und sicherlich einer der spektakulärsten Raumfüllungen der profanen Gotik überhaupt …</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>In der Augsburger Zunftstube trafen sich im Mittelalter die Weber. Ausgestaltet wurde der Raum Mitte des 15. Jahrhunderts von Peter Kaltenhoff. Die Holzverkleidung erwarb das Bayerische Nationalmuseum bereits im Jahre 1864. Und hat es somit gerettet. Denn das Weberhaus wurde anschließend abgerissen, weil es baufällig war und weil es einer neuen Straßenführung im Weg stand... </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Übrigens, der Architekt des Bayerischen Nationalmuseums, Gabriel von Seidl, protestierte seiner Zeit vehement gegen den Abriss des Augsburger </p>
<p>Webergebäudes. - Aber zurück in die nachgebaute Zunftstube im Museum:</p>
<p>027 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Sie sehen ja hier auch schon wieder an den Kielbögen über den Darstellungen der Personen, die das ganze Spektrum, alles, was wichtig war in der damaligen Welt, über die antiken Helden bis zu den sieben Kurfürsten, bis zu den regierenden Fürsten, aber auch Alexander der Große, Caesar, alle kommen hier irgendwie vor…</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Die Augsburger Weber sahen sich als Teil des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“. Also wird auf den Holztäfelchen alles abgebildet, was in diesen großen Kontext passt. Die großen griechischen und römischen Helden, Schöpfungsgeschichte, jüdische und heidnische Propheten. Ein Kunterbunt der Geschichte….</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Augsburger Zunftstube überwältigt. Obwohl nur abgebaut und dann wieder aufgebaut. Denn nun fühlt man sich tatsächlich in die Zeit der Gotik zurückversetzt, was, na ja, und das muss man jetzt mal vergessen, was immer die Gotik in all ihren Differenzierungen auch bedeuten mag…</p>
<p>028 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Also die Weber stellen sich in eine enorme Ahnenreihe, aber überfangen alles mit diesen Bögen, wie wir sie aus der Gotik kennen und mit der Gotik verbinden… Und Sie können es auch mit der Tür, das ist die originale Tür, die dazugehört, mit diesen Beschlägen oder diesen Kastenschlössern, die sind auch gotisch …</p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Gotik, also die gotische Kunst hat auch etwas ganz Handfestes. Denn Gotik bedeutet auch schlichtweg Verbesserungen ganz praktischer Art</p>
<p>029 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Und das setzt natürlich auch eine große handwerkliche Perfektion voraus… </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt Matthias Weniger. Denn Handwerker wurden mindestens vier Jahre lang ausgebildet….</p>
<p>030 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Das führt zu diesem hohen Grad der Perfektion. Und auch in einem Umgang mit dem Material, die wussten genau, was sie machen, das ist in den späteren Jahrhunderten verloren gegangen, aber sie wussten, wie man verhindert, dass das Holz reißt, also hatten noch handwerkliche Kenntnisse, die man später nicht mehr hatte… </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch Heidrun Stein-Kecks meint, die gotischen Handwerker, haben ihre Zeit nachhaltig beeinflusst…</p>
<p>031 ZUSPIELUNG (Heidrun Stein-Kecks)</p>
<p>Das geht ein als ein, wie soll man sagen, als ein weit verbreiteter und allgemeiner Baustil, beziehungsweise die Elemente und auch die technischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die bei dem Bau der ersten frühen gotischen Kathedralen entwickelt wurden, die gehen natürlich in die allgemeine Baukunst über…</p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und jetzt muss man auch noch erwähnen, die Kunst der Gotik ist eine Bildsprache, ein Bildprogramm. Natürlich sind die Kirchenbauten, die Illustrationen in Handschriften, die üppig gestalteten Fenster in den Kirchen, die Skulpturen, ein Mittel, ein didaktisches Mittel, um das Göttliche zu begreifen. Aber vor allem geht es in der Zeit der Gotik auch um Emotion. Matthias Weniger führt im Bayerischen Nationalmuseum zu einer Skulptur. Ein Löwe, ja, der ist der König der Tiere, aber darauf sitzt ein Skelett.</p>
<p>032 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>(Und) Hier haben wir die Bekrönung einer Uhr aus einem Kloster, Zisterzienserkloster Heilsbronn bei Nürnberg vor uns … beziehungsweise wir haben die Kopie, das Original steht auf der anderen Seite …</p>
<p>ATMO Nationalmuseum</p>
<p>MUSIK</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Genannt wird die Skulptur „Der Tod, auf einem Löwen reitend“. Der Bildschnitzer erhielt für sein Werk aus dem Jahre 1513 ganze sieben Gulden.</p>
<p>033 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>Es soll natürlich symbolisieren, dass selbst über den Löwen, das mächtitigste aller irdischen Wesen, das mächtigste Tier, doch letztlich der Tod regiert und dass auch der Löwe keine Macht gegen den Tod hat..</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vielleicht drückt diese Figur am besten den Zeitgeist und das Lebensgefühl der Gotik aus. - </p>
<p>Die Ambivalenz zwischen prachtvollem Leben und der Vergänglichkeit des Menschen….</p>
<p>034 ZUSPIELUNG (Matthias Weniger)</p>
<p>… und wir haben versucht, an der Kopie die alte Funktionalität zu zeigen (…) In dem Tod, der auf den Löwen reitet, war eine Glocke eingebaut, und der Tod hat, wenn die Uhr die volle Stunde geschlagen hat, hat er mit dem Knochen auf die Glocke im Inneren des Löwen geschlagen (man hört es!) und dazu hat sich die Zunge des Löwen bewegt und hat auch der Unterkiefer des Todes schaudererregend geklappert … </p>
<p>MUSIK </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Traumkulissen - Die Bilderwelten Ludwigs II.</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/traumkulissen-die-bilderwelten-ludwigs-ii/1710563</link>
      <pubDate>Tue, 15 Jul 2025 09:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1e1224fc-7386-4a5a-a3f0-4014951744d5</guid>
      <description>Exzentrisch, verschroben, verrückt - so erschien der bayerische König Ludwig II. schon vielen seiner Zeitgenossen. Sie staunten und stritten wegen der exotisch anmutenden Bilderwelten des jungen Monarchen.
(Lernmaterial unter http://www.radiowissen.de) </description>
      <enclosure length="22336574" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1710563/c/feed/traumkulissen-die-bilderwelten-ludwigs-ii.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Exzentrisch, verschroben, verrückt - so erschien der bayerische König Ludwig II. schon vielen seiner Zeitgenossen. Sie staunten und stritten wegen der exotisch anmutenden Bilderwelten des jungen Monarchen.
(Lernmaterial unter http://www.radiowissen.de) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c14ba0d5-93de-47e4-985e-6cc8dd7fab5f.jpeg?w=1800"/>
    </item>
    <item>
      <title>Geschichte der Landschaftsarchitektur: Wie kam das Grün in die Stadt?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/geschichte-der-landschaftsarchitektur-wie-kam-das-gruen-in-die-stadt/2107545</link>
      <pubDate>Tue, 15 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f3b7288e-f0ec-4ad4-a7d8-bc10978ee817</guid>
      <description>Stadtgrün ist Lebensraum, Erholungsort und Klimaschützer. Doch wie kam das Grün in die Stadt? Wie hat sich die Bedeutung von Parks, Alleen und Grünflächen mit der Zeit verändert? In der Geschichte des Stadtgrüns spiegelt sich auch ein Wandel der Gesellschaft. Von Susanne Hofmann (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21830784" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107545/c/feed/geschichte-der-landschaftsarchitektur-wie-kam-das-gruen-in-die-stadt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Hofmann</itunes:author>
      <itunes:summary>Stadtgrün ist Lebensraum, Erholungsort und Klimaschützer. Doch wie kam das Grün in die Stadt? Wie hat sich die Bedeutung von Parks, Alleen und Grünflächen mit der Zeit verändert? In der Geschichte des Stadtgrüns spiegelt sich auch ein Wandel der Gesellschaft. Von Susanne Hofmann (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/8b4f8274-6da1-4cc3-ba1f-43b34c1d1fc6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Stadtgrün ist Lebensraum, Erholungsort und Klimaschützer. Doch wie kam das Grün in die Stadt? Wie hat sich die Bedeutung von Parks, Alleen und Grünflächen mit der Zeit verändert? In der Geschichte des Stadtgrüns spiegelt sich auch ein Wandel der Gesellschaft. Von Susanne Hofmann (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Susanne Hofmann<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Maren Ulrich, Johannes Hitzelberger, Heiko Ruprecht<br/> Technik: Moritz Herrmann<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong></p>
<p>Professor Stefan Schweizer, Honorarprofessor am Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wiss. Vorstand der Stiftung Schloss und Park Benrath und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V.<br/>PD Dr.-Ing. Sylvia Butenschön, Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin <br/>Professor Klaus K. Loenhart, Institut für Architektur und Landschaft der TU Graz</p>
<p><strong>Podcast Tipp:</strong></p>

<p>Wir helfen Garten-Anfängern zu echten Auskennern zu werden. Egal ob gepachteter Kleingarten oder das erste Hochbeet fürs eigene Gemüse am Häuschen – wir haben die richtigen Tipps und Ratschläge für Euch! <a title="Hier geht es zur Website" href="https://1.ard.de/podcastgarten">ZUM PODCAST</a></p>
<br/>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von IQ - Wissenschaft und Forschung könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier gehts zur Folge:" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/schwammstadt-architektur-der-zukunft/bayern-2/13864423/">Schwammstadt - Architektur der Zukunft</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/enge-in-der-stadt-alltag-und-gesundheit/bayern-2/12658077/">Enge in der Stadt - Alltag und Gesundheit</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/klimawandel-was-soll-ich-allein-schon-dagegen-tun/bayern-2/13880993/">Klimawandel - was soll ich allein schon dagegen tun?</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/klimawandel-was-soll-ich-allein-schon-dagegen-tun/bayern-2/13880993/">Klimarisiken - Wie können wir Europa retten?</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Für praktische Tipps wie Gärten Insekten-freundlich gestaltet werden können empfehlen wir Ihnen <a title="Hier geht es zur Website" href="https://summende-gaerten.de/">Summende Gärten</a> </p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Traktat von Karl Gottlob Schelle „Die Spatziergänge oder die Kunst spatzieren zu gehen“ aus dem „Deutschen Textarchiv“ <a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.deutschestextarchiv.de/">HIER</a> geht es zu Website</p>
<p>Christian Cay Lorenz Hirschfeld 1785, Theorie der Gartenkunst <a title="Hier geht es zur Website" href="https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hirschfeld1785/0076/image,info">HIER </a>geht es zur Website</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>A. Thumfart, B. Hollstein, S. Tänzer (Hg.), Gärten – Von der Naturbeherrschung zur gesellschaftlichen Utopie</p>
<p>Ira Diana Mazzoni, 50 Klassiker Gärten und Parks, Gerstenberg Verlag, 2005</p>

<p>Jessica Jungbauer, Urban Oasis, Parks and Projects for a Greener Future, teNeues Verlag, 2023</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-wie-kam-das-gruen-in-die-stadt-geschichte-klimawandel-stadtgruen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>ZITATORIN – werbend gesprochen</p>
<p>Ihr neues Zuhause wartet! Schmuckes Appartement in Altstadtnähe, nur wenige Schritte zu den grünen Oasen der Stadt mit naturnahen Freizeitmöglichkeiten. Lassen Sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen!</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Städtisch und dennoch im Grünen – das beschreibt für viele Menschen die ideale Wohnlage. Die moderne Stadt ist eine grüne Stadt. Das städtische Grün gilt fast schon als Allheilmittel – gegen die Klimakrise, für die Volksgesundheit, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nicht zuletzt steigert das Grün auch den Wert von Immobilien. Man spricht von grüner Infrastruktur – also vernetzten Grünflächen, die für eine Stadt lebensnotwendig sind. Davon ist auch die Landschaftsarchitektin Dr. Sylvia Butenschön von der TU Berlin überzeugt: </p>
<p>1. ZUSPIELUNG Butenschön 3.05 </p>
<p>Heute ist es ein wichtiges Element, um die Städte zu strukturieren, Grün- und Freiraum in die Stadtquartiere zu bringen. Und es ist natürlich aus ökologischer Sicht oder aus naturschutzfachlicher Sicht ein wichtiges Element der Stadt: Wir profitieren von der Frischluftentstehung oder der Kaltluftentstehung in den Grünflächen, davon, dass es großen Raum für Biodiversität in der Stadt bietet, also für Tiere und Pflanzen. Ja, und dann eben in der Folge als Lebensraum, als Aufenthaltsraum, als Erholungsraum für die Bevölkerung geeignet ist. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Und doch ist die grüne Stadt aus historischer Sicht ein recht junges Phänomen, sagt der Kunsthistoriker Stefan Schweizer, Honorarprofessor an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Sein Spezialgebiet ist die Gartengeschichte ab dem 17. Jahrhundert.</p>
<p>2. ZUSPIELUNG Schweizer 2.00</p>
<p>Das ist eigentlich eine Anomalie städtebaugeschichtlich seit der Frühneuzeit…. Bis 1600, vielleicht doch bis 1700 und mit den befestigten Städten bis 1800, ist die Stadt eigentlich genau das Gegenteil gewesen von Natur und das Gegenteil von Landschaft. Es war quasi die Ausgliederung von Natur aus dem urbanen Raum. (2.50) Wenn Sie sich historische Altstädte ansehen, … wenn sie an Siena denken oder Arezzo, die hochmittelalterlich geprägt sind, dann werden Sie … mit einer Enge und Dichte konfrontiert, die überhaupt keinen Raum ließ für öffentliches Grün. </p>
<p>Musik 2: Begegnung mit Barbarossa - – 1.02 Min+ </p>
<p>Atmo Schafweide, später Atmo Wiese</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Natur und Landschaft fanden sich im Mittelalter überwiegend außerhalb der Städte. Auch die Allmenden, also unbebaute Flächen, die allen gemeinsam gehörten – daher der altdeutsche Begriff - , lagen für gewöhnlich außerhalb der Stadtmauern. Man ließ Schafe und Rinder dort weiden und sammelte dort Brennholz. In der Stadt, verborgen hinter Mauern, befanden sich zwar durchaus grüne Oasen: Sorgfältig gepflegte, geometrisch um einen Brunnen angelegte Klostergärten zum Beispiel. Doch zu ihnen hatte das Volk keinen Zugang. Ebenso wenig wie zu den privaten Stadtgärten der besseren Gesellschaft. Die hatte selbst in der dicht besiedelten Stadt ihr eigenes Grün, oft in Form begrünter Innenhöfe. Man konnte sie von der Straße aus nicht einmal sehen. Begrünte öffentliche Plätze oder auch nur Bäume in der Stadt waren rar in Mittelalter und Renaissance, sagt der Kunsthistoriker Stefan Schweizer:</p>
<p>3. ZUSPIELUNG Schweizer 4.30 </p>
<p>Kurz nach 1600 beginnen dann die Diskussionen darüber, weil die Städte sich vergrößern, weil die Städte sich verdichten, weil die sozialhygienischen Bedingungen immer prekärer werden, auch für die Oberschicht prekärer werden, also auch die Oberschicht ist vor Pandemien oder Epidemien eben nicht gefeit. …Und daraus lernt man natürlich: Die sozial-hygienischen Bedingungen in der Stadt müssen verbessert werden. </p>
<p>Musik 3: 3. Satz: Sarabande en rondeau - CD492710 103 – 1:02 Min</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Man lechzte nach mehr Raum in den engen, überlaufenen Gassen. Auch nach frischer Luft - Schmutzwasser, Küchenabfälle und Fäkalien landeten schließlich oft in offenen Abwasserrinnen und sorgten für einen entsprechend strengen Geruch in der Stadt. Natur wurde dem gemeinen Städter erst peu-à-peu zugänglich gemacht, im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts. In </p>
<p>London waren einzelne königliche Parks öffentlich, der St. James’s Park beispielsweise. Mit der Öffnung für das Volk wollte sich der damalige englische König Charles II. als großzügiger Herrscher präsentieren. Ebenso öffentlich zugänglich war in Paris der barocke Garten am Palast der Tuilerien. Dort residierte der Sonnenkönig Ludwig XIV. Bei dem königlichen Garten handelte es sich um eine streng symmetrische Anlage, mit Alleen, Zierbrunnen, Skulpturen, Blumenarrangements und penibel gestutzten Hecken. </p>
<p>4. ZUSPIELUNG Schweizer 9.50</p>
<p>Dort wird so ne Art  Stände-übergreifende Nutzung eingeübt, was auch interessant ist, weil Gärten damit überhaupt zu eminenten Orten der bürgerlichen Partizipation auch werden und der Emanzipation. … Also in Kirchen sind sie separiert, in Rathäusern sind sie separiert – überall wird segregiert und separiert, und in Gärten passiert es eben nicht. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Später bekam das öffentliche städtische Grün sozusagen Schützenhilfe, und zwar aus unerwarteter Richtung: der Waffentechnik. Die Weiterentwicklung der Artillerie führte dazu, dass sich die Art der Kriegsführung grundlegend änderte. Da Kanonenkugeln jetzt Bastionen durchdringen konnten, wurden diese militärisch wertlos. Deshalb baute man ab dem 19. Jahrhundert die Festungen sukzessive zurück und hatte damit auf einmal Platz, viel Platz rund um die Städte. Und den konnte man gut gebrauchen, viele platzten schon aus allen Nähten. </p>
<p>Musik 4: 1. Satz aus: Sinfonia concertante (Haydn) – R0115330101 – 55 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Auf den eingeebneten Festungsringen entstanden großzügige Grüngürtel sowie breite Straßen, Boulevards – ein Wort, das sich aus dem niederländischen Begriff für Bollwerk ableitet. Die Boulevards waren von Bäumen gesäumt. Auch grüne Wege für Fußgänger entstanden rings um die Stadt, sogenannte Promenaden. Zum Beispiel in Wien. Da vermeldeten die Wiener Nachrichten am 14. September 1859: </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Die dreißig Klafter </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>also gut 50 Meter </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>breite, mit doppelten Baumreihen besetzte Straße, welche nach dem Stadterweiterungs-Plane gleich einem regelmäßigen Gürtel um die Stadt gezogen werden wird, erhielt den officiellen Namen Ringstraße. </p>
<p>Musik aus, Wechsel in Atmo Parkanlange, Schritte, Tauben</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Oder der Leipziger Promenadenring, mit Sitzbänken und Raum für eine neue Kulturtechnik: Das Spazierengehen. </p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Oeftere Spatziergänge im Freyen erhalten den Sinn für die Natur und geben ihr auf das Gemüth wohlthätigen Einfluß. Jeder nicht unedle Mensch fühlt sich im Freyen reiner und menschlicher gestimmt. Alles Gute seiner Natur entfaltet sich da. … Die großen und freyen Ansichten der Natur entfesseln von den kleinlichen Verhältnissen des städtischen Zwanges.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>So lobt der Schriftsteller Karl Gottlob Schelle 1802 in seinem Traktat „Die Spatziergänge oder die Kunst spatzieren zu gehen“. Stefan Schweizer:</p>
<p>5. ZUSPIELUNG Schweizer 26.55 </p>
<p>Das Promenieren ist nichts, was der Bürger des 16. Jahrhunderts als normal angesehen hätte, der hat seine Zeit mit wichtigeren Dingen zu verbringen, als zu promenieren. (27.22) Dazu brauchen sie ein gewisses Mindset, … und das hat auch sehr viel mit Freundschaftskult zu tun, der dann in der Romantik eben aufkommt, also unter Freunden gemeinsam in die Natur zu gehen. Und das ist übrigens dann auch eine politische Sache, in Teplitz besucht Goethe Beethoven, diesen schroffen Kerl, der ist da auf Kur und Goethe will sich mal mit ihm unterhalten, und dann gehen die an dem Tag spazieren, außerhalb der Stadt, an dem auch die Kaiserin dort aufschlägt. Und Beethoven und die Kaiserin gehen auf einen schmalen Pfad sich entgegen, und Beethoven weicht nicht. Und Goethe: Um Himmels Willen, Sie müssen doch der Kaiserin Platz machen! Nein – sie muss es für uns tun.</p>
<p>Musik 5: Beethoven: Allegro vivace – M00113027Z00- 45 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Das Erwachen des bürgerlichen Selbstbewusstseins zeigt sich in dieser Kulturtechnik des Promenierens. Der Spaziergang wird zu einem wichtigen Teil der städtischen Freizeitkultur. Die Landschaftsarchitektin Sylvia Butenschön: </p>
<p>6. ZUSPIELUNG Butenschön 7.05 </p>
<p>Und dann kommt eben von Hirschfeld Ende des 18. Jahrhunderts erstmal die Idee, zu sagen, wir brauchen eigentlich was Größeres, was Flächenhaftes, wo sich die Leute ausbreiten können, wo man sich erholen kann, wo man andere Leute treffen kann, was wirklich so ein Gegengewicht quasi zur dicht besiedelten Stadt bildet. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Christian Cay Lorenz Hirschfeld, seines Zeichens ordentlicher Professor der Philosophie und der schönen Wissenschaften auf der Universität zu Kiel, formuliert es 1785 in seiner „Theorie der Gartenkunst“ so: </p>
<p>Musik 6: Mozart: Oboenkonzert – 1:21 Min</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Eine ansehnliche Stadt muss in ihrem Umfang einen oder mehrere große offene Plätze haben, wo sich das Volk in gewissen Zeitpunkten der Freude oder der Noth versammeln und sich ausbreiten kann, wo eine freye und gesunde Luft athmet, und die Schönheit des Himmels und der Landschaft sich wieder zum Genuß eröffnet. Diese Plätze machen eine vorzügliche Zierde der Städte, wenn sie mit Rasen, mit Springbrunnen, mit Bildsäulen geschmückt, und von Baumpflanzungen und den schönern Gebäuden umkränzt sind. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Idee des Volksgartens ist geboren, der Vorläufer des Volksparks und des späteren Stadtparks. Der Gartentheoretiker Hirschfeld zeigt sich in seinen Formulierungen ganz als Kind seiner Zeit, der Aufklärung: </p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Diese Volksgärten sind… als ein wichtiges Bedürfnis des Stadtbewohners zu betrachten. Denn sie erquicken ihn nicht allein nach der Mühe des Tages mit anmuthigen Bildern und Empfindungen; sie ziehen ihn auch, indem sie ihn auf die Schauplätze der Natur locken, unmerklich von den unedlen … Arten der städtischen Zeitverkürzung ab, und gewöhnen ihn allmälig an das wohlfeile Vergnügen… Alle gelangen hier ungehindert zu ihrem Rechte, sich an der Natur zu freuen. (S. 68 Theorie, Band 5)</p>
<p>Musik 7: Walzer mit Trio – 23 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wenig später, 1789, folgt der Theorie die Praxis. Auf Geheiß des Kurfürsten Karl Theodor wird in München ein riesiger Park angelegt, der Karl-Theodor-Park. Der Volksmund nennt ihn schnell den Englischen Garten. Denn er entspricht in seiner Gestaltung dem englischen Landschaftsgarten, ein Gegenentwurf zu den geometrisch angeordneten, übersichtlichen französischen Herrschaftsgärten der Barockzeit.. </p>
<p>8. ZUSPIELUNG Butenschön 7.40</p>
<p>Es war noch so ein Top-Down-Produkt, wo der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz ja in Anbetracht der Ereignisse in Frankreich, also der französischen Revolution, den klugen Rat bekommen hat, seinem Volk irgendwas Gutes zu tun … und gesagt hat, okay, wir machen einen großen Park für die Stadtbevölkerung direkt vor den Toren der Stadt und hat diesen Englischen Garten als Stadtpark angelegt, in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Das ist in zwei Jahren gebaut worden, am Anfang mit Fackelbeleuchtung in der Nacht, damit es möglichst schnell geht und damit man also möglichst schnell was präsentieren kann und was zeigen kann. Aber ganz klar das Motiv von dem Herrscher, der seinem Volk irgendwie was Gutes tun wollte, um die ruhig zu halten, sag ich mal so platt. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Statt auf die Barrikaden zu gehen, sollte das Volk lieber flanieren. Dafür bot der Englische Garten mit seinen über 370 Hektar viel Platz. Er gehört noch heute zu den größten innerstädtischen Parks weltweit. Der erste Volksgarten, den eine Stadt selbst in Auftrag gab, unabhängig von einem adeligen Regenten, entstand in Magdeburg, genauer: unmittelbar vor der Stadt: der Klosterbergegarten. Alle Grünflächen rund um die Festung waren während der napoleonischen Kriege dem Erdboden gleich gemacht worden – damit auch das Stück Natur, zu dem die Magdeburger sonntags gerne strömten. Da beschloss die Stadt: </p>
<p>9. ZUSPIELUNG Butenschön 10.00 </p>
<p>Das geht so nicht weiter, wir müssen irgendwie Grünflächen anlegen, weil um die Stadt rum ist alles öde und trist und in der Stadt ist es dicht bebaut und wir haben riesige Festungsanlagen um uns rum. Und 1824 hat dann die Stadt den damaligen Landschaftsarchitekten oder Obergärtner in Preußen, nämlich Peter Joseph Lenné, gebeten, einen Entwurf für einen Stadtpark vorzulegen für die Stadt Magdeburg. </p>
<p>ATMO Garten, Schiffshorn</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Am Elbufer, südlich der Altstadt von Magdeburg, legte der Gartengestalter Peter Joseph Lenné den Volksgarten an, auf großzügigen 35 Hektar. </p>
<p>10. ZUSPIELUNG Butenschön 15:00 </p>
<p>Er findet total richtig, dass dieser Park ein Ausdruck dessen sei, dass die Stadt sich so etwas leisten könne und wolle. Und damit hängt auch zusammen, dass nicht nur in seinem Stadtpark, sondern dann eigentlich in den meisten Stadtparks des 19. Jahrhunderts, dass immer ein Blick auf die Stadt geboten wird aus diesen Parkanlagen, also von den Spazierwegen. Das Bild der Stadt, die Silhouette mit den Türmen, dem Rathaus ist immer einbezogen und gerne der Ort, wo das Geld verdient wird. Das ist in Magdeburg die Elbe. Also der Blick auf die Elbe, wo die Schiffe fahren und wo der Handel getrieben wird. Das ist ein Bild in diesem Park, was man sehen soll, weil das quasi die Grundlage dafür ist, dass sich die Stadt so eine Anlage leisten kann. </p>
<p>Musik 8: Der Tod aus Metropolis – 36 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchsen die urbanen Zentren. Zu Hunderttausenden drängten die Menschen, vor allem Arbeiter, in die Städte, die gar nicht so schnell Mietskasernen hochziehen konnten, um sie alle unterzubringen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner hausten in Hinterhauswohnungen ohne Luft und Licht und ohne Grün. Etliche Mieter mussten sich sogar schichtweise eine Schlafstelle teilen. Seuchen breiteten sich aus. Die Enge und die Konkurrenz um Arbeitsplätze führten zu sozialen Spannungen. </p>
<p>11. ZUSPIELUNG Loenhart 2.40</p>
<p>Die Lebensbedingungen der Bevölkerung wurden zunehmend kritischer…</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Der Landschaftsarchitekt und Professor an der TU Graz Klaus K. Loenhart [Lo-enhart]. Er sieht in den Parks</p>
<p>12. ZUSPIELUNG Loenhart 2.55</p>
<p>wirklich ein revolutionäres Konzept, nämlich einen öffentlichen Landschaftsraum zu gestalten, der allen Menschen zugänglich war, unabhängig von ihrer sozialen Stellung. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Überall in den Ballungsgebieten halten jetzt Parks Einzug, dort wo noch Platz ist, in den Vorstädten und Arbeitervierteln. Das Ideal: soziale Integration mittels gemeinsamer Grünräume. Die Berliner Landschaftsarchitektin Sylvia Butenschön:  </p>
<p>13. ZUSPIELUNG Butenschön 3.30 </p>
<p>Diese Möglichkeit, einen für alle zugänglichen Raum zu haben, an dem jede Bewohnerin der Stadt sein darf, verschiedenste Dinge machen kann, ohne dass es was kostet, ohne dass man dafür Geld ausgeben muss, die finde ich einfach großartig. Und ich denke, das ist eines der ganz wichtigen Errungenschaften, die kommen aus den Gedanken der Aufklärung und des Humanismus.  </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Besucherinnen und Besucher der Stadtparks sollten nicht nur aufatmen und ihrer Gesundheit etwas Gutes tun – allein schon, um ihre Arbeitskraft zu erhalten. Man richtete an den Park auch einen moralischen Anspruch. Er sollte die Besucher in gewisser Weise zu besseren Menschen machen. </p>
<p>14. ZUSPIELUNG Butenschön 18.20 </p>
<p>Und das fängt in Berlin an. Und zwar genau in den Bereichen, wo die Arbeiterschaft wohnt und wo man sagt, die Leute sollen nicht Geld ausgeben im Park, sondern die sollen dort gesund bleiben, indem sie sich spielerisch, sportlich, wie auch immer betätigen, also an der frischen Luft sind und eben nicht dazu verführt werden, ins Wirtshaus zu gehen und das Geld für Alkohol oder sonst irgendwas auszugeben. </p>
<p>Musik 9: False words – 1:58 Min</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wie ein grüner Faden zieht sich durch die Geschichte des Stadtparks und ihrer Vorläufer: Er soll Begegnung ermöglichen. Damit das gelingt, spielt aus Sicht des Landschaftsarchitekten Klaus Loenhart eine wichtige Rolle, dass sich alle in einem Park zu Hause fühlen können. </p>
<p>15. ZUSPIELUNG Loenhart 16:18</p>
<p>Also wenn wir in den Park gehen, dass wir eben nicht in den Garten eines anderen gehen, sondern wir mitunter wirklich ein Gefühl haben: Ich darf mich da jetzt hinlegen, denn es ist auch ein Stückchen meins, mein Zuhause, mein Garten.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Als „Benutzerpark und Gebrauchslandschaft“ – so verstand der Landschaftsarchitekt Günther Grzimek seinen Olympiapark in München. Entworfen hat er ihn in Zusammenarbeit mit dem Architekten Günther Behnisch für die Olympischen Spiele 1972: Eine Art Voralpenlandschaft mit einem See, künstlich geschaffen auf einem drei Quadratkilometer großen früheren Militärflugplatz, nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt. Symbolträchtig: Der Trümmerberg aus dem Zweiten Weltkrieg wurde begrünt und zum Olympiaberg transformiert. Grzimeks Kredo: Auf die Parkbesucher oder besser -benutzer und –benutzerinnen und ihre Bedürfnisse kommt es an. Sylvia Butenschön:</p>
<p>16. ZUSPIELUNG Butenschön 35.00</p>
<p>Die Gestaltung muss sich darauf einstellen, dass der Park wie ein guter Gebrauchsgegenstand von allen irgendwie genutzt werden kann, der akzeptiert, dass es Trampelpfade gibt, also dass die Entwicklung von Wegen nicht festgelegt wird von vornherein, sondern dass die Nutzerinnen das festlegen können und dass man auch im Park Blumen pflücken und eben Sträucher oder was abbrechen darf für die Eigennutzung als Gebrauchsgegenstand.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Grzimeks Wunsch: Die Menschen sollten vom Park Besitz ergreifen, ihn sich aneignen. Klaus Loenhart:</p>
<p>17. ZUSPIELUNG Loenhart 17.30</p>
<p>Grzimek ist so ein Kind der sozialen Revolution, der Aneignung und mir gefällt dieser Begriff sehr, sehr gut, weil es eben ausdrückt auch die Freiheit, sich frei und unbefangen verhalten zu dürfen. Und eben quasi ein bisschen aus der eigenen sozialen Kontrolle, die man vielleicht auch anders lebt, in der Fußgängerzone oder auf dem Gehsteig, loszulassen und einfach mal zu laufen oder zu spielen. </p>
<p>ATMO Park, Kinder</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ein solcher Gebrauchspark ist zum Beispiel auch der Volkspark Friedrichshain in Berlin. Er zieht Freizeitsportler, Anwohner und Anwohnerinnen und Touristen gleichermaßen an. Ob Freiluftkino im Sommer, Rodeln im Winter, Bouldern auf dem Kletterfelsen, Plantschen in einem riesigen Springbrunnen oder Grillen auf dem Rasen, alles ist dort möglich. Diese vielfältige Nutzung ist typisch für Parks des 20. und 21. Jahrhunderts. Hier rückt das gemeinschaftliche Erlebnis im Grünen in den Mittelpunkt, so Klaus Loenhart:</p>
<p>18. ZUSPIELUNG Loenhart 7.27 </p>
<p>Was dazukommt und was natürlich ein großes gesellschaftliches Thema heute ist, sind natürlich die ökologischen Funktionen wie Klimaregulierung, Wasser-Retention und beispielsweise die Förderung der Biodiversität, die mir jetzt auch sehr am Herzen liegt, die eben viel stärker in diese Parks integriert wurden und werden. </p>
<p>Musik 10: False words – siehe oben – 1:08 Min</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Bäume sorgen für Schatten und Verdunstungskühle, sie reinigen die Luft, dämpfen den Verkehrslärm und halten mit ihren Wurzeln das Regenwasser im Boden. Gerade wenn sich die Stadt im Sommer aufheizt aufgrund der versiegelten und asphaltierten Flächen, sind Bäume für die Menschen dort eine Wohltat. Wo grüne Oasen entstehen und wie sie aussehen sollen, entscheidet heute nicht mehr allein die Stadtverwaltung. Man lässt die Bürger mitreden. Auf die Weise hat auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo die Stadt seit 2014 einer grünen Transformation unterzogen. Ihr Ziel: Paris soll eine nachhaltige, umweltfreundliche Metropole werden, in der die Menschen saubere Luft atmen können. Autos und riesige Parkplatzflächen wurden verbannt, dafür Tausende Bäume gepflanzt und Grünflächen geschaffen. Aus Sicht von Landschaftsarchitekt Klaus Loenhart ist das gelungen:</p>
<p>19. ZUSPIELUNG Loenhart 23.00 </p>
<p>Das bedeutet natürlich viel Aufwand, viele Gespräche und Workshops mit den Bürgerinnen und Anwohnerinnen. … es scheint mir aber wirklich das einzig richtige Prinzip zu sein. Man spürt es in Paris, … wie dieses neue Grün gelebt, ganz begeistert angenommen wird von den Bürgerinnen und Bürgern und eben auch wertgeschätzt wird. Man spürt es im Umgang dann auch mit der Nachbarschaft. Die wird dann sehr, sehr wenig auch verschmutzt. ... Also die Tendenz ist geht dahin, von den zentralen Stadtparks hin in die Viertel zu gehen und kleine Garden Pockets auch zu entwickeln.</p>
<p>Musik 11: Infinite – 1:40 Min</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die meisten Städte sind dicht bebaut, es herrscht Konkurrenz um die begrenzte Fläche. Garden Pockets, die Begrünung von Nischen, ist eine Antwort darauf: So werden Verkehrsinseln, Straßenecken, aber auch Fassaden, Innenhöfe und Flachdächer zu kleinen grünen Oasen in der Stadt. Oft gepflanzt, liebevoll gestaltet und gepflegt von Menschen aus der Nachbarschaft. Eine Chance für großflächiges Grün in der Stadt eröffnet sich immer dann, wenn Fabrikgelände, Hüttenwerke, Areale der Bahn, Kasernengelände aufgegeben werden. Der ehemalige Berliner Flughafen Tempelhof – heute ein riesiges, freies, überwiegend grünes Areal für Spaziergänger, Jogger, Inlineskater. Oder die High Line in New York City - eine stillgelegte Hochbahntrasse mitten in Manhattan – heute ein beliebter langgestreckter Garten. </p>
<p>Zur Musik: Atmo Parkwiese, Menschen</p>
<p>Die grüne Stadt von heute und morgen gibt es nicht, vielmehr ist jede Stadt auf ihre Weise grün. Idealerweise wird sie dem gerecht, was der erste große Gartentheoretiker Christian Cay Lorenz Hirschfeld vor über 250 Jahren schrieb: </p>
<p>ZITATOR 1</p>

<p>Alle gelangen hier ungehindert zu ihrem Rechte, sich an der Natur zu freuen.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gedächtnisleistungen beim Tier - Was sich Tiere alles merken können</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gedaechtnisleistungen-beim-tier-was-sich-tiere-alles-merken-koennen/2087568</link>
      <pubDate>Tue, 15 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">44ddfade-9f0c-445c-baeb-78c387ff7a17</guid>
      <description>Eine rasant wachsende Anzahl von Studien offenbart erstaunliche kognitive Fähigkeiten von immer mehr Tierarten. Auch bislang unterschätzte Tiere wie Fische oder Insekten zeigen intelligentes Verhalten. Was bedeutet das für den Menschen und sein Selbstverständnis? Von Marko Pauli (BR 2023) </description>
      <enclosure length="23329920" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087568/c/feed/gedaechtnisleistungen-beim-tier-was-sich-tiere-alles-merken-koennen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:18</itunes:duration>
      <itunes:author>Marko Pauli</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine rasant wachsende Anzahl von Studien offenbart erstaunliche kognitive Fähigkeiten von immer mehr Tierarten. Auch bislang unterschätzte Tiere wie Fische oder Insekten zeigen intelligentes Verhalten. Was bedeutet das für den Menschen und sein Selbstverständnis? Von Marko Pauli (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/cb67166b-8127-4bcc-a2af-a2f334f09d82.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine rasant wachsende Anzahl von Studien offenbart erstaunliche kognitive Fähigkeiten von immer mehr Tierarten. Auch bislang unterschätzte Tiere wie Fische oder Insekten zeigen intelligentes Verhalten. Was bedeutet das für den Menschen und sein Selbstverständnis? Von Marko Pauli (BR 2023) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Marko Pauli<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Hemma Michel, Julia Fischer<br/>Technik: Robin Auld<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Lars Chittka, Biologe, Entomologe, Sachbuchautor, Professor für Sinnes- und Verhaltensökologie an der Queen Mary University, London;<br/>Ludwig Huber, Verhaltensbiologe, Kognitionswissenschaftler, Sachbuchautor, Professor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien;<br/>Kristina Horback, Professorin für Tierverhalten an der Universität von Kalifornien<br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Regenerationskünstler - Wie Tiere sich selbst heilen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/regenerationskuenstler-wie-tiere-sich-selbst-heilen/bayern-2/12888457/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/regenerationskuenstler-wie-tiere-sich-selbst-heilen/bayern-2/12888457/"></a></strong>Queere Tiere? Alles Natur!<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/queere-tiere-alles-natur/bayern-2/94721070/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Warum Tiere singen - Alles Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/warum-tiere-singen-alles-natur/bayern-2/94741610/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong><br/><br/><strong>WirTier. Ein Podcast über die Begegnung von Mensch und Tier.</strong><br/>WirTier erzählt von Menschen, die ihr ganzes Leben verändert haben durch diesen einen Moment auf Augenhöhe mit einem Tier. Sie teilen mit uns ihre tiefgreifenden Erfahrungen und Erkenntnisse über unser Zusammenleben auf diesem Planeten und lassen uns teilhaben an ihrem Wissen über Tiere. Denn auch Forscherinnen und Forscher wissen zunehmend: Tiere haben Gefühle, Intelligenz und ein Sozialleben. Und auch Vici und Julius, die Hosts von WirTier, verändern sich durch diese Begegnungen – und stellen sich vielfältigen Herausforderungen auf der Weide, im Garten oder auch in freier Wildbahn. <br/><br/></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Lars Chittka &quot;The Mind of a Bee&quot;, erschienen bei Princeton University Press, ab März 2024 auch auf Deutsch unter dem Titel &quot;Im Cockpit der Biene&quot;:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://press.princeton.edu/books/ebook/9780691236247/the-mind-of-a-bee">EXTERNER LINK | </a></strong><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://press.princeton.edu/books/ebook/9780691236247/the-mind-of-a-bee">https://press.princeton.edu/books/ebook/9780691236247/the-mind-of-a-bee</a></strong></p>
<p>Ludwig Huber, &quot;Das rationale Tier&quot;, erschienen beim Suhrkamp-Verlag:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.suhrkamp.de/buch/ludwig-huber-das-rationale-tier-t-9783518587713">EXTERNER LINK | https://www.suhrkamp.de/buch/ludwig-huber-das-rationale-tier-t-9783518587713</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wild Wild Web - Geschichten aus dem Internet<br/></strong>Hier findet ihr Geschichten aus dem Internet, die ihr so noch nie gehört habt.<br/>Heute: Orcas spielen Schiffe versenken - und das Netz macht sie zu Kämpfern gegen Klimawandel und Kapitalismus. Aber was steckt hinter den Orca-Begegnungen? Und warum lieben plötzlich alle Killerwale? Meme-Lord El Hotzo hilft uns bei der Suche nach Antworten:<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/wild-wild-web-geschichten-aus-dem-internet/schiffe-versenken-feat-el-hotzo/ard/12994225/">ZUM PODCAST</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-tiere-intelligenz-bewusstsein-gedaechtnis-kognition-natur-pflanzen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>Atmo Biene(n) oder Hummel(n)</p>
<p>Musik: Evolutionary science A   0‘37</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>In aller Welt entdecken Wissenschaftlerteams bei immer mehr Tierarten intelligentes Verhalten. Für Aufsehen sorgen etwa die Forschungsergebnisse der Arbeitsgruppe von Lars Chitttka [ch wie im Wort &quot;richtig&quot; ausgesprochen], Professor für Sinnes- und Verhaltensökologie an der Queen Mary University in London. Der deutsche Biologe und Entomologe beschäftigt sich seit den 90er Jahren mit den geistigen Fähigkeiten von Bienen und Hummeln. </p>
<p>O-Ton 01 Chittka</p>
<p>Also, einer der frühen Versuche, die wir so als mehr oder weniger Witz-Projekt während meiner Doktorarbeit gemacht haben, war die Frage danach, ob Bienen zählen können.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bei solchen Forschungsfragen geht es immer auch um menschliche Intelligenz, denn es müssen zunächst die dafür passenden Versuche erdacht und kreiert werden. </p>
<p>O-Ton 02 Chittka</p>
<p>Und da haben wir große pyramidenförmige Zelte aufgestellt in einer Serie zwischen ihrem Stock, dem Bienenstock und einer Futterstelle.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Bienen lernten, dass dazwischen eine bestimmte Anzahl von Zelten, von Hindernissen liegt.</p>
<p>O-Ton 03 Chittka</p>
<p>Und wenn wir mehr aufgestellt haben, sind die Bienen im Schnitt früher gelandet. Und wenn wir weniger aufgestellt haben, sind sie über das gelernte Ziel, über die gelernte Entfernung herausgeschossen und sind weitergeflogen als normalerweise. Und da zeigte sich also tatsächlich, dass sie auf die Zahl dieser Landmarken reagiert haben. Und das hätte damals also in den 90er-Jahren eigentlich noch niemand für möglich gehalten.</p>
<p>Musik: Busy concentration 0‘40</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bienen und Hummeln - Insekten insgesamt -, hat man vor dieser Zeit nicht viel mehr zugetraut als automatisiertes, roboterartiges Verhalten. Das Zählen der Hindernisse jedoch war der Start für einen Perspektivwechsel im Denken der Menschen, dem weitere Versuche zur Erforschung der geistigen Fähigkeiten von Bienen und Hummeln folgten. Heute ist Lars Chittka davon überzeugt, so schreibt er in seinem Bestseller &quot;Mind of a Bee&quot;, dass jede Biene ein Bewusstsein hat, dass sie ihre umgebende Welt wahrnimmt, dass sie die Folgen ihrer Handlungen abschätzen kann, dass sie über Intelligenz verfügt.</p>
<p>O-Ton 04 Chittka</p>
<p>Und es haben mich immer wieder auch mal Studenten gefragt, wenn die denn so schlau sind, haben Sie denn auch Gefühle? Und das kam mir immer nach einer etwas absurden Fragestellungen vor und einer Fragestellung, bei der ich dachte, das ist eigentlich gar nicht erforschbar. Und deswegen habe ich das immer so abgetan. </p>
<p>Musik: Fearful tearful 0‘41</p>
<p>Atmo Hummeln</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Doch dann hat das Team um Lars Chittka einen Versuch entwickelt, der eigentlich dafür gedacht war, herauszufinden, ob Hummeln lernen können, bestimmte Fressfeinde zu erkennen und sie in Zukunft zu meiden. Dafür haben die Wissenschaftler Krabbenspinnen nachgebaut - Spinnen, die in der Natur die Farbe von den Blüten, auf denen sie lauern, annehmen. Zwei Arme der Plastikspinne waren mit kleinen Schwämmen versehen, mit denen die Hummeln kurz festgehalten und dann wieder losgelassen wurden. Die Hummeln verhielten sich im Anschluss an diese Erfahrung auffällig.</p>
<p>O-Ton 05 Chittka</p>
<p>Sie waren also sichtbar nervös, haben vor jeder einzelnen Blüte auch noch Tage nach solchen Attacken sehr lange hin und her gescannt, bevor sie sich entschieden haben, dass das ja sicher sein könnte. Aber was ganz besonders erstaunlich war, war dieses Verhalten von so genanntem False-Alarm, also falschen Alarmen, wo sie eine komplett sichere Blüte inspiziert haben und dann weggeflogen sind. Und das sah uns tatsächlich so aus, als ob da, naja, zumindest schlampig formuliert, so etwas wie eine posttraumatische Stressbelastung vorlag. Nun war das noch keine formelle Diagnose von so einem Phänomen. Aber das deutete in die Richtung einer Art Gefühlswelt.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Diese Erkenntnisse zählen wohl zu den vorläufigen Höhepunkten dessen, was Menschen Tieren kognitiv zutrauen. In der Wissenschaft beschäftigt man sich seit mehr als 100 Jahren mit der Erforschung der Intelligenz von Tieren - zunächst, ohne vor dieser großen Respekt zu haben. </p>
<p>Musik: Plan of the animals 0‘54</p>
<p>Bevor Jane Goodall in den 1960er Jahren zeigte, dass Schimpansen Äste so bearbeiten, dass sie mit ihnen nach Termiten stochern können, dass sie also in der Lage sind, Werkzeuge zu schaffen und zu nutzen, haben Menschen den Tieren in Sachen Intelligenz so gut wie nichts zugetraut. Intelligenz war - so das vorherrschende Denken - allein dem Menschen vorbehalten. Doch die Schimpansen haben die Türen geöffnet: Heute weiß man, dass viele Tiere Werkzeuge nutzen - diverse Affenarten, aber auch Krähen, Oktopoden oder Delfine, die Schwämme aufsammeln, und sich auf die Schnauze legen, um damit den Meeresboden zu durchpflügen und kleine Tiere aufzuscheuchen. Immer mehr Tierarten bestehen auch den Spiegeltest - seit gut 50 Jahren ein Standard in der Erforschung tierischer Intelligenz: Tiere, die zeigen, dass sie sich im Spiegel erkennen, sind sich ihrer selbst bewusst, so die menschliche Theorie. Raben, Elefanten und manche Fischarten haben im Spiegel Flecken auf ihrem Körper entdeckt und versucht, diese zu entfernen. Zuletzt ist in der Forschung immer mehr in den Fokus gerückt, dass Tiere einer Art sich individuell verhalten - das gilt für große wie für kleine. </p>
<p>Atmo Bienen</p>
<p>Und damit zurück zu den Bienen und Lars Chittka: Die erste Frage, die ein menschliches Gehirn sich zusammendenken könnte, ist vielleicht: Wie schaffen es Bienen, intelligent zu agieren, trotz ihres - bei allem Respekt - ja eindeutig kleinen Gehirns.</p>
<p>O-Ton 06 Chittka</p>
<p>Es ist ja so, dass diese Gehirne zwar klein sind, aber das ist natürlich alles sehr, sehr elegant miniaturisiert. Wenn man sich die Struktur anguckt, hat jede einzelne von diesen Nervenzellen mitunter eine so fein verzweigte Struktur wie eine komplette Eiche, nur halt sehr viel kleiner. Und jede dieser Nervenzellen hat bis zu 10.000 Kontakte mit anderen Nervenzellen. Jede einzelne dieser Kontaktpunkte ist zumindest theoretisch erstmal plastisch und kann sich verändern durch Erfahrungen. Und wenn man sich dann die Komplexität dieser Verdrahtung zumindest in Ansätzen vor Augen führt, wird klar, warum wir als Wissenschaftler immer noch keinen kompletten Zugang dazu haben, wie komplex das gesamte Verdrahtungsdiagramm eigentlich ist. </p>
<p>Musik: Leaping electrons (reduced) 0‘19</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ein verdichtetes Wunderwerk, geschaffen in Millionen Jahren der Evolution. Davon zeigt sich auch Ludwig Huber begeistert, Professor für vergleichende Kognitionsforschung an der Universität Wien.</p>
<p>O-Ton 07 Huber</p>
<p>Und das sind vielleicht die aufsehenerregendsten Befunde überhaupt, weil man hier ja auch mit Lebewesen zu tun hat, die nicht nur sehr weit von uns in der Verwandtschaft sozusagen entfernt sind, sondern weil sie auch ganz andere Gehirne haben als wir.</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Ludwig Huber ist Autor des Sachbuchs &quot;Das rationale Tier&quot;, in dem er mit einer vierstelligen Anzahl von Zitaten aus wissenschaftlichen Studien nachweist, dass man auch nichtmenschlichen Lebewesen Rationalität und Bewusstsein in einem anspruchsvollen Sinn zugestehen kann.</p>
<p>O-Ton 08 Huber</p>
<p>Das ist das Zentrum des Buches, dass sie auch in einer gewissen Art und Weise rational sind, dass sie also Entscheidungen treffen, die effizient sind und die ihr Überleben fördern, also eine Art von praktischer Rationalität. Und dass dabei auch das Gefühl, die Emotion eine Rolle spielt. </p>
<p>Musik: Animals playing catch 0‘25</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>So ein Tier ist auch der Oktopus. Oktopusse gebrauchen Werkzeuge, planen ihr Verhalten, täuschen Artgenossen, spielen gerne und können zählen. Sie gelten als die intelligentesten Weichtiere, verfügen allerdings über kein zentralisiertes Nervensystem, ihre Neuronen befinden sich hauptsächlich in den Armen.</p>
<p>O-Ton 09 Huber</p>
<p>Ja, also mit der Zentralisierung ist das so eine Sache. Wir wissen, auch in der Neurobiologie des menschlichen Gehirns, dass diese, wenn Sie so wollen, Rechenoperationen nicht in bestimmten Zentren, kleinen Gebieten lokalisiert sind, sondern dass fast überall ein großer Teil des Gehirns beteiligt ist, also ein verteiltes Nervensystem innerhalb eines kompakten Gehirns. Und wenn man an dieses verteilte Rechnen denkt, dann ist es so nicht so weit hergeholt, dass sich in einem Kraken, in einem Oktopus, das auch in die Arme verteilt und dieses Nervensystem im einfach nicht sagen morphologisch Kompakt ist, sondern eben auch anatomisch etwas verbreitet verteilt. </p>
<p>Musik: Little fish 0‘56</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Mit Intelligenz in Verbindung gebrachtes Verhalten im Tierreich endet nicht bei den Weichtieren. Ein deutsch-dänisches Forscherteam hat Lernverhalten bei Quallen festgestellt. Die untersuchten kleinen Würfelquallen pulsieren normalerweise auf der Jagd nach Wasserflöhen durch trübe Gewässer mit Mangrovenwurzeln. Diese Umgebung wurde in einem Versuchsbecken simuliert. Die Quallen stießen zunächst gegen die vermeintlichen Wurzeln, doch schon nach wenigen Minuten vergrößerten sie den Abstand zu ihnen und prallten durch eine Anpassung der Schwimmrichtung nur noch halb so häufig dagegen. Das kann als assoziatives Lernen bezeichnet werden, d.h. Ursache und Wirkung sind der Qualle unbekannt, doch sie lernt durch Konditionierung. Zwar verfügt diese Qualle über 24 Augen, ein Gehirn aber hat sie nicht.</p>
<p>O-Ton 10 Huber</p>
<p>Natürlich, wenn wir vom Menschen ausgehen, dann sind wir sehr gehirnlastig unterwegs. Wenn man an wirbellose Tiere denkt, dann schaut die Sache anders aus. Aber es ist ein Nervensystem, das ist das Entscheidende. Es ist ein Nervensystem, es sind Neurone. Die chemisch-physikalische Arbeitsweise dieser Neurone ist sehr, sehr ähnlich wie der unserer Neurone, von daher ist der Unterschied nicht so groß. Aber im Netzwerk, in der Anordnung dieser Nervenzellen gibt es einen großen Unterschied. </p>
<p>Musik: Genetics 0‘52</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die kognitiven Fähigkeiten und das damit zusammenhängende Verhalten von Tieren lässt sich allerdings nicht verallgemeinern. Die Forschung heute erkennt immer mehr, dass es große Unterschiede zwischen einzelnen Individuen innerhalb einer Art und innerhalb einer Population gibt. Selbst der Amazonenkärpfling, der Amazon Molly [englisch ausgesprochen], ein kleiner Fisch, der sich selbst klont, bei dem das Genom der Nachkommen, dem der Mutter entspricht, zeigt Individualität. Vom ersten Tag an sind einige der Klone aktiv und sozial und schwimmen weit weg auf der Suche nach Nahrung, andere bleiben lieber ruhig an einem Ort und schnappen dort nach herumfliegendem Futter. Ein Erklärungsmodell ist, dass der genetische Code nur eine Komponente dessen ist, was von den Eltern mitgegeben wird, hinzu kommen weitere unzählige Moleküle, die mit unseren Genen interagieren, die Epigenetik. Diese könnte eine größere Rolle bei der Entwicklung auch des menschlichen Verhaltens spielen, als Wissenschaftler bisher angenommen haben. Individualität hat Lars Chittka jedenfalls auch unter Bienen und Hummeln feststellen können.</p>
<p>O-Ton 11 Chittka</p>
<p>Also bei allen psychologischen Lernversuchen, die wir gemacht haben, zeigt sich, dass sich unterschiedliche Individuen oft ganz unterschiedlich verhalten. Das bezieht sich auf die Geschwindigkeit, mit der sie Dinge lernen und behalten, aber auch in Bezug darauf, wie offen sie gegenüber neuen Gegenständen sind, die sie noch nicht gesehen haben. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wenn den Bienen beispielsweise neue Blüten präsentiert wurden, zeigten manche Individuen Neugier und steuerten diese an, andere waren vorsichtig und blieben auf Abstand. </p>
<p>Atmo Schafe</p>
<p>Musik: Building the horse 0‘29</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Auch Tiere, die in diesem Sinne für den Menschen lange nicht von Interesse waren, zeigen intelligentes und individuelles Verhalten: die sogenannten Nutztiere. Kristina Horback, Professorin für angewandte Verhaltensforschung an der University of California, Davis, untersucht deren kognitiven Fähigkeiten. Schafe zum Beispiel werden aus ihrer Sicht unterschätzt, zu Unrecht in die belämmerte Ecke gestellt. </p>
<p>O-Ton 13 Horback</p>
<p>Sheep are often a joke ... makes sense that this type of a social identification has evolved.</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Über Schafe wird oft gescherzt, dass sie einander immer bloß folgen und sonst nicht viel los ist, aber die Forschung zeigt anderes: Schafe können z.B. die Gesichter von bis zu 50 anderen Schafen erkennen und zwischen einem bekannten und einem unbekannten Schaf unterscheiden. Und sie können sich diese 50 Individuen mindestens zwei Jahre lang einprägen. Das Gesicht ist für Schafe sehr wichtig. Außerdem können sie anhand des Gesichtsausdrucks erkennen, ob sich das andere Schaf in einem gestressten oder in einem ruhigeren Zustand befindet, z. B. anhand der Haltung der Ohren oder der Anspannung der Muskeln um die Augen. Man kann also sagen, dass bei Schafen eine Menge subtiler sozialer Intelligenz im Spiel ist. Dass das überraschend ist, liegt daran, dass Schafe eine bisher ziemlich übersehene Spezies sind. Dabei sind sie sehr gesellig, ein soziales Wesen zu sein ist wichtig für sie. Es macht also Sinn, dass sie diese Fähigkeiten entwickelt haben.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Tiere wie Schafe, die in einem komplexen Sozialgefüge leben, sind auf gut entwickelte kognitive Fähigkeiten angewiesen, erläutert Ludwig Huber.  </p>
<p>O-Ton 14 Huber</p>
<p>Dass sich verstehe, wie ein anderes Gruppenmitglied zu einem weiteren anderen Gruppenmitglied steht, wie sich das verändert, wie sich da vielleicht die Rangordnung ändert oder ob die vielleicht jetzt plötzlich eine Allianz schmieden gegen mich, also das sind immer wesentlich umfangreichere Beziehungsnetze, um die es da geht, die ein Tier in der sozialen Gruppe verstehen muss, lernen muss, aufpassen muss aufmerksam sein muss, ein ständiges Monitoring braucht und so weiter. Das hat dazu geführt, dass es tatsächlich die dominante Theorie für die Evolution von Kognition ist, dass man sagt, es ist die soziale Intelligenz mehr als die technische Intelligenz.</p>
<p>Musik: Z8032615140 Mysterious animal play 0‘36</p>
<p>Atmo Bienen </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die soziale Intelligenz gilt in der Forschung als die Treiberin für die Evolution von Kognition. Auch von Bienen ist bekannt, dass sie sehr soziale Wesen sind. Berühmt ist ihr Schwänzeltanz, mit dem die Kundschafter-Biene den anderen durch Bewegungen mitteilt, was für Nahrung sie gefunden hat, welche Qualität diese hat und wo genau sie zu finden ist. Die Entdeckung dieses Tanzes brachte dem Verhaltensforscher Karl von Frisch 1973 den Nobelpreis ein. Die Fähigkeit dazu ist der Biene angeboren, doch um möglichst genau tanzen zu können, müssen sie als Jungtiere erfahrenen Tänzerinnen zugeschaut haben, also von ihnen gelernt haben. Lernfähigkeit zeigten auch Hummeln in einem Versuch der Arbeitsgruppe von Lars Chittka. Um an eine Belohnung ranzukommen, mussten sie lernen, an einem Seil zu ziehen.</p>
<p>O-Ton 15 Chittka</p>
<p>Das ist ja eine völlig neuartige Aufgabe gewesen für die Tiere. Aber es war tatsächlich nicht nur so, dass man das den Hummeln beibringen konnte, sondern auch, dass die sich das voneinander abschauen konnten. Also wenn man einmal ein Tier trainiert hatte mit dieser Aufgabe, dann verbreitete sich ohne weiteres Zutun von uns Verhaltensbiologen, verbreitete sich diese Technik sehr schnell in der gesamten Kolonie. Und fast alle Arbeiterinnen haben das dann irgendwann nachgemacht und diese Technik beherrscht. Und das ist natürlich genau wie bei der Art von Werkzeuggebrauch, die man bei manchen Primatenarten findet, eine Technik, die dann sozial gelernt ist und sich nur auf diese eine Gruppe bezieht. Die von den Individuen dieser Gruppe dann beherrscht wird, aber von anderen Populationen eben nicht. Und so gesehen ist es tatsächlich eine Art von tierischem Kulturverhalten.</p>
<p>Atmo Schweine</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Formen sozialen Lernens zeigen auch Schweine, die eigentlich darauf angewiesen sind in Gruppen von bis zu 20 Tieren zusammenzuleben. Sie sind also sehr sozial und gelten auch als intelligent. Die Verhaltensforscherin Kristina Horback kann das bestätigen. </p>
<p>O-Ton 16 Horback </p>
<p>Neat cognitive skills ...understand a a perspective.</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Wenn wir die kognitiven Fähigkeiten anschauen, die erforscht und quantifiziert sind, dann sind da z.B. die Gedächtnisfähigkeiten, ähnlich wie bei einem Hund lassen sich die Schweine auf Substantive und Verben trainieren, auf die sie reagieren; sie lernen auch das Frisbee zu holen oder über einen Stuhl zu springen. Und sie sind dazu in der Lage, zu täuschen. Ein Schwein versteht, dass ein anderes Schwein eine andere Perspektive hat. Wenn das eine Schwein etwa weiß, wo das Futter versteckt ist, dann kann es ein anderes Schwein absichtlich vom richtigen Weg abbringen, damit es in die falsche Richtung läuft. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>In der Forschung wird die Fähigkeit, die Perspektive eines anderen zu übernehmen als &quot;Theory of mind&quot; bezeichnet und zählt zu den höchsten Formen der Kognition.</p>
<p>O-Ton 17 Huber</p>
<p>Ich habe mit Schweinen und Hunden gearbeitet. Wir machen ähnliche Tests, wir finden ähnliche Sachen. Und ich sage immer: Das eine Tier landet am Sofa, das andere am Teller. Und das ist ein eine absolute Schizophrenie.</p>
<p>Musik: Almost neutral (red) 0‘56</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Hier wird die Intelligenz der Tiere für die Menschen zu einem eher unangenehmen Thema. Viele essen gerne Fleisch, Studien zeigen jedoch, dass die meisten sich dagegen sträuben, Tiere zu essen, die als intelligent gelten. Das wiederum führt dazu, so eine weitere Studie, dass Menschen Tieren den Verstand absprechen, wenn es um den eigenen Fleischkonsum geht; dass das Wissen über die Intelligenz manipuliert wird, Informationen dazu strategisch verzerrt oder ignoriert werden. Doch die Forschung trägt dazu bei, dass das Wissen um die kognitiven Fähigkeiten von Tieren, auch von Nutztieren, wächst, und, so Kristina Horback, dass sich die Haltungsbedingungen verbessern. Auch ihre Forschung zu den kognitiven Fähigkeiten und zur Individualität von Nutztieren trägt dazu bei.</p>
<p>O-Ton 18 Horback</p>
<p>So if we, for example, know more about personality ... which can really boost immunity. </p>
<p>Overvoice weiblich </p>
<p>Wenn wir mehr über die Persönlichkeit von Nutztieren wissen, können wir zum Beispiel herausfinden, ob Hyperaggressivität bei einzelnen Individuen vererbbar ist - diese stellt manchmal ein großes Problem dar in der erwünschten Gruppenhaltung von Schweinen - und die Zucht dieser Individuen dann verhindern. Für Tiere, die sehr aktiv und erkundungsfreudig sind, können wir Ausgestaltungselemente wie Bürsten, Seile oder Spielzeuge entwerfen, um ihre Unterbringung zu verbessern; wir können dann zusätzlich die Tiere identifizieren, die weitere Abwechslung benötigen, dass man z.B. die Position der Bürsten oder die Qualität der Ausgestaltungselemente verändert. Andere Individuen wollen Stabilität, sind vorsichtiger, bewegen sich langsamer und wollen die gleiche Bürste an der gleichen Stelle. Wenn wir wissen, wie wir die Qualität der Behandlung und Pflege für jedes einzelne Tier optimieren können, können wir das Wohlergehen der Tiere verbessern. Dadurch können wir höchstwahrscheinlich den Stress dieser Tiere verringern, was auch die Immunität stärken kann.</p>
<p>Musik: Z8034319137 Machine like 0‘23</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Es hänge sicher mit der intensiven industriellen Landwirtschaft zusammen, so Kristina Horback, dass die Interaktion zwischen Mensch und Tier abgenommen hat und dass man davon abgekommen ist, das Verhalten und die Bedürfnisse von Tieren zu beachten und mehr über deren Intelligenz und auch Emotionen zu erfahren. </p>
<p>O-Ton 19 Horback</p>
<p>But we&#39;re getting back to it now with a lot more research in terms of animal welfare and animal cognition.</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Aber wir kommen da wieder hin, durch immer mehr Forschung im Bereich des Tierschutzes und der Tierkognition.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Und es gibt sicher noch sehr viel mehr Faszinierendes zu entdecken. Der portugiesische Neurowissenschaftler António Damásio [Antonnio Damahssio] beispielsweise ist der Überzeugung, dass alle Tiere über verschiedene Emotionen und ein emotionales Erfahrungsgedächtnis verfügen. </p>
<p>Musik: Secret proofs 0‘35</p>
<p>Körper und Geist sind dabei, Damásio nach, nicht so voneinander zu trennen, wie es das menschliche Denken bisher vorsieht. So sei es zunächst der Körper der Hummel, der mit Angst reagiert, wenn die Spinne nach ihr packen will. Ob die Hummel, ob andere Tiere, das Gefühl von Angst auch selbst empfinden, könnte eine der zukünftigen Forschungsfragen sein und auch eine, die eng mit mehr Tierwohl verknüpft ist.</p>
<p>Atmo Hummel(n)</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Berghütten früher und heute - Schutzhaus in luftiger Höhe</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/berghuetten-frueher-und-heute-schutzhaus-in-luftiger-hoehe/2094627</link>
      <pubDate>Mon, 14 Jul 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a1401df9-0c0b-44e2-9e0b-a9a12d3c1835</guid>
      <description>Nur drei Tage brauchte der Hubschrauber, um die neue Olpererhütte im Zillertal zu errichten, Muli-Karawanen waren es beim Becherhaus im Stubai. Bis heute ist es eine Herausforderung, ein Schutzhaus unter Extrembedingungen zu errichten und zu bewirtschaften. Felsstürze und Trinkwasserprobleme machen es zusätzlich schwer. Von Georg Bayerle  (BR2024) </description>
      <enclosure length="21952896" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094627/c/feed/berghuetten-frueher-und-heute-schutzhaus-in-luftiger-hoehe.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Georg Bayerle</itunes:author>
      <itunes:summary>Nur drei Tage brauchte der Hubschrauber, um die neue Olpererhütte im Zillertal zu errichten, Muli-Karawanen waren es beim Becherhaus im Stubai. Bis heute ist es eine Herausforderung, ein Schutzhaus unter Extrembedingungen zu errichten und zu bewirtschaften. Felsstürze und Trinkwasserprobleme machen es zusätzlich schwer. Von Georg Bayerle  (BR2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/96f75aef-b8f2-4480-9e8c-2bdae52930d2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Nur drei Tage brauchte der Hubschrauber, um die neue Olpererhütte im Zillertal zu errichten, Muli-Karawanen waren es beim Becherhaus im Stubai. Bis heute ist es eine Herausforderung, ein Schutzhaus unter Extrembedingungen zu errichten und zu bewirtschaften. Felsstürze und Trinkwasserprobleme machen es zusätzlich schwer. Von Georg Bayerle  (BR2024) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor dieser Folge: Dr. Georg Bayerle<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprach: Thomas Birnstiel<br/>Technik: Josef Angloher<br/>Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Gabi Braxmaier, Hüttenwirtin Kemptener Hütte<br/>Christine Denk, Hüttenwirtin Augsburger Hütte<br/>Em. Professor Dr. Hermann Kaufmann, Holzbau TU München<br/>Robert Kolbitsch, Ressortleiter Hütten &amp; Wege DAV<br/>Professor Dr. Michael Krautblatter, Hangrutschungen TU München<br/>Peter Mani, Hüttenreferent SAC<br/>Erich Pichler, ehem. Hüttenwirt Becherhaus</p>


<p>Mehr Storys, Infos &amp; Tipps vom Berg: Der Instagram-Kanal von BR Berge. <br/> Einfach abspeichern und rausgehen!<br/> <a href="https://www.instagram.com/br_berge/">https://www.instagram.com/br_berge/</a></p>
<p><br/></p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<strong>Geschichte der Bergführer - Vom Nebenjob zum Profi</strong>
<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/geschichte-der-bergfuehrer-vom-nebenjob-zum-profi/bayern-2/78752204/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Bergsteigerinnen - Unbekannte Heldinnen</strong>
<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:efcb37459b8ea165/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Philosophie der Berge - Von Höhen und Tiefen</strong>
<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/philosophie-der-berge-von-hoehen-und-tiefen/bayern-2/78753346/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Bergsturz - Bedrohte Berge</strong>
<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/bergsturz-bedrohte-berge/bayern-2/83307978/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-berghuetten-frueher-heute-schutzhaus-hoehe-alpen-alm-hubschrauber-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Mit gespannter Aufmerksamkeit beobachtet Dietmar Berchtold, wie Holzbauteile von Dach und Wänden von den Lastwagen entladen werden. Er koordiniert den Ladeplatz am Schlegeisspeicher im Zillertal. Männer in greller Warnkleidung und Helm wie er, stellen die Bauteile in einer festgelegten Reihenfolge auf. </p>
<p>Atmo Hubschrauber</p>
<p>Dann schwebt der Hubschrauber heran mit langem Steilseil, sekundenschnell befestigen sie ein meter-langes Wandstück, das jetzt schaukelnd in die Luft gehoben und auf den Berg zur Baustelle geflogen wird.</p>
<p>1.Zsp NO 0.14</p>
<p>Na sollten schnell die ganzen Wände hoch, dass wir bis zum Abend fertig werden. Cirka 50 - 60 Flüge haben wir heut und wenn’s Wetter wärmer wird, haben wir ein Problem, weil der Hubschrauber nicht mehr so viel lupfen kann, drum müssen wir am morgen früh gleich ‚wähla‘.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>In pausenlosem Pendelflug geht es jetzt so weiter. 600 Höhenmeter weiter oben beobachtet der Architekt dieser Extrembaustelle, Professor Hermann Kaufmann, wie das am Hubschrauber hängende Bauteil gleich an der richtigen Stelle in das Holzskelett des Hüttenbaus eingesetzt wird.</p>
<p>2.Zsp OH 2.16</p>
<p>Das ist wie ein Puzzlespiel. Das muss genau passen und in einer sehr schnellen Taktfrequenz auch, damit das Ganze muss so vorbereitet werden, dass in der Taktfrequenz wie der Hubschrauber heraufkommt, dass es wirklich passt. Die haben keine Zeit, da lange herumzusägen, herumzubasteln. </p>
<p>Atmo: sägen</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>350 Einzelteile sind es, bis zu eineinhalb Tonnen schwer. Sie wurden in der Zimmerei vorgefertigt. Als fliegender Lastesel des 21.Jahrhunderts funktioniert der Hubschrauber dabei gleich als Kran auf der Baustelle in 2400 Meter Höhe. Zimmerleute turnen über die Holzkonstruktion, fangen die schwebenden Holzplatten und passen jedes Teil zentimetergenau ein.</p>
<p>3.Zsp NO 0.42</p>
<p>So etwas habe ich noch nie gemacht. So mit der Dramatik an der Baustelle. Das ist etwas Unbeschreibliches. </p>
<p>Musik: Schnelle Schritte (reduced 1) 0‘40</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Hermann Kaufmann ist damals Professor für Holzbau an der Technischen Universität München. Die neue Olpererhütte im Zillertal entsteht im Juli 2007 in nur drei Tagen an derselben Stelle, wo die marode, 100 Jahre alte Berghütte, vorher abgerissen worden war. Der Neubau ist etwas vollkommen Neuartiges und stellt aus heutiger Sicht einen historischen Meilenstein dar: die neue Hütte soll so effizient wie möglich gebaut wer-den und besteht praktisch zur Gänze aus Naturmaterialien. Das Vorbild hatte der Architekturprofessor in seiner Heimat, dem Bregenzerwald gefunden:</p>
<p>4.Zsp NO 1.54</p>
<p>Man kann’s vergleichen mit einem altem Blockbau, der ja auch als Blockbau damals gebaut wurde, weil Holz ein Dämmmaterial ist und wir erwarten im Prinzip eine ähnliche Atmosphäre wie bei den alten Blockbauten, die ja im Sommer ein ganz angenehmes Klima haben. Solange das Dach ist, wird das Haus nicht verrotten, es hat einen Schindelpanzer an der Außenseite, solange diese Schindeln dicht sind, wird also auch diese ganze Konstruktion ewig überdauern.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Oder sie könnte, weil auf künstliche Isoliermaßnahmen verzichtet wurde, einfach an Ort und Stelle verrotten. Die über Jahrhunderte praktizierte Holzbauweise der Tradition eignet sich als Vorbild für die Anforderungen des 21.Jahrhunderts. Für Robert Kolbitsch, den Ressortleiter für die Hütten beim Deutschen Alpenverein, hat der Münchner Holzbauprofessor damit den Weg vorgegeben:</p>
<p>5.Zsp 001/3.20</p>
<p>Das hat der Kaufmann damals schon erkannt, dass wir bei reinen Sommerhütten schon Einiges reduzieren können. Dass wir die üblichen Baustandards, die wir vom Tal kennen, reduzieren können.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Es fängt bei der Hüttenarchitektur und den Baumaterialien an und geht bis in die Details der Installation. Klima, Umwelt und Bewirtschaftungsweise werden hier zusammengedacht.</p>
<p>6.Zsp 001/4.40: </p>
<p>Es geht darum, Energieaufwände zu minimieren. Der größte Energieverbraucher ist die Küche, wir wollen dort auch den Aufwand reduzieren, indem wir sagen, wir müssen nicht mehr so viele Speisen anbieten, ich brauche auch weniger Personal, wir haben weiniger Personalunterkünfte, ich habe auch weniger Kühllagerung und das alles hat Auswirkungen auf den Energiebedarf.</p>
<p>Musik: Hinter dem Nebel (reduced 1) 0‘46</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Das Beispiel zeigt die besondere Komplexität, die in einer Berghütte mit ihrem extremen Umfeld steckt. Wo nichts einfach vorhanden ist, Ver- und Entsorgung mit großem Aufwand verbunden und die Belastungen durch Wind und Wetter extrem sind. In der ersten Blütezeit des Alpinismus, Ende des 19.Jahrhunderts, war den Hüttenbauern kein Hindernis zu hoch, um ihre Schutzhäuser an die aberwitzigsten Stellen zu setzen. Nach einfachsten Anfängen wie der Alten Prager Hütte mit einem Raum und einem Dutzend geschlechtergetrennten Schlafplätzen, wuchsen die architektonischen Träume schnell in die Wolken. Buchstäblich: 3195 Meter hoch steht das Becherhaus als höchste Schutzhütte Südtirols auf einem Berggipfel. Erbaut wurde es vor 130 Jahren von der Alpenvereinssektion Hannover, die Material und Inventar mit Mulis über den sechsstündigen Aufstieg aus dem Tal heraufschaffen ließ. Erich Pichler hat die Hütte so lange wie niemand sonst bewirtschaftet:</p>
<p>7.Zsp BE 0.19 + 1.22</p>
<p>1800 Höhenmeter, das ganze Material hochbringen, hier auf den Gipfel. Erst einmal die Idee zu haben, hier oben eine Hütte hinzustellen. Nicht eine normale Hütte, sondern ein Prestigehaus, weil das sind Mauern mit einem Meter und Korkplatten und Moose und haben es mit roten Samtteppichen ausgelegt. </p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Das bürgerliche Milieu des Alpenvereins verpflanzte die städtische Lebenskultur gleich mit ins Hochgebirge. Dazu gehörte damals auch eine eigene Kapelle:</p>
<p>8.Zsp BE 3.10</p>
<p>Wir sind hier ausgerüstet, wir haben da das ganze Messgewand, das wir können anziehen, Altartuch, alles, was man braucht. Weil 30 Bergführer hier stationiert waren und die mussten sonntags in die Kirche gehen und so wurde die ganze Kirche dazugebaut.</p>
<p>Musik: Weiter Blick 0‘39</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Ein Bauwerk wie das Schutzhaus auf dem Becher steht am Höhepunkt der Erschließungsphase der Alpen. Von 8 Hütten zur Zeit der Gründung der Alpenvereine um 1870 wuchs die Zahl auf über 300 im Jahr 1914 vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. </p>
<p>Großbürgerliche Salonkultur mit Ölbildern und roten Teppichen auf der einen Seite, die Einfachheit des modernen Blockbaus auf der anderen Seite: größer könnten die Gegensätze kaum sein. Und dabei müssen sich die Hütten in den Wetterextremen bewähren, so wie sie die Wirtinnen und Wirte oft im täglichen Wechsel erleben. </p>
<p>Christine Denk bewirtschaftet die Augsburger Hütte, auf 2300 Metern in den Lechtaler Alpen:</p>
<p>9.Zsp AH 0.27</p>
<p>Ich finde es einfach übermächtig; und man merkt, man kann es nicht beeinflussen, also du kannst dir noch 15 Mal den Wetterbericht anschauen, es stimmt oft nicht, man ist immer ausgesetzt und muss es so nehmen wie es ist. Das ist richtig schön da heroben, finde ich.</p>
<p>Musik:  Ein neuer Tag (reduced 2) 0‘27</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>An diesem Tag ist das Wetter schlecht. Es kommen wenig Gäste. Zeit für die Hütten-Chefin, Dinge zu tun, die sonst liegenbleiben. Auch die Augsburger Hütte ist historisch, sie stammt aus dem Jahr 1885 und wurde mehrmals renoviert und umgebaut. Zuletzt 1992. Aus dieser Zeit stammt auch die Toilettenanlage. Die Behälter, in denen die Fäkalien die ganze Saison über gesammelt werden, müssen regelmäßig ge-tauscht werden. </p>
<p>Christine steigt über eine Außentreppe in einen Kellerraum; beim Öffnen der Tür schlägt ihr eine Gestankswolke entgegen, dann dreht sie den Plastik-Behälter zur nächsten leeren Kammer. </p>
<p>10.Zsp AH 1.10</p>
<p>Ich hab gottseidank eh einen schlechten Geruchssinn; so, das ist jetzt gedreht. Ich werde oben im Anlagenbuch aufschreiben, dass ich auf die Zahl vier gedreht habe. Und nächstes Jahr, wenn ich es ausleere, schau ich, wie voll die waren und ob man noch hätte warten können oder ob’s überfällig ist. </p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Aber es gibt keine Abwasserleitung, hier, über 1000 Höhenmeter über dem Tal. Und die Zeiten, in denen alles einfach in die Landschaft gespült wurde, sind lange vorbei; die Exkremente werden also in den Behältern gesammelt. </p>
<p>Musik: Secret proofs 0‘16</p>
<p>Jedes Jahr im Juni, kurz vor dem Saisonstart muss Christine Denk die unangenehmste Arbeit des Jahres verrichten: das, was die rund 2000 Gäste im Vorjahr hinterlassen haben, muss ins Tal:</p>
<p>11.Zsp TR 16.35</p>
<p>Bei uns ist es baulich leider so, dass es große Behälter sind, die ich nicht nach außen fahren kann, sondern wir schaufeln das aus. Mit so einer kleinen Gartenschaufel steht dann einer vor der Luke und der nächste schüttet es in einen Bigpack. wir sind alle in Schutzanzügen und mit Mundschutz, dauert einen halben Tag und dann schaufelst du die Hinterlassenschaften von einer Saison Hütte aus.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Alltagsdinge, über die sich die meisten wenig Gedanken machen, werden auf 2300 Meter Höhe zur Herausforderung. </p>
<p>Hier oben kommt das Wasser auch nicht einfach so aus dem Hahn.</p>
<p>12.Zsp TR 17.20</p>
<p>Wir sind eine Hütte, die nicht viel Wasser hat. Wir sind abhängig vom Oberflächenwasser, also Schmelzwasser; Gletscher gibt’s fast nicht mehr, also Schneewasser und dann Regenwasser. Erstes Thema ist, überhaupt zu vermeiden, Wasser zu verbrauchen. Das Ziel ist am Ende, eine Hütte bewirtschaften und dem Gast eine gute Zeit zu bringen, in den Bergen Zeit zu verbringen. Und am Ende musst du mit den Strukturen zurechtkommen, die dir das Umfeld dort bietet. Und wenn du nicht viel Wasser hast, ist eine Trocken-WC-Anlage auch eine Konsequenz daraus.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Über einen Schmelzwasserbach, der von einem Gletscher gespeist wird, 500 Höhenmeter weiter oben, war die Augsburger Hütte jahrzehntelang mit Wasser versorgt. Inzwischen ist der Gletscher durch die Klimaerwärmung praktisch verschwunden, in trockenen Sommern ist der Wasserzufluss in den vergangenen Jahren wochenlang ganz versiegt. In der Hüttenabteilung des DAV laufen die Problemberichte bei Robert Kolbitsch zusammen. Auf vielen Hütten müssen Lösungen für den Wassermangel gefunden werden.</p>
<p>13.Zsp 001/5.20</p>
<p>Das ist ein Thema, das uns immer stärker betrifft. Verursacht durch den Klimawandel im Gebirge, das spüren wir da oben zuallererst. Das heißt wir wer-den dort die jetzigen Spültoiletten auf Trockentoiletten umstellen und werden dadurch den Wasserverbrauch um 70% reduzieren. Weil ohne Wasser kann ich die Hütte nicht betreiben.</p>
<p>Musik: Handicraft work 0‘19</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Die Folgerung liegt auf der Hand; aber gerade das Beispiel Augsburger Hütte zeigt, wie komplex das Thema Trockentoiletten ist. Erst seit kurzem sind Unternehmen richtig aktiv geworden und entwickeln Lösungen für Trockentoiletten auf Berghütten.</p>
<p>16.Zsp 001/6.20</p>
<p>Da tut sich extrem viel. Es gibt in der Schweiz keine neuen Hütten mehr, ohne Trockentoilettensysteme und wir werden die jetzt auf unseren Hütten adaptieren. Es gibt derzeit mehrere Projekte, wo wir Hütten auf Trockensysteme um-stellen. Wir werden die gebauten Beispiele evaluieren, und dann den Sektionen Hilfsmittel zur Verfügung stellen, wie wir künftig die Trockentoilettensysteme auf den Hütten umsetzen können.</p>
<p>Musik:  Testing procedure (reduced) 0‘41</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>In der Organisationsstruktur des Alpenvereins sind jeweils die Sektionen die Betreiber der Hütten. Aber die Herausforderungen sind inzwischen zu groß für einzelne Alpenvereinssektionen. Denn der Wassermangel ist nur eines der Symptome des Klimawandels, der in den Alpen doppelt so schnell abläuft, wie im Flachland. Hier ist die Durchschnittstemperatur gegenüber 1880 bereits um 2 Grad gestiegen. Nicht nur Gletscher verschwinden rasend schnell wie über der Augsburger Hütte. Auch der Grund, auf dem Hütten stehen, wird instabil, weil der Permafrost im Fels auftaut. </p>
<p>An der TU München erforscht Professor Michael Krautblatter die geologischen Prozesse im Gestein und steigt im Auftrag des Alpenvereins auch auf die Berge. Eines der Sorgenkinder ist die Landshuter Europahütte auf 2700 Meter Höhe über dem Brenner. Mit einem Netzwerk aus Sensoren und elektrischen Leitungen hat Michael Krautblatter durch die Messung der Leitfähigkeit im Untergrund Veränderungen im Permafrost erforscht.</p>
<p>17.Zsp 76/1.55 + 2.50</p>
<p>Bei der Landshuter Europahütte gibt’s sehr massive Setzungen. Und das sind sehr unterschiedliche Setzungsraten innerhalb der Hütte, das heißt, der bisherige Hüttenbau ist nicht zu erhalten. Und wir haben eine neue Fläche vorgeschlagen.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Während an dieser Stelle die alte Hütte nicht mehr zu retten ist, konnte Michael Krautblatter für die Stüdlhütte am Großglockner eine einfache Lösung finden: es ging darum, dass das Schmelzwasser vom Dach nicht mehr direkt neben der Hütte in den Boden einsickert und dadurch andauernde Frost- und Tau-Prozesse auslöst, die die Felsen aufsprengen.</p>
<p>18.Zsp 76/0.20</p>
<p>Die Stüdlhütte war für uns ein gutes Beispiel, es geht ja bei Alpen-vereinshütten auch darum, mit geringem Aufwand viel bewirken zu können. Und das ist ein Fall, wo wir gesehen haben, das warme Dachwasser, das in die Permafrost-Nordflanke fließt, ist die Hauptursache. Man hat einen begrenzten Eingriff, man führt dieses warme Dachwasser weg, und hat damit gleich eine ziemlich gute Wirkung.</p>
<p>Musik:  New discovery 0‘17 </p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Inzwischen greift der Klimawandel massiv in die Schutzhütten-Infrastruktur der Alpen ein. Der Deutsche Alpenverein steht vor einer gewaltigen Herausforderung, sagt Robert Kolbitsch, der Hüttenchef:</p>
<p>19.Zsp 002/2.45 + 4.09</p>
<p>Wir werden uns die Hüttenstandorte sehr genau anschauen, wir werden Risikobeurteilungen machen: wie schaut die Wasserversorgung der Hütte künftig aus, die Murengefahr auf den Hütten, Muren werden zunehmen. Wir müssen die Standorte sehr genau anschauen, macht der Erhalt des Standorts wirklich Sinn, wir müssen über Alternativen nachdenken und darüber nachdenken, einzelne Standorte schließen.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Der Schweizer Alpenclub SAC ist in diesem Bereich bereits weiter: durch die größeren Höhen und das extremere Relief treten hier die Klimawandelfolgen noch drastischer zutage. In einer großangelegten Untersuchung wurden gerade alle Hütten auf ihre Klimasensitivität untersucht. Ergebnis: jede dritte Schutzhütte ist vom Klimawandel bedroht, erklärt Peter Mani, Experte des SAC:</p>
<p>20.Zsp 81/1.32 + 2.24</p>
<p>Die Britanniahütte hat Probleme mit dem Zugang, weil der Gletscher dort weggeschmolzen ist. Früher war das ein einfacher Hatsch, heute dis-kutiert man dort, eine große Hängebrücke reinzutun, weil man durch das Gelände nicht mehr kommt. Bei der Oberaletschhütte ist das Problem beim Tourenangebot, die Hochtouren werden dort wesentlich schwieriger und gefährlicher werden.</p>
<p>Musik: Disturbing factors 0‘28</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Andere Berghütten in der Schweiz wurden in den vergangenen Jahren durch Lawinen oder Muren zerstört. Nach 150 Jahren steht die Kultur der Berghütten vor einer historischen Zäsur. Verglichen mit den geologischen Erschütterungen an exponierten Standorten in der Schweiz, machen sich die Klimawandelfolgen auf der Augsburger Hütte in Tirol eher unspektakulär bemerkbar, dafür aber andauernd. </p>
<p>Hier evtl. Archiv-Atmo Küche (nicht in den Zusp. vorhanden)</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Christine Denk steht mit ihren Mitarbeiterinnen am Herd, um das Abendessen zu kochen. Zu diesem Zeitpunkt laufen praktisch nur die Küchengeräte, um das Stromnetz nicht zu überlasten. Da zeigt die Steuerung der Elektronik plötzlich eine Störung an:</p>
<p>21.Zsp AH 7.02</p>
<p>Scheiße; Unable to read Wasserkraftwerk, 18 Uhr 12..</p>
<p>Atmo Kraftwerk</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Während das Abendessen für die Gäste gekocht wird, muss jemand aus dem Hütten-team 250 Höhenmeter im alpinen Gelände absteigen zum Kleinwasserkraftwerk am Bergbach, das die Hütte versorgt. Eine halbe Stunde später wird sich dort herausstellen, dass nur eine Sicherung rausgeflogen ist. In trockenen Sommern aber, wenn der Schmelzwasserabfluss versiegt, gibt es oben auf der Augsburger Hütte auch keinen Strom aus dem Kleinwasserkraftwerk mehr. Die Energieversorgung ist eine weitere große Baustelle im Hüttenteam des DAV bei Robert Kolbitsch:</p>
<p>22.Zsp 002/0.25</p>
<p>Wenn ich zu wenig Wasser habe, habe ich auch Probleme, genügend Energie aus Wasserkraft zu bekommen. Die Sonnenenergie ist unsere wichtigste Energielieferant auf unseren Hütten. Die Photovoltaik wird ausgebaut, das ist jetzt nichts Neues. Aber auch die Speichertechnologie wird immer besser, auch daran arbeiten wir. Beides in Verbindung mit reduziertem Verbrauch, dann schaffen wir es, relativ autark die Hütten betreiben zu können.</p>
<p>Musik: Precision on demand 0‘28 </p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Die Hütte der Zukunft soll möglichst als in sich geschlossenes System funktionieren, genau abgestimmt auf die natürlichen Ressourcen. Annehmlichkeiten wie warme Duschen, Federbetten oder üppige Speisekarten kann es dann kaum mehr geben. Die Diskussionen um den Komfort auf Hütten sind schon ein Jahrhundert alt und werden jetzt unter den neuen Vorzeichen von Klimaschutz und Umweltverträglichkeit geführt.</p>
<p>23.Zsp TR 02</p>
<p>Duschen ist nicht schlecht, aber mal ein Wochenende geht auch ohne. Brunnen vor der Hütte langt locker. Wolldecken reichen völlig aus</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Bei Christine Denk auf der Augsburger Hütte erledigen sich viele Komfortfragen durch die Umweltbedingungen von selbst:</p>
<p>24.Zsp CD 53.49</p>
<p>Also wir haben nur Wolldecken, weil ich mit den Wasserproblemen gar keine Chance habe, diese Federbetten regelmäßig abzuziehen und zu waschen. Ich glaube, ein Gast will doch nur, dass sauber ist; das ist wichtig.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>So zählt auch die Kommunikation zu den wichtigen Aufgaben der Hüttenwirtin:</p>
<p>25.Zsp CD 54.44</p>
<p>Wir haben dieses Umweltgütesiegel und da ist eine Auflage, dass du die Gäste aufklärst, wie funktioniert deine energetische und wassermäßige Versorgung und das fragt auch jeder Gast. Ich glaube, wenn Leute auf der Hütte waren und die Restpfütze am Ferner sehen, das ist sofort transparent, was der Klimawandel macht. </p>
<p>Musik:  Calculations 0‘25</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Im Werkzeugkasten des Berghüttenbetriebs bahnt sich eine tiefgreifende Trendwende an: wenn Hütten umgebaut oder renoviert werden, dann dient es nicht mehr der Komfortsteigerung. Als die Kemptener Hütte im Allgäu vor kurzem renoviert wurde, hat auch die Hüttenwirtin Gabi Braxmaier, die das Schutzhaus auf 1850 Metern seit Jahrzehnten bewirtschaftet, am neuen Konzept mitgewirkt:</p>
<p>26.Zsp TR 1:06:52</p>
<p>Es war Anliegen von uns, dass man die Duschen abschafft, weil einfach das Duschverhalten manchmal ein bisschen krank ist. Wir haben Tagesgäste ghabt, die gekommen sind, geduscht haben. Wir wollten den Gast wieder ein bisserl zurückholen, wir haben keine Duschen mehr, wir haben kein Wlan, kein warmes Wasser. und eigentlich sind wir ganz glücklich damit</p>
<p>Musik: New evidence 0‘48</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Wie in einem Reallabor wird der Ressourcenverbrauch so weit wie möglich heruntergefahren. Die Berghütten sollen in einer der empfindlichsten Naturlandschaften überhaupt zu einem Modell werden für einen klima- und umweltfreundlichen Lebensstil, wie ihn die Gesellschaft insgesamt braucht. In einer neuen „Hütten-Wege-Vision 2030“ skizziert der Deutsche Alpenverein derzeit den Pfad, wie er mit seinen 320 Hütten in den Alpen klimaneutral werden kann. Als Leiter des Hüttenressorts tüftelt Robert Kolbitsch mit seinen Fachleuten gerade an einem Modellprojekt, das 2025 starten soll: Anlass ist der notwendige Umbau der Hochlandhütte über Mittenwald im Karwendel:</p>
<p>28.Zsp 001/1.45 + 0.30</p>
<p>Wie hoch sind meine CO2-Emissionen, was kann ich sparen. Mit diesem Modellprojekt wollen wir Konstruktionen vorgeben, die künftig die Bau-maßnahmen einfacher darstellen. Wir versuchen anhand dieses Beispiels neue Wege zu gehen, was Baukonstruktion, was Materialität betrifft, dass wir zum Beispiel, was den Schallschutz betrifft, was die Statik betrifft, ans Praktikable gehen, um den Materialeinsatz zu reduzieren.</p>
<p>ERZÄHLER:</p>
<p>Die Aufgabe reicht vom Dachaufbau bis zur Trockentoilette und den Küchengeräten. An den Planungen ist die Technische Universität in München beteiligt. Technische Lösungen, Verfahrensweisen, Materiallösungen – die neuen Erkenntnisse sollen dann allen Alpenvereinssektionen als Best-Practice-Beispiele für ihre Hütten weiter-gegeben werden.</p>
<p>Musik:  Handicraft work 0‘15 </p>
<p>In ihrer 150-jährigen Geschichte stehen die Schutzhütten in den Alpen mitten in einem spannenden Veränderungsprozess.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Benin- Bronzen Faszinierende Kunst und koloniales Unrecht</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-benin-bronzen-faszinierende-kunst-und-koloniales-unrecht-1/2108360</link>
      <pubDate>Fri, 11 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">96191093-fb86-423b-97f6-9f1b56f0b526</guid>
      <description>Sie sind nicht nur beeindruckende Kunstwerke, sie sind das Gedächtnis eines ganzen Volkes in Westafrika. Was sie genau zeigen, ist allerdings noch nicht vollständig entschlüsselt. Und nach einem Raubzug der britischen Kolonialmacht sind tausende Benin-Bronzen in der ganzen Welt verteilt. Wie soll die Rückgabe ablaufen? Autor: Linus Lüring (BR 2023)</description>
      <enclosure length="20951808" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108360/c/feed/die-benin-bronzen-faszinierende-kunst-und-koloniales-unrecht-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:49</itunes:duration>
      <itunes:author>Lüring, Linus</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie sind nicht nur beeindruckende Kunstwerke, sie sind das Gedächtnis eines ganzen Volkes in Westafrika. Was sie genau zeigen, ist allerdings noch nicht vollständig entschlüsselt. Und nach einem Raubzug der britischen Kolonialmacht sind tausende Benin-Bronzen in der ganzen Welt verteilt. Wie soll die Rückgabe ablaufen? Autor: Linus Lüring (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c9f4c4eb-4e68-4215-ac98-e22c97a9e3a8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie sind nicht nur beeindruckende Kunstwerke, sie sind das Gedächtnis eines ganzen Volkes in Westafrika. Was sie genau zeigen, ist allerdings noch nicht vollständig entschlüsselt. Und nach einem Raubzug der britischen Kolonialmacht sind tausende Benin-Bronzen in der ganzen Welt verteilt. Wie soll die Rückgabe ablaufen? Autor: Linus Lüring (BR 2023)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Linus Lüring<br/>Regie: Martin Trauner<br/>Es sprachen: Thomas Birnstiel, Hemma Michel, Jerzy May, Katja Schild<br/>Technik: Ursula Kirstein<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Stefan Eisenhofer, Leiter Leiter der Abteilungen Afrika und Nordamerika im Museum Fünf Kontinente, München;<br/>Dr. Oluwatoyin Sogbesan, nigerianische Kulturhistorikerin, Lagos</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong>Pickelhaube und Kokosnuss - Deutsche Kolonien in der Südsee<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/pickelhaube-und-kokosnuss-deutsche-kolonien-in-der-suedsee/bayern-2/78751298/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Frantz Fanon - Vordenker des antikolonialen Befreiungskampfes<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/frantz-fanon-vordenker-des-antikolonialen-befreiungskampfes/bayern-2/78752762/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Podcast-Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Paula sucht Paula <br/>Das Tagebuch der jungen Undercover-Journalistin Paula Schlier gibt uns heute, 100 Jahre später, einen seltenen Einblick in die Anfänge des Nationalsozialismus in München. Aber wer war diese Frau, was hat sie motiviert, war sie überhaupt eine Heldin? Die BR-Reporterin Paula Lochte begibt sich auf Spurensuche.<br/><strong>Paula sucht Paula | Folge 1/4 | </strong><strong>Alles Geschichte - History von radioWissen</strong><strong><br/></strong><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:f3f67ffa12ee2750/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskripte-radiowissen-die-benin-bronzen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die afrikanischen Verteidiger sind chancenlos gegen die gewaltige Armee, die sich Anfang des Jahres 1897 an der Westküste Afrikas formiert hat. Rund 1200 schwer bewaffnete britische Soldaten, Begleittruppen und hunderte Träger machen sich auf den Weg ins Landesinnere. Ihr Ziel: Das Königreich Benin und deren Hauptstadt, Benin-City. Als einziges Gebiet in der Region ist es noch nicht von einem europäischen Staat unterworfen und zur Kolonie erklärt worden.  </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Zu groß ist die Übermacht der Europäer, die mit Maschinengewehren vorrücken. Nach zehn Tagen ist der Kampf vorbei und Benin-City wird eingenommen. Bevor die Briten die Stadt anschließend niederbrennen, durchsuchen sie systematisch den Palast des Oba, des Herrschers von Benin. Dabei machen sie einen überraschenden Fund. Der britische Marineoffizier Reginald Bacon erinnert sich später so:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>In den Lagerhäusern war jede Menge Krempel. Alte Uniformen oder hässliche Schirme. Aber in einem Haus befanden sich - bedeckt von Schmutz - einige hundert einzigartige Bronzeplatten - wahrscheinlich ägyptischen Ursprungs. Es waren wirklich hervorragende Güsse. Die Vielfalt der Details war fantastisch.  </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Zum damaligen Zeitpunkt ist den britischen Soldaten nicht wirklich klar, was sie da vor sich haben. Erstmal nehmen sie alles mit, was sie finden können. Mehrere tausend Kunstwerke werden verschleppt. Vor allem Platten und Güsse aus Bronze und anderen Legierungen, aber auch Schnitzereien aus Elfenbein oder Holz. Für all diese Stücke setzt sich der Sammelbegriff &quot;Benin-Bronzen&quot; durch.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Als die ersten Stücke nach Europa kommen, lösen sie eine gewaltige Begeisterung aus. Vor allem unter den Museen beginnt ein Wettlauf um die Benin-Bronzen. Ein Mitarbeiter des Königlichen Museums für Völkerkunde in Berlin telegraphiert an den deutschen Konsul in Westafrika, er solle von den erbeuteten Dingen “was immer erreichbar und ohne Rücksicht auf den Preis” kaufen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Etwas später kommen Bronzen auch nach Bayern. Die Münchner Neuesten Nachrichten melden im Dezember 1898:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Sämtliche größere Museen Europas, Amerikas, ja selbst Australiens sind alarmiert und haben sich teilweise arm gekauft. Auch in unserem Münchner Ethnographischen Museum ist eben die erste derartige Sendung eingetroffen und wird demnächst zur Ausstellung kommen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mehr als 120 Jahre später geht der Ethnologe Stefan Eisenhofer die imposante Haupttreppe im Museum Fünf Kontinente nach oben, wie das Ethnographische Museum heute heißt. Er ist Leiter der Abteilungen Afrika und Nordamerika. Sein Ziel: Die ausgestellten Benin-Bronzen in der zweiten Etage. Er bleibt vor einer der Vitrinen stehen. Darin ein Kopf aus dunklem Metall, etwa 30 Zentimeter hoch…</p>
<p>ZUSPIELUNG 1 (Eisenhofer Beschreibung Kopf)</p>
<p>Also hier sehen wir so einen typischen Ahnen-Gedenkkopf wie er auf den Ahnen-Altären im Reich Benin gestanden ist. Das ist   ein menschlicher Kopf, sehr stark stilisiert, Sie sehen um den Hals  diese Ringe, sind Korallen, Ketten,  Perlenketten, die Ausweis der Majestät und des hohen Ranges des Königs waren. Und da oben auf dem Kopf, sehen Sie so diese Öffnung, da steckte ein Elefantenstoßzahn drin, der in der Regel dann eben noch beschnitzt war mit mythischen oder tatsächlichen Szenen aus der Vergangenheit des Reiches.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Etwa 20 Objekte, die zu den Benin-Bronzen gezählt werden, umfasst die Sammlung im Münchner Museum. Ein vergleichsweise kleiner Bestand. Das Ethnologische Museum in Berlin verfügt über mehr als 500 Exponate. Die meisten Benin-Bronzen finden sich in britischen Museen. Und sie alle verbindet die Frage, die Stefan Eisenhofer stellt, als er vor dem kunstvoll gestalteten Kopf aus Bronze steht. </p>
<p>ZUSPIELUNG 3 (Eisenhofer Frage)</p>
<p>Ja, es ist tatsächlich die die Frage – wo gehören diese Ahnen-Gedenkköpfe hin? In die Museen der Welt, in Museen in Nigeria, in den Königspalast in Benin City, in ein Nationalmuseum von Nigeria oder zu anderen Familien, die vielleicht auch solche Köpfe besessen haben?</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wie soll man umgehen mit den Benin-Bronzen, die zum großen Teil geraubt wurden und jetzt in Museen und privaten Sammlungen weltweit verteilt sind? Diese Debatte wird seit einigen Jahren hochemotional geführt. Vor allem in Nigeria, dem Staat, in dem sich das Gebiet des Königreich von Benin heute befindet - nicht zu verwechseln mit dem Staat Benin, der weiter westlich liegt. Die Nigerianerin Oluwatoyin Sogbesan [sprich:Olluwateun Schóbessahn, Aussprache auch im Digas-File, wo Frau Sogbesan ihren Namen einspricht] ist Kunsthistorikerin und Spezialistin für Fragen des kulturellen Erbes Afrikas. Die Benin-Bronzen sind für sie nur ein Beispiel für ein größeres Problem.</p>
<p>ZUSPIELUNG 4 (Toyin - Afrika ist von außen leichter zu studieren als von innen )</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Es ist leichter, afrikanische Kultur in Museen auf der ganzen Welt zu erleben, als in Afrika. Alles wurde geplündert. Wie sollen wir unsere Geschichte zusammenfügen und verstehen? Denn das sind ja eigentlich Dinge, die die Kreativität und Fähigkeiten unserer Vorfahren verdeutlichen. So wird klar, was wir waren und wer wir sind. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es geht also bei der Diskussion um die Benin-Bronzen darum, wie Unrecht aus der Kolonialzeit wieder gut gemacht werden kann und auch um die Frage, wie sehr kolonialistisch geprägtes Denken bis heute wirkt. Auf der Suche nach Antworten muss man erstmal zurück an den Anfang.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Denn schon im Jahr 1897, kurz nach dem britischen Raubzug, sorgen die Benin-Bronzen für Diskussionen. So heißt es im Bericht der Münchner Neuesten Nachrichten damals weiter: </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>[Es] wurden Bronzegüsse aufgedeckt in einer Größe und in einer Vollendung…</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>… wie man sie den Schwarzen niemals zugetraut hätte. Die Kunstwerke stellen alte Gewissheiten in Frage. Ja sogar die Argumentation, die der Unterwerfung des afrikanischen Kontinentes zugrunde lag, gerät ins Wanken, als die Benin-Bronzen nach Europa kommen. </p>
<p>ZUSPIELUNG 5 (Eisenhofer Kolonialkritik)</p>
<p>Der Tenor war ja, wir müssen Afrika kolonisieren, um die an die höheren Weihen der Zivilisation heranzuführen. Und jetzt stieß man auf diese tollen Kunstwerke, und das brachte die Befürworter des Kolonialismus in Erklärungsnot. Und kolonialkritische Kreise hatten halt gesagt, ihr erzählt uns immer Afrikaner, sind ohne unsere kolonisierende Hand ja nicht fähig, großartige Sachen zu schaffen. Wie erklärt ihr uns das jetzt? Und es wurden dann sehr schnell Erklärungsmodelle geschaffen, indem es hieß ja, das ist ja auch nicht von Afrikanern geschaffen worden, sondern wahrscheinlich von Arabern, die irgendwie aus dem Norden da waren, oder vielleicht von Europäern, die dort an Land gingen und dort blieben. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>So erklärt sich auch die Deutung des britischen Offiziers Reginald Bacon. Er war schnell von ägyptischem Einfluss ausgegangen. Aber es werden nicht nur die Fähigkeiten der Künstler des Königreiches von Benin angezweifelt. Es wird auch verkündet, man müsse die Benin-Bronzen nach Europa bringen und damit “retten”. Würden sie vor Ort in Westafrika bleiben, wären sie bald zerstört und damit Kunst von Weltrang unwiederbringlich verloren. Eine Sichtweise, die überheblicher kaum sein könnte. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Dass die Benin-Bronzen tatsächlich vor Ort hergestellt wurden, wird inzwischen von niemandem mehr angezweifelt. Die Kunst der Bronze-Guss-Technik wird bis heute in Benin-City in Handwerkerfamilien von Generation zu Generation weitergegeben. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Während die Herstellung der Benin-Bronzen also sehr konkret beschrieben werden kann, ist die Antwort auf eine andere Frage komplexer  - nämlich warum die Kunstwerke geschaffen wurden.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Dies ist eines der Schwerpunkte in der Forschung von Oluwatoyin Sogbesan. Die Kulturhistorikerin möchte dabei zuerst ein Missverständnis aufklären. </p>
<p>ZUSPIELUNG (8 Toyin – mehr als Kunst)</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Was oft als afrikanische Kunst bezeichnet wird, sind eigentlich Objekte, die eine wichtige Funktion haben. Sie werden genutzt für rituelle Zeremonien, für traditionelle Verehrung. Für die Menschen in Benin waren Sie ein Zeichen für die Macht des Oba, des Königs. Sie waren heilig, weil sie die früheren Könige ehrten. Viele der Benin-Bronzen stellen einen verstorbenen Oba dar. Sie galten als ein Medium, durch das der amtierende Oba mit seinen Vorfahren kommunizieren konnte. [Auch deshalb mussten sie so hochwertig ausgearbeitet werden.] Nochmal: Die Benin-Bronzen waren viel mehr als nur Kunstwerke.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Die Benin-Bronzen sollten also vor allem durch ihre prunkvolle Gestaltung die Macht des Oba, also des Herrschers über das Königreich von Benin, symbolisieren. Aber die Objekte hatten noch eine zweite Funktion. Denn während in europäischen Kulturen Ereignisse seit Jahrhunderten schriftlich festgehalten wurden, gab es diese Tradition in den meisten afrikanischen Gesellschaften nicht. Daher spielen die Benin-Bronzen eine besonders wichtige Rolle, vor allem die Reliefplatten.</p>
<p>ZUSPIELUNG (9 Toyin - historical recording)</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Sie waren auch Objekte der Geschichtsschreibung. Das ist sozusagen die Art und Weise, wie Afrika schreibt. Jede Platte ist damit wie eine Seite in einem Geschichtsbuch. Man kann zum Beispiel Leoparden sehen, also Tiere mit denen die Menschen früher zu tun hatten. Die Benin-Bronzen waren also für die Menschen eine Möglichkeit, Ereignisse festzuhalten.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Im Münchner Museum Fünf Kontinente erklärt Stefan Eisenhofer, der Kurator der Afrika-Abteilung, wie das konkret aussehen kann. Er zeigt im Ausstellungsraum einer dieser Bronzeplatten. Darauf sind unter anderem portugiesische Seefahrer zu sehen. </p>
<p>ZUSPIELUNG 10 (Eisenhofer Portugiesen)</p>
<p>Die Portugiesen erkennt man an diesen geraden Haaren, an diesen Schnittlauchhaaren und den sehr geraden Nasen. Also Europäer wurden von den Gießen in Benin sehr stereotyp dargestellt. Lange, glatte Schnittlauchhaare und eben sehr spitze, lange Nasen, während sie die Einheimischen mit sehr breiten Nasen dargestellt haben. Sie sehen hier auch zwei Würdenträger dargestellt auf dieser Benin-Platte. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Erforschung der Benin-Bronzen ist enorm kompliziert. Es ist nicht nur oft schwer zu deuten, was genau auf den Platten zu sehen ist oder wen ein Ahnenkopf darstellen soll - auch eine genaue Datierung ist meist nicht möglich, weil eben weitere Erklärungen oder schriftliche Ergänzungen fehlen. Es wird davon ausgegangen, dass die ältesten Bronzen aus dem 12. Jahrhundert stammen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dass so wenig bekannt ist, liegt auch daran, dass die Briten 1897 den Palast des Oba weitgehend zerstörten und auch viele Würdenträger ermordeten. Diese gaben oft historisches Wissen mündlich an folgende Generationen weiter.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Die Folge ist für Oluwatoyin Sogbesan eine Wissenslücke zwischen den Generationen - bis heute. </p>
<p>ZUSPIELUNG 12 (Toyin - Gap)</p>
<p>Ohne Overvoice</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Gerade weil die Benin-Bronzen so zentral sind für die Geschichtsschreibung eines ganzen Volkes und damit auch für dessen Identität, wurde der Raubzug zu einem zentralen Beispiel für koloniales Unrecht. Die Debatten um eine Restitution, also die Rückgabe, wird international verfolgt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Rückblick: In den 1930er Jahren fordert der Hof von Benin erstmals offiziell von der britischen Krone die Rückgabe der Kulturgüter. Der Erfolg ist gering. Doch der Wunsch bleibt bestehen. 1960 wird Nigeria 1960 unabhängig von Großbritannien. Das Königreich von Benin ist nun Teil dieses neuen Staates. Der traditionelle Herrscher, der Oba, übt wieder großen Einfluss aus. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>1972 wird in Benin-City ein Museum geplant, in dem auch Benin-Bronzen ausgestellt werden sollen. Nigerianische Diplomaten bitten darum, einige Stücke als Dauerleihgaben aus Deutschland zu bekommen. Sie stützen sich damals auf den Internationalen Museumsrat. Das Gremium hat empfohlen, geraubte Kulturgüter den noch jungen afrikanischen Staaten zurückzugeben. So soll ihnen ein besserer Zugang zur eigenen Kultur ermöglicht werden.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin lehnt die Anfrage aus Nigeria damals allerdings umgehend ab. Sie besitzt die zweitgrößte Sammlung von Benin-Bronzen weltweit. Das Land habe keinen „moralischen Anspruch“ auf die Objekte und die Erwerbungen der Berliner Museen seien “von jedem Makel frei”. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>An dieser Haltung wird sich in den folgenden Jahren wenig ändern. Es entsteht das, was die Kunsthistorikerin Benedicte Savoy eine “Sperrmauer der Institutionen” nennt. Währenddessen blüht der internationale Markt für die Benin-Bronzen weiter. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Noch 2007 ersteigert ein privater Bieter beim Auktionshaus Sotheby`s einen bronzenen Kopf aus Benin für fast fünf Millionen Dollar. Eine Versteigerung ähnlicher Stücke einige Jahre später muss dann allerdings gestoppt werden. Die öffentliche Kritik ist zu groß geworden. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch auf Ebene der Wissenschaft tut sich etwas. 2010 wird in Deutschland die Benin-Dialogue-Group gegründet. Es geht um eine engere Zusammenarbeit zwischen deutschen, britischen oder niederländischen Museen, die Benin-Bronzen besitzen, und Einrichtungen in Nigeria. Die Restitution ist dabei erstmal kein Thema. Stattdessen soll der Austausch von Informationen zu Sammlungen oder einzelnen Objekten intensiviert werden. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Nach und nach tritt auch die nigerianische Seite deutlicher auf. Sie bittet nicht mehr. Oluwatoyin Sogbesan und andere fordern die Rückgabe mit Nachdruck ein.</p>
<p>ZUSPIELUNG 14 (Toyin Fliegen)</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Menschen machen sich von Nigeria aus auf den Weg, um die Benin-Bronzen in Museen   überall in der Welt zu sehen. Warum können nicht Menschen aus aller Welt nach Nigeria reisen? Ihr könnt ja Kopien haben. Und wenn ihr das Original sehen wollt, dann müsst ihr eben nach Nigeria kommen. Lasst uns den Spieß umdrehen!</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Eine Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron Ende 2017 beschleunigt dann die Entwicklung. In seiner fast zweistündigen Rede vor Studierenden in Burkina Faso verkündet er ein Umdenken:</p>
<p>ZUSPIELUNG 15 (Rede Macron)</p>
<p>Overvoice männlich</p>
<p>Ich kann nicht hinnehmen, dass sich ein Großteil des kulturellen Erbes vieler afrikanischer Staaten in Frankreich befindet. Es gibt historische Erklärungen dafür, aber keine wirkliche Rechtfertigung. Das Erbe Afrika darf nicht nur in privaten Sammlungen und europäischen Museen zu finden sein.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Damit kündigt Macron wohl so deutlich wie kein anderer europäischer Staatschef vor ihm die Rückgabe von Kulturgütern an. Ein Schritt, der auch Museen und Politik in Deutschland unter Druck setzt. Wie soll man weiter mit den Benin-Bronzen umgehen?</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zur Erinnerung: Jahrzehntelang waren Forderungen aus Nigeria nicht ernst genommen und abgelehnt worden. Anfang der 1970er Jahre hieß es noch, Nigeria habe keinen Anspruch auf die Benin-Bronzen. Auf einmal geht es dann schnell: Im Juli 2022 unterzeichnen die deutsche Bundesregierung und die Regierung Nigerias eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es gleich am Anfang:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wir bekräftigen das Ziel, die Benin-Bronzen ohne Bedingungen an Nigeria zurückzugeben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und wenige Monate später werden in Nigeria die ersten Objekte feierlich übergeben. Mehrere hundert weitere sollen folgen. Teilweise sollen aber auch Bronzen als Dauerleihgaben in deutschen Museen bleiben - mit dem Hinweis auf die neuen Eigentümer. In allen Erklärungen und Vereinbarungen schwingt die Hoffnung mit, dass mit diesen Regelungen die jahrzehntelangen Debatten beendet werden können. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Innerhalb Nigerias entwickelt sich eine neue Kontroverse um die Benin-Bronzen. Wem sollen sie gehören? Wer soll sich um die Aufbewahrung und Ausstellung kümmern? Und da wird es kompliziert. Dem Staat Nigeria wurden die Bronzen offiziell übergeben. Aber auch der amtierende Oba, der traditionelle Herrscher über das Königreich von Benin, hat Ansprüche angemeldet. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit Erfolg: Der frühere nigerianische Staatspräsident Buhari hat die Bronzen inzwischen dem Oba übergeben. Die Begründung: Er sei der rechtmäßige Eigentümer, weil seine Vorgänger die meisten Werke in Auftrag gegeben und im Königspalast aufgestellt hatten. Allerdings ist die Sorge vieler Beobachter, dass die Bronzen nun dort verschwinden und nicht mehr in einem öffentlichen Museum gezeigt würden. So war es eigentlich geplant.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und eine weitere Partei hat sich eingeschaltet. Denn ein weiterer Aspekt gehört zu den Benin-Bronzen: Ihre Herstellung wurde auch durch einen florierenden Sklavenhandel finanziert. Dieser wiederum wurde vom Königshaus von Benin durch aggressive Eroberungskriege am Laufen gehalten. Die Nachfahren dieser Sklaven bezeichnen die Benin-Bronzen deshalb als “Blut-Metalle” und kritisieren die pauschale Rückgabe an Nigeria. Sie sehen die Kunstwerke auch als Teil des eigenen kulturellen Erbes und möchten mitbestimmen, was mit ihnen passiert.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Stefan Eisenhofer vom Münchner Museum Fünf Kontinente wirbt für, eine ruhige Auseinandersetzung.</p>
<p>ZUSPIELUNG 16 (Eisenhofer überhastet)</p>
<p>Also ich würde allen Parteien eigentlich wünschen, dass man sich nicht von der Politik her treiben lässt, wie das zum Teil im Moment so der Fall ist. Also ich würde mir wünschen, dass man sich viel mehr Zeit nimmt, um Gespräche zu führen mit unterschiedlichen Akteuren in Nigeria, auch um um einfach , ja, zu sehen, die angemessenste Lösungen zu finden, wie man damit umgeht, also so, wie es im Moment so stattfindet, möglichst schnell zurückgeben, um irgendwie Schuld gutzumachen. Und dann haben wir unsere Ruhe - also das ist in meiner Sicht nicht der richtige Weg.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Oluwatoyin Sogbesan warnt allerdings vor einer weiteren Einmischung. Sie betont, dass die Rückgabe bedingungslos erfolgt sei. Was mit den Bronzen weiter passiere, sei allein eine Angelegenheit Nigerias.</p>
<p>ZUSPIELUNG 17 (Toyin in dein Haus kommen)</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Es ist, als würde ich in dein Haus kommen, ohne zu fragen, die Tür öffnen und dann sage ich, was du mit deinen eigenen Sachen machen sollst. Die Debatte ist zum Teil immer noch nicht an einem Punkt angelangt, wo wir eine gemeinsame Grundlage haben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es sind also trotz jahrzehntelangen Debatten immer noch zentrale Aspekte ungeklärt. Ein Rätsel konnte aber gelöst werden - mit überraschendem Ergebnis. Es ging dabei um die Frage, woher das Metall kam, das für den Guss der Benin-Bronzen verwendet wurde. Schon länger war vermutet worden, dass es aus einer einzigen Region stammt. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Wissenschaftler aus Bochum konnten das bestätigen und mit chemischen Analysen nachweisen, dass das Metall für die Benin-Bronzen vor allem aus Deutschland stammt. Genauer aus der Region zwischen Köln und Aachen. Das Messing, das dort hergestellt wurde, war vor allem wegen seiner besonderen Fließfähigkeit begehrt bei Gießern in Benin.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch wenn die Benin-Bronzen damit eine deutlich größere Verbindung zu Deutschland haben als lange bekannt war - die Restitutionsdebatte verändert die Erkenntnis nicht. Denn ein legitimer Anspruch auf die Kunstgüter lässt sich daraus nicht ableiten.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Pest in Oberammergau - Von der Seuche zum Passionsspiel</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-pest-in-oberammergau-von-der-seuche-zum-passionsspiel/2093348</link>
      <pubDate>Fri, 11 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">266912ae-1173-4402-9662-e4d0c70dd535</guid>
      <description>Es ist die Nacht vor dem Kirchweihfest 1633. In der Dunkelheit schleicht sich der Oberammergauer Kaspar Schisler von Eschenlohe aus in sein Heimatdorf. Bringt er damit die Pest in den Ort? - Das Unglück vor nahezu 400 Jahren hat die weltberühmten Passionsspiele hinterlassen und eine Menge fromme und skurrile Geschichten. Von Markus Mähner (BR 2024) </description>
      <enclosure length="21720576" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093348/c/feed/die-pest-in-oberammergau-von-der-seuche-zum-passionsspiel.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:37</itunes:duration>
      <itunes:author>Markus Mähner</itunes:author>
      <itunes:summary>Es ist die Nacht vor dem Kirchweihfest 1633. In der Dunkelheit schleicht sich der Oberammergauer Kaspar Schisler von Eschenlohe aus in sein Heimatdorf. Bringt er damit die Pest in den Ort? - Das Unglück vor nahezu 400 Jahren hat die weltberühmten Passionsspiele hinterlassen und eine Menge fromme und skurrile Geschichten. Von Markus Mähner (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3c73d5af-7555-4331-b91f-1f361e9904e0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es ist die Nacht vor dem Kirchweihfest 1633. In der Dunkelheit schleicht sich der Oberammergauer Kaspar Schisler von Eschenlohe aus in sein Heimatdorf. Bringt er damit die Pest in den Ort? - Das Unglück vor nahezu 400 Jahren hat die weltberühmten Passionsspiele hinterlassen und eine Menge fromme und skurrile Geschichten. Von Markus Mähner (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Markus Mähner<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Franziska Ball, Benedikt Schregle, Frank Manhold<br/> Technik: Adele Meßmer, Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Viola Schenz, Journalistin und Autorin des Buches &quot;Ein Dorf begeistert die Welt: Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele&quot;<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Die Pest im Mittelalter - Europas demographische Katastrophe. Von Ulrike Rückert / Artikel Dorit Kreissl (2010 / 2015)<br/><a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-pest-im-mittelalter-europas-groesste-demographische-katastrophe/bayern-2/78757374/">JETZT ENTDECKEN</a></p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskripte-radiowissen-pest-in-oberammergau-seuche-krankheit-theater-schauspiel-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es ist der 11. September 1880. Ein Pferdefuhrwerk quält sich den steilen Ettaler Sattel aus dem Loisachtal kommend empor. Auf seinem Bock: Der lutherische Theologe Alexander von Oettingen von der Universität Dorpat im deutschsprachigen Estland. Neben ihm: Der äußerst gesprächige Murnauer Kutscher, der weiß auf was es bei der Oberammergauer Passion ankommt:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Die Hauptsache bei die Gschicht sei, daß viele Wagen voll Bierfässern dort versoffen würden. Ja, die verstehn´s dort halt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So Alexander von Oettingen in seinen &quot;Erinnerungen eines Pilgers nach Oberammergau&quot; von 1880. Und tatsächlich: </p>
<p>M ARD-LAbelmusik Tradition  (Länge: 1´15´´) unter:</p>
<p>Die Reise zu den inzwischen weltberühmten Oberammergauer Passionsspielen ähnelt eher einer Pilgerreise als eines Kulturausflugs. Denn links und rechts ist die Straße gesäumt von schier zahllosen Fußgängern, die sich keine Kutsche leisten können. Alle wollen sie nach Oberammergau, dem verschlafenen bayerischen Dorf, wie es in Disneyland nicht schöner stehen könnte: Umrahmt von kecken Berggipfeln und sprudelnden Ammerquellen, präsentiert es sich mit Lüftlmalereien und Herrgottsschnitzern an jeder Ecke, &quot;abgeschieden und weltoffen&quot;, vor allem dank seiner Passionsspiele, von denen der offizielle Passionsführer von 1880 schreibt:</p>
<p>ZITATOR 3 (od 2)</p>
<p>Am Mississippi wie an der Spree, an der Donau wie an der Themse, an der Seine wie am Rhein lautet das Losungswort: Nach Oberammergau! Tausende eilen auf Bahnen und Dampfern nach dem sonst so stillen Gebirgsdorfe und scheuen selbst die Beschwerden und Mühseligkeiten und Gefahren einer mehrwöchigen Seereise nicht, um dem alten Mysterium beizuwohnen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch woher stammt es, das &quot;alte Mysterium&quot;? Der Gründungsmythos der Oberammergauer Passionsspiele ist so bewegt, wie seine nun bald 400jährige Geschichte.</p>
<p>M Dakryon  (Länge: 1´00´´)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es ist das Jahr 1633. In Bayern sieht es düster aus: Vor einem Jahr überquerte der Schwedenkönig Gustav Adolf mit seinen Truppen den Lech und brachte damit den Dreissigjährigen Krieg auch nach Bayern. Das tägliche Leben ist geprägt von Missernten und Hungersnöten, von Inflation und Hexenverfolgung. Galileo Galilei schwört in diesem Jahr in Rom vor der Heiligen Inquisition von seinem besseren Wissen ab. Das Klostergericht Ettal, zu dem Oberammergau gehört, lässt keine Hexenverbrennungen zu. Aber es fallen immer wieder &quot;feindliche Räuber&quot; - wie es in der Dorfchronik heißt - in Ettal und Oberammergau ein und zerschlagen dort den Kirchenschrein. Zu allem Übel grassiert auch noch der Schwarze Tod: Die Pest - im Ammergau glücklicherweise nicht so schlimm wie im Flachland.</p>
<p>Musik Bitter intrigues (reduziert) (Länge: 0´53´´) </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als der Oberammergauer Tagelöhner Kaspar Schisler Sehnsucht nach seiner Frau und seinen Kindern bekommt. Es ist der Abend vor Kirchweich 1633. &quot;Der Schisler&quot; hat sich von Eschenlohe im Loisachtal, wo er sich als Knecht verdingt, auf den Weg über einen Bergsattel ins heimatliche Oberammergau gemacht. Überall sieht er Pestwachen. Niemand darf ins Dorf, denn bis jetzt verlief die Pest hier harmlos. Schisler aber stiehlt sich in der Nacht an den Wachen vorbei und bringt das Unglück mit: Innerhalb kurzer Zeit sterben...</p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>...binnen eines Jahres dahier 84 Personen, darunter zwei Pfarrer bald nacheinander. In dem großen Leidwesen traten die Vorgesetzten der Gemeinde zusammen und machten das Verlöbniß, die Passionstragödie alle zehn Jahre zu halten, und von dieser Zeit an ist kein einziger Mensch mehr gestorben, obgleich noch etliche die Pestzeichen an sich hatten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So die gut 200 Jahre später verfasste Dorfchronik. Ein Wunder?</p>
<p>Schenz 1a</p>
<p>Man mag jetzt an ein Wunder glauben, man mag es aber auch nicht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Viola Schenz, Journalistin und Autorin des Buches &quot;Ein Dorf begeistert die Welt: Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele&quot;</p>
<p>Schenz 1b</p>
<p>Wahrscheinlich ist eben einfach, dass zu dieser Zeit, als dieses Gelübde ausgerufen wurde: die die an der Pest erkrankt waren, einfach schon gestorben waren und die diese überlebt hatten, eben resistent waren, sodass eben weil auch niemand mehr in den Ort gelassen wurde, sodass es einfach keine weiteren Pestfälle mehr gab. Das hat einfach eine rein medizinische, virologische Erklärung.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch war es wirklich der Schisler, der die Pest brachte? Immer wieder tauchten Zweifel auf. Manche meinen, es sei eine Dienstmagd mit dem Namen Agata Lindenauer gewesen, die die Pest mit aus dem benachbarten Kohlgrub brachte. Natürlich können es auch Schwedische Soldaten gewesen sein, wie in vielen anderen Gebieten Bayerns. Fakt ist: der Name Schisler ist im Oberammergauer Pfarrmatrikel aus diesen Jahren nicht unter den Verstorbenen verzeichnet.</p>
<p>Schenz 2</p>
<p>Aber es wurde eben diesem Schisler zugeschrieben. Und dass er eben nicht mehr in diesen Todeslisten verzeichnet ist, das kann ein Zufall sein oder ein Versehen oder auch ein bewusster Akt. Das weiß man heute nicht mehr. Aber klar ist: jemand hat die Pest gebracht. Es gab viele Tote, der Rest des Ortes war dann resistent. Die, die erkrankt waren und gestorben waren, waren eben eh tot und insofern fiel eben das Gelübde und des Ende dieses Pestbefalls sehr günstig zusammen.</p>
<p>M Achlys (Länge: 0´25´´) unter:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bereits ein Jahr später, 1634, findet das erste Oberammergauer Passionsspiel statt. Auf dem Friedhof, wie in vielen anderen Orten Bayerns auch.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zurück ins Jahr 1880, knappe 250 Jahre nach dem Gelübde, zu Alexander von Oettingen:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Gottlob, das alte Gelübde bringt es mit sich, daß nur alle zehn Jahre gespielt werden soll. Sonst würde die Sache, wie sie schon heuer es zu werden drohte, zu einem lukrativem Geldunternehmen im neuesten Stil. Es war eben Mode geworden, jene &quot;Pilgerfahrt&quot; zu machen. Eine viertel Million Mark soll die Einnahme dieses Jahres betragen haben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die ganze Welt drängt nach Oberammergau. Die Passion ist ihrem Dorfspiel auf dem Friedhof entwachsen. Und, wie so oft, bringt der Erfolg auch viele Trittbrettfahrer mit sich, wie Alexander von Oettingen 1880 aus München zu berichten weiß:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Auf meine Erkundigung in den &quot;Vier Jahreszeiten&quot;, wo man, wie es hieß, in solider Weise die Vermittlung der Fahrangelegenheit, der Einlaßkarten und der Wohnung übernähme, war der Preis, auch wenn man auf die ersten Plätze verzichtete, 70 bis 80 Mark à Person! Nein, das konnte und wollte ich nicht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Organisation überlässt der Theologe dann einem Alois Mössl, der im Bierkeller zum Pschorr seine Kundschaft mit einem Preis von 25 Mark ködert - inklusive Fahrt und Eintrittskarte für den zweiten Platz. Zuerst schaut er sich aber noch das gerade erschienene Volkschauspiel &quot;Die Herrgottsschnitzer von Oberammergau&quot; an. 10 Jahre später, 1890, wird der Stoff als Roman von Ludwig Ganghofer dem Ort für immer sein Bild aufdrücken. 1952 bringt ihn Winnetou-Regisseur Harald Reinl ins Kino.</p>
<p>M ARD-LAbelmusik Tradition (Länge: 0´44´´) unter:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Am Morgen des 11.September 1880 verlässt der Zug München Richtung Murnau - die Bahnstrecke ist vor einem Jahr erst eingeweiht worden. Es ist neblig, wie so oft hier im Herbst. Erst am Starnberger See, an dem Halt für eine Dampferrundfahrt gemacht wird, klart es auf und ein prächtiges Alpenpanorama empfängt den &quot;Passions-Pilger&quot;.</p>
<p>Oberammergau hat zu dieser Zeit 1200 Einwohner. Und man kann sagen: Das ganze Dorf ist mit den Spielen beschäftigt, denn schließlich dürfen nur Einheimische mitspielen.</p>
<p>Genauso wie heute. Viola Schenz:</p>
<p>M  Passionsspiele Oberammergau (Länge: 1´18´´)</p>
<p>Schenz 3</p>
<p>Gut die Hälfte des Dorfes steht irgendwann über die Woche verteilt auf der Bühne, und der Rest ist sowieso auch irgendwie dabei: Wir haben die Feuerwehr, wir haben den Notarzt. Wir haben natürlich - ganz wichtig - den Chor und das Orchester. Die sind natürlich auch groß besetzt. Über hundert Mitglieder. Und wir haben die ganzen Garderobieren, wir haben die Einlasser. Und dann gibt es das ganze Drumherum noch. Also es ist eigentlich, es gibt kaum jemanden in Oberammergau, der nicht oder die nicht berührt wäre von diesen Spielen. Alle sind in irgendeiner Form involviert.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber auch Auswärtige verdienen am Spiel. Sei es die Bahn, die Kutscher oder die Schifffahrtsgesellschaften, die die Besucher aus Übersee bringen. Ja, 1880 hat sogar der englische Geistliche Thomas Cook als erster Reiseveranstalter der Welt ein Büro in Oberammergau eröffnet. Die Aufführung dauert 8 Stunden. Bänke gibt es lediglich ohne Lehnen. Und wie heute sind es bereits 5000 Zuschauer pro Aufführung. Das macht bei 23 Aufführungen vom 17. Mai bis zum 26.September gut über 100.000 Zuschauer. Und das bei einer Einwohnerzahl von gerade mal 1200!</p>
<p>M  Passionsspiele Oberammergau  (Länge: 0´52´´)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gut einhundert Jahr zuvor sah es allerdings weniger rosig für das Passionsspiel aus: Die aufklärerischen Tendenzen in der bayerischen Regierung mochten dem &quot;religiösen Jahrmarkt&quot; einen Riegel vorschieben und verboten 1770 die Passion. Szenen, wie jene aus der Oberammergauer Barockpassion, in der kleine Teufelchen dem toten Judas die Gedärme in Form von Straubengebäck aus dem Magen reißen und sie genüsslich verspeisen, kamen nicht gut an in München. Man solle...</p>
<p>ZITATOR 4 (od. 2)</p>
<p>&quot;...doch heimgehen und sich das Leiden Christi von ihrem Pfarrer predigen lassen. Das sei besser, als wenn sie den Herrgott auf ihrem Theater herumschleppen.&quot;</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch nach einer Überarbeitung von Text und Inszenierung bekam Oberammergau als einziger Ort für seine Passionsspiele eine Sondererlaubnis. Damit verblieb man der letzte Spielort einer Passion in Bayern!</p>
<p>M  Passionsspiele Oberammergau  (Länge: 0´24´´)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und so gingen die Oberammergauer Passionsspiele in ihre nächste Phase: Die des internationalen Ruhms und - ja man kann es nicht anders sagen - die des Massentourismus: 1830 untersagt zwar der Dorfpfarrer Alois Putz das Spielen auf dem Friedhof, doch da...</p>
<p>Schenz 4</p>
<p>…hat man dann das vom Friedhof verlegt, auf einen eigenen Platz im Nordteil des Ortes. Da war eine große freie Wiese. Die hat damals übrigens noch dem Ettaler Kloster gehört, also die hat man den Ettalern quasi abgekauft und hat dann dort erst Vorläuferbauten und dann das endgültige Passionstheater errichtet.</p>
<p>M  Passionsspiele Oberammergau  (Länge: 0´42´´)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Vorteil davon: Nun hat man deutlich mehr Platz für die Heerscharen, die alle zehn Jahre nach Oberammergau strömen. Bereits 1840 reisen selbst der Kronprinz Maximilian von Bayern, und der König und die Königin von Sachsen in das malerische Gebirgsdorf. Für Oktober hat sich sogar Ludwig der Erste angekündigt, doch früh einsetzender Schnee lässt die Reise nicht mehr zu. Für die Passion zehn Jahre später wird eine eigene Pferde-Bus-Direktlinie von München nach Oberammergau eingerichtet. </p>
<p>Auch die Passion 1870 scheint wieder alles Vorangegangene zu übertreffen, da kommt just während der achten Vorstellung am 17. Juli die Nachricht: Frankreich hat Preußen den Krieg erklärt!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dafür kommen bei den nachgeholten Aufführungen im Jahr 1871 umso mehr Zuschauer, besonders auch aus England und den USA. Das Deutsche Kaiserreich und somit ein vereinigtes Deutschland hat sich nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich am Anfang des Jahres gegründet und präsentiert sich nun auch im Bergdorf Oberammergau stolz der Welt.</p>
<p>Doch der unablässig zunehmende Tourismus bringt auch absurde Nebenwirkungen mit sich.</p>
<p>Schenz 5</p>
<p>Es gab also etliche Vorfälle, dass das Publikum einfach zwischen Darsteller und seiner Rolle nicht mehr unterscheiden konnte. Und das tatsächlich dann in der großen Pause oder auch am nächsten Tag - das Publikum war ja dann oft mehrere Tage im Ort -, dass dann eben der Judas-Darsteller, wenn er blöderweise auf der falschen Straßenseite ging, niedergeschimpft wurde von irgendeinem Passionsspielbesucher und ausgeschimpft wurde, weil er doch hier Jesus verraten habe. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Selbst Ludwig II., der 1871 einer Privataufführung beiwohnt, geht es da nicht anders.</p>
<p>Schenz 6</p>
<p>Unser Märchenkönig, der ließ es sich nicht nehmen, die Hauptdarsteller alle mal zu einem großen Diner einzuladen. Und zum Ende dieses Dinners hat er allen einen silbernen Löffel als Andenken in die Hand gedrückt. Nur der Judas-Darsteller bekam einen Löffel aus Blech einfach als Missbilligung seiner Rolle und für das, was er Jesus angetan habe.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dennoch schenkt er der ganzen Gemeinde auch noch das damals größte Steindenkmal der Welt, eine Kreuzigungsgruppe, die auf einem Hügel oberhalb von Oberammergau errichtet wird. Gleichzeitig beginnt er auch mit dem Bau von Linderhof. </p>
<p>M ARD-LAbelmusik Tradition  (Länge: 1´15´´) unter:</p>
<p>Doch nicht nur der König, auch eine breite Bevölkerungsschicht entdeckt zunehmend die Faszination für die Alpen und den dazugehörigen Charme des einfachen, ländlichen Lebens - als Gegenentwurf zur sich industrialisierenden Großstadt.</p>
<p>GERÄUSCH Vogelgezwitscher</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch Alexander von Oettingen, der inzwischen in Oberammergau angekommen ist und sein Quartier bezieht, lernt ihn kennen, den &quot;Charme des einfachen Lebens&quot;:</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Mir war gesagt worden, die Interieurs dieser Häuschen seien in ihrer &quot;Armseligkeit voll poetischen Reizes&quot;. Mir fehlte offenbar der Sinn dafür. Zur Poesie gehört auch Luft und Licht. Diese höchst ursprünglichen Dorflagerstätten kosteten, obwohl für vier Menschen nur zwei Handtücher disponibel waren, á Person 4 Mark für EINE Nacht! Das &quot;Geschäft&quot; spielt jedenfalls auch bei der gastlichen Nachtunterkunft eine große Rolle.</p>
<p>(((SPRECHERIN</p>
<p>Auch im Wirtshaus nebenan kommt wenig Entspannung auf: Es ist so voll, dass es kaum etwas zu Essen gibt.</p>
<p>ZITATOR 1</p>
<p>Glücklich wer ein Glas Bier erobert. Die Mehrzahl durstet und sehnt sich vergeblich darnach. Eine Flasche Wein läßt sich schon eher erreichen. Die lohnt eben mehr! )))</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der auch heute immer wiederkehrende Vorwurf, die Passionsspiele würden schon lange nicht mehr des Gelübdes wegen aufgeführt, sondern einzig, um Geld in die Dorfkasse zu spielen, ist also schon gut 150 Jahre alt.</p>
<p>M  Passionsspiele Oberammergau  (Länge: 0´46´´)</p>
<p>Dafür bekommt allerdings der Zuschauer auch Einiges geboten. Die Massenszenen und die &quot;Lebenden Bilder&quot; - die recht originalgetreue Nachstellung klassischer Gemälde, die Szenen aus der Bibel zum Thema haben - sind einzigartig. Da befinden sich gut und gern mal mehrere hundert Menschen auf der Bühne – die alle Oberammergauer sind! Und das geht von Babys bis zu 100jährigen. 2020 hat ein Bauer sogar seine Hühner für die Händlerszene im Tempel angemeldet - alles echte Oberammergauer!</p>
<p>Die übrigens ab Aschermittwoch ein Jahr vor der Aufführung dem sogenannten Haar- und Bart-Erlass unterliegen.</p>
<p>Schenz 7</p>
<p>Das heißt, ab diesem Tag dürfen die Darsteller, also Männer und Frauen, ihre Haare nicht mehr schneiden und die Männer auch nicht mehr die Bärte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Einer, der das ganz ernst genommen hat und sich mit seiner Rolle komplett identifizierte, war Anton Lang.</p>
<p>Schenz 8 </p>
<p>Und dieser berühmte Anton Lang, dieser Darsteller von 1900 und 1910 und 1922, also der große Christus-Darsteller, der dann eben auch zwischen diesen Dekaden-Aufführungen, seine Haare lang wachsen ließ. Also der dann wirklich so als ewiger Christus durch den Ort ging. Zu dem gingen dann die Leute während der Passion tatsächlich hin und baten ihn, ihre Kinder zu segnen. Und als dann sein jüngstes Kind, der Gottfried, 1918 auf die Welt kam, da geht die Legende, dass die Haushälterin der Familie Lang durch Oberammergau rannte und meinte: ein Christuskind ist geboren. Also unglaubliche Szenen!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch die strengen Vorschriften für Mitspieler bringen immer wieder absurde Szenen hervor. So gibt es lange Zeit für Frauen eine Altersbeschränkung, ab der sie nicht mehr mitspielen dürfen. Was 1922 zu einem komischen Bild auf der Bühne führt, als Anton Lang zum letzten Mal den Jesus verkörpert.</p>
<p>Schenz 9</p>
<p>Also, wir hatten dann da einen 47-jährigen Jesus am Kreuz hängen und seine Mutter Maria war halt dann irgendwie eine Anfang-20-Jährige. Also grotesker geht&#39;s nicht. Aber so war es eben.</p>
<p>Diese Regelung aber trieb dann wirklich seltsame Blüten: in einem Fall das war für die 1950er-Passion: Da war eben eine sehr begabte Darstellerin für die Maria vorgesehen. 1948/49, also als schon die ersten Proben liefen und also die Darsteller schon festgelegt waren, hat sie mal - so wurde ihr nachgesagt - auslassend mit amerikanischen Soldaten irgendwo in einer Dorfwirtshaus getanzt. Damals war ja Oberammergau, wie viele Teile Oberbayerns, von den Amerikanern besetzt. Und es wurde ihr natürlich sofort negativ ausgelegt, und der Gemeinderat befand also, dass sie dieser Rolle der Maria nicht würdig war. Und ihr wurde stattdessen die Rolle der Maria Magdalena, also der Sünderin, nahegelegt. Weil das doch ihrem Verhalten viel mehr entspreche. </p>
<p>M Dakryon  (Länge: 0´47´´)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Generell stehen die Spiele 1950 unter einem schlechten Stern. Denn es fehlt schlicht an Mitspielern. Viele junge Oberammergauer sind vom Krieg nicht heimgekehrt, die Verbliebenen sind oft zu alt. Und die zahlreichen Flüchtlinge, die im Dorf leben - es sind 2.200 Flüchtlinge auf 3.000 Einwohner - dürfen nicht mitspielen. </p>
<p>Zudem muss sich das Passionsspiel mit seinen antisemitischen Tendenzen auseinandersetzen. Die Nationalsozialisten hatten 1934 die &quot;Jubiläumsspiele&quot; - 300 Jahren Oberammergauer Passion - für ihre Zwecke vereinnahmt. Und nun kommen verstärkt Kritiken am veralteten Passionstext auf.</p>
<p>Schenz 10</p>
<p>Nicht unbedingt aus dem Ort selber oder aus der Gemeinde, wie man es vielleicht sich denken würde, sondern tatsächlich aus Amerika von prominenten amerikanischen Juden, allen voran Arthur Miller und Leonard Bernstein, die tatsächlich dann auch zu zum Boykott der Spiele aufgerufen haben - was tatsächlich zur Folge hatte, dass bei den 1970er Spielen ganze Blöcke leer blieben im Passionstheater. Aber der eigentliche Donnerschlag war das Zweite Vatikanische Konzil, das sich ewig hinzog, von 1962 bis 1965 in Rom, wo eben sehr viele Reformen beschlossen wurden und unter anderem eben auch ein Aufruf speziell nach Oberammergau ging, das Verhältnis zwischen christlichen und nichtchristlichen Konfessionen zu überdenken und die Spiele zu reformieren. Und was machten die Oberammergauer: Sie machten nichts! Sie scherten sich überhaupt nicht darum! Was dazu führte, dass ihnen quasi der Vatikan die Lizenz entzog für die Spiele.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Daraufhin fällt das Passionsspiel in eine große Krise, die den ganzen Ort in zwei Lager spaltet: Die Traditionalisten und die, die sowohl Text als auch von der Zeit überholte Regeln und Strukturen aufbrechen wollen. Das dauert allerdings bis 1990, als der noch nicht einmal 30-Jährige Oberammergauer Christian Stückl die Leitung der Spiele übernimmt.</p>
<p>Stückl </p>
<p>Das Dorf war reif für Reformen und deswegen sind die meisten dann mitgegangen. Ich hab dann die erste verheiratete Frau zur Maria gemacht. Ich hab versucht das Katholische aufzureißen und hab gesagt: Wir müssen auch die Protestanten mit einbeziehen. Wir müssen gemeinsam Gottesdienst feiern, wir müssen ein anderes Verhältnis zum Judentum haben. Also vielleicht hab ich an bestimmten Stellen auch einfach nen riesen Dickschädel und sag: Ich mach´s nur so. Anders mach ich´s nicht!</p>
<p>M  Passionsspiele Oberammergau  (Länge: 0´56´´)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was den Passionsspielen allerdings keineswegs geschadet hat. 2014 werden sie in die UNESCO-Liste für Immaterielles Kulturerbe aufgenommen. Die Spiele 2022 - sie wurden wie genau 100 Jahre zuvor wegen einer Pandemie um zwei Jahre verschoben - werden die finanziell erfolgreichste Passion in der Geschichte. Knapp 50 Millionen Euro Umsatz bei 412.000 Zuschauern!</p>
<p>Das Losungswort von 1880 gilt also immer noch, am Mississippi wie an der Spree, an der Seine wie am Rhein: Auf nach Ammergau!</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Chromosomen - Bausteine des Lebens</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/chromosomen-bausteine-des-lebens/1951791</link>
      <pubDate>Fri, 11 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a7718098-92b2-42c5-92eb-5d949f60a7b6</guid>
      <description>In den Chromosomen sind alle Erbinformationen gespeichert. Mehrere Tausend Gene stecken in ihren Zellkernen. Das ist bei allen Lebewesen so. Der Mensch hat insgesamt nur 46 Chromosomen - eine Krabbe bringt es auf 254. Was macht den Menschen eigentlich zum Menschen? Autorin: Veronika Bräse (BR 2023)  </description>
      <enclosure length="23185152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1951791/c/feed/chromosomen-bausteine-des-lebens.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:09</itunes:duration>
      <itunes:author>Veronika Bräse</itunes:author>
      <itunes:summary>In den Chromosomen sind alle Erbinformationen gespeichert. Mehrere Tausend Gene stecken in ihren Zellkernen. Das ist bei allen Lebewesen so. Der Mensch hat insgesamt nur 46 Chromosomen - eine Krabbe bringt es auf 254. Was macht den Menschen eigentlich zum Menschen? Autorin: Veronika Bräse (BR 2023)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c0218e72-91ea-4a58-af42-572820eded35.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In den Chromosomen sind alle Erbinformationen gespeichert. Mehrere Tausend Gene stecken in ihren Zellkernen. Das ist bei allen Lebewesen so. Der Mensch hat insgesamt nur 46 Chromosomen - eine Krabbe bringt es auf 254. Was macht den Menschen eigentlich zum Menschen? Autorin: Veronika Bräse (BR 2023)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Veronika Bräse<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse<br/> Technik: Christiane Gerheuser-Kamp<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radaiowissen-manuskript-rw-chromosomen-bausteine-des-lebens-gen-genetik-vererbung-erbgut-100.html">HIER</a></strong>.<strong></strong></p>
<p><strong>Interviewpartner/innen: <br/></strong>Prof. Frank Sprenger, Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie an der Universität Regensburg<br/>Dr. Astrid Wasmann, Biologin, einst Studienleiterin für Pädagogik in der Lehrerbildung</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong>Der weibliche Zyklus - Lebenskreislauf im Verborgenen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-weibliche-zyklus-lebenskreislauf-im-verborgenen/bayern-2/10298097/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-weibliche-zyklus-lebenskreislauf-im-verborgenen/bayern-2/10298097/"></a></strong>Erbsen und Mathematik - Gregor Mendel, Vater der Genetik<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/erbsen-und-mathematik-gregor-mendel-vater-der-genetik/bayern-2/78843324/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/sperma-viel-mehr-als-wunder-des-lebens/bayern-2/78751928/"></a></strong>Chronomedizin - Therapie im Takt des Körpers<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/chronomedizin-therapie-im-takt-des-koerpers/bayern-2/78755986/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Cleghorn, Elinor: Die kranke Frau - wie Sexismus, Mythen und Fehldiagnosen die Medizin bis heute beeinflussen, kiwi-Verlag, 2022.</p>

<p>Wasmann, Astrid: Biologie Begreifen: Genetik, 12 anschauliche Modelle zu Chromosomen, DNA und Gentechnik, AOL-Verlag, 2020.</p>
<p>Uhlenbrock, Karlheinz: Fit fürs Abi: Biologie Oberstufenwissen, Westermann-Verlag, 2018.</p>

<p>Tariverdian, Gholomal: Chromosomen, Gene, Mutationen: Humangenetische Sprechstunde, Springer-Verlag, 2008.</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Priming Effekte: Wie unabhängig sind wir in unseren Entscheidungen?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/priming-effekte-wie-unabhaengig-sind-wir-in-unseren-entscheidungen/2094837</link>
      <pubDate>Fri, 11 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">dc981d22-a9b3-4837-8958-493b65803e78</guid>
      <description>Werbung und Produktpräsentation im Supermarkt nutzen den Priming- Effekt schon lange: Durch äußere Reize wird unser Gehirn und daraufhin unser Verhalten beeinflusst. Die Eiswerbung im Kino ist nur ein Beispiel dafür. Wir alle werden viel öfter vor - beeinflusst als wir glauben. Von Daniela Remus (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22056576" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094837/c/feed/priming-effekte-wie-unabhaengig-sind-wir-in-unseren-entscheidungen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Werbung und Produktpräsentation im Supermarkt nutzen den Priming- Effekt schon lange: Durch äußere Reize wird unser Gehirn und daraufhin unser Verhalten beeinflusst. Die Eiswerbung im Kino ist nur ein Beispiel dafür. Wir alle werden viel öfter vor - beeinflusst als wir glauben. Von Daniela Remus (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5696eecf-714b-4718-a6fe-9180460dfa08.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Werbung und Produktpräsentation im Supermarkt nutzen den Priming- Effekt schon lange: Durch äußere Reize wird unser Gehirn und daraufhin unser Verhalten beeinflusst. Die Eiswerbung im Kino ist nur ein Beispiel dafür. Wir alle werden viel öfter vor - beeinflusst als wir glauben. Von Daniela Remus (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin und Sprecherin dieser Folge: Daniela Remus<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Hans-Peter Erb, Sozialpsychologe, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg<br/>Prof. Andreas Glöckner, Sozialpsychologe, Universität Köln<br/>Dr. Katrin Rothmaler, Sozialpsychologin, Universität Leipzig</p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-priming-beeinflussen-psychologie-gehirn-verhalten-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Kennen Sie das? Sie stehen in einem Mode-Laden und überall hängen rote Preisschilder. Dazu die Plakate: „Nur noch heute, super Rabatt Aktion!” Irgendwie fühle ich mich davon angezogen, fast jedes Mal, ich kann es auch nicht richtig erklären. Ich gehe hinein und gucke durch die Regale und Kleiderständer, ganz unverbindlich, denke ich wenigstens. „Kann das sein, kostet der Pulli jetzt wirklich nur noch die Hälfte? Und diese sommerlich gemusterte Bluse aus Leinen, die ist ja auch noch heruntergesetzt, meine Güte, was für ein Schnäppchen..” Eine Verkäuferin kommt dazu, nickt und sagt, „da haben Sie aber Glück, dass die noch da ist. Eine ganz außerordentliche Qualität und das zu dem Preis. Nur noch heute.” Es ist schon später Nachmittag, ich muss also schnell sein, will ich mir das Schnäppchen sichern. Also kaufe ich!</strong></p>
<p><strong>MUSIK 2  De-Phazz – Nia en bun om 0’33)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Zuhause bin ich irgendwie ernüchtert. „Eigentlich trage ich doch keine bunten Blusen, und Pullis habe ich auch schon genug. Ich ärgere mich über mich selbst: Warum falle ich immer wieder auf diese Rabattaktionen herein?” Warum kann ich mich nicht gegen das Gefühl wehren, das sei eine super Gelegenheit?</strong></p>
<p><strong>MUSIKENDE</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Mir ist schon klar, dass ich nicht die einzige Person bin, der das passiert, aber trotzdem wundert es mich. In anderen Situationen nehme ich mir doch auch die Zeit abzuwägen, sorgfältig zu entscheiden. Was führt zu meinem Verhalten? Lasse ich mich von den Rabatten beeinflussen? Mir fallen Berichte ein, dass Menschen, die im Kino eine Eiswerbung sehen, in der Pause häufiger Eis kaufen als ohne Eiswerbung. In der Psychologie heißt dieser Effekt Priming. Die Eiswerbung weckt bzw. stärkt das Bedürfnis ein Eis zu essen. Wirkt der etwa auch bei mir, der Priming Effekt, wenn ich bei einer Rabatt Aktion zuschlage? Um dieses Phänomen zu verstehen, habe ich recherchiert und mich mit Psychologinnen und Psychologen verabredet. Damit sie mir erklären könne, warum ich mich so verhalte und was das eigentlich ist, Priming. </strong></p>
<p><strong>TAKE 1 (O-Ton Erb) L: 0, 20</strong></p>
<p><strong>Priming ist ein Begriff aus der Gedächtnispsychologie ursprünglich und auf deutsch würde man vielleicht als Bahnung übersetzen. Es gibt alte Publikationen, wo das noch so genannt wird, aber heute haben wir diesen englischsprachigen Begriff. </strong></p>
<p><strong>MUSIK 3  De-Phazz – Mr. Minky 0’26)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Erklärt der Sozialpsychologe Hans-Peter Erb, als ich ihn in seinem Büro in der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg treffe. Er forscht seit vielen Jahren zu diesem Phänomen, weil es ihn fasziniert, wie das Gehirn äußere Einflüsse aufnimmt, verarbeitet und wie es darauf reagiert. Das klingt sehr theoretisch, ist es aber nicht, wie ich im Gespräch mit ihm erfahre.</strong></p>
<p><strong>TAKE 2 (O-Ton Erb) L: 0, 35</strong></p>
<p><strong>Das kann man sehr leicht demonstrieren. Wenn ich z.B. sage Butter, dann sagen Sie… D.R. Brot. E: Wunderbar es hat geklappt, ich hätte 10 Euro gewettet! Das klappt nicht immer, aber sehr häufig. Wenn man sagt, Werkzeug, dann kriegt man Hammer und wenn man Stuhl sagt kriegt man Tisch usw. Das bedeutet nichts anderes, als dass bestimmte Begriffe im Gedächtnis nah beieinander liegen …und wenn sie nah beieinander liegen, dann sind sie irgendwie verknüpft miteinander. Und wenn das eine aktiviert wird, dann wird das andere gleich mit aktiviert. So ist das bei Butter und Brot, bei Tisch und Stuhl. </strong></p>
<p><strong>MUSIK 4  De-Phazz – Mr. Minky 0’02)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Priming ist also, nüchtern ausgedrückt, ein Reiz-Reaktions-Schema. Wir nehmen einen Reiz wahr, wie in meinem Fall eben das Wort Butter, und unser Gehirn hat sofort verwandte Begriffe dafür parat. Bei mir war es Brot, bei anderen Menschen kann es der Butterpreis sein. Mein Gehirn hat also auf den gegebenen Begriff mit einer dazu passenden Assoziation reagiert. Diese Verknüpfung wird aber nicht nur sprachlich durch Wörter oder Begriffe ausgelöst. Auch Geräusche, Gerüche, Bilder oder der Geschmack bestimmter Nahrungsmittel können Erinnerungen, Assoziationen oder Stimmungen auslösen, erklärt der Sozialpsychologe. Am eindrücklichsten beschrieben hat das der französische Schriftsteller Marcel Proust. </strong></p>
<p><strong>MUSIK 5  Snorri Hallgrimsson – Avant-dernières pensées: I. Idylle 0’42)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>In der weltberühmten Madeleine-Szene.  Der Autor des Romans beschreibt, wie er ein Stück Madeleine, das in Tee getunkt ist, in den Mund nimmt und sich durch diesen Geschmack spontan in seine Kindheit zurückversetzt fühlt. Unwillkürlich steigen Erinnerungen in ihm auf und auch das wohlige Gefühl, das er damals in seiner Kindheit empfand, wenn er ein solches Gebäckstück aß. </strong></p>
<p><strong>MUSIKENDE</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Duft und Geschmack der Madeleine funktionieren in dem Roman Auf der Suche nach der verlorenen Zeit also als Priming Effekt. Die Madeleine weckt Erinnerungen, die damit verknüpft sind. Welche Assoziationen ein solcher Priming Effekt hervorruft, kann allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Sie hängen von den Vorerfahrungen ab. Wenn ich beispielsweise klassische Musik höre, dann denke ich unwillkürlich an die Sonntage meiner Kindheit zurück. An diese ganz besondere Stimmung, wenn meine Eltern entspannt und ruhig im Wohnzimmer saßen, Musik hörten und einen Tee dazu tranken. Andere Menschen, die diese Erfahrung so nicht gemacht haben, denken bei klassischer Musik vielleicht eher an den Musikunterricht in der Schule.</strong></p>
<p><strong>MUSIK 6  John Lennon – Imagine 0’54)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Und noch ein Beispiel: Bei Imagine von John Lennon fällt mir sofort die erste Party ein, die ich besuchen durfte. Mit 14, in der Turnhalle der Schule, mit Engtanz und ersten Verliebtheiten.</strong></p>
<p><strong>MUSIKENDE (Imagine)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Ob Gerüche, Bilder, Geräusche, einzelne Satzfetzen oder Wörter, alles kann also ein sogenannter Prime sein. Ein Reiz, der mein Denken, meine Erinnerung und manchmal sogar mein Handeln beeinflusst. </strong></p>
<p><strong>TAKE 3 (O-Ton Erb) L: 0, 30</strong></p>
<p><strong>Im Grunde werden ja ständig irgendwelche Konzepte geprimt bei uns. Sie sehen hier ein Buch liegen, dann ruft das bei Ihnen etwas auf, was mit dem Buch verwandt ist, dagegen können Sie gar nichts tun. Jetzt könnte ich natürlich auch gemein sein und Ihnen bestimmte Primes geben, so nennt man diese Stimuli, mit deren Hilfe man andere aufrufen kann, Primes geben und dann erwarten, dass bei ihnen bestimmte Inhalte aufgerufen werden. </strong></p>
<p><strong>MUSIK 7  Henrik Schwarz – Gymnopédie No.3 0‘54)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Im Alltag sind wir solchen Reizen durchgehend ausgesetzt, sagt Hans-Peter Erb. Ob wir mit anderen Menschen reden, ob wir Filme anschauen oder Nachrichten hören. Manche dieser Priming Effekte nehmen wir bewußt wahr, die meisten aber wohl nicht. Ein Prime, der mir schon lange bewußt ist: Ein Krankenwagen mit Sirene fährt laut an mir vorbei. Sofort denke ich darüber nach, wie krank oder schwer verletzt derjenige ist, der damit in ein Krankenhaus gebracht wird, ob die Zeit reichen wird, damit dieser Mensch gerettet werden kann. Diese Situation ist bestimmt schon X-Mal passiert, aber in meinem Kopf läuft trotzdem jedes Mal dasselbe Muster ab. All das sind Priming Effekte, sagt Hans-Peter Erb. Und die können sogar unsere Stimmung beeinflussen.  </strong></p>
<p><strong>TAKE 4 (O-Ton Erb) L: 0,30</strong></p>
<p><strong>Könnte ihnen z.B. Urlaub sagen, dann denken Sie hoffentlich an einen schönen Urlaub zurück im letzten Sommer oder so. Dann könnte sich etwa Ihre Laune verändern, dass sie gut draufkommen, weil ich Urlaub gesagt haben. Sie können schlecht draufkommen, wenn ich sage, Wurzelbehandlung vielleicht? Da könnte ich damit auch Ihre Stimmung beeinflussen, das funktioniert. </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Um zu überprüfen, ob das stimmt, empfiehlt er mir, mich selbst zu beobachten und einzelne Situationen bewußt wahrzunehmen. Und so habe ich nach dem Besuch bei Hans-Peter Erb bemerkt, dass nicht nur ein Gespräch über den nächsten Urlaub meine Stimmung hebt, sondern auch das Lob meiner neuen Frisur oder der zufällige Blick auf Spielzeug, das meine Kinder bei ihrem Auszug bei uns gelassen haben. Dass alle Menschen durch Priming beeinflusst werden, konnte auch in psychologischen Testreihen und Untersuchungen festgestellt werden, erklärt Andreas Glöckner, Sozialpsychologe an der Universität Köln.</strong></p>
<p><strong>TAKE 5 (O-Ton Glöckner) L. 0, 25</strong></p>
<p><strong>Der Hintergrund dazu ist die Idee, dass das Gedächtnis nicht so funktioniert wie eine Bibliothek, also dass es so ist, man kann einzelnen Wissensinhalte rausziehen, wie ein Buch, sondern es funktioniert eher wie ein Netzwerk …Sie ziehen also an einem Ende des Netzes und viele Dinge, die damit zusammenhängen, folgen dann mit.</strong></p>
<p><strong>MUSIK 8  Manuel Scuzzo: Fliegen 0’53)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Da das Gehirn wie ein Netzwerk funktioniert, kann es gar nicht anders, als bei einem Reiz, an ähnliche Begriffe oder Situationen zu denken. Seit ich mich für diese Sendung mit dem Priming Effekt beschäftige, fällt mir das im Alltag ständig auf: Egal was ich im Laufe eines Tages mache, ob ich dusche, aus dem Fenster gucke, arbeite, Interviews führe oder Fahrrad fahre, permanent werden meine Gedanken angestoßen, umher zu schweifen. Ob ich vom Regen naß werde, mit der Kollegin Mittag esse oder mich auf den Kinobesuch am Abend freue. Aber trotzdem merke ich nicht immer, wie und wovon meine Stimmung oder meine Gedanken angestoßen werden. Viele Impulse sind unterschwellig.</strong></p>
<p><strong>MUSIKENDE</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>So ist es vermutlich auch den Studienteilnehmern gegangen, die an einem der berühmtesten Experimente zum Thema Priming teilgenommen haben. In den 1990er Jahren sollten sie in den USA aus Wörtern wie „Bingo”, „alleine” oder „weise” Sätze bilden. Diese Begriffe waren speziell ausgewählt worden, um Gedanken über das Alter und Altersstereotype anzuregen.  Denn die Netzwerkarbeit des Gehirns fördert nicht nur Erinnerungen zutage oder beeinflusst Entscheidungen, sondern prägt auch das soziale Miteinander, zum Beispiel durch das Aufrufen von Stereotypen und Vorurteilen. </strong></p>
<p><strong>MUSIK 9  Manuel Scuzzo: Traum 0’36)</strong></p>
<p><strong>Als die Studienteilnehmer ihre Aufgaben beendet hatten, liefen sie einen langen Flur entlang, um das Labor zu verlassen. Was sie nicht wussten: Dieser Weg gehörte zum Experiment dazu. Dabei wurde nämlich ihre Gehgeschwindigkeit gemessen. Und tatsächlich soll das Tempo von denen die durch die Aufgaben dazu angeregt worden waren, über das Alter nachzudenken, deutlich langsamer gewesen sein, als bei der Kontrollgruppe, die diese Aufgabe nicht erhalten hatte.</strong></p>
<p><strong>MUSIK 10  Gold Panda – New Days 0’20)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Seither haben Psychologen und Psychologinnen in verschiedenen Experimenten untersucht, ob es tatsächlich so einfach ist, Menschen in ihrem Verhalten zu beeinflussen. Aber nur die wenigsten der aufsehenerregenden Experimente ließen sich in den folgenden Jahren replizieren.  </strong></p>
<p><strong>TAKE 6 (O-Ton Glöckner) L: 0, 25</strong></p>
<p><strong>Das war in der Tat eine große Problematik, in den 2010er Jahren gab es eine große Initiative,  an der wir auch mitgewirkt haben, in der eine Vielzahl von Studien noch einmal durchgeführt wurden, um zu überprüfen, ob dasselbe Ergebnis nochmal rauskommt, unter idealen Bedingungen. </strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Aber: Nur ein Drittel der Studienergebnisse ließ sich durch diese Initiative bestätigen, zwei Drittel nicht. Sozialpsychologe Andreas Glöckner erklärt mir das so: Die aktuellen wissenschaftlichen Standards, , sind heute höher  als vor 30 oder 20 Jahren. Das erkläre zumindest einen erheblichen Teil dieser Abweichungen. Aber eben nicht alles. </strong></p>
<p><strong>TAKE 7 (O-Ton Rothmaler) L: 0,30</strong></p>
<p><strong>Ich muss zugeben, vor ein paar Jahren hatte ich so einen Moment, wo ich dachte, ach das ergibt doch alles keinen Sinn, wenn sich das alles nicht replizieren lässt, und die eine Studie sagt das, die andere das, was machen wir denn hier eigentlich alle? Dann hatte ich eine ganz tolle Betreuerin, die gesagt hat, du musst dir das große Bild angucken, the big picture. Es ist nicht die eine Studie, sondern es sind viele, viele, viele Studien und wenn man auf alle Studien guckt, …dann ergibt sich schon ein großes Bild davon.</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Erklärt die Sozialpsychologin Katrin Rothmaler von der Universität Leipzig. Wenn man sich also die Mehrzahl aller Studien anschaue, die zum Thema Priming erstellt worden sind, dann seien die Erkenntnisse eben doch eindeutig: Es gibt Priming Effekte! Auch wenn sie vielleicht nicht immer so spektakulär ausfallen, wie bei der beschriebenen Alters-Studie. Und noch etwas gibt die Psychologin zu bedenken: Menschliche Reaktionen und Verhaltensweisen lassen sich, selbst bei identischer Versuchsanordnung, nicht immer eins zu eins miteinander vergleichen. Denn jeder Mensch reagiert anders. Der kulturelle Hintergrund spielt dabei eine Rolle, Geschlecht und Alter, aber auch Bildung oder Kindheitserfahrungen. </strong></p>
<p><strong>TAKE 8 (O-Ton Erb) L. 0, 35</strong></p>
<p><strong>Das steht fest, dass Leute unterschiedlich beeinflusst werden, das lässt sich pauschal nicht unbedingt sagen, die sind leichter beeinflussbar als die, da würde man darauf gucken, was ist der Einflußeffekt? Und auf manche Effekte sprechen manche Leute besser an als andere. Manchmal gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, wie sie beeinflusst werden können auf welche Art und Weise, z.B. in sozialen Situationen sind Frauen leichter beeinflussbar, weil ihnen das wichtiger ist, die sozialen Beziehungen, so im Durchschnitt gibt es eine Tendenz…</strong></p>
<p><strong>MUSIK 11  Gold Panda – New Days 0’30)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Priming Effekten ist also jeder Mensch ausgesetzt, sagt Hans Peter Erb, aber zu welchem Denken, Urteilen oder Verhalten sie führen, das kann stark voneinander abweichen. Was aber sicher ist: Die Gehirne aller Menschen lassen sich durch Priming aktivieren. Und das ist nicht nur negativ, sondern zu einem gewissen Grad sogar hilfreich im Alltag, erklärt Andreas Glöckner.</strong></p>
<p><strong>TAKE 9 (O-Ton Glöckner) L: 0, 35</strong></p>
<p><strong>Das hilft ihnen immens weiter. Sonst müssten sie bewußt alle Informationen extern sammeln. Das heißt, im Internet stundenlang nach Informationen suchen, selber nochmal drüber nachdenken, was sie noch alles darüber wissen, das dann alles vielleicht im Computer mit einem komplizierten Modell zusammenrechnen. Und dann hätten sie für jede Entscheidung vielleicht drei Stunden gebraucht, um die zu fällen. Aber im täglichen Leben treffen sie einfach Tausende von Entscheidungen jeden Tag und das System hilft ihnen, sehr schnell recht gute Entscheidungen zu treffen.</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Priming Effekte beeinflussen mich also nicht nur, sondern sie helfen mir auch ganz konkret, mich im täglichen Angebot möglicher Entscheidungen und Handlungen schnell zu orientieren. Zum Beispiel wenn ich im Supermarkt vor einem Regal stehe und entscheiden muss, welchen Jogurt ich kaufen möchte, welche Zahnpasta oder wenn ich überlege, welches Shampoo besonders pflegend ist, sagt Hans-Peter Erb:</strong></p>
<p><strong>TAKE 10 (O-Ton Erb) L: 0, 35</strong></p>
<p><strong>In dem Augenblick laufen bestimmte Automatismen ab, was ja auch garnicht schlecht ist. Wenn ich z.B. beeinflusst worden bin, bestimmte Zahnpasta zu kaufen, die 2 Euro kostet, (Lachen)wie hoch hätte die Anstrengung denn sein müssen, damit ich jetzt nicht eine beeinflusste Entscheidung treffe sondern irgendwie eine rationale Entscheidung? Dann steh ich vor dem Regal für eine halbe Stunde und les die Packungsbeilagen, völliger Blödsinn, das hat auch eine gewisse Rationalität, dass wir uns auch davon leiten lassen…</strong></p>
<p><strong>MUSIK 12 Gold Panda – Joni’s Room 0’41)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Für unser Gehirn ist der Priming Effekt so etwas wie eine Energiesparlampe. Ich muss nicht bei jeder Entscheidung, gerade wenn sie nicht existentiell ist, grundlegend und neu darüber nachdenken, sondern nehme sozusagen die Abkürzung über den Priming Effekt. Das kann Werbung sein, die ich zur besonderen Pflegekraft dieses Shampoos gesehen habe, aber auch die Meinung einer Freundin, die mich neulich auf eine bestimmte Marke hingewiesen hat. </strong></p>
<p><strong>TAKE 11 (O-Ton Glöckner) L. 0, 35</strong></p>
<p><strong>Dieser Grundaufbau des Gehirns und des Gedächtnisses hat sehr viele Vorteile evolutionärer Art, …die Idee dabei ist, dass Sie durch so eine Vernetzung von Informationen in der Lage sind, sehr, sehr schnell sehr, sehr viele Informationen zu verarbeiten, ihre Erfahrung dabei zu berücksichtigen und auch die einkommende Situation. Das heißt: Wenn irgendwas das Konzept Tiger aktiviert hat oder Löwe, dann haben Sie eine ganze Reihe von Dingen, die damit zusammenhängen, vielleicht auch eine gewissen Fluchtreaktion die damit zusammenhängt und dann vorbereitet wird.</strong></p>
<p><strong>MUSIK 13  Megalomaniac 0’36)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Evolutionsbiologisch betrachtet ist dieses schnelle Reiz-Reaktions-Schema des Gehirns vermutlich sehr vorteilhaft gewesen. Wahrscheinlich ein Aspekt, warum unsere Spezies so lange überlebt hat. Und auch heute noch hilft uns der Priming Effekt ganz konkret, das tägliche Leben zu bewältigen. Das leuchtet mir unmittelbar ein. Dennoch beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Wenn es stimmt, dass ich mir der meisten Reize und Einflüsse gar nicht bewußt bin, denen ich ausgesetzt bin, dann frage ich mich doch, inwieweit ich eigentlich die Herrin in meinem Kopf bin. Oder gleiche ich eher einer Flipperkugel, die von Reizen und Anregungen durch den Alltag getrieben wird? Bin ich doch kein autonomes Individuum, frei und selbstbestimmt? Wie unabhängig bin ich in meinen Entscheidungen?</strong></p>
<p><strong>TAKE 12 (O-Ton Glöckner) L. 0, 15</strong></p>
<p><strong>Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich gegen solche Beeinflussungen zu wehren. Das fängt damit an, dass man sich solcher Beeinflussungen bewußt ist, der Mechanismen bewußt ist…</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Sagt Andreas Glöckner von der Universität Köln. Jeder Mensch kann sich diesen Effekten entziehen. Allein schon weil kein Prime langlebig ist.  Wir müssen uns Priming wie den Kegel einer eingeschalteten Taschenlampe vorstellen, der nur für eine kurze Zeit ein bestimmtes Thema beleuchtet, erklärt die Psychologin Katrin Rothmaler:</strong></p>
<p><strong>TAKE 13 (O-Ton Rothmaler) L. 0, 30</strong></p>
<p><strong>Es gibt bestimmte Prozesse, da kann sich niemand gegen wehren, wenn auf der Straße jemand sagt, huch und guckt irgendwohin, dann gucken alle dahin. Das kann man fast nicht unterdrücken. Gleichzeitig kann ich mich ja total gut fokussieren auf meine Arbeit, obwohl vielleicht um mich drumrum total viel passiert. Ich denke, in diesem Bereich bewegen wir uns. …welche Reize ich wie weiterverarbeite, was ich damit mache, wie ich drauf reagiere, das habe ich dann trotzdem immer noch in der Hand.</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Und zwar wie? Ich denke an die Frage, die ich am Anfang gestellt habe: Wie kann ich mich gegen den Reiz wehren, bei roten Preisschildern und vermeintlichem Zeitdruck, Kleidung zu kaufen, die ich nicht brauche und in den meisten Fällen später auch kaum anziehe. </strong></p>
<p><strong>TAKE 14 (O-Ton Rothmaler) L: 0, 25</strong></p>
<p><strong>Dieses Priming findet superschnell statt und auf einer ganz tiefen, basalen Ebene. Die Entscheidung, die ich dann treffe, also die Kaufentscheidung, die liegt ganz hinten, und dazwischen sind ja tausend Prozesse, die ich noch steuern kann und wo ich jederzeit noch eingreifen könnte.</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Aber genau das ist nicht immer so einfach wie es klingt. Denn um bei mir selbst als Beispiel zu bleiben: klar weiß ich, dass Rabattaktionen genau das bewirken sollen: Menschen wie mich zum Kaufen zu überreden. Durch rote Preisschilder, enorme Preissenkungen. Ich weiß es, kann mich diesen Reizen dennoch nicht immer entziehen. Andreas Glöckner gibt mir ein paar praktische Tipps:</strong></p>
<p><strong>TAKE 15 (O-Ton Glöckner) L: 0, 30</strong></p>
<p><strong>Wenn Sie Verkäufer betrachten, die versuchen, sie unter Zeitdruck zu setzen, genau aus dem Grund, Sei müssen jetzt entscheiden… Eine simple Strategie ist einfach, sich dem Druck nicht auszusetzen, weil der oft den Hintergrund hat bzw. haben kann, dass man genau diese Beeinflussung erreichen möchte. Also Abstand gewinnen, das ist, wenn man den Mechanismus verstanden hat, eine sehr, sehr simple Möglichkeit. </strong></p>
<p><strong>MUSIK 14  De-Phazz – Fellini Score 1’23)</strong></p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong></p>
<p><strong>Denn: Priming ist ein kurzer Anreiz, keine andauernde Beeinflussung. Es ist also ausgesprochen sinnvoll, den Laden erstmal zu verlassen und sich selbst zu fragen: Brauche ich dieses Teil tatsächlich? Ist der Preis für mich in Ordnung? Schon wenige Minuten später kann der Priming-Effekt verflogen sein und mir ist völlig klar, eine bunte Leinenbluse möchte ich nicht kaufen! Also ganz banal: Sich Zeit nehmen, sich fragen, bin das wirklich Ich, die das will? Mein Eindruck nach meinen Recherchen ist: Schon allein zu wissen, dass es Priming Effekte gibt und wie unser Gehirn auf sie reagiert, verändert etwas.  Und schützt öfter mal vor Verhalten und Handlungen, die wir in Ruhe betrachtet, nicht wollen oder richtig finden.</strong></p>
<p><strong>Ich zum Beispiel werde beim nächsten Schlussverkauf auf jeden Fall erstmal den Laden verlassen, wenn ich ein tolles Schnäppchen kaufen möchte. Damit in meinem Kleiderschrank tatsächlich nur noch die Sachen liegen, die ich auch gerne anziehe, in denen ich mich wohl fühle.</strong></p>

<p><strong> </strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Kuss - Biologie einer Liebkosung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-kuss-biologie-einer-liebkosung/1225815</link>
      <pubDate>Fri, 11 Jul 2025 01:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">da9423ed-6539-4da0-b4be-da3e0fbe14bd</guid>
      <description>Küssen ist wunderbar. Es kann aber auch irgendwie eklig sein - jedenfalls, wenn man daran denkt, dass man dabei Speichel austauscht. Doch Küssen ist sogar gesund. Das sagen zumindest Kussforscher, sogenannte Philematologen. Ein Training für das Immunsystem, die Muskeln und - die Nerven. Autorin: Yvonne Maier (BR 2018) </description>
      <enclosure length="21849234" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1225815/c/feed/der-kuss-biologie-einer-liebkosung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Yvonne Maier</itunes:author>
      <itunes:summary>Küssen ist wunderbar. Es kann aber auch irgendwie eklig sein - jedenfalls, wenn man daran denkt, dass man dabei Speichel austauscht. Doch Küssen ist sogar gesund. Das sagen zumindest Kussforscher, sogenannte Philematologen. Ein Training für das Immunsystem, die Muskeln und - die Nerven. Autorin: Yvonne Maier (BR 2018) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e6f7b3e3-7d58-49c8-836d-040e1249e38b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Küssen ist wunderbar. Es kann aber auch irgendwie eklig sein - jedenfalls, wenn man daran denkt, dass man dabei Speichel austauscht. Doch Küssen ist sogar gesund. Das sagen zumindest Kussforscher, sogenannte Philematologen. Ein Training für das Immunsystem, die Muskeln und - die Nerven. Autorin: Yvonne Maier (BR 2018) </p><p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Yvonne Maier<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Laura Maire, Shenja Lacher, Christian Baumann, Clemens Nicol, Jerzy May, Peter Weiß<br/>Technik: Winfried Messmer<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-manuskript-radiowissen-100.html">HIER</a>.</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Das Geheimnis der Partnerwahl - Konvention und Evolution<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-geheimnis-der-partnerwahl-konvention-und-evolution/bayern-2/78751626/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-geheimnis-der-partnerwahl-konvention-und-evolution/bayern-2/78751626/"></a></strong>Symbiose und Autonomie - Zwei Pole in Beziehungen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/symbiose-und-autonomie-zwei-pole-in-beziehungen/bayern-2/78754098/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/symbiose-und-autonomie-zwei-pole-in-beziehungen/bayern-2/78754098/"></a></strong>Vertrauen - Wie wir es entwickeln und gewinnen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vertrauen-wie-wir-es-entwickeln-und-gewinnen/bayern-2/85570876/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Die Welt ertasten - Ein ganz besonderer Sinn</p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-welt-ertasten-ein-ganz-besonderer-sinn/bayern-2/78753602/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Judy Garland und Shirley Temple - Hollywoods Kinderstars</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/judy-garland-und-shirley-temple-hollywoods-kinderstars/1857309</link>
      <pubDate>Thu, 10 Jul 2025 15:10:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">fe47806c-6679-47c1-9bd4-c7afd3c068dc</guid>
      <description>Sie zählen zu Hollywoods berühmtesten und erfolgreichsten Kinderstars: Judy Garland und Shirley Temple. Die blondgelockte Shirley Temple bot mit ihrem Lachen und mit Optimismus ein Gegenprogramm zum tristen Alltag während der Großen Depression in den 1930ern. Judy Garland begeisterte in Filmen wie &quot;Der Zauberer von Oz&quot; mit ihrer einzigartigen Gesangsstimme, kämpfte aber ihr Leben lang gegen Tabletten- und Alkoholsucht und die Fallstricke des Ruhms.</description>
      <enclosure length="22641792" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1857309/c/feed/judy-garland-und-shirley-temple-hollywoods-kinderstars.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Florian Kummert</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie zählen zu Hollywoods berühmtesten und erfolgreichsten Kinderstars: Judy Garland und Shirley Temple. Die blondgelockte Shirley Temple bot mit ihrem Lachen und mit Optimismus ein Gegenprogramm zum tristen Alltag während der Großen Depression in den 1930ern. Judy Garland begeisterte in Filmen wie &quot;Der Zauberer von Oz&quot; mit ihrer einzigartigen Gesangsstimme, kämpfte aber ihr Leben lang gegen Tabletten- und Alkoholsucht und die Fallstricke des Ruhms.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9873d234-f18f-4eef-b71a-cf2ea226de71.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie zählen zu Hollywoods berühmtesten und erfolgreichsten Kinderstars: Judy Garland und Shirley Temple. Die blondgelockte Shirley Temple bot mit ihrem Lachen und mit Optimismus ein Gegenprogramm zum tristen Alltag während der Großen Depression in den 1930ern. Judy Garland begeisterte in Filmen wie "Der Zauberer von Oz" mit ihrer einzigartigen Gesangsstimme, kämpfte aber ihr Leben lang gegen Tabletten- und Alkoholsucht und die Fallstricke des Ruhms.</p><p>Autor/in dieser Folge: Florian Kummert<br/> Regie: Silke Wolfrum<br/> Es sprachen: Ariane Payer, Christian Baumann und Rahel Comtesse<br/> Technik: Regina Staerke<br/> Redaktion: Andrea Bräu<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Judy Garland und Shirley Temple" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/notizbuch/manuskript-radiowissen-judy-garland-und-shirley-temple-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</a></strong></p>

<p>Literatur:</p>
<ul>
<li>Kristen Hatch: Shirley Temple and the Performance of Girlhood (Rutgers University Press, 2015, engl.)</li>
<li>John F. Kasson: The Little Girl Who Fought The Great Depression (W. W. Norton &amp; Company, 2014, engl.)</li>
<li>Judy Garland: Ihre Filme – ihr Leben. (Heyne Filmbibliothek, 1980) </li>
</ul>
<p></p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Man nehme 150 Milliliter Ginger Ale, ebenso viel Zitronenlimonade, eine Viertel Zitrone und einen Schuss Grenadine. Alles gut mixen, dann in ein hohes Glas voller Eiswürfel gießen und oben drauf als krönender Abschluss eine Cocktailkirsche. Fertig ist der… Shirley Temple!</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dass dieser Cocktail keinen Alkohol enthält, kommt nicht von ungefähr. Denn seine Namensgeberin war Hollywoods größter Kinderstar der 1930er Jahre. </p>
<p> </p>
<p>MUSIK You Gotta SMILE to be HAPPY</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Wirbelwind an Sommersprossen und blonden Locken - angeblich 52 jeden Abend vor dem Bettgehen sorgfältig eingedrehte Korkenzieher-Locken - immer gut gelaunt, immer lächelnd. </p>
<p>Lächeln, smile, singt sie in einem ihrer Hits, fein ausbuchstabiert: S M I L E. You gotta Smile to be Happy. H-A-P-P-Y. Du musst lächeln, um glücklich zu sein.</p>
<p> </p>
<p>MUSIK You Gotta SMILE </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms ist die immer lächelnde, immer fröhliche Shirley Temple überall - und das ist tatsächlich wortwörtlich zu verstehen. Ihr Bildnis erscheint Tag für Tag in Dutzenden von Magazinen und Werbekampagnen, sie gilt als eine der am häufigsten fotografierten Personen der Welt. Fotos von ihr hängen in ärmlichen Slumbaracken ebenso wie in reichen Vorstadtvillen. Etwa über dem Wohnzimmersims im Jugendhaus von Andy Warhol in Pittsburgh. Oder im Hobbykeller von FBI-Direktor J. Edgar Hoover in Washington, D.C. Sie lacht auch vom Foto im Schlafzimmer des Verstecks von Anne Frank in Amsterdam, als diese mit ihrer jüdischen Familie aus Angst vor den Nationalsozialisten im Verborgenen leben muss.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Als Anne Frank im Juni 1942 in ihr Versteck zieht, ist Shirley Temples Karriere bereits wieder am Abklingen. Dafür leuchtet ein neuer Stern am Himmel von Hollywood. Judy Garland, das Mädchen mit der atemberaubenden Stimme, wird 1939 weltberühmt, mit diesem Lied:</p>
<p> </p>
<p>MUSIK OVER THE RAINBOW</p>
<p>Somewhere over the rainbow</p>
<p>Way up high</p>
<p>there’s a land that I heard of</p>
<p>Once in a lullaby, oh…</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Irgendwo über den Regenbogen träumt sich Judy Garland als Mädchen Dorothy, das gemeinsam mit ihrem kleinen Hund Toto sowie ihrer Tante und ihrem Onkel auf einer Farm in Kansas lebt. Doch die böse Nachbarin sieht den Hund als Bedrohung und will ihn wegnehmen. So sehnt sich Dorothy nach einem Land, wo die Träume wahr werden…</p>
<p> </p>
<p>MUSIK OVER THE RAINBOW </p>
<p>And the dreams that you dear to dream of</p>
<p>really do come true-ooh-ooh</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Schließlich schnappt sich Dorothy ihren geliebten Toto und will weglaufen. Doch ein Wirbelsturm zieht auf und bläst das Mädchen samt dem Farmhaus in das zauberhafte Land namens Oz. Dort macht sie sich auf den Weg zum sagenumwobenen Zauberer von Oz. </p>
<p> </p>
<p>MUSIK </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Heute zählt „Der Zauberer von Oz“ zu den großen Klassikern der Filmgeschichte und ist Teil des Weltdokumentenerbes der UNESCO. Judy Garland gelingt mit der Rolle der große Durchbruch in Hollywood. Dabei wollte das produzierende Studio MGM für das enorm teure Projekt in der Hauptrolle zunächst einen etablierten Kinderstar, nämlich: Shirley Temple. Doch die war beim Konkurrenzstudio, der 20th Century Fox, unter Vertrag und die Austauschverhandlungen scheiterten. </p>
<p> </p>
<p>VOICEOVER KRISTEN HATCH 1</p>
<p><em>Yes, thank God… Judy Garland&#39;s vocal range.</em><em></em></p>
<p>Gottseidank! Mit Shirley Temple wäre das nie und nimmer <em>so</em> ein Erfolg geworden, und natürlich hatte sie auch nicht den Stimmumfang von Judy Garland. </p>
<p> </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Sagt Kristen Hatch, Professorin für Filmstudien an der University of California in Irvine. Ihr Spezialgebiet: der Hollywoodfilm der 1930er Jahre und die Rolle der Kinderstars, die in diesem Jahrzehnt zu den kassenträchtigsten Publikumslieblingen überhaupt zählten. </p>
<p> </p>
<p>VOICEOVER KRISTEN HATCH 2</p>
<p><em>They had made different …tried to make her look more childlike.</em><em></em></p>
<p>Vom Kinderbuch „Der Zauberer von Oz“ gab es in der Stummfilmzeit bereits mehrere Verfilmungen. Dorothy wurde dabei von jungen Frauen in ihren 20ern gespielt, auch wenn sie im Buch eher ein kleineres Mädchen ist. Für das Publikum war es also nicht ungewöhnlich, Frauen in Kinderrollen zu sehen. In den 1930er Jahren kam das aber immer seltener vor, und Judy Garland war vom Alter her schon grenzwertig für die Rolle. Maske und Kostüm konnten sie aber noch problemlos jünger wirken lassen. Allerdings klagte Judy Garland über die Kostüme, die ihr die Brüste abschnürten, um ihr ein kindliches Äußeres zu geben. </p>
<p> </p>
<p> </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Am Ende der Dreharbeiten ist Judy Garland bereits 17, doch sie schafft es, Dorothy als Mädchen zu portraitieren, das die perfekte Unschuld symbolisiert. Eine Kinder-Figur, mit einem reinen Herzen. </p>
<p> </p>
<p>VOICEOVER KRISTEN HATCH 3</p>
<p><em>She also represents …  eyes full of hope.</em><em></em></p>
<p>Sie verkörpert vor allem: Hoffnung. Ihre Figur verliert nie die Hoffnung, dass es ihr gelingt, wieder nach Hause zu kommen. Sie folgt der Gelben Steinstaße, mit einem Lächeln und Augen voller Hoffnung. </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Hoffnung. Unschuld. Das sind auch die Attribute, die Shirley Temple in den Jahren zuvor zur erfolgreichsten Schauspielerin der 1930er-Jahre haben werden lassen. Denn ihr Karrierestart fällt zusammen mit einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen der Vereinigten Staaten, der „Great Depression“, der „Großen Depression“. Als im Oktober 1929 die Kurse an der New Yorker Börse ins Bodenlose stürzen und einen gewaltigen Börsencrash einleiten, kommt es zu einer weltweiten Rezession. Die Arbeitslosenquote schnellt in den USA bis 1932 auf 25 Prozent hoch. Die, die ihre Arbeit noch haben, erhalten oft einen Hungerlohn, und kämpfen darum, die eigene Familie über Wasser zu halten. Der republikanische Präsident Herbert Hoover gilt in der Bevölkerung als entscheidungsschwach und griesgrämig. Gegen den demokratischen Herausforderer hat er 1932 nicht den Hauch einer Chance. Franklin Delano Roosevelt sitzt zwar seit einer Polio-Erkrankung im Rollstuhl, gilt aber als großer Charismatiker und unermüdlicher Optimist. Bei seiner Amtseinführung brennt sich ein Satz ins kollektive Bewusstsein der Öffentlichkeit ein:</p>
<p> </p>
<p>OTON REDE ROOSEVELT</p>
<p><em>The only thing we have to fear is fear itself.</em><em></em></p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die einzige Sache, die wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst. </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit seinen New Deal-Programmen startet Roosevelt eine Reihe von Wirtschafts- und Sozialreformen, eine für US-Verhältnisse massive Interventionspolitik, mit Schul- und Armenspeisungen, Hilfen für die Arbeitslosen, einer Regulierung der Finanzmärkte sowie der Einführung von Sozialversicherungen.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ebenso wichtig ist für Roosevelt aber der psychologische Kampf gegen die Krisenstimmung im Land. Er will die Furcht bekämpfen, und - so gut es geht - Optimismus und Zuversicht verbreiten. Dazu nutzt er die Macht der Filmkunst im Kampf gegen die niedergedrückte Stimmung im Land. </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und setzt dabei vor allem auf ein unerschütterlich lächelndes Mädchen und das wohlige Gefühl, das sie in den Kinosälen verbreitet: Shirley Temple. Von Roosevelt ist das Zitat überliefert:</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>„Wenn die Stimmung der Bevölkerung auf einem Tiefpunkt ist, gibt es nichts Heilsameres für Amerikaner als sich für nur 15 Cents einen Film anzusehen, in das lächelnde Gesicht eines kleinen Kindes zu blicken und die Sorgen zu vergessen.“</p>
<p> </p>
<p>MUSIK: You Gotta SMILE to be HAPPY,  C1561980122, 0‘13</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Shirley Temple, das kleine Mädchen, das die große Depression bekämpfte, wird am 23. April 1928 in Santa Monica, Kalifornien, geboren. Der Vater, George Temple, arbeitet in einer Bank, die Mutter Gertrude, tanz- und filmbegeistert, setzt all ihre Hoffnungen und Ambitionen - nach zwei Söhnen - auf ihr drittes Kind: ihr Mädchen mit den Sommersprossen und den Locken, die sie einrollt und Woche für Woche peroxidblond färbt. Kurz nach Shirleys drittem Geburtstag meldet Gertrude ihre Tochter in Ethel Meglins Tanzstudio an, damals die Topadresse in Hollywood, um Tanzschritte und Gesang zu lernen und möglichst jung vor einer Filmkamera zu landen. Die sogenannten „Meglin Kiddies“ werden regelmäßig für Bühnenauftritte und Filmrollen gebucht. Drei Jahre vor Shirley Temple war auch Judy Garlands Mutter mit ihrer damals fünf Jahre alten Tochter zu den „Meglin Kiddies“ gekommen.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>

<p>Im April 1934 gelingt Shirley Temple der große Durchbruch - da ist sie gerade sechs geworden. Der Film „Stand Up and Cheer!“ zeigt sie singend, tanzend, und auch stepptanzend, in der Nummer „Baby Take a Bow“. </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bruce Springsteen - Die Vermessung des amerikanischen Traums</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bruce-springsteen-die-vermessung-des-amerikanischen-traums/2107398</link>
      <pubDate>Thu, 10 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">01bb97bb-c101-4ab7-8364-932e33ba2ea5</guid>
      <description>Bruce Springsteen ist &quot;der Boss&quot;, die &quot;Zukunft des Rock&apos;n Roll&quot; oder auch: &quot;Anwalt des einfachen Mannes&quot;. Vor allem aber will Springsteen ein Vermesser des amerikanischen Traumes sein. &quot;Born in the USA&quot;. Von Christian Schaaf (BR 2025) </description>
      <enclosure length="21549312" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107398/c/feed/bruce-springsteen-die-vermessung-des-amerikanischen-traums.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Christian Schaaf</itunes:author>
      <itunes:summary>Bruce Springsteen ist &quot;der Boss&quot;, die &quot;Zukunft des Rock&apos;n Roll&quot; oder auch: &quot;Anwalt des einfachen Mannes&quot;. Vor allem aber will Springsteen ein Vermesser des amerikanischen Traumes sein. &quot;Born in the USA&quot;. Von Christian Schaaf (BR 2025) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/84e716b5-44b4-4eb0-ac92-073d685a70f9.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bruce Springsteen ist "der Boss", die "Zukunft des Rock'n Roll" oder auch: "Anwalt des einfachen Mannes". Vor allem aber will Springsteen ein Vermesser des amerikanischen Traumes sein. "Born in the USA". Von Christian Schaaf (BR 2025) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Christian Schaaf<br/> Regie: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Christian Baumann, Katja Bürkle, Carsten Fabian<br/> Technik: Ursula Kirstein<br/> Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Stefan Hentz, Musikjournalist</p>
<p><strong>Hinweis: </strong><strong>: Uns ist in diesem Stück ein Fehler unterlaufen. Bruce Springsteen tritt gemeinsam mit Folklegende Pete Seeger für Obama auf. </strong><strong>Mit Bob Seger ist Springsteen bei anderen Gelegenheiten auf der Bühne gestanden.</strong></p>
<p><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>The King - Elvis Presley<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/the-king-elvis-presley/bayern-2/78758832/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Die E-Gitarre - Der Sound aus dem Brett<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-e-gitarre-der-sound-aus-dem-brett/bayern-2/12111235/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Patti Smith - Die Punk-Poetin<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/patti-smith-die-punk-poetin/bayern-2/94771662/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong>Bruce Springsteen: Born to run. Die Autobiografie. Heyne 2018.<br/>Peter Kemper: Rock-Klassiker. 3-bändiges Rock-Lexikon. In Zusammenarbeit mit Arte. Reclam 2003.</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskript-rw-vermessung-des-amerikanischen-traums-bruce-springsteen-usa-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Sprecher: </p>

<p>Dritter Januar 1982. In Colts Neck, New Jersey, zieht sich der Rockstar Bruce Springsteen in sein Schlafzimmer zurück. Eine Gitarre, eine Mundharmonika und ein Vierspur-Kassetten-Rekorder. Den Kopf voller Songs und Geschichten. Hinter ihm liegt ein kometenhafter Aufstieg. Innerhalb kurzer Zeit ist er von einem Kneipen-Musiker zu einem der angesagtesten Musik-Acts der Vereinigten Staaten aufgestiegen. Fünf Alben haben Springsteen und seine E Street Band in sieben Jahren veröffentlicht. Das letzte von ihnen, “The River”, liegt etwa zwei Jahre zurück. Top-Platzierungen in den Charts. Ausverkaufte Konzerte. Viel Geld. Die Presse nennt ihn euphorisch „Die Zukunft des Rock´n Rolls“. Es ist die Anerkennung, nach der er lange gesucht hat. Eigentlich ist er angekommen. Eigentlich. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Doch da ist das Gefühl, dass es das nicht gewesen sein kann. </p>
<p>Einspielung: Musik:  Bruce Springsteen: State Trooper 0.50</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>In seiner Autobiografie “Born to run” beschreibt Springsteen diese tagelangen Aufnahmesessions in seinem Schlafzimmer als “eine Art Meditation”. Es geht ihm um die Atmosphäre, “um die Tonart”, wie er schreibt. Mehrere Dutzend Songs und Fragmente sprudeln im Winter 1982 im Schlafzimmer aus Springsteen geradezu heraus. Texte, in denen Tagträume, Erinnerungen, Persönliches und Politisches zusammenfließen. Sie kommen direkt aus seiner Seele. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Springsteen überlegt lange, was er mit diesen verwaschenen Liedern auf seinem Kassettenrekorder anfangen soll und entschließt sich dazu, einige der Schlafzimmer-Aufnahmen nur leicht im Studio nachzubearbeiten und dann als Solo-Platte herauszubringen. Das Album “Nebraska” erscheint im Herbst 1982 und wird lange nicht so erfolgreich, wie die bisherigen Springsteen-Alben. Die dunklen, minimalistischen Songs eignen sich nicht für die großen Radiostationen und Konzerte in Sportarenen. </p>
<p>Einspielung: Musik:  Bruce Springsteen “Cover me” 0.57</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Doch gleichzeitig finden sich in der riesigen Menge der Kassetten-Aufnahmen auch noch einige Songideen für ein weiteres, vor Kraft strotzendes Album, das zu seiner E-Street-Band passt. Es entsteht zum Teil zeitgleich mit “Nebraska” und könnte gegensätzlicher nicht sein. Bombastische, mitreißende Gassenhauer, eher für Sportstadien als fürs Schlafzimmer.</p>
<p>Einspielung: Musik: Born in the USA 0.38 </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Bis ins Jahr 1984 ziehen sich die Aufnahmen in verschiedenen New Yorker Tonstudios hin. Am Ende entsteht Springsteens siebtes Studio-Album. Es ist, wie er selbst sagt, das Album seines Lebens. Sein bislang erfolgreichstes. Etwa 30 Millionen Mal verkauft sich “Born in the USA” und bleibt wochenlang an der Spitze der Charts - und das nicht nur in den USA. Die Platte macht den 35-jährigen Springsteen endgültig zu einem internationalen Megastar. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Dabei ist der Titel-Song “Born in the USA” wohl eines der größten Missverständnisse in der Rockgeschichte - nicht zuletzt deshalb, weil ihn der Republikanische US-Präsident Ronald Reagan in seinem Wahlkampf 1984 einsetzt, um wiedergewählt zu werden - bis Springsteen ihm das schließlich verbietet. Denn: Der Song ist definitiv keine patriotische Hymne. Er handelt vielmehr davon, wie patriotische Gefühle ausgenutzt werden, um fragwürdige Politik zu rechtfertigen und Kriege zu führen. </p>
<p>Einspielung: Musik: Born in the USA 0.16 </p>
<p>Einspielung Liedpassage aus “Born in the USA:</p>
<p>  „Got in a little hometown jam</p>
<p> So they put a rifle in my hand</p>
<p> Sent me off to a foreign land (foreign land)</p>
<p> To go and kill the yellow man”</p>
<p>Sprecherin:  </p>
<p>Eine düstere Anklage des Vietnamkriegs und dessen mangelhafte Bewältigung in der amerikanischen Gesellschaft, geschrieben aus der Perspektive eines desillusionierten Kriegsheimkehrers.</p>
<p>Einspielung </p>
<p> “Born in the U.S.A (born in the U.S.A)</p>
<p> I was born in the U.S.A (born in the U.S.A)”</p>
<p> </p>
<p>MUSIK Easy riding USA 0.37</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Vorlage für “Born in the USA” sind die Erinnerungen des Vietnam-Veteran und Friedensaktivisten Ronald Kovic (Sprich: rɔn ʹkoʊvɪk), der seine Lebensgeschichte als Buch mit dem Titel “Geboren am 4. Juli” Mitte der 1970er veröffentlicht hatte, also fast zehn Jahre vor „Born in the USA“. In seinem Buch beschreibt Kovic, wie er von der Brust abwärts gelähmt aus dem Vietnamkrieg zurückkehrt. Er hadert mit dem Amerika, das ihn in einen sinnlosen Krieg geschickt hat. </p>
<p>Einspielung: Musik:  Bruce Springsteen “Working on a Highway” 0.55 </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Springsteens Thema sind Lebenserzählungen von Menschen in Amerika, die selten im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. In „Working on a Highway“ verpackt Springsteens E-Street Band geschickt die Tragik der Geschichte mit einem leichtgängigen und gefälligen Rockabilly-Beat und in Synthesizern. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Der Song erzählt von einem Straßenarbeiter. Er hofft auf ein besseres Leben mit seiner großen Liebe, einem noch minderjährigen Mädchen. Doch deren Eltern wollen die Beziehung nicht. Die beiden brennen durch, er wird wegen des Vorwurfs der Entführung einer Minderjährigen verhaftet und bearbeitet jetzt den Asphalt auf dem Hof einer Strafanstalt. Springsteen hat solche Schicksale im Familien- und Freundeskreis miterlebt. </p>
<p>Einspielung: Musik: Bruce Springsteen: “My Hometown” 1:31</p>
<p> Now Main Street&#39;s whitewashed windows</p>
<p> And vacant stores</p>
<p> Seems like there ain&#39;t nobody</p>
<p> Wants to come down here no more</p>
<p> They&#39;re closing down the textile mill</p>
<p> Across the railroad tracks</p>
<p> Foreman says, &quot;These jobs are going, boys</p>
<p> And they ain&#39;t coming back”</p>
<p>Sprecher:  </p>
<p>Besonders im Schluss-Song des Albums “My Hometown” zeichnet Springsteen ein insgesamt beunruhigendes Bild vom ländlichen Kern der US-Gesellschaft. Die Wirtschaft dort geht den Bach hinunter und damit verschwindet auch die Hoffnung und die Zuversicht der Menschen, die dort wohnen. Die Gesellschaft, der Zusammenhalt dort, löst sich allmählich auf. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Springsteen hat in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazine im April 1985 gesagt, er habe den größten Teil seines Lebens damit verbracht, die Kluft zwischen dem amerikanischen Traum und der amerikanischen Realität zu vermessen. Das Ergebnis fällt im Erscheinungsjahr von “Born in the USA” 1984, ernüchternd aus. Doch was ist in Springsteen&#39;s Augen der Soll-Zustand der US- Gesellschaft? Was ist sein Traum von Amerika, dessen Ableben er in so vielen Songs betrauert? Der Musikjournalist Stefan Hentz aus Hamburg hat sich intensiv mit Bruce Springsteen und seinem Songwriting auseinandergesetzt. Er hat da eine Vermutung: </p>
<p>Einspielung: OT Hentz 1: </p>
<p>“Bei ihm würde ich so eine Auslegung sehen, die im Grunde gegen die Industrialisierung der Gesellschaft, die ja quasi ursprüngliche Gemeinschaften aufgesprengt hat und irgendwie zu so einer Vereinzelung geführt hat. Also das glaube ich schon, dass das bei ihm so ein Motiv ist. Ich stelle mir vor, dass sein Idealbild ist eines, von wo man als Jugendlicher erst mal keine Probleme hat, Orte zu finden, wo man andere Jugendliche trifft und wo man mit denen was machen kann. Sei es Musik machen, sei es sich verlieben, sei es ungestört mit dem Ergebnis einer Verliebtheit umgehen und selbstbestimmt Entscheidungen treffen, also wo es so eine Verbindung von Community gibt und Individualismus und Individualismus eben nicht heißt, dass man empathielos sein muss und nur mit der Machete durch eine Gesellschaft rennt, sondern wo es da so eine Verbindung gibt. ”</p>
<p>Einspielung Musik:  Easy riding USA 0.34</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die wohl ursprünglichste Verbindung, mit der es Bruce Springsteen von klein auf zu tun hat, ist seine Familie. Bruce Frederick Joseph Springsteen wird am 23. September 1949 in Freehold, New Jersey geboren. Sein Vater, Douglas Springsteen, dessen Vorfahren aus den Niederlanden und Irland stammen, schlägt sich in den Nachkriegsjahren durch mit verschiedenen Jobs als Teppichweber, Gefängniswärter oder Taxifahrer. Bruce und seinen Schwestern Pamela und Virginia gegenüber ist er eher kühl und distanziert.</p>
<p>Einspielung Musik: Country charm A 0.59</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Adele Springsteen, die Mutter von Bruce, ist dagegen warmherzig, das eigentliche Zentrum der Familie. Ihre Vorfahren stammen aus Italien. Sie arbeitet als schlecht bezahlte Sekretärin in einer Anwaltskanzlei und ist in ihrem ganzen Arbeitsleben nur einen einzigen Tag krank. So schreibt es Bruce Springsteen in seiner Autobiographie. Sie ist es, die Bruce, als er 10 Jahre alt ist, von ihrem kargen Lohn die erste Gitarre für 18 Dollar kauft und ihm dabei vermittelt: Arbeiten gehen und sein eigenes Geld verdienen, das ist keine Last. Das ist ein Ausdruck von Würde. Adele Springsteen ist jahrzehntelang der Fixstern in Springsteens Leben, der Ruhepol, auf dem er schon bald sein Leben als umherziehender Musiker aufbaut. Er selbst beschreibt das Verhältnis zu seiner Mutter in einem Interview mit dem WDR aus dem Jahr 2016 so: </p>
<p>Einspielung: OT Bruce 1 </p>
<p>Overvoice:  </p>
<p>“Ich denke, Musiker sind verliebt in die Vergänglichkeit. Dass es immer eine neue Chance gibt. Morgen bist du in einer neuen Stadt, an einem neuen Ort, aber irgendwann wird das dünn. Ich denke, die Frauen in meinem Leben haben immer ein Gefühl der Beständigkeit gebracht, ein Gefühl von Dingen, die für immer bei dir bleiben. Meine Mutter hat sicherlich ein starkes Gefühl von Verwurzelung durch ihre eigene persönliche Beständigkeit, ihr eigenes tägliches Ritual, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Nach Hause zu kommen, sich um die Familie zu kümmern, Tag für Tag, Jahr für Jahr. In dieser Art von Beständigkeit lag ein Segen. Jahrelang vergisst man das. Du bist jung, reist herum, aber irgendwann fängt etwas an, an dir zu nagen, und du beginnst, dich nach etwas zu sehnen, das beständiger ist als deine nächtlichen Auftritte und das Publikum. Du sehnst dich nach einem eigenen Platz.”</p>
<p>Einspielung: Musik: Elvis Presley Hound Dog 0.48</p>
<p>Sprecher:  </p>
<p>6. Januar 1957.  Bruce ist acht Jahre alt. In seinen kleinen Kosmos schlägt Elvis Presleys Musik wie ein Meteorit ein. Nach diesem Tag, an dem Bruce Springsteen Elvis Presley in der Ed Sullivan Show im Fernsehen gesehen hat, ist nichts mehr wie es vorher war, so beschreibt er es in seiner Autobiographie: Bruce ist klar: Musik - Der Rock ´n Roll - ist mein Leben!  </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Jahrelang bettelt er von nun an seine Mutter an, sie möge ihm doch eine Gitarre kaufen, wie die, die so lässig vor Elvis Hüften baumelt. Irgendwann merkt Adele Springsteen, dass es ihrem Sohn wirklich ernst ist und erfüllt ihm den Wunsch. Springsteen fängt sofort an, sich selbst die ersten Griffe auf der Gitarre beizubringen. </p>
<p>Einspielung Musik: Bobby sockers  1.31</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>1965 im Alter von 16 spielt er in seiner ersten Band aus High-School Freunden, die Beatles- und Elvis-Presley-Songs und Motown-Hits covern. Nach und nach wird der junge Springsteen zu einer lokalen Berühmtheit in New Jersey – der allmählich auch beginnt, seine ersten eigenen Songs zu schreiben. </p>
<p>Sprecherin:  </p>
<p>Bruce Vater gefällt das alles nicht. Er findet, dass Musiker zu sein, kein richtiger Beruf ist. Außerdem ist er regelmäßig genervt, wenn sein Sohn mit der E-Gitarre übt. Mit Ach und Krach schafft Springsteen den Highschool-Abschluss. Auf dem weiterführenden College hält es ihn nicht lang. </p>
<p>Einspielung Musik:  Easy riding USA 1.30</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Bruce Springsteen wird mit 19 Jahren hauptberuflicher Gitarrist und Sänger und verdient mit den regelmäßigen Auftritten seiner Band so viel Geld, dass er mit Musikerfreunden eine gemeinsame Wohnung bezahlen kann. Dann aber bekommt er den Einberufungsbefehl der US-Army. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Bruce Springsteen weiß sich zu helfen: Bei der Musterung spielt er vor, er sei von den Folgen eines Motorradunfalls schwer gezeichnet und obendrein ein verrückter Drogen-Junkie. Nicht kriegstauglich. Er wird ausgemustert. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Er kommt so um einen Einsatz im Vietnamkrieg herum, der vielen seiner Jugendfreunde das Leben kostet. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Das schlechte Gewissen, sich vor dem Kampf in Vietnam gedrückt zu haben, ist wahrscheinlich der stärkste Impuls dafür, dass Springsteen später “Born in the USA” schreibt. Auch im Song “War”, den er und die E-Street Band während der “Born in the USA”-Tour spielen, drückt er seine Wut über den Irrsinn aus, das eigene Leben für sein Land zu opfern:</p>
<p>Einspielung Musik Bruce Springsteen Live: “War”  0.56</p>
<p>Archivnummer </p>
<p>-Vorrede Springsteen:</p>
<p>Overvoice: </p>
<p>“Wir sind in den 60ern groß geworden. Wir sind mit Krieg im Fernsehen jeden Abend aufgewachsen, einem Krieg, an dem deine Freunde beteiligt waren, und ich möchte dieses Lied heute Abend für alle jungen Leute da draußen spielen. Wenn du in deinen Teenagerjahren bist. Ich erinnere mich, dass viele meiner Freunde, als wir 17 oder 18 waren, nicht viel Gelegenheit hatten, darüber nachzudenken, wie wir über viele Dinge dachten. Und das nächste Mal werden sie nach Dir suchen, und Du wirst viele Informationen brauchen, um zu wissen, was Du tun willst. Denn im Jahr 1985 wird blindes Vertrauen in Deine Anführer oder in irgendetwas dich umbringen …”</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Schon von seinem ersten Album an, das 1973 unter dem Titel “Greetings from Ashbury Park” erscheint, bildet Springsteen eine Einheit mit der E-Street Band. Die Band besteht aus Musikern, die Springsteen aus seinen musikalischen Anfangstagen aus den Clubs und Kneipen in New Jersey kennt. Der Name stammt von der Adresse einer der ersten Übungsräume der Gruppe, in der Garage der Eltern des Keyboarders David Sancious, in der E-Street in Freehold, New Jersey. </p>
<p>Sprecherin:  </p>
<p>Springsteen will nicht einfach ein Singer-Songwriter sein, ein zweiter Bob Dylan, den anfangs viele in ihm sehen. Ein Liedermacher, der eine Band zur Verstärkung dabei hat. Nein, er will die Band als eine eingeschworene Gemeinschaft - als Brotherhood, als Familie. Und so besteht die E-Street Band bis heute im Kern aus den Musikerinnen und Musikern, die Springsteen aus den Anfangstagen in den Kneipen und Ballsälen von New Jersey kennt. Musikjournalist Stefan Hentz:</p>
<p>Einspielung: OT Hentz 2 </p>
<p>“Das ist ja letztendlich die Message, bevor nur ein Text geschrieben oder gedacht ist, die in dieser Band steckt. Das sind ja Leute, die er kennengelernt hat, weil er sich stark für Musik interessiert hat und unterwegs war als Gitarrist. Das hat eine Verbindung geschaffen. Und ich glaube, das ist ein Ideal, das ihm vorschwebt. Es gibt eine Verbindlichkeit untereinander. Das ist kein liberales Gesellschaftsmodell, sondern ein kommunitaristisches Gesellschaftsmodell. Wir gehören zusammen, wir haben alle auch Schwächen. Und da gibt es aber auch andere, die können diese oder das besser - dann holt man die dazu, dann helfen die einem. Das ist, glaube ich, das Amerika, das ihm vorschwebt.” </p>
<p>Einspielung: Musik:  Bruce Springsteen Tunnel of love 0.56</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Doch Ende der 80er Jahre, nach zwei ausgiebigen Welt-Tourneen, kommt auch die eingeschworene Gemeinschaft E-Street Band an ein Ende.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>In Bruce Springsteens Leben gibt es ab Anfang der 90er Jahre eine neue Familie: 1991 heiratet er Patti Scialfa, die für die “Born in the USA” Tour als Background-Sängerin zur E-Street-Band gestoßen ist. Im selben Jahr wird Springsteen zum ersten Mal Vater. Seine Tochter Jessica und wenig später seine Söhne Sam und Evan bringen ihn dazu, sich vom Mega-Rockstar zum Familien-Vater zu wandeln. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Musik hängt er dennoch nicht an den Nagel. Patti und Bruce haben in jedem Zimmer ihres Hauses in Rumson, New Jersey, eine Gitarre stehen und im Keller richtet Bruce ein Tonstudio ein. Musik und Familie. Diesmal muss er sich nicht zwischen diesen beiden Polen entscheiden. Vielleicht ein Geheimnis seiner Ehe, wie Springsteen in einem Interview aus dem Jahr 2016 mit dem WDR verrät: </p>
<p>Einspielung: OT Bruce 2 </p>
<p>Overvoice: </p>
<p>“Ich verstehe sie, sie versteht mich - das ist anders als in einigen meiner anderen Beziehungen. Sie brachte viel musikalische Freude in mein Leben. Sie ist eine großartige Songwriterin und Sängerin. Es war einfach eine Zusammenkunft von zwei Seelen, die sehr gut funktioniert.” </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>1993 erhält Springsteen einen Anruf des Filmregisseurs Jonathan Demme. Er bittet ihn, den Opening-Song für seinen nächsten Film “Streets of Philadelphia” zu schreiben. Darin soll es um die Ausgrenzung von AIDS-Kranken aus der US-Gesellschaft gehen. Demme schwebt ein peitschender Rock-Song vor - vielleicht so ähnlich wie “Born in the USA”? </p>
<p>Einspielung: Musik: Bruce Springsteen: Streets of Philadelphia 0.58</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Springsteen überlegt nicht lange. Die Ungerechtigkeiten in der amerikanischen Gesellschaft – das ist schließlich das Thema, an dem sich Springsteen sein ganzes Künstlerleben abgearbeitet hat. Der Text ist schnell da. Doch diesmal will die Gitarre nicht richtig dazu passen. Springsteen schaltet in seinem Homestudio einen Synthesizer ein und legt einen Beat mit einem Drum Computer unter. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Springsteens neuer Sound ist für ihn selbst stimmig. Er passt in die Zeit, wie er in einem Interview mit dem Rolling Stone sagt. Und offenbar stört die musikalische Verwandlung auch seine Fans nicht: “Streets of Philadelphia” wird trotz seiner düsteren Klangfarbe ein Top-Ten-Hit und Springsteen bekommt einen Oscar für die beste Filmmusik. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Ende der 1990er Jahre schließt sich Springsteen dann doch wieder mit der E-Street-Band zusammen, mit der er nun Album um Album veröffentlicht und ausverkaufte, rauschende Konzerte abliefert.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Springsteen engagiert sich dabei weiter politisch. Er tourt für Amnesty International, spielt bei Wohltätigkeitskonzerten und setzt sich in Wahlkämpfen für die demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry und später Barack Obama ein, bei dessen Vereidigung er auch gemeinsam mit Folk-Legende Bob Seeger auftritt.</p>
<p>Einspielung: Musik Bruce Springsteen  “This land is your land” 0.52 Archivnummer </p>
<p>MUSIK Easy riding USA  0.52</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Heute, mit über 75 Jahren, hat Bruce Springsteen über 140 Millionen Platten verkauft, 20 Grammys gewonnen. Er und die E-Street Band sind in die Rock ‘n Roll Hall of Fame aufgenommen. Er ist ein Fixpunkt, eine Konstante in der amerikanischen Rocklandschaft. Für viele ist er die Stimme Amerikas. Und diese Stimme setzt er ein, wenn es um sein Land geht: Im Wahlkampf 2024 positioniert er sich deutlich gegen Donald Trump. Er bezeichnet ihn als den „gefährlichsten Präsidentschaftskandidaten in der Geschichte Amerikas“ und singt für die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris. Doch seine Stimme wird nicht erhört. Donald Trump gewinnt die Mehrheit der Stimmen der Amerikanerinnen und Amerikaner. </p>
<p>Sprecherin: </p>

<p>Bruce Springsteen macht einfach weiter. Er bleibt ein Rockstar, der auch nach über einem halben Jahrhundert auf der Bühne nicht stillsitzen kann, wenn er meint, es geht ungerecht zu in seinem Land. Er schreibt weiter Songs über die Lücke zwischen seinem Idealbild der Gesellschaft und dem Alltag seiner Landsleute. Seinen Traum von Amerika lässt er sich nicht nehmen. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Nahtoderfahrungen - Was passiert, wenn wir sterben?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nahtoderfahrungen-was-passiert-wenn-wir-sterben/2093420</link>
      <pubDate>Thu, 10 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a50585a8-5921-4922-8f02-fdf4ddd58550</guid>
      <description>Die meisten Menschen mit Nahtoderfahrungen sind dem Tod knapp entronnen. Während des Sterbemoments haben sie etwas erlebt, das sie oft als die schönste Erfahrung auf Erden beschreiben. Worum handelt es sich? Die Wissenschaft verlässt sich auf Studien und Experimente. Die sind zwar aufschlussreich, aber stoßen an ihre Grenzen. Von Susanne Brandl (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22219776" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093420/c/feed/nahtoderfahrungen-was-passiert-wenn-wir-sterben.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Brandl</itunes:author>
      <itunes:summary>Die meisten Menschen mit Nahtoderfahrungen sind dem Tod knapp entronnen. Während des Sterbemoments haben sie etwas erlebt, das sie oft als die schönste Erfahrung auf Erden beschreiben. Worum handelt es sich? Die Wissenschaft verlässt sich auf Studien und Experimente. Die sind zwar aufschlussreich, aber stoßen an ihre Grenzen. Von Susanne Brandl (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c20ee89e-bec5-4ab6-b06a-48ca277fe4a1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Menschen mit Nahtoderfahrungen sind dem Tod knapp entronnen. Während des Sterbemoments haben sie etwas erlebt, das sie oft als die schönste Erfahrung auf Erden beschreiben. Worum handelt es sich? Die Wissenschaft verlässt sich auf Studien und Experimente. Die sind zwar aufschlussreich, aber stoßen an ihre Grenzen. Von Susanne Brandl (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Brandl<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Katja Bürkle, Clemens Nicol<br/> Technik: Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Frank Halbach</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Prof. Dr. Godehardt Brüntrup, Professor für Metaphysik. Philosophy of Mind und Philosophy of Language an der Philosophischen Hochschule München <br/>Dr. phil. Ina Schmied-Knittel, Soziologin, Institut für Grenzgebiete der Psychologie Freiburg <br/>PD Dr. Christian Hoppe, klinischer Neuropsychologe, Universitätsklinikum Bonn<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Schlafen – wer bin ich in meinen Träumen?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/schlafen-wer-bin-ich-in-meinen-traeumen/bayern-2/13285497/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Der Tod und wir – Rebellion gegegn die Endlichkeit<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-tod-und-wir-rebellion-gegen-die-endlichkeit/bayern-2/78758504/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskript-rw-nahtoterfahrung-tod-nahtot-gehirn-gott-neuronen-hirnforschung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eins ist sicher: Er ist todsicher, der Tod. Eine Gewissheit, über die wir allerdings nicht viel wissen. Wir wissen nicht, wie er ist, was er ist, wann er kommt, wie lang er dauert, wohin er uns führt. Im Prinzip lässt er sich nicht einmal in Worte zu fassen. Seine Qualität entzieht sich der Forschung. Gäbe es da nicht eine Erfahrung, die uns möglicherweise eine Brücke baut. Hinüber ins Jenseits: Die Nahtoderfahrung. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 1 GODEHARD BRÜNTRUP</p>
<p>„Dazu gehört die Erfahrung zu sterben mit der entsprechenden Panik, dazu gehört ein Lebensrückblick - dass man sein ganzes vergangenes Leben detailliert bis in die früheste Kindheit noch mal erlebt unter der Rücksicht, wo habe ich geliebt, wo habe ich verletzt und sehr empathisch die Verletzung, die man bei anderen angerichtet hat, selber empfindet. Dazu gehört eine außerkörperliche Erfahrung. Und dann gibt es ein Element des Übergangs – das wird oft die Tunnel Erfahrung genannt. Und man merkt, dass man irgendwie von einer Dimension in eine andere hinübergleitet und dann das Eintauchen in diese andere Dimension, dass die irgendwie energetisch lichtvoll ist. Und man merkt, dass man nicht allein ist, dass da andere sind. Und schließlich das Eintauchen in eine überwältigende Liebe, die alle Erfahrungen sprengt, die man bisher in seinem Leben - auch die allerschönsten - gemacht hat.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Godehard Brüntrup, Professor für Philosophie an der Philosophischen Hochschule in München. Im Alter von 30 Jahren macht er eine Nahtoderfahrung. Nach einem Herzstillstand widerfahren ihm mehr oder weniger ausgeprägt alle typischen Merkmale eines Nahtoderlebnisses. Auf der sogenannten Greyson Skala, eine Skala, mit der man international die Intensität von Nahtodmomenten misst, gilt seine Erfahrung als tiefgreifend. Warum dieses erschütternde Ereignis manchen widerfährt und anderen wiederum nicht, warum die einen sich nach einem Herzstillstand oder ähnlichen existentiellen Erfahrungen an solche Augenblicke erinnern und andere nicht, das weiß die Forschung bislang nicht. Was sie aber kann: Raster erstellen, die das Phänomen umschreiben. Die Soziologin Ina Schmied-Knittel achtet dabei mehr auf strukturelle als auf inhaltliche Kriterien: </p>
<p>O-TON 2 INA SCHMIED-KNITTEL</p>
<p>„also zum Beispiel, dass eine lebensbedrohliche Situation in der Regel der Auslöser dieser Erfahrung ist. Und dass die Leute dann das Gefühl haben, auch wirklich ihr eigenes Sterben zu erleben. Und davon sind Sie ganz extrem überzeugt. Obwohl man in der lebensbedrohlichen Situation ist, berichten viele dieser Leute, dass sie dabei sehr angenehme und positive Veränderungen haben, aber eben nicht alle. Wir haben auch solche Nahtodberichte, bei denen die Leute angstbesetzte Erfahrungen schildern.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Letzteres sei untypisch, so Godehard Brüntrup. Er ist inzwischen Experte auf dem Gebiet der Nahtoderfahrung, hat recherchiert, Interviews geführt, Aufsätze und Bücher geschrieben, Vorträge gehalten. Er erklärt sich negative Erfahrungen folgendermaßen:</p>
<p>O-TON 3 GODEHARD BRÜNTRUP</p>
<p>„Die Nahtoderfahrung fängt ja an mit einem starken Angstgefühl, weil man merkt, dass man stirbt. Man merkt, dass die Beine kalt werden, die Hände und die Arme kalt werden, dass das Leben sich von außen nach innen zurückzieht. Das löst eine Ur-Panik aus. Und wenn man zum Beispiel in dieser Situation zurückgeholt wird, dann ist man auch gar nicht tiefer in die Erfahrung eingedrungen. Dann erinnert man sich nur an Panik. </p>
<p>MUSIK privat Take 006 „Stop My Heart“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:21</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nur etwa 20 Prozent derjenigen, die sich in einer lebensbedrohlichen Situation befinden und überleben, machen eine Nahtoderfahrung. Mit oft massiven Konsequenzen. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 4 GODEHARD BRÜNTRUP</p>
<p>Es ist auch durch langfristige Studien mehrfach wiederholt erwiesen, dass sich Menschen, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben in ihrer Persönlichkeit tiefgreifend und dauerhaft verändern. Und zwar auch so, dass sie das mehr tun als eine Kontrollgruppe, die nur einen „Herzinfarkt“ oder einen „Herzstillstand“ hatte. Und das betrifft viele Bereiche. Am grundlegendsten in der Werteordnung. Die meisten Nahtoderfahrenen sagen, dass nach der Nahtoderfahrung tiefe zwischenmenschliche Beziehungen, ganz im Zentrum des Lebens stehen. Nicht mehr der berufliche Erfolg, nicht mehr das Geld, nicht mehr der Ruhm. Und das Zweite: Die Erlangung von Weisheit. Und Weisheit ist was anderes als wissen. Und je nachdem, wie sie vorher gelebt haben müssen sie ihr Leben radikal ändern, um diesen beiden Maximen - mehr Liebe, mehr Weisheit - gerecht zu werden. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ina Schmied-Knittel vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie erforscht den Umgang mit außergewöhnlichen Erfahrungen. Sie führt an, dass das individuelle Empfinden mit der gesellschaftlichen Reaktion in Konflikt geraten kann, was manche Nahtoderfahrene psychisch enorm herausfordert.</p>
<p>O-TON 5 INA SCHMIED-KNITTEL</p>
<p>„Nämlich dann, wenn einem nicht geglaubt wird von der Umwelt, beispielsweise, wenn andere Leute diese Erfahrung nicht teilen, ungläubig damit umgehen. Das könnte dann auch zu Problemen im Umfeld führen oder zur kritischen Hinterfragung bisheriger Glaubenssätze, die sich dann plötzlich umkehren und man in eine religiöse oder spirituelle Krise geraten kann.“ </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der klinische Neuropsychologe Christian Hoppe von der Universität Bonn war ursprünglich katholischer Theologe und hat sich von der christlichen Religion abgewendet. </p>
<p>Allerdings nicht durch ein Nahtoderlebnis, sondern durch seine Beschäftigung mit der Hirnforschung. Seitdem beobachtet der Neurowissenschaftler unter anderem das Nahtod-Phänomen, wobei er findet, dass Nahtod im Grunde nicht der richtige Begriff ist für eine derartige Erfahrung. Inhaltlich sehr ähnliche Erlebnisse könnten in gänzlich andersartigen Zusammenhängen und fern jeder Todesbedrohung auftreten, z.B. unter Ketamin-Einnahme:</p>
<p>O-TON 6 CHRISTIAN HOPPE</p>
<p>„Wenn sie die subjektiven Berichte lesen und die Vergleiche mit den subjektiven Berichten nach spontanen Nahtoderfahrungen, dann sind diese Berichte sich außerordentlich ähnlich, sie können die eigentlich nicht zuverlässig voneinander trennen, das haben Studien ergeben, und die wurden auch repliziert und bei LSD sind es ähnliche Erfahrungen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Eine Hypothese, die Godehardt Brüntrup vertraut ist. Er hat sich mit mehreren Drogen befasst, die in der Lage sind, dem Konsumenten außerkörperliche Erfahrungen vermitteln, die radikal lebensverändernd sein können. </p>
<p>O-TON 7 GODEHARD BRÜNTRUP</p>
<p>Die sind meistens so: man liegt im Bett und schaut auf sich, dann dreht man so die Achse so und sieht sich selbst vom Fußende her, mit einem ganz langen Bein. Also das Gehirn dreht sozusagen die Bilder bisschen im Raum herum. Es sind offensichtliche optische Täuschungen, Illusionen. Aber dass jemand völlig unverzerrt, ganz glasklar sieht, was in dem Raum passiert, aus einer Perspektive, die er mit seinen Sinnesorganen gar nicht einnehmen könnte. Das ist schon anders als bei der außerkörperlichen LSD-Erfahrung.</p>
<p>MUSIK privat Take 006 „Stop My Heart“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:22</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Brüntrup schaute in seinem Nahtod-Moment aus einer erhöhten Position auf seinen Körper. Von da aus sah er einen Mann mit einer orangefarbenen Jacke neben seinem Bett stehen.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 8 GODEHARD BRÜNTRUP</p>
<p>„Ich erinnere mich, dass ich mich gefragt habe, warum neben den weiß und grün gekleideten dieser orangefarbene sei. Später habe ich dann nachgefragt und erfahren, dass der von einem Notarztwagen kam und deswegen die orangefarbene Jacke trug. Ich konnte ihn sicherlich nicht sehen aus der Richtung, aus der ich ihn gesehen habe. Es gibt keine exakten wissenschaftlichen Daten, ob ich zu dem Zeitpunkt vollkommen bewusstlos war. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Damit ist Brüntrup nicht der Einzige. Viele Nahtoderfahrene erzählen, sie hätten Dinge gesehen, die aus der Position, in der sie sich befunden haben, gar nicht wahrnehmbar gewesen wären. Für Christian Hoppe noch lange kein Beweis für die Loslösung des Bewusstseins vom Körper.</p>
<p>O-TON 9 CHRISTIAN HOPPE</p>
<p>„Das wäre möglich, dass es kurze Inseln gab, in denen hinreichend Bewusstsein da war. Es kann sein, dass auch mal kurz die Augen geöffnet wurden, um den Pupillenreflex zu prüfen oder was auch immer Manches wird gehört, manche Dinge stellt man sich eben vor, zum Beispiel einen Notarzt, stellen Sie sich wahrscheinlich nicht in einer hellgrauen Steppjacke vor, sondern wahrscheinlich in so einer signalfarbenen Jacke, wenn sie einfach wissen, hier ist gerade ein Notarzt, der irgendwas bei mir macht. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Außerkörperliche Erfahrung sei außerdem im Hirn induzierbar, so Hoppe. Im Rahmen der Epilepsie Diagnostik stimulierte man die Hirnrinde von Epileptikern in den Bereichen des Gehirns, die für Sehen und räumliches Denken verantwortlich sind.</p>
<p>O-TON 10 CHRISTIAN HOPPE</p>
<p>„Da hatte man eine Patientin, wo man in diesem Bereich Elektroden liegen hatte und testen wollte, ob von dort Epilepsie ausgeht und die Stimulation dieser Elektroden hat dann unmittelbar ein außerkörperliches Erlebnis ausgelöst. Die Patientin hat sich dann teilweise von oben selbst im Bett liegen gesehen und mit dem Abschalten des Stroms war die Erfahrung schon wieder zu Ende und das konnte dann mehrfach repliziert werden durch An- und Abschalten.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Im Fall eines Nahtodes heißt das: Wenn durch einen Herzstillstand der Gehirnbereich, der das Sehen veranlasst, unterversorgt ist, dann kann eine außerkörperliche Erfahrung eintreten. </p>
<p>O-TON 11 CHRISTIAN HOPPE</p>
<p>„Dann scheint das visuelle System umzuschalten auf eine objektive Beobachterposition. Statt die perspektivische Mitte im Körper zu verankern, was jetzt nicht mehr möglich ist, wird die perspektivische Mitte nach außerhalb gelegt, wie bei einem objektiven Beobachter, der die Szene von draußen sieht.“ </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der sogenannten Awarenessstudie haben Ärzte auf Intensivstationen in 15 Kliniken das visuelle Bewusstsein von Patienten getestet, indem sie an der Decke Displays angebracht hatten, die zufallsgenerierte Bilder und Symbole erzeugt haben. Sie waren nur aus erhöhter Position zu sehen. Hätte jemand tatsächlich seinen Körper verlassen und von oben nach unten gesehen, wären ihm die Tablets aufgefallen. Leider aber konnte keine der wiederbelebten Versuchspersonen mit Außerkörperlichkeitserfahrung über entsprechende Bilder berichten. Denn die einen interessierten sich außerhalb ihres Körpers nicht für den Deckenbereich. Andere hatten ihre Nahtoderfahrung nicht in dem OP-Saal, wo die Displays installiert waren. </p>
<p>MUSIK privat Take 009 „Unethered“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:45</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Erfahrung, aus dem eigenen Körper schlüpfen zu können, ist eines der umstrittensten Phänomene in der Nahtodforschung. Zumal da auch blinde Personen beschreiben, dass sie im außerkörperlichen Nahtod plötzlich sehen konnten. Das allerdings hält die Hirnforschung für ungewöhnlich, wenn nicht gar unmöglich. Vor allem, wenn das Betroffene berichten, die blind auf die Welt gekommen sind.</p>
<p>Nahtodberichte gibt es, seit es Menschen gibt. Die Bibel birgt eine Fülle von Erzählungen über wundersame Ereignisse, die Nahtodmomenten ähneln. Der Versuch aber, Nahtoderfahrungen als solche zu klassifizieren und zu erforschen, ist noch nicht alt. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Ina Schmid-Knittel:</p>
<p>O-TON 13 INA SCHMIED-KNITTEL</p>
<p>„Eine der ersten Untersuchungen ist von Achtzehnhundertzweiundneunzig von Albert Heim im Jahrbuch des Schweizer Alpenvereins. (…). Das ist mal nun nicht das womit man rechnet. Und Albert Heim war jetzt auch kein Mediziner, sondern Geologe, aber er war passionierter Bergsteiger und der ist am Berg abgestürzt und hat es überlebt und hat eben währenddessen eine, ich sag jetzt mal klassische Nahtoderfahrung gehabt: ein sehr angstfreies, positives Empfinden, dass er, trotzdem er weiß, er stirbt, sehr schöne Bilder hat. (…) und dann hat er das seinen Bergsteigerkollegen erzählt und stieß dann eben auf Personen,  die identische Erfahrung hatten wie er. Und das hat er gesammelt und hat Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauskristallisiert und hat das veröffentlicht.“</p>
<p>MUSIK privat Take 002 „Main Title“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:45</p>
<p>ZITATOR ALBERT HEIM</p>
<p>„Angesichts des Todes durch plötzlichen Unglücksfall tritt bei fast allen der gleiche geistige Zustand ein. </p>
<p>Er lässt sich kurz wie folgt charakterisieren: Es wird kein Schmerz empfunden, ebenso wenig lähmender Schreck (…) Keine Angst, keine Spur von Verzweiflung, vielmehr ruhiger Ernst, beherrschende geistige Sicherheit und Raschheit. Die Gedankentätigkeit ist enorm, wohl auf hundertfache Geschwindigkeit oder Intensität gesteigert, die Verhältnisse werden weit hinaus objektiv überblickt. Die Zeit erscheint verlängert. In zahlreichen Fällen folgt ein plötzlicher Rückblick in die ganze eigene Vergangenheit.“ </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die moderne Nahtodforschung begann erst in den 60er und 70er Jahren. Es gab damals einen immensen Fortschritt in der Reanimationstechnik, wodurch immer mehr Leute erfolgreich wiederbelebt werden konnten. In diesem Zusammenhang stieg auch die Zahl der sich ähnelnden Nahtoderfahrungsberichte.</p>
<p>O-TON 14 INA SCHMIED-KNITTEL</p>
<p>„Mediziner und Medizinerinnen sammelten und publizierten das und diese Bücher wurden sehr, sehr populär. Und ich glaube, das hängt auch damit zusammen, weil es in den 60er und 70er Jahren einen immensen Aufschwung von New Age und esoterischen Themen gab, wo auch die subjektive Einsicht in bestimmte, religiöse oder transzendente Fragen ne sehr, sehr große Rolle spielte. </p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Bis heute halten sich die kulturellen Deutungsmuster der damaligen Zeit, was oft den Blick verengt. In den öffentlichen Diskurs schaffen es vor allem die Bilder vom Tunnel, vom Licht und von Erfüllung. Schmied- Knittel hat in der 90er Jahren mit Kollegen eine Studie durchgeführt, in der sie Nahtodberichte von Ost- und Westdeutschen verglichen hat. </p>
<p>O-TON 15 INA SCHMIED-KNITTEL</p>
<p>„Es war so, dass in Westdeutschland mehrere oder die meisten der Erfahrungen eben diesem klassischen Muster entsprach: angenehme Erfahrungen, Tunnel, Licht, paradiesische Landschaft. Man traf auf Verstorbene und das Ganze war eben auch schmerzfrei, wunderbar und bedeutsam. Und in Ostdeutschland war es so, dass viele der aus der Literatur bekannten Motive gar nicht auftauchten, sondern zum Teil auch sehr abstrakte, sehr bizarren Landschaften oder unklare, gar nicht identifizierbare Landschaften und Personen oder Wesenheiten und häufiger auch ein angstbesetzter, emotionaler Zustand bei den Ostdeutschen.“</p>
<p>MUSIK privat Take 006 „Stop My Heart“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:36</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Je nachdem, worauf man sich fokussiert, treten Unterschiede, Schwankungen oder eben Gemeinsamkeiten auf. Schmid-Knittel vertritt eine Soziologie, die vor allem auf die Unterschiede schaut. Godehardt Brüntrup hingegen verweist darauf, dass Nahtoderfahrungsinhalte interkulturell oft überraschend homogen sind, was die Sache nicht einfacher macht. Klar ist, je mehr sich Nahtoderfahrungen über kulturelle Unterschiede hinweg ähneln, desto besser lassen sie sich als allumfassende, überirdische Gottesnähe deuten. Da wiederum stellt sich die Neurologie quer. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 16 Christian Hoppe</p>
<p>„Man muss wirklich in die Details gehen. Wir Neurowissenschaftler, die meisten jedenfalls von uns vermutlich, würden weiterhin behaupten, ja auch die Nahtoderfahrung beruhen auf veränderten Hirnprozessen, aber eben auf Hirnprozessen. Und ohne diese Hirnprozesse vermuten wir, finden gar keine Erfahrungen statt.“</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Brüntrup, der seine Nahtoderfahrung als mystisches Erlebnis interpretiert, hegt da Zweifel.</p>
<p>O-TON 17 GODEHARDT BRÜNTRUP</p>
<p>„Also die Wissenschaft hat natürlich zunächst ein Interesse, ihr bestehendes Erklärungsmodell nicht umwerfen zu müssen und das bestehende Erklärungsmodell ist, dass unser bewusstes Leben, das, was wir wahrnehmen, fühlen, empfinden und denken, von unserem Gehirn erzeugt wird. Und die Nahtoderfahrung stellt diese wissenschaftliche Hypothese zumindest teilweise in Frage. </p>
<p>MUSIK  privat Take 018 „Tessa Visits“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:26</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Gibt es also eine spezielle Form von Bewusstsein kurz bevor wir sterben? Und falls ja, wann und wo ist noch Bewusstsein, wann passiert die Nahtoderfahrung und wann sind wir tot? In der Forschung steht man vor dem Problem, dass man dieses letzte Aufbäumen der Neuronen nicht mit der Nahtoderfahrung synchronisieren kann. Denn der Patient ist in dem Moment nicht ansprechbar. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 19 CHRISTIAN HOPPE</p>
<p>„Die interessante Frage ist wirklich, zu welchem Zeitpunkt genau findet die Nahtoderfahrung statt? Beim Tunnel-Licht-Erlebnis, bei der Wiederbegegnung mit Verstorbenen und so weiter lässt sich der Zeitpunkt in unserer Welt gar nicht festlegen. Beim Außerkörperlichen Erlebnis ist es manchmal so, dass wir ne klare zeitliche Zuordnung haben, die man auch im Nachhinein noch zeitlich zuordnen kann und dann ist wirklich die interessante Frage, ob zu diesem Zeitpunkt eigentlich totale Bewusstlosigkeit bestand oder ob das Gehirn in einem Zustand war, wo man sagt, das ist ausgeschlossen, dass das Gehirn noch irgendein Bewusstsein erzeugt oder so. Und die Theorie der Neurowissenschaftler wäre eben, dass diese Erfahrungen auftreten im Übergang zum Verlust des Bewusstseins oder in der Wiederkehr des Bewusstseins nach einer Bewusstlosigkeit. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Nahtoderfahrene Godehardt Brüntrup betont, dass Sinn, Gehalt und Bedeutung der Erfahrung nicht reduzierbar sind auf neuronale Prozesse.</p>
<p>Die Neurowissenschaften konzentrieren sich sehr auf die funktionalen Aspekte und fragen, wie so eine Erfahrung zustandekommt, welche Rolle das Gehirn spielt. Die Inhalte, die für Nahtod-Betroffene im Vordergrund stehen, sind aus neurowissenschaftlicher Sicht gar nicht der Punkt. Das ist frustrierend für Nahtoderfahrene, die durch und durch erschüttert sind von einer tiefen Grenzerfahrung. Oft fühlen sich die Betroffenen unverstanden und schweigen, selbst fassungslos über den überwältigenden Moment, den sie durchlebt haben. </p>
<p>O-TON 22 CHRISTIAN HOPPE:</p>
<p>„Wir haben damals, als wir gesammelt haben und solche Berichte zusammengestellt haben, haben wir von einer Person einen Bericht zugeschickt bekommen, die uns dann erzählte, dass sie seit über 40 Jahren jeden Tag an dieses Nahtoderlebnis zurückdenkt, aber noch nie mit der eigenen Ehefrau darüber gesprochen hat. Aus Sorge, dass das nicht ernst genommen wird. Oder dass es irgendwie zerredet wird oder wie auch immer.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die Angst, als verrückter Esoteriker abgestempelt zu werden ist groß.  Zumal da es unzählige esoterische Schriften gibt, die den Nahtod als willkommenen Beweis für übersinnliche Welten propagieren. Betroffene können auf der Suche nach Antworten in obskure Kreise geraten. </p>
<p>O-TON 23 GODEHARDT BRÜNTRUP:</p>
<p>„Das sind die Interpretationsversuche der Leute, die geprägt sind durch ihren Bildungsstand. Durch das, was Ihnen gerade zur Verfügung steht. Und das ist nicht immer perfekt gelungen. Aber wenn man dann mit ihnen spricht und sagt, jetzt lass mal deine angelesene Deutung weg und erzähl mal über deine Erfahrung selbst. Dann kommt eine sehr authentische und tiefgreifende, die Persönlichkeit erschütternde Erfahrung raus in praktisch allen Fällen. Also von daher wäre das Wichtigste weniger auf die Interpretationen zu achten, sondern die Erfahrung selbst sprechen zu lassen. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die Nahtoderfahrung findet wahrscheinlich innerhalb der ersten zwei bis drei Minuten nach dem Herzstillstand statt. Nach fünf bis zehn Minuten ohne Sauerstoffzufuhr treten irreversible Schäden ein, was nicht heißt, dass das Hirn tot ist. Eine neue, breit angelegte Studie aus den USA, weist darauf hin, dass das Sterben des Gehirns wohl länger dauert als gedacht.</p>
<p>O-Ton 24 Godehard Brüntrup:</p>
<p>„Dass man nicht so klar angeben kann - nach dem Hirntodkriterium - hier jetzt genau in der Sekunde ist der Mensch tot, sondern das ist ein Prozess, der sich sehr lange hinzieht. Und das hat diese Studie gezeigt, dass auch von Menschen, die äußerlich tot zu sein scheinen, wo auch die mangelnde Gehirnaktivität in diese Richtung deutet, trotzdem noch Empfindungen haben und geistig aktiv sind. </p>
<p>MUSIK privat Take 006 „Stop My Heart“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:35</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Was passiert also, wenn wir sterben? Vieles bleibt vage, einiges könnte, dürfte, oder wird wohl so sein. Feststeht: Die meisten Nahtoderfahrenen haben keine Angst mehr vor dem Sterben. Naturwissenschaftler entgegnen, die Betroffenen seien dem Tod nie wirklich nahe gewesen, denn sie seien ja nie gestorben. Wann und wo Leben und Tod anfangen und aufhören, darüber lässt sich offensichtlich diskutieren. </p>
<p>O-Ton 25 Ina Schmied-Knittel:</p>
<p>„Vielleicht ist das auch ein Punkt, wo die Nahtoderfahrungen in den öffentlichen Diskurs hineinsteigt und eben ein Beispiel bringt, dass es eben manchmal nicht so einfach ist wie angenommen und dass bestimmte Kriterien oder Methoden eben auch nicht immer angemessen sind und man ne gewisse Offenheit auch vielleicht zugestehen muss.“</p>
<p>MUSIK privat Take 006 „Stop My Heart“; Album: Flatliners; Label: Sony Classical; Interpret: Nathan Barr; Komponist: Nathan Barr; ZEIT: 00:37</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Forschung ist noch lange nicht abgeschlossen. Und wird es vielleicht auch nie sein. Nahtoderfahrungen zeigen auf, wie es sich anfühlen könnte, das Diesseits zu verlassen. Sie können nicht erklären, was im Sterben tatsächlich passiert. Aber sie erweitern unseren Horizont, indem sie uns ein Beispiel geben, zu welch existentieller Entgrenzung wir fähig sind. Und so laden sie uns ein, dem Unvorhersehbaren zu vertrauen. Im Tod genauso wie im Leben.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Allen das Gleiche? Die Philosophie der sozialen Gerechtigkeit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/allen-das-gleiche-die-philosophie-der-sozialen-gerechtigkeit/2087457</link>
      <pubDate>Thu, 10 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1575903f-8e7d-4fe6-b5cb-f090ded4df6a</guid>
      <description>Jedem das Seine? Oder allen das Gleiche? In der Philosophie, die sich von Anbeginn mit Fragen der Gerechtigkeit beschäftigt, taucht der Begriff der sozialen Gerechtigkeit erst relativ spät auf. Welche Gedanken und Ideen zum Thema soziale Gerechtigkeit gibt es und wie kann eine Gesellschaft sie erreichen? 
Autorin: Claudia Heissenberg (BR 2023)</description>
      <enclosure length="21988224" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087457/c/feed/allen-das-gleiche-die-philosophie-der-sozialen-gerechtigkeit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:54</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Heissenberg</itunes:author>
      <itunes:summary>Jedem das Seine? Oder allen das Gleiche? In der Philosophie, die sich von Anbeginn mit Fragen der Gerechtigkeit beschäftigt, taucht der Begriff der sozialen Gerechtigkeit erst relativ spät auf. Welche Gedanken und Ideen zum Thema soziale Gerechtigkeit gibt es und wie kann eine Gesellschaft sie erreichen? 
Autorin: Claudia Heissenberg (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/f80fdfc7-e5fa-4395-a938-6e34a12f1815.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Jedem das Seine? Oder allen das Gleiche? In der Philosophie, die sich von Anbeginn mit Fragen der Gerechtigkeit beschäftigt, taucht der Begriff der sozialen Gerechtigkeit erst relativ spät auf. Welche Gedanken und Ideen zum Thema soziale Gerechtigkeit gibt es und wie kann eine Gesellschaft sie erreichen? 
Autorin: Claudia Heissenberg (BR 2023)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor/in dieser Folge: Claudia Heissenberg<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Katja Bürkle, Johannes Hitzelberger, Caroline Ebner<br/> Technik: Susanne Herzig<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Christoph Butterwegge, Armutsforscher und emeritierter Professor für Politikwissenschaft, Universität Köln; <br/>Wilfried Hinsch, Professor für Philosophie, Universität Köln<br/></p>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Gerechtigkeit - Im Wandel der Philosophie<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/gerechtigkeit-im-wandel-der-philosophie/bayern-2/78753482/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>John Rawls - Vordenker einer gerechten Gesellschaft<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/john-rawls-vordenker-einer-gerechten-gesellschaft/bayern-2/78753486/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Wilfried HINSCH, Die gerechte Gesellschaft – Eine philosophische Orientierung. <br/><em>Kurze, aber umfassende und gut verständliche Abhandlung über die Idee der sozialen Gerechtigkeit und die Frage, wie sich unser Gerechtigkeitsverständnis entwickelt hat.</em></p>
<p>Richard WILKINSON und Kate PICKETT, Gleichheit ist Glück – Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. <br/><em>Die beiden britischen Wissenschaftler haben eine Fülle an statistischem Material ausgewertet und festgestellt, dass Gesellschaften, die weniger Ungleichheit aufweisen, auch weniger Kindersterblichkeit, weniger Kriminalität, weniger Drogenmissbrauch, weniger Gewalt, weniger Krankheiten etc. haben.</em></p>

<p>Thomas MORUS (Sir Thomas More), Utopia. <br/><em>Für alle, die keine Angst vor alten Texten haben (geschrieben wurde das Büchlein 1515) und immer schon mal wissen wollten, wie das Leben in Utopia aussieht. </em></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>MUSIK 1 (Z8046313101 Tobi Morare: Ghetto Beat 0‘54)</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Das S in unserer Partei steht für den sozialen Zusammenhalt und für soziale Gerechtigkeit. (CSU)</p>
<p>ZITATORIN:  </p>
<p>Gerechte Teilhabe am erwirtschafteten Ertrag ist das Gebot sozialer Gerechtigkeit und ökonomischer Vernunft. (SPD)</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Deshalb ist es gerecht, dass die Stärkeren einen größeren Beitrag für unser Gemeinwesen leisten als die Schwächeren. (CDU)</p>
<p>ZITATORIN:</p>
<p>Ausuferndes Gewinnstreben und wachsende materielle Ungleichheit zersetzen die Gesellschaft von innen. (Die Linke)</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Für uns ist das Prinzip der Fairness Voraussetzung und Maßstab der steten Suche nach Gerechtigkeit. (FDP)</p>
<p>ZITATORIN: </p>
<p>Gerechtigkeit meint auch Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. (Die Grünen)</p>
<p>O-TON 1: (Butterwegge)</p>
<p>Die große Mehrheit der Bevölkerung strebt eigentlich danach, dass eine gerechtere Verteilung stattfindet in der Gesellschaft, und deshalb müssen die Parteien selbst dann, wenn sie beim Regierungshandeln davon wenig erkennen lassen, zumindest programmatisch dieses Ziel der sozialen Gerechtigkeit hochhalten.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>… sagt Christoph Butterwegge, Armutsforscher und emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. </p>
<p>O-TON 2 (Butterwegge): </p>
<p>Parteien, die sagen würden, wir wollen mehr Ungerechtigkeit und mehr Ungleichheit schaffen, wir wollen das Privatvermögen des reichsten Mannes in der Bundesrepublik, Dieter Schwarz, Eigentümer von Lidl und Kaufland, Privatvermögen 41,8 Milliarden Euro, wir wollen das noch vergrößern und wir wollen gleichzeitig dafür sorgen, dass der Paketzusteller, der Fahrradkurier und der Getränkelieferant noch weniger verdienen, so ne Partei würde höchstens von den am meisten Privilegierten unterstützt. </p>
<p>MUSIK 2 (Z8039716115 Louis Edlinger/Tony Delmonte: Stay Calm 0‘48)</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Seitdem Menschen über eine gerechte Ordnung von Gesellschaft und Staat nachdenken, geht es um die Frage: </p>
<p>Wie sind Macht und Einfluss, Güter und Einkommen, Lasten und Pflichten zu verteilen? Diese Frage beantwortet allerdings jeder anders. Denn das, was als gerecht oder als ungerecht empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt ab von der persönlichen Situation. Wo die Verantwortung der Gesellschaft beginnt und wie weit sie gehen soll – beurteilen Menschen in den USA zum Beispiel ganz anders als in Skandinavien. Und für einen Linken bedeutet soziale Gerechtigkeit etwas völlig anderes als für einen Liberalen oder Konservativen. </p>
<p>O-TON 3: (Wilfried Hinsch)</p>
<p>Die einen sagen, wir müssen mehr Umverteilung vornehmen, die anderen sagen, nein, nein, wir brauchen mehr Ungleichheit, damit mehr produziert wird, dann gewinnen alle.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Wilfried Hinsch ist Professor für Philosophie und Autor des Buches </p>
<p>„Die gerechte Gesellschaft. Eine philosophische Orientierung“. Darin beschäftigt er sich unter anderem mit der Frage, welche Bedingungen gesellschaftliche Einkommens- und Vermögensverteilungen erfüllen müssen, um als gerecht gelten zu können.  </p>
<p>O-TON 4: (Hinsch)</p>
<p>Erstens kann man feststellen, Menschen haben sehr verschiedene Auffassungen, es geht hoch her, wenn angesichts aktueller Probleme über Fragen sozialer Gerechtigkeit gesprochen wird. Denken Sie an diese hohen Extrazahlungen an Top-Manager, also die Emotionen gehen hoch und die Meinungen gehen weit auseinander. Und ich denke auch, dass man philosophisch am Ende keine einhellige Auffassung von sozialer Gerechtigkeit finden wird, so wie man verschiedene Auffassungen davon haben kann, wie man am besten die Gleichberechtigung von Männern und Frauen umsetzt.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Wenn über soziale Gerechtigkeit gestritten wird, geht es nicht allein um Fakten, sondern auch um die eigenen Wertvorstellungen und ethischen Normen. Jedem das Seine? Oder allen das Gleiche? </p>
<p>MUSIK 3 (Z8039716115 Louis Edlinger/Tony Delmonte: Stay Calm 0‘08)</p>
<p>ZITATOR: </p>
<p>Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Das ist Artikel 1 in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die nach der Französischen Revolution am 26. August 1789 verkündet wurden. Laut Wilfried Hinsch prägt diese Idee der Gleichheit unsere Vorstellung von einer gerechten Gesellschaft bis heute. Trotzdem vergrößern sich die sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten von Jahr zu Jahr. 3,2 Milliarden Menschen mussten 2022 mit weniger als 200 Dollar im Monat auskommen, heißt es im Welternährungsbericht der Vereinten Nationen. Elon Musk, einer der reichsten Menschen der Welt, verfügt über ein Vermögen von über 200 Milliarden Dollar. </p>
<p>Ist das gerecht? Ist es gerecht, dass Frauen in gleicher Position oft weniger verdienen als Männer? Ist es gerecht, dass die soziale Herkunft entscheidend ist für den Schulabschluss? Was bedeutet soziale Gerechtigkeit? </p>
<p>MUSIK 4 (Z80465531001 Caspar: Intro 0‘15)</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Bedarfsgerechtigkeit</p>
<p>ZITATORIN: </p>
<p>Chancengerechtigkeit</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Leistungsgerechtigkeit</p>
<p>ZITATORIN:</p>
<p>Verteilungsgerechtigkeit</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Geschlechtergerechtigkeit</p>
<p>ZITATORIN:</p>
<p>Lohngerechtigkeit</p>
<p>MUSIK 5 (MR027040111 William Byrd: The Woods So Wild. Variations 1‘02)</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Bereits 1515, also 174 Jahre vor der Französischen Revolution, verfasste der englische Jurist, Humanist und Politiker Sir Thomas More ein Büchlein mit dem Titel „Von der besten Staatsverfassung und über die neue Insel Utopia“. Darin beschreibt er das Leben auf einer fiktiven Insel, wo es keine Habgier gibt, weil niemand Wert auf persönlichen Besitz legt. „Das Land, was nirgends ist“, so die Übersetzung seiner Wortschöpfung Utopia ist sein Modell für eine gerechte Gesellschaft und zugleich Kritik an den Zuständen und der Politik seiner Zeit. Auf Utopia arbeiten die Menschen, und zwar Männer und Frauen gleichermaßen, nicht länger als sechs Stunden pro Tag, alle Kinder erhalten Schulbildung, es gibt gemeinschaftliche Mahlzeiten, aber weder Geld noch Handel. </p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Ebenso wundern sich die Utopier darüber, dass das Gold, das seiner Natur nach so unnütz ist, jetzt überall in der Welt so hochgeschätzt wird, dass der Mensch selbst viel weniger gilt als das Gold selber, und zwar so viel weniger, dass irgendein Dämlack, geistlos wie ein Holzklotz und ebenso schlecht wie dumm, trotzdem eine Menge kluger und braver Diener hat, allein deshalb, weil er zufällig einen großen Haufen Goldstücke sein Eigen nennt.</p>
<p>MUSIK 6 (Z8046313101 Megan Thee Stallion: Cobra 0‘45)</p>
<p>O-TON 6: (Yvonne)</p>
<p>Es sollte eigentlich keine Armut auf der Welt allgemein geben, weil es gibt so viele reiche Leute auf dieser Welt und die könnten was von ihrem Geld abgeben oder so, damit jeder gleich ist. </p>
<p>O-TON 7: (Bella)</p>
<p>z.B. Altenpfleger oder so, das ist ja eine körperliche sehr anstrengende Arbeit, die werden sogar unterbezahlt, z.B. jetzt Anwälte, die schreiben nur einen Brief und schicken die raus und kriegen dafür 150 Euro oder keine Ahnung wie viel, ich find das gar nicht in Ordnung, ganz ehrlich.</p>
<p>O-TON 8: (Ilayda)</p>
<p>Also die Reichen kriegen halt immer mehr, und die Armen kriegen halt gar nichts, und das merkt man halt auch.</p>
<p>O-TON 9: (Enise) </p>
<p>Gib ihnen doch einfach was ab! Ich verstehe nicht, warum es manchen Menschen einfach so schwerfällt, einfach etwas zu teilen. Nicht jeder hatte dieses Glück, was du hattest, die Chance wie du so viel Geld zu verdienen, dann gib doch einfach was ab. Das sind doch auch Menschen, wir sind doch alle Menschen.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Bella, Enise, Ilayda und Yvonne wissen genau, was es bedeutet, Geldsorgen zu haben – am Ende des Monats, wenn jeder Cent zweimal umgedreht werden muss. Die Designersachen der vier Mädchen, Statussymbole und Sinnbild für den sozialen Aufstieg, sind nicht echt. Die kaufen Enise und Ilayda in den Sommerferien bei Straßenhändlern in der Türkei. Bella und Yvonne fahren fast nie in Urlaub. </p>
<p>Von Fernreisen, dem Führerschein oder gar einem eigenen Auto können sie nur träumen. Auch Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge hat als unehelicher Sohn einer alleinerziehenden Mutter schon früh erfahren, dass manche Menschen gleicher sind als andere, weil das, was man hat, einen Unterschied macht. </p>
<p>O-TON 10: (Butterwegge)</p>
<p>Warum geben Reiche ungern ab? Das ist naheliegend. Durch Reichtum kann man natürlich sich ein schönes Leben machen, man hat dadurch viel mehr Möglichkeiten als je ein Armer hat, und es ist natürlich auch der soziale Status daran geknüpft, man gilt in der Gesellschaft natürlich auch mehr, wenn man reich ist, und deswegen werden die Reichen kaum freiwillig auf den Reichtum verzichten, …</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>… sagt der Armutsforscher. Und der Philosoph?</p>
<p>O-TON 11: (Hinsch) </p>
<p>Es gibt den Eigennutz, es gibt den Egoismus, es gibt dieses mehr haben wollen für sich selber, wobei dieses mehr haben wollen ja auch diese zwei Punkte hat, diese zwei Aspekte, einerseits will man einfach mehr haben, also mehr Kuchen, weil man möchte noch mehr Kuchen essen, aber manchmal will man auch mehr haben, weil man mehr haben will als die anderen. Es kommt einem gar nicht darauf an, jetzt mehr Kuchen zu haben, aber man will mehr Kuchen haben als der Nachbar. </p>
<p>MUSIK 7 (Z8038700120 Fatima Dunn / Tony Delmonte /Beda Thornton: Thoughts Through The Window (Main) 0‘38)</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Die Gleichheit und Gerechtigkeit wollen, sind immer die Schwächeren, während die Stärkeren sich über diese Dinge keinen Kummer machen.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>… meinte Aristoteles, der vor mehr als 2.000 Jahren die Grundlagen für unser Verständnis von Gerechtigkeit legte. Für den griechischen Philosophen ist sie eine Tugend, die den guten Menschen kennzeichnet. Wer gerecht handelt, tut etwas für andere und denkt nicht nur an sich selbst, strebt also nicht nach persönlichen Vorteilen. Aristoteles unterscheidet dabei:</p>
<p>O-TON 12: (Hinsch)</p>
<p>Die Gerechtigkeit des Umgangs miteinander, die sogenannte kommutative Gerechtigkeit, und die Gerechtigkeit der Verteilung. Von Gütern, Einkommen, Weizen, aber auch Verteilung von Land, Pflichten und dergleichen, aber das Entscheidende war, dass aus einer aristotelischen Perspektive, Gerechtigkeit eine persönliche Tugend ist und dass damit der Fokus der Diskussion im Grunde auf der Frage: Verhalten sich einzelne Personen gerecht oder ungerecht lag.</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Ein Unternehmer, der seine Angestellten und Arbeiter nicht ausbeutet, sondern ordentlich entlohnt, handelt also im Sinne von Aristoteles gerecht und tugendhaft. Genauso wie Menschen, die Notleidenden wohltätig unter die Arme greifen. Dass aber nicht nur der Einzelne, sondern der Staat, also die Gemeinschaft aller, als übergeordnete Instanz eingreifen könnte oder sollte, um das Problem der ungleichen Verteilung zu lösen, spielte in philosophischen Überlegungen lange Zeit keine Rolle.</p>
<p>O-TON 13: (Hinsch)</p>
<p>Das eine ist, dass es über weite Strecken der Geschichte, auch bis ins 19. Jahrhundert hinein, doch die vorherrschende Vorstellung gab, besonders verstärkt durch das Christentum, dass Armut im Grunde immer verdiente Armut ist.  Also Armut als Strafe Gottes. Und dass es eine ganze Weile brauchte, bis der überwiegende Teil der Bevölkerung und der überwiegende Teil der Politiker zu der Überzeugung kam, dass es unverschuldete Armut gibt. </p>
<p>MUSIK 8 (R0011480005 Etienne Nicolas Méhul: Ouvertüre aus „La Chasse du jeune Henri“ 1‘09)</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Einer, der bereits früh erkannte, dass Reichtum und Armut nicht unbedingt auf Verdiensten oder Versäumnissen beruhen, war Marie Jean Antoine Nicolas Caritat, Marquis de Condorcet. Der Philosoph, Mathematiker und liberale Aufklärer setzte sich nicht nur für die Gleichberechtigung von Frauen und die Abschaffung der Sklaverei ein. In seinem 1794 erschienenen „Entwurf eines historischen Gemäldes der Fortschritte des menschlichen Geistes“ fragt sich der Marquis, ob die ungerechten Einkommens- und Vermögensverhältnisse und die Unfähigkeit des Staates, dagegen vorzugehen, eines Tages Vergangenheit sein werden? </p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>„Um jener wirklichen Gleichheit, dem letzten Zwecke der Staatskunst, zu weichen, welche nur noch eine solche Ungleichheit bestehen lässt, die im Interesse aller nützlich ist, weil sie die Fortschritte der Zivilisation, des Unterrichts und der Industrie begünstigt, ohne weder Abhängigkeit noch Herabwürdigung, noch Verarmung nach sich zu ziehen?</p>
<p>O-TON 14:</p>
<p>Und dann hat er die Idee gehabt, die im Grunde auch allen unseren Versicherungssystemen, also nicht nur der Sozialversicherung, sondern auch der Gesundheitsversicherung zugrunde liegt, nämlich dass wir uns doch versichern können gegen die Lebensrisiken, vor denen wir stehen. Dass wir soziale Gerechtigkeit als eine Versicherungsangelegenheit betrachten.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Condorcet plädiert für eine Art Pflichtversicherung, in die alle einzahlen. Ausgezahlt wird nur im Fall von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall oder frühzeitigem Tod des Ernährers, damit die betroffene Familie nicht verarmt. Damit war der französische Philosoph ein früher Wegbereiter für den Sozialstaat, wie er heute in vielen Ländern besteht. Der Begriff der sozialen Gerechtigkeit taucht in der Philosophie allerdings erst rund 150 Jahre später auf. Mitte des 19. Jahrhundert schreibt der Jesuit Luigi Taparelli d’Azeglio, einer der Begründer der katholischen Soziallehre, angesichts der katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen der armen Bevölkerung während der Industrialisierung erstmals über „giustizia sociale“.  </p>
<p>O-TON 15: (Hinsch)</p>
<p>Also Not und Elend derjenigen, die nicht in privilegierten gesellschaftlichen Positionen lebten. Und dann kamen natürlicherweise Forderungen nach größerer Gleichstellung, nach Verhinderung von Verelendung und dergleichen auf und das ist das, was man seitdem mit der Idee der sozialen Gerechtigkeit verbindet. Und diese Idee wurde im Grunde erst mit der großen Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre und mit dem New Deal von Roosevelt in den Vereinigten Staaten wirklich voll erfasst und umgesetzt.</p>
<p>ATMO: Börsenglocke + Börsenatmo</p>
<p>ZITATORIN: </p>
<p>Wall Street in Panic as stocks crash. Billions lost. </p>
<p>MUSIK 9 (Z8035054114 Paul Whiteman &amp; His Orchestra: Sweet Sue, Just You 0‘12)</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Wallstreet in Panik. Milliardenverluste!</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>… titelt der „Brooklyn Daily Eagle“ in der Spätausgabe vom 29. Oktober 1929.</p>
<p>MUSIK 10 (Z9457573208 Bix Beiderbecke &amp; His Gang: At The Jazz Band Ball 0‘28)</p>
<p>ZITATORIN: (kurz frei, dann als Atmo unter Erzählerin)</p>
<p>Wallstreet was in a panic today, with no one to guide it out. Stocks broke terrifically without any support whatever. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Es ist der Tag, der in Amerika als Schwarzer Donnerstag und in Europa als Schwarzer Freitag in die Geschichtsbücher eingeht. Der Crash der New Yorker Börse markiert den Beginn der schwersten Wirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts. Innerhalb weniger Stunden stürzen die Aktienkurse ins Bodenlose. Banken sind zahlungsunfähig, Geschäfte und Fabriken schließen ihre Pforten. Millionen Menschen verlieren ihr Vermögen, ihren Besitz, ihren Arbeitsplatz. Dazu kommt eine verheerende Dürre im Mittleren Westen Amerikas, die viele Landwirte in den Ruin treibt und eine Hungersnot auslöst.</p>
<p>O-TON 16: (Hinsch) </p>
<p>Und diese beiden Ereignisse haben Roosevelt klar vor Augen geführt, dass es Dinge gibt, die sozusagen einzelmenschlich nicht bewältigbar sind und die auch einzelne Wohltätigkeitsorganistionen, Charitys oder christliche Einrichtungen, die sich um notleidende Menschen kümmern, mit denen sie nicht zurechtkommen können, hier muss etwas sehr viel Massiveres geschehen. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Der sogenannte „New Deal“ bezeichnet eine Reihe von Reformen, die die Not der Menschen lindern und die Wirtschaft ankurbeln sollen. Abgesehen von zinsgünstigen Krediten für Landwirte und Unternehmer und der Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 25 auf 79 Prozent, werden den Banken riskante Wertpapiergeschäfte untersagt und Einlagensicherungsfonds für Sparguthaben eingerichtet. Zeitweise arbeiten rund sieben Millionen Amerikaner in Jobs, die der Staat geschaffen hat, und fast jeder Fünfte bezieht staatliche Hilfsleistungen. Wie erfolgreich Roosevelts New Deal am Ende tatsächlich war, ist allerdings umstritten. </p>
<p>O-TON 17: (Hinsch)</p>
<p>Es wird aber praktisch von niemanden bezweifelt, dass der New Deal insgesamt es geschafft, hat, erstens den Glauben in die Fähigkeit einer liberalen Demokratie, auch mit schweren Krisen zurechtzukommen, bewiesen hat und zweitens, dass ein wesentliches Element darin besteht, dass der Staat massive wirtschaftliche Unterstützung leistet für große Teile der Bevölkerung.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft korrigierte der New Deal jedoch nicht. Dabei wird längst nicht jede Ungleichheit auch als ungerecht wahrgenommen. Für den Philosophen Wilfried Hinsch ist Ungleichheit in Einkommen und Vermögen zum Beispiel gerechtfertigt, wenn sie nicht nur dem Einzelnen, sondern allen Vorteile bringt. Auch Armutsforscher Butterwegge findet nicht, dass alle gleich viel verdienen und besitzen müssen. </p>
<p>O-TON 18: (Butterwegge)</p>
<p>Also es soll schon Unterschiede in der Gesellschaft geben, aber sie müssen natürlich im Rahmen bleiben, d.h. wenn der Vorstandsvorsitzende 268-mal so viel verdient wie ein Arbeiter, der in seinem Konzern tätig ist, dann hat das mit sozialer Gerechtigkeit nichts mehr zu tun. Wenn der Arzt, sagen wir mal, weil er eine längere Ausbildung hat, weil er mehr Verantwortung trägt, wenn der doppelt so viel verdient, wie die Krankenschwester dann finde ich das akzeptabel. </p>
<p>MUSIK 11 (Z8046363105 Will Dorey: Care About Me 0‘37)</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Erst wenn es für Ungleichheit keine zufriedenstellende Begründung gibt, entsteht der Eindruck, das sei ungerecht. Und dabei geht es nicht nur um die Verteilung von Einkommen und Vermögen, sondern auch um die Möglichkeiten, etwas aus seinem Leben zu machen. Für den Philosophen John Rawls muss soziale Gerechtigkeit darum immer auch das Glück der Menschen berücksichtigen, die am schlechtesten gestellt sind. In seinem 1971 erschienenen Buch „A Theory of Justice“ entwickelt der US-Amerikaner die Idee von Gerechtigkeit als Fairness. </p>
<p>O-TON 20: (Hinsch)</p>
<p>Dazu gehört auch diese Idee, dass Ungleichheit rechtfertigungsbedürftig ist. Die Idee, dass wir eine Gesellschaft haben wollen, in der sich Menschen gegenübertreten, die mit Selbstachtung und Selbstvertrauen ihr Leben bestreiten können und miteinander umgehen können. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Soweit die Theorie. Die Realität sieht allerdings anders aus. Dazu ein paar Zahlen aus der Statistik: 2020 schafften 35 Prozent aller deutschen Schüler und Schülerinnen das Abitur. Bei Schülern mit ausländischen Wurzeln waren es 14 Prozent. Also weniger als die Hälfte. Christoph Butterwegge:</p>
<p>O-TON 21: (Butterwegge)</p>
<p>Es ist nicht so, dass ein Kind aus einer Familie des Paketzustellers die gleichen Chancen hat wie das Kind, das aus einer Großunternehmerfamilie kommt, wo eine Villa ist, ist auch ein Weg zum Abitur, zum Studium und zur beruflichen Karriere, und es ist ganz klar, dass da Kinder aus reichen Familien viel bessere Startchancen haben.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>In kaum einem anderen westlichen Land sind die Bildungserfolge der Kinder so stark mit dem sozialen Status der Eltern verknüpft wie in Deutschland. Niedriges Einkommen oder ein Migrationshintergrund sind die größten Hindernisse für einen erfolgreichen Schulabschluss. </p>
<p>MUSIK 12 (Z8045759106 Sensorama: New Aged 1‘00)</p>
<p>O-TON 22: (Enise)</p>
<p>Diese allgemeine Bildung, Beispiel, wenn deine Eltern Arzt oder Anwalt oder so sind und du wächst dann in so einer Familie auf, dann wachsen diese Kinder schon meistens disziplinierter auf und wissen schon von Anfang an, lernen ist wichtig oder später was zu erreichen und erfolgreich zu werden oder mit dem Beruf Karriere zu machen, das wissen die schon von Anfang an, dass das wichtig ist, weil die ihre Eltern als Vorbild haben.</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Wer nicht über ein akademisches Bildungserbe von Eltern und Großeltern verfügt, hat in der Schule schlechte Karten und braucht auf Chancengleichheit nicht zu hoffen. </p>
<p>O-TON 23: (Bella)</p>
<p>Ich kann vermuten, was es bedeuten könnte, also Chancengerechtigkeit, dass jeder eine Chance verdient, eine gerechte Chance sozusagen, so wie jeder andere Mensch gleichbehandelt wird, so stelle ich mir das vor.</p>
<p>O-TON 24: (Yvonne)</p>
<p>Dass jeder die gleiche Chance hat, das zu machen, was er will und das zu erreichen, was er will, dass jeder, egal jetzt ob Junge oder Mädchen, dass die gleichbehandelt werden, und dass nicht einer besser behandelt wird. </p>
<p>O-TON 25: (Hinsch)</p>
<p>Soziale Gerechtigkeit ist wie viele ethische oder sozial-ethische Ideale eine Frage der Abstufung, also es gibt mehr oder weniger davon, und ganz sicher gibt es auch in Gesellschaften, die wir nicht als himmelschreiend ungerecht betrachten würden, wie die deutsche Gesellschaft, gibt es gleichwohl gravierende Ungerechtigkeiten. Etwa in den Bildungschancen von Menschen, aber auch allgemeiner in den Chancen der Selbstverwirklichung und die Möglichkeiten eigene Lebenspläne zu entwickeln und dann auch zu verfolgen. </p>
<p>O-Ton 26: (Butterwegge)</p>
<p>Wenn der Gegensatz zwischen Arm und Reich so ausgeprägt wie bei uns, dass auf der einen Seite, 150 oder 200 Multimilliardäre existieren und auf der anderen Seite, die Armut sich immer mehr in die Mitte der Gesellschaft hinein ausbreitet, dann gibt es wenig soziale Gerechtigkeit. Soziale Gerechtigkeit hieße, es muss Umverteilung von oben nach unten geben, damit der Reichtum gerechter verteilt ist und damit mehr Menschen die Möglichkeit haben in dieser reichen, wohlhabenden Gesellschaft gut zu leben und damit natürlich auch ein glücklicheres Leben zu führen. </p>
<p>MUSIK 13 (Z8046012101 Conrad Oleak / Marcel Rainer: Reading The Indictment (full) 1‘12)</p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Alle Menschen sind gleich. Aber inwiefern? Als politische Zielsetzung und gesellschaftliche Wunschvorstellung wird soziale Gerechtigkeit von nahezu niemandem in Frage gestellt. Trotzdem ist soziale Ungleichheit schon lange ein Merkmal menschlicher Gesellschaften. Und was konkret unter sozialer Gerechtigkeit zu verstehen ist und inwieweit soziale und ökonomische Ungleichheiten gerechtfertigt sind oder von staatlicher Seite abgefedert werden müssen – darüber gehen die Meinungen weit auseinander. </p>
<p>O-TON 27: (Butterwegge)</p>
<p>Es sollte ja in der Gesellschaft ein Diskurs darüber stattfinden, was soziale Gerechtigkeit ist und wie man sie am besten verwirklicht, wenn es darüber nicht unterschiedliche Meinungen gäbe, wäre das ja eine sehr langweilige Gesellschaft, gerade im Kapitalismus ist es nötig, dass man sich darüber klar wird, was sozial gerecht wäre und wie man es vielleicht auch politisch in die Wege leitet. ...Darüber sich zu streiten, sich auseinanderzusetzen, das macht eigentlich Demokratie aus. </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Enge in der Stadt - Alltag und Gesundheit</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/enge-in-der-stadt-alltag-und-gesundheit-1/1869714</link>
      <pubDate>Thu, 10 Jul 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">892004d9-1997-48ec-8313-8e5f45b082f4</guid>
      <description>Machen Städte krank? Tatsächlich ist der Mensch evolutionsbedingt nicht für ein dauerhaftes Zusammenleben auf engem Raum geschaffen. Die Wissenschaft sucht nach (Aus)Wegen für ein gutes Leben in der Stadt. (BR 2021)</description>
      <enclosure length="22485120" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1869714/c/feed/enge-in-der-stadt-alltag-und-gesundheit-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:25</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Machen Städte krank? Tatsächlich ist der Mensch evolutionsbedingt nicht für ein dauerhaftes Zusammenleben auf engem Raum geschaffen. Die Wissenschaft sucht nach (Aus)Wegen für ein gutes Leben in der Stadt. (BR 2021)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2c9f3454-31dc-45e5-9f04-7bef77639f04.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Machen Städte krank? Tatsächlich ist der Mensch evolutionsbedingt nicht für ein dauerhaftes Zusammenleben auf engem Raum geschaffen. Die Wissenschaft sucht nach (Aus)Wegen für ein gutes Leben in der Stadt. (BR 2021)</p>
<p>Autor/in dieser Folge: Lukas Grasberger<br/> Regie: Eva Demmelhuber<br/> Es sprachen: Andreas Neumann, Andreas Dirscherl, Friedrich Schloffer<br/> Technik: Roland Böhm, Monika Gsaenger<br/> Redaktion: Thomas Morawetz<br/><br/></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:</p>
<p> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-enge-in-der-stadt-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><br/></p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p> </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es gebe, sagt der Professor für Psychologie an der University of Oxford, ein seit</p>
<p>der Urzeit sehr tief in unserer Biologie verankertes Limit für die Anzahl der</p>
<p>Freunde, die ein Mensch haben kann.</p>
<p>O-Ton 2 Dunbar OV Sprecher</p>
<p>“Die Größe unserer sozialen Gruppen wird direkt vorbestimmt durch die Größe</p>
<p>unserer Gehirne. Wir haben dort eine nur begrenzte Anzahl von ,Slots&#39; in</p>
<p>denen die Identitäten unserer näheren Mitmenschen Platz finden können.”</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dieses Konzept einer kognitiven Grenze für die Anzahl an Menschen, mit denen</p>
<p>eine Einzelperson soziale Beziehungen unterhalten kann - eine Zahl von</p>
<p>Individuen, von denen man den Namen und die wesentlichen persönlichen</p>
<p>Verhältnisse kennt - hat Robin Dunbar berühmt gemacht. Die sogenannte</p>
<p>“Dunbar-Zahl” von 150 hat längst Eingang in psychologische</p>
<p>Nachschlagewerke gefunden. Der Oxford-Forscher Dunbar sieht diese Zahl als</p>
<p>eine Funktion des Neocortex an, also eines Teils der Großhirnrinde, in der der</p>
<p>Mensch einen zusammenhängenden Eindruck seiner Umwelt entwickelt. Die</p>
<p>Großhirnrinde ist auch verantwortlich dafür, dass wir Angst wie Stress</p>
<p>emotional erleben. Und dieser Stress entsteht, wenn uns unser “Nächster” zu</p>
<p>nahe kommt.</p>
<p>-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------</p>
<p>Dieses Manuskript wird ohne Endkorrektur versandt und darf nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.</p>
<p>Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!</p>
<p>© Bayerischer Rundfunk 2022</p>
<p>Bayern 2-Hörerservice</p>
<p>Bayerischer Rundfunk, 80300 München; kostenlose Service-Nr.: 0800-5900 222 / Fax: 089/5900-3862 service@bayern2.de;</p>
<p>www.bayern2.de</p>
<p>4</p>
<p>O-Ton 3 Dunbar OV Sprecher</p>
<p>&quot;Du fährst zusammengedrängt in der U-Bahn, die Mitreisenden nerven dich,</p>
<p>rammen dir den Ellenbogen in die Seite, klauen dir die Zeitung oder das</p>
<p>Sandwich. Hier scheint sich ins Gegenteil zu verkehren, wozu sich</p>
<p>Menschenaffen ursprünglich zu Gruppen zusammengeschlossen haben: zum</p>
<p>Schutz vor Raubtieren. Der moderene Mensch muss Wege finden, mit diesem</p>
<p>sozialen Stress umzugehen.”</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ob in der Londoner U-Bahn, in New York oder München: Zu Beginn der</p>
<p>Corona-Krise schien der Großstadtstress wie weggefegt: Gähnende Leere auf</p>
<p>Straßen, in Bussen und Bahnen. Doch bald mussten die Bewohner der</p>
<p>Ballungsräume feststellen: Der Stress, der durch zu viele Menschen auf einem</p>
<p>Fleck entsteht, der so genannte Dichtestress: Er ist nicht weg. Er ist nur</p>
<p>woanders. Mangels geöffneter Lokale und Läden traten sich die Stadtbewohner</p>
<p>in den Parks und Naherholungsgebieten auf die Füße. Und auch der</p>
<p>Verkehrsstress hat allem Anschein nach letztlich nicht ab - sondern</p>
<p>zugenommen. Einer Greenpeace-Studie zufolge wird in deutschen Städten nun</p>
<p>deutlich mehr Auto gefahren, da viele Menschen nun öffentliche Verkehrsmittel</p>
<p>aus der Sorge vor Ansteckung meiden.</p>
<p>ATMO VERKEHRSLÄRM BERLIN kurz hoch, bleibt liegen</p>
<p>Dem Verkehrslärm auf der Spur ist die Berliner Klangforscherin Antonella</p>
<p>Radicchi von der TU Berlin. Sie hat sich auf die Bedeutung von Geräuschen für</p>
<p>die Stadtplanung spezialisiert. Radicchi führt auf so genannten Soundwalks, zu</p>
<p>Deutsch Klangspaziergängen, durch die Hauptstadt. Ergebnis dieser Streifzüge</p>
<p>ist eine Karte, die entspannende Orte ausweist – und solche die Lärmstress</p>
<p>verursachen. Einer der stressigsten Orte für Anonella Radicchi in dieser</p>
<p>Hinsicht: Die Leipziger Straße in Berlin-Mitte.</p>
<p>-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------</p>
<p>Dieses Manuskript wird ohne Endkorrektur versandt und darf nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.</p>
<p>Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!</p>
<p>© Bayerischer Rundfunk 2022</p>
<p>Bayern 2-Hörerservice</p>
<p>Bayerischer Rundfunk, 80300 München; kostenlose Service-Nr.: 0800-5900 222 / Fax: 089/5900-3862 service@bayern2.de;</p>
<p>www.bayern2.de</p>
<p>5</p>
<p>ATMO VERKEHRSLÄRM nochmal kurz hoch</p>
<p>O-Ton 4 Antonella Radicchi, Stadtplanerin und Soundforscherin, TU</p>
<p>Berlin (OV schon drüber)Sprecherin</p>
<p>&quot;Es ist wirklich ein Alptraum, da entlangzugehen. Man hat diese</p>
<p>wunderschönen Arkaden, und dann grenzen sie an eine so laute Straße. Dieser</p>
<p>überdachte Fußweg ist ein Sammelpunkt für Luft- und Lärmverschmutzung.</p>
<p>Die Luft zirkuliert nicht, deshalb strömen die Abgase zwar hinein – kommen</p>
<p>aber nicht mehr hinaus. Dasselbe gilt für den Lärm. Und der wird durch die</p>
<p>Decke und die Fassade sogar noch reflektiert – und wird immer lauter.&quot;</p>
<p>ATMO VERKEHRSLÄRM, MIT HUPEN</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Oft rauben Staus auf der mehrspurigen Straße im Zentrum Berlins dem</p>
<p>Autofahrer den letzten Nerv. Auch in der österreichischen Hauptstadt Wien</p>
<p>stockte nach der ersten Coronaphase wieder oft der Verkehr. Dies habe nicht</p>
<p>nur mit der Sorge vor einer Corona-Infektion im Nahverkehr zu tun, sagt die</p>
<p>Wiener Verhaltensbiologin und Stadtforscherin Elisabeth Oberzaucher.</p>
<p>O-Ton 5 Elisabeth Oberzaucher, Verhaltensbiologin, Uni Wien</p>
<p>&quot;Viele Menschen steigen in ihr eigenes Auto ein, weil sie der Meinung sind: da</p>
<p>haben sie ein System verstanden, da kennen sie sich aus...&quot;</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Denn das Auto garantiere ein abgeschlossenes Territorium und schütze</p>
<p>generell die Individualdistanz.</p>
<p>-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------</p>
<p>Dieses Manuskript wird ohne Endkorrektur versandt und darf nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.</p>
<p>Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!</p>
<p>© Bayerischer Rundfunk 2022</p>
<p>Bayern 2-Hörerservice</p>
<p>Bayerischer Rundfunk, 80300 München; kostenlose Service-Nr.: 0800-5900 222 / Fax: 089/5900-3862 service@bayern2.de;</p>
<p>www.bayern2.de</p>
<p>6</p>
<p>Dass einem andere im städtischen Raum zunehmend auf die Pelle rücken, ist</p>
<p>mehr als eine persönliche Wahrnehmung: Offiziellen Statistiken zufolge nimmt</p>
<p>die Stadtbevölkerung zu. Im Jahr 2050 werden nach Berechnungen der</p>
<p>Vereinten Nationen 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten wohnen. Im</p>
<p>Großraum München lebt bereits heute eine Million Menschen mehr als zu</p>
<p>Beginn der 80er-Jahre. Es ist eine zunehmende Beengtheit, die - auch jenseits</p>
<p>von Infektionsängsten - als nervenaufreibend oder gar bedrohlich empfunden</p>
<p>wird – und für die Fachleute den Begriff “Crowding” ersonnen haben.</p>
<p>O-Ton 6 entfällt</p>
<p>O-Ton 7 Oberzaucher</p>
<p>Und Crowding führt dann dazu, dass damit unterschiedliche negative</p>
<p>Konsequenzen verbunden sind, einfach deswegen, weil andere Menschen im</p>
<p>Wege sind.&quot;</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Mitmensch: Er ist im beengten städtischen Raum selten einfach nur da,</p>
<p>betont die Evolutionsbiologin Oberzaucher: Er bewegt sich – wie wir selbst -</p>
<p>von A nach B. Wir nehmen den Anderen aus dem Augenwinkel wahr,</p>
<p>berechnen bewusst oder unbewusst, wann und ob er unseren Weg kreuzt.</p>
<p>Oder spricht er uns womöglich sogar an?</p>
<p>O-Ton 8 Oberzaucher</p>
<p>&quot;...und das führt dann relativ schnell zu einer kognitiven Überlastung. Also wir</p>
<p>können mit unserem Gehirn da gar nicht mehr mithalten, und das ist das,</p>
<p>worauf wir dann mit Stress reagieren, und was negative Konsequenzen für uns</p>
<p>haben kann.”</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Ab wann Menschen die zunehmende städtische Enge als Stress erleben - das</p>
<p>unterliege indes individuellen wie auch kulturellen Faktoren, betont</p>
<p>Oberzaucher. Davor, den Begriff “Dichte” zu eindimensional zu definieren,</p>
<p>warnt auch der Stadtforscher Christopher Boyko von der nordenglischen</p>
<p>Lancaster University. Dichte auf bloße Kennzahlen wie etwa Gebäude, Personen</p>
<p>oder Autos pro Quadratkilometer zu reduzieren - das greife zu kurz, sagt</p>
<p>Boyko.</p>

<p>O-Ton 9 Christopher Boyko, Stadtforscher, Lancaster University, engl,</p>
<p>dt. OV Sprecher</p>
<p>“Unsere Wahrnehmung, ob es überfüllt ist, kann sehr stark von unseren</p>
<p>persölichen Erfahrungen abhägen. Vielleicht bin ich mit einer großen Familie in</p>
<p>beengten Verhältnissen aufgewachsen, oder einer Stadt, die immer schon</p>
<p>rammelvoll und hektisch war? Dann stresst mich das weniger. Wir haben die</p>
<p>Leute im Zuge einer unserer Forschungsarbeiten gefragt: Was ist für Sie hohe</p>
<p>Dichte, was verstehen Sie unter niedriger Dichte? Und die Breite der Antworten</p>
<p>war enorm. Manche sagten, bei zwei Häusern pro Hektar gehe für sie eine</p>
<p>starke Verdichtung an, bei anderen lag diese Zahl bei eintausend Häusern pro</p>
<p>Hektar. Manche von uns brauchen eine Art Schutzzone um sich herum, eine</p>
<p>Art Blase, die größer ist, als bei anderen. Und wenn jemand in diese Blase</p>
<p>eindringt, dann bekommen sie Beklemmungen, fühlen sich gestresst. Es kann</p>
<p>also sein, dass wir jeweils den gleichen Platz in einem Raum zur Verfügung</p>
<p>haben, ich mich damit gestresst fühle - und du dich nicht.”</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Als Wissenschaftler, sagt Christopher Boyko, verfolge er einen ganzheitlichen</p>
<p>Ansatz bei der Bewertung urbaner Dichte.</p>

<p>Zusätzlich zu den üblichen Indikatoren dafür hat Boyko auch subjektive</p>
<p>Faktoren unter die Lupe genommen. Der britische Wissenschaftler spricht hier</p>
<p>von “wahrgenommener Dichte”. Für das Forschungsprojekt &quot;lebenswerte</p>
<p>Städte&quot; hat sein Team von der Lancaster University nicht nur &quot;harte Zahlen&quot;</p>
<p>ausgewertet, sondern Dichte auch in Beziehung zur so genannten Deprivation</p>
<p>gesetzt. Also: gibt es in einem Stadtviertel eine Benachteiligung, gibt es</p>
<p>Mängel in Punkto Gesundheit, Bildung oder hohe Arbeitslosigkeit?</p>

<p>O-Ton 10 Boyko OV Sprecher</p>
<p>“Dabei stachen zwei erstaunliche Erkenntnisse heraus: In Gegenden mit hoher</p>
<p>Dichte und niedriger Deprivation fühlten sich die Menschen am wohlsten:</p>
<p>Solche Gegenden schnitten gut bei der Walkability ab, also der</p>
<p>Fußgängerfreundlichkeit. Dichte wirkte dort positiv - und führte dazu, dass</p>
<p>Bewohner mehr Möglichkeiten hatten, zu Geschäften zu kommen, fußläufig</p>
<p>Gelegenheiten fanden, im öffentlichen Raum zu spielen, oder weiter mobil zu</p>
<p>sein: etwa einen Bus oder einen Zug zu erreichen. Dadurch, dass mehr</p>
<p>Menschen auf der Straße waren, waren sie auch aufmerksamer, was in ihrer</p>
<p>Umgebung passiert - und hatten ein Auge auf potenzielle Störenfriede oder</p>
<p>Kriminelle. Es gab dort im Gegensatz zu Gegenden mit geringer Dichte ein</p>
<p>spezifisches Gemeinschaftsgefühl.”</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Dagegen, betont Boyko, war der Wohlfühlfaktor in Gegenden mit geringer</p>
<p>Dichte, aber vielen Benachteiligungsfaktoren am niedrigsten.</p>
<p>O-Ton 11 Boyko OV Sprecher</p>
<p>“Die Menschen dort leben ziemlich versprengt, ziemlich isoliert: Sie haben</p>
<p>keinen Kontakt zu ihren Nachbarn, man schaut auch nicht auf sich.</p>

<p>Ohne Auto kommen sie nirgendwohin, sie finden dort gleichzeitig aber auch</p>
<p>keine angenehmen Treffpunkte vor.”</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Für sein Buch “Stress and the City” hat der Berliner Psychiater Mazda Adli</p>
<p>umfangreiche Daten aus Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Architektur</p>
<p>und Stadtplanung zusammengetragen. Eine Erkenntnis: Sozialer Stress wird</p>
<p>verstärkt. wenn sich Stadtbewohner Stressfaktoren hilflos ausgeliefert fühlen.</p>

<p>O-Ton 12 Adli</p>
<p>&quot;Der Stress, der uns in der Stadt krank macht, ist allen Hinweisen nach</p>
<p>sozialer Stress. (...), vor allem dann, wenn er chronisch ist, wenn er als</p>
<p>unbeeinflussbar oder unvorhersehbar erlebt wird. Wir sprechen dann von</p>
<p>geringer environmental mastery. Environmental mastery bezeichnet das</p>
<p>Gefühl, die eigene Umwelt den eigenen Bedürfnissen entsprechend</p>
<p>beeinflussen zu können.(...) Also alles, was wir tun, das unsere</p>
<p>Kontrollerfahrung über eine Lärmquelle verbessert, hilft dabei, diesen Lärm</p>
<p>nicht als so belastend zu empfinden.&quot;</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Der Psychologe Mazda Adli hält es grundsätzlich für gesundheitsfördernd, sich</p>
<p>genauer mit der Quelle des Übels zu beschäftigen – und damit, was die</p>
<p>Alternativen wären. Lärm, sagt Adli, werde zunächst als mögliche Bedrohung</p>
<p>registriert, der Körper in Alarmbereitschaft versetzt – mit Flucht oder Angriff</p>
<p>als Handlungsoptionen. Wer in einer anonymen Hochhaussiedlung nicht einmal</p>
<p>wisse, wer der Krach machende Nachbar ist, an den man sich wenden könnte:</p>
<p>Der erlebe einen Kontrollverlust, ein Gefühl der Ohnmacht.</p>


<p>O-Ton 15 Mazda Adli, Psychiater, Autor &quot;Stress and the City&quot;</p>
<p>(...)Und dann sind die Folgen, psychische Probleme, Konzentrationsprobleme -</p>
<p>aber auch Herz-Kreislauferkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck.”</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Unter den negativen Begleiterscheinungen des urbanen Lebens leiden</p>
<p>besonders diejenigen, die nicht in der Lage sind, wegzuziehen: Alte, Kranke,</p>
<p>auch Migranten, die dem Lärm, Luftverschmutzung oder auch Hitzestress in</p>
<p>urbanen Betonwüsten nicht entfliehen können. Das Stadtleben mache also</p>
<p>nicht jeden gleich krank, betont Mazda Adli. Dabei kommt der Berliner</p>
<p>Psychiater auf das Beispiel Schizophrenie zu sprechen. Menschen, die ohnehin</p>
<p>eine Veranlagung für psychische Erkrankungen haben, zögen eher in die Stadt,</p>
<p>weil sie auf eine bessere Gesundheitsversorgung hofften - oder einer größeren</p>
<p>Stigmatisierung auf dem Land entkommen möchten. Dort könnten sie sich</p>
<p>dann aber in einer Umgebung wiederfinden, die selbst seelische Störungen</p>
<p>begünstige. Im Fall von schizophrenen Psychosen gelte dies etwa, wenn man</p>
<p>bereits früh dem Stadtstress ausgesetzt sei, sagt Adli.</p>

<p>O-Ton 16 Adli</p>
<p>&quot;Ganz besonders gut ist dieser Zusammenhang für die Schizophrenie gezeigt,</p>
<p>die Stadtbewohner mindestens doppelt so häufig betrifft. Die diejenigen, die</p>
<p>ihre gesamte Kindheit in der Stadt aufgewachsen sind, sogar fast dreimal so</p>
<p>häufig betrifft. Und da gibt es sogar einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zur</p>
<p>Anzahl der Jahre, die wir in einer Stadt aufgewachsen sind. Und auch zu der</p>
<p>Größe der Stadt, in der wir aufgewachsen sind und dem Schizophrenie-Risiko</p>
<p>später im Erwachsenenalter.&quot;</p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Wachse ein Mädchen oder ein Bub in der Stadt auf, so nehme die</p>
<p>Wahrscheinlichkeit einer schizophrenen Erkranung mit der Größe der Stadt und</p>
<p>der Anzahl der dort verbrachten Lebensjahre zwar zu. Ziehe das Kind aber</p>
<p>dann von der Stadt aufs Land, so sinke sein Schizophrenie-Risiko wieder. Aber</p>
<p>wenn Kinder so stress-resilient sind: Könnte man ihnen dann nicht</p>
<p>antrainieren, mit urbanem Stress umzugehen - Stadt also von Klein auf lernen?</p>
<p>In der Stadt groß zu werden ist nicht per se schlecht für die Gesundheit, betont</p>
<p>Mazda Adli.</p>
<p>O-Ton 17 Adli</p>
<p>“Man kann sogar sagen, dass das Aufwachsen in der Stadt trotz alledem sehr</p>
<p>viele Vorteile in sich vereint. Vielleicht sogar mehr Vorteile als Nachteile. Denn</p>
<p>man muss auch sagen, dass wir insgesamt auf Stress empfindlicher reagieren,</p>
<p>wenn wir in der Stadt aufgewachsen sind, ist für die meisten Menschen ja auch</p>
<p>ein positiver Anpassungsprozess, und zeigt, dass wir trainierter sind, in der</p>
<p>Stadt mit der Betriebsamkeit und der höheren Ereignisdichte gut umzugehen.”</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der bekannte US-Soziologe Richard Sennett sagt sogar: Kinder, die in der Stad</p>
<p>groß werden, haben eine bessere Chance, zu demokratischen Bürgern zu</p>
<p>werden. Sie lernten von Klein auf, was kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche</p>
<p>Komplexität bedeuten. Auch für alleinerziehende Eltern sei das Leben in der</p>
<p>Stadt, wo sie leichter Betreuungsplätze finden, womöglich stressfreier als auf</p>
<p>dem Land, gibt der Psychologe Amazda Adli zu bedenken. Insgesamt biete die</p>
<p>Stadt vielen Menschen mehr Vor- als Nachteile. Adli spricht von urban</p>
<p>advantage, dem städtischen Vorteil. Der liegt nicht nur in einem besseren</p>
<p>Zugang zu Schulen und Hochschulen, sondern auch in einer größeren Auswahl</p>
<p>an Jobs, mehr Freizeitangebot und einer besseren Gesundheitsversorgung.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Tyrannenmord - Heldentat oder Verbrechen?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-tyrannenmord-heldentat-oder-verbrechen/2107358</link>
      <pubDate>Wed, 09 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b4a45bdf-18e7-4b55-bb5d-bc5144d20073</guid>
      <description>Ein Despot unterdrückt sein Volk. Darf man ihn töten, um Unrecht zu beenden? Von Brutus bis Stauffenberg wirft der Tyrannenmord Fragen nach Moral, Recht und Verantwortung auf: Ist Widerstand Pflicht? Wann wird aus einem Attentäter ein Held? Von Linus Lüring </description>
      <enclosure length="20883456" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107358/c/feed/der-tyrannenmord-heldentat-oder-verbrechen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Linus Lüring</itunes:author>
      <itunes:summary>Ein Despot unterdrückt sein Volk. Darf man ihn töten, um Unrecht zu beenden? Von Brutus bis Stauffenberg wirft der Tyrannenmord Fragen nach Moral, Recht und Verantwortung auf: Ist Widerstand Pflicht? Wann wird aus einem Attentäter ein Held? Von Linus Lüring </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/74833a6b-5a21-44af-a2cf-8dac5a47001f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Despot unterdrückt sein Volk. Darf man ihn töten, um Unrecht zu beenden? Von Brutus bis Stauffenberg wirft der Tyrannenmord Fragen nach Moral, Recht und Verantwortung auf: Ist Widerstand Pflicht? Wann wird aus einem Attentäter ein Held? Von Linus Lüring </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Linus Lüring<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Katja Bürkle, Johannes Hitzelberger<br/> Technik: Heiko Hinrichs<br/> Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Sophie von Bechtolsheim, Historikerin und Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg<br/>Alexander Merkl, Professor für Theologische Ethik an der Universität Hildesheim<br/>Christoph Safferling, Professor für Völkerrecht an der Universität Erlangen-Nürnberg<br/>Michael Sommer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Oldenburg</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Omas Tasche und das Hitler-Attentat<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/omas-tasche-und-das-hitler-attentat-der-auftrag-1-4/ard/13546705/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Die Schüsse von Sarajewo<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/erster-weltkrieg-die-schuesse-von-sarajewo/ard/13609117/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Julius Cäsar - Konsul, Krieger und Diktator<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/julius-caesar-konsul-krieger-und-diktator/bayern-2/14400385/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Rede von Carlo Schmid, SPD-Politiker und Vizepräsident des Bundestages bei einer Feierstunde am 20.7.1958  <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://stiftung-20-juli-1944.de/reden/menschenrechte-und-tyrannenmord ">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Hintergründe zur Person Georg Elser und seinem Attentat auf Adolf Hitler am 8.11.1939  <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.georg-elser.de/ ">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Aquin, Thomas von (2008): Die Herrschaft der Fürsten. Stuttgart, Reclam. </p>
<p>Bechtolsheim, Sophie von (2019): Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter. Freiburg: Herder.</p>
<p>Merkl, Alexander (2025): Der Tyrannenmord. Ist gewaltsamer Widerstand legitim? in: Stimmen der Zeit 150 1, 13-22.</p>
<p>Montesquieu, Charles de Sécondat de (1884). Persische Briefe. Leipzig: Reclam. </p>
<p>Sommer, Michael (2024): Mordsache Caesar. Die letzten Tage des Diktators. München: C.H. Beck. </p>
<br/>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskript-tyrannenmord-oder-verbrechen-tyrann-mord-brutus-unrecht-heldentat-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Rom am 15. März des Jahres 44 vor Christus. Am Vormittag wird Gaius Julius Caesar eigentlich bei einer wichtigen Senatssitzung erwartet. Aber nach dem Aufstehen fühlt sich der römische Herrscher nicht gut. Er überlegt, ob er sich wirklich auf den Weg zum Senat machen soll.</p>
<p>OT 01 Sommer</p>
<p>Er hat dann opfern lassen, so wie man das in Rom eben machte. Vorzeichen eingeholt. Die Vorzeichen waren auch nicht gut. Seine Frau hatte in der Nacht vorher einen schrecklichen Albtraum gehabt. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Historiker Michael Sommer von der Uni Oldenburg hat diesen Tag genau erforscht.</p>
<p>OT 02 Sommer</p>
<p>Also alles das sprach irgendwie dagegen, dass es so ein richtig guter Tag werden würde. Und deswegen hat er erst mal beschlossen, zuhause zu bleiben.</p>
<p>Musik 2: The Minotaur –  1:10 Min</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dann aber wird Caesar von einem seiner besten Freunde besucht. Decimus Brutus. Dieser versucht ihn zu überreden, sich doch auf den Weg zu machen. Er werde im Senat erwartet und müsse unbedingt erscheinen. </p>
<p>OT 2.2. Sommer</p>
<p>Was Cesar nicht wusste in dem Moment, Decimus Brutus, was war sein Freund. Aber er war auch einer der Mitverschwörer. Das waren 60 Senatorin, die Caesar ans Leben wollten und die alle schon im Senat auf ihn mit gezückten Dolchen warteten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Lange hatte es eine Art Rotationsprinzip an der Spitze der römischen Republik gegeben. Das hieß, unterschiedliche Senatoren konnten abwechselnd regieren. Zu Beginn des Jahres 44 vor Christus jedoch hat sich Caesar eigenmächtig zum Alleinherrscher ausrufen lassen. Er verfügt jetzt über eine riesige Machtfülle.</p>
<p>OT 03 Sommer</p>
<p>Und spätestens da wussten die Senatoren, was die Stunde geschlagen hatte. Der Mann würde eben nicht mehr von dieser Macht lassen.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Deshalb wird Caesar den 15. März im Jahr 44 vor Christus nicht überleben. </p>
<p>Musik 3: Zure –  1:52 Min</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sein Tod gilt bis heute als Musterbeispiel für einen Tyrannenmord: Die Tötung eines unrechtmäßigen Herrschers. Eines machthungrigen Herrschers, dem das Wohl des Volkes nicht an erster Stelle steht. Gleichzeitig ist der Tyrannenmord seit jeher heftig umstritten. Ist er wirklich zu rechtfertigen? Unzählige Historiker, Juristinnen, Schriftsteller aber auch Theologen oder Philosophinnen haben sich mit dem Tod von Caesar, aber auch Attentatsversuchen etwa auf Adolf Hitler beschäftigt. Davon wird später noch die Rede sein. Mit einem Tyrannenmord sind komplexe Fragen verbunden: Darf man das - einen Menschen, einen Tyrannen umbringen, um ein Volk vermeintlich zu retten? Was macht einen Tyrannen überhaupt aus? Sind vielleicht doch noch andere Wege als ein Mord denkbar? Und: Wann ist Widerstand nicht nur erlaubt, sondern wird vielleicht sogar zur Pflicht? </p>
<p>Musik 4: The Minotaur – siehe oben – 23 Sek</p>
<p>MUSIK</p>
<p>Zurück zum Morgen des 15. März 44 vor Christus. Decimus Brutus redet energisch auf Caesar ein und hat Erfolg. Dieser lässt sich in einer Sänfte zum Senat tragen. Caesar will sich gerade auf den Stuhl auf einem Podium setzen …</p>
<p>OT 04 Sommer</p>
<p>Und dann kam das Zeichen eines der Verschworenen, der zerrte so ein bisschen an seiner Toga wie durch Zufall. Und dann stürzten die Senatoren da auch schon auf ihn zu. Über 20 Dolchstiche haben es hier gesagt getroffen. Angeblich soll nur ein einziger tödlich gewesen sein. Aber das reichte ja also. Caesar war tot. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Verschwörer wähnen sich am Ziel - Caesar ist beseitigt.  Und da, wo bisher diese gigantische Machtfülle gewesen war, ist plötzlich ein Vakuum - mitten im Herzen der römischen Republik. Und das soll noch eine Rolle spielen … Doch erstmal feiern die Senatoren: Angeblich soll einer der Verschwörer damals “Sic semper tyrannis” gerufen haben, frei übersetzt “So möge es allen Tyrannen ergehen!”</p>
<p>MUSIK 5: Zure – siehe oben – 6 Sek</p>
<p>Aber was macht einen Tyrannen genau aus? </p>
<p>OT 05 Merkl</p>
<p>Es ist eine sehr herausfordernde Grenzziehung, die man da leisten muss. Begriffsfindung, die letztendlich die komplette Ideen- und Geistesgeschichte von den Anfängen prägt und begleitet. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Alexander Merkl, ist Professor für Theologische Ethik an der Uni Hildesheim. Er hat sich intensiv mit dem Tyrannenmord aus moralischer Perspektive beschäftigt. </p>
<p>OT 06 Merkl</p>
<p>Denn natürlich nicht jeder schlechte und vor allem nicht jeder subjektiv von einzelnen Menschen als schlecht empfundene Herrscher ist per se ein Tyrann. Und auch der Schaden, das ist ein großer Begriff.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dennoch gibt es zentrale Merkmale einer tyrannischen Herrschaft. Formuliert hat sie der griechische Philosoph Aristoteles bereits im vierten Jahrhundert vor Christus. Also schon lange vor Cäsar. </p>
<p>OT 07 Merkl</p>
<p>Man beruft sich in der Philosophie auch in der Theologie heute sehr gerne immer noch auf Aristoteles, dass eben der Tyrann keiner Rechenschaft unterliege, schreibt Aristoteles, dass er über alle regiert und dann eben - und das scheint mir besonders wichtig - zum eigenen, ausschließlich zum eigenen Vorteil und auf der anderen Seite eben zum Schaden des Gemeinwesens. Vielleicht noch einmal weiter hilfreich, dass keiner der sozusagen Untergebenen tyrannisierten Menschen freiwillig gehorcht und ein letzter Punkt, dass ein Tyrann eben die Herrschaft ja, gewaltsam an sich gerissen hat, zumindest nicht legitim. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zentraler Punkt ist also, dass ein Tyrann sein Volk unterdrückt und das oft mit Gewalt. Legt man diese Kriterien auf Caesar an, so ist das Fazit von Historiker Michael Sommer eindeutig. </p>
<p>OT 08 Sommer</p>
<p>Das Volk hat unter Caesar ganz sicher nichts zu leiden gehabt. Im Gegenteil. Deren Heilserwartungen projizierten sich regelrecht auf Caesar. Die erwarteten von ihm die Lösung ihrer Probleme.  </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Caesar, das betont Michael Sommer, hatte ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte, besonders für die der Soldaten aber auch von anderen Bevölkerungsgruppen.</p>
<p>OT 09 Sommer</p>
<p>Damit war eigentlich dann schon mal klar, in der Sicht der Öffentlichkeit war das dann kein legitimer Tyrannenmord, sondern das war eigentlich ein feiger Mordanschlag.</p>
<p>MUSIK 6: Zure – siehe oben – 20 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wann aber ist ein Tyrannenmord legitim? Kann er je legitim sein? Im Christentum, das sich dann im Laufe der Zeit mehr und mehr ausbreitet, ist die Antwort eindeutig. “Du sollst nicht töten” heißt es im fünften Gebot. Und im neuen Testament heißt es im Römerbrief:</p>
<p>Musik 7: Kyrie –   22 Sek</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. </p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Wer sich einer Obrigkeit widersetzt, der stellt sich diesem Verständnis nach gegen die Ordnung Gottes. Aber diese überlieferten Texte können nicht 1 zu 1 als moralischer Kompass gesehen werden. Davon geht auch, selbst im 13. Jahrhundert – wo noch die Ständeordnung etabliert war – Thomas von Aquin aus. Der Theologe und Philosoph ist einer der ersten bedeutenden Denker, die sich systematischer mit dem Gedanken an Widerstand befassen. </p>
<p>OT 10 Merkl</p>
<p>Thomas von Aquin ist eine ganz bedeutende Autorität im Kontext der scholastischen Theologie, aber auch darüber hinaus, weil er eben sehr stark, beispielsweise denn Aristoteles rezipiert und dann eben besonders wirkmächtig für die weitere Ideengeschichte wird. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schlussendlich erkennt Thomas von Aquin sehr wohl an, dass es Situationen geben könnte, in denen man sich einem verbrecherischen Herrscher widersetzen darf. Ja, das kann sogar geboten sein, wenn das Leid zu groß ist. Gleichzeitig warnt er davor, zu schnell zu handeln.</p>
<p>OT 11 Merkl  </p>
<p>Er sagt eben, nee, es ist nicht ganz auszuschließen, dass es moralisch vertretbar sein kann, einen Tyrannen zu töten. Wir müssen aber immer gucken. was sind die Folgen?</p>
<p>Musik 8: Hell Ensemble – 24 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Denn danach geht das Leben für die Untertanen weiter – und wird nicht automatisch besser. Konkret schreibt Aquin in seinem staatsphilosophischen Werk „Über die Herrschaft der Fürsten“: Das Volk soll sich nicht…</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>„… durch Unternehmungen gegen den Tyrannen in Gefahren verwickeln, die noch weit schwerwiegender sind als die Tyrannei selbst“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um zu verstehen, wie zentral dieser Gedanke ist, nochmal zum Tod Caesars. Unabhängig davon, ob der Mord gerechtfertigt war, ob er also ein Tyrann war oder nicht - die große Hoffnung der Verschwörer war ja, dass nach Caesars Beseitigung Jubel ausbrechen würde und anschließend die Republik wiederhergestellt werden würde.</p>
<p>OT 12 Sommer </p>
<p>Der Plan ist aber gründlich schiefgegangen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was der Historiker Michael Sommer hier andeutet, ist, dass nach Caesars Ermordung ein Bürgerkrieg ausbricht. Und in diesem allgemeinen Chaos wird die Republik nicht gerettet. Sondern sie geht endgültig unter. Das römische Kaiserreich entsteht - und damit eine dauerhafte Ein-Personen-Herrschaft, also das, was die Verschwörer ja eigentlich hatten verhindern wollen.</p>
<p>OT 13 Sommer</p>
<p>Cicero hat deswegen den Caesar-Mördern auch vorgeworfen, sie hätten zwar mit dem Mut von Männern, aber mit dem Verstand von Kindern gehandelt. Es ist eigentlich genau die richtige Analyse. Die haben sich schlicht und einfach keine Gedanken gemacht. Was machen wir, wenn es jetzt nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben? ((…))</p>
<p>MUSIK 9: Drunken Montage –  1:19 Min</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In den folgenden Jahrhunderten bauen zahlreiche andere Theoretiker auf der Haltung von Thomas von Aquin auf. Immanuel Kant zum Beispiel sieht im 18. Jahrhundert ein Widerstandsrecht sogar kritisch. Er befürchtete, dass dies leicht missbraucht werden könnte. Etwa, wenn einzelne es als Vorwand benutzen, um sich gegen den Staat und damit gegen die gesamte Gesellschaft aufzulehnen. Andere Staatstheoretiker sahen Menschen sehr wohl im Recht, sich Obrigkeiten zu widersetzen. Der Wegbereiter des Liberalismus, John Locke, vertrat im 17. Jahrhundert die Idee eines Gesellschaftsvertrages: Der Staat garantiert Sicherheit, dafür verpflichten sich Bürgerinnen und Bürger, dessen Regeln zu gehorchen. Wenn eine Regierung allerdings Gewalt gegen das Volk anwendet, so Locke - dann sei der Vertrag aufgekündigt und Widerstand werde möglich. Eine ganz ähnliche Richtung vertrat im 18. Jahrhundert Montesquieu. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wenn ein Fürst nicht mehr das Glück seiner Untertanen im Sinn hat, sondern sie unterdrücken und vernichten will, dann ist die Grundlage des Gehorsams dahin.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>schreibt er in den Persischen Briefen im Jahr 1721. Auch an den Theatern wird der Tyrannenmord als Motiv immer wieder aufgegriffen. Shakespeare zum Beispiel schreibt – „The Tragedy of Julius Caesar“. Dabei lässt er bewusst offen, ob der Mord gerechtfertigt war oder nicht. Friedrich Schiller hingegen bezieht eindeutig Position. Am deutlichsten wohl in „Wilhelm Tell“ Anfang des 19. Jahrhunderts. Darin geht es um den Freiheitskampf der Schweizer gegen die gewaltsame Fremdherrschaft der Habsburger. Wilhelm Tell tötet einen Landvogt und löst damit den Volksaufstand aus. </p>
<p>Musik 19: Overture Wilhelm Tell –  27 Sek</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, </p>
<p>wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden.</p>
<p>Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr</p>
<p>Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben -</p>
<p>Der Güter höchstes dürfen wir verteidg&#39;en</p>
<p>Gegen Gewalt - Wir stehn vor unser Land,</p>
<p>Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder!</p>
<p>MUSIK Ende</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wilhelm Tell ist bis heute ein sehr populäres Werk. Besonders geliebt wurde das Stück aber von einem Mann: Adolf Hitler. </p>
<p>MUSIK 11: Boarded! –  56 Sek</p>
<p>Er sah im Freiheitskämpfer Wilhelm Tell ein Vorbild als Führerfigur. In seinem Buch “Mein Kampf” finden sich etliche Hinweise auf Schillers Drama. Wilhelm Tell wird überall im nationalsozialistischen Deutschland regelmäßig gespielt und zahlreiche Schulbücher nehmen Bezug darauf. 1941 ändert sich das. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Der Führer wünscht, dass Schillers Schauspiel Wilhelm Tell nicht mehr aufgeführt wird und in der Schule nicht mehr behandelt wird.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So verfügt es im Juni 1941 Adolf Hitler in einer streng vertraulichen Anweisung an den Reichspropagandaminister Goebbels. Hitler ist klar geworden, dass in Wilhelm Tell der Tyrannenmord glorifiziert wird. Er fürchtet, dass Schillers Stück auch als Ansporn für den Widerstand gegen ihn dienen könnte. </p>
<p>MUSIK Ende</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zu diesem Zeitpunkt hatte Adolf Hitler bereits das Attentat von Georg Elser überlebt. Dieser hatte bereits zwei Jahre zuvor versucht, Hitler mit einer Bombe in Münchner Bürgerbräukeller zu töten. Während Elser als Einzelperson handelte, schließen sich damals andere zu einer Widerstandsgruppe zusammen. Kopf dieser Verschwörer ist der Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er wird 1944 versuchen, Hitler zu ermorden. Sophie von Bechtolsheim hat die Tat als Historikerin detailliert erforscht - denn sie ist Teil ihrer eigenen Familiengeschichte: Stauffenberg ist der Großvater von Sophie von Bechtolsheim. Zunächst war er allerdings kein entschiedener Gegner Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus, sagt von Bechtolsheim. Je länger aber die Herrschaft der Nationalsozialisten dauert, desto kritischer wird Stauffenberg.</p>
<p>OT 15 Bechtolsheim </p>
<p>Das ist ihm erst wohl so richtig im Krieg klar geworden, welcher Art das Menschenbild ist und dass es eben nicht eine Entgleisung ist von Dingen, die nicht unter Kontrolle sind, sondern dass es im Grunde systemisch ist und also das verstanden hat, war ihm klar, da musst du so sagen, die Wurzel dieses Übels bekämpft werden. Und es war ihm auch klar, dass nur eine Änderung, der der Umstände möglich ist durch den Tod Hitlers.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Stauffenberg hat sich dabei wahrscheinlich auch intensiv mit der Frage des Tyrannenmordes auseinandergesetzt. Davon geht seine Enkelin Sophie von Bechtolsheim aus.</p>
<p>OT 16 Bechtolsheim</p>
<p>Also auch da hat sich wohl mit Thomas von Aquin beschäftigt. Auf seinem auf seinem Schreibtisch lagen wohl Schriften von Thomas Aquin, das ist überliefert. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch innerhalb der Widerständler wird abgewogen, ob ein Tyrannenmord im Falle Hitlers legitim ist. Dieser erfüllt zwar alle Kriterien eines Tyrannen nach Aristoteles, dazu gehören ja eine Herrschaft zum Schaden des Gemeinwesens, gewaltsame Unterdrückung und keine demokratische Legitimierung. Dennoch zögern einige.</p>
<p>OT 17 Bechtolsheim</p>
<p>Und es gab auch Leute aus dem Widerstand oder die potenziell am Widerstand hätten sich beteiligen können, die ganz klar gesagt haben, das lehnen sie aus christlicher Grundüberzeugung ab, sozusagen ein Gewaltverbrechen, einem anderen Gewaltverbrechen also, dass man einen Gewalttäter mit Gewalt sozusagen hindert. Dagegen hat sich eben ganz klar Bonhoeffer ausgesprochen, der gesagt hat, das ist legitim.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Theologe Dietrich Bonhoeffer, den Sophie von Bechtolsheim hier anspricht, stand in Verbindung mit der Widerstandsgruppe um Stauffenberg. Bonhoeffer hat sich bereits früh mit der Frage auseinandergesetzt, wie Adolf Hitler zu stoppen sein könnte. Er plädierte in einem berühmten Zitat dafür “dem Rad in die Speichen zu fallen”. Dies schließt für Dietrich Bonhoeffer den Tyrannenmord mit ein. Die Tötung eines Menschen bedeutet nach seiner Ansicht zweifellos, Schuld auf sich zu laden. Noch größer werde die Schuld allerdings, wenn man nicht handle und nicht versuche, sich Krieg und Massenmord entgegenzustellen.</p>
<p>MUSIK 12: 72 Hours –  1:30 Min</p>
<p>Am 20. Juli 1944 entschließt sich Claus Schenk Graf von Stauffenberg die Anschlagspläne in die Tat umzusetzen. Er fliegt zu einer Besprechung mit Adolf Hitler ins Führerhauptquartier Wolfsschanze weit östlich von Berlin. Stauffenberg hat in seinem Koffer eine Bombe dabei.</p>
<p>OT 18 Bechtolsheim</p>
<p>Die Lagebesprechung fand in einer Baracke statt. Es war ein irgendwie ein windiger Holzbau. Und mein Großvater sollte diese diesen Koffer unter einem Tisch deponieren und dann sehr schnell den Raum verlassen ((…)).</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Verschwörer haben weit über den Tod Hitlers hinaus geplant. Das Ziel ist es, die Entmachtung der Nationalsozialistischen Führungselite geordnet voranzutreiben. Anders als es nach der Ermordung Caesars passiert ist, sollen nach dem diesem Tyrannenmord Chaos oder Bürgerkrieg vermieden werden. Es gibt aber ein Problem: Die Besprechung mit Hitler wird kurzfristig vorgezogen. Stauffenberg schafft es nicht mehr, den zweiten Zünder scharf zu machen. Und in der Eile gelingt es ihm auch nicht, den Koffer mit der Bombe direkt neben Hitler zu platzieren. Und das hat Folgen. Zwar sterben durch die heftige Explosion vier Menschen. Hitler aber überlebt. </p>
<p>MUSIK aus </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Tyrannenmord und alle Pläne zum Umsturz der Nazi-Diktatur sind damit gescheitert. Kurz nach dem Anschlag werden Stauffenberg und mehrere seiner Mitverschwörer überführt und noch in der Nacht in Berlin hingerichtet. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Widerständler des 20. Juli zunächst sehr umstritten. Die Deutschen tun sich schwer, den Widerstand gegen Hitler zu würdigen. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich dann jeder und jede schmerzhafte Fragen stellen muss, vermutet Sophie von Bechtolsheim.</p>
<p>OT 20 Bechtolsheim</p>
<p>Dann landet man immer bei sehr einsamen, sehr individuellen und existenziellen Entscheidungen, die die einzelnen Leute die Einzelmenschen getroffen haben; weil sie erkannt haben, wie brutal der Nationalsozialismus, diese nationalsozialistische Herrschaft ist und so weiter und so fort. Das sind ja ganz individuelle Entscheidungen, die einen unglaublichen Mut erfordern.</p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das ist die zentrale Frage: Wäre man selbst dazu bereit gewesen? Zum Tyrannenmord oder zu kleineren Akten des Widerstands? Es braucht Jahre, bis sich die Perspektive in weiten Teilen der Gesellschaft ändert. Der SPD-Politiker und Mitverfasser des Grundgesetzes, Carlo Schmid, formuliert beispielsweise im Jahr 1958 bei einem Gedenkakt zum 20. Juli einen regelrechten Appell an die Deutschen:</p>
<p>OT 21 Schmid</p>
<p>Der Tyrannenmord ist kein Mord im Sinn der göttlichen Gebote und das Sittenlehre weder der Dekalog noch das Sittengesetz verbieten uns, den zu vernichten, der uns mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben bedroht. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch die meisten verbrecherischen Regime sind heute so angelegt, dass die Tötung eines Herrschers nichts am System ändert, sondern eine andere Person an der Spitze nachfolgt. Die Alternative zu Tyrannenmorden kann daher nur die Durchsetzung des Rechts, vor allem der Menschenrechte sein, davon ist Christoph Safferling überzeugt: Er ist Professor für Völkerrecht an der Uni Erlangen-Nürnberg. Sollte dies innerhalb eines Staates nicht mehr möglich sein, müsse dies auf einer internationalen Ebene geschehen. Der internationale Strafgerichtshof in Den Haag sei da ein Anfang.</p>
<p>OT 22 Safferling</p>
<p>Da müssen auf jeden Fall die Strukturen dahingehend verbessert werden. Und dass die Welt deswegen sicherer gemacht wird, dass man eben beispielsweise ein umfassendes Strafjustizsystem er etabliert mit einem internationalen Strafgerichtshof, der entsprechend die Power hat, das dann auch durchzusetzen, bevor man hier Tötungen dann legitimiert. Denn wenn man damit anfängt, dann fürchte ich auch, äh, dann ja, ist ja ein gewisser Dammbruch zu befürchten und die Kriterien zwischen Recht und Unrecht geraten in einer Art und Weise ins Schwimmen, das kann ich nicht unterstützen.</p>
<p>Musik 13: Hell Ensemble – siehe oben – 49 sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p></p>
<p>Wenn Tyrannen und ihre Unterstützer nicht getötet, sondern festgenommen und vor Gericht gestellt werden, kann das große Vorteile haben: So zum Beispiel 2001 Slobodan Milosevic in Jugoslawien oder 2003 Saddam Hussein im Irak. Öffentliche Prozesse helfen bei einer geordneten Aufarbeitung und schaffen Transparenz. Auch wenn der juristische Weg komplizierter und teuer ist und dazu noch lange dauert - die Wirkung ist sehr wahrscheinlich nachhaltiger als ein Tyrannenmord. So legitim dieser im Einzelfall auch sein mag.</p>
<br/>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schnecken - Die starken Schleimer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schnecken-die-starken-schleimer/2094661</link>
      <pubDate>Wed, 09 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">adbb651d-1b12-4a14-9b92-501cf0c388f6</guid>
      <description>Schnecken haben sich im Laufe der Evolution fast jeden Raum der Erde erobert. Sie leben im Wasser und an Land. Als Delikatesse sind Schnecken beliebt, bei vielen Gärtnern dagegen verhasst. Autorin: Claudia Steiner (BR 2024) </description>
      <enclosure length="21750912" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094661/c/feed/schnecken-die-starken-schleimer.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Schnecken haben sich im Laufe der Evolution fast jeden Raum der Erde erobert. Sie leben im Wasser und an Land. Als Delikatesse sind Schnecken beliebt, bei vielen Gärtnern dagegen verhasst. Autorin: Claudia Steiner (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6585a4fc-d038-4f84-a309-4ceb1ca25533.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schnecken haben sich im Laufe der Evolution fast jeden Raum der Erde erobert. Sie leben im Wasser und an Land. Als Delikatesse sind Schnecken beliebt, bei vielen Gärtnern dagegen verhasst. Autorin: Claudia Steiner (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Christoph Jablonka, Jenny Güzel<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Elisabeth Tova Bailey, US-Autorin. <br/>Doris Kampas, Biogarten- und Hochbeet-Expertin. <br/>Prof. Dr. Michael Schrödl, Zoologische Staatssammlung München.  <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Wespenschwärmerei - WirTier</strong><br/>Erik wird gerufen, um sie zu töten. Doch dann passiert dieser eine Moment, in dem der Schädlingsbekämpfer zum ersten Mal spürt, dass Wespen soziale Wesen sind. Bei WirTier erzählt Erik von seiner lebensverändernden Begegnung und stellt Host Vici vor eine Herausforderung, bei der es für die Wespen um alles geht. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c8cedb018e3a985a/">HIER</a> geht es zur Folge.</p>
<p><strong>Intelligenter Oktopus - Gehirn im ganzen Körper<br/></strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/intelligenter-oktopus-gehirn-im-ganzen-koerper/bayern-2/10351411/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p><strong>Michael Schrödl, Schneckenplage muss nicht sein! So vermeiden und bekämpfen Sie rotbraune Nacktschnecken, Books on demand </strong></p>
<p><strong>Michael Schrödl, Unsere Natur stirbt: Warum jährlich bis zu 60.000 Tierarten verschwinden und das verheerende Auswirkungen hat, Komplett Media </strong></p>
<p><strong>Doris Kampas, Biogärten gestalten, Löwenzahn. </strong></p>
<p><strong>Elisabeth Tova Bailey, Das Geräusch einer Schnecke beim Essen, Piper.</strong></p>
<strong>Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege</strong>
<p><a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.anl.bayern.de/projekte/tierelive/doc/012_schnecken_ges_ba.pdf">HIER</a> gehts zur Website</p>
<p><strong>Rote Liste Zentrum</strong><br/><a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.rote-liste-zentrum.de/de/Neue-Rote-Liste-der-Schnecken-und-Muscheln-Bayerns-Mehr-als-zwei-Drittel-der-Arten-sind-2067.html">HIER</a> gehts zur Website</p>
<p><strong>Nabu</strong><br/><a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/sonstige-arten/weichtiere/index.html">HIER</a> gehts zur Website</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskirpt-radiowissen-schnecke-weichtier-garten-lebensmittel-creme-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sie können der Schwerkraft trotzen und kopfüber kriechen. Sie bewegen sich langsam wie in Zeitlupe, aber überwinden - wenn Futter in der Nähe ist, zielstrebig fast jedes Hindernis. Schnecken. </p>
<p>O-TON 1 </p>
<p>Schnecken (…) leben in einer chemischen Welt, in einer Riech- und Schmeckwelt und die riechen Futterpflanzen von sehr weit weg. Und ja, und da versuchen sie hinzugelangen, egal wie. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>… sagt Professor Michael Schrödl. Der Biologe ist einer der führenden Mollusken-Experten, also Schneckenforscher, in Deutschland und arbeitet an der Zoologischen Staatssammlung in München. </p>
<p>MUSIK </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit ihren Tentakeln – manche haben zwei, andere vier – können Schnecken riechen, schmecken und tasten. Zumindest einige Arten haben am Ende ihrer längeren Tentakel einfache Augen sitzen, mit denen sie allerdings nur Hell und Dunkel unterscheiden können. Wenn sie auf ein Hindernis stoßen, ziehen Schnecken ihre Fühler blitzschnell ein. Sie werden eingestülpt wie ein zu enger Handschuh, aus dem man die Finger zieht und der sich mit umdreht. Gehäuseschnecken können ihren ganzen Körper in ihr schützendes Haus zurückziehen. </p>
<p>Musik ENDE</p>
<p>MUSIK privat Take 007 „Silken Shadows“; Album: The Ambient Snail; Label: 2733800 Records DK; Interpret: Thrilling Snail; Komponist: Thrilling Snail; ZEIT: 00:42</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Gehäuse bestimmter Schneckenarten galten lange Zeit als wertvoll und wurden zum Beispiel in Amuletten verarbeitet. Das etwa münzgroße, eiförmige, schimmernde Gehäuse der Kaurischnecke, die in tropischen Meeren heimisch ist, diente gar über Jahrhunderte als Zahlungsmittel. So zahlte man unter anderem in China, Korea, Japan, Thailand, Ost- und Zentralafrika mit Kauris. Nacktschnecken dagegen schienen schon früher nicht sonderlich beliebt gewesen zu sein. In der Bibel, Psalm 58, heißt es über Frevler: </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ZITATORIN   </p>
<p>Sie sollen vergehen wie verrinnendes Wasser, wie Gras, das verwelkt auf dem Weg, wie die Schnecke, die sich auflöst in Schleim.</p>
<p>ATMO (Garten) </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das wünschen sich auch viele Gärtner. Gartenexpertinnen wie Doris Kampas, die in Österreich Pflanzenbau studiert hat, bekommt Jahr für Jahr Anfragen verzweifelter Gärtner. Besonders verhasst ist die sogenannte ‚Gemeine Wegschnecke‘. Früher wurde die rot-braune, manchmal auch orangefarbene Nacktschnecke auch als Spanische Wegschnecke bezeichnet. Tatsächlich aber – so zeigten Gen-Analysen – sind Spanische und Gemeine Wegschnecke verschiedene Schneckenarten und die Spanische Wegschnecke ist nur in einem kleinen Gebiet in Portugal verbreitet. Die bei uns gefürchtete Gemeine Wegschnecke, die eigentlich schon vor der letzten Eiszeit in Mitteleuropa heimisch war, ist weit verbreitet – begünstigt durch Obst- und Gemüsetransporte quer durch Europa. Das Problem: Die Nacktschnecken haben einen riesigen Appetit. Doris Kampas:</p>
<p>O-TON 2 </p>
<p>Junge Pflanzen, frisch gesetzte Pflanzen haben die Schnecken besonders gerne und auf das stürzte sie sich regelrecht, dann, wenn wir es nicht bemerken, nämlich am Abend oder sehr zeitig in der Früh und die jungen Salatpflänzchen können dann quasi am Vortag gesetzt worden sein. Am nächsten Morgen sind sie wieder weg, und man sucht sie ganz verzweifelt. Und dann halt alle Arten von jungen Pflanzen wie Kohlrabi, Brokkoli, Rosenkohl, (…) Radieschen, Spinat (…) also, sie mögen sehr viel. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Da Schnecken ein relativ gut entwickeltes Gehirn haben, merken sie sich Stellen mit gutem Futter und kehren immer wieder an alte Fressplätze zurück. Die Weichtiere haben eine starke, aus Muskeln bestehende Raspelzunge, Radula genannt. </p>
<p>Diese ist mit vielen, kleinen Hornzähnen aus Chitin besetzt und kann selbst hartes Futter zerkleinern, erklärt Michael Schrödl: </p>
<p>O-TON 3 </p>
<p>Die Zunge mit den Raspelzähnen drauf wird übrigens auch nicht wie ein Schaufelradbagger zur Schnecke hinbewegt, sondern von der Schnecke weg. Also die Schnecke raspelt vom Tier weg und nimmt dann unter der Oberlippe sozusagen die Nahrung auf.</p>
<p>MUSIK privat Take 003 „Moonlit Antennae“; Album: The Ambient Snail; Label: 2733800 Records DK; Interpret: Thrilling Snail; Komponist: Thrilling Snail; ZEIT: 00:47</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wenn es ganz still ist, kann man das Abraspeln des Futters sogar hören. Die US-amerikanische Autorin Elisabeth Tova Bailey beobachtete eine Schnecke über eine sehr lange Zeit. Sie war aufgrund einer schweren Erkrankung ans Bett gefesselt. Eine Freundin, die ihr zur Aufmunterung eine Topfpflanze schenkte, brachte ihr mit der Pflanze versehentlich eine etwa fünf Zentimeter lange Gehäuseschnecke ins Haus. Weil die Autorin so geschwächt war, dass sie sonst nichts tun konnte, schaute sie dem Tier einfach zu – monatelang ... </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 4 </p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Mir hat es geholfen, dieses Tier zu sehen, das sich ganz anders bewegt, so viel langsamer und auf einer kleineren Fläche. Ich konnte es so eher aushalten, dass mein Leben ebenfalls so langsam geworden war. Ich bin damals irgendwie aus dem normalen Leben gefallen und in einer Schneckenwelt gelandet. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Später recherchierte sie über die Weichtiere und schrieb einen Bestseller mit dem Titel „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“. </p>
<p>O-TON 5 </p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Diese spezielle Schneckenart hat 2.640 Zähne und die funktionieren wie eine Küchenreibe, also die Zähne schaben das Futter ab. Wenn das Futter eher trocken ist, dann hört man ein Knuspern, wenn es eher porös ist wie bei Pilzen, dann klingt es weicher. </p>
<p>ATMO (Garten) </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Weil viele Schneckenarten mehrere Hundert Eier legen und sich ein bis zwei Mal pro Jahr paaren können, ist es für Gärtner wichtig, Gelege schnell abzusammeln. Die Eier der Wegschnecke zum Beispiel sehen aus wie kleine, weißliche Perlen und kleben oft in Häufchen zwischen den Wurzeln junger Pflanzen. Doris Kampas. </p>
<p>O-TON 6 </p>
<p>Viele kaufen Jungpflanzen jetzt im Frühling, und das setzen sie dann direkt ins Gemüsebeet, ins Hochbeet. Aber was man oft übersieht: Man setzt sich die Schneckeneier mit ein, weil mir ist das selbst schon sehr oft passiert, dass einfach zwischen den Jungpflanzen in diesen Töpfchen, den man da mit kauft, sind schon die Schneckeneier drinnen oder grad frischgeschlüpfte Schnecken. Die hat man sich halt leider mit eingekauft, also immer bitte jede Jungpflanze gut kontrollieren. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wenn Salate löchrig oder gar abgefressen sind, greifen viele Gärtner zu Salz. Dabei verenden die nachtaktiven Schnecken qualvoll. Zudem gelangt das Salz in den Boden. Andere verstreuen giftiges Schneckenkorn, das die Tiere zwar in der Regel tötet, aber auch eine Gefahr für andere Lebewesen oder auch Kinder darstellt. Zudem überschreiten viele Hobbygärtner die empfohlene Höchstmenge. Wieder andere rücken mit der Gartenschere an und schneiden die Tiere auseinander – weil Schnecken als wirbellose Tiere nicht unter das Tierschutzgesetz fallen, ist dies nicht verboten. Wer die toten Tiere aber liegen lässt, lockt damit wieder andere Schnecken an, denn viele Arten fressen auch Aas. Andere verzweifelte Gärtner stellen Bierfallen auf. Zwar ertrinken einige Tiere, doch der Hefegeruch des Gerstensaftes lockt sogar noch Tiere aus dem Nachbargarten an. Doris Kampas hat einen anderen Rat: </p>
<p>O-TON 7 </p>
<p>Dass man am Abend entweder so zwischen 19 und 21 Uhr, zur Zeit der Dämmerung einen großen Eimer nimmt, ein paar Handschuhe und dann durch den Garten marschiert und absammelt, absammelt, absammelt und vor allem wirklich so unter Holzbretter schauen, unter Kisten schauen, die herumstehen und dort verstecken sich oder verkriechen sich die Schnecken. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch wohin mit dem gefüllten Schneckeneimer? In Biotopen oder Wildblumenwiesen haben die Tiere nichts zu suchen. </p>
<p>Sie würden dort über Pflanzen herfallen und wären Konkurrenten für Würmer und Insekten. Michael Schrödl: </p>
<p>O-TON 8 </p>
<p>Man kann Schnecken absammeln und zum Beispiel auf so fette Wiesen in Parks bringen, wo die Hunde immer ihre Häufchen hin machen. Rotbraune Nacktschnecken fressen gerne Kot und fressen gerne Aas, also da sind es dann sogar Nützlinge ja, die kriechen über weite Strecken hin zu einem gut duftenden Hundekothaufen und beseitigen den kostenlos und sauber.</p>
<p>ATMO (Garten) </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Tatsächlich fallen nicht alle Schnecken über frischen Salat her. Viele Arten fressen Pflanzenreste und welke Blätter, vermodertes Gras, Pilzfäden, Eier von Schadschnecken und sogar Aas. Sie bauen organische Stoffe ab und tragen dazu bei, dass Nährstoffe und Mineralien zurück in den Boden gelangen. Der größte Teil der heimischen Schnecken sind also nützliche Tiere. Doch manche Gärtner machen Schadschnecken so sehr zu schaffen, dass sie sich indische Laufenten anschaffen. Die adulten, also erwachsenen Schnecken werden allerdings meist verschmäht, weil sie zu bitter schmecken. Andere Tiere wie Ingel, Amseln, Kröten, Laufkäfer, Spitzmäuse oder Glühwürmchen-Larven fressen zumindest Baby-Schnecken. Doch natürliche Feinde von Schnecken fühlen sich nur in Naturgärten wohl. Doris Kampas: </p>
<p>O-TON 9 </p>
<p>Sprich: das ist halt jetzt kein super aufgeräumter Garten, wo alles nur mit dem Rasenroboter abgemäht ist, sozusagen und wo nichts blüht, da kommen keine Glühwürmchen und kein Igel. Aber wenn man halt auch seine wilden Ecken hat und viele verschiedene blühende Pflanzen, dann lockt man einfach automatisch ganz viele Insekten an.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Andere Gartenbesitzer setzen auf Hochbeete und hoffen, Pflanzen so außerhalb der Reichweite der Weichtiere zu bekommen. Doris Kampas:  </p>
<p>O-TON 10 </p>
<p>Also ein Hochbeet ist grundsätzlich nicht geschützt vor Schnecken, außer man schützt es quasi gezielt. Und das kann man halt im Hochbeet leichter als in einem großen Gemüsegarten. Zum Beispiel, weil ein Hochbett ja doch ein begrenzter Raum ist. Und am besten man bringt eine Schneckenkante rund ums Hochbeet an. Zum Beispiel, wir haben ein Modell, wo eben quasi ein Handlauf rund ums Hochbett ist. Und darunter befindet sich eine Schneckenkante, das ist eigentlich ein gebogenes Metall und die Schnecken können den Winkel nicht überwinden. Es ist eine rein mechanische Sperre, und da kommen sie dann nicht wirklich drüber.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Doch die Tiere sind clever – wenn irgendwo ein Zweig oder ein Blatt über die Kante hängt, finden sie diese Brücke und überwinden den Zaun. Wer Schneckenzäune um Beete am Boden anbringt, muss darauf achten, dass der Zaun mehrere Zentimeter im Boden eingelassen ist – Nacktschnecken können sich sonst einen Tunnel graben. </p>
<p>MUSIK privat Take 004 „Gastropod Groove“; Album: The Ambient Snail; Label: 2733800 Records DK; Interpret: Thrilling Snail; Komponist: Thrilling Snail; ZEIT: 00:42</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auf der Suche nach Futter rutschen Schnecken zielstrebig auf ihrer eigenen, schützenden Schleimspur dahin. So überwinden sie selbst messerscharfe Kanten ohne jede Verletzung. Nacktschnecken – die ohne Haus wendiger und mobiler als Gehäuseschnecken sind - können sich sogar kopfüber hängend an einem Schleimfaden abseilen, um zu duftendem Pflanzen zu gelangen, weiß Michael Schrödl: </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 11 </p>
<p>Also der Schleim, der vorn und über den Fuß produziert wird, der ist dann hinten übrig am Schwanz und da können Sie sich vorn aktiv vom Untergrund lösen und an ihrem eigenen Schleimfaden abseilen. Und wenn man zum Beispiel Pflanzen in Kübeln aufhängt, um sie vor Schnecken zu schützen, so wie ich das auch daheim gemacht habe, dann schaut man ziemlich doof, wenn irgendwann die dicke, fette Nacktschnecke sich vom Terrassendach an einem eigenen Schleimfaden abseilt, genau zu den Blumentöpfen hin, die hängen in der freien Luft.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der je nach Art mehr oder weniger klebrige Schleim wird vor allem vom vorderen Teil des Fußes abgesondert. Der Schleim schützt die Tiere vor dem Austrocknen, vor Krankheiten und teilweise auch vor Fressfeinden. </p>
<p>Geräusch Schleim</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Inzwischen hat die Kosmetikindustrie Schneckenschleim entdeckt und produziert Schneckencremes. Die Produkte werden als natürliches Anti-Aging-Mittel angepriesen und sollen unter anderem gegen Akne oder auch trockene Haut helfen. Doch Tierschützer kritisieren dies. Die Schnecken würden meist gezielt unter Stress gesetzt und zum Beispiel mechanisch gereizt, um möglichst viel Schleim abzusondern. Auch die Pharmaindustrie nutzt Medikamente, die Wirkstoffe von Schnecken enthalten. So gibt es ein Medikament gegen Harnblasenkrebs, das aus der Hämolymphe, einer Art Blutersatz, der kalifornischen Schlüssellochschnecke Megathura crenulata produziert wird. Forschungen finden auch mit der Kegelschnecke statt, die mit einer Gift-Harpune Fische oder Muscheln betäubt und frisst. Das von der Schnecke produzierte Nervengift, kann bei Menschen die Weiterleitung von Schmerzreizen unterbinden und kommt deshalb bei Schmerzpatienten zum Einsatz. </p>
<p>MUSIK privat Take 003 „Moonlit Antennae“; Album: The Ambient Snail; Label: 2733800 Records DK; Interpret: Thrilling Snail; Komponist: Thrilling Snail; ZEIT: 00:47</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Aktionsradius von Schnecken ist in der Regel klein. Die meisten Schnecken kriechen wortwörtlich im Schneckentempo – je nach Art nur wenige Millimeter, Zentimeter oder Meter pro Stunde. Manche Arten können sich auch anders fortbewegen: Die bis zu 40 Zentimeter großen braun-schwarzen Seehasen haben eine flügelartige Verbreiterung des Fußes und können schwimmen. Die Meeresschnecken leben an der französischen Atlantikküste. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 13 </p>
<p>Es gibt auch Schnecken, die hüpfen. Gerade im Meer gibt es da ein paar. Zum Beispiel Fechterschnecken können sich mit ihrem Horndeckel vom Meeresboden abstoßen. Viele Schnecken, wenn sie schnell wegwollen und an Klippen wohnen, Unterwasser-Hügeln, die lassen sich einfach runter plumpsen. Es gibt Schnecken, die können sich im Meer schlangenförmig bewegen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Weltweit sind etwa 60.000 Schneckenarten bekannt. Doch Experten wie Michael Schrödel gehen von einer mindestens doppelt so hohen Zahl aus. </p>
<p>O-TON 14 </p>
<p>Also den Rest hat man einfach noch nicht entdeckt. Und bei uns in Deutschland gibt es ungefähr knapp 300 Schneckenarten. Das ist eine ganze Menge.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die kleinsten, bisher bekannten Exemplare haben ein Gehäuse und sind kleiner als ein Sandkorn. Die Art mit dem Namen Angustopila psammion lebt in Vietnam und misst nur etwa einen halben Millimeter. Die größte bekannte Art, die Große Rüsselschnecke, ist im Indischen Ozean heimisch. Sie hat ein spindelförmiges Gehäuse und kann bis zu 90 Zentimeter groß werden. Im Laufe der Evolution haben Schnecken fast jeden Raum der Erde erobert. Sie leben an Land, in Süß- und Salzwasser. </p>
<p>O-TON 15 </p>
<p>Der einzige Ort, wo man früher gedacht hat, dass es keine Schnecken gibt an Land, das sind Eisgebiete oder gefrorene Bereiche der Ozeane. Aber selbst da hat man gefunden: Wenn Meereis gefriert, dann bilden sich sogenannte Solekanälchen, da wo konzentriertes Salzwasser dann drin ist, also nur das Süßwasseranteil gefriert, und das Salz konzentriert sich in so Kanälchen. Und da gibt es eine Schneckenart (…) in der Antarktis, die darin sogar sich reproduziert, also die leben in den Solekanälchen so lange, bis das Eis wieder schmilzt und dann kann man wieder im freien Wasser leben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch wenn manche Schnecken unter extremen Bedingungen wie in der Antarktis überleben können, für viele Arten wird es zunehmend schwieriger. Denn viele Schnecken sind eng an die von ihnen besiedelten Biotope und damit ganz spezifische Bedingungen angewiesen. Doch die Habitate verändern sich – zum Beispiel durch intensive Landnutzung oder auch die Auswirkungen des Klimawandels. So steht zum Beispiel die Weinbergschnecke – die als Delikatesse beliebt ist und extra für den Verzehr gezüchtet wird – in Deutschland unter Naturschutz. In Deutschland gelten inzwischen etwa zwei Drittel der Landschneckenarten als bedroht. Damit gehören Schnecken zu den am meisten bedrohten Organismen. Der Schneckenforscher Michael Schrödl:  </p>
<p>O-TON 16 </p>
<p>Sie sind Bioindikatoren für uns Menschen, weil Schnecken eben nicht sehr mobil sind in der Regel und spezielle Anforderungen an Nahrungspflanzen an Umweltparameter haben. Wenn es vorher an einer Stelle Schnecken gab und hernach nicht mehr, dann weiß man, hopsa da haben sich vermutlich die Lebensbedingungen geändert. Und andersrum, wo es empfindliche Schnecken oder sehr spezifische Schnecken für bestimmte Habitate gibt und man findet sie noch, dann heißt es okay, das Habitat ist noch ziemlich in Ordnung.</p>
<p>MUSIK privat Take 007 „Silken Shadows“; Album: The Ambient Snail; Label: 2733800 Records DK; Interpret: Thrilling Snail; Komponist: Thrilling Snail; ZEIT: 01:14</p>
<p>Verschiedene SPRECHER/IN</p>
<p>Hain-Bänderschnecke. Tigerschnegel. Braune Wegschnecke. Gefleckte Schnirkelschnecke. Gemeine Bernsteinschnecke. Schlanke Zwerghornschnecke. Schwarzer Schnegel. Genetzte Ackerschnecke.  Posthornschnecke …. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>… heißen einige der Schneckenarten bei uns. Oft deutet die deutsche Bezeichnung auf ihre Farbe und Musterung des Körpers oder auch das Aussehen ihres Gehäuses hin. Schneckenhäuser bestehen aus Kalk, also Calciumcarbonat. Diesen Baustoff nehmen die Tiere über die Nahrung auf. Die Behausung ist fest mit dem Körper verbunden. Bei Gefahr, Trockenheit oder im Winter ziehen sich die Tiere in ihr Gehäuse zurück. Einige Arten haben am Ende des hinteren Fußes einen Schalendeckel, mit dem sich die Gehäuseöffnung verschließen lässt. Das Haus wächst im Laufe eines Schneckenlebens mit. Jeder Streifen ist so ein Ausbau. Auf diese Weise bildet sich langsam die spiralförmige Windung des Hauses. Michael Schrödl: </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-TON 17 </p>
<p>Normalerweise sind Weinbergschnecken rechtsdrehend, und ab und zu gibt es auch linksdrehende Exemplare. Man hat früher gesagt unter einer Million gibt es eine linksdrehende, und die hat man Schneckenkönige genannt.</p>
<p> SPRECHER</p>
<p>Wie viele Schneckenkönige es tatsächlich gibt, ist unklar. Andere Quellen nennen ein Verhältnis von 1:10.000. Fest steht nur: sie sind sehr selten, Grund ist übrigens eine Punktmutation auf ihrer DNA, also ihrer Erbinformation. So oder so: Die Schneckenkönige haben ein Problem. Nicht nur ihr Haus windet sich in die andere Richtung, auch ihre Organe und damit auch die Geschlechtsöffnung sind seitenvertauscht. Sie kommen daher nicht mit anderen potenziellen Geschlechtspartnern zusammen. Theoretisch ist bei Weinbergschnecken zwar eine Selbstbefruchtung möglich – sie sind nämlich Zwitter. Doch in der Natur wird - um den besten genetischen Mix zu erhalten - Selbstbefruchtung in der Regel vermieden. Die Tiere finden oft keinen Partner. Auch bei anderen Arten gibt es Besonderheiten bei der Fortpflanzung, sagt der Biologe Michael Schrödl: </p>
<p>O-TON 18 </p>
<p>Die allermeisten Schnecken bei uns an Land zumindest sind simultane Zwitter. Das heißt, sie kopulieren gegenseitig und befruchten sich auch gegenseitig. Da gibt es Ausnahmen: Zum Beispiel die Weinbergschnecke ist zwar auch eigentlich ein simultaner Zwitter, aber weil es energetisch günstiger ist, als Männchen aufzutreten und seinen Nachwuchs als Männchen zu zeugen, gibt es bei Schnirkelschnecken, zu der die Weinbergschnecke auch gehört, (…) ein spezielles Fortpflanzungssystem, nämlich den sogenannten Liebespfeil. Das ist ein Kalkstacheln, den der eine Partner bei der Kopulation dem anderen in die Seite rammt. Und an diesem Kalkstachel hängen Pheromone dran, und die unterdrücken anscheinend die männliche Funktion des Geschlechtspartners. Der Partner, der zuerst den Liebespfeil in die Seite des anderen rammt, darf dann als Männchen fungieren. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Nicht alle Schneckenarten sind Zwitter, viele Pflanzen sich auch als Männchen und Weibchen fort. Nicht nur die Fortpflanzung unterscheidet sich von Art zu Art, auch das Aussehen und die Verhaltensweisen sind sehr verschieden. Michael Schrödl: </p>
<p>O-TON 19 </p>
<p>Zum Beispiel haben wir ja gesagt, nicht alle Schnecken haben Schalen. Aber nicht mal alle Schnecken haben einen Fuß. (…) Es gibt Schnecken, die sind überhaupt nicht als Schnecken erkennbar zum Beispiel gibt es Schnecken, die in Sandsystemen leben und die schauen einfach bloß aus wie ein Wurm. Und es gibt parasitische Schnecken, die schauen (…) gar nicht mehr aus wie Schnecken oder Würmer, sondern das sind einfach bloß noch Beutel irgendwo an oder in Seegurken oder Seesternen. Da ist es einfach bloß noch ein Sack.</p>
<p>MUSIK privat Take 007 „Silken Shadows“; Album: The Ambient Snail; Label: 2733800 Records DK; Interpret: Thrilling Snail; Komponist: Thrilling Snail; ZEIT: 01:20</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch wenn viele Menschen Schnecken einfach nur eklig finden, so sind die Weichtiere auch faszinierend und werden wie die aus Afrika stammende Achatschnecken gerne auch als Haustier gehalten. Viele Menschen hatten zumindest als Kinder mal eine Schnecke im Einmachglas und beobachteten die Tiere wie die US-Autorin Elisabeth Tova Bailey. Die US-Autorin erklärt sich die Faszination so: </p>
<p>O-TON 2</p>
<p>Overvoice weiblich</p>
<p>Ich denke, wir sind alle fasziniert von der Schnecke, die ja ihr eigenes Haus hat, vor allem Kinder finden das toll. Und wir waren ja alle mal Kinder, selbst wenn man jetzt keine direkten Erfahrungen mit Schnecken hat, erinnert man sich daran, wie das damals war, als wir Kinder waren. Kinder beobachten ja viel mehr als Erwachsene. Und ich denke, es ist einfach ein ungewöhnliches Tier, das mobil ist, das sein eigenes Haus mit sich trägt, das Fühler hat. Man kann erkennen, dass es ein neugieriges Tier ist, es ist neugierig auf die Welt. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Toleranz - Respekt für das Andere</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-toleranz-respekt-fuer-das-andere/1766430</link>
      <pubDate>Wed, 09 Jul 2025 01:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9582a6e5-78a8-4c16-a692-78d9158b20a6</guid>
      <description>Über Jahrhunderte haben Gesellschaften sich in Toleranz geübt. Jetzt gerät die edle Haltung an ihre Grenzen. Wie tolerant sollen wir gegenüber Menschen sein, die die Werte der Toleranz selbst mit Füßen treten? Von Fabian Mader (BR 2019)</description>
      <enclosure length="22323840" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1766430/c/feed/die-toleranz-respekt-fuer-das-andere.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Fabian Mader</itunes:author>
      <itunes:summary>Über Jahrhunderte haben Gesellschaften sich in Toleranz geübt. Jetzt gerät die edle Haltung an ihre Grenzen. Wie tolerant sollen wir gegenüber Menschen sein, die die Werte der Toleranz selbst mit Füßen treten? Von Fabian Mader (BR 2019)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3d73759c-9d41-4903-9831-20f02b2a5589.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Über Jahrhunderte haben Gesellschaften sich in Toleranz geübt. Jetzt gerät die edle Haltung an ihre Grenzen. Wie tolerant sollen wir gegenüber Menschen sein, die die Werte der Toleranz selbst mit Füßen treten? Von Fabian Mader (BR 2019)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Fabian Mader<br/>Regie: Sabine Kienhöfer<br/>Es sprachen: Ruth Geiersberger, Christian Baumann, Hemma Michel, Carsten Fabian und Martin Fogt<br/>Technik: Fabian Zweck</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<ul>
<li>Prof. Dr. Rainer Forst; </li>
<li>Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Josef Kuschel</li>
</ul>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-toleranz-respekt-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>Zugatmo ... </p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Ist hier noch frei?</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Ja … aber natürlich … </p>
<p>Warten Sie, ich mache Ihnen Platz.</p>
<p>ZITATORIN leise zu sich selbst:</p>
<p>Mein Gott, diese Jacke und jetzt … och ne!!! … Jetzt legt der seine Jacke auf meine, das gibt‘s doch nicht ...?!</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Geht das so?</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Kein Problem …! Hier haben Sie Platz für Ihre Sachen!</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Stört es Sie, wenn ich etwas esse?</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Nein, nein, … natürlich nicht! Lassen Sie es sich schmecken!</p>
<p>ZITATORIN leise zu sich selbst: </p>
<p>Wie das stinkt, was soll das sein, gekochter Hund!? Ist das ekelhaft, … das stinkt ja das ganze Zugabteil voll! Wie soll ich das nur bis Berlin aushalten?!</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Die Hölle, das sind die anderen! Schreibt Jean-Paul Sartre, französischer Existentialist. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Sobald wir unseren privaten Raum verlassen, sind wir diesen anderen ausgesetzt. Und damit ihren Meinungen, ihrem Verhalten, ihrem Geschmack. Genau hier aber zeigen sich die Unterschiede der Menschen. Sartre spricht von der Hölle, weil sie, ‚die anderen‘ uns in unserer Freiheit einschränken. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die moderne Gesellschaft braucht aber eine Methode, um diese Unterschiede zu moderieren. Und diese Methode heißt: Toleranz. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Philosoph Rainer Forst hat eine 750 Seiten lange Abhandlung über die Debatte um diese Tugend geschrieben. Aus seiner Sicht wird der Begriff oft falsch verwendet. Viele halten sich für tolerant - obwohl sie es eigentlich gar nicht sind:</p>
<p>O-Ton 1 – Rainer Forst: </p>
<p>Wer mit dem glücklich ist, was die anderen machen, obwohl er es fremd findet, der ist nicht tolerant, sondern begrüßt einfach nur das Fremde. </p>
<p>Also zum Tolerieren gehört, dass man wirklich ein Problem sieht, mit dem, was andere denken oder tun.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wenn wir also mit den Dingen um uns herum einverstanden sind, dann sind wir eigentlich nicht tolerant, sagt Rainer Forst. Wir sind nur konform mit unserem Umfeld:</p>
<p>O-Ton 2 – Rainer Forst </p>
<p>Das ist prima, wenn Leute kein Problem mit Andersartigkeit, mit anderen Lebensformen, Überzeugungen und so weiter haben, aber dann tut’s mir leid, dann sind die einfach nicht tolerant, dann sind die nur einfach freundliche Zeitgenossen, die an dem Fremden was Gutes sehen, oder weder was Gutes noch was Schlechtes, weil sie indifferent sind. Wer tolerant ist, der hat ein Problem mit dem, was die anderen sagen. Wer kein Problem mehr mit dem, was die anderen sagen oder tun, hat, der kann auch nicht tolerant sein.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Toleranz bedeutet dann, trotz der Ablehnung, trotz vielleicht sogar der Abscheu, das Fremde und Andere zu respektieren. Ihm Existenz zuzubilligen, obwohl wir es vielleicht lieber hätten, es wäre gar nicht da - oder zumindest weniger laut und weniger auffällig. …</p>
<p>O-Ton 2 a (optional) Rainer Forst:</p>
<p>Nehmen wir einen Kölner Katholiken, dem es ein Graus ist, dass in der Silhouette von Köln eine Moschee aufragt, der aber, weil Muslime in Köln dieselben Rechte haben, Gotteshäuser zu bauen, sagt, ich respektiere dieses Recht, obwohl es mir einen gewissen Schmerz verursacht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In früheren Jahrhunderten war Toleranz weniger relevant. Die meisten Menschen konnten kaum reisen, sprachen nur ihren Dialekt und blieben in ihrer Region. Die Nachbarn hatten denselben Glauben, ähnliche Berufe und gehörten zur selben Klasse. </p>
<p>Heute leben auf wenigen Quadratkilometern oft zahllose Nationen und Weltanschauungen zusammen. Und müssen auf Augenhöhe miteinander klarkommen. </p>
<p>O-Ton 3 – Rainer Forst </p>
<p>Nicht nur, dass verschiedene Religionen existieren, sondern auch verschiedene Lebensformen, und natürlich auch Leute, die überhaupt keine Religion sinnvoll finden. Also überall dort, wo ernsthaft gestritten wird, wo man ernsthaft unterschiedlicher Meinung über das richtige und gute Leben ist. Da ist die Toleranz nötig.</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Der Begriff kommt vom Lateinischen ‚tolerare‘. Wörtlich übersetzt heißt das: ertragen, aushalten. Die Römer verstanden unter „tolerantia“ vor allem Selbsttoleranz. Also: Bestimmte Schwächen auszuhalten und mit ihnen zu leben. Minderheiten wurden zwar toleriert, Menschen außerhalb des Römischen Reichs waren aber Barbaren. Und folglich abzulehnen. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Es brauchte schon eine Katastrophe, um die Menschen von der Notwendigkeit des Toleranz-Gedankens zu überzeugen, sagt der Theologe Karl-Josef Kuschel von der Universität Tübingen:</p>
<p>O-Ton 4 – Karl-Josef Kuschel </p>
<p>Er ist aufgekommen im 17. Jahrhundert, nachdem die christlich-europäischen Mächte übereinander hergefallen sind im 30-Jährigen Krieg eine schreckliche Verwüstung zu verantworten hatten. Erst danach, nachdem eben halb Europa verwüstet war und Hekatombe von Leichen auf den Schlachtfeldern zurückblieben im Namen der Religion, hat man sich überlegt, ob man nicht vielleicht doch andere Begründungen für ein Zusammenleben finden sollte. Da kam die Idee auf: Wir müssen uns zumindest, um diese Massaker zu verhindern, wechselseitig dulden.</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Am Anfang steht also der 30-Jährige Krieg. Halb Europa liegt in Trümmern. Etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung ist dem Krieg selbst zum Opfer gefallen - oder den in seinem Fahrwasser grassierenden Seuchen und Hungersnöten. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Man kann von einer ‚Stunde Null‘ sprechen. Der Dichter Andreas Gryphius versucht das Leid in Worte zu fassen:</p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Die Jungfern sind geschändt, und wo wir hin nur schaun</p>
<p>Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret.</p>
<p>Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.</p>
<p>Dreimal sind schon sechs Jahr, als unsrer Ströme Flut</p>
<p>von Leichen fast verstopft sich langsam fort gedrungen.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>1648 beenden die westfälischen Friedensverträge diesen schrecklichen Krieg. In ihnen wird festgelegt: Alle Konfessionen sind vor dem Gesetz gleich! Ein neuer Gedanke. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Alle Menschen haben dasselbe Existenzrecht. Protestanten und Katholiken müssen sich notgedrungen miteinander arrangieren. </p>
<p>O-Ton 5 – Karl-Josef Kuschel: </p>
<p>Die Erfahrung von Intoleranz war ja genau das Gegenteil und hat eben auch zu schrecklichen gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt. Toleranz heißt zunächst einmal Dulden. Und es ist eine große Errungenschaft dann der Europäischen Aufklärung aufgrund dieser negativen geschichtlichen Erfahrungen, dass man sich unter den Religionen und Konfessionen zunächst einmal überhaupt hat leben lassen. Nebeneinander leben lassen.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Mit der rechtlichen Gleichstellung sind natürlich nicht alle Fragen geklärt. Es kommt darauf an, dass Menschen diese Toleranz nun auch leben und das Fremde wirklich respektieren – doch wie soll das genau funktionieren? </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Dafür ist ein Gedanke wichtig, der sich nach und nach in der Aufklärung durchsetzt. Im Mittelalter stand noch fest: Ein Fürst oder ein König bestimmt, woran seine Untertanen zu glauben haben. Das ändert sich nun. Immer mehr Fürsten und Könige akzeptieren, dass der Glaube eine Frage des Gewissens ist. Und nicht staatlich verordnet werden kann. Religion wird so Privatsache.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Musik</p>
<p>Bereits 100 Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Kriegs schreibt der Preußische König Friedrich der Große:</p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Alle Religionen sind gleich gut, wenn nur die Leute, die sie professieren, ehrliche Leute sind. </p>
<p>Und wenn Türken und Heiden kämen, und wollten das Land peuplieren, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen. Ein jeder kann bei mir glauben, was er will, wenn er nur ehrlich ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Friedrich der Große stand in engem Kontakt zu Voltaire, dem französischen Philosophen der Aufklärung. Voltaire hatte für die Fanatiker seiner Tage wenig übrig. Sie alle hätten die gleiche Binde vor den Augen: </p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Sei es, um die Städte und Dörfer ihrer Feinde anzuzünden und die Bewohner zu erwürgen, oder sei es, um zu betrügen, sich zu bereichern und zum Herrn aufzuwerfen. Ihr Fanatismus macht sie blind.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kein Wunder, dass Voltaires Schriften in den vergangenen Jahren wieder in Mode gekommen sind. Nach den Anschlägen auf die Redaktionsgebäude der Zeitschrift „Charly Hebdo“ durch Islamisten schaffte es sein Philosophisches Wörterbuch wieder in die Bestsellerlisten. </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Voltaire hatte einen Ansatz, den viele Aufklärer teilten: Er wollte eine sogenannte ‚Vernunftreligion‘ etablieren. Sie sollte aus wenigen Prinzipien bestehen, aus vernünftigen Grund-Sätzen. Religiösen Kult hingegen hielt er für Aberglauben. So wollte er den Konfessionen ihren ‚Stachel‘ nehmen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Voltaires Lösung also waren Religionen ohne spezifische Kulte und Traditionen. Das verhindert womöglich Konflikte, ebnet aber auch die Vielfalt der Religionen ein. Voltaires Konzept klingt daher noch nicht nach dem, was wir uns heute unter Toleranz vorstellen. </p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dem kommt John Stuart Mill deutlich näher - kaum jemand hat die Unterschiedlichkeit von Menschen so vehement verteidigt, wie der englische Denker im 19. Jahrhundert.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Mill fürchtete nichts mehr als Konformismus. Die Meinung der Mehrheit hielt er für eine Tyrannei. </p>
<p>Sie könne Menschen erdrücken, sie zu Sklaven machen, die dadurch nicht ihre eigenen Ansichten und individuellen Eigenschaften entwickeln könnten. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dabei hielt er gerade diese für wertvoll. Nur mit starken Persönlichkeiten ließen sich große Dinge erreichen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine möglichst große Meinungsvielfalt ist für ihn auch Grundlage dafür, die Wahrheit zu finden - wenn Meinungen unterdrückt würden, gingen relevante Aspekte einer Sache unter. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Gesellschaft braucht also unterschiedliche Lebensweisen, Gewohnheiten und Ansichten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mill bringt so einen Gedanken zum Ausdruck, der in der Aufklärung immer mehr Raum gewinnt: Gerade die Talente, die Eigenheiten eines Menschen, sind wertvoll. Damit er sie entwickelt, damit er so sein kann, wie er ist, damit er sagen kann, was er denkt, braucht es aber die Toleranz der anderen. </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Diese Überzeugung war nicht unumstritten. Sie ist es bis heute nicht. Rainer Forst hat sich mit vielen Konflikten um Toleranz in der Geschichte auseinandergesetzt. Er unterscheidet mehrere Aspekte, die den Begriff ausmachen:</p>
<p>O-Ton 6 – Rainer Forst </p>
<p>Zum Tolerieren gehört, dass man wirklich ein Problem sieht mit dem, was andere denken oder tun.</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Erster Aspekt also: Ablehnung der Position des anderen!</p>
<p>O-Ton 7 – Rainer Forst </p>
<p>Aber was Zweites muss hinzukommen: Man muss Gründe dafür sehen, weshalb das, was die anderen tun, was eigentlich falsch ist, dennoch toleriert werden sollte </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Zweiter Aspekt der Toleranz nach Rainer Forst: die Akzeptanz der abgelehnten Position. Ich akzeptiere also etwas, das ich eigentlich ablehne. Doch, warum sollte ich das tun?</p>
<p>O-Ton 8 – Rainer Forst </p>
<p>Das kann die Wertschätzung für andere sein, das kann aber auch ein bestimmter Respekt für die anderen als Person mit gleichen Rechten sein. Diese gleichen Rechte implizieren, dass die auch das Recht haben, Dinge zu tun oder zu sagen, die mir nicht passen und die ich grob falsch finde.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der dritte Aspekt der Toleranz ist besonders heikel und kompliziert. Forst nennt ihn: Zurückweisung. Das bedeutet: Toleranz braucht immer eine Grenze. Das hat schon der große Mathematiker und Philosoph Karl Popper erkannt:</p>
<p>O-Ton 9 – Karl Popper </p>
<p>Voltaire begründet die Toleranz damit, dass wir einander unsere Torheiten verzeihen sollen. Aber eine weit verbreitete Torheit, die der Intoleranz findet Voltaire mit Recht schwer zu tolerieren. In der Tat: Hier hat die Toleranz ihre Grenzen. Wenn wir der Intoleranz den Anspruch zugestehen, toleriert zu werden, dann zerstören wir die Toleranz und den Rechtsstaat.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wir werden später noch dazu kommen, wie sich diese Grenze ziehen lässt. Und warum genau das so kompliziert ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber zunächst zu einer Begründung, warum Toleranz überhaupt sinnvoll ist. Die hat bereits ein Zeitgenosse von Voltaire im 17. Jahrhundert herausgearbeitet – aus Sicht des Philosophen Rainer Forst ist sie bis heute gültig:</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Pierre Bayle formulierte damals ein zentrales Prinzip: Die Reziprozität. Im Grunde ist damit die ‚Goldene Regel Jesu‘ gemeint: </p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ich kann für mich nur in Anspruch nehmen, was ich anderen zugestehe.</p>
<p>Wenn ich mich kleiden möchte, wie es mir gefällt, dann muss ich das auch anderen zugestehen. Ich kann andere Modestile hässlich finden, ich muss aber akzeptieren, dass es sie gibt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Umkehrschluss heißt das: Schränke ich die Freiheit von anderen ein, so darf ich mich nicht beschweren, wenn mir dasselbe geschieht. Es gilt das Prinzip der Wechselseitigkeit. Und zwar in beide Richtungen, sagt Theologe Karl-Josef Kuschel:</p>
<p>O-Ton 10 – Karl Kuschel </p>
<p>Es muss auf Gegenseitigkeit beruhen, natürlich! Sonst wäre es ja auch wieder schal, nicht wahr - und dumpf, wenn man nur den anderen wertschätzt und wechselseitig keine Wertschätzung bekommt für das eigene Sosein. Das ist dann sicher eine ganz falsch gelaufene Entwicklung.</p>
<p>Zugatmo …/ Handyklingeln ...</p>
<p>ZITATORIN (geht ans Handy)</p>
<p>Ja Hallo? Ach grüß dich, ja ich bin gerade unterwegs Richtung Berlin. </p>
<p>… Ja bisher sind wir pünktlich ... </p>
<p>OFF-Text (als gedämpfte Atmo) </p>
<p>Also ich denke, ich komme so gegen 6 an. Dann können wie ja vielleicht noch was essen gehen. LACHT. Ach so, der Italiener - nein, also den muss ich nicht nochmal haben. Aber bei dir um die Ecke gibt es doch diesen Inder ...</p>
<p>ZITATOR zu sich selbst – ärgerlich: </p>
<p>Was soll d a s denn jetzt, muss die jetzt telefonieren? Ich kann mich so echt nicht konzentrieren. Das halt ich nicht aus!</p>
<p>Wieder normale Zugatmo</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Tschuldigung …! Tschuldigung (lauter)!!! Könnten Sie bitte woanders telefonieren, ich muss mich hier auf einen Text konzentrieren! </p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Warte mal ... bitte?</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Ja!!! Sie stören hier das gesamte Abteil - ich muss mich wirklich auf diesen Text hier konzentrieren! </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Gut … Wir telefonieren später weiter… ok? Bis dann!</p>
<p>ZITATORIN leise-wütend zu sich selbst</p>
<p>Was für ein Vollidiot - ich sage kein Wort, wenn der hier sein ekelhaftes Essen auspackt und dann … was glaubt der eigentlich?!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nun ist die Frage, ob telefoniert werden darf oder nicht, noch vergleichsweise harmlos. Anders verhält es sich, wenn es um Politik geht, um gesellschaftliche Minderheiten, um Gewalt:</p>
<p>O-Ton 11 – Karl-Josef Kuschel </p>
<p>Die Toleranz kann ja nicht so weit gehen, zu sagen: Ich lass mich vom Anderen auch noch einsperren, umbringen, verletzen. Da muss ich Gegenzeichen setzen. Denn die Toleranz ist ja nur dann sinnvoll, wenn sie wechselseitig ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damit sind wir zurück bei Karl Popper und der Frage, wo Toleranz enden muss. Er spricht von einem Paradoxon. Wenn Toleranz so weit geht, dass ihre Feinde toleriert werden, dann wird sie von ihren Feinden abgeschafft.</p>
<p>Popper hat auch das größte Problem seiner eigenen Position erkannt: </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wer legt fest, was eine intolerante Haltung ist – die daher keine Toleranz mehr verdient? Wo soll eine offene, demokratische Gesellschaft die Grenze ziehen?</p>
<p>Für Philosoph Rainer Forst eine komplexe Angelegenheit:</p>
<p>O-Ton 12 – Rainer Forst  </p>
<p>Dieser Slogan: ‚Keine Toleranz der Intoleranz!‘, ist an sich sinnvoll, man muss nur genauer hinschauen, denn die Geschichte lehrt uns, dass die Grenzen der Toleranz oft zu eng, manchmal auch zu weit gezogen wurden. Also muss man genauer hinschauen, um welche Feinde der Toleranz es geht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das zeigt ein Vorfall an der Universität Frankfurt: Eine Professorin wollte einen Kongress veranstalten. Titel: ‚Das islamische Kopftuch - Symbol der Würde oder der Unterdrückung?‘ Eingeladen waren Befürworter und Gegner des Kopftuchs. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eine Reihe von Studenten wollte die Veranstaltung verhindern. Sie forderten im Netz die Entlassung der Professorin wegen antimuslimischen Ressentiments. Sie warfen ihr also im Grunde Intoleranz vor.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sich selbst sahen die Studenten offenbar als Verteidiger einer toleranten, offenen Gesellschaft. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Karl Popper hätte ihnen mit Sicherheit widersprochen. Er stellt für die Grenzen der Toleranz zwei Regeln auf. Nicht akzeptieren darf die offene Gesellschaft Menschen, die</p>
<p>Musik</p>
<p>ERSTENS: </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Gewalt gegen Andersdenkende anwenden oder befürworten. </p>
<p>und </p>
<p>ZWEITENS: </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine rationale Debatte ablehnen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eine rationale Debatte wollte die Universität Frankfurt ja gerade führen. Ihr ging es darum, verschiedenen Meinungen zum Kopftuch Raum zu geben. Die Studenten wollten die Debatte verhindern. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Den Studenten sind daher zwei Denkfehler vorzuwerfen. Sie haben </p>
<p>ERSTENS</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das zentrale Prinzip der Toleranz missachtet: die Wechselseitigkeit. Wenn sie in wissenschaftlichen Debatten ihre Argumente vorbringen möchten, sollten sie das auch anderen zugestehen. Oder einer generellen Begrenzung der Redefreiheit zustimmen, die dann auch für sie selbst gelten müsste.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Studenten machen aber noch einen zweiten Denkfehler: Sie bewegen sich in Stereotypen. Wer das Kopftuch kritisiert, ist aus ihrer Sicht rassistisch und gegen Muslime eingestellt. Sie versuchen gar nicht erst, die Motive der Kritiker zu verstehen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Für den Theologen Karl-Josef Kuschel kommt es aber immer darauf an, den Einzelfall genau zu betrachten. Nur so lässt sich abschätzen, wo die Grenze dessen verläuft, was wir ertragen sollten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bleiben wir bei der Debatte um das Kopftuch von Musliminnen. Nicht wenige würden sich ein Verbot wünschen. Gerade in Zeiten des islamischen Terrors. Für Karl-Josef Kuschel kommt das nicht in Frage. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Weil es die Toleranz erfordert, genauer hinzusehen. Er hält es mit einer Maxime des früheren Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel:</p>
<p>O-Ton 13 – Karl-Joseph Kuschel</p>
<p>Der sagt: Für mich ist nicht entscheidend, was Frauen auf dem Kopf tragen, sondern was sie im Kopf tragen. Ich nehme mir die Freiheit genau zu fragen: wenn Du ein Kopftuch trägst, was bedeutet das für Deine Gesinnung? Ist das ein Ausdruck eben sozusagen einer Mode oder einer kulturellen Prägung oder ist es Ausdruck einer totalitären Gesinnung? Also man muss sich dann schon die Mühe machen, im Einzelfall zu schauen. Ich habe hier in Tübingen unter meinen Islamstudierenden wunderbare Frauen kennengelernt, die Kopftuch tragen, aber hell im Kopf waren und das ist mir das Entscheidende.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch aus Sicht des Philosophen Rainer Forst gilt es hier zu differenzieren. Selbst ein gewisser Fundamentalismus ist aus seiner Sicht noch zu tolerieren:</p>
<p>O-Ton 14 – Rainer Forst </p>
<p>Wenn das Leute sind, die davon überzeugt sind, dass ihre eigene Religion wahr ist und andere Religionen falsch, ist das noch kein Anlass sie nicht zu tolerieren.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Für Forst gibt das Grundgesetz der Toleranz letztlich ihren Rahmen vor. Die Meinungsfreiheit ist daher geschützt. Eine fragwürdige Überzeugung zu äußern, muss noch erlaubt sein:</p>
<p>O-Ton 15 – Rainer Forst </p>
<p>Wenn Sie daraus aber das Recht ableiten, vielleicht sogar die Pflicht, ihre wahre Religion mit Gewalt durchzusetzen, dann sind die Grenzen der Toleranz erreicht.</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Pauschale Urteile sind also wenig hilfreich – über die Grenze der Toleranz lässt sich nur im Einzelfall entscheiden. Schon deshalb, weil es manche Fälle gibt, in denen Toleranz gar nicht der richtige Ansatz ist. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es ist nämlich nicht gesagt, dass jeder Mensch auch toleriert werden will. Oder zumindest: nur toleriert werden will, sagt Philosoph Rainer Forst:</p>
<p>O-Ton 16 –Rainer Forst </p>
<p>Manchmal ist auch die Indifferenz die bessere Antwort. Beispiel Homosexualität: Die Negativbeurteilung der Homosexualität ganz aufzugeben, also gar keinen Anlass für Toleranz mehr dort zu sehen, ist noch besser. Also manchmal ist Indifferenz die bessere Haltung gegenüber der Toleranz. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Homosexuelle Menschen wollen nicht toleriert werden. Denn das hieße ja: Ihre Vorlieben werden abgelehnt und nur geduldet. Sie wünschen sich natürlich, dass sie ihren Mitmenschen egal sind. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Johann Wolfgang von Goethe hat diese Problematik schon im 18. Jahrhundert erkannt, sagt Theologe Karl Joseph Kuschel: </p>
<p>O-Ton 17 - Karl Joseph Kuschel </p>
<p>„Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein“, schreibt er, „Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen. Interessantes Wort.“ </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Goethe hatte die Voraussetzung von Toleranz genau erkannt: Die Ablehnung einer Sache, wenn ich auch akzeptiere, dass sie da ist - beispielsweise um des guten Friedens Willen: </p>
<p>O-Ton 18 – Karl-Josef Kuschel: </p>
<p>Da hat Goethe völlig recht. Dazu kann es führen, also Dulden im Sinne von Beleidigen. Ich möchte nicht nur das Gefühl haben, ich werde gerade noch geduldet vom anderen, ich glaube was Anderes, ich lebe was Anderes, ich habe ein anderes Geschlecht. Und ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der man sagt: Wir lassen Dich grade noch leben. Ich möchte ja in meinem Menschsein, meiner völligen menschlichen Würde auch respektiert werden.</p>

<p>SPRECHERIN </p>
<p>Karl Josef Kuschel folgt also Goethe in dessen Analyse: Toleranz kann nur der Anfang sein – das Ziel ist eigentlich etwas Anderes:</p>
<p><br/></p>
<p>O-Ton 19 – Karl-Josef Kuschel </p>
<p>Das ist nur sozusagen die niedrigste Stufe dessen was man leben soll, indem man einfach den anderen duldet neben sich. Wir wollen uns ja zunächst einmal wechselseitig überhaupt existieren lassen. Ohne uns gewalttätig sozusagen an die Gurgel zu gehen. Aber Toleranz reicht natürlich bei weitem nicht, es ist, wenn man so will, die rechtlich garantierte Plattform. Aber vorübergehend: diese Gesinnung muss abgelöst werden von Anerkennung.</p>
<p><br/></p>
<p>Musik</p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN </p>

<p>Wir sollten im Anderen also eigentlich etwas suchen, das wir irgendwie gut finden. Und das ist meist nicht schwer, wenn wir unsere Stereotype und Pauschalurteile überwinden. Denn jeder Mensch hat etwas Interessantes, Bewundernswertes, Überraschendes zu bieten. Etwas, das sich lohnt, kennenzulernen. Wir müssen nur bereit sein, genau hinzusehen.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Lolitas Version: Vom Missbrauch zur Selbstermächtigung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/lolitas-version-vom-missbrauch-zur-selbstermaechtigung/2107342</link>
      <pubDate>Tue, 08 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e2db7fb8-a72e-4bb4-a3cd-7ec1e175e071</guid>
      <description>Vor 70 Jahren erschien der Roman &quot;Lolita&quot;. Die gleichnamige Kunstfigur wurde zum feststehenden Begriff für verführerische, frühreife Mädchen. Vor dem Hintergrund der Metoo-Debatte und weiblicher Selbstermächtigung ist die patriarchal geprägte, sexuell aufgeladene Kindfrau-Fantasie fragwürdig geworden. Von Susanne Brandl</description>
      <enclosure length="27207936" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107342/c/feed/lolitas-version-vom-missbrauch-zur-selbstermaechtigung.mp3"/>
      <itunes:duration>00:28:20</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Brandl</itunes:author>
      <itunes:summary>Vor 70 Jahren erschien der Roman &quot;Lolita&quot;. Die gleichnamige Kunstfigur wurde zum feststehenden Begriff für verführerische, frühreife Mädchen. Vor dem Hintergrund der Metoo-Debatte und weiblicher Selbstermächtigung ist die patriarchal geprägte, sexuell aufgeladene Kindfrau-Fantasie fragwürdig geworden. Von Susanne Brandl</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e5cac403-36a4-4dfa-9927-e89f56cdd21a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Vor 70 Jahren erschien der Roman "Lolita". Die gleichnamige Kunstfigur wurde zum feststehenden Begriff für verführerische, frühreife Mädchen. Vor dem Hintergrund der Metoo-Debatte und weiblicher Selbstermächtigung ist die patriarchal geprägte, sexuell aufgeladene Kindfrau-Fantasie fragwürdig geworden. Von Susanne Brandl</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Brandl<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Christian Schuler, Caroline Ebner<br/> Technik: Frank Brunier<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Lea Ruckpaul, Schauspielerin und Autorin, <br/>Susanne Strätling, Literaturwissenschaftlerin und Slawistin, <br/>Elisabeth Bronfen, Literaturwissenschaftlerin <br/><br/></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Im Namen der Hose</strong><br/>Im Sexpodcast &quot;Im Namen der Hose&quot; gibt&#39;s keine Scham und keine doofen Fragen. Auri und Sebastian erzählen von ihren eigenen Erfahrungen und diskutieren all die Dinge, die euch interessieren: Was macht guten Sex aus? Haben andere auch solche Gedanken? Und: Ist das normal?<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://1.ard.de/imnamenderhose">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>
<p>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „<strong>Ein Zimmer für uns allein</strong>“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/> Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>.</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>lesenswert Magazin von SWR Kultur:<br/>Vladimir Nabokov - Lolita       <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/lesenswert-magazin/vladimir-nabokov-lolita/swr-kultur/13318181/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Lea Ruckpaul: ByeBye Lolita, Voland &amp; Quist 2024</p>
<p>Vanessa Springora: Die Einwilligung, Diana Verlag, Penguin Random House 2022, Ersterscheinung 2020.</p>
<p>Elisabeth Bronfen: Nur über ihre Leiche: Tod, Weiblichkeit und Ästhetik.</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:</p>
<p> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskript-lolita-missbrauch-zur-selbstermaechtigung-fantasie-klischee-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>TON A</p>
<p> „Eine Lolita? Hört sich wie eine Pflanze an! / Hab ich keine Ahnung! / Für mich ein junges Mädel!“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein junges Mädchen, so weit stimmt’s.</p>
<p>TON B:</p>
<p> „Für mich ist eine Lolita vielleicht so elf, zwölf.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ja, also noch ein Kind.</p>
<p>TON C</p>
<p>„verführerisch würde ich sagen.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Verführerisch? Ein Kind?</p>
<p>TON D</p>
<p> „Eine Kindfrau!/ Ein junges Mädchen, das mit einem unpassend alten Mann ein Verhältnis hat/ Die kritischerweise einen gewissen Sexappeal hat.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Kritischerweise“! Das ist der Punkt! </p>
<p>TON E</p>
<p>„Das Buch hab‘ ich gelesen. Und da wird sie entführt von ihrem Stiefvater. Und der vergewaltigt sie und vergeht sich an ihr.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Exakt. Das ist ihr Schicksal. </p>
<p>Musik:  The last Martini 0‘35</p>
<p>Lolita ist eine Kunstfigur aus dem gleichnamigen Roman „Lolita“ von Wladimir Nabokov, erschienen 1955. Der Erzähler: Humbert Humbert, ein pädophiler Mittvierziger, der mit seiner Stieftochter im Auto quer durch die USA fährt und sie zwei Jahre lang schwer sexuell missbraucht. Er beschreibt, wie sie ihn betört, verführt, was sie mit ihm anstellt, wie sehr er leidet. Paradox. Pervers. Bis heute hält sich die Überzeugung: eine Lolita, das ist ein junges verführerisches Mädchen.</p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>Lolita ist zum feststehenden Begriff geworden. Ihr Typus geistert seit dem Erscheinen des Romans durch die Popkultur.</p>
<p>Musik:  Moi…Lolita 0’24</p>
<p>Ton 1 Lea Ruckpaul: </p>
<p>„Ich finde ganz deutlich, dass dieser Begriff gar keine Person bezeichnet. Sondern nur die Projektion ist. Also man hat dieses Bild, also einen Menschen, und man hat den Blick  auf dieses Mädchen, und eigentlich bezeichnet das Wort Lolita nur den Blick auf.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Lea Ruckpaul, Schauspielerin und Autorin, stört sich daran, dass die Figur Lolita in Nabokovs Roman keine Stimme hat. Dass sie eine männliche Phantasie eines Erzählers ist, der noch dazu pädophil ist. Und so schrieb Ruckpaul den Gegenentwurf. In ihrem Roman „Bye bye Lolita“ erzählt sie die Handlung aus der Perspektive des Mädchens, das die Beziehung zwischen ihr und ihrem Stiefvater Humbert Humbert als jahrelangen sexuellen Missbrauch erlebt, überlebt und als erwachsene Frau aufarbeitet. Ihr Buch erschien 2024.Also knapp 70 Jahre nachdem Nabokovs Lolita das erste Mal veröffentlicht wurde, bei einem französischen Verlag, der sich auf Pornografie spezialisiert hatte. Deswegen sah sich Nabokov zunächst mit dem Vorwurf konfrontiert, sein Buch sei pornografisch. Der augenfällige sexuelle Missbrauch und die Pädophilie der Hauptfigur stießen der männlich dominierten Rezeption damals gar nicht groß auf. Susanne Strätling, Literaturwissenschaftlerin vom Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin:</p>
<p>O-TON 2 STRÄTLING</p>
<p>„Das Faktum, dass der Roman den Missbrauch an einer Minderjährigen beschreibt, ist durchaus schon bemerkt worden, von der frühen Rezeption. Zum Teil fallen Begriffe wie Obszönität, zum Teil fallen Begriffe wie diabolisch, es fallen auch Begriffe wie pervers. Das ist aber geglättet, aufgelöst worden, dahingehend, dass man den Roman als einen Liebesroman beschrieben hat.“</p>
<p>Musik:  Quilty 0‘27</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das komplizierte, einseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lolita und ihrem Schänder: eine Liebesgeschichte? Aus heutiger Sicht völlig abwegig. Aber als das Buch 1955 erscheint, gelten noch andere Regeln. Die frühe Rezeption beschreibt Lolita sogar als ganz besonderen Liebesroman…</p>
<p>O-TON 3 STRÄTLING: </p>
<p>„…da nach Auffassung früher Rezensenten jeder gute Liebesroman im Grunde genommen eine Liebe beschreibt, die skandalös ist, die in irgendeiner Art und Weise Tabus bricht, eine unmögliche Liebe letztlich beschreibt. </p>
<p>Musik:  Sexueller Notstand 0‘16</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>In den 70er und 80er Jahren beginnt die feministische Literaturwissenschaft weibliche Autorinnen zu entdecken, weibliche Figuren und deren Rezeption zu untersuchen, den männlichen Blick zu analysieren. An Lolita werden verschiedene Positionen ausgehandelt. Einige plädieren sogar dafür, das Buch aufgrund der verletzenden Darstellung zu verbieten. Eine Wissenschaftlerin, die den Missbrauch benennt und Lolita in den Fokus rückt, ist die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Linda Kauffman, sagt Susanne Strätling:</p>
<p>O-TON 4 STRÄTLING:</p>
<p>„… Kaufmanns These ist zunächst mal die gewesen, dass Lolita kein Liebesroman sei, sondern ein Inzestroman und dass der Roman im Grunde genommen verschiedenste Strategien entwickelt, um aber genau diesen inzestuösen Kern zu verhüllen, diese moralischen Fragen im Grunde genommen durch sowas wie ästhetischen Genuss zu verbergen.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>In poetischer Sprache huldigt der Erzähler Humbert Humbert Lolitas jugendlichem Körper. Er beschreibt den Missbrauch niemals als übergriffig, sondern immer als erquickliche Lust, die ihn erleichtert. </p>
<p>Musik:  Jeanny 0‘22</p>
<p>Der ästhetische Genuss, Frauenkörper leiden und sterben zu lassen, sei in der westlichen Literatur- und Kunstgeschichte gewissermaßen programmatisch, so die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen. Ihre These: Das Motiv der schönen, toten Frau zieht sich seit jeher durch die westliche Kunst- und Erzählkultur. Bronfen zählt auch Lolita dazu, die bei Nabokov nach der Geburt eines toten Mädchens im Kindbett stirbt. </p>
<p>O-TON 5 BRONFEN: </p>
<p>„Ich denk, das ist der Reiz an der Darstellung des schönen weiblichen Todes, dass da auf mehrfache Weise das, was einen beängstigt und bedrückt, nämlich die Vorstellung der eigenen Sterblichkeit, ausgelagert werden kann auf einen anderen, auf einen weiblichen Körper. Und wenn dieser Körper dann auch noch dazu ein schöner weiblicher Körper ist, kommt noch die ganze Idee des Fragilen mit ins Spiel und das passt eben sehr gut zur Lolita, das Gefühl, sie hätte ja noch ein langes Leben haben können und das wurde aber abrupt unterbrochen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bronfen stellt sich entschieden gegen die Rufe nach Zensur. Sie liest Lolita als ironischen Text von einem unzuverlässigen Erzähler, als eine Beichte von einem nicht ernst zu nehmenden, trauernden Liebhaber wie es ihn in der Literaturgeschichte häufig gibt. </p>
<p>O-TON 6 BRONFEN: </p>
<p>„Gibt es die Lolita, so wie Humbert Humbert sie erzählt, überhaupt oder ist das eine Spiegelung seiner Phantasien und wenn es eine Spiegelung seiner Phantasien ist, dann ist es ein Kompositum verschiedenster weiblicher Figuren aus der Literatur seit der Antike. Man muss das auch ernst nehmen, also nicht nur als ein Ausdruck einer kulturellen Misogynie, sondern wirklich auch als ein Ausdruck einer kulturellen Faszination.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Eine kulturelle Faszination, der sich junge Leserinnen und Autorinnen heute engagiert entgegenstellen. Es braucht Gegenentwürfe, findet die 38-jährige Autorin und Schauspielerin Lea Ruckpaul, die in ihrem jüngst publizierten Roman „Bye bye Lolita“ das missbrauchte Mädchen selbst erzählen lässt. Um ihre Stimme zu finden, suchte die Autorin erstmal beim Original.</p>
<p> O-TON 7 LEA RUCKPAUL:</p>
<p>„In den Momenten, wo es wirklich körperlich gewalttätig wird, da fängt bei Nabokov die Poesie an. Also es wird irgendwie über die schöne Natur und den schönen Körper, der diese und diese Farbe hat, gesprochen, und das war, was für mich, was bei mir so tief eingeschlagen hat, weil ich glaube, dass das eine kulturelle Praxis ist, die wir oft machen, dass man Gewalt ästhetisiert. Und ich habe versucht, das genau andersrum zu machen, dass man für Gewalt sehr, sehr deutliche, sehr hässliche, sehr schmerzhafte Worte findet“.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Er legte mich neben sich und ich weinte den ganzen Ärmel seines Schlafanzuges nass. Obwohl – eigentlich weinte ich nicht richtig, es lief mehr so aus mir heraus. Auch die Rotze, aber das störte ihn nicht. Als es nachließ, steckte er zwei Finger in mich und bewegte sie ein bisschen. Es fühlte sich an, als würde er Wundränder aufreißen.  (…) Er gab das Rumfummeln bald auf und wir machten es erneut. Es war schrecklich.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Lea Ruckpaul ist nicht die erste, die versucht, die Perspektive umzukehren. 2013 macht sich die schwedische Autorin Sara Stridsberg daran, Lolita vom Objekt zum Subjekt zu machen. In ihrem Roman Darling River baut sie um Lolitas Geschichte ein Gerüst von Phantasien und Assoziationen auf, wobei diffus bleibt, wer wen überwältigt, verführt oder bändigt. In vier sogenannten Doloresvariationen schildert sie Lolita als Tochter, als sterbende Gebärende, als dressierten Affen und als Mutter. Alles in flüchtigen, düsteren Skizzen. Lolita bleibt passiv, melancholisch, fatalistisch. Der Leser folgt ihrem Verfall, ihrer Todessehnsucht. Stridsbergs Lolita will sterben wie angerfahrene Tiere auf der Straße.</p>
<p>Musik:  Quilty 0‘16</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Der kleine Vogel, der an der Scheibe zerschmettert wurde, das Rehkitz, das zwischen den Hinterreifen hervorgeschleudert wurde, während ich auf dem Rücksitz kniete und auf die Straße blickte, die hinter uns verschwand. Die kleinen, verwilderten Hunde, die mitten auf dem Asphalt liegen blieben, noch immer am Leben und in Erwartung des nächsten Autos, und des nächsten und nächsten.“ </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Darling River fand Beachtung, doch die Kritik wußte nicht viel damit anzufangen. Die Autorin Sara Stridsberg war Jury-Mitglied der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt. 2018 trat sie aus dem Komitee aus, bestürzt über den Metoo-Skandal, der die Institution erschütterte. Eine Zeitenwende in der Literaturwelt. Der weltweite Einzug einer neuen Bewusstseinskultur, die auch das Leseverhalten prägt.</p>
<p>O-TON 8 Strätling: </p>
<p>„Wir lesen ja nie isoliert. Wir lesen immer mit bestimmten Kontexten, mit einem bestimmten Vorwissen. Wir lesen auch immer abhängig von Diskursen, und ein solcher Diskurs ist zum Beispiel ja auch der Diskurs über die Metoo-Debatte. Ja, also ist dieser Diskurs einer, der jetzt dazu führt, auch diesen Lolita-Roman neu zu lesen und dann auch vielleicht erneut die Frage zu stellen: ist das ein Roman, der die Figur Lolita zum Opfer macht? Oder ist das ein Roman, der in irgendeiner Weise das ermöglicht, was man heutzutage vielleicht als Agency bezeichnen würde?“</p>
<p>Musik:  Bouquet de nerfs 0‘22</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Lolita, ein Roman, der einer missbrauchten Figur Handlungsmacht zurückerstattet? Auf den ersten Blick ein merkwürdiger Gedanke, auf den zweiten Blick ein interessanter Ansatz, vor allem, wenn man den zweiten Blick in ein Buch wirft, das 2020 auch als Folge von Metoo auf den Markt kam. Die französische Autorin Vanessa Springora machte darin öffentlich, dass sie als 14-Jährige mit dem über 30 Jahre älteren, vielfach ausgezeichneten Autor Gabriel Matzneff ihr erstes sexuelles Verhältnis hatte. Ein Abhängigkeitsverhältnis, das sie schwer traumatisiert hat. In ihrem Buch „Die Einwilligung“ zitiert Springora auch Lolita von Nabokov, und  interpretiert den Roman als eine Art Entschädigung für die Titelfigur. Sie stellt ihren eigenen sexuellen Ausbeuter dem Täter Humbert Humbert gegenüber. Und stellt fest: Lolita wird zwar missbraucht, ihr Stiefvater aber räumt im Gegensatz zur Gabriel Matzneff wenigstens seine Schuld ein.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Was für ein Glück für Lolita, dass sie wenigstens diese Wiedergutmachung erhielt, das uneingeschränkte Schuldeingeständnis ihres Stiefvaters aus dem Mund des Täters selbst, der ihr ihre Jugend geraubt hatte.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Was den Roman angeht, würde dieser heutzutage Probleme mit der Zensur bekommen, so die Verlegerin Vanessa Springora. Dabei versteht sie die Vorbehalte gegenüber Nabokovs Buch nicht, das sie selbst nach ihrer Missbrauchserfahrung mehrfach gelesen hat.</p>
<p>ZITATORIN:</p>
<p>„Mir scheint , dass Lolita alles andere als eine Verklärung der Pädophilie ist. Es ist im Gegenteil die eindrücklichste und wirkungsvollste Verurteilung, die sich in diesem Thema finden lässt. Ich habe im Übrigen immer daran gezweifelt, dass Nabokov pädophil gewesen sein könnte. (…) Mag sein, dass Nabokov gewisse Neigungen niederringen musste, ich habe keine Ahnung. Auf alle Fälle versucht der Autor Nabokov (…) nie, Humbert Humbert als Wohltäter hinzustellen oder gar als anständigen Mann.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Es überrascht, dass Springora, die selbst jahrelang das Schicksal mit Lolita teilte, in ihrer Schrift „Die Einwilligung“ Nabokovs Roman gegenüber Milde walten lässt. </p>
<p>O-TON 9 Strätling: </p>
<p>Ich finde grundsätzlich interessant, dass der Roman Lolita gerade im französischen Kontext bisweilen als Empowerment-Text gelesen wurde, als eine Verurteilung. Und das ist eine Lektüre, die stark auch alleine steht. </p>
<p>Musik:  Le vent nous portera 0‘28</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Springoras Text stand wochenlang auf Platz 1 der französischen Bestsellerliste und führte zu einer literarischen und gesellschaftlichen Debatte weit über Frankreich hinaus. Springora analysiert auch die französische Literaturszene, die jahrzehntelang ihrem Peiniger Mazneff huldigte, der Sex mit Kindern unter dem Deckmantel literarischer Kunst betrieb und beschrieb.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Tatsächlich verteidigte eine große Zahl von linken Journalisten und Intellektuellen gegen Ende der Siebziger Jahre, öffentlich Erwachsene, die wegen verbotener Beziehungen zu Minderjährigen angeklagt wurden. 1977 publizierte Le Monde einen offenen Brief, der sich für die Legalisierung von sexuellen Beziehungen zwischen Minderjährigen und Erwachsenen aussprach. (…) und wurde von prominenten und renommierten Intellektuellen, Psychoanalytikern und Philosophen, von Schriftstellern, überwiegend linken, unterschrieben. Darunter unter anderem Roland Barthes, Gilles Deleuze (…) Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Besonders bemerkenswert ist, dass die Feministin Simone de Beauvoir diesen Brief unterzeichnet hat, da sie zu den wenigen Frauen zählte, die sich schon kurz nach Erscheinen des Romans mit dem „Lolita-Syndrom“, wie sie es nannte, auseinandergesetzt haben.  Allerdings nicht sonderlich kritisch. Im Gegenteil. Simone de Beauvoir  betrachtete das kindliche, unberechenbare, neugierige, launige Wesen Lolitas modellhaft für die neue Frau. In ihrem Text „Brigitte Bardot und das Lolita-Syndrom“ bezieht sie sich vor allem auf Filme der 50er Jahre, in denen Brigitte Bardot ungestüme Kindfrauen spielt. </p>
<p>Musik:  Mambo Lolita 0‘17</p>
<p>Sie erwähnt auch Nabokovs Lolita-Roman als Syndrom einer Zeit, in der sich die Geschlechterrollen wandeln. </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Die erwachsene Frau ist inzwischen in derselben Welt wie Männer unterwegs, aber die Kindfrau bewegt sich in einem Universum, das der Mann nicht betreten kann. Der Altersunterschied zwischen beiden schafft wieder die Distanz, die nötig ist, um zu begehren. (…) Brigitte Bardot ist das ideale Exemplar dieser uneindeutig handelnden kleinen Nymphen. (…) Sie ist ohne Erinnerung, ohne Vergangenheit und dank dieses Unwissens behält sie die perfekte Unschuld, die zu einer mythischen Kindheit gehört. (…) Als Instinktwesen ist sie temperamentvoll, wankelmütig und unberechenbar. (…) Sie erscheint als Naturgewalt, gefährlich, solange sie nicht gezähmt wird. (…) Sie tut, worauf sie Lust hat und das ist, was beunruhigt.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hier schildet de Beauvoir eine Lolita, wie auch Humbert Humbert sie beschreibt. Auch er hat mit ihrem launenhaften Wesen zu kämpfen, versucht sie mit Freizeitvergnügungen in Zaum zu halten, ihre Stimmung mit Versprechungen so zu drehen, dass sie gefügig wird. Und sie spielt gezwungenermaßen mit, schlägt für sich Freiheiten heraus, bevor sie sich sexuell unterwirft. Gerade dieses Kalkül von Lolita betrachtet Simone de Beauvoir als feministische Ermächtigungsstrategie. </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Der Mann ist ein Objekt für sie, genauso wie sie es für ihn ist. Und das ist genau das, was männlichen Stolz verletzt. Schmuck, Kosmetika und High Heels (…) zu verschmähen, bedeutet, sich zu weigern, ein gefälliges, ferngesteuertes Ideal zu repräsentieren. (…) Sie fordert bestimmte, althergebrachte Tabus heraus, insbesondere die, die Frauen keine sexuelle Autonomie zugestehen. (…) Kinder fragen immer warum, warum nicht.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Simone de Beauvoir überträgt die Konstellation von Humbert Humbert und Lolita auf gesellschaftliche Verhältnisse,, wobei sie betont, dass die kindliche Frau den Mann in der Hand hat. Dasselbe unternimmt Lea Ruckpaul, allerdings in umgekehrter Weise. Sie beschreibt Lolita als Repräsentantin für all die Frauen, die einem System unterworfen sind, in dem sie gefallen und gefügig sein sollen, Und dabei lächeln und still sein sollen. Sie schreibt 2024 in ihrem Roman:</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„‘Lolita‘ ist durch alle Zeiten gegangen. ‚Lolita‘, das sind viele. Wir sind es und wir werden es auch in Zukunft sein, wenn wir so weitermachen wie bisher. (…)“. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Bei Lea Ruckpaul spricht eine erwachsen gewordene Lolita zu ihrer Mutter, die sie dazu erzogen hat, sich nicht zu widersetzen, sondern gefällig, hübsch und brav zu sein:</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Es nützt nichts, Mama (…) der Erniedrigung von außen mit Selbstkasteiung zu begegnen. Auch wenn Du ‚Perfektion‘ erreicht hättest, Mama, hätten die Tyrannei und der Selbsthass nicht aufgehört, denn sie sind ein Mechanismus zur gesellschaftlichen Regulierung und Kontrolle von Frauen. (…) Du hast mir beigebracht, in dieser Welt zu überleben, nicht aber, sie zu verändern, Es nützt nichts, um die begrenzte Teilhabe an einem System zu wetteifern, das einfach scheiße ist. Ich sage dir, was nützt: Raus aus dem Dreck!“</p>
<p>O-TON 10 Lea Ruckpaul </p>
<p>Es ist natürlich Systemkritik beziehungsweise der Versuch, dieses System ein bisschen emotional begreifbar zu machen, dass man sich darüber austauschen kann. Und dass diese Systeme auf alle Frauen in meiner Umgebung angewendet werden, das war für mich eine totale Initialzündung, mich darin bestärkt zu fühlen und eben zu denken, warte mal, ich kann ja gesellschaftlich was ändern.</p>
<p>Musik: Smart workaround 0‘20</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Frauenkörper heute ist  immer noch Spielfeld von Gewalt, was durch die mediale Bilderflut noch bestärkt wird, so die Autorin Ruckpaul. Auf Social Media würden Frauenkörper gedrillt, operiert, definiert oder durch Filter passend gemacht. </p>
<p>O-TON 11 Lea Ruckpaul </p>
<p>„Aber das sehe ich ja nicht nur bei Menschen, die als Kind Missbrauch erlebt haben, sondern das sehe ich die ganze Zeit um mich herum. Es geht die ganze Zeit darum, dass Frauenkörper gezähmt werden, dass sie in ein bestimmtes Muster hineingequetscht werden. Ich geh auf Instagram. Ich seh mir Werbung an: Die ganze Zeit beschäftigen sich Frauen damit, wie sie aussehen und eben diese Art und Weise, wie man für seinen Körper beschämt wird, hat System.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Ruckpaul liest die Figur Lolita also als Metapher, als Stellvertreterin für viele Frauen. Zugleich erzählt Ruckpaul konsequent an Nabokovs Roman entlang die Erlebnisse der Lolita aus deren Perspektive. Was Humbert Humbert über Lolita schreibt, erzählt Lolita völlig anders. Was Humbert Humbert bei Nabokov gar nicht wahrnimmt, also nicht erwähnt, wird in Lea Ruckpauls Roman explizit. </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p> „Niemals zuvor im Leben hatte ich solche Schmerzen gehabt. (…) als ich spürte wie sich eine Flüssigkeit in meiner Vagina bewegte und auf den Fußboden herunterzustürzen drohte, floh ich ins Badezimmer. Ich setzte mich auf die Toilette und beobachtete, wie Blut das Wasser rot färbte. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich aus der Vagina blutete, meine Menstruation hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekommen. Das Bluten hörte nicht auf. Mein Unterleib glühte.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Hier bleibt nicht mehr viel zu interpretieren. Die Botschaft ist klar. Lolita leidet, sie ist zunächst einmal unmissverständlich Missbrauchsopfer. Ruckpaul ist unbegreiflich, wie das bei der Rezeption von Nabokovs Lolita jahrzehntelang ausgeklammert, übersehen oder umgedreht werden konnte. </p>
<p>O-Ton 12 Lea Ruckpaul: </p>
<p>„Mein Problem ist sozusagen nicht der Roman, weil den finde ich extrem folgerichtig in dem, was er macht. Mein Problem ist die Rezeption und dass es halt ein viel viel leichterer Weg ist, gesellschaftlich zu sagen, ja sie ist diese Verführerin und er ist dieser arme Typ. Ich konnte ja mit Nabokov nie sprechen, aber wenn ich es könnte, dann würde ich ihn total gerne fragen, was er dazu gefühlt und gedacht hat - dass er eigentlich damit was anderes wollte, aber das eben auf eine Gesellschaft getroffen ist, die noch gar nicht bereit dazu war, die andere Perspektive einzunehmen oder der überhaupt nicht bewusst war, dass es sozusagen eine männlich dominierte Perspektive in der Gesellschaft überhaupt gibt.“</p>
<p>Musik:  Leave of absence 0‘17</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die Slawistin und Literaturwissenschaftlerin Susanne Strätling weist daraufhin, dass Nabokovs Text damals wie heute sehr herausfordert, da Leserinnen und Leser eine Ambivalenz zwischen Ethik und Ästhetik aushalten müssen.</p>
<p>O-Ton 13 Strätling;</p>
<p>„Diese Doppelrolle, dass man ein Buch liest über eine Handlung, die gewissermaßen im realen Leben verurteilungswürdig ist, aber so etwas wie ästhetische Lust produziert, dieser Zwiespalt, der ist immer wieder beobachtet worden, und es ist dann beschrieben worden als Ironie. Es ist oft beschrieben worden als Parodie. .“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Rezipienten heute müssten entscheiden, wie weit sie sich auf den Text einlassen, ob sie auf diese Komplizenschaft mit dem pädophilen Erzähler eingehen wollen. Und falls ja, trotzdem den Versuch unternehmen, Lolitas Stimme nachzuspüren. </p>
<p>O-TON 14 Strätling:</p>
<p>„Kein Text sagt alles, jeder Text hat seine Lehrstellen und in der Regel sind es diese Lehrstellen, die wir im Lesen imaginativ ausbuchstabieren müssen. Das ist das, wo wir als Leser:innen aktiv werden, wo etwas fehlt, wo etwas verschwiegen wird, wo etwas aufgedeckt werden muss, wo wir etwas investieren müssen.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Eine Textpassage, an der solch eine Leerstelle klafft,  ist die, als Humbert Humbert behauptet:</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>„Es war sie, die mich verführte“. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Eine Lüge? Oder Einbildung? Eine verquere Wahrnehmung? Oder doch vorstellbar? Wie kann der Täter meinen, dass Lolita ihn verführt habe? Er beschreibt ihre Initiative, ihren Flirt, dass sie ihn von sich aus geküsst habe. Lea Ruckpaul versuchte beim Schreiben ihres Romans dieses Handeln Lolitas zu erklären.</p>
<p>O-TON 15 Lea Ruckpaul:</p>
<p>„Wie zur Hölle motiviere ich eine Szene, in der ein zwölfjähriges Kind einen erwachsenen Mann küsst? Was für ein Druck muss auf dieses Mädchen ausgeübt werden, wie muss die aufgewachsen sein und sie hat einfach niemanden, sie ist unendlich einsam und es wurde ihr beigebracht, was man tun muss, um Aufmerksamkeit zu bekommen, und zwar von ihrer Mutter, und das ist alles sexistisch, was ihr beigebracht wurde, und das hat ihre Mutter nicht mit Absicht gemacht, sondern sie ist eben auch einfach Teil dieser Welt.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Zum Zeitpunkt ihres Missbrauchs ist Lolitas Mutter außerdem bereits tot. Lolita ist also auch ein vernachlässigtes Kind in seelischer Not, auf der Suche nach Liebe. Die Autorin Vanessa Springora schreibt fast 30 Jahre nach ihrer eigenen Missbrauchserfahrung: </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Der Mangel an Liebe ist wie ein Durst, der alles aufsaugt (…) voll Erleichterung, Dankbarkeit und Glück.“</p>
<p>Musik:  Guilt C 0‘21</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Ihr Bestseller ist eine Abrechnung, eine Reflexion, aber vor allem Ausdruck einer Selbstermächtigung. Sie, die wie Lolita einem viel älteren Täter ausgeliefert war, der über sie geschrieben hat, wie Humbert Humbert über Lolita, holt sich mit ihrem Buch die Deutungshoheit zurück. Genauso tut das Lolita in Ruckpauls Roman „Bye Bye Lolita“. Zunächst einmal nennt Ruckpaul sie Dolores Haze, was der eigentliche Name Lolitas ist. Diese  arbeitet sich durch selbsttherapeutische Maßnahmen und durch das Schreiben aus der Opferrolle heraus und gewinnt ihre Autonomie zurück. </p>
<p>O-TON 16 Lea Ruckpaul: </p>
<p>„Sie versucht rauszukommen aus: Ich erzähle über meine Vergangenheit und das erste, was ich erzähle, ist, über diesen Mann, der mir Gewalt angetan hat. Was ich sagen will: wie sehr identifiziert sie sich mit ihrem Opfersein? Ja sie ist es, sie hat es ertragen, sie hat es überlebt. Aber sie sagt: Ich möchte eine Geschichte haben, die außerhalb ist von dieser schrecklichen Vergangenheit, die ich gehabt habe.“ </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der dritte und vierte Teil von „Bye Bye Lolita“, in dem Dolores Haze ihr Leben ohne Humbert Humbert schildert, ist bei Ruckpaul länger als der Teil ihres Martyriums. Dolores erzählt darin von Bekanntschaften, Freundschaften, reflektiert ihre Glaubenssätze, wird erwachsen. Und vor allem lässt Ruckpaul ihre Dolores nicht sterben. Der Spiegel zählte Nabokovs Lolita im März 2025 zu den 100 besten Büchern der Weltliteratur des vergangenen Jahrhunderts. Das Buch  ist im deutschen Buchhandel wie in Bibliotheken erhältlich. Bis heute aber scheiden sich an diesem Roman die Geister. Vergangenes Jahr schrieb Susanne Strätling Nabokovs Lolita an der Freien Universität Berlin auf den Lehrplan. Das Seminar war zu ihrer Überraschung ziemlich gut besucht.</p>
<p>O-TON 17 SUSANNE STRÄTLING: </p>
<p>Es hat dieses Seminar – und das fand ich auffällig – letztlich niemand verlassen. Es haben selbst diejenigen, die dem Roman vorgeworfen haben, dass er keine angemessene Darstellung für die literarische Bearbeitung des Missbrauchsthemas findet, dennoch sich darauf eingelassen, diesen Text als ein literarisches Artefakt und als Dokument zu diskutieren.</p>
<p></p>
<p>offensichtlich sollte Nabokovs Lolita, gerade weil er ein so problematischer Text ist, weiter debattiert werden.“</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Aufforstung in Afrika - Die grüne Mauer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/aufforstung-in-afrika-die-gruene-mauer/1842135</link>
      <pubDate>Tue, 08 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4e1bb815-0e10-420f-9d43-3d8338da8b98</guid>
      <description>Eine &quot;Große Grüne Mauer&quot; quer durch Afrika zu pflanzen, ist ein geradezu utopisches Projekt der Afrikanischen Union. Seit 2005 konnten trotz hoher Investitionen erst 15 Prozent verwirklicht werden. Dann haben die Macher umgedacht. Autorin: Bettina Rühl (BR 2021) </description>
      <enclosure length="21785856" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1842135/c/feed/aufforstung-in-afrika-die-gruene-mauer.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:41</itunes:duration>
      <itunes:author>Bettina Rühl</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine &quot;Große Grüne Mauer&quot; quer durch Afrika zu pflanzen, ist ein geradezu utopisches Projekt der Afrikanischen Union. Seit 2005 konnten trotz hoher Investitionen erst 15 Prozent verwirklicht werden. Dann haben die Macher umgedacht. Autorin: Bettina Rühl (BR 2021) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ba9d9398-2aea-41b0-b003-80e741c6e1d2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine "Große Grüne Mauer" quer durch Afrika zu pflanzen, ist ein geradezu utopisches Projekt der Afrikanischen Union. Seit 2005 konnten trotz hoher Investitionen erst 15 Prozent verwirklicht werden. Dann haben die Macher umgedacht. Autorin: Bettina Rühl (BR 2021) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Bettina Rühl <br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Technik: Robin Auld<br/> Redaktion: Anne Kleinknecht</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li>Hamoud Abdoulaye, Bauer, Niger</li>
<li>Mahamoud Kader Goni, Bauer, Niger</li>
<li>Elvis Tangem, AU-Kommission, Koordinator „Große Grüne Mauer“ </li>
<li>Tony Rinaud, alternativer Nobelpreisträger</li>
<li>Constantin Zohner, Ökologe, ETH Zürich  </li>
<li>Marcus Lindner, leitender Wissenschaftler, Europäisches Forstinstitut Bonn </li>
<li>Peter Maurer, Präsident IKRK</li>
<li>Ibrahim Thiaw, Direktor UNCCD</li>
</ul>

<br/>
<p> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/podcasts/radiowissen/radiowissen-manuskripte-aufforstung-afrika-grosse-gruene-mauer-niger-duerre-rinaud-sahel-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Trockene Blätter rascheln unter Hamoud Abdoulayes Füßen, der kräftige Wind bläht sein weißes, bodenlanges Gewand. Der Bauer geht über sein Feld im Südwesten von Niger. Der westafrikanische Staat liegt im Sahel, also in der trockenen Übergangszone zwischen der Wüste Sahara und der feuchten Savanne weiter südlich. Wer an den Anblick der fruchtbaren Böden in Deutschland gewöhnt ist, käme vermutlich nicht auf die Idee, dass die karge Fläche hier ein Feld ist: Das helle Erdreich ist trocken, die Erdkrume dünn, hier und da wachsen Bäume und Büsche - Arten wie Kalgo, Sabara oder Gao. Abdoulaye zeigt auf einen von ihnen: </p>
<p><br/></p>
<p>OT 03 HAMOUD ABDOULAYE </p>

<p>ÜBERSETZER:  </p>
<p>Ich kenne das genaue Alter aller Bäume auf meinem Feld, weil ich jeden einzelnen gesehen habe, als er aus dem Boden kam, und weil ich sie pflege. Der kleine hier ist zum Beispiel ein Jahr alt. </p>
<p><br/></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Abdoulaye hat erst 2018 angefangen, sich für Bäume zu interessieren und dafür zu sorgen, dass auch auf seinem Feld welche wachsen, neben der Hirse und den Kuhbohnen, die er vor allem anbaut. Die Not habe ihn zum Umdenken gezwungen, sagt der 67jährige Familienvater. </p>
<p><br/></p>
<p>OT 04 HAMOUD ABDOULAYE</p>
<p><br/></p>
<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Die Situation vorher hat mir und den anderen Bauern im Dorf große Angst gemacht. Es gab keinen Schatten mehr, an vielen Stellen unserer Felder kam nacktes Gestein durch, der Wind hatte die Erde abgetragen, die Böden waren fast unfruchtbar geworden. Überall war Staub. Dann kamen Leute von einem Entwicklungsprojekt und haben uns erklärt, welche Vorteile es hat, wenn wir Bäume auf unseren Feldern haben. Sie hatten Recht, wir erleben seitdem, wie viel die Bäume verändern. </p>
<p><br/></p>
<p>REGIE: </p>
<p>Die ersten vier Sekunden der Musik unter dem Ende des O-Tons einblenden, so dass der erste Rhythmuswechsel frei, dann weiter unter dem Text </p>
<p><br/></p>
<p>MUSIK </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Abdoulaye ist einer von hunderttausenden Afrikanerinnen und Afrikanern, die dafür kämpfen, dass die trockene Sahelzone wieder grün wird. Ihr Engagement ist Teil eines geradezu utopischen Megaprojektes, das die Afrikanische Union 2007 auf den Weg gebracht hat: die Anpflanzung einer „Großen Grünen Mauer“ quer durch den Kontinent. Vom Senegal im Westen bis Dschibuti im Osten, also durch elf Länder der Sahara oder der Sahelzone. </p>
<p>Die „Große Grüne Mauer“ soll bis 2030 eine Fläche von 100 Millionen Hektar bedecken, etwa drei Mal die Größe Deutschlands. </p>
<p><br/></p>
<p>REGIE: </p>
<p>nochmal kurz frei, dann am Anfang des O-Tons ausblenden  </p>
<p><br/></p>
<p>OT 05 ELVIS TANGEM</p>
<p>The Great Green Wall is one program that have really supported the whole idea of this UNCCD, which is the convention to combat desertification.</p>
<p><br/></p>
<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Die Große Grüne Mauer ist ein Programm, das die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung sehr unterstützt hat.</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Elvis Tangem koordiniert das Projekt für die Kommission der Afrikanischen Union. </p>
<p><br/></p>
<p>OT 06 ELVIS TANGEM</p>
<p>The whole vision about the Great Green Wall is about sustainability in the Sahel to ensure that those who are living in the drylands of Africa, which is about 55% to 60% of the entire continent can be able to stay, to develop in their natural environment. </p>
<p><br/></p>
<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Bei der Großen Grünen Mauer geht es um Nachhaltigkeit in der Sahelzone. Wir wollen dadurch sicherstellen, dass die Menschen in den trockenen Gebieten Afrikas, die 55 bis 60 % Prozent des gesamten Kontinents ausmachen, in ihrer natürlichen Umgebung bleiben und sich dort weiterentwickeln können. </p>
<p><br/></p>
<p>Musik: ARD Open Music Mystery Action Percussion Mix</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Die Vision: Durch den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit die Ernten verbessern und die Ernährung von mehreren Millionen Menschen sichern, die zu den ärmsten der Welt gehören. Außerdem 100 Millionen Jobs im ländlichen Raum schaffen. Das soll, so die Idee, vor allem jungen Menschen eine Alternative bieten zur Migration nach Europa. </p>
<p><br/></p>
<p>REGIE: </p>
<p>Musik kurz frei als Zäsur, dann weiter unter dem Text </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Der Klimawandel stand am Anfang nicht im Fokus der geplanten Mega-Baumpflanzaktion. Aber mit den Jahren wurde die Klimakrise auch in Afrika immer spürbarer. Unter anderem durch die steigende Zahl bewaffneter Konflikte um Wasser und fruchtbares Land, beides wird immer knapper. Das Projekt der „Großen Grünen Mauer“ gewann dadurch noch mehr an Bedeutung, sagt Elvis Tangem von der AU-Kommission: </p>

<p>OT 07 ELVIS TANGEM </p>
<p>Many countries have now understood that there was a clear link between climate change, land degradation, desertification, so, the survival of the countries. </p>
<p><br/></p>
<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Viele Länder haben inzwischen verstanden, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Klimawandel, Bodendegradation, Wüstenbildung und dem Überleben in diesen Ländern gibt. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Das gigantische Aufforstungsprojekt soll helfen, CO2 in der Atmosphäre zu reduzieren. </p>
<p>Kritiker bemängeln allerdings die hohen Kosten des Projektes. Wie viel Geld genau bereits ausgegeben wurde, sei nicht ganz einfach zu berechnen, sagt Elvis Tangem: Weil es unterschiedliche Programmbereiche gibt und viele internationale Geber, außerdem die Investitionen der beteiligten afrikanischen Staaten selbst. </p>
<p><br/></p>
<p>OT 08 ELVIS TANGEM</p>
<p>So, if we have to estimate all the funds that have been mobilized at the international level up to let’s say 2020, we were looking at almost like about 2 billion to 3 billion. And then, when you look at what has been mobilized locally, it’s also almost of equal amount, you know.   </p>
<p><br/></p>
<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Wenn wir schätzen wollen, wie viele Mittel auf internationaler Ebene bis 2020 mobilisiert worden sind, kommen wir auf etwa zwei bis drei Milliarden US-Dollar. Die beteiligten afrikanischen Staaten vor Ort haben zusätzlich fast noch einmal den gleichen Betrag aufgebracht. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN: </p>
<p>Also insgesamt bis zu sechs Milliarden US-Dollar bis 2020. Im Frühjahr 2021 kam nochmal ein Vielfaches an finanziellen Zusagen hinzu: </p>
<p><br/></p>
<p>OT 09 ELVIS TANGEM</p>
<p> When you look at the current rate of pledges and investment that is then pumped in as of January this year with the pledges and mobilization from the One Planet Summit which was about $19 something billion, which is, you know, it’s a huge amount of money that we are now grappling, and we’re putting in place the necessary structures and strategies on how we’re going to invest that money into ensuring impact, you know.</p>
<p><br/></p>
<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>An aktuellen Zusagen und Investitionen wurden seit Januar 2021 durch den „One Planet“ - Gipfel in Paris nochmal rund 19 Milliarden Dollar mobilisiert und in das Projekt gepumpt. Das ist eine riesige Menge Geld, die wir jetzt in die Hand nehmen. Wir sind dabei, die notwendigen Strukturen und Strategien zu schaffen um herauszufinden, wie wir dieses Geld investieren können, damit wir Wirkung erzielen. </p>
<p><br/></p>
<p>ARD-Openmusic-Safari-part-2 Länge:</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Genau da sehen Kritiker, beispielsweise Entwicklungsexperten, schon jetzt das Problem: in der Wirksamkeit des Projektes, vor allem angesichts der hohen Kosten. Das Ergebnis der bisherigen Investitionen in Milliardenhöhe sei enttäuschend. Noch nicht einmal aus den Worten von Moussa Faki Mahamat ist eine Erfolgsgeschichte herauszuhören, dabei ist er der Vorsitzende der AU-Kommission, also der oberste Verantwortliche des Projektes. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er Anfang 2021: </p>
<p><br/></p>
<p>OT 10 MOUSSA FAKI MAHAMAT</p>
<p>années après le lancement de cette initiative, le rêve s’est quelque peu estompé. Seulement quatre million d’hectares de terre ont été aménagés sur les 100 millions prévus. </p>
<p><br/></p>
<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Jahre nach dem Start dieser Initiative ist der Traum in gewisser Weise verblasst. Bis jetzt wurden nur vier Millionen von den geplanten 100 Millionen Hektar wieder fruchtbar gemacht.  </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Für die Geber war das ernüchternde Ergebnis allerdings kein Argument, weniger, sondern stattdessen sogar noch mehr Geld zu investieren. Dafür hatte auch AU-Kommissionspräsident Mahamat plädiert: Ohne eine weitere, bedeutsame Investition sei es unmöglich, die Ziele zu erreichen. </p>
<p>Eines der Hauptprobleme ist die geringe Überlebensrate der Setzlinge, räumt Tangem ein.  </p>
<p><br/></p>
<p>OT 11 ELVIS TANGEM</p>
<p>Most of the trees that are brought into the, brought from other areas, yes, the survivor rate over few months is very difficult because apart from the periodical lack of water, you also have, if you do like with animal browsing. So, sometimes you can have about 40% survival rate. Planting is easy, growing is the main thing.</p>

<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Von den Bäumen, die aus anderen Gebieten hierhergebracht wurden, überleben nicht genug die ersten Monate. Sie bekommen nicht ausreichend Wasser, außerdem werden sie von Tieren gefressen. Die Überlebensrate liegt deshalb manchmal nur bei etwa 40 Prozent. Das Pflanzen ist einfach. Es kommt aber darauf an, die Setzlinge groß zu kriegen. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Kritiker werfen den Initiatoren der spektakulären „Grünen Mauer“ durch Afrika denn auch vor, genau das nicht ausreichend bedacht zu haben: dass Aufforstung nicht nur bedeutet, Setzlinge in die Erde zu bringen. </p>
<p>Vielleicht noch schwerer wiegt der Vorwurf, für das Projekt werde viel zu viel Geld ausgegeben. Denn es gibt eine deutlich billigere und zudem noch erfolgreichere Methode, als Millionen von Setzlingen in die trockenen Regionen des Kontinents zu schaffen. Nämlich die Wurzeln der einheimischen Baumarten wieder austreiben zu lassen, die unter der baumlos wirkenden Oberfläche überdauern. </p>
<p><br/></p>
<p>AT 02 Feld vorbereiten</p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Im Südwesten des Niger bereitet der Bauer Mahamoud Kader Goni sein Feld für die Aussaat vor: Die Regenzeit steht bevor, erste ergiebige Güsse waren deren Vorboten. Kader Goni arbeitet aufmerksam und konzentriert: Anders als früher, hackt er nicht einfach drauf los, sondern guckt genau hin, was ihm vor sein Feldwerkzeug kommt. Sind es die Triebe von Bäumen, arbeitet er sorgsam um sie herum. Der 66Jährige erklärt, worauf es ankommt. </p>
<p><br/></p>
<p>OT 12 MAHAMOUD KADER GONI</p>

<p>ÜBERSETZER:</p>
<p>Das eine ist, dass ich überhaupt keine lebenden Äste mehr schlage. Wenn ich Holz brauche, sammele ich nur die toten Äste von meinem Feld. Das andere: Es gibt immer wieder kleine Triebe, die aus dem Boden kommen, die pflege ich. Wenn zum Beispiel viele Triebe dicht nebeneinander sprießen, suche ich drei oder vier von ihnen aus, die anderen entferne ich, damit sie sich nicht gegenseitig den Platz wegnehmen. Ich beschneide sie immer wieder, bis daraus ein großer Baum mit einem kräftigen Stamm geworden ist. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Damit habe er 2017 begonnen. Inzwischen möchte er die Bäume, die auf seinem Feld zwischen Hirse-, Bohnen- und Erdnusspflanzen wachsen, nicht mehr missen, beispielsweise den Gao-Baum, botanisch: Faidherbia oder Acacia Albida, eine Akazienart. </p>
<p><br/></p>
<p>OT 13 MAHAMOUD KADER GONI</p>

<p>ÜBERSETZER:</p>
<p>Wir schützen die Bäume aus mehreren Gründen. Erstens spenden sie Schatten. Sie merken es ja selbst: Wir stehen gerade im Schatten eines Baumes und unterhalten uns. Ohne den Baum wäre die Hitze unerträglich. Zweitens regnet es da, wo Bäume sind. Drittens: Ohne die Bäume hat der Wind immer sehr viel Sand mitgebracht, meine Saat ist regelrecht versandet. Jetzt brechen die Bäume den Wind. Die toten Blätter, die auf den Boden fallen, decken die fruchtbare Krume ab und werden zu Dünger, wenn sie zerfallen. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Der Bauer Abdoulaye, der das Alter jedes Baumes auf seinem Feld kennt, arbeitet nach derselben Methode. Er gießt die kleinen Triebe sogar wenn es nicht regnet, damit sie nicht vertrocknen. Der Aufwand habe sich für ihn schon gelohnt, versichert Abdoulaye: </p>
<p><br/></p>
<p>OT 14 HAMOUD ABDOULAYE</p>

<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Bevor ich damit angefangen habe, waren meine Ernten mager, weil mein Feld nicht mehr fruchtbar war. Jetzt ernte ich mehr. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Im Durchschnitt holt er vier- bis fünfmal so viel Hirse ein, wie vor dem Beginn der Aufforstung auf seinem Feld. Abdoulaye versichert, dass nicht nur sein Feld so viel fruchtbarer geworden sei, sondern die Flächen aller Bauern in seinem Dorf in der Region Tillabery im Südwesten Nigers.</p>
<p><br/></p>
<p>ARD Open Music Solarwind</p>
<p><br/></p>
<p>Er rät allerdings davon ab, die anderen Felder zu besuchen, weil sie weiter von der Landstraße entfernt sind – eine Fahrt dorthin sei gefährlicher. Denn die Sicherheitslage in Niger ist angespannt, was auch für die benachbarten Sahelstaaten gilt: Burkina Faso, Mali, Nigeria, Tschad. Überall sind islamistische Terrorgruppen aktiv, mit Verbindungen zum Al-Kaida-Netzwerk oder dem so genannten Islamischen Staat. Sie terrorisieren die Bevölkerung, verüben Anschläge auf die Sicherheitskräfte. </p>
<p><br/></p>
<p>OT 15 HAMOUD ABDOULAYE</p>

<p>ÜBERSETZER: </p>
<p>Unser Dorf haben sie zum Glück noch nicht angegriffen, aber was wir hören, macht uns Angst. </p>
<p><br/></p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Die islamistischen Terrorgruppen sind in der Region auch deshalb so erfolgreich, weil sie lokale Konflikte schüren - zum Beispiel um Ackerflächen, Weideland und Wasser. Konflikte, die wegen des hohen Bevölkerungswachstums, aber auch wegen der Klimakrise eskalieren: Fruchtbare Flächen werden immer knapper. Umso wichtiger ist es, degradierte Böden wieder nutzbar zu machen. </p>
<p>Musikende</p>

<p>Die Methode, nach der die beiden Bauern Mahamoud Kader Goni und Hamoud Aboulaye vorgehen, gehörte ursprünglich nicht zum Mega-Projekt der Afrikanischen Union. Sie wurde von dem australischen Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo entwickelt - fast könnte man sagen: entdeckt. Beim Interview über eine Internetverbindung erzählt der Australier, wie es vor Jahren dazu kam. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hochwasserschutz - Polder, Deiche, mobile Wände</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hochwasserschutz-polder-deiche-mobile-waende-1/2107341</link>
      <pubDate>Tue, 08 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a7f1cb04-e25f-4054-896f-97faeece8ebc</guid>
      <description>Wenn der Flusspegel steigt, können Polder die Wassermassen aufnehmen. Doch es gibt zu wenige - stattdessen zwängen Deiche die Flüsse ein. Mit mobilen Wänden versuchen Städte sich vor Hochwasser zu schützen. Von Renate Ell </description>
      <enclosure length="22024704" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107341/c/feed/hochwasserschutz-polder-deiche-mobile-waende-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Renate Ell</itunes:author>
      <itunes:summary>Wenn der Flusspegel steigt, können Polder die Wassermassen aufnehmen. Doch es gibt zu wenige - stattdessen zwängen Deiche die Flüsse ein. Mit mobilen Wänden versuchen Städte sich vor Hochwasser zu schützen. Von Renate Ell </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e575583f-9966-4593-b1f5-b971ae13f222.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn der Flusspegel steigt, können Polder die Wassermassen aufnehmen. Doch es gibt zu wenige - stattdessen zwängen Deiche die Flüsse ein. Mit mobilen Wänden versuchen Städte sich vor Hochwasser zu schützen. Von Renate Ell </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Renate Ell<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprach: Rahel Comtesse<br/> Technik: Wolfgang Lösch<br/> Redaktion: Hellmuth Nordwig</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Albert Göttle, früherer Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt und des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft<br/>Prof. Dr.-Ing. Arnd Hartlieb, Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft, Technische Universität München<br/>Prof. Dr.-Ing. i.R. Wolfgang Günthert, Forschungszentrum RISK, Universität der Bundeswehr München, Neubiberg<br/>Reinhard Riku Vogt, HochwasserKompetenz-Centrum e.V.</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>IQ – Wissenschaft und Forschung Vor der Sturzflut</p>
<p><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/vor-der-sturzflut-wie-kann-man-die-menschen-besser-schuetzen/bayern-2/13724005/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Bayerisches Landesamt für Umwelt: Hochwasserschäden vorbeugen<br/><a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.lfu.bayern.de/wasser/pro_gewaesser_2030/saeule1/index.htm">HIER</a></p>
<p>TU München, Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft<br/><a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.cee.ed.tum.de/wb/startseite/">HIER</a></p>
<p>Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V<br/><a title="Hier gehts zur Website" href="https://de.dwa.de/de/audit-ueberflutungsvorsorge.html">HIER</a></p>
<p>HochwasserKompetenzCentrum e.V.: Hochwasser-Pass für Immobilien<br/><a title="Hier gehts zur Website" href="https://www.hochwasser-pass.info/">HIER</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskript-hochwasserschutz-deich-polder-hoch-wasser-schutz-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das Wasser steigt. Überwindet die Ufer, kriecht die Straße entlang, erreicht das Grundstück. Jetzt bleibt nicht mehr viel Zeit, um zu handeln – schon dringen die ersten schlammigen Rinnsale durch die Kellerfenster ein, dann immer mehr. Und die Pegel steigen weiter!</p>
<p>ATMO NOCHMAL HOCH </p>
<p>Musik 2: Affected cities – 41 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das könnte durch den Klimawandel in Zukunft öfter Realität werden, immer mehr Menschen treffen: Ein Tiefdruckgebiet bleibt sozusagen hängen über einer Region, und lässt mit wochenlangem Regen die Flüsse in einem großen Gebiet über die Ufer treten. Oder, ebenfalls in den nächsten Jahrzehnten häufiger zu befürchten: Extremwetterlagen mit so starkem Regen, dass Orte innnerhalb kurzer Zeit überschwemmt werden. Sturzfluten können Straßen in reißende Flüsse verwandeln. Aber zumindest wenn es bei Sachschäden bleibt, zeigt die Erfahrung:</p>
<p>(1. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>Der Eindruck von einem Hochwasser verbleibt nicht allzu lange, nach wenigen Jahren sind die Folgen mehr oder weniger beseitigt, und die Menschen haben es wieder aus dem Hinterkopf bekommen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Weiß Albert Göttle – Jahrzehnte lang in Bayern mit Hochwasser befasst, an der Technischen Universität München, im Landesamt für Wasserwirtschaft und später im Landesamt für Umwelt. Und deshalb gibt es einen idealen Zeitpunkt, den Hochwasserschutz zu verbessern, das zeigte sich nach dem Pfingst¬hochwasser 1999 im Allgäu. </p>
<p>(2. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>Diese damalige Situation war so brisant, man hat Krankenhäuser evakuieren müssen, man hat Gebäude, Industrieanlagen, Altersheime hat man räumen müssen, ich war in diesem Krisenstab und habe das alles hautnah erlebt, und anschließend war der Eindruck groß genug, dass es auch eine hohe Bereitschaft in allen Ebenen gegeben hat, und die Phasen, die wir anschließend erlebt haben, in anderen Standorten, die sind wesentlich schwieriger gewesen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Deshalb gelang es nur im Illertal, innerhalb weniger Jahre einen Polder zu bauen. Also eine große Ausweichfläche für Hochwasser in einer Flussaue. Das Wasser kann in die Breite gehen, der Pegel sinkt. </p>
<p>(3. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>Ein Problem bei den Flutpoldern: Man hilft nicht dem, der den Flutpolder auf seinem Gebiet bauen lässt, man hilft dem Unterlieger.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Dafür müssen Landwirte ihre Flächen zur Verfügung stellen; nach einer Überschwemmung werden sie natürlich für eine verlorene Ernte entschädigt. Außerdem braucht man einige technische Einrichtungen, um das Wasser im richtigen Moment in den Polder zu leiten. Die Solidarität der Menschen im Illertal wurde allerdings schnell belohnt.</p>
<p>(4. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>2005 wo man es wirklich brauchen konnte, wurde die Stadt Kempten durch die Nutzung dieses Flutpolders, das Abschöpfen der Hochwasserwelle, dann geschont.</p>
<p>Musik 3: Black Ostsee (c) – 48 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Polder an der Iller war einer von vielen, die nach dem Hochwasser 1999 ins bayerischen „Aktionsprogramm 2020“ und später „2020 plus“ aufgenommen wurden , die meisten an der Donau. Dort dauerte es 20 Jahre, bis der erste Polder fertig war: bei Riedensheim, rund 30 Flusskilometer oberhalb von Ingolstadt. Alle anderen sind entweder im Bau oder sogar noch in der Planung. Vielerorts wehren sich Bürgerinitiativen gegen die Polder.</p>
<p>Da heißt es dann auch manchmal: Warum hier so viel Geld ausgeben, warum unsere Wiesen und Äcker mit schlammigem Wasser überfluten lassen, „das bringt nur ein paar Zentimeter in Passau“. Aber:</p>
<p>(5. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Die paar Zentimeter können entscheidend sein.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sagt Professor Arnd Hartlieb von der Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft der Technischen Universität München.</p>
<p>(6. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Weil in den unterliegenden Städten wird natürlich dann der Hochwasserschutz auch so ausgelegt, dass er zusammenspielt mit den Flutpoldern.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Etwa die Höhe von Deichen und Mauern am Ufer. Diesem geplanten Zusammenspiel liegen penible Berechnungen zugrunde, und natürlich Hochwasser-Daten über viele Jahrzehnte, teils sogar über hunderte Jahre. Diese Daten liefern die so genannte Bemessungsgrundlage: in Bayern wird der Schutz auf ein hundertjährliches Hochwasser ausgelegt.</p>
<p>(7. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Das heißt, es tritt in jedem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 100 auf. Also: Sie haben in jedem Jahr die gleiche Wahrscheinlichkeit, dass es wieder auftritt. Selbst wenn jetzt ein Riesenereignis war, heißt es nicht jetzt haben wir die nächsten Jahrzehnte Ruhe; sondern das kann im nächsten Jahr wieder passieren.</p>
<p>Musik 4: Black Ostsee – siehe oben – 25 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Versuchsanstalt der TU München, in der Arnd Hartlieb arbeitet, liegt idyllisch in der Nähe des Walchensees. Dort kann der Forscher mit Experimenten herausfinden, wie ein Polder oder ein Deich gestaltet sein muss, um seine Aufgabe optimal zu erfüllen. Computermodelle helfen ihm dabei. Aber in vielen Fällen genügt das nicht. </p>
<p>(8. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Dann bauen wir die Landschaft nach, teilweise vereinfacht, teilweise in Ausschnitten im Freigelände, teilweise wirklich im Eins-zu-Eins-Maßstab, weil es auch durchaus Probleme gibt, die man eben nicht verkleinern kann, teilweise eben auch verkleinert, aber so, dass es nicht zu klein wird, dass wir diese Übertragung immer noch gegeben haben von dem Modellergebnissen dann auf die Realität.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Auf diese Weise zeigt sich nicht nur, welche Fläche ein Polder haben muss, um die Hochwasserwelle flussabwärts um ein bestimmtes Maß zu senken. Sondern auch, wie das so genannte Einlassbauwerk gebaut und gesteuert werden muss. Das ist eine Art Tor in dem Deich, der sich zwischen Fluss und Polderfläche erstreckt.</p>
<p>(9. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Das ist häufig auch eine Möglichkeit, um Kosten einzusparen, wir können ja da auch zum Beispiel dann mal eine Planung abspecken, weil man dann in den Modellversuchen merkt: So groß muss es gar nicht werden oder so kompliziert, weil es auch anders funktioniert. Wenn das nicht funktioniert, das Einfache, dann hat man den Nachweis: Wir brauchen die teurere, komplexere Lösung, damit es funktioniert.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Auch der richtige Zeitpunkt, das Tor zu öffnen, den Polder zu fluten, ist Teil der Modelle. Neben dem Wasserstand im Fluss kann dabei die Wettervorhersagen eine Rolle spielen. Keinesfalls darf ein Polder zu früh geflutet werden – weil seine Wirkung verpufft, wenn die Spitze der Hochwasserwelle erst danach den Fluss entlang rollt. Und weil man auch nicht unnötig die Wiesen oder Äcker im Polder überfluten will.</p>
<p>(10. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Im einen Fall kann es sinnvoll sein, schon zu fluten, weil man jetzt weiß: Bei dem Wasserstand und im Abfluss habe ich annähernd schon die Spitze erreicht, und ich muss schon entlasten. Aber wenn ich weiß, es kommt noch mehr, dann würde ich das Bauwerk wahrscheinlich eher erst noch weniger aufmachen.</p>
<p>Musik 5: Conspiracy – 1:14 Min</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aus der Wasserwirtschaft kam vor einigen Jahren die Idee einer simplen und preiswerten Alternative zu einem aufwendigen Stahl-Tor zwischen Deich und Polder, die Arnd Hartlieb auch auf die Probe gestellt hat. Auf einer längeren Strecke wird ein Betonsockel gebaut, der etwas niedriger ist als der Deich. Darauf liegt ein Aufsatz aus Sand und Kies, der auf der gleichen Höhe endet wie der Deich. Damit hat der Deich eine geplante Schwachstelle – Fachleute nennen sie „erodierbare Überlaufstrecke“. Ein Film der Modell-Experimente zeigt, wie das steigende Wasser erst langsam in diesen Aufsatz einsickert – und dann plötzlich Wasser, Sand und Kies in einem Schwung den Betonsockel hinab in den Polder rauschen. Dadurch sinkt der Wasserstand im Fluss sehr schnell. Eine solche Konstruktion wird an der Donau bei Straubing gebaut. Entscheidend ist die passende Kombination von Sand und Kies, die Arndt Hartlieb in Experimenten ermittelt hat: Sie soll halten, solange das Wasser noch niedrig steht.</p>
<p>(11. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Ich kann dann eigentlich sehr gut vorhersagen, wann dieser große Abfluss dann auf 90 Meter Breite zum Beispiel in diesen Flutpolder fließt. Wenn ich das mit einem gesteuerten Einlass-Bauwerk haben wollte, dann müsste das sehr, sehr groß sein und sehr, sehr breit und sehr, sehr teuer.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Polder werden in Bayern vor allem an der Donau gebaut, einer am Main und demnächst auch einer am Inn. Dort, das haben Experimente mit einem nachgebauten Flussbett gezeigt, braucht man ein vergleichsweise kleines Überflutungsgebiet, weil man im Fluss selbst Platz schaffen kann für zusätzliches Wasser. Denn vor den Stauwehren der Wasserkraftwerke sammelt sich im Lauf der Zeit an der Sohle des Flussbetts Sand und Geröll aus den Alpen an. Bei Hochwasser werden die Stauwehre geöffnet.</p>
<p>(12. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Dann hat man plötzlich viel höhere Geschwindigkeiten in Stauräumen, und sehr, sehr viel Sohlmaterial kommt in Bewegung, wird weiter transportiert, und die Sohle sinkt stark ab. Und damit entsteht eben dann Volumen im Hochwasserfall, da bleibt mehr Wasser im Inn, als wenn ich jetzt von dieser Sohle im normalen Betriebszustand ausgehen würde.</p>
<p>ATMOS Wiese + Fluss</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>An kleineren Flüssen braucht man keine aufwändigen Polder, um das Hochwasser erstmal in die Breite gehen zu lassen und damit die Welle flussabwärts zu kappen. Einfacher ist es, den Fluss bei Hochwasser dort aufzustauen, wo sich das Wasser in Auwiesen verteilen kann. Ein solches Hochwasser-Rückhaltebecken gibt es etwa an der Paar südlich von Augsburg. Dazu wird ein unauffälliges Stauwehr in den Fluss gebaut.</p>
<p>(13. Zusp.) Arnd Hartlieb</p>
<p>Bis zu einem gewissen Hochwasserabfluss fließt einfach das Gewässer weiterhin fröhlich durch die Landschaft, und erst, wenn eben ein bestimmter Abfluss erreicht wird, den die Unterlieger nicht mehr verkraften können, beginnt dann automatisch eine Drosselung, und da entsteht dann eben ein sehr großflächiger See, der allerdings relativ geringe Wassertiefen hat.</p>
<p>Musik 6: Aortic... aus: The Knick - Original Series Soundtrack – 25 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Immer wieder wird auch die Renaturierung von Flussauen gefordert, um dem Hochwasser Raum zu verschaffen. Arnd Hartlieb hat die Wirkung solcher Maßnahmen an der Donau untersucht, mithilfe rund 200 Jahre alter Landkarten und einem Computermodell. So konnte er das gleiche Hochwasser einmal durch die historische Landschaft schicken und einmal durch die heutige. </p>
<p>(14. ZUSP.) ARND HARTLIEB</p>
<p>Da kann man dann halt wirklich nachweisen, dass gerade bei diesen großen Hochwasserabflüssen sich gar nicht viel verändert, was Wasserstände und auch Zeitpunkte der Hochwasser Spitze sozusagen angeht, dass aber bei kleineren Hochwasserabflüssen diese Renaturierung schon einen deutlichen Effekt hat und eine Verbesserung bringt.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ist ein Fluss renaturiert, werden Polder also nur bei großen Hochwassern gebraucht – und an vielen Stellen ist auch ein Deich nötig, der Siedlungen und Infrastruktur schützt. In Stadtzentren stehen oft Mauern am Flussufer. Aber deren Höhe sind gestalterische Grenzen gesetzt. Und es gibt Extremsituationen, für die kein Deich, keine Mauer hoch genug sein kann. Etwa wenn im Winter Dauerregen und Schneeschmelze auf einen bereits wassergesättigten Boden treffen. Dann kommt die große Stunde des mobilen Hochwasserschutzes. Der Klassiker: Sandsäcke. </p>
<p>(15. ZUSP.) RIKU REINHARD VOGT</p>
<p>Sandsäcke sind für mich Steinzeit.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sagt Riku Reinhard Vogt vom Hochwasser-Kompetenz-Centrum, einem gemeinnützigen Verein; bis 2014 war er für den Hochwasser-Schutz der Stadt Köln verantwortlich. </p>
<p>(16. ZUSP.) RIKU REINHARD VOGT</p>
<p>Man brauche so viele Leute dafür. Das Ganze ist meistens undicht. Die sind nachher kontaminiert, sie sind nicht wiederverwendbar.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sandsäcke eignen sich, um schnell einen Deich zu flicken, aus dem das Hochwasser Stücke herausgerissen hat. Aber um etwa eine Siedlung zu schützen, auf die das Wasser zuströmt, gibt es bessere Systeme. Zum Beispiel riesige Schläuche. Die Feuerwehr befüllt sie am Einsatzort mit Wasser; sie hat Pumpen, mit denen das sehr schnell geht.</p>
<p>(17. ZUSP.) RIKU REINHARD VOGT</p>
<p>Und hat dann den Hochwasserschutz meistens bis zu einer Höhe von einem Meter, aber es gibt auch Systeme, wo mehrere Schläuche übereinander sind die also auch ohne weiteres drei Meter Höhe schaffen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Viel simpler und deshalb für Privathaushalte geeignet sind L-förmige Elemente, die man in einer Reihe nebeneinander aufstellen kann. Der kurze Schenkel am Boden zeigt in die Richtung, aus der das Hochwasser kommt und wird dann vom steigenden Wasser nach unten gedrückt, so steht die Wand stabil. Schnell aufgebaut ist auch ein Baukastensystem aus Europaletten oder anderen Platten, die mit Stützen aufrecht gestellt werden, plus einer kräftigen Folie.</p>
<p>(18. ZUSP.) RIKU REINHARD VOGT</p>
<p>Die Folie wird dann in den Rasen kurz mit einem Spaten hineingebracht, sodass da die Verbindung da ist, und diese Platten Systeme haben wir zum Beispiel 600 Meter in viereinhalb Stunden aufgebaut. Für 600 Meter braucht man 60.000 Sandsäcke, die hat man nicht in vier Stunden gefüllt, und die sind auch nicht so wirksam.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Beliebt in hochwassergefährdeten Gemeinden sind so genannte Dammbalken-Wände, die man sich wie hochkant gestelltes Parkett vorstellen kann. Wobei die einzelnen Balken aus Aluminium bestehen, mit einer Gummidichtung. Damit lassen sich schnell enge Durchlässe schließen oder Mauern erhöhen – vorausgesetzt, man hat vorher entsprechende Halterungen für die Stützen und Wandanschlüsse installiert. Das erfordert also Planung und verursacht Kosten in trockenen Zeiten.</p>
<p>(19. ZUSP.) RIKU REINHARD VOGT</p>
<p>Mobiler Hochwasserschutz ist eine Investition, auch wenn sie sich auf Dauer rechnet. Aber keiner weiß natürlich, wann das nächste Hochwasser ist.</p>
<p>Musik 7: Conspiracy – siehe oben – 29 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Riku Reinhard Vogt berät Städte und Gemeinden in ganz Deutschland im Auftrag der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Er schaut sich an, wie gut sie auf Hochwasser vorbereitet sind und was sie verbessern können. Wie sieht der Bebauungsplan aus, welche Infrastruktur ist gefährdet? Hat die Gemeinde Alarmpläne und Gefahrenkarten? Wie sieht die Öffentlichkeitsarbeit aus?</p>
<p>(20. ZUSP.) RIKU REINHARD VOGT</p>
<p>Ich schlage immer wieder vor: Warum macht ihr nicht einfach an Laternenpfählen eine Marke für ein Extremhochwasser, so hoch kann es stehen, dann kann kein Mensch jemals sagen, er hat es nicht gewusst. Und jeder sich darauf vorbereiten.</p>
<p>Musik 8: Black Ostsee – siehe oben – 22 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In Bayern fördert das Landesamt für Umwelt diese so genannten Hochwasser-Audits. Und das Hochwasser-Kompetenz-Centrum, bietet etwas ähnliches für Privatleute und Firmen an, den Hochwasser-Pass, der auch als Gutachten für eine Elementarschaden-Versicherung anerkannt wird.</p>
<p>ATMO GEWITTER + STARKREGEN</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wer sich aber jetzt zurücklehnt und meint, ich wohne weit weg von einem Fluss oder Bach – mich kann es nicht treffen – liegt falsch:</p>
<p>(21. ZUSP.) WOLFGANG GÜNTHERT</p>
<p>Starkregen ist etwas, was kurzzeitig innerhalb von Stunden passiert, ist eine Überflutung direkt vor Ort, und dann kann es jeden Ort treffen.</p>
<p>ATMO Kanalisation</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Warnt Professor Wolfgang Günthert vom Forschungszentrum RISK der Universität der Bundeswehr München. Weil immer mehr Flächen versiegelt sind, fließt das Wasser auf Straßen oder Feldwegen in die Orte. (ATMO Unterwasser) Und dort erstmal in den Kanal unter der Straße.</p>
<p>(22. ZUSP.) WOLFGANG GÜNTHERT</p>
<p>Man sagt, der Kanal nimmt üblicherweise ein seltenes Ereignis auf, was so alle drei bis fünf Jahre eintritt. Uns bei einem zehnjährigen, 15-jährigen Ereignis fließt es oben aus dem Kanaldeckel raus.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und von dort womöglich in den nächsten Keller. Starkregen werden durch den Klimawandel häufiger, deshalb versuchen einige Städte inzwischen, das Wasser an der Oberfläche in bestimmte Bahnen zu lenken; etwa auf einer Straße in einen Park, wo es versickern kann. Für solche Konzepte gibt es das griffige Schlagwort „Schwammstadt“. </p>
<p>(23. ZUSP.) WOLFGANG GÜNTHERT</p>
<p>Im Baugesetzbuch gibt es schon Vorgaben für die Bauleitplanung, dass Niederschlagswasser möglichst vor Ort wieder versickert werden soll, das steht da ganz klar drin. Auch im Wassergesetz steht es drin. Niederschlags¬wasser soll möglichst versickert werden.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Um Schäden zu vermeiden und um das Grundwasser wieder aufzufüllen, das durch einige sehr trockene Jahre stark abgesunken ist. Aber Wolfgang Günthert sagt auch: Die Gemeinden sind nicht allein dafür zuständig, die Habe ihrer Bürgerinnen und Bürger vor Wasser zu schützen.</p>
<p>(24. ZUSP.) WOLFGANG GÜNTERT</p>
<p>Das erste ist, dass man in den Keller geht und schaut: Habe ich unwieder¬bringliche Dinge im Keller und die sofort aus dem Keller entfernen, nach oben bringen. Das zweite ist, im Keller zu schauen: Habe ich eine Rückstau¬sicherung vom Kanal. Wenn ich Starkregen habe, ist der Kanal ja bis zur Straßenoberkante voll, und wenn die Rückstausicherung bei mir im Haus nicht funktioniert, dann flute ich meine eigenen Keller. Und das ist etwas, da bin ich selbst verantwortlich, das wissen viele nicht. Und das dritte ist, was ich auch jedem rate: eine Elementarschadenversicherung zu haben.</p>
<p>MUSIK 9: BLACK OSTSEE – S.O. – 35 SEK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Alle sollten sich also Gedanken darüber machen, wie sie sich vor Wasser schützen können. Aber vieles bleibt doch die Aufgabe von Kommunen oder dem Land – vor allem die Genehmigung großer Bauprojekte an Flüssen. Nur Polder, Deiche oder Mauern können Siedlungen, Industrieanlagen und Infrastruktur vor starkem Hochwasser in Flüssen bewahren. Viele dieser Baumaßnahmen wurden in Bayern nach großen Hochwassern geplant, etwa 1999 oder 2013 – und kamen dann ins Stocken. In den letzten Jahren zum Teil aufgrund steigender Baukosten. </p>
<p>(25. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>Und die Bürgerbeteiligung kann sich ein Jahrzehnt oder länger hinziehen,</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>weiß Albert Göttle, der Jahrzehnte lang für Hochwasser-Themen verantwortlich war. In den Debatten geht es etwa um die Befürchtung, dass, wenn ein Polder geöffnet wird, auch die Keller in benachbarten Wohngebieten voll laufen. Und die Grundbesitzer müssen überzeugt und ihre Entschädigung im Überflutungs-Fall geregelt werden. Dafür sind die Wasserwirtschaftsämter zuständig – die aber im Zuge der Entbürokratisierung in Bayern verkleinert oder zusammengelegt wurden. Viele Arbeiten mussten Ingenieurbüros übernehmen. Keine optimale Lösung, findet der Fachmann:</p>
<p>(26. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>Die Ingenieurarbeit, die kann man auslagern. Aber zu wissen, was geplant werden muss, die Moderation zum Beispiel mit den Kommunen, wir haben dies und jenes Konzept: So etwas kann ein Ingenieurbüro bedingt machen. Eine Fachbehörde hat einen ganz anderen Zugang zu den Kommunen, weil sie in vieler Hinsicht – Trinkwasserversorgung, Abwasserbeseitigung und so weiter – Partner der Kommune ist. Und diese Planungsleistung, Vorplanungsleistung, die wurde erschwert, indem man gutes Personal nicht erneuern konnte, wenn sie ausgeschieden sind, oder nicht so erneuern konnte, wie man es gebraucht hätte.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Behörden sind auch gefragt, wenn es darum geht, gesetzliche Regelungen umzusetzen.</p>
<p>(27. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>Durch eine EU-Vorschrift ist es auch Pflicht, dass alle Länder in der EU sogenannte Hochwasserrisiko-Managementpläne machen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In Bayern findet man die Pläne auf den Webseiten des Landesamtes für Umwelt – einschließlich der wichtigen Gefahrenkarten. Die deutlich zeigen, welche Orte zu stark gefährdet sind, um dort ein neues Bau- oder Gewerbegebiet zu errichten. Was heute auch durch das Wasser-Haushaltsgesetz verboten ist. Früher war das anders.</p>
<p>(28. ZUSP.) ALBERT GÖTTLE</p>
<p>In Überschwemmungsgebieten wurden Siedlungen errichtet in den 60er 70er-Jahren, es gab Landratsämter, die waren so geführt von ihrem Landrat, dass man manches durchgewunken hat gegen den fachlichen Rat der Wasserwirtschaft, später kam dann die Wahrheit, und dann war Wehklagen und dann Ruf nach Entschädigung. Die Objekte, die im Hochwassergebiet wissentlich hineingebaut werden, sind weniger geworden, weil die Rechtsnormen, die man heute erfüllen muss und die lokale Entscheidungs-Kompetenz ein Stück verändert ist.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Auch der Einspruch eines Wasserwirtschaftsamts hat heute mehr Gewicht. Damit nicht noch mehr Flächen versiegelt, einem Fluss nicht noch mehr Platz genommen wird für Hochwasser. Zum Schaden der Menschen flussabwärts.</p>
<p>MUSIK 10: BLACK OSTSEE – SIEHE OBEN – 41 SEK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Hochwasserschutz – das sind große Bauwerke wie Deiche und Polder; kleinere wie ein Stauwehr oder eine Mauer; oder mobile Barrieren. Hochwasserschutz ist aber auch: Nicht zu bauen – im Überschwemmungsgebiet eines Flusses. Flächensparsam zu bauen, um nicht noch mehr Boden zu versiegeln. Hochwasserschutz ist: Forschen und Experimentieren, planen und debattieren, um die optimale Lösung für den jeweiligen Ort zu finden. Und es ist auch: Solidarität mit den Menschen, die im Nachbarort leben, oder weit flussabwärts.</p>
<p>MUSIK 11: TRUTH DEVELOPMENT INC – 46 SEK</p>
<p>Von den sieben Poldern die nach dem Pfingsthochwasser 1999 geplant wurden, sollten sechs an der Donau entstehen – bis heute gibt es dort nur einen. Die Menschen in Regensburg oder Passau können nur hoffen, dass die anderen fertig werden, bevor das nächste Hochwasser kommt. Kempten hingegen hatte die Solidarität der Menschen flussaufwärts im Illertal: Dort wurde innerhalb weniger Jahre ein Polder gebaut – als die Eindrücke vom Pfingsthochwasser 1999 noch frisch waren. Solidarität und schnelles Handeln – das sind also wichtige Erfolgsfaktoren für den Hochwasserschutz.</p>
<br/>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Geschichte der Bergretter - Helden und Heldinnen der Alpen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-geschichte-der-bergretter-helden-und-heldinnen-der-alpen/2094322</link>
      <pubDate>Mon, 07 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d55f413c-f3af-481d-90de-e11edab361c7</guid>
      <description>Standen dem Bergretter vor 100 Jahren lediglich Seil, Pickel und pure Körperkraft zur Verfügung, so kann er sich heute zahlloser technischer Entwicklungen bedienen. Dennoch: Ein alpiner Rettungseinsatz bedarf einer gehörigen Portion Handarbeit und Geschick. Und: Der technische Fortschritt ist nicht immer nur ein Segen! Von Markus Mähner (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21643776" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094322/c/feed/die-geschichte-der-bergretter-helden-und-heldinnen-der-alpen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Markus Mähner</itunes:author>
      <itunes:summary>Standen dem Bergretter vor 100 Jahren lediglich Seil, Pickel und pure Körperkraft zur Verfügung, so kann er sich heute zahlloser technischer Entwicklungen bedienen. Dennoch: Ein alpiner Rettungseinsatz bedarf einer gehörigen Portion Handarbeit und Geschick. Und: Der technische Fortschritt ist nicht immer nur ein Segen! Von Markus Mähner (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/33627035-5483-48ba-a9a5-a03f1e99df36.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Standen dem Bergretter vor 100 Jahren lediglich Seil, Pickel und pure Körperkraft zur Verfügung, so kann er sich heute zahlloser technischer Entwicklungen bedienen. Dennoch: Ein alpiner Rettungseinsatz bedarf einer gehörigen Portion Handarbeit und Geschick. Und: Der technische Fortschritt ist nicht immer nur ein Segen! Von Markus Mähner (BR 2024)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor dieser Folge: Markus Mähner<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Jennifer Güzel, Friedrich Schloffer<br/> Technik: Laura Picerno<br/> Redaktion: Hellmuth Nordwig</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>
</p><ul>
<li>Robert Zimmermann, Bergwacht Steingaden-Peiting</li>
<li>Roland Ampenberger, Bergwacht Bayern</li>
</ul>
<p></p>

<p><strong>Spannende Beiträge zu diesem Thema:</strong><strong><br/> </strong></p>
<p><strong>BR BERGE:</strong></p>

<p>Mehr Storys, Infos &amp; Tipps vom Berg: Der Instagram-Kanal von BR Berge. <br/> Einfach abspeichern und rausgehen!<br/> <a href="https://www.instagram.com/br_berge/">https://www.instagram.com/br_berge/</a></p>

<p><strong>Bergwacht Bayern <a title="Hier gehts zur Website." href="https://bergwacht-bayern.de/">HIER</a></strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-bergretter-alpen-alpenverein-bergunfall-lawine-dav-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHERIN 2 </p>
<p>Es ist der 12. November 2023. 16 Uhr. Bei der Leitstelle der Bergwacht Bayern geht ein Hilferuf ein: Vier Bergsteiger sind am ausgesetzten Gjaidsteig im Karwendel in einen Schneesturm geraten und kommen weder vor noch zurück. Bereits eine halbe Stunde später stapfen 7 Bergwachtler den verschneiten Gjaidsteig entlang. Alles Ehrenamtliche.</p>
<p>GERÄUSCH Hallentür öffnen</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So wie Robert Zimmermann.</p>
<p>ROBERT 1</p>
<p>Wir sind jetzt hier in der Bergrettungswache Steingaden. Das ist eben unsere Garage, in der wir die Fahrzeuge deponiert haben und unsere Ausrüstung zwischengelagert ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Robert Zimmermann ist Mitglied der Bergwacht Steingaden-Peiting. Schon als Jugendlicher gerne in den Ammergauer Bergen unterwegs, stieß er einmal mit einem Freund nach einer Klettertour am Geiselstein - im Bergmassiv zwischen Schloss Linderhof und Schloss Neuschwanstein gelegen - auf ein paar Ehrenamtliche der Bergwacht:</p>
<p>ROBERT 2</p>
<p>Wir waren eben am Geiselstein klettern, sind auf dem Runterweg an der Kenzenhütte vorbeikommen. Die Bergwachtler waren dagesessen und man hat mit denen halt geratscht: Und? Was ist bei euch so alles los? Und dann hat es geheißen: man würde mal wieder Anwärter brauchen. Wie schaut es aus: Du bist doch einer, der geht in´n Berg. Und ja, eigentlich: Warum nicht? Ich war früher mal bei der Feuerwehr - vielleicht ist da auch so ein gewisses Helfersyndrom. Und dann habe ich gesagt: ja ich schaue mir das gerne mal an! Und dann war eben zwei Jahre lang Ausbildung, bei der du ja dann als Anwärter mit dabei bist. Du darfst noch keine Einsätze machen. Dann habe ich natürlich die ganze Ausbildung mitgemacht und dann die Sommer- und die Winterprüfung absolviert.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In dieser Ausbildung lernen die Bergwachtanwärter den Umgang mit den technischen Hilfsmitteln, diverse Abseiltechniken, und sie bekommen eine notfallmedizinische Ausbildung, so wie Rettungssanitäter.</p>
<p>Was Robert neben der Bergbegeisterung mitbringen musste, war natürlich auch dass er sich im schwierigen Gelände sicher bewegen kann und im Bedarfsfall sogar klettern. Und: Ja, auch den Wunsch Menschen helfen zu können. Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern:</p>
<p>AMPENBERGER 1</p>
<p>Grundsätzlich: Bergrettung ist Solidarität von Menschen in einer vermeintlich lebensfeindlichen Umgebung, die die Berge ein Stück weit darstellen. Und in sofern glaube ich, gab es das schon immer, dass man sich beisteht in so einer Umgebung.</p>
<p>Musik 2: Zeitloser Duft  37 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bereits im 12.Jahrhundert gründeten auf dem großen St. Bernhard-Pass auf knapp 2500 Meter Höhe Augustiner-Chorherrn ein Hospiz, das nicht nur Reisenden eine Schutzunterkunft versprach. Die Ordensbrüder kamen auch Jahrhunderte lang Erschöpften, Verletzten und Verirrten zu Hilfe. Ihnen gehörte auch einer der berühmtesten Bergretter der Geschichte an: Der Lawinenhund Barry, ein Bernhardiner, der um das Jahr 1800 im Hospiz seine Ausbildung bekam und über 40 Menschen das Leben rettete.  </p>
<p>Musik 3: The Berensen Lectures  1:06 min</p>
<p>Im 19.Jahrhundert ging es dann richtig los mit dem Tourismus im Alpenraum. Das ungebremste Gipfelsammeln der ausschließlich wohlhabenden - und meist britischen - Abenteurer erhielt 1865 einen Dämpfer als während der Erstbesteigung des Matterhorns vier Alpinisten zu Tode stürzten. Woraufhin Queen Victoria verlautbaren ließ: Man solle doch endlich mit dem Wahnsinn in den Bergen aufhören! Sie erwog sogar alpinistische Expeditionen zu verbieten. Dazu kam es zwar nicht, doch die Tragödie am Matterhorn hat den Alpinisten erst klar gemacht, wie gefährlich die Berge sein können. 20 Jahre später, 1885, erließen die Alpenvereine die sogenannte &quot;Hilfsverpflichtung der Bergführer im Alpenraum&quot; - was heute als die Geburtsstunde des organisierten Bergrettungswesens angesehen wird.</p>
<p>AMPENBERGER 2</p>
<p>Die einzige Institutionalisierung waren die Bergführerbüros vor Ort, und die wurden tatsächlich dann eben verpflichtet, wenn sie nicht geführt haben, wenn eine Alarmierung, eine Meldung, eingegangen ist, dass Hilfe notwendig ist, dann auch zu gehen. Die wurden auch dafür bezahlt, muss man sagen. Also da gab es dann aber tatsächlich schon so eine hohe Erwartungshaltung - das lässt sich ein Stück weit nachlesen - dass man erwartet hat: Ok, wenn der mit Gästen am Berg unterwegs ist und er bekommt Kenntnis eines Notfalls, dann muss er seine Gäste ins Tal runter schicken, sobald es möglich ist, und muss dann zur Hilfe eilen am Berg an anderer Stelle.</p>
<p>Musik 4: Signatur Folge 1 23 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch wie bekommen die Bergretter überhaupt mit, dass etwas passiert ist? Klar: Heute ist das Handy immer dabei und meistens setzt der Verunglückte einfach selbst einen Notruf ab - sofern er Empfang hat! Das ist in den Alpen aber längst nicht immer der Fall. Als noch die Bergführer für die Rettung zuständig waren sah dies ganz anders aus.</p>
<p>AMPENBERGER 3</p>
<p>((Das war natürlich das Hauptthema. Wie bekommt man überhaupt einen Notruf dorthin abgesetzt, wo er dann auch weiterverarbeitet werden kann? Und)) da waren diese alpinen Meldestellen, das war das zentrale strukturierte Element, das der Alpenverein aufgebaut hat an den Hütten dorten. Sieht man auch heute manchmal noch an verschiedenen Hütten: so kleine Schilde, da steht dann drauf: Alpine Meldestelle. Das waren eben Orte, die dann auch über ein Telefon verfügt haben, um dann auch die Nachricht weiterzugeben an des Bergführerbüro eben oder im Tal an eine Institution zu sagen: Hier ist ein Hilfebedarf und man muss eine Rettungsmannschaft eben aufbieten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Von den technischen Möglichkeiten, die heute den Bergrettern zur Verfügung stehen, konnte eine Rettungsmannschaft früher nur träumen. Konkret sieht man das in der Bergrettungswache Steingaden. Robert Zimmermann:</p>
<p>ROBERT 3</p>
<p>Der Einsatzleiter, der den Einsatz dann eben übernimmt von der Rettungsleitstelle, der positioniert sich hier: hat dann eben Funkgeräte, die er einschalten kann und dementsprechend auch zum Beispiel mit Weilheim als Rettungsleitstelle Oberland oder mit der Leitstelle Kempten für das Allgäu kommuniziert. Dann haben wir hier zwei Bildschirme, die an einen Rechner angeschlossen sind, der entsprechende Software draufhaut wie Kartenmaterial, Wetterberichte. Dann natürlich auch Ortung mittlerweile über die Handys: Wär so eine Option, dass man Patienten da orten können, wenn er jetzt nicht genau weiß, wo er ist, dass man zumindest dann über Koordinaten rausfinden kann: Also da müsste er eigentlich sein. ((Und ansonsten gibt es halt hier mit der Karte im Hintergrund auch mal abzustecken: Machen wir zum Beispiel so ein Szenario einer Vermisstensuche: dass man halt dann wirklich hergehen und sagen kann: so okay, da in dem Bereich haben wir schon mal gesucht. Da waren jetzt drei, vier Leute unterwegs, dann deckt man mal die drei, vier Wege noch ab. Die Karten sind so ausgestattet, dass man mit dem Filzstift kurz darauf malen kann und einfach mal sich ganz klassisch analog einen Überblick gestaltet. Und das ist natürlich dann immer recht hilfreich, um das zu koordinieren.))</p>
<p>Musik 5: Frozen Landscapes – siehe oben – 50 Sek + </p>
<p>Atmo Sturm</p>
<p>SPRECHERIN 2 (darüber)</p>
<p>Zurück zum Gjaidsteig. Inzwischen ist es 7 Uhr abends und bereits dunkel geworden. Da erkennen die Kräfte der Bergwacht Licht und hören Hilferufe. Sie haben die Eingeschneiten entdeckt! Doch das Gelände und der hohe Schnee lassen kein Durchkommen zu. Lawinenmassen donnern die mächtigen Nordwände der Raffelspitze herab. Ein Weitergehen wäre zu riskant. Um 20:15 kehren die Bergwacht-Helfer um und alarmieren die Kollegen aus Tirol, die es nun, zu zwölft, von der anderen Seite versuchen. Ebenso erfolglos. Die vier Bergsteiger müssen während der Nacht ausharren. Die Bergwacht gibt ihnen über Handy Hilfestellung, wie sie ein Notlager einrichten können.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zog die Rettungsmannschaft früher noch zu Fuß, lediglich mit Seil und Pickel los, so stehen Robert und seinen Kollegen heute gleich mehrere Fahrzeuge zur Verfügung - vollgepackt mit Equipment.</p>
<p>ROBERT 4</p>
<p>Also zum einen sieht man jetzt hier das Fahrzeug mit einem besonderen Aufbau, dass wir eben auch einen Patienten transportieren können. Wir haben eine Gebirgstrage drin, wir haben entsprechend Bergsäcke drin. Wir haben natürlich das ganze Arztequipment, Notfallausrüstung sozusagen, auch mit dabei. Und ja: Wenn es dann losgeht, geht es halt rein ins Fahrzeug. Wenn man jetzt ins Auto einsteigt, dann schalte ich gleich wieder den Funk mit dazu. Wenn es ganz brisant ist, haben wir auch Blaulicht und Martinshorn, das dann eingeschaltet wird, um dann wirklich möglichst schnell zum Patienten zu gelangen.</p>
<p>Da ist zum Beispiel jetzt wirklich dieser große Rucksack, der ein paar Kilo hat und dem Arzt-Rucksack entspricht. Der ist auch von unseren Gerätewarten so vorbereitet, dass man sofort nachschauen kann, was drin ist. Weil wir so Listen haben, die dann entsprechend mit hinterlegt sind. Wenn man ihn also gebraucht hat, ist immer das Thema: danach wieder so aufzuräumen, wieder aufzufüllen, dass dann alles wieder für den nächsten Einsatz parat wäre.</p>
<p>ATMO Quad</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Neben dem Einsatzfahrzeug steht zudem noch ein großes, geländegängiges Quad. Bis zum Beginn der Sommersaison im Mai ist es mit Ketten statt Reifen ausgestattet. Hier können zwar nicht so viele Einsatzkräfte mitfahren, dafür kommen Robert und seine Kollegen damit viel näher an die Verunglückten heran.</p>
<p>ROBERT 5</p>
<p>Wir hatten schon mal eine Patientin, die unterwegs war, zu Fuß im Winter und in einer Schneewächte eingebrochen ist. Aber wir reden jetzt nicht von tausend Höhenmeter irgendwo auf einem Berg, sondern es war ein Wanderweg in der Nähe vom Hohen Peißenberg. Und da hat die aus eigener Kraft sich da aus dieser Schneewehe nicht mehr befreien können. Sie hat dann einen Notruf abgesetzt, und man konnte halt dann mit dem Fahrzeug relativ weit an die Patientin eben auch hinkommen. Das war natürlich schon sehr hilfreich, weil sonst hätten wir uns ja selber durch den Schnee so tief durchwühlen müssen, bis dass wir die dann bergen hätten können.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Einsatzgebiet der Bergwacht Steingaden ist hauptsächlich in den Ammergauer Alpen rund um die Kenzenhütte und den beliebten Kletterberg Geiselstein.</p>
<p>ROBERT 6</p>
<p>Aber unsere Statistik zeigt auch, dass wir nicht nur Einsätze in dem Bereich haben, sondern auch in Naherholungsgebieten, wie zum Beispiel um Steingaden rum, es gibt Wanderwege Richtung Wieskirche, es gibt den Auerberg in der Nähe, es gibt dann sogar im Landkreis Weilheim-Schongau den Hohen Peißenberg auch ganz klassisch. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Denn Robert Zimmermann und seine Kollegen sind überall gefragt, wo das Gelände unwegsam ist und ein herkömmlicher Krankenwagen und Sanitäter nicht hinkommt. Und das ist gut so: Denn wenn heute jemand abstürzt, so kann er fast immer gerettet werden. Früher war das nicht so sicher, einfach weil die Einsatzkräfte viel länger brauchten, um zum Verunglückten zu gelangen. Denn sie sind zu Fuß statt mit dem Auto angerückt.</p>
<p>GERÄUSCH AUTO</p>
<p>SPRECHERIN (darüber)</p>
<p>Heute sieht das anders aus. Und selbst wenn die Ehrenamtlichen Bergretter gerade nicht zuhause sind, so sind sie doch immer und überall erreichbar mittels eines kleinen Gerätes, das Textnachrichten schicken kann. Robert Zimmermann:</p>
<p>ROBERT 7 (Auto)</p>
<p>Der Einsatz kommt bei uns über diese Pieps rein, der dann eben zumindest schon mal andeutet, was denn sein kann. Also Trauma, dass jemand abgestürzt ist und verletzt ist. Das sind so Kurzinformationen, die dann da im Prinzip auf dem Pieps drauf sind. Und dann trifft sich die Mannschaft an der Bergrettungswache in Peiting oder eben in Steingaden. Und dann fährt die Einsatzgruppe auf jeden Fall schon mal mit dem Amarok los. Wenn wir jetzt noch mehr Leute brauchen, dann wäre der VW-Bus von Peiting eben noch mit im Einsatz. Und dann können wir also auf einen Schlag gut 14 Leute ins Einsatzgeschehen losschicken.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch nicht immer sind alle verfügbar. Robert zum Beispiel ist Lehrer und somit unter der Woche vormittags immer im Unterricht - zudem noch im Kempten, relativ weit von Steingaden entfernt.</p>
<p>ROBERT 8 (Auto)</p>
<p>Das Ganze läuft ehrenamtlich ab natürlich. Wir haben alle unsere Berufe, wir sind alle irgendwo im Arbeitsleben. Entsprechend ist halt dann wieder das Thema: Wann ist der Einsatz? Wenn er unter der Woche in den frühen Morgenstunden oder frühen Nachmittag ist, kann man davon ausgehen, dass die meisten in der Arbeit sind. Und entsprechend gibt es da natürlich schon auch Regelungen, dass man je nachdem, wie der Arbeitgeber das handhabt, dass man jemandem freistellt. ((Also bei der Feuerwehr zum Beispiel ist das ähnlich, dass für bestimmte Einsätze auf jeden Fall die Leute freigestellt werden in dem Moment, dass die zum Einsatz gehen dürfen.))</p>
<p>Musik 6: Kreisen  1 Minute</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zurück ins 19. Jahrhundert, den Anfängen der organisierten Bergrettung: Wenige Jahre nach der Hilfsverpflichtung für Bergführer gründeten die Alpenvereine eigene Bergrettungsdienste. 1896 den &quot;Alpinen Rettungsausschuß Wien&quot;, 1898 dann Einrichtungen in Innsbruck und München.</p>
<p>Die Bergwacht Bayern wurde 1920 gegründet - und zwar nicht als Rettungsorganisation, sondern um den in den Jahren nach dem Erstem Weltkrieg stark zunehmenden Massentourismus in geordnete Bahnen zu lenken. Und um der zunehmenden Wilderei und den vermehrten Vieh- und Holzdiebstählen und Hütteneinbrüchen Herr zu werden. Oder, wie es in der Gründungsschrift hieß: </p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>&quot;zur Bewahrung der guten Sitten und dem Schutz fremden Eigentums im Kontext des Bergsteigens und des alpinen Skilaufs.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Roland Ampenberger:</p>
<p>AMPENBERGER 5</p>
<p>Der Fritz Berger war einer der Gründer im Münchner Hofbrauhaus aus der Sektion Bayerland, und darum ging es ihm auch genau: Diese Werte des Bergsteigens am Berg zu schützen, weil eben die Massen ins Gebirge geströmt sind. Also es ging jetzt nicht nur darum, Blumen am Berg zu schützen, sondern es hat angefangen: Wie verhalfen sich die Menschen in den Zügen? Wie verhalten sich die Menschen auf den Hütten bis hin natürlich auch: Wie verhalten Sie sich gegenüber den Tieren, gegenüber den Bergbauern, gegenüber dem Sammeln von Edelweiß? </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Deswegen ist heute noch das Zeichen der Bergwacht Bayern ein Edelweiß. Doch schon bald übernahm sie auch Rettungsaufgaben - da ihre &quot;Berg-Wächter&quot; ja ohnehin bereits vor Ort waren. Allerdings noch mit nahezu derselben Ausrüstung wie ihre Kollegen im 19.Jahrhundert. Der große Sprung in der Entwicklung von Rettungsgeräten fand in den 1950er Jahren statt.</p>
<p>AMPENBERGER 6</p>
<p>Und da gibt es so drei Namen im deutschsprachigen Raum: der Wastl Mariner aus Tirol, der Doktor Rudolf Campell von den Schweizern und der Wickerl Gramminger aus Bayern. Und diese drei Personen die stehen ganz stark für diese Rettungsgeräte-Entwicklung: also für Tragehilfen, für Seiltechniken, die optimiert waren auf die Anwendung am Berg. Und wenn man sich zum Beispiel den Akja anschaut - da gibt es unterschiedliche Formen - der Akja, dieser Schneeschlitten, mit dem man verletzte Personen liegend vom Berg bringen kann: Der wurde da in dieser Zeit optimiert, weiterentwickelt und dann tatsächlich auch in Serie gebaut. Und Dann ist natürlich das Thema Luftrettung ein ganz großer Entwicklungsschritt gewesen. Und das hat Ende der 50er-Jahre angefangen, wo Hubschrauber verfügbar geworden sind. In der Schweiz ganz bekannt auch die Rettungsflieger. Also: die mit kleinen Flugzeugen in Österreich und der Schweiz am Berg auch gelandet sind. Also die Luftrettung in der Hilfe am Berg, das ist so ganz großer Epochenschritt.</p>
<p>Und dann die Kommunikation am Berg: einerseits unter den Rettungskräften mit Funkgeräten, das war der erste große Schritt und daran aufbauend das gesamte Alarmierungssystem. Also wenn man heute in den bayerischen Alpen unterwegs ist, dann wird man immer wieder auf Hütten treffen - auf Hütten der Bergwacht. Diese Hütten der Bergwacht haben den Zweck gehabt eben genau diese Alarmierungswege zu verkürzen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch Robert Zimmermann und seine Kollegen haben außer ihrer Rettungsstelle in Steingaden noch eine Berghütte, ganz in der Nähe ihres Einsatzgebietes um die Kenzenhütte zu Fuße der mächtigen Nordwand der Ammergauer Hochplatte.</p>
<p>ROBERT 9 (inkl Geräusche)</p>
<p>So, jetzt sind wir an unserer Diensthütte. Wir haben drüben, da gehen wir jetzt gleich rüber, die Zentrale. Das ist ein älterer Raum. Da war früher mal eine Zollhütte installiert. Weil wir sind ja nicht weit weg von der Grenze. Und hier haben wir unsere Telefon- und Funkzentrale nochmal herin. Und die Räumlichkeit agiert jetzt ungefähr so wie unten die Einsatzzentrale. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In den Sommermonaten sind an jedem Wochenende ein paar von Roberts Kollegen auf der Hütte und verrichten dort ihren Dienst, damit sie schneller vor Ort sein können, falls ein Wanderer oder Kletterer in Not gerät. Deswegen ist die Hütte auch so eingerichtet, dass sie unabhängig vom Tal agieren können.</p>
<p>Musik 7: Signatur Folge 1 – siehe oben – 35 Sekunden</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Gegensatz zu den Anfängen der Bergrettungsgeschichte können heute fast alle in Not geratenen Bergsteiger gerettet werden - auch dank der zahlreichen technischen Hilfsmittel und der überall präsenten Bergretter. Trotzdem gibt es Jahr für Jahr in den bayerischen Bergen noch bis zu 100 Menschen, die nur noch tot geborgen werden können. Viele davon sind allerdings nicht abgestürzt, sondern erliegen Herzproblemen oder einem Kreislaufversagen. Im Durchschnitt rückt die Bayerische Bergwacht um die 8000 Mal pro Jahr aus.</p>
<p>Und das kostet natürlich auch. Roland Ampenberger:</p>
<p>AMPENBERGER 7</p>
<p>Die gesamte Bergwacht in Bayern hat ungefähr einen Aufwand von 11 Millionen Euro jedes Jahr und - ganz grob, das stimmt jetzt nicht genau - aber ein Drittel kommen aus den Einsätzen, ein Drittel finanziert der Staat und ein Drittel kommen von den Spenden dazu. Und ich denke, das ist schon auch ein großer Wert, der da geschaffen worden ist: Egal, ob wir jetzt am Marienplatz auf der Rolltreppe verunglückten oder auf Autobahnen einen Verkehrsunfall haben oder eben am Berg verunglücken: Egal ob beim Skifahren, beim Klettern oder beim Wandern: dass dann die Krankenkasse eben diesen Einsatz auch übernimmt dazu. </p>
<p>Und jetzt kommt immer gleich die große Frage: ja, aber der war doch selber schuld, oder? Das wäre doch vermeidbar gewesen. Grundsätzlich immer dann, wenn man nicht verletzt ist, also wenn man klassischerweise in Bergnot ist, dann muss man den Einsatz selber bezahlen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das kommt im Zeitalter der Smartphones immer häufiger vor - nicht nur weil immer mehr Menschen auf die Berge stürmen.</p>
<p>AMPENBERGER 8</p>
<p>Aber natürlich, so wie unser gesamtes Sicherheitsgefühl auch im Tal sich verändert hat, wird natürlich heute auch schon bei Unfällen alarmiert, wo man vielleicht 1950 gesagt hat: Na ja, dafür kommt jetzt keine Bergrettung! Und schon gar nicht 1890, sondern da hat man selber geschaut, wie man ins Tal kommt. Das eigenverantwortliche Bergsteigen das gehört ja auch zu der Ehre dazu: Ich versuche so lange wie möglich mir selbst zu helfen, wie es irgendwie geht. Das ist natürlich in der Breite der Masse von Menschen, die heute am Berg unterwegs sind, nicht mehr vorhanden. Das ist auch ganz klar.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Einen Grund dafür sieht Roland Ampenberger, Sprecher der Bayerischen Bergwacht, auch in den sozialen Medien:</p>
<p>AMPENBERGER 9</p>
<p>Berge sind immer und überall verfügbar - sei es in den sozialen Medien: Das schaut immer für jeden zu jeder Zeit machbar und verfügbar aus. Und das beschäftigt uns schon in Einsätzen: jetzt nicht in der Masse, was die Anzahl angeht. Aber wenn immer wieder, gerade an den Hotspots - sei es in den Berchtesgadener Alpen oder im Wettersteingebirge - dass wir auf Menschen treffen, wo die Urteilsfähigkeit oder die Einschätzung einfach auf eine gewisse Unbedarftheit letztendlich schließen lässt.</p>
<p>Musik 8: ARD Labelmusik No trace 28 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch auch wenn die Bergretter sehr gut ausgestattet sind und die meisten Bergsteiger ein Handy dabei haben: Nicht überall ist Handyempfang, bei schlechter Sicht oder schlechtem Wetter kann der Hubschrauber nicht fliegen und auch die Bergretter sind, wenn auch Helden, so doch keine Übermenschen.</p>
<p>AMPENBERGER 10</p>
<p>Es geht nicht immer und überall! Also dieser Slogan: zu jeder Zeit in jedem Gelände bei jedem Wetter. Ehrlicherweise muss man dazu sagen: ja, fast immer. Aber es gibt natürlich auch Grenzen dessen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das kann dann auch für die Einsatzkräfte, die ihrer Hilfeleistung wegen Lawinengefahr, Schneemassen, Dunkelheit oder Wetter nicht nachkommen können, belastend sein. In solchen Fällen ist es wichtig, dass der Zusammenhalt unter den Kollegen der Bergwacht gut ist, so Robert Zimmermann:</p>
<p>ROBERT 11</p>
<p>Dieser Einsatz, wenn er jetzt zum Beispiel abgeschlossen ist, dann man kommt da eben auch zusammen, dann ist es halt auch: „Ja wie war´s denn?“ Einfach mal hinhocken, wieder was zusammen trinken. Belastende Einsätze sind natürlich dann auch eine gewisse Notwendigkeit, dass man sich wirklich hinhockt und sagt: „Du, wie geht es denn? Was waren gerade los?“ Ansonsten ist es einfach auch mal wieder: sich bewusst machen, wie schnell einfach was sein kann.</p>
<p>Musik 9: Frozen Landscape – siehe oben – 27 Sek + </p>
<p>GERÄUSCH Hubschrauber </p>
<p>SPRECHERIN 2 (darüber)</p>
<p>Inzwischen ist es der 13.November am Gjaidsteig im Karwendel. In der früh um 8 Uhr lässt das Schneetreiben für kurze Zeit nach. Sofort startet der Rettungshubschrauber &quot;Christoph Murnau&quot; mit einem Mittenwalder Bergwachtler und rettet die stark unterkühlten Bergsteiger. Sie werden in das Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht. Gerade noch einmal gut gegangen.</p>
<p>Musik aus</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Freibad – Badespaß mit Geschichte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-freibad-badespass-mit-geschichte/2106378</link>
      <pubDate>Mon, 07 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">fdb14fbd-5013-460a-8859-193d33b67550</guid>
      <description>Anfang der 1920er erlebte Deutschland einen Boom von neu gebauten &quot;Freibädern&quot;. Einerseits hieß &quot;frei&quot;, nicht in Hallenbädern schwimmen zu müssen. Andererseits bedeutete &quot;frei&quot; eine Gleichberechtigung jeglicher Form. Frau und Mann, Reich und Arm, alle sonnen sich und baden vereint unter freiem Himmel. Autor: Martin Trauner (BR 2025)</description>
      <enclosure length="21806208" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106378/c/feed/das-freibad-badespass-mit-geschichte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Trauner</itunes:author>
      <itunes:summary>Anfang der 1920er erlebte Deutschland einen Boom von neu gebauten &quot;Freibädern&quot;. Einerseits hieß &quot;frei&quot;, nicht in Hallenbädern schwimmen zu müssen. Andererseits bedeutete &quot;frei&quot; eine Gleichberechtigung jeglicher Form. Frau und Mann, Reich und Arm, alle sonnen sich und baden vereint unter freiem Himmel. Autor: Martin Trauner (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/157bf460-352a-4e87-8edf-b5fe0e8e8b39.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Anfang der 1920er erlebte Deutschland einen Boom von neu gebauten "Freibädern". Einerseits hieß "frei", nicht in Hallenbädern schwimmen zu müssen. Andererseits bedeutete "frei" eine Gleichberechtigung jeglicher Form. Frau und Mann, Reich und Arm, alle sonnen sich und baden vereint unter freiem Himmel. Autor: Martin Trauner (BR 2025)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorn dieser Folge: martin Trauner<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Sophie Rogall, Sven Hussock<br/> Technik: <br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Matthias Oloew, Historiker<br/> <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen und IQ Wissenschaft und Forschung könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Geschichte der Badeanstalten - Eine Kultur für sich<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/geschichte-der-badeanstalten-eine-kultur-fuer-sich/bayern-2/10704233/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Badesitten - Lebensfreude und Prüderie<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/badesitten-lebensfreude-und-pruederie/bayern-2/78757214/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Badeseen - Wer schwimmt da noch mit uns?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/badeseen-wer-schwimmt-da-noch-mit-uns-sommer-spezial-1/bayern-2/13587535/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft</strong><br/>Kann es den Zombie-Pilz aus „The Last of Us“ wirklich geben? Wieso sieht man im Winter seinen Atem, einen Pups aber nicht? Könnten die Drachen aus „Game of Thrones“ in unserer Welt auch fliegen? Diese Fragen aus dem echten Leben stellen sich Charlotte Grieser, Sina Kürtz, Julia Nestlen und Aeneas Rooch. Sie sind Wissenschaftsfreaks, vergraben sich unter der Woche in den Tiefen aller möglichen Studien und besprechen freitags ihre Funde. Die sind bahnbrechend – oder einfach irgendwie schräg.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/fakt_ab_cp">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>

<p>Matthias Oloew: Schwimmbäder – 200 Jahre Architekturgeschichte des öffentlichen Badens<br/>Heinrich Zille: Rund ums’s Freibad<br/>Silvia Cavalluci: Damenbad – Eine Reise durch Deutschlands einziges Freibad nur für Frauen</p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-freibad-schwimmbad-gleichberechtigung-badekultur-wasser-schwimmen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>MUSIK: Nina Hagen „Sie will ein Fisch im Wasser sein“</p>

<p>Sie will ein Fisch im Wasser sein,</p>
<p>im Flaschen grünen See</p>
<p>sie will mit Wasser sich besaufen </p>
<p>und ein paar Blasn blubbern lassen …</p>
<p>ATMO Freibad – Blubbern – und drüber</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Fast so schön wie am See ist es im Freibad. Egal wo, egal in welcher Stadt, egal in welchem Dorf. Es gibt Becken für Schwimmer und Nichtschwimmer. Garderoben. Toilettenhäuschen. Rutschen. - Pommesgeruch zieht über die Liegewiese. Frau oder auch Mann fühlt sich wie ein Fisch im Wasser… Herrlich! Ja, und dann soll das alles auch noch gesund sein!</p>
<p>MUSIK noch mal hoch</p>
<p>001 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew) Effekt evtl. aus dem Radio</p>
<p>Die Betätigung im Freibad, im Wasser, ist für alle Teile der Gesellschaft in fast jedem Alter machbar, es ist eine ausgesprochen gesunde Bewegungsform, und es ist ein Aufenthaltsort, in dem man einer überhitzten Stadt im Sommer gut entfliehen kann…</p>
<p>MUSIK und ATMO</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Also: rauf auf’s Einmeterbrett, Frau oder Mann wagt den Sprung ins Wasser, um sich abzukühlen und …</p>
<p>ATMO Sprungturm Absprung</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>… um dann einzutauchen….</p>
<p>ATMO Platsch und Unterwasser</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>… eintauchen in die Geschichte... </p>
<p>ATMO Unterwasser – „Zeit steht still“ (Effekt: Vorwärtsgerechneter Rückwärtshall)</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>…für die kurze Zeit Unterwasser wird man nachdenklich. Beim Eintauchen …</p>
<p>ATMO Geräusche Freibad alt und verschwommen und irreal</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>… beim Eintauchen in die Geschichte des Freibads. - Freibad? -  Warum gibt es so etwas überhaupt? </p>
<p>ATMO Auftauchen und Realität</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>(… atmet aus …)</p>
<p>002 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>(…) Man hat früher die unterschiedlichen Freibadtypen nach unterschiedlichen Bezeichnungen beschrieben, damit man genauer weiß, worum es eigentlich geht. Freibad ist immer der Oberbegriff gewesen, dann gibt es eben die Strandbäder und die Flussbäder und die so genannten Sommerbäder. Und die Sommerbäder waren immer die mit dem betonierten Becken, also das, was wir heute als Freibad bezeichnen würden. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Das sagt der Historiker Dr. Matthias Oloew. Er kennt sich aus mit Bädern aller Art. Er war jahrelang Pressesprecher der Berliner Badebetriebe. Und er hat ein Buch veröffentlicht über 200 Jahre Architektur der Schwimmbäder. - Das Freibad ist für ihn ein Konzept, eine Idee… Und das Ganze gibt es weit über 100 Jahre.</p>
<p>Hat sich da bis heute etwas geändert?</p>
<p>003 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>An der Freibad-Idee hat sich überhaupt nichts geändert. Die war damals klassenlos, sie ist heute klassenlos vom Ansatz her und dem Freibad als Einrichtung ist es auch völlig „wurscht“, wer da kommt, wie sich die einzelnen Personen definieren oder wie sie sich sehen. Das Freibad kennt nur die Regeln des Freibades, nämlich Schwimmer ins Schwimmerbecken, Nichtschwimmer ins Nichtschwimmerbecken, und so weiter, und die oberste Regel des Freibades ist eigentlich gegenseitige Rücksichtnahme und gegenseitiger Respekt.</p>
<p>MUSIK und ATMO Freibad und Sprung vom Dreimeterbrett</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Aber nun wagen wir noch einen Sprung, na dieses Mal vom Dreimeterbrett… </p>
<p>ATMO Platsch und Unterwasser</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>… und gehen noch weiter zurück in die Geschichte. </p>
<p>ATMO Auftauchen</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>… Baden? Wie sieht’s damit überhaupt aus zu älteren Zeiten. Zu sehr viel älteren Zeiten. Damals, als es noch kein Freibad gab, als Baden noch als Privileg galt.</p>
<p>004 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>Genau, wir müssen vielleicht mal kurz gucken, was meinen wir mit Freibad? Also, wenn wir Baden unter freiem Himmel meinen, dann gab es das natürlich schon vor 1908 oder 1907. Wir reden dann zum Beispiel von den Flussbädern, die es in München, Frankfurt, Paris, in Berlin, in Hamburg, in allen großen Städten gab. Man badete im Main, im Rhein, in der Spree, in der Seine und das hat dann schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts angefangen. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Im Freien baden bedeutete in dieser Zeit für das einfache Volk, sich im Fluss abzukühlen und zu waschen. Oder, wenn man etwas privilegierter war, dann konnte man ein Badeschiff besuchen--</p>
<p>005 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>Also, die ersten Badeschiffe, die dort fest vertäut waren, gab es dann schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts oder sogar Ende des 18. Jahrhunderts, erstens für eine sehr, sehr beschränkte Anzahl von Badegästen und natürlich auch nur für Leute, die sich das leisten konnten. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Badeschiff hieß in den Anfangsjahren nicht, man springt in den Fluss und schwimmt dann eine Runde. Badeschiffe hatten im Inneren Duschkabinen, die mit dem Flusswasser gespeist wurden … Es wurde nicht geschwommen, sondern „gebadet“…</p>
<p>006 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>Das wurde dann immer größer und irgendwann wurden dann daraus die so genannten Flussbäder. Das waren Ponton-ähnliche Konstruktionen, die auf dem Wasser schwammen. Man ging dann über so eine Art Brücke auf dieses Ponton, erreichte damit die Badeanstalt, verschwand dann hinter einer blickdichten Konstruktion, konnte sich dann auf dieser schwimmenden Badeanstalt auch umziehen und stieg dann von dort von den Planken dieser schwankenden Konstruktion in das Becken, das eben dann kein Becken war, sondern eigentlich der Fluss. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Also, was das Baden fürs einfache Volk angeht, langsam hat sich dann doch etwas bewegt … </p>
<p>MUSIK</p>
<p>ZITATOR (Ernst von Pfuel)</p>
<p>„Der Frosch ist ein vortrefflicher Schwimmer, und unser Lehrmeister ist gefunden, denn die Beschaffenheit seines Körpers ähnelt in den Teilen, welche hauptsächlich zum Schwimmen notwendig sind, sehr der des Menschen.“ </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das schreibt General Ernst Adolf Heinrich von Pfuel. Der hatte 1817 in Berlin eine „Flussbadeanstalt“ gegründet. Die war eigentlich für junge Rekruten gedacht, die schwimmen lernen sollten, um im Krieg nicht zu ertrinken und auch, um den Nachwuchssoldaten ein wenig Fitness einzutrichtern. In Form des „Froschschwimmens“, wie Pfuel es damals nannte. Wir kennen diese Schwimmart heute unter dem Begriff „Brustschwimmen“. - Pfuels Anlage stand an der Spree auf Pfählen, das Badebecken war von allen Seiten umschlossen. Damit keiner von außen zuschauen konnte. Wäre ja unsittlich gewesen. Immerhin: Pfuels Flussbad war auch für’s normale Volk zugänglich, das hieß freilich: nur für Männer.</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber auch in München tut sich was. 1847 eröffnet ein Bad nahe der Isar. Das „Schyrenbad“. Das gibt es bis heute…</p>
<p>007 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>Es ist nicht das Originalbad von damals, aber es ist eines der ersten Sommerbäder, also Freibäder mit betonierten Becken, die es in Deutschland gegeben hat.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt der Historiker Matthias Oloew. - Das Schyrenbad war damals natürlich kein Freibad im heutigen Sinne. Hier durfte man wirklich nur baden oder schwimmen, aber nicht auf einer Liegewiese herumlungern. „Nach Beendigung des Bades“ hatte man das Schyrenbad sofort wieder zu verlassen. Ein Zettel aus dem Münchner Stadtarchiv schreibt Regeln vor:</p>
<p>ZITATOR (Stadtarchiv München)</p>
<p>„Verhaltensmaßregeln beim städtischen Männerfreibad dahier: Jedermann soll sich hüten, den Körper allzulange der Sonne auszusetzen. - Wenn Regen eintritt, so kann man sich noch ca. 1/4 Stunde lang dem Regen aussetzen, dann aber ist der Körper zu bekleiden&quot;</p>
<p>008 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>Dieses Sommerbad in München ist vermutlich nach einem Vorbild aus Mailand entstanden und in Mailand gab es das schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. - Hat sich dann danach, nachdem es in München aber adaptiert worden ist, deutschlandweit nicht durchgesetzt. Das hat dann noch ein halbes Jahrhundert länger gedauert, bis in anderen Städten andere Freibäder dieser Art entstanden sind. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sowohl das Militärbad von General Ernst von Pfuel als auch das Schyrenbad waren freilich von der heutigen Freibadidee noch weit entfernt. Zwar badete man unter freiem Himmel, aber nicht so, wie Gott uns schuf. Man musste angemessen gekleidet sein und vor allem durfte damals wirklich nur „Mann“ rein. Diese Bäder waren Knaben und Männern vorbehalten. – Wie zum Beispiel sah also das Schyrenbad in der Mitte des 19 Jahrhunderts aus?</p>
<p>009 ZUSPIELUNG </p>
<p>Im Wesentlichen war das eine relativ einfache und nüchterne Angelegenheit, das war ein betoniertes Schwimmbecken. Das Wasser kam in diesem Fall aus der Isar, wurde dort eingeleitet, dann durch das Becken geleitet und dann wieder in die Isar hinausgeleitet. Und das Becken war dann in der Regel umstanden von relativ einfachen Holzbadeumkleiden, in diesem Fall dann auch nur für Männer. (…) Und das Wasser wurde nicht geheizt, also da gab es keinen Sprungturm, da gab es nichts. Und es war vor allen Dingen eine Einrichtung der fortgesetzten Körperhygiene. Es war noch nicht so sehr der Fokus sportliche Betätigung oder gesundheitliche Betätigung, sondern es ging vor allen Dingen darum, dass man eine relativ preiswerte Lösung gefunden hatte, möglichst gut und viele Menschen sauber zu kriegen. </p>
<p>SPRECHERN</p>
<p>Menschen, das waren damals, wie gesagt: Männer. Ein reines Männerbad. Wie so viele der neu entstandenen Bäder. Aber: Eine Ausnahme gibt es dann damals erstaunlicherweise doch: Das Lorettobad in Freiburg. Seit 1886 existiert hier und besteht übrigens bis heute noch das einzige Damenfreibad Deutschlands. Herren und Damen baden – übrigens gilt das wirklich bis heute – getrennt! - Das war dann Ende des 19. Jahrhundert schon sensationell: Frauen, ja, die duften damals baden gehen! </p>
<p>MUSIK Nina Hagen „Sie will ein Fisch im Wasser sein“</p>
<p>SPRECHERN</p>
<p>Das Lorettobad wird auch sehr viel später zum Vorbild zu Doris Dörries Film aus dem Jahr 2022 - Titel: „Freibad“. Aber wie gesagt, das Lorettobad war und bleibt eine Ausnahme in der Geschichte des Freibades…</p>
<p>MUSIK und ATMO (Freibadgeräusche)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Geschichte des echten Freibads, des „Familienbades“, so wie wir es noch heute kennen, beginnt, so sagt es Matthias Obloew, diese Geschichte beginnt mit einer Revolution. 1907 am Wannsee. Und er selbst muss über den Begriff „Revolution“ ein wenig schmunzeln …</p>
<p>010 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>(er lacht) Die „kleine Bade-Revolution am Wannsee“. - Das ist etwas, was zusammenhängt mit der Gründungsgeschichte des Strandbades Wannsee. Das war damals vor den Toren der Stadt Berlin und nicht wie heute in der Stadt Berlin und man ist da in so eine Situation hineingeschlittert, die man so bestimmt nicht wollte. Man hatte sich entschieden, dass in dem Badeabschnitt, wo heute das Strandbad Wannsee steht, man das seit mehreren Monaten und Jahren praktizierte illegale Baden im Freien legalisiert. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Baden im Freien, also in einem Fluss oder in einem See, war Anfang der 1900er Jahre nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland, nicht nur immer noch verpönt, sondern sogar verboten gewesen. Einen jeden, der außerhalb der vor Zusehern geschützten Badeanstalten beim Baden in der freien Natur erwischt wurde, den bestrafte man. Der Berliner Dichter Heinrich Zille schreibt:</p>
<p>ZITATOR Heinrich Zille</p>
<p>Was wir seit 1907 „Freibad“ nennen, hatten wir Jungs und Mädels des Berliner Ostens auch schon. - Die Holz- und Steinplätze an der Spree, mit schrägem Ufer, waren günstig… Mitunter kam ein Donnerwetter in Form eines Schutzmanns dazwischen gefahren …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Freibad, also den Begriff, den gab es damals, vor 1907, eben noch nicht. -  Die offiziellen Bäder in Berlin bieten aber keinen wirklichen Anreiz, um ins Wasser zu hüpfen, meint damals zumindest Heinrich Zille</p>
<p>ZITATOR Heinrich Zille</p>
<p>Die wenigen Badehäuser in der Spree waren düstere, gesichtslose Kästen. Licht- Luft- Sonnenlos und überfüllt. Krankheitsverschlepper. Dann warmes Wasser in den Rinnsteinen, das kam aus Fabriken. An der „Quelle“ war es noch sauber, da badeten wir uns die Füße, wenn wir von den Holzplätzen verjagt wurden.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und jetzt kommt es zur so genannten Baderevolution am Wannsee. 1907 in Berlin: Die Vorgeschichte:</p>
<p>011 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>Der damalige Landrat von dem Landkreis Telltow, zu dem der Bereich damals gehört hat, Ernst von Stubenrauch hat dann entschieden, er schreibt mal an den Oberförster in Grunewald und sagt, sagen sie mal, hätten sie irgendwelche Einwände, wenn wir den Leuten erlauben, dass sie da ins Wasser steigen …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ja, antwortet der Oberförster, wenn die Regierung von Preußen nichts dagegen habe, obwohl es im Polizeigesetz so steht, dann könne man das schon so machen … Und tatsächlich: die Regierung hat wohl nichts dagegen.</p>
<p>012 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>So, und dann haben sie am 8. Mai 1907, die Schilder in dem Strandabschnitt dort, die bisher das Baden verboten hatten, ersetzt durch „öffentliche Badestelle“ und hatten sich überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, welche Konsequenzen das hat. </p>
<p>MUSIK Pack die Badehose ein (Conny Froebess) instrumental</p>
<p>ZITATOR SPD-Zeitung „Vorwärts“</p>
<p>Hier herrscht wirklich Freiheit, kein polizeiliches Auge wacht und trotzdem, ja, trotzdem wickelt sich bei den tausenden zählenden Besuchern alles glatt ab.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schreibt „Vorwärts“ – Die Hauspostille der SPD….</p>
<p>Und Cornelia Froebess singt Jahre später …</p>
<p>MUSIK Pack die Badehose ein (Conny Froebess)</p>
<p>Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein</p>
<p>Und dann nischt wie raus nach Wannsee</p>
<p>Ja, wir radeln wie der Wind durch den Grunewald geschwind</p>
<p>Und dann sind wir bald am Wannsee …</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Cornelia Froebss war 9 Jahre alt, als sie mit diesem Hit, ein Lied über das Freibad Wannsee zum Kinderstar wurde..</p>
<p>MUSIK Pack die Badehose ein (Conny Froebess)</p>
<p>Hei, wir tummeln uns im Wasser wie die Fischlein, das ist fein</p>
<p>Und nur deine kleine Schwestern, nee, die traut sich nicht hinein</p>
<p>Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein</p>
<p>Denn um Acht müssen wir zuhause sein …</p>
<p>MUSIK hoch und aus</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Heinrich Zille, der Berliner Dichter der damaligen Zeit, macht „Schnappschüsse“, nicht mit dem Fotoapparat, er zeichnet seine Eindrücke des Freibad Wannsee - er malt Karikaturen und untertitelt sie… So ein Schnappschuss von Heinrich Zille sieht dann etwa so aus:</p>
<p>Ein leicht übergewichtiger Mann mit Kaiser-Wilhelm-Bart trägt seine auch leicht übergewichtige Frau auf Händen in den Wannsee. Er steht noch im knöcheltiefen Wasser …</p>
<p>ZITATOR Heinrich Zille</p>
<p> „Liebster, jeh nich’ so tief rinn – denk an mein’ Herzfehler“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schön sind die Badenden in Zilles Karikaturen alle nicht. Meist zu dick, unvorteilhaft gekleidet, oft nackt. Wie Gott sie schuf…</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>013 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew) </p>
<p>… dort wurde so gebadet, wie wir das heute kennen, nämlich beide Geschlechter gemeinsam und nicht getrennt. Das war ja schon mal eigentlich undenkbar. Zweitens: man konnte vom Ufer aus zusehen, wie Menschen im Wasser sich bewegten, Spaß hatten und nass waren eben halt. Und sie trugen halt damals keine Badebekleidung, wie wir sie das heute kennen, sondern sie gingen damit ins Wasser, was sie eben halt so hatten. Und das war dann eben halt mehr Unterwäsche, die dann, wenn sie nass wurde, mehr zeigte, als sie verhüllte. Und das ist die große Revolution…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und, so fügt Mathias Oloew hinzu, hat sich hier das durchgesetzt, was wir heute unter Freibad kennen: Gemeinschaftliches Baden, alle sind irgendwie gleichberechtigt und man kann das Bad öffentlich einsehen. Vor allem aber:</p>
<p>014 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>Es war auch deswegen ein Freibad, weil es freien Eintritt garantierte. Also: Man musste nichts bezahlen.</p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das war’s dann erstmal auch mit der großen Baderevolution. Zwar denkt man in Berlin, am Wannsee bereits wenige Jahre später schon über eine Architektur des Freibads nach. Also: Man könnte doch Garderobengebäude am Ufer bauen, Verpflegungsstände, Liegewiesen, Sport und Spielmöglichkeiten schaffen. Und es kommt die Idee auf: Wie kann ich meine Freizeit gestalten? Aber: irgendwie kann sich diese Idee erstmal dann doch noch nicht so ganz durchsetzen</p>
<p>015 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>
<p>Das war tatsächlich ungefähr bis in die Mitte der 20er-Jahre so. Man hatte zwar das Phänomen am Wannsee, aber es war dann eben halt doch ein Einzelphänomen, das, was man damals als Familienbad bezeichnete, nämlich das gemeinsame Baden der Geschlechter, hatte sich dann nicht in Größenordnung von Wannsee aus über das Deutsche Reich verbreitet. Man hatte jetzt nicht gesagt so nach dem Motto, was am Wannsee möglich ist, das muss auch an der Isar möglich sein oder in Stuttgart zu war es nicht. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber, nach dem ersten Weltkrieg, nach dem Ende des Kaiserreichs, gibt es in Deutschland doch eine Veränderung: Die Weimarer Republik. </p>
<p>016 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>
<p>Allerdings gab es ja dann eben nach dem ersten Weltkrieg die Revolution und tatsächlich auch die Gleichberechtigung vor dem Gesetz. Männer und Frauen waren ja dann gleichberechtigt, Frauen durften ja auch wählen. Und in diesem Zusammenhang hat man sich dann überlegt, so wenn wir diese Freibadinfrastruktur etablieren, macht es dann noch Sinn, eine Geschlechtertrennung wie im Hallenbad, wie in den Stadtbädern über viele Jahre praktiziert und noch weiter durchzusetzen. Und dann etablierte sich nach und nach dieses Familienbad über die neue Bauaufgabe „Freibad“, auch in der Gesellschaft, so dass dann das gemeinsame und gleichberechtigte Baden der Geschlechter etabliert wurde. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nicht nur die Idee der Gleichberechtigung setzt sich durch, also: alle dürfen frei, gleich gemeinschaftlich unter dem blauen Himmel baden, es setzt sich auch das Ideal der Sportlichkeit durch. Jeder soll nun schwimmen lernen. Der Dichter Heinrich Zille schrieb im Jahr 1927:</p>
<p>ZITATOR Heinrich Zille</p>
<p>Und nun ihr alle, die jung seid, auf die wir hoffend sehen, hinaus in die Sonne, ins Freie, in die Weite, in die Gefahren – in der Badewanne lernt man nicht schwimmen!</p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In den 1920er Jahren werden nun die Freibäder gebaut, wie wir sie heute noch kennen und schätzen: Umkleidegebäude, Aufenthaltsflächen, Spielplätze, Sportmöglichkeiten auch außerhalb des Wassers, verschiedene Becken für Schwimmer und Nichtschwimmer, und vor allem: eine Gastronomie. Ein regelrechter Bauboom setzt ein:</p>
<p>017 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>
<p>Der Bauboom von Freibädern, wie wir sie heute kennen, mit betonierten Becken, mit künstlicher Wasseraufbereitung, vielleicht sogar auch mit Wasserbeheizung, und vielleicht auch mit Sprungstürmen und mit Rutschen und so weiter und so fort. Das hat alles erst in den 1920er-Jahren angefangen. Da gab es die ersten Bäder in Köln, in Frankfurt, München, Klappbach und in Gera, aber auch in Berlin und natürlich eben auch in München. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und, das ist erstaunlich, eine Art Vorbild für die neuen Bäder, also was die Konstruktion betrifft, ist das Münchner Schyrenbad:</p>
<p>018 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>
<p>Für die damaligen Verhältnisse neuen Bauform hatte man dann eben halt auch die beiden betonierten Becken in München wieder entdeckt und sich erinnert: Ah, München hatte das ja schon und die waren auch all die Jahre schon im Betrieb Und man fuhr dann nach München um sich anzuschauen, wie haben die Münchener ja das überhaupt gemacht, wie wurde das denn überhaupt gebaut War’s eine Ziegelkonstruktion war’s eine Betonkonstruktion war’s eine Edelstahlwanne - wie hat man das gemacht? </p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Bauboom endet aber auch. Spätestens in den 1980er Jahren gerät das Freibad auf einen absteigenden Ast: zu teuer, zu energieintensiv.</p>
<p>019 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)</p>
<p>In den 80er Jahren und bis in das neue Jahrtausend hinein hatten viele Kommunen die Herausforderung, dass die Freibäder in die Jahre gekommen sind. Sie waren alle 40, 50, 60 oder noch 70 Jahre oder älter und man brauchte einen riesengroßen Aufwand, um diese Bäder zu sanieren. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch Energie wird zu teuer. In den 1970er Jahren kommt es zur Ölpreiskrise. Die Kommunen merken, ein Freibad beheizen: das heißt, viel Geld ausgeben für einen Luxus, den man nicht mehr bezahlen konnte, den sich die Gemeinden nicht mehr gönnen wollten</p>
<p>020 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>
<p>Und dann wurden eben in Freibäder geschlossen. Viele Kommunen konnten sich den Betrieb der Freibäder und die Sanierung der Freibäder einfach nicht mehr leisten. Freibäder wurden also geschlossen.</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ist die Idee des Freibads also damit am Ende? </p>
<p>Zwar schließen weniger Freibäder als noch vor 10 oder 20 Jahren. </p>
<p>Aber es werden auch kaum neue gebaut. Denn immer noch bedeutet der Unterhalt eines Freibads für kleine Gemeinden eine große finanzielle Herausforderung. Und: Es mangelt an Nachwuchs. Es fehlen „Fachangestellte für Bäderbetriebe“. Also Bademeister oder Bademeisterinnen.</p>
<p>021 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>
<p>Also ich persönlich bin der Meinung, dass das Freibad, das in den spät-achtzigern bis in die 2000er Jahre hinein mehr zur Disposition gestellt worden ist, dass das Freibad jetzt eher eine Renaissance erleben wird. </p>
<p>((MUSIK und ATMO (Freibad)))</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Heute ist das Publikum im Freibad diverser geworden. Entscheidend ist nicht mehr, wie in den frühen 1920er Jahren, welche Architektur das Bad hat, vielmehr geht es wieder darum, wer geht denn überhaupt ins Freibad? </p>
<p>022 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>
<p>Das heißt, wenn sie heute ins Freibad gehen, insbesondere in großen Metropolen, dann sprechen die Menschen zum Beispiel nicht alle Deutsch. Sie haben nicht alle nur eine weiße Hautfarbe. Es sind nicht nur Männer und Frauen, sondern es gehen vielleicht auch Menschen, die sich nicht in eine dieser binären Geschlechterwelten einsortieren. ((Das sind alles Herausforderungen, in denen sich die Menschen im Freibad stellen.)) Aber an der Grundidee, dass nämlich alle, die im Freibad sind, alle, die die Bäder besuchen, gleichberechtigt sind. Und jede und jeder nach seiner Fassung da glücklich werden sollen, daran hat sich nichts geändert. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt Matthias Oloew: Und er bleibt dabei: Das Freibad hat eine Zukunft:</p>
<p>MUSIK Conny Froebess „Pack die Badehose ein“ oder </p>
<p>MUSIK Nina Hagen „Sie will ein Fisch im Wasser sein“</p>
<p>023 ZUSPIELUNG (Matthias Oloew)  </p>

<p>Ich würde sagen, bleiben wir bei denen, was wir vor 100 Jahren in Deutschland etabliert haben, die klassischen Freibäder, da haben wir eine funktionierende Infrastruktur, die akzeptiert ist, die geliebt ist, die gewollt ist, die Menschen lieben ihre Freibäder, bleiben wir dabei und dann sind wir auch gut ausgestattet. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Rückkehr der Wölfe - Wie kann eine Co-Existenz gelingen?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-rueckkehr-der-woelfe-wie-kann-eine-co-existenz-gelingen/2108226</link>
      <pubDate>Mon, 07 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">93a5a055-3298-4940-a0fb-06fa38b0dab1</guid>
      <description>Wie kann eine friedliche Co-Existenz mit dem Wolf gelingen? Die Rückkehr des Wolfs ist ein heiß diskutiertes Thema, bei dem sich Landwirte, Alm-Betreiber und Naturschützer oft unversöhnlich gegenüberstehen. Dabei bemühen sich zahlreiche Biologen und Wildtiermanager um umsetzbare Lösungen. Autor: Lutz Reidt (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="27352320" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2108226/c/feed/die-rueckkehr-der-woelfe-wie-kann-eine-co-existenz-gelingen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:28:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Reidt, Lutz</itunes:author>
      <itunes:summary>Wie kann eine friedliche Co-Existenz mit dem Wolf gelingen? Die Rückkehr des Wolfs ist ein heiß diskutiertes Thema, bei dem sich Landwirte, Alm-Betreiber und Naturschützer oft unversöhnlich gegenüberstehen. Dabei bemühen sich zahlreiche Biologen und Wildtiermanager um umsetzbare Lösungen. Autor: Lutz Reidt (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a6c5253f-5027-4d55-b96f-1b5cb791fd9a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann eine friedliche Co-Existenz mit dem Wolf gelingen? Die Rückkehr des Wolfs ist ein heiß diskutiertes Thema, bei dem sich Landwirte, Alm-Betreiber und Naturschützer oft unversöhnlich gegenüberstehen. Dabei bemühen sich zahlreiche Biologen und Wildtiermanager um umsetzbare Lösungen. Autor: Lutz Reidt (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Lutz Reidt<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse<br/> Technik: Adele Meßmer<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<ul>
<li>Prof. Wolfgang Schröder, Wildbiologe, Uni München (emeritiert)</li>
<li>Josef Glatz, Alpenwirtschaftlicher Verein Oberbayern</li>
<li>Peter Strohwasser, Untere Naturschuzbehörde am Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen</li>
<li>Marcel Züger, Biologe und Naturschützer, Salouf (Schweiz)</li>
</ul>
<p> <br/> NDR Moderator und Stadtkind Andreas Kuhlage und Landwirtin Maja Mogwitz plaudern über das Leben auf einem Traditionshof und diskutieren auf Augenhöhe verschiedenste landwirtschaftliche Themen. Denn es gibt häufig Missverständnisse, Vorurteile und verhärtete Fronten zwischen Verbrauchern und Landwirten. Ob nun Massentierhaltung, Gentechnik oder Agrarsubventionen. <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://1.ard.de/63hektar3">JETZT ENTDECKEN</a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Eine besondere Empfehlungen der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Biber-Fieber - WirTier</strong><br/>Christian und Tina sind Wildlife-Fotografen. Mit viel Geduld und Verständnis haben sie das Vertrauen von Bibern gewonnen. Jetzt gehören sie zur tierischen Familie dazu, dürfen als &quot;Biber ehrenhalber&quot; hautnah dabei sein und sogar die Biber-Babies sitten. Ob WirTier-Host Julius auch ein Schnappschuss gelingt? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ca92d4b8bd723482/">HIER</a> geht es zur Folge.</p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/geschichte-der-almwirtschaft-wirtschaftsbetrieb-und-sehnsuchtsort/bayern-2/78751030/">Geschichte der Almwirtschaft - Wirtschaftsbetrieb und Sehnsuchtsort</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/ziegen-weidetiere-im-klimawandel/bayern-2/94762006/">Ziegen - Weidetiere im Klimawandel</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/baeren-und-woelfe-wieviel-wildnis-wollen-wir/1825205">Bären und Wölfe - Wieviel Wildnis wollen wir?</a></strong></p>
<p><strong></strong></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>Sprecher</strong>:        </p>
<p>In den Ammergauer Alpen oberhalb von Garmisch-Partenkirchen scheint die Welt noch in Ordnung. Friedlich grasen braune, beigefarbene und schwarzweiße Rinder auf den sattgrünen Almweiden. Sanft steigt das Gelände nach Westen und Norden an. Weiter talwärts haben sich einige Kühe zur Tränke versammelt, in einer kleinen Mulde unterhalb der Enningalm. </p>
<p> <strong>Atmo: Bimmelnde Kuhglocken</strong></p>
<p> <strong>Sprecher</strong>:        </p>
<p>Die beliebte Einkehr von Bergwanderern und Mountainbikern hat heute an diesem sonnigen Vormittag auch Josef Glatz angesteuert, Vorstand des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Entspannt lässt der Garmischer Landwirt die Postkartenidylle auf sich wirken:</p>
<p><strong> </strong><strong>01 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Josef Glatz</strong></p>
<p><em>„Da haben wir Fleckvieh heroben, dann haben wir sogar einzelne Schwarzbunte und natürlich die aussterbende Rasse Murnau-Werdenfelser, was bei uns die Bauern noch halten, Die Murnau-Werdenfelser haben eine braun-rötliche Färbung und haben schwarze Flecken drinnen so. Die sind halt bestens geeignet für die Abweidung, weil die ziemlich alles nutzen. Auch, wenn die Weide nicht so gut ist, die Murnauer Werdenfelser gibt trotzdem mehr Milch, weil sie eben aus einer schlechten Weide auch noch was macht.“</em></p>
<p><em> </em><strong>Sprecher</strong>:</p>
<p>Josef Glatz lässt seinen Blick nach Süden schweifen, hinüber zum gut 1.900 Meter hohen Hirschbichel, der majestätisch über der Enningalm thront. Die grasgrüne Bergflanke fällt steil nach Nordosten ab und ist übersät mit hellen, stecknadelkopfgroßen Punkten. Dutzende von Schafen, fast bis zum Gipfel rauf - als klebten sie fest, oben im steilen Gelände. Im Sommer 2022 ging es dort nicht ganz so friedlich zu.<strong> </strong>Der Wolf war nämlich da:</p>
<p> <strong>02 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Josef Glatz</strong> </p>
<p><em>„Der hat halt die gleich in der Nase. Da war er dem Hirschbichel gegenüber, da waren die Risse, wo jetzt die Schafe drüben sind. Und da waren drei Tage hintereinander Risse. Und dann haben wir sie über den Gipfel rübergetrieben, zum Steppberg. Und dann ist er da gekommen; die Rinder - (Da) ist der Hirte erschrocken bei der Nacht um drei - haben sich da drüben auf dem Buckel versammelt und haben sich wehrhaft gestellt. Dann ist der Wolf weitergezogen und ist fort zur Gießenbachalm und hat da vorne wieder Risse getätigt.“</em></p>
<p> <strong>Musik</strong></p>
<p><strong> </strong><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>((Mehr als vierzig Schafe kamen um. Kaum eines wurde vollständig vertilgt. Die meisten waren nur angefressen. Oder sind bei ihrer panischen Flucht in die Tiefe gestürzt. Und))  Das dürfte nur der Anfang gewesen sein, fürchtet Peter Strohwasser Der langjährige Leiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen wertet diese Schafsrisse als ein Wetterleuchten am Horizont, das ein heftiges Gewitter ankündigt:</p>
<p><em> </em><strong>03 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Peter Strohwasser</strong>     </p>
<p><em>„Denn uns werden Dutzende von Wölfen in mehreren Rudeln prognostiziert, wenn das hier mal so aufgesiedelt ist wie an der Lausitz oder in anderen östlichen und nördlichen Gebieten. Das heißt, wir kriegen hier mehrere Wolfsrudel. Und diese Wölfe werden sich ganz anders bemerkbar machen. Wir haben bis jetzt ein Wetterleuchten am Horizont. Aber wir wollen vorsorgen, dass uns das nicht kaputtgeht, was jetzt der Naturschutz mit Millionen von Geldern und die Bauern mit literweise Schweiß geschaffen und erhalten haben. Das ist viel zu kostbar, als dass wir jetzt auf das Gewitter zusteuern können, ohne vorzusorgen.“</em></p>
<p><strong>Sprecherin:</strong></p>
<p>Doch wie diese Vorsorge aussehen soll, ist umstritten. Elektrozäune und Herdenschutzhunde sollen den Wolf von den Weidetieren fernhalten. Noch mehr Hirten auf sie aufpassen und notfalls die Tiere abends in Pferche treiben. Doch kann das wirklich die Lösung sein auf dem Weg zu einer friedlichen Co-Existenz zwischen Wolf und Weidetieren?</p>
<p> <strong>Atmo: </strong>Bimmelnde Kuhglocken (langsam ausblenden unter Sprecherin oder Kreuzblende mit folgender Musik, falls gewüscht))</p>
<p> <strong>Musik</strong></p>
<p><strong>Sprecherin</strong>: </p>
<p>Wolfsrudel gibt es noch keine in den bayerischen Alpen, wohl aber einzelne Wölfe, die meist unauffällig durch die Bergwälder streifen. Wahre Musterwölfe sind dies, meint Wolfgang Schröder. Der Wildbiologe nennt als Beispiel einen Rüden, dessen Spuren vor allem im Rohrmoostal westlich von Oberstdorf gefunden werden.</p>
<p> <strong>04 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Wolfgang Schröder </strong></p>
<p><em>„Also wenn es einen Wunschwolf gibt, dann ist es (dieser GW 999 M), dieser männliche Wolf im Oberallgäu. Der ist seit mindestens 2018 genetisch dokumentiert und lebt heute noch. Also schon relativ alt für einen Wolf in freier Wildbahn. Wahrscheinlich hat er schon vor 2018 einige Tiere in diesem Gebiet gerissen. Wildtiere gerissen.“</em></p>
<p><strong> </strong><strong>Sprecherin</strong>:</p>
<p>Dieser „Rohrmooswolf“ pendelt zwischen dem Allgäu und dem Bregenzer Wald in Vorarlberg. Zwar hat er schon mal ein Rotwildgatter heimgesucht. Aber grundsätzlich meidet er - ganz Musterwolf - Menschen und Siedlungen:</p>
<p> <strong>05 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Wolfgang Schröder</strong></p>
<p><em>„Unweit des bayerischen Schwerpunktes der Alpung von Rindern! Im Oberallgäu werden an die 30.000 Rinder gealpt. Aber in diese Bereiche der Alpen geht dieser Wolf nicht. Er bleibt da in den benachbarten Bergen, wo in allererster Linie Hirsche, Rehe und Gämsen existieren.“</em></p>
<p> <strong>Musik</strong></p>
<p> <strong>Sprecher</strong>:</p>
<p>Während seiner Studienjahre in Nordamerika hat Wolfgang Schröder das dort übliche Wildtiermanagement kennengelernt und diesen Ansatz später als Professor für Wildbiologie an den Münchner Universitäten eingeführt und über Jahrzehnte hinweg gelehrt. Der Wildbiologe gilt als Freund der Wölfe. Und er begrüßt die Rückkehr dieser charismatischen Tiere nach Mitteleuropa. Gleichwohl sieht er die Herausforderungen, die damit verbunden sind. Denn: Willkommen ist der Wolf nicht überall - vor allem auf dem Lande nicht. Dort sorgen sich die Tierhalter um ihre Schafe, Ziegen und Kälber auf den Weiden, Jäger um ihre Rehe und Hirsche in den Wäldern und Eltern um ihre Kinder beim Ausflug in die Natur. Im Gegensatz dazu überwiegt die große Freude vieler Menschen, vor allem im städtischen Umfeld. Für sie ist der Wolf das Symbol für ein kleines Stück Wildnis, ein Hauch von Yellowstone oder Alaska im sonst so dicht besiedelten Europa. Seine Rückkehr werten sie als Chance, einstmals begangenes Unrecht wiedergutzumachen - nämlich die Ausrottung vor mehr als hundert Jahren. Und da ja der Wolf von Natur aus scheu ist - so die Vorstellung - wäre seine Rückkehr ein immenser Gewinn für den Artenschutz. Doch: Ist das wirklich so? Ist jeder Wolf ein Rohrmooswolf?</p>
<p> <strong>06 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Wolfgang Schröder</strong>  </p>
<p><em>„Ja, das ist eine weit verbreitete Meinung, dass der Wolf von Natur aus scheu ist. Das ist er überhaupt nicht! Der Wolf ist, (ein Spitzenprädator;) ein Tier, das nie eine Scheuheit ausprägen musste, vor anderen Tieren oder auch vor den Menschen, solange ihm nicht nachgestellt wurde.“</em></p>
<p> <strong>Sprecher</strong>:</p>
<p>Der Wolf ist keineswegs von Natur aus scheu. Dieses Verhalten wurde ihm antrainiert. Über Jahrhunderte hinweg hatte der Mensch ihn verfolgt - bis er in Mitteleuropa ausgerottet war. In Osteuropa jedoch, in Italien und auch auf dem Balkan, dort haben Wölfe in abgeschiedenen Bergen und weitläufigen Wäldern überleben können - und zwar jene, die den Menschen gemieden haben. Der Rohrmooswolf zeigt dieses tradierte Verhalten auch heute noch:</p>
<p> <strong>07 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Wolfgang Schröder</strong> </p>
<p><em>„Das hat mit Sicherheit eine genetische Komponente. Aber es hat in allererster Linie eine Verhaltenskomponente: Die Wölfe haben einfach gelernt, den Menschen zu meiden. Und was wir heute sehen, wenn dem Wolf nicht mehr in der gleichen Art und Weise nachgestellt wird, dann ändert er relativ rasch wieder sein Verhalten, wird vertraut, er meidet den Menschen nicht mehr in der gleichen Art und Weise und nutzt auch die Gelegenheit, auf den Menschen zuzugehen, wenn er ihn mit Nahrung verbindet.“</em></p>
<p> <strong>Sprecherin</strong>:</p>
<p>Weniger scheu heißt nicht unbedingt „aggressiv“ - zumindest nicht gegenüber dem Menschen, betont Wolfgang Schröder. Nur dreister könnten die Wölfe schon werden, wenn sie erst einmal verinnerlicht haben, dass Menschen keine Bedrohung für sie sind:</p>
<p> <strong>08 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Wolfgang Schröder  </strong></p>
<p><em>„Diese Situation heute ist ein Novum, dass wir wieder Wölfe haben, dass Wölfe sich ausgebreitet haben in Gebiete der Nutztierhaltung und gleichzeitig geschützt werden. Das kann nicht gut gehen. Die Wölfe sind zu lernfähig, als dass sie diese Situation nicht, jetzt sage ich einmal, schamlos ausnutzen würden. Auch durch immer neues Verhalten.“ </em></p>
<p><strong> </strong><strong>Musik:</strong></p>
<p><strong> </strong><strong>Sprecherin</strong>:</p>
<p>Problematisch wird es vor allem dann, wenn Wölfe ihre historisch tradierte Scheu nach und nach ablegen und die Wälder verlassen. Leichte Beute lockt, auf den Almen, und in der Nähe der Dörfer. Schafe und Ziegen vor allem, aber auch Fohlen und Kälber. In Siedlungsnähe rät Wolfgang Schröder zum präventiven Schutz durch Elektrozäune. Die bestehen entweder aus einem Maschengeflecht oder aus einem Verbund aus mehreren Drähten - sogenannten Litzen - die waagerecht verlaufen.</p>
<p> <strong>09 Zsp. </strong><strong>Rückkehr der Wölfe - </strong><strong>Wolfgang Schröder </strong></p>
<p><em>„Im Talgebiet, in Hofnähe, ungeschützte Schafherden oder Ziegenherden zu halten, geht im Wolfsgebiet nicht mehr. Und dort ist es aber auch relativ, ich sage relativ einfach und auch bezahlbar, dass Herdenschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Da würden Elektrozäune reichen; auf kleinerer Fläche Elektrozäune reichen. </em></p>
<p> <strong>Musik: </strong></p>
<p> <strong>Sprecher:</strong></p>
<p>Im Norden und Osten Deutschlands gibt es diesen Wolfsschutz schon länger, und er hat sich dort im Flachland als so genannter Grundschutz bewährt - nicht immer, aber doch relativ häufig. Denn: Für einen unerfahrenen Jungwolf, der auf der Suche nach Beute einen Elektrozaun überwinden will, könnte so ein Stromschlag ein derart „durchdringendes“ Erlebnis werden, dass er künftig anderweitig auf Nahrungssuche gehen dürfte. Und auch manchem Leitwolf bleibt diese schmerzvolle Erfahrung im Gedächtnis haften, so dass er fortan die jüngeren Tiere in seinem Rudel davor bewahren möchte.</p>
<p>Wölfe sind lernfähig. Sie geben Erfahrungen an ihre Nachkommen weiter. Im Guten - aus Sicht des Menschen - wenn sie Elektrozäune meiden lernen. Aber eben auch im Schlechten. Nämlich dann, wenn einige schneidige Wölfe herausfinden, dass sie diese Barrieren durchaus überwinden können. Selbst wenn ein Wolf beim Überspringen die oberste Litze eines Elektrozaunes touchiert, bleibt es für ihn ohne schmerzhafte Folgen, weil er ja beim Sprung keinen Kontakt zum Erdboden hat.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Maltechnik - Der Stoff aus dem die Kunst ist</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/maltechnik-der-stoff-aus-dem-die-kunst-ist/2093221</link>
      <pubDate>Fri, 04 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6534c035-fa48-48c6-a702-defd58882d47</guid>
      <description>Wer über Malerei spricht, meint meist Motiv und Stil, also das WAS und WIE der Darstellung, die Farben und Formen, die Stimmung im Bild. Dabei ist Malen zunächst mal ein technischer Vorgang: ohne Handwerk kein Gemälde. Julie Metzdorf mit einem Blick auf die technische Kunstgeschichte, auf rollbare Leinwände, schimmelnde Fresken und Kunstwerke aus Hasenhaut und Eigelb. Von Julie Metzdorf (BR 2024) </description>
      <enclosure length="23398656" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093221/c/feed/maltechnik-der-stoff-aus-dem-die-kunst-ist.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:22</itunes:duration>
      <itunes:author>Julie Metzdorf</itunes:author>
      <itunes:summary>Wer über Malerei spricht, meint meist Motiv und Stil, also das WAS und WIE der Darstellung, die Farben und Formen, die Stimmung im Bild. Dabei ist Malen zunächst mal ein technischer Vorgang: ohne Handwerk kein Gemälde. Julie Metzdorf mit einem Blick auf die technische Kunstgeschichte, auf rollbare Leinwände, schimmelnde Fresken und Kunstwerke aus Hasenhaut und Eigelb. Von Julie Metzdorf (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0c9cb5d0-28de-4a56-a301-bbeb32bdf5ce.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer über Malerei spricht, meint meist Motiv und Stil, also das WAS und WIE der Darstellung, die Farben und Formen, die Stimmung im Bild. Dabei ist Malen zunächst mal ein technischer Vorgang: ohne Handwerk kein Gemälde. Julie Metzdorf mit einem Blick auf die technische Kunstgeschichte, auf rollbare Leinwände, schimmelnde Fresken und Kunstwerke aus Hasenhaut und Eigelb. Von Julie Metzdorf (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Christian Baumann, Susanne Schroeder<br/> Technik: Anton Wunder<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Kathrin Kinseher, Leiterin Studienwerkstatt Maltechnik an der Akademie der Bildenden Künste München<br/>David Kremer, Farbmittelhersteller Kremer Pigmente</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/radiowissen-manuskrip-maltechnik-malen-pinsel-farbe-tempera-aquarell-kunst-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>ERZÄHLER </p>
<p>Am Anfang waren Fels und Stein. Die ersten Menschen nutzten für ihre Malereien Holzkohle, Blut oder zu Pulver geriebenes Ockergestein, das sie mit Wasser oder Speichel zu Farbe vermischten und direkt auf die Höhlenwand aufbrachten. Als Pinsel dienten fasrig angekaute Zweige. Die Farbe konnte aber auch durch ein Röhrchen aufgesprüht werden, Hände dienten dann gern als Schablonen. </p>
<p>Musik 2: Parovskapproved  -  27 Sek</p>
<p>Schon die ersten Menschen nutzten also ganz verschiedene Materialien und Techniken. Im Lauf der Jahrtausende kamen unzählige weitere hinzu. Das beginnt beim Untergrund: Mauerputz und Tonvasen, Buchseiten aus Pergament oder Glasscheiben für Kirchenfenster, selbst die menschliche Haut kann als Malgrund dienen: beim Body Painting.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Heute denken wir beim Stichwort Malerei vor allem an transportable Gemälde, „Öl auf Leinwand“ scheint dabei so etwas wie der Standard zu sein. Doch Leinwände aus Stoff sind erst seit 500 Jahren üblich. Zuvor wurde vor allem auf Holz gemalt, man spricht dann von „Tafelbildern“. Die Mona Lisa hat beispielsweise Pappelholz im Rücken, Albrecht Dürers Selbstbildnis im Pelzrock ist auf Linde gemalt.</p>
<p>1 OT Kinseher</p>
<p>Also wenn wir zurückschauen, in die Malereigeschichte, dann sind es immer massive Holztafel. Im Mittelalter ist es immer die sogenannte Kerntafel, also ohne Splintholz, die ist am stabilsten, mit stehenden Jahresringen. Die verbiegt sich am wenigsten… </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Dr. Kathrin Kinseher leitet die Studienwerkstatt Maltechnik an der Akademie der Bildenden Künste in München. Sie ist studierte Restauratorin und kennt sich deshalb sowohl mit historischen, als auch mit aktuelle Maltechniken aus. </p>
<p>Die Qualität der Holztafeln war entscheidend für den Wert des gesamten Gemäldes. War das Holz zu frisch oder schlecht verleimt, konnte es sich in verziehen, Risse bilden und das Bild letztlich zerstören. </p>
<p>Musik 3: Melancholy Pavan – 13 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Etwa um das Jahr 1500 entschlossen sich immer mehr Maler dazu, statt auf Holz, auf Leinwand zu malen, also auf einem flexiblen Gewebe, weil…</p>
<p>2 OT Kinseher</p>
<p>…die Leinwand einfach sehr viel leichter ... ist. Das Gemälde von A nach B zu tragen, zu transportieren, ist sehr, sehr viel einfacher.</p>
<p>Musik 4: Manifest - 36 Sek</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Gemälde konnten nun viel größer werden. Das Große Jüngste Gericht von Peter Paul Rubens in der Alten Pinakothek in München misst fast fünf mal sechs Meter, die Leinwand musste aus vier einzelnen Bahnen zusammengenäht werden. Auf Holz wäre solch ein Gemälde undenkbar, zumindest hätte man es nie und nimmer von Antwerpen nach Bayern bekommen. Das Leinwandbild aber konnte zum Transport gerollt werden.</p>
<p>3 OT Kinseher</p>
<p>Das geht natürlich tatsächlich nur bei jüngerer Kunst, bei junger Malerei ein Gemälde, das 50 oder 100 Jahre ist oder noch älter würde man natürlich absolut vermeiden ist zu rollen. Ja, auch wenn man das nach allen Regeln konservatorischen Regeln macht, sagen es ist natürlich eine extreme Strapaze und extremer Stress. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Trotzdem wurde der Rubens später noch zweimal aufgerollt: 1945 bei der Evakuierung der Alten Pinakothek und noch einmal für eine Restaurierung in den 90er Jahren. Das Gemälde hätte sonst einfach nicht durch die Tür gepasst. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Um die Leinwand bemalen zu können, muss sie zunächst einmal auf einen Rahmen gespannt werden. So wird das flexible Leinen zur einigermaßen stabilen Wand, also zur Leinwand. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts setzten sich Keilrahmen durch.</p>
<p>4 OT Kinseher</p>
<p>Wenn man die Leinwand aufspannt, hat es erstmal eine gewisse Straffheit. Aber diese Spannung kann auch nachlassen mit der Zeit. Und dann ist es natürlich hilfreich über dieses sogenannte Auskeilen auf der Rückseite der Leinwand, also ganz sachten, zarten Schlägen mit dem Hammer auf die sogenannten Keile, die in diese Ecken gesetzt werden, die Spannung wieder leicht zu erhöhen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ursprünglich bestand das Gewebe aus Leinen oder Flachsfasern, heute spricht man auch von Leinwand, wenn es sich um Hanf, Jute oder Baumwolle handelt. Zum Schutz und für zusätzliche Stabilität wird das Gewebe mit Leim bestrichen, danach kommt die Grundierung, meist mehrere Schichten einer weißen Kreide-Leimmischung. Die Grundierung gleicht Unebenheiten aus und sorgt für perfekte Saugfähigkeit beim späteren Farbauftrag. Gerade in Kombination mit Ölfarben ist sie extrem wichtig.</p>
<p>5 OT Kinseher</p>
<p>Die Grundierung ist hier vor allem auch Schutz zwischen dem textilen Gewebe der Naturfaser und dem Öl. Denn sonst ohne Grundierung würde das Öl durchdringen, würde sich einbauen in die textile Faser und die Oxidation und den Alterungsprozess der Faser extrem beschleunigen. Das Gewebe wird dann sehr viel schneller spröder, brüchiger. </p>
<p>Musik 5: Cavendish lab – 35 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Doch nicht nur Haltbarkeit, auch ästhetische Gründe spielen für die Grundierung eine Rolle: Sie reflektiert das Licht. Ölfarben sind teilweise lichtdurchlässig: Das Licht dringt in die Malschichten ein. An manchen Stellen dringt es bis auf die Grundierung und wird von dort zurückgeworfen. Die Farbe der Grundierung kann die Wirkung des Bildes deshalb entscheidend beeinflussen. Eine helle Grundierung bringt ein Gemälde zum Strahlen, ein Rot oder Ockerton lässt es leicht goldig und wärmer wirken. </p>
<p>Musik 6: Walks – 40 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Es gibt allerdings auch Maler, die ganz ohne Grundierung gearbeitet haben: Der deutsche Expressionist Otto Mueller beispielsweise hat Anfang des 20. Jahrhunderts vorwiegend mit Leimfarbe auf Rupfen gearbeitet, einem Jutegewebe. Die grobe Struktur der Juteleinwand ist in seinen Gemälden sichtbar, hier und da liegt das Gewebe ganz frei. Mueller ging es in seiner Kunst um die Einheit von Mensch und Natur. Mit Vorliebe hat er Mädchen und Jungen beim Baden an einem See gemalt, nackt in der freien Natur, zwischen Bäumen und Büschen.</p>
<p>6 OT Kinseher</p>
<p>Da passt eigentlich alles zusammen, … also so der Mensch ganz pur unbekleidet in der Natur. Und auch die Wahl dieser einfachen Materialien, die Jute, die er einfach auch zeigt.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Nackte Menschen auf nacktem Malgrund: Thema und Technik, Motiv und Gesamtwirkung greifen hier nahtlos ineinander. Auch der britisch-kenianische Maler Michael Armitage ist dafür bekannt, seinen Malgrund ein Wörtchen mitreden zu lassen. In seinen Gemälden sind oft Risse, Nähte oder gar Löcher zu sehen. Armitage malt auf Lubugo, einem Stoff aus der Rinde der Natalfeige, der in Ostafrika für Kleidung oder auch als Leichentuch verwendet wird. Als Grundlage seiner Malerei steht Lubugo symbolisch für die kenianischen Wurzeln des Malers.  </p>
<p>7 OT Kinseher</p>
<p>Das ist ja die Herausforderung in der Wahl der Materialien, dass man mit den Materialien arbeitet oder aber auch bewusst sich dagegenstellt, das kann auch interessant sein.</p>
<p>Musik 7: fach - 30 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das Angebot an Farben ist heute kaum noch überschaubar: Es gibt Dispersionsfarben, Schulfarben, Fingerfarben, Plakatfarben, Acryl-, Tempera-, Wasser-, Aquarell-, Textil- und Wandfarbe, das alles in Eimern, Tuben, Dosen, Plastikbechern oder -flaschen, beim Künstlerbedarf oder im Baumarkt. In früheren Jahrhunderten mussten die Malerinnen und Maler ihre Farben erst einmal anrühren, also selbst herstellen. Einige und vor allem die Restauratoren, machen das immer noch. </p>
<p>Geräusche Holztor</p>
<p>8 OT Kremer</p>
<p>Das ist unser Kollergang, der kommt aus Italien wurde ursprünglich für Olivenölproduktion vermutlich verwendet oder auch zum Vermahlen von Getreide, also sehr weiche Stoffe. Die Mühlräder selber sind aus Granit und werden über ein Riemenmotor angetrieben. Ich kann denn auch mal anmachen:</p>
<p>Geräusch Kollergang</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>David Kremer von der Farbmühle in Aichstetten im Allgäu, Der Familienbetrieb „Kremer Pigmente“ ist spezialisiert auf die Herstellung von historischen Pigmenten und Farbstoffen. Im Angebot sind mehr als 1000 verschiedene Farbpigmente.</p>
<p>9 OT Kremer, über Geräusch Kollergang</p>
<p>Hier haben wir jetzt im Moment Azurit drauf … eigentlich eher ein hellblaues (Pulver) auf dem Mahlteller hier liegen. Und wir wollen natürlich vorwiegend die dunkelblauen Teilchen hinterher, das heißt, der muss jetzt erst gewaschen werden, sortiert werden, so dass nachher ein Pigment und schönes Dunkelblau entsteht.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Vereinfacht gesagt: werden in der Farbmühle bunte Steine zu Pulver gemahlen, dem Pigment. Aber was ist eigentlich ein Pigment? Und was ist der Unterschied zu Farbstoff? Pigment und Farbstoff verhalten sich etwa wie Sand und Salz: Schüttet man Salz in einen Becher Wasser, löst es sich auf. Die Sandkörner hingegen bleiben erhalten, nach einiger Zeit setzen sie sich am Boden ab. So etwa kann man sich auch Pigmente vorstellen, nur dass die Teilchen viel kleiner als Sandkörner sind.</p>
<p>10 OT Kremer </p>
<p>Das Pigment Teilchen bleibt immer ein Teil. Pigmente sind sehr viel stabiler als Farbstoffe. Sie sind nicht so lichtempfindlich, sie sind nicht so säureempfindlich und werden deshalb vorwiegend in der Malerei eingesetzt.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Im Showroom in Aichstetten reiht sich ein farbenprächtiges Pigment neben das andere. Alle haben eine erstaunliche Strahlkraft. Die meisten Pigmente sind aus Erden oder Mineralien gewonnen: grüner Malachit, roter Jaspis, rosa Rubin, Schiefergrün oder andalusischer gelber Ocker. Organische Pigmente aus Pflanzen wie Krapplack, Indigo, Algen oder Sandelholz gibt es weniger.</p>
<p>11 OT Kremer</p>
<p>Der Nachteil von den Pflanzen-Pigmenten oder auch Farbstoffen ist, dass sie nicht lichtstabil sind. Das Licht zerstört einfach den Farbstoff sehr viel schneller als bei einem mineralischen Pigment. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Viele Maler haben aber den Anspruch, ihre Bilder in den strahlendsten und haltbarsten Farben zu malen, die es gibt. Das verlangt oft schon das Bildmotiv. Der Mantel der Jungfrau Maria darf schließlich nicht verblassen! Legendär ist die Farbe Ultramarin. Ultramarin wird aus Lapislazuli gewonnen, einem Gestein, das hauptsächlich aus Afghanistan kommt. </p>
<p>12 OT Kremer </p>
<p>Wenn man ein Kilo Stein hat, dann hat man am Ende 50 Gramm Pigment und Lapislazuli oder allgemein die mineralischen Pigmente sind eher transparent, weshalb man dann mehrere Malschichten eigentlich auch benötigt.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Die wenigen, teils schwer erreichbaren Vorkommen und die aufwändige Herstellung machen Lapislazuli zu einem der teuersten Pigmente der Welt, im Mittelalter wurde es mit Gold aufgewogen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Doch Kremer Pigmente arbeitet nicht nur mit jahrhundertealten Rezepturen. Künstler von heute freuen sich auch über ganz neue Farben – zum Beispiel über ein Pigment aus Maw Sit Sit bzw. Kosmochlor, ein Gestein, das einst per Meteor auf die Erde kam.</p>
<p>Geräusche Mühlen</p>
<p>13 OT David Kremer </p>
<p>Hier sind wir in unserer Werkstatt, wo verschiedene Mühlen laufen. Man hört das Rasseln hier hinten. Und das ist das sagenumwobene Maw Sit Sit. Und das sieht ja wirklich sehr leuchtend aus, Schwefelgrün könnte man vielleicht sogar sagen.</p>
<p>Musik 8: micromanaged – 30 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Doch egal ob Alge, Lapislazuli oder Kosmochlor: Mit dem Pigment allein kann man nicht malen. Damit das Pigmentpulver auf dem Untergrund hält, braucht es ein sogenanntes Bindemittel, eine Art Kleber. Möglich sind Gummiarabikum, Leim, Harz, Wachs oder Lack. Eines der häufigsten Bindemittel in der europäischen Malerei ist Öl. Aber Öl ist nicht gleich Öl: </p>
<p>14 OT Kremer </p>
<p>Walnussöl … ist ein sehr helles Öl im Vergleich zum Leinöl, trocknet sehr viel langsamer als das Leinöl. Der Vorzug beim Walnussöl ist, es gilbt nicht so stark, weshalb man das auch eher bei blauen und weißen Pigmenten verwendet, sonst hat man nachher beim Leinöl mit einem blauen Pigment vergrünt das nachher.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Jedes Öl hat andere Eigenschaften, manche neigen zum Vergilben, andere trocknen schneller. Olivenöl nutzt man zum Beispiel nicht zum Malen, das trocknet praktisch nie. Nächstes Problem: Pigmente und Öl lassen sich nicht so einfach vermischen: Das Pigment muss in das Öl eingerieben werden. In früheren Zeiten beschäftigten die großen Maler deshalb Lehrlinge, die ausschließlich mit dem Anrühren der Farben beschäftigt waren.</p>
<p>15 OT Kremer </p>
<p>Das macht man klassisch auf so einer Platte wie hier zum Beispiel auf einer Marmor-, auf einer glatten, nicht saugenden Oberfläche. Mit einem Glasläufer oder früher haben die auch einfach solche glattgeschliffenen Steine genommen, wo das Pigment nachher in das Öl eingerieben wird, sodass man eine Paste hat. Und mit der Paste kann man natürlich sehr pastös auf die Leinwand malen, so dass die Farbe steht.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ist die Paste zu dick, muss man sie verdünnen. Dazu nimmt man Terpentinöl, das aus Nadelholz gewonnen wird und für den markanten Geruch in vielen Künstlerateliers sorgt. Es ist auch nicht ganz ungiftig. Kurz gesagt: Die ganze Sache mit dem Malen ist ziemlich kompliziert. Da wundert es nicht, dass Maler lange Zeit als Handwerker galten. Etwa bis ins Jahr 1800 unterstanden sie der Zunftordnung und bewegten sich auf der gleichen Stufe wie ein Bäcker oder Schornsteinfeger. Zwischen Malen und Schuhflicken wurde also kein Unterschied gemacht. </p>
<p>Musik 9: Parovskapproved – siehe vorn – 48 Sek</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Jede Maltechnik hat ihre Vor- und Nachteile: Ölfarbe trocknet langsam, man kann lange nass in nass malen. Was nicht gefällt, kann man mit einem Tuch oder Spachtel gut wieder wegkratzen. Doch die Farben neigen zum Vergilben und zu Rissbildung. Eine Alternative sind Temperafarben. Als Bindemittel dient hier Ei, also ganz normales Hühnerei. Eigelb ist eine natürliche Emulsion, das macht die Farbe gut vermalbar. Die Technik ist bereits seit der Antike bekannt. Aber Temperafarben werden schnell fest und die Herstellung ist recht umständlich. Kathrin Kinseher:</p>
<p>16 OT Kinseher</p>
<p>Für manche Malerinnen und Maler ist es ganz wunderbar. Es ist ein Einstieg in den Tag, ja, erstmal die Temperafarben selbst zu binden, zubereiten, weil es ist auch am besten in der Regel immer frisch zu machen. Aber andere sagen, also das geht für mich überhaupt nicht, … das kostet zu viel Zeit. Ich will sofort ans Bild.</p>
<p>Musik 10: Manifest – siehe vorn – 35 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das Malen selbst kostet ebenfalls viel Zeit. Öl-Farben werden meist in Schichten, den sogenannten Lasuren aufgetragen. Jede Schicht ist leicht transparent, so dass die Farbe darunter sichtbar bleibt. Die endgültige Farbwirkung eines Ölgemäldes entsteht im Zusammenspiel aller Schichten miteinander. Das Gesicht seiner Madonnen zum Beispiel hat Lukas Cranach nicht einfach mit Rosa gemalt. Unter den Rot-Tönen liegt eine Schicht sogenannter Grüner Erde. Das ergibt einen natürlichen, lebendigen Hautton und man konnte die Gesichter so perfekt modellieren: Augenringe sind ein bisschen grünlicher, auf die höher liegenden Wangenknochen kam nochmal ein extra Schicht rot. </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Eine neue Farbe kann man erst auftragen, wenn die untere Schicht ein wenig angetrocknet ist. Tizian aber malte zum Beispiel selten weniger als 40 Schichten übereinander. Da wundert es nicht, dass manche Maler Monate oder gar Jahre für ihre Ölgemälde brauchten. Zumal in vorelektrischer Zeit nur wenige Stunden Tageslicht zum Malen blieben. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die langsame Trocknungszeit von Ölfarben hat aber auch Vorteile: Will man zum Beispiel Übergänge schaffen, kann man mit der neuen Farbe in die noch feuchte untere Farbschicht hineinmalen und sie auf der Leinwand miteinander vermischen. Bei einem Sonnenuntergang etwa stehen die einzelnen Farbtöne nicht abgegrenzt nebeneinander: Vom weiß der Sonne über die verschiedensten Nuancen von Gelb bis zu Orange und Blutrot hinein in einen blauen Himmel oder das Meer, gehen sie nahtlos ineinander über. Für solche Farbverläufe sind Ölfarben besonders geeignet.</p>
<p>Musik 11: Boating for beginners – 54 Sek</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Zugleich sind Malerinnen und Maler natürlich Kinder ihrer Zeit. Neue Maltechniken haben ganze Kunststile entscheidend beeinflusst: Die Erfindung der Tubenfarben 1841 ermöglichte es, in der freien Natur zu malen, direkt vor dem Motiv, „en plein air“. Und zwar nicht nur Skizzen, sondern große Formate. Die Malerinnen und Maler konnten so den Eindruck, den eine Landschaft auf sie machte, unmittelbar wiedergeben. Die Impressionisten wie Claude Monet, aber auch van Gogh, Franz Marc oder Gabriele Münter: sie alle stellten ihre Staffeleien gern an Strand, Feld und Wiesen auf.</p>
<p>17 OT Kinseher</p>
<p>Das war natürlich wirklich eine riesige Innovation… die Tubenfarben können mit auf Reisen genommen werden. Es sind diese Malkästen, dass man ein überschaubares Sortiment der wichtigsten Farbtöne als Tubenfarbe im hölzernen Malkasten bereithält. </p>
<p>Musik 12: erupting light –  53 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Leicht zu handhaben sind auch Aquarellfarben. Aquarellfarben werden mit sehr viel Wasser aufgetragen, als Untergrund dient besonders saugfähiges Büttenpapier. Korrekturen sind in der Aquarell-Technik unmöglich, man kann weder ausradieren, noch abschaben und auch nicht übermalen, jeder Pinselstrich muss sitzen. Damit das Papier nicht trocknet, muss man außerdem noch recht schnell malen. Doch die Umstände lohnen: die Nass-in-Nass-Technik sorgt für wunderbare Farbverläufe, die Farben fließen ganz wörtlich ineinander und verschmelzen. Maler wie William Turner, Albrecht Dürer oder Paul Klee schätzten das Aquarell sehr, sie alle aquarellierten viel auf Reisen.</p>
<p>18 OT Kinseher</p>
<p>Ein wunderbarer Begleiter, ja, also man kann damit die Skizze kolorieren, aber einfach auch nur in dieser flüssigen, Farbmaterial-Sprache arbeiten, … diese fluide Kraft des Wassers spielt da eine ganz, ganz große Rolle. Und das ist natürlich auch extrem reizvoll, diese Fließfähigkeit zu nutzen.</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Für alle Maltechniken gilt: Man kann sie auch miteinander kombinieren. Seinen Hasen malte Dürer zunächst in braunen Aquarellfarben, die feinen Härchen und Lichter setzte er mit Gouachefarben. Allerdings muss man sich bei der Kombination von Farbsorten an bestimmte Regeln halten. Die wichtigste lautet: von mager zu fett. Das heißt, dass die unteren Schichten eines Gemäldes weniger Öl als die oberen enthalten dürfen, sonst bildet sich ein hässliches Kraquelee. </p>
<p>19 OT Kinseher</p>
<p>Es geht in so einem Maltechnik-System oder Bildaufbau-System eigentlich immer um Haftung und Adhäsion und eine gute Verbindung der Schichten untereinander. … so dass man nicht fürchten muss, dass schnell Schichtentrennungen, Krakelees und Absplitterungen stattfinden. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zum Glück gibt es auch Farben, über die man sich kaum Gedanken machen muss: Acryl zum Beispiel. Acrylfarben haften auf den meisten Oberflächen, sie trocknen schnell und man kann sie gut übermalen. Genau genommen handelt es sich bei Acryl um eine Plastik-Dispersion, die Farbwirkung ist sehr gleichmäßig. Anders gesagt: lasierend aufgetragene Ölfarben wirken deutlich lebendiger und natürlicher. Aber das wollen manche Künstler gar nicht. Die Pop-Art beispielsweise schätze genau diese „künstliche“ Ästhetik einer Malerei, die an gedruckte Comics erinnert.</p>
<p>20 OT Kinseher</p>
<p>Also Acrylfarbe bewegt sich mehr sozusagen an dieser Oberfläche und das wirkt plakativer. Zum Beispiel die Arbeiten von Roy Lichtenstein, der mit Klebebändern arbeitet um eine klare Kante zu schaffen… Da eignet sich einfach eine schnell trocknende Farbe extrem gut dafür … und dadurch konnte gewissermaßen eine neue Bildsprache entwickelt werden. …Diese ganze Pop-Art-Malerei ist auch zum Teil Acryl-Malerei und der ist so was Plakatives zu eigen. </p>
<p>Musik 13: Infinite – 57 Sek</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Als letzte Handlung werden Gemälde gern mit einem Firnis überzogen, einem klaren Lack. Er schützt das Gemälde und kann zugleich die Farbwirkung noch einmal unterstreichen. Das Wort Firnis kommt aus dem Französischen, „vernis“ ist der Lack. Im Lauf der Zeit entstand der Brauch, dieses „Firnissen“ im Kreis von Freunden und Auftraggebern vorzunehmen. Diese öffentliche „Vernissage“ kennen wir heute als Ausstellungs-Eröffnung. Und spätestens zur Vernissage ist es egal, was für ein Malgrund, Pigment oder Bindemittel verwendet wurden. Dann wird aus all dem nüchternen Material faszinierende Malerei. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Piraten der Adria - Wilde Zeiten an Kroatiens Küste</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/piraten-der-adria-wilde-zeiten-an-kroatiens-kueste/2107214</link>
      <pubDate>Fri, 04 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8a28c744-970b-4b8a-9f33-0d87941a623c</guid>
      <description>Wo heute Urlauber über Inseln wandern trieben in früheren Jahrhunderten gefürchtete Piraten ihr Unwesen: Uskoken aus Senj, Narentaner aus Brac, Hvar, Korcula oder der Kacic-Clan aus Omiš überfielen Handelsschiffe, die zwischen Venedig und dem Nahen Osten verkehrten. Autor: Bernd-Uwe Gutknecht</description>
      <enclosure length="21822336" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107214/c/feed/piraten-der-adria-wilde-zeiten-an-kroatiens-kueste.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:43</itunes:duration>
      <itunes:author>Bernd-Uwe Gutknecht</itunes:author>
      <itunes:summary>Wo heute Urlauber über Inseln wandern trieben in früheren Jahrhunderten gefürchtete Piraten ihr Unwesen: Uskoken aus Senj, Narentaner aus Brac, Hvar, Korcula oder der Kacic-Clan aus Omiš überfielen Handelsschiffe, die zwischen Venedig und dem Nahen Osten verkehrten. Autor: Bernd-Uwe Gutknecht</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/5cf7acc2-bd35-44cd-b331-7fc2018c0ec0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wo heute Urlauber über Inseln wandern trieben in früheren Jahrhunderten gefürchtete Piraten ihr Unwesen: Uskoken aus Senj, Narentaner aus Brac, Hvar, Korcula oder der Kacic-Clan aus Omiš überfielen Handelsschiffe, die zwischen Venedig und dem Nahen Osten verkehrten. Autor: Bernd-Uwe Gutknecht</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Bernd-Uwe Gutknecht<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Berenike Beschle, Florian Schwarz, Katja Amberger, Katja Schild<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Srecko Cecuk, Piratenverein, Omis<br/>Neven Cagal, Fischer, Omis<br/>Dr. Vanja Kovacic, Archäologin, Split<br/>Nikolas Jaspert, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg<br/>Senka Vlahovic, Piraten-Guide, Omis<br/>Karlo Kovacic, Wanderverein, Omis</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a><strong><br/> </strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> </strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Uni Heidelberg Prof Jasper <a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/philosophie/zegk/histsem/mitglieder/ls_prof_jaspert/ls_jaspert_projekte_maritime_predation.html">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Website von Omis <a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.visitomis.hr/de/stolze-geschichte">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Erzählerin:</p>

<p>Männer mit Tüchern auf dem Kopf und Säbeln in der Hand klettern bedrohlich brüllend von ihren kleinen Holzbooten auf ein großes Segelschiff. Im idyllisch gelegenen Hafenbecken von Omis (sprich: Omiesch, Betonung auf i) im südlichen Kroatien herrscht normalerweise eine entspannte Stimmung: neben Fischkuttern liegen hier Segelboote für Urlauber. Einmal im Jahr, immer am 18. August, verwandelt sich der ruhige Küstenort aber in ein lautes, grelles und schrilles Piraten-Nest! Ein örtlicher Verein veranstaltet eine Piratenschlacht nach historischem Vorbild. Srecko Cecuk (sprich: Srezko Tschetschuck) ist der Vorsitzende:</p>
<p>Zusp. 1 Schlacht OV männl.:</p>
<p>SPRECHER 1</p>
<p>„Wir spielen die Schlacht nach, als Papst Honorius der Dritte seine Marine hierherschickte, um gegen die Seeleute aus Omis zu kämpfen. Die Piraten besiegten den Papst! Wir haben Details über den Verlauf der Schlacht in italienischen Archiven gefunden. Also wir wissen ungefähr, was passiert ist: die Seeleute aus Omis attackierten mit kleinen wendigen Booten die wenig beweglichen großen Schiffe des Papstes und enterten sie. Um das Ganze für unsere Besucher spektakulärer zu machen, verwenden wir auch Kanonen, die es damals ja noch gar nicht gab.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Im Jahr 1221 mussten die päpstlichen Schiffe diese empfindliche Niederlage gegen die Omiser Seeräuber einstecken. Sieben Jahre später kamen die Schiffe des Papstes wieder, diesmal behielten sie die Oberhand. Die Angriffe der Piraten aus Omis blieben eine Zeitlang aus, aber schon wenige Jahre später trieben die dalmatinischen Freibeuter wieder ihr Unwesen.</p>
<p>ATMO 2 Motor</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Ein paar Hundert Meter neben dem Hafenbecken mündet der Fluss Cetina (sprich: Setina, Betonung auf e) ins adriatische Meer. Der Fluss kommt aus den Bergen und trägt Sedimente mit sich, deren bräunliche Farbe vermischt sich mit dem Azurblau des Meeres. Der einheimische Fischer Neven Cagal (sprich: Newen Tschagall) kennt die Küste hier wie seine Westentasche. Kurz hinter der Mündung drosselt er den Motor seines Holzbootes:</p>
<p>ATMO 3 Boot</p>
<p>Zusp. 2 Mostina OV männl.:</p>
<p>SPRECHER 2</p>
<p>„Jetzt sind wir genau über der Mostina (Betonung auf o)! Da unten am Meeresboden, diese Stein-Mauer, die reichte früher bis anderthalb Meter unter die Meeresoberfläche, große Militär-Schiffe mit Tiefgang sind da aufgelaufen. Sie hatten also keine Chance, vom Meer aus in die Schlucht hineinzufahren. Die sogenannten Omis-Pfeile dagegen waren so flach gebaut, dass sie ohne Probleme drüberfahren konnten. So ruderten die Piraten ein paar Kilometer ins Hinterland und waren dort absolut sicher.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Unter anderem wegen dieses natürlichen Schutzraumes in der Cetina-Schlucht konnten die Seeräuber aus Omis über 300 Jahre lang den Küstenraum im mittleren Dalmatien beherrschen. EIN Piratenclan dominierte den Seeraub: die berüchtigten Kacic! (sprich: Katschitsch):</p>
<p>Zusp. 3 Handel OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Die Kacic waren eine Fürstenfamilie, diese Seeräuber waren also Adlige! Einige Vornamen der Kacic-Seeräuber sind bekannt: Malduk, Osor, Jodimir oder Miroslav. Man muss verstehen: Seeraub war damals eine ganz normale Form der Geldbeschaffung. Man trieb Handel, wenn die Geschäfte aber nicht gut liefen, hat man eben Zwangszölle, Wegegeld, Lösegeld etc. eingetrieben. Das war gang und gebe im Mittelalter. Im Stadtarchiv von Dubrovnik gibt es dazu einige Dokumente. Etwa einen Vertrag zwischen Omis und Kotor, in dem die Piraten den Handelsreisenden freie Durchfahrt garantierten. Natürlich gegen ein Entgelt.“</p>
<p>MUSIK 2</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Dr. Vanja Kovacic (sprich Wanja Kowatschitsch) ist Archäologin, hat lange am Staatlichen Institut für Konservierung in Split gearbeitet und hat ein Buch über die Piratenfamilie Kacic geschrieben.</p>
<p>Zusp. 4 Omis OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Die ersten schriftlichen Quellenangaben zu Piraten in Omis sind aus dem 12. Jahrhundert. Sie kontrollierten den gesamten Küstenstreifen von Trogir in Nord-Dalmatien bis zur Insel Korcula (sprich: Kortschula, Betonung auf o) in Süd-Dalmatien. Sie attackierten vor allem venezianische Schiffe, aber auch der Überfall auf ein Schiff des deutschen Kaisers Friedrich des Zweiten ist überliefert. Und nicht zuletzt päpstliche Schiffe waren Ziele der Seeräuber. Sie mussten Tribut zahlen, sonst wurden sie geplündert.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Kaiser Friedrich residierte in Süditalien, seine Handelsschiffe fuhren von dort Richtung Konstantinopel. Die Freibeuter aus Omis hatten ihre Beutezüge also bis ins südliche Italien ausgedehnt. Ihre Lieblings-Opfer waren aber die reich beladenen Schiffe aus Venedig, die quasi direkt vor der Haustüre vorbeifuhren:</p>
<p>Zusp. 5 Levante OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Die Venezianer segelten nach Osten: ins Heilige Land, an die Levante, nach Konstantinopel, um Handel zu treiben. Viele dieser Handelsschiffe kamen aber nicht weit weg von Venedig, nur bis hierher! An Bord wurden sogar Pferde transportiert, ansonsten Wein, Getreide, das berühmte Glas aus Venedig, und auf dem Weg zurück unter anderem Metalle oder Gewürze. Davon haben wir detaillierte Warenlisten im Archiv gefunden.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Außer den schriftlichen Erwähnungen ist vom Kacic-Clan nicht viel erhalten. Im Stadtmuseum von Omis liegt aber ein etwa drei Meter langer Steinblock, vermutlich ein Grabstein der Freibeuter. Die Archäologin liest die kurze Inschrift vor:</p>
<p>Zusp. 6 Miroslav OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Hier ruht Miroslav Kacic zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder. - Diese Steintafel wurde am Friedhof außerhalb der Stadtmauer entdeckt. Was wir auch in Omis gefunden haben, ist ein Dokument eines gewissen Burgherren Jura, in dem er den Bewohnern ausdrücklich die Piraterie erlaubt.“</p>
<p>(((ATMO 4 Friedhof</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Am alten Friedhof kennt Vanja Kovacic praktisch jedes Grab, hier hat sie intensiv geforscht. Um eine Kapelle herum liegen rund zwei Dutzend Sarkophage auf dem Erdboden. Namen sind kaum noch zu erkennen, aber Wappen:</p>
<p>Zusp. 7 Stein OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Für uns sind diese Wappen auf den Grabsteinen besonders interessant, wie dieses hier mit dem Schwert. Leider haben wir keine Gräber der Kacic-Familie entdeckt, aber in Makarska (Betonung auf erstem a) wurde ein Grabstein mit dem Namen Kacic gefunden, ihr Wappen ziert ein Drache! Wir sind allerdings sehr sicher, dass auch Seeräuber aus dem Kacic-Clan auf diesem Friedhof beigesetzt wurden. Hier drüben ist ein besonderes Wappen: mit drei Köpfen, die dunkelhäutige Soldaten darstellen. Wir vermuten, dass hier Seeleute liegen, die gegen die Osmanen gekämpft haben, denn damals wurden die Osmanen mit solchen klischeehaften Köpfen abgebildet“.)))</p>
<p>MUSIK 3</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Auch Nikolas Jaspert, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg, forscht über Piraten in der Adria. Er ist Autor des Buches „Seeraub im Mittelmeerraum“. Mit dem Hollywood-Image der Piraten aus der Karibik, also mit Papagei auf der Schulter, Rumflasche in der Hand und Totenkopf auf der Fahne, hat die historische Realität der dalmatinischen Akteure nicht viel zu tun:</p>
<p>Zusp. 8 Adlige (Jaspert):</p>
<p>„Keine Totenköpfe, nein, nicht trinkfest! Man kann aber diese Karrieren verfolgen, das sind verarmte Adlige. Und wie auf dem Land manche verarmte Adlige zu Räubern werden, andere überfallen, so entschließen manche verarmte Kleinadlige auch, zur See zu gehen. Denn das, was sie können, ist kämpfen.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Neben den Kacic aus Omis gab es im Mittelalter weitere Seeräuber-Gruppierungen entlang der dalmatinischen Küste. Sie hatten sich die Reviere wohl aufgeteilt, ähnlich wie das heute die Mafia tut. Und auch an der westlichen, italienischen Küste der Adria, im westlichen Mittelmeer oder der Ägäis terrorisierten Piraten Handelsreisende. Teilweise agierten diese Freibeuter im Auftrag von Herrschenden:</p>
<p>Zusp. 9 halbstaatlich (Jaspert):</p>
<p>„Es handelt sich – wenn man so will – um eine Form halbstaatlicher Gewalt. Das sind Personen, die etwa von der Republik Venedig oder der Krone Aragon oder Genua oder wem auch immer Kaperbriefe und die Erlaubnis erhalten, die Feinde dieser Herrschaften anzugreifen. Und es gibt auch – und das ist überraschend – Kaufleute, die auch mal zu Gewalt greifen. Das heißt also der Berufspirat, wie wir es uns vorstellen, so Blackbeard und Captain Sparrow und so, den gibt es im Mittelalter so gut wie gar nicht, sondern die anderen beiden Typen sind vorherrschend.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Nikolas Jaspert ist Mitglied einer internationalen Forschungsgruppe, die eine Datenbank über Piraterie im Mittelmeerraum aufbaut. Die Wissenschaftler durchforsten dafür Stadt - und Kirchenarchive, analysieren Handelsverträge und Register, kartographieren regionale Brennpunkte und berechnen die Gewinne der Raubzüge. Laut dem Heidelberger Historiker ein bislang vernachlässigtes Forschungsfeld:</p>
<p>Zusp. 10 Archiv (Jaspert):</p>
<p>„Da ist noch viel zu finden über Gewalt zu See. Also wenn so ein Seeraub, so eine Prise gemacht wurde, also ein Schiff gekapert wurde, dann hat das häufig diplomatische Konsequenzen gehabt, dann wurden Gesandte hin und hergeschickt und es ging um Schadensausgleich und die Androhung von Repressalien und sowas konnte sich über Monate, Jahre, ja Jahrzehnte hinziehen. Und hat auch Texte hinterlassen, die weitgehend unbekannt sind. Und die gilt es erst einmal zu lesen und auszuwerten und zwar so, dass man die Karrieren und die Handlungen von einzelnen Seeräubern, Individuen verfolgen kann und auch ihre Verbindungen zu unterschiedlichen politischen Einheiten, Herrschaften, Staaten, wenn man so möchte, auch verfolgen kann. Und das ist bislang nicht möglich gewesen, weil die Forschung in der Regel national orientiert ist, also die Italiener forschen zur italienischen Geschichte und die Spanier zur spanischen. Aber diese Seeräuber waren – das liegt in der Natur der Sache – grenzüberschreitend tätig.“</p>
<p>ATMO 5 Stufen</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Von der Altstadt von Omis aus führen einige steile Stufen zur Mirabela-Festung hinauf. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und überragt die Stadt. Von der Original-Anlage ist noch der Turm erhalten. Senka Vlahovic (sprich: Senka Wlahowitsch) veranstaltet für Interessierte Piraten-Touren durch Omis, vermittelt Wissen aus der Zeit an Schulkinder und spielt auf Festivals eine Kacic-Fürstin. Vom Turm der Festung aus schaut sie auf´s Meer und zur vorgelagerten Insel Brac (sprich: Braatsch):</p>
<p>Zusp. 11 fortress OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 2</p>
<p>„Die Festung wurde zur Verteidigung benutzt, hatte verschiedene Zwecke: der Turm war natürlich Aussichtspunkt, von hier aus hat man einen Blick über die Adria, auf den Kanal zwischen Festland und der Insel Brac, über die ganze Insel hinweg, und auf der anderen Seite zum Cetina-Fluss und den Anfang der Schlucht. Außerdem war es ein Leuchtturm. Mit dem Feuer konnten sie ihren eigenen Booten nachts signalisieren, wo ihr Hafen ist. Und die Burg war der letzte Rückzugsort. Wenn Gegner in die Stadt eindringen konnten, hätte sich die Kacic-Familie für die letzte Schlacht hier verschanzt.“</p>
<p>MUSIK 4</p>
<p>Zusp. 12 wall OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 2</p>
<p>„Von diesem Ort aus regierten sie. Vor der Kacic-Ära hatte sich hier ein anderes Fürstentum zwischen den Flüssen Neretva (sprich: Neretwa) und Cetina etabliert. Die Kacic-Familie hat ihnen die Herrschaft über diesen Landstrich entrissen. Die geografische Lage ist prädestiniert für Herrschende: die Stadt wurde nicht nur durch die Burg beschützt, sondern auch durch eine Stadtmauer und wo heute die Hauptstraße ist, war ein schützender Wasserkanal.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Bereits in der Antike sorgten illyrische Piraten für Angst und Schrecken an der Adria. Die Illyrer waren eine Ansammlung verschiedener Stämme wie den Japoden, Liburnern oder Histriern, die der Region Istrien ihren Namen gaben. Sie jagten schon in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende römische oder griechische Handelsschiffe. Laut Nikolas Jaspert nutzten sie vor allem versteckte Buchten auf den vielen Inseln vor der kroatischen Küste:</p>
<p>Zusp. 13 zerklüftet (Jaspert):</p>
<p>„Insofern sind solche zerklüfteten Küsten für Seeräuber perfekt, weil die Opfer gewissermaßen an den Küsten entlangfahren und dann kann man von einer Küstenbucht aus oder von hinter einer Küste relativ schnell vorstoßen. Und deshalb ist die Küste Dalmatiens schon seit vielen Jahrhunderten und auch im frühen Mittelalter ein Gebiet, von dem erzählt wird, wo sich sehr häufig Seeraub ereignete. Da sind die illyrischen Seeräuber nur ein Beispiel für eine lange Tradition.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Was für heutige Urlauber an den Adriastränden kaum vorstellbar ist, war mehr als Tausend Jahre lang Normalzustand: Segelschiffe mit wertvoller Fracht wurden von Freibeutern überfallen und ausgeraubt. Piratenboote gehörten quasi zur maritimen Landschaft wie heute touristische Ausflugsdampfer. Laut Archäologin Kovacic liegt das an der unterschiedlichen Beschaffenheit der italienischen und kroatischen Küstenlandschaften:</p>
<p>Zusp. 14 Adria OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Entlang der kroatischen Adriaküste sind Tausende Inseln. Hier gibt es unzählige Buchten, wo Schiffe anlegen konnten. Auf der italienischen Seite ist die Küste ewig lang, ohne schützende Buchten. Deshalb fuhren venezianische oder päpstliche Schiffe lieber auf unserer Seite. Gleichzeitig waren diese Buchten perfekte Verstecke für die Piraten. Die Seeräuber überfielen aber auch konkurrierende Städte an der Küste. So ist bekannt, dass die Bewohner von Omis einmal fast alles verloren, weil die Stadt von anderen Piraten eingenommen wurde.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Von den Neretva (sprich: Neretwa) -Piraten ist die Taktik überliefert, in Inselbuchten Feuer zu entzünden und damit Handelsreisende anzulocken. Die mussten immer wieder anlanden und ihre Vorräte auffüllen. Näherten sie sich den Feuerstellen vermeintlicher Siedlungen, so tappten sie in die Piratenfalle. Am 18. September 887 ereignete sich vor Makarska eine legendäre See-Schlacht: die Neretva-Seeleute verteidigten ihre Stadt gegen eine übermächtige Flotte mit 12 Kriegsschiffen aus Venedig. Der venezianische Doge Urso I. verlor in der Schlacht sein Leben. Am 18. September wird jährlich der „Tag der kroatischen Marine“ gefeiert.</p>
<p>MUSIK 5</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>In der frühen Neuzeit, also im 16. und 17. Jahrhundert, war eine andere Piratengruppe aus dem heutigen Kroatien sehr erfolgreich: die Uskoken! Dieser militärisch organisierte Verband rekrutierte seine Mitkämpfer unter anderem aus Flüchtlingen osmanisch besetzter Gebiete in Süd-Dalmatien, aber auch aus anderen Bevölkerungsgruppen des westlichen Balkans. Zentrum der Uskoken war der Küstenort Senj (sprich: Sen) in der Nähe des heutigen Zadar (sprich: Sadar, Betonung auf erstem a). Laut Quellen konnten die Uskoken dauerhaft auf 1000 Kämpfer zurückgreifen und legten sich erfolgreich sowohl mit den Venezianern als auch mit den Osmanen an. In Italien nannte man sie „Venturini“, also Glücksritter. Spezialität der Uskoken waren Angriffe nicht auf offener See, sondern im Hafen:</p>
<p>Zusp.15 Uskoken (Jaspert):</p>
<p>„Das sind Überfälle auf Schiffe, die gerade im Hafen sind, und das passiert sehr häufig. Also unser Bild des Seekrieges, das wir aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert kennen, mit den großen Schlachtschiffen und vielen Kanonen, das gilt für die frühe Zeit und auch für die Zeit der Uskoken weniger. Sie haben schnelle Schiffe, mit denen sie auch Handelsschiffe überfallen. Also ihr Vorteil ist, dass sie das Gelände natürlich gut kennen und in dieser Inselwelt zuhause sind und notfalls auch in Flüsse hochfahren können. Und zum zweiten, dass sie eben kleinere, schnellere, wendigere Schiffe haben.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Zur rein materiellen Motivation kam auch eine religiöse hinzu. Die Seeräuber aus Senj raubten vorzugsweise Schiffe der Osmanen aus.</p>
<p>Zusp. 16 Andersgläubige (Jaspert):</p>
<p>„Die religiösen Gegensätze zwischen Muslimen und Christen erleichtern den Seeraub, weil man als Christ problemlos einen Muslim überfallen darf, weil er eben ein Glaubensfeind ist. Und umgekehrt gilt es genauso, während man sonst schon darauf achten muss, wenn man als Genuese einen Christen überfällt, weil das diplomatische Schwierigkeiten bedingt. Also der Seeraub zwischen Andersgläubigen ist schlichtweg risikoärmer für die Gewaltakteure, für die Piraten.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Was oftmals bei Piraten-Erzählungen unberücksichtigt bleibt, ist die Versklavung der Opfer. Seeräuber nahmen nicht nur sämtliche Waren der eroberten Schiffe mit, sondern oftmals auch die Besatzung oder Reisende. Und Archäologin Kovacic hat Aufzeichnungen ausgewertet, die sogar Entführungen in Küstenorten erwähnen:</p>
<p>Zusp. 17 Hvar OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Aus dem 16. und 17. Jahrhundert haben wir Belege, dass osmanische Piraten hierherkamen und vor allem auf den Inseln Männer und Frauen entführt haben, die nach kräftigen Arbeitskräften aussahen. Teilweise wurden alle Bewohner von kleineren Inseln mitgenommen, so dass diese Eilande über Nacht unbewohnt waren. 1571 drangen ottomanische Piraten nach Zentraldalmatien ein, sie griffen die Siedlungen auf der Insel Hvar an und brannten praktisch alles nieder. Aber aus welchem Grund auch immer sind sie nicht ins nahegelegene Omis gekommen.“</p>
<p>(((Zusp. 18 Opfer (Jaspert):</p>
<p>„Wir haben nicht nur in der Forschung, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung gerne auf die Akteure geschaut, also auf die sogenannten Piraten, aber viel zu wenig danach gefragt, was passiert eigentlich mit den Menschen, die geraubt werden. Und Seeraub hat ganz viel mit Menschenhandel zu tun, also mit dem Kidnappen, dem Entführen von Menschen, die dann gegen Lösegeld entweder verkauft werden oder die auf den Sklavenmärkten verkauft werden. Denn die Sklaverei ist ein Alltagsgeschäft, sowohl von Seiten der christlichen Europäer als auch von Seiten muslimischer Herrschaften. Und die Opfer sind ganz unterschiedlich, das können Kaufleute sein, können Pilger sein, es sind auch ganz häufig Küstenbewohner.“)))</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Der Heidelberger Historiker Niklas Jaspert macht in seinen Veröffentlichungen immer wieder deutlich, dass Piraterie von der Antike bis zur Neuzeit eine breite gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Bedeutung hatte. Das Bild der freiheitsliebenden Revolutionäre unter dem Totenkopf, die den Reichen das Geld stahlen und es den Armen gaben, ist ihm zufolge stark romantisierend. Ein Freibeuter im Mittelmeer war eher Wirtschaftskrimineller als Robin Hood. Und letztlich war ein großer Teil der Bevölkerung beteiligt: als Täter, Opfer oder Nutznießer:</p>
<p>Zusp. 19 Küstenbewohner (Jaspert):</p>
<p>„Man tut gut daran, wenn man eine Geschichte des Seeraubs in Dalmatien und an der Küste schreibt, dann immer die Küstenbewohner mitzuschreiben, die ganz unterschiedlich involviert sein können. Als Opfer natürlich von Überfällen, als Täter, die selbst zur See gehen und rauben, aber nicht zuletzt auch als Käufer und als Teil dieses Handels-Netzwerks, auf dem ja auch der Seeraub beruht, dass man die Beute verkaufen können muss.“</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Die kroatische Archäologin Vanja Kovacic ergänzt, dass man Piraterie in früheren Epochen nicht mit heutiger Moral beurteilen dürfe:</p>
<p>Zusp. 20 Zoll OV weibl.:</p>
<p>SPRECHERIN 1</p>
<p>„Das war keine Frage von gut und böse, das war normal. Sie forderten Geld oder Ware dafür, dass fremde Schiffe durch die hiesigen Seegebiete fahren durften. Wenn man so will, tun wir das heute auch, in dem wir Zölle, auf der Autobahn Gebühren von den Durchreisenden oder in den Häfen Liegegebühren verlangen, freilich ohne Gewalt!“</p>
<p>Zusp. 21 zeitlos (Jaspert):</p>
<p>„Ich halte Seeraub schon für ein zeitloses Phänomen, wir haben es ja immer noch! Also am Golf von Aden und anderswo, man muss sich nur die Zahlen anschauen, werden Jahr für Jahr Schiffe überfallen. Und das kriegen wir in Deutschland nur bedingt mit. Am Horn von Afrika eine Zeitlang schon, da war es auch in den Nachrichten. Und Reedereien reagieren zum Beispiel damit darauf, dass sie Söldner, Privattruppen anstellen, um Schiffe zu verteidigen. Also das ist ein Phänomen, das die Zeiten überdauert.“</p>
<p>MUSIK 6</p>
<p>ATMO 1 Schlacht</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Wenn alljährlich im August im Hafenbecken von Omis die Piratenschlacht tobt, hat man von der Festung Fortica Starigrad (sprich: Fortizza Starigrad, nicht Schtari) aus den besten Ausblick. 300 Meter über der Stadt ist diese Anlage aus dem 15. Jahrhundert. Auch sie diente den Piratenfamilien als Hochburg, Aussichtspunkt und Rückzugsort. Erobert wurde sie nie. Wann genau und warum die Herrschaft der Kacic-Freibeuter endete, ist nicht überliefert. Ihre Nachfolger in Dalmatien, die Uskoken, gerieten im sogenannten „Krieg um Gradiska“, den Venedig und Habsburg ausfochten, zwischen die Fronten. Nach dem Friedensschluss der beiden Großmächte von 1617 wurden alle Schiffe der Uskoken verbrannt, sie mussten ins Hinterland umsiedeln. Viele von ihnen schlossen sich als Söldner den Habsburgern an, die übrigen zerstreuten sich zwischen Balkan und Österreich, die Piraterie an der kroatischen Küste löste sich fast über Nacht in Luft auf!</p>
<p>ATMO 7 Festung</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Karlo Kovacic ist Mitglied der örtlichen Sektion des kroatischen Wanderverbandes und kümmert sich mit seinem Team um die Instandhaltung der Wanderwege zu den Burgen und Höhlen der Gegend. Er beobachtet die Piratenschlacht immer von oben, ganzjährig führt er Wandergruppen auf den Spuren der Piraten durchs Gelände. (((Vor allem in der Cetina-Schlucht vermutet er noch spannende Funde, die auf Archäologen warten:</p>
<p>Zusp. 22 Cetina OV männl.:</p>
<p>SPRECHER 1</p>
<p>„Am Flussufer lagerten die Piraten ihre Boote. Und sie trieben auch dort Handel, z.B. mit Salz, das damals sehr wertvoll war. Es wurden Überreste von Windmühlen entdeckt, d.h. die Bewohner hier haben ihr Mehl gemahlen. Das war eine wichtige Nahrungsquelle auch für die Piraten. Entlang des Flusses sind auch zahllose sehr alte Natursteinmauern zu sehen. Leider gibt es dazu noch keine archäologischen Untersuchungen. Da gibt´s noch viel zu erforschen, was die Piraten hier taten. Es war auf jeden Fall die Speisekammer der Piraten. Sehr gut kann man all die Mauern und Ruinen vom Fluss aus bei einer Raftingtour sehen“)))</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Und auf EINE Entdeckung warten die Bewohner von Omis seit langem: irgendwo muss doch ein Piratenschatz vergraben liegen!?</p>
<p>Zusp. 23 Schatz OV männl.:</p>
<p>SPRECHER 1</p>

<p>„Leute aus Omis suchen seit Jahrhunderten nach möglichen Piratenschätzen, zum Beispiel in den vielen kleinen Höhlen hier. Bisher hatte aber noch kein Schatzjäger Glück, es wurde nichts Wertvolles gefunden. Wir wissen nicht, wohin die Kacic ihre Schätze geschafft haben oder ob sie hier irgendwo ruhen. Zur Bank haben sie die Schätze sicher nicht gebracht!“</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Henry David Thoreau - Rebell und Öko-Pionier</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/henry-david-thoreau-rebell-und-oeko-pionier/168375</link>
      <pubDate>Thu, 03 Jul 2025 04:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1962b8ef-ad8a-493a-a8a0-97b4d8849e7d</guid>
      <description>Anpassung oder Aufbegehren? Zerstörung der Natur oder verantwortungsvoller Umgang mit ihr? Die Antworten des US-amerikanische Dichters Henry David Thoreau, vor über 150 Jahren geschrieben, sind von beeindruckender Aktualität. (BR 2018) </description>
      <enclosure length="22163539" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/168375/c/feed/henry-david-thoreau-rebell-und-oeko-pionier.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:05</itunes:duration>
      <itunes:author>Michael Reitz</itunes:author>
      <itunes:summary>Anpassung oder Aufbegehren? Zerstörung der Natur oder verantwortungsvoller Umgang mit ihr? Die Antworten des US-amerikanische Dichters Henry David Thoreau, vor über 150 Jahren geschrieben, sind von beeindruckender Aktualität. (BR 2018) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/82dc82e2-a022-49ae-bf72-84517bdd4617.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Anpassung oder Aufbegehren? Zerstörung der Natur oder verantwortungsvoller Umgang mit ihr? Die Antworten des US-amerikanische Dichters Henry David Thoreau, vor über 150 Jahren geschrieben, sind von beeindruckender Aktualität. (BR 2018) </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge:  Michael Reitz<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Beate Himmelstoß,Thomas Lettow<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>

<ul>
<li><strong>Prof. Dr. Dieter Schulz, Anglistik an der Universität Heidelberg;</strong></li>
<li><strong>Frank Schäfer, Thoreau-Biograf, Braunschweig; </strong></li>
<li><strong>US-amerikanischer Vietnam-Soldat</strong></li>
</ul>
<br/>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a><strong><br/> </strong></p>
<p><strong><br/></strong><br/></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Washington, D.C, am 23. April 1971. Auf den Stufen des Capitols, dem Sitz des US-Kongresses, haben sich circa 1.000 Soldaten und Offiziere versammelt. Sie demonstrieren für das Ende des Krieges in Vietnam. Ein Krieg, an dem sie selbst teilgenommen haben. Höhepunkt des Protests ist eine Aktion, die wohl einmalig ist in der Geschichte: </p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-TON US-AMERIKANISCHER VIETNAM-SOLDAT</p>
<p>I got those medals and people had to die for …</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>„Menschen mussten sterben, damit ich diesen Orden bekommen konnte“, ruft ein junger Mann ins Mikrophon. Daraufhin reißt er sich die Rang- und Divisionsabzeichen von der Uniform und wirft sie zusammen mit seiner Tapferkeitsmedaille in einen Müllcontainer (O-TON ENDE). Hunderte seiner Kameraden tun es ebenfalls. Es ist ein Akt des zivilen Ungehorsams – ein Begriff, der auf den Philosophen, Pionier der ökologischen Bewegung und Schriftsteller Henry David Thoreau zurückgeht. In seiner Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ schrieb er im Jahr 1849:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Wenn tausend Menschen dieses Jahr ihre Steuern nicht bezahlten, so wäre das keine gewaltsame und blutige Maßnahme – was aber wäre, wenn sie bezahlten und damit den Staat in die Lage versetzten, Gewalt anzuwenden und unschuldiges Blut zu vergießen? </p>

<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Henry David Thoreau wird am 12. Juli 1817 als Sohn eines Bleistiftfabrikanten in Concord im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Damals ein idyllischer Ort in ländlicher Gegend. Im Unterschied zu vielen amerikanischen Familien ist Henrys Elternhaus in Fragen der Religion tolerant. Es gibt keinen vorgeschriebenen Glauben, den er und seine drei Geschwister streng befolgen müssen – ein Umstand, der für sein späteres Leben bestimmend sein wird. Nach der regulären Schulzeit bekommt er ein Stipendium für die renommierte Harvard-Universität. Zwar fällt er beim Aufnahmetest beinahe durch, aber in den folgenden Jahren wird er zu einem wahren Bücherwurm und universal gebildeten Menschen, der Ovid, Homer und Goethe im Original lesen kann. Doch schon früh geht ihm der akademische Betrieb gegen den Strich (MUSIK ENDE). Der Heidelberger Anglistik-Professor Dieter Schulz gilt als Thoreau-Experte. Er beschreibt dessen Einstellung so:</p>

<p>O-TON DIETER SCHULZ</p>
<p>Bücher bieten keine Rezepte etwa für die Lebensführung oder irgendwelche Wahrheiten, irgendwelche Weisheiten, die unerschütterlich, nur weil sie gedruckt sind, dann zu akzeptieren wären. Von daher also würde ich eher sagen, es ist ein zwiespältiges Verhältnis zu Büchern. Er war ein – wie ein Kritiker das genannt hat – ein Chain Reader, also ein Kettenleser einerseits. Andererseits hat er aber nichts, was er da gelesen hat, für bare Münze genommen, sondern alles einem Realitätstest unterworfen, in dem Sinne, dass er sich fragte: Stimmt das mit meiner eigenen Erfahrung überein?</p>

<p>MUSIK</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der junge Mann ist auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Nach einer weltanschaulichen Orientierung, die er durch ein enormes Lektürepensum zu finden hofft (MUSIK: priv. CD „Ride Home“ aus „Moonlight“ [00‘25‘‘]). Im Frühjahr 1837 findet er in der Universitätsbibliothek ein Buch, das soeben erschienen ist und dessen Autor ebenfalls in Concord lebt: „Natur“ von Ralph Waldo Emerson, dem Begründer des sogenannten „Transzendentalismus&#39;“. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Spiritualität und Philosophie, wie Dieter Schulz erläutert: </p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-TON DIETER SCHULZ</p>
<p>Was die Transzendentalisten immer wieder ins Feld geführt haben, war, dass die Dinge, so wie sie sind, nicht der Weisheit letzter Schluss sein müssen, sondern dass es gewisse Prinzipien gibt, gewisse Ideale, die über die Wirklichkeit hinausgehen. Die pragmatische Seite kommt dann dadurch herein, dass man sagt, Ideale für sich, schön und gut – aber sie müssen dem Test des Lebensvollzugs unterworfen werden. </p>

<p>MUSIK</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das Göttliche, so Ralph Waldo Emerson und die Transzendalisten, ist nichts Äußeres, sondern liegt im Menschen selbst. Um es freizulegen, muss der Einzelne die Natur als Quelle der göttlichen Offenbarung erfahren und im Einklang mir ihr leben. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Dasein nur in einem abgeschotteten Wolkenkuckucksheim gelebt werden soll: Die tiefen Erfahrungen, die der Mensch in der Natur machen kann, sollen in die Wirklichkeit getragen werden. Für Henry David Thoreau wird die Lektüre zu einem Erweckungserlebnis (MUSIK ENDE), wie sein Biograph, der Braunschweiger Schriftsteller Frank Schäfer, beschreibt:</p>

<p>O-TON FRANK SCHÄFER</p>
<p>Der Mensch in der Masse, der erschreckt ihn, weil er sieht – was passiert mit den Menschen? Die verlieren im Grunde ihre Autonomie, die verlieren ihre Einzigartigkeit. Die sind eben Teil der Masse. Und das muss ihn irgendwie sehr beunruhigt haben, dieses Gefühl. Und auch das lässt sich im Grunde ableiten aus dem Transzendentalismus: In jedem steckt sozusagen ein göttlicher Funke. Und den muss jeder für sich im Austausch mit sich selbst finden. Und das geht eben nicht als Teil der Masse. Das geht nur in Vereinzelung, das geht auch nur im Austausch mit der Natur, laut Thoreau. Und es geht auch nur eigentlich allein.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Als Henry David Thoreau Emerson kennenlernt, entwickelt sich sehr bald eine tiefe Freundschaft. Der vierzehn Jahre ältere Philosoph wird nicht nur zu seinem geistigen Ziehvater. Er weckt auch einen Berufswunsch in dem jungen Mann, wie Dieter Schulz erzählt: </p>

<p>O-TON DIETER SCHULZ</p>
<p>Nach der Begegnung mit Emerson wird das eigentlich sein Traum: sich als freier Schriftsteller durchzuschlagen. Und alles andere, was er sonst noch gemacht hat – also als Landvermesser arbeiten, dann hat er ja ausgeholfen in der Bleistiftfabrik seines Vaters, er hat den Leuten Bäume gepflanzt, er hat mitgeholfen, Sümpfe trockenzulegen und alles Mögliche –, das waren wirklich mehr Gelegenheitsarbeiten. Das sieht man dann auch später an seinem Tagesablauf. Ein paar Stunden draußen rumlaufen, Notizen machen, dann schreiben, zwischendurch natürlich auch lesen.</p>

<p>MUSIK</p>



<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Doch zunächst muss Henry David Thoreau nach dem Universitätsabschluss seinen Lebensunterhalt verdienen. Er wird Lehrer an einer allgemeinen Schule. Dabei verfolgt er Erziehungsideale, die auf die Transzendentalisten zurückgehen. Und die nicht unbedingt im Einklang mit dem Lehrplan stehen. Als er sich weigert, die Prügelstrafe anzuwenden, fliegt er von der Schule. Daraufhin gründet er mit seinem Bruder eine eigene private Lehranstalt. Was dort im Mittelpunkt steht, erläutert Frank Schäfer:</p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-TON FRANK SCHÄFER</p>
<p>Nicht nur theoretische Kenntnisse vermitteln, alte Sprachen pauken und so was, sondern tatsächlich auch praktische Fähigkeiten vermitteln. Das Ganze anschaulich machen. Also das sind alles Sachen, die da das erste Mal eigentlich auftauchen, und die im Grunde sich aber tatsächlich herleiten aus diesem Glauben: Man geht in die Natur und kann da eben sehen, was Gott im Inneren zusammenhält.</p>

<p>MUSIK</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Als sein Bruder an Wundstarrkrampf stirbt, schließt Henry die Schule. Er wohnt nach wie vor in seinem Elternhaus, hilft dem Vater in seiner kleinen Fabrik und eignet sich Kenntnisse in der Landvermessung an. Er ist ein praktischer Mensch, ein Intellektueller, der mit Hammer, Spaten und Säge umgehen kann. Dabei ist er kein einfacher Zeitgenosse. Oft brüskiert er seine Mitmenschen damit, dass er sagt, was er denkt. Für Frauen oder gar das Heiraten interessiert er sich wenig, Henry ist ein in sich gekehrter Mensch (MUSIK: priv. CD „Ride Home“ aus „Moonlight“ [01‘00‘‘]). Vor diesem Hintergrund ist auch ein Lebensabschnitt zu sehen, der ihn heute zur Galionsfigur der ökologischen Bewegung, vor allem der Landkommunen und der Hippiekultur in den USA werden lässt. Er will ein paar Jahre allein in einem Wald von seiner eigenen Hände Arbeit leben. In sein Tagebuch notiert er:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Es ist jetzt Zeit, dass ich anfange zu leben. Ich möchte so sein wie ihr meine Wälder, und werde nicht eher ruhen, bis ich eure Unschuld erlangt habe. Ich möchte bald fortgehen und am See leben, wo ich nur den Wind im Schilf flüstern höre. Das wird ein Erfolg sein, sofern es mir gelingt, mich selbst zurückzulassen.</p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Doch worin besteht Thoreaus Überdruss, seine Zivilisationskritik? In erster Linie darin, dass der Mensch der Moderne ein aufgespaltenes Wesen ist. Es verliert seine Sinnlichkeit, sein Empfinden dafür, dass er nur Teil der Natur und nicht ihr Beherrscher ist. Früh kritisiert Thoreau damit ein Leitbild, wie es heute gang und gäbe ist: das des Machers, des ökonomischen Menschen, der alles inklusive der Natur als Ressource sieht, die es auszubeuten gilt. Damit dies überhaupt möglich ist, muss dieser Menschentyp sich zunächst selbst als Produktionsmittel sehen, das nur noch auf der praktisch-technischen Ebene funktioniert. Henry David Thoreau stellt dem das Bild des vollständigen Menschen entgegen, wie es sein intellektueller Ziehvater Ralph Waldo Emerson formuliert hatte:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Dieser Mensch ist weder Bauer noch Professor, noch Ingenieur – er ist all das zugleich. Dieser Mensch ist Priester und Gelehrter, Politiker, Unternehmer und Soldat. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Am 4. Juli 1845, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, ist es dann soweit. Ralph Waldo Emerson hatte unweit des Wohnortes Thoreaus am Ufer des Walden-Sees ein kleines Stück Wald gekauft, um es vor der Abholzung zu bewahren. Er erlaubt seinem Freund und Schüler, dort eine kleine Hütte zu errichten. Und der beginnt sofort mit der Arbeit. Er legt ein zwei Morgen großes Feld an, auf dem er Rüben, Karotten, Bohnen, Kartoffeln und Mais anbaut und schafft mit einem Pferdekarren seine Habseligkeiten in die Einöde. Bei aller Verklärung, die dieser Umzug in der Geschichte der ökologischen Bewegung erfahren hat, darf man sich das allerdings nicht so vorstellen, als habe Henry David Thoreau in der Wildnis fernab jeder Zivilisation gelebt. Gerade mal ein paar Kilometer ist die Stadt Concord entfernt, das Einsiedler- und Aussteigerleben findet also in einem abgesicherten Modus statt. Für seinen Biographen Frank Schäfer ist das jedoch kein Widerspruch:</p>

<p>O-TON FRANK SCHÄFER</p>
<p>Deswegen konnte er diese Natur auch in einer Weise feiern, wie das bei einem Urwald gar nicht möglich gewesen wäre. Dieses Menschenfeindliche war da eben schon so etwas an den Rand gedrängt. Und deswegen hat es tatsächlich für ihn was Liebliches, ja was Mythisches. Und das muss ihn einfach schon früh unglaublich beeindruckt haben.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Seine Motivation beschreibt Henry David Thoreau in seinem Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“, das 1854 erscheint. Es ist heute ein Klassiker des verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur:</p>

<p>MUSIK</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nicht nur in der Natur leben, sondern mit ihr – Henry David Thoreau ist es ernst mit seinem Experiment, das zwei Jahre dauern wird (MUSIK ENDE). Er lebt von den Früchten, die er selbst zieht, von Waldbeeren und Pilzen, verkauft das, was er nicht zum Überleben braucht, auf dem Markt. Dabei macht er gleich im ersten Jahr eine interessante Entdeckung: das angelegte Gemüsefeld ist für seine Bedürfnisse viel zu groß. Der zivilisierte Mensch neigt offenbar zu Überproduktion und Naturausbeutung (MUSIK: priv. CD „Main Theme“ aus „The Seventh Fire“ [00‘30‘‘]). Henry David Thoreau verkleinert sein Feld und kommt zu dem Schluss:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Dass, wenn jemand einfach leben und nur das verzehren will, was er selber baut, nicht mehr braucht, als er isst, und die Ernte nicht für eine unzureichende Menge kostspieligerer und überflüssigerer Dinge eintauscht, er nur ein paar Quadratmeter Grund zu bepflanzen braucht.</p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Wenn Thoreau trotzdem einmal Geld braucht, verdingt er sich als Tagelöhner. Dieses Leben als Selbstversorger in relativer Abgeschiedenheit, unabhängig von äußeren Umständen sieht er dabei als Vorbereitung für die Art von Existenz, die ihm immer vorschwebte: die eines Schriftstellers und Denkers, der seine Ideen nicht isoliert am Schreibtisch entwirft, sondern aus der Erfahrung eines tätigen Lebens heraus. Es ist ein individueller Reifungsprozess, den Thoreau sucht und findet. Die Langzeitwirkung dieser Einstellung erläutert Frank Schäfer: </p>

<p>O-TON FRANK SCHÄFER</p>
<p>Das ist ja dann auch ein Moment, der bei den Hippies dann später aufgenommen wird, dass man nicht unbedingt die politischen Strukturen verändern muss, sondern die persönlichen Strukturen verändern muss und dass die Folge daraus ist eine politische Veränderung.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Henry David Thoreau selbst schreibt dazu:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Wenn jemand vertrauensvoll in die Richtung seiner Träume vorwärtsschreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden nichts träumen ließe. Er wird mancherlei hinter sich lassen. Neue, allgemeine und freiere Gesetze werden sich um ihn und in ihm bilden.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Während heutige Menschen zur Neuorientierung im Leben ein Sabbatical machen oder für ein paar Wochen in ein Kloster gehen, sah Thoreau die Natur als Lehrmeisterin und Inspirationsquelle. Doch warum brach er sein Experiment nach zwei Jahren wieder ab? Frank Schäfer versucht eine Antwort:</p>

<p>O-TON FRANK SCHÄFER</p>
<p>Er wusste, was passiert, und er hätte im Grunde sagen können, wie das dritte Jahr wird. Er glaubte, jetzt eigentlich alles erlebt zu haben und wollte eben tatsächlich noch mal was anderes machen, und ist deshalb von da aus wieder weggezogen – im Grunde dann auch erst begonnen, als professioneller Autor zu arbeiten. Also, hat dann Vortragstätigkeiten angenommen und so was. Das ist eigentlich im Grunde erst nach dieser Walden-Erfahrung passiert.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Durch Vermittlung Ralph Waldo Emersons, in dessen Haus er bald lebt, kann Henry David Thoreau immer mehr veröffentlichen. Doch was ihn nun stark bewegt ist die Frage, wo der Nutzen einer persönlichen Entwicklung liegt, wenn die keine Rückwirkungen auf andere Menschen, auf die Gesellschaft und den Staat hat. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die politische Situation in den Vereinigten Staaten angespannt, das Land ist uneins. Von 1846 bis 48 haben die USA einen in der Bevölkerung höchst umstrittenen Angriffs- und Eroberungskrieg gegen Mexiko geführt, der ihr Territorium bis an den Pazifik ausdehnt. Hinzu kommt die Sklaverei, die laut einem Gesetz aus dem Jahr 1820 nur südlich des 36. Breitengrads erlaubt ist. De facto ist das eine Spaltung des Landes in zwei Rechtsbereiche. Thoreau fragt sich nun: Kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, in einem Staat Steuern zu zahlen, der grundlos einen Krieg anfängt? Und der darüber hinaus ein System mitfinanziert, das schwarze Menschen wie Nutztiere behandelt? Seine Antwort ist pragmatisch: Er zahlt keine Steuern mehr. Seine Argumentation, so Dieter Schulz:</p>

<p>O-TON DIETER SCHULZ</p>
<p>Wenn möglichst viele auf ihr Gewissen hören – das ist zunächst eine individuelle Instanz, die nur das Individuum betrifft. Aber da wir alle im Grunde an ein und dasselbe höhere Prinzip angeschlossen sind, daran partizipieren, wird dadurch keine Anarchie entstehen, sondern auch kollektives Handeln im Sinne sozialer Transformation.</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zur Eintreibung der Steuern landet Henry David Thoreau im Gefängnis. Obwohl er nach kurzer Zeit wieder frei kommt, wird diese Erfahrung zur Basis seiner wohl berühmtesten Schrift. Sie erscheint 1849 und trägt den schlichten Titel „Civil disobedience“, zu Deutsch „Ziviler Ungehorsam“. Darin heißt es: </p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Unter einer Regierung, die irgendjemanden unrechtmäßig einsperrt, ist das Gefängnis der angemessene Platz für einen gerechten Menschen. Der entflohene Sklave und der Indianer mit seinen Anklagen gegen das Unrecht, das man seiner Rasse zufügt: nur hier sollen sie ihn finden, im Gefängnis. Es ist das einzige Haus in einem Sklavenstaat, das ein freier Mann in Ehren bewohnen kann.</p>

<p>MUSIK: </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>„Civil disobedience“ ist eine Kampfschrift, die im 20. Jahrhundert von Bürgerrechtlern wie Martin Luther King oder Nelson Mandela ihren Anhängern zur Lektüre empfohlen wird, Mahatma Gandhi verteilte sie während des indischen Unabhängigkeitskampfes an seine Mitstreiter. Ihre Kernaussage: Der Einzelne hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht gegen einen Unrechtsstaat Widerstand zu leisten.</p>

<p>MUSIK:</p>

<p>ZITATOR</p>
<p>Tausende, die im Prinzip gegen Krieg und Sklaverei sind, und die doch praktisch nichts unternehmen, um sie zu beseitigen. Die ruhig sitzen bleiben, die Hände in den Taschen. Sie zögern, sie bedauern, und manchmal unterschreiben sie auch Bittschriften, aber sie tun nichts ernsthaft und wirkungsvoll. </p>

<p>MUSIK ENDE</p>

<p>O-TON DIETER SCHULZ</p>
<p>Das ist ja wohl ein Kerngedanke seines einflussreichsten Essays Civil Disobedience. Der Gedanke, dass die entscheidende Instanz für individuelles und, davon abgeleitet, dann auch kollektives Handeln das Gewissen des Einzelnen ist. Und was er dann selber vorexerziert, indem er sich weigert, Steuern zu entrichten an einen Staat, der das Sklaverei-System stützt, ist eben diese Instanz des Gewissens, die sagt, das ist unmoralisch, was da passiert, da mache ich nicht mit. Und daraus speist sich ja dann auch der Gestus des Protests. </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aber es bleibt nicht bei der Geste. Um flüchtende Sklaven zu unterstützen, entwickeln Bürger der Nordstaaten – unter ihnen ist auch Thoreau – die „Underground Railroad“. Das sind geheime und sichere Fluchtwege aus dem Süden nach Neuengland oder Kanada. Doch im Jahr 1850 einigen sich Nord- und Südstaaten auf das „Gesetz über flüchtige Sklaven“. Es verpflichtet die Nordstaaten zur Herausgabe von Flüchtlingen, wenn dies von Südstaatlern beantragt wird. Daraufhin kommt es in Massachusetts und anderen nördlichen Regionen zu regelrechten Aufständen. Gefängnisse, in denen schwarze Sklaven interniert sind, um in den Süden abgeschoben zu werden, gehen mehr als einmal in Flammen auf. Als bei einer dieser Aktionen ein Marshall der Nordstaaten stirbt, rechtfertigt Henry David Thoreau dies als eine bedauerliche aber meist unumgängliche Begleiterscheinung eines Kampfes gegen das Unrecht. Damit hat er eine Frage aufgeworfen, die bis heute immer wieder neu beantwortet werden muss: Ab wann sind Widerstand und Gewalt gegen die Obrigkeit erlaubt? Frank Schäfer erläutert Thoreaus Position:</p>

<p>O-TON FRANK SCHÄFER</p>
<p>Der Punkt dabei ist, dass man nicht grundsätzlich sagen kann, Gewalt ist richtig. Man muss jeweils immer diese Abwägung machen. Ist dieses moralische Unrecht, das da gerade passiert ,so schlimm, dass es diese andere Gewalt rechtfertigt? </p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Henry David Thoreau gilt heute zu Recht vielen Menschen als Vorbild für Zivilcourage, bürgerschaftliches Engagement, ökologisch unbedenkliches Leben und Wirtschaften. Seine Kompromisslosigkeit im Denken und Handeln war beispielhaft. Ebenso sein Prinzip, sich niemals einer dogmatischen Religion oder politischen Ideologie anzuschließen. Im Idealfall, so Thoreau, käme man ohne Regierung aus. Doch wie dieses Denken missbraucht werden kann, beschreibt der Heidelberger Anglistik-Professor und Thoreau-Forscher Dieter Schulz anhand eines aktuellen Beispiels aus der amerikanischen Politik:</p>

<p>O-TON DIETER SCHULZ</p>
<p>Die Kehrseite der Medaille ist die – ja – libertäre Bewegung, die ja in Amerika auch sehr stark ausgebreitet ist und sich zum Teil auch auf jemanden wie Thoreau beruft – weg mit jeder Regierung, weg mit jeder Regierung. Und das ist ja so ein Teil des Erfolgsrezepts von Trump gewesen, dass er sagt, also das Establishment ist durch und durch korrupt, und man muss irgendwie den Stall Washington – den muss man ausmisten. </p>

<p>MUSIK</p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Henry David Thoreau war zeitlebens von schwacher Gesundheit, erblich bedingt litt er an einer Schwäche der Atemwege. Dass er früh sterben könnte, hat er wohl geahnt, was vielleicht einer der Gründe dafür gewesen ist, niemals zu heiraten und eine Familie zu gründen. Ausgerechnet dieser gesund lebende Naturmensch stirbt am 6. Mai 1862 in seiner Heimatstadt Concord im Alter von gerade einmal 45 Jahren.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Beneš-Dekrete - Zwangsaussiedlung der Sudetendeutschen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-bene-dekrete-zwangsaussiedlung-der-sudetendeutschen/2107143</link>
      <pubDate>Wed, 02 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d32e2d89-bc6a-46b4-9545-1a863dcbc941</guid>
      <description>Mit den Beneš-Dekreten beschloss die tschechoslowakische Exilregierung die Aussiedlung der Sudetendeutschen. In ihrer neuen Heimat wurden die Vertriebenen nicht mit offenen Armen empfangen, trugen aber ganz wesentlich zum westdeutschen Wirtschaftswunder bei. Von Julia Devlin</description>
      <enclosure length="21697536" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107143/c/feed/die-bene-dekrete-zwangsaussiedlung-der-sudetendeutschen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Julia Devlin</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit den Beneš-Dekreten beschloss die tschechoslowakische Exilregierung die Aussiedlung der Sudetendeutschen. In ihrer neuen Heimat wurden die Vertriebenen nicht mit offenen Armen empfangen, trugen aber ganz wesentlich zum westdeutschen Wirtschaftswunder bei. Von Julia Devlin</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/637d6ede-5190-420d-989b-7aa052edd512.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit den Beneš-Dekreten beschloss die tschechoslowakische Exilregierung die Aussiedlung der Sudetendeutschen. In ihrer neuen Heimat wurden die Vertriebenen nicht mit offenen Armen empfangen, trugen aber ganz wesentlich zum westdeutschen Wirtschaftswunder bei. Von Julia Devlin</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Julia Devlin<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Clemens Nicol<br/> Technik: Monika Gsaenger<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Jiří Pešek, Karls-Universität Prag<br/>Dr. René Küpper, Institut für Zeitgeschichte München<br/> <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Deportation und Exil - Eine polnische Odysssee im Zweiten Weltkrieg<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/deportation-und-exil-eine-polnische-odyssee-im-zweiten-weltkrieg/bayern-2/78756496/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a><strong><br/> <br/> </strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Sudetendeutsches Museum in München <a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.sudetendeutsches-museum.de">HIER</a> geht es zur Website</strong></p>
<p><strong>Naši Němci – Unsere Deutschen. Dauerausstellung im Museum der Stadt Usti nad Labem/Aussig  <a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.muzeumusti.cz/vystavy/nasi-nemci/">HIER</a> geht es zur Website</strong></p>
<p><strong>Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission <a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.dt-ds-historikerkommission.de/">HIER</a> geht es zur Website</strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Mathias Beer, Flucht und Vertreibung der Deutschen. Voraussetzungen, Verlauf, Folgen,<strong> </strong>München 2011. Gut strukturierte Überblicksdarstellung. </p>
<p></p>
<p>Detlef Brandes, Der Weg zur Vertreibung 1938-1945. Pläne und Entscheidungen zum &quot;Transfer&quot; der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen. München 2005. Ausführliches, wissenschaftliches Werk mit zahlreichen Originalquellen</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskripte-radiowissen-benes-dekrete-zwangsaussiedlung-sudetendeutschen-edvard-exil-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Berlin, 26. September 1938. Adolf Hitler hält eine umjubelte Rede im Berliner Sportpalast. Es geht um die Deutschen in der Tschechoslowakei. &quot;Frieden oder Krieg&quot; bellt er ins Mikrophon. Er prangert die Benachteiligung der deutschen Minderheit im Nachbarstaat an und bezichtigt den Staatspräsidenten Edvard Beneš dabei zu versagen, Gerechtigkeit zu schaffen. Und er droht offen mit Krieg. </p>
<p>Atmo Ende</p>
<p>Die Tschechoslowakei entstand 1918 als neuer Staat aus der Erbmasse der Habsburger-Monarchie. Hier lebten nicht nur Tschechen und Slowaken, sondern auch Ungarn, Rumänen, Kroaten und Polen. Und als größte Minderheit die etwa drei Millionen Sudetendeutschen, die vor allem in den Gebieten lebten, die an das Deutsche Reich und an Österreich grenzten. Gerade für sie war die neue Staatsgründung ein erheblicher Einschnitt. </p>
<p>Küpper O-Ton 1 </p>
<p>13:56 Also die Deutschen in den böhmischen Ländern soweit sie politisiert waren, sind von einer, vereinfacht gesagt, herrschenden Minderheit zu einer Minderheit geworden, die eben ein Stück weit benachteiligt wurde dann.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dr. René Küpper ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München und forscht zu der Geschichte der deutsch-tschechischen Beziehungen im 20. Jahrhundert. Mit dem Statusverlust, so erklärt Küpper, konnten sich viele Deutsche in dem neugegründeten Nationalstaat der Tschechoslowakei nur schwer abfinden. </p>
<p>O-Ton Küpper 2</p>
<p>15:00 Es war eine Demokratie, das heißt, die Deutschen haben immer zum Beispiel so viele Abgeordnete gehabt im Parlament, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entsprach. Es brachte nur nichts, wenn sie nicht an der Regierung beteiligt waren beziehungsweise dort immer in der in der Minderheit waren. Es ist also schwierig, sie sind benachteiligt worden, etwa in der Vergabe von Posten im Staatsdienst und sowas, was aber wieder daraus verständlich ist, dass da verlangt wurde, dass sie tschechisch konnten, was kaum jemand gelernt hatte in der Zeit vor 1918.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dazu kam die schwierige wirtschaftliche Lage.</p>
<p>O-Ton Küpper 3</p>
<p>15:37 Da hat die Weltwirtschaftskrise auch eine große Rolle gespielt, die eben diese vorhandenen politischen Konfliktstoffe potenziert hat und der Aufstieg Hitlers natürlich. Dann schauten die eben auch über die Grenze, was da passiert. Die Arbeitslosigkeit im Reich ging schon runter, während sie in der Tschechoslowakei erst ihren Höhepunkt erreichte, und so weiter das ist ein ziemlich kompliziertes Gemenge von Faktoren...</p>
<p>Musik: Forebording of war (reduziert) 0‘40</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Hitler instrumentalisierte diese Unzufriedenheit zu seinem Nutzen, schlachtete die Spannungen zwischen der deutschen Minderheit und der tschechoslowakischen Regierung aus. Nur wenige Tage nach der Rede im Sportpalast wurde mit dem &quot;Münchener Abkommen&quot; in der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938 die Abtretung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich besiegelt. Hitler hatte sich dazu den Segen Großbritanniens, Italiens und Frankreichs geholt. Die hofften, auf diese Weise einen Krieg zu verhindern. Doch Hitler ließ sich nicht durch die Zugeständnisse beschwichtigen, denn sein eigentliches Ziel war die endgültige Zerschlagung der Tschechoslowakei. Am 15. März 1939 besetzte die Wehrmacht das Nachbarland. Der bereits amputierte Staat konnte keinen Widerstand mehr leisten. Präsident Edvard Beneš und seine Regierung flohen nach London. </p>
<p>Musik:  Suite aus der Oper „Das schlaue Füchslein“ 0‘20</p>
<p>Wer war Edvard Beneš, dessen Namen vor allem in Verbindung mit den nach ihm genannten Dekreten genannt wird? Für die Entstehung der modernen, demokratischen Tschechoslowakei ist er ganz zentral, wie Dr. René Küpper erläutert: </p>
<p>O-Ton Küpper 4a (Regie: O-Ton geteilt)</p>
<p>24.53 also Benesch ist einer der Gründerväter. Mit Tomáš Garrigue Masaryk und dem Slowaken Štefánik zusammen. Er war dann bis 1935 Außenminister, als er Nachfolger Masaryks wurde, der aus Altersgründen als Präsident zurücktreten musste. Er war das Gesicht der Tschechoslowakei in Genf im Völkerbund, er war ein Friedenspolitiker, er war ein Demokrat. Das können Sie auch bei zeitgenössischen Leuten, die ihn kennen, lesen. Klaus Mann beispielsweise oder Thomas Mann, Heinrich Mann, die ja tschechoslowakische Staatsbürger wurden unter Beneš, als sie Deutschland verlassen mussten.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Nach seiner Flucht nach London bekam er noch einmal ein ganz besonderes Gewicht: </p>
<p>O-Ton Küpper 4b</p>
<p>25.40 Er war dann der Führer des tschechoslowakischen Widerstandes, des demokratischen, des nicht-kommunistischen. Und hat es eben auch durchgesetzt, dass die Tschechoslowakei nach und nach von den Alliierten anerkannt wurde als vollberechtigter Staat, als vollberechtigte Exilregierung.</p>
<p>Musik:  Complex questions 0‘38</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Exilregierung stellte in London Überlegungen zur Zwangsumsiedlung der Deutschen an, und sie sprach sich dazu mit den alliierten Mächten ab. Die hatten schon bald nach Kriegsbeginn überlegt, wie Europa nach dem Krieg dauerhaft zu stabilisieren wäre. Besonders die Briten befürworteten dabei die Trennung der Ethnien, allen voran der britische Premierminister Winston Churchill, der schon 1940 für eine vollständige Umsiedlung warb, um künftige Spannungen zu vermeiden, und auch sein Außenminister Anthony Eden. </p>
<p>O-Ton Pešek 1</p>
<p>13.17 das war die Enttäuschung durch die Lösungen des Völkerbundes aus der Zwischenkriegszeit, also die Enttäuschung, nur den Schutz der Minderheiten, ja, die meinten, das funktioniert nicht, man muss etwas anderes machen und die einfachste Lösung, welche die britischen Experten unter dem Historiker Toynbee erfunden haben und Anthony Eden dann übernommen und dem Kabinett vorgelegt hat zur Bestätigung, war: Die Minderheiten müssen verschwinden.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Jiří Pešek (Aussprache: ˈjɪr̝i &#39;peʃek / Jissi Peschek) ist Professor für Geschichte an der Karls-Universität in Prag und war lange Vorsitzender der deutsch-tschechischen Historikerkommission. Er erläutert, dass die Aussiedlung der deutschen Minderheiten in Osteuropa einen Vorläufer hatte, nämlich den sogenannten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei im Jahre 1923. </p>
<p>O-Ton Pešek 2</p>
<p>14:00 Das war gerade diese Vorstellung des Schutzes der Minderheiten, der Bevölkerungsaustausch, als der große Erfolg. Dazu gibt es eine Reihe von Reden von Winston Churchill, &quot;Es ist so gut gelungen, damals `23 in Griechenland und der Türkei.&quot; Nur, man hatte vergessen, dass das ein Drittel der Transferierten mit dem Leben bezahlt hat. Also das wollte man nicht sehen. 14:29 Und daneben, man wollte eine einfache, schnelle Lösung haben.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Auch der Präsident der Vereinigten Staaten hieß ein solches Vorgehen gut.</p>
<p>O-Ton Pešek 3</p>
<p>15:10 Und Franklin Roosevelt, der war der Meinung, ja, das ist eine wunderbare Lösung und die Berichte darüber, wie die beiden begeistert waren durch diese Lösung, die sind mehrere und überprüft.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der zwangsweise Bevölkerungstransfer wurde als ein ideales Konfliktlösungsmodell gesehen. Und hatte nicht das Deutsche Reich selbst solche Transfers praktiziert? Dr. René Küpper:</p>
<p>O-Ton Küpper 5</p>
<p>33:52 Was auch alle gesehen haben, das &quot;Heim ins Reich&quot;, in Anführungszeichen der Volksdeutschen nach dem Hitler-Stalin-Pakt, aus dem Machtbereich der Sowjetunion, und die haben sich alle gesagt, hm, wenn Hitler da zehntausende oder hunderttausende seiner eigenen Landsleute einfach so verpflanzen kann, dann werden wir das auch machen, ne, also das war ja auch genau die Begründung, halt die Entflechtung. Das hat sogar Hitler auch selber gesagt und dann natürlich eben auch die Vertreibungen, die die Nazis selber vorgenommen haben. </p>
<p>O-Ton Pešek 4</p>
<p>18:47 Das war auch ein Bestandteil von dieser Problematik, dass die großen Staatsmänner, und es gehört dann natürlich auch Josef Stalin in zu diesem zu, zu dieser Gruppe, für den die Umschiebung von ganzen Völkern eine Kleinigkeit war und die Auslöschung von ganzen Völkern noch unwichtiger.</p>
<p>Musik:  Media rumors 0‘20</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Und so stellten die Alliierten bereits 1941 die Weichen für eine Zwangsaussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach Deutschland. Professor Jiří Pešek zur Haltung von Benes´ Exilregierung dabei:</p>
<p>O-Ton Pešek 5</p>
<p>15:31 Das heißt nicht, dass die Exilregierung dagegen wären. Die hatten das gerne akzeptiert, weil es eine Menge der Impulse kam der Widerstandsgruppen, dass sie nach dem Kriege kein Zusammenleben mit den Deutschen sich wünschen. Und man musste natürlich diese Stimmen ernst nehmen, weil man damit rechnete, nach dem Kriegsende wird man gerade mit den Repräsentanten von diesen Widerstandsbewegungen zusammenarbeiten, und die darf man nicht enttäuschen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Edvard Beneš hatte zunächst eine differenzierte Aussiedlung anvisiert, bei der nicht-schuldig gewordene Deutsche in der Tschechoslowakei verbleiben könnten. Doch der Terror, den die deutschen Besatzer im Land verübten, brachte ihn zum Umdenken. Ein Zusammenleben schien ihm schließlich nicht mehr möglich. Und so arbeitete er gemeinsam mit der tschechoslowakischen Exilregierung die Verordnungen aus, die man heute als &quot;Beneš-Dekrete&quot; kennt - präsidiale Dekrete, die nach dem Krieg durch das neu gewählte tschechoslowakische Parlament bestätigt wurden. </p>
<p>Musik:  Sad story alt 0‘37</p>
<p>In diesen Dekreten wurde die Ausbürgerung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerungsgruppe beschlossen. Und ihre Enteignung - jeglicher Besitz von Deutschen sollte konfisziert werden und in das Eigentum des Staates übergehen. Ein weiteres Dekret verfügte die Auflösung der deutschen Hochschulen in Prag und in Brünn. Auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 stimmten die Siegermächte - die UdSSR, die USA und Großbritannien - diesem Vorgehen zu. </p>
<p>Zitator Potsdamer Abkommen </p>
<p>Die Konferenz erzielte folgendes Abkommen über die Ausweisung Deutscher aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn: Die drei Regierungen haben die Frage unter allen Gesichtspunkten beraten und erkennen an, daß die Überführung der deutschen Bevölkerung oder Bestandteile derselben, die in Polen, Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben sind, nach Deutschland durchgeführt werden muß. Sie stimmen darin überein, daß jede derartige Überführung, die stattfinden wird, in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen soll. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>So lautet der Artikel 13 des Potsdamer Abkommens. </p>
<p>O-Ton Pešek 6</p>
<p>50:14 Diese Ereignisse waren hatten ein Massencharakter, das musste man dann auch in Potsdam dann regulieren. Darum auch diese Artikel 13 von Potsdam mit dem Hinweis zu der Menschlichkeit der Zwangsaussiedlungen.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>In der tschechoslowakischen Öffentlichkeit wurde der Beschluss jubelnd begrüßt. Prof. Jiří Pešek: </p>
<p>O-Ton Pešek 7</p>
<p>20:22 </p>
<p>Nach dem aus am 2. August 45 diese Potsdamer Beschlüsse publiziert wurden, dann kam eine Welle der Pressebegeisterung. Auch in Tschechien oder in der Tschechoslowakei, wo die Parteien im Wettbewerb waren. Was haben wir in Potsdam erreicht? Also wir waren, also wir Tschechen, waren nicht anwesend, aber wir haben alles Mögliche erreicht.</p>
<p>Das waren einfach Wahlkampagnen, Sie sehen das momentan in Deutschland, was man alles bereit ist zu sagen im Wahlkampf also.</p>
<p>Das das ist unglaublich.</p>
<p>00:21:17 </p>
<p>Die kommunistische Presse, gleich wie die sozialistische, alle waren der Meinung, wir haben das gewonnen, weil dieser Hass auf die Deutschen, 21:37 Die Angst vor den Deutschen war gigantisch.</p>
<p>O-Ton Pešek 8</p>
<p>21:51 Dann die Angst, es könnte sich das Ganze noch einmal wiederholen, oder es wird kein Ende gemacht, und das könnte wieder sich dazu in ein paar Jahren wieder entwickeln. Das war unglaublich.</p>
<p>Musik:  Dark tide cello 0‘42</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der Hass der Tschechoslowaken auf die Deutschen entlud sich schon gegen Kriegsende in Racheakten und Lynchjustiz. Eines der brutalsten Ereignisse war der Brünner Todesmarsch Ende Mai 1945, bei dem die deutschsprachigen Einwohner, schätzungsweise 24.000 Menschen, über die Grenze nach Niederösterreich getrieben wurden. Über zweitausend Menschen kamen dabei um. Auch das Massaker von Aussig im Juli 1945 hat sich ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Es kam zu sogenannten „wilden Vertreibungen“. Nach der Potsdamer Konferenz, die im August zu Ende ging, beruhigte sich die Lage. Im Januar 1946 begann dann die geplante, systematische Aussiedlung. Professor Jiří Pešek erläutert, dass die Deutsch-Tschechische Historikerkommission mit verschiedenen Begriffen für diese Vorgänge arbeitet: </p>
<p>O-Ton Pešek 9</p>
<p>11.50 ...man spricht über die Vertreibung besonders bis zu dem Potsdamer Abkommen oder dann die Zwangsaussiedlung nach dem Potsdamer Abkommen. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wie viele Menschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit umkamen, ist heute nicht mehr genau festzustellen. Die deutsch-tschechische Historikerkommission geht von 15.000 bis 30.000 Todesfällen aus, die im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung nachgewiesen werden können. </p>
<p>O-Ton Pešek 10</p>
<p>53:42 Also diese Übergänge von Krieg zum Frieden ein riesiger Krieg endet mit den blutigen Nachspielen, und das ist etwas, was man nie zur Kenntnis nehmen möchte, dass irgendwelche Unterschriften, die können das auf der niedrigen Ebene nicht ändern.</p>
<p>O-Ton Pešek 11</p>
<p>55:10 Das sind schreckliche Sachen. Und die Leute, die Katastrophen verursachen und organisieren, die sind gleichgültig zu diesen Konsequenzen.</p>
<p>Musik:  Passing landscapes 0‘35</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Seit Jahresbeginn 1946 wurden die Sudetendeutschen planmäßig überführt, mit bürokratischer Effizienz. Die vollen Güterzüge verließen die Bahnhöfe in der Tschechoslowakei und entluden ihre menschliche Fracht jenseits der Grenze. Im Sommer 1946 waren es bis zu 12.000 Menschen täglich. Knapp drei Millionen Deutsche wurden so innerhalb einiger Monate aus der Tschechoslowakei vertrieben.</p>
<p>O-Ton Pešek 12</p>
<p>1:09:46 Die Mehrheit oder mindestens die relative Mehrheit haben die Amerikaner nach Westdeutschland, also in die westeuropäischen Okkupationszonen gebracht, mit Schwerpunkten in Bayern und in Hessen. Das waren die Hauptländer, welche die größten Kontingente nehmen mussten.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Sudetendeutschen wurden zunächst in Flüchtlingslagern untergebracht und dann vor allem auf ländliche Gebiete verteilt. Dies hatte den pragmatischen Grund, dass auf dem Land weniger Wohnraum zerstört worden war als in den Städten und die Lebensmittelversorgung sich einfacher gestaltete. Es hatte aber auch den Grund, dass Gruppenbildungen vermieden wurden und man sich dadurch eine schnellere Assimilierung erhoffte. </p>
<p>Musik:  Precision on demand (red.) 0‘30</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Vertriebenen wurden in ihrer neuen Heimat nicht mit offenen Armen empfangen. Neben den Verteilungskämpfen um Wohnraum, Nahrung und Arbeitsplätze gab es auch Differenzen in der Religion, in Dialekten, in Temperamenten. Katholiken trafen auf Evangelische, geflüchtete Bauern, die ihren Hof verloren hatten, auf alteingesessene Landwirte, bei denen sie sich als Hilfskräfte verdingen mussten. </p>
<p>O-Ton Pešek 13</p>
<p>1:27:32 </p>
<p>Ja, diese Mentalitätsprobleme. Hans Lemberg hatte über die Mehl- und Kartoffelnstreite in Hessen gar eine Dissertation schreiben lassen. Die Frau hatte dann die alten Kochbücher der Omas gesammelt, oder analysiert. Die Hessen, das war eine Kartoffelgesellschaft und die waren total geärgert, dass diese angeblich armen Sudetendeutschen Mehl benutzen. Mehl benutzt man doch nur am Sonntag und wenn die die Mehlgerichte fressen, sind sie keine Armen, sondern das ist ein Betrug.</p>
<p>Musik: Stock analysts 0‘23</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Das Schicksal von Zwangsmigranten ist häufig der soziale Abstieg. Viele Sudetendeutsche setzten alles daran, den Wiederaufstieg zu schaffen. Wenn nicht für sich selbst, dann für die nächste Generation. So fassten sie rasch Fuß, wobei ihnen der wirtschaftliche Aufschwung der Bundesrepublik zugutekam.</p>
<p>O-Ton Pešek 14</p>
<p>01:22:32 Da sind die Lehrer, das sind die Hochschullehrer, das sind die Staatsdienste, da sind die Offiziere im Bundeswehr, also dort, wo die Leute einfach nur die Tüchtigkeit, Intelligenz und Energie sich bis zu dem bis zu der höchsten Positionen durchkämpfen konnten, weil natürlich man kein Startkapital hatte.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>In der Verwaltung und in der Politik waren die Vertriebenen rasch vertreten, und über die Arbeit integrierten sie sich ebenso wie über Trachten- und Sportvereine. Schon 1956 sprach Ministerpräsident Wilhelm Hoegner von den Sudetendeutschen als dem &quot;Vierten Stamm&quot; Bayerns.</p>
<p>Musik: Secret prooofs (red) 0‘52</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Die Vertreibungen waren in der Tschechoslowakei lange kein Thema. Auch nicht in Österreich, wohin ein kleiner Teil der Sudetendeutschen vertrieben wurde, ebenso wenig in der DDR, wo man nicht von &quot;Vertriebenen&quot;, sondern von &quot;Neusiedlern&quot; sprach. In der BRD bildete sich als Interessensverband der Vertriebenen die Sudetendeutsche Landsmannschaft. Sie positionierte sich klar gegen die Ostpolitik von Willy Brandt. Der suchte, nach Polen und der Sowjetunion, auch mit der Tschechoslowakei eine Annäherung und reiste im Dezember 1973 nach Prag, wo er im Prager Vertrag das Münchner Abkommen annullierte und die Unverletzlichkeit der gemeinsamen Grenze versicherte. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Aufnahme der Tschechoslowakei in die Europäische Union wurde die Thematik wieder aktuell. </p>
<p>O-Ton Küpper 6</p>
<p>1:18 Also die sogenannten Beneš-Dekrete spielen eigentlich erst nach der Wiedervereinigung wieder eine Rolle. Bis dahin, zwischen der Bundesrepublik und der Tschechoslowakei, ging es eher um die Frage des Münchner Abkommens, also im Prager Vertrag 1973. Auch dort hat man schon die verschiedenen Rechtsauffassungen und Vermögensfragen ausgeklammert, um den Vertrag überhaupt schließen zu können. So ähnlich ist das dann mit dem Nachbarschaftsvertrag von 1992 und mit der gemeinsamen deutsch-tschechischen Erklärung von 1997. Wo beide Seiten ausdrücklich bedauern, was geschehen ist, aber unterstreichen, sich der Zukunft zuwenden zu wollen. Und eben diese nicht durch unterschiedliche Rechtsauffassungen und durch finanzielle Fragen belasten zu wollen. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Denn es hat nie einen Friedensvertrag gegeben zwischen der Tschechoslowakei und der Bundesrepublik, und daher auch keine Entschädigung für die Besatzungsschäden und die Enteignungen.</p>
<p>O-Ton Küpper 7 </p>
<p>2.39 Der Kern bei der Kontroverse um die Beneš-Dekrete sind nicht zuletzt immer noch diese finanziellen Fragen, also das heißt, dass die Deutschen entschädigungslos vertrieben wurden. Dass die Nachfahren der damals Vertriebenen im Grunde immer noch entschädigt werden wollen, während die Bundesrepublik Deutschland eigentlich diese Position nicht vertreten kann, an eine der Siegermächte eben finanzielle Forderungen zu stellen. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ein Glücksfall für die nachbarschaftlichen Beziehungen war Václav Havel, Staatspräsident der Tschechoslowakei seit 1989 bzw. der Tschechischen Republik seit 1993. Havel setzte sich maßgeblich für die deutsch-tschechische Aussöhnung ein, was ihm im eigenen Land nicht nur Sympathien einbrachte.</p>
<p>O-Ton Küpper 8</p>
<p>18.44 Man muss sagen, Havels versöhnliche Worte im Bundestag, 1997 etwa, sind in Deutschland besser angekommen als in seinem eigenen Land. Also zeitweise ist &quot;Haveloid&quot; von einer bestimmten Seite aus sogar ein Schimpfwort jetzt, also so was wie hier ein Gutmensch beispielsweise, ein naiver Dummkopf, ein bisschen, der eben nur Frieden und Versöhnung will und der Realität nicht ins Auge blickt. Also er war schon wichtig, aber er ist dort eben ziemlich kritisiert worden, und wenn sie seine Nachfolger ansehen, die haben ja ganz andere Sachen gesagt, also die Tendenz von Havel mag sich auf Dauer hoffentlich dann durchsetzen. </p>
<p>Musik:  Pensive pondering 1‘20</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Es gibt in Tschechien Initiativen, die an die deutsche Minderheit und an die gemeinsame Geschichte erinnern. So zum Beispiel im Stadtmuseum in Usti nad Labem – auf deutsch Aussig an der Elbe. Dort thematisiert die Ausstellung &quot;Naši Nemci&quot;, „Unsere Deutschen“, das jahrhundertelange Zusammenleben. In deutsch-tschechischen Versöhnungsaktionen werden Friedhöfe wieder errichtet, die im Grenzgebiet lagen und einplaniert worden sind. </p>
<p>O-Ton Küpper 9</p>
<p></p>
<p>9.02 Man kann aber sagen, es gibt eine zunehmende Tendenz, dass so was wächst. Also ein Beispiel wäre noch der Brünner Versöhnungsmarsch, der auch etwa um die Zeit, also 2007 privat mit fünf, sechs Leuten begonnen hat und seit 2015 von der Stadt gefördert wird. Mittlerweile also unter dem Patronat der Stadt und viel mehr Teilnehmer hat und eben eine öffentliche Veranstaltung ist, dann die eben auch ein breiteres Echo findet. Das heißt, es gibt schon positive Entwicklungen in den Jahren. Oder wenn man sieht, was für Filme in den Kinos waren, wie die diskutiert wurden, was für Bücher erschienen sind, da könnte man so einige Ecksteine nennen, die alle ja so in den ersten beiden Dekaden des 21. Jahrhunderts liegen. Es ist aber noch kein abgeschlossener Prozess. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Deutsche und Amerikaner - Wie 1945 aus Feinden Freunde wurden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/deutsche-und-amerikaner-wie-1945-aus-feinden-freunde-wurden/2107142</link>
      <pubDate>Wed, 02 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1a2d4917-f7af-4be3-b397-cb5faf2709f1</guid>
      <description>Die US-Armee rückte 1945 in deutsches Feindesland vor und brachte statt Hass und Furcht Schokolade, Kaugummi, Coca Cola - und die Grundlagen für einen demokratischen Neuanfang. In Windeseile wurden Amerikaner und Deutsche im beginnenden Kalten Krieg zu engen Verbündeten. Von Florian Kummert</description>
      <enclosure length="22667904" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107142/c/feed/deutsche-und-amerikaner-wie-1945-aus-feinden-freunde-wurden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Florian Kummert</itunes:author>
      <itunes:summary>Die US-Armee rückte 1945 in deutsches Feindesland vor und brachte statt Hass und Furcht Schokolade, Kaugummi, Coca Cola - und die Grundlagen für einen demokratischen Neuanfang. In Windeseile wurden Amerikaner und Deutsche im beginnenden Kalten Krieg zu engen Verbündeten. Von Florian Kummert</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7acc6c84-e1d0-4818-8d11-97c4b230d954.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die US-Armee rückte 1945 in deutsches Feindesland vor und brachte statt Hass und Furcht Schokolade, Kaugummi, Coca Cola - und die Grundlagen für einen demokratischen Neuanfang. In Windeseile wurden Amerikaner und Deutsche im beginnenden Kalten Krieg zu engen Verbündeten. Von Florian Kummert</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Florian Kummert<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprach: Katja Amberger <br/> Technik: Laura Picern<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Helmut Markwort, Journalist<br/>Wolfgang Reinicke, Historiker<br/> <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Die deutsch-amerikanische Freundschaft - Eine wechselhafte Beziehung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-deutsch-amerikanische-freundschaft-eine-wechselhafte-beziehung/bayern-2/12041781/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Die German Americans - Was wurde aus den deutschen Wurzeln?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-german-americans-was-wurde-aus-den-deutschen-wurzeln/bayern-2/94780086/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Amerika in unserem Alltag - Fastfood, Popkultur, Sprache<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/amerika-in-unserem-alltag-fastfood-popkultur-sprache/bayern-2/12043197/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong><br/><strong></strong></p>
<p><strong>Durch den wilden Westen der USA, zu einigen der grandiosesten Orte der Welt: In der fünften Staffel 50 STATES ist DirkRohrbach  wieder mit seinem Vintage Pick-Up-Truck „Loretta“ und Mini-Wohnwagen „Conway“ on the road. Es geht quer durch die Rocky Mountains, große Natur und Menschen mit besonderen Geschichten. <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://1.ard.de/radiowissen_50states5">JETZT ENTDECKEN</a></strong><strong></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Zeitzeugen-Berichte, Haus der Bayerischen Geschichte, Regensburg<br/><a title="Hier geht es zur Website" href="https://hdbg.eu/zeitzeugen/">HIER</a> geht es zur Website</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/deutsche-amerikaner-wie-aus-feinden-freunde-wurden-kriegsende-deutschland-kaugummi-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>OTON 1 Helmut Markwort 1</p>
<p></p>
<p>Ich bin ja im Hessischen aufgewachsen. Mein Vater war Justizbeamter in Darmstadt. Und da waren aber so viele Luftangriffe immer auf Darmstadt, dass die Familie gesagt hat, wir gehen aufs Land, wir ziehen nach Rodach, bei Coburg. Heute heißt das ganz vornehm Bad Rodach. Aber wir sind zu weiblichen Vorfahren nach Rodach. Und da habe ich als Achteinhalbjähriger den Einmarsch der Amerikaner erlebt.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erinnert sich Helmut Markwort, vor allem bekannt als langjähriger Herausgeber des Nachrichten-Magazins Focus. Der Journalist und Politiker ist Jahrgang 1936. </p>
<p>OTON 2 Helmut Markwort 2</p>
<p>Natürlich hatte man uns Angst gemacht vor den Amerikanern. Die fressen Kinder und was nicht alles. </p>
<p>Musik:  Minimal melancholy underscore 0‘34</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Am 10. April 1945 marschieren die Amerikaner in Rodach ein, nachdem die Stadt einige Tage zuvor durch Artilleriefeuer beschossen wurde. Dabei ging auch die Spielzeugfabrik von Helmut Markworts Großvater in Flammen auf.</p>
<p>OTON 3 Helmut Markwort 3 </p>
<p>Ich habe kurz vor dem Einmarsch die lächerlichen Anstrengungen des sogenannten Volkssturms miterlebt. Die alten Männer, die noch da waren und Frauen, die haben Panzersperren auf der Hauptstraße, wo wir wohnten, errichtet, die Straße aufgerissen. Panzersperren gegen die Amis. Dann kamen die Amerikaner, sind da drüber gefahren wie über nichts. Schwupp, waren die Panzersperren weg.</p>
<p>Geräusch Panzer, berstendes Holz</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Tagelang sind zuvor nur vereinzelte deutsche Soldaten zu sehen, auf der Flucht vor den Amerikanern, am Ende ihrer Kräfte, mit einer kaum mehr funktionierenden Ausrüstung. Die Amerikaner dagegen rücken mit neuesten Panzern und Jeeps an, technisch weit überlegen. Die verbliebenen Rodacher empfangen die US-Streitkräfte, stehen aufgereiht am Rand der Hauptstraße, und sind – so erzählt Markwort - erleichtert.</p>
<p>OTON 4 Helmut Markwort 4</p>
<p>Also dieses Rodach liegt ja an der Grenze zu Thüringen. Und als man hörte, der Krieg ist verloren, alles aus, gab es unter meinen Tanten - die Männer waren ja alle im Krieg, ich war ja umzingelt von Tanten und Dienstmädchen und nur Frauen - da gab es nur ein Gerede: hoffentlich kommen nicht die Russen. Das war die größte Angst: vor den Russen. Und tatsächlich war ja zwei Kilometer hinter Rodach, Hildburghausen in Thüringen, bis dahin sind die Russen gekommen, und die Amerikaner sind zu uns gekommen. Deswegen wurden die wie Befreier begrüßt. Die haben freundlich gewinkt und die waren sehr nett. Das war ein herzliches Willkommen. Und da sind wir Kinder immer hingelaufen. Und die haben Kaugummi rausgeworfen.</p>
<p>MUSIK:  Glenn Miller - American Patrol 0‘37</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Chewing Gum. Die Wunderwaffe der Amerikaner, die die Herzen der deutschen Kinder erobert. Ebenso effektiv und beliebt: Hersheys Schokolade. Und natürlich dieses dunkelfarbige, süße Getränk in den kleinen, elegant geschwungenen Glasflaschen. </p>
<p>OTON 5 Helmut Markwort 5</p>
<p>Das sensationelle Getränk Coca-Cola. Das kannte ja kein Mensch. Ihr Coke, das war natürlich ein Hammer.</p>
<p>MUSIK Glenn Miller - American Patrol (unter nächstem Absatz wieder ausblenden)</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Siegermacht USA, hier gefeiert als Befreier. Doch während der nicht einmal neunjährige Helmut Markwort seine erste Cola genießt und sich in Windeseile mit den amerikanischen Soldaten anfreundet, wird in anderen Teilen Bayerns noch erbittert gekämpft. Tag für Tag arbeitet sich die US-Armee nach Süden vor, nimmt Bayreuth und Nürnberg ein. Am 23. April erreichen die Gis die Donau bei Regensburg. </p>
<p>OTON 6 Wolfgang Reinicke 1a</p>
<p>Regensburg wurde auch beschossen durch die Amerikaner. Es gab aber eine Bewegung im April 1945, wo sich mutige Bürgerinnen und Bürger dafür eingesetzt haben, dass die Stadt eben friedlich den Amerikanern, die schon vor den Toren der Stadt standen, übergeben würde. Das ist dann vereitelt worden von den NS-Machthabern, die sich noch halten konnten. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Erzählt der Historiker Wolfgang Reinicke. Er hat die Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg mitkonzipiert. Ein Blick zurück in die Vergangenheit. Die Tragik der letzten Kriegstage wird anhand etlicher Objekte spürbar. Auf einem Pappschild steht geschrieben: „Hier starb ein Saboteur.“</p>
<p>OTON 7 Wolfgang Reinicke 1b</p>
<p>Wir stehen hier gerade an einer sehr berührenden Hinterlassenschaft. Domprediger Johann Mayer, der sich sehr stark für diese friedliche Übergabe der Stadt an die Amerikaner eingesetzt hat und dafür dann mit seinem Leben bezahlen musste, wurde von den Nationalsozialisten noch wenige Tage vor Kriegsende gelyncht und gehängt. Und seine Leiche hing dann in der Stadt eine gewisse Zeit und um seinen Hals herum wurde ein sehr fieses Schild gehängt. „Hier starb ein Saboteur.“ Das sollte abschreckend wirken und nochmal die ganze Verachtung der NS-Machthaber für diesen Versuch des aus ihrer Sicht schändlichen Verrats darstellen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nur vier Tage später, am 27. April 1945, wird Regensburg kampflos den US-Truppen übergeben. Aus den Häusern, von den Balkonen und selbst von Kirchtürmen hängen nun weiße Fahnen. Ein erhaltenes Exemplar ist auch im Haus der Bayerischen Geschichte zu sehen. </p>
<p>OTON 8 Wolfgang Reinicke 2</p>
<p>Die weiße Fahne, wahrscheinlich das Symbolobjekt schlechthin vom Kriegsende, nicht nur in Bayern 1945, sondern in ganz Deutschland. Man muss sagen, eine ehemals weiße Fahne, diese weiße Fahne, der sieht man das Weiß gar nicht mehr so richtig an. Das war ein ehemals weißes Bettlaken aus Neuendettelsau, der Diakonie dort, aus dem Lazarett. Und dieses Bettlaken wurde an einen Kiefernstamm dran geknüpft und mit diesem Kiefernstamm zusammen aus dem Nordturm der Laurentiuskirche in Neuendettelsau gehängt. Und zwar war das im April 1945, um den Amerikanern, die eben auch vor den Toren standen, zu signalisieren, bitte, wir ergeben uns, bitte nicht mehr schießen.</p>
<p>Musik:  Moderate moods (red.) 0‘28</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Zeitzeugen, die noch aus erster Hand vom Aufeinandertreffen der Deutschen und Amerikaner erzählen können, gibt es immer weniger. Doch das Haus der Bayerischen Geschichte hat ein umfangreiches Archiv an Zeitzeugen-Interviews angelegt. Gespräche – geführt von den 1990er Jahren bis heute. Sie halten die Erinnerungskultur lebendig. </p>
<p>OTON 9 Ludwig Steinherr 1</p>
<p>In aller Herrgottsfrüh hieß es plötzlich, die Amerikaner sind da, die Amerikaner sind da! Und ich bin ans Fenster gesaust und da sind sie gekommen, so hintereinander in einer langen Reihe in den Ort einmarschiert, an den Hausreihen entlang, haben dann gleich Maschinengewehre aufgebaut und so kleine Granatwerfer. </p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Erzählt Ludwig Steinherr über den Einmarsch im oberfränkischen Ebrach. Die Gis und die Germans. Ein Aufeinandertreffen mit Sprachbarrieren. </p>
<p>OTON 10 Ludwig Steinherr 2</p>
<p>Dann kam einer ins Haus rein und hat nach Guns gefragt. Have you Guns? Jetzt hat niemand von uns gewusst, was denn nun Gans sind. Eine Cousine, die bei uns war, die hat das Abitur gerade gemacht gehabt, hat Englisch gesprochen, dann haben wir die geholt. Die wusste aber auch nicht, was Gans waren. Ich habe mir schon gedacht, er macht das immer so, das sieht so aus wie ein Gewehrspannen. Aber sie hat ihm dann erklärt, wir hätten also keine Gänse und dann ist er wieder abgezogen.</p>
<p>Musik:  Hectic hiding (reduziert) 0‘37</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Am 4. Mai 1945 ist - mit der Kapitulation von Berchtesgaden - der Krieg in Bayern endgültig vorüber. Zu den GIs gehören auch jüdische Soldaten, die nach ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland auf Seiten der Amerikaner gekämpft haben. Wolfgang Robinow (Aussprache: Roobino, Betonung auf erstem o, w hinten stumm), Jahrgang 1918, ist einer der ersten US-Soldaten, der am 30. April 1945 den Münchner Marienplatz erreicht. 1998 erinnert er sich an diesen Moment, nach einem äußerst zähen Vormarsch. </p>
<p>OTON 11 Wolfgang Robinow</p>
<p>Erstens mal waren die Straßen ja nicht gerade frei, wie sie heute sind. Es war völlig blockiert durch alle möglichen Bombardierungs-geschichten, was da übrig blieb. Und außerdem sind wir sehr langsam und vorsichtig gefahren, weil wir ja nie wussten, wo ist eine Mine. Wir hatten gewisse Erfahrungen mit Minen auf dem Weg nach München. Und dann kamen wir also zum Marienplatz. Und bis wir ungefähr bis zu Stachus kamen, haben wir keine Menschenseele gesehen, nicht eine Person. Und wie wir auf den Marienplatz kamen, da waren auf einmal Deutsche da, sehr alte Männer, kleine Jungs, Mädchen und Frauen, die uns als die großen Befreier begrüßten, ein paar hatten sogar ein paar Blumen, haben uns geküsst und so weiter. Also ein großer Empfang.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Dabei war das besiegte Nazi-Deutschland von den Ausbildern der amerikanischen Einmarschtruppen ganz klar als feindliche Nation deklariert worden, als „enemy nation“. Es gab das Gebot der „Non-Fraternization“. Als US-Soldat sollte man tunlichst keinen Kontakt zur Bevölkerung aufnehmen und auch den Deutschen war es eigentlich untersagt, mit den GIs zu interagieren. Doch Theorie und Praxis gingen schnell getrennte Wege, betont Historiker Wolfgang Reinicke. </p>
<p>OTON 12 Wolfgang Reinicke 3</p>
<p>Das ist ein großes Glück gewesen. Vielleicht hat da gerade geholfen, dass viele Kinder an den Straßen auch standen und eben den Amerikanern zugewunken haben und die ihrerseits dann eben diese Candys dabei hatten und die Süßigkeiten verteilt haben. Das war natürlich ein großes Pfund, quasi psychologisch, aber auch materiell, was die amerikanischen Besatzungssoldaten damit dabei hatten. Zum einen diese Süßigkeiten, andererseits auch ihre Verpflegungsrationen. Die Amerikaner waren sehr gut ausgerüstet. So gut, dass sie wirklich auch selber einen Teil von ihrer täglichen Ration dann abgeben konnten, um sich damit vielleicht etwas einzutauschen, wie auf dem Land frische Eier oder sonst was. Das hat, glaube ich, eine Art Eigendynamik entwickelt, die denjenigen, die diesen Einmarsch quasi geplant und befehligt hatten, so in dieser Dimension gar nicht bewusst gewesen ist.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>So fanden sich viele Deutsche direkt nach dem Einmarsch der Amerikaner in deren Diensten, darunter auch Helmut Markwort. Ein knapp neunjähriger Einser-Schüler, aufgeweckt, leutselig und sprachbegabt. </p>
<p>OTON 13 Helmut Markwort 6</p>
<p>Wie durch ein Pfingstwunder, ich kann es Ihnen nicht erklären, konnte ich Amerikanisch sprechen. Ich konnte mit den Amis reden, das fanden die toll, da haben die mich rausgefischt. Und einer der Höhepunkte war, dass der Panzerspähwagen in Rodach in die Volksschule reinfuhr und da kam der Sarge da zu dem Lehrer und sagte, we need him as an interpreter, wir brauchen ihn als Dolmetscher. Da hat er natürlich seinen Bückling gemacht und schwupp war ich frei. Ich bin da an die Grenzen hingefahren. Ich bin auch mit den Jeeps mitgefahren zu den amerikanischen Außenpatrouillenstationen, wo auf der anderen Seite die Russen waren mit dem Maschinengewehr. Und wurde so ein kleiner Schwarzhändler auch. Die Amerikaner waren ja faul, die haben sich nicht bemüht Deutsch zu sprechen, ich habe das für die gemacht. Die Amerikaner hatten Seife und Zigaretten und Schokolade und Coca-Cola. Und da sind wir zu den Bauern gefahren, ich habe dann gedolmetscht, die haben dafür Eier und Hühner und Speck gegeben und so. Meine ganze Verwandtschaft, meine Mutter und ihre Schwester, viele Geschwister haben alle von den Amis gelebt. Die haben die Wäsche gebracht und abgeholt. Ich war natürlich das Maskottchen dieser Einheiten, jahrelang.</p>
<p>CD  Out of this world 0‘45</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Name Helmut ist den GIs zu kompliziert, also nennen sie den Jungen „Jimmy“. Der spricht auch die Fräuleins an, an denen die Soldaten Gefallen gefunden haben und muss regelmäßig die Grenzstationen anrufen. Alles in Ordnung? Keine besonderen Vorkommnisse auf Seiten der russischen Armee? Helmut Markwort alias „Jimmy“ meldet dann alles dem diensthabenden Offizier. Zum Dank bekommt er eine maßgeschneiderte US-Kinder-Uniform, mit passender Mütze. Dienstrang Master Sergeant. Die Uniform trägt er auch, als sein Vater einige Monate später aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wird. </p>
<p>OTON 14 Helmut Markwort 7</p>
<p>Mein armer Vater, der hat einen Todesschreck bekommen. Er stieg da aus dem Lastwagen aus, den hat einer mitgenommen als entlassener Kriegsgefangener. Und da guckt sein Sohn in einer Ami-Uniform aus der Wohnung raus. Er ist bald umgefallen. Der wollte nie wieder was mit Politik zu tun haben. Aber seine Stimmung ist schnell umgeschwungen, weil ich ihn massenweise mit Zigaretten versorgt habe. Lucky Strike, der war ein Kettenraucher. Ich hatte alles. </p>
<p>Geräusch:  Baseball schlagen, spielende Kinder</p>
<p>Musik:  Out of this world 0‘26</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Mit den GIs kam auch eine neue Sportart nach Bayern: Baseball. Im Haus der Bayerischen Geschichte hängt ein Foto, das bayerische Buben lachend mit Baseball-Schlägern zeigt, im Sommer 1945. Einer von ihnen, Heinrich Huber, erinnert sich 2013 im Interview:</p>
<p>OTON 15 Heinrich Huber</p>
<p>Eine erste Amtshandlung war für die G.I.s, sich einen Baseballplatz zu schaffen auf der Stadlerwiese. Und wir Jungs, wir sind am Rande gestanden, haben da zugeschaut und haben gedacht, hey, was machen die da? Und die Amis haben dann gemerkt, dass wir interessiert waren. Wir waren so sieben, acht, neun, zehn, elf Jahre alt. Und ja, die sagten dann: Hello boys, what about you? Would you like to play baseball with us? Ja, really? Okay. Also uns ging es ganz herrlich in der Zeit und wir Buben, wir sind ja sofort zu den Amerikanern übergelaufen und haben ja die Gelegenheit gehabt, mit den Lastwägen mitzufahren und vor allem auch, wir haben dann in der Zeit jeden Nachmittag Baseball gespielt auf der Stadlerwiese.</p>
<p>Musik: Out of this world 0‘21</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Es erwacht die Liebe zur US-Kultur, ob Baseball oder Rock’n’Roll, zu Jazz, Jeans und zu Hollywood-Filmen. Und es erwacht auch die Liebe der Soldaten zu den German Fräuleins.</p>
<p>Annäherungen, die nicht allen in der US-Regierung gefallen. Insbesondere nicht Henry Morgenthau (AUSSPRACHE: &#39;Morrgntau, &#39;Hännri), US-Finanzminister. 1945 veröffentlicht er das Buch „Germany is our problem“, indem er den nach ihm benannten Morgenthau-Plan skizziert und sich für eine raue, alles andere als freundliche Behandlung des besiegten Deutschlands einsetzt. Das Ziel: Deutschland darf nie wieder einen Angriffskrieg führen. Dazu will er das Land komplett demilitarisieren und in einen Agrarstaat verwandeln, die Industrie demontieren und Großgrundbesitz zerschlagen. Vielen in der US-Regierung ist der Morgenthau-Plan aber zu radikal, so dass er letztlich für die tatsächliche Besatzungspolitik der Alliierten im Nachkriegsdeutschland keine Rolle spielt. </p>
<p>MUSIK  upbeat, z.B. Glenn Miller Little Brown Jug 0‘43</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Von zentraler Bedeutung dagegen wird der Marshall-Plan, benannt nach US-Außenminister George Marshall (AUSSPRACHE: Mahschl (sch=stl.), Dschohdsch): ein umfangreiches Hilfsprogramm, das viele westeuropäische Staaten beim Wiederaufbau unterstützt. Bis 1952 fließen über 13 Milliarden US-Dollar, davon über 1,4 Milliarden Dollar nach Westdeutschland. Für damalige Verhältnisse gewaltige Summen. Finanzielle Mittel, aber auch technische Hilfe, die die wirtschaftliche Stabilität und den Wiederaufstieg Deutschlands massiv fördern. Ein Meilenstein in der Annäherung der beiden Nationen, da der Marshall-Plan den Status der USA als Partner und Förderer Deutschlands zementiert, und vor allem Vertrauen schafft. Ein Vertrauen, das bereits vor dem Marshall-Plan ab 1946 durch private Hilfspakete gefestigt wurde, so der Regensburger Historiker Wolfgang Reinicke.</p>
<p>OTON 16 Wolfgang Reinicke 4a</p>
<p>Eine private Initiative, CARE, aus den USA, war aufs Ganze gesehen mindestens genauso wichtig dafür, dass die Amerikaner von der deutschen Bevölkerung als positiv wahrgenommen wurden. Denn jetzt kam wirklich professionelle Hilfe aus den USA, sogenannte Liebesgaben, wie sie sehr schnell geheißen haben, in Paketform. Wo man dann sehr genau sich angeschaut hatte, für die hungernde Bevölkerung, was braucht man da: hochkalorienhaltige Lebensmittel, die auch natürlich in Konserven sein mussten oder getrocknet, um nicht zu verderben. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Nährwert jedes CARE-Pakets betrug etwa 40.000 Kilokalorien. Mit Rindfleisch in Kraftbrühe, Steaks, Leber, Corned Beef, Speck, Margarine, Schweineschmalz, Zucker, Honig, Schokolade, Rosinen, Aprikosen-Konserven, Eipulver, Vollmilch-Pulver und zwei Pfund Kaffee. </p>
<p>OTON 17 Wolfgang Reinicke 4b</p>
<p>Die wurden unter anderem nach Deutschland geschickt und dort verteilt. Und dass eben die ehemalige oder eigentliche Feindmacht, die das Land besetzt und den Krieg beendet und das NS-Regime zum Teufel gejagt hatte, dass die jetzt auch noch ein Jahr nach dem Krieg anfängt, in großem Maßstab solche CARE-Pakete hierher zu schicken, an die Bevölkerung, die Hunger leidet. Das gab den, glaube ich, ganz wichtigen Turnaround, dass man doch Zutrauen fand, dass die Amerikaner so schlecht nicht sein konnten und dass man sich gerne an denen orientiert.</p>
<p>Musik:  Himmelfaden 0‘44</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Allerdings nicht in allen Bereichen. Die US-Militärregierung will eigentlich auch in Bayern das amerikanische Schulsystem installieren, aber High Schools und Colleges unter weiß-blauem Himmel? Ein Vorstoß, der in allen Regierungsbezirken auf Widerstand stößt. Es gibt eine parteiübergreifende Koalition, die gegen die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems protestiert. Grund- und Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien sollen bleiben. Mit Erfolg. Die angedachte Schulreform scheitert. Auf politischer Ebene hingegen werden die Institutionen der US-Demokratie eine wichtige Blaupause für den Neuanfang. </p>
<p>OTON 18 Wolfgang Reinicke 5</p>
<p>Der Bayerische Landtag wurde 1946 wieder einberufen und das konnte nur passieren, diese ganz schnelle Re-Demokratisierung, weil Bayern eben Teil der amerikanischen Besatzungszone geworden ist. Weil die Amerikaner ganz starken Wert gelegt haben darauf, dass diese Demokratisierung so schnell wie es irgendwie geht wieder Fuß fasst. Und es wuchs von der Gemeindeebene bis rauf zur Landesebene und Bayern hat auch Ende 1946 schon eine eigene demokratische Verfassung wieder gehabt. Auch das nur, weil die Amerikaner dafür die Grundlagen gelegt haben. Und warum haben die Amerikaner das gemacht? Natürlich, weil sie wollten, dass ihre Vorstellung, ihr Way of Life sich in den von ihnen besetzten Zonen durchsetzt. Aber man sorgt auch dafür, dass diejenigen, die man befreit hat, jetzt auch ganz schnell wieder auf die eigenen Füße kommen und sich selber organisieren können. Denn man brauchte ja auch Partner für den sich abzeichnenden neuen Konflikt zwischen Ost und West, zwischen USA auf der einen Seite und Sowjetunion und dem sogenannten Ostblock auf der anderen Seite.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nach dem Tod des US-Präsidenten Roosevelt im April 1945 und vor allem nach dem republikanischen Sieg in den Kongresswahlen von 1946 setzen sich Vertreter eines strikt antikommunistischen Kurses durch, darunter US-Präsident Harry S. Truman. </p>
<p>Musik: Perdido 0‘28</p>
<p>Ein Kurs, der vor allem ein Ziel hat: der möglichst rasche Wiederaufbau West-Deutschlands als Bastion gegen den Kommunismus - militärisch, ökonomisch, und politisch. Die ersten Amerikahäuser werden gegründet und Austauschprogramme mit US-Universitäten, in denen vor allem deutsche Nachwuchspolitikerinnen und -Politiker Nachhilfe in Demokratie erhalten. </p>
<p>OTON 19 Hildegard Hamm-Brücher 1</p>
<p>Also ich behaupte, wir hätten es in Deutschland nicht geschafft, eine Demokratie aufzubauen, die sich so positiv doch in den Fundamenten entwickelt hat, ohne diese amerikanische Wegweisung.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So schätzte es Hildegard Hamm-Brücher ein, Jahrgang 1921. Im Mai 1948 wird sie für den Münchner Stadtrat auf die Liste der Bayern-FDP gewählt und erhält 1949 ein einjähriges Studium an der renommierten Harvard-Universität. Im Gespräch für das Zeitzeugen-Projekt im Haus der Bayerischen Geschichte erinnert sie sich 1998:</p>
<p>OTON 20 Hildegard Hamm-Brücher 2</p>
<p>Ich hatte ja noch in der Schule eingedrillt bekommen: Demokratie, das passt für Deutsche nicht, diese Quatschbuden und Parteienstreits, wie schrecklich! Und einer hat befohlen und alle haben zu gehorchen, das war doch das große Unglück und das umzudenken, das lernen umzudenken und nach dem Umdenken anders zu handeln, sich anders zu verhalten, das ist ja nicht vom Himmel gefallen und das haben die Amerikaner in einer geradezu rührenden Geduld bis weit in die 50er-Jahre hinein uns dabei geholfen. Und diese Programme waren eben gerade für junge Menschen wie mich ein Startkapital, wie ich es nirgendwo anders herbekommen hätte. </p>
<p>MUSIK: Glenn Miller, In the Mood 0‘30</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p></p>
<p>Mit gleichberechtigtem Zugang für Männer und Frauen. Ein Mosaikstein in einem vielschichtigen Netzwerk, das zwei Nationen aufs Engste verbinden sollte. Das Gegensätze überwinden konnte und mit Hilfe von politischen Ideen, wirtschaftlichen Kräften und auch der Macht der Popkultur in kürzester Zeit aus Feinden Freunde machte. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Luxusgut Olivenöl - Bringt der Klimawandel die Olive nach Deutschland?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/luxusgut-olivenoel-bringt-der-klimawandel-die-olive-nach-deutschland/2094100</link>
      <pubDate>Wed, 02 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5d15e1e2-eb85-4770-8266-c63480c94e92</guid>
      <description>In Europa bricht die Olivenernte ein. Fehlendes Wasser und hohe Temperaturen setzen den Bäumen in den Anbauregionen rund ums Mittelmeer zu. Während es im Süden zu heiß wird, experimentieren Landwirte im Norden Europas mit dem Anbau von Oliven. Werden Olivenbäume auch bei uns heimisch? Und was für Hindernisse gibt es? Im Süden wird es den Oliven zu heiß, also ab in den Norden mit ihnen. Der Klimawandel macht es möglich, dass Olivenbäume bald bei uns heimisch werden könnten. Unterwegs mit den Agrorebellen, die unsere Landwirtschaft revolutionieren wollen. Von Anna Küch (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22836096" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094100/c/feed/luxusgut-olivenoel-bringt-der-klimawandel-die-olive-nach-deutschland.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:47</itunes:duration>
      <itunes:author>Anna Küch</itunes:author>
      <itunes:summary>In Europa bricht die Olivenernte ein. Fehlendes Wasser und hohe Temperaturen setzen den Bäumen in den Anbauregionen rund ums Mittelmeer zu. Während es im Süden zu heiß wird, experimentieren Landwirte im Norden Europas mit dem Anbau von Oliven. Werden Olivenbäume auch bei uns heimisch? Und was für Hindernisse gibt es? Im Süden wird es den Oliven zu heiß, also ab in den Norden mit ihnen. Der Klimawandel macht es möglich, dass Olivenbäume bald bei uns heimisch werden könnten. Unterwegs mit den Agrorebellen, die unsere Landwirtschaft revolutionieren wollen. Von Anna Küch (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e774885c-1b7b-45ec-950a-29720670bd66.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In Europa bricht die Olivenernte ein. Fehlendes Wasser und hohe Temperaturen setzen den Bäumen in den Anbauregionen rund ums Mittelmeer zu. Während es im Süden zu heiß wird, experimentieren Landwirte im Norden Europas mit dem Anbau von Oliven. Werden Olivenbäume auch bei uns heimisch? Und was für Hindernisse gibt es? Im Süden wird es den Oliven zu heiß, also ab in den Norden mit ihnen. Der Klimawandel macht es möglich, dass Olivenbäume bald bei uns heimisch werden könnten. Unterwegs mit den Agrorebellen, die unsere Landwirtschaft revolutionieren wollen. Von Anna Küch (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Anna Küch<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Anna Küch<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>Erich Welleschitz Landwirt <br/>Matthias Welleschitz Landwirt <br/>Markus Fink, Agrorebels <br/>Carmen Sánchez, Olivenöl-Expertin<br/>Michael Becker, Gärtner</p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>
<br/>
<strong>Besser leben. Der Bayern 1 Nachhaltigkeitspodcast.<br/></strong>
Kaum ein Putz-Hack in den sozialen Medien kommt ohne Natron aus. In dieser Episode von &quot;Besser leben&quot; erläutern Melitta Varlam und Florian Kienast, was Natron eigentlich genau ist, wogegen es wirklich hilft und wie umweltfreundlich Natron ist. Plus: Gibt es einen Unterschied zwischen Backpulver und Natron? Und was hat es mit Soda auf sich?
<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/besser-leben-der-bayern-1-nachhaltigkeitspodcast/was-ist-natron/bayern-1/13447683/">JETZT ENTDECKEN</a>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-luxusgut-olivenoel-klimawandel-hitze-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>O-TON 1 Erich Welleschitz</p>
<p>„Da sind sie wieder... sehen Sie die Kaninchen, diese Biester...</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Erich Welleschitz ist wütend. Der Biolandwirt steht auf seinem Feld und deutet auf den Abhang. In der Ferne hoppeln drei Kaninchen.</p>
<p>O-TON 2 Erich Welleschitz</p>
<p>„Das größte Problem bei uns hier sind eigentlich die Wildkaninchen. Das muss man sagen. Wildkaninchen, die haben schon 40 Bäume erledigt. das heißt, sie graben gerne, sie graben sich zu den Wurzeln, fressen die Wurzeln ab oder nagen die Rinde ab und somit der Fall erledigt. Und eine Reihe haben sie in einer Nacht geschafft. </p>
<p>Musik 1 </p>
<p>&quot;Always turns to spring&quot; - Komponist und Ausführender: Bill Frisell - Album: Ghost Town - Länge: 0&#39;42</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Und es ist nicht irgendeine Reihe. Erich Welleschitz hat hier im Marchfeld östlich von Wien einen Olivenhain gepflanzt. 135 junge Bäume, die ihre silbrig-grünen Blätter in die kalte Frühlingsluft recken. </p>
<p>Die Gegend gilt als Korn- und Gemüsekammer Österreichs. Doch der Anbau verändert sich. Neben Zwiebeln, Erbsen, Spargel, Karotten, Getreide werden auch immer mehr Exoten angebaut. Feigenbäume, Granatapfel, Melone und seit neustem Oliven - wie beim Landwirt Welleschitz:</p>
<p>O-TON 3 Erich Welleschitz</p>
<p>„Also ganz ehrlich, war es eine ganz unbedingte Idee meiner Frau. Sie hat gesagt du wir müssen das unbedingt machen. Ja, und sie hat einfach nicht mehr loslassen von dem Gedanken und hat gesagt habt ihr keine geeigneten Flächen, irgendwo muss doch was geben. Da hab ich gesagt oh ja, wir haben schon eine geeignete Fläche. Dann machen wir das. Und der Klimawandel selbstverständlich spielt da auch a Rolle.</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Welleschitz zupft ein paar Blätter von den Olivenbäumen. Der Hain macht viel Arbeit. In diesen Wochen müssen die Zweige geschnitten werden. Die ganze Familie hilft mit. Sohn Matthias zeigt, was zu tun ist:</p>
<p>O-TON 4 Matthias Welleschitz:</p>
<p>„Ja, der Ast und der Ast. Grundsätzlich geht es ja beim Schnitt dann darum, dass jedes Blatt möglichst viel Licht bekommt und dass das kein riesenhoher Baum wird, sondern ja, wie man sich einen Olivenbaum halt vorstellt. Dass das eben klar und in die Breite hin ausfallen wird, er klar und in die Breite hin ausfallend wird. Dadurch kriegen die einzelnen Blätter ziemlich viel Licht....“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Die Landwirte in der Gegend bemerken den Klimawandel deutlich: </p>
<p>Die Winter werden immer milder, die Sommer heißer. Vieles, was Erich Welleschitz früher angebaut hat, funktioniert mit den hohen Temperaturen nicht mehr so gut. </p>
<p>O-TON 5 Erich Welleschitz:</p>
<p>40 Grad sind keine Seltenheit. 40 Grad ist schon normal, vor allem starke Südwinde. Und wenn dann so der Südwind geht tagelang, das ist wirklich heiß und unangenehm. Es ist halt so, dass man in der Landwirtschaft ganz anders betroffen ist. </p>
<p>Autorin:</p>
<p>Die Nachbarn von Welleschitz pflanzen jetzt Bananen an. Die wachsen wie Unkraut, sagt der Landwirt. Er selbst probiert es mit Olivenbäumen </p>
<p>Musik 2</p>
<p>&quot;Un Héros Très Discret - Départ en Train&quot; - Album: Jacques Audiard - Komponist: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;59</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Hitze, Trockenheit, karge Böden. So wachsen die Olivenbäume seit Jahrtausenden von Jahren vor allem im Mittelmeerraum. In Spanien, Griechenland, Italien. Portugal. Es gibt über 1.000 verschiedene Arten. Die Stämme sind knorrig, der Busch weit verzweigt. Olivenbäume können uralt werden. Sie zählen zu den ältesten Kultur- und Nutzpflanzen der Menschheit. Und das Olivenöl war immer schon wertvoll. Könnte das grüne Gold auch bald bei uns entstehen?</p>
<p>Markus Fink ist überzeugt davon, dass der Olivenbaum auch hierzulande wachsen kann. Er sieht den Klimawandel als Problem und Chance zugleich. Zusammen mit zwei Mitstreitern hat er den Verein Agrorebells gegründet. Die Agrorebellen erforschen exotische Obstsorten und bringen sie nach Österreich. Über 5.000 Olivenbäume haben sie schon zusammen mit Landwirten aus ganz Österreich gepflanzt:</p>
<p>O-TON 6 Markus Fink:</p>
<p>„Wir sagen halt nicht, was tut der Klimawandel mit uns, sondern was machen wir mit dem Klimawandel. Wir wollen umgehen damit, umkehren können wir ihn nicht. Wir können ihn verlangsamen, so gut es geht, Und wir haben uns zur Aufgabe gemacht, den Bauern / den hiesigen Landwirten zu helfen, sie zu beraten. Was können sie mit ihren Äckern machen, um weiterhin gut bestehen zu können?</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Markus Fink ist eigentlich Physiker. Er hat lange Jahre mit der Weltraumbehörde ESA zusammengearbeitet. Früher hat er Pflanzen im Weltall erforscht:</p>
<p>O-TON 7 Markus Fink:</p>
<p>„Wo man geschaut hat, wie sichert man das Überleben für den Astronauten auf der ISS? Wie kann man eine bemannte Mars-Mission durchführen und so weiter? Wie können Pflanzen in unwirtlichen, unter unwirtlichen Bedingungen gedeihen? Diese Fragestellung hat mich auch fasziniert. Irgendwo und so ist dann daraus das Projekt irgendwann Aggro-Rap geworden. Wenn man Tomaten auf der ISS zum Wachsen bringt ... wir versuchen halt die Olive in Mitteleuropa zum Wachsen zu bringen.</p>
<p>Musik 3</p>
<p>&quot;Un Héros Très Discret - Départ en Train&quot; - Album: Jacques Audiard - Komponist: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;31</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Als Markus Fink 2019 damit loslegte, titelte eine Zeitschrift: „Der Astronaut, der die Oliven nach Österreich bringt“. Das war der Beginn des Erfolgs. Viele Landwirte in Österreich lasen den Artikel und waren Feuer und Flamme. </p>
<p>Am Anfang mussten die Agrorebellen viel experimentieren. Sie legten Forschungshaine an, pflanzten verschiedene Olivenbäume. Und hatten auch den Mut zu scheitern:</p>
<p>O-TON 9 Markus Fink:</p>
<p>„Wenn es einen Totalausfall gab, dann war das ein einziges Mal, und zwar in Kärnten in der Testphase. Da hatten wir eine geschlossene Schneedecke von 40 bis 50 Zentimeter über mehrere Wochen. Und das hat kein Olivenbaum überlebt. Da war nicht unbedingt das Temperaturminimum, sondern die geschlossene Schneedecke.“</p>
<p>O-TON 10 Markus Fink</p>
<p>„Hallo? Ja das ist jetzt ganz schlecht.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Mittlerweile wollen immer mehr Landwirte von Markus Fink und den Agrorebellen beraten werden. Dauernd klingelt sein Telefon. Markus Fink liebt seine Arbeit. Er ist in Größenbrunn östlich von Wien aufgewachsen. Seine Großeltern hatten einen bäuerlichen Betrieb, dazu gehörte ein kleiner Weinberg. Ein Weingarten sagen die Österreicher. Dort kelterten die Landwirte früher den Wein für den Eigenbedarf: </p>
<p>O-TON 11 Markus Fink</p>
<p>„Das wurde dann nicht mehr rentabel, sehr viel Arbeit. Mittlerweile sind die Flächen größtenteils als Brachflächen geblieben. Nur wenige Landwirte bauen hier noch Trauben an, und aus diesen Flächen werden jetzt hoffentlich sukzessive Olivenhaine. Der Boden ist gut. Es sind Südhänge.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>In der Ferne liegt die Slowakei. Weit ist es nicht zur Grenze. Mit dem Auto fahren wir durch die Gegend, die sich nach und nach verändert:</p>
<p>O-TON 12 Markus Fink</p>
<p>„Schauens mal da, da haben wir Palmen, sieht man überall an jeder Ecke. Da Zwergpalmen kleine Olivenbäume. Das wäre in den 1980er Jahren unmöglich gewesen!“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Klimatisch ist der Anbau kein Problem. Fink und seine Kollegen haben mit verschiedenen Sorten experimentiert. Sie sind in den Mittelmeerraum gefahren, nach Italien, Portugal und Spanien, um die richtigen Bäume zu finden. Am Anfang erklärten sie die Landwirte - zum Beispiel in Spanien - für verrückt:</p>
<p>O-TON 13 Markus Fink</p>
<p>„Die spanischen Bauern kennen Österreich als allererstes als Skifahrergebiet, wenn sie es überhaupt kennen. Und die meinen, ich wäre ein bisschen „loco“. „Loco“ bedeutet verrückt oder crazy. Ja, dann erklärt man halt na ja, wie schaut in Zentralspanien das Klima aus zum Beispiel in Madrid? Wie viel Minusgrade bekommts Ihr in Madrid eigentlich? Naja, also vielleicht minus sechs, minus sieben, minus acht der mal. Ja, naja, wir kommen hier dann auf minus neun, minus zehn. Das ist gar nicht so weit weg und wie lange auch nur ein, zwei Tage im Jahr. Und damit sehen dann auch die Landwirte dort, dass es vielleicht gar nicht so crazy ist, im Osten Österreichs sage ich jetzt einmal, im pannonischen Gebiet, Olivenbäume zu pflanzen, zumindest das auszuprobieren, diese zu pflanzen.“</p>
<p>Musik 4</p>
<p>&quot;Always turns to spring&quot; - Komponist und Ausführender: Bill Frisell - Album: Ghost Town - Länge: 0&#39;29</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Das pannonische Gebiet ist eine Tiefebene, die sich von Ungarn bis nach Österreich erstreckt. Die Winter sind mild und feucht. Die Sommer heiß mit viel Sonnenschein. Ein submediterranes Klima. Ideal für die Olivenbäume sagt Markus Fink. Er stoppt das Auto, steigt aus und führt auf einen Aussichtspunkt. Dort stehen ein paar dürre Pflanzen vom Wind zerzaust.</p>
<p>O-TON 14 Markus Fink</p>
<p>„Das ist unser zweiter Forschungshain. Der befindet sich auf der Parndorfer Platte. Das ist eine typische sehr windige Gegend, extrem heiß und trocken im Sommer und annähernd kein Schnee im Winter, heute ist ein gefühlter Wintertag, fünf Grad und Regen.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Markus Fink greift in die Erde und lässt sie durch die Finger rieseln, dann flüchtet er ins Auto. Der Regen ist zu stark.</p>
<p>O-TON 15 Markus Fink</p>
<p>„Wir versuchen, verschiedene Sorten verschiedenen Alters zu vergleichen, verschiedene Substrate zu setzen, mit Hanglage, ohne Hanglage, mit Schotter drunter, lehmig oder nicht lehmig oder was auch immer. Und dann zu vergleichen. Wie entwickeln sich die Bäume? </p>
<p>O-TON 16 Carmen Sánchez</p>
<p>„Schlürfgeräusch ... Hörst Du das? Das ist damit etwas Luft hereinkommt und sich vermischt.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Olivenölprobe bei Carmen Sanchez in Köln Pulheim. Die Spanierin hat zwei Schälchen mit verschiedenen Oliven-Ölen vorbereitet und lässt mich vergleichen: </p>
<p>O-TON 17 Carmen Sánchez:</p>
<p>„Das schmeckt nach Tomate, hinten raus die Schärfe.</p>
<p>Genau! Und nach dem Runterschlucken hast du vielleicht noch das Gefühl der Bitterkeit und Schärfe.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Die Schärfe und Bitterkeit sind Merkmale für ein gutes Olivenöl. Und es gibt noch mehr.</p>
<p>O-TON 18 Carmen Sánchez</p>
<p>„Auch ein sehr gutes Zeichen ist: Wenn das ein Olivenöl ist fettig. Aber diese gute Qualität ist er eher seidig. Also die Zunge wird nicht so von eine Schicht aus Fett bedeckt. Diese seidige Flüssigkeit ist total sauber und hinterlässt keine Spuren. Das ist auch ein sehr gutes Zeichen.“ </p>
<p>Autorin:</p>
<p>Carmen Sanchez weiß, wovon sie spricht, sie ist diplomierte Oliven-Öl Sommeliere, genauer gesagt sie sich an der Universität von Jaen in Andalusien zur Expertin für natives Olivenöl ausbilden lassen. Ihre Mission: den Menschen beibringen, was wirklich gutes Oliven-Öl ist. Oder besser Oliven-Saft.</p>
<p>O-TON 19 Carmen Sánchez:</p>
<p>„Schau mal, die Olive ist eine Frucht. Alle anderen Öle kommen aus Kernen, und die Olive als da mehr ist eine Frucht. Und wenn ich sie auspresse, dann bekomme ich einen Saft.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Viel von diesem Saft ist gerade nicht auf dem Markt. Europas Olivenbauern haben schlechte Jahre hinter sich, die Ernten sind eingebrochen, die Preise auch für minderwertiges Öl drastisch gestiegen. Das gab es bislang noch nicht, erzählt Carmen Sanchez:</p>
<p>O-TON 20 Carmen Sánchez</p>
<p>„Spanien ist Hauptproduzent von Oliven-Öl. Und es ist das erste Mal in der Geschichte vom Oliven-Anbau, dass zwei Ernten direkt hintereinander katastrophal sind. Das passiert 2023 und davor 2022. Das hat sicherlich mit dem Klimawandel zu tun.“</p>
<p>MUSIK 5</p>
<p>&quot;Always turns to spring&quot; - Komponist und Ausführender: Bill Frisell - Album: Ghost Town - Länge: 1&#39;03</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Dürre und Hitze führten dazu, dass die Blüten an den Olivenbäumen geradezu verbrannt sind und keine Oliven entstehen konnten. Das heißt, die Ernten in Spanien haben sich halbiert. Eine Katastrophe! Spanien vermarktet etwa 50 Prozent des weltweit konsumierten Olivenöls. Auf einmal fehlten riesige Mengen an Öl. Und die Preise für das grüne Gold kletterten in die Höhe.</p>
<p>Auch Italien und Griechenland hatten schlechte Ernten. Hier hatte es vergangenen Mai und Juni zu viel geregnet. Also in der Blütezeit. Dadurch klappte es mit der Bestäubung nicht. Normalerweise weht der Wind den Pollen einer anderen Olivenpflanze heran. Doch durch den Dauerregen war es zu nass, die Blüten konnten sich nicht bestäuben, also gab es keine Frucht. Die Feuchtigkeit lockt auch die Olivenfruchtfliege an, einen gefürchteten Schädling:</p>
<p>O-TON 21 Carmen Sánchez</p>
<p>„Genau bei Feuchtigkeit. Genau dann fühlt sich diese Fliege sehr wohl. Sie bohrt die Frucht an. Und das bedeutet Sauerstoff in Kontakt mit den Fruchtfleisch. Das bedeutet dass die Oxidation, die Fermentationsprobleme bei dem Olivenöl direkt da sind. Egal, wie toll der Bauer ist. Egal, wie toll die Ölmühle ist. Geschmacklich wird das Öl nix mehr werden.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Der Mittelmeerraum ist das Zentrum der Olivenbäume, doch auch andere Regionen holen auf. In Australien und Kalifornien werden schon lange Oliven angebaut. Sie kamen mit den Missionaren und Reisenden, Entdeckern und Erobern in die Länder.</p>
<p>In Verkostungen probiert Carmen Sanchez jetzt ganz oft Oliven-Öl, das aus anderen Weltregionen stammt. Immer wieder sind sie und ihre Kollegen überrascht, wie gut Oliven-Öl aus Südafrika, Brasilien oder Uruguay ist: Könnte dann nicht auch Deutschland zum Anbaugebiet werden? Jetzt, wo es gefühlt jeden Sommer heißer wird?</p>
<p>O-TON 23 Carmen Sánchez</p>
<p>„Im Prinzip ja. Der Olivenbaum ist sehr bescheiden, das ist ein Kerl, der sehr bescheiden und ist und der kann wachsen, ohne große verwöhnt zu werden. Nur Wasser tut gut und vor allem was er braucht, und was er deutlich vermisst, ist die Sonne.</p>
<p>Er braucht den Sommer. Warum? Weil was eine Blüte schafft ist unglaublich. Also erstmal kommt irgendwann eine kleine Frucht, die wie eine Erbse aussieht. Da gibt es noch nicht einen harten Kern ist nichts und bis Anfang des Sommers. Ich rede jetzt so zum Beispiel von Spanien. Bis Juni hat er es geschafft einen Stein zu bekommen. Dann macht er Urlaub bis September. Und im September fängt die Olive an, die Frucht also, das Öl zu machen.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Bis das alles passiert, kann es jahrelang dauern. Erst wenn Olivenbäume etwa sechs Jahre sind, werfen sie Ertrag ab. </p>
<p>Musik 6</p>
<p>&quot;Paean (Original Composition For Replica Lyre in the Ancient Greek Dorian Mode)&quot; - Album: The Ancient Greek Lyre - Ausführender: Michael Levy - Länge: 0&#39;42</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Viele Geschichten ranken sich um den Baum und seine schmackhaften Früchte. Schon zum Ende der Bronzezeit wurden Ölbäume im östlichen Mittelmeerraum systematisch kultiviert. </p>
<p>Auf Kreta waren Oliven bereits 6.000 vor Christus ein wichtiges Lebensmittel. Die antiken Griechen waren Spitzenreiter im Verbrauch. Ein Kämpfer verbrauchte 30 Liter jährlich zur Körperpflege, 20 weitere Liter für seine Ernährung und einen halben Liter als Medizin. Auch in der Bibel spielt der Olivenzweig eine Rolle als Symbol des Friedens. Carmen Sanchez ist jeden Tag aufs Neue fasziniert:</p>
<p>O-TON 24 Carmen Sánchez:</p>
<p>„Der Olivenbaum ist so unglaublich, weil der Olivenbaum, wenn wir hören, dass er es schafft, so alt zu werden ist, Manchmal erlebt er ganz böse Sachen, und aus dem Nichts treibt wieder Leben. Das hieß ich kriege ein. Es ist unglaublich. (schluckt ...stockt ...)“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Als Carmen Sanchez nach Deutschland kam, traute sie ihren Augen kaum. Direkt im Nachbardorf in Stommeln bei Köln wuchsen: Olivenbäume.</p>
<p>Musik 7</p>
<p>&quot;Un Héros Très Discret - Départ en Train&quot; - Album: Jacques Audiard - Komponist: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;23</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Dicht an dicht stehen die 115 Olivenbäume beim Gartenhof Becker, die langen Zweige mit den grünen Blättern recken sich nach oben. Dem Regen entgegen. Es ist ein kühler Maitag. Inhaber Michael Becker hat seinen Schirm aufgespannt. Trotz der kühlen Temperaturen trägt er kurze Hosen:</p>
<p>O-TON 25 Michael Becker:</p>
<p>„2008/2009 dieser Winter war hier zwei oder drei Tage lang unter 20 Grad. Und da haben wir gemerkt, dass das eine Sorte ist, die auch die Kälte verträgt - das ist die Sorte Leccino aus der südlichen Toskana und die anderen Sorten sind uns fast alle kaputtgegangen.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>„Der Oliven-Hain in der Kölner Bucht ist nach Angaben von Michael Becker, der nördlichste der Welt. Und hat es mittlerweile in der Gegend zu einiger Berühmtheit gebracht. Jedes Jahr veranstaltet der Gärtner ein Oliven-Fest zu dem tausende Besucher pilgern, im Hain sitzen, gute Olivenöle probieren und einiges über den Baum erfahren. Dabei hatte alles 2005 als Experiment begonnen sagt Becker, der zu sich in die Küche eingeladen hat.“ </p>
<p>O-TON 26 Michael Becker:</p>
<p>„Im Prinzip hab ich gedacht das muss funktionieren. Die Kölner Bucht ist einer der wärmsten Regionen, die es in Deutschland gibt im Winter. Also im Sommer nicht. Es ging ja eigentlich nur darum, ähm zu gucken, können die die Kälte ab oder können die das nicht? Und ja, ich, mein Vater hat gesagt jetzt bist du ganz bekloppt. Er als alter Obstbauer. Wir hatten immer schon eine Apfelplantage Pflaumen, Birnen und da lag die Olive ja auch irgendwie so dazwischen, das passte schon irgendwie.“ </p>
<p>Autorin:</p>
<p>Und es passte wirklich. Nach ein paar Jahren gab es dann die ersten Ernten. 2020 waren es sogar 300 Kilo Oliven. Zusammen mit Freunden und Bekannten spannten sie Netze auf, pflückten die Oliven klassisch per Hand. Und dann? Dann war da der Traum vom eigenen Olivenöl aus Köln:</p>
<p>O-TON 27 Michael Becker</p>
<p>„Also das Problem bei Olivenöl ist, von der Ernte bis zur Presse, soll möglichst 24 Stunden sein. So was. Was machen Sie? 24 Stunden von hier also die nächste Presse wäre dann mehr oder weniger am Gardasee? Ah, das ist kaum zu schaffen. Und so mussten wir halt versuchen, irgendwoher eine Presse zu kriegen. Und dann haben wir dann im Prinzip in Italien eine Presse bestellt, die es halt im Baumarkt gibt, um die anscheinend wohl viele italienische Familien, die zwei, drei Bäume haben. Die machen da ihr eigenes. Aber das hat bei uns dann eben nicht ganz so gut funktioniert.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Aus hundert Kilo Oliven wurden gerade einmal dreieinhalb Liter Öl:</p>
<p>O-TON 28 Michael Becker</p>
<p>„Das war natürlich ein Witz, Aber es war das erste hergestellte Olivenöl in Deutschland. Ich habe immer gesagt, das muss Olio di Cologne heißen.“ </p>
<p>Autorin:</p>
<p>Der Geschmack war fantastisch, ähnlich einem italienischen Öl. Doch der Aufwand ist bislang zu groß. Jetzt experimentiert der Gärtner mit eingelegten Oliven.</p>
<p>O-TON 29 Michael Becker:</p>
<p>Das ist so sehr pikante Einlegemethode. Also natürlich Wasser, Kochsalz, Pökelsalz und Rosmarin, Thymian, Knofi, Lorbeerblätter, schon mal eine Zitrone oder Peperoncino. Das gibt dann so ein eigentlich ein Geschmackserlebnis. Und jeder, der das probiert ist eigentlich begeistert und ich mein, Oliven aus dem Rheinland wäre natürlich auch schon eine schöne Sache.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Wenn da nicht noch einige Hürden wären: </p>
<p>O-TON 30 Michael Becker:</p>
<p>„Da muss dann auch auf Nährwerte geachtet werden. Also das Gesundheitsamt stand, nachdem wir das erste Öl gemacht haben, standen die am nächsten Tag schon bei uns. Und ja, sie verkaufen doch noch nicht das Öl. Und ich könnte mir aber vorstellen, dass das mit den Oliven eingelegt schon funktionieren würde, da würden wir jetzt mal so eine Testphase machen.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Seit 19 Jahren stehen die Olivenbäume hier in Köln. Sie haben den Gärtner Michael Becker verändert. Mittlerweile ist er nicht mehr für seine Äpfel, Pflaumen und Rosen bekannt, sondern für den Oliven-Hain. Manchmal geht er abends durch die Reihen spazieren …</p>
<p>O-TON 31 Michael Becker:</p>
<p>„Also, ich muss Ihnen ehrlich sagen im Winter mache ich das sehr oft, weil ich dann auch immer, wenn ich merke, es wird ein bisschen kälter, Schiss kriege. Und in den ersten Jahren war das auch ganz extrem. Also, da bin ich immer, da war ich auch irgendwie total stolz. Ich bin ich auch jetzt noch stolz darauf. Das ist auch heute immer noch für mich irgendwie so ein so ein Highlight. Und wir machen im Olivenhain ja auch Olivenöl-Verkostungen, die auch immer total schön sind. Und ich habe dann vor ein paar Jahren noch mal neu geheiratet. Und dann haben wir tatsächlich auch einen Olivenhain, so halbwegs die Hochzeit gefeiert.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Michael Becker glaubt fest daran, dass es die Olivenbäume auch in Deutschland schaffen könnten. Noch ist er der Einzige in der Kölner Bucht. </p>
<p>O-TON 32 Michael Becker:</p>
<p>„Aber ich denke einfach, wenn der eine oder andere Pionier da auch noch mal versucht, was zu machen, also hier in der Region, kann das funktionieren.“</p>
<p>Musik 8</p>
<p>&quot;Un Héros Très Discret - Départ en Train&quot; - Album: Jacques Audiard - Komponist: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;28</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Noch kann es dauern, bis die Olivenbäume hier heimisch werden. Vor allem bis es das erste Olivenöl gibt. Doch diese Versuche sind vielversprechend. </p>
<p>In Österreich haben die Agrorebellen große Pläne. Sie tüfteln zusammen mit der Uni Wien und dem Institut für Bodenkultur an einer Neuzüchtung. Die erste österreichische Olivensorte, sagt Markus Fink:</p>
<p>O-TON 33 Markus Fink:</p>
<p>„Nämlich aus einer alten italienischen Sorte. Die haben wir gekreuzt mit einer sehr tragefreudigen selbstfruchtenden und spanischen Sorte. Und aus dieser Kreuzung haben wir jetzt erste Pflanzen gewonnen und mal sehen, ob die auch wirklich selbstfruchtend sind und auch wirklich sehr freudig sind und auch wirklich so frostresistent sind wie die alte italienische Sorte. Aber da sind wir auf einem guten Weg.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Und viele Landwirte sind auch offen dafür. Gerade die neuen Generationen. Im Marchfeld im Osten von Österreich steht der 25jährige Matthias Welleschitz im Olivenhain. Angesichts des Klimawandels muss man umdenken, findet er:</p>
<p>O-TON 34 Matthias Welleschitz: </p>
<p>„Es sind halt andere Herausforderungen als vor 30 Jahren. Und Landwirte sind ja bekannt dafür, dass sie kreativ sind. Und irgendwie wird es zu meistern sein. Ansonsten schauts für alle schlecht aus.“</p>
<p>Autorin:</p>
<p>Matthias Welleschitz hofft jetzt auf seine ersten Olivenernten. Fallen die gut aus, will er zusammen mit seiner Familie weitere Olivenbäume pflanzen. Genug Flächen sind vorhanden</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hitze in der Stadt - Kühlbringende Ideen und Lösungen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hitze-in-der-stadt-kuehlbringende-ideen-und-loesungen-1/2032445</link>
      <pubDate>Tue, 01 Jul 2025 04:25:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">260c85fd-9642-4f5e-8fe7-6a6d36b90e21</guid>
      <description>Die Zahl der Hitzesommer nimmt zu. In Städten sind die Auswirkungen besonders stark, sie entwickeln sich zu Glutöfen. Viele Stadtplaner steuern inzwischen gegen - mit Bächen, Parks und begrünten Fassaden. Von Claudia Steiner (BR 2021) </description>
      <enclosure length="21312000" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2032445/c/feed/hitze-in-der-stadt-kuehlbringende-ideen-und-loesungen-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:12</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Zahl der Hitzesommer nimmt zu. In Städten sind die Auswirkungen besonders stark, sie entwickeln sich zu Glutöfen. Viele Stadtplaner steuern inzwischen gegen - mit Bächen, Parks und begrünten Fassaden. Von Claudia Steiner (BR 2021) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ee1f2221-9f0b-41e2-a46a-76f8b39f256b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Zahl der Hitzesommer nimmt zu. In Städten sind die Auswirkungen besonders stark, sie entwickeln sich zu Glutöfen. Viele Stadtplaner steuern inzwischen gegen - mit Bächen, Parks und begrünten Fassaden. Von Claudia Steiner (BR 2021) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/>Regie: Rainer Schaller<br/>Es sprachen: Katja Amberger, Katja Bürkle, Peter Veit<br/>Technik: Roland Böhm<br/>Redaktion: Matthias Eggert, Iska Schreglmann</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-hitze-in-der-stadt-100.html">HIER</a>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Stephan Pauleit (Professor am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung der TU München);<br/>Sabrina Erlwein (Doktorandin am Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung der TU München);<br/>Espeth Oppermann (Vom Rachel Carson Centre der LMU München);<br/>Stefan Petzold (Referent beim Naturschutzbund Deutschland);<br/>Giovanni Betti (Assistenz-Professor für Architekturdesign an der Universität in Berkeley/USA)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Hitze, Hagel, Hochwasser - Städte wappnen sich für Extremwetter<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hitze-hagel-hochwasser-staedte-wappnen-sich-fuer-extremwetter/bayern-2/78759940/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wasserknappheit bei uns - Rauscht es bald nicht mehr?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wasserknappheit-bei-uns-rauscht-es-bald-nicht-mehr/bayern-2/78749348/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>El Niño und la Niña - Wie sie das Weltwetter aufmischen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/el-nino-und-la-nina-wie-sie-das-weltwetter-aufmischen/bayern-2/12655543/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Kühltechnik - Wie künstliche Kälte unser Leben beeinflusst<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kuehltechnik-wie-kuenstliche-kaelte-unser-leben-beeinflusst/bayern-2/78751142/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Hintergrundinfos des Naturschutzbundes zum Stadtklima und umweltpolitische Forderungen, um die Städte gegen die Klimakrise zu rüsten:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/bauen/stadtklima/index.html">EXTERNER LINK | https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/bauen/stadtklima/index.html</a></strong></p>
<p>Handlungsempfehlungen für Kommunen aus dem Projekt &quot;Klimaschutz und grüne Infrastruktur in der Stadt&quot; der Technischen Universität München:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.zsk.tum.de/fileadmin/w00bqp/www/PDFs/Berichte/180207_Leitfaden_ONLINE.pdf">EXTERNER LINK | https://www.zsk.tum.de/fileadmin/w00bqp/www/PDFs/Berichte/180207_Leitfaden_ONLINE.pdf</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>



]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Kölner Dom - Ein Riese der deutschen Geschichte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-koelner-dom-ein-riese-der-deutschen-geschichte/2094130</link>
      <pubDate>Tue, 01 Jul 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">cf991f2b-a283-436e-b603-6b2b8e17ff43</guid>
      <description>Der Kölner Dom: Über 600 Jahre dauerte es, bis er stand. Als er 1880 vollendet war, war der Dom sogar für kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt. - Aber der Kölner Dom fasziniert nicht nur durch seine schiere Größe, sondern als Monument der Kultur- und Kunstgeschichte. (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21598848" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094130/c/feed/der-koelner-dom-ein-riese-der-deutschen-geschichte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Trauner</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Kölner Dom: Über 600 Jahre dauerte es, bis er stand. Als er 1880 vollendet war, war der Dom sogar für kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt. - Aber der Kölner Dom fasziniert nicht nur durch seine schiere Größe, sondern als Monument der Kultur- und Kunstgeschichte. (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4d9057e8-f1ca-4996-bd95-594f413c4d7a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Kölner Dom: Über 600 Jahre dauerte es, bis er stand. Als er 1880 vollendet war, war der Dom sogar für kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt. - Aber der Kölner Dom fasziniert nicht nur durch seine schiere Größe, sondern als Monument der Kultur- und Kunstgeschichte. (BR 2024)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor und Regie dieser Folge: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Katja Bürkle, Peter Veit<br/> Technik: Susanne Herzig<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Mathias Deml – Kunsthistoriker am Dombauarchiv in Köln<br/> <br/> <strong>Weiterführende Links zum Kölner Dom:<br/><br/>Geschichte des Kölner Doms<br/><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.koelner-dom.de/erleben/geschichte">Hier</a> geht es zur Website<br/><br/>Mathias Deml erklärt den Altar der Stadtpatrone von Stephan Lochner<br/><a title="Hier geht es zu YouTube" href="https://www.youtube.com/watch?v=ujRMim4QsFw">Hier</a> geht es zu YouTube</strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p><strong>Arnold Wolff, „Der gotische Dom in Köln“ – da entdeckt man viele Kleinigkeiten aus der Geschichte des Doms. Und vor allem: Schöne Fotografien </strong></p>
<p><strong>Harald Friese, „Der Kölner Dom“ – eine umfassende Darstellung mit vielen Bildern</strong></p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-koeln-dom-geschichte-100.htmll"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Da gibt es dieses Bild aus der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs. - Die Stadt Köln liegt in Schutt und Asche. - Die Hohenzollernbrücke, die auf den Dom zuführt, ist von der deutschen Wehrmacht gesprengt worden - die Altstadt: ein Skelett. -  Nur der Dom, der Kölner Dom, der hat das alles überstanden…</p>
<p>001 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Und wenn man sich die Stadt zu diesem Zeitpunkt anguckt, ist die Kölner Innenstadt eine einzige Trümmerwüste und zumindest, aus der Ferne heraus betrachtet, wirkt der Dom so, als ob er den Krieg fast unversehrt überstanden hätte. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Dom zu Köln, entworfen im Mittelalter, gebaut im Stile der Gotik, ein Mythos - ein Monument für die Ewigkeit? </p>
<p>MUSIK: „Sederunt principes“ </p>
<p>ZITATOR (Helmcken 1899)</p>
<p>Der Dom zu Köln — welch heiliger, unergründlicher Zauber liegt in diesem Bilde, in diesem Worte verborgen! Der Dom zu Köln ist für die deutsche Kunst und Kultur, was der Rhein ist für die Herrlichkeit der deutschen Nation. Das Symbol des Rheines ist der Dom!</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Schreibt ein Kirchenführer aus dem Jahr 1899. Also: der Kölner Dom, der scheint unvergänglich. Unbezwingbar. Und da gibt es ja noch dieses Bild aus den Kriegszeiten 1945, vom Dom, der alles unbeschadet überstanden habe…</p>
<p>002 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Weswegen dann auch teilweise das Gerücht entstanden ist, der Dom sei ganz bewusst im Krieg verschont worden. - Das stimmt so nicht ganz.</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sagt Mathias Deml, Kunsthistoriker am Dombauarchiv in Köln. Denn: nicht nur die Alliierten, selbst die deutsche Wehrmacht hat den Dom beschossen. Aber:</p>
<p>003 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Dass der Dom im Vergleich zu den anderen Bauten in Köln noch so gut aussah, ist letzten Endes seiner Konstruktionsweise zu verdanken. Die meisten der Bomben sind durch die Gewölbe oder auch mal durchs Fenster in den Dominnenraum eingeschlagen, dort detoniert. </p>
<p>Da der Dom aber in erster Linie aus gewaltigen Fensterflächen und relativ schmalen Pfeilern besteht, konnte ein Großteil der Druckenergie, die entstanden ist, durch die Fenster wieder nach außen gelangen. </p>
<p>Das heißt, die Pfeiler wurden durchgeschüttelt. Ein großer Teil der oberen Gewölbe ist eingestürzt. Die Grundsubstanz blieb allerdings stehen. </p>
<p>Atmo Glocke</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Dom hat also den Krieg – obwohl nicht unversehrt - überstanden, und konnte so 1948, drei Jahre nach Kriegsende, ganz besonders gefeiert werden. : </p>
<p>004 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Ja, es gibt tatsächlich 1948 ein großes Jubiläum in Köln. Da feiert man 700 Jahre Grundsteinlegung. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Dombauhütte in Köln hatte  davor viel zu tun… Eine Radioreportage von 1948 berichtet:</p>
<p>005 ZUSPIELUNG (Radioreportage 1948)</p>
<p>Gründonnerstag im Kölner Dom Jahr 1948. Es ist nicht das würdige Bild, das ansonsten an diesem Tag des Kirchenjahres in einer Kathedrale herrscht.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ein knappes halbes Jahr vor dem Jubiläum im Sommer 1948 besucht der Radioreporter Bernhard Ernst den Kölner Dom…</p>
<p>006 ZUSPIELUNG (Radioreportage 1948)</p>
<p>Und der Rundfunksprecher steigt – etwas wider der Würde des Tages, die Feuerwehrleiter, eine 40 Meter hohe hinauf, um auf eines der Gerüste des Kölner Doms zu gelangen, zum Dombaumeister …</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zum amtierenden Dombaumeister Willy Weires. Der berichtet ganz nüchtern von den Restaurierungsarbeiten nach den Kriegsschäden…</p>
<p>007 ZUSPIELUNG (Radioreportage 1948)</p>
<p>Das ist ein schweres Laufgerüst, das wir dort angebracht haben, um die Arbeiten schneller voranzutreiben. Denn sie werden sehen, dass uns dieser Termin sehr auf dem Nacken liegt und dass wir uns sehr anstrengen müssen, um den Dom zur angegebenen Zeit wieder zugänglich zu haben…</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Reporter freilich ist gerührt von der Erhabenheit dieses Bauwerkes…</p>
<p>008 ZUSPIELUNG (Radioreportage 1948) und dann Orgelmusik aus dem O-Ton</p>
<p>(Und) ich glaube, wir können am 15. August, wenn wir hier im feierlichen Rahmen stehen, dann von dem Feste der Auferstehung aus den Trümmern sprechen …</p>
<p>MUSIK (Orgel aus dem O-Ton und dann weg)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der 15. August ist das wohl wichtigste Datum in der Geschichte des Kölner Doms. An diesem Tag, im Jahr 1248, soll der Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für die neue Kirche gelegt haben. – </p>
<p>Ganz nah am Rhein.  - Aber erstmal: Selbst wenn man sich den Kölner Dom an keinem anderen Platz mehr vorstellen könnte als direkt vor dem Hauptbahnhof, stellt sich trotzdem die Frage: Gibt es einen speziellen Grund, warum genau hier der Grundstein gelegt wurde?</p>
<p>009 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Darüber können wir nur spekulieren. Es gab mal in früheren Zeiten die Theorie, dass an der Stelle ein Tempel gestanden haben könnte. Für den gibt es allerdings keinerlei Hinweise. Wir wissen, dass eine erste große Kirchenanlage an dieser Stelle um das Jahr 500 errichtet worden ist. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und bei Ausgrabungen hat man tatsächlich etwas gefunden. </p>
<p> 010 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Aus dieser frühen fränkischen Zeit haben wir unter anderem ein Taufbecken gefunden, das älteste Taufbecken, das im Rheinland erhalten ist. Also nicht so, wie wir heute in Kirchen an Taufbecken kennen, sondern wirklich ein großes Becken für die erwachsenen Taufe, wo man dann zwei Treppenstufen hinab gestiegen ist. </p>
<p>(…) Ein ganz sensationeller Fund. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Vermutlich im 9. Jahrhundert errichtet man dann hier eine sehr große karolingische Kirche, den so genannten „Alten Dom“ -  Aber warum braucht es dann ein paar hundert Jahre später einen „Neuen Dom“? </p>
<p>011 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Ja, darüber haben wir leider keine Quelle, die uns das ganz genau sagt, aus dem und dem Grund beginnen wir zu bauen. Wir können nur darüber spekulieren und es gibt sicherlich eine Vielzahl von Gründen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So Mathias Deml. – Ein entscheidender Grund dürfte gewesen sein, dass im Jahr 1164 der damalige Kölner Erzbischof Reinhard von Dassel Gebeine aus Mailand nach Köln gebracht hat – die Gebeine der Heiligen Drei Könige. </p>
<p>012 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Die Mailänder haben die natürlich nicht ganz freiwillig hergegeben. Es war sozusagen eine Kriegsbeute. Zwei Jahre vorher hatte Kaiser Friedrich Barbarossa zusammen mit seinem Kölner Erzbischof die Stadt Mailand belagert und erobert und als Dank für die geleisteten Dienste hat Reinhard von Dassel diese Gebeine vom Kaiser geschenkt bekommen. </p>
<p>MUSIK: „Ascolta“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Heiligen Drei Könige sind jetzt in Köln! - Nun muss man wissen, dass diese drei Könige sehr umstrittene und auch nur „so genannte Heilige“ sind. Förmlich „Heiliggesprochen“ wurden sie bis heute nicht. - Im neuen Testament werden sie nur vom Evangelisten Matthäus mit einem Satz erwähnt. Und der nennt sie die „Magoi apo anatolon“ – Also die „Sternendeuter aus dem Osten“. - Wie viele Magier es waren oder gar, wie sie hießen, darüber schweigt sich Matthäus aus. </p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>013 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>In Mailand scheinen diese Reliquien relativ unbekannt gewesen zu sein, aber Reinhard von Dassel war ein sehr gewiefter Politiker auch und er reiste nun mit weiten Umwegen nach Köln, unter anderem durchs Burgund, und machte überall, wo er vorbeikam, kräftig Werbung dafür, dass er nun im Besitz der Gebeine der heiligen drei Könige - nach mittelalterlichen Vorstellungen, die Gebeine der ersten christlichen Könige überhaupt - ist. Und als sie in Köln ankamen, wurde Köln zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte des Christentums …</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Für die Reliquien der Heiligen Drei Könige baut man gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen prunkvollen Schrein, da fehlt also nur noch eine prachtvolle Kirche, um die Gebeine auszustellen, und eine große Kirche auch für die Pilger, die zunehmend in die Stadt kamen. Denn nach Köln zu wallfahren hat sich für viele als doch einfacher erwiesen, als die schwere Reise nach Santiago de Compostela in Spanien anzutreten oder gar das Abenteuer nach Jerusalem zu wagen. Zu den anderen wichtigen Heiligen Stätten der Christenheit.</p>
<p>MUSIK: „Tanec“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In Köln beruft man nun einen Dombaumeister. Der erste in einer sehr langen, aber auch einer sehr langen unterbrochenen Tradition. - Heute kennt man von ihm gerade noch seinen Namen: Meister Gerhard.</p>
<p>014 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Wir wissen, dass er wahrscheinlich in den 1260er -Jahren gestorben ist. </p>
<p>Aufgrund der Architektur des Kölner Domes können wir darauf schließen, dass er entweder aus Frankreich kam oder zumindest in Frankreich geschult worden war. Und dort die neuesten großen Kirchenbauunternehmungen sehr gut kannte. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die neuesten „Kirchenbauunternehmungen“ in Frankreich, das sind etwa die Kathedralen von Amiens oder die von Saint-Denis. Und diese Kathedralen sehen so ganz anders aus als die alten romanischen Kirchen. Die es in Köln zuhauf gibt. Diese neuen Gemäuer streben in die Höhe, der Innenraum ist nicht finster, wie bei den alten Kirchen, sondern Licht durchflutet die riesigen Fenster und erhellt den Chorraum.  - Heute übrigens nennt man diesen Stil: „Gotik“. Entstanden in Frankreich…</p>
<p>015 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Der Kölner Dom ist tatsächlich ein erstaunlich französischer Bau, was seine Architektur angeht. Der sich in vielen Dingen etwa im Grundriss an der Kathedrale von Amiens orientiert, im Wandaufbau und in Details, aber auch an der modernsten Pariser Architektur des frühen 13. Jahrhunderts, etwa der Saint-Chapelle in Paris. - Und wie unser ehemaliger Dombaumeister Arnold Wolf immer hervorgehoben hat, neigt der Kölner Dom dazu, die dort gefundenen Formen noch mehr weiter zu entwickeln und zu perfektionieren. Das ist natürlich jetzt schwierig, ohne Bilder, im Radiointerview zu beschreiben… </p>
<p>MUSIK: „Eros“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Schauspieler August Wilhelm Iffland hat es 1790 trotzdem versucht.</p>
<p>ZITATOR (August Wilhelm Iffland - 1790)</p>
<p>Die Pracht des himmelan sich wölbenden Chors hat eine majestätische Einfalt, die alle Vorstellung übertrifft. In ungeheurer Länge stehen die Gruppen schlanker Säulen da, wie die Bäume eines uralten Forstes (…) </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>August Wilhelm Iffland war hingerissen, als er den Dom betrat. </p>
<p>ZITATOR (August Wilhelm Iffland - 1790)</p>
<p>Lässt sich auch schon das Unermessliche des Weltalls nicht im beschränkten Raume versinnbildlichen, so liegt gleichwohl in diesem kühnen Emporstreben der Pfeiler und Mauern das Unaufhaltsame, welches die Einbildungskraft so leicht ins Grenzenlose steigert…</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aber noch einmal zurück ins Mittelalter, als in Köln das Unternehmen „Dombau“ Fahrt aufnimmt. </p>
<p>016 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Und am Anfang hat man auch relativ schnell gebaut, 1322 war der Domchor als wichtigster und bedeutendster Teil des Kölner Domes in voller Höhe fertig gestellt und konnte feierlich eingeweiht werden. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Also schon nach knapp 70 Jahren Bauzeit… Für mittelalterliche Verhältnisse ganz flott… Danach beginnt man mit dem Bau von Langhaus, Querhaus und den Türmen. Zwei sollen es werden. Ein Südturm und ein Nordturm. </p>
<p>MUSIK: „Tanec“ </p>
<p>ZITATOR (Francesco Petraraca 1333)</p>
<p>„Vidi templum urbe media pulcherimum quamvis inexpletum“ –</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im Jahr 1333 soll der italienische Dichter Francesco Petrarca durch Köln gereist sein. </p>
<p>ZITATOR (Francesco Petraraca 1333)</p>
<p>Ich sah mitten in der Stadt die herrliche Domkirche, die man nicht ohne Grund die allerherrlichste nennt, obwohl …</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Petrarca schiebt ein „quamvis“, also ein--- „obwohl“ hinterher. Was das wohl bedeutet? - Ihm ist halt nicht verborgen geblieben: </p>
<p>ZITATOR (Francesco Petraraca 1333)</p>
<p>Der Dom ist unvollendet…</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mathias Deml von der Kölner Dombauhütte ergänzt:</p>
<p>017 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Und da merkt man, dass dann der Bauprozess allmählich ins Stocken geraten ist. Und irgendwann zwischen 1520 und 1530, ganz genau wissen wir es nicht, hat man dann die Bauarbeiten tatsächlich für über 300 Jahre unterbrochen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Warum eigentlich der Dombau zu dieser Zeit eingestellt wurde, weiß man auch nicht genau. Vermutlich war die Zeit der großen Kathedralen nach französischem Vorbild einfach vorbei…  Der Dom bleibt also über viele Jahrhunderte ein Fragment. Trotzdem prägt er das Kölner Stadtbild des Mittelalters, und das, obwohl von den Türmen nicht viel zu sehen gewesen ist. Vom Nordturm stehen nur wenige Mauern, gerade mal fünf Meter groß, aber immerhin, zumindest der Südturm ist etwas über 56 Meter hoch, er hat so ungefähr ein Drittel der heutigen Höhe erreicht. Oben auf dem unvollendeten Südturm sieht man eine verwaiste Baustelle…</p>
<p>018 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>(Und) oben auf diesem Turmstumpf stand ein gigantischer hölzerner Baukran, wahrscheinlich eine der größten Baumaschinen des Mittelalters überhaupt, der bis ins 19. Jahrhundert dann das Wahrzeichen von Köln war. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In vielen zeitgenössischen Kupferstichen wird der Dom mit dem Kran abgebildet. Und erstaunlich, obwohl der Dombau ruht, den Kran hält man in Stand, nach einem Blitzeinschlag im frühen 17.Jahrhundert wird er sogar repariert. Der Baukran wird für viele Generationen zum Sinnbild dafür, dass der Dom irgendwann fertig gestellt werden wird… So hofft man das zumindest …</p>
<p>019 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Dieser Baukran war wirklich weltberühmt, sogar in „Moby Dick“, einem amerikanischen Roman von Herman Melville, wird er erwähnt als Symbol dafür, dass die wirklich großartigen Werke der Menschheit viele, viele Generationen brauchen, um vollendet zu werden. </p>
<p>MUSIK: „The vikings &amp; Barons“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Hermann Melville bemüht sich, in einem Kapitel von Moby Dick über alle Erscheinungsformen von Walen zu schreiben. Also: Welche Arten von Walen gibt es? Wie sehen die aus? - In der Fachsprache nennt man dieses Vorhaben eine „Cetologie“ - Ein schwieriges, sogar unmögliches Unterfangen. -</p>
<p>ZITATOR (Melville – „Mobby Dick“ - Übersetzung 1922)</p>
<p>„Doch nun lasse ich mein cetologisches System im Stich, so unfertig, wie der erhabene Kölner Dom gelassen wurde, mit dem Kran hoch auf der Plattform des unvollendeten Turms. Denn kleine Bauwerke können von dem beendet werden, der sie zuerst geplant hat; die großen, die wahren, sie überlassen es immer der Nachwelt, den Schlussstein einzufügen…</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Über Jahrhunderte ist also nicht viel passiert, an dem Kölner Domrohbau. Der gotische Stil war zunehmend aus der Mode gekommen. Selbst ein Johann Wolfgang von Goethe hält die Gotik lange Zeit für eine Ansammlung von „Zusammengestoppeltem, Aufgeflicktem, Überladenem“.  - Doch plötzlich tut sich was in Köln… Denn im späten 18. Jahrhundert findet man die Gotik plötzlich gar nicht mehr ganz so schlecht. Aber nun muss man den Dom erstmal vor einem äuß0eren Feind schützen…</p>
<p>020 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>1794 ist Köln von französischen Revolutionstruppen erobert worden…</p>
<p>MUSIK: „Holcane attack“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Mitglieder des Domkapitels fliehen mitsamt dem Dreikönigsschein und der Dombibliothek auf die andere Seite des Rheins nach Osten, genauer gesagt weit in den Kölner Osten, ins Sauerländische Arnsberg. - Und die französischen Soldaten besetzen den Dom. Das Gebäude dient jetzt als Magazin und als Kriegsgefangenenlager. Die französischen Soldaten verheizen alles Holz, das greifbar ist. Erstaunlicherweise verschonen sie das mittelalterliche Chorgestühl – Aber: die letzte Messe im Dom scheint gelesen zu sein…</p>
<p>021 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Und genau in dieser Zeit eigentlich der größten Gefährdung für den Dom gab es nun hier in Köln einige Leute, die den Bau wieder entdeckten. An erster Stelle muss hier Sulpiz-Boisserée, ein Kaufmannsohn aus Köln genannt werden, der nun alles dafür tat, bei seinen Zeitgenossen dafür zu werben, diesen gewaltigen Bau, der sehr, sehr stark auch heruntergekommen war, zu restaurieren und vielleicht dann auch, wie es dann tatsächlich passiert ist, zu vollenden. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sulpiz-Boisserée ist gerade mal 24 Jahre alt, als er seine Mission beginnt. Die französischen Truppen besetzen immer noch Köln, aber der junge Kaufmannssohn wirbt und wirbt für sein neues Dombauvorhaben. Er kann sogar einen gewissen Johann Wolfgang von Goethe für sich gewinnen, der sich mittlerweile vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Goethe lehnt die Gotik jetzt nicht nur nicht mehr ab, er hält sie für „d i e“ deutsche Baukunst. Natürlich sei die Gotik erfunden worden von einem Genie, so wie er selbst eines ist …</p>
<p>022 (Teil1) ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Das Ganze hat sich dann noch vermengt mit nationalen Ideen. Nach den gewonnenen Befreiungskriegen gegen Napoleon hat man lange darüber debattiert, wo man ein großes deutsches Nationaldenkmal errichten könnte. - Und da hat bereits 1814 Josef Görres vorgeschlagen, man könne doch den Kölner Dom, alle Deutschen gemeinsam, egal welcher Konfession, fertig bauen. Görres vertrat die Meinung, die viele seiner Zeitgenossen fälschlicherweise vertraten, die Gotik wäre ein typisch deutscher Baustil. Und in die Diskussion hat sich dann am Ende auch noch der Kronprinz von Preußen eingemengt, der ganz begeistert vom Kölner Dom war. Und nun versprochen hat, wenn ich mal König geworden bin, gebe ich viel Geld dafür aus, den Dom fertig zu bauen. </p>
<p>MUSIK: „Sederunt principes“ - </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und dann geht es tatsächlich sehr schnell. Also nicht nur nach mittelalterlichen Maßstäben … Schon 1824 ist eine neue Dombauhütte gegründet worden, die zunächst erst einmal die vielen Schäden des bestehenden Baus beseitigen musste. Und der Kronprinz von Preussen? </p>
<p>022 (Teil2) ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Er hat 1842 Wort gehalten und als Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zum Dombau gelegt</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Dann geht man den Dominnenraum an. Vollendet das Lang- und das Querhaus. - Und in nur 15 Jahren errichtet die Dombauhütte mit Hilfe neuer Techniken, etwa mit Hilfe der Dampfmaschine, die beiden Türme genauso und in der Gestalt, wie sie ursprünglich, 600 Jahre zuvor, geplant worden sind. </p>
<p>023 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Wir haben aber tatsächlich aus dem Mittelalter einen über vier Meter hohen Pergamentplan. Und der zeigt die beiden Türme bis ins Detail so durchgezeichnet, wie sie mit relativ wenigen Abweichungen tatsächlich dann im 19. Jahrhundert fertig gestellt worden sind. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mit 157 Metern Höhe ist der Kölner Dom bei seiner Vollendung im Jahre 1880 für einige Jahre das größte Bauwerk der Welt…</p>
<p>MUSIK ein wenig pathetisch und dann weg</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Und nun hatte man kurz gedacht, nach über 700 Jahren Bauzeit müsste doch jetzt mal Ruhe sein. – Köln hat endlich seinen Dom. Und endlich zu Ende gebaut, aber… </p>
<p>024 (Teil1) ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Aber natürlich auch nachdem der Kölner Dom fertig war, 1880, waren die Arbeiten nicht ganz abgeschlossen. Es gab noch Arbeiten im Innenraum, an der Ausstattung, Nachbesserungsarbeiten. Das Ganze hat bis ins frühe 20.Jahrhundert gedauert. Und dann hat der damalige Dombaumeister, der auch die Domvollendung im Amt erlebt hatte, Richard Voigtel, zwei Jahre vor seinem Tod (…) gesagt, die nächsten 100 Jahre müssen wir am Dom nichts mehr machen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Das war im Jahre 1900.</p>
<p>024 (Teil2) ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Und nur zwei Jahre nach seinem Tod (…) fiel ausgerechnet auch noch nach einem sonntäglichen Pontifikalamt im Kölner Dom der Flügel einer Engelfigur direkt über dem Hauptportal herunter.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aber es bleibt nicht bei dem einen Flügel. Den ersten Weltkrieg überstand der Dom noch unbeschadet. Doch im zweiten Weltkrieg erlitt der Nordturm einen Treffer, die Orgel ging verloren, das Hochschiffgewölbe des Langshauses stürzte ein. - Aber trotz dieser Kriege ist erstaunlich, dass sich im Kölner Dom etwas erhalten hat, das vielen anderen Kirchen nicht vergönnt war: Glocken aus dem Mittelalter…</p>
<p>025 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Der Kölner Dom hatte das große Glück, dass im Ersten Weltkrieg nur eine seiner Glocken eingeschmolzen wurde und da auch erst ganz am Ende des Krieges, die sicherlich gar nicht mehr für Rüstungszwecke verwendet worden, die so genannte Kaiserglocke. - Und im Zweiten Weltkrieg schaffte das Domkapitel durch geschicktes Taktieren tatsächlich zu verhindern, dass überhaupt eine Glocke des Domes eingeschmolzen worden ist, so dass der Kölner Dom ein relativ besonderes Geläut hat, zudem unter anderem auch noch vier mittelalterliche Glocken heute gehören. </p>
<p>Atmo: Geläut „Kölner Dom“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Also, wenn wir heute die Glocken des Doms hören, machen wir vielleicht eine akustische Zeitreise. Denn vor 700 Jahren klang das Geläut, wer weiß es, wohl gar nicht so anders wie heute … </p>
<p>026 ZUSPIELUNG (Mathias Deml)</p>
<p>Das sind einmal zwei kleine Glocken aus dem frühen 14. Jahrhundert, die bereits 1322 wahrscheinlich zur Weile des Domchors zu hören war, und zwei Großglocken des 15. Jahrhunderts, die Pretiosa und die Speciosa. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der Kölner Dom hat über viele Jahrhunderte die deutsche Geschichte überstanden und begleitet Und, na ja, er wird vielleicht wohl auch die Irrungen und Wirrungen der nächsten Jahrhunderte überdauern… </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Goldjungs und die Herstatt-Bank - Eine spektakuläre Pleite mit Folgen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-goldjungs-und-die-herstatt-bank-eine-spektakulaere-pleite-mit-folgen-2/2093395</link>
      <pubDate>Tue, 01 Jul 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">18cadb4a-8dcf-4c3b-9090-43a0f620000f</guid>
      <description>Die Pleite der Kölner Herstatt Bank war eine der spektakulärsten in der deutschen Geschichte. Tausende Bankkundinnen und Bankkunden verloren Geld. Dabei hatte es so gut angefangen, als die Devisenhändler - intern Goldjungs genannt - begannen, auf Währungen zu wetten. Von Maike Brzoska (BR 2024)</description>
      <enclosure length="20348160" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093395/c/feed/die-goldjungs-und-die-herstatt-bank-eine-spektakulaere-pleite-mit-folgen-2.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:11</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Pleite der Kölner Herstatt Bank war eine der spektakulärsten in der deutschen Geschichte. Tausende Bankkundinnen und Bankkunden verloren Geld. Dabei hatte es so gut angefangen, als die Devisenhändler - intern Goldjungs genannt - begannen, auf Währungen zu wetten. Von Maike Brzoska (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ded4753e-6dda-4a1b-a694-21a4fc922135.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Pleite der Kölner Herstatt Bank war eine der spektakulärsten in der deutschen Geschichte. Tausende Bankkundinnen und Bankkunden verloren Geld. Dabei hatte es so gut angefangen, als die Devisenhändler - intern Goldjungs genannt - begannen, auf Währungen zu wetten. Von Maike Brzoska (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Friedrich Schuler, Christian Schuler<br/> Technik: Ruth-Maria Ostermann, Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Ulrich Klüh, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Darmstadt<br/>Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-herstatt-bank-goldjungs-spekulation-insolvenz-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Köln, den 27. Juni 1974. Vor der Haupt-Filiale der Herstatt Bank, unweit des Kölner Doms, finden sich ab acht Uhr in der Früh immer mehr Menschen ein. Sie sind aufgebracht, wütend und rufen:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Halunken, Gauner, Betrüger </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Einige versuchen in die Schalterhalle der Bank zu gelangen. Mit aller Kraft stemmen sie sich gegen die Glastür. Vergeblich. Erst zwei Stunden später öffnet sich die Tür. Ein Mann kommt raus, mit einem roten Megaphon in der Hand. Es ist der Generalbevollmächtigte der Bank. Er versucht die Menschen zu beruhigen – und weist gleichzeitig jede Verantwortung von sich. Auch er sei von der „Dany-Dattel-Devisen-Show“ überrollt worden. So zitiert ihn das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Dany wer?</p>
<p>01 O-TON (Klüh)</p>
<p>Dany Dattel – das war durchaus eine schillernde Persönlichkeit. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt der Ökonom Ulrich Klüh. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Darmstadt.</p>
<p>02 O-TON (Klüh)</p>
<p>Er war also der, der mit seinem Team diese spekulativen Währungsgeschäfte betrieben hat. Dieses Team wurde dann auch in Zeitungen als die Goldjungs beschrieben, weil die haben der Bank in den ersten Jahren dieser Geschäfte sehr, sehr viel Geld eingebracht.</p>
<p>Musik: Financial supermarkets 0‘24 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Goldjungs waren eine Zeitlang die Stars der Herstatt Bank. Sie wetteten im großen Stil auf Währungen und machten enorme Gewinne. Das war möglich, weil Anfang der 1970er vieles im Umbruch war, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. </p>
<p> 03 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Die 1970er Jahre, also vor allem 71 bis 74, waren eine wirklich schwierige Zeit. Vielleicht in gewisser Weise auch vergleichbar mit dem, was wir heute erleben. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt der Ökonom Christoph Kaserer. Er ist Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München.</p>
<p>04 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Wir hatten massive geopolitische Krisen: den Jom Kippur Krieg im Nahen Osten. Wir hatten immer noch den Vietnamkrieg. Der Jom Kippur Krieg war ja dann auch der Auslöser dafür, dass es dann Ende 73 zum Ersten Ölpreisschock kam und damit ausgelöst eben alle negativen wirtschaftlichen Effekte, also Rezession usw.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damit endete in der Bundesrepublik eine – in wirtschaftlicher Hinsicht – relativ ruhige Phase, in der so etwas wie Bankenpleiten kaum denkbar waren.</p>
<p>05 O-TON (Klüh)</p>
<p>Es hatte nämlich fast drei Jahrzehnte keine Pleitebank mehr gegeben, in Deutschland und sogar weltweit nicht. Und das lag wiederum daran, dass das Finanzsystem seit dem Zweiten Weltkrieg so aufgebaut war, dass es super stabil war.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Super stabil, vor allem weil es feste Wechselkurse gab. </p>
<p>06 O-TON (Klüh)</p>
<p>Also für eine DM hat man so und so viel Dollar bekommen, für eine Lira hat man so und so viel Franc bekommen.  </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das war das sogenannte System von Bretton Woods. Benannt nach dem Städtchen, wo sich die Regierungen 1944 darauf geeinigt hatten. </p>
<p>07 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Und das ist eben jetzt mit der Ankündigung von Präsident Nixon, die Goldbindung des Dollars aufzugeben, ins Wanken geraten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In einer berühmten Fernsehansprache sagte der damalige US-Präsident Richard Nixon:</p>
<p>ZITATOR 2 (Nixon)</p>
<p>Ich habe Finanzminister Conally angewiesen, vorübergehend die Konvertibilität des Dollars in Gold oder andere Reservemittel auszusetzen. </p>
<p>Musik: Dark deeds (A) 0‘17</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das läutete 1971 das Ende von Bretton Woods ein, zwei Jahre später wurde es dann auch formal abgeschafft. Die Folge war, dass die Wechselkurse von da an sehr stark schwankten. </p>
<p>08 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Der US-Dollar ist allein im Jahr 1973 vom Höchst- zum Tiefstkurs um mehr als 30 Prozent gefallen. Daran kann man sehen, wie groß die Schwankungen in den Währungen waren.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und genau hier schlug die Stunde der Goldjungs. Das waren sechs sehr junge Devisenhändler, teilweise erst Anfang 20, die für Herstatt Bank arbeiteten.</p>
<p>09 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Die Herstatt-Bank ist das, was man als Privatbank bezeichnet und Iwan Herstatt war dann in der fraglichen Zeit der Geschäftsführer der Bank.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Iwan David Herstatt – genannt Iwan der Große, auch wegen seiner Körperlänge von fast zwei Metern. Er war ein rheinisches Urgestein und bestens vernetzt in der Kölner Gesellschaft.  </p>
<p>10 O-TON (Klüh)</p>
<p>Er war so richtig, ich würde sagen, Teil des kölschen Klüngels. Also das ist so ein spannender Seitenaspekt, hat vielleicht auch dazu beigetragen, dass das so spektakulär war. </p>
<p>Is this together (Quintett) 0‘39</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Herstatt war in mehr als 30 Karnevalsgesellschaften und 20 weiteren Vereinen aktiv. Mehr als 20 Jahre lang organisierte er als Schatzmeister die Finanzierung des Kölner Rosenmontagsumzugs. Daneben saß er in zahlreichen Aufsichts- und Beiräten namhafter Unternehmen. Kaum ein Kölner Ereignis fand ohne ihn statt. Sein Netzwerk nutzte er, um Geschäfte zu machen. Von der Stadt Köln über den Kölner Erzbischof bis zum Verleger Alfred Neven-Dumont – sie alle hatten ein Bankkonto beim Iwan dem Großen. </p>
<p>Übernommen hatte er die Bank 1955, für ihn ein Lebenstraum. Das Geld dafür kam unter anderem von seinem Freund Hans Gerling, Eigentümer des gleichnamigen Versicherungskonzerns. Unter Iwan Herstatt entwickelte sich die Bank zur größten Privatbank Deutschlands, mit starkem Fokus auf Außenhandelsgeschäfte. Diese Geschäfte waren der Grund dafür, dass die Devisenhändler, also die Goldjungs, so wichtig waren für die Bank. Denn wenn Unternehmen im Ausland handeln, sichern sie sich oft gegen schwankende Wechselkurse ab. </p>
<p>11 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Ein ganz einfaches Beispiel kann man sich wie folgt vorstellen: Angenommen, es gibt einen Exporteur, der hat einen Vertrag abgeschlossen über die Lieferung einer Ware. Er weiß, dass diese Ware in einem oder zwei Monaten bezahlt wird. Er fakturiert in, sagen wir US-Dollar, so dass er also heute nicht genau weiß, was werden dann diese US-Dollar dann wert sein, wenn die Bezahlung der Rechnung erfolgt. Und deswegen geht er zur Bank und vereinbart mit der Bank heute einen festen Wechselkurs für die Dollarzahlung, die erst in einem Monat, dann tatsächlich erfolgt. Das nennt man ein Devisentermingeschäft. Und damit hat er das Wechselkursrisiko vom Unternehmen auf die Bank übertragen. Und die Bank muss natürlich ihrerseits dann sich überlegen, ob sie selber dieses Wechselkursrisiko trägt oder ob sie sich wiederum entsprechend dagegen absichert. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zum Beispiel indem sie ihrerseits ein Devisentermingeschäft mit einer Bank abschließt. Diese Geschäfte nahmen mit dem Ende von Bretton Woods stark zu, nicht nur bei Herstatt, sondern bei den meisten Banken. Aber die Goldjungs waren dennoch etwas Besonderes. Das lag auch an Dany Dattel, Chef der Devisenabteilung. </p>
<p>12 O-TON (Klüh)</p>
<p>Er hatte auch ein spannendes Team, und hat mit diesem Team mit modernsten Computern gearbeitet. Das war alles sehr futuristisch und das hat die Leute fasziniert.</p>
<p>Musik:  Ballet 0‘45</p>
<p>Atmo Computer</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Raumstation Orion“ nannte man die Handelsräume der Goldjungs, nach der gleichnamigen Science-Fiction-Serie, die damals populär war. Sie telefonierten mit New York, machten Geschäfte mit London, schoben per Knopfdruck Millionen hin und her. Die Kölner Herstatt Bank war Teil der schillernden Finanzwelt und korrespondierte mit der Chase Manhattan genauso wie mit der sowjetischen Narodny Bank. Ein aufregendes Geschäft, das so ganz anders war als die traditionellen Bankgeschäfte, die bald als langweilig, als „boring“ galten. </p>
<p>13 O-TON (Klüh)</p>
<p>Es ist einfach so, dass bis in die 60er Jahre hinein Banken, vor allem in Deutschland, aber auch weltweit, sich beschränkt haben auf ganz einfache Geschäfte, langweilige Geschäfte. Deswegen Boring Banking. Sie haben die Ersparnisse von Leuten verwaltet auf der einen Seite, und andererseits haben sie Kredite vergeben an die lokale Wirtschaft. Und es war ein relativ einfaches Geschäft, weil die Zinsen auch oft vom Staat festgelegt wurden. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ganz anders beim Währungshandel. Hier setzte man zum Beispiel darauf, dass der Dollar steigt oder fällt. Und weil das wegen der starken Schwankungen zunächst große Gewinne abwarf, spekulierten in der Herstatt Bank bald alle mit. </p>
<p>14 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Was dann in der Bank passierte, ist, dass man offensichtlich im ersten Schritt sich nicht mehr vollständig gegen diese Dollargeschäfte, die man mit Kunden gemacht hat, abgesichert hat, aber darüber hinaus wohl dann auch angefangen hat, unabhängig von Kundengeschäften, Eigenhandel zu betreiben und gegen den Dollar sozusagen zu spekulieren. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Rückblickend läuteten diese neuartigen Finanzgeschäfte eine neue Epoche ein, sagt Ulrich Klüh.</p>
<p>15 O-TON (Klüh)</p>
<p>Mit der Möglichkeit zu spekulieren, ist das Bankwesen ganz anders geworden. Nicht nur das Bankwesen, sondern das Finanzwesen insgesamt. Man kann sogar sagen, dass sich eine ganz neue Art von Kapitalismus entwickelt hat. Dass der Kapitalismus bis Anfang der 70er Jahre ein langweiliger, auf die Realwirtschaft, auf die normalen Unternehmen fokussierter Kapitalismus war, der Kapitalismus seit Anfang der 70er Jahre sich immer mehr zu einem Finanzmarktkapitalismus entwickelt hat. Und damit ist dann auch eine Abkehr vom langweiligen Banking verbunden. Die Banken machen ganz andere Sachen. Sie engagieren sich mit neuen Finanzprodukten, die sehr viel riskanter sind insbesondere. </p>
<p>Musik: Dry and neutral (reduziert) 0‘45</p>
<p> Financial supermarkets 0‘8</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wobei es auch damals schon Menschen gab, die vor den hohen Risiken dieser Geschäfte warnten. Zum Beispiel die internen Revisoren der Herstatt Bank. Aber so lange die Goldjungs Gewinne machten, wurden die Warnungen beiseite gewischt. Kritiker galten auf der Raumstation Orion als Spielverderber. Die Währungs-Party war wohl einfach zu schön. Aber irgendwann ging es dann eben schief. Die Goldjungs verspekulierten sich. Sie setzten auf einen steigenden Dollar, aber er fiel – es kam zu großen Verlusten. Wann genau wie viele Schulden aufliefen, ist nicht ganz klar, denn nicht alle Verluste wurden ordnungsgemäß in der Bilanz ausgewiesen. Christoph Kaserer:</p>
<p>16 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Von den Jahren 71 bis 73 hat die Devisenabteilung erhebliche Gewinne erwirtschaftet. Wobei im Nachhinein man davon ausgehen muss, dass die Gewinne von 1973 eigentlich keine Gewinne waren, sondern die wurden sozusagen fingiert. Bestimmte Geschäfte sind nicht verbucht worden. Und wären diese Geschäfte ordnungsgemäß verbucht worden, dann wäre vermutlich – weiß man jetzt nicht ganz genau – aber man kann davon ausgehen, dass man wahrscheinlich schon 1973 Verluste erzielt hätte. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gerüchte machten die Runde. Denn auch den Währungshändlern der anderen Banken fiel auf, wie hoch der Einsatz der Goldjungs war. Das wurde auch der deutschen Aufsicht zugetragen.</p>
<p>17 O-TON (Klüh)</p>
<p>Die Bundesbank hatte tatsächlich schon relativ früh gesteckt bekommen, und zwar aus London, dass da ihre Kölner Bank ein ziemlich großes Rad dreht und große Risiken eingeht. Aber die Bundesbank und die Bankenaufsicht, die waren nicht in der Lage, diese Informationen zu verwerten und dann einzugreifen.</p>
<p>Musik: Wrong 0‘16</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Misstrauen breitete sich in der Bankenbranche aus. Weil nicht klar war, wie es um Herstatt steht, reduzierten andere Banken ihre Geschäfte mit den Kölnern. Dadurch verschlechterte sich deren Lage weiter.</p>
<p>18 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Das war letztlich sozusagen der letzte Auslöser für die Pleite –, dass sich die anderen Banken geweigert haben, mit Herstatt so Kursabsicherungsgeschäfte abzuschließen. So dass also Herstatt sich gar nicht mehr von diesen Risiken lösen konnte, weil sie keine Partner mehr gefunden haben, die ihnen diese Devisenrisiken abgenommen haben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mitte Juni meldete Herstatt einen Verlust von rund einer halben Milliarde D-Mark – ein Vielfaches des Eigenkapitals der Bank. In den folgenden Tagen versuchte Bundesbank-Chef Karl Klasen eine Rettung zu organisieren. Es gab Gespräche mit Vertretern des Gerling-Konzerns und auch mit den Großbanken, der Dresdner, der Deutschen und der Commerzbank. Ohne Erfolg. </p>
<p>19 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Niemand war dann bereit, diese Bank zu retten. Und auch Gerling konnte das nicht mehr bewerkstelligen. Dann war es zu spät und das war dann der Auslöser dafür, dass es gar keinen anderen Weg mehr gegeben hat, als die Bank zu schließen. </p>
<p>Musik: Secret proofs red. 0‘43</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Am 26. Juni 1974 entzog die damalige Aufsicht, das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, Herstatt die Banklizenz. Die Bank musste alle Zahlungen einstellen. Wer konnte, brachte vorher noch schnell sein Geld in Sicherheit. Darunter waren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Herstatt, aber auch andere Banken, die Wind von der Schließung bekommen hatten, wie die Chase Manhattan. Die meisten Sparerinnen und Sparer standen am nächsten Morgen allerdings vor verschlossenen Türen. </p>
<p>20 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Die Privatkunden waren natürlich die letzten, die dann reagiert haben. Dann war es auch schon zu spät.</p>
<p>Musik: Z8037260119 Incorrectness 0‘ 24</p>
<p>Atmo: Menge</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vor mehreren Filialen von Herstatt gab es Tumulte.</p>
<p>21 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Zunächst mal gibt es Panik, weil niemand weiß, wie viel Geld kriegt er zurück. Und wenn natürlich die Menschen dann auf der Straße stehen und versuchen in die Bank zu kommen, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, hat das natürlich eine politische Dimension. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine aufgeregte politische Debatte folgte – und natürlich kam die Frage auf: Wer ist schuld an der Pleite? Iwan Herstatt schob auf einer Pressekonferenz Anfang Juli jede Verantwortung von sich. Er habe von den enormen Summen, mit denen spekuliert wurde, nichts gewusst. </p>
<p>22 O-TON (Iwan Herstatt)</p>
<p>Ich bekam jeden Abend die Tagesmeldung und da interessierte ich mich dafür, wie der Saldo war. Der war niemals höher als 25 Millionen. Das war also alles in Ordnung.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Über viele Monate gab es eine öffentliche Schlammschlacht mit Schuldzuweisungen und Verleumdungen. Dabei ging es auch darum, wer Entschädigungen zahlen muss. Das wurde auch im Bonner Bundestag diskutiert. Dort meinte der Unionspolitiker Rudolf Sprung: </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>In diesem traurigen Fall (…) hat sich keiner der Beteiligten, weder die Bundesbank, noch das Bundesaufsichtsamt, noch die Großbanken, noch die Großgläubiger, mit Ruhm bekleckert. Geradezu als skandalös aber muß das Verhalten, Finassieren und Taktieren des Aufsichtsratsvorsitzenden und Mehrheitsaktionärs des Instituts, Hans Gerling, bezeichnet werden. </p>
<p>Musik: Serious affair red. 0‘39</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gerling war mit mehr als 80 Prozent der Anteile Hauptaktionär der Herstatt Bank. Allerdings verwies Gerling auf die Verantwortung der Großbanken, die seiner Meinung nach bei der Rettung von Herstatt versagt hätten. Die Großbanken hielten dagegen und meinten, dass Gerling die Sparerinnen und Sparer entschädigen müsse. Jürgen Ponto, damals Vorstandssprecher der Dresdner Bank, ließ sich im „Spiegel“ mit den Worten zitieren:</p>
<p>ZITATOR 2</p>
<p>Zur Not muss Frau Gerling ihren Schmuck verkaufen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Viele zeigten damals aber auch auf Dany Dattel, schließlich war er der Chef der Goldjungs. </p>
<p>23 O-TON (Klüh)</p>
<p>Wovor man warnen muss, ist, das zu tun, was dann nach der Krise häufig passiert ist, ihm die ganze Schuld an der Krise zuzuschreiben. Es war nämlich so, dass diese Krise durchaus auch Konsequenz war des Drucks, der von der Geschäftsleitung und von den Eignern der Bank ausging, wirklich viel zu spekulieren und Gewinn zu machen in diesen Bereichen. So eine Krise ist immer ein System-Versagen. Eine Krise ist nie nur die Verantwortung eines Einzelnen. Zum System gehören hier die Chefs vom Dany Dattel, die Eigner der Bank, auch die Aufsicht, die eben nicht genug aufgepasst hat und nicht stark genug interveniert hat.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Weshalb es nach der Herstatt Pleite eine ganze Reihe von rechtlichen und organisatorischen Änderungen in der Bankenbranche gab. Zum Beispiel ist das Kreditwesengesetz verschärft worden. Und auch für die privaten Sparer und Sparerinnen änderte sich etwas Grundlegendes.</p>
<p>24 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Das Allerwichtigste ist, dass es dann 1975 zur Einführung einer allgemeinen Einlagensicherung kam, die es ja bis heute noch gibt. Das ist die Einlagensicherung der Privatbanken. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bis 100.000 Euro sind heute alle Spar-Guthaben geschützt. Zur Zeit der Herstatt Pleite gab es lediglich den sogenannten Feuerwehrfonds.</p>
<p>25 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Das war eine Art freiwillige Einlagenversicherung, die Bankeinlagen bis zu 20.000 D-Mark abgesichert hat. Also bis dorthin gab es gar keine Verluste.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wer mehr als 20.000 D-Mark bei Herstatt auf dem Sparkonto hatte, musste allerdings Abstriche machen. </p>
<p>26 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Im Großen kann man sagen, dass die Sparer etwas über 80 Prozent ihrer Gelder wiederbekommen haben. Und bei den Banken und Kommunen waren es etwas über 70 Prozent.</p>
<p>Musik:  Obscure intrigue 0‘35</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Geld, das an die Gläubiger verteilt wurde, stammte aus mehreren Quellen: dem restlichen Vermögen der Herstatt Bank, dem privaten Vermögen von Iwan Herstatt – er war persönlich haftender Gesellschafter – und von Hans Gerling, der dafür – nein, nicht den Schmuck seiner Frau –, sondern 51 Prozent der Anteile seiner Versicherungs-Holding verkaufte. </p>
<p>Daneben gab es eine Reihe von Gerichtsprozessen. Bis 2006, also 22 Jahre nach der eigentlichen Pleite, zogen sie sich hin. Warum so lange?</p>
<p>27 O-TON (Kaserer)</p>
<p>Ein Grund war auch die Tatsache, dass das die Gläubiger, insbesondere die Sparer, auch noch versucht haben, die Bundesrepublik Deutschland, also die Aufsichtsbehörde letztlich, in die Haftung zu nehmen, was dann eben nicht gelungen ist. Aber schon allein das war ein Gerichtsverfahren, das sich viele Jahre hingezogen hat.</p>
<p>Musik: Still waiting red. 0‘52</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Daneben wurde Dany Dattel und Iwan Herstatt persönlich der Prozess gemacht. Wobei Dany Dattel schnell für schuldunfähig erklärt wurde. Er war als Kind im Vernichtungslager Auschwitz und litt seitdem unter dem sogenannten KZ-Syndrom, das mit schweren posttraumatischen Störungen verbunden ist. Iwan Herstatt wurde zunächst zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde allerdings wieder aufgehoben und in zwei Jahre Haft auf Bewährung umgewandelt. Ein Grund für die mildere Strafe war, dass er unter dem sogenannten Pickwick-Syndrom litt. Betroffene dieses Syndroms haben schwerwiegende Probleme mit der Atmung, was unter anderem zur Folge hat, dass sie plötzlich einschlafen. </p>
<p>Das alles wurde in der damaligen Öffentlichkeit breit diskutiert und kommentiert. Weitgehend ausgeblendet wurde in der Debatte, dass es auch in anderen Ländern Banken-Pleiten gab.</p>
<p>28 O-TON (Klüh)</p>
<p>Wir in Deutschland denken immer, es war die Herstatt-Krise, aber in Wirklichkeit war es die erste globale Bankenkrise. Es war so, dass überall spekuliert wurde auf einmal und überall die Aufsicht darauf nicht vorbereitet waren und überall nicht genug Regulierung war, und eben dieser Switch von der einen Art des Kapitalismus zur neuen Art des Kapitalismus mit einer Krise einherging.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber so dramatisch die Herstatt-Pleite damals auch war – aus heutiger Sicht bot sie nur einen Vorgeschmack auf das, was danach kam.</p>
<p>29 O-TON (Klüh)</p>
<p>Ich würde sagen, das sind Vorboten dessen, was dann später in viel größerem Umfang passiert ist. Die ist sozusagen der Beginn einer Entwicklung, wo dann immer mehr dereguliert wird, immer mehr Abkehr vom Boring Banking passiert, immer mehr Finanzmarktkapitalismus gemacht wird. Und insofern ist es so ein Vorbote. Danach, über mehrere Jahrzehnte, wird das weiter intensiviert und das Ganze kulminiert dann, hat seinen Höhepunkt in der Krise von 2008, die dann das Ende erstmal darstellt dieser verrückten Phase des Finanzmarktkapitalismus. Den haben wir zwar immer noch nicht ganz überwunden, aber danach wurde das System wieder stärker reguliert.</p>
<p>Musik:  Media rumors 0‘26</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Weshalb man am Ende festhalten kann: Die Pleite der Herstatt-Bank war zwar die erste in der Geschichte der Bundesrepublik – aber noch lange nicht die letzte.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Versöhnung und Versöhnlichkeit - Wie kann man Wut und Hass beenden?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/versoehnung-und-versoehnlichkeit-wie-kann-man-wut-und-hass-beenden/2107103</link>
      <pubDate>Tue, 01 Jul 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">70adfca1-82b1-4f9c-8303-a032dfd747f5</guid>
      <description>Wir leben in unversöhnlichen Zeiten. Polarisierung, Feindseligkeit und Aggression prägen die politischen und gesellschaftlichen Debatten. Es gibt kaum noch Themen ohne unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten. Wie schaffen wir es, versöhnlicher zu sein? Von Claudia Heissenberg (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22179072" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107103/c/feed/versoehnung-und-versoehnlichkeit-wie-kann-man-wut-und-hass-beenden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:06</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Heissenberg</itunes:author>
      <itunes:summary>Wir leben in unversöhnlichen Zeiten. Polarisierung, Feindseligkeit und Aggression prägen die politischen und gesellschaftlichen Debatten. Es gibt kaum noch Themen ohne unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten. Wie schaffen wir es, versöhnlicher zu sein? Von Claudia Heissenberg (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/1aaff84c-cf56-463b-8b44-8ef88b4d8239.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wir leben in unversöhnlichen Zeiten. Polarisierung, Feindseligkeit und Aggression prägen die politischen und gesellschaftlichen Debatten. Es gibt kaum noch Themen ohne unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten. Wie schaffen wir es, versöhnlicher zu sein? Von Claudia Heissenberg (BR 2025)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autorin dieser Folge: Claudia Heissenberg<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Susanne Schroeder, Christian Baumann<br/>Technik: Andreas Lucke<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Michael Quante, Professor für praktische Philosophie an der Universität Münster<br/>Hans-Georg Soeffner, Soziologe und Mitbegründer des Bonner Zentrums für Versöhnungsforschung<br/>Saba-Nur Cheema, Politologin und Publizistin<br/><br/><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Was uns tröstet - Kraft in der Krise<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-uns-troestet-kraft-in-der-krise/bayern-2/12267045/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/frieden-persoenliche-sehnsucht-politische-utopie/bayern-2/10826957/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Saba-Nur Cheema, Meron Mendel, Muslimisch-jüdisches Abendbrot – Das Miteinander in Zeiten der Polarisierung, Verlag Kiepenheuer&amp; Witsch, 2024, ISBN: 978-3-462-00742-8</p>
<p>Michael Quante, Erzsébet Rózsa (Hrsg.), Vermittlung und Versöhnung: Die Aktualität von Hegels Denken für ein zusammenwachsendes Europa. LIT-Verlag 2001. </p>
<p>Hans-Georg Soeffner, Esther Gardei, Michael Schulz (Hrsg.), Versöhnung – Theorie und Empirie. Bonn University Press. ISBN: 976-3-8471-1588-5</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:</p>
<p>ARD Audiothek | Radiowissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-versoehnung-und-versoehnlichkeit-gesellschaft-philosophie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Sonnenschutz für die Haut - Wie wirken UV-Filter?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/sonnenschutz-fuer-die-haut-wie-wirken-uv-filter-1/2038885</link>
      <pubDate>Mon, 30 Jun 2025 03:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c2859731-2a57-418d-b28b-9cd1ce8d6e1c</guid>
      <description>Sonnenschutzmittel schützen unsere Haut mit UV-Filter. Einige wandeln die UV-Energie in Wärme um, andere wirken wie kleine Spiegel und reflektieren das Sonnenlicht. Inzwischen sind Sonnenschutzmittel eine Wissenschaft für sich. Autorin: Katrin Kellermann (BR 2023)</description>
      <enclosure length="21695616" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2038885/c/feed/sonnenschutz-fuer-die-haut-wie-wirken-uv-filter-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:35</itunes:duration>
      <itunes:author>Katrin Kellermann</itunes:author>
      <itunes:summary>Sonnenschutzmittel schützen unsere Haut mit UV-Filter. Einige wandeln die UV-Energie in Wärme um, andere wirken wie kleine Spiegel und reflektieren das Sonnenlicht. Inzwischen sind Sonnenschutzmittel eine Wissenschaft für sich. Autorin: Katrin Kellermann (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/94bc5b8b-f1ba-4d28-9e1e-468524446f04.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sonnenschutzmittel schützen unsere Haut mit UV-Filter. Einige wandeln die UV-Energie in Wärme um, andere wirken wie kleine Spiegel und reflektieren das Sonnenlicht. Inzwischen sind Sonnenschutzmittel eine Wissenschaft für sich. Autorin: Katrin Kellermann (BR 2023)</p><p><strong>Credits<br/></strong>Autorin dieser Folge: Katrin Kellermann<br/>Regie: Axel Wostry<br/>Es sprachen: Julia Fischer, Hans-Jürgen Stockerl<br/>Technik: Susanne Herzig<br/>Redaktion: Matthias Eggert</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-sonnenschutz-fuer-die-haut-uv-filter-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Carola Berking (Professorin; Dr.; med. Oberärztin, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München);<br/>Heinz Langhals (Professor; Dr.; Organische und makromolekulare Chemie, LMU München);<br/>Sebastian Lorenz (Dr.-Ing.; Physiker BfS);<br/>Cornelia Baldermann (Dr.; Bundesamt für Strahlenschutz)</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Die Haut - Empfindliche Schutzbarriere<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-haut-empfindliche-schutzbarriere/bayern-2/82421220/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Hautveränderungen - Muttermal, Altersfleck, Warzen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hautveraenderungen-muttermal-altersfleck-warzen/bayern-2/92832512/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hexen - Die Geschichte von Angst, Folter und Mord</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hexen-die-geschichte-von-angst-folter-und-mord/2093949</link>
      <pubDate>Mon, 30 Jun 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e6b800bb-763c-4cd5-8d20-29051fa8439d</guid>
      <description>Für viele Menschen sind Hexen auch heute real. US-Forscher fanden bei einer Befragung in 95 Ländern heraus, dass mehr als 40 Prozent glauben, dass böse Hexen anderen schaden können. Im frühneuzeitlichen Europa fielen Schätzungen zufolge Zehntausende Frauen den Hexenverfolgungen zum Opfer. Autorin: Claudia Steiner (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22557696" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093949/c/feed/hexen-die-geschichte-von-angst-folter-und-mord.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Für viele Menschen sind Hexen auch heute real. US-Forscher fanden bei einer Befragung in 95 Ländern heraus, dass mehr als 40 Prozent glauben, dass böse Hexen anderen schaden können. Im frühneuzeitlichen Europa fielen Schätzungen zufolge Zehntausende Frauen den Hexenverfolgungen zum Opfer. Autorin: Claudia Steiner (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0ebee62c-1ae3-49c4-868f-4649003c5523.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Für viele Menschen sind Hexen auch heute real. US-Forscher fanden bei einer Befragung in 95 Ländern heraus, dass mehr als 40 Prozent glauben, dass böse Hexen anderen schaden können. Im frühneuzeitlichen Europa fielen Schätzungen zufolge Zehntausende Frauen den Hexenverfolgungen zum Opfer. Autorin: Claudia Steiner (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Gudrun Skupin<br/> Technik: Christine Frey<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Stefan Eisenhofer, Kurator im Museum Fünf Kontinente. <br/>Gertrude Nkrumah, Historikerin und Gender-Forscherin an der University of Education in Winneba in Ghana.  <br/>Dr. Sarah Rafajlovic, Ethnologin, Ann-Christine Woehrl, Fotografin.  <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Hexer und Heiler - Eine Schattengeschichte der Deutschen</strong><br/>Deutschland 1949 - Im Gründungsjahr der Bundesrepublik geschieht Ungeheuerliches: Die Menschen fürchten den Weltuntergang, Zehntausende ziehen Wunderheilern hinterher. Sie glauben an Hexen und Verschwörungen. Eine Reise in die Schattengeschichte der Nachkriegszeit. <br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hexer-und-heiler-eine-schattengeschichte-der-deutschen/bayern-2/94499940/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Das Verbrechen lauert überall – auch zwischen Mensch und Tier. &quot;Wild Crimes&quot; liefert packende Storys von True Crime im Tierreich. In Staffel eins erzählen wir euch vom &quot;Problembären&quot; Bruno. Der war erst bei uns willkommen, dann wurde er gejagt und getötet. Wie kam es zu dieser dramatischen Wende? Wer hat ihn abgeschossen? Und war es gerechtfertigt, ihn zu töten?<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wild-crimes/13388789/"> JETZT ENDTECKEN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sie fliegen auf Besen, tanzen um Feuer, haben feuerrote Haare und schwarze Katzen, Kontakt zu Geistern und sogar dem Teufel, dem sie den Hintern küssen, um sich dann mit ihm zu vermählen. </p>
<p>MUSIK kurz hochkommen lassen </p>
<p>Sie praktizieren magische Rituale, murmeln Zaubersprüche und können mit ihren übernatürlichen Kräften anderen schaden: Hexen. </p>
<p>MUSIK hochkommem </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die meisten denken vermutlich sofort an Hexenverbrennungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Doch der Glaube an Hexerei und die Angst davor sind kein Phänomen der Vergangenheit. Für viele Menschen sind Hexen real – auch im 21. Jahrhundert. </p>
<p>MUSIK:  Evil forest 0‘22</p>
<p> The dark lord 0‘52</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Forschungsteam der American University in Washington befragte mehr als 140.000 Menschen in 95 Ländern. Demnach glauben mehr als 40 Prozent, dass Hexen anderen Leid zufügen können. Die Studie ergab, dass der Glaube an die dunkle Macht von Hexen vor allem in Ländern mit schwachen Institutionen, geringem sozialen Vertrauen und geringer Innovationskraft präsent ist. Besonders verbreitet ist der Hexenglaube zum Beispiel in Marokko, Tunesien, Tansania und Kamerun, Mittel- und Südamerika, dem Nahen Osten und Russland. Auch in Teilen Ghanas werden immer wieder Frauen als Hexen diffamiert, verstoßen, bedroht oder sogar getötet. Die Historikerin und Gender-Forscherin Gertrude Nkrumah unterrichtet an der University of Education in Winneba in Ghana (Aussprache bei &quot;Hexen iXm6011_00003 Gertrude Nkrumah Historikerin und Genderforscherin Ghana&quot; in „Wissen und Forschung“ 0.34 Sek).  </p>
<p>O-TON 1 (Gertrude, 3, 3.34 The point …. about it, 4.48 Usually … chicken) – Overvoice </p>
<p>Was ich betonen möchte, ist, dass es solche Vorkommnisse nur in bestimmten Regionen Ghanas gibt. Die meisten Menschen in Ghana aber wissen darüber kaum etwas. / Normalerweise ist es so, wenn eine Person beschuldigt wird, über Hexenkräfte zu verfügen, dann wird die Person in ihr Dorf gebracht, wo mit besonderen Ritualen versucht wird herauszufinden, ob die Frau eine Hexe ist oder nicht, zum Beispiel indem man ein Huhn schlachtet.  </p>
<p>MUSIK: Secret proofs red 0‘27</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Bei dem Ritual wird einem Huhn die Kehle durchschnitten. Die Art, wie der Vogel nach seinem Tod auf der Erde liegt, entscheidet dann darüber, ob es sich bei der beschuldigten Frau um eine Hexe handelt oder nicht. Manchmal findet auch eine Beschau der Eingeweide des Tieres statt. Die deutsch-französische Fotografin Ann-Christine Woehrl porträtierte in der abgeschiedenen Northern Region Frauen, die als Hexen bezichtigt werden. In ihrer Schau mit dem Titel „Witches in Exile“ – also Hexen im Exil – 2023/24 im Museum Fünf Kontinente in München porträtiert sie Frauen, die in sogenannten Witch Camps leben - das sind einfache Dörfer, in denen ausschließlich Frauen leben, die als Hexen stigmatisiert werden. Ann-Christine Woehrl: </p>
<p>O-TON 2 (2 Woehrl, 00.48) </p>
<p>Alle Frauen tragen natürlich das gleiche Schicksal, dass sie meist lebenslänglich aus ihren Dörfern, also Dorfgemeinschaften und Familien, ausgegrenzt wurden und Zuflucht in einem sogenannten Witch Camp gefunden haben. Und insofern ist natürlich das Schicksal, was sie da tragen, die sind da schon auch sehr gezeichnet davon.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Manchmal haben die Frauen noch Kontakt zu ihren Familien, oft aber sind sie ganz auf sich alleine gestellt. Sie bestellen ein kleines Feld oder klauben auf Märkten Körner zusammen, die auf den Boden gefallen sind. Andere Menschen fürchten sich vor ihren vermeintlich bösen Kräften und meiden sie. Die Frauen selbst sehen sich nicht als Hexen, sagt Ann-Christine Woehrl: </p>
<p>O-TON 3 (2, Woehrl, 01:40)</p>
<p>Von den Frauen, die ich dort getroffen hat, hat keine von sich behauptet, dass sie eine Hexe sei, aber grundsätzlich das Phänomen haben sie nicht in Frage gestellt. Ich habe ganz konkret auch die Frage damals gestellt: Siehst du dich als Hexe? Und alle haben gesagt: Nein, ich wurde falsely accused. Aber ich glaube, um die Existenz von Witches, von Hexen, daran wird gar nicht gezweifelt, dass es die gibt, weil eben dieser Glaube so verankert ist.  </p>
<p>MUSIK:  Nocturnal research red. 0‘25</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es gibt in Ghana auch den Glauben an Hexer, also Männer, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Doch für Männer ist dieses Label meist nicht so gefährlich, sagt Gertrude Nkrumah: </p>
<p>O-TON 4 (3, Gertrude, ca 10.48, Mostly … protection) Overvoice  </p>
<p>Meistens denken Menschen, dass auch Männer über Hexenkräfte verfügen können, aber sie glauben, sie nutzen es für Gutes, anders als Frauen. Meiner Ansicht nach ist das vor allem deshalb so, weil Frauen in einer verletzlicheren Position sind. Es ist leichter, sie zu beschuldigen, besonders wenn sie keinen Schutz haben.   </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Oft treffen die Vorwürfe die Schwächsten der Gesellschaft. Je nach Land, Region und gesellschaftlicher Situation werden neben Frauen auch marginalisierte Gruppen wie Waisen, mittellose, junge Männer oder Menschen mit Albinismus an den Pranger gestellt. Doch wie kommt es, dass jemand als Hexer oder Hexe bezichtigt wird? Die Frauen in Ghana erzählen, dass manchmal Neid und Missgunst eine Rolle spielen. Teilweise werden die Frauen auch für Krankheiten, Epidemien, Unfälle, Dürren oder Todesfälle verantwortlich gemacht. Meist sind die Ankläger keine Unbekannten. Die Fotografin Christine Woehrl:  </p>
<p>O-TON 5 (2, Woehrl, 5.05) </p>
<p>Oft sind es aber natürlich auch Familienmitglieder, die diese Frauen anklagen. (…) Also es ist ja oft auch ein Thema in der polygamen Gesellschaftsstruktur, dass natürlich eine Frau auch von einer Rivalin verstoßen wird oder sie eine Traumerscheinungen hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine Frau aus dem Witch Camp erzählte Ann-Christine Woehrl zum Beispiel, dass die Zweitfrau ihres Mannes sie beschuldigt habe, für die Krankheit ihres Sohnes verantwortlich zu sein. Die erste Ehefrau wurde daraufhin als Hexe verstoßen und musste das Dorf verlassen. Die Zweitfrau aber stieg dadurch gesellschaftlich auf und wurde zur Hauptfrau. </p>
<p>MUSIK:  Dark figures 0‘47</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der ghanaischen Gesellschaft ist der Glaube an Hexen tief verankert. Die Frauen dienen als Sündenböcke für Probleme. Indem vermeintliche Hexen verstoßen und vertrieben werden, sollen Konflikte zum Beispiel im Dorf gelöst werden. Für die geächteten Außenseiterinnen können die Anschuldigungen fatale Folgen haben: 2020 machte in Ghana die Ermordung von Akua Denteh Schlagzeilen (Aussprache: https://www.youtube.com/watch?v=my8AQYLXyww Aussprache des Namens bei 00.10). Die als Hexe diffamierte 90-Jährige wurde auf der Straße erschlagen – eine Gruppe von Menschen beobachtete die Tat. Videos des Mordes landeten in den sozialen Medien. Dies veranlasste die Regierung dazu, gegen Hexenverfolgung und Hexenanklagen vorzugehen. Die beiden Haupttäterinnen wurden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Inzwischen gibt es Bestrebungen, die Verfolgung von Hexen als Straftatbestand zu etablieren, sagt Stefan Eisenhofer, Kurator der Ausstellung im Museum Fünf Kontinente. Doch der Weg der ghanaischen Regierung dahin ist nicht einfach:  </p>
<p>O-TON 6 (4, Eisenhofer, 6.06) </p>
<p>Wenn die sagen, wir folgen vielen Menschen der eigenen Bevölkerung, für die Hexerei eine soziale Realität ist und die das als integralen Bestandteil auch vom Gerechtigkeitsempfinden und Strafverfolgung sehen, damit kicken sich die afrikanischen Staaten sozusagen aus der Weltengemeinschaft der anderen Staaten aus. Wenn sie dann aber Hexerei für nicht existent betrachten, dann hat man zum Teil aus der eigenen Bevölkerung Gegenwind, weil die sagen: Ja, ihr folgt wieder europäischen, kolonial-zeitlichen Vorgaben und tretet auf afrikanischem Kulturerbe mit Füßen herum. </p>
<p>MUSIK:  Deserted and destroyed (reduziert) 0‘38</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es gibt afrikanische Länder, in denen die Kolonialgesetzgebung weiter besteht, die Hexerei schlicht als nicht existent betrachtet. Doch Gesetze helfen wenig, wenn es um Angst geht. Erfolgreicher sind zum Beispiel Ansätze von Pfingstkirchen, in denen der Heilige Geist eine große Rolle spielt. Viele der christlichen Gemeinschaften akzeptieren den Glauben an Hexerei, an die Macht des Bösen und die Kräfte des Teufels. Der Ethnologe Stefan Eisenhofer. </p>
<p>O-TON 7 (Eisenhofer, 4, 16.02) </p>
<p>Und sowohl die Menschen, die sich verhext fühlen, können Zuflucht finden in dieser christlichen Gemeinschaft als auch diejenigen, denen Hexerei vorgeworfen wird, weil dann sozusagen die göttliche Kraft diese Mächte überstrahlt und ja, in den Griff bekommt und aufhebt und ins Positive wenden kann. Also den größten Erfolg haben sozusagen nicht die, die so mit einer europäischen Aufklärungsidee ‚Jetzt müssen die Menschen mal besser gebildet werden, dann erledigt sich das von alleine‘… So einfach ist es offenbar nicht. Oft haben diejenigen größeren Erfolg, die sich so irgendwie in vertrauteren Argumentationsmustern bewegen. </p>
<p>MUSIK:  Foreboding fate 0‘45</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In einigen Ländern wie zum Beispiel Kamerun gilt Hexerei als Tatbestand im Strafgesetzbuch. Hexen, die von Hexenfindern identifiziert werden, drohen langjährige Gefängnisstrafen. In Ghana versuchen Menschenrechtsorganisationen die Bevölkerung mit drastischen Plakaten wach zu rütteln. Es sind Zeichnungen von Frauen, die verfolgt oder geschlagen werden. Die Botschaft lautet: „Auch Du könntest an der Stelle dieser Frau sein“ oder „Das könnte auch deine Mutter sein.“ Ab und an gelingt es durch Verhandlungen mit Dorfgemeinschaften, dass Frauen aus den Witch Camps wieder zu ihren Familien zurückkehren können. Doch manche müssen erneut in das Witch Camp flüchten, weil sie neuen Anschuldigungen oder Verfolgungen ausgesetzt sind. Stefan Eisenhofer betont, dass der Glaube an Hexen in vielen Regionen unabhängig vom Bildungsniveau verbreitet ist. </p>
<p>O-TON 8 (Eisenhofer, 4, 2.04) </p>
<p>Ein anderer wichtiger Punkt ist für mich: Das ist kein Phänomen irgendwelcher rückständiger Gebiete ist (…), sondern dass Hexenglauben auch für viele großstädtische, gebildete Menschen einfach soziale Realität ist. Und das betrifft auch Diaspora-Kreise. Wenn wir jetzt zum Beispiel diese Bilder hier sehen, dann ist es für uns in Mitteleuropa sozialisierte Menschen, erwirkt das ja eher Mitleid, Sympathie, Empathie. Aber es gibt eben auch Menschen, die den Bildern vielleicht skeptischer gegenüberstehen und denken: Na ja, so ganz von ungefähr werden die schon nicht in diesem Hexenlager sein. Und das ist tatsächlich (…) für mich als Ethnologe immer so eine Gratwanderung, weil ich halt vor allem auch vermeiden will, mit dem mitteleuropäischen, urbanen, deutschen Zeigefinger zu zeigen: Wir haben wieder die Weisheit mit Löffeln gefressen. Und jetzt bringen wir dann mal ein bisschen Bildung und unsere Werte und unsere Weltsicht in andere Weltenteile und dann wird alles gut. </p>
<p>MUSIK:  Main title from The name oft he rose 1‘07 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In Europa dauerte es lange, bis Hetzjagden auf vermeintliche Hexen ein Ende fanden. In Deutschland zum Beispiel wurde 1775 die letzte angebliche Hexe umgebracht, in der Schweiz 1782. In den Jahrhunderten zuvor wurden infolge der Inquisition – der kirchlichen Verfolgung – aber auch durch Urteile weltlicher Schöffengerichte Zehntausende Menschen – überwiegend Frauen - qualvoll getötet. Sie starben durch Folter, bei Hexenprüfungen oder auf dem Scheiterhaufen. </p>
<p>MUSIK kurz hoch</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Kirche spielte in dem dunklen Kapitel der europäischen Geschichte eine wichtige Rolle: Der im 13. Jahrhundert lebende Kirchentheoretiker Thomas von Aquin ging davon aus, dass Hexerei wie die Tierverwandlung, Hexenflüge oder Unwetterzauber mit Hilfe des Teufels ausgeführt werden kann. Die römische Kurie ernannte Inquisitoren, die durch Bistümer zogen, um Hexenverfolgungen zu organisieren - so auch der Dominikanermönch Heinrich Kramer. Grundlage vieler Hexenprozesse war sein Werk, ein fast 700 Seiten umfassendes Buch mit dem Namen „Hexenhammer“. Das 1487 erschienene Buch diente als Anleitung zur Überführung und Verurteilung von vermeintlichen Hexen. Die Münchner Ethnologin Sarah Rafajlovic (Aussprache - &quot;Hexen Sarah Rafajlovic iXm6127_00001&quot; bei 0.28 Sek.): </p>
<p>O-TON 10 (Sarah Rafajlovic, 8.03 /11.37) </p>
<p>Der Hexenhammer liefert ein ganzes Spektrum an Dingen, wie man herausfinden kann, ob jemand eine Hexe ist. Da ist auch klar definiert, was Hexe bedeutet und Anweisungen für den Inquisitor sind vorhanden. / Er wurde alleine zwischen dem 16. und dem 17. Jahrhundert 16-mal neu aufgelegt. Das ist für eine Zeit, in der der Buchdruck und das Lesen noch gar nicht so verbreitet waren, richtig viel. Und das hat es auch ermöglicht, dass dieser Glaube zum Beispiel nach Nordamerika exportiert wurde und dass dort auch Hexenpogrome stattfinden konnten.</p>
<p>MUSIK:  Dark activities 0‘20</p>
<p>Atmo Pesttrommel 0‘15</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Hexenverfolgung in Europa fiel in die sogenannte „kleine Eiszeit“, eine Kältewelle mit langen Wintern, schlechten Ernten und Hunger. Auch die Pest wütete. Ihren Höhepunkt erreichten die Hexenprozesse während des Dreißigjährigen Kriegs. Die Frauen dienten als Sündenböcke für Missernten, Schäden, Krankheiten und den Tod. Ihnen wurde vorgeworfen, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben und mit ihm zu buhlen. Überführt wurden sie unter anderem mit der sogenannten „peinlichen Befragung“, gemeint ist Folter, unter der die Beschuldigten Schadenzauber oder Tanzorgien mit dem Teufel gestanden und oft auch weitere Menschen als Hexen beschuldigten, die dann ebenfalls ermordet wurden. Manchmal dienten auch Muttermale dazu, um eine angebliche Hexe zu identifizieren – teilweise in Kombination mit der Nadelprobe, bei der in ein Muttermal gestochen wurde. Floss kein Blut, war die Verdächtige als Hexe entlarvt. Teilweise spielte aber auch nur die Form oder die Körperstelle, an der sich ein Muttermal befand, eine Rolle. Sarah Rafajlovic:</p>
<p>O-TON 11 (Sarah Rafajlovic, 10.05) </p>
<p>Das kann alles sein, das kann auch ein Leberfleck irgendwie in einer seltsamen Form am Rücken oder auf dem Hintern sein, was der Inquisitor quasi als solches definiert. Es gibt verschiedene Dinge, die durch den Hexenhammer als Zeichen einer Hexe gesehen wurden. </p>
<p>MUSIK: Howling moon 0‘42</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine andere Methode, um herauszufinden, ob es sich bei einer Frau um eine Hexe handelte, war die Wasserprobe. Dafür wurden die vermeintlichen Hexen in ein fließendes Gewässer geworfen, teilweise wurden Steine an sie gebunden. Gingen die Frauen unter, war ihre Seele rein, der Vorwurf falsch. Viele Frauen überlebten die Probe aber nicht und ertranken. Wenn die Frauen aber an der Oberfläche trieben, war für die Inquisitoren klar, dass sie mit übernatürlichen Mächten im Bunde standen – diese Frauen landeten auf dem Scheiterhaufen. Sarah Rafajlovic:</p>
<p>O-TON 12 (Sarah Rafajlovic, 8.50) </p>
<p>Man muss sich vorstellen, dass Frauen zu der Zeit mehrere Unterröcke auch anhatten, wo sich Luftpolster bilden konnten, was die logische, rationale Erklärung dafür ist, warum Frauen nicht untergegangen sind. Ich habe in meiner Forschung diese Wasserprobe auch in Südosteuropa gefunden, wo der Magieglaube ambivalent geprägt ist - also weder gut noch böse, sowohl schädlich als auch nützlich. Und da hat man diese Frauen an einem Seil ins Wasser geworfen und hat beide Frauen wieder rausgezogen und beide Frauen haben überlebt - mit dem Unterschied, dass diejenige, der der Hexereivorwurf gemacht wurde, der negativen Magie abschwören musste. Sie durfte aber weiterhin als Heilerin in die Gesellschaft tätig sein.</p>
<p>MUSIK:  Healing process 0‘42</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Als die Schulmedizin in Serbien noch nicht etabliert war - hatten dort Heilerinnen die Funktion von Ärztinnen. Sie kannten sich mit Kräutern aus, wussten, welche Pflanzen bei verschiedenen Beschwerden helfen. Anders als in vielen europäischen Ländern schaffte es die orthodoxe Kirche nicht, die Heilerinnen als Hexen zu diffamieren, sagt Sarah Rafajlovic, die über Frauen, Magie und das Okkulte im post-sozialistischen Serbien promovierte. </p>
<p>O-TON 13 (1, Rafajlovic, 20.54) </p>
<p>Es gab nie ein so großes Erstarken der eigenen Kirche, dass diese Kirche das Bedürfnis gesehen hätte, das irgendwie (…) zu vertreiben. Im Gegenteil - die Regierung hat im 19. Jahrhundert proklamiert, dass Leute, die andere Leute als Hexen diffamieren, vor Gericht gestellt werden. (…) Und das hat dazu beigetragen, dass die traditionelle Magie immer noch vorhanden ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Noch heute gibt es vor allem in ländlichen Regionen sogenannte Babas, denen magische Kräfte nachgesagt werden. Baba bedeutet Großmutter. Hilfesuchende finden die Frauen durch Mund zu Mund-Propaganda. Aufgesucht werden sie bei verschiedensten Problemen und Sorgen, sagt Sarah Rafajlovic: </p>
<p>O-TON 14 (1, Sarah, 21.50) </p>
<p>Auch wenn man glaubt, jemand hätte den bösen Blick über einen gebracht. (…) Der häufigste Grund sind Bettnässen bei Kindern zum Beispiel oder wenn ein Kind viel weint, oder wenn man Eheprobleme hat, dann ist das auch ein Anlaufpunkt oder auch Angst, also grundsätzlich Depressionen und Angstzustände.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In serbischen Städten wiederum gibt es heutzutage Frauen, die sich selbst als Heilerinnen bezeichnen und die auf Basis der traditionellen Magie ein neues Magieverständnis entwickeln, oft angereichert durch esoterische Elemente. Einen ähnlichen Trend gibt es auch in Deutschland. Hier geben selbst ernannte Hexen zum Beispiel auf dem Videoportal TikTok ihr Wissen weiter. Sie posten kurze Clips mit Kerzen, Kristallen und Tarotkarten, erklären Rituale und Sprüche, die gegen Liebeskummer oder auch bei Geldproblemen helfen sollen. Die Frauen sehen sich als gute Hexen, die einen Missstand beheben und ein Problem zum Positiven wenden wollen. </p>
<p>MUSIK: Die kleine Hexe 0‘38</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ende des 19. Jahrhunderts machte „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe die Walpurgisnacht populär. Faust und Mephisto machten sich in dem Werk auf den Weg zum Brocken und trafen unterwegs auf eine Hexe. Die Sagen rund um Hexen nutzt inzwischen der örtliche Tourismusverband. In der Nacht zum 1. Mai strömen viele Menschen – auch wenn sie nicht wirklich an Hexen glauben - auf den „Blocksberg“, den Brocken im Harz, um die Walpurgisnacht zu feiern. Mit Hilfe von gruseligen Masken und Feuern werden böse Geister vertrieben. Benannt ist die Walpurgisnacht übrigens nach der angelsächsischen Benediktinerin Walburga, die im 8. Jahrhundert nach Deutschland kam. Der 1. Mai ist der Tag ihrer Heiligsprechung – mit dem Hexenreigen hat die Ordensfrau nichts zu tun, vielmehr gilt sie als Schutzpatronin gegen schlechte Ernten, Seuchen und böse Geister. </p>
<p>MUSIK:  Waldgebirge 0‘46</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Bild von Hexen war auch lange nach dem Ende der Hexenverfolgung in Europa noch lange negativ geprägt. In vielen Märchen der Gebrüder Grimm, die im 18. Jahrhundert entstanden sind, kommt eine böse Hexe vor. In „Brüderchen und Schwesterchen“ ist zum Beispiel die böse Stiefmutter eine Hexe. Im „Froschkönig“ verwandelt eine Hexe einen Prinzen in einen hässlichen Frosch. Und in „Hänsel und Gretel“ sperrt die Hexe im dunklen Wald Hänsel in einen Käfig ein, weil sie ihn mästen und verspeisen möchte. Sarah Rafajlovic: </p>
<p>O-TON 15 (1, Rafajlovic, 32.44)  </p>
<p>Das fußt immer noch auf der inquisitorischen Hexen-Vorstellung. Das habe ich so auch in der Sagen- oder Märchenwelt in Südosteuropa gefunden. Da gibt es eine Hexe, in Russland heißt die Baba Jaga, in Südosteuropa ist es die Baba Roga, die im Wald in einem Haus wohnt, das auf Hühnerbeinen steht, umzäunt von Menschen-Gebeinen und die quasi auch verirrte Wanderer verspeist oder ihr Unwesen im Wald treibt.</p>
<p>MUSIK: Ein neuer Tag 0‘36</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es hat einige Zeit gedauert, bis Hexen in Geschichten auch gut sein konnten. Mit der „Kleinen Hexe“ im Kinderbuch von Otfried Preußler hat der Leser eher Mitleid, denn sie wird mit ihren 127 Jahren von den anderen, viel älteren Hexen nicht für voll genommen und ausgeschlossen. Auch verbreitet sie keine böse, schwarze Magie, sondern hilft armen Frauen, die im Wald Klaubholz sammeln, rettet einen Ochsen vor dem Schlachter und lässt an Fastnacht zur Freude der Kinder Krapfen regnen. Sarah Rafajlovic: </p>
<p>O-TON NEU 16 (1, Sarah, 33.25) </p>
<p>Es hat sich riesig was verändert, wenn wir gerade Harry Potter anschauen und dann die Entwicklung (…) wie 80er und 90er-Jahre, (…) was so für ‚Coming of age‘ steht, (…) Übergang von der Kindheit und Pubertät, der auch so ein bisschen magisch konnotiert ist, (…) wo das Thema ganz gut passt. Aber das ist (…) nur dadurch möglich, dass dieses Bild romantisiert wurde und dann auch in den 70er und 80er-Jahren positiv umgedeutet wurde. </p>
<p>MUSIK: Dark vision 0‘39 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Glaube an Hexen, Zauberer und Zwischenwesen zieht sich durch alle Kulturkreise und Zeiten. Er prägt Sagen und Erzählungen, oft aber auch den Alltag vieler Menschen, für die Hexen real sind. Der Glaube an Hexen lässt sich nicht einfach verbieten. Denn selbst wenn es entsprechende Gesetze gibt - die Angst von dunklen Mächten ist in vielen Kulturen dennoch tief verwurzelt. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Film Noir - Düsternis auf der Leinwand</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/film-noir-duesternis-auf-der-leinwand/2092923</link>
      <pubDate>Mon, 30 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a744f50d-fd31-4ecf-aff0-a9f02ca78e9a</guid>
      <description>Privatdetektive, die in Geschichten voller Gier, Lust und Mord gezogen werden, in denen gefährliche Frauen die Männer mit ihren Reizen in den Abgrund reißen und die Moral als erstes auf der Strecke bleibt - das ist Film Noir. Kein Genre, eher ein Gefühlszustand, der das US-Kino der 1940er und 1950er Jahre geprägt hat. Von Florian Kummert (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22638720" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092923/c/feed/film-noir-duesternis-auf-der-leinwand.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Florian Kummert</itunes:author>
      <itunes:summary>Privatdetektive, die in Geschichten voller Gier, Lust und Mord gezogen werden, in denen gefährliche Frauen die Männer mit ihren Reizen in den Abgrund reißen und die Moral als erstes auf der Strecke bleibt - das ist Film Noir. Kein Genre, eher ein Gefühlszustand, der das US-Kino der 1940er und 1950er Jahre geprägt hat. Von Florian Kummert (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c58f82e9-82e7-4d6d-8309-862c0be56d2d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Privatdetektive, die in Geschichten voller Gier, Lust und Mord gezogen werden, in denen gefährliche Frauen die Männer mit ihren Reizen in den Abgrund reißen und die Moral als erstes auf der Strecke bleibt - das ist Film Noir. Kein Genre, eher ein Gefühlszustand, der das US-Kino der 1940er und 1950er Jahre geprägt hat. Von Florian Kummert (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Florian Kummert<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Susanne Schroeder, Carsten Fabian<br/> Technik: <br/> Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Paul Duncan, Filmhistoriker und Autor, „Film Noir“ (Taschen Verlag)<br/>Christian Keßler, Filmwissenschaftler und Autor, „Hollywood Blackout“ (Martin Schmitz Verlag)</p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskripte-radiowissen-froschreich-frosch-kroete-salamander-trockenheit-agrochemie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Los Angeles. Die Stadt der Engel wird sie genannt, dabei steckt sie doch voller Teufel und Dämonen. Die Hügel von Hollywood versprechen das ganz große Geld und den ganz großen Ruhm. Und andere Verlockungen flüstern süßes Gift ins Ohr, das einen wie der Gesang der Sirenen ins Verderben stürzt. So wie den Versicherungsvertreter Walter Neff (engl.). </p>
<p>(Musik ausfaden lassen…)</p>
<p>Mit Vollgas rast er durch Downtown L.A., rote Ampeln stoppen ihn nicht, ebenso wenig der Lastwagen, in den er beinahe kracht. Egal, der Mann hat nur ein Ziel: das Büro seiner Versicherung. Mit quietschenden Reifen bringt er das Auto vor dem Gebäude zu stehen. Mühsam schleppt sich Walter Neff über den Bürgersteig durch den Eingang zum Aufzug. Jeder Schritt eine Qual. Dafür sorgen die blutende Wunde und die Pistolenkugel in seiner Schulter. </p>
<p>(SOUND Aufzugtür öffnet sich)</p>
<p>Das Büro ist zu dieser nächtlichen Stunde so gut wie leer. Nur Neffs Schatten zeichnet sich deutlich an der Wand ab, wie ein unheimlicher, stiller Gast, der Walter zu seiner letzten Reise begleitet. Die in dieser Julinacht 1938 vor dem Diktiergerät seines Chefs endet. Walter Neff nimmt das Mikrofon in die Hand und beginnt die Beichte.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Der Versicherungsfall Diedrichson (SPRICH engl, Diidrikksn). </p>
<p>Kein Unfall, sagten Sie? Richtig. </p>
<p>Und Selbstmord auch nicht? Richtig. </p>
<p>Sie meinten Mord. Richtig. </p>
<p>Aber was Ihnen entgangen ist: Ich habe Diedrichson umgebracht. </p>
<p>Ich, Walter Neff, Versicherungskaufmann, 35, ledig, keine sichtbaren Narben. Bis vor kurzem zumindest.</p>
<p>Ja, ich hab’ ihn umgebracht. Es ging um viel Geld und um eine Frau. </p>
<p>Ich habe das Geld nicht bekommen. </p>
<p>Und die Frau auch nicht.  </p>
<p>MUSIK Suite Double Indemnity</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mit diesem Geständnis beginnt „Frau ohne Gewissen“ aus dem Jahr 1944. Regisseur Billy Wilder (AUSSPRACHE: &#39;Billi &#39;Waillde) schuf damit eines der Meisterwerke des so genannten „Film Noir“. Eine abgrundtief schwarze Geschichte über Gier, Lust und Mord, über einen Mann, der einer Frau verfällt, der das große Ding drehen will und am Ende scheitert. </p>
<p>Alles, was Film Noir ausmacht, steckt hier drin. </p>
<p>OTON VOICEOVER PAUL DUNCAN 1</p>
<p>Film Noir is a state of mind. … what noir is about.</p>
<p>Film Noir ist ein Geisteszustand, eine Gefühlslage, die der Frage nachgeht: Kann ich den Menschen, die ich liebe, vertrauen? Allein diese Frage zu stellen, trifft den Kern von Noir. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sagt der britische Filmhistoriker und Film Noir-Experte Paul Duncan (SPRICH: engl. Poohl Dannkn). In mehreren Büchern für den Taschen-Verlag hat er das Phänomen Film Noir untersucht und dabei auch Listen der besten Noir-Filme erstellt. Immer ganz oben dabei ist für ihn „Frau ohne Gewissen“, der den Komödiendarsteller Fred McMurray (SPRICH: engl Mekk&#39;Möhri) in einer für ihn ungewohnten dramatischen Rolle zeigt: Versicherungsvertreter Walter Neff, zu Beginn ein liebenswerter Charmeur, auf den der Abgrund wartet. </p>
<p>OTON VOICEOVER PAUL DUNCAN 2</p>
<p>He’s a bit cheeky… could do, but don’t. </p>
<p>Er ist um keinen Spruch verlegen, witzig, intelligent. Aber er trifft eine Frau, die ihn zur Straße der Verdammnis führt. Soll heißen: Er ist per se kein schlechter Mensch, aber er ist verführbar. Er kann überredet werden. Und so sind wir doch eigentlich alle. Wir treffen auf bestimmte Leute und tun vielleicht Dinge, die gegen unsere Natur sind. Oder Dinge, die wir insgeheim gerne tun würden, aber davor zurückschrecken.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Eigentlich will Walter Neff nur die Autoversicherung eines Kunden verlängern, doch dieser Mister Diedrichson ist nicht zu Hause. Stattdessen trifft er dessen Ehefrau, Phyllis (SPRICH engl, Fillis, Betonung vorne), gespielt von Barbara Stanwyck (&#39;Bahrbre &#39;Stännwikk (S=scharf, w=engl.), mit blonder Perücke, Goldkettchen am Fußknöchel, und einem durchdringenden, selbstbewussten Blick. Ein Blick, für den Walter zum Mörder wird. Gemeinsam mit Phyllis arbeitet Walter einen perfiden Plan aus, den scheinbar perfekten Mord. Dazu jubelt er dem Ehemann eine Lebensversicherung unter. Die schüttet im seltenen Fall eines Eisenbahnunglücks die doppelte Versicherungssumme aus, eine „double indemnity“, wie der Film im englischen Original heißt. Also muss Diedrichson bei einer Bahnreise sterben, scheinbar durch einen eindeutigen Unfall, so dass die Kontrolleure bei der Versicherung nicht anders können, als die 100.000 Dollar auszuzahlen. Davon träumt Walter, von den Dollarnoten und von Phyllis.</p>
<p>OTON Christian Keßler 1 </p>
<p>Er stolpert über seinen eigenen Hochmut. Er sieht gut aus, ist sicherlich auch ein gewiefter Verkäufer. Nur er denkt irgendwie, er würde ganz groß rauskommen, würde den richtig großen Coup landen. Und damit übernimmt er sich. In dem Moment, wo man sieht, wie Barbara Stanwyck die verdammte Treppe herunterkommt, mit diesem tollen Kettchen am Fußknöchel, weiß man, was die Stunde geschlagen hat und dass der McMurray keine Chance hat.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Analysiert der Bremer Filmwissenschaftler Christian Keßler, der die Welt des Film Noir liebt, und ihm ein Buch gewidmet hat: „Hollywood Blackout“.</p>
<p>((OTON Christian Keßler 2 </p>
<p>Beim Film Noir handelt es sich nicht um ein klar umrissenes Genre wie den Western oder Kriminalfilm oder Horrorfilm, sondern eher um eine filmische Tradition, die sich Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre entwickelt hat im Hollywood-Kino und sowohl formal als auch inhaltlich sehr mit vorangegangenen Kriminalfilmen brach. Also eine besondere Form des Kriminal-Kinos.))</p>
<p>MUSIK Audrey’s Dance - Twin Peaks</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Film Noir - französisch für „schwarzer Film“, denn der Begriff wird von der französischen Filmkritik geprägt, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Frankreich war zuvor, ab 1940, von Nazi-Deutschland besetzt; während der Kriegsjahre waren amerikanische Filme von den Leinwänden verbannt. Nach Kriegsende laufen dann die cineastischen Höhepunkte gleich mehrerer Jahrgänge dichtgedrängt in den französischen Kinos an, darunter US-Filme wie „Frau ohne Gewissen“, „Die Spur des Falken“ oder „Murder, My Sweet“. Eine Flutwelle der Finsternis, von der der Filmkritiker Nino Frank (dt. ausgesprochen!) nachhaltig beeindruckt ist. „Kriminelle Abenteuer“ betitelt Frank seinen Artikel über die Werke, die sich deutlich von den Kriminalfilmen unterschieden, die er vor dem Krieg gesehen hatte. </p>
<p>ATMO Maschinengewehr</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Gangsterfilme der 1930er Jahre waren auch Geschichten voller Mord und Totschlag, aber mit einer eindeutigen Moral, einem klar gezeichneten Gut-Böse-Schema und einem Fokus auf die Handlung. Nun aber schiebt sich die Atmosphäre in den Vordergrund, Landschaften voller nebelverhangener Häfen, einsame, nasskalte Straßen, in denen sich das wenige Licht der Laternen in Pfützen und Schlaglöchern spiegelt. Die Handlung selbst ist oft ein verworrenes Labyrinth, durch das Privatdetektive in Trenchcoats stolpern. Die Auflösung, wenn überhaupt, ist zweitrangig. Es dominiert die Charakterzeichnung der Figuren, die im Off-Kommentar von ihren unmoralischen Taten und Gefühlen erzählen. Das Publikum wird in die Psychologie des Verbrechens eingeführt und geht so gezwungenermaßen eine Mittwisser- oder Komplizenschaft mit korrupten Polizisten, psychopathischen Killern, Außenseitern auf der Flucht und verlorenen Großstadtseelen ein. Erpressung, Bespitzelung, Drogenhandel: diese klassischen Krimi-Themen werden in Abenteuergeschichten verwebt, mit Anti-Helden, auf die der Tod wartet. Für diese Art von „kriminellen Abenteuern“ prägt Nino Frank 1946 den Begriff „Film Noir“. Denn das Schwarz der Nacht wird das bestimmende Element. Paul Duncan über die Welt der Schatten:</p>
<p>OTON VOICEOVER PAUL DUNCAN 3 </p>
<p>The best, the most intelligent … the pits of hell.</p>
<p>Die besten, intelligentesten Noirs wussten, dass sie mit dieser Idee der Schatten spielen konnten, und dass die Dunkelheit die Abgründe im Inneren der Figuren symbolisieren. Diese Filme malen mit Licht und Schatten und schaffen dabei eine Atmosphäre, die sich deutlich von anderen Filmen der Zeit abheben. </p>
<p>Ein gutes Beispiel ist das Finale von „Die Macht des Bösen“. Dort geht Hauptdarsteller John Garfield (Dschonn &#39;Gahrfihld) eine Treppe nach der anderen hinunter. Sie scheint gar kein Ende zu nehmen. Unten am Ufer liegt der Leichnam seines Bruders. Die Szene spielt in New York, aber so wie das Ganze gefilmt ist, hat man das Gefühl, er steigt hinab in den Schlund der Hölle. </p>
<p>MUSIK subtil, dissonant, z.B. Night Life in Twin Peaks</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Gangsterfilme der 1930er Jahre, oft leichtfüßig, eher oberflächlich. Sie transformieren sich in den 1940er Jahren in die psychologisch düsteren, vielschichtigen Film Noirs. Und greifen dabei den Wandel der Gesellschaft auf. Amerika, Japan und Europa sind im Würgegriff des Zweiten Weltkriegs. All die Entwurzelten und Fliehenden, all die Toten und schließlich das Grauen des Holocaust. Die Welt scheint sich immer schneller zu drehen, und zu einem eigenartigen, dunklen Fleck im Universum zu werden. Zudem sind die Nachwehen der Großen Depression immer noch zu spüren. Diese Ängste und der düstere Weltblick manifestieren sich auf der Leinwand. Etwa die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Die Furcht, von der Vergangenheit eingeholt zu werden. Oder die Paranoia vor Mächten, die sich gegen einen verschwören. Der Typus der Heldenfigur, die Ordnung ins Chaos bringt, verschwindet dabei, sagt Filmwissenschaftler Christian Keßler. </p>
<p>OTON Christian Keßler 3 </p>
<p>Diese Ordnung wird zu Anfang durch einen Mord oder eine Entführung, einen Banküberfall oder so in Schieflage gebracht. Dann kommt der Ermittler, also ein Privat- oder Polizeidetektiv, und mit Hilfe seines Intellekts oder seiner Muckis rückt er das dann alles wieder gerade. Das waren dann so unfehlbare Helden, Tausendsassas. Und naja, ab den 30er-Jahren glaubten die Leute nicht mehr so richtig an solche alleskönnenden Helden. Das war die Zeit, in Folge der Weltwirtschaftskrise, als immer mehr im Kinopublikum aus dem Alltag eigentlich die dauernde Niederlage gewöhnt waren, teilweise auch an Armenspeisungen anstehen mussten, hinter Jobs her waren, die es nirgendwo gab. Und in den 40er-Jahren, als halt eben auch das Kriegserlebnis noch hinzu kam, entwickelte sich dann diese düstere Thriller-Form.</p>
<p>((ERZÄHLERIN</p>
<p>Existentialistische Krisengeschichten auf Zelluloid. Über eine Welt voll Pessimismus, in der das Vertrauen in die Mitmenschen schwindet. Man weiß nie, wer ein Messer hinter seinem Rücken versteckt hält. Und das Schicksal? Das schlägt sowieso gnadenlos zu, mögen die Träume noch so groß sein. Das ewige Leid der Film Noir-Figuren. </p>
<p>OTON Christian Keßler 4</p>
<p>Sie sind eher so ein bisschen existenzialistische Wassertreter, also Leute, die einige Niederlagen im Leben gehabt haben, einen Knick in der Vita. Und dann passieren irgendwelche tollen Sachen. Teilweise wie eine Flipperkugel werden die dann durch die Gegend geschossen. Das hat ja auch immer sehr viel mit realem oder eingebildetem Schicksal zu tun. Also diese Schicksalshaftigkeit, die ist gerade in den 40er-Jahre-Noirs sehr deutlich drin.))</p>
<p>MUSIK, melancholisch, Saxofon, z.B. Theme from Twin Peaks - Film</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Viele Noirs beginnen mit dem Ende. Die Figuren sind geschlagen, gescheitert, desillusioniert und blicken dann zurück, auf die vergebene Zeit der Hoffnung. So wie Walter Neff in „Frau ohne Gewissen“, der Versicherungsmakler, der sich nach dem Mord am Mann seiner Geliebten selbst wie ein Todgeweihter fühlt. Rückblickend beichtet er: </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Der Plan war perfekt. Nichts war schiefgegangen, nichts wurde übersehen, nichts konnte uns verraten. Und dennoch… als ich die Straße hinunterlief, hatte ich das Gefühl, dass alles scheitern würde. Es klingt verrückt, aber es war so, tatsächlich. </p>
<p>Ich konnte meine eigenen Schritte nicht mehr hören. </p>
<p>Es war der Gang eines Toten. </p>
<p>Aufblende SOUND Schreibmaschine, blendet über in…</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sätze aus der Feder von Raymond Chandler (&#39;Räimmennd &#39;Tschänndlerr (sch=stl.), der das Drehbuch zu „Frau ohne Gewissen“ mit seiner abgebrühten Poesie und doppeldeutigen Anspielungen anreichert, gemeinsam mit Billy Wilder. Das Ganze basiert auf einer Geschichte des Journalisten und Autoren James M. Cain (&#39;Dschäimms Emm &#39;Käinn), der mit dem Roman „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ berühmt-berüchtigt wurde. Billy Wilder will erst mit Cain direkt arbeiten, aber der ist bereits bei einem anderen Studio unter Vertrag. Also fällt die Wahl auf Raymond Chandler. Wilder ist begeistert von dessen Roman „The Big Sleep“, der unter dem Titel „Tote schlafen fest“ mit Humphrey Bogart erfolgreich verfilmt werden wird. </p>
<p>MUSIK z.B Miles Davis, „Fahrstuhl zum Schafott“ </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Persönlich hassen sich die beiden so gegensätzlichen Typen. Billy Wilder, der leutselige Österreicher, bringt mit seiner wuseligen Art den introvertierten Raymond Chandler zur Weißglut. Chandler flutet die Paramount Büros mit Beschwerdebriefen und beginnt wieder zu trinken. Eine Sucht, der viele Noir-Autoren verfallen, etwa Dashiell Hammett. Sie trinken, wie ihre literarischen Geschöpfe, Whisky, Bourbon, und anderes Hochprozentiges und rauchen stangenweise Zigaretten, aber sie bringen auch den Sound der Straße in die amerikanische Literatur und Filmwelt. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wir beide gehören zusammen. Ich weiß nicht, wie. Vielleicht so, wie Kanonen und Munition zusammengehören. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Knappe Dialoge, wie hier aus „Gefährliche Leidenschaft“, die nur ein Minimum an Gefühlen zur Schau stellen, Gefühle, die sich stattdessen in inneren Monologen Bahn brechen. Für Noir-Fan Paul Duncan bis heute große schriftstellerische Kunst. </p>
<p>OTON VOICEOVER PAUL DUNCAN 4</p>
<p>These voiceovers, … coming into the world.</p>
<p>Diese innere Monologe stammen aus den Vorlagen, den Kurzgeschichten und Romanen, von Autoren wie Raymond Chandler und Dashiell Hammett, </p>
<p>&#39;Däschell (sch=stl.) &#39;Hämmitt, (im Vornamen KEIN i sprechen)</p>
<p>die oft aus der Sicht von Privatdetektiven erzählen. Es gibt so viele tolle Romane, etwa von Horace McCoy,(&#39;Horress Me&#39;koi)</p>
<p>Jim Thompson, (Dschimm (sch=sth.) &#39;Tommsenn (s=scharf))</p>
<p>David Goodis, (&#39;Däiwwidd &#39;Guddiss (ss=scharf))</p>
<p>die auch heute noch fantastisch zu lesen sind, da man wirklich in die Gedanken der Figuren eintauchen kann. Wie bei „Der Fremde“ von Albert Camus (All&#39;bähr Ka&#39;mü) passen die Noir-Romane philosophisch zum Existentialismus und auch zu einer nihilistischen Stimmung, die immer mehr um sich griff. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Ich sah sie nie im Tageslicht - wir schienen bei Nacht zu leben. Was vom Tage übrig blieb, verflog wie der Rauch einer Schachtel Zigaretten.</p>

<p>MUSIK düster, z.B. Can’t Sleep 2, Thomas Newman, Soundtrack „In the Bedroom“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Stilistisch blickt der Film Noir zurück in die deutsche Filmgeschichte und orientiert sich am expressionistischen Film der Weimarer Republik, an Werken wie „Das Cabinet des Dr. Caligari“ oder die Dr. Mabuse-Filme von Fritz Lang. Der wandert nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Amerika aus, und dreht in Hollywood düstere Noirs, wie auch seine Regiekollegen Billy Wilder und Robert Siodmak (dt. gesprochen).</p>
<p>MUSIK düster, z.B. Beginn „North on 73“, Thomas Newman</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Den inneren Aufruhr der Figuren extern darstellen, durch klaustrophobische, verzerrte Kulissen, extreme Licht- und Schattensetzung, durch schräge, fallende Winkel und ungewöhnliche Perspektiven. Diese Standards des Expressionismus entfalten ihre Wirkung wieder im Film Noir. Wenn Walter Neff in „Frau ohne Gewissen“ zum ersten Mal die Wohnung von Phyllis Diedrichson betritt, erstrahlen die Räume noch im Tageslicht, doch von Mal zu Mal verfinstert sich das Haus, so wie die Seelen des mörderischen Paares. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Es war ein heißer Nachmittag und ich wundere mich heute noch über den Jasmin-Duft, der über den Gärten lag. </p>
<p>Wie sollte ich ahnen, dass Mord zuweilen nach Jasmin duftet? </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Mord duftet nach Jasmin und dem Parfum von Phyllis Diedrichson. Die Frau, die Walter um den Finger wickelt. Die zentrale Figur vieler Film Noirs: die Femme Fatale. </p>
<p>MUSIK, z.B. Ava, Soundtrack Sin City 2 - A Dame to Kill for</p>
<p>OTON Christian Keßler 5</p>
<p>Die böse Frau, die klassische Femme Fatale, die Männer in den Untergang lockt, die den Femme Fatales dann folgen wie die Motte dem Licht und die dann quasi wie Lemminge über die Klippe springen, dem eigenen Selbstzerstörungsdrang folgend. Den grundsätzlichen Femme Fatale-Gedanken finde ich relativ sexistisch eigentlich. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Denn - so Christian Keßler - er ist ein Männer-Konstrukt und dämonisiert das Weibliche. </p>
<p>(MUSIK Ava langsam ausfaden)</p>
<p>Im Zweiten Weltkrieg wandeln sich in den Vereinigten Staaten die traditionellen Familienwerte. Frauen müssen in Abwesenheit der Männer arbeiten gehen, werden die Brotverdienerinnen, werden zu wichtigen Stützen der Gesellschaft, und verspüren ein Gefühl der Freiheit und der Macht. Female Empowerment… </p>
<p>All das führt zur Femme Fatale. In ihr spiegeln sich die Ängste der bislang männlich dominierten Gesellschaft wider: die klassischen Machtstrukturen zwischen Männern und Frauen werden untergraben. </p>
<p>OTON Christian Keßler 6 </p>
<p>Filmisch war ja so die Norm, dass es sich bei Frauen um das schöne Beiwerk handelt, die dem männlichen Charakter dann am Schluss als Preis sozusagen in die Arme fliegen. Da gab es zwar auch Ausnahmen, aber meistens war das wirklich so, dass die halt nett Kaffee gemacht haben, in irgendwelche fürchterlichen Situationen geraten, wo die Helden sie dann rausboxen müssen. Im Noir Kino hingegen sieht das nicht so aus. Da sind die Frauen häufig deutlich die stärkeren Charaktere als die Männer. Double Indemnity ist ein perfektes Beispiel dafür. Die nimmt die Sache selber in die Hand, ist nicht nur ein schönes Anhängsel, wie das die traditionelle Frauenrolle damals vorgesehen hätte, im Kino und auch anderswo. Sondern sie schlägt die Männer auf ihrem eigenen Terrain sozusagen. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Femme Fatale ist dabei weit mehr als eine Männerfantasie, als ein bösartiges, mordendes Spinnenwesen, das die Opfer kaltherzig ausnutzt. Femme Fatales wie Phyllis Dietrichson kann man auch als starke Frauen interpretieren, die in einer von Männern beherrschten Welt gefangen sind, und für Chancengleichheit sorgen wollen. Dazu sind sie willens, jede Waffe einzusetzen, ihre Sexualität und Schusswaffen. </p>
<p>PISTOLENSCHUSS</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Phyllis schießt in „Frau ohne Gewissen“ tatsächlich auf Walter, trifft ihn aber nur an der Schulter. Doch als er näher kommt, schafft sie es nicht, nochmals auf ihn zu schießen. Erst jetzt - so gesteht sie - habe sie wahre Gefühle für ihn verspürt, lässt die Pistole sinken und umarmt ihn. Doch Walters Blick ist zu Eis erstarrt. Jetzt hat er die Waffe in der Hand.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Leb wohl, Baby!</p>
<p>zwei PISTOLENSCHÜSSE, schnell hintereinander</p>
<p>dann MUSIK Ende Double Indemnity, darüber:</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Das Ende von Phyllis Diedrichson läutet auch das Ende von „Frau ohne Gewissen“ ein. Walter Neff kehrt in sein Büro zurück und beginnt seine Beichte. Der Bogen zum Filmbeginn schließt sich. </p>
<p>MUSIK hoch bis Ende</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Der finanzielle Erfolg von Billy Wilders Film, ebenso wie lukrative Werke wie die Humphrey-Bogart-Detektivgeschichten „Die Spur des Falken“ und „Tote schlafen fest“ führen zu einer Welle an Noirs von großen und kleinen Studios, mal aufwendig, mal schnell heruntergekurbelt, von den 1940er bis in die späten 1950er Jahre hinein. Orson Wells’ „Im Zeichen des Bösen“ von 1958 gilt oft als Endpunkt der klassischen Film-Noir-Phase in Hollywood, die aber auch in anderen Ländern Widerhall findet, etwa in Frankreich, wo François Truffaut 1959 „Schießen Sie auf den Pianisten“ dreht. </p>
<p>MUSIK Georges Delerue, Rencontre (Soundtrack Schießen Sie…)</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>In den 1960ern dominiert farbenprächtiger Technicolor die Kinokassen: Epen wie „Lawrence von Arabien“, exotische, augenzwinkernde Action wie die James-Bond-Reihe und Musicals wie „My Fair Lady“. Noir-Krimistoffe wandern ins Fernsehen ab, in Form von Polizeiserien wie „Stahlnetz - Dragnet“. Doch die Noir-Sensibilität bleibt der großen Leinwand erhalten, denn sie hat viele Genres infiziert, sagt Paul Duncan. </p>
<p>OTON VOICEOVER PAUL DUNCAN 5</p>
<p>You can have noir westerns… in us as well.</p>
<p>Es gibt Noir-Western, Noir-Kriegsfilme, Noir-Musicals, Noir-Melodramen, denn Noir selbst dreht sich um die zwiespältige Gefühlslage, ob man seinen Mitmenschen trauen kann, oder ob sie einen hintergehen. Das macht Noir so zeitlos gültig. Es spricht Bereiche unseres Lebens an, die schmerzhaft sind, über die wir nur schwer reden können. Doch in diesen Filmen werden sie auf besondere Weise thematisiert und geben uns zu verstehen: die Abgründe der Noir-Figuren stecken in uns allen drin. </p>
<p>MUSIKBETT Soundtrack Sieben</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>So bleibt die Düsternis im Kino erhalten, besonders in Form der Neo-Noir-Filme, die mal mehr, mal weniger unverhohlen, eine Hommage an die Klassiker sind. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Das wird ganz sicher kein Happy End geben. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sagt Detective Somerset (SPRICH engl. Sammaset) zu seinem Partner Mills im Thriller „Sieben“. Im Dauerregen einer gnadenlosen, unmenschlichen Großstadt müssen sie Morde nach Art der sieben Todsünden aufklären. </p>
<p>MUSIK Vangelis, Blade Runner (kurz, als Trenner)</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Es können düstere Zukunftswelten sein, wie im Science-Fiction-Noir „Blade Runner“, oder der Blick zurück ins Hollywood der späten 1930er Jahre wie in Roman Polanskis „Chinatown“. </p>
<p>MUSIK Twin Peaks Theme</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Oder die albtraumhaften Visionen eines David Lynch, der in „Twin Peaks“, „Blue Velvet“, oder „Mulholland Drive“ (Mall&#39;hollennd &#39;Draiww) die Schattenseiten im Unterbewusstsein erforscht. </p>
<p>(kurz Musik frei)</p>
<p>Ob in Schwarz-Weiß oder in Farbe, die Schattierungen des Film Noir sind noch längst nicht alle filmisch erforscht. </p>
<p>OTON VOICEOVER PAUL DUNCAN 6</p>
<p>It’s not the black…there will always be noir.</p>
<p>Bei Noir denken viele an schwarz-weiß Bilder, an extreme Gegensätze, dabei sind gerade die Graubereiche die spannendsten. Vor allem die psychologischen Graubereiche. Die lassen einen nicht mehr los. </p>
<p>Die Macht des Noir: So lange Menschen Probleme haben oder Albträume, sie um ihr Leben fürchten oder glauben dass die Liebe ihres Lebens sie nicht zurückliebt, so lange wird es Noir geben. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Stille im Froschteich - Warum unsere Lurche verschwinden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/stille-im-froschteich-warum-unsere-lurche-verschwinden/2107071</link>
      <pubDate>Mon, 30 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">db464af5-3dd6-4f00-ac76-caac03aae45a</guid>
      <description>Quakende Frösche, wandernde Kröten, farbige Salamander, Kaulquappen im Tümpel - die Welt der Amphibien ist reich an faszinierenden Erscheinungen. Aber diese Welt ist in Gefahr, die Lebensräume der Lurche schwinden. Das Amphibiensterben hat längst begonnen. Von Christiane Seiler</description>
      <enclosure length="21646464" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107071/c/feed/stille-im-froschteich-warum-unsere-lurche-verschwinden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Seiler</itunes:author>
      <itunes:summary>Quakende Frösche, wandernde Kröten, farbige Salamander, Kaulquappen im Tümpel - die Welt der Amphibien ist reich an faszinierenden Erscheinungen. Aber diese Welt ist in Gefahr, die Lebensräume der Lurche schwinden. Das Amphibiensterben hat längst begonnen. Von Christiane Seiler</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ce0aa7e5-8410-40e7-8489-8b033bf5b34f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Quakende Frösche, wandernde Kröten, farbige Salamander, Kaulquappen im Tümpel - die Welt der Amphibien ist reich an faszinierenden Erscheinungen. Aber diese Welt ist in Gefahr, die Lebensräume der Lurche schwinden. Das Amphibiensterben hat längst begonnen. Von Christiane Seiler</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Christiane Seiler<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Katja Schild, Carsten Fabian<br/> Technik: Andreas Caramelle<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>P.D. Dr. Marc-Oliver Rödel, Museum für Naturkunde Berlin; <br/>Prof. Santiago Ron, Katholische Universität von Ecuador; <br/>Steven Lischke, Stiftung Naturschutz Berlin, <br/>Dr. Albert Poustka, Stiftung Naturschutz Berlin; <br/>Andreas Krone, NABU Barnim; <br/>Michael Schünemann, Ranger, Naturpark Barnim.<br/> <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Reptilien, exotische Tiere - WirTier</strong><br/>Markus hat als Tierarzt eine Mission: Reptilien vor Leid bewahren. Er kümmert sich um SChlangen aus Qualzuchten oder auch um exotische Tiere, die als Ware illegal gehandelt und wenig artgerecht gehalten werden. Host Vici nimmt für WirTier ihren Mut zusammen: Schafft sie es, Schlangen auf Augenhöhe zu begegnen? <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:575f91d6b4f9bd53/">HIER</a> geht es zur Folge.</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Feuersalamanderseuche im Steigerwald</strong><br/><a title="Hier geht es zur Website" href="https://steigerwald-zentrum.de/wp-content/uploads/2021/05/Mark-Oliver-Roedel-Naturkundemuseum-Berlin-Erhaltungsmoeglichkeiten-von-Feuersalamanderpopulationen-bei-BSal-Auftreten.pdf">HIER</a> geht es zur Website</p>
<p><strong>Verschiedene Artenporträts vom Bayrischen Landesamt für Umwelt<br/><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.lfu.bayern.de/natur/bayaz/artenschutz_tiere/amphibien/index.htm">HIER</a> </strong>geht es zur Website<br/></p>
<p><strong>Porträt der Wechselkröte</strong><br/><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/amphibien/artenportraets/10662.html">HIER</a></strong> geht es zur Website<br/><br/><strong>Literatur:<br/></strong>Dieter Gland: Heimische Amphibien bestimmen, beobachten und schützen. <br/>Wiebels heim, Aula, 2008. Mit Tierstimmen auf CD.<br/>Gut geschriebene Einführung mit genauen Beschreibungen der heimischen Arten. </p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowisse-manuskripte-stille-im-froschteich-frosch-kroete-lurch-salamander-trockenheit-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>01 Zsp Froschteich -Poustka</p>
<p>Vor zwei Jahren hatte ich hier noch 40 Tiere, 18 Rufer, 18 Männchen, die gerufen haben. Und ja, jetzt ist gähnende, wie sagt man, Stille. Kein Tier. Ich muss das kurz dokumentieren. Dann können wir es noch wo anders probieren. </p>
<p>02 Zsp Froschteich - Poustka, Atmo Poustka geht herum und murmelt vor sich hin, darauf</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Unterwegs mit dem Biologen Albert Poustka von der Stiftung Naturschutz Berlin. Er verhört Wechselkröten – so heißt es, wenn man Amphibien anhand ihrer Rufe identifiziert. Denn jede Art ruft unverwechselbar. Poustka sucht an einer der wenigen Stellen im Stadtgebiet, wo die streng geschützten Tiere noch zu finden sind. </p>
<p>03 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>Ich muss nur kurz Eintragungen machen, dass ich hier bin, um wie viel Uhr usw. und in dem Fall, dass ich leider nichts gehört oder gesehen habe, bis jetzt.  (Ab hier unter nächsten Sprecherinnentext: Wasserstand sehr niedrig, Temperatur… 15 Grad, warm genug, trocken. So.)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im Frühjahr bleibt Albert Poustka manche Nacht wach, auf der Suche nach der seltenen Amphibienart.  Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, meint er. Schon als Jugendlicher war er in den Steinbrüchen seiner Heimat in der Gegend von Heidelberg unterwegs, immer auf der Suche nach Lurchen und besonders den Wechselkröten. </p>
<p>04 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>Man denkt, dass es nicht mehr schlimmer werden kann, aber es wird leider immer schlimmer. Also gerade mit den Wechselkröten, da kenne ich aus meiner Jugend vor über 40 Jahre halt noch Vorkommen, wo 5000 Tiere saßen. Da konnte man gar nicht mehr laufen. Und da, wo es noch Tiere gibt, da, meistens sind es 10 oder 20 Tiere.  Wenn man Glück hat. …Das ist ganz furchtbar, wie die Zahlen einfach eingebrochen sind. </p>
<p>Musik Green tiny grass (Länge: 0´25´´)</p>
<p>,Sprecherin</p>
<p>Sogar in seiner Freizeit beschäftigt sich Albert Poustka mit Amphibien, hilft Erdkröten über die Straße. Diese Tiere legen im Frühjahr oft lange Wege zu ihren Laichgewässern zurück. Sie stauen sich an Krötenzäunen, von wo aus Tierschützerinnen und Tierschützer sie über die Straße tragen. </p>
<p>05 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>Wir haben auch einen Zaun in Berlin, den wir betreuen, da hatten wir vor fünf bis sechs Jahren noch um die 1.500 Tiere, Im letzten Jahr waren es 80 gewesen in diesem Jahr 28. Ist zum Heulen. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Abgesehen von Straßen und schwindenden Lebensräumen macht den Erdkröten noch eine vermeintlich niedliche invasive Säugetierart das Leben schwer. Kröten sondern über ihre warzige Haut ein giftiges Sekret ab, das den meisten einheimischen Räubern die Lust auf eine Krötenmahlzeit vergällt. Füchse etwa verschmähen die Kröten. Nicht so die Waschbären mit ihren geschickten Vorderpfoten:</p>
<p>06 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>Die ziehen denen die Haut ab, komplett, das bleibt übrig wie ein Strumpf. Und wenn irgendwo nur noch fünf bis zehn Kröten oder Frösche zusammenkommen und nicht, wie es früher war, 5.000, und dann kommt der Waschbär vorbei, dann sind die halt weg, ne. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wissenschaftler wie Poustka, die sich mit Amphibien beschäftigen, sind Herpetologen. Was man darunter versteht, erklärt sein Kollege Steven Lischke von der Stiftung Naturschutz. Die betreibt das Amphibienmonitoring für das Land Berlin. </p>
<p>07 Zsp Froschteich - Lieschke</p>
<p>Ja, Herpetologie fasst praktisch die Amphibien und Reptilien in einer Gruppe zusammen. Früher häufig auch als Kriechtiere bezeichnet. Die Amphibien sind ja die Lurche, und die Reptilien sind in dem Sinne die Kriechtiere, sind aber an sich völlig unterschiedliche Tiergruppen. Und der wesentliche Unterschied zwischen Amphibien und Reptilien ist, dass die Amphibien bei der Fortpflanzung wassergebunden sind, das heißt, sie legen ihre Eier ins Wasser. Dort findet dann der Schlupf der Larven statt. Diese machen eine Metamorphose durch. Die haben dann Kiemen, mit denen sie atmen. Und im Laufe der Saison bilden sich die Kiemen zurück. Es entwickeln sich Lungen, so dass das Tier am Ende an Land gehen kann und dann nach Nahrungssuche geht. </p>
<p>Musik No trace (Länge: 0´52´´)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Amphibien fressen zu fast 100 Prozent tierische Nahrung. Wie Fische und Reptilien sind sie Wirbeltiere und wie diese wechselwarm. Ihre Aktivitäten und Stoffwechselvorgänge sind stark von der Umgebungstemperatur abhängig. </p>
<p>08 Zsp Froschteich - Lischke</p>
<p>Da gibt es die Froschlurche zu denen eben Kröten, Frösche, Unken zählen. Dann haben wir die Schwanzlurche. Die sind halt eben gegliedert mit Kopf, Rumpf und Schwanz, wie der Name schon sagt. Und dazu zählen eben Salamander und Molche. Und dann haben wir noch die Schleichenlurche. Die gibt es allerdings nicht in Europa. Und bei uns kommen in Deutschland 20 Amphibienarten vor, von denen wir sechs Schwanzlurcharten haben. Und 14 Froschlurcharten. </p>
<p>Musik From earth to venus (Länge: 0´56´´)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Seit 380 Millionen Jahren leben Amphibien auf der Erde, seit dem Erdzeitalter Devon. Aus ihnen entwickelten sich die Reptilien, die zur Fortpflanzung nicht mehr auf das Wasser angewiesen sind. </p>
<p>09 Zsp Froschteich - Rödel</p>
<p>Also zu dem Zeitpunkt, wo die Wirbeltiere zum ersten Mal an Land gingen, waren das natürlich die Amphibien. Das heißt, in diesem Erdzeitalter haben Amphibien die Welt dominiert. Da gab es noch keine Dinosaurier, Säugetiere, Vögel oder so was. Da war der Haupträuber an Land das Amphib, oder auch im Wasser. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der Biologe Marc-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde in Berlin. </p>
<p>10 Zsp Froschteich - Rödel</p>
<p>Und das waren teilweise Monster bis zu sieben Meter Größe. Die haben nichts mit dem zu tun, was jetzt heutzutage noch an Amphibien durch die Welt hüpft oder krabbelt. Die sahen ein bisschen so ähnlich aus wie so ein überdimensionierter Salamander, haben aber verwandtschaftlich nichts mit ihnen zu tun. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im Jahr 2025 listet die Internetseite Amphibians of the World vom Amerikanischen Museum für Naturgeschichte 8.878 Arten auf. Und es kommen immer noch neue hinzu.</p>
<p>11 Zsp Froschteich - Rödel</p>
<p>Wer neue Arten entdecken will, muss nur in die Tropen, in irgendeinen Wald gehen und ein bisschen genauer gucken. Ich arbeite seit über 30 Jahren in Westafrika und wir finden nach wie vor permanent neue, unbeschriebene Froscharten. In Ecuador genau dasselbe, in Asien genau dasselbe. Und das sind teilweise auch durchaus nicht einfach nur kleine, braune, unscheinbare, Frösche, auf die nie jemand drauf geguckt hat. Wir haben mitten in Abidjan, also der ökonomischen Hauptstadt der Elfenbeinküste, haben wir in einem winzigen Waldgebiet zum Beispiel einen knallbunten orangen Frosch mit blauen Augen entdeckt, der sogar eine neue Gattung war. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Rödel hat schon viele Arten entdeckt und beschrieben. Das ist ein komplizierter Vorgang, der sich jahrelang hinziehen kann. Bis die neue Art schließlich einen Namen bekommt. Aber niemals benennt ein Naturforscher eine von ihm entdeckte Art nach sich selbst.</p>
<p>12 Zsp Froschteich - Rödel</p>
<p>Ein Kollege hat eine Art mal nach mir benannt, die tatsächlich nicht in Afrika, sondern auf Neuguinea vorkommt. Oreophryne Rödeli. Ein sehr netter, kleiner, putziger Frosch. </p>
<p>Musik Misty mountain pattern (Länge: 0´40´´)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Amphibien haben eine glatte oder warzige, drüsige Haut, die Feuchtigkeit braucht. Aber nur wenige Arten, etwa Grottenolm und Axolotl, leben dauerhaft im Wasser. Sie machen keine Metamorphose durch, bleiben im Larvenstadium und bei der Kiemenatmung, werden aber trotzdem geschlechtsreif. Alle anderen Luche brauchen neben dem Wasser geeignete Lebensbedingungen und Strukturen an Land. Wo verbergen sich zum Beispiel die Wechselkröten, die an ihrem durch die Trockenheit geschrumpften Laichgewässer nicht zu finden sind? Albert Poustka:</p>
<p>13 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>Man glaubt es nicht, wo die sich verstecken, graben sich einfach hier irgendwo ein, kennen die Stellen, wo sie sich leicht eingraben können, oder bei den Wurzeln da vorne, bei diesen Gehölzen, oder eben Mäuselöcher. Da gehen die rein und dann sind sie ganz, ganz schnell weg.  Die warten auf mehr Regen im Moment.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Albert Poustka dreht einige alte Autoreifen um, die im Gras neben dem Tümpel liegen. Keine Kröten zu sehen. An einem Teich in der Nähe quaken die Teichfrösche. </p>
<p>14 Zsp Froschteich-Teichfrosch</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Sie sind Hybride aus den Arten Seefrosch und Kleiner Wasserfrosch. Lange hielt man den Teichfrosch für eine eigene Art, bis Ende der 60er Jahre der polnische Zoologe Leszek Berger über Kreuzungsexperimente zu der Vermutung gelangte, dass ausgerechnet der Teichfrosch gar keine echte eigene Art, sondern ein Hybrid sei. Eine zoologische Sensation, denn Teichfrösche bleiben fortpflanzungsfähig, während Hybride von Wirbeltierarten normalerweise unfruchtbar sind – man denke nur an Pferd und Esel. Der Teichfrosch ist ein Erfolgsmodell, meint der Biologe Steven Lischke. Ein Allrounder unter den Fröschen.</p>
<p>15 Zsp Froschteich - Lischke</p>
<p>Er ist einfach anpassungsfähiger. Also er kann sowohl an Kleingewässern und kleinen Gartenteichen vorkommen und sich fortpflanzen und aber auch an größeren Gewässern, an Seeufern beispielsweise. Der Seefrosch, wie der Name schon sagt, bevorzugt hauptsächlich große Gewässer, das können entweder Seen sein oder auch Fließgewässer. Und der kleine Wasserfrosch, also die andere Elternart, bevorzugt eher so kleinere Gewässer. Also es sind einfach unterschiedliche Lebensraumansprüche und der Teichfrosch ist da einfach flexibler. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Als Poustka sich dem See nähert, verstummen die Teichfrösche. Nahe am Ufer, im kurzen Schilf, entdeckt er einige Exemplare:</p>
<p>16 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>Ah, hier ist ein Amplexus. Autorin: Was ist das? Poustka: Ein Amplexus. Ein Pärchen, oben Männchen, unten Weibchen, die paaren sich jetzt gerade.  Ich trag nachher die Zahl ein …</p>
<p>Musik Green tiny grass (Länge: 0´47´´)</p>
<p>Sprecherin </p>
<p>Amphibien legen ihre Eier, wie bereits gesagt, im Wasser ab. Frösche und Unken in Form von größeren oder kleineren Ballen, Kröten in Schnüren, Molche kleben einzelne Eier an Blätter von Wasserpflanzen. Nur der in den bayrischen Alpen heimische Alpensalamander bringt fertige kleine Lurche zur Welt. Das Männchen befruchtet die Eier in der Regel, indem es sein Sperma darüber gibt. Es hält sich bei der Eiablage ganz in der Nähe des Weibchens auf, klammert sich auf dessen Rücken manchmal mehrere Stunden lang fest. Das alles geschieht, sobald es im Frühjahr wärmer wird. Die beste Zeit, um Amphibien in der Natur zu beobachten. Deshalb hat der NABU im Naturpark Barnim, nördlich von Berlin, zum Unken- und Laubfroschkonzert eingeladen. Etwa dreißig Naturfreundinnen und Naturfreunde haben sich eingefunden. Geführt von Andreas Krone, Hydrologe und Hobby-Herpetologe.</p>
<p>17 Zsp Froschteich - Krone</p>
<p>Nach dem Laichen ist es so, dass die Rotbauchunken selber im Gewässer bleiben noch. Im Herbst wandern sie eben von den Gewässern ab und müssen dann natürlich geeignete Lebensräume haben, die genug Futter bringen, aber eben auch dann für den Winter geeignete Winterquartiere. Während zum Beispiel die Moorfrosch, Grasfrosch, Erdkröte, die Frühlaicher, sofort nach dem Laichen das Gewässer verlassen und dann wieder in die Lebensräume abwandern.</p>
<p>Musik From earth to venus (Länge: 0´36´´)</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Brandenburg ist eine Landschaft, die mit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 14.000 Jahren geformt wurde. Beim Schmelzen des Eises blieben sogenannte Sölle zurück, Kleinstgewässer in einer Senke. Vor der Industrialisierung der Landwirtschaft nutzten Bauern diese Tümpel, um ihre Pferde zu tränken oder die hölzernen Wagenräder zu befeuchten. Heute liegen sie oftmals inmitten intensiv bewirtschafteter Felder. Ungünstig für die Unken:</p>
<p>18 Zsp Froschteich - Krone</p>
<p>Wir haben ja hier in Brandenburg große Ackerschläge mit mehreren 100 Hektar, wenn da ein Soll in der Mitte ist und ringsherum ist intensiv bewirtschafteter Acker. Dann ist das für die wie so eine Todeszone, wo sie durchmüssen, um ein Winterquartier zu finden. Wenn abgeerntet wird, dann ist es ja praktisch wie Wüste. Amphibien brauchen ja Feuchtigkeit. Das heißt, auf so einem ausgetrockneten Standort ohne Strukturen, wo sie sich verstecken können, haben sie es natürlich total schwer, so eine Fläche zu überwinden. </p>
<p>Geräusch Gelbbauchunke</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Im Frühling, zur Paarungszeit, erklingt das weittragende, einzigartige Huhuhu der Unke. In Brandenburg ruft die Rotbauchunke, in Bayern ertönt die Stimme der Gelbbauchunke.</p>
<p>19 Zsp Froschteich - Krone</p>
<p>Sie schwimmt auf der Wasseroberfläche, pumpt sich voll, sieht aus wie so ein kleiner Ballon und lässt dann die Luft raus. Und dann entsteht dieser Unken-Ton. Und dadurch, dass sie auf der Wasseroberfläche schwimmt, trägt es sehr weit. Und man kann auch gar nicht den Ruf so richtig lokalisieren, weil von der Wasseroberfläche dieser Ton abgestrahlt wird. </p>
<p>((Es gibt auch Fotos, wo man sieht, dass sich dann praktisch um die rufende Unke so ein Wellenkreis bildet, also dass wirklich die Schwingungen auf die Wasseroberfläche übergehen.)) </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Krone führt die Gruppe auf einen ehemaligen Truppenübungsplatz der sowjetischen Armee, der nach dem Abzug der Soldaten und ihrer Panzer zu einem Naturparadies wurde. Allerdings: Auch hier hat es zweieinhalb Monate lang kaum geregnet. Michael Schünemann, Ranger im Naturpark Barnim erklärt, was das für die Amphibien bedeutet:</p>
<p>20 Zsp Froschteich - Schünemann / Krone</p>
<p>Früher hat es in jedem Bruch, überall haben die Amphibien gerufen, die Rotbauchunken, die Laubfrösche. Jetzt ist es ganz minimal, weil die Gewässer eben trocken sind. ((Das ist ein ganz großes Problem und wir haben heute noch eine kleine Stelle gefunden, wo Wasser ist. Aber es ist wirklich dann fast die letzte hier auf dem Schießplatz.)) Das ist eine ganz gravierende Veränderung, die hier wirklich vonstattengehen. </p>
<p>Krone: Ja, der Einzige, der noch ein bisschen uns unterstützt hat, was das Wasser betrifft, ist der Biber. </p>
<p>Schünemann: Der Biber staut das Erlenbruch am Trampegraben an und … durch dieses Anstauen haben die Amphibien noch ein bisschen Möglichkeiten, sich fortzupflanzen. Zum Glück, wenn der Biber das nicht gemacht hätte, wäre das Wasser weg.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Dass heute Abend hier keine Unke unkt und kein Laubfrosch quakt, liegt aber nicht nur an der Trockenheit, sondern auch an der Kälte. Bei unter 10 Grad Außentemperatur verschlägt es den Amphibien die Sprache.</p>
<p>21 Zsp Froschteich - Unkenruf: Quaken und Unken vom Handy</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>So müsste es klingen, wenn das Konzert stattfände. Andreas Krone spielt die Tonaufnahme vor, um die Tiere zum Mitrufen zu animieren. Aber umsonst. Keine Unke antwortet aus dem kleinen Gewässer. Zum Trost haben die beiden Naturschützer einige Teichmolche gefangen, die in durchsichtigen Gefäßen herumgereicht und bestaunt werden. </p>
<p>22 Zsp Froschteich - Teichmolch, liegt unter dem nächsten Sprecherinnen-Text, kommt an passenden Stellen hoch</p>
<p>(Der kleine Kamm, die Füßchen… Hochzeitskleid… guck mal hier… möchte jemand haben? Unbedingt…. Hübsch… niedlich… mit dem Kamm, kleiner Dinosaurier… süß, hübsch… so breite Füße… wobei die vorne schwarze Zehen haben… mit den Pfötchen, wie ein Ahornblatt…)</p>
<p>Sprecherin bitte langsam wg. Atmo</p>
<p>Ein vielleicht vier Zentimeter langer Molch schlängelt sich durchs Wasser, ein Männchen im Hochzeitskleid, mit Rückenkamm, die Haut hellbraun mit schwarzen Punkten. Gut sind seine breiten Füße zu sehen, die gespreizten Zehen. Schließlich werden die Tiere wieder in den Teich entlassen.</p>
<p>22 Zsp Froschteich - Teichmolch, Schluss</p>
<p>Ja, gehen wir zurück, bevor es dunkel wird. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wechselkröten, Teichfrösche, Unken gibt es immer weniger. Kann man, analog zum Insektensterben, auch von einem Amphibiensterben sprechen? Der Biologe Marc-Oliver Rödel vom Berliner Naturkundemuseum betreut seit 2004 ein Grasfrosch-Projekt im bayrischen Steigerwald:</p>
<p>23 Zsp Froschteich - Rödel</p>
<p>Dieses Amphibiensterben gibt es. Das beobachten wir seit den 90er Jahren und das wird auch nicht besser. Also wir stellen weltweit eigentlich fest, dass Amphibienpopulationen in besorgniserregendem Maße zusammenbrechen und das ist auch in Deutschland der Fall. Es gibt Regionen in Deutschland, wo wir davon ausgehen müssen, dass wir in den nächsten paar Jahrzehnten so gut wie keine Amphibien mehr haben, weil einfach die Populationen zusammenbrechen. In Deutschland spielt der Klimawandel in einigen Regionen sicher eine Rolle, zum Beispiel in Brandenburg, wo kein Tümpel mehr ist, kann sich natürlich auch kein Frosch mehr entwickeln. Aber wenn wir zum Beispiel in unser Gebiet in Nordbayern reingucken, spielt das eigentlich keine so große Rolle. Also da wäre eigentlich ausreichend Wasser und Tümpel vorhanden, aber die Arten verschwinden trotzdem. Das kann natürlich eine Rolle spielen, dass vielleicht der Landlebensraum zu trocken wird. Es könnte Agrarchemie sein. Es kann auch vielleicht einfach nur sein das die Landschaft so fragmentiert ist, dass die kleinen Populationen, die irgendwo überstehen, durch Zufallsereignisse aussterben und dann einfach nicht mehr ersetzt werden können, weil niemand mehr dorthin wandern kann. Es können vielleicht Faktoren sein, die wir noch gar nicht kennen, also das ist bis in’s Letzte nicht geklärt…</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bei einer Amphibienart allerdings weiß er genau, warum die Zahl der Individuen dramatisch abnimmt. Ausgerechnet den beliebten Feuersalamander bedroht ein aus Ostasien eingeschleppter Hautpilz. Seit 2010 wütet der Pilz in Holland und Belgien und hat sich von da aus nach Deutschland ausgebreitet:</p>
<p>24 Zsp Froschteich - Rödel</p>
<p>Dieser Pilz, der als Salamanderpest oder Salamanderfresser bekannt wurde, führt dazu, dass die Haut bei den Feuersalamandern zerstört wird, und die Populationen brechen im Prinzip komplett zusammen, also die sind eigentlich, ökologisch gesehen sind die Populationen weg. Haut ist für Amphibien absolut lebenswichtig. Über die Haut wird Gas, also Sauerstoff, aufgenommen, CO2 abgegeben zu einem großen Teil. Die ganzen Gifte, um Mikroorganismen abzuwehren, sitzen in der Haut drin. Und so ein infizierter Salamander überlebt keine Woche. Und vor wenigen Jahren waren wir sehr geschockt, als wir feststellen mussten, dass dieser Pilz offensichtlich geschafft hat, einen mehrere 100 Kilometer großen Sprung bis nach Nordbayern zu machen und ausgerechnet im Steigerwald aufgetaucht ist. Und seitdem verfolgen wir, wie sich der Pilz auswirkt. Da wir ja die Daten haben von den Populationen, bevor der Pilz da war, können wir jetzt an über 40 Bächen verfolgen, wo der Pilz auftaucht und wie sich das auf die Population auswirkt, das heißt, wir gehen da jedes Jahr hin, und in den letzten beiden Jahren mussten wir leider feststellen, dass die Larvenpopulationen extrem eingebrochen sind. Also an einem Bach zum Beispiel, wo wir auf 200 Meter über 800 Larven normalerweise finden, hatten wir letztes Jahr nur 18.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Eingeschleppte Krankheiten und Raubtiere, an die sich Tierarten nicht evolutionär anpassen konnten, sind weltweit ein Problem. Einen besonders einschneidenden Fall berichtet Rödels Kollege Professor Santiago Ron von der katholischen Universität in Quito. Sein Heimatland Ecuador ist eines der amphibienreichsten der Welt – mit bisher über 700 bestimmten Arten. </p>
<p>25 Zsp Froschteich - Ron</p>
<p>Unfortunately, also we also have a large number of species that are endangered, and some of them are already extinct in the field, in nature. There was a disease that arrived especially to the Andean region, during the late 1980s. And that disease basically wiped out complete populations and species. After that, the communities of amphibians changed completely, the abundance decreased. The available information suggests that the disease came with bullfrogs from North America that were imported to Ecuador for growing, for feeding with frog legs.</p>
<p>Sprecher / Overvoice männlich</p>
<p>Aber leider sind bei uns viele Arten gefährdet oder sogar schon ausgestorben. Ende der 1980er Jahren breitete sich in der Andenregion eine Krankheit aus, die ganze Populationen und Arten ausradiert hat. Danach hat sich die Zusammensetzung der Amphibiengesellschaften komplett verändert. Wahrscheinlich wurde die Krankheit von nordamerikanischen Firmen eingeschleppt, die Ochsenfrosch-Farmen in Ecuador anlegten. </p>
<p>(ab hier trocken, ohne engl. O-Ton) </p>
<p>Um Froschschenkel zu produzieren.</p>
<p>26 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>(Kröte trillert)</p>
<p>Poustka: Das Trillern, hören Sie das?</p>
<p>Da sitzen mehrere, eins, zwei, drei, hier vier, sieben Tiere hier. Das ist ganz gut. Da hinten noch einer, acht, neun. Das ist wirklich gut. Das kann man fast nirgends mehr hören.</p>
<p>27 Zsp Froschteich - Wechselkröten, Frösche Nachtigallen, bleibt kurz stehen, darauf:</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Wieder ein Teich in Berlin, mitten in der Nacht. Endlich hat Albert Poustka einige Wechselkröten aufgespürt – sie trillern im Trio mit Teichfröschen und Nachtigallen. Hocken am Ufer, blasen ihre Kehlsäcke auf und locken die Weibchen. Ein einzigartiges Konzert. Durch das Fernglas kann er sie beobachten.</p>
<p>28 Zsp Froschteich - Poustka</p>
<p>Die sind grün, mit schwarzen Rändern, und dazwischen sind sie so beige, das Männchen, die sind mehr so verwaschen, aber die Weibchen, das kann so richtig knallweiß sein, die sind dann sehr kontrastreich, ganz dunkelgrün und ganz weiß diese hellen Flecken, und dann haben sie oft noch so rote Flecken drin. Das sind die schönsten Kröten auf der ganzen Welt. Und die gibt’s bei uns. (Endet mit Krötengetriller)</p>
<p>Collage Frösche, Unken usw…</p>
<p>Sprecherin</p>

<p>Die schönsten Kröten der Welt, bunte Feuersalamander, unkende Unken, quakende Frösche, Kaulquappen in Tümpeln – alle diese Tiere schätzen wir in unserer heimischen Natur. Aber sie verschwinden, von Jahr zu Jahr. Schon heute hat manches Kind noch nie einen lebendigen Frosch gesehen oder gehört. Das endgültige Verstummen der Lurche dürfen wir nicht zulassen.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bilderhöhlen in Südfrankreich. Steinzeitkunst am Fuß der Pyrenäen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bilderhoehlen-in-suedfrankreich-steinzeitkunst-am-fuss-der-pyrenaeen/2107879</link>
      <pubDate>Fri, 27 Jun 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">fb210c8f-f104-4162-88d8-bfeaeaa230f3</guid>
      <description>Höhlen wie Lascaux und Chauvet sind Inbegriff für die beeindruckende Felskunst der Steinzeit. Wenig bekannt dagegen sind die Volp-Höhlen nahe der Pyrenäen. Dabei zählen sie zu den besterhaltenen ihrer Art. Auch weil eine Grafenfamilie sie seit Generationen nur Forschenden zugänglich macht. Autor: Sebastian Kirschner (BR 2025)</description>
      <enclosure length="23901312" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107879/c/feed/bilderhoehlen-in-suedfrankreich-steinzeitkunst-am-fuss-der-pyrenaeen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:53</itunes:duration>
      <itunes:author>Kirschner, Sebastian</itunes:author>
      <itunes:summary>Höhlen wie Lascaux und Chauvet sind Inbegriff für die beeindruckende Felskunst der Steinzeit. Wenig bekannt dagegen sind die Volp-Höhlen nahe der Pyrenäen. Dabei zählen sie zu den besterhaltenen ihrer Art. Auch weil eine Grafenfamilie sie seit Generationen nur Forschenden zugänglich macht. Autor: Sebastian Kirschner (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7a3a34ae-e81a-4470-bdc0-a54ad2c276cf.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Höhlen wie Lascaux und Chauvet sind Inbegriff für die beeindruckende Felskunst der Steinzeit. Wenig bekannt dagegen sind die Volp-Höhlen nahe der Pyrenäen. Dabei zählen sie zu den besterhaltenen ihrer Art. Auch weil eine Grafenfamilie sie seit Generationen nur Forschenden zugänglich macht. Autor: Sebastian Kirschner (BR 2025)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Sebastian Kirschner<br/> Regie: Ron Schickler<br/> Es sprachen: Irina Wanka, Ron Schickler<br/> Technik: Moritz Herrmann<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>- Prof. Dr. Andreas Pastoors, Prähistoriker (Universität Erlangen), Leiter der Forschung in den Volphöhlen</p>
<p>- Prof. Dr. Thomas Uthmeier, Prähistoriker (Universität Erlangen)</p>
<p>- Eric Bégouën, einer der beiden Konservatoren der Volphöhlen (neben seinem Vater Robert)</p>
<p>- Cornelia Lechner, Archäologin (Universität Erlangen)</p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p><strong>Linktipps [EXTERN]:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://cavernesduvolp.com/ ">Offizielle Website der Volphöhlen</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.uf.phil.fau.de/abteilungen/aeltere-urgeschichte/projekte-der-aelteren-urgeschichte/forschungsstelle-felsbildarchaeologie-ffba/laufende-projekte-der-ffba/die-volp-hoehlen-kontextualisierung-palaeolithischer-felsbilder/ ">Zum Forschungsprojekt „Volphöhlen“ an der Universität Erlangen</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-bilderhoehlen-suedfrankreich-steinzeitkunst-archaeologie-felsbild-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><br/></p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Pfad zwischen den Bäumen ist kaum zu erkennen. Äste und Sträucher wuchern in dem kleinen grünen Tal an den Ausläufern der Pyrenäen. Laub am Boden schluckt die Fußspuren. Offiziell ist der Weg ohnehin nicht, hinab zum Eingang der Höhle. Eric Bégouën kann das egal sein – seiner Familie gehören die Ländereien, auf denen Tuc d‘Audoubert hier im Süden von Frankreich liegt. Es ist eine der drei Höhlen im Tal des Volp. Viel verrät das dunkle Felsmaul, aus dem der Fluss Volp strömt, noch nicht. Doch auf die Phantasie wirkt der Ort wie ein Sog.</p>

<p>ATMO Höhlenmaul + Tropfen</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So ging es als Kind auch Eric Bégouën. Was mag sich Großartiges in ihrem Inneren verbergen? Noch heute glänzen seine Augen wenn er an sein erstes Mal in der Höhle zurückdenkt:</p>

<p>01_ZUSP</p>
<p>It was a shock when I saw the clay bisons for the first time, so big and so much better than I expected. It was moving, very strong.</p>
<p>Overvoice 01</p>
<p>Es war ein Schock, als ich die Lehmbisons zum ersten Mal sah. So groß und so viel schöner, als ich erwartet hatte. Wirklich bewegend.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Da ist er 15 Jahre alt. Die Geschichte von der besonderen Höhle ist in seiner Familie wie ein Versprechen – und nun hat er es selbst gesehen. Wände voll mit eingeritzten Mammuts, Steppenbisons und Löwen kennt er bereits aus den beiden Nachbarhöhlen. Aber aus Lehm modellierte Bisons? Was für einzigartige Zeugnisse aus der Steinzeit, mehr als 10.000 Jahre ist das her! – Ein Paradies für Forschende – und zwar nur für die, denn für Besucher sind die drei Grotten geschlossen. Und doch ist es für Eric Bégouën heutzutage zuweilen auch eine Last:</p>

<p>02_ZUSP</p>
<p>You&#39;ve got a lot of pressure. people say that you keep this treasure only for you. You don&#39;t want to share it. And of course I want to share. On the other hand, I am responsible for the conservation and the protection of the caves. </p>
<p>Overvoice 02</p>
<p>Man steht unter großem Druck. die Leute sagen, ihr behaltet diesen Schatz nur für euch. Ihr wollt ihn nicht teilen. Klar möchte ich teilen. Aber ich trage auch die Verantwortung, die Höhlen zu schützen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Immer wieder versuchen sich Neugierige Zutritt zu verschaffen. Schon der Eingang zieht sie an, wie die extra installierte Wildkamera regelmäßig zeigt. Seit mittlerweile vier Generationen versucht Erics Familie, die Grafen Bégouën, die Höhlen vor Schaden zu bewahren. Wofür, wenn niemand die Steinzeitkunst darin sehen darf? Was macht die Höhlen so besonders?</p>

<p>TRENNER</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zeit, ein wenig tiefer zu gehen. Nicht in die Höhlen – noch nicht. Erst eintauchen in die Familiengeschichte der Bégouëns. Nur so lässt sich verstehen, was es mit diesem unterirdischen Bilderreich auf sich hat, das kaum einer kennt. Und warum seit jeher fast ausschließlich Wissenschaftler in die Grotten dürfen.</p>

<p>03_ZUSP</p>
<p>It started with my great grandfather. He was very interested in evolution of men in the 19th Century.</p>
<p>Overvoice 03</p>
<p>Es begann mit meinem Urgroßvater im 19. Jahrhundert. Er interessierte sich sehr für die Evolution des Menschen.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>erzählt Eric auf seinem Anwesen oberhalb des Volp-Tals. Als seine Vorfahren – Graf Henri Bégouën mit seinen drei Söhnen Max, Jacques und Louis –hierher ziehen, sind die Volphöhlen noch unbekannt. Der Ort liegt praktisch für den Evolutionsfan Henri Bégouën: Toulouse ist nicht zu weit weg, und andere gerade erforschte steinzeitliche Stätten wie Mas d‘Azil und die Höhlen von Niaux recht nah. Perfekt, um der Begeisterung dafür nachzugehen.</p>

<p>04_ZUSP</p>
<p>So my great grandfather told his children go and play in our land. We have caves and you can go and play there now if you want. So the first time they went in the cave of Enlène, they have discovered a spear thrower. They were very excited, they thought to excavate the cave. But the owner of the field outside told them not to go any more in the cave. He thought he was the owner of the cave.</p>
<p>Overvoice 04</p>
<p>Also sagte mein Urgroßvater seinen Kindern, sie sollten auf unserem Land spielen gehen. Auch in den Höhlen wenn sie wollen. Als sie das erste Mal in die Höhle von Enlène gingen, entdeckten sie eine Speerschleuder. Sie waren ganz aufgeregt und wollten die Höhle ausgraben. Aber der Besitzer des Feldes draußen verbot ihnen, die Höhle wieder zu betreten. Er dachte, ihm gehört auch die Höhle.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nur: Wie drei Jugendlichen von 15, 16 und 18 Jahren klar machen, ihre Entdeckung gleich wieder zu vergessen? Natürlich suchen sie nach einem weiteren Eingang – und stoßen dabei im Oktober 1912 auf Tuc d’Audoubert:</p>

<p>05_ZUSP</p>
<p>They went to the cave with a small lamp. It was far away. May be something like one kilometer from the entrance they have found the clay bisons. They were very excited. And on their way back they saw a lot of footprints on the floor. So they decided to walk always on the same path so that they don&#39;t erase all the footprints on the floor.</p>
<p>Overvoice 05</p>
<p>Sie gingen mit einer kleinen Lampe in die Höhle. Etwa einen Kilometer vom Eingang entfernt fanden sie die Lehmbisons. Sie waren sehr aufgeregt. Und auf dem Rückweg sahen sie viele Fußabdrücke auf dem Boden. Also beschlossen sie, immer auf demselben Weg zu gehen, um die Fußabdrücke nicht zu verwischen.</p>

<p>SPECHERIN</p>
<p>Aus Lehm modellierte Steppenbisons, Jahrtausende alte Fußspuren, die man immer noch sieht! Erics Urgroßvater, Graf Henri Bégouën, versteht offenbar sofort die Tragweite der Entdeckungen auf seinem Grund. Er sieht es als Privileg und fühlt sich und seine Familie dafür verantwortlich, sie zu schützen. </p>

<p>06_ZUSP</p>
<p>My great grandfather wrote down the same night all the philosophy for the conservation for the caves. not open them to the public, to keep them for the science and to keep their visitors at a strict minimum.</p>

<p>Overvoice 06</p>
<p>Mein Urgroßvater schrieb noch in derselben Nacht die gesamte Philosophie zum Schutz der Höhlen nieder: also nicht öffentlich zugänglich machen, für die Wissenschaft erhalten, nur ein striktes Minimum an Besuchern.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bilderhöhlen nur für die Wissenschaft, ihr Schutz an oberster Stelle – in den Anfangszeiten der Forschung ein ungewöhnlicher Schritt: Die Höhle von Lascaux etwa war, seitdem sie 1940 entdeckt wurde, für alle offen - erst 1963 wurde sie für Besucher wieder geschlossen. Deren warme Atemluft hatte für Schimmelpilzbefall gesorgt und die Bilder fast zerstört. Oder die Höhle von Altamira in Kantabrien, Nord-Spanien: Schon seit 1868 bekannt und zugänglich und erst ab 1979 aus ähnlichen Gründen geschlossen. Die Höhle von Niaux in Südfrankreich: bis heute in Teilen öffentlich zugänglich.</p>

<p>07_ZUSP</p>
<p>During decades my grandfather, that was not easy for him because people say OK, Lascaux is open. So why do you keep your caves closed?</p>
<p>Overvoice 07</p>
<p>Jahrzehntelang war das für meinen Großvater nicht einfach. Die Leute sagten: Lascaux ist geöffnet. Warum bleiben eure Höhlen geschlossen?</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auf die dritte Volp-Höhle sollten die Bégouëns erst im Juli 1914 stoßen. Und zwar just auf einem Ausflug, mit dem sie feiern, dass sie zwei Jahre zuvor, 1912, Tuc d’Audoubert entdeckt hatten. Der passende Name für die neue Grotte: Les Trois-Frères, die drei Brüder. Spätestens damit war die Entscheidung von Graf Henri besiegelt. Und das Leben der Bégouëns nie mehr dasselbe. Wie sein Vater Robert, heute über 80 Jahre alt, hat auch Eric sein Leben auf die Höhlen ausgerichtet. Ihnen opfert er Zeit und Geld. Und auch seinen Wunsch, selbst Archäologe zu werden:</p>

<p>08_ZUSP</p>
<p>The first time I had the feeling the caves are important I was something like 16 years old. I came to Germany for an excavation and I met young students. And when I said my name, of course they knew everything of me and of the caves. So I sit 1000 kilometers from my house and I meet people, they know everything! I decided to have another job next to my hobby. Now I am working for an insurance company. That allows me to live here with my family and to take care about the caves on the weekend, in the evening and in my holidays and my free time.</p>
<p>Overvoice 08</p>
<p>Ich war etwa 16 als ich zum ersten Mal merkte, die Höhlen sind wichtig. Ich war für eine Ausgrabung in Deutschland und traf Studenten. Und als ich meinen Namen sagte, wussten sie alles über mich und die Höhlen. Ich bin 1000 Kilometer von zu Hause und treffe Leute, die alles darüber wissen! Ich entschied mich für einen anderen Job neben meinem Hobby. Jetzt arbeite ich für eine Versicherung. Das ermöglicht es mir, hier bei meiner Familie zu leben und mich um die Höhlen zu kümmern. Am Wochenende, abends, in den Ferien, in meiner Freizeit.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Den Bégouëns liegt viel daran, die Erforschung der Grotten zu unterstützen. Nicht zuletzt daher zählen sie heute zu den besterhaltenen ihrer Art, erzählt Andreas Pastoors. Der Prähistoriker ist Professor an der Universität Erlangen und leitet die Forschung in den Volphöhlen:</p>

<p>09_ZUSP</p>
<p>Wir haben hier keinen Tourismus, sie sind dunkel, wenn wir das Licht ausmachen. Man kann ähnliche Kunst in anderen Höhlen sehen, die touristisch hergerichtet sind oder die gelitten haben durch viele archäologische Maßnahmen. </p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nur hat sich da viel verändert an der Atmosphäre. Nicht so hier: </p>

<p>09.1_ZUSP</p>
<p>Hier sitzt man in diesem Raum genauso wie er war, als die Menschen vor 17.000, 20.000 Jahren hier waren.</p>

<p>MUSIK</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Andreas Pastoors hat schon vor mehr als 30 Jahren als Student in den Volphöhlen gearbeitet. Entsprechend vertraut das Verhältnis zu den Bégouëns. Nun steht die nächste Forschungskampagne an, Pastoors ist gerade aus Deutschland angereist. Als Eric ihm zufällig im Supermarkt begegnet, ist die Wiedersehensfreude groß. Es geht wieder los, das, wofür Eric und seine Familie sich so sehr einsetzen. Nur wenige dürften sich ähnlich gut mit den Volphöhlen und ihrem Kontext auskennen wie der Spezialist für Felsbildarchäologie von der Universität Erlangen.</p>

<p>10_ZUSP</p>
<p>Wir haben ungefähr 450 Bilderhöhlen weltweit und von denen ist der Großteil in Spanien und etwas weniger dann in Frankreich.</p>

<p>SPRECHERIN </p>
<p>Lascaux etwa liegt im Südwesten von Frankreich, die Volphöhlen im äußersten Süden. Zusammen mit dem Norden Spaniens bildet die Region den sogenannten franko-kantabrischen Raum, die Gegend mit der meisten eiszeitlichen Felskunst in Europa. Auch die Grotte Cosquer nahe Marseille und die Grotte Chauvet an der Ardèche zählen dazu. Ihre Felsbilder sind alle zwischen etwa 12.000 und 36.000 Jahre alt. Sie stammen also aus dem Jungpaläolithikum, der jüngeren Altsteinzeit – die Zeit, in der auch die letzte Eiszeit in Europa herrschte. Die Lebenswelt der Menschen damals: Lange, strenge Winter, kurze aber angenehm warme Sommer. Und die Landschaft:  </p>

<p>11_ZUSP</p>
<p>Es gab im Wesentlichen keine Bäume. Im Prinzip ne mehr oder weniger baumfreie Gras- und Strauchgrassteppe, ne sehr offene Landschaft.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>sagt Thorsten Uthmeier, der zusammen mit Andreas Pastoors in Südfrankreich forscht. Mit drei Studentinnen ist er dazu ebenfalls aus Erlangen angereist. Die abgebildeten Tiere – Wildpferde, Auerochsen, Rentiere, aber auch Löwen und Bären – so der Prähistoriker, waren insofern die Jagdbeute und die Lebenswelt zu dieser Zeit. Doch auch hier nehmen die Volphöhlen wieder eine Sonderrolle ein, sagt Andreas Pastoors:</p>

<p>12_ZUSP</p>
<p>Die Motive, die am häufigsten abgebildet worden sind, wie Pferd oder Steppenwisent oder Steinböcke oder Hirschkühe, die finden sich überall. Die zeigen einfach das Grundrauschen auf. Dieses Grundrauschen haben wir hier in den Volphöhlen auch. Was sticht heraus? Die Volphöhlen, denn sie zeigen, dass Menschen zum Beispiel mit Lehm modelliert haben. Und die Qualität dieser Lehmplastiken sind so hoch, dass man darüber schließen kann, dass das wahrscheinlich häufiger passiert ist.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>… nur in anderen Fällen einfach nicht erhalten blieb. Ein grundsätzliches Problem der Archäologen: Sie können nur finden, was nicht im Lauf der Zeit vergangen ist. In den Grotten hier können sich die Forschenden glücklich schätzen. Da gibt es zum Beispiel noch diesen Raum:</p>

<p>12.1_ZUSP</p>
<p>einem Raum, wo über 1000 Gravierungen sind, und ein Mischwesen aus Tierattributen wie einem Geweih, wie einem Vogelkopf, wie einem Schwanzschweif eines Wolfes oder eines Löwen, Tatzen eines Bären und ein menschlicher Körper dazu.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Neugier in der Gruppe, die gleich in die Höhle darf, steigt. Von diesem Mischwesen haben sie zwar schon Fotos gesehen. Doch das aktuellste ist gut 30 Jahre alt. Wie wird es in echt aussehen? Es klingt jedenfalls beeindruckend, was im Dunkel der Höhlen wartet. Wer mag nicht glauben, dass an derartigen Orten besondere Rituale stattgefunden haben müssen. Dass sie Heiligtümer waren, zu denen einst nicht jeder Zutritt hatte. Doch wozu die Höhlen wirklich dienten, wie sie im Detail genutzt wurden, das weiß bislang niemand so genau.</p>

<p>13_ZUSP</p>
<p>Im Grunde genommen herrscht ganz allgemein die Vermutung vor, dass es sich um Plätze handelt, wo besondere Dinge geschehen sind. Da hätte man gesagt, das sind die Kathedralen der Altsteinzeit, die Kirchen der Eiszeit.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>sagt Thorsten Uthmeier. Dabei gibt es keine klare Definition, was eine Höhle als Heiligtum von damals ausweist. Entweder mangele es an Funden in den Höhlen, aus denen sich derartiges ableiten ließe. Oder es gibt keine Untersuchungen, die das objektiv prüfen. Andreas Pastoors will das mithilfe der Volphöhlen ändern. Er vermutet, viele Bilderhöhlen waren stärker im Alltag der Menschen verankert, als bisher angenommen.</p>

<p>14_ZUSP</p>
<p>Andere Höhlen, wie die Grotte Chauvet oder Lascaux oder El Castillo: Dort gibt es, wenn überhaupt, nur einzelne Funde, die im Kontext von den Höhlenbildern von den Menschen hinterlassen worden sind. zum Beispiel Feuerstellen oder einzelne Steinwerkzeuge, ne Geschossspitze. Aber dieses Gesamtbild von Leben und Arbeiten, spezielle Aktivitätsräume, Nutzung der Höhle, das ist hier in den Volphöhlen einmalig.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wie haben sich die Menschen einst in den unterirdischen Stätten eingerichtet, was haben sie dort getan? Wie hängen Funde davon mit den Felsbildern zusammen? Das wollen die Forschenden herausfinden. Und dafür sollen die drei Studentinnen auch die Fundstellen kennen. Wir begleiten sie dabei. – Endlich geht es in die Höhlen. Gekleidet in einfache Overalls – Blaumänner – und Gummistiefel, und ausgestattet mit Stirnlampen erklärt Andreas Pastoors vor dem Einstieg die Spielregeln:</p>

<p>15_ZUSP</p>
<p>Wir fassen die Wände nicht an, wir bleiben zusammen. Wir haben keine Helme auf, was normalerweise so wäre, wenn man in eine Höhle geht. Wir nehmen in Kauf, dass wir uns den Kopf stoßen. Dafür sind wir einfach sensibler und merken irgendwo, dass wir anstoßen.</p>

<p>ATMO Höhle (Weg)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Schutz der Höhle und vielleicht noch unentdeckter Kunst steht über allem. Gebückt durch ein enges Einstiegsloch geht es die ersten Meter nur auf Knien vorwärts. Kurz darauf wachsen im Schein der Stirnlampen Tropfsteine von Boden und Decke. Vorsichtig vorbei an einer Kolonie schlafender Fledermäuse und ersten roten Handumrissen an den Wänden, die Stiefel schmatzen über den lehmigen Boden. Eine schmale Lauflinie, die die Gruppe dabei einhält – denn links und rechts davon liegen fast überall noch Reste von einst, wie Knochenfragmente oder Steinabschläge.</p>

<p>16_ZUSP</p>
<p>Man ist gewohnt, diese großen Bilderhöhlen, die sind aufbereitet, hat man Wege drin. Und dann geht man in diese Höhle, und man kann wirklich noch die Reste der Menschen, die damals unterwegs waren, sehen und auch spüren.</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>beschreibt etwa Cornelia Lechner ihre Eindrücke. Sie ist jedes Mal fasziniert, wenn sie hier herkommt. Mittlerweile arbeitet sie an einer Doktorarbeit über Funde aus der Höhle von Les Trois-Frères. – Und weiter geht es. Tiefer hinein in die Geheimnisse der Grotte. Die Temperatur unterwegs nicht unangenehm, fast behaglich. Wie mag sie wohl während der Eiszeit gewesen sein? Und wie wird sie sich künftig noch entwickeln? Der Klimawandel wird auch hier nicht spurlos vorüber gehen, ist sich Eric Bégouën sicher. Sollte es wärmer werden, fürchtet er, würde das zum Beispiel die aus Lehm modellierten Bisons in Tuc d’Audoubert bedrohen. – Und dann ist es soweit, das erste richtige Bild: Im Schein der Lampen blicken einen plötzlich Löwenaugen an. Schwarz starren sie einem von der hellen Wand entgegen. Andreas Pastoors deutet auf Details, die nicht sofort ins Auge fallen. </p>
<p> </p>
<p>18_ZUSP</p>
<p>Das Hauptmotiv ist ein Löwe, der nach rechts schaut, den Schwanz hinten hat, Beine mit den Krallen. Da sind einfache Linien graviert. Es wurde aber auch flächig weggeschabt und schwarze Farbe verwendet zur Konturierung.</p>
<p> </p>
<p>ATMO Höhle Weg + ATMO Sanctuaire <em>(incl Rutschpartie)</em></p>
<p>MUSIK UNTER SPRECHER (<em>hier jetzt der Höhepunkt der Höhle, hörbar wichtig machen</em>)</p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vorbei führt der weitere Weg an Sinterbecken, Stalagtiten und Stalagmiten. Immer wieder sind in den Fels gravierte Bilder von Steppenbisons, Vögeln, Löwen zu entdecken. Häufig nutzen die Bilder geschickt die Form des Felsens, wirken so beinahe plastisch. Längst ist klar, Andreas Pastoors wird angesichts der schieren Menge nur ausgewählte Bilder erläutern. Nach einer kleinen Kletter- und Rutschpartie sitzt die Gruppe im vielleicht wichtigsten Teil der Höhle. Zumindest lässt seine Bezeichnung Sanctuaire, zu Deutsch Heiligtum, genau das vermuten. Eine Metallleiter lenkt den Blick nach oben an die Felswand. Und da ist er, über den Köpfen, der Dieu cornu, das geheimnisvolle Mischwesen mit Geweih, einem menschlichen Körper und wolfsähnlichem Schweif. Scheint auf seine Betrachter herabzublicken. Denen stehen die Münder offen, die Sprache hat es ihnen verschlagen. Staunend, fast andächtig lauschen sie den Worten von Andreas Pastoors:</p>
<p> </p>
<p>19_ZUSP</p>
<p>Diese Figur ist eingebettet in diese Choreografie. Darunter gibt es viele kleine Figuren, vermischt mit großen Figuren. Da ist zum Beispiel der Bär. Das ist ein Wisent, der hier vorne seinen Kopf hat, die Rückenlinie, der Schwanz, die Beine. Überall sind unterschiedliche Themen, mal mit Esel, mal mit mehreren Tieren, mal mit einem Steppenwisent und so weiter. </p>
<p> </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bären, Löwen, Mammuts! Tiere über Tiere, je länger der Blick verweilt, desto mehr entdeckt man: Die erwähnten über 1000 Gravierungen, versteckt in einem Gewirr sich kreuzender Linien. Wahrscheinlich geschaffen von Menschen aus dem Magdalénien, der jüngsten Kulturepoche der Eiszeit vor rund 14.000 bis 20.000 Jahren. Aber wie alt die Felsbilder genau sind, das lässt sich oft nur auf Umwegen bestimmen.</p>
<p> </p>
<p>TRENNER</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Stilistik – darin sah ab den 1960er Jahren der französische Archäologe André Leroi-Gourhan eine Lösung. Er nahm an, dass sich die Kunst entwickelt hat, von einfachen Formen zu differenzierten Darstellungen. Anhand dessen unterschied er vier aufeinander folgende Stile steinzeitlicher Kunst. Ein lange Zeit maßgebliches System. Doch spätestens mit naturwissenschaftlichen Datierungen an Bildern der Grotte Chauvet im Jahr 1995 gilt es als überholt: Denn gerade solche, deren Stil als sehr ausgereift und jung galt, erweisen sich als mindestens 30.000 Jahre alt. Grundsätzlich bereitet das Datieren der Höhlenkunst nach wie vor Probleme:</p>
<p> </p>
<p>22_ZUSP</p>

<p>Heute ist es so, dass man bei den allermeisten Fundstellen nicht datieren kann, weil keine organischen Materialien, also Holzkohle oder so verwendet wurde. Auch da, wo das der Fall ist, möchte man eigentlich die Proben nicht nehmen, weil jede Probenentnahme die Wandbilder in Mitleidenschaft zieht. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Thomas Paine - Gründervater und Querulant</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/thomas-paine-gruendervater-und-querulant/2001411</link>
      <pubDate>Fri, 27 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">589a1bc0-f109-49f0-ba61-12db68a5b453</guid>
      <description>Mit &quot;Common Sense&quot; schreibt Thomas Paine das Pamphlet, das Grundlage werden wird für die amerikanische Revolution und später für die Unabhängigkeitserklärung. Seine Streitschrift verbreitet sich auch in Europa. Paine reist nach Frankreich, ist dort bald wieder an der Spitze einer Revolution. Doch wie in den USA folgt der Absturz, denn Paine ist zwar ein großer Revolutionär, im Umgang mit anderen Menschen aber wenig diplomatisch. Von Susi Weichselbaumer (BR 2024)</description>
      <enclosure length="23116416" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2001411/c/feed/thomas-paine-gruendervater-und-querulant.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:04</itunes:duration>
      <itunes:author>Susi Weichselbaumer</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit &quot;Common Sense&quot; schreibt Thomas Paine das Pamphlet, das Grundlage werden wird für die amerikanische Revolution und später für die Unabhängigkeitserklärung. Seine Streitschrift verbreitet sich auch in Europa. Paine reist nach Frankreich, ist dort bald wieder an der Spitze einer Revolution. Doch wie in den USA folgt der Absturz, denn Paine ist zwar ein großer Revolutionär, im Umgang mit anderen Menschen aber wenig diplomatisch. Von Susi Weichselbaumer (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/88c367fb-dae2-48a0-b9b0-d3aad4c07600.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit "Common Sense" schreibt Thomas Paine das Pamphlet, das Grundlage werden wird für die amerikanische Revolution und später für die Unabhängigkeitserklärung. Seine Streitschrift verbreitet sich auch in Europa. Paine reist nach Frankreich, ist dort bald wieder an der Spitze einer Revolution. Doch wie in den USA folgt der Absturz, denn Paine ist zwar ein großer Revolutionär, im Umgang mit anderen Menschen aber wenig diplomatisch. Von Susi Weichselbaumer (BR 2024)</p>
<p>Autorin und Regie dieser Folge: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Dorothea Anzinger, Berenike Beschle, Andreas Neumann, Stefan Merki<br/> Technik: Robin Auld<br/> Redaktion: Thomas Morawetz </p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:</strong></p>
<p><strong>Prof. Volker Depkat, Universität Regensburg, Amerikanistik<br/>Prof. Heli Monot, LMU München, Amerikanistik<br/>Gary Berton, Präsident Thomas Paine National Historical Association</strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>11KM - Der Tagesschau-Podcast. Ein Thema in aller Tiefe<br/>Neue Folgen immer montags bis freitags </strong><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/11km-der-tagesschau-podcast/12200383/">HIER</a></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>

<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-paine-usa-gruendervater-unabhaengigkeitserklaerung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wer hat die Hosen an? - Geschichte einer Bekleidung</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wer-hat-die-hosen-an-geschichte-einer-bekleidung-1/2093876</link>
      <pubDate>Fri, 27 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">661b19bb-2f5f-4514-b9ab-46027577d1f0</guid>
      <description>Von Männern in Strumpfhosen zu Frauen im Hosenanzug - jahrhundertelang war die Hose in Europa Symbol von Männlichkeit und Macht, Klassenkonflikten und Geschlechtsunterschieden. Und deshalb heiß umstritten, in der Französischen Revolution wie im Kampf um die Emanzipation und der Jugendrevolte des 20. Jahrhunderts. Autorin: Ulrike Rückert (BR 2024)  </description>
      <enclosure length="21969408" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093876/c/feed/wer-hat-die-hosen-an-geschichte-einer-bekleidung-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:53</itunes:duration>
      <itunes:author>Ulrike Rückert</itunes:author>
      <itunes:summary>Von Männern in Strumpfhosen zu Frauen im Hosenanzug - jahrhundertelang war die Hose in Europa Symbol von Männlichkeit und Macht, Klassenkonflikten und Geschlechtsunterschieden. Und deshalb heiß umstritten, in der Französischen Revolution wie im Kampf um die Emanzipation und der Jugendrevolte des 20. Jahrhunderts. Autorin: Ulrike Rückert (BR 2024)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d5913b57-539b-4050-8a4c-a524ea2cd2ca.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Von Männern in Strumpfhosen zu Frauen im Hosenanzug - jahrhundertelang war die Hose in Europa Symbol von Männlichkeit und Macht, Klassenkonflikten und Geschlechtsunterschieden. Und deshalb heiß umstritten, in der Französischen Revolution wie im Kampf um die Emanzipation und der Jugendrevolte des 20. Jahrhunderts. Autorin: Ulrike Rückert (BR 2024)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Ulrike Rückert<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Berenike Beschle, Stefan Wilkening, Katja Bürkle<br/> Technik: Susanne Herzig<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> </p>
<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-hose-mode-gender-frauenemanzipation-revolution-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Sängerin Esther Ofarim trug edlen schwarzen Samt und Perlenkette, als sie an einem Abend im September 1966 die Bar im Hamburger Grandhotel Atlantic betrat. Ein Angestellter forderte sie auf, die Bar zu verlassen und sich umzuziehen, wenn sie wiederkommen wolle. Der Grund für den Affront: das todschicke Outfit des Weltstars war – ein Hosenanzug. </p>
<p>MUSIK 2</p>
<p>&quot;48 Hours&quot; - Album: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (Original Motion Picture Soundtrack) - Künstler: James Horner / Daniel Pemberton - Komponist: Daniel Pemberton - Länge: 0&#39;42</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Sache schlug Wellen. Einer Reporterin erklärte der Hoteldirektor, man erwarte von den Gästen „vorschriftsmäßige Garderobe“, und sobald die Damenhosen „offiziell anerkannt“ seien, werde man sie selbstverständlich akzeptieren. Die Hamburger Hosenaffäre ist ein Beispiel für das Konfliktpotential in der Geschichte des zweigeteilten Beinkleids.</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Hosen. Sind eine bekannte Kleidung, womit die Manns-Personen den Unter-Leib bedecken.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>So definiert ein Lexikon aus dem 18. Jahrhundert und erläutert weiterhin:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>„Hosen ihres Mannes hat das Weib.“ Ist ein bekanntes Sprüchwort, so von denen herrschsüchtigen Weibern gesaget wird, welche ihren Männern in allen befehlen und das Regiment über selbige führen wollen.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Geschichte der Hose ist lang. Ötzis Beinlinge aus Fell waren ein Vorläufer. Die ältesten richtigen Hosen, die Archäologen ausgegraben haben, gehörten asiatischen Reiten vor dreitausend Jahren. Germanen und Kelten trugen Hosen, Griechen und Römer allerdings fanden die Dinger barbarisch. Auch ist die Hose nicht von Natur aus männlich, zwischen Indien und Grönland finden sich in der Geschichte der Menschheit viele Völker mit behosten Frauen. Aber im Mittelalter wurde die Hose in Europa zum Symbol von Männlichkeit und von Macht im Verhältnis der Geschlechter zueinander. Die Redensart von der Frau, die die Hosen anhaben will, war schon im 13. Jahrhundert geläufig, jedoch ging es damals nicht um das Oberbekleidungsstück, das im Deutschen heute Hose heißt. Denn das war auch bei Männern aus der Mode.</p>
<p>MUSIK 3</p>
<p>Tante belleçe in questa donna stanno- Künstler: La Reverdie - Album: Landini: L&#39;Occhio del Cor - Komponist: Francesco Landini</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Der Gast schritt an das Bett,</p>
<p>da war ein weißes Gewand für ihn bereitet.</p>
<p>Einen Bruchgürtel von Gold und Seide</p>
<p>zog man darunter.</p>
<p>Rote Hosen aus Scharlach streifte man ihm über.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>So beschreibt Wolfram von Eschenbach in seinem Roman „Parzival“ um das Jahr 1200 das Outfit eines Ritters bei Hofe. Das Gewand war lang, und „Hosen“ ist das mittelhochdeutsche Wort für Strümpfe oder Beinlinge. Die trugen auch Frauen unterm Kleid. Der „Bruchgürtel“ hielt die Bruch – eine Unterhose. </p>
<p>Musik 4</p>
<p>&quot;Poiché partir convienmi, donna cara&quot; - Künstler: La Reverdie - Album: Landini: L&#39;Occhio del Cor - Komponist: Francesco Landini</p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>In Heinrich Wittenwilers Satire „Der Ring“, verfasst rund zweihundert Jahre später, bekommt der Bräutigam bei einer Bauernhochzeit guten Rat: </p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Das sag ich dir ganz grad heraus:</p>
<p>Du bist der Herr in deinem Haus!</p>
<p>Wiss’, und trägt dein Weib die Bruch,</p>
<p>Sie wird dein Unglück und dein Fluch</p>
<p>wider Gott und sein Gebot!</p>
<p>Hierzu wirst du der Leute Spott.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Unterhose machte den Mann. Und der Mann hatte dafür zu sorgen, dass er der Herr im Haus war, wie es auch die Bibel bestimmte. Frauen galten als launisch, eitel, gierig und herrschsüchtig, und hielt man sie nicht unter Kontrolle, geriet die Welt aus den Fugen. So waren französische Schwänke, italienische Novellen und deutsche Fastnachtsspiele bevölkert von Frauen, die – oft ganz handgreiflich – versuchten, ihrem Mann die Hose zu entreißen. Die Geschichten warnten unbotmäßige Frauen vor drastischen Strafen oder führten dem männlichen Publikum vor, welche Demütigungen ihm bei einer Niederlage drohten:</p>
<p>Musik 5</p>
<p>&quot;Hal with Reznor&quot; - Komponist und Ausführender: Daniel Pemberton - Album: The Haunted Airman (Soundtrack)</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Die Betten machen, kehren, waschen,</p>
<p>sudeln und prudeln in der Aschen.</p>
<p>Eine Revolution in der Männermode nach der Großen Pest im 14. Jahrhundert brachte die Hose als Oberbekleidung zurück. In einer Chronik ist zu lesen:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Nachdem das Sterben ein Ende hatte, da hob die Welt wieder an zu leben und fröhlich zu sein, und machten die Männer neue Kleidung. Die Röcke waren so eng, dass ein Mann nicht darin schreiten konnte, und waren eine Spanne über die Knie. Danach machten sie die Röcke ganz kurz, eine Spanne über den Gürtel.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die jungen Männer schnitten immer mehr von ihren Gewändern ab, bis nur ein Wams übrigblieb, das kaum noch den Po bedeckte. Das rückte wohlgeformte Beine – Gipfel männlicher Schönheit – in vorteilhaftes Licht, aber zwischen dem Wams und den langen Strümpfen blitzte die Bruch und womöglich blanke Haut hervor. Zur Abhilfe nähte man die Beinlinge hinten zusammen und setzte vorn einen Latz ein. Voilà, die Hose war wieder da, und im Deutschen trug sie nun auch diesen Namen. Von nun an war sie das männliche Kleidungsstück. Und bald in den wunderlichsten Erscheinungen zu sehen.</p>
<p>MUSIK 6</p>
<p>&quot;Rondes I &amp; VII&quot; - Album: Hirschfelder - Elizabeth  (Original Motion Picture SoundTrack) - Komponist: Tielman Susato - Länge: 0&#39;37</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Mir kann keiner eine zu abenteuerliche Form eines Kleids aufbringen, denn je seltsamere Kleidung, nach Schnitt von Hosen, Wams und Schuhen, einer aufbringt, je lieber trag ich’s.</p>
<p>ERZÄHLERIN  </p>
<p>… bekannte der Augsburger Konrad Schwarz im 16. Jahrhundert, durchaus typisch für den modebewussten Mann der Renaissance. Männer von Adel und nun auch die stolzen Bürger der Städte zeigten nicht nur Figur, sondern auch, wer sie waren und was sie sich leisten konnten. Wie ein Pfau spreizte man das schillernde Gefieder. Nach der Strumpfhosenphase waren Hosen für drei Jahrhunderte mehr oder weniger kurz und meist farbenfroh. Die Hosenwissenschaft kennt Dutzende von Namen für Modestile, die miteinander konkurrierten oder sich abwechselten - eng anliegend oder bauschig weit, kugelig rund ausgepolstert, geschlitzt mit kontrastfarbig herausquellendem Futter, bestickt, mit Bändern und Schleifen verziert. Und das Gemächt verpackt in protzig großen Schamkapseln.</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Und möchte mancher meinen, er sehe einen Kramladen aufgetan, so mit mancherley Farben von Nesteln, Bändeln, Schlüpffen sind sie an Haut und Haaren, an Hosen und Wambs, an Leib und Seel behenket, beschlencket, beknöpfet und beladen.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>… spottete der Satiriker Johann Michael Moscherosch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Und dann kam die Rheingrafenhose – die ein Rock war. Ein knielanger, weiter Rock, üppig garniert mit Spitzen, Bänderbüscheln und Schleifen, und darunter schaute eine Pluderhose mit breiten Spitzenvolants heraus. Eine Zeitlang war das der Hit an Europas Fürstenhöfen. Zur selben Zeit sah Samuel Pepys in London Irritierendes:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>In den Gallerien finde ich die Hofdamen in ihrer Reitkleidung, mit Mänteln und Wämsern gerade wie meine, mit Perücken und mit Hüten, so dass, würde nicht ein langer Unterrock unter ihren Männermänteln schleifen, niemand sie für Frauen halten könnte, was ein seltsamer Anblick war und mir nicht gefiel. </p>
<p>MUSIK 7</p>
<p>&quot;Quanta Qualia&quot; - Komponist: Michael Riessler - Album: Héloise - Länge: 1&#39;06</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Ordnung der Geschlechter verlangte auch sichtbare Verschiedenheit, was ebenfalls auf biblischem Gebot beruhte:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Ein Weib soll nicht Mannsgewand tragen und ein Mann soll nicht Weiberkleider antun.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Das Verbot galt für beide Geschlechter, doch es ist nicht für beide dasselbe, wenn die Frau dem Mann untergeordnet ist. Der Unterschied besteht darin, so der Schriftsteller Eugen Isolani, dass …</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>… die erhabene und herrschende Stellung des Mannes nicht erniedrigt werden solle durch das Weib, das sich als Mann zeigt, und nicht durch die Selbsterniedrigung des sich als Weib gebärdenden Mannes.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Wenn Frauen sich Männerkleider aneigneten, sah man die Männermacht bedroht. Das war nicht nur eine Frage der Optik - man hegte den Verdacht, dass die Kleidung Frauen auch ein anderes Selbstgefühl gebe. Im 16. Jahrhundert schrieb der englische Humanist Richard Hyrde:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Eine Frau soll nicht Männerkleidung verwenden, denn es ließe sie denken, sie hätte den Stolz eines Mannes.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Etwas prosaischer bemerkte das Journal des Luxus und der Moden 1802 über die damals aktuellen absatzlosen Frauenschuhe:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Flache Sohlen geben Sicherheit und Bestimmtheit, der Gang wird selbständiger, und niemand kann läugnen, daß die hohen Hacken jedem Weibe ungesehene Fesseln anlegen, wodurch die Hülfe des Mannes ihm auf jedem Schritte nöthig wurde.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Hutformen, Jackenschnitte und Absätze waren eine Sache, doch die Hose blieb ein Tabu. Aber auch dieses wurde oft gebrochen. Viele Frauen reisten in Hosen, weil es bequemer war. Englische Aristokratinnen gingen in Hosen auf die Jagd. Königin Christina von Schweden trug gern Männerkleider. Katharina die Große und Marie Antoinette ritten im Herrensitz in Hosen, Männerrock und Dreispitz, und ließen sich auch so malen. Und was ist mit dieser Anmerkung in einem Lexikon aus den Siebzehnhundertachtzigern gemeint?</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Bisweilen trägt auch das Frauenzimmer, besonders zur Winters=Zeit, Beinkleider, um sich desto besser vor der Kälte zu verwahren; und es wäre zu wünschen, daß sich das Frauenzimmer, der Gesundheit wegen, dieser Tracht mehr bediente.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Um 1700 herum hatte die Männerhosenpracht ein Ende. Man trug nun schlichte Kniebundhosen, die fast völlig verschwanden unter langen Jacken mit weiten Schößen. Im Laufe des Jahrhunderts wurde die Silhouette schlanker, die Jacken offen getragen und die Schöße schräg zurückgeschnitten. Man zeigte wieder Bein, in knallengen Hosen. Wer keine muskulöse Adonis-Statur vorweisen konnte, packte gern Polster und Wachsprothesen unter die Hosen. </p>
<p>MUSIK 8</p>
<p>&quot;Marseillaise St Cyr Defile Avec Tambours Et Clairons...&quot; Ausführende: &quot;Garde Républicaine &amp; Roger Boutry&quot; - Album: Musiques Militaires Garde Republicaine - Länge: 0&#39;26</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Die Revolution in Frankreich war auch eine Revolution der Hosen. Die radikalsten Umstürzler erklärten die Kniebundhose, die „Culotte“, zum Symbol der aristokratischen Willkürherrschaft, weshalb man sie „Sansculotten“ nannte, „ohne Kniehosen“. Zeichen des republikanischen Geistes sollten die „Pantalons“ sein, lange Hosen. </p>
<p>Musik 9</p>
<p>&quot;Let that door open&quot; - Komponist und Ausführender: Teho Teardo - Album: Arlington: Music for Enda Walsh&#39;s Play</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Mit diesen zeigten sich auch einige Revolutionärinnen. Frauen waren überall dabei, sie diskutierten in der Öffentlichkeit mit, gründeten politische Clubs und forderten gleiche Bürgerrechte für ihr Geschlecht. Das ging den Herren dann doch zu weit. Sie verboten den Frauen die Clubs und Versammlungen, und die Männerhosen auch. Da vermeldete das Journal des Luxus und der Moden eine neue Revolution:</p>
<p>Musik 10</p>
<p>&quot;48 Hours&quot; - Album: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (Original Motion Picture Soundtrack) - Künstler: James Horner / Daniel Pemberton - Komponist: Daniel Pemberton - Länge: 0&#39;20</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Der Anzug der Damen ist ganz ohne Beyspiel. Sie tragen nemlich, wie die Männer, Pantalons von fleischfarben seidnem Zeuche, und darüber einen Rock von feinstem Mousseline, der an der Seite bis aufs Knie aufgeschürzt, und mit einer Agraffe befestigt wird.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Tatsächlich hatten diese Pantalons mit denen der Männer nichts gemein, es waren Leggings aus Trikotstoff - so ziemlich das einzige, was die Pariserinnen noch unter hauchdünnen Kleidern trugen, nachdem sie Korsetts und Unterröcke beiseite geworfen hatten. Dennoch hielt man sie offensichtlich für gewagter als die sogenannte „Nuditäten-Mode“ der durchsichtigen Chemisenkleider. Diese Welle überrollte Europa, doch die Pantalons machten nur wenige mit. Die spätere Schriftstellerin Bettina Brentano schrieb an Goethes Mutter: </p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Jetzt raten Sie einmal, was der Schneider für mich macht! Ein paar Hosen? Ja! Vivat! jetzt kommen andre Zeiten angerückt.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Andere Zeiten kamen in der Tat, allerdings brachten sie keine größeren Freiheiten, nicht einmal modische. In der auf göttliches Gebot gegründeten Weltordnung war jedem sein Platz zugewiesen, bestimmt durch Stand und Geschlecht, und man hatte sich dementsprechend zu verhalten. Mit der Aufklärung und der Erschütterung des Ständesystems war diese Ordnung obsolet geworden. Die Unterordnung der Frauen war damit nicht abgeschafft, aber sie brauchte eine neue Begründung. Sie fand sich im Geschlechtscharakter. Frauen und Männer seien, so Wilhelm von Humboldt, von Natur aus völlig verschieden, mit ganz gegensätzlichen Eigenschaften, so dass …</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>… vernünftiger Weise auch nicht einmal der Gedanke entstehen kann, den Charakter des einen mit dem des anderen zu vertauschen.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Bislang waren Sanftmut, Geduld und Fügsamkeit Verhaltensweisen, die von Frauen erwartet wurden. Nun war es ihre Natur. Benahmen sie sich anders, galten sie nicht mehr als widerspenstig, sondern als unnatürlich, krankhaft. Eine richtige Frau war der liebevolle Engel im Haus und verlangte weder in der Ehe noch in der Gesellschaft gleiche Rechte. Damit war das Thema des Zanks um die Hosen keineswegs aus der künstlerischen Welt geschafft. Die Frau, die die Hosen anhaben will, war im 19. Jahrhundert ein höchst beliebtes Sujet für Karikaturisten. Eine Zeichnung allein wurde über Jahrzehnte in mehreren Ländern mit kleinen Veränderungen immer wieder kopiert: ein Mann und ein Frau zerren an einer Hose, angefeuert von einem anderen Paar, bei dem er schon der Hose beraubt ist, die sie unter ihrem Rock trägt. Aus den Bildtexten der deutschen Version:</p>
<p>Musik 11</p>
<p>&quot;Winners&quot; - Album: Tommy&#39;s Honour (Original Score) - Komponist und Ausführende: Christian Henson</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Grosser Zank, Zwischen einem Mann und seiner Frau: wer von beyden die Hosen tragen und im Haus die Ober-Herrschaft haben soll.</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Lieber sterbe ich, als meiner Frau die Hosen zu lassen; der Mann soll immer der Herrscher seyn.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Dabei lassen sich in den verschiedenen Versionen dieser Karikatur auch die Hosenmoden der Zeit verfolgen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigten sich die Männer in engen Pantalons zu Frack und Weste noch figurbetont und gedämpft farbenfreudig, am Ende steckten sie in der Uniform des dunklen Anzugs. Industrialisierung und Gründerboom verlangten Effizienz statt eitler Selbstpräsentation. Mit den Worten des Ästhetikprofessors Friedrich Theodor Vischer aus dem Jahr 1879:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Das männliche Kleid soll überhaupt nicht für sich schon etwas sagen, nur der Mann selbst, der darin steckt, mag durch seine Züge, Haltung, Gesicht, Worte und Thaten seine Persönlichkeit geltend machen.</p>
<p>MUSIK 12</p>
<p>&quot;Excellent Notion&quot; Ausführender und Komponist: Patrick Doyle - Album: Sense and Sensibility - Länge: </p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Zur Ausstellung des männlichen Erfolgs war die Ehefrau da, in dekorativen Kleidern, in denen man schwerlich arbeiten konnte, selbst wenn man das musste. Um 1850 waren Frauen wieder fest ins Korsett geschnürt und schleppten unter ihren weiten Röcken ein halbes Dutzend steife Unterröcke mit sich herum. Zu dieser Zeit lebte Elizabeth Cady Stanton in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New York. Einige Jahre zuvor hatte sie hier die erste Frauenrechtsversammlung in den Vereinigten Staaten organisiert und radikale Forderungen nach Gleichberechtigung gestellt.</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Mrs. Miller kam mich besuchen, gekleidet im türkischen Stil – kurzer Rock, weite Hosen aus feinem schwarzem Tuch, ein spanischer Umhang, der bis zum Knie reichte, ein sehr kleidsames Kostüm und überaus geeignet zum Gehen bei jedem Wetter. Meine Kusine zu sehen, wie sie, mit einer Laterne in einer Hand und einem Baby in der andern, mit Leichtigkeit und Anmut die Treppe hinaufstieg, während ich, mit wallenden Gewändern, mich mit Mühe hinaufzog, von Laterne und Baby gar nicht zu reden, überzeugte mich sogleich, dass eine Reform der Frauenkleidung sehr nötig war, und ich legte umgehend einen ähnlichen Anzug an.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Ähnliche Kostüme hatten schon andere ausprobiert. Aber Stanton und ihre Freundin Amelia Bloomer, die eine kleine Frauenzeitschrift herausgab, rührten die Trommel dafür. Es wurde bekannt als „Bloomer-Kostüm“, schlug Wellen in den USA und in Europa und löste eine Flut von Karikaturen, bissigen Pressekommentaren und Spottliedern aus. Vermutlich verstanden die Lästermäuler durchaus, dass es Elizabeth Cady Stanton und Amelia Bloomer keineswegs nur um praktischere Kleidung ging. </p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Mir scheint, wenn die Frau völlige Freiheit genösse, würde sie sich genau wie ein Mann anziehen. In männlicher Kleidung könnten wir reisen, durch alle Straßen unserer Städte gehen ohne einen Beschützer, siebenhundert Dollar im Jahr fürs Unterrichten bekommen statt dreihundert und zehn Dollar fürs Nähen eines Mantels statt zwei oder drei, wie wir es jetzt haben. </p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>… schrieb Stanton an einen Freund. Einige hundert Frauen in Amerika, über mehrere Staaten verteilt, trugen das Bloomer-Kostüm. Dafür wurden sie auf der Straße begafft, von johlenden Kindern verfolgt und mit Hohn übergossen. Nach zwei, drei Jahren hatten fast alle Frauen entnervt aufgegeben. Die radikalen Suffragetten der Jahrhundertwende vermieden solche Experimente. Sie wollten nicht schrullig wirken und damit andere Frauen abschrecken. Die Hosenfrage war damit nicht gestorben, allerdings tauchte sie nun in einem anderen Bereich wieder auf: als Frauen sich den Sport eroberten.</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Man redet der Frau ein, daß sie kränklich sei und schwach und daher des männlichen Schutzes bedürfe; denn ahnte sie die ihr angeborne Kraft und Gesundheit, so könnte der souveräne Mensch in ihr erwachen</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>… schrieb die Schriftstellerin Hedwig Dohm 1874. Mediziner warnten eindringlich, dass Sport Frauen zu Mannweibern mache und die Gebärfähigkeit beeinträchtige. Sie sollten sich auf maßvolle Gymnastik und Reigentanz beschränken. Sportbegeisterte Frauen ließen sich damit aber nicht von Hockey, Schwimmen, Skifahren, Rudern, Bergsteigen und Boxen abhalten und mussten dabei Lösungen für die Kleiderfrage finden. In der Turnhalle setzten sich knielange Pluderhosen als Sportdress durch. Ansonsten verwandten Frauen viel Erfindungsgabe darauf, um selbst auf Alpengipfeln nicht in einer Hose gesehen zu werden. Lieber konstruierten sie textile Verwandlungsapparate, wie die Rockhose dieser Bergtouristin:</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Über der Wäsche trage ich eine Hose, am Knie seitlich geknöpft und durch einige Falten so erweitert, dass ich frei ausschreiten kann. Der fußfreie Rock ist sehr faltig. Ich kann ihn entweder rings mit einem Riemen schürzen, oder ich ziehe ihn an der Stelle empor, welche durch den An- und Abstieg freie Bewegung fordert.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Mit dem Fahrrad-Hype um 1900 wurden Frauenbeine in Hosen dann auch öffentlichkeitstauglich. Die Knickerbocker-Trägerinnen riskierten dennoch, von aufgebrachten Passanten mit Matsch beworfen oder in Ausflugslokale nicht eingelassen zu werden. </p>
<p>MUSIK 13</p>
<p>&quot;O wie praktisch ist die Berlinerin&quot; - Album: Perlen der Kleinkunst - Ausführende: Claire Waldoff - Komponist: Hollaender - Länge: 0&#39;13</p>
<p>Musik 14</p>
<p>&quot;48 Hours&quot; - Album: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (Original Motion Picture Soundtrack) - Künstler: James Horner / Daniel Pemberton - Komponist: Daniel Pemberton - Länge: 0&#39;36</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>1907 wollte die Sängerin Claire Waldoff in einem Berliner Kabarett kess in Herrenanzug und Zylinder auftreten, doch da griff die Obrigkeit ein. Sie durfte nur im Kleid auf die Bühne. Ein paar Jahre später später kreierten Pariser Modeschöpfer „Hosenkleider“. Wagemutige Damen flanierten damit durch europäische Metropolen und ernteten Hohn und Spott. In München allerdings blieb man gelassen.</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Die neuen Kostüme, die man bei der Parademusik vor der Residenz, des Nachmittags im Englischen Garten und des Abends im Hoftheater sah, fanden ein aufmerksames Interesse, das sich aber in schicklichen Formen kundgab.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Im Ersten Weltkrieg übernahmen Frauen viele bisherige Männerjobs, aber nicht die männlichen Arbeitshosen. Wenn ein Rock ganz unbrauchbar war, wurden von der Männerkleidung verschiedene Modelle eingeführt. So bekamen Streckenläuferinnen bei der Eisenbahn und Arbeiterinnen in der Schwerindustrie des Ruhrgebiets Kniebundhosen. In den Zwanzigerjahren schnitten sich Frauen die Haare und die Röcke ab und Fliegerinnen in Hosen und Lederjacke waren die Idole junger Mädchen. Trotzdem hieß es auch in den Dreißigern kategorisch:</p>
<p>ZITATORIN </p>
<p>Hosen? Nur im Heim, für den Strand und den Sport!</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>Als Marlene Dietrich sich in einem Hosenanzug im Herrenschnitt sehen ließ, verbot ihr Filmstudio ihr das prompt, doch sie hatte schon eine neue Mode gestartet. In den USA brachte Levi’s „Lady Levi“ auf den Markt, die erste Jeans speziell für Frauen. In der Schweiz trat Nelly Diener, Europas erste Stewardess, ihren Dienst an. Ihre selbstkreierte Uniform bestand aus Sakko und Hosenrock. Nach drei Monaten kam sie bei einem Absturz ums Leben. Erst vierzig Jahre später durften die ersten Flugbegleiterinnen wieder Hosen tragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Keilhose und die Capri-Hose erfunden. Als Audrey Hepburn in dem Film “Sabrina” eine schwarze Capri-Hose trug, prophezeite eine Zeitschrift:</p>
<p>Musik 15</p>
<p>&quot;48 Hours&quot; - Album: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (Original Motion Picture Soundtrack) - Künstler: James Horner / Daniel Pemberton - Komponist: Daniel Pemberton - Länge: 0&#39;14</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Mehr Frauen als je zuvor werden in diesem Sommer „die Hosen anhaben“, daran besteht kein Zweifel! Glücklicherweise nur im modischen Sinn.</p>
<p>ERZÄHLERIN </p>
<p>In den Sechzigern und Siebzigern waren Hosen aus der Mode für Frauen schon nicht mehr wegzudenken, von den jungen Jeansträgerinnen bis zur Pariser Haute Couture. In der Bundesrepublik kauften Frauen schon mehr Hosen als Röcke. Aber in Büros waren Hosen immer noch tabu, bei offiziellen Anlässen galten sie als unpassend, und Esther Ofarim war nicht die einzige Frau, die wegen ihrer Hose aus einem Restaurant oder Hotel verwiesen wurde. Heute sind Hosen für Frauen kein Thema mehr. Und Männer experimentieren mit Röcken, wenn auch nur eine winzige Minderheit.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Heimweh - Sehnsucht oder Krankheit?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/heimweh-sehnsucht-oder-krankheit/2094134</link>
      <pubDate>Fri, 27 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d76b4261-2362-425b-ab74-91c7b83bab1e</guid>
      <description>Heimweh, diese bohrende Sehnsucht nach Wohlvertrautem, die einen in der Fremde packen kann. Viele zwickt es nur ein wenig, andere sind so arg gebeutelt, dass es sie regelrecht krank macht und einschränkt: Kinder kann es genauso treffen, wie Erwachsene oder Alte. Gut zu wissen, wie Heimweh sich lindern lässt. Von Anja Mösing (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22816512" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094134/c/feed/heimweh-sehnsucht-oder-krankheit.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:46</itunes:duration>
      <itunes:author>Anja Mösing</itunes:author>
      <itunes:summary>Heimweh, diese bohrende Sehnsucht nach Wohlvertrautem, die einen in der Fremde packen kann. Viele zwickt es nur ein wenig, andere sind so arg gebeutelt, dass es sie regelrecht krank macht und einschränkt: Kinder kann es genauso treffen, wie Erwachsene oder Alte. Gut zu wissen, wie Heimweh sich lindern lässt. Von Anja Mösing (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e1d93c19-2643-43d4-bdb9-8c7dcc7af2ef.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Heimweh, diese bohrende Sehnsucht nach Wohlvertrautem, die einen in der Fremde packen kann. Viele zwickt es nur ein wenig, andere sind so arg gebeutelt, dass es sie regelrecht krank macht und einschränkt: Kinder kann es genauso treffen, wie Erwachsene oder Alte. Gut zu wissen, wie Heimweh sich lindern lässt. Von Anja Mösing (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Anja Mösing<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Stefan Wilkening, Florian Schwarz<br/> Technik: Regina Staerke<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Gerd Schuster, Psychologe, Pflegewissenschaftler, Nürnberg<br/>Brigitte Reysen-Kostudis, Psychologin und Psychotherapeutin der psychologischen Beratung der Freien Universität Berlin<br/>Josefina, Studentin, Wien</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong><br/>
<br/>

Nostalgie – Der Traum vom besseren Gestern
Nostalgische Gefühle verklären vergangene Ereignisse und Zustände. Bei aller Wehmut verbessern sie deshalb die Stimmung und können über aktuelle Notlagen hinwegtrösten. So birgt die gute, alte Zeit auch ein zukunftsweisendes Potential - bei aller Gefahr, die im rückwärtsgewandten Denken liegt. Autorin: Justina Schreiber
<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/nostalgie-der-traum-vom-besseren-gestern/1915504">JETZT ENTDECKEN</a>

<br/>


<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong><strong></strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a><strong></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-heimweh-sehnsucht-krankheit-stress-heimat-fremde-flucht-elternhaus-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Fortwährende Traurigkeit, häufige Seufzer, fortwährendes Denken an die Heimat, unruhiger Schlaf, Abnahme der Kräfte, geringerer Appetit, Herzensängste und unregelmäßiger Herzschlag, Fieber, Störung der Verdauung, Abmagerung und Schwächung und schließlich: Tod.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>So wurden im 18. Jahrhundert die typischen Symptome von Heimwehkranken beschrieben. </p>
<p>Heimweh - ein Krankheitsbild, das zuerst der junge Elsässer Medizinstudent Johannes Hofer im Jahr 1688 erforscht hat. </p>
<p>MUSIK 2 Kuhreihen für Alphorn solo 0’30 </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Schweizer Krankheit wurde es auch genannt, nach Schweizer Söldnern, oft arme Bauernsöhne aus den Bergen, die in der Fremde an dieser rätselhaften Todesursache starben. </p>
<p>Traditionelle Hirtenlieder wie den Schweizer Kuhreihen zu singen, wurde angeblich verboten, um Heimweh nicht ausbrechen zu lassen. Als einzige Kur gegen die Krankheit galt damals: die Leidenden umgehend nachhause zu schicken. </p>
<p>ZSP 1    Reysen</p>
<p>Ich würde sagen, 20 bis 30 Prozent der Neuankömmlinge haben doch sehr große Probleme und entwickeln dann eben auch Heimweh.</p>
<p>MUSIK 3 Kings Of Convenience – Homesick 0’21</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Für Neuankömmlinge in einer Stadt, Studierende zum Beispiel, ist Heimweh auch heute noch ein großes Thema. Das weiß Brigitte Reysen-Kostudis aus 30 Jahren Erfahrung in der psychologischen Beratung der Freien Universität Berlin. Die Studierenden, die zu ihr in die Beratung kommen, sind zwischen 20 und 27 Jahre alt:   </p>
<p>ZSP 2    Reysen</p>
<p>In der Regel kommen die jungen Menschen nicht zu mir und sagen gleich zu Beginn: Ich habe Heimweh. Es fällt gerade den jungen Leuten in dieser Schwellensituation zwischen Kindsein und Erwachsensein oft schwer, das von sich selbst zu sagen. Weil das oft als nicht passend zum Erwachsensein angesehen wird. Aber im Verlauf des Gespräches kommen wir darauf: Warum hast du diese Symptome? Ist es vielleicht tatsächlich deshalb, weil Du ganz oft an Dein altes Zuhause denkst? </p>
<p>MUSIK 4 Kings Of Convenience – Homesick 0’47</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Im Englischen sagt man homesickness, im Französischen mal du pays und immer noch mal du Suisse. Das Wort Krankheit steckt in jedem dieser Begriffe. Auch das deutsche Heimweh klingt wie Bauchweh und Zahnweh nach körperlichem Schmerz. Als tödliche Krankheit wird Heimweh aber nicht mehr gefürchtet: </p>
<p>ZSP 3 A   Reysen</p>
<p>Weil da ja keine körperliche Erkrankung im Hintergrund ist, die behandelt werden müsste. Es ist schon ein seelisches Leiden und das kann Schmerzen verursachen, das kann Magenprobleme verursachen, Kopfschmerzen verursachen, die dann allerdings psychische Ursachen haben.</p>
<p>ZSP 3  B   Josefina</p>
<p>Bei mir hat es immer im Bauch angefangen, wie wenn man so einen Klumpen im Bauch hat. Und dann kommt es oft auf Herzhöhe. Und dann hat man so eine Enge ums Herz. Und man ist ganz-ganz vorsichtig und starr in so einer Habacht-Haltung. Ich bin ganz, ganz still geworden und habe alles beobachtet, als ob jetzt gleich was Schlimmes passieren könnte. Und irgendwann ist es dann so hoch im Kopf gestiegen, dass man gar nicht mehr an anderes denken konnte als: Da kommt jetzt gleich was. Und ich muss Heim! Und ich will in Sicherheit sein! Und Sicherheit war halt daheim sein. </p>
<p>MUSIK 5 Regina Spektor – Open 0‘28</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Josefina ist Mitte 20 und unfreiwillig Heimweh-Expertin, sie kennt das Gefühl seit frühester Kindheit. Einen allerersten Auslöser, ein traumatisches Erlebnis, so etwas gab es für ihr Heimweh nicht:  </p>
<p>ZSP 4  Josefina</p>
<p>Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es irgendwann angefangen hat, sondern es war halt immer schon da. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Zur Zeit des Interviews studiert Josefina im vierten Semester Psychologie in Wien. Aufgewachsen ist sie in München. Ihr letztes großes Heimweh, das hatte sie zu Beginn ihres Studiums: </p>
<p>ZSP 5  Josefina</p>
<p>Da war ich 22 und bin nach Wien gezogen. Das Heimweh war da zum ersten Mal dieses Gefühl: Okay, du kannst traurig sein! Du darfst das vermissen! Du darfst Sehnsucht haben! Und du darfst weinen deshalb, das ist okay, das ist ein Grund! Und vom Gefühl her Heimweh, aber in dem Fall positive Sehnsucht eher. </p>
<p>MUSIK 6 Jonathan Jeremiah – Happiness 0’50</p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Der Entwicklungsschritt vom Heimweh hin zur bloßen „Sehnsucht nach zuhause“ war für Josefina groß. Denn Heimweh hatte sie oft komplett besetzt. Dass sie jetzt so selbständig und fröhlich in Wien studieren kann, hat sich Josefina hart erarbeitet, sagt sie. Mit zwei Jahren Psychotherapie. </p>
<p>Kandidatinnen oder Kandidaten für starke Heimwehsymptome sind vor allem Menschen, die Angst vor unvorhergesehenen Ereignissen haben, egal ob als Kind oder als Erwachsene. Das erklärt die Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis,:</p>
<p>ZSP 6A  Reysen</p>
<p>Das gehört schon zusammen: Dieses Bedürfnis nach Kontrolle und die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Und in einer neuen Umgebung habe ich natürlich nicht die Kontrolle über das, was passieren kann. Also alles ist noch neu. Es können Dinge passieren, die ich vorher noch nie erlebt habe. Und das ist für manche eine große Herausforderung. Für andere ist es toll, dass ständig neue Sachen passieren, neue Begegnungen möglich sind. Für andere ist es totaler Stress.</p>
<p>MUSIK 3 Gerd Baumann – Martha 0‘47</p>
<p>ZSP 6 B Josefina</p>
<p>Schullandheim zum Beispiel: Da war nicht unbedingt ein Auslöser. Also, das stapelt sich dann so: Das Essen ist doof. Und dann bin ich mit jemandem im Zimmer, mit der ich mich davor gestritten habe. Oder es ist ein sehr-sehr großes Zimmer, wo viel Trubel ist und ich mich nicht mal eine Minute zurückziehen kann und sagen: Okay, tief durchatmen, das wird wieder. Und das waren dann alles Faktoren, wo ich gesagt habe: ich fühle mich hier ganz-ganz unwohl. Und ich habe keine Kontrolle mehr über diese Situation, von meiner Sicht aus. Und anstatt zu sagen: Ja gut, jetzt ist die Bettdecke ungemütlich, meine Güte! Es gibt nicht mein Lieblingsessen, okay kann man ne Woche mit leben! Das ist dann viel-viel größer geworden als es eigentlich war.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Für Außenstehende wirkt es oft, als wolle ein Kind plötzlich nach Hause, nur weil das Essen nicht schmeckt wie gewohnt. Der Grund fürs Nachhause wollen liegt aber viel tiefer:</p>
<p>ZSP 6  C   Reysen</p>
<p>Auf dieser diagnostischen Ebene fällt Heimweh unter eine Anpassungsstörung. Das ist so der medizinische Terminus. Wenn jemand Schwierigkeiten hat, sich an neue Umgebungen und neue Bedingungen anzupassen. </p>
<p>MUSIK 8 Deine Freunde – Heimweh 0’47</p>
<p>ZSP 6  D   Josefina</p>
<p>Heimweh war für mich immer ein bisschen wie so eine Überforderung, weil ich mich so unwohl in der Situation gefühlt habe, wo ich quasi dann alleine war und keinen Anker hatte, wo ich wusste, da kann ich einfach ganz entspannt sein. Sondern ich war immer komplett angespannt. Und diese Anspannung war da natürlich irgendwann zu viel. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Heimweh kann so dominierend werden, dass es sich wie ein grauer Schleier auf Dinge legt, auf die man sich eigentlich gefreut hätte: Eine Einladung zum Wochenendausflug, eine Geburtstagsübernachtung oder eine Fackelwanderung im schneeverwehten Wald. Allein schon die Angst davor, Heimweh zu bekommen, schränkt die Betroffenen ein: </p>
<p>ZSP 7  Josefina </p>
<p>Weil dir einfach ganz viele schöne Momente von dem Gefühl kaputt geschossen werden. Weil du dann in deinem kleinen pessimistischen Kokon sitzt und eigentlich hättest du den Spaß des Lebens. </p>
<p>MUSIK 9 Gerd Baumann – Sophies Thema 0‘37</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Schon mit sechs Jahren hat Josefina zusammen mit den Eltern Strategien entwickelt, um Heimwehsituationen durchzustehen: Alles, was neu sein könnte, haben sie vorher besprochen. Und Josefina hat immer einen Talisman von daheim mitgenommen, eine Halskette ihrer Mutter. Solche so genannten Übergangsobjekte sind tröstende Klassiker für Heimwehkinder! Auch ein heimliches Not-Handy kann mit, falls die Sehnsucht nach zu Hause zu groß wird. </p>
<p>ZSP 8  Reysen </p>
<p>Was ich eine ganz schöne Strategie finde, ist, wenn so ein kleines Klassenfahrt-Tagebuch geführt wird. Wenn dann die Begleitpersonen sagen: Ach, mal doch mal ein Bild für deine Mutter oder deinen Vater. Und wenn du wiederkommst, kannst du das zeigen, damit sie auch sehen, wie es hier ausgesehen hat. Das ist auch eine Art und Weise dem Kind zu signalisieren: Ja, du wirst wieder zurückkommen! Das gibt Sicherheit. Das kommt bei Kindern oft total gut an, weil die sich dann auch ernst genommen fühlen als Handelnde. Solche Strategien helfen dabei, dass das Kind sich aktiv mit der Situation auseinandersetzen kann. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Aktiv sein, ist wichtig! Wenn Studierende in Berlin zu Brigitte Reysen-Kostudis in die Psychologische Beratung der Universität kommen, haben sie oft schon viel Heimweh und Ängste durchlitten. Die jungen Leute haben sich darauf gefreut, endlich in der großen Stadt zu studieren. Und irgendwann stehen sie vor lauter ungeahnten Problemen: </p>
<p>ZSP 9  Reysen</p>
<p>Entweder: Ich kann die Aufgaben nicht erledigen, die ich eigentlich machen sollte. Ich habe Antriebsstörungen, Schlaflosigkeit, merke, dass ich mich auf bestimmte Dinge gar nicht mehr konzentrieren kann. Ich kann Texte nicht lesen. Ich sitze zu Hause und bin traurig. Oder aber es sind extreme Ängste da. Ich traue mich nicht, mit der U-Bahn zu fahren, mit Straßenbahn zu fahren, das sind mir alles viel zu viele Leute. Und ich habe vielleicht sogar auch schon mal eine Panikattacke gehabt. Und jetzt habe ich so enorme Ängste, dass so etwas wieder passieren könnte. </p>
<p>MUSIK 10 Gerd Baumann – Vom Ende 1‘07</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Heimweh kann theoretisch jeden treffen. Aber ängstliche Menschen trifft es häufiger als andere, so die Psychologin: </p>
<p>ZSP 10 A   Reysen</p>
<p>Ja, ich denke, dass Angst ein wesentlicher Faktor ist. Heimweh in einem Maße, wo es wirklich beunruhigend ist und stark einschränkend ist, vor allem für Menschen, die eben Probleme haben, auf andere zuzugehen, die in Situationen, die neu sind, sich oft nicht wohlfühlen. Also alles, was in dies Spektrum von ängstlichen Persönlichkeiten hineingehört. </p>
<p>ZSP 10 B    Josefina </p>
<p>Ich habe sehr-sehr viel nachgedacht immer über Situationen. War sehr vorsichtig und bin nie einfach ins Wasser gesprungen, sondern habe mir das alles immer erst mal angeschaut. Und habe andere Leute beobachtet, wie die ins Wasser gesprungen sind. Und dann bin ich auch reingesprungen. Und ich glaube, das kann überhandnehmen, dass man sich dann so reinsteigert, dass das einfach der Mechanismus ist, wie man so durch die Welt geht. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die konträre Haltung wäre: Was soll schon passieren? Mache ich halt einfachmal, das wird dann schon! </p>
<p>ZSP 11  Reysen</p>
<p>Ich finde es immer sehr bewundernswert, wenn Leute zu mir sagen: Ah, ich habe wirklich eine schöne Kindheit gehabt und Jugend und da haben wir das und das gemacht. Und ich fühlte mich wohl. Das ist ein Schatz, den sie bewahren können. Aber es geht weiter. Weil gerade dieses Gefühl verbunden zu sein, auch mit einer Landschaft verbunden zu sein, mit Menschen verbunden zu sein, kann ja auch Kraft geben, noch einmal neu zu starten, für neue Herausforderungen, die ich bestehen muss. Weil ich ja weiß, es gibt Menschen und Orte, die mir vertraut sind. Und warum sollte es mir nicht gelingen, das woanders auch aufzubauen?</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Heimweh ist Teil der Suche nach sich selbst, glaubt Reysen-Kostudis. Wer Heimweh hat, ist auf der Suche nach der eigenen Heimat, nach einem Ort, wo man glücklich werden kann. Manchmal hilft es sogar, Verbindung zur alten Heimat aufzunehmen. </p>
<p>ZSP 12  Reysen</p>
<p>Das kann sein, dass ich mein Lieblingsgericht zubereite, was aus einer bestimmten Region kommt. Das kann sein, dass ich sage, ich telefoniere regelmäßig, Skype regelmäßig mit Menschen, die mir wichtig sind. Aber nicht ständig! Dass ich versuche, das ein bisschen zu regeln, dass ich dann bestimme, an welchen Tagen, zu welchen Zeiten ich mich diesem Gefühl auch überantworten kann und das auch genießen kann. Die Verbundenheit mit diesem Ort hört ja nicht auf. </p>
<p>MUSIK 11 Gerd Baumann – Flimmern 1‘10</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Um schneller heimisch zu werden hilft vor allem eins: Neu geknüpfte Beziehungen!</p>
<p>ZSP 13  Reysen</p>
<p>Was in allen Forschungen über Glück oder auch Zufriedenheit immer drin ist, ist dieses Eingebundensein. Das kann Eingebundensein in Bezug auf zwischenmenschliche Kontakte, aber auch so eingebunden zu sein in ein Wertesystem. Wenn ich mich zugehörig fühle einer bestimmten Gruppierung, das kann eine religiöse Gemeinschaft sein, das kann eine politische Gemeinschaft sein, dann hilft das auch, um in ungewohnten neuen Situationen auch gleich so andocken zu können, zu einem bestimmten Thema. Wo dann diese direkten menschlichen, persönlichen Kontakte nachträglich kommen können, aber erst einmal auch ein Gefühl von Eingebundensein entstehen kann.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ob es der Skaterpark ist, wo man Gleichgesinnte findet oder das Studentenradio, der Arbeitskreis für eine vegane Lebensweise oder die Tangogruppe: Heimwehkranke, die freiwillig in eine fremde Umgebung gezogen sind, haben gute Chancen ihr Leiden mit solchen Strategien zu überwinden. </p>
<p>Wie hartnäckig Heimweh in der Fremde auftritt, hängt aber immer auch von den Gründen ab, aus denen das alte Zuhause verlassen wurde: </p>
<p>ZSP 14  Reysen</p>
<p>Ganz extrem bei Geflüchteten, die wir auch in der Studierendenschaft haben, die eben nicht freiwillig ihre Heimat verlassen haben. Sondern gegangen sind, weil Krieg, Notzustände, Verfolgung da war. Weil dann die Gedanken da sind: Was passiert jetzt eigentlich in meiner Heimat? Ich bin jetzt hier. Aber irgendwie komme ich gar nicht an, weil ich in Gedanken immer noch woanders bin. </p>
<p>MUSIK 12 Sting – Shape Of My Heart 0‘23</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wer nicht freiwillig am Ort ist, der die neue Heimat werden soll, braucht besonders gute Strategien, um heimisch zu werden. Das konnte auch der Psychologe und Gerontologe Gerd Schuster feststellen. Für seine Dissertation Heim und Heimweh befragte Schuster alte Menschen nach ihrem Umzug ins Pflegeheim: </p>
<p>ZSP 15  Schuster </p>
<p>Und das sind natürlich besonders krasse Umstände des Umzugs! </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>So unterschiedlich die Biographien der Hochbetagten waren, so häufig hörte Schuster von den Befragten, dass es besonders die Art des Umzugs war, die Heimweh ausgelöst hatte: </p>
<p>ZSP 16  Schuster </p>
<p>Der Eintritt in ein Pflegeheim war für die allerallermeisten eine sehr traumatische Situation. Vor allen Dingen deshalb, weil sehr viele ältere Menschen nicht aus einer vorbereiteten Situation von daheim ins Pflegeheim übersiedeln, sondern schnell: Nach Schlaganfällen zum Beispiel, nach Aufenthalten im Krankenhaus, wo dann im Krankenhaus festgestellt wird: dieser Mensch kann nicht mehr daheim in die eigene Wohnung. Das heißt, sie können von dieser Wohnung überhaupt kein Abschied mehr nehmen.  </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Alle Befragten hatten unter Heimweh gelitten. Dabei galt Heimweh bei alten Menschen bisher als wenig verbreitet. Weil es nur bei Kindern und jungen Leuten erforscht wurde, sagt Schuster. Inzwischen ist die Lebenserwartung gestiegen, und viele Menschen müssen nun im letzten Lebensabschnitt noch einmal an einen fremden Ort umziehen:  </p>
<p>ZSP 17  Schuster</p>
<p>Beispielsweise ein älterer Mann, der war ein Kunstschreiner gewesen, der sehr schöne Möbel selber hergestellt hat, ein sehr selbstbewusster Mensch. Der fand sich jetzt, nach einer solchen Situation, in einem Pflegeheim. Und am nächsten Tag kam sein Schwiegersohn und brachte ihm - das muss man sich mal geben - in Müllsäcken ein bisschen Kleidung vorbei und ein bisschen Habseligkeiten. </p>
<p>MUSIK 13 Moon Over Bourbon Street 0’27</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Sich nach einem langen Leben in einer Wohnung oder sogar im selbstgebauten Haus plötzlich in einem Zimmer von 16 Quadratmetern wieder zu finden, wo gerade noch Platz ist für eine kleine Kommode und einen kleinen Schrank, in denen die Habseligkeiten verstaut werden können, das ist oft schlimm für Neuankömmlinge im Pflegeheim, sagt Schuster: </p>
<p>ZSP 18  A Schuster </p>
<p>Das ist natürlich ein schockhafter Zustand. Und dann spielt sich das ab, was wir so unter Heimweh-Symptomatik verstehen: Appetitlosigkeit, man denkt nur noch an zu Hause, man weint, man kann nicht schlafen. Man kann an nichts anderes denken als an zu Hause. Man verweigert sich sozialen Kontakten, man igelt sich in seinem Zimmer ein. Man will nicht reden, man will niemanden sehen. </p>
<p>ZSP 18 B  Reysen </p>
<p>Heimweh ist ja auch so ein Gefühl von Ausgeliefertsein, wie auch bei anderen Schmerzen, die ich habe. Da fühle ich mich immer als jemand, der eine Wunde hat, einen inneren Schmerz hat und darunter leidet. Und je mehr ich erkennen kann: Ich kann was dagegen tun! Es gibt aktive Möglichkeiten, etwas zu verändern! Oder ich kann meine Umgebung verändern, desto weniger tut es auch weh.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Diese Art von Aktivität können Hochbetagte oft nicht mehr leisten. Umso wichtiger, dass Pflegende die alten Menschen in ihrem neuen Zuhause gut empfangen, sagt Gerd Schuster, der inzwischen mehr als 20 Pflegeheime geleitet hat: </p>
<p>ZSP 19  Schuster </p>
<p>Darauf sind die Interviewpartnerinnen immer wieder zurückgekommen: Es hat mir sehr geholfen, dass ich so herzlich begrüßt worden bin vom Pflegepersonal. Dass man mir mein Zimmer gezeigt hat, dass man ein Gespräch mit mir geführt hat, dass man mich willkommen geheißen hat, mich anderen Bewohnerinnen und Bewohnern vorgestellt hat, mir das Haus gezeigt hat, vielleicht sogar manchmal ein bisschen gedrückt, also umarmt, also diese menschlichen Zeichen. </p>
<p>MUSIK 14 Kings Of Convenience – Homesick 0’047</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Sich angenommen zu fühlen am neuen Ort und vertraute Dinge um sich zu haben: vielleicht den Lesesessel, das Lieblingsbild für die Wand und ein kleines Schränkchen. All das hilft, heimisch zu werden. Wichtig ist auch, zu spüren, ich bin nicht ausgeliefert, sondern kann noch handeln und selbst entscheiden! Ich wähle zum Beispiel meine Kleidung selbst aus und meine Mahlzeiten. </p>
<p>Die Studentin Josefina empfiehlt noch einen Trick, den sie als Kind in Heimwehsituationen angewendet hat: Rückbesinnung auf schöne Situationen im Leben! Vielleicht unterstützt durch Fotos von geliebten Menschen oder Orten:</p>
<p>ZSP 20 A   Josefina</p>
<p>Es funktioniert wahnsinnig gut, wenn man sich denkt: Okay, ich beschwöre mir jetzt eine glückliche Erinnerung rauf und fühl einfach die, anstatt dem Heimweh. Und das funktioniert, glaube ich, auch gegen Angst und gegen alles.</p>
<p>ZSP 20 B   Schuster </p>
<p>Aber ich würde davon abraten, die alten Menschen nur noch unter dieser musealen Perspektive wahrzunehmen! Nach der Devise: alles, was möglichst früh gewesen ist, ist gerade richtig und gut als Erinnerungs-Gegenstand mit ins Pflegeheim zu geben. Wir nageln ja dann den älteren Menschen in seiner ganz-ganz frühen Vergangenheit fest und nehmen ihn nur noch unter dieser Perspektive war. Anstatt das wir mal sagen: Mensch, du hast so schöne Augen! Dieser Mensch ist jetzt präsent in dem Pflegeheim!</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wie aber hilft man einem Hochbetagten, wenn er das Heimweh immer wieder überdeutlich äußert mit dem Satz: Ich will nach Hause!</p>
<p>ZSP 21  Schuster </p>
<p>Die Fragestellung, die ist für die Psychologen natürlich sehr interessant, was verbirgt sich denn hinter diesem: Man will nach Hause! Wie es oft von dementen Menschen geäußert wird. Dann ist es gar nicht das Elternhaus. Ich habe ja selber einen Großvater gehabt, der an Demenz erkrankt war, und der redete auch immer davon, er will nach Hause. Und mein Vater ist ganz verrückt gewesen, weil er diesen Wunsch vor allen Dingen nachts geäußert hat, also war sehr anstrengend. Und dann hat mein Vater einfach mal gesagt: So ich setz dich jetzt ins Auto. Ich fahre dich jetzt, dorthin, wo du als Kind aufgewachsen bist. Und dann hat er ihn tatsächlich ein paar Kilometer gefahren, an sein Elternhaus. Das erkannte mein Großvater gar nicht. Also, das zeigt auch, dass in dieser Metapher des nach Hause Wollens anderes steckt als tatsächlich das physische Elternhaus. Sondern es hat sehr viel mit Sehnsüchten zu tun, mit dem Gefühl des sich Wohlbefindens, mit dem Gefühl der Geborgenheit auch.</p>
<p>MUSIK 15 Agnes Obel – Chord Left 1’05 </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Wer sich ernstgenommen fühlt, wohl und geborgen, der will in der Regel gar nicht heim. Denn Heimweh zeigt immer ein Verlorenheitsgefühl an, ob bei Kindern, jungen oder alten Leuten. Und Hochbetagten steht eine zusätzliche Möglichkeit zur Verfügung, um diese Gefühlslage zu überwinden:</p>
<p>ZSP 22 Schuster </p>
<p>Ja, in der Tat. Es ist ein Verlorenheitsgefühl zunächst! Aber ein Verlorenheitsgefühl, wenn man das ein bisschen blumig ausdrücken mag, das Ausschau hält nach dem Rettenden. Und dieses Rettende findet sich eben oft in der eigenen Biografie, schon allein in der Erkenntnis, dass das ganze Leben irgendwo unbeständig ist. </p>
<p>ERZÄHLER</p>

<p>Gerade weil alte Menschen aus langer Erfahrung wissen, dass das Leben aus Schönem und aus Schwierigem, aus Verlusten und aus Neuanfängen besteht, können sie alle Arten von Erfahrungen in ihr Leben integrieren - auch die, dass es notwendig ist, an einem neuen Ort heimisch zu werden. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Schwaben- und Hütekinder - Schwerstarbeit statt Schule</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/schwaben-und-huetekinder-schwerstarbeit-statt-schule/2093842</link>
      <pubDate>Thu, 26 Jun 2025 02:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1e33c54c-7456-45a1-bfe9-24aa4468f9c2</guid>
      <description>Über 300 Jahre lang machen sich Scharen von Kindern im Frühjahr aus den Alpengebieten nach Oberschwaben auf, um sich dort als saisonale Arbeitskräfte zu verdingen. Sie sind zwischen sechs und 14 Jahren alt und leisten als so genannte Schwaben- oder Hütekinder Schwerstarbeit, statt zur Schule zu gehen. Das Phänomen des &quot;Schwabengehens&quot; endet erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Autorin: Ulrike Beck (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21190656" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093842/c/feed/schwaben-und-huetekinder-schwerstarbeit-statt-schule.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:04</itunes:duration>
      <itunes:author>Ulrike Beck</itunes:author>
      <itunes:summary>Über 300 Jahre lang machen sich Scharen von Kindern im Frühjahr aus den Alpengebieten nach Oberschwaben auf, um sich dort als saisonale Arbeitskräfte zu verdingen. Sie sind zwischen sechs und 14 Jahren alt und leisten als so genannte Schwaben- oder Hütekinder Schwerstarbeit, statt zur Schule zu gehen. Das Phänomen des &quot;Schwabengehens&quot; endet erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Autorin: Ulrike Beck (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ae4f3b9c-f82f-42cc-a95d-483e32b8cff6.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Über 300 Jahre lang machen sich Scharen von Kindern im Frühjahr aus den Alpengebieten nach Oberschwaben auf, um sich dort als saisonale Arbeitskräfte zu verdingen. Sie sind zwischen sechs und 14 Jahren alt und leisten als so genannte Schwaben- oder Hütekinder Schwerstarbeit, statt zur Schule zu gehen. Das Phänomen des "Schwabengehens" endet erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Autorin: Ulrike Beck (BR 2024)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Ulrike Beck<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse, Christian Baumann, Julia Fischer<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Sabine Mücke, Historikerin, Leiterin des Museums Humpis Quartier in Ravensburg <br/>Dr. Tanja Kreutzer, Kunsthistorikerin, Leiterin des Bauernhaus Museums Wolfegg</p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Regina Lampert, „Die Schwabengängerin - Erinnerungen einer jungen Magd aus dem Vorarlberg 1864-1874“. Ein anschaulicher und lebendiger Einblick in Regina Lamperts Leben und Alltag als Schwabenkind. Diese Memoiren hat Lampert 1929 im Alter von 75 Jahren in Heften für ihre Familie niedergeschrieben.</p>


<p>Elmar Bereuter, „Die Geschichte des Kaspanaze - Die Schwabenkinder“. Der Roman erschien 2002 und diente Jo Baier als Vorlage für seinen Film „Schwabenkinder“. Eine sehr berührende und anschauliche Darstellung der Erfahrungen des Schwabenkindes Kaspar.</p>
Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:

<p><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong><a title="INSTAGRAM LINK" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/">frauen_geschichte</a> </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-schwabenkinder-huetekinder-arbeitsmigration-kinderarbeit-armut-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>Zitatorin (Lampert Die Schwabengängerin S. 66)</p>
<p>Eines Tages sagte der Bauer etwa Ende Juli: “Die Gäns verlieren schon viel Federn, die müssen gerupft werden, bevor die Ernte angeht, denn dann hat man keine Zeit mehr, die Viecher zu rupfen. So zehn Stück solltest rupfen können im Tag.“ …Zuerst ging es nicht gut; an der ersten hatte ich fast ein halben Tag, bittere Tränen hab ich geweint dabei, bis ichs endlich gemerkt habe, wie das geht.“</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Das schreibt Regina Lampert in ihren autobiografischen Memoiren „Die Schwabengängerin - Erinnerungen einer jungen Magd aus Vorarlberg“. </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Sie ist zehn Jahre alt, als sie im Frühjahr 1864 zum ersten Mal aus ihrem Heimatdorf Schnifis aufbrechen muss, um bis zum Herbst auf einem Bauernhof in Berg am Bodensee zu arbeiten. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Sie ist eine von zigtausenden so genannten Schwabenkindern, die sich über 300 Jahre lang in der Fremde verdingt haben. Aber sie ist die Einzige, deren Erlebnisse 1996 als Buch erscheinen, das eine Welle der Erinnerung auslöst.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Und mit den Impuls gibt für grenzüberschreitende Projekte in Europa, für die sich Historiker und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Italien ab 2006 auf die Spuren der Schwabenkinder machen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg durchforsten sie Dienstbotenverzeichnisse und werden fündig. Dort sind die Namen aufgelistet, genau wie das Alter, der Herkunftsort und der jeweilige Dienstherr.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Zusammen mit den Informationen aus den Schulakten, sowie Zeitzeugenberichten, die die Nachfahren der ehemaligen Schwabenkinder und Archive beisteuern, setzt sich ein Puzzle zusammen, wie das Leben der bis dahin meist Unbekannten ausgesehen haben könnte. </p>
<p>Erzähler</p>
<p>Am Ende sind es 14.000 Biografien, die in die Schwabenkinderdatenbank aufgenommen und abgerufen werden können.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Gute Nacht“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 01:05</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Geschichte des Schwabengehens beginnt bereits Ende des 16., Anfang des 17.Jahrhunderts. Als die ersten Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol, Südtirol, der Schweiz und Liechtenstein sich nach Oberschwaben aufmachen – so nannte man damals die Gegend im südöstlichen Baden-Württemberg und im südwestlichen Bayern. </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Eine Gegend, die durch den Getreideanbau und auch den Getreideexport in die Schweiz und nach Österreich längst als  Kornkammer im Alpenraum bekannt ist. Eine Gegend, in der auch Kinder als Arbeitskräfte an den großen Höfen gebraucht werden.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Historikerin Sabine Mücke leitet das Museum Humpis Quartier in Ravensburg und hat sich im Rahmen der EU-geförderten Projekte intensiv mit der Geschichte des besonderen Phänomens des Schwabengehens beschäftigt.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>1.O-Ton (Mücke Ausstellung Humpis Museum ab 5:46)</p>
<p>Der Grund (…) dass sehr viele Menschen aus den Alpenregionen, vor allen Dingen Tirol, auch Graubünden bis hin nach Südtirol, Vorarlberg natürlich auch nach Oberschwaben kamen, war die Tatsache, dass es schon nach dem Dreißigjährigen Krieg ja hier ein Bevölkerungsvakuum gab. Die Bevölkerung war durch Kriegseinwirkungen, durch Seuchen, Pest und so weiter stark reduziert worden in einem ohnehin schon dünn besiedelten Gebiet. </p>
<p>Hier gab es eben große Höfe, die einfach auch Arbeitskräfte benötigten. (…) Und deswegen war es eigentlich fast natürlich, dass es diese Arbeitsmigration gab. Das waren auch Erwachsene, die saisonal sich dann hier Arbeit gesucht haben und diesen Migrationsbewegungen folgten dann letztlich auch die Kinder. </p>
<p>Erzähler</p>
<p>Im Laufe der Jahrhunderte etabliert es sich, dass die Kinder allein geschickt werden und die Eltern daheim bleiben. Anfang bis Mitte des 19.Jahrhunderts erreichen die Kinderwanderungen ihren Höhepunkt. </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Laut Schätzungen sind es pro Jahr 5000 Buben und Mädchen, die aus dem nördlichen Alpenraum ins Schwabenland ziehen, um auf den Höfen als Hütejungen, Mägde oder Knechte zu arbeiten. Kinder, die zwischen sechs und 14 Jahre alt sind.</p>
<p>2.O-Ton (Mücke Ausstellung ab ca. 9:11)</p>
<p>Man muss aber sagen, dass die Zahlen so hoch waren, weil das eine Zeit war, die durch Hungerkrisen also gerade 1816/ 17 und die folgenden Jahre auch hier durch hohe Auswanderung, also auch im Königreich Württemberg oder in Baden gab es viel Armut und Auswanderung nach Amerika, was aber gleichzeitig dann wieder Arbeitskräftemangel hier evoziert hat und so lag also dieser Höhepunkt dieser Wanderung dann in diesen Jahrzehnten.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Gute Nacht“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 00:55</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Es ist die Armut, die ihre Eltern dazu bringt, eines oder mehrere ihrer zahlreichen Kinder in die Fremde zu schicken. Die die beschwerliche Wanderung aber nicht allein bewältigen müssen, sondern sich als Gruppe mit anderen Kindern aus dem Dorf aufmachen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Sie sind nicht ganz ohne Schutz unterwegs, sondern immer in Begleitung eines Erwachsenen. Wie notwendig diese Begleitung ist, das geht aus der nachgestellten Erzählung des ehemaligen Schwabenkindes Katharina hervor. Die so im Bauernhaus-Museum Wolfegg zu hören ist. Katharina ist 11 Jahre alt, als sie sich 1836 von Graubünden aus auf den Weg macht:</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>3.O-Ton [0:00:09] (Katharina) :</p>
<p>Wie wir aufbrechen am frühen Morgen ist wie gsagt überall noch Schnee. Acht Kinder sind wir und die Frau, die uns begleitet. Der Vater sagt: die bringt euch ins Schwabenland und holt euch wieder ab im Herbst. Tut, was sie sagt. Der Weg ist steil von Samnaun hinunter ins Inntal. Wir laufen hintereinander, ich bin hinten und habe Mühe im Schnee. Vor mir ist mein Bruder und hinter mir noch die kleine Anna. Aber plötzlich, als ich zurückschaue, ist sie nicht mehr da. Die Anna schrie ich. Die Führerin hält sofort an, schaut, kommt zurück und geht eilig den Berg hinauf. Ich gehe mit, und wir finden sie. Anna hockt im Schnee. Sie ruft nach ihrer Mutter und weint. Und auch bei mir kommen die Tränen. Unsere Führerin kniet bei der Anna, hält sie fest, redet ihr leise zu und beide stehen auf. Sie führt sie an der Hand. Ich folge den beiden stumm.</p>
<p>MUSIK privat Take 012 „Einsamkeit“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 00:20</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Neben dem Heimweh und der Ungewissheit, was sie im Schwabenland erwartet, ist auch der Weg für die Jungen und Mädchen eine Tortur. Sabine Mücke:</p>
<p>4.O-Ton (Mücke Int. ab 1:07)</p>
<p>Da die Kinder um Mitte März herum schon in Oberschwaben sein mussten, weil da beginnt einfach dann so das bäuerliche Arbeitsjahr mit Aussaatarbeiten, mussten sie sich eben dann auch auf den Weg machen. Und Mitte März lag eben in den Alpen in den höheren Regionen auf jeden Fall immer noch Schnee. </p>
<p>Das heißt vor allen Dingen für die Kinder (1:31), die aus Südtirol, auch aus Tirol kamen, stand der Arlberg im Weg. (…) Und man muss sich eben vorstellen, wenn dann diese Kinder sich zu Fuß durch den noch meterhohen, schweren Schnee auf den Weg machen mussten (ab 02:09…) Also da gibt es wirklich auch beeindruckende Schilderungen, wie gefährlich und auch wie unheimlich und wie anstrengend das war. (…)</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Kinder sind mit sehr wenig Proviant, zu dünner Kleidung und  schlechtem Schuhwerk unterwegs.Mit dem Bau der Arlbergbahn 1884 wird der Weg zumindest für diejenigen aus Tirol deutlich unbeschwerter.</p>
<p>5.O-Ton (Mücke Int. ab ca. 4:00)</p>
<p>Und dann sind auch die Kinder aus Südtirol, die ja sowieso auch noch erst einmal über den Reschenpass kommen mussten und dann hat man sich eben in Landeck in den Zug setzen können, konnte bis Bregenz mit dem Zug fahren. Und dann eben teilweise sind die Kinder dann mit dem Schiff nach Friedrichshafen oder eben zu Fuß weiter nach Oberschwaben oder auch ins oberschwäbische Allgäu.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Je jünger die Kinder sind, desto größer ist das Heimweh. Je älter sie sind, desto häufiger sind sie auch stolz, im Schwabenland ein paar Gulden für ihre Familie daheim dazu zu verdienen. Und sich hoffentlich satt essen zu können.</p>
<p>6.O-Ton (Mücke Int. ca. 6:00)</p>
<p>Weil sie wussten auch zuhause wird das Essen eben knapp gerade am Ende vom Winter. Man muss, glaube ich immer sich vor Augen halten, dass sie nicht so viele Wahlmöglichkeiten hatten, nun das dann einfach mehr oder weniger so auf sich genommen haben.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Gute Nacht“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 00:25</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Kaum in Friedrichshafen oder Lindau angekommen, geht es auf einen der Hütekindermärkte, die bis ins Zwanzigste Jahrhundert hinein regelmäßig um Josephi, also am 19.März stattfinden. Es ist der Ort, wo die Arbeitsstellen vergeben werden.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Kindergesindemärkte gibt es in Ravensburg, Friedrichshafen, Kempten und - je nach Bedarf auch in Wangen, Weingarten, Tettnang und Bad Waldsee. Die zentrale Anlaufstelle ist Mitte des 19.Jahrhunderts der in Ravensburg.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>7.O-Ton (Mücke Int. ab 9:51 Humpis Quartier)</p>
<p>(9:51) Der Treffpunkt war in der unteren Bachstraße im Bereich des damaligen Gasthaus Krone (…) Und eben vor diesem Gasthaus war der Kindergesindemarkt, Hütekindermarkt, Schwabenkindermarkt. </p>
<p>(weiter ab 10:18) Dort trafen sowohl die Kinder ein (…) 11:04 Und dann kamen (…) die Bauern, sprachen verschiedene Kinder oder auch deren Begleiter an, je nachdem, was sie halt suchten. Die einen suchten eine Gänsemagd wie das Regina Lampert ja auch schön erzählt oder vielleicht jemand, der in der Küche im Haushalt hilft. </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Andere suchen nach einem Knecht, der das Vieh hüten, sich um die Kühe kümmern und bei der Ernte mithelfen kann. </p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Bauern begutachten die Kinder, fragen wie alt sie sind und sobald die Wahl getroffen ist, geht es um den Lohn, den die Buben und Mädchen für ihre Arbeit bekommen sollen. Der meist höher ausfällt, wenn die Person die Verhandlungen übernimmt, die sie auf dem Weg begleitet hat:</p>
<p>8.O-Ton (Mücke Int. ab 12:01)</p>
<p>Da gab es natürlich so übliche Bedingungen, wieviel Lohn für so einen Schwabenkind sein sollte. Von fünf bis zehn Gulden ist oft die Rede. Aber ganz wichtig war natürlich auch die Zusatzleistung wie das berühmte doppelte Häs, also ein doppeltes Gewand Kleidung mit Schuhen am besten noch und das eben in zweifacher Ausführung. Kost und Logis natürlich mit dabei. Manchmal wurde auch so was - sie hat am Sonntag frei noch mit verhandelt. Aber es gibt auch Aussagen von Kindern, die sagen, sie haben eigentlich gar keinen Geldlohn bekommen, sondern wirklich nur dieses Essen. Und wurden am Schluss in Naturalien ausbezahlt, also durch Kleidung.</p>
<p>MUSIK privat Take 011 „Frühlingstraum“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 00:22</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Um die Kinder vor der Willkür ihrer Dienstherren zu schützen, gründen Venerand Schöpf und Josef Anton Geiger 1891 den Tiroler Hütekinderverein. Schöpf ist damals Pfarrer und war als Kind selbst ein Schwabengänger. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>Geiger ist Gemeindevorsteher aus Pettneu am Arlberg. </p>
<p>Erzähler</p>
<p>Sie erstellen nicht nur Muster-Dienstverträge und versuchen damit, einen gerechteren Lohn für die Kinder festzulegen. Sondern besuchen auch die jungen Mägde und Knechte während des Sommers  auf den Höfen.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Um nachzusehen, ob es den Kindern gut geht, wie die Kunsthistorikerin Tanja Kreutzer ausführt. Sie ist Leiterin des Bauernhaus-Museums in Wolfegg.</p>
<p>9.O-Ton (ab 1:44 Kreutzer Nachgestellte Stimmen - zum Verein)</p>
<p>Es sind (…) Geistliche, die sich um das Wohl dieser Kinder sorgen und sagen: Nein, da muss man was tun. Und dann muss man reglementieren. Vor allem auch hier in Oberschwaben. Pfarrer, die sagen, sie fahren mit dem Fahrrad jeden einzelnen Hof auch ab. Deswegen ist auch hier das Fahrrad noch einmal ausgestellt. Um eben zu gucken: Wird dieser Vertrag auch eingehalten, der jetzt erstmals eben auch schriftlich fixiert wird? Und geht es den Kindern gut in ihrer jeweiligen Arbeitsstätte?</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Der Hütekinderverein kümmert sich auch um die Bildung der Schwabenkinder. Denn auch wenn im Königreich Württemberg seit 1836 die Schulpflicht besteht, gilt sie bis 1921 nicht für ausländische Kinder. </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Bis dahin sind die Jungen und Mädchen in ihren Heimatregionen jedes Jahr für die Zeit des Schwabengehens von der Schulpflicht befreit. Ihnen bleiben damit nur die vier Wintermonate, in denen sie zu Hause sind, um ein bisschen Stoff nachzuholen.</p>
<p>10.O-Ton: (Kreutzer Int. ab ca. 12:00)</p>
<p>Das ist natürlich auch etwas, dass diese Kinder prägt. Wobei es durch den Tirolerhüte Kinderverein die Bemühungen gab, dass man wenigstens den sonntäglichen Kirchgang und die anschließende Betschule auch für diese Kinder öffnete. Und dass die tatsächlich dann auch vom hiesigen Pfarrer in Oberschwaben eine Bestätigung brauchten, dass sie da teilgenommen haben, was sie dann wiederum in ihren Heimatorten abgeben mussten.</p>
<p>MUSIK privat Take 010 „Rast“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 00:30</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Die Kinder werden sehr unterschiedlich behandelt, wie aus den Quellen hervorgeht, die Tanja Kreutzer durchforstet hat. Je nachdem, ob sie auf einem reichen oder armen Bauernhof arbeiten. Dabei  es kommt es sehr auf den Dienstherren an, für den sie arbeiten.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>11.O-Ton (Kreutzer Int. ab ca. 7:30)</p>
<p>So unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedlich ist dann auch die Behandlung, die diese Kinder erfahren haben. Also zum Teil gibt es eben auch Berichte von Misshandlungen. Das wissen wir auch aus einigen Gerichtsakten oder amtlichen Zeugnissen, dass eben auch Anzeige erstattet wurde, weil ein Kind wieder nach Hause gehen musste, weil es so verhauen wurde und misshandelt wurde, dass es Verletzungen hatte, die erst Monate später geheilt sind.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>In den Berichten ist auch von sexuellen Übergriffen die Rede, die auch Regina Lampert in ihren Erinnerungen andeutet:</p>
<p>11.O-Ton (Kreutzer Int. ab 8:18)</p>
<p>Dass sie eben tatsächlich vom Bauern aufgefordert worden sei, einmal als sie da auf der Weide saß, ihren Rock zu lüften. Und erst als sie dann  den weggestoßen hat, hat sie gemerkt: das ist der Bauer, der sie hier angeht.</p>
<p>Aber wir haben aber eben auch Zeugnisse und das ist durchaus die Mehrheit, dass es diesen Kindern durchaus gar nicht schlecht ging auf den Höfen. Dass da ein recht gutes Verhältnis mit der Familie auch vorhanden war im Rahmen dessen, was man als Gesinde in der Zeit auch erwarten konnte, als relativ weit unten stehend in der Hierarchie und eben auch entsprechend den Anweisungen des Bauern verpflichtet.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Jacob Stoffel ist eines der Kinder, das gute Erfahrungen macht. Er geht 1896 zusammen mit 20 Kindern aus der Gemeinde Vals ins Schwabenland, um bis zum Herbst auf einem Hof im Niederwangen zu arbeiten.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Jacob Stoffel ist damals 13 Jahre alt und schreibt später in einem Aufsatz:</p>
<p>MUSIK privat Take 013 „Die Post“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 01:17</p>
<p>Erzähler (als Zitator)</p>
<p>So flog die Zeit in strenger Arbeit vorüber. Das Essen war einfach, aber immer gut zubereitet. Auch die Behandlung war recht gut. </p>
<p>Etwa um den 20.Oktober kam unsere Führerin, um uns wieder abzuholen. Mein Meister bezahlte mir den vereinbarten Lohn und gab mir einige Mark als Reisgeld mit. Dankbar verabschiedete ich mich von den Meistersleuten und seiner Familie, sowie von den Diensten und versprach, das nächste Jahr wiederzukommen.</p>
<p>Die Reise wurde bis Bregenz zu Fuß zurückgelegt. Auf der Heimreise aus der Fremde waren wir alle „Kapitalisten“. Somit erlaubten wir uns mit der Eisenbahn von Bregenz-Feldkirch-Buchs bis Chur zu fahren.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Davon unabhängig ist es aber Schwerstarbeit, die die Kinder leisten. Zu den Aufgaben der Jungen zählt es nicht nur, Gänse, Schweine und Kühe zu hüten, sondern auch, bei der Stallarbeit und der Ernte zu helfen.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Zu den Aufgaben der Mädchen gehört es, auf die Kinder der Bauernfamilie aufzupassen und beim Kochen, Backen, Waschen mitzuhelfen. Was leichter klingt, als es noch bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein war. Sabine Mücke:</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>12.O-Ton (Mücke Int. ab 27:21)</p>
<p>Alles Mögliche musste erst noch geschält, gestampft, Gänse mussten gerupft werden. Eben Feuer musste gemacht, am Laufen gehalten werden, die Kessel waren groß und schwer, alles musste hinterher geschrubbt und von Hand wieder abgespült werden. (…) Dann kam dazu das ganze Wäschewaschen. (…weiter ab ca. 30:30)</p>
<p>Also sie wurden wirklich als kleine Arbeitskräfte eingesetzt, die aber eigentlich mehr oder weniger eine Magd oder einen Knecht ersetzt haben. Aber zu dann zu einem Drittel vom oder und Viertel vom Lohn.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Es sind lange Arbeitstage, die die sechs- bis 14-jährigen Kinder jeden Tag aufs Neue vor sich haben. Die früh morgens um vier oder fünf Uhr beginnen und im Sommer während der Ernte erst um zehn Uhr abends enden. Dann, wenn die Sonne untergeht. Nur unterbrochen von den Essenszeiten, wie Tanja Kreutzer ausführt:</p>
<p>13.O-Ton (Kreutzer Int. ab ca. 1:50)</p>
<p>Da gab es fünf Mahlzeiten am Tag, wo man dann auch zusammen mit der Familie gegessen hat. Das waren durchaus nahrhafte Gerichte, die es da gab, aber einfache Gerichte. Brenzmus zum Beispiel, dass ist so ein Haferbrei mit Butterschmalz obendrauf. (…ab ca. 2:28) Und eben auch Bratkartoffeln oder Speck. Zum Teil auch (…) Suppengemüse, also durchaus nahrhafte und vitaminreiche Kost, die man hier während der Sommermonate auch bekommen hat. </p>
<p>Erzählerin</p>
<p>So etwas wie Freizeit gibt es für die Kinder nur selten. Nach dem harten Arbeitstag sinken sie auf ihr Bett, das meist aus einer mit Stroh gefüllten Matratze besteht. Oft teilen sie sich nicht nur das Zimmer mit einem Knecht oder einer Magd, sondern auch das Bett.</p>
<p>MUSIK privat Take 012 „Einsamkeit“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 00:10</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Dabei ist auf vielen Höfen immer wieder Thema, dass viele der Kinder ins Bett machen.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>14.O-Ton (Kreutzer  Int. ab 5:32)</p>
<p>Tatsächlich dieses Bettnässen scheint ein Phänomen gewesen zu sein, wo man einfach wirklich merken kann, dieser psychische Druck, der hier da war, das Heimweh, auch das in die Fremde gehen. Auch erst mal keine Schutzperson zu haben. Man ist jetzt vollkommen von der Familie und von allen, die man kennt und die für einen da sind erst einmal getrennt. (…) (6:11) Und man geht auch davon aus, dass durchaus auch der Schlafmangel da eine Rolle gespielt haben mag, dass die Kinder einfach wirklich reihenweise nachts ins Bett gemacht haben.</p>
<p>MUSIK privat Take 012 „Einsamkeit“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 00:25</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Mit Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts werden es immer weniger Kinder, die im Frühjahr aufbrechen. Aber es dauert noch bis in die 1950er Jahre, bis das Phänomen des Schwabengehens endgültig aufhört. Sabine Mücke:</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>15.O-Ton (Mücke Int. ab 24:41)</p>
<p>Also das, was man so wirklich als Schwabengängerei bezeichnet, hörte eigentlich schon mit dem Ersten Weltkrieg auf. (…) Die Grenzen waren zu, und damit kam das schon ganz stark zum Erliegen. (…) Es gab aber natürlich dann in den 20er-Jahren und in den 30er-Jahren (…) Kinder, die kamen. Vor allen Dingen waren es dann die Kinder aus Vorarlberg, (ab 25:35) die dann zur Arbeit noch ins Schwabenland gekommen sind. Aber (…) nach dem Zweiten Weltkrieg war das Thema zu Ende.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Gute Nacht“; Album: Die Winterreise; Label: CD BABY.COM/INDYS; Interpret: Yi-Tzu Pan &amp; Hendrik Heilmann; Komponist: Franz Schubert; ZEIT: 01:10</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Dass die Geschichte des „Schwabengehens“ nicht in Vergessenheit geraten ist, ist vor allem für die Nachkommen der Schwabenkinder von besonderer Bedeutung.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Viele von ihnen haben nun die Gewissheit, dass es wirklich ihre Großmutter oder der Urgroßvater war, die sich als Schwabenkinder verdingen mussten.</p>
<p>Erzähler</p>
<p>Sie finden heute in Museen oder auf Wanderwegen Orte, die einen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte veranschaulichen.</p>
<p>Erzählerin</p>
<p>Darüber hinaus bleibt das Schwabengehen als sozialgeschichtliches Phänomen der Arbeitsmigration von Kindern als Saisonarbeiter ein aktuelles Thema. Denn Kinderarbeit gibt es bis heute. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kühltechnik - Wie künstliche Kälte unser Leben beeinflusst</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kuehltechnik-wie-kuenstliche-kaelte-unser-leben-beeinflusst/1128625</link>
      <pubDate>Thu, 26 Jun 2025 01:05:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c1c974d8-3480-422a-ae95-e85c8a779d3c</guid>
      <description>Eis im Sommer, Kirschen im Winter und Tiefkühlkost, wann immer wir wollen: Die Gefriertruhe hat unseren Speisezettel revolutioniert - und Klima- und Kältetechnik unseren Alltag. Aber: wie funktioniert künstliche Kälte eigentlich? (BR 2018) 
Autorin: Inga Pflug  </description>
      <enclosure length="21442560" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1128625/c/feed/kuehltechnik-wie-kuenstliche-kaelte-unser-leben-beeinflusst.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:20</itunes:duration>
      <itunes:author>Inga Pflug</itunes:author>
      <itunes:summary>Eis im Sommer, Kirschen im Winter und Tiefkühlkost, wann immer wir wollen: Die Gefriertruhe hat unseren Speisezettel revolutioniert - und Klima- und Kältetechnik unseren Alltag. Aber: wie funktioniert künstliche Kälte eigentlich? (BR 2018) 
Autorin: Inga Pflug  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a4055b3f-fa87-4e87-8538-ee86c0857ad1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eis im Sommer, Kirschen im Winter und Tiefkühlkost, wann immer wir wollen: Die Gefriertruhe hat unseren Speisezettel revolutioniert - und Klima- und Kältetechnik unseren Alltag. Aber: wie funktioniert künstliche Kälte eigentlich? (BR 2018) 
Autorin: Inga Pflug  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Inga Pflug<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Xenia Tilling, Jerzy May, Rahel Comtesse<br/>Technik: Roland Böhm<br/>Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Matthias Murko (langjähriger Mitarbeiter und Leiter Museum Industriekultur, Nürnberg);<br/>Thomas Röber (Deutsches Museum München, Kurator für Kraftmaschinen);<br/>Reinhard Hüßner (Kirchenburgmuseum Mönchsondheim, Museumsleiter);<br/>Günter Wolf (Kirchenburgmuseum Mönchsondheim, Museumsvorstand);<br/>Jonas Bollmann (Lehrstuhl für Technische Thermodynamik, Universität Erlangen-Nürnberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter);<br/>Stefan Will (Universität Erlangen-Nürnberg, Leiter Lehrstuhl für Technische Thermodynamik)</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Hitze in der Stadt - Kühlbringende Ideen und Lösungen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:af38e4d3d5c082dc/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Mikrochips - Halbleiter als Global Player<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mikrochips-halbleiter-als-global-player/bayern-2/10414827/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Clausewitz reloaded - Die Philosophie und der Krieg</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/clausewitz-reloaded-die-philosophie-und-der-krieg/2093832</link>
      <pubDate>Wed, 25 Jun 2025 03:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">13ee560b-2cae-4f56-b4dc-e056cb1787f3</guid>
      <description>Was ist der Krieg? Und wieso tendiert er in der Moderne oft zur äußersten Gewalt? Antworten darauf gibt es bei einem Klassiker der Militärtheorie: Carl von Clausewitz. Ein Denker, der das Verhältnis von Krieg und Politik auslotet und dessen Theorie heute wieder erschreckend aktuell geworden ist. Von Jerzy Sobotta (BR 2024) </description>
      <enclosure length="23193600" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093832/c/feed/clausewitz-reloaded-die-philosophie-und-der-krieg.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:09</itunes:duration>
      <itunes:author>Jerzy Sobotta</itunes:author>
      <itunes:summary>Was ist der Krieg? Und wieso tendiert er in der Moderne oft zur äußersten Gewalt? Antworten darauf gibt es bei einem Klassiker der Militärtheorie: Carl von Clausewitz. Ein Denker, der das Verhältnis von Krieg und Politik auslotet und dessen Theorie heute wieder erschreckend aktuell geworden ist. Von Jerzy Sobotta (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/91b02588-5833-4ca4-94b0-f1e8d45c978c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was ist der Krieg? Und wieso tendiert er in der Moderne oft zur äußersten Gewalt? Antworten darauf gibt es bei einem Klassiker der Militärtheorie: Carl von Clausewitz. Ein Denker, der das Verhältnis von Krieg und Politik auslotet und dessen Theorie heute wieder erschreckend aktuell geworden ist. Von Jerzy Sobotta (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Jerzy Sobota<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Thomas Loibl, Hemma Michel, Florian Schwarz<br/> Technik: Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Prof. Herfried Münkler, Politikwissenschaftler, Berlin; <br/>Prof. Gunnar Hindrichs, Philosoph, Basel<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische Utopie<br/></strong>Frieden ist ein großes Ideal, ein alter Menschheitstraum - und mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er schafft die Konflikte nicht aus der Welt, sondern hegt sie ein. Und vielleicht bedeutet nicht einmal der innere Frieden die absolute Stille aller Wünsche. Was macht Frieden aus? (BR 2022) Von Beate Meierfrankenfeld <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/frieden-persoenliche-sehnsucht-politische-utopie/bayern-2/10826957/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Vergebung als Chance - Ein Prozess der inneren Aussöhnung<br/></strong>Wenn Beziehungswunden nicht heilen, können sie unser ganzes Leben verdunkeln. Die Verwundungen des Lebens holen uns immer wieder ein. Ein Plädoyer für echte Vergebung. (BR 2015)  Von Elke Worg <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/vergebung-als-chance-ein-prozess-der-inneren-aussoehnung/bayern-2/10563023/">JETZT ENTDECKEN</a></p>

<p><strong>Kriegsenkel - Das besondere Erbe dieser Generation</strong><br/>Transgenerationale Weitergabe nennen  Psychologen das Phänomen der emotionalen Weitergabe von Kriegserlebnissen während des Zweiten Weltkriegs, von dem wohl  rund ein Drittel der Kriegsenkel betroffen ist. (BR 2017) Von Daniela Remus  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kriegsenkel-das-besondere-erbe-dieser-generation/bayern-2/78749952/">JETZT ENTDECKEN</a></p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong><strong></strong></p>
<p>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast<br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a><strong></strong></p>

<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Carl von Clausewitz, „Vom Kriege“: Das Hauptwerk des Kriegstheoretikers, erstmals 1832 posthum veröffentlicht. Auch als günstige und gekürzte Reclam-Ausgabe erhältlich.</p>
<p>Dietmar Schlösser, „Carl von Clausewitz“: Eine kurze Einführung in sein Denken und Leben. Gibt einen guten Überblick zur Erstbeschäftigung.</p>

<p>Gunnar Hindrichs, „Abseits des Krieges“: Ein nachdenklicher philosophischer Essay, der die aktuelle Rückkehr des Krieges aus dem Blick bedeutender Philosophen – u.a. Clausewitz – verstehen und historisch fassen will.</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-clausewitz-krieg-gewalt-philosophie-politik-frieden-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Es gibt Stunden, in denen die Geschichte plötzlich über das Leben der Menschen hereinbricht und alles verändert. Einer dieser Momente war die Nacht zum 24. Februar 2022.</p>
<p>ATMO: Luftalarm-Kiew</p>
<p>01 OT: ARD-Nachrichtensprecher: Der russische Präsident Putin hat eine Militäroperation auf ukrainischem Gebiet angekündigt. Er habe die Entscheidung getroffen, sagte er in der Nacht in einer Fernseheransprache.</p>
<p>02 OT: Putin: … (russisch, 6 Sek. – Ohne OV)</p>
<p>Overvoice männlich:</p>
<p>Wir haben eine militärische Spezialoperation eingeleitet </p>
<p>03 OT: Wolodimir Selenskyj: Russland hat unser Land am frühen morgen brutal angegriffen, so wie es Nazi-Deutschland während des zweiten Weltkriegs tat. (OT ist overvoiced)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Für die Ukraine hat Russlands militärischer Großangriff unermessliches menschliches Leid gebracht. Für Europa hat er eine Idee zerstört: Die Idee einer Europäischen Friedensordnung. Der Krieg ist zurück und er scheint die Welt in sich hineinzuziehen …</p>
<p>Musik 2: The war rooms  - 29 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch was ist Krieg? Wie bricht er aus? Und wieso führt er immer wieder in die äußerste Gewalt? Das sind Fragen, die sich auch Carl von Clausewitz gestellt hat: Der wohl wichtigste moderne Theoretiker des Krieges. Ein preußischer Offizier, der viele Kriege gesehen und sein ganzes Leben über sie nachgedacht hat.</p>
<p>04 OT Münkler: Intellektueller der das Wesen…</p>
<p>„Also im Prinzip würde ich sagen: Clausewitz ist ein verkleideter Intellektueller, der versucht, ja im buchstäblichen Sinne das Wesen des Krieges – nicht seine Erscheinungen – sondern das Wesen des Krieges gedanklich zu erfassen.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das sagt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Clausewitz. „Vom Kriege“ heißt das dicke Buch, in dem der Preuße posthum seine Gedanken über den Ursprung und die Natur des Krieges hinterlassen hat. Ein fast 200 Jahre alter Wälzer, den man heute wieder lesen muss, sagt Herfried Münkler.</p>
<p>05 OT Münkler: Clausewitz als politische Erkundungsfahrt</p>
<p>„Ein intellektuelles Abenteuer ist er in Zeiten, in denen allgemein Frieden herrscht. Eine politische Erkundungsfahrt ist es hingegen in Zeiten, in denen wir das Gefühl haben, der Krieg drängt von vielen Seiten auf uns herein. Und wir kommen nicht weiter, wenn wir sagen: Und du bleibst draußen.“</p>
<p>Musik 3: The war rooms – siehe oben – 58 Sek</p>
<p>06 OT Münkler: Gefährliche Welt mit Gedanken durchdringen</p>
<p>„Also Clausewitz gibt uns Kategorien in die Hand, mit denen wir auch in eine bedrohliche und gefährliche Welt hineinschauen können. Und sie überwältigt uns nicht, sondern wir durchdringen sie mit der Kraft des Gedankens.“</p>
<p>ATMO: Luftalarm: Ukraine</p>
<p>07 OT Von der Leyen: It is president Putin who is bringing war back to Europe.</p>
<p>08 OT Baerbock: Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht.</p>
<p>09 OT Steinmeier: Ja dies ist eine Zäsur, eine tiefe Zäsur und wir spüren das bis ins Mark. Sie, Ihre Familien und auch ich selbst.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Krieg als Zäsur. Er hat in ganz Europa den Glauben erschüttert, dass mit dem Fortschritt der Frieden kommt. Plötzlich ist sie zurück, die Angst vor einem Zustand der nackten Gewalt. Wie umgehen mit ihr? Was offenbart der Krieg über unsere Gesellschaft? </p>
<p>(Musik aus) Um einige Antworten zu bekommen, können wir zurückgehen, zum Ursprung des modernen Krieges: Zurück in die Zeit von Carl von Clausewitz.</p>
<p>MUSIK 4 – Old and new – 59 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch er erlebt eine Welt im Aufruhr: Geboren 1780, zu Beginn der Französischen Revolution ist er 9 Jahre alt. Mit zwölf tritt Clausewitz in die preußische Armee ein, um Offizier zu werden. In diesem Jahr beginnt der Revolutionskrieg Frankreichs gegen die europäischen Königtümer – und mit ihm ein über zwei Jahrzehnte andauernder Europäischer Großkrieg um die Zukunft des Kontinents.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Clausewitz sieht diesen Krieg schon mit Dreizehn in den Schützengräben von Mainz. Er sieht ihn als junger Offizier in der großen Schlacht vor Jena und Auerstedt, als Preußen verheerend geschlagen wird. Und er sieht ihn 1812, als er im Dienste Russlands gegen Napoleon kämpft. Er sieht, wie dessen 600.000 Mann starke Armee im russischen Winter von Hunger, Frost und Kanonen aufgerieben wird.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Über zwanzig Jahre Krieg und die Umwälzung der politischen Ordnung in ganz Europa. Etwas an diesem Krieg hat sich fundamental verändert: Was genau es ist, darauf sucht Clausewitz sein Leben lang nach einer Antwort. Es hat etwas mit der Natur des Krieges in der Moderne zu tun.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auf dem Schlachtfeld beobachtet er bei den französischen Soldaten eine noch nie dagewesene Energie und Kampfbereitschaft. Es ist die Hingabe für die Sache der Revolution, die sie von einem Sieg zum nächsten eilen lässt. </p>
<p>Musik 5: Lashed tot he Mast – 13 Sek</p>
<p>ZITATOR CLAUSEWITZ</p>
<p>Der Krieg war urplötzlich wieder eine Sache des Volkes geworden, und zwar eines Volkes von 30 Millionen, die sich alle als Staatsbürger betrachteten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Kampf ums Überleben erlässt die junge Republik 1793 eine Wehrpflicht – die Levée en masse. Es ist die erste Wehrpflicht in Europa, die hunderttausende begeisterte junge Männer zu Soldaten macht. Statt Diplomatie und den Kabinettstischen der Monarchen, ist es nun Propaganda für Millionen, die über Sieg und Niederlage entscheidet: Im entfesselten Krieg der politischen Ideologien kämpfen ganze politische Systeme ums Überleben, um Sein oder Nichtsein.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Diese Erfahrungen lassen Clausewitz völlig neu über den Krieg nachdenken. Dabei leitet ihn eine wichtige Einsicht, sagt Herfried Münkler:</p>

<p>10 OT Münkler: Nicht Waffen sondern Ideen entscheiden Kriege</p>
<p>Nicht waffentechnische Innovation, nicht technologische Neuerungen sind entscheidend dafür, dass eine Seite überlegen und die andere Seite unterlegen. Sondern der politische Wille: Die Opferbereitschaft und Leidensbereitschaft einer Bevölkerung und letzten Endes die politischen Konstellationen, die Durchhaltefähigkeit, die Opferbereitschaft entscheidet einen Krieg. Das ist schon ein gewichtiger Punkt, den er damals gesehen hat und der im weiteren Sinne bis heute Gültigkeit hat.</p>
<p>Musik 6: Penny taken to the hospital – 1 Min.</p>
<p>11 OT Selenskyj: Mut der Ukrainer </p>
<p>Overvoice männlich</p>
<p>Die Ukrainer und ihr Mut haben die ganze Welt beseelt. Sie haben der Menschheit eine neue Hoffnung gegeben: Dass die Gerechtigkeit unsere zynische Welt nicht endgültig verlassen hat. Dass nicht die Gewalt siegt, sondern die Wahrheit, nicht das Geld, sondern die Werte, nicht Öl, sondern Menschen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Den Kampf um die Emotionen seines Volkes und die seiner Verbündeten, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schon in den ersten Wochen des Krieges gewonnen. Ein wichtiger Sieg. Denn wenn Emotionen und Ideen das ganze Volk ergreifen, dann wirken sie wie „blinder Naturtrieb“ – schreibt Clausewitz. Sie setzen die Energie des Kampfes frei – und die Energie der Gewalt. Für ihn eine durch und durch ambivalente Größe: Unverzichtbar im Krieg aber mitunter auch unkontrollierbar und unsteuerbar, mit einem Hang zum Anarchischen.</p>
<p>MUSIK aus</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Doch es ist nicht nur politische Propaganda, die in der Moderne ganze Nationen in einen Strudel der Gewalt hineinreißt. Es ist die Logik des Krieges selbst. Clausewitz versucht diese Dynamik der Enthemmung bereits in seiner Definition des Krieges zu erfassen. Dafür entwirft er folgendes Bild: Man stelle sich zwei Ringende vor, die sich im Zweikampf befinden.</p>
<p>ZITATOR CLAUSEWITZ</p>
<p>Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen; sein nächster Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem ferneren Widerstand unfähig zu machen. Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Definition ist das Herzstück der Theorie des Krieges von Clausewitz: Im Krieg geht es darum, dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen – mit nackter Gewalt. Weiter heißt es:</p>
<p>ZITATOR CLAUSEWITZ</p>
<p>Die physische Gewalt (..), ist also das Mittel, dem Feinde unseren Willen aufzudringen, der Zweck. Um diesen Zweck sicher zu erreichen, müssen wir den Feind wehrlos machen, und dies ist dem Begriff nach das eigentliche Ziel der kriegerischen Handlung.</p>
<p>ATMO: Explosionen von Bomben + Musik 7: </p>
<p>Escape from the train – 48 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vom Krieg erfasst, kann sich keiner der Gegner mehr aus ihm herausziehen – ohne den anderen zu unterwerfen. Hieraus ergibt sich eine eigentümliche Tendenz zur Eskalation der Gewalt, zur Verlängerung des Blutvergießens.</p>
<p>ATMO: Explosionen, Düsenflieger</p>
<p>ZITATOR CLAUSEWITZ</p>
<p>Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt in der Anwendung derselben keine Grenzen; so gibt jeder dem anderen das Gesetz, es entsteht eine Wechselwirkung, die dem Begriff nach zum äußersten führen muss.</p>
<p>ATMO: Bomben</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es ist die berühmte Gewaltspirale: Das Wettrüsten, das schnelle Auflodern von bewaffneten Konflikten. Einmal in Gang gesetzt – ist sie nur noch schwer zu stoppen. (Musik aus) Clausewitz findet drei eskalierende Faktoren, die diese verhängnisvolle Wechselwirkung antreiben:</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Erstens: Wer mehr Gewalt anwendet, der ist im Vorteil – das gilt für beide. Zweitens: Man muss den Gegner wehrlos machen und ihn dauerhaft schwächen. Andernfalls schlägt er zurück. Damit zwingen sich beide gegenseitig aufs Ganze zu gehen. Das Maß der Enthemmung bestimmen nicht sie selbst, sondern jeweils der Gegner. Und Drittens: Die Feinde schätzen die Widerstandskraft des anderen ab. Und jeder will sie übertreffen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Logik der Gewalteskalation kann bis zur völligen Vernichtung der Gegenseite führen. Clausewitz nennt das den „absoluten Krieg.“</p>
<p>12 OT Münkler: absoluter Krieg</p>
<p>Er führt den Begriff des ‚absoluten Krieges‘ ein, um die zumindest zunächst mal Denkmöglichkeit einer Steigerung bis zum Äußersten einzuführen. Und dann hinzuzufügen: Dass das auch Wirklichkeit wird – oder in die Wirklichkeit hereinspielt, davon müssen wir ausgehen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erläutert der Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Aus Clausewitz Begriff heraus kennt der Krieg also keine Mäßigung. Doch der „absolute Krieg“ beschreibt mehr die logische Tendenz des Krieges – die Richtung, die er seinem Begriff nach nimmt. Tritt der Krieg aber in die Wirklichkeit, so wird er sogleich ausgebremst und abgeschwächt. Denn dort wirken drei moderierende Tendenzen:</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Erstens: Feinde kennen und beobachten sich. Sie wissen um die Schwächen und Ressourcen des Gegners und können abschätzen, wie weit er gehen kann. Das mäßigt auch die Gegenseite.</p>
<p>Zweitens: An die Stelle der Furcht vor einem Totalangriff tritt die Wahrscheinlichkeitsrechnung, was der Gegner wo und wie einsetzen wird. Und Drittens: Eskalationen können unterlassen werden, als politisches Zeichen an die Gegenseite, dass man nicht aufs Äußerste geht. </p>
<p>MUSIK 8: Old and New – siehe oben – 41 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Trotz aller mäßigenden Tendenzen der Wirklichkeit – der fast zwanzigjährige Krieg Frankreichs gegen den Rest Europas ist für Clausewitz besonders: Hier hat sich der wirkliche Krieg dem absoluten Krieg in beunruhigender Weise angenähert. Es ist ein Krieg aufs Äußerste, in dem sich bereits düster das Millionensterben der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts ankündigt. In ihnen trifft die politische Massenmobilisierung dann auf industrielle Massenproduktion: Hinterlader, Maschinengewehre, Giftgas, Panzer, Bomber … und letztlich die Atombombe.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Clausewitz hat diese verhängnisvolle Dialektik des Fortschritts bereits mitgedacht. Er schreibt:</p>
<p>ZITATOR CLAUSEWITZ</p>
<p>Da der Gebrauch der physischen Gewalt in ihrem ganzen Umfange die Mitwirkung der Intelligenz auf keine Weise ausschließt, so muß der, welcher sich dieser Gewalt rücksichtslos, ohne Schonung des Blutes bedient, ein Übergewicht bekommen, wenn der Gegner es nicht tut.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Fortschritt der Intelligenz und der Gebrauch der Gewalt stehen also nicht im Widerspruch zueinander. Das ist auch ein Urteil über die Aufklärung. Für Clausewitz wäre es falsch zu denken, dass der Prozess der Zivilisierung zu einer Abmilderung der Gewalt führt. Das nennt er sogar den „Irrtum der Gutmütigkeit“. Der Fortschritt geht vielmehr mit einer immer raffinierteren Entwicklung der Waffen einher. Damit setzt Clausewitz sich ab vom Philosophen Immanuel Kant, dessen eifriger Leser er ist. Gunnar Hindrichs, Philosophie-Professor an der Universität Basel, erläutert:</p>
<p>13 OT Hindrichs: Kant und der Friede</p>
<p>Die Kantische Geschichtsphilosophie ist unter der Idee des Friedens gefasst. Friede als letzter Gesichtspunkt, unter dem menschliche Geschichte begriffen werden kann - auf den hinzulaufend menschliche Geschichte gedeutet werden muss. Und das bedeutet für Kant die zunehmende Verrechtlichung menschlicher Verhältnisse.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Über das Recht und den Frieden macht Clausewitz sich nur wenig Gedanken. Für den Theoretiker des Krieges wäre Frieden vermutlich nur eine zeitweise und brüchige Abwesenheit von Krieg. Krieg ist für ihn vielmehr ein menschliches Faktum, das es zu verstehen und zu meistern gilt.</p>
<p>14 HINDR Clausewitz kennt keinen Frieden</p>
<p>Und da könnte man sagen, dass Clausewitz diese Art von Versöhnung in der starken Emphase nicht kennt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zwar ist Clausewitz ein Zeitgenosse Goethes und Hegels, doch sein Denken ist eigentlich bereits nach-klassisch, sagt Gunnar Hindrichs. Clausewitz ist ein politischer Realist: Die Gewalt des Faktischen hat alle geschichtsphilosophische Spekulation auf einen versöhnten Menschheitszustand verdrängt. Und trotzdem kann man bei Clausewitz erfahren, wie der Krieg eingehegt werden könnte. Der wichtige Begriff dabei ist aber nicht der Friede – sondern die Politik.</p>
<p>MUSIK 9: Old and New – s.o. – 35 Sek</p>
<p>ZITATOR CLAUSEWITZ</p>
<p>„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit andern Mitteln“.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das ist der zentrale Satz, der von Clausewitz bis heute in Erinnerung geblieben ist. Mit anderen Worten: Den Krieg versteht man nur, wenn man ihn von der Politik her denkt.</p>
<p>ZITATOR CLAUSEWITZ</p>
<p>Der Krieg (…) ganzer Völker (…) geht immer von einem politischen Zustande aus und wird nur durch ein politisches Motiv hervorgerufen. Er ist also ein politischer Akt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Krieg ist also kein ewiger Zustand des Seins, keine Naturgewalt, die plötzlich über den Menschen hereinbricht. Sondern: Er ist eine bewusst herbeigeführte politische Entscheidung. Gunnar Hindrichs greift diesen Gedanken auf. In seinem Buch „Abseits des Krieges“ schaut er aus der Perspektive der Philosophie auf die neue Aktualität des Kriegs in Europa. Und auch der berühmte Clausewitz-Satz taucht darin auf: Dass der Krieg eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei.</p>
<p>15 OT Hindrichs: Clausewitz-Satz erklärt</p>
<p>Das heißt: Fortsetzung heißt nicht „Absage von“, „brechen mit“, sondern heißt: Weiterführen. Und dieses Weiterführen erfolgt natürlich mit anderen Mitteln, das heißt: Es kommt etwas Neues hinzu. Da werden schon andere Mittel eingemischt. Aber gleichzeitig wird eben das Politische fortgesetzt. Das heißt, wir gehen nicht aus dem politischen Raum raus, sondern er bleibt der Horizont, in dem der Krieg zu verstehen ist und von daher begriffen werden muss.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Politik setzt den Zweck des Krieges. Sie durchzieht ihn und übt fortwährend Einfluss auf ihn aus. Und der Krieg selbst ist bloß ein „politisches Instrument“. Für Gunnar Hindrichs steckt hier der Schlüssel für das moderne Verständnis des Militarismus und seiner Gefahren.</p>
<p>16 OT Hindrichs: Zwei Interpretationen</p>
<p>Das ist für mich das Interessante, dass wir tatsächlich die beiden gesellschafts-philosophischen Interpretationen unserer bürgerlichen Welt von diesem Satz her unterschiedlich lesen können. Also lesen wir ihn einmal von rechts nach links oder von links nach rechts.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Da wäre zum einen das Verständnis, das Liberale und Konservative miteinander teilen: Militarismus entsteht dann, wenn sich das Gewaltmittel des Krieges über das politische Denken ausbreitet und es erdrückt. Wenn Krieg zum Selbstzweck wird. „Totalen Krieg“ nannte das Erich Ludendorff, ein wichtiger General im Ersten Weltkrieg. Und wenige Jahre später Nazi-Propagandist Joseph Goebbels. Alle Teile der Gesellschaft werden hier in den Bann des Krieges hineingezogen: Landwirtschaft, Industrie, Finanzen, Wissenschaft, Kirche – und die Politik.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die Lehre aus der Katastrophe der beiden Weltkriege heißt: Der Krieg ist ein Handwerk; er muss von der Staatskunst eingehegt und eingegrenzt werden. Deswegen hat die Bundesrepublik eine Parlaments-Armee und bezeichnet ihre Soldaten als „Bürger in Uniform“. Das nennt Gunnar Hindrichs die liberal-konservative Militarismus-Kritik. In ihr kommt Staatskunst prinzipiell auch ohne Krieg aus.</p>
<p>17 OT Hindrichs: Linke Militarismus-Kritik</p>
<p>Und die andere Seite würde sagen: Das ist genau die Illusion. Die bürgerliche Gesellschaft ist so verfasst, dass sie gar nicht ohne Krieg auskommen kann. Dass die bürgerliche Staatskunst immer schon an die Durchführung und Aufrechterhaltung jener sozio-ökonomischen Zusammenhänge gebunden ist, die gar nicht ohne Gewalt auskommen. Das heißt, sie birgt selbst bereits Gewalt und damit die Gefahr des Krieges in sich.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das nennt Hindrichs die „linke“ oder sozialistische Kritik am Militarismus. Diesem Verständnis nach ist Gewalt nicht ein Mittel, das zur Politik äußerlich hinzukommt. Sondern, die ökonomische Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft ist selbst latent gewaltförmig: durch wirtschaftliche Ausbeutung und die Unterdrückung von Klassen und Völkern zur Steigerung des Profits.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In einer ähnlichen Weise hatte auch der französische Philosoph Michel Foucault den Satz von Clausewitz umgedreht: Die Politik sei die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Demnach ist es die latente Gewalt der Verhältnisse, die im Krieg augenscheinlich wird und den Schein der alltäglichen Zivilität zerreißt.</p>
<p>Musik 10: Lashed to the mast – siehe oben – 33 Sek</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aus dieser Perspektive lässt sich auch die Theorie von Clausewitz verstehen. Sie führt Folgendes vor Augen: Menschliches Handeln, das auf Konflikt und Konfrontation ausgelegt ist, führt in letzter Konsequenz in den Krieg. – Bis zur totalen Unterwerfung und Vernichtung des Gegners. Doch damit birgt die Theorie auch ihr Gegenteil, sagt der Philosoph Gunnar Hindrichs. Die Möglichkeit des Friedens:</p>
<p>18 OT Hindrichs: Über Clausewitz hinaus</p>
<p>Durch die Betonung des Extremal-Prinzips Gegenhandeln ermöglicht Clausewitz uns zu verstehen, was die Überwindung des Krieges und der kriegerischen Grundstruktur der bürgerlichen Gesellschaft darstellt. Nämlich: Menschliches Miteinander-Handeln und von diesem Miteinander-Handeln die Gesellschaft zu verstehen. Das steht zwar nicht in Clausewitz drin. Aber das ist dasjenige, was er uns ermöglicht zu begreifen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Derart gegen den Strich gebürstet, lässt sich also auch in Clausewitz ein utopischer Kern freilegen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Allerdings nur, wenn Clausewitz in seinem radikalen Realismus ernst genommen wird. Denn Miteinander-Handeln darf nicht in dem „Irrtum der Gutmütigkeit“ münden, warnt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Mit anderen Worten: Der Verzicht auf Gewalt ist historisch nicht verbürgt:</p>
<p>19 OT Münkler: Einziger genügt</p>
<p>Und selbst wenn alle darauf verzichten, dieses Mittel einzusetzen. Es genügt ein einziger unter ganz vielen, der es gebraucht, um die anderen zu zwingen es auch zu gebrauchen, wenn sie nicht von ihm unterworfen werden wollen.</p>
<p>ATMO: Luftalarm + </p>
<p>Musik 11: Passing the point - 1:35 Min</p>
<p>20 OT Putin Abschreckungswaffen </p>
<p>Overvoice männlich</p>
<p>Ich befehle dem Verteidigungsminister, die Abschreckungskräfte der russischen Armee in einen besonderen Kampfmodus zu versetzen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Russische Angriff auf die Ukraine hat zwei große Illusionen zerstört, sagt Herfried Münkler: Erstens, dass ein großer Krieg in Europa der Vergangenheit angehört. Dass der historische Fortschritt eine bleibende Friedensordnung auf dem Kontinent errichtet hat und der Krieg dem Handel gewichen ist. Und Zweitens: Dass im Zeitalter der Atombombe ein großer Landkrieg nicht mehr möglich ist. Damit hat dieser Krieg Grundsätzliches in Frage gestellt. Und Clausewitz kann dabei helfen, sich in dieser neuen – eigentlich ganz alten – Realität zu orientieren.</p>
<p>21 OT Münkler: Berlin und Kiew</p>

<p>Wenn die verantwortlichen Politiker in Berlin Clausewitz gelesen hätten. Dann hätten sie nicht so gezögert und herumlaviert, erstens: Der Ukraine Waffen zur Verfügung zu stellen, die sie braucht, um sich zu verteidigen. Und zweitens: Die Rüstungsproduktion hochzufahren. Weil relativ früh klar war, das ist kein Niederwerfungskrieg, das ist ein Abnutzungskrieg.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Automobil - Die ersten 50 Jahre</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-automobil-die-ersten-50-jahre-1/1848393</link>
      <pubDate>Wed, 25 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">77e4daf2-22c3-4b77-8ef5-1f89cdf6ec20</guid>
      <description>Das Auto - vielgeliebt und vielgehasst. Was für die einen die absolute Freiheit bedeutet, ist für andere nur ein lärmender Klimakiller. Doch es dauerte lange, bis das Auto zum Massenvehikel wurde. Auf dem Weg dahin wurden auch einige Möglichkeiten ausgelassen - z.B. der Antrieb durch Elektromotor. Von Markus Mähner (BR 2021)</description>
      <enclosure length="22141824" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1848393/c/feed/das-automobil-die-ersten-50-jahre-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:03</itunes:duration>
      <itunes:author>Markus Mähner</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Auto - vielgeliebt und vielgehasst. Was für die einen die absolute Freiheit bedeutet, ist für andere nur ein lärmender Klimakiller. Doch es dauerte lange, bis das Auto zum Massenvehikel wurde. Auf dem Weg dahin wurden auch einige Möglichkeiten ausgelassen - z.B. der Antrieb durch Elektromotor. Von Markus Mähner (BR 2021)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b944699a-6cc1-4757-9d2a-5d8511ca467b.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Auto - vielgeliebt und vielgehasst. Was für die einen die absolute Freiheit bedeutet, ist für andere nur ein lärmender Klimakiller. Doch es dauerte lange, bis das Auto zum Massenvehikel wurde. Auf dem Weg dahin wurden auch einige Möglichkeiten ausgelassen - z.B. der Antrieb durch Elektromotor. Von Markus Mähner (BR 2021)</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Markus Mähner<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Julia Fischer, Peter Weiß<br/> Technik: Ruth-Maria Ostermann<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-auto-benz-daimler-elektromotor-benzin-militaer-autorennen-100.html">HIER</a></strong>.<strong></strong></p>
<p><strong>Interviewpartner: <br/></strong>Prof. Kurt Möser, KIT Karlsruhe</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong>Henry Ford - Von Hitlers Held zum Idol der Welt<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/henry-ford-von-hitlers-held-zum-idol-der-welt/bayern-2/87402718/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/henry-ford-von-hitlers-held-zum-idol-der-welt/bayern-2/87402718/"></a></strong>Rudolf Diesel - Zwischen Genie und Versagen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/rudolf-diesel-zwischen-genie-und-versagen/bayern-2/78755218/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/rudolf-diesel-zwischen-genie-und-versagen/bayern-2/78755218/"></a></strong>Die Münchner U-Bahn - Wegbereiterin einer Weltstadt<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-muenchner-u-bahn-wegbereiterin-einer-weltstadt/bayern-2/10674613/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-muenchner-u-bahn-wegbereiterin-einer-weltstadt/bayern-2/10674613/"></a></strong>Verkehrspolitik der Zukunft - Effizienter und umweltschonender?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/verkehrspolitik-der-zukunft-effizienter-und-umweltschonender/bayern-2/10463629/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><br/> <br/> Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal <strong>frauen_geschichte </strong>versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.<br/> <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Insolvenzen – Machtspiel zwischen Gläubiger und Schuldner</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/insolvenzen-machtspiel-zwischen-glaeubiger-und-schuldner/2106911</link>
      <pubDate>Wed, 25 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8515cde7-b8f4-427a-b0e3-c026357e6b00</guid>
      <description>Von der Herstatt Bank über Philipp Holzmann bis hin zu Schlecker - große Pleiten haben die deutsche Wirtschaft immer wieder erschüttert. Dabei ging es nicht nur um wirtschaftliches Scheitern, sondern oft auch um politische Machtspiele, finanzielle Interessen und juristische Streitfragen. Von Maike Brzoska</description>
      <enclosure length="23017344" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106911/c/feed/insolvenzen-machtspiel-zwischen-glaeubiger-und-schuldner.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Von der Herstatt Bank über Philipp Holzmann bis hin zu Schlecker - große Pleiten haben die deutsche Wirtschaft immer wieder erschüttert. Dabei ging es nicht nur um wirtschaftliches Scheitern, sondern oft auch um politische Machtspiele, finanzielle Interessen und juristische Streitfragen. Von Maike Brzoska</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a618a4f2-7eb5-4bb2-b52f-97595d45c46e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Von der Herstatt Bank über Philipp Holzmann bis hin zu Schlecker - große Pleiten haben die deutsche Wirtschaft immer wieder erschüttert. Dabei ging es nicht nur um wirtschaftliches Scheitern, sondern oft auch um politische Machtspiele, finanzielle Interessen und juristische Streitfragen. Von Maike Brzoska</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Thomas Birnstiel, Carsten Fabian<br/> Technik: Andreas Caramelle<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Jasper Kunstreich, Historiker, Max-Planck-Institut für Rechtgeschichte und Rechtstheorie<br/>Christoph G. Paulus, Insolvenzrechtler, emeritierter Professor der Humboldt-Universität Berlin<br/>Peter Kranzusch, Sozialwirt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn<br/><br/> Podcast-Tipp: Eltern ohne Filter</p>

<p>Mütter und Väter erzählen ungefiltert von ihrem Leben als Eltern. Vom irrsinnigen Glück. Vom ganz normalen Wahnsinn. Und von ihren dunklen Momenten. Es ist und bleibt ein Abenteuer.<br/><a href="https://1.ard.de/radiowissen-eof-">ZUM PODCAST</a> <br/></p>

<strong><br/>Diese hörenswerten Folgen von Alles Geschichte - Der History-Podcast könnten Sie auch interessieren:<br/></strong><br/>

<strong>RAUS AUS DER KRISE! Keynes&#39; folgenreicher Plan für die Wirtschaft</strong>
Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre hat John Maynard Keynes auf die Idee gebracht: In Krisen soll der Staat gezielt in die Wirtschaft eingreifen, um ihr wieder auf die Beine zu helfen. Damit vertrat er genau das Gegenteil von der Idee einer Wirtschaft, die sich am besten selbst helfen könne. Bis heute scheiden sich am Keynesianismus die ökonomischen Geister. (BR 2010) <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/raus-aus-der-krise-keynes-folgenreicher-plan-fuer-die-wirtschaft/ard/10435803/">HIER</a> 
<br/>

<strong>RAUS AUS DER KRISE! Roosevelts Kampf um die Wirtschaft</strong>
Es war ein Schock: Im Oktober 1929 brach der Börsenhandel an der amerikanischen Wall Street ein, es folgte eine schwere Wirtschaftskrise. Bald war ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung arbeitslos. Dann wurde der Demokrat Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten gewählt. Er versprach den Leuten einen New Deal. Bald kam es zu etlichen Wirtschafts- und Sozialreformen, Elemente eines US-amerikanischen Sozialstaats. (BR 2016) <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/raus-aus-der-krise-roosevelts-kampf-um-die-wirtschaft/ard/10435805/">HIER</a>
<br/>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/> <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a><strong></strong></p>

<strong>Literatur:</strong>


<p>Christoph G. Paulus, „Große Pleiten und die Wege des Insolvenzrechts“ – spannend und informativ geschrieben, stellt die wichtigsten Grundsätze des Insolvenzrechts dar. </p>
<p>Jasper Kunstreich, „Bankruptcy as Standortpolitik“ in: Dealing with Economic Failure in Historical Perspective“ – wissenschaftliches Paper, das den Umgang mit Pleiten im 19. Jahrhundert untersucht. </p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:</p>
<p> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-insolvenz-sanierung-konkurs-schuld-zwangsvollstreckung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In früheren Zeiten war der Umgang mit Schuldnern mitunter recht martialisch. Wenn sich jemand Geld geliehen hatte und das Geld nicht zurückzahlen konnte, machte man mit ihm sogenannten „kurzen Prozess“. Im Römischen Reich regelte das Zwölftafelgesetz die Details:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wenn der Schuldner nicht bezahlt, darf der Gläubiger ihn fesseln und festhalten. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Warum das nötig war, erschließt sich aus dem weiteren Prozedere:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Nach 60 Tagen kann der Schuldner öffentlich ausgestellt werden. Wenn sich niemand bereit erklärt, die Schuld zu zahlen, kann er getötet oder jenseits des Tibers verkauft werden. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Also Tod oder Versklavung – und wehe dem, der mehrere Gläubiger geprellt hatte. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wenn es mehrere Gläubiger gibt, sollen sie den Schuldner unter sich aufteilen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und das war durchaus wörtlich gemeint: „in partis secanto“ stand im Zwölftafelgesetz – bedeutet übersetzt: sie sollen sie in Teile schneiden. </p>
<p>01 O-TON (Paulus)</p>
<p>Der eine schneidet den Finger ab, der andere schneidet den Arm ab, der dritte schneidet die Knie heraus. Die Gläubiger hatten also gegenüber dem Schuldner, der seiner Verpflichtung nicht nachgekommen ist, ein ziemlich mächtiges Druckmittel an der Hand. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sagt der Insolvenzrechtler Christoph G. Paulus. Er ist emeritierter Professor der Humboldt-Universität Berlin und Autor des Buches „Große Pleiten und die Wege des Insolvenzrechts“. </p>
<p>Musik 3</p>
<p>&quot;Pink&quot; - Album: Colours of Air - Komponist: Loscil &amp; Lawrence English - Ausführender: Loscil &amp; Lawrence English - Länge: 0&#39;47</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die drakonischen Strafen im antiken Rom zeigen: So eine Pleite ist keine Kleinigkeit, oft sogar ein Drama. Kein Wunder – es geht um Existenzen, die auf dem Spiel stehen, um Verträge, die gebrochen werden, um viel Geld – und manchmal auch um kreative Buchführung, sprich: Betrug. Alles in allem eine komplexe Gemengelage. Wobei heute bei einer Firmenpleite nicht mehr kurzer Prozess gemacht wird, sondern der lange: Zwei bis sechs Jahre dauern Insolvenzverfahren – mit Ausnahmen, die sich jahrzehntelang hinziehen. Es dauert eben, bis im Detail aufgedröselt ist, wer was bekommt. </p>
<p>Musik 4</p>
<p>&quot;Humankind&quot; - Album: Shock Waves - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;40</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber der Reihe nach. Im Prinzip geht es darum: Ein Unternehmen geht – salopp gesprochen – Pleite, ist also insolvent, was nichts anderes als zahlungsunfähig bedeutet. Früher sagte man auch Konkurs dazu, das ist heute aber nicht mehr so üblich. Die Gründe für so eine Pleite sind vielfältig: Missmanagement, Konjunktureinbruch oder nachlassendes Interesse am Angebot. Aber generell kann man sagen: Je mehr geliehenes Geld in einer Firma steckt, desto größer das Risiko.</p>
<p>02 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Die Insolvenzgefährdung steigt im Allgemeinen, wenn ein Unternehmen hohe Investitionen tätigen muss oder wenn sie Projekte vorfinanzieren müssen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sagt der Sozialwirt Peter Kranzusch. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn.</p>
<p>03 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Typisch ist das in Branchen wie der Baubranche oder auch im Verkehrssektor. Aber es gibt auch Branchen mit einem hohen Verdrängungswettbewerb – also wo es viele Gründungen gibt, da gibt es auch viele Austritte – und da beobachten wir dann auch Insolvenzen, wenn sich die Investitionen noch nicht amortisiert haben. Also das ist zum Beispiel häufig der Fall im Handel, bei Gaststätten, bei Diskotheken, bei Fitnessstudios.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit Blick auf die gesamte Wirtschaft sind Insolvenzen aber eher selten. (2024 waren es bundesweit 22.000 Unternehmen, die Insolvenz angemeldet haben. Die allermeisten davon waren Kleinstunternehmen mit wenigen Beschäftigten.)</p>
<p>04 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Nur jede zehnte Schließung eines Unternehmens erfolgt im Wege eines Insolvenzantrags. Also die Masse der Unternehmen, die liquidiert werden, wo die Selbständigen ihre Tätigkeit einstellen, passiert ohne Insolvenz. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Steuerberaterin die Kanzlei oder ein Tischler den Betrieb dichtmachen, sei es aus Altersgründen oder weil sich die Firma nicht mehr rechnet. Das ist, wenn man so will, der Normalfall. Insolvenzen sind eher die Ausnahme. </p>
<p>MUSIK 5</p>
<p>&quot;Rania (2)&quot; - Album: Überleben - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;50</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In die Schlagzeilen geraten Insolvenzen, wenn es sich um große Unternehmen handelt: Das Bauunternehmen Philipp Holzmann etwa, die Drogeriekette Schlecker, Lehman Brothers, Galeria oder der Zahlungsdienstleister Wirecard. Oft kommt es dann zu zahlreichen Entlassungen und manchmal wird auch Betrug im großen Stil offenkundig, siehe Wirecard. Aber der Schmied oder die Steuerberaterin, die Insolvenz anmelden, schaffen es nicht in die Medien – und trotzdem ist jede Pleite ein Drama, nicht nur für den Schuldner oder die Schuldnerin, sondern auch für die Gläubiger – und davon gibt es oft reichlich. Der Insolvenzrechtler Christoph G. Paulus:</p>
<p>05 O-TON (Paulus)</p>
<p>Die beiden berühmtesten sind einmal die Banken und zum anderen der Fiskus, also der Steuerstaat. Aber was man nicht so auf dem Bildschirm hat, natürlich auch jeder Lieferant. Auch jeder Dienstleister, der mir irgendetwas erbringt. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>So ein Unternehmen hat oft zahlreiche Vertragsbeziehungen – mit anderen Firmen, die Material oder Vorprodukte liefern, mit Rechts- oder Steuerberaterinnen, Stromanbietern und so weiter. Zum Kreis der Gläubiger gehören aber auch die Angestellten und womöglich ein Vermieter oder eine Vermieterin. Bei richtig großen Unternehmen kann sogar eine ganze Region betroffen sein, sagt der Sozialwirt Peter Kranzusch.</p>
<p>06 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Weil das in einer ländlichen Region vielleicht dann der einzige große Arbeitgeber ist. Und wenn der dann schließt, dann hat es eine große Wirkung für die Bevölkerung, Arbeitsplätze fallen weg, und es hat eben auch noch Folgen für Zulieferer von Materialien, von Dienstleistungen, bis hin zu Gaststätten und Handelseinrichtungen.</p>
<p>Musik 6</p>
<p>&quot;Pink&quot; - Album: Colours of Air - Komponist: Loscil &amp; Lawrence English - Ausführender: Loscil &amp; Lawrence English - Länge: 0&#39;47</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Beispiel ist die Pleite der Werft Bremer Vulkan, bei der Mitte der 1990er rund 20.000 Menschen ihren Job verloren und die einen jahrelangen Niedergang der gesamten Region nach sich zog. Oder 2009 die Insolvenz des Versandhändlers Quelle: 4000 Arbeitsplätze fielen weg, die Arbeitslosenquote im Raum Nürnberg/Fürth stieg um 36 Prozent. Manchmal hängt eben die ganze Region mit drin, wenn eine Firma Insolvenz anmeldet – genauer: einen Antrag auf Insolvenz stellt.  </p>
<p>07 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Also es bedarf eines Antrags. Wer kann den Antrag stellen? Das kann entweder ein Gläubiger sein oder auch der Unternehmer selbst. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>((Für Kapitalgesellschaften wie GmbHs oder Aktiengesellschaften gibt es sogar eine Pflicht, einen Antrag zu stellen, wenn sie zahlungsunfähig oder überschuldet sind. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, kann im Gefängnis landen, Stichwort Insolvenzverschleppung – da ist es wieder: das mächtige Druckmittel gegenüber Schuldnerinnen und Schuldnern.)) </p>
<p>MUSIK 7</p>
<p>&quot;Humankind&quot; - Album: Shock Waves - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;22</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ist die Insolvenz ordentlich angemeldet und vom Gericht geprüft und genehmigt, kommt in der Regel der Insolvenzverwalter oder die Insolvenzverwalterin ins Spiel. Er oder sie übernimmt gewissermaßen das Ruder des sinkenden Schiffes – das aber manchmal noch gerettet werden kann.</p>
<p>08 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Dann kommt es darauf an, ob der Insolvenzverwalter in dieser frühen Phase schon erkennt, okay, ich finde jemand, der dieses Unternehmen vielleicht kauft oder das Unternehmen kann sich selber retten mit neuen Investoren. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das gelingt aber nur manchmal.</p>
<p>09 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Man sagt grob, 80 bis 90 Prozent aller Unternehmen werden geschlossen. </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Weil die Masse der Unternehmen Kleinstunternehmen sind, die dann einfach ihre Arbeit einstellen. Betrachtet man nur große Unternehmen sehen die Zahlen anders aus.</p>
<p>10 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Das sind Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten oder mit mindestens 20 Millionen Umsatz, dann kann man grob sagen, mindestens 50 Prozent der Unternehmen werden als Ganzes gerettet oder werden in Teilen gerettet.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch weil sich manchmal die Kommune bemüht, die Firma zu erhalten, damit die Arbeitsplätze nicht wegfallen. Gelingt die Rettung nicht, heißt es: Alles muss raus, der große Ausverkauf beginnt. Es geht darum, möglichst viel Geld zu erlösen, um die Gläubiger so gut es geht auszubezahlen. Dabei gilt der Grundsatz: </p>
<p>11 O-TON (Paulus)</p>
<p>Wir verteilen den Verlust gleichmäßig. Das ist der Gleichbehandlungsgrundsatz der Gläubiger, par conditio creditorum.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das ist allerdings kaum durchzuhalten. Denn im Prinzip sind zwar alle gleich, aber in der Praxis sind dann manche doch ein bisschen gleicher. Zum Beispiel wenn sie Sicherheiten erhalten haben.</p>
<p>12 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Das sind zum Beispiel Banken, die einen Kredit geben und dafür dann aber einen Eintrag in das Grundbuch erhalten. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sie bekommen dann auch Geld aus dem Verkauf der Immobilie. Aber auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genießen einen gewissen Schutz. </p>
<p>13 O-TON (Paulus)</p>
<p>Die haben einen Schutzmechanismus dergestalt, dass sie auf jeden Fall die letzten drei Monate vor dem Antrag des Insolvenzverfahrens ihr Gehalt vollständig bezahlt bekommen. Wenn nicht von ihrem Arbeitgeber, dann von einer Bundesanstalt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eher wenig bleibt übrig für diejenigen, die keine Sicherheiten haben – erstaunlich wenig sogar. </p>
<p>14 O-TON (Paulus)</p>
<p>Im Schnitt bekommt der Gläubiger drei Prozent. Das heißt, von den geschuldeten 100 Euro kriegt er drei Euro. Und wenn ich im Schnitt sage, heißt das natürlich, dass er gelegentlich mal zehn Euro bekommt. In ganz, ganz seltenen Fällen sogar mehr. Aber in ganz vielen Fällen bekommt er Null. </p>
<p>Musik 8</p>
<p>&quot;Pink&quot; - Album: Colours of Air - Komponist: Loscil &amp; Lawrence English - Ausführender: Loscil &amp; Lawrence English - Länge: 0&#39;40</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Lieferant von Vorprodukten oder die Steuerberaterin der Firma gehen also oft leer aus. </p>
<p>Dass es so wenig zu verteilen gibt, liegt daran, dass ein Insolvenzantrag erst spät gestellt wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – und es könnte ja noch ein Großauftrag kommen oder jemand, der von dem Produkt begeistert ist und investiert. </p>
<p>15 O-TON (Paulus)</p>
<p>Man vermeidet das auf Deubel komm raus. Und je länger sich das hinzieht, desto weniger ist da. Es ist völlig klar, wenn ich merke, in einem Jahr oder in zwei Jahren, wenn es so weitergeht wie jetzt, bin ich in der Pleite, dass mit jedem weiteren Tag, an dem ich keine Gegenschritte unternehme – ich muss ja weiter meine Rechnungen bezahlen – das Geld wird immer weniger und dadurch ist eben für die Gläubiger im Falle der Verteilung immer weniger da. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und das obwohl wir in Deutschland den Fokus eher auf die Ansprüche von Gläubigerinnen und Gläubigern haben. </p>
<p>16 O-TON (Paulus)</p>
<p>Wir in Deutschland zielen traditionell darauf ab, mit dem Insolvenzverfahren die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. Mit dieser Sichtweise hängen wir noch ganz stark im antiken Rom drin. Sie erinnern sich, da war den Gläubigern die Macht an die Hand gegeben, den Schuldner in Stücke zu schneiden. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Deutschland hat traditionell also einen Fokus auf die Gläubiger – in anderen Ländern ist das anders.</p>
<p>17 O-TON (Paulus)</p>
<p>Die Franzosen beispielsweise haben als Ziel ihres Insolvenzrechts so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten und Unternehmen am Leben zu halten. Das haben die Argentinier auch. Die wollen eben gewissermaßen die Wirtschaft als solche retten und den sozialen Frieden.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und nochmal eine andere Herangehensweise haben die angelsächsischen Länder, allen voran die USA: </p>
<p>18 O-TON (Paulus)</p>
<p>Da ist das Ziel des Insolvenzrechts, dem Schuldner wieder auf die Beine zu helfen.</p>
<p>Musik 9</p>
<p>&quot;Humankind&quot; - Album: Shock Waves - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;25</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Beispiele zeigen schon: Das Abwägen zwischen Schuldnern und Gläubigern läuft überall ein bisschen anders. Tatsächlich lässt sich das auch an einigen Begriffen ablesen. Vor unserem heutigen Insolvenzrecht gab es hierzulande das Konkursrecht. Und hier zeigt das Wort schon, worum es bei einer Pleite ging.  </p>
<p>19 O-TON (Kunstreich)</p>
<p>Das Wort leitet sich ab vom lateinischen concursus creditorum, also dem Zusammenlauf der Gläubiger oder auch Wettlauf. Und dieses Zusammenlaufen der Gläubiger, die darum wetteifern, noch einen Teil vom Kuchen abzubekommen, der offenbar nicht für alle reicht, das steckt da drin. Und das richtet eben das Augenmerk auf das Verteilungsproblem, was dahintersteht. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sagt der Historiker Jasper Kunstreich. Er forscht am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie in Frankfurt am Main.  Und er weist darauf hin, dass Begriffe wie „Schulden“ und „Gläubiger“ einen moralischen Anklang haben: Da hat jemand eine „Schuld“ und jemand anderes hat an die Rückzahlung „geglaubt“. Auch hier gibt es historische Wurzeln.</p>
<p>20 O-TON (Kunstreich)</p>
<p>Die ersten Konkursvorschriften im heutigen Sinne, die wir so nennen würden, haben sich im Mittelalter herausgebildet und in den Renaissancestätten in Italien. Und die haben tatsächlich den Konkurs oft mit so einer besonderen Form von Demütigung verknüpft, so eine Art von öffentlicher Schande. Zum Beispiel, indem eine Glocke geläutet wurde und die Schuldner auf den Marktplatz geführt wurden. Oder die mussten eine sogenannte Schandkappe tragen, solche Sachen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und wer jetzt denkt: lange her und das Mittelalter war sowieso ziemlich grausam, sollte sich vor Augen halten, dass solche Moralvorstellungen oft sehr lange Schatten werfen - bis ins 20. Jahrhundert.</p>
<p>21 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Die Insolvenz ist der bürgerliche Tod des Kaufmanns. Und bis weit in die 50er, 60er Jahre war das üblich, dass ein Unternehmer, der insolvent wurde, der hat sich auch am Ende erschossen, weil die Schande viel zu groß war.</p>
<p>Musik 10</p>
<p>&quot;Politische Entscheidungen&quot; - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Länge: 1&#39;47</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber zunächst ins 19. Jahrhundert. Denn da entwickelte sich das erste allgemeine Konkursrecht. Das war nötig, weil sich die Wirtschaft zu dieser Zeit stark veränderte. Es war die Zeit, als die Industrialisierung ihren Anfang nahm. </p>
<p>22 O-TON (Kunstreich)</p>
<p>Mit dieser industriellen Revolution veränderte sich das Arbeiten und das Wirtschaften aller Menschen komplett und der Agrarsektor hat aufgehört, der alles dominierende Sektor zu sein.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die ersten industriellen Zentren entwickelten sich hierzulande in Sachsen und im Rheinland, wo Textilien oder Metall in großen Fabriken verarbeitet wurden. Daneben entstanden im Ruhrgebiet erste große Bergbauunternehmen. Und von Hansestädten wie Hamburg oder Lübeck aus machten Kaufleute bereits Geschäfte nach Übersee. Aber so unterschiedlich diese Unternehmungen und Geschäfte auch waren – eines hatten alle gemeinsam: Um sie aufzubauen, musste man erst mal investieren und man brauchte viel, viel Geld. Aber wie das eben so ist im Leben: nicht alles gelingt. Pleiten gab es immer wieder. Was es nicht gab, war ein Staat mit einer einheitlichen Rechtsordnung. Die Region in der Mitte Europas war damals stark zersplittert: Es gab Königreiche wie Bayern oder Sachsen, Herzogtümer wie Braunschweig oder Baden und freie Hansestädte. Der Umgang mit Schuldnerinnen und Schuldnern war überall anders geregelt. Was dazu führte, dass Menschen, die Pleite gingen, regelmäßig ungeschoren das Weite suchten. </p>
<p>23 O-TON (Kunstreich)</p>
<p>Die nächste Landesgrenze ist ja nur ein paar Kilometer entfernt. Und dann haut er einfach ab und hinterlässt im Zweifel auch noch Frau und Kind, die dann die Gemeinschaft durchfüttern muss. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde das zumindest erschwert. Ein paar Jahre später, 1879, trat dann die erste reichsweite Konkursordnung in Kraft. Das Machtspiel zwischen Schuldnern und Gläubigern bekam ein einheitliches Rahmenwerk. Es zielte vor allem darauf ab, die Gläubiger zu befriedigen. Der Schuldner, die Schuldnerin musste zwar keine Schandkappe mehr tragen, war aber in wirtschaftlicher Hinsicht für den Rest des Lebens erledigt. Und trotzdem galt die neue Konkursordnung als fortschrittlich.</p>
<p> 24 O-TON (Kunstreich)</p>
<p>Die wurde oft als großer Wurf erst mal dargestellt, weil sie eine sehr komplizierte und zersplitterte Materie wirklich vereinheitlicht hat. Aber es hat sich doch im 20. Jahrhundert dann gezeigt, dass sie mit ganz vielem nicht so gut zurechtkam, weil sie nämlich in erster Linie – ein Kind ihrer Zeit – den Einzelkaufmann vor Augen hatte und vielleicht nicht so sehr die Aktiengesellschaft, die GmbH, die Unternehmen, die wir dann im 20. Jahrhundert haben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Denn mit zunehmender Größe und Komplexität der Unternehmen braucht man eben im Insolvenzfall andere Regelungen. </p>
<p>Musik 11</p>
<p>&quot;Humankind&quot; - Album: Shock Waves - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;57</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Konkursordnung war aber auch sehr lange in Kraft. 1935 kam die sogenannte Vergleichsordnung hinzu, aber einen ganz neuen Rahmen für Firmenpleiten gab es erst 1999, also 120 Jahre später. </p>
<p>25 O-TON (Kunstreich)</p>
<p>Da sind wir nach der Wiedervereinigung, da musste ja sozusagen dafür gesorgt werden, dass wir einen einheitlichen Rechtsraum haben mit den neuen Bundesländern. Aber die Kritik an der alten Konkursordnung hat eigentlich schon in den 1970ern eingesetzt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aus mehreren Gründen. Zum einen hatten sich Firmen stark verändert. Nicht nur waren neue Rechtsformen hinzugekommen, sondern auch die Unternehmen selbst wandelten sich. Statt Fabrikhallen mit vielen Maschinen oder großen Fuhrparks, die man im Falle einer Pleite veräußern kann, wurden Dienstleistungen und immaterielle Güter immer wichtiger. </p>
<p>26 O-TON (Paulus)</p>
<p>Know-how spielt eine Rolle, Goodwill, Charisma. Und das sind Werte, die kann ich nicht wirklich gut auf dem Markt verkaufen. Wie soll ich Know-how verkaufen? Ich kann nicht aus ihrem Hirn herausschneiden, wie man eine Software entwickelt oder wie man eine KI entwickelt, und das bei Ebay an den Meistbietenden verkaufen, das geht nun mal nicht.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Gleichzeitig zeigte der Bankruptcy Code, der 1979 in den USA in Kraft trat, wie ein modernes Insolvenzrecht aussehen kann. Das veränderte den Blick auf Unternehmenspleiten weltweit.</p>
<p>27 O-TON (Paulus)</p>
<p>Was jetzt mal, historisch gesehen, völlig überraschend ist, dass eine neue juristische Erfindung auf den Markt kommt und innerhalb von wenigen Jahrzehnten praktisch die gesamte Welt erobert. Und das ist der Fall mit dem Reorganisationsverfahren, mit dem berühmten Chapter-Eleven-Verfahren. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Chapter Eleven, also das elfte Kapitel, ist Teil der US-amerikanischen Insolvenzordnung. Es bietet einer Firma eine Reihe von Möglichkeiten, sich im Rahmen der Insolvenz neu zu strukturieren. Ungünstige Verträge etwa, zum Beispiel über hohe Stromkosten, können neu ausgehandelt werden. Es räumt dem Unternehmer, der Unternehmerin also weitreichende Rechte ein. Das Ziel ist, dass die Firma wieder eine wirtschaftliche Perspektive bekommt – und das macht oft auch für Gläubigerinnen und Gläubiger Sinn. Vor allem, wenn es sich um Dienstleistungsfirmen handelt, wo nach einem Ausverkauf nicht viel zu verteilen wäre. Deshalb stimmen sie der Sanierung meist zu, selbst wenn sich ihre Konditionen verschlechtern. </p>
<p>28 O-TON (Paulus)</p>
<p>Das tun sie nicht deswegen, weil sie jetzt so besonders humanistisch gesinnt und die christliche Nächstenliebe entdeckt hätten, sondern das tun sie deswegen, weil das ökonomische Kalkül ihnen sagt: Wenn wir an unser Geld rankommen, müssen wir in den sauren Apfel beißen und müssen dem Schuldner auf die Beine helfen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Nach dem Vorbild der USA wurden die Insolvenzordnungen mittlerweile in vielen Ländern umgestaltet oder zumindest angepasst. </p>
<p>Musik 12</p>
<p>&quot;Humankind&quot; - Album: Shock Waves - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;42</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In Deutschland trat die neue Insolvenzordnung 1999 in Kraft. Sie sieht unter anderem eine mögliche Restschuldbefreiung, also einen Schuldenerlass vor, um Schuldnern einen wirtschaftlichen Neustart zu ermöglichen. Denn Einzelunternehmer oder Inhaberinnen kleinerer Personengesellschaften haften bei einer Pleite oft mit ihrem Privatvermögen. Außerdem ermöglicht die neue Insolvenzordnung die Sanierung von Unternehmen. Einige Reformen aus den letzten Jahren haben das noch weiter vereinfacht. Zum Beispiel bestimmt heute nicht mehr unbedingt das Gericht den Insolvenzverwalter oder die Insolvenzverwalterin. </p>
<p>29 O-TON (Kranzusch)</p>
<p>Seit 2012 haben wir erstmalig die Möglichkeit, dass der Schuldner selber im Vorfeld einen Insolvenzverwalter sich aussucht und diesen Insolvenzverwalter dann beauftragt, ein Sanierungskonzept zu erstellen. Das ist dann das sogenannte Schutzschirm-Verfahren. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Ziel ist, möglichst frühzeitig umzusteuern und nicht immer weiter zu warten, bis die Pleite da ist. Das gilt auch für die Reform, die 2021 auf Druck der EU umgesetzt wurde. </p>
<p>30 O-TON (Paulus)</p>
<p>Es muss am Horizont bereits das rote Licht flackern, das rote Licht der Insolvenz. Aber es ist noch genug Verhandlungsspielraum da, dass ich jetzt als Schuldner zu meinen Gläubigern sagen kann: Wir setzen uns zusammen und versuchen mal, ob ich meine Rettung schaffen kann mit euch. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Neu daran ist, dass der Schuldner, die Schuldnerin sich die Gläubiger aussuchen kann – und ganz wichtig: Es gilt nicht mehr das Prinzip der Einstimmigkeit, sondern es reicht, wenn eine qualifizierte Mehrheit der Gläubiger den neuen Konditionen zustimmt. Die überstimmten Gläubiger müssen sich der Mehrheit fügen. Wenn man so will, hat sich die deutsche Insolvenzordnung also der US-Amerikanischen immer weiter angenähert. Mehr als in früheren Zeiten geht es darum, der Unternehmerin, dem Unternehmer wieder auf die Beine zu helfen. Das hat implizit auch das Verhältnis zwischen Schuldnern und Gläubigern verändert. </p>
<p>Musik 13</p>
<p>&quot;Humankind&quot; - Album: Shock Waves - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;46</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Über den ganz langen Zeitverlauf betrachtet, kann man sagen: Es gab eine enorme Machtverschiebung zugunsten des Schuldners. </p>
<p>31 O-TON (Paulus)</p>
<p>Am Anfang das Zwölftafelgesetz: Die Gläubiger sind völlig entrüstet über den Schuldner, der nicht bezahlt und schneiden den in Stücke. Und heute der Schuldner, der zu den Gläubigern hingeht und sagt: Freunde, wir setzen uns jetzt mal zusammen und verhandeln darüber, dass ich aus der Insolvenz rauskomme, also es ist schon ein Machtinstrument in der Hand des Schuldners.</p>
<p>SPRECHER</p>

<p>Ein Machtinstrument in der Hand des Schuldners, von dem aber – wenn alles gut geht – letztlich alle profitieren. </p>
<br/>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die ersten Salonnièren - Als Frauen mitreden wollten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-ersten-salonni-ren-als-frauen-mitreden-wollten/2107754</link>
      <pubDate>Tue, 24 Jun 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b8993f68-0787-43cd-af26-a1c760f874e7</guid>
      <description>Lange Zeit durften Frauen weder politisch entscheiden, noch öffentlich mitreden. Vor rund 300 Jahren hatten bürgerliche Frauen dann die Idee, Gelehrte einfach zu sich nach Hause einzuladen. In den so genannten Salons, ihren Wohnzimmern, wurde angeregt diskutiert, debattiert - und sich emanzipiert. Autorin: Susanne Brandl (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22594944" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107754/c/feed/die-ersten-salonni-ren-als-frauen-mitreden-wollten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:32</itunes:duration>
      <itunes:author>Susanne Brandl</itunes:author>
      <itunes:summary>Lange Zeit durften Frauen weder politisch entscheiden, noch öffentlich mitreden. Vor rund 300 Jahren hatten bürgerliche Frauen dann die Idee, Gelehrte einfach zu sich nach Hause einzuladen. In den so genannten Salons, ihren Wohnzimmern, wurde angeregt diskutiert, debattiert - und sich emanzipiert. Autorin: Susanne Brandl (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c0800982-f10d-4e46-bd1c-7c07d4aeb7cf.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Lange Zeit durften Frauen weder politisch entscheiden, noch öffentlich mitreden. Vor rund 300 Jahren hatten bürgerliche Frauen dann die Idee, Gelehrte einfach zu sich nach Hause einzuladen. In den so genannten Salons, ihren Wohnzimmern, wurde angeregt diskutiert, debattiert - und sich emanzipiert. Autorin: Susanne Brandl (BR 2025)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Susanne Brandl<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Christian Baumann <br/> Technik: Wolfgang Lösch <br/> Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p>Dr. Petra Dollinger, freie Historikerin, spezialisiert auf die Zeit der Salons, ehem. Ludwig-Maximilians-Universität München</p>
<p>Prof. Astrid Dröse, Literaturwissenschaftlerin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)</p>
<p>Dr. Kersten Knipp,  Sachbuchautor „Die Erfindung der Eleganz: Europa im 17. Jahrhundert und die Kunst des geselligen Lebens“</p>

<p><strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://1.ard.de/1+1">Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</a></strong></p>
<p>Im neuen SWR3-Podcast treffen jeden Monat zwei verschiedene Promis aufeinander. Die Promis lernen sich erst im Podcast persönlich kennen, müssen einen Monat lang gemeinsam podcasten, labern, diskutieren, spielen und verschiedene Rubriken und Aufgaben meistern. <a title="Hier geht es zur Website" href="https://1.ard.de/1+1">HIER</a></p>
<p><strong>Linktipps: </strong></p>
<p>Die Münchner Salons: Literatur, Musik, Theater – kurz, die Künste werden erst lebendig, wenn man sie teilt. Genau das geschah im 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das inspirierende Gespräch stand im Mittelpunkt dieser Kreise; wichtig waren auch die Besonderheit der Orte und Rituale. <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/muenchner-salons-kuenstlerische-geselligkeit/1885144">HIER</a></p>
<p>Kulturgeschichte des Absinths und die Macht des Rausches in den Salons: Das grüne Gebräu aus Kräutern und Alkohol war zunächst das Getränk der Armen. Während der Belle Epoque wurde es jedoch rasend schnell zu Kult und eroberte auch die vornehmen Kreise. <a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kulturgeschichte-des-absinths-die-macht-des-rauschs/bayern-2/10368333/">HIER</a></p>
<p><strong>Literatur :</strong> </p>
<p>Kersten Knipp: die Erfindung der Eleganz, Philipp Reclam Verlag, 2022   </p>
<p>Christiana Mariana von Ziegler: Moralische und vermischte Sendschreiben, hrsg. von Astrid Dröse, Secession-Verlag 2019 </p>
<p>Benedetta Craveri: The age of conversation, New York Review Books, 2006</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Blau muss er sein, ihr literarischer Salon. Blaue Möbel, blaue Wände und ein blauer Himmel an der Decke. Die Marquise de Rambouillet [sprich: dö Rombujee] hat klare Vorstellungen. Um 1620 schafft sie einen Raum, der als chambre bleue [sprich: schambr blö]- als blaues Zimmer - in die Geschichte eingeht.</p>
<p><strong>O-TON 1 DOLLINGER</strong></p>
<p>„Im Hotel Rambouillet hat sie es sich richtig gemütlich und schön gemacht, sie hat dieses Chambre bleu eingerichtet, was damals was Besonderes war. Üblich war es damals, Zimmer in rotem und braunem Holz und mit roter Samtbespannung einzurichten.</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Die Historikerin Petra Dollinger. Sie forscht seit Jahrzehnten zur Geschichte der literarischen Salonkultur. Auf dem Gebiet der Anfänge der Konversationsgeselligkeit ist sie eine der wenigen Expertinnen. Eine Schlüsselfigur damals: Die Autorin Madeleine de Scudery. Sie war im Salon de Rambouillet zu Gast und webt diese Erfahrung ein in ihren bedeutenden Roman „Artamenes oder der Grosse Cyrus“ [sprich: Artamenes… Zirus] von 1656:<em> </em> </p>
<p><strong>MUSIK:</strong><em> </em><strong>/ Z8028007104 Max Richter: Spring 1 (recomposed Vivaldi)</strong></p>
<p><strong>ZITATORIN:</strong></p>
<p>Alles ist großartig, ja einzigartig! (…) Die Zimmer der Rambouillet sind gefüllt mit tausend Raritäten und jede einzelne zeugt von ihrem Geschmack. Immer duftet es dort, große und kleine Gefäße voll mit Blumen sorgen dafür, dass immer Frühling zu sein scheint. Und der Ort ist so angenehm und so phantasievoll gestaltet, dass man sich fühlt, als sei man in einem Zauberreich.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Sie schafft einen eigenen kreativen Kosmos. Eine harmonische Gegenwelt zur höfischen Galanterie. 1835 blickt Pierre-Louis Roederer, der unter anderem Berater Napoleon Bonapartes war, in seinen Memoiren auf die Geschichte Frankreichs. Darin schreibt er dem Salon der Rambouillet eine besondere Bedeutung zu:</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Der Salon der Marquise und der Hof waren zwei verschiedene Welten. Politik und Intrigen wurden im Hotel de Rambouillet [sprich: otel dö Rombujee] an der Tür abgegeben. Umso intriganter und korrupter der Hof war, umso (…) blühender gedeihte die Rambouillet-Geselligkeit.</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Über mehrere Jahrzehnte ist das Palais der Marquise Mittelpunkt<em> </em>des intellektuellen Leben Frankreichs. Und nicht nur das: Hier sprechen Männer und Frauen auf Augenhöhe. Hier unterhält sich Adel mit Bürgertum. Es entsteht eine neue Gesprächskultur. Hier ist Raum für Emanzipation. All das ist ungewöhnlich, fortschrittlich, neu.</p>
<p><strong>MUSIK:</strong><strong> Max Richter Spring 3 (recomposed Vivaldi)</strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Der eigentliche Name der Marquise de Rambouillet ist Catherine de Vivonne [sprich: katriin dö Wiwonn]. Leider hat sie selbst kaum Schriftliches hinterlassen – und es gibt auch nicht viele historische Quellen über sie. Was man aber definitiv weiß: Sie kommt aus gutem Hause. Ihre Mutter Giulia Savelli entstammt einem italienischen Adelsgeschlecht, das auch Päpste hervorgebracht hat und ist mit den Medici verwandt. Als ihr Vater Jean de Vivonne als französischer Botschafter in Rom arbeitet, lernt er Giulia kennen. Aus der Heirat geht Catherine hervor. Sie wird 1588 geboren. Mit sieben Jahren kommt sie nach Paris. Die Eltern vermitteln ihr jede Menge italienischen Humanismus und den Geist der italienischen Renaissance. In Italien hat es sich damals zunehmend durchgesetzt, Bildung auch Frauen zugänglich zu machen. Es geht um die Kultivierung des Intellekts.</p>
<p><strong>O-TON 4 DOLLINGER: </strong></p>
<p>„Da haben wir  - zumindest für die oberen Schichten - haben wir Frauen, die wirklich eine Geselligkeit geführt haben, wo also einmal Gelehrte und Schriftsteller kamen und die sich da unterhielten, und zugleich war es aber auch eine Schule der guten Sitten, und die Lebenskunst wurde auch gepflegt und es war überhaupt ein Umschwung hin zum Weltlichen.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Schon im Elternhaus hört Catherine aufmerksam zu, wenn Gäste zum kultivierten Miteinander vorbeikommen. Offenbar reizt sie der Gedanke, selbst Salonnière [sprich: Salonjer] zu werden, aber bevor sie ihre Ambitionen verwirklichen kann, ereilt sie das typisch weibliche Schicksal ihrer Zeit. Sie wird mit 12 Jahren an den zukünftigen Marquis de Rambouillet verheiratet. Mit 18 bekommt sie ihre erste Tochter Julie [sprich: schüli]. Sechs weitere Kinder folgen. Doch ihre beiden Söhne verliert sie durch Kriege und Seuchen. Nichtsdestotrotz bleibt sie eine lebenslustige, neugierige Frau. Sie will Leute kennenlernen. Aber nicht unbedingt die Adeligen am Hof, sondern vor allem Menschen einer sich gerade neuformierenden Schicht.</p>
<p><strong>O-TON Kersten KNIPP</strong></p>
<p>„Es waren ja die neuen, modernen Berufe, Ärzte, Juristen, Verwaltungsbeamte, Ingenieure, die sich damals bildeten - in Abgrenzung zum Hof, und das lief auf kultureller, stilistischer Ebene, weil man eben einen Stil für sich, für das entstehende Bürgertum gerade erst im Begriff war, zu formulieren, indem sich die wichtigen Vertreter dieser gerade sich konstituierenden Schicht miteinander trafen und ins Gespräch kamen.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Kersten Knipp hat sich als Sachbuchautor eingehend mit der kultivierten Geselligkeit im 17. Jahrhundert auseinandergesetzt. Catherine sieht ihre Stunde gekommen. Als Marquise de Rambouillet hat sie ein eigenes Stadtpalais mit den entsprechenden Räumlichkeiten und ihr Mann lässt sie machen. Sie will den Zeitgeist mitgestalten und ist damit Vertreterin eines frühen Aufklärungsfeminismus, der noch nicht kämpferisch ist, aber entschieden. Zunehmend haben Frauen eine Haltung.</p>
<p><strong>O-TON DOLLINGER: </strong></p>
<p>„Sie hatten den Anspruch an sich selbst, zu lernen, sich zu bilden, fortzubilden, klüger zu werden, sie wollten das aus eigener Kraft schaffen.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Ihr Herrschaftsbereich ist das Haus und somit kann Catherine de Vivonne die Gelehrten einfach zu sich einladen. Bald wird der Salon der Rambouillet zum Anziehungspunkt einer illustren Gästeschar, es kommen Bürger und Bürgerinnen unterschiedlicher Stände, Dichter, Schriftstellerinnen, Intellektuelle. Weil sie sich oft kränklich fühlt, zieht sie es vor, auf einem Canapee zu liegen, wenn sie ihre Gäste empfängt.</p>
<p><strong>ZITATORIN:</strong></p>
<p>„Ich sah sie in einer Nische, wohin keine Sonnenstrahlen drangen, aber es war dennoch nicht ganz dunkel. Um sie herum hingen lauter Porträts von Leuten, die sie mochte. Da stapelten sich außerdem viele Bücher auf kleinen Tischen. Gewiß keine gewöhnlichen Bücher. Nur zwei oder drei Leute durften jeweils gleichzeitig eintreten, weil sie kein Durcheinander mochte.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>… schreibt die spätere Königin von Sizilien und Sardinien Anne Marie d’Orleans 1659 in ihrer Geschichte über die Prinzessin von Paphlagonien. Wann genau sich der Rambouillet-Salon formiert, ist nicht eindeutig überliefert. Um 1613 sollen die ersten Gäste zu ihr gekommen sein, berichtet der französische Schriftsteller Francois de Malherbe, der auch bei der Marquise zu Gast war.</p>
<p><strong>O-TON KNIPP</strong></p>
<p>„Ich glaube, es ist im Wesentlichen eine intellektuelle oder auch ästhetische Freude gewesen, die sie getrieben hat, diesen Salon zu betreiben, eben den Austausch zu pflegen, was Neues zu hören, sich selbst auch zu äußern, ja sich der Welt zu öffnen, sich den Menschen zu öffnen und so im Grunde die eigene Person auch zu erweitern.“</p>
<p><strong>O-TON DOLLINGER:</strong></p>
<p>„Entwicklungen in der Wissenschaft, in der Kunst, in der Literatur, aber auch Tagesereignisse spielten natürlich auch eine ganz große Rolle, und man sprach nicht nur über die letzte Neuerscheinung, sondern man sprach natürlich auch über irgendwelche interessanten Gerichtsprozesse, die im Moment gerade liefen.“</p>
<p><strong>O-TON 8 KNIPP: </strong></p>
<p>Jeder sollte sich beteiligen können, jederzeit in das Gespräch, seine eigenen Standpunkte einwerfen können … und dann führte das wieder zu neuen Gedanken. Also diese Vorstellung des unentwegt sich fortpflanzenden Gedankens, der im Grunde nie an ein Ende kommt, ja wo eins das Andere ergibt, das war das Ideal dieser Zeit.</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Sie sprechen nicht wie Fachleute, aber sie sprechen vernünftig und es gibt keinen Platz in der Welt, wo es mehr Gefühl und Gespür gibt und weniger Pedanterie als im Hotel de Rambouillet.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>So der Salongast und französische Schriftsteller Jean Chapelain, der die Académie francaise mitbegründete, 1638 in einem Brief. Darin klingt ein Ton an, der sich vom absolutistischen Duktus distanziert. Zunehmend setzt sich in der Zeit eine Haltung durch, die grundlegend wird für aufklärerisches Gedankengut.</p>
<p><strong>O-TON 9 DOLLINGER:</strong></p>
<p>„Dass der wahre Adel sich nicht über Geburt und Stand definiert, sondern dass die Menschen sich über ihre Verdienste, über ihre Bildung, über ihren Charakter, über Geist und Herz sozusagen definieren. Und diese Gedanken, die sind natürlich dann im Zeitalter der Aufklärung noch mal wieder aufgegriffen worden und verstärkt gesagt worden, also Gedanken von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, wie später in der französischen Revolution.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Für damalige Verhältnisse klingt das wie gelebte Utopie. Und das ist es ein Stück weit auch.</p>
<p><strong>MUSIK </strong><strong>Max Richter: Spring 1 (recomposed Vivaldi)</strong></p>
<p><strong>O-TON DOLLINGER:</strong></p>
<p>„Wichtig war, dass man das Gespräch mit Witz und Geist führte, man wollte locker und offen und frei über etwas sprechen, und das ist vielleicht überhaupt jetzt das Stichwort: die Geistesfreiheit - sowohl im Renaissance-Humanismus als auch in den Salons des 17. Jahrhunderts als auch in der Aufklärung. Die Geistesfreiheit ist das gewesen, was die Salons vielleicht auch so wichtig gemacht hat, weil hinter den verschlossenen Türen eines Salons konnte man sich vieles sagen trauen, was man sich vielleicht nicht trauen würde, in der Öffentlichkeit zu sagen, geschweige denn in der Zeitung zu drucken.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Dieses experimentelle und geschützte Forum des Salons macht außerdem möglich, was die Marquise besonders liebt: Schabernack. Catherine hat einen ausgeprägten Sinn für Humor. Es sollen durchaus derbe Scherze gewesen sein, mit denen die Marquise den ein oder anderen Gast gehörig auf die Schippe nahm.</p>
<p><strong>O-TON DOLLINGER:</strong></p>
<p>„dass man also irgendwelchen Freunden, also zum Beispiel die Kleider enger machte, dass sie meinten, sie wären dicker geworden und solche Sachen.“</p>
<p><strong>MUSIK</strong><strong> </strong><strong>Max Richter: Autumn 3 (recomposed Vivaldi)</strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Das Amusement in geselliger Runde, das ist es, was die damaligen Gäste anzieht. Nicht zu vergessen: Ohne Einladung ging gar nichts. Catherine wählte aus, wen sie zum Freund ihres Hauses machte, wer wiederkommen durfte, wer nicht. War man eine Frau, hatte man fast bessere Karten.</p>
<p><strong>O-Ton DOLLINGER:</strong></p>
<p>„Da hob sich auch Madame de Rambouillet sehr von anderen Salons hervor. Es hat auch Salons gegeben, wo fast nur Männer verkehrten, das war im Hotel del Rambouillet anders, da verkehrten auch viele Frauen und die durften ihre Töchter mitbringen. Die hörten und sahen da, was sie in Ihrer Klosterschule nie im Leben gelernt hätten.“</p>
<p><strong>MUSIK: </strong><strong>Max Richter Summer 2 </strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>1665 stirbt die Marquise und damit ihr Salon. Kaum eine Geselligkeit bestand über so lange Zeit hinweg. Fast ein halbes Jahrhundert gab es das Format der Rambouillet. Frauen, die bei ihr zu Gast waren, sind von ihr inspiriert und entwickeln ihre Ideen weiter. Wie zum Beispiel Madeleine de Scudery, die damals ein internationaler Star war – und DIE Schriftstellerin des 17. Jahrhunderts. Die Salonnière kämpft in ihren Geselligkeiten und Schriften vehement für die Gleichberechtigung.</p>
<p>Ein echtes Role Model! Mag sich die ein oder andere Frau damals gedacht haben. So wohl auch die Leipziger Schriftstellerin Christiana Mariana von Ziegler. Sie entdeckt um 1735 die französische Salondame fast zufällig und ist inspiriert von ihrer Schrift „Conversations morales“ [sprich: conversasion morall). Von Ziegler hält in ihren sogenannten „Moralischen und vermischten Sendschreiben“ fest:</p>
<p><strong>ZITATORIN:</strong></p>
<p>„Die Unterredungen der Mademoiselle de Scudery gefielen mir und ich hielt es für gut, dass sie jedermann in unserer deutschen Sprache lesen möchte, weil ich darinnen die Regeln einer artigen Lebensart sehr wohl ausgeführt fand.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Christiana Mariana von Ziegler übersetzt de Scuderys Schrift über tugendhafte Geselligkeit, in der Frauen beanspruchen, als Gesprächspartnerinnen auf Augenhöhe zu gelten. Damit ist der französische Aufklärungsfeminismus in Deutschland angekommen. Von Ziegler nimmt de Scudery zum intellektuellen und ethischen Vorbild, adaptiert die französische Salonkultur und wird eine der ersten deutschen Salonnièren, die im 18. Jahrhundert emanzipatorische Pionierarbeit leistet.</p>
<p><strong>TON ASTRID DRÖSE</strong></p>
<p>„Das ist ein Kernanliegen. Die Bildung der Frau und der Mädchen und die Gleichwertigkeit der Geschlechter. Und das sagt sie immer wieder auch im satirischen Ton. Sie forderte auch die Frauen auf, hab den Mut, dich zu entwickeln, lies, lerne Sprachen, denn es bringt doch mehr, wenn du in der Gesellschaft was über Literatur sagen kannst, als wenn du nur über Fleischtöpfe redest.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>So die Literaturwissenschaftlerin Astrid Dröse. Sie konnte durch Recherche in der Bayerischen Staatsbibliothek Zieglers Schriften im gesamten deutschen Sprachgebiet nachweisen und betont, wie berühmt die Schriftstellerin und Salonnière im 18. Jahrhundert war. Doch irgendwann verschwindet diese aus der Literaturgeschichte.</p>
<p><strong>TON DRÖSE</strong></p>
<p>„Die feministische Literaturgeschichtsschreibung in den 70er, 80er Jahren hat sich sehr bemüht Autorinnen der frühen Neuzeit und der Aufklärung wieder zu entdecken. Und da ist Christiana Mariana von Ziegler wieder aufgetaucht.“</p>
<p><strong>MUSIK: </strong><strong>Max Richter Spring </strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Christiana Mariana Romanus wird 1695 in Leipzig geboren. Sie stammt aus einer Juristenfamilie des gehobenen Bürgertums und erhält eine gute musische und sprachliche Ausbildung. Als ihr Vater wegen politischer Intrigen lebenslang inhaftiert wird, ist Christiana 10 Jahre alt. Die Familie steht vor dem Nichts. Sie heiratet mit 16 Jahren, bekommt eine Tochter, doch kurz darauf verstirbt ihr Mann. Sie heiratet ein zweites Mal, bekommt wiederum eine Tochter, doch auch der zweite Mann Georg Friedrich von Ziegler stirbt bald und schließlich erliegen auch beide Töchter wohl einer Seuche. Schwere Schicksalsschläge.</p>
<p><strong>MUSIK: </strong><strong>Bach Konzert Nr. 5 in F-Moll</strong></p>
<p>Doch das Leben muss weitergehen. Christiana Mariana beschließt, Witwe zu bleiben und zieht in ihr Elternhaus, zurück zu ihrer lebenstüchtigen Mutter, die erfolgreich gegen die Versteigerung des Wohnhauses gekämpft hatte.</p>
<p><strong>TON DRÖSE</strong></p>
<p>„Sie hat sich wohl gedacht, das Schicksal hat mir so übel mitgespielt, was mache ich jetzt mit dem Leben? Und da muss sie den Entschluss gefasst haben: warum gründe ich nicht jetzt einen Salon? Sie hatte dazu die Möglichkeiten und offensichtlich ja auch das nötige Selbstbewusstsein. Das führte dann dazu, dass sie dieses Romanushaus zu einem sehr lebendigen Ort der Begegnung in Leipzig gemacht hat. Die Professoren der Universität, Gelehrte, Kaufleute, auch viele Frauen, gingen dort ein und aus.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Christiana Mariana hat die richtige Idee zur rechten Zeit und eine Persönlichkeit, die viele Menschen in ihren Bann zieht. Ihr kommt entgegen, dass Leipzig zu dieser Zeit eine der modernsten Städte des Heiligen Römischen Reichs ist. Die Stadt gilt damals als kleines Paris.</p>
<p><strong>TON DRÖSE</strong></p>
<p>„Es gab die Universität, die ein sehr hohes Niveau hatte. Es gibt eine entsprechende gesellschaftliche Trägerschicht, die auch die Gedanken der Aufklärung verbreitet. Es gibt einen funktionierenden Buchmarkt, die Buchmesse, die ja noch heute existiert, es gibt Drucker, Verleger, also Leipzig war eine Medienstadt. Leipzig war das intellektuelle Zentrum Deutschlands gerade im frühen 18. Jahrhundert.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Die Atmosphäre ihres Salons ist heiter. Christian Gabriel Fischer, ein Professor für Naturlehre, der 1725 auf der Durchreise bei Ziegler vorbeischaut, erwähnt sie extra in seinem Reisebericht. Sie sei …</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„… viel zu munter und aufgeweckt, als daß sie sich gemein männlichem Verstande unterwerfen sollte Von reden frey, aber gescheid und artig, im Umgang mehr freundlich, lustig und scherzhaft als gravitätisch. Sie schießet mit Büchsen, Pistolen und Armbrüsten. Sie macht alles mit, spielet auf allerhand musikalischen Instrumenten und singt dabey.“</p>
<p><strong>MUSIK: </strong><strong>Partita in A Minor; II.Corrente</strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Sie schreibt Gedichte, trägt die gerne spontan vor und animiert auch ihre Gäste, einfach mal drauflos zu reimen, zu singen oder zu spielen. Besonders gern besingt sie das männliche Geschlecht und macht sich über chauvinistisches Gehabe lustig. Die Satire ist für sie wie ein emanzipatorisches Werkzeug, mit dessen Hilfe sie Unbequemes reizvoll               verpacken kann. Wie in dieser für Seminarzwecke nachempfundenen Passage aus einem Seminar von Astrid Dröse.</p>
<p><strong>TON Gesang mit Atmo Cembalo: </strong></p>
<p>„Du weltgepriesenes Geschlechte, du in dich selbst verliebte Schar!</p>
<p>Prahlst allzu sehr mit deinem Rechte, das Adams erster Vorzug war.</p>
<p>Doch soll ich deinen Wert besingen, der dir auch wirklich zugehört</p>
<p>So wird mein Lied ganz anders klingen, als das, wofür man dich verehrt.“</p>
<p><strong>TON  DRÖSE</strong></p>
<p>„Man sieht, dass ihr so ein Schalk im Nacken saß. Sie hat so dieses leichte Schmunzeln, das sagt: Es ist schon ernst, was ich meine, aber ich sage es mit einem Lächeln im Gesicht. Und viele ihrer Texte sind wirklich gesalzen.</p>
<p><strong>ZITATORIN:</strong></p>
<p><strong> „</strong>Seht doch, wie ihr vor Eifer schäumet, wenn’s nicht nach eurem Kopfe geht. O Himmel, was ist da versäumet, wenn man nicht gleich zu Diensten steht!“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Verse aus einer Ode von Christiana Mariana von Ziegler, die 1739 im Verlag der königlichen Universitätsbuchhandlung in Göttingen publiziert wird. Sie schreibt nieder, was sie denkt und will veröffentlichen. Dabei hilft ihr ein Salongast, der in ihrem beruflichen Leben eine entscheidende Rolle spielt. Johann Christoph Gottsched. Aber zunächst profitiert er von ihr.</p>
<p><strong>TON DRÖSE</strong></p>
<p>„Wenn man neu in eine Stadt kommt, als junger, gerade fertig studierter Mensch, dann braucht man ein Netzwerk, und da war Ziegler für ihn eine wichtige Figur. Sie hat gleich gemerkt, dass sie irgendwie auch in Fragen der weiblichen Aufklärung auf einer Wellenlinie sind. Gottsched war ein Verfechter der weiblichen Aufklärung, und sie hat ihn eingeführt in die Leipziger Gesellschaft.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Gottsched publiziert die erste deutsche Frauenzeitschrift überhaupt: „Die vernünftigen Tadlerinnen“. Darin ermutigt er Frauen, sich zu bilden, sich mit Wissenschaft und Literatur zu beschäftigen und zu schreiben. Christiana Mariana von Ziegler muss er nicht lange überreden. Sie schreibt drauf los. Zum Beispiel, dass sie von einer rein weiblich regierten Republik träumt, in der die „vernünftigsten Bürgerinnen“ einen Rat einberufen und eine hohe Schule, in der alle „Professoren-Stellen mit weiblichen Personen“ besetzt sind. </p>
<p>Gottsched schätzt ihr literarisches Schaffen so sehr, dass er ihr eine Hymne schreibt.</p>
<p><strong>TON DRÖSE</strong></p>
<p>„Schließlich hat er auch erwirkt, dass sie gekrönt wurde, die Dichterkrönung quasi empfangen hat als kaiserliche Poetin und den Preis der Poesie in der deutschen Gesellschaft erhalten hat; als erste Frau überhaupt in diese Gesellschaft aufgenommen wurde.“</p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>So Astrid Dröse. Sie muss aber auch viel Spott und Schmach einstecken, nicht alle sind damit einverstanden, dass sie Erfolg hat. Aber das ist ihr egal. Immerhin läuft ihr Laden, man will sie sehen und hören, der Salon ist gut besucht und es ist nicht ausgeschlossen, dass sogar Johann Sebastian Bach vorbeikam.</p>
<p><strong>TON DRÖSE</strong></p>
<p>„Ganz sicher weiß man, dass sie ihm Manuskripte übergeben haben muss. Er war gerade zum Thomaskantor berufen worden und brauchte neue Texte. ((…)).“</p>
<p><strong>Bach-Kantate: „Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen“</strong></p>
<p><strong>SPRECHER:</strong></p>
<p>Eine Bach Kantate, der Text stammt von Ziegler. Sie versteht es, ihren Namen in die Welt zu tragen. Es kommt ihr entgegen, dass sie Witwe ist. Sie ist frei, unabhängig, muss sich an keine Konventionen der Ehe richten, keinen Mutterpflichten nachkommen. Sie will eigentlich nicht mehr heiraten, obwohl sie viele Anträge bekommt. Aber ein 9 Jahre jüngerer Professor für Geschichte namens Wolf von Steinwehr wirbt erfolgreich um sie. 1941 folgt sie ihm nach Frankfurt. Das Licht im Leipziger Salon erlischt. Aber ihr Feuer brennt weiter.</p>
<p><strong>Musik: Spring</strong></p>
<p><strong>TON DRÖSE</strong></p>
<p>„Es ist schwer zu sagen, wer sie aufgegriffen hat, denn wir kennen die Autorinnen des 18. Jahrhunderts noch nicht so gut. Das wäre noch weiter zu erforschen, ob sie sich stilistisch an Ziegler orientiert oder ihre ganze Lebensweise als Modell verwendet haben. Jedenfalls hat sie etwas in den Diskurs eingespeist, was nicht mehr wegzudenken war.</p>
<p><strong>SPRECHER</strong></p>
<p>Der lange Weg zur Mündigkeit war geebnet.</p>
<p><strong>SPRECHER (Podcast-Absage)</strong></p>
<p>Die ersten Salonnièren – von Susanne Brandl: Lange Zeit durften Frauen weder politisch entscheiden noch öffentlich mitreden. Vor rund 400 Jahren hatten adelige und bürgerliche Frauen dann die Idee, Gelehrte einfach zu sich nach Hause einzuladen.</p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Wer bin ich, woher komme ich? Die Sehnsucht nach Herkunft</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wer-bin-ich-woher-komme-ich-die-sehnsucht-nach-herkunft-1/1803532</link>
      <pubDate>Tue, 24 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7ce948ea-300b-495e-b0f5-637063097ea8</guid>
      <description>Manche Menschen leiden, weil sie adoptiert oder in einer Babyklappe abgelegt wurden, das Produkt einer Samenspende sind oder die Vorfahren ermordet wurden. Warum ist das so schwierig für sie - selbst wenn sie von wohlwollenden, zugewandten Menschen großgezogen wurden? (BR 2020) </description>
      <enclosure length="21543288" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1803532/c/feed/wer-bin-ich-woher-komme-ich-die-sehnsucht-nach-herkunft-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Ariane Stolterfoht</itunes:author>
      <itunes:summary>Manche Menschen leiden, weil sie adoptiert oder in einer Babyklappe abgelegt wurden, das Produkt einer Samenspende sind oder die Vorfahren ermordet wurden. Warum ist das so schwierig für sie - selbst wenn sie von wohlwollenden, zugewandten Menschen großgezogen wurden? (BR 2020) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/50b6dde0-7cae-4feb-8b87-2e86ab99841f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Manche Menschen leiden, weil sie adoptiert oder in einer Babyklappe abgelegt wurden, das Produkt einer Samenspende sind oder die Vorfahren ermordet wurden. Warum ist das so schwierig für sie - selbst wenn sie von wohlwollenden, zugewandten Menschen großgezogen wurden? (BR 2020) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Ariane Stolterfoht<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Christian Jungwirth, Katja Schild, Jennifer Güzel<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Stefan Müller (Alias, Name der Redaktion bekannt), vaterloser Mann<br/>Verena Gräfin von Plettenberg, Krisenpädagogin und Sterbebegleiterin<br/>Irmela Wiemann, Diplompsychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Familientherapeutin; <br/>Helen Epstein, Journalistin und Buchautorin („Die Kinder des Holocaust“); Isabelle M. Mansuy, Professorin für Neuroepigenetik, Universität &amp; ETH Zürich; <br/>Wilhelm Vossenkuhl, Philosoph und Professor Emeritus für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München</p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a></p>


<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-herkunft-adoption-samenspende-epigenetik-trauma-babyklappe-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ein Freistaat unter Strom - Bayerns Hunger nach Energie</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ein-freistaat-unter-strom-bayerns-hunger-nach-energie/2093814</link>
      <pubDate>Tue, 24 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">46d6da6c-2cf8-4b30-9f60-e942d116db5e</guid>
      <description>Als Bayern sich zum Industriestaat entwickelte, wurde sein Hunger nach Energie immer größer. Vor allem auch der Hunger nach elektrischem Strom. Dabei gilt für Bayern, ein Land mit wenig Rohstoffen und ohne Meereszugang, schon lange: Der Zugang zu bezahlbaren Energieträgern ist ein Dauerthema. Von Lorenz Storch (BR 2024) </description>
      <enclosure length="23703552" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093814/c/feed/ein-freistaat-unter-strom-bayerns-hunger-nach-energie.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:41</itunes:duration>
      <itunes:author>Lorenz Storch</itunes:author>
      <itunes:summary>Als Bayern sich zum Industriestaat entwickelte, wurde sein Hunger nach Energie immer größer. Vor allem auch der Hunger nach elektrischem Strom. Dabei gilt für Bayern, ein Land mit wenig Rohstoffen und ohne Meereszugang, schon lange: Der Zugang zu bezahlbaren Energieträgern ist ein Dauerthema. Von Lorenz Storch (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6f02dee6-9fec-4fb7-b2bb-a8e57b79a821.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als Bayern sich zum Industriestaat entwickelte, wurde sein Hunger nach Energie immer größer. Vor allem auch der Hunger nach elektrischem Strom. Dabei gilt für Bayern, ein Land mit wenig Rohstoffen und ohne Meereszugang, schon lange: Der Zugang zu bezahlbaren Energieträgern ist ein Dauerthema. Von Lorenz Storch (BR 2024) </p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autor dieser Folge: Lorenz Storch<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprach: Julia Fischer<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Prof. em. Dirk Götschmann (Uni Würzburg)<br/> </p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/>Die Welt in unter 30 Minuten besser verstehen? Das geht nicht? Doch, das zeigt der tagesschau  Podcast 11KM <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/11km-der-tagesschau-podcast/12200383/">JETZT ENTDECKEN</a> </strong></p>

<p><br/>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHERIN:</p>
<p>9. September 1957. Bayern an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter. Euphorie im frisch gebauten „Atomei“ von Garching bei München. Viele Politiker sind da, und alle haben sie ein Strahlen im Gesicht, sie drängen sich um den Ort des Geschehens. Professor Heinz Maier-Leibnitz, Chef des neuen Atomforschungszentrums, geleitet die Ehrengäste zum Höhepunkt.</p>
<p>ZUSP. 1 (vorne Atmo) „Also das ist jetzt ein Original-Element. Vielleicht können wir das Element nochmal hochhalten und das dann als eröffnet betrachten, wenn es Ihnen recht ist. Herr Ministerpräsident, wenn Sie es selber in die Hand nehmen wollen? Das ist unschädlich!“ (hinten Atmo, Gelächter, Ah, Oh)</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Ein Mann im eleganten hellgrauen Anzug reckt mit einer Hand ein Bündel empor, das aussieht wie ein verschnürter Sack voll Zeltstangen. </p>
<p>(ATMO Applaus aus Cartwall)</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Euphorie, Siegerpose. Das Bündel enthält einen von 39 angereicherten Uran-Brennstäben – vor Kurzem eingetroffen aus den USA! Zwei Wochen lang waren sie mangels anderer Möglichkeiten im Tresor der Bayerischen Staatsbank zwischengelagert, aber nun ist das Uran ja angekommen in Garching. Und der dynamische Herr, der das Brennelement per Taschenmesser aus seiner Transportkiste geholt hat (ein Schraubenzieher war grade nicht zur Hand) - das ist der bayerische Ministerpräsident. Wilhelm Högner. Der einzige Sozialdemokrat, der jemals an der Spitze des Freistaats stand, macht Bayern zum Atomstaat.</p>
<p> ZUSP. 2 „Im Namen der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Inneren heiße ich Sie im ersten Atommeiler Deutschlands herzlich willkommen.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Unter tätiger Mithilfe des Bundesministers für Atomfragen, Franz-Josef Strauß von der CSU. Der Atomminister, knapp über 40 Jahre alt, von Journalisten als „jugendlich-aggressiv“ beschrieben, sieht sich als Zukunftsminister. Auf die Frage, welche Schutzmaßnahmen für die Zivilbevölkerung nötig sein werden, wenn jetzt auch Bayern einen Atomreaktor hat, sagt Strauß:</p>
<p>ZUSP. 3 „Es handelt sich um reine Forschungsreaktoren von geringer Kraft- und Wärmeleistung. Im Falle München von 1000 Kilowatt Leistung. Außerdem sind bereits mehrere Exemplare dieses Typs in den USA und anderen Staaten aufgestellt worden. Dieser Reaktor weist bereits hunderttausende von Betriebsstunden auf, ohne dass der geringste Unfall bisher passiert ist.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die 1950er Jahre waren auch und gerade in Bayern eine Zeit ungeheurer Atomeuphorie. Man erhoffte sich von der Kernkraft billige Energie im Überfluss. Heimischer Kernbrennstoff sollte aus Uranbergwerken im Fichtelgebirge gewonnen werden. Was nie klappte, weil der Abbau dort sich als zu teuer erwies. Das vom Ministerpräsidenten begeistert gefeierte erste Paket mit Brennelementen musste 1958 in die USA zurückgeschickt werden, weil sich Fertigungsmängel zeigten. Und auch sonst kollidierten die hoch gesteckten Erwartungen an die Kernkraft alsbald mit der Realität, erzählt Historiker Dirk Götschmann, der eine Wirtschaftsgeschichte Bayerns geschrieben hat. </p>
<p>ZUSP. 4 „Erwies sich dann natürlich doch alles als schwieriger, als man zunächst erhofft hatte. Das war natürlich langwieriger. Der Unterschied zwischen einem Forschungsreaktor und einem Reaktor zur Gewinnung von Energie. Der ist natürlich schon enorm. Und tatsächlich war es ja so, dass der Atomstrom über Jahrzehnte nicht konkurrenzfähig war. Wenn man also die ganzen Kosten mit einberechnet hat, die also der Bau und der Betrieb eines Atomkraftwerkes erforderte. Trotzdem hat man gemeint, dass das eben die Energiequelle der Zukunft sein wird, und man hat also daran festgehalten und hat das weiterentwickelt.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Einen substanziellen Beitrag zur Stromgewinnung in Bayern leistete die Kernkraft erst ab Ende der 1970er Jahre. Auf dem Höhepunkt, ab den 1990er Jahren, lieferte die Kernkraft dann allerdings zwei Drittel des bayerischen Stroms. Mit fünf Reaktoren an den Standorten Grafenrheinfeld bei Schweinfurt, Isar bei Landshut und Gundremmingen im Landkreis Günzburg. </p>
<p>(MUSIK)</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Angefangen hat die Geschichte der Elektrifizierung Bayerns jedoch mit einer anderen Energiequelle. Der Wasserkraft. Das Walchenseekraftwerk war der Ursprung des flächendeckend zusammenhängenden Stromnetzes in Bayern. </p>
<p>ZUSP. 5 (Sprecher Fernsehbeitrag 1960er Jahre)  „Oskar von Miller, Bayerns großer Ingenieur. Ihm ist nicht nur das Deutsche Museum zu verdanken. Er wurde 1918 von der Regierung zum ehrenamtlichen Staatskommissar für den Bau des Walchenseewerks und des Bayernwerks ernannt und hat mit seinem Stab tüchtiger Männer diese vielbestaunte Pioniertat vollbracht. Das Wasser des Walchensees wird durch einen Stollen im Berg in ein Becken, das Wasserschloss am jenseitigen Hang, geführt. Durch riesige Druckrohre schießt das Wasser zu Tal. Die Energie des Walchenseewerkes speist über die große Stromschiene der Bayernringleitung das deutsche Verbundnetz. Damals 1918/19/20 war man in Bayern skeptisch. Was wollte Miller mit diesem Überfluss an elektrischer Energie?“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das Walchenseekraftwerk liefert seinen Strom bis heute teilweise in das Netz der Deutschen Bahn. Und bereits der Bau des Kraftwerks damals war eng verknüpft mit dem Plan zur Elektrifizierung der Eisenbahn in Bayern. Ähnlich wie in der nahen Schweiz wurde diskutiert, möglichst das gesamte bayerische Schienennetz elektrisch zu betreiben. Allerdings erhoben die bayerischen Generäle Einspruch: Was, wenn im Kriegsfall der Strom ausfällt? Wie sollten dann Truppen transportiert werden? Noch gewichtiger war aber ein zweiter Einwand, so Wirtschaftshistoriker Dirk Götschmann:</p>
<p>ZUSP. 6 „Dass eben die bayerischen Lokomotivhersteller zu diesem Zeitpunkt noch nicht so ganz fit waren, was die Produktion von elektrischen Lokomotiven anbelangte und man eigentlich, wie soll ich sagen, diesen Zukunftsmarkt nicht irgendwelchen auswärtigen preußischen Herstellern überlassen wollte, Und dann hat Krauss-Maffei eben zu diesem Zeitpunkt eine besonders effektive Dampflokomotive entwickelt, die damals wirklich konkurrenzlos gut war, sparsam im Gebrauch und schnell, sodass man also gesagt hat: Wenn wir jetzt eine solche Super-Dampflokomotive haben, wozu brauchen wir dann eine elektrische Bahn: Das geht doch so auch.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und so fehlt dank der damaligen Rücksicht auf die bayerische Dampflokindustrie bis heute an der Hälfte der Bahnstrecken im Freistaat die Oberleitung. Während das Bahnnetz der Schweiz zu 100 Prozent elektrifiziert ist.</p>
<p>(MUSIK)</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Statt mit elektrischem Strom fuhren die meisten Loks in Bayern also weiter mit Kohle. Aber auch in der Stromproduktion kam Bayern – trotz der Wasserkraft – nicht ohne Kohle aus. Schon bei den ersten Anfängen im 19. Jahrhundert, als noch kein Verbundnetz für Strom existierte, lieferten Dampfmaschinen die Elektrizität überall dort, wo Wasserkraft nicht zur Verfügung stand. Später mussten die Kohlekraftwerke vor allem im Winter einspringen, wenn in den Flüssen weniger Wasser fließt. Und auch sonst lieferten die Kohlekraftwerke regelmäßig, vor allem zu Spitzenzeiten des Verbrauchs. Und mit der Zeit immer häufiger, denn der Stromverbrauch in Bayern stieg. Was vor allem mit dem Aufstieg der bayerischen Industrie zu tun hatte. </p>
<p>ZUSP. 7 „Damals war der Motor der wirtschaftlichen Entwicklung eben alles, was mit Elektroindustrie zu tun hatte. Nicht nur die Elektroindustrie selbst, die Maschinen und derartiges hergestellt hat, sondern auch die Industrie, die also in starkem Umfange Strom benötigt hat, zur Produktion ihrer eigenen Güter, dazu dann elektrische Maschinen und so weiter im Einsatz hat. Und es waren sehr viele Maschinen. Also alle Bohrmaschinen, Drehbänke, Fräsmaschinen und so weiter wurde ja dann schon elektrisch betrieben.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Schwerindustrie wie Stahlhütten, die in großem Maße Kohle verbraucht, spielte in Bayern stets eine geringere Rolle. Weil die großen Kohlereviere Westdeutschlands zu weit entfernt waren. Zwar konnte die Kohle von dort mit der Eisenbahn nach Bayern transportiert werden. Was der bayerischen Staatsbahn auch schöne Einnahmen brachte. Aber dadurch wurde der Brennstoff teuer.</p>
<p>Was zu einer Chance für Bayerns heimische Kohle wurde. Die Pechkohle im Alpenvorland war von schlechter Qualität, für Hüttenwerke nicht geeignet. Und kam in dünnen Flözen vor, eher schwierig abzubauen. Trotzdem gab es für einige Jahrzehnte eine Marktlücke für diese oberbayerische Kohle. Für die Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg spielte sie eine große Rolle, auch noch in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dann ging es aber schnell bergab.</p>
<p>ZUSP. 8 (Sprecher TV-Beitrag) „Die Arbeit des Bergmannes war ein Fundament wirtschaftlicher Macht. Leistung und Tradition schufen den Bergleuten eine Stellung, die erst vor einem Jahrzehnt ins Wanken geriet. Seit 1958 steckt der deutsche Bergbau in einer Krise. Auch der oberbayerische Pechkohlenbergbau war davon betroffen. In den vier Zechen Marienstein, Penzberg, Hausham und Peißenberg waren die Schwierigkeiten noch größer, weil dort ohnehin unter ungünstigeren Verhältnissen abgebaut werden musste, als bei der Konkurrenz an Saar und Ruhr.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>1971 schloss das letzte bayerische Bergwerk, wo unter Tage Kohle abgebaut wurde, in Peißenberg. </p>
<p>In der Oberpfalz dagegen, wo Braunkohle im Tagebau gefördert werden konnte, war sie konkurrenzfähig. Hier erreicht die Kohleförderung mit großen Schaufelradbaggern erst in den 1970er Jahren ihren Höhepunkt.</p>
<p>ZUSP. 9 (TV-Sprecher) „Schließlich entfalten die Braunkohlenfelder, die sich vor allem im Schwandorfer Gebiet befinden und rund hundert Millionen Tonnen umfassen, einen wichtigen Rohstoff. Hier hat vor kurzem die BBI, die bayrische Braunkohlenindustrie AG, ein großes neues Abbaugebiet in Rauberweiher erschlossen. Das ist eine zwar nicht sehr leistungsstarke, aber billige Kohle, die das nahegelegene Dampfkraftwerk Dachelhofen bei Schwandorf speist. Dieses Kraftwerk ist für die Stromversorgung Bayerns von großer Bedeutung.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>1981 ist das Kohlevorkommen bei Schwandorf jedoch erschöpft. Danach werden die Gruben geflutet – sie bilden heute das Oberpfälzer Seenland.</p>
<p>(MUSIK)</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Aber die Tage der Kohle als Haupt-Energieträger waren da ohnehin längst vorbei. Nach dem Zweiten Weltkrieg brach die Zeit des Öls an. Im Autotank, als Treibstoff für die Massen-Motorisierung. Als Heizöl in den Kellern der Häuser. Aber auch zur Herstellung von Strom: Vor den Ölkrisen war Erdöl billig, deshalb wurden damals Heizöl-Kraftwerke gebaut. Unter anderem an der Donau, in Irsching bei Ingolstadt und Pleinting bei Vilshofen. Und weil man diesen neuen Energieträger per Pipeline transportieren konnte, sah Wirtschaftsminister Otto Schedel von der CSU eine neue Chance für das energie-arme Bayern. Eine Pipeline vom Mittelmeerhafen Triest nach Ingolstadt an der Donau!</p>
<p> ZUSP. 10 „Ich wollte die günstige Lage des Landes zu den Ländern, in denen Öl gefördert wird, ausnutzen. Was ich damit meine, zeigt ein Blick auf die Karte, wenn die Pipeline, die in drei Ländern im Bau sich befindet, Ingolstadt-Triest, fertig ist und der Seeweg noch kürzer wird. Wir sparen 4500 Kilometer, haben nur noch die Hälfte der Transportwege. Das bedeutet billiges Öl und billige Energie in Bayern. Das bedeutet Überwindung der Revierferne.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Rund um Ingolstadt entstehen durch den Bau der neuen Pipeline fünf Raffinerien. Damit ist Regensburg ausgebootet, das mit seinem Donauhafen bis dahin das Zentrum der bayerischen Ölindustrie gewesen war. Nach den Ölkrisen der 1970er Jahre wird das Erdöl allerdings deutlich teurer. Eine weitere Raffinerie, die Texaco im Raum Ingolstadt plante, wird deshalb nie gebaut. Heute sind von den ursprünglich sechs bayerischen Raffinerien noch vier in Betrieb.</p>
<p>(MUSIK)</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und auch das Öl bekommt neue Konkurrenz: Durch Erdgas. Erst aus eigener Produktion im bayerischen Alpenvorland. Dann aber folgt schnell importiertes Erdgas. Bayerische Politiker waren führend beteiligt daran, die so genannten Erdgas-Röhren-Geschäfte mit der Sowjetunion anzubahnen. Und 1973 ist es dann so weit.</p>
<p>ZUSP. 11 (TV-Sprecher) „Für die Energieversorgung der Zukunft fressen sich also die kostspieligen Rohrleitungen durch die idyllische Landschaft der Oberpfalz wie hier bei Nabburg. Die Bewältigung der umfangreichen Schweißarbeiten liegt dabei fest in indischer Hand. Die billigeren, angelangten Kräfte aus Fernost mit einem Sonder-Gastarbeiterstatus ersetzen die deutschen Fach-Schweißer, für die Spitzenlöhne bis zu 6000 Mark gezahlt werden müssten. Trotz solcher Sparmaßnahmen belaufen sich die Kosten pro laufendem Meter Erdgasleitung aus druckfestem und gleichzeitig schweißfreundlichem Spezialstahl auf 1500 Mark. Der Kilometer kommt also auf 1,5 Millionen ohne Planungs- und Rechteerwerbskosten für den Grund und Boden.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Schon damals ist der Bau neuer Energie-Infrastruktur ein Eingriff in die Landschaft. Schon damals auch sehr teuer. Und: Schon damals subventioniert der Staat den Bau der neuen Leitungen für Erdgas. Es gibt Werbekampagnen, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, ihre Heizung und ihre Herde auf Erdgas umzustellen. Mit Erfolg – wie dieses Interview mit einem Vertreter der Münchner Stadtwerke zeigt:</p>
<p>ZUSP. 12 „Herr Stahlknecht, wie notwendig ist für die städtische Energieversorgung die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas?“ – „Die Nachfrage nach dem Energieträger Erdgas steigt laufend. Wir haben derzeit in München Steigerungswerte von 20 Prozent. In exakten Zahlen haben wir im Jahr 1972 2,7 Milliarden Kubikmeter Gas abgegeben. Diese riesigen Mengen an Gas können nicht mehr durch Stadtgas, das man früher aus Kohle gewonnen hat, gedeckt werden.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Auch in den Städten müssen die Leitungen – und auch die Gas-Herde - umgebaut werden, weil das Erdgas einen anderen Heizwert hat und einen anderen Betriebsdruck als das Stadtgas, das zuvor jeweils vor Ort aus Kohle hergestellt worden war. Teilweise gibt es Zuschüsse, um die Umstellung den Kundinnen und Kunden schmackhaft zu machen. </p>
<p>Über die Abhängigkeit von der Sowjetunion, die Deutschland durch die Erdgasgeschäfte eingeht, wird damals durchaus diskutiert. Aber Wirtschaftsvertreter beschwichtigen. Im BR-Fernsehen 1973 ein Herr Dehner:</p>
<p>ZUSP. 13 „Von dem gesamten Erdgas-Aufkommen der Bundesrepublik wird das sowjetische Erdgas nach gegenwärtigem Sachstand vielleicht 15 Prozent ausmachen. Sie sehen also, dass ein Abschalten des russischen Gases aus politischen Gründen oder auch aus technischen Gründen vielleicht zu örtlichen Störungen führen würde. Einen Zusammenbruch unserer Energieversorgung aber würde es jedenfalls nicht riskieren.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>2021, vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, lag der russische Anteil an den deutschen Erdgasimporten dann allerdings bei vollen 65 Prozent.</p>
<p> ZUSP. 14 „Eine sehr viel genutzte Energiequelle. Und die war tatsächlich auch unschlagbar billig. Das muss man eindeutig sagen. Es hat also zu dem industriellen Aufschwung, der sich dann in Bayern fortgesetzt hat, in den letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts, hat diese billige Energie durchaus einen Beitrag geliefert. Das kann man überhaupt nicht abstreiten.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Bilanziert Wirtschaftshistoriker Dirk Götschmann.</p>
<p>(MUSIK)</p>
<p> Und die Kernenergie? Ist in Bayern seit April 2023, mit der Abschaltung von Isar 2 bei Landshut, ebenfalls Geschichte. Es gab folgenschwere Unfälle – 1975 sterben im Kernkraftwerk Gundremmingen A zwei Arbeiter durch austretenden radioaktiven Dampf aus dem primären Kühlkreislauf. 1977 dann im gleichen Reaktor: Kurzschluss, Sicherheitsventile reißen ab, radioaktiver Dampf strömt in das Reaktorgebäude – das dadurch überflutet und kontaminiert wird. Der Reaktor geht nie wieder ans Netz. Ein GAU oder Störfall mit Austritt großer Mengen Radioaktivität in die Umwelt ist Bayern aber erspart geblieben. Anders als Japan. Dort passiert 2011 die Reaktorkatastrophe von Fukushima. Danach drängt Markus Söder, damals CSU-Umweltminister, darauf, die bayerischen Kernkraftwerke so schnell wie möglich abzuschalten: </p>
<p>ZUSP. 15 „Unser Ziel ist, einen Ausstieg bis 2020 zu ermöglichen. Spätestens bis 2022, das muss man evaluieren.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Ministerpräsident Horst Seehofer verkündet in einer Regierungserklärung im Landtag:</p>
<p>ZUSP. 16 „Die bayerischen Kernkraftwerke, meine Damen und Herren, werden abgeschaltet. 2022 Isar 2. In elf Jahren, meine Damen und Herren, ist also in Bayern kein Kernkraftwerk mehr am Netz, und zwar verlässlich und ohne Hintertürchen.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>2022 allerdings – unter dem Eindruck der Energiekrise nach Russlands Angriffskrieg – hat die CSU ihre Meinung geändert. Ministerpräsident Söder findet jetzt:</p>
<p>ZUSP. 17 „Kernkraft auszuschalten, macht überhaupt keinen Sinn. Es gibt keine Argumente, außer ideologischen Basta-Argumenten, die Kernkraft nicht zu verlängern.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Mit ihrem Versuch eines Ausstiegs aus dem Ausstieg aus der Atomkraft drang die CSU dann jedoch nicht mehr durch. Die Ampel-Bundesregierung gab den letzten Atomkraftwerken noch eine Gnadenfrist von vier Monaten, doch dann war endgültig Schluss.</p>
<p>War die Kernkraft auch eine billige Form der Stromerzeugung? Je nachdem, wie man es betrachtet, sagt Wirtschaftshistoriker Dirk Götschmann:</p>
<p>ZUSP. 18 „Die Risiken musste der Staat übernehmen, um das mal so auszudrücken. Also die ganzen Investitionen in die Grundstruktur, die man überhaupt erst mal schaffen musste, das musste alles der Staat übernehmen. Also die Industrie hat sich da sehr zurückgehalten. Wie dann die Endrechnung tatsächlich ausschaut, wieviel Gewinn hat man jetzt aus dieser Stromerzeugung gezogen? Wo ist der Gewinn hingewandert. Was hat der Staat sozusagen, was für einen Anteil hat der Staat an diesem Gewinn? Hat er die Subventionen dann tatsächlich auch rentabel erscheinen lassen? Also das sind alles so Dinge, die ich glaube bis heute noch keiner beantworten kann.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und die Zukunft? Es ist wieder eine Umstellung im Gang. Windkraft und Photovoltaik sollen künftig die wichtigsten Energieträger sein. Mit Wasserstoff betriebene Gaskraftwerke die Lücken füllen. Bayern wird weiter Energie importieren müssen – wie schon immer in den vergangenen 150 Jahren, seit die Industrialisierung Fahrt aufgenommen hat. Und die Energie wird nicht so billig sein wie an manch anderem Ort auf der Welt. Ebenfalls der historische Normalzustand in diesem Land fernab der Meere und mit wenig eigenen Ressourcen. Erst teure Kohle, dann teures Öl, dann eine Stromversorgung, die schon lange zwar sehr zuverlässig war, aber auch nicht besonders billig – egal ob der Strom mit Kohle, Erdgas oder Kernkraft produziert war. Unterm Strich hat es Bayern nicht geschadet, sagt Götschmann, der eine Wirtschaftsgeschichte Bayerns seit dem 19. Jahrhundert geschrieben hat – und dadurch die langen Linien sieht. </p>
<p>ZUSP. 19 „Also man muss dann sozusagen in Bayern tatsächlich hochwertige Produkte herstellen, bei denen der Energieeinsatz nicht mehr so stark zu Buche schlägt. Und es war eigentlich ein Vorteil, kann man sagen für die Entwicklung der bayerischen Industrie, weil die bayerische Industrie dadurch gewissermaßen gezwungen war, rational zu arbeiten. Also immer fortschrittlich zu sein, möglichst energiesparende Verfahren zu entwickeln und hochwertige Produkte herzustellen. Also billige Energie verleitet natürlich auch dazu, dass man sie gewissermaßen verschwendet. Wenn die Energie teuer ist, dann versucht man, das Beste daraus zu machen. Und das kommt dann letztendlich den Produkten auch zugute.“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Billige Energie ist schon seit Langem nicht der entscheidende Standortfaktor hier im Land. Und wird es mit einiger Sicherheit so schnell auch nicht werden.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Mandäer - Die Erben von Johannes dem Täufer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-mandaeer-die-erben-von-johannes-dem-taeufer/1862113</link>
      <pubDate>Tue, 24 Jun 2025 01:55:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">296dc0f8-3432-4ca0-80f9-1160b509e767</guid>
      <description>Wenn an bayerischen Seen oder Flüssen Gläubige in weißen Gewändern ihr Tauf-Ritual zelebrieren, sind es möglicherweise Mitglieder der alten Glaubensgemeinschaft der Mandäer. Sie beten auf Aramäisch, der Sprache von Jesus, ihr Messias ist aber Johannes der Täufer. Seit ihrer Flucht aus dem Irak haben sich kleine Gemeinden in Bayern gebildet. Autor: Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2022)
</description>
      <enclosure length="22188288" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1862113/c/feed/die-mandaeer-die-erben-von-johannes-dem-taeufer.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:06</itunes:duration>
      <itunes:author>Bernd-Uwe Gutknecht</itunes:author>
      <itunes:summary>Wenn an bayerischen Seen oder Flüssen Gläubige in weißen Gewändern ihr Tauf-Ritual zelebrieren, sind es möglicherweise Mitglieder der alten Glaubensgemeinschaft der Mandäer. Sie beten auf Aramäisch, der Sprache von Jesus, ihr Messias ist aber Johannes der Täufer. Seit ihrer Flucht aus dem Irak haben sich kleine Gemeinden in Bayern gebildet. Autor: Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2022)
</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/085c697b-1d74-4abe-8ddb-b49f6a3f9303.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn an bayerischen Seen oder Flüssen Gläubige in weißen Gewändern ihr Tauf-Ritual zelebrieren, sind es möglicherweise Mitglieder der alten Glaubensgemeinschaft der Mandäer. Sie beten auf Aramäisch, der Sprache von Jesus, ihr Messias ist aber Johannes der Täufer. Seit ihrer Flucht aus dem Irak haben sich kleine Gemeinden in Bayern gebildet. Autor: Bernd-Uwe Gutknecht (BR 2022)
</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Bernd-Uwe Gutknecht<br/> Regie: Silke Wolfrum<br/> Es sprachen: Katja Schild, Hans Jürgen Stockerl<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Bernhard Kastner<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Die Mandäer" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-die-mandaeer-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/><strong>RadioWissen hat noch weitere spannende Folgen zum Thema:</strong><br/><br/>Die Jesiden - Das Volk des Engel Pfau<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-jesiden-das-volk-des-engel-pfau/bayern-2/96865872/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Der Zoroastrismus - Die Religion zwischen Glauben und Philosophie<br/><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-zoroastrismus-die-religion-zwischen-glauben-und-philosophie/bayern-2/10394885/">JETZT ANHÖREN</a><strong><br/></strong><strong><br/></strong>Chassidismus - Die Welt der frommen Mystiker<br/><a title="Hier geht es zur Folge" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/chassidismus-die-welt-der-frommen-mystiker/bayern-2/91162350/">JETZT ANHÖREN</a><br/><br/><br/>Literaturtipps:<br/></p>
<p>Im Namen des Großen Lebens. Gabriele Mayer. Harrassowitz Verlag</p>
<p>Haran Gauaita. Ein Text zur Geschichte der Mandäer. Bogdan Burtea. Harrassowitz Verlag</p>
<p>Kleines Lexikon des Christlichen Orients. Hubert Kaufhold. Harrassowitz Verlag</p>
<br/>

<br/>
<p><br/><br/><br/><br/></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Gastrosophie - Eine Philosophie des Essens</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gastrosophie-eine-philosophie-des-essens/1567089</link>
      <pubDate>Mon, 23 Jun 2025 05:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4b850b13-5922-4c2f-9db3-a2d696459b48</guid>
      <description>Eine große Anzahl von Philosophen machte sich Gedanken über die Bedeutung des Essens, seine Auswirkungen auf unser Denken, sowie die Verbindung von Nahrungsaufnahme und philosophischen Disziplinen. (BR 2019) 
Autor: Michael Reitz</description>
      <enclosure length="23017012" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1567089/c/feed/gastrosophie-eine-philosophie-des-essens.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:58</itunes:duration>
      <itunes:author>Michael Reitz</itunes:author>
      <itunes:summary>Eine große Anzahl von Philosophen machte sich Gedanken über die Bedeutung des Essens, seine Auswirkungen auf unser Denken, sowie die Verbindung von Nahrungsaufnahme und philosophischen Disziplinen. (BR 2019) 
Autor: Michael Reitz</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/01522cee-a8dc-431f-bdea-4347009160e4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eine große Anzahl von Philosophen machte sich Gedanken über die Bedeutung des Essens, seine Auswirkungen auf unser Denken, sowie die Verbindung von Nahrungsaufnahme und philosophischen Disziplinen. (BR 2019) 
Autor: Michael Reitz</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p>Autor/in dieser Folge: Michael Reitz<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann<br/> Technik: Adele Kurdziel<br/> Redaktion: Bernhard Kastner<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Manuskript | Gastrosophie" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-gastrosophie-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/><strong>RadioWissen hat noch weitere interessante Folgen zum Thema:</strong><br/><br/>Esskultur 1945 bis heute - Vom Jägerschnitzel zu Sushi<br/><strong><a title="Radiowissen | Esskultur 1945 bis heute" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/esskultur-1945-bis-heute-vom-jaegerschnitzel-zu-sushi/bayern-2/78751858/">JETZT ANHÖREN</a></strong><strong><a title="Radiowissen | Gastrosophie" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/gastrosophie-eine-philosophie-des-essens/1567089"><br/></a></strong><br/>Göttlich gut? Essen in den Religionen<br/><strong><a title="Radiowissen | Göttlich gut?" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/goettlich-gut-essen-in-den-religionen/bayern-2/78754418/">JETZT ANHÖREN<br/></a></strong><br/>Superfood – Gar nicht super!<br/><strong><a title="Radiowissen | Superfood - Gar nicht so super!" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:publication:b532eb1b997dad16/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/>Wie wir ticken - Euer Psychologie-Podcast<br/> <strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/">ZUM PODCAST</a></strong></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Zeit der Schlafgänger - Die große Wohnungsnot um 1900</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-zeit-der-schlafgaenger-die-grosse-wohnungsnot-um-1900/2093693</link>
      <pubDate>Mon, 23 Jun 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2e9254e1-9a68-47a3-a0a1-65d7d79f6d55</guid>
      <description>Ende des 19. Jahrhunderts kommt es zu einem explosionsartigen Anwachsen der Städte. Viele der neu Zugezogenen wohnen zur Untermiete. Dabei haben &quot;Schlafgänger&quot; lediglich Anspruch auf ein Bett, das sie sich häufig sogar noch in einer Art Schichtbetrieb mit einem oder zwei anderen Schicksalsgenossen teilen. Von Carola Zinner (BR 2024)  </description>
      <enclosure length="22212480" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093693/c/feed/die-zeit-der-schlafgaenger-die-grosse-wohnungsnot-um-1900.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Carola Zinner</itunes:author>
      <itunes:summary>Ende des 19. Jahrhunderts kommt es zu einem explosionsartigen Anwachsen der Städte. Viele der neu Zugezogenen wohnen zur Untermiete. Dabei haben &quot;Schlafgänger&quot; lediglich Anspruch auf ein Bett, das sie sich häufig sogar noch in einer Art Schichtbetrieb mit einem oder zwei anderen Schicksalsgenossen teilen. Von Carola Zinner (BR 2024)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2d4f9f51-9156-44a3-8d74-88c1ff805b9a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ende des 19. Jahrhunderts kommt es zu einem explosionsartigen Anwachsen der Städte. Viele der neu Zugezogenen wohnen zur Untermiete. Dabei haben "Schlafgänger" lediglich Anspruch auf ein Bett, das sie sich häufig sogar noch in einer Art Schichtbetrieb mit einem oder zwei anderen Schicksalsgenossen teilen. Von Carola Zinner (BR 2024)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Carola Zinner<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Christoph Jablonka, Stefan Merki, Caroline Ebner<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> </p>
<p>Prof. Dr. Stefan Fisch, emerit. Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte, <br/>insbes. Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte an der Universität Speyer</p>
<p><strong>Literatur </strong></p>
<p>Ernst Cahn: Das Schlafstellewesen in den deutschen Großstädten und seine Reform: mit besonderer Berücksichtigung der Stadt München. </p>
<p>Reichard van Dülmen (Hersg.) Armut, Liebe, Ehre. Studien zur historischen Kulturforschung. </p>
<p>Lena Christ: Die Rumplhanni.</p>
<br/>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<p><strong>Sozialer Wohnungsbau - Geschichte eines umstrittenen Konzepts</strong><br/>Der soziale Wohnungsbau war wichtig für den Wiederaufbau in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Wohnungsnot groß war. Eine Erfolgsgeschichte, doch heute ist das Konzept umstritten. (BR 2019) Autor: Georg Gruber<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/sozialer-wohnungsbau-geschichte-eines-umstrittenen-konzepts/bayern-2/78758266/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p><strong><br/></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-die-zeit-der-schlafgaenger-grosse-wohnungsnot-1900-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Wir mieteten ein Kabinett, das wir für uns allein hatten. Auch mein jüngerer Bruder kam wieder zu uns und brachte einen Kollegen mit, mit</p>
<p>dem er sein Bett teilte. So waren wir vier Personen in einem kleinen Raum, der nicht einmal ein Fenster hatte, sondern das Licht nur durch die Fensterscheiben erhielt, die sich in der Tür befanden. Als einmal ein bekanntes Dienstmädchen stellenlos wurde, kam sie auch zu uns, sie schlief bei meiner Mutter im Bett und ich musste zu ihren Füßen liegen und meine eigenen Füße auf einen angeschobenen Stuhl lehnen.</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Im Jahr 1909 veröffentlichte die österreichische Sozialistin und Frauenrechtlerin Adelheid Popp mit ihrer „Jugendgeschichte einer Arbeiterin“ eine der wenigen Autobiographien, die aus eigener Erfahrung vom harten Dasein städtischer Unterschichten im 19. Jahrhundert erzählen. </p>
<p>MUSIK ENDE </p>
<p>Die Epoche war geprägt von einem noch nie dagewesenen Bevölkerungswachstum, das Städten wie München, Berlin oder Wien einen ungeheuren Boom bescherte. Dabei landete der größte Teil derer, die hierherzogen, um ihr Glück zu finden, in schlecht bezahlten Jobs und miserablen Wohnverhältnissen. Oft reichte der Verdienst lediglich für eine Schlafstelle als Untermieter in einem der Mietshäuser, die hastig aus dem Boden gestampft wurden.</p>
<p>ZUSPIELUNG 1 (Fisch)</p>
<p>In München gab es um 1900 etwa 500.000 Münchner. Von denen waren also nur sieben Prozent Eigentümer der Wohnung, in der sie gewohnt haben. - Und in Berlin sogar nur drei Prozent. Deswegen ist Berlin ja auch mal als die größte Mietskasernenstadt der Welt bezeichnet worden.</p>
<p>ERZÄHLER/IN </p>
<p>Der Historiker Prof. Stefan Fisch, Emeritus der Universität Speyer, verfasste mit seinem Buch „Stadtplanung im 19. Jahrhundert – Das Beispiel München“ ein grundlegendes Werk zur Bau- und Wohngeschichte jener Zeit. Als Quellen nutzte er unter anderem eine Wohnungsumfrage von 1904, die der damalige Münchner Bürgermeister Wilhelm von Borscht in Auftrag gegeben hatte.   </p>
<p>ZUSPIELUNG 2 (Fisch)</p>
<p>Von den Mietern wohnten etwa hunderttausend in unvollständigen „Teilwohnungen“: Da konnte also eine Wohnung dann in Wirklichkeit aus drei Wohnungen bestehen und entsprechend verkleinert worden sein, damit man sie bezahlen konnte, nicht? Jetzt sagen wir noch etwas über den Standard der Wohnungen: also bei der Wohnungsumfrage hat man festgestellt, dass 45 Prozent der Wohnungen keine Toilette haben. Die Wohnung bestand aus Wohnraum und ´ner Küche mit ´nem Wasserhahn - mit viel Glück. Das war aber auch alles. Und 17 Prozent hatten durchgefaulte Fußböden, und 11 Prozent hatten das, was man in der Sprache der Wohnungs-Umfrage „schlecht beleuchtete Zimmer“ nennt und was in der Realität Zimmer ohne Fenster waren.</p>
<p>MUSIK „Knowledge is Passed On“</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Dabei waren solche Behausungen alles andere als günstig, wie die Umfrage ergab: die Miete für eine 50 Quadratmeter-Wohnung betrug rund die Hälfte des Durchschnittsverdienstes. Der so niedrig war, dass der Rest nicht mehr genügte, um davon den Lebensunterhalt zu bestreiten. So blieb vielen Familien nichts anderes übrig, als unterzuvermieten: an Zimmerherren oder Zimmerfräulein – oder aber an Schlafgänger. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ZUSPIELUNG 3 (Fisch)</p>
<p>Der Zimmerherr konnte es sich leisten, ein ganzes Zimmer zu mieten; das waren also die klassischen Studenten, das waren vielleicht auch unverheiratete junge Beamte oder sonstiger alleinstehende Personen, die einen etwas einkömmlicheren Beruf hatten und die auf diese Weise schnell eine Wohnung gefunden haben in den beengten Verhältnissen. Der Schlafgänger - oder Bettbursche - hat dagegen nur ein Bett zum Schlafen gemietet. Und da gibt es durchaus glaubwürdige Darstellungen, dass so ein Bett beim Schichtbetrieb an drei aufeinanderfolgende Schichtarbeiter reihum vermietet worden ist, dass also das Bett nie kalt geworden ist in der Nacht und am Tag.</p>
<p> „Familiar things disappear“</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Nahezu durchweg wird über Unreinlichkeit der Fußböden und Wände, besonders über den Schmutz der Bettwäsche Klage geführt.</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Ernst Cahn: Das Schlafstellewesen in den deutschen Großstädten und seine Reform. Stuttgart, 1898.</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Es kommt zuweilen sogar vor, dass nach Verlassen einer Schlafstelle durch einen Schlafburschen nicht einmal die Bettwäsche gewechselt wird. Auch die Wände starren vor Schmutz. An Gebrauchsgegenständen ist meist nur das Allernotwendigste vorhanden. Ein Bett, ein Tisch und ein Stuhl, vielfach noch eine Kommode bilden die ganze Ausstattung. Aufbewahrungsgegenstände für die Kleider sind meist nicht vorhanden. Selbst Haken stehen nicht allzu oft zur Verfügung. Auch fehlen oftmals die Waschbecken und Waschkrüge. Da wird dann am Ausguss die Toilette besorgt und aus einem Maßkrug das notwendige Wasser zum Waschen in die Hand gegossen.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Auch in vorindustriellen Zeiten wurden Lehrlinge, Gesellen und Personal meist extrem einfach untergebracht. Sie übernachteten in überfüllten Schlafräumen oder in den - im Winter eiskalten, im Sommer brütend heißen - Speichern. Hausmädchen schliefen häufig auf der Küchenbank, die dafür nachts mit einer dünnen Matratze belegt wurde, oder auf dem „Hängeboden“, einer Art Verschlag unter der Decke im Flur. Eines aber hatten all diese Schlaflager gemeinsam: sie befanden sich innerhalb des Herrschaftsbereichs der Arbeitgeber. Bei den Schlafgängern sieht die Sache anders aus: sie sind zahlende Mieter bei Außenstehenden, mit denen sie ansonsten nichts verbindet.</p>
<p>ZITATOR (Ernst Cahn)     </p>
<p>Das Verhältnis zwischen Vermieter und Schlafburschen ist äußerlich betrachtet ein reines Vertragsverhältnis, beruhend auf geldwerter Leistung und Gegenleistung. Dieser Vertrag bedingt indes trotzdem eine enge Lebensgemeinschaft von schwerwiegenden sozialen und sittlichen Folgen.</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Sprich, es gibt keine Kontrolle in traditioneller Form: Mieter und Vermieter sind weder verwandt, noch ist ganz eindeutig, wer hier hierarchisch oben steht und wer unten. Das birgt angesichts der räumlichen Enge einigen Sprengstoff, wie Ernst Cahn schreibt.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Ehebruch, Verführung erwachsener Töchter in den Haushalten mit Schlafburschen ist durchaus nichts Seltenes.</p>
<p>MUSIK „Time lapse“</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Mit seiner Zeichnung „Der späte Schlafbursche“ hat der Berliner Heinrich Zille die Situation mir der ihm eigenen Treffsicherheit festgehalten. Zu sehen ist ein überfüllter Wohnraum, durch den sich quer eine Leine mit zum Trocknen aufgehängter Wäsche zieht. Mehrere Kinder schlafen, ineinander verschlungen, teils auf dem Diwan, teils im Bett, auf dessen Rand, beleuchtet vom Schein einer Petroleumlampe eine halbentblößte, ungekämmte Frau ihr Baby stillt. Im Vordergrund wäscht sich, den Rücken zum Betrachter, ein rundliches nacktes Mädchen in einem Zuber. Zwischen ihr und der Mutter steht breitbeinig, die Hände in den Hosentaschen, der eben nach Hause gekommene Untermieter. Das Käppi sitzt schräg auf seinem Kopf; einige Knöpfe des Hosentürchens stehen offen.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>MUSIK „Familiar things disappear“</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Einmal an einem Feiertag kam der Bettgeher abends allein nach Hause und wir gingen schlafen, ohne dass mein Bruder da war.</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Adelheid Popp.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Ich lag neben der Mutter an die Wand gedrückt. Ich schlief noch nicht fest genug, denn plötzlich erwachte ich mit einem Schreckensschrei. Ich hatte über mir einen heißen Atem gespürt, konnte aber in der Finsternis nicht sehen, was es sei. Mein Schrei hatte die Mutter geweckt, die sofort</p>
<p>Licht machte und die Situation erkannte. Der Bettgeher hatte</p>
<p>sich von seinem Bette, dessen Fußende an unser Kopfteil stieß,</p>
<p>erhoben und über mich gebeugt. Ich zitterte vor Schreck und Angst am ganzen Körper und ohne recht zu wissen, was der</p>
<p>Mensch vorhatte, hatte ich den Instinkt, dass es etwas Unrechtes</p>
<p>sei.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Trotzdem lässt die Mutter zu Adelheids Verzweiflung den Untermieter noch so lange weiter bei ihnen im Zimmer schlafen, bis er ein neues Quartier gefunden hat.</p>
<p>ZUSPIELUNG  4 (Fisch)</p>
<p>Es gab da natürlich eine Riesenfluktuation. Den Schlafgänger, den wollte man wieder los sein. Da gibt es Berichte, dass also das Bett an den Schlafgänger vermietet ist und die übrige Familie auf dem Fußboden schläft und so, und dann war man froh, wenn der möglichst bald wieder gegangen ist.</p>
<p>MUSIK „A Zed and Two Noughts“</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Die meisten und größten Übel kamen jedenfalls durch das Schlafstellen- und Kostgänger-Unwesen. Das ist der Ruin der deutschen Arbeiterfamilie. Aber es ist für sie in den allermeisten Fällen eine wirtschaftliche Notwendigkeit.</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>So die Bilanz des Pastors und Sozialreformers Paul Göhre, der für drei Monate das Leben mit Fabrikarbeitern in Chemnitz geteilt hatte.   </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Ein Handarbeiter meiner Kolonne, der eine energische, fleißige Frau, ehemalige Köchin, hatte und zwei herzlich geliebte und sorgsam gehütete Kinder, bewohnte in einem mit Menschen vollgestopften Hintergebäude mit drei jungen Schlossergesellen aus unsrer Fabrik ein enges zweifenstriges Zimmer, einen Alkoven und eine Bodenkammer. Hier schliefen Eltern und Kinder in je einem Bette zusammen, die fast den ganzen Raum einnahmen, und die drei Burschen in der etwas geräumigeren Bodenkammer ebenfalls nur in zwei Betten, also zwei einander fremde zusammen in einem Bette, und nur einer allein, wofür er natürlich entsprechend mehr zu bezahlen hatte. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ZUSPIELUNG 5 (Fisch)</p>
<p>Dass man alle möglichen Krankheiten von der Krätze angefangen bis zur Tuberkulose sich durch diese Wohnungsverhältnisse holen konnte, ist relativ einsichtig.</p>
<p>MUSIK M0089162 101„Knowledge is Passed On“ 00:21</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>In Bogenhausen fand ich eine Wohnung mit 3 Zimmern, deren eines von der Vermieterin, einer Witwe, bewohnt war. Das eine der abvermieteten Zimmer hatten 3 Arbeiter inne. Der Raum war ca. 40 Kubikmeter groß. Hier starrte alles förmlich vor Schmutz.  </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Ein Raum von 40 Kubikmetern für drei Personen: das gilt sogar 1898, als Ernst Cahns Bericht erscheint, als überfüllt. Stefan Fisch: </p>
<p>ZUSPIELUNG 6 (Fisch)</p>
<p>Die Überfüllung hat man interessanterweise in Kubikmetern gemessen, also nach Luftraum. Und da war die Maßgabe 15 Kubikmeter pro Person. Und 15 Kubikmeter bei der damaligen Wohnungs-Höhe von drei Metern heißt fünf Quadratmeter pro Person.</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Für die Zuwanderer vom Land gilt: sie müssen nehmen, was sie bekommen, denn für eine eigene Wohnung reicht ihr Lohn bei weitem nicht. Ob in Hamburg, der Stadt der Seeleute und Hafenarbeiter, oder in München, in Leipzig, Dresden oder Berlin, überall gilt dasselbe: Ledige mit geringem Einkommen, die nicht bei Verwandtschaft unterschlüpfen können oder vom Arbeitgeber untergebracht werden, übernachten irgendwo als Schlafgänger respektive als Schlafmädchen. Im Jahr 1900 gilt das allein in Berlin und seinen Vororten für rund </p>
<p>114 000 Menschen - bei einer Bevölkerung von knapp 1,9 Millionen.</p>
<p>ZITATOR (Cahn)</p>
<p>Die Schlafleute werden mit Notwendigkeit abends ins Wirtshaus auf den Tanzboden getrieben. Ein großer Teil des Lohns wird dann vertrunken oder sonst vertan. Die moderne Gestaltung des Schlafstellenwesens ertötet damit den Sinn für Familienleben, für Häuslichkeit, für den Wert eines traulichen Heims; damit wird aber auch jene Rohheit erzielt, die leider gerade in den Kreisen der jugendlichen Arbeiter in erschreckendem Masse zunimmt. Jene Genusssucht, die nichts gemein mehr hat mit den berechtigten Bestrebungen der Arbeiterklasse nach Anteilnahme an den Kulturgütern und nach einem besseren Dasein, jener Mangel an Sparsinn, der oft in Verschwendung ausartet.</p>
<p>MUSIK „Der Truderinger“</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Mit solchen Menschen, da sind sich alle zeitgenössischen Studien mit der von Ernst Cahn einig, lässt sich wahrhaft „kein Staat machen“.  </p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Das Leben in der Stadt stellt die Zuwanderer vor völlig neue Herausforderungen, zu denen neben der Wohnungsnot auch die Freizeitgestaltung gehört. In den bäuerlichen Betrieben auf dem Land, woher die meisten von ihnen stammen, wird vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen in dem Tempo gearbeitet, das die Landwirtschaft vorgibt. In der Stadt, wo sie nun ihr Geld als Maurer oder als Kellnerin verdienen, in einer Fabrik, bei der Eisenbahn, der Post oder einer der großen Brauereien, gibt es feste Arbeitszeiten. Die betragen zwar um 1890 immer noch durchschnittlich 66 Stunden pro Woche, doch bleibt daneben trotzdem noch viel Zeit, die irgendwie gefüllt werden muss. Nur – womit? In der engen, überfüllten Unterkunft sind die Schlafgänger nicht gern gesehen, zumal die Betten ja oft schichtweise an mehrere Nutzer vermietet sind. Es bleiben die Kirche, die Straße und – das Wirtshaus, wo man nicht nur essen, trinken und diskutieren kann, sondern wo es auch ein immer größeres Unterhaltungsangebot gibt. (<em>Musik instrumental evtl. hier hoch</em>) Es wird die große Zeit der Volkssänger und Unterhaltungskünstler. Ob sie im Wirtshaus am Eck auftreten, im Krystallpalast oder in einer der bayerischen Bierhallen: ihr Publikum ist ihnen sicher.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Es sind die Sehnsüchte und Alltagsthemen der einfachen Leute, die hier thematisiert werden, frech, kitschig, manchmal auch zotig-derb – aber immer so, dass es das Publikum berührt. Auf diese Art entsteht eine ganz spezifische Unterhaltungskultur, die prägend wird für die Entstehung einer gemeinsamen Identität. </p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Anders als etwa in Hamburg, Berlin oder Leipzig, wo die Szene stark von der wachsenden Arbeiterbewegung geprägt ist, gibt man sich im Süden Deutschlands eher gemütlich. Dabei gäbe es auch hier durchaus Anlass zu Protest, denn wichtige politische Entscheidungen wie etwa die zum Wohnungswesen der Stadt sind allein den Begüterten vorbehalten. Stefan Fisch:</p>
<p>ZUSPIELUNG 8 (Fisch)</p>
<p>Also grundsätzlich zu den politischen Verhältnissen in den bayerischen Städten bis 1918 ist festzuhalten, dass das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten nicht von den Einwohnern der Stadt gewählt worden ist unter den üblichen Voraussetzungen – also damals nur Männer ab 25 oder sowas –, sondern dass diese Gemeindebevollmächtigten von den Münchner Bürgern gewählt worden sind. Und Bürger wurde man in München entweder wenn man Sohn eines Bürgers war oder Tochter eines Bürgers war oder wenn man sich das Bürgerrecht kaufte. Und das hat so ungefähr hundert Mark in die Gemeindekasse gekostet - für normale, vom Land zugezogene Zuwanderer, die als Schlafgänger gewohnt haben, war das also völlig undenkbar, das sich zu leisten.  </p>
<p>MUSIK „A Zed and Two Noughts“</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Das Haus ist offen, und sie treten ein in den winzigen Hausflöz. Da liegen und stehen Körbe, Kisten, Häfen und Holzscheite herum, auf den ausgetretenen Stufen der geländerlosen Stiege liegt Wäsche und Spielzeug, und vor der Tür, die in die eine Kammer führt, steht das eiserne Zylinderhütlein ihrer Kinder.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Im Roman „Die Rumpelhanni“ thematisiert die Schriftstellerin Lena Christ auch die unsichtbare Wand zwischen der Welt der Besitzenden und den Mittellosen. Hanni erlebt die Tristesse der Slums zum ersten Mal, als ihr eine Hausiererin für einige Tage bei sich daheim in der Münchner Vorstadt Au Unterschlupf gewährt.</p>
<p>MUSIK „A Zed and Two Noughts“</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>In der Kammer liegen drei der Hascherl in einer mageren Betthaut, einer sitzt hemdärmelig auf dem kalten Stubenboden, hat die Kaffeemühle und etliche Erdäpfel als Spielzeug neben sich und jammert um die Morgensuppe. Ein aufgeschossenes Maidl hockt vor dem alten Sesselofen und bläst aus vollen Backen in die schwelenden, rauchenden Reiser, während ein etwa sechsjähriger Bub auf dem zusammengesessenen, pichigen Kanapee steht und die Herdringe zur Melodie des Münchner Schäfflertanzes schwingt. Die Hanni nimmt den Blecheimer, auf dem noch ein Zettel klebt: »Feinste Aprikosenmarmelade&quot;, und will hinein in die Geißenkammer. Aber erschrocken fährt sie zurück. Da liegt auf einem elendigen Lager ein bleicher Mann mit eingefallenen Wangen und fiebernden Augen, der flüstert heiser etwas Unverständliches und winkt mit matter Hand seiner Franzi, wobei ihn ein dürrer Husten peinigt. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Ob im Roman, in offiziellen Untersuchungen oder in Berichten von Amtsärzten: immer häufiger wird die katastrophale Wohnsituation der unteren Schichten öffentlich thematisiert und auf die wirtschaftlichen Schäden hingewiesen, die der Gesellschaft dadurch entstehen. Wie Abhilfe zu schaffen wäre, ist kein großes Geheimnis; hatten doch in Regionen mit Arbeitskräftemangel wie etwa im Ruhrgebiet Unternehmer bereits Mitte des 19. Jahrhunderts große Siedlungen für ihre Arbeiter bauen lassen. Doch den Ballungszentren fehlt es für derartige Aktionen an Interesse ebenso wie an Geld. So sind es am Ende häufig die Arbeiter selbst, die, protegiert von finanzstarken Gönnern, auf der Basis von Wohnungsvereinen und Baugenossenschaften bezahlbaren Wohnraum für sich und ihresgleichen schaffen. Auch diese Unterkünfte allerdings sind primär auf Familien ausgerichtet.</p>
<p>ZUSPIELUNG 9 (Fisch)</p>
<p>Eine große Diskussion in der Zeit so ab 1890/1900 ist die Frage, ob man nicht von Seiten der Gemeinde oder von Seiten der Kirchen oder von Seiten von Unternehmern etwas für die alleinstehenden Arbeiter tun soll. Und daraus ist dann das Konzept der Ledigenheime entstanden.</p>
<p> </p>
<p>MUSIK „Time lapse“</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p>Die Häuser sind ausgestattet mit Waschräumen, Toiletten und Badewannen, mit Aufenthaltsräumen und Kantinen – mit allem also, was die Schlafgänger sonst meist entbehren müssen. Und doch sind die Heime angesichts ihrer strengen Regeln nicht sonderlich beliebt bei den Arbeitern: Es gibt eine Sperrstunde, und Alkoholgenuss ist im „Bullenkloster“, wie die Häuser spöttisch genannt werden, ebenso verboten wie Frauenbesuch.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>“Ein kleines Zimmer zum erschwinglichen Preis, das ist der Wunsch vieler Menschen.”</p>
<p>ERZÄHLER/IN</p>
<p> </p>
<p>So heißt es auf der Website des Münchner Ledigenheims in der Bergmannstraße, für dessen Errichtung 1913, in einer Zeit schlimmster Wohnungsnot, ein eigener Verein gegründet worden war. Noch heute stehen hier alleinstehenden Männern für wenig Geld möblierte Zimmer zur Verfügung. Wer hier untergekommen ist, hat es gut. Und träumt meist trotzdem noch den gleichen Traum wie einst die Schlafgänger: Den Traum von einer eigenen kleinen Wohnung.  </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Fantasie - Das oft ungenutzte Potenzial</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/fantasie-das-oft-ungenutzte-potenzial/2080218</link>
      <pubDate>Mon, 23 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1eace5de-f530-4f85-9226-ff3c271e3457</guid>
      <description>Wer über eine blühende Fantasie verfügt, ist in der Lage, allein in seiner Vorstellungskraft Bilder oder Szenarien zu erzeugen. Während Kinder im Spiel ständig fantasieren, wird bei Erwachsenen eine zu schillernde Fantasie allzu oft als verrückt abgetan. Dabei liegt in der Fantasie ein ungeheurer Schatz. Die lebendige Vorstellungskraft kann Raum öffnen für neue, ungewöhnliche Ideen öffnen. Von Karin Lamsfuß (BR 2023)</description>
      <enclosure length="22719360" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2080218/c/feed/fantasie-das-oft-ungenutzte-potenzial.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:39</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Lamsfuß</itunes:author>
      <itunes:summary>Wer über eine blühende Fantasie verfügt, ist in der Lage, allein in seiner Vorstellungskraft Bilder oder Szenarien zu erzeugen. Während Kinder im Spiel ständig fantasieren, wird bei Erwachsenen eine zu schillernde Fantasie allzu oft als verrückt abgetan. Dabei liegt in der Fantasie ein ungeheurer Schatz. Die lebendige Vorstellungskraft kann Raum öffnen für neue, ungewöhnliche Ideen öffnen. Von Karin Lamsfuß (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4ccbe0c9-ccd5-499e-bc77-cec2ab688a3a.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer über eine blühende Fantasie verfügt, ist in der Lage, allein in seiner Vorstellungskraft Bilder oder Szenarien zu erzeugen. Während Kinder im Spiel ständig fantasieren, wird bei Erwachsenen eine zu schillernde Fantasie allzu oft als verrückt abgetan. Dabei liegt in der Fantasie ein ungeheurer Schatz. Die lebendige Vorstellungskraft kann Raum öffnen für neue, ungewöhnliche Ideen öffnen. Von Karin Lamsfuß (BR 2023)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Christian Baumann<br/> Technik: Christine Frey<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Heiko Ernst, Psychologe; Norbert Groeben, Psychologie-Professor Uni Heidelberg;<br/>Main Huong Nguyen, Psychotherapeutin und Achtsamkeitstrainerin; Gisa Klönne, Schriftstellerin;<br/>Johannes Golchert, Psychologe</p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Süchtig nach Alles | Podcast | ARD Audiothek:<br/>Ob Substanzen wie Kokain und Ecstasy, Verhaltenssüchte wie Glücksspiel und Shopping oder die natürlichste Droge der Welt: die Liebe. In &quot;Süchtig nach Alles&quot; begibt sich Reporter Hubertus Koch auf eine Reise durch verschiedene Süchte.<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/suechtig_nach_alles">ZUM PODCAST</a></strong></p>
<p>Dissertation von Johannes Golchert über das gedankliche Abschweifen:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/9395/diss_j.golchert.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y">EXTERNER LINK | https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/9395/diss_j.golchert.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y</a></strong></p>
<p>Kurzzusammenfassung (englisch) zu a „Wandering mind is an unhappy mind“:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://greatergood.berkeley.edu/images/uploads/A_Wandering_Mind_Is_an_Unhappy_Mi">EXTERNER LINK | https://greatergood.berkeley.edu/images/uploads/A_Wandering_Mind_Is_an_Unhappy_Mind.pdf</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p>Heiko Ernst: Innenwelten: Warum Tagträume uns kreativer, mutiger und gelassener machen. Klett Cotta 2011</p>
<p>Luisa Francia Blühende Fantasie: Die eigene Lebensvision gestalten, Knaur 2018</p>
<p>Für Eltern: <br/>Petra Samarah: Fantasie- und Körperreisen mit Kindern: 57 Imaginationen mit Gestaltungsmöglichkeiten Semnos Verlag, 2013</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskripte-radiowissen-fantasie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Ein schmaler, unbefestigter Pfad schlängelt sich immer tiefer in das Dickicht des Waldes hinein. Zugewuchert von Efeu und Farnen führt der Weg in verborgene Ecken, wo Blumen in den buntesten Farben blühen und glitzernde Bäche leise durchs Unterholz mäandern. Es ist die Heimat der Elfen, der Trolle und der Pflanzenwesen. Schon seit Jahrtausenden leben sie, von den Menschen unbemerkt, in dem geheimnisvollen Zauberwald. Nur wer seinen Geist öffnet und die Fantasie fließen lässt, kann sie sehen. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Eine Reise in das Reich der Fantasie. Wir reisen alle dorthin. Unzählige Male am Tag. Fast 50% der wachen Zeit verbringt der Mensch mit Tagträumen, ergab eine Studie der Harvard University aus dem Jahr 2010.</p>
<p>Früher ging man davon aus: Wenn das Gehirn nicht beschäftigt ist, dann verweilt es im Ruhemodus. Das ist falsch. Heute weiß man: Wenn das Gehirn nicht konzentriert denkt, dann geht es gedanklich auf Reisen.</p>
<p>Musik: New hope 0‘42</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Der Tagträumer reist an magische Orte, in heile Welten, an den Traumstrand vom letzten Urlaub. Oder sie spielen in der Fantasie durch, wie das erste Date mit der attraktiven Kollegin oder dem attraktiven Kollegen verlaufen könnte. Aber auch unangenehme Dinge werden in der Fantasie durchdacht: etwa, dass das Finanzamt bald Stress machen könnte. Oder wie schrecklich die nächste Prüfung verlaufen wird.</p>
<p>Die Fantasie hat ein riesiges Spektrum: In ihr reisen wir in entfernte Galaxien. Oder planen - ganz handfest – die nächste große Reise.</p>
<p>O-Ton 1 Main Huong Nguyen (0‘13“): </p>
<p>Es macht uns Menschen ja auch aus, dass wir die Fähigkeit haben, Dinge zu antizipieren, Dinge auszumalen, wir können dadurch viele Dinge planen, wir haben eine Fantasie, die uns unterstützen kann – das ist eine ganz große Ressource.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>… sagt die Psychotherapeutin Dr. Main Huong Nguyen. (s. Aussprache-Audio) </p>
<p>Doch was ist Fantasie eigentlich?</p>
<p>Musik: Her dream  0‘35</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Fantasie – abstammend vom griechischen Wort Phantasia - heißt zunächst nichts anderes als „Vorstellung“ oder „Traumgesicht“. Während die Kreativität meist eine Absicht hat, nämlich etwas zu erschaffen, etwa eine Lösung für ein Problem, wabert die Fantasie meist absichtslos umher. </p>
<p>Fantasie bedeutet gedankliches Abschweifen, Erschaffen von Gegenwelten, Filme im Kopfkino, Tagträumen. </p>
<p>O-Ton 2 Heiko Ernst (0‘14“): </p>
<p>Tagträume sind schon per se tröstlich, beruhigend, angenehm, ein Genuss an sich schon, also man kann auch Tagträume genießen, so wie man einen Film genießt, ich lieg irgendwo am Stand, es ist alles easy, alles in Ordnung …</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Heiko Ernst, Psychologe. </p>
<p>In der Fantasie erklimmen wir die höchsten Gipfel, sind die Party-Königin, gewinnen Millionen im Lotto und bleiben ewig schön und faltenfrei. Doch wofür ist das gut? Das sind doch alles nur Hirngespinste! Nein, sagt der Psychologe Heiko Ernst. Fantasieren und Tagträume haben wichtige Funktionen:</p>
<p>O-Ton 3 Heiko Ernst (0‘08“) </p>
<p>Also man träumt diesen Tagtraum, um auch andere Gedanken abzublocken oder um sich in eine Stimmung zu bringen, in der man ruhiger wird.</p>
<p>Musik: Premium 0‘32</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Durch positive Fantasien wird das Leben entspannter, bunter und abwechslungsreicher. Fantasievolle Menschen können sich gut in andere hineinversetzen. Sie sind offen, neugierig und flexibel. In der Berufswelt führt Fantasie zu Fortschritt durch bislang ungeahnte Ideen.</p>
<p>Wenn Fantasie so viele positive Effekte hat, stellt sich die Frage: Wie kann man diese Quelle anzapfen?</p>
<p>O-Ton 4 Reportage Gisa Klönne (0‘15“):  </p>
<p>Ja, der Hängesessel…. Ich hab ein Dacharbeitszimmer, und dann hab ich mir hier einen Hängesessel gekauft. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Gisa Klönne auf der Suche nach der Fantasie. Die Schriftstellerin hat bereits sechs Krimis und drei Romane geschrieben. Gerade sitzt sie an ihrem vierten. Gisa Klönne braucht die Fantasie – wie alle Künstler und Kreativen - wie die Luft zum Atmen. Auch wenn am Anfang immer ein grobes Gerüst steht - und natürlich viel Recherche - folgt dann die Phase der Fantasie. In dieser Phase erweckt sie ihre Romanwelt zum Leben: Sie malt sich Orte aus, entwirft Charaktere und Handlungen und erschafft Stimmungen. Das klappt leider nicht auf Knopfdruck. Doch sie hat so ihre Techniken, die Fantasie zum Fließen zu bringen. Gerade schwingt sie in ihrem lindgrünen Hängesessel, der an der Decke befestigt ist. </p>
<p>O-Ton 5 Reportage Gisa Klönne (0‘26“):  </p>
<p>Das ist ja so wie ein Baby in der Wiege, ich schaukele dann hier, ich hab hier immer neben mir inspirierende Lektüre, Notizbücher liegen, und morgens und auch, wenn ich nicht weiterkommen, mache ich hier ne Pause, schwinge so, gucke auf mein Bücherregal mit den Buchtiteln, gucke in die Wolken aus dem Dachfenster und schreibe vor mich hin. Ich schreibe dann z.B. schwingend im Hängesessel, und dann schreibe ich, was mir einfällt. Mit der Hand. Ganz wichtig! </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>So schwingt sie sanft hin und her, in der Hand einen Notizblock und einen Füller mit grüner Tinte. Das muss sein. </p>
<p>Aufbruch (reduced 2) 0‘15</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Experten gehen davon aus, dass beim Schreiben mit der Hand die visuell-räumlichen Fähigkeiten gefördert werden, also das, was für die Vorstellungskraft essenziell ist.</p>
<p>O-Ton 6 Gisa Klönne (0‘22“): </p>
<p>Die ersten guten Ideen kommen immer per Hand. Es ist unmittelbarer, näher an mir dran, also mehr an den Quellen, die in die Kreativität gehen, an das Unbewusste, das Anzapfen, d.h. ich schreibe weite Passagen oder auch wenn ich nachts aufschrecke, weil mir irgendeine Idee kommt, mit der Hand, und wenn ich dann an einem Roman bin, dann tippe ich sie ab.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Der Psychologieprofessor Norbert Groeben nennt diesen Zustand, in dem die Fantasie sich zeigen darf, „defokussierte Konzentration“.</p>
<p>O-Ton 7 Groeben (0‘28“): </p>
<p>Man kann es auch „schwebende Aufmerksamkeit“ nennen. Diese schwebende Aufmerksamkeit, die gilt es zu erreichen, dafür gibt es eine Menge an Möglichkeiten: zum Beispiel manche Leute haben diese schwebende Aufmerksamkeit beim Musikhören. Andere unter der Dusche. Weil da diese körperliche Entspannung da ist, die den Geist auch frei macht, und zugleich aber der Geist immer noch schön arbeiten kann. Vital ist.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Diese schwebende Aufmerksamkeit kann auch erlebt werden morgens vor dem Aufwachen. Sozusagen auf dem Weg aus den Träumen in die Realität. </p>
<p>O-Ton 8 Gisa Klönne (0‘38“):  </p>
<p>Als Autorin geht bei mir immer parallel ein Film, in dem ich Geschichten sehe, Bilder, das kann dann z.B. auch sein, wenn ich morgens aufwache, wenn ich sehr in einem Roman bin und denke als erstes: Wie geht’s jetzt dieser Figur? Was macht die als nächstes? Und die sind für mich so real da wie die Menschen in meinem Umfeld oder mein Mann!</p>
<p>Und der kennt das dann schon, wenn ich dann runterkomme in die Küche, dann sag ich: „Kann nicht! Schweigen!“ weil ich dann einfach diesen Figuren und dieser Geschichte in meinem Kopf erst mal zuhören will! Ich lass die einfach mal wie so ein Kopfkino ablaufen!</p>
<p>Musik: Joy research (no drums) 0‘53</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Ob Traum, Tagtraum, gedankliches Umherwabern, fantasievolles Abgleiten – das findet im Gehirn im so genannten „Default Mode Network“ statt. Im Ruhe-Zustands-Netzwerk.</p>
<p>Zu diesem Netzwerk gehören mehrere miteinander verbundene Hirnregionen, darunter unter anderem der mediale präfrontale Kortex – zuständig für Zukunftsplanungen - und der Hippocampus, der „Arbeitsspeicher“ des Gehirns. Dieses Netzwerk ist – so Forschungsergebnisse des Dartmouth College in New Hampshire – bei Menschen in kreativen Berufen besonders aktiv. Gerade wenn es darum geht, sich wirklich Fantastisches und Utopisches fern der Realität vorzustellen. </p>
<p>Musik Ende</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Früher dachte man, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Diejenigen, die Kontrolle über ihre Gedanken haben und die, die abschweifen, so der Psychologe Dr. Johannes Golchert, der am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften über Tagträume geforscht hat: </p>
<p>O-Ton 9 Golchert (0‘16“): </p>
<p>Heute weiß man eigentlich, dass man das differenzierter betrachten muss, und dass es neben diesem spontanen Gedankenabschweifen, was man immer wieder erlebt, noch ne weitere Form gibt: Das ist eher das bewusstere Abschweifen, ein willkürlicher Prozess, für den ich mich entscheide und dem dann auch nachgehe …</p>
<p>Atmo 15‘30“ Gong</p>
<p>O-Ton 10 Klönne (0‘19“): </p>
<p>Das sind beides tibetische Klangschalen, diese hier kann bis zu eine Minute nachhallen … (geht weiter)</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Im Arbeitszimmer der Schriftstellerin Gisa Klönne liegen ein flauschiger Teppich und ein Sitzkissen auf dem Boden in der Mitte des Raums. Mit dem Gong der Klangschale bringt sie sich in einen Zustand, der ihren Geist für Einfälle öffnet. </p>
<p>O-Ton 11 Klönne (0‘39“): </p>
<p>Man muss quasi einen Teil des Bewussten ausschalten und sich verbinden, erden und auf eine andere Ebene kommen. Und öffnen. Auf irgendeine Weise öffnen für das, was wir nicht erklären können, was aber trotzdem da ist. Und zuhören, ich sage immer: Es ist ganz viel zuhören bei der Fantasie, die ich brauche, um einen Roman zu schreiben.</p>
<p>Ich setze was vor, und dann lasse ich mich auf ein Thema ein, und dann muss ich auch teilweise die Geduld haben zu hören, was da von irgendwoher diktiert wird, was auf mich zufliegt… </p>
<p>Musik: Immer mehr (reduced 2)  0‘21</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Was nie funktioniere, sagt sie, sei mit einem konkreten Auftrag in die Meditation zu gehen. Und trotzdem könne es sein, dass sie etwas „geschenkt bekommt“, wenn der Kopf leer wird. Einen Einfall, eine gedankliche Skizze, eine spannende Wendung ihres nächsten Romans.</p>
<p>Dabei aber, so die Schriftstellerin, sei es ihr wichtig, nicht ziellos vor sich herzuträumen, die Gedanken vor sich hinwabern zu lassen, sondern das, was sich zeigt, sofort „mit dem Lasso“ einzufangen. Am besten schriftlich. </p>
<p>Sie muss also switchen: von der Fantasie in die harte Realität. Ideen, Bilder, Gedanken zunächst in der Fantasie entstehen zu lassen, sie dann aber sofort mit dem wachen, klaren Geist einzufangen. Sonst verflüchtigen sie sich.</p>
<p>O-Ton 12 Klönne (0‘22“): </p>
<p>Man muss immer zweigeteilt sein als Autorin: Das Wichtigste ist erst mal dieses Intuitive, aber gleichzeitig muss man, um die Geschichte zu vollenden, sich komplett distanzieren und natürlich Erfahrung haben: Wie baue ich eine Geschichte auf, Spannungsbogen usw. aber um überhaupt eine Geschichte zu erfinden, um zu schreiben, um diesen Flow zu haben, muss ich das alles wieder zur Seite drängen. Also man ist immer ein Zwitter.</p>
<p>Musik: Green planet red. 0‘33 </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Gedanklich ein Eisbad nehmen und dabei bibbern. Den trockenen, pfeifenden Wüstenwind wie einen Lufthauch auf der Haut fühlen. Den köstlichen Geschmack einer süßsauren Maracuja auf der Zunge spüren. Die Harvard-Studie über das Tagträumen ergab: Die selben Hirnareale sind aktiv – ganz egal, ob wir etwas real erleben oder es uns nur in der Fantasie vorstellen.</p>
<p>Natürlich gibt es Menschen, die sich etwas schwerer tun als andere auf gedankliche Reise zu gehen. Ihnen, so die Psychotherapeutin und Achtsamkeitstrainerin Main Huong Nguyen, könnte es helfen, die Sinne zu trainieren. Zum Beispiel durch Achtsamkeit.</p>
<p>O-Ton 13 Main Huong Nguyen (0‘20“): </p>
<p>Weil in der Achtsamkeit trainieren wir immer wieder, das Bewusstsein auf alles, was in uns und um uns herum geschieht, zu lenken: Was sehen wir gerade? Was hören wir? Was riechen wir? D.h. wenn wir Achtsamkeit trainieren und immer wieder beobachten, dann entwickeln wir einen Fundus an Beobachtungen, auf die wir in der Imagination oder bei der Visualisierung zurückgreifen.  </p>
<p>Musik: Dream for reality  0‘34</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Fantasie schafft auch Gegenwelten. Vor allem dann, wenn die Realität zu grau ist. Schüler beamen sich einfach weg: vom langweiligen Matheunterricht auf den Ponyhof. Erwachsene vielleicht vom langweiligen Meeting an den weißen Sandstrand Balis. Und während man in Geiste einen köstlichen Cocktail serviert bekommt, will die Chefin die letzten Zahlen wissen. Opppps! Ertappt!</p>
<p>Musik: Magic rain (reduziert)  1‘02</p>
<p>In magische Klänge einbetten: </p>
<p>Anmerkung: langer Text. Sprecher kann etwa in der Mitte der Geschichte darüber gelegt werden. Spätestens dann, wenn’s langatmig wird.</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Tief in den verschlungenen Wäldern liegt ein verzauberter Bergsee, von Stille und Geheimnis umgeben. Seine Oberfläche schimmert wie ein silbriger Spiegel, der die Wunder der umgebenden Natur widerspiegelt. </p>
<p>Plötzlich erhebt sich eine geheimnisvolle Nebelschicht aus dem See empor, winzige Lichter tauchen auf, die tief unten im klaren Wasser leuchten. Auf dem Grund des magischen Bergsees erscheint eine zauberhafte Welt: glitzernde Pflanzen, die in leuchtenden Farben erstrahlen, und kleine Kreaturen.</p>
<p>Unterhalb des Gesteins liegt ein altes, von Moos überwuchertes Tor, das den Eingang zu einem vergessenen Reich markiert. Wer durch das Tor schreitet, begegnet flüsternden Wassergeistern, die ihn mit Geschichten aus längst vergangenen Zeiten verzaubern. In einem schimmernden Amphitheater, gebaut aus Kristallen, tanzen bezaubernde Wassernymphen …..</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Solche Fantasiewelten haben für viele Menschen etwas sehr Anziehendes, Magisches. Diese Welten sprengen Grenzen. Sie sind unendlich, und alles ist in ihnen möglich. Fantasiewelten spenden ein wenig Zauber in einer hochtechnisierten, längst entzauberten Welt. </p>
<p>Die Welten voller Feen, Elfen, Zwerge und Trolle haben etwas Magisches. Fantastische Werke wie „Herr der Ringe“ oder Der kleine Hobbit“ begeistern viele Menschen.</p>
<p>Doch Fantasiereisen haben auch im Alltag einen ganz praktischen Nutzen: Gedankliches Durchspielen kann eine gute Vorbereitung für schwierige Situationen sein, sagt die Psychotherapeutin Main Huong Nguyen.</p>
<p>O-Ton 14 Main Huong Nguyen (0‘24“)</p>
<p>Wenn wir für ne Prüfung lernen, sollten wir die Prüfungssituation möglichst nachgestalten: Uns an einen Tisch setzen, wenn das ne Multiple Choice-Klausur ist, das auch nachahmen und uns auch vorstellen, dass wir da erfolgreich reingehen und rausgehen werden, dass wir entspannt sind in dieser Situation und nicht mit diesem katastrophisierenden Bild „oh Gott, ich werde ein Blackout bekommen, mir wird nichts einfallen“ – das können wir auch auf unseren Lebensalltag anwenden.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Alle Veränderungen wurden zunächst einmal in der Fantasie geboren. Erfindungen, Kunstwerke oder neue geistige Strömungen. </p>
<p>Fantasie ist der Motor für Weiterentwicklung. </p>
<p>Sie ist bei Menschen sicherlich unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein bisschen aber hat jeder. Bis auf die geschätzten drei bis vier Prozent, die unter einer sogenannten Afantasie leiden. Das heißt: ihnen fehlt die bildliche Vorstellungskraft: Sie können weder das Gesicht eines Freundes noch ihr Wohnzimmer visualisieren. Warum das so ist, darüber rätselt die Forschung noch.</p>
<p>Fest steht aber: Der Grundstein für die Fantasie wird schon sehr früh gelegt, so Psychologe Heike Ernst:</p>
<p>O-Ton 15 Heiko Ernst (0‘36“): </p>
<p>Das Spiel hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Tagtraum, auch da wird die Realität ja umgedeutet. Die Realität wird verändert, verfeinert, verbessert, das Kind macht aus dem Stock ein Schwert, aus dem Papierstreifen eine Krone, und es fantasiert sich aus einem Kochtopf eine Trommel – also es verändert die Realität im Spiel. Und das ist sozusagen die Vorübung für später auch erwachsenes Tragträumen, für Fantasieren. Wir brauchen diese Fantasien, wir müssen fähig sein, die Realität im Kopf, in unserer Innenwelt immer wieder zu verändern.</p>
<p>Musik: Mysterious animal play  0‘27</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Eltern können die Fantasie ihrer Kinder fördern, indem sie sie ermutigen, rumzuspinnen. Die Erlaubnis zum Träumen geben, zum realitäts-entrückten Spielen. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Auch die Schriftstellerin Gisa Klönne erinnert sich, dass ihre gesamte Kindheit von Ausflügen in fantastische Welten geprägt war.</p>
<p>O-Ton 16 Klönne (0‘42“): </p>
<p>Ich hab Schreiben gespielt. Ich fand Geschichten so toll, dann habe ich mit meinem lila Buntstift in alte Taschenkalender meiner Eltern so Schnörkel reingemacht und hab gespielt ‚ich schreibe‘. Ich wusste sehr früh, dass ich das will.  Und dann war ich ganz schnell dieses Kind, was man jede Woche mit dem Bibliotheksausweis in die Bibliothek geschickt hat: zehn Bücher abgeben, zehn Bücher holen, ich hab mich quer durch alles gelesen. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Gegenwelten erschaffen in der Fantasie: Das macht sich sogar die moderne Psychotherapie bei Trauma und Depression zunutze. Mit der Methode des „Imagery Rescripting“:</p>
<p>O-Ton 17 Main Huong Nguyen (0‘47“) </p>
<p>Und das funktioniert so, dass der Patient gebeten wird, in der Imagination in diese belastende Situation zurückzugehen in der Biografie. Häufig sind das Kindheitserinnerungen, aber es kann natürlich auch ein Trauma im Erwachsenenalter sein. Und dann, wenn man an dem Punkt ist, wo die Emotion sehr stark aktiviert wurde, fragt man: Was ist das Bedürfnis des Patienten in dieser Situation. Oft ist es z.B. Sicherheit oder dass man rauskommt aus dieser Situation, und dann in diesem Moment kommt dann dieser Patient als erwachsene Person rein oder eine andere Hilfsperson. Und dann wird quasi die Situation neu umschrieben. Da wird z.B. das Kind aus dieser gefährlichen Situation rausgenommen oder der Täter oder die Täterin wird entmachtet von dieser Hilfsperson; es hört sich vielleicht so ein bisschen crazy an, aber es funktioniert so gut, und das Ziel bei dieser Behandlung ist die emotionale Neubewertung. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Hat Fantasie also nur Sonnenseiten? Ist sie nur kraftvolle Ressource? </p>
<p>Musik: Daily desolation   0‘30</p>
<p>Nein. Die Fantasie birgt durchaus Gefahren. Etwa dann, wenn sie finster und destruktiv wird oder gar wahnhafte Züge annimmt.</p>
<p>Ob sich die Fantasiewelten des Internets, vor allem gewaltvolle Videospiele auf die Entwicklung junger Menschen auswirken, wird kontrovers diskutiert. Klar ist aber, dass ein komplettes Abtauchen in virtuelle Welten nicht förderlich ist, so Heiko Ernst. </p>
<p>O-Ton 18 Heiko Ernst (0‘14“): </p>
<p>Das Kriterium ist einfach die Realitätstüchtigkeit, also die Bewältigung des Alltags, also wenn jemand wirklich versumpft in solchen Traum- und Fantasiewelten, dann ist es Zeit, Hilfe zu suchen, wobei der Betroffene das ja meist gar nicht so empfindet. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Das nennen Experten dann „maladaptives Tagträumen“. </p>
<p>Darunter versteht man eine Form der Sucht, bei der sich Betroffene stundenlang in Fantasiewelten verlieren und soziale Kontakte vermeiden. Eine krankhafte Form der Fantasie.</p>
<p>Der Psychologe Heiko Ernst befürchtet zudem, dass die eigene Fantasiefähigkeit auf der Strecke bleibt. </p>
<p>O-Ton 19 Heiko Ernst (0‘46“): </p>
<p>Weil die wirklich unterminiert wird, wenn wir uns nur noch beliefern lassen durch fremde, vorgefertigte Fantasien, vielleicht auch kranke Fantasien von anderen, die wir übernehmen: Wir sehen Filme über Massenmörder, wir schauen Filme über Massenvernichtungen, wir konsumieren Horrorfilme, Splattermovies, ... die Medienwelt ist ja voll von Dingen, über die man ständig diskutiert, ob man sie nicht unterdrücken soll, also die Inhalte sind sozusagen veröffentlichte schlechte Tagträume anderer, die wir konsumieren wollen und die wir zum Teil ja auch gerne konsumieren wollen, es ist diese Faszination des Bösen natürlich auch, und wenn man sich permanent an diesen Fantasien aus der Konserve aus fremden Tagträumen bedient, bleibt eben diese eigene Fantasiefähigkeit unterentwickelt, und die anderen dominieren.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die Forscher der Harvard-Studie über das Tagträumen weisen noch auf einen weiteren negativen Aspekt hin. Mit Hilfe eines Handyprogramms befragten sie fortlaufend 2.200 Studienteilnehmer, woran sie gerade denken und wie sie sich beim Gedankenabschweifen fühlen. Titel der Studie ist bezeichnenderweise „A wandering mind is an unhappy mind“. Übersetzt: Ein umherschweifender Geist ist ein unglücklicher Geist. </p>
<p>Musik:  Every man has his own sorrow 0‘15</p>
<p>Ein zentrales Ergebnis der Studie war: Das grübelnde und sorgenvolle Nachdenken darüber, was in der Zukunft sein könnte oder in der Vergangenheit besser gewesen wäre, kann auf Dauer unglücklich machen. </p>
<p>Musik: Lake views  0‘20</p>
<p>Glücklich mache vor allem der gegenwärtige Moment – sofern er schön ist. Sex, Gespräche mit anderen Menschen, Spielen, Musikhören und Essen waren laut der Studie solch schöne Momente im Hier und Jetzt. </p>
<p>Musik Ende</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Fantasie ist also wie ein Instrument, das tröstende, beglückende und beschwingende Melodien spielen kann. Und eben auch düstere, furchteinflößende. Also gilt es, achtsam mit ihr umzugehen. Damit sie nicht anfängt, ihr Eigenleben zu führen. </p>
<p>In jedem Fall aber ist die Fantasie eine kraftvolle und mächtige Ressource, die Grenzen sprengen und Neues schaffen kann. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Schriftstellerin Gisa Klönne sitzt in ihrem kleinen Reihenhausgarten auf ihrem Lieblingsplatz: der hölzernen Eckbank. Es ist schon weit nach Mitternacht. Die Stadt wird ruhiger, nur noch das sanfte Rauschen des Verkehrslärms ist hörbar. Die Fledermäuse fliegen über ihren Kopf, im Laub raschelt ein Igel.</p>
<p>In Momenten wie diesem kann es sein, dass plötzlich eine neue Romanfigur um die Ecke kommt.</p>
<p>Musik: Relaxing water 0‘54</p>
<p>O-Ton 20 Gisa Klönne (0‘23“): </p>
<p>Ich verbinde mich, wenn ich im Garten bin, und nach einer Zeit verbinde ich mich quasi mit der Erde, darüber wieder mit mir, vielleicht auch Ursprung, also dem Leben an sich, und über diese Verbindung mit etwas Höherem – weil ich mich dann auch mit allem verbunden fühle – und geerdet. Und dann ist das das Reich, wo dann manchmal die Fantasie hinkommt. </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Schwarze Meer - Die Geschichte eines umkämpften Raums</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-schwarze-meer-die-geschichte-eines-umkaempften-raums/2008612</link>
      <pubDate>Mon, 23 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c23b1526-87b7-44a4-afbe-8ba8480f89b8</guid>
      <description>Das Schwarze Meer war einst ein Süßwassersee. Hier soll sich einst die Sintflut ereignet haben. Große Gebiete wurden überflutet. Seit Jahrrausenden ringen und kämpfen verschiedene Völker um den strategisch wichtigen Lebensraum. 
Autorin: Claudia Steiner</description>
      <enclosure length="22637568" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2008612/c/feed/das-schwarze-meer-die-geschichte-eines-umkaempften-raums.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Ron Schickler</itunes:author>
      <itunes:summary>Das Schwarze Meer war einst ein Süßwassersee. Hier soll sich einst die Sintflut ereignet haben. Große Gebiete wurden überflutet. Seit Jahrrausenden ringen und kämpfen verschiedene Völker um den strategisch wichtigen Lebensraum. 
Autorin: Claudia Steiner</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c57793ff-7301-4d62-8d56-a1e128e1a8de.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das Schwarze Meer war einst ein Süßwassersee. Hier soll sich einst die Sintflut ereignet haben. Große Gebiete wurden überflutet. Seit Jahrrausenden ringen und kämpfen verschiedene Völker um den strategisch wichtigen Lebensraum. 
Autorin: Claudia Steiner</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Ron Schickler<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Florian Schwarz<br/> Technik: Ralph Bienzeisler<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Udo Schlotzhauer, Referent für Klassische Archäologie des nördlichen Schwarzmeerraums am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin; <br/>Prof. Dr. Emil Stanev (Aussprache des Namens bei Stenev 0.14), Institut für Küstensysteme, Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht; <br/>Prof. Dr. Stefan Troebst, bis 2021 Professor für Kulturgeschichte des östlichen Europa an der Universität Leipzig</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-schwarzes-meer-binnenmeer-archaeologie-krieg-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Die Straße von Gibraltar - Nadelöhr der Weltgeschichte<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-strasse-von-gibraltar-nadeloehr-der-weltgeschichte/bayern-2/94562832/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Medusa - Schlangenhaar und tödlicher Blick</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-medusa-schlangenhaar-und-toedlicher-blick/2093660</link>
      <pubDate>Fri, 20 Jun 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">4cba4a71-0b2c-48cf-a3e4-4775ca2a4b49</guid>
      <description>Mit ihrem Schlangenhaar und ihrem versteinernden Blick ist sie zum Inbegriff des schrecklichen Monsters geworden. Andererseits wurde ihr abgeschlagenes Haupt zum allgegenwärtigen Schutzsymbol. Doch Medusa war nicht von jeher ein Ungeheuer, sondern wurde erst durch männliche Gewalt und weiblichen Neid dazu. Autor: Frank Halbach (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22785024" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093660/c/feed/die-medusa-schlangenhaar-und-toedlicher-blick.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:44</itunes:duration>
      <itunes:author>Halbach, Frank</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit ihrem Schlangenhaar und ihrem versteinernden Blick ist sie zum Inbegriff des schrecklichen Monsters geworden. Andererseits wurde ihr abgeschlagenes Haupt zum allgegenwärtigen Schutzsymbol. Doch Medusa war nicht von jeher ein Ungeheuer, sondern wurde erst durch männliche Gewalt und weiblichen Neid dazu. Autor: Frank Halbach (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9050293b-1123-4641-bfce-3ed7d6a93076.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit ihrem Schlangenhaar und ihrem versteinernden Blick ist sie zum Inbegriff des schrecklichen Monsters geworden. Andererseits wurde ihr abgeschlagenes Haupt zum allgegenwärtigen Schutzsymbol. Doch Medusa war nicht von jeher ein Ungeheuer, sondern wurde erst durch männliche Gewalt und weiblichen Neid dazu. Autor: Frank Halbach (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge &amp; Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Katja Bürkle, Stefan Wilkening, Ines Hollinger<br/> Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Volker Mergenthaler, Literaturwissenschaftler<br/>Giulia Grossi, Althistorikerin </p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>

<p><strong></strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a><strong></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-medusa-schlangenhaar-toedlicher-blick-monster-mythologie-antike-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>ZITATORIN (zischend flüsternd)</p>
<p>Fürchterlich bin ich, rund umher mit drohendem Schrecken umkränzt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Angst ist die älteste und stärkste Emotion des Menschen.</p>
<p>ZITATORIN (wie oben, sich allmählich steigernd)</p>
<p>In Grauen und bleichem Entsetzen lässt mein wutfunkelnder Blick euch erstarren.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Mensch ist bedroht - von Anfang an. Um diesem ursprünglichen Gefühl numinoser Angst zu begegnen, begann er zu erzählen.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>„Angst muss immer wieder rationalisiert werden, sowohl in der Geschichte der Menschheit wie in der des Einzelnen. Das geschieht primär nicht durch Erfahrung, sondern durch Kunstgriffe, wie Erklärungen für das Unerklärliche, Benennungen für das Unnennbare. Was durch Namen identifizierbar geworden ist, wird aus seiner Unvertrautheit durch die Metapher herausgehoben, durch das Erzählen von Geschichten erschlossen…“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schreibt der deutsche Philosoph Hans Blumenberg über den Ursprung mythischer Erzählungen in seinem Literaturklassiker „Arbeit am Mythos“. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit den Mythen betrat der Held die Bühne menschlicher Fiktion.</p>
<p>ZITATORIN (hasserfüllt)</p>
<p>Mit Sichelschwert, Tarnhelm und spiegelndem Schild.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ihm gegenüber steht: das Monster. </p>
<p>ZITATORIN (trotzig)</p>
<p>Abscheulich, schlangenhaarig, menschenhassgetränkt!</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Was wäre Siegfried ohne Drachen? Beowulf ohne Grendel, Odysseus ohne den Zyklopen, Herkules ohne die Hydra, Ödipus ohne die Sphinx oder Perseus ohne…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Medusa: Ihr Gesicht zur Fratze verzerrt, ihr Mund reißzahnbewehrt, statt Haaren züngelnde Schlangen. So grauenhaft sieht sie aus, dass zu Stein erstarrt, wer sie erblickt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Seit der Antike dargestellt in Skulpturen, Gemälden, besungen und in sich immer wieder verändernden Mythen erzählt, hat Medusa über Jahrtausende ihren Weg bis in die Popkultur der Gegenwart gefunden: Im Fantasy-Roman, Kinoblockbuster oder PC-Spiel.</p>
<p>MUSIK hoch </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Oder besser ihr abgeschlagener Kopf. Medusa und ihre Geschichte sind eines der berühmtesten Motive der griechisch-römischen Mythenwelt.</p>
<p>O-Ton 1 Mergenthaler </p>
<p>Was man vielleicht vorweg stellen muss ist, dass man Medusa als mythologische Figur begreifen muss. Das heißt: da gibt es nicht irgendwie eine Quelle, die festlegt, was zu ihr dazugehört, sondern das ist das Ergebnis einer Akkumulation eines kontroversen differenzierten Akkumulationsprozesses, der über zweieinhalbtausend Jahre sich hinstreckt, mehr oder minder, und auch nicht eine Figur irgendwie produziert, sondern eine Reihe von Figuren, die unter dem Namen Medusa Karriere gemacht haben und unterschiedliche </p>
<p>Ausprägungen genommen haben. Je nachdem, welchen Aspekt man verfolgt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sagt der Literaturwissenschaftler Professor Volker Mergenthaler, der sich eingehend mit dem Mythos Medusa beschäftigt hat.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Prologue“; Album: Dracula Untold; Label: Back Lot Music – BLM0284; Interpret: Gavin Greenaway; Komponist: Ramin Djawadi; ZEIT: 01:04</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wie bei den meisten Mythen liegt der Ursprung der Geschichte der Medusa im Dunklen. Was von Medusa rein mündlich erzählt wurde, vermag niemand zu sagen. Doch schon in einem der ältesten schriftlich fixierten fiktionalen Werke Europas, Homers Ilias, zu datieren auf etwa das 8. Jahrhundert vor Christus, findet die Medusa Erwähnung.  </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Das gorgonische Haupt, des entsetzlichen Ungeheuers,</p>
<p>Schreckenvoll und entsetzlich.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Als furchterregendes Emblem auf dem Schild der Göttin Athene und des Anführers der Griechen im Trojanischen Krieg: Agamemnon.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Die Schreckengestalt der Gorgo drohete schlängelnd,</p>
<p>Mit wutfunkelndem Blick, und umher war Graun und Entsetzen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Schreckliche an Medusa, das Furchtbare, das von ihr ausgeht ist…</p>
<p>ZITATORIN (bitter)</p>
<p>Ihr Antlitz.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 2 Mergenthaler </p>
<p>In den Details wird das dann unterschiedlich ausbuchstabiert: Sie hat Schlangenhaar, sie hat einen furchtbaren Blick, das Gesicht ist irgendwie zu einer Fratze geschnitten, mit bleckenden Zähnen und heraushängender Zunge. Also ich würde sagen, wenn man das irgendwie psychologisieren wollte, in unserer moderne Welt, würde ich sagen das ist eine Entstellungserfahrung. Da begegnet uns etwas, das wir als menschlich in seinen Grundzügen erkennen, das aber so verzerrt verrückt entstellt ist, dass es auf mich selbst zurückfällt und mir Angst macht, sozusagen. Ich könnte selbst so aussehen und ich mich versichern möchte, dass ich nicht so aussehe. (…) Was ist das Monster eigentlich? Es ist ein Gegenüber, das aus der Norm fällt und das nicht deswegen verunsichert und dann eben zu Stein oder wie auch immer erstarren lässt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein Monster verlangt nach einem Helden. Die Medusa nach einem der berühmtesten Heroen in der griechischen Mythologie: Perseus, Sohn des Zeus, der sich in Gestalt eines Goldregens seiner Mutter Danaë genähert hatte.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dem König von Argos war geweissagt worden, ein Sohn seiner Tochter Danaë würde ihm einst zum Verhängnis werden. Er setzt daher Danaë und ihren Sohn Perseus auf dem Meer aus. Die Götter aber retten beide, so dass sie auf einer Insel der Kykladen an Land gespült werden. Hier weckt Danaë die Begierde des Königs Polydektes.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der auch vor Drohungen und Erpressungen nicht zurückschreckt, als er Danaë nachstellt. Perseus und dem Fischer, der Mutter und Sohn bei sich aufgenommen hat, gelingt jedoch immer wieder Danaë zu beschützen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dieser Perseus muss weg. König Polydektes verlangt daher von Perseus, ihm das Haupt der Gorgone Medusa zu bringen, das jeden, der es sieht, zu Stein verwandelt. Die Gorgonen sind gemäß der griechischen Mythologie drei Schwestern, Kinder des Meeresgottes Phorkys und seiner Schwester Keto. Drei geflügelte Schreckensgestalten, welche jeden, der sie erblickt, zu Stein erstarren lassen.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Der Gorgonen Geschlecht, jenseits des Okeanos wohnend,</p>
<p>Hart an der Grenze der Nacht, bei den singenden Hesperiden,</p>
<p>Stheino, Eurýale auch, und die jammervolle Medusa.</p>
<p>Sie war sterblich allein, doch Tod so wenig wie Alter</p>
<p>Kannten die zwo.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Als echter Held macht sich Perseus natürlich sofort auf den Weg.</p>
<p>O-Ton 3 Mergenthaler </p>
<p>Allerdings tut er das nicht als Soloplayer, sondern wenn man so will, als Teamplayer mit Backup. Und das Backup ist göttlicher Natur. Das ist Athene, die ihm ein bisschen was mitgebracht hat - wichtige Items: ein Sichelschwert, die „Harpe“, ein Beutelchen, Säckchen wie auch immer die „Kibisis“ und das entscheidende, die „Aigis“, ein Schild. Sie hat einen Schild mitgebracht, der blankpoliert ist, in dem man ein Spiegelbild sehen kann.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Perseus trat an die Schlafenden heran, mit abgewandtem Gesicht in seinen ehernen Schild blickend, der ihm das Bild der Gorgo zeigte, und indem ihm Athene die Hand führte, schnitt er ihr das Haupt ab. </p>
<p>g Schwert + MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 4 Mergenthaler</p>
<p>Also das ist die die Erfolgsgeschichte von Perseus. Und da ist eben, dass das Spannende dran, dass damit eigentlich erst mal eine Medientheorie verbunden ist: Also das denkbar Schrecklichste, dem kann ich mich eigentlich nicht aussetzen, ohne zugrunde zu gehen. Ich kann ihm aber begegnen, wenn ich es medialisiere. Das heißt, wenn ich vermittelt draufschaue. Und das kann man bis in unsere Zeit eigentlich übertragen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dokumentierte Grausamkeiten aus dem ukrainischen Ort Butscha, verstörende Bilder ungeheurer Zerstörung und Gewalt aus Gaza, unerträgliche Aufnahmen von Morden der Hamas…</p>
<p>O-Ton 5 Mergenthaler</p>
<p>Das ist entsetzlich, was wir da zu sehen haben. Wir gucken es aber an, auf dem TV-Bildschirm, auf dem Handy, und halten das irgendwie aus. Und so würde ich sagen das ist das ist das, was uns der der Mythos im Grunde für heute liefern kann: mit dem mit dem Entsetzlichen, mit dem Grauenhaften Können wir irgendwie umgehen, wenn es eingekastelt wird, nicht, wenn es auf einem kleinen Bildschirm ist, der jederzeit signalisiert: das ist nicht in echt, das ist eine Repräsentation des Schrecklichen. Und dann lässt sich das bearbeiten, bewältigen und aushalten in irgendeiner Form. Das ist also das sozusagen das medientheoretisch Interessante am Mythos.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mythos bedeutet zu erzählen. Aber warum erzählen wir? </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Indem wir erzählen, übernehmen wir die Kontrolle. Der Literaturwissenschaftler Volker Mergenthaler:</p>
<p>O-Ton 6 Mergenthaler </p>
<p>Ich kann etwas in eine Ordnung bringen, das Unstrukturierte, das Schreckenerregende dieses Gegenübers, kann ich in eine Ordnung übertragen, indem ich sie auf die auf die Spiegelfläche bringe oder indem ich sie in eine Erzählung überführe. Beides sind Formen der Medialisierung. beides sind Formen der Strukturierung und der Ordnung. Und insofern Mythos das Schreckliche erzählt und weiterträgt und transformiert ist es immer auch eine Form der Kontrolle der Rationalisierung. Von daher ist dieser Medialisierungskniff, den Perseus mit Hilfe der Athene vollzogen hat, eben mythos-theorethisch interessant, aber auch für ganz moderne Medientheorie immer noch ganz brauchbar.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Mercy In Darkness”; Album: Archangel; Label: Two Steps From Hell </p>
<p>Athene nahm das Haupt der Gorgo in die Mitte ihres Schildes.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Als Unheil abwehrendes magisches Schutz- und Schreckmittel schmückt das sogenannte Gorgoneion fortan Waffen, Wagen, Schiffe, Stadt-mauern, Amulette, Gewänder, Möbel und Sarkophage.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der abgeschlagene Kopf ist ein Zeichen, das Macht demonstriert. Das Ungeheuer ist besiegt - doch zugleich gegenwärtig. </p>
<p>((ZITATORIN</p>
<p>Vor dem Anblick jedem stirbt des Lebens Hauch.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Antlitz der Medusa behält seine Wirkung: Zunächst als bluttriefend hervorgezogenes Haupt und später als Abbild auf dem Schild.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Enthauptung: blutige Machtdemonstration von Königen, Revolutionären und Terrorristen. ))</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber was genau speziell am Haupt der Medusa ist so schrecklich? Und: Wie ist dieses schreckliche Monster entstanden? </p>
<p>ZITATORIN (geflüstert) </p>
<p>accipe quaesiti causam. clarissima forma</p>
<p>multorumque fuit spes invidiosa procorum</p>
<p>illa, nec in tota conspectior ulla capillis</p>
<p>pars fuit: inveni, qui se vidisse referret.</p>
<p>hanc pelagi rector templo vitiasse Minervae</p>
<p>dicitur: aversa est et castos aegide vultus</p>
<p>nata Iovis texit, neve hoc inpune fuisset,</p>
<p>Gorgoneum crinem turpes mutavit in hydros.</p>
<p>nunc quoque, ut attonitos formidine terreat hostes,</p>
<p>pectore in adverso, quos fecit, sustinet angues.</p>
<p>(darüber)</p>
<p>Höre den Grund des, was du erfragst. Obsiegend in Schönheit</p>
<p>War der beneidete Wunsch zahlreicher Bewerber Medusa;</p>
<p>Aber es fiel kein Teil an der ganzen Gestalt in das Auge</p>
<p>Mehr, als das Haar. So hört&#39; ich von manchen, die selbst es gesehen.</p>
<p>Diese entehrt der Fürst des Meers, wie es heißt, in Minervas Tempel.</p>
<p>(wegblenden)</p>
<p>[Von hinnen gewandt hielt Iupiters Tochter die Aigis</p>
<p>Vor ihr keusches Gesicht, und damit nicht fehlte die Strafe,</p>
<p>Ließ sie der Gorgo Haar sich wandeln in scheußliche Hydern.</p>
<p>Jetzt noch immer, mit Angst zu schlagen erbebende Feinde,</p>
<p>Trägt sie vorn auf der Brust von ihr selber geschaffene Schlangen.]</p>
<p>darüber</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im ersten Jahrzehnt nach Christi Geburt erzählt auch der antike römische Dichter Ovid in seinem mythologischen Gedicht „Metamorphosen“ von Perseus und Medusa.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 7 Grossi I </p>
<p>Und eine Innovation des Ovid ist, dass er uns jetzt aber noch einen Hintergrund zu dieser Figur erzählt. Und zwar sei diese Gorgone, diese Medusa, nicht einfach immer schon ein Monster gewesen, sondern sie sei ursprünglich mal eine wunderschöne junge Frau gewesen, die sich vor männlichen Verehrern kaum retten konnte und vor menschlicher Aufmerksamkeit. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Althistorikerin Giulia Grossi hat sich dem Medusa-Mythos aus feministischer Perspektive genähert.</p>
<p>O-Ton 8 Grossi </p>
<p>Und diese wunderschöne junge Frau war allerdings eine Priesterin der Athene, also der Göttin, die später ganz wesentlich zu ihrem Tod beiträgt. Und ja, diese ungewollte männliche Aufmerksamkeit ist leider ein Leitmotiv ihres Lebens, denn sie zieht eben die Aufmerksamkeit von Poseidon beziehungsweise Neptun, auf sich, dem Meeresgott. Und dem kann sie leider nicht entkommen. Denn der tut ihr sexualisierte Gewalt an, und zwar in dem Tempel der Athene. Und statt also ihrer Schutzbefohlenen zu Hilfe zu kommen, sieht Athene das als ein schweres Vergehen gegen sie selbst, gegen die Integrität dieser Göttin und der Integrität dieses Heiligtums. Und sie bestraft Medusa dafür, indem sie ihr ein furchtbares Aussehen verleiht eben durch beispielsweise das Schlangenhaar, was heute noch ein sehr bekanntes Motiv oder das bekannteste ikonografische Motiv der Medusa ist und sie eben gleichzeitig auf diese Insel verbannt. Und zudem noch diese schreckliche Gabe des ja das versteinernden Blickes, was diese arme Frau, zusätzlich auch noch isoliert, komplett.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Mercy In Darkness”; Album: Archangel; Label: Two Steps From Hell</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Medusa wird vergewaltigt und dafür auch noch bestraft, von der, die sie eigentlich beschützen sollte, ihrer Priesterin.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sie wird also keineswegs nur Opfer männlicher Gewalt, sondern zugleich auch des weiblichen Neids.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Meine Locken wanden sich wild in Wut, mein Bewusstsein klammerte sich fest am Hass, der Wunsch nach Rache erfüllte mich und ich begann mich an ihm zu nähren. Mein Haar verwandelte sich in Vergeltung zischende Vipern und meine Augen sahen die Welt in Stein.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>O-Ton 9 Gross</p>
<p>Wir wissen ganz genau, den Kontext, den politischen Kontext, den gesellschaftlichen Kontext, in dem Ovid schreibt. Und zwar ist es in dem ja ziemlich brisanten Zeitalter des Übergangs einer republikanischen Staatsform in eine monarchisch Staatsform der römischen Kaiserzeit, die eigentlich jetzt beginnt, also mitschreibt um die Zeitenwende der Herrschaft des Augustus, mit dem er ein sehr angespanntes Verhältnis hat. Und er macht gar kein Geheimnis daraus, dass Augustus in seinem Epos als quasi-göttliche Figur gleichgestellt wird. Und ein sehr wichtiges Thema, was sich durch die Metamorphose vor allem die ersten Metamorphosen-Bücher durchzieht, wo auch dieser Medusa-Mythos beziehungsweise Perseus-Mythos drin erzählt, ist die Ohnmacht der Menschen vor göttlicher Macht. Also alle Menschen sind dieser göttlichen Macht, der absoluten Willkür dieser olympischen Götter zu allen Zeiten unterworfen. Und was wir in diesem Epos ja auch sehen, ist, dass es keinerlei Konsequenzen für Athene gibt oder für Perseus, der ja der Held dieser Geschichte ist, und die soll es auch nicht geben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der patriarchalen Weltordnung hat die Schönheit Medusas eine gewaltige Schattenseite: Sie provoziert männliches Begehren und sexualisierte Gewalt. Erst mit der Verwandlung ins schlangenhaar-bewehrte zornige Ungeheuer gewinnt Medusa Sicherheit. Zudem kann sich die Medusa jetzt mit ihrem versteinernden Blick zur Wehr setzen und wird schließlich auch noch auf eine Insel verbannt, auf der sie nur mit ihren gorgonischen Schwestern lebt. Verwandlung und Verbannung gewährleisten also Schutz vor weiterer männlicher Gewalt. Giulia Grossi:</p>
<p>O-Ton 10 Grossi</p>
<p>Die Tatsache, dass Medusa ja Opfer eines sexuellen Übergriffes wurde und das Ganze aber ja keinerlei Konsequenzen für ihren Aggressor einerseits bedeutet hat, andererseits aber auch für diese Gottheit ihre Schutzbefohlene, ihre Patronin, die sie dafür bestraft.</p>
<p>Das ist, glaube ich, ein Motiv, was ganz wichtig wird und ganz emblematisch für diese Auseinandersetzung mit eben der Normalisierung von solcher sexuellen Gewalt. Das ist einfach an der Tagesordnung ist. Und es gibt keine Konsequenzen mehr. Was für Konsequenzen soll es schon geben? Und andererseits eben auch</p>
<p>dieses die Thematik des weiblichen Neides. Dass Frauen gegeneinander ausgespielt werden und wenig Solidarität untereinander zeigen, ist eben auch ein Motiv, was hier ganz gut abgehandelt und diskutiert werden kann.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In den 1960er und 70er Jahren entdeckt der Feminismus den Medusa-Mythos für sich.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es geht um weibliche Autonomie, um Selbstbestimmung, die sich eben auch auf sexuelle Selbstbestimmung erstreckt. Um autonome Organisations- und Lebensformen – die drei Gorgonen leben frei und unabhängig - ohne Männer – ihr eigenes Leben. Eine autonome Gemeinschaft, die sich mittels des versteinernden Blicks der Medusa auch verteidigen kann.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Mercy In Darkness”; Album: Archangel; Label: Two Steps From Hell </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Es reicht Medusa ins Gesicht zu schauen, um sie zu sehen: und sie ist nicht tödlich. Sie ist schön und sie lacht.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Schreibt die französische Schriftstellerin Hélène Cixous in ihrem Essay „Das Lachen der Medusa“ aus dem Jahr 1975, der als ein Schlüsseltext der feministischen Theorie gilt.</p>
<p>O-Ton 11 Grossi II</p>
<p>Und Hélène Cixous eben dann darauf verweist, eben einerseits diese männliche Angst, die sich in Medusa manifestiert, vor weiblicher Selbstbestimmung und vor weiblicher Macht und andererseits die Tatsache eben, dass Medusa eine schöne Frau gewesen sei und gelacht hat.(…) 04:06 Dass eben diese männliche Angst vor weiblicher M acht, die jahrhundertelang eben zu solcher Unterdrückung geführt hat und eben auch zu einer Selbstunterdrückung von Frauen versucht zu lösen. Und eben die Selbstbestimmung und Freiheit von Medusa unterstreicht und nicht das Gefährliche, das ihre Schönheit hatte, auch aus weiblicher Perspektive die Gefahr eines sexuellen Übergriffs, sondern eben die Freiheit, die solche Schönheit und sexuelle Selbstbestimmtheit mit sich bringen kann.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Mercy In Darkness”</p>
<p>Als Gefangene meiner selbst sehne ich mich danach, mein zischendes Haar abzuwerfen, meine verhängnisvollen Augen zu schließen, die verdreht sind von einer Wut, die ich nie wollte…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Weit weniger optimistisch nähern sich Dichterinnen wie die amerikanische Lyrikerin Ann Stanford dem Medusa-Mythos. Düster und schonungslos erzählen sie von der Vergewaltigung durch Poseidon aus der Ich-Perspektive. Endlich erhält Medusa selbst eine Stimme. Und es ist keine göttliche Strafe, sondern die Wut über Poseidons Angriff, die Medusa verwandelt.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Mein zorngetränkter Blick tötete alles Lebendige. Ich war allein. Ich bin allein.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Medusas entstelltes Antlitz: der Ausdruck weiblicher Wut. Wut, die seit jeher keinen Platz in der patriarchalen Gesellschaft hatte - sanktioniert, pathologisiert, weggeschlossen, wegerzogen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Medusa bleibt eine zutiefst ambivalente Figur: furchteinflößend und als Zeichen zugleich schützend.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Opfer männlicher sexueller Gewalt einerseits, Symbolfigur autonomer Weiblichkeit andererseits.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Mythos Medusa wird fortgeschrieben: Die Gorgone tritt in Computerspielen wie „Heroes of Might and Magic“, „God of War“ oder „Assassin’s Creed“ auf. In Kinoblockbustern wie „Kampf der Titanen“ in Jugend-Fantasy wie „Percy Jackson“…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>2022 veröffentlicht die britische Schriftstellerin Natalie Haynes ihren Roman „Stone Blind – Der Blick der Medusa“.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Kopf der Gorgone werde hier zum Symbol dafür, wie Geschichten durch die Zeit verzerrt werden können und eine neue und kraftvolle Resonanz erhalten, urteilt „The Guardian.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>2022 hat an den Münchner Kammerspielen „Like Lovers Do (Memoiren der Medusa)“ der israelischen Autorin Sivan Ben Yishai Premiere. Yishai schildert schonungslos in ihrem klageliedartig komponierten Textgeflecht alle erdenklichen Details sexualisierter Gewalt. Im Mai 2023 führt Sabine Fischmann das Stück „#MeToo Medusa. Ein feministischer Wutausbruch“ im Frankfurter Stalburg Theater auf.</p>
<p>MUSIK privat Take 001 „Mercy In Darkness”</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>Ich bin die für schuldig befundene Unschuldige. Die man enthauptete, während sie schlief. Deren verstümmelte Überreste ganze Heere in Schrecken versetzen. Ich bin, was nach einer Vergewaltigung von einer Frau bleibt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Medusa-Varianten, die Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, ihre eigene Stimme zurückzugeben versuchen. Medusa steht heute mehr denn je für ein sehr intimes und persönliches Thema, das zugleich doch höchst politisch ist.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Astrid Lindgren –  Wie der Krieg sie zur Kinderrechtlerin machte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/astrid-lindgren-wie-der-krieg-sie-zur-kinderrechtlerin-machte/2106687</link>
      <pubDate>Fri, 20 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">5703af6f-6f53-4cde-af90-99a136a780ff</guid>
      <description>Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, hält Astrid Lindgren als junge Frau ihre Eindrücke von der Zerstörung und Inhumanität der Nationalsozialisten in einem politischen Tagebuch fest. Es sind auch die Jahre, in denen sie Pippi Langstrumpf erfindet. Von Steffi Illinger</description>
      <enclosure length="23250048" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106687/c/feed/astrid-lindgren-wie-der-krieg-sie-zur-kinderrechtlerin-machte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:13</itunes:duration>
      <itunes:author>Steffi Illinger</itunes:author>
      <itunes:summary>Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, hält Astrid Lindgren als junge Frau ihre Eindrücke von der Zerstörung und Inhumanität der Nationalsozialisten in einem politischen Tagebuch fest. Es sind auch die Jahre, in denen sie Pippi Langstrumpf erfindet. Von Steffi Illinger</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e592e638-91c1-4c08-86ef-9e197ef3085e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, hält Astrid Lindgren als junge Frau ihre Eindrücke von der Zerstörung und Inhumanität der Nationalsozialisten in einem politischen Tagebuch fest. Es sind auch die Jahre, in denen sie Pippi Langstrumpf erfindet. Von Steffi Illinger</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Steffi Illinger<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Stefan Merki, Katja Schild<br/> Technik: Frank Brunier<br/> Redaktion: Katharina Hübel</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Micke Bayart, deutsch-schwedischer Journalist<br/><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></strong></p>
<p><strong>Kinderbücher der Nachkriegszeit - Und was lesen wir jetzt?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kinderbuecher-der-nachkriegszeit-und-was-lesen-wir-jetzt/bayern-2/12416263/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Josef Guggenmos - Der Poet für kleine Leute<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/josef-guggenmos-der-poet-fuer-kleine-leute/bayern-2/10806125/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „<strong>Ein Zimmer für uns allein</strong>“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/> Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>.</p>

<p>Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. <a title="Bayern 2 FrauenGeschichte Instagram" href="https://www.instagram.com/frauen_geschichte/"><strong>EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Astrid Lindgren: „Die Menschheit hat den Verstand verloren. Tagebücher 1939-1945.“ Namen der Übersetzerinnen. Ullstein, 2015. </p>
<p></p>
<p>Astrid Lindgren: „Niemals Gewalt!“ Oetinger, 2017. </p>
<p>Micke Bayart: „Als Pippi nach Deutschland kam.“ Oetinger, 2025.</p>
<p></p>
<p>Jens Andersen: „Astrid Lindgren.</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskript-radiowissen-astrid-lindgren-kinderbuch-schriftstellerin-schweden-literatur-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Sprecher</p>
<p></p>
<p>Es ist eine Preisverleihung, der eine kontroverse Diskussion vorausgeht, damals am 22. Oktober 1978: Im Zentrum Astrid Lindgren und die Rede, die sie gleich halten wird. Die Schwedin soll für ihre Kinderbücher den renommierten Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen bekommen. Erstmals hat sich das Buchpreiskomitee für eine Kinderbuchautorin entschieden. Genauer: für die bekannteste der Welt. Kinderbuchliteratur steht damals in keinem hohen Ansehen und Astrid Lindgren wird vorgeworfen, oft eine allzu heile Welt zu beschreiben. </p>
<p>01 OT Astrid Lindgren: </p>
<p>Sie, meine Freunde, haben Ihren Friedenspreis einer Kinderbuchautorin verliehen, und da werden Sie sich kaum weiter politische Ausblicke oder Vorschläge zur Lösung internationaler Probleme erwarten. Ich möchte zu Ihnen über die Kinder sprechen. Über meine Sorge um sie, und meine Hoffnungen für sie…</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Tatsächlich hat sie eine höchst politische Rede dabei, eine Rede, die sie zuvor dem Buchpreiskomitee geschickt hat und die dort wenig Begeisterung auslöste. </p>
<p>02 OT Astrid Lindgren</p>
<p>Die jetzt Kinder sind, werden ja einstmals die Geschäfte dieser Welt übernehmen, sofern jetzt noch etwas von ihr übrig ist. Sie sind es, die über Krieg und Frieden entscheiden werden und darüber, in was für einer Gesellschaft sie leben wollen, in einer, in der Gewalt nur ständig weiterwächst, oder in einer, wo die Menschen in Frieden und Eintracht miteinander leben.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>„Niemals Gewalt!“ ist eine Rede gegen das damalige Recht der Eltern, ihre Kinder körperlich zu züchtigen: Gewalterfahrung in der Kindheit erzeugt gewaltbereite Erwachsene, davon ist Astrid Lindgren überzeugt. Ihre Rede gilt heute als ein Manifest – damals stößt sie eine Debatte an: Sowohl in Schweden als auch in Deutschland war es damals legal, körperlich zu züchtigen. Und auch moralisch sahen viele, fast ein Vierteljahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkrieges, kein Problem in einer Ohrfeige oder einer Tracht Prügel. Anders Astrid Lindgren.</p>
<p>03 O-Ton: Micke Bayart </p>
<p>Und das finde ich auch ist eine Stärke, dass sie den braunen Mief aus den Kinderstuben rausgefegt hat, um den Kindern neue Perspektiven zu geben, die gute Welt zu zeigen. Eben … man kann Macht haben, aber man muss gut dabei sein. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Micke Bayart hat sich intensiv mit Astrid Lindgren auseinandergesetzt. Der in Stockholm lebende deutsch-schwedische Journalist hat seine Recherchen unter dem Titel „Als Pippi nach Deutschland kam“ veröffentlicht. Mit Deutschland hat sich Astrid Lindgren ein Leben lang auseinandergesetzt. </p>
<p>MUSIK 2 (Hugo Aliven: Elegie. An Emil Sjögrens Bahre 0’37)</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>Oh! Heute hat der Krieg begonnen. Niemand wollte es glauben. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Es ist der 1.September 1939.</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>Gestern Nachmittag saßen Elsa Gullander und ich im Vasapark, die Kinder liefen und spielten um uns herum, und wir schimpften ganz gemütlich auf Hitler und waren uns einig, dass es wohl keinen Krieg geben würde – und dann das! Die Deutschen haben heute früh mehrere polnische Städte bombardiert…</p>
<p>Sprecher</p>
<p>…notiert Astrid Lindgren in ihr Tagebuch. 2015 sind diese Tagebücher aus den Jahren 1939-1945 unter dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ auch auf Deutsch erschienen. Astrid Lindgren ist 32 Jahre alt, als sie sie zu schreiben beginnt, und lebt mit Ehemann und zwei Kindern in Stockholm. </p>
<p>MUSIK 3 ( Martin Frank: Ballade für Posaune und Orchester 0‘40)</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren</p>
<p>Über allem liegt eine furchtbare Beklemmung…Gott bewahre unseren armen, vom Wahnsinn heimgesuchten Planeten.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Für Astrid Lindgren muss dieser Tag eine existentielle Erschütterung bedeutet haben und eine Zäsur: Obwohl sie als Schwedin zunächst wenig vom Kriegsgeschehen betroffen ist, beginnt sie eine Art Kriegstagebuch zu führen. Neben privaten Notizen, Beobachtungen über ihre Kinder und Alltagserlebnissen hält sie das Weltgeschehen fest. 17 Klatten füllt sie damit bis Kriegsende. In einem Interview für das schwedische Fernsehen wird sie später erzählen:</p>
<p>04 OT Astrid Lindgren</p>
<p>Ich hasste Hitler aus tiefstem Herzen. Ich spürte eine tiefe Wut über den Nationalsozialismus und dieses Gefühl war meine erste starke politische Überzeugung.</p>
<p>MUSIK 4 ( Slagr: Gamletun 1‘08)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Ab der Jahreswende 1940 greift sie auch immer öfter zu Schere und Klebstoff, sie schneidet Zeitungsartikel aus, fasst Gelesenes zusammen und kommentiert. Am 20. Juli 1940 klebt sie erstmals Hitler im Profil ein – bei einer Rede vor dem deutschen Reichstag, und kommentiert:</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren</p>
<p>Und er wird an Grausamkeit alles übertreffen, was die Welt bisher gesehen hat.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Fast noch größer ist ihre Abneigung gegen Stalin, der ab 1939 beginnt, den Ostseeraum zu unterwerfen:</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren </p>
<p>Heute haben drei freie Länder aufgehört zu existieren – Estland, Lettland und Litauen. Am 18. November 1918 wurde ihre Selbstständigkeit proklamiert. 22 Jahre Aufbauarbeit, alles für die Katz, seitdem die Sowjetunion die Länder ihrer Republiken einverleibt hat. Man hat keine Kraft mehr für Mitleid – sonst ist es eine Tragödie…</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Schweden ist nicht direkt in die Kriegshandlungen verwickelt. Vom friedlichen Stockholm aus beobachtet Astrid Lindgren, wie rund um ihr Heimatland Nordeuropa im Chaos versinkt. </p>
<p>MUSIK 5 ( Slagr: Lyngdalen 0’59)</p>
<p>1940 werden Dänemark und Norwegen durch Deutschland angegriffen, die baltischen Länder gehen in der Sowjetunion auf, Finnland wird von Stalin in einen Grenzkrieg um die Region Karelien verwickelt. Anfangs betreiben die Schweden eine deutschlandfreundliche Politik: Sie erlauben der Wehrmacht Truppentransporte durch ihr Land, sind ein wichtiger Handelspartner des dritten Reiches und obwohl schwedische Zeitungen über die Judenverfolgung in Deutschland berichten, wird dies nicht als Fluchtgrund anerkannt. Man möchte es sich mit den Deutschen nicht verderben – denn die in der Ostsee präsente Sowjetunion gilt als der gefährlichere Gegner. Doch auch Astrid Lindgren bekommt die Folgen des Krieges zu spüren, indirekt, wie eingeklebte Rationierungsmarken von Lebensmitteln für ihre kleine Familie dokumentieren. </p>
<p>05 OT Micke Bayart </p>
<p>Auf der einen Seite, du bekommst mit, was vor deiner eigenen Haustür passiert, alles Schreckliche, die Toten, die Opfer, nicht nur Erwachsene, also Männer, Soldaten, Frauen und auch Kinder vor allem, die unter den Kriegsereignissen zu leiten hatten. Und dann bist du gleichzeitig daheim in deiner sicheren Welt, in Anführungszeichen, und kannst trotz allem ein relativ normales Leben weiterleben. … Und da hat sie auch ein ganz spezielles Feingefühl entwickelt für ihre Sichtweise auf das Leben insgesamt und auf die Kinder. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Astrid Lindgren informiert sich vor allem über schwedische Tageszeitungen. Aber das sind nicht ihre einzigen Quellen. Sie hat ab 1940 eine höchst brisante Nebenerwerbstätigkeit aufgenommen. Ihre „Drecksarbeit“, wie sie den Job nennt: Sie verdient in der Postzensur im Stockholmer Zentralpostamt dazu, ihr Arbeitgeber ist der schwedische Geheimdienst. Nachts öffnet sie Briefe von und nach Deutschland über Wasserdampf, um militärische Geheimnisse unkenntlich zu machen. Für ihre Tätigkeit muss sie strenge Geheimhaltung zusichern, aber in den Tagebüchern fasst sie Briefe zusammen, die sie erschüttern, manchmal schreibt sie diese sogar ganz ab:</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren</p>
<p>Heute hatte ich einen sehr traurigen Brief von einem Juden, ein Zeitdokument in seiner Art. Ein Jude hat in einem Brief einem jüdischen Bekannten in Finnland von der Umsiedlung Wiener Juden nach Polen erzählt. Ich glaube, täglich wurden 1000 Juden unter den schrecklichsten Bedingungen zwangsweise nach Polen transportiert. Hitler beabsichtigt offenbar, ganz Polen in ein einziges Ghetto zu verwandeln, in dem die armen Juden an Hunger und Dreck sterben. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Das ist der Hintergrundsound zu den Jahren, in denen Astrid Lindgren sich endgültig zur Schriftstellerin entwickelt. </p>
<p>MUSIK 6 ( Quadro Nuevo: Hey, Pippi Langstrumpf 0‘49)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Es sind die Jahre, in denen auch eine der berühmtesten Kinderbuchfiguren in ihr heranreift: die Anarchistin Pippi Langstrumpf. Pippi, das bärenstarke Mädchen mit den abstehenden roten Zöpfen, den zu großen Schuhen, den verrutschten, verschiedenfarbigen Strümpfen und dem zu kurzen Kleidchen ist schon optisch der Schrecken aller Erwachsenen. Als Kinderbuchfigur sprengt sie damals Grenzen – sie ist Heldin und Antiheldin zugleich, die auf Ideologie pfeift und die Sitten, Moral und Anstand der Erwachsenen immer wieder ad absurdum führt. Astrid Lindgrens Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg fließen in Pippi Langstrumpf deutlich mit ein, findet Lindgren-Kenner Micke Bayart:</p>
<p>06 OT Micke Bayart </p>
<p>Ja, also sie hat eben auch gemerkt, was Macht bewirken kann. Und das hat sie ja dann auch bei Pippi wieder aufgenommen. Wer Macht hat, muss auch gut sein. Und ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, wie sie dann Pippi letztendlich geschaffen hat. Als Machtmensch, der guten Art. Ich meine, Pippi… sie setzt sich für Ungerechtigkeiten ein. Zum Beispiel, da gibt es eine Szene, in der eine Clique von Jungs einen anderen Jungen verprügeln wollen. Und dann taucht sie auf und sagt, also das ist alles andere als fair. Sie hat ja einen Koffer mit Goldstücken und dann kommen Diebe, …wollen dann ihr klauen und dann gibt sie denen noch Goldstücke als Belohnung in Anführungszeichen…. und …als Pippi im Zirkus ist, bringt sie ja als starkes Mädchen, den starken Adolf zu Fall. Und schon allein der Name Adolf, finde ich, …zeigt in eine Richtung. </p>
<p>MUSIK 7 (Jan Johansson: Hier kommt Pippi Langstrumpf 0‘51)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Diese fröhliche Pippi Langstrumpf lebt in einer Familienkonstellation, die vielen Zeitgenossen damals bekannt vorkommen muss: Sie ist Halbwaise, ihr Vater gilt als vermisst:</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren </p>
<p>Meine Mama ist ein Engel, und mein Papa ist ein Südseekönig. Es gibt wahrhaftig nicht viele Kinder, die so feine Eltern haben!</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Pippi teilt das Schicksal von Millionen von elternlosen, vertriebenen Kriegskindern. Die Geburt von Pippi Langstrumpf fällt ins Jahr 1941; Astrid Lindgren hat das immer wieder so oder so ähnlich beschrieben: Tochter Karin, damals acht Jahre alt, habe krank im Bett gelegen….</p>
<p>07 OT Astrid Lindgren</p>
<p>Erzähl von Pippi Langstrumpf, sagte Karin,…</p>
<p>Sprecher</p>
<p>…und sie gebeten von einer Pippi Langstrumpf zu erzählen, ein Name, der ihr wohl gerade so eingefallen war. </p>
<p>08 OT Astrid Lindgren</p>
<p>Es war ja ein merkwürdiger Name und deshalb wurde es ein merkwürdiges Kind, aber meine Tochter liebte dieses Kind und ich musste ihr dann drei Jahre von Pippi erzählen, jeden Abend, bevor ich selber mit meinem kranken Fuss im Bett liegen musste und die Geschichten niederschreiben konnte.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Astrid Lindgren war eine Meisterin darin, ihre eigene Biografie knapp zu halten, Problematisches auszusparen. Auch die Zeitumstände hat sie selten miterzählt, unter denen ihre Pippi entstand. Und sie hat auch selten und erst spät erzählt, welche eigenen Lebensbrüche da bereits hinter ihr lagen.</p>
<p>MUSIK 8 ( Västgöta-Hambo 0’45)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Geboren 1907 als Astrid Ericsson und aufgewachsen als schwedische Bauerntochter in der smaländischen Kleinstadt Vimmerby. Sie hat das große Glück, eine unbeschwerte und besonders freie Kindheit zu erleben. Sie verbringt diese mit vier Geschwistern und einem sich in großer Zuneigung zugetanen Elternpaar auf einem besonderen Abenteuerspielplatz, dem elterlichen Hof. Diese heile Kinderwelt bleibt Astrid Lindgrens Sehnsuchtsort, der in all ihren Büchern durchscheint: Raum für kindliche Selbstermächtigung und Selbstvertrauen – später ihre zentralen Themen. Ein erster Einschnitt kommt mit der Pubertät: Astrid tanzt gerne wild und ausgelassen zu Jazzmusik und sie schneidet sich als erste junge Frau in Vimmerby die Haare ab. Ein Bruch mit tradierten Frauenbildern. </p>
<p>09 OT Micke Bayart</p>
<p>Also sie hat ja wirklich in ihrer Jugend rebelliert.... Und ich glaube, hinter einer starken Frau wie Astrid Lindgren, starken Persönlichkeiten, gibt es auch immer eine Art dunkle Seite, die man in sich trägt. </p>
<p>MUSIK 9 ( Hop off aus: Jazz-Serie 73 0‘33)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Ihre Jugend endet abrupt, eine traumatische Erfahrung, über die sie selbst zu Lebzeiten kaum gesprochen hat. Es sind die goldenen Zwanziger Jahre – eine Aufbruchszeit für junge Frauen, auch in Schweden: Auf Grund ihres Schreib-Talentes erhält Astrid als 16-Jährige einen Ausbildungsplatz in der lokalen Tageszeitung. Ausgerechnet der über zwanzig Jahre ältere Chefredakteur verliebt sich in sie, ein Familienvater mit sieben Kinder. Mit 18 Jahren ist Astrid von ihm schwanger, wird zum Stadtgespräch und ungewollt in den Scheidungskrieg ihres Vorgesetzten verwickelt. Astrid beschließt, allein nach Stockholm zu gehen, dort eine Ausbildung zur Sekretärin zu machen und ihr Kind fern der Heimat auf die Welt zu bringen: Ihren Sohn Lasse bringt sie 1926 schließlich in Kopenhagen zur Welt, in dem einzigen Entbindungsheim in ganz Skandinavien, in dem ledige Mütter den Namen des Vaters nicht angeben müssen. </p>
<p>MUSIK 10 (Slagr: Folkevise 1’02)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Astrid ist 19, als sie Mutter wird und sie hätte sich dazu entschließen können, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Aber Astrid Ericsson kämpft um eine Zukunft mit ihrem Sohn. Zunächst muss sie ihn, mittellos und auf sich gestellt, bei einer Pflegemutter in Dänemark zurücklassen. Sie geht zurück nach Stockholm, arbeitet weiter als Sekretärin und sooft sie das Geld für eine Fahrkarte zusammengespart hat, besucht sie ihr Kind. Als die Pflegemutter schwer erkrankt, holt sie Lasse schließlich zu sich– und weil das für eine alleinerziehende und berufstätige Mutter auch keine Lösung ist, bringt sie ihn schließlich zu ihren Eltern. Lasse leidet sehr unter den ständigen Abschieden und wechselnden Bezugspersonen und Astrid leidet mit ihrem Kind: </p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>Da legte er sich vornüber gebeugt auf einen Stuhl und weinte leise. Ganz leise, als ob er einsah, dass es doch keinen Sinn hatte, die machen mit mir sowieso, was sie wollen! Dieses Weinen weint immer noch in mir und das wird es wohl bis ans Ende meiner Tage tun. Vielleicht war es um dieses Weinen willens, dass ich in allen Zusammenhängen immer so stark die Partei der Kinder ergriffen habe.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Zu schreiben beginnt Astrid erst wieder, als ihr Leben schließlich in ruhigeren Bahnen verläuft: Sie lernt Sture Lindgren kennen, auch er sehr belesen und ihr Chef – die beiden heiraten und holen Lasse nach Stockholm, 1934 kommt Tochter Karin zur Welt, das gutbürgerliche Familienglück scheint perfekt. Endlich darf Astrid Mutter sein – und sie beginnt ihre Kinder, sehr, sehr genau zu beobachten, hält deren Entwicklungsschritte akribisch fest – das ist der Beginn als Tagebuchschreiberin. Aber auch die Geschichtenerzählerin Astrid Lindgren unternimmt erste Versuche, veröffentlicht kleine Geschichten und Märchen. </p>
<p>10 OT Micke Bayart</p>
<p>Es war was ganz Neues von der damaligen Kinderliteratur, die immer nur aus der Erwachsenenperspektive geschrieben war. Und auf einmal war eben hier das Kind Mittelpunkt. Und das, glaube ich, war sehr, sehr wichtig und war wie eine kleine Revolution.</p>
<p>MUSIK 11 (Quadro Nuevo: Hey, Pippi Langstrumpf 0‘15)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Als Astrid Lindgren sich dann 1944 im Winter den Fuß verstaucht und Bettruhe verordnet bekommt, beginnt sie, die Geschichten von Pippi Langstrumpf aufzuschreiben, die sie ihrer Tochter über zwei Jahre lang immer wieder erzählt hatte. </p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>März 1944</p>
<p>An der Heimatfront hat Karin die Masern gehabt, und zwar mit allem Drum und Dran, und darf noch nicht aufstehen. – Ich amüsiere mich gegenwärtig mächtig mit Pippi Langstrumpf. </p>
<p>1.April </p>
<p>…Ich lese der Maughams „Der Menschen Hörigkeit“ und schreibe weiter an Pippi Langstrumpf… (KT, S.373)</p>
<p>21.Mai</p>
<p>…Heute ist Karin zehn geworden, ihr fünfter Geburtstag, den wir im Krieg feiern… (KT, S.376)</p>
<p>MUSIK 12 ( Quadro Nuevo: Hey, Pippi Langstrumpf 0‘15)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Auf dem Gabentisch liegt unter anderem:</p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>…das Manuskript von Pippi Langstrumpf in einem hübschen schwarzen Ordner.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Auf das Deckblatt hat Astrid Lindgren ein Mädchen mit abstehenden roten Zöpfen und verschiedenfarbigen Strümpfen gezeichnet. Von Anfang an muss sie an eine Veröffentlichung gedacht haben – denn bereits ein paar Wochen vorher schickt sie ihr Manuskript an einen Verlag: </p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>Pippi Langstrumpf ist, wie Sie feststellen werden,</p>
<p>falls Sie sich die Mühe machen, das Manuskript zu lesen, ein</p>
<p>kleiner Übermensch in kindlicher Gestalt, angesiedelt in einem</p>
<p>ganz normalen Umfeld.</p>
<p>MUSIK 13 (Pippi (O.S.T.): Ich vermisse dich Vater 1‘03)</p>
<p>11 OT Micke Bayart</p>
<p>Und als sie ihr Originalmanuskript damals eingereicht hat, hat sie auch geschrieben, ich weiß, dass Pippi entspricht nicht der Kinderbuchliteratur, wie wir es heute gewohnt sind und sie hat dann auch das Schreiben beendet mit in der Hoffnung, dass Sie jetzt nicht das Jugendamt alarmieren. Also sie wusste schon, dass sie hier was Neues geschaffen hat mit Pippi, also das darf man nicht nur auf die körperliche Stärke reduzieren. Ich meine, klar, sie ist ein Mädchen und kann ein Pferd heben. Aber sie ist ja auch unabhängig und freidenkend.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Erst ein weiterer Verlag ist bereit, ihr Manuskript zu drucken. 1945, ein halbes Jahr nach Kriegsende erscheint Pippi erstmals in Schweden. In Deutschland lehnen fünf Verlage ihr Manuskript ab, so kurz nach Kriegsende passt ihre Kinderfigur nicht in die noch vom Nationalsozialismus geprägten Kinderstuben. Doch es gibt auch andere, wie den Hamburger Verleger Friedrich Oetinger (gesprochen mit langem Ö), der die Geschichten um die unkonventionelle Heldin veröffentlicht –1949 kommt Pippi in Deutschland raus. Sie trifft auf heftige Ablehnung bei den Rezensenten, hat aber auch wichtige Fürsprecher wie Louise Hartung, einer Pädagogin im Berliner Jugendamt: </p>
<p>12 OT Micke Bayart</p>
<p>Die hat in Pipi wirklich eine sehr wichtige und starke Demokratiehilfe gesehen und hat sich dafür eingesetzt, dass die Kinder in Berlin, im Nachkriegsberlin Pippi lesen können, um zu lernen, was Demokratie sein kann und was Demokratie ist. Und das war ein Befreiungsschlag ohne Gleichen.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Astrid Lindgren veröffentlicht nach Pippi noch zahlreiche Bücher – ihre Heldinnen und Helden sind meist ganz normale Kinder, die sich oft gegen die Welt der Erwachsenen und der ihr scheinbar innewohnenden Logik wenden. Doch wie Pippi wissen ihre Kindergestalten instinktiv, was sich richtig und gut und was sich falsch und gemein anfühlt. Mit dieser Haltung prägt Astrid Lindgren die schwedische Kinderbuchliteratur; sie liefert ihrem Verlag nicht nur Bücher – sie arbeitet dort auch als Lektorin, und verhilft anderen Kinderbuchautoren zum Durchbruch. In politische Debatten mischt sie sich erst spät ein, als sie schließlich Anfang der 1970er Jahre in Rente geht. </p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>Auch zukünftige Staatsmänner und Politiker werden zu Charakteren geformt, bevor sie das 5. Lebensjahr erreicht haben. Das ist erschreckend, aber es ist wahr.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Auch dies ein Ausschnitt aus Astrid Lindgrens so berühmter Rede „Niemals Gewalt!“ von 1978. Sie erzählt darin auch von einem Erlebnis, das ihr eine alte Dame berichtet hatte: Diese hatte in jüngeren Jahren einen kleinen Sohn. Und als er mal was angestellt hatte, meinte sie, er müsste bestraft werden. Sie schickte das Kind in den Garten, wo er einen Stock für seine Züchtigung suchen sollte: </p>
<p>Zitatorin Astrid Lindgren:</p>
<p>Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: &#39;Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast Du einen Stein, den kannst Du ja nach mir werfen.&#39; Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben: Meine Mutter will mir wirklich wehtun. Und das kann sie ja auch mit einem Stein. Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche und dort blieb er liegen, als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: Niemals Gewalt!</p>
<p>MUSIK 14 ( Pippi (O.S.T.): Gute Nacht 0’22)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Astrid Lindgrens Rede ist wirkmächtig. 1979, ein Jahr später, stellt Schweden per Gesetz Gewalt gegen Kinder unter Strafe; gute zwanzig Jahre später, im Jahr 2000, wird auch in Deutschland die Prügelstrafe abgeschafft. </p>
<p>13 OT Astrid Lindgren</p>
<p>Müssen wir ihnen denn nicht wenigstens daheim durch unser Beispiel zeigen, dass es eine andere Art zu leben gibt? Vielleicht wäre es gut, wenn wir alle einen kleinen Stein auf das Küchenbord legten als Mahnung für uns und für die Kinder: NIEMALS GEWALT! </p>
<p>MUSIK 14 (Pippi (O.S.T.): Gute Nacht 0’33)</p>
<p>14 OT Micke Bayart </p>
<p></p>
<p>Astrid Lindgren ist also immer noch die gute Seele von Schweden. Und vor allem in den Zeiten, in denen wir uns jetzt befinden, denke ich manchmal persönlich, was hätte Astrid dazu gesagt, mit dem Gedanken mit dem Ukraine-Krieg, wie die Welt sich verändert. </p>
<br/>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hedwig Porschütz – Verachtete Heldin</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hedwig-porschuetz-verachtete-heldin/2107635</link>
      <pubDate>Fri, 20 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">3c965e7a-b11a-4391-b8af-eca0e70693b8</guid>
      <description>Hedwig Porschütz riskierte im Nationalsozialismus ihr Leben: Sie versteckte in ihrer Wohnung in Berlin vier Jüdinnen und nutzte ihr Händchen für Schwarzmarkt-Geschäfte, um jüdischen Verfolgten zu helfen. Statt Anerkennung bekam die Ex-Prostituierte nach dem Krieg Verachtung zu spüren.Autorin: Karin Becker (BR 2025)  </description>
      <enclosure length="21108096" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107635/c/feed/hedwig-porschuetz-verachtete-heldin.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Becker, Karin</itunes:author>
      <itunes:summary>Hedwig Porschütz riskierte im Nationalsozialismus ihr Leben: Sie versteckte in ihrer Wohnung in Berlin vier Jüdinnen und nutzte ihr Händchen für Schwarzmarkt-Geschäfte, um jüdischen Verfolgten zu helfen. Statt Anerkennung bekam die Ex-Prostituierte nach dem Krieg Verachtung zu spüren.Autorin: Karin Becker (BR 2025)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2703a1df-0ef0-46a6-a888-be75d1fb5de7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hedwig Porschütz riskierte im Nationalsozialismus ihr Leben: Sie versteckte in ihrer Wohnung in Berlin vier Jüdinnen und nutzte ihr Händchen für Schwarzmarkt-Geschäfte, um jüdischen Verfolgten zu helfen. Statt Anerkennung bekam die Ex-Prostituierte nach dem Krieg Verachtung zu spüren.Autorin: Karin Becker (BR 2025)  </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Karin Becker<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen:Maren Ulrich, Hemma Michel, Christian Baumann, Friedrich Schloffer<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin<br/><br/></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Gedenkstätte Stille Helden (Helfern und Helferinnen von Juden und Jüdinnen in der NS Zeit): [<strong><a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.gedenkstaette-stille-helden.de/stille-helden/biografien/biografie/detail-169">EXTERN</a>]</strong></p>
<p>Homepage der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin<strong>: [<a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.gdw-berlin.de/home/">EXTERN</a>]</strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-hedwig-porschuetz-wiederstand-ns-ehrung-helden-heldin-gedenken-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Literatur-Tipps:</p>
<p>- Johannes Tuchel: Hedwig Porschütz. Die Geschichte ihrer Hilfsaktionen für verfolgte Juden und ihrer Diffamierung nach 1945. Berlin 2010 – Ausführlichste Beschreibung von Hedwig Porschütz‘ Biografie.</p>
<p>- Inge Deutschkron: Sie blieben im Schatten. Ein Denkmal für „stille Helden“. Berlin 1996. Persönliche Berichte von Inge Deutschkron und anderen überlebenden Juden und Jüdinnen über die Hilfe, die sie durch verschiedene deutsche Helferinnen und Helfer erfahren haben und die so lange unbeachtet blieb.</p>
<p>- Robert Kain: Otto Weidt: Anarchist und »Gerechter unter den Völkern« (Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Reihe A: Analysen und Darstellungen), Berlin 2017. Ausführliche Darstellung des Anarchisten und Draufgängers Otto Weidt und seines Netzwerks von Helfern und Helferinnen, zu dem auch Hedwig Porschütz gehörte. Hedwig Porschütz sind 10 Seiten gewidmet.</p>
<p>- Dennis Riffel: Unbesungene Helden. Die Ehrungsinitiative des Berliner Senats 1958 bis 1966. Metropol 2007. Aufschlussreiche Publikation zur bundesdeutschen Gedenkkultur an Hilfen für Verfolgte des NS-Regimes.</p>
<br/>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p>ZITATORIN (leicht flüsternd, heimlich gesprochen) </p>
<p>„Liebe Hede, alle Pakete vollinhaltlich bestens dankend erhalten. Grüße Euch voll unbeschreiblicher Sehnsucht.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das schreibt die Jüdin Alice Licht am 26.3.1943 heimlich aus dem Lager Theresienstadt an eine Frau mit Spitznamen „Hede“. Ihre liebevollen Worte sind - verbotenerweise - handschriftlich auf einer vorgedruckten Postkarte ergänzt. Eigentlich hätte Alice Licht nur förmlich den Erhalt der Sendungen bestätigen dürfen. </p>
<p>Sie richtet die Zeilen „voll unbeschreiblicher Sehnsucht“ an eine Hedwig Porschütz. Die Karte ist eine der ganz wenigen, erhaltenen privaten Quellen zu dieser besonderen Frau. Und ein kurzes Aufblitzen der heimlichen Innigkeit zwischen einer Verfolgten und ihrer Verbündeten – im gemeinsamen Kampf gegen den Völkermord der Nationalsozialisten. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hedwig Porschütz gehört zu einem Netzwerk aus Helferinnen und Helfern in Berlin, das 1943 mehr als 150 Pakete mit Lebensmitteln befüllt und nach Theresienstadt verschickt. Letztlich retten die Sendungen Alice Licht und rund 25 weitere internierte Menschen vor dem Verhungern im Lager.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Haferflocken, Zwieback, Sirup, Fleisch, Speck, Eier …</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Solch wertvolle Waren im Kriegsjahr 1943 überhaupt noch aufzutreiben und zusammenzusparen, das ist eine Leistung, die man sich aus heutiger Perspektive kaum bewusst macht. Doch gerade Hedwig Porschütz ist wie gemacht für solche Herausforderungen. Heute könnte man die im Jahr 1900 in Schöneberg geborene Frau als „streetsmart“ bezeichnen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sie lebt Anfang der 1940er allein in einer kleinen Wohnung in Berlin Mitte, arbeitet offiziell als Schreibkraft, ihr Mann Walter ist im Krieg. Anschaffen, wie früher, geht sie nun nicht mehr regelmäßig. Doch in der halbseidenen Welt um den Alexanderplatz bewegt sie sich, so könnte man sagen, wie ein Fisch im Wasser.</p>
<p>(( OTON 1</p>
<p>„Es ist eine Mischung aus Kleingewerbe, Kleinkriminalität. Man hält zusammen, man kennt sich.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So beschreibt der Historiker und Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Professor Johannes Tuchel, ihr Milieu. ))</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Bei Frau Porschütz konnte man alles kaufen, von Lebensmitteln bis zum Radio und alten Betten.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hedwig Porschütz‘ Schwarzmarktgeschäfte sind etwas, woran sich eine weitere, von ihr unterstützte Jüdin auch später noch genau erinnert: Anneliese Herz findet 1943, als junges Mädchen, gemeinsam mit ihrer sehbehinderten Zwillingsschwester Marianne in Hedwig Porschütz‘ Wohnung Unterschlupf. So entgehen die beiden, mitten in Berlin, der Deportation in die nationalsozialistischen Vernichtungslager. Sie werden von ihrer geschickten Helferin nicht nur versteckt – für Monate (!), in einer eineinhalb Zimmer Wohnung (!) –, sondern auch mit Lebensmitteln versorgt. Ohne Lebensmittelmarken und mitten im Krieg. Johannes Tuchel (falls der OTON 1 wegfallen muss, müsste man den Experten bitte an dieser Stelle einführen: Der Historiker und Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Professor Johannes Tuchel):</p>
<p>OTON 2</p>
<p>Sie hat unter wirklich großem persönlichen Risiko Verfolgten geholfen (…), ein mutiger Mensch ohne Rücksicht auf das eigene Wohlbefinden, ohne Rücksicht auf das Risiko, dass sie einging.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hedwig Porschütz ist mit allen Wassern gewaschen und genau das setzt sie ein: für verfolgte Jüdinnen und Juden, und damit gegen das NS-Regime. Mit den von ihr beschafften Waren werden auch Männer der Gestapo bestochen. Sie organisiert Ausweise und Verstecke. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ihr Widerstand ist unkonventionell, einfallsreich, vielgestaltig und lebensgefährlich. Letztlich bringt er sie ins Gefängnis – doch das vielleicht bitterste Kapitel ihres Lebens wartet auf sie, als der Krieg vorbei und der Nationalsozialismus offiziell abgeschafft und verworfen sein wird. </p>
<p>MUSIKAKZENT (ABSCHLUSS INTRO)</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hedwig Porschütz stammt aus einfachen Verhältnissen in Schöneberg. Ihr Vater ist Brauer von Beruf. Sie besucht eine Handelsschule und wird Stenotypistin, arbeitet unter anderem bei der Barmer Ersatzkasse. In Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs der 1920er Jahren beginnt sie, Geld als Prostituierte im Umfeld des berüchtigten Alexanderplatzes zu verdienen. Viel mehr ist über ihr Leben in jener Zeit nicht bekannt, außer dass sie 1934 zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt wird, wegen Erpressung – damit ist sie vorbestraft, was ihre späteren Aktionen noch gefährlicher machen wird. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Irgendwann um 1940 muss sie – wohl über ihre Schwarzmarktgeschäfte – auf den Bürstenfabrikanten Otto Weidt gestoßen sein, der sich im gleichen Milieu wie sie bewegt. Otto Weidt hat da um seine Blindenwerkstatt am Hackeschen Markt in Berlin bereits ein Netzwerk von Judenhelferinnen und -helfern aufgebaut. </p>
<p>OTON 3</p>
<p>„Es war kein großes Netzwerk. Werden vielleicht zehn, 15 Personen insgesamt zu unterschiedlichen Zeiten gewesen sein, die Otto Weidt geholfen haben, die in mehr oder weniger lockerer Verbindung gestanden haben und die zum Teil auch nicht einmal voneinander gewusst haben.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erklärt Johannes Tuchel. </p>
<p>Das Netzwerk tritt vor allem nach Beginn der Deportation der Berliner Juden ab Herbst 1941 in Aktion.</p>
<p>OTON 4</p>
<p>„Was Otto Weidt gemacht hat, war eine Besonderheit, ganz eindeutig. Die Vielzahl der Menschen, denen er und seine Mitstreiter geholfen haben, das finden Sie in Deutschland nicht noch ein zweites Mal.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Otto Weidt ist Anarchist und Draufgänger, der auch nicht davor zurückscheut, Umgang mit Männern der Gestapo zu pflegen und sie zu bestechen – wenn er seine Leute so schützen kann. </p>
<p>((ZITATORIN</p>
<p>„Offensichtlich hatte er die Gestapo durch die Annahme seiner Geschenke derart kompromittiert, dass er sie in gewisser Weise in der Hand hatte.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So beschreibt es später Inge Deutschkron, eine Jüdin, die bei Otto Weidt arbeitet und von ihm protegiert wird. ))</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hedwig Porschütz steigt in Weidts Netzwerk ein und ist ab 1943 offiziell als Schreibkraft bei ihm angestellt – vermutlich zur Tarnung ihrer eigentlichen Tätigkeiten. Zeitzeugen berichten von einer großen Vertrautheit zwischen den beiden. Sie duzen sich und Porschütz betritt Weidts Büro jederzeit ohne Termin und Anmeldung. </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Hede, wie sie von uns allen genannt wurde, war immer gehetzt, wenn sie ins Büro von Otto Weidt kam. (…) Keiner war bei diesen Gesprächen dabei, aber wir wussten, dass es mal um Lebensmittel, ein Versteck oder um Papiere ging. Wie Hede das alles besorgen konnte, wusste wohl selbst Otto Weidt nicht.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>berichtet Inge Deutschkron ((,eine von Otto Weidt protegierte Jüdin)). Als sie 1943 untertauchen will, profitiert auch sie von Hedwig Porschütz‘ Verbindungen. Denn diese organisiert ihr das Ausweisdokument einer ihr bekannten Prostituierten. </p>
<p>((ZITATOR</p>
<p>„Du bist von nun an Gertrud Dereszewski. Sieh Dir genau an, wann sie geboren ist. Lern das auswendig.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>… sei ihr damals von Weidt eingebläut worden.)) Die echte Gertrud Dereszewski erhält im Gegenzug einen Betriebsausweis der Blindenwerkstatt. Einige Monate lang teilen die beiden Frauen sich quasi eine Identität – bis die echte Gertrud in Ungarn von der Polizei aufgegriffen und das Identitäten-Sharing zu gefährlich wird. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Inge Deutschkron überlebt den Krieg. Später emigriert sie nach Israel und kämpft jahrzehntelang dafür, dass Helferinnen wie Hedwig Porschütz nicht völlig vergessen werden.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ebenfalls über die Blindenwerkstatt lernt Hedwig Porschütz die Zwilingsschwestern Anneliese und Marianne Bernstein kennen. Marianne ist sehbehindert und arbeitet zunächst für Otto Weidt – bis auch die Schwestern sich gezwungen sehen, in die Illegalität zu wechseln. Hedwig Porschütz versteckt die beiden ab Januar 1943 in ihrer kleinen Mansardenwohnung in der Alexanderstraße, wohlgemerkt direkt gegenüber dem Berliner Polizeipräsidium. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Das ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch logistisch komplex. Hedwig Porschütz muss die Schwestern komplett versorgen, auch muss sie deren ständige Anwesenheit einerseits vor den anderen Hausbewohnern so weit wie möglich geheimgehalten, und sie zugleich den bei ihr Ein- und Ausgehenden erklären.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Frau Porschütz stellte Anneliese ihren Bekannten als ihre Nichte vor, Marianne als deren Freundin. Die Regel war, dass Marianne „nach Hause“ gehen musste, wenn abends Besuch kam. (…) Während der Bombenangriffe blieben die Mädchen eingeschlossen in ihrem Zimmer, denn auf der Liste des Luftschutzwartes waren nur Hausbewohner eingetragen, die den Schutzraum aufsuchen durften.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es ist ein wilder Mix an Menschen in der engen Wohnung. Denn Hedwig Porschütz empfängt wohl auch in den 1940ern noch den ein oder anderen Stammfreier bei sich zu Hause. Die Prostituierten, denen sie zudem ihre Räumlichkeiten zur Arbeit zur Verfügung stellt, sind sehr nett zu den Anfang 20-jährigen Mädchen, so erinnert sich Anneliese Bernstein später.  Was wiederum die Mädchen über die „Peitschen und ähnlichen Marterinstrumente“ denken, die in Anneliese Bernsteins Erinnerung in der Wohnung herumliegen – das wissen wir nicht. </p>
<p>Wenn es in dieser ungewöhnlichen Konstellation nötig war, hat sich Hedwig Porschütz jedenfalls vor ihre Schützlinge gestellt.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Es blieb nicht aus, dass einer der „Kunden“ der Frau Porschütz sich in Anneliese „verguckte“. Frau Porschütz stellte sich sofort schützend vor Anneliese und protestierte: „Das kannst du nicht machen, das ist doch meine Nichte!“ rief sie sehr energisch aus. (…) Mit viel Mühe gelang es, den Mann aus dem Haus zu bugsieren. Um ganz sicher zu sein, dass er nicht wiederkäme, begleitete sie ihn bis vor die Haustür.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So gibt Inge Deutschkron wieder, was Anneliese Bernstein ihr berichtet hat. </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Hedwig Porschütz muss eine nervenstarke, unerschrockene Person gewesen sein. Denn im März 1943 wird es in ihrer Wohnung sogar noch enger.</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„einmal erfuhr Frau Porschütz von zwei Frauen, die ihr Versteck verloren hatten und nun in der Stadt herumirrten. Sie nahm die beiden – eine Tante mit ihrer Nichte – sofort auf. (…) Die beiden schliefen mit den Bernstein-Mädchen in einem Bett.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Lucie Ballhorn und ihre Tante Grete Seelig sind einige Wochen, die Bernstein-Mädchen etwa ein halbes Jahr bei Hedwig Porschütz untergeschlüpft, als eine Polizeiaktion in einer anderen Wohnung des Hauses die Notgemeinschaft aufschreckt. Was bei der Durchsuchung der anderen Wohnung genau passiert, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen – doch gesichert ist, dass dabei eine jüdische Frau zu Tode kommt. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Vorfall bringt das Zusammenleben der Frauen im vierten Stock zu einem Ende – die Situation wird zu gefährlich. Hedwig Porschütz besorgt für die Frauen neue Verstecke. Tante und Nichte etwa bringt sie bei ihrer eigenen Mutter in Schöneberg unter. Auch versorgt sie die Frauen teils weiter mit Lebensmitteln.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dass letztlich drei der vier Frauen den Nationalsozialismus überleben, daran hat Hedwig Porschütz großen Anteil. </p>
<p>Was genau sie antreibt, zu helfen, dazu fehlen uns alle Quellen. Klar ist nur:</p>
<p>Hedwig Porschütz ist eine unerschrockene Unterstützerin verfolgter Juden und Jüdinnen, wie es sie im Nationalsozialismus wenige gibt. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die meisten Deutschen sehen weg, wenn ihre jüdischen Nachbarn deportiert werden; manch einer macht sich noch über deren zurückgelassenes Hab und Gut her. Johannes Tuchel:</p>
<p>OTON 5</p>
<p>„Wenn Sie sich mal die Zahlen vergleichen, wir gehen heute (….) etwa aus, dass es auf dem Gebiet des Deutschen Reiches etwa 20.000 Personen gegeben hat, die Jüdinnen und Juden geholfen haben. Dann stellen Sie mal diese Zahl gegenüber den 80 Millionen, die die Bevölkerung des damaligen deutsches Reiches so ungefähr ausgemacht haben. Dann wird deutlich, welch exzeptionelles Verhalten das gewesen ist.“</p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die weitgefächerten Schwarzmarktgeschäfte von Hedwig Porschütz, die den von ihr Unterstützten so sehr helfen, sollten ihr letztlich zum Verhängnis werden. </p>
<p>Einer ihrer Bekannten wird im Mai 1944 festgenommen: Er hat in mehreren Metzgereien versucht, mit Fleischmarken von Hedwig Porschütz insgesamt 10 Kilogramm Speck zu kaufen. </p>
<p>Auch wenn die Polizei nicht restlos aufklären kann, wie genau Hedwig Porschütz sich die Marken und auch die in ihrer Wohnung sichergestellten Waren verschafft hat, als „bezugsberechtigt“ kann sie nicht gelten. Sie wird am 2.10.1944 vom Sondergericht III beim Landgericht Berlin unter Berufung auf die „Kriegswirtschaftsverordnung“ zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Im Urteil kommentieren die Richter auch ihren Lebenswandel.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>„Frau Porschütz ist eine Frau, die in früheren Jahren gewerbsmäßig der Unzucht nachgegangen ist. Sie hat auch bis in die neueste Zeit hinein wahllos Umgang mit Männern unterhalten, obwohl sie seit Anfang vorigen</p>
<p>Jahres eine Stellung als Stenotypistin innehat und dadurch ein geregeltes</p>
<p>Einkommen bezieht.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Diese abfälligen Zeilen sollten ihr noch mehr schaden, als sich Hedwig Porschütz je hätte denken können. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Zeit bis Ende des Kriegs verbringt sie in unterschiedlichen Haftanstalten, wie Johannes Tuchel recherchiert hat. Er hat sich mit Hedwig Porschütz‘ Biografie so intensiv befasst, wie kein Zweiter. </p>
<p>Wenige Tage vor Kriegsende, davon geht er aus, kommt sie in Niederschlesien im heutigen Polen aus einem Außenlager des KZ Groß-Rosen, frei. Man gibt ihr zehn Reichsmark. Hedwig Porschütz macht sich auf den Heimweg.</p>
<p>OTON 6</p>
<p>„Es war entsprechend so, dass sie erst dann sechs Wochen später wieder in Berlin ankam. sie war ausgebombt, das Haus in der Alexanderstraße fünf stand nicht mehr. Sie hatte buchstäblich nichts mehr, als sie wieder in Berlin eintraf.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hedwig Porschütz‘ Existenz ist vernichtet. Sie kommt zunächst bei ihrer Mutter unter. Sie und ihr aus dem Krieg zurückgekehrter Mann Walter sind beide chronisch krank und nicht voll arbeitsfähig. Das Paar lebt in drückender Armut. Doch eine Hoffnung scheint auf: Im Oktober 1956 beantragt Hedwig Porschütz eine Anerkennung als politisch Verfolgte beim Entschädigungsamt Berlin – sie hofft auf eine kleine, finanzielle Unterstützung.</p>
<p>OTON 7</p>
<p>„Und da fängt jetzt in der Nachkriegszeit auf unterschiedlichen Ebenen an, das Ganze skandalös auch wirklich zu werden.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Entschädigungsamt prüft Hedwig Porschütz‘ Antrag, dem auch die Aussagen von vier Zeugen ihrer Hilfstätigkeiten beiliegen. Und lehnt – über zwei Jahre nach Antragstellung – ab. Aus zweierlei Gründen, wie aus der Akte zu erfahren ist. Zum einen sei generell Hilfe für verfolgte Juden und Jüdinnen</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>„…kein Widerstand gegen den Nationalsozialismus, da solche Taten nicht geeignet sind, ein Regime zu unterhöhlen.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Entschädigungsbehörde verweigert anzuerkennen, wie deutlich sich die Helfer und Helferinnen von Verfolgten gegen das NS-Regime gestellt haben.</p>
<p>OTON 8</p>
<p>„Die Nationalsozialisten wollten so viele Jüdinnen und Juden ermorden, wie es nur irgend geht. Alle, die versucht haben, Jüdinnen und Juden zu retten, haben die Ideologie im Kern und damit auch das Regime in seinem Kern getroffen.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So Johannes Tuchel. </p>
<p>OTON 9</p>
<p>„Aber entsprechend ist es so gewesen, dass sie eben keine Entschädigung bekam.“ </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dass Hilfe für Verfolgte in der bundesrepublikanischen Gesellschaft jahrzehntelang nicht als Widerstand anerkannt wird, führt übrigens auch dazu, dass sich die historische Forschung in diesem Bereich verzögert. Der so genannte „Rettungswiderstand“ in Deutschland ist in der Öffentlichkeit bis heute wenig bekannt – ein Grund dafür, warum wir über Menschen wie Hedwig Porschütz so wenig wissen.</p>
<p>Gleichzeitig steht die damalige Weigerung, Hilfsaktionen für Verfolgte zu ehren, auch im Kontext einer generelleren Abwehr in den Nachkriegsjahrzehnten, Widerstand gegen das NS-Regime positiv einzuordnen oder auch nur wahrzunehmen.</p>
<p>OTON 10</p>
<p>„Das kam natürlich auch noch hinzu. Selbst wenn es als Widerstand angesehen worden wäre, dürfen wir nicht vergessen, dass auch der Widerstand gegen den Nationalsozialismus als etwas betrachtet wurde, was lange Zeit als Verrat angesehen wurde.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eine Erklärung dafür ist, dass die Deutschen zu Lebzeiten von Hedwig Porschütz nicht gerne vor Augen geführt bekommen wollen, dass Widerstand durchaus möglich war. Johannes Tuchel:</p>
<p>OTON 11</p>
<p>„sie hat Juden geholfen, das haben nur die wenigsten getan. Das wäre dann eine Herausforderung an jeden einzelnen gewesen. Warum hast du eigentlich keinen Juden geholfen? Was hast du eigentlich gemacht? Warum hast du eigentlich weggeguckt? So. Warum sollte man dann Hedwig Porschütz ehren? (( Psychologisch erklärbar, trotzdem in der Rückschau unfassbar. ))“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Entschädigungsbehörde stößt bei der Bearbeitung des Antrags von Hedwig Porschütz auch auf ihre Verurteilung durch das NS-Sondergericht von 1944. Der Sachbearbeiter liest darin etwas von „gewerbsmäßiger Unzucht“ und „wahllosem Umgang mit Männern“. </p>
<p>OTON 12</p>
<p>„Dann schlagen die Vorurteile, die die Nachkriegszeit prägten, voll durch.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Obwohl die Ablehnung ihres Antrags ohnehin feststeht, meint der entrüstete Sachbearbeiter auch vermerken zu müssen, dass die alten Strafakten für Hedwig Porschütz</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>„auf ein derartig niedriges sittliches und moralisches Niveau schließen lassen, daß auch bei einer in diesem Falle sowieso aus sachlichen Gründen nicht erfüllten Voraussetzung für eine Anerkennung diese nicht gegeben wäre. Eine Anerkennung als politisch oder rassisch Verfolgte stellt ein Ehrendokument dar und kann nur für entsprechende Persönlichkeiten ausgestellt werden.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Völlig unhinterfragt folgt das Entschädigungsamt also der Einschätzung eines nationalsozialistischen Sondergerichts und rümpft die Nase über eine Frau, die in einer lebensbedrohlichen Situation Menschenleben gerettet hat – weil sie als Prostituierte arbeitete und vermeintlich die falschen Sexualpartner hatte. Hedwig Porschütz selbst erfährt von ihrer nun abermals aktenkundigen Herabwürdigung gar nichts, und kann somit nicht einmal Stellung beziehen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Im Oktober 1958 unternimmt sie einen weiteren Versuch, Unterstützung zu erhalten: Sie reicht einen &quot;Antrag auf Beihilfe aus dem Fonds ›Unbesungene Helden‹&quot; beim Berliner Innensenator ein. Dieser Fonds ist ein verhältnismäßig früher und in der Bundesrepublik lange vereinzelt dastehender Versuch, Menschen zu ehren und zu unterstützen, die Verfolgten der NS-Zeit geholfen haben.  </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Frau Porschütz käme für eine Anerkennung aus der Aktion ›Unbesungene</p>
<p>Helden‹ ohne weiteres in Frage,“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>vermerkt die zuständige Sachbearbeiterin diesmal. Doch gibt es ein bitteres Aber: denn auch diese Sachbearbeiterin meint, aus dem alten NS-Urteil empörende Wahrheiten über Hedwig Porschütz ablesen zu können. Nämlich, wie sie es formuliert,</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„.. daß die Begleitumstände zur Beschaﬀung der Lebensmittel auf ein derart niedriges sittliches und moralisches Niveau der Frau Porschütz schließen lassen, die nach hiesigem Dafürhalten eine Ehrung durch die Aktion für ausgeschlossen halten lassen.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das NS-Urteil hält man offensichtlich für einen verlässlichen und ausreichenden Beweis dafür, dass Hedwig Porschütz keine Ehrung verdient hat. Dass darin von einem “wahllosen Umgang” mit Männern die Rede ist, scheint für den Fonds viel schwerer zu wiegen, als die Tatsache, dass Hedwig Porschütz Menschenleben gerettet hat. Anders gesagt: Die Rettung von Leben erscheint weniger wert, weil die Retterin viele Sexualkontakte hatte. </p>
<p>Die Menschen, denen Hedwig Porschütz geholfen hat und deren Anschriften dem Amt vorliegen, werden hingegen nicht befragt. Man glaubt, schon alles zu wissen und richten zu können über die Ehrwürdigkeit von Hedwig Porschütz. Ihr wird jede Unterstützung und die Aufnahme in den Kreis der „Unbesungenen Helden“ verweigert. Sie erhält auch diesmal nur einen ablehnenden Bescheid, ohne Angabe von Gründen – so dass sie ahnungslos bleibt, warum ihr die Ehrung verweigert wird, und auch nichts erwidern kann.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im April 1959 schreibt Hedwig Porschütz an einen Bekannten in der jüdischen Gemeinde Berlin. Es ist einer der ganz wenigen, von ihr erhaltenen Briefe. Darin berichtet sie, dass sie beim Entschädigungsamt Einspruch eingelegt habe,</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„weil meine jahrelange Mitarbeit bei meinem Chef Otto Weidt [...] laut Ablehnungsbescheid nicht als ›Kampf gegen den</p>
<p>Nationalsozialismus‹ (ganz im Gegensatz zu den Ausführungen, die während der Woche der Brüderlichkeit im Radio gesendet wurden) angesehen werden kann. Jeder, der diesen Bescheid liest, auch jüdische Angehörige, schütteln den Kopf. [...] Ich weiß weder aus noch ein und bitte Sie, zu versuchen, ob Sie mir etwas helfen können.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hedwig Porschütz‘ Versuche bleiben alle ohne Erfolg. Sie stirbt im Jahr 1977 in großer Armut und vollkommen vergessen, ohne irgendeine Anerkennung ihrer Taten erlebt zu haben.</p>
<p>MUSIKAKZENT</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gemeinsam mit dem damaligen Förderverein für das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt hat Johannes Tuchel veranlasst, dass das Urteil von 1944 gegen Hedwig Porschütz aufgehoben und für sie eine Gedenktafel eingerichtet wurde. Das war 35 Jahre nach ihrem Tod. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Sonnenwende - Der längste Tag, die längste Nacht</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/sonnenwende-der-laengste-tag-die-laengste-nacht/1999898</link>
      <pubDate>Fri, 20 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">e656478f-c19b-4580-b9d2-6f312bb7d639</guid>
      <description>Zweimal im Jahr erreicht die Sonne mit der Sonnenwende ihren höchsten respektive tiefsten Stand. Für die Menschheit äquatorferner Regionen, wo sich diese Unterschiede besonders deutlich zeigen, sind diese Tage seit prähistorischer Zeit von großer Bedeutung; sie wurden mit verschiedensten Ritualen und Bräuchen gefeiert, durch Mythen gedeutet. 
Von Carola Zinner (BR 2023) </description>
      <enclosure length="19929216" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1999898/c/feed/sonnenwende-der-laengste-tag-die-laengste-nacht.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Carola Zinner</itunes:author>
      <itunes:summary>Zweimal im Jahr erreicht die Sonne mit der Sonnenwende ihren höchsten respektive tiefsten Stand. Für die Menschheit äquatorferner Regionen, wo sich diese Unterschiede besonders deutlich zeigen, sind diese Tage seit prähistorischer Zeit von großer Bedeutung; sie wurden mit verschiedensten Ritualen und Bräuchen gefeiert, durch Mythen gedeutet. 
Von Carola Zinner (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4adbc0ac-27cc-4fad-b36e-4cb06990d5cb.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zweimal im Jahr erreicht die Sonne mit der Sonnenwende ihren höchsten respektive tiefsten Stand. Für die Menschheit äquatorferner Regionen, wo sich diese Unterschiede besonders deutlich zeigen, sind diese Tage seit prähistorischer Zeit von großer Bedeutung; sie wurden mit verschiedensten Ritualen und Bräuchen gefeiert, durch Mythen gedeutet. 
Von Carola Zinner (BR 2023) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Carola Zinner<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Ditte Ferrigan, Carsten Fabian<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Dr. Gunther Hirschfelder, Professor für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg; <br/>Björn Wirtjes, stellvertretender Leiter der Volkssternwarte München; <br/>Prof. Dr. Rupert Gebhard, leitender Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung München </p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-sonnenwende-laengste-tag-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p> <strong>Sie interessieren sich für Brauchtum, Rituale, Mythologie? Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Warum wir Rituale brauchen - Anker im Alltag<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/warum-wir-rituale-brauchen-anker-im-alltag/bayern-2/78756456/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Freie Rituale - Orientierung ohne Glaube<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/freie-rituale-orientierung-ohne-glaube/bayern-2/78754008/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Rauhnächte - Die wilde Jagd der Götter, Geister und Dämonen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/rauhnaechte-die-wilde-jagd-der-goetter-geister-und-daemonen/bayern-2/78749396/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Halloween - &quot;Keltischer Kult&quot; oder Grusel-Event?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/halloween-keltischer-kult-oder-grusel-event/bayern-2/82599814/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Die Küche - Zwischen Kochen und Kommunikation</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/die-kueche-zwischen-kochen-und-kommunikation/2087234</link>
      <pubDate>Fri, 20 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">32c0f0ac-92c0-449c-8b0a-512c0f32cdee</guid>
      <description>Elektroherd und Wasserhahn, Kühlketten und Lebensmittelgeschäfte: Im 20. Jahrhundert musste niemand seine Butter mehr selber stampfen, Kleinstküchen setzten sich durch. In ihrer Mitte stand und waltete die Hausfrau - allein. Dabei waren Küchen einst wichtige Orte der Kommunikation. Und sind es heute wieder. Oder? Von Julie Metzdorf (BR 2023)</description>
      <enclosure length="22413312" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2087234/c/feed/die-kueche-zwischen-kochen-und-kommunikation.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:20</itunes:duration>
      <itunes:author>Julie Metzdorf</itunes:author>
      <itunes:summary>Elektroherd und Wasserhahn, Kühlketten und Lebensmittelgeschäfte: Im 20. Jahrhundert musste niemand seine Butter mehr selber stampfen, Kleinstküchen setzten sich durch. In ihrer Mitte stand und waltete die Hausfrau - allein. Dabei waren Küchen einst wichtige Orte der Kommunikation. Und sind es heute wieder. Oder? Von Julie Metzdorf (BR 2023)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/81900dbb-bb5f-4e39-a3f7-253adca77fc9.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Elektroherd und Wasserhahn, Kühlketten und Lebensmittelgeschäfte: Im 20. Jahrhundert musste niemand seine Butter mehr selber stampfen, Kleinstküchen setzten sich durch. In ihrer Mitte stand und waltete die Hausfrau - allein. Dabei waren Küchen einst wichtige Orte der Kommunikation. Und sind es heute wieder. Oder? Von Julie Metzdorf (BR 2023)</p>

<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Julie Metzdorf<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Caroline Ebner, Johannes Hitzelberger, Carsten Fabian<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Josef Straßer, Design-Experte Die Neue Sammlung – The Design Museum;<br/>Prof. Dr. Tilman Allert</p>
<p> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Stühle, Sessel, Schemel - Wie wir sitzen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/stuehle-sessel-schemel-wie-wir-sitzen/bayern-2/10434801/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>



<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-kueche-kochen-kommunikation-herd-feuer-hausfrau-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>


<p>ATMO Bratpfanne + offener Kamin</p>

<p>Musik 1: Greenhouse –  45 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Kochen macht schlau. Gekochte Speisen haben vor Hundertausenden von Jahren das Gehirnwachstum unserer Vorfahren gefördert und so zur Entwicklung des Homo Sapiens geführt – davon gehen jedenfalls Anthropologen aus. Denn Kochen, Garen, Sieden oder Schmoren ist eine Art Vorverdauung außerhalb des Körpers. Die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe können besser verwertet werden, bzw. der Verdauungsapparat muss weniger Energie investieren. Die kann stattdessen ins Gehirn wandern. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Das Kochen erweiterte außerdem die Nahrungspalette unserer Vorfahren: es eliminiert Gifte und macht manche Pflanzen überhaupt erst genießbar. Vor allem aber dürfte das Kochen das Sozialverhalten der frühen Menschen entscheidend geprägt haben. Der Soziologe Georg Simmel wies schon vor mehr als 100 Jahren darauf hin:</p>
<p>ATMOS Essen + Murmeln + Sektgläser</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>A Georg Simmel </p>
<p>(gest. 1918, zit. nach: Der Zeitgeist, Beiblatt zum Berliner Tageblatt von 1910)</p>
<p>Von allem nun, was den Menschen gemeinsam ist, ist das Gemeinsamste: dass sie essen und trinken müssen.</p>
<p>ATMO Feuerstelle + Musik 2: Prelude -  40 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Feuerstelle war wohl von Anfang an ein Ort der Gemeinschaft und der Kommunikation. Die ersten nachweisbaren Küchen der Menschheit stammen aus der Zeit um 8000 vor Christus und wurden in der Nähe von Jerichow gefunden: Es waren offene Feuerstellen, einfache Lehmöfen und Mahlsteine in den Innenhöfen strohgedeckter Lehmhütten. Vermutlich wurden sie von den Bewohnern der umliegenden Hütten gemeinschaftlich genutzt. Kochen und Essen, das Zubereiten und die Aufnahme der Nahrung, waren also eng miteinander verknüpft. Design-Experte Josef Strasser:</p>
<p>1 OT Josef Strasser: Anfänge</p>
<p>Ganz ursprünglich war das sehr natürlich nicht getrennt, sie hatten ein Feuer, auf dem Feuer wurde gegart, und dann gab es bald auch schon die ersten Keramiktöpfe, in denen dann auch Flüssigkeiten gekocht worden sind, das war nicht getrennt, das war in Einem.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Im Lauf der Zeit verlagerte sich das Kochen in den Innenraum. Eine Feuerstelle am Boden, später auf einem gemauerten Sockel, wurde Küchenstandard für Jahrhunderte:</p>
<p>2 OT Josef Strasser: Wärme</p>
<p>Die Küche war das Zentrum, das Feuer liefert auch Wärme, und das war das Entscheidende, deswegen war das ein sehr zentraler und wichtiger Raum.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Doch Kochen ist auch gefährlich. Genauer gesagt: offenes Feuer ist gefährlich. Regelmäßig kam es zu Feuersbrünsten, denen ganze Stadtviertel zum Opfer fielen. Selbst ohne Unfälle war die Luft in Räumen mit offenem Feuer schlecht. </p>
<p>3 OT Josef Strasser: Ruß</p>
<p>Viele kennen noch den Begriff der Schwarzkuchl, also der schwarzen Küche, das kommt daher, weil das Feuer in dem Raum Rauch entwickelt hat, und der Rauch hat das Ganze geschwärzt, letztendlich war der Raum verrußt.</p>
<p>ATMO Feuerstelle</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Mahlzeit köchelte in einem Kessel, der an einer Kette über der Flamme hing. Mithilfe eines Kesselhakens konnte die Temperatur geregelt werden: Einen Zahn zulegen hieß, die Temperatur zu erhöhen. Der aufsteigende Rauch zog über Öffnungen im Dach ab, er konservierte das Gebälk, wehrte Ungeziefer ab und konnte immerhin zum Räuchern benutzt werden. Der Jurist und Historiker Justus Möser beschrieb 1767 in den „Osnabrückischen Intelligenzblättern“:</p>
<p>Weiter Atmo Feuerstelle + Baby + Kessel + Kuh</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>B Justus Möser </p>
<p>(vom niedersächsischen Landesarchiv frei zur Verfügung online gestellt) </p>
<p>Der Herd ist fast in der Mitte des Hauses und so angelegt, dass die Frau, welche bei demselben sitzt, zu gleicher Zeit alles übersehen kann. Ohne von ihrem Stuhle aufzustehen, übersieht die Wirtin zu gleicher Zeit drei Türen, dankt denen die hereinkommen, heißt solche bei sich niedersetzen, behält ihre Kinder und Gesinde, ihre Pferde und Kühe im Auge, hütet Keller, Boden und Kammer, spinnet immer fort und fort dabei. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Für die einfache Bevölkerung blieb die Feuerstelle jahrhundertelang der Mittelpunkt des Hauses. Privilegierte Stände konnten die Küchenarbeit ans Personal delegieren und räumlich ausgrenzen. In Burgen, Schlössern oder Klöstern befand sich die Küche normalerweise in einem eigenen Wirtschaftsbau oder Küchenflügel, in bürgerlichen Haushalten im hinteren Teil der Wohnung. Die repräsentativen Räume blieben so rauch- und geruchfrei. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Zum Heizen der Häuser setzten sich ab dem späten Mittelalter Kachelöfen durch. Sie standen in der Wohnstube und wurden von der Küche aus befeuert, der Raum mit dem Kachelofen selbst blieb rauchfrei. Damit war erstmals ein und derselbe Raum warm und rauchfrei. </p>
<p>4 OT Josef Strasser: Kachelofen</p>
<p>Kachelofen ist mehr im Wohnbereich, die großen Gebäude mussten ja geheizt werden und dann gab es halt den Kochherd, die Küche, die meistens abgetrennt war. Da muss man natürlich schauen in welcher sozialen Ebene befinden wir uns. Das sind natürlich Unterschiede, ob ich ein kleines Haus habe mit einer kleinen Küche oder ob ich ein riesiges Schloss habe mit einer extra ausgestalteten Küche.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ausgenommen die Ärmsten unter den Armen, basierte der vormoderne Haushalt auf dem Prinzip der Vorratswirtschaft. Die meisten Güter wurden nicht als fertige Produkte gekauft, sondern im Haus selbst produziert: Man buk Brot und schlug Butter, es wurde geschlachtet, geräuchert und gepökelt, Wurst und Marmelade gekocht, man kelterte womöglich eigenen Wein, auch Kerzen wurden gezogen, Flachs zum Spinnen bearbeitet, Seife gekocht.  „Betriebsleiterin“ war die Hausmutter. Diese Art des Wirtschaftens änderte sich im 19. Jahrhundert zunehmend mit der beginnenden Industrialisierung.</p>
<p>Musik 3: The heroic weather-conditions of the universe, Part 2: Smoke / Fire - Z8034868 107 – 53 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Im Zuge der Industrialisierung entstand die Kleinfamilie: junge Männer und Frauen verließen den ländlichen Hof und die Großfamilie und arbeiteten in der Stadt in einer Fabrik, gelebt wurde in kleinen, meist dunklen Mietwohnungen, erst allein, dann mit Frau und Kindern. Für Brot und Wurst sorgten in den Städten nun Bäcker und Metzger. Auch vieles anderes konnte man nun einfach kaufen. Niemand musste mehr Butter stampfen oder Seife kochen. Die Küchen konnten kleiner werden. Und andersherum: man brauchte kleine Küchen: </p>
<p>5 OT Josef Strasser - Landflucht + Separierung</p>
<p>Natürlich ist es in erster Linie die Wohnungsnot, durch die Landflucht, durch die Überbevölkerung der Städte, und in diesem Zusammenhang entstanden auch die sozialen Wohnungsbauprogramme. Und die große Reform war dann, dass man versucht hat, für möglichst viele Leute preiswerten Wohnraum zu schaffen, und dass dieser Wohnraum natürlich beengt war, liegt auf der Hand und aus dem Grund so hat sich da eine Neuentwicklung ergeben, dass man die Küche separiert hat. Statt eines Raumes, in dem alles integriert war, entstanden nun quasi zwei Zellen, du hast auf der einen Seite den eigentlichen Arbeitsraum, die Kochküche, auf der anderen Seite das Esszimmer. </p>
<p>Musik 4: The king’s tulips – 37 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Voraussetzung für kleinere Küchen, in denen man nicht sofort am Ruß erstickte, war die Eliminierung des offenen Feuers. Der Architekt Francois de Cuvilliés der Ältere. baute in München nicht nur ein schickes Hoftheater, er erfand 1734 auch den Vorläufer unseres modernen Vierplatten-Herds, den sogenannten „Castrolherd“, von französisch „casserole“, Kochtopf. Für die kleine Amalienburg im Nymphenburger Schlosspark in München bedeckte er einen geschlossenen Feuerkasten mit einer durchlöcherten Eisenplatte. Die Brandgefahr verringerte sich erheblich. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Benjamin Thompson alias Graf Rumford entwickelte – übrigens ebenfalls in München – die Sache weiter und leitete die Hitze des Feuers durch mehrere Kanäle gezielt an verschiedene Stellen der Herdplatte. Anfangs nur für wenige Wohlhabende erhältlich, verdrängten solche geschlossenen Herde nach und nach das offene Feuer aus den Häusern, die Küchen wurden rußfrei. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Während der Industrialisierung wuchsen in Europa die Städte rasant an, für Arbeiter wurden große Siedlungen gebaut.</p>
<p>6 OT Josef Strasser – klein + Siedlungsbau</p>
<p>Die soziale Frage hat sich ja überall in den Industriestaaten gestellt, England sowieso aber auch in Österreich oder Frankreich aber insbesondere auch in Deutschland und Frankfurt ist so ein großes Paradebeispiel, dass man einfach zehntausende von Wohnungen geschaffen hat.</p>
<p>Musik 5: „Himmelspforte“ – 17 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Küchen für die Siedlungen in Frankfurt sollte Margarethe Schütte-Lihotzky gestalten, eine junge österreichische Architektin. Das Ergebnis ging in die Geschichte ein: die sogenannte „Frankfurter Küche“ von 1926 wurde zur Mutter aller Einbauküchen. </p>
<p>7 OT Josef Strasser - Taylorismus + Spüle</p>
<p>Man muss aber ein bisschen zurückgehen in der Geschichte, es gab so Bestrebungen bereits im 19. Jahrhundert, ganz wichtig sind da die USA, auch die Frauenbewegungen, dass man sich gedacht hat, wie kann ich das Leben einfacher machen, also rationeller organisieren, … es gab ja diesen Taylorismus, die Rationalisierung in der Industrie und man versucht, das aufs Wohnen, aufs Private zu übertragen, also wie organisiere ich Arbeitsabläufe.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Frankfurter Küche sollte vor allem preiswert und deswegen möglichst klein sein. Als Vorbild dienten der jungen Architektin die Speisewagenküchen der Eisenbahn, in denen bei einer Spurweite von etwas mehr als 1,40 Meter naturgemäß sehr platzsparend gekocht werden musste. 6,5 Quadratmeter Grundfläche hatte die Frankfurter Küche. Schränke, Herd, Arbeitsflächen und Spüle waren an den Wänden angeordnet, die Mitte blieb frei bzw. dort stand die Hausfrau und konnte mit wenigen Handgriffen rundum agieren. Platz für eine zweite Person im Raum gab es nicht. Es war eine Arbeitsküche. Ein Tisch hätte da nur gestört, gegessen wurde fortan in einem separaten Ess- oder Wohnzimmer. </p>
<p>8 OT Josef Strasser - Abtrennung </p>
<p>Ein großer Vorteil ist die Hygiene, dass ich einen Raum habe, in dem ich Speisen zubereite und in dem Raum keine anderen Dinge mache, Kinder spielen und das zweite sind die Gerüche, die beim Kochen entstehen, auch Geräusche natürlich, dass das getrennt war, dass das weg war vom Wohnbereich. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Doch die Küchen für die Arbeitersiedlungen sollten nicht nur klein sein. Sie sollten der Hausfrau die Küchenarbeit erleichtern und Zeit sparen. Margarethe Schütte-Lihotzky untersuchte daher die Bewegungsabläufe und versuchte sie zu optimieren. </p>
<p>Musik 6: Gimme that shimmy – 42 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ein höhenverstellbarer Drehstuhl sorgte für die optimale Position je nach Tätigkeit, Fenster ließen sich öffnen, ohne erst irgendwas wegräumen zu müssen, Küchenabfälle konnte mit einer Wischbewegung von der Arbeitsfläche direkt in eine Abfallrinne gewischt werden, war sie voll, konnte man sie wie eine Schublade herausziehen und entleeren. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Oder das Bügelbrett: Es wurde mit einem Griff von der Wand heruntergeklappt und mit der Brettspitze auf den gegenüberliegenden Spülschrank aufgesetzt, es hatte also weder störende Füße, noch musste man es umständlich rein- und raustragen.</p>
<p>9 OT Josef Strasser - Abtropfen</p>
<p>Wie mache ich das beispielsweise beim Spülen, dass ich nicht die Hände übergreifen muss, sondern ich hab die linke Hand, mit der halte ich das Geschirr mit der rechten spüle ich und ich lege es dann auch wider auf der linken Seite ab und nicht auf der rechten Seite. Es ging auch darum, dass man das Geschirr abtropfen ließ, sie hat ein Abtropfgestellt erdacht, um sich das Abtrocknen zu ersparen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Frankfurter Küche war ganz im Geist der Frauenbewegung entstanden. Schütte-Lihotzky war eine der ersten Architektinnen überhaupt, Frauen durften in Österreich erst Ende des 19., in Deutschland gar erst Anfang des 20. Jahrhunderts Architektur studieren. Dass sich die junge Vorreiterin nun ausgerechnet auf die Planung einer Küche stürzte, klingt nach einem Klischee, hatte aber Gründe:</p>
<p>10 OT Josef Strasser - Architektinnen</p>
<p>Ein Mann, ein Architekt denkt sich die Küche so und so, da er nicht in der Küche arbeitet, hat er auch nicht diese Arbeitsabläufe intus. Um die Arbeitsabläufe zu verbessern, muss man sich halt einfach mal damit beschäftigen oder sich damit auskennen. Und deswegen liegt es ein bisschen auf der Hand, dass Frauen als Architektinnen da einen anderen Blick haben als Männer.</p>
<p>ATMO Braten</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Frankfurter Küche war eine Küche von Frauen für Frauen. Doch vor allem aus konservativen Kreisen gab es von Anfang an Kritik. Sonntags dürften die Kinder aus der Nachbarschaft Puppenküche darin spielen, witzelte man angesichts der geringen Ausmaße der Küche. In der Tat war die Umgewöhnung natürlich enorm. Die Frau – die seinerzeit nun mal fast ausschließlich in der Küche stand – wurde hier zum Zentrum einer Art Maschine, die sie erst bedienen lernen musste. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Von der Frankfurter Küche selbst wurden nur etwa 12.000 Exemplare gebaut – nicht viel angesichts des rasanten Anstiegs der Bevölkerung in jener Zeit. Und trotzdem: Die Idee Einbauküche setzte sich in Stadtwohnungen durch; die Frankfurter Küche war der Urtyp aller Einbauküchen.</p>
<p>11 OT Josef Strasser - Erfolg</p>
<p>Sie hat eine große Wirkung gehabt, hat das Leben vereinfacht, Arbeit erspart, Zeit erspart und damit natürlich auch die damit verbundenen Kosten.</p>
<p>Musik 7: Urgem X – 35 Sek</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Seit den 50ern wuchs parallel auch die Zahl der elektrischen Geräte in den Küchen: Toaster, Eierkocher, Rührgerät, Brotschneidemaschine, Waffeleisen, Mikrowelle: Die Küche wurde nach und nach zum Maschinenpark. In den 60ern hielt der elektrische Kühlschrank Einzug, dazu Fertigprodukte, Dosen und Brühwürfel. Das Leben der Hausfrau wurde in mancherlei Hinsicht tatsächlich einfacher. Wäre da nicht dieses eine Problem gewesen:</p>
<p>12 OT Josef Strasser - Ironie</p>
<p>Man will das Beste, Rationalisierung, Arbeit sparen, Kräfte sparen, so dass die Frau Zeit gewinnt, für andere Tätigkeiten und was passiert: Isolierung.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Die Kleinstküche wurde zunehmend als Hausfrauenknast gesehen, der Frauen eben nicht befreit habe, sondern in ihrem Kochlabor gefangen hielt, an den Rand der Wohnung gedrängt und vom Esszimmer und dem Rest der Familie getrennt. Um Wege zu verkürzen, baute man Durchreichen, ein Bedienfenster, damit das Essen auch ja warm auf den Tisch kam. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ende der 70er kam Bewegung in die Küchenfrage: Der Designer Otl Aicher, Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm war eine Art Star-Designer seiner Zeit, unter seiner Federführung wurden die Olympischen Sommerspiele in München in Regenbogenfarben gestaltet. Aicher war nicht nur ein Genussmensch, er kochte auch selbst gern. Als er den Auftrag zur Gestaltung einer neuen Küche bekam, begab er sich erstmal auf Recherchereise. </p>
<p>Musik 8: With Compliments –  45 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ein Jahr lang besuche er verschiedene Spitzen-Restaurants in Europa und teilweise in den USA und analysierte die dortigen Küchen. Denn von wem könnte man besser etwas über Küchen lernen als von Profis? Das Ergebnis: Aicher begriff Küchen als Orte der Kommunikation: </p>
<p>ZITATOR: </p>
<p>„Essen macht kommunikativ. Es verhindert, dass man alles in sich hineinfrisst“</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>…schrieb der Designer 1982 in seinem Buch „Die Küche zum Kochen“. Eine Küche, in der sich praktisch nur eine Person aufhalten kann, war für Aicher ein Unding. Für ihn spielte sich das wahre Leben in der Küche ab, und nicht etwa im Wohnzimmer. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Dazu war es notwendig, dass alle alles verstehen können. Mit der gängigen Küchenzeile in einem vom Esstisch abgetrennten Raum war diese Idee nicht vereinbar. Denn mit dem Gesicht zu Wand und den Gästen im Rücken kann man schwerlich am Gespräch teilnehmen, sagt der Soziologe Tilman Allert.</p>
<p>13 OT Tilman Allert - Töpfe</p>
<p>Jemand, der kocht, der wird immer um den Genuss der Kommunikationspointen gebracht, weil er immer am Topf steht und da zischt und raucht es und man kriegt nichts mit.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Tilman Allert begreift Küchen als Orte einer „legitimen Trivialkommunikation“. Hier wird nicht unbedingt – manchmal aber durchaus! – über die bedeutenden Dinge der Welt gesprochen. In der Küche darf geschnackt und getratscht werden. Genau das mache sie laut Allert zu so einem einzigartigen Ort menschlicher Geselligkeit. Das und: das gemeinsame Essen.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Das sah schon Otl Aicher so: Kochen und Essen sollten seiner Meinung nach wieder zueinander finden, im gleichen Raum. Es gibt nichts zu verstecken: Der Prozess des Entstehens der Mahlzeit soll erkennbar sein. Nicht zuletzt regt es ja auch den Appetit an, wenn man das Essen erst ein Weilchen anschaut und noch nicht gleich zulangen darf.</p>
<p>15 OT Tilman Allert - Respekt</p>
<p>Es ging ihm um einen Respekt vor dem, was in der Küche geschieht. Das Rohe oder das Ungegarte bringen wir in die Küche, kochen es und über diesem Vorgang wird aus der rohen Natur man könnte sagen genießbare Natur. Und das ist bei Aicher verbunden mit einer Respekteinstellung gegenüber den Gaben der Natur, die für ihn als Katholiken immer Gottesgaben waren.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Aicher holt das uralte Konzept der offenen Küche wieder aus der Schublade. Er entwickelt einen zentralen Küchenblock, eine Kochinsel, mitten im Raum. Außerdem gestaltet er Küchen-Utensilien, die sich an der Profi-Gastronomie orientieren. Wer täglich kocht, braucht professionelles Werkzeug, da machen Billigangebote keine Freude. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Ebenfalls von den Berufsköchen abgeschaut: alle Dinge müssen gut erreichbar sein. Erreichbarkeit geht einher mit Sichtbarkeit. Statt Schränke und Schubladen favorisierte Aicher einfache Haken in S-Form, an die man die wichtigsten Küchengeräte einfach dranhängen und mit einer Hand abnehmen konnte. </p>
<p>16 OT Tilman Allert - Küchenblock</p>
<p>Dieser Küchenblock und überhaupt die Küchenausstattung, die heute es ermöglicht, dass man in der Küche Geselligkeit praktiziert, die bringt das, was Aicher in den 70er Jahren schon ausgedacht hatte, noch mal deutlicher auf den Punkt, nämlich die Küche als einen geselligen Ort zu begreifen, an dem man irgendwie kocht, etwas entstehen lässt, aber an dem die Kommunikation untereinander zentral ist, also der Aicher ist auf eine Weise modern, wie er sich das selbst damals wohl gar nicht hat vorstellen können. </p>
<p>Musik 9: elephant parade –  27 Sek</p>
<p>+ ATMOS Murmeln, Braten, Sekt</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ist ja auch eine schöne Vorstellung: der Küchenchef, die Küchenchefin des Abends steht in der Mitte des Raums und kocht, gegenüber stehen die Gäste oder haben auf Barhockern Platz genommen, trinken einen Aperitif oder helfen beim Gemüseschnippeln. Später wechselt man an den großen Tisch gleich nebenan. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Aber mal ehrlich: Wer kann sich das schon leisten? In Neubauten mit viel Grundfläche kann man so bauen, in einer Altbau-Mietwohnung ist das nicht umsetzbar. </p>
<p>17 OT Tilman Allert - Milieu</p>
<p>Das ist natürlich milieuspezifisch, das muss man sich erlauben können. Aber man muss hinzunehmen, dass in den einfachsten Wohnverhältnissen bis auf den heutigen Tag das berühmte Wohnzimmer, das es ja immer noch gibt, eigentlich vollkommen ungenutzt bleibt und alles Gesellige spielt sich in der Küche ab. Unabhängig vom Geldbeutel könnte man sagen ist die Küche der Ort, an dem man sich versammelt und an dem man Gedanken austauscht.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Heute ist die offene oder auch „Wohnküche“ das Ding der Stunde – und eine Art Kompromiss: Arbeitsfläche, Spüle und Geräte sind oft immer noch in einer Zeile an der Wand angeordnet, aber der Kochende befindet sich zumindest im gleichen Raum mit den Gästen oder restlichen Familienmitgliedern. Das ist zwar nicht ganz so toll wie vis-á-vis mit den Gästen am zentralen Küchenblock zu hantieren, aber immerhin besser als in einem anderen Raum zu stehen und nur ab und zu mal einen Wortfetzen durch die Durchreiche zu erhaschen. </p>
<p>ATMOS Essen + Braten + Murmeln</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Zu ihrer Zeit gab es gute Gründe für die Entwicklung von Einbauküchen für nur eine Person. Im Verlauf der Küchengeschichte ist ihre Existenz aber doch nur ein Wimpernschlag. Kochen, Essen und Reden gehören heute wieder zusammen. </p>
<p>Wer kann, plant deshalb einen Tisch ein, im selben Raum, in dem auch gekocht wird. Selbst wer in einer Mietwohnung mit schlauchförmiger Küche wohnt, versucht wenigstens noch einen kleinen Klapptisch in die Küche zu bauen. </p>
<p>Dazu Musik 10: elephant parade – 35 Sek</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Noch besser ist ein großer Tisch. An dem wird nicht nur gegessen. Reden, Schreiben, Spielen, Basteln, wunderbar die große Zeitung ausbreiten, hier werden Hausaufgaben gemacht und Flickarbeiten ausgeführt, hier wird die Nähmaschine aufgebaut, eine Blumenvase hat darauf Platz oder eine Schüssel für Obst oder Briefe. Es ist ein Platz nicht nur fürs Essen – sondern fürs Leben.</p>
<p>Musik hoch und aus // </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Meditation und Krisen - Wenn der Blick nach innen zu intensiv wird</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/meditation-und-krisen-wenn-der-blick-nach-innen-zu-intensiv-wird/2106653</link>
      <pubDate>Thu, 19 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">2cb3a70e-b385-45df-9513-b12d44c182aa</guid>
      <description>Meditation als Möglichkeit zur Entspannung ist sehr beliebt und mit Apps und Videos gibt es viele kostenlose Angebote. Doch beim Blick nach innen und der Konzentration auf sich selbst, können auch Gefühle, Gedanken, Krisen und Traumata zum Vorschein kommen, mit denen man nicht gerechnet hat. Von Eva Deinert</description>
      <enclosure length="21480960" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106653/c/feed/meditation-und-krisen-wenn-der-blick-nach-innen-zu-intensiv-wird.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:22</itunes:duration>
      <itunes:author>Eva Deinert</itunes:author>
      <itunes:summary>Meditation als Möglichkeit zur Entspannung ist sehr beliebt und mit Apps und Videos gibt es viele kostenlose Angebote. Doch beim Blick nach innen und der Konzentration auf sich selbst, können auch Gefühle, Gedanken, Krisen und Traumata zum Vorschein kommen, mit denen man nicht gerechnet hat. Von Eva Deinert</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/81f1c88f-dfef-471e-9a13-b9725da61fb7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Meditation als Möglichkeit zur Entspannung ist sehr beliebt und mit Apps und Videos gibt es viele kostenlose Angebote. Doch beim Blick nach innen und der Konzentration auf sich selbst, können auch Gefühle, Gedanken, Krisen und Traumata zum Vorschein kommen, mit denen man nicht gerechnet hat. Von Eva Deinert</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Eva Deinert<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Berenike Beschle, Peter Veit, Jenny Güzel<br/> Technik: Regine Elbers<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Ulrich Ott, Dr. Liane Hofmann, beide Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V. <br/>Prof. em. Dr. Michael von Brück, Religionswissenschaftler</p>
<p></p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Meditation - Übung mit tiefem Sinn<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/meditation-uebung-mit-tiefem-sinn/bayern-2/78755906/ ">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht</strong><br/><strong>Worüber wird in dieser Woche alles gesprochen? Nah dran bietet euch immer freitags die Hintergründe zum Thema der Woche, persönlich, verlässlich und verständlich. <br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/nah-dran-die-geschichte-hinter-der-nachricht/10836217/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>


<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Mehr über die Beratungsstelle von Dr. Ulrich Ott und Dr. Liane Hofmann am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) <a title="Hier geht es zur Website" href="https://igpp.de/">HIER</a></strong></p>
<p></p>
<p><strong>Hofmann, L., &amp; Ott, U. (27. Februar 2024). Beratung bei spirituellen und meditationsinduzierten Krisen [Video]. <a title="Hier geht es zu YouTube" href="https://www.youtube.com/watch?v=E1yTjGsI9wQ ">YouTube</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Hofmann, L. &amp; Ott, U. (2024): Themenschwerpunktausgabe &quot;Spirituelle und meditationsinduzierte Krisen&quot;. Zeitschrift „Bewusstseinswissenschaften – Transpersonale Psychologie und Psychotherapie“, 30(2). </p>
<p></p>
<p>Hofmann, L. &amp; Heise, P. (Hrsg.) (2017). Spiritualität und spirituelle Krisen. Handbuch zu Theorie, Forschung und Praxis. Stuttgart: Schattauer/ Klett-Cotta. </p>
<p>von Brück, M. (2025): Wie wir Menschen werden. Anthropologie für die Zukunft. Interkulturelle Entdeckungen, Herder Verlag.</p>
<p></p>
<p>Sedlmeier, P. (2016). Die Kraft der Meditation. Was die Wissenschaft darüber weiss. Rowohlt.</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/manuskripte/index.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Willkommen zu deiner Meditation.</p>
<p></p>
<p>Nimm dir einen Moment Zeit, um anzukommen.</p>
<p>Such dir einen Ort, an dem du für die nächsten Minuten ungestört sein kannst.</p>
<p>Setz dich bequem hin – aufrecht, aber entspannt.</p>
<p>Lass deine Schultern sanft sinken…</p>
<p>und schließ, wenn du möchtest, langsam die Augen.</p>
<p>„Spür den Boden unter dir.</p>
<p>Spür, wie dein Körper getragen wird.</p>
<p>Und dann… richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem.</p>
<p>Ein… und aus.“</p>
<p>SPRECHERIN  (ab kursivem Text drüber)</p>
<p>So beginnen viele Meditationsvideos, die es millionenfach im Internet auf YouTube oder in Apps zu finden gibt. Laut einer Umfrage des Statistik-Portals Statista hat fast jede bzw. jeder vierte Deutsche eine Meditationsapp auf dem Handy. Meditieren ist nicht mehr nur ein Trend, es ist ein Massenphänomen geworden. Viele meditieren, um Stress loszuwerden, Probleme zu bewältigen, besser zu schlafen, ruhiger und entspannter zu werden oder sich selbst besser kennenzulernen. Und die Wissenschaft gibt ihnen erstmal Recht: Studien zeigen, dass Meditation Stress reduzieren kann – unter anderem durch die Senkung des Stresshormons Cortisol. Oder dass Meditieren bei depressiven Verstimmungen zu einer Besserung und zur emotionalen Resilienz beitragen kann. Auch das Immunsystem profitiert von Meditation und wird dadurch nachweislich gestärkt . Bei Meditierenden verändert sich außerdem das Gehirn in den Bereichen, die für Emotionen und Aufmerksamkeit zuständig sind, es steigert also die Konzentration. Und wer meditiert, schläft besser, weil Meditieren das sogenannte &quot;Gedankenkarussell&quot; reduzieren kann, was viele Menschen vom Einschlafen abhält.</p>
<p>MUSIK wird dunkler</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Im Internet tauschen sich Meditierende über ihre Erfahrungen aus. Zum Beispiel in offen einsehbaren Foren wie Reddit. Dort finden sich auch Erfahrungsberichte wie diese – die von einem scheinbar anderen Effekt erzählen. </p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Ich habe seit Wochen einen sehr starken Druck auf der Brust und damit einhergehende Angstgefühle, wenn soziale Events bevorstehen. Habe deswegen angefangen, geführte Meditationen von Mady Morisson [auf Youtube] zu machen. Die ersten Male waren der Hammer und ich habe mich danach sehr befreit gefühlt. Das ist jetzt nach dem 5. - 6. Mal leider umgeschlagen und ich wurde beim Meditieren noch unruhiger, als ich es vorher war. Das hat heute seinen Höhepunkt gefunden, ich habe währenddessen Atemnot und Herzklopfen bekommen, weil ich so durch den Wind war. Jetzt fühle ich mich einfach nur sehr ausgelaugt und abgestumpft.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Diplompsychologin Dr. Liane Hofmann vom Institut der Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg beschäftigt sich mit genau solchen Fällen und kennt die Phänomene, die für viele Menschen überraschend und unerwartet sind:</p>
<p>ZSP 1 Hofmann: Aufhebung der Verdrängungsschranke</p>
<p>Also insgesamt bringt die Meditation eben als erster Effekt erst mal diese Aufhebung der Verdrängungsschranke. Und es kommt ganz viel Material, auch in die Psyche, mit dem man dann umgehen muss, das man verarbeiten muss. Das ist eine der ersten Wirkungen.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Liane Hofmann beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema spirituelle Entwicklung und ihre möglichen Krisen. Die Verdrängungsschranke ist ein Begriff aus der Psychologie und beschreibt eine Art inneren Schutzmechanismus für unser Bewusstsein, der dafür sorgt, dass schmerzhafte Erinnerungen, unangenehme Gefühle und Traumata erstmal im Unbewussten bleiben und uns nicht im Alltag überwältigen. Meditation kann dazu führen, dass diese Verdrängungsschranke weicher wird und diese Inhalte manchmal plötzlich ins Bewusstsein dringen. Das kann ganz individuell sowohl als befreiend als auch beunruhigend empfunden werden. </p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Um zu verstehen, was bei Mediation also schieflaufen kann, muss man erstmal erklären, wie Meditation genau funktioniert. Meditation gibt es in vielen unterschiedlichen Praktiken und Formen: Zum Beispiel Atemmeditation, die sich auf das Ein- und Ausatmen konzentrieren, Achtsamkeitsmeditationen oder „Mindfulness“, die neben dem Atem auch andere Körperempfindungen beobachten. Zen-Meditationen, also das Sitzen in der Stille, mit dem Fokus auf das Atmen und „nicht-Denken“.  Im östlichen Christentum wird das Herzensgebet rezitiert, also ein Satz mantraartig wiederholt, um den Geist zu konzentrieren. Auch Fasten und Schweigerituale gehören dazu. Dynamische Formen sind Gehmeditationen, QiGong oder auch Yoga-Praktiken. Ihren Ursprung haben viele davon: in der Religion. </p>
<p>ZSP 2 von Brück: in allen Religionen bewusstseinserweiterungen</p>
<p>Wir haben in allen Kulturen, in allen Religionen Techniken der Bewusstseinsbeeinflussung, Bewusstseinserweiterung gegenüber dem alltäglichen Bewusstsein.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Theologe Michael von Brück ist emeritierter Professor der Religionswissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München und Zen- und Yogalehrer. Er hat lang Meditationsformen in verschiedenen Religionen untersucht. </p>
<p>ZSP 3 von Brück: jenseits Horizont</p>
<p>Das wird dann in den Religionen natürlich mit dem Wunsch oder so möchte ich mal verknüpft, einen Erfahrungsbereich zu erreichen, der jenseits des alltäglichen, raumzeitlichen Gefühls, zweckorientierten Denkens, ich muss immer dies oder das tun, einen Horizont erweitert, in dem dann eben die religiösen Erfahrungen und die religiösen Erlebnisse möglich sind.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Gäubige, die meditieren, haben über die Religionen hinweg einiges gemeinsam:</p>
<p>ZSP 4 von Brück Ziel von Meditation</p>
<p>Das Ziel tiefer in das, was ist eigentlich der menschliche Geist, was ist unser Leben, das kann doch nicht alles sein, sondern was ist eigentlich hinter dem allen. Daran zu kommen, nicht nur durch den Gedanken, sondern durch eine tiefe psychosomatische Erfahrung, das ist das Ziel der ganzen Geschichte,  wobei noch dazukommt, dass viele dieser Rituale und der Techniken, die ich eben erzählt habe, in Gemeinschaft stattfinden. Also etwa das Trommeln, das Tanzen, aber auch das Meditieren, selbst das Sitzen im Schweigen, geschieht in Gemeinschaft und schafft eine Art von Kommunität, gemeinsamer Sicherheit auch, die für Menschen, die natürlich Angst haben, Angst vor dem Leben, Angst vor dem Sterben, ganz bedeutend ist und ganz starke heilende Wirkung haben kann.</p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Heute hat sich Meditation verändert: viele Menschen fangen nicht aus religiösen Gründen damit an. Sie wollen aber von den positiven Effekten, die Meditation haben kann, profitieren - der Beeinflussung des Bewusstseins und der positiven, heilenden Wirkung auf den Körper. Dr. Ulrich Ott ist Psychologe und Meditationsforscher am Institut der Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg und kennt weitere Gründe.</p>
<p>ZSP 5 Ott: Motive zur Meditation bis Instrospektion</p>
<p>So die wichtigsten sind erst mal die Entspannung und die Stressreduktion. Das ist auch oft eine Einstiegsmotivation. Dann die Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit generell. Die Selbsterforschung, also die eigenen Motive zu ergründen, sich so Introspektion zu betreiben, wer bin ich eigentlich, was will ich eigentlich in meinem Leben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wer lernen möchte, sich besser zu entspannen und gelassener mit Stress umzugehen, sucht also die Möglichkeit, seine mentale Gesundheit sozusagen zu trainieren. Viele Gesundheits- und Fitnessinfluencer preisen auf Social Media daher Meditation für dieses Ziel an. Bei anderen steckt vielleicht ein Leidensdruck dahinter:</p>
<p>ZSP 6 Ott: Motive zur Meditation – Umgang mit Problemen.</p>
<p>Ein sehr großes Motiv ist auch der Umgang mit Problemen. Das können Schmerzen sein, belastende Gefühle, zum Beispiel nach Trennung oder auch körperliche Erkrankungen, die mit Beschwerden einhergehen. Und dann haben Sie den ganz großen Bereich der spirituellen Zielsetzungen, wo es um spirituelle Erfahrungen geht, mystische Erfahrungen bis hin zu Befreiungen, sehr tiefer Selbsterkenntnis in der Meditation. Also von Entspannung bis Erleuchtung haben Sie sozusagen ein Spektrum von Motiven, warum Menschen anfangen zu meditieren.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Wie Meditation auf Körper und Gehirn wirkt, ist unabhängig von der Art der Praxis. Ulrich Ott erklärt diesen überraschenden Fakt so:</p>
<p>ZSP 7 Ott: Die Aufmerksamkeit nach innen wenden </p>
<p>Also was Sie beschreiben können, ist, dass wir normal im Alltag ja sehr geschäftig sind und mit vielen Dingen aus der Außenwelt uns beschäftigen und in der Meditation wenden sie ja die Aufmerksamkeit nach innen. und nehmen erst mal unseren Körper wahr. Der hat sehr viele wichtige Quellen von Emotionen, von Gefühlen, von unserem Seinsgefühl. Und damit nehmen Sie Kontakt auf. Also vieles, was unbewusst ist, was unterhalb einer Wahrnehmungsschwelle ist im Alltag, was aber die ganze Zeit da ist. Sie atmen ja die ganze Zeit. Ihr Herz schlägt die ganze Zeit. Sie haben ein Gefühl, wie es Ihnen geht im Bauch, ein Bauchgefühl. Zu diesen Quellen finden Sie einen Zugang. Und da sind eben nicht nur körperliche Empfindungen, sondern auch viele tiefe Gefühle zu Hause. Zum Beispiel eine Wut im Bauch oder eine alte Trauer oder eine Verletzung im Herzen. Und die werden dann wieder wahrnehmbar. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Und das ist ja auch so gewollt in der Praxis der Meditation: Die bewusste Beschäftigung mit sich selbst, raus aus dem Alltag. Dabei kann schon bewusstes Atmen ausreichen, um eine Brücke zu bilden zwischen Bewussten und Unbewussten. Und diese Brücke führt dann hinter die Verdrängungsschranke - also hinter diese Barriere, die im Alltag dafür sorgt, dass Dinge häufig im Unbewussten bleiben. Was dort wohnt, kann dann auftauchen.  </p>
<p>ZSP 8 Hofmann: Ganz weit zurückreichen in die frühe Kindheit</p>
<p>Das können Bilder sein, das können Gefühlszustände sein, Impressionen sein. Die können aus ganz frühen Zeiten kommen oder aus aktuellen Situationen heraus entstehen. Und manchmal ist das bekannt und man hat einen Bezug dazu. Aber manchmal tauchen da auch Gefühle und Eindrücke auf, wo man gar nicht weiß, wo kommt das eigentlich her. Das kann ganz weit zurückreichen in die frühe Kindheit.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Für manche Menschen ist das nicht überraschend, sie kennen diese Wirkung von Meditation. Andere Menschen sind irritiert, wenn solche Bilder, Gefühle und Gedanken auftauchen und für sie ist es nicht einfach, damit umzugehen. Laut einer Untersuchung einer Arbeitsgruppe, an der auch Forschenden der Charité Berlin beteiligt waren, haben 22% der Meditierenden schon mindestens eine unangenehme Erfahrung erlebt beim Meditieren. 13% berichten sogar von einem negativen oder schädlichen Effekt, sie waren gesundheitlich beeinträchtigt oder brauchten Unterstützung. Welche Erfahrungen als unangenehm wahrgenommen werden, ist höchst individuell. Ulrich Ott:</p>
<p>ZSP 9 Ott: sensorische Deprivation - innere Bilder</p>
<p>dass Sie merken, da sind ungewöhnliche Empfindungen im Körper, vielleicht auch energetische Empfindung, das wird sehr oft berichtet, dass man irgendwo Energieströme oder Wirbel im Körper spürt, das ist am Anfang so. Es kann auch sein, dass sie mit geschlossenen Augen Lichterfahrungen haben, dass die Farben sehen. Das ist zum Teil einfach eine Wirkung der sensorischen Deprivation, das heißt dieses Rückzugs der Sinne aus der Außenwelt. Ja, dann sinken die Reizschwellen fürs Feuern im Gehirn und dann kann sein, dass sehr viel spontane innere Bilder auftauchen.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Meditierende wollen bewusst die äußeren Reize, die Hektik, die Informationsflut, den Alltagsstress reduzieren und praktizieren in der Regel auch in einer ruhigen, geräuscharmen Umgebung möglichst ohne Störungen - das ist die Sensorische Deprivation. Das Gehirn hat dann weniger Input von außen – und beginnt, die inneren Wahrnehmungen hochzufahren. Körperempfindungen werden intensiver, z.B. nimmt man den Atem lauter wahr oder der Herzschlag wird spürbarer. Gedanken und Emotionen drängen sich deutlicher auf. Diese erhöhte Empfindsamkeit ist ein Zeichen der gesteigerten Wahrnehmung und ein natürlicher Effekt davon, dass die Aufmerksamkeit fokussiert wird. Das Nervensystem nimmt jetzt auch schwache Reize viel schärfer wahr. </p>
<p>ZSP 10 Hofmann: Hypersensibilität</p>
<p>Und das wird so stark, dass die Leute dann sagen, ich kriege viel mehr mit von meinen eigenen Zuständen und die sind zuweilen schwer zu ertragen. Oder ich bin auch empathischer geworden. Ich kriege mehr mit von den Stimmungen von anderen Menschen. Und das wirkt dann auf Dauer überwältigend.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hypersensibilität nennt das die Wissenschaft. Liane Hofmann und Ulrich Ott berichten, dass diese Nebenwirkung häufig beschrieben wird von den Anrufern in ihrer Beratungsstelle in Freiburg. Am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene beraten sie Menschen bei spirituellen und meditationsinduzierten Krisen. Viele beschreiben, dass sie ein gesteigertes Mitgefühl erleben, Stimmungen stärker wahrnehmen, als ständen ihre Antennen permanent auf Empfang. </p>
<p>Also: Innere Bilder und alte Gefühle, die auftauchen, das bewusste Wahrnehmen von sonst normalen oder automatischen Prozessen im Körper und Hypersensibilität sind Wirkungen von Meditation, die irritieren und herausfordern können. Aber es gibt auch noch tiefergehende Krisen, die bei intensiver Praxis auftreten können. </p>
<p>ZSP 11 Ott: Depersonalisation</p>
<p>dann kann es auch dazu kommen, dass Sie so Ihre alten Rollen, Verständnisse und Denken, was Sie immer dachten, wer Sie sind und wie Sie sind, dass das hinterfragt wird. dass sie sich gar nicht mehr mit ihrem alten Ich identifizieren können, wie sie das bisher getan haben. Also, dass es eine tiefe Hinterfragung ihres bisherigen Weltbildes gibt. Und das kann eine Erschütterung sein, eine existenzielle Krise auslösen oder auch, dass die Umwelt nicht mehr so vertraut ihnen vorkommt und sie sich so ein bisschen fühlen wie in der Matrix und denken, da gibt es irgendwie noch was anderes, aber sie haben noch nicht so richtig ... Das integriert in ihr neues Weltbild. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Ein derartiger “spiritueller Durchbruch” in der Meditation ist ein Moment tiefster innerer Erkenntnis oder Erfahrung, in dem sich das gewohnte Selbstgefühl auflöst oder erweitert. Etwas, dass viele Meditierende erreichen wollen, die auf der Suche nach der Erleuchtung sind.</p>
<p>ZSP 12 Ott: spirituelle Durchbrüche</p>
<p>Also diese Übergangsphasen, diese Durchbrüche in spirituelle Erfahrungsbereiche, das können halt auch manchmal Zusammenbrüchen sein. Man kommt da mit Bereichen in Berührung, wo man nicht so richtig weiß, wie man damit umgehen kann, weil das so neu und unbekannt ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Moment des Durchbruchs kann also bei manchen Menschen auch Überwältigung auslösen, wenn sie nicht damit gerechnet haben. In einem Forum auf der Plattform Reddit beschreibt ein User seine Erfahrungen damit so:</p>
<p>ZITATOR </p>
<p>Damals gab es in der App einen Einführungskurs, in dem man jeden Tag nach und nach neue Techniken erlernte. Während ich diese Techniken anwendete, begann ich einige seltsame Empfindungen zu entwickeln. Das Schlimmste, was dabei herauskam, war, als ich zu den Abschnitten kam, die einen zum Nachdenken über Fragen wie „Wer ist derjenige, der denkt“, „Was ist die Quelle Ihres Bewusstseins“ usw. anregen. Diese Fragen haben in mir das Gefühl ausgelöst, dass mein Gehirn schmilzt oder explodiert. Ich hatte das Gefühl, dass alles ein erfundenes Konstrukt ist und keine eigentliche Bedeutung hat. Ich wurde zum Zuschauer des Lebens und lebte nicht mehr.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Dass Menschen sich mit ihren Meditationserfahrungen allein und erschüttert fühlen, liegt auch oft daran, dass die Praxis aus ihrem religiösen Kontext herausgelöst wurde. In den Religionen geht es auch immer um ein Lehrer-Schüler-Verhältnis. Um jemanden, der einen begleitet und anleitet, erklärt Michael von Brück.</p>
<p>ZSP 13 von Brück: Man braucht einen Spiegel</p>
<p>Das ist in allen Religionen wesentlich. Schauen Sie, im Christentum, nicht wahr, da haben wir ja zum Beispiel also den Beichtvater, im Buddhismus den spirituellen Freund, wie man das nennt, Kalyana Mitra ist der Begriff, eine Begleitung. Man braucht sozusagen auch einen Spiegel, in den man schauen kann.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Darüber hinaus gehört zu einer Religionsausübung noch viel mehr, zum Beispiel: eine bestimmte Lebensführung, ethisch-moralische Richtlinien, die eine bestimmte innere Haltung und Geisteshaltungen fördern. Sodass ein ganzheitlicher Kontext entsteht, zu dem auch ein weiteres wichtiges Element gehört: Die Einbettung in die Gemeinschaft. </p>
<p>ZSP 14 Hofmann: Meditation rausgelöst</p>
<p>wir heute hier in der westlichen Gesellschaft haben ein Element von dem ganzen Paket rausgenommen, nämlich die Praxis, dann die Meditation. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sei es das Atmen, das Stillsitzen, das Mantrensingen, das Schweigen – in welcher Form auch immer – einen Teil haben wir rausgelöst, der religiös-spirituelle Unterbau fehlt in der modernen Anwendungsweise häufig. </p>
<p>ZSP 15 Hofmann: Meditation allein</p>
<p>die Leute ... meditieren neben ihrem Alltag, neben ihrem beruflichen Stress, neben ihren familiären Anforderungen. Also es ist oft sehr dicht getaktet und gar keine Muse oder Raum oder oftmals auch keine Verbindung mit der Community, mit einer Gemeinschaft, die mitpraktiziert, was auch ein sehr wichtiger Faktor ist für die Stabilität und den gemeinsamen Prozess. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Häufig haben Meditierende, die sich bei Liane Hofmann und Ulrich Ott Hilfe in der Beratungsstelle suchen, intensiv allein zu Hause ohne Einbindung in eine Gemeinschaft mit Online-Angeboten und Apps meditiert. Und: </p>
<p>ZSP 16 Ott: Risikofaktor allein in Fernost</p>
<p>Es ist nicht nur alleine zu Hause. Wir haben auch immer wieder Fälle von Leuten, die sozusagen in andere Kulturen eintauchen, zum Beispiel in Fernasien, im Fernosten, und dort dann einen Kurs buchen im Kloster. Die sind ja für Westler inzwischen offen, aber dann ist eine Sprachbarriere da und sie haben oft nicht den ganzen kulturellen Hintergrund, in den diese Praxis eingebettet ist. Praktizieren aber sehr intensiv, also viele Stunden am Tag, oft im Schweigen. Und da haben wir die Erfahrung gemacht, dass das auch ein Risikofaktor ist, wenn Sie quasi alleine unterwegs sind auf Weltreise und dann so einen ganz intensiven Psychenprozess machen, ohne irgendeine Möglichkeit zu haben, sich auszutauschen.  Also das ist auf jeden Fall auch so ein Aspekt von Dekontextualisierung, der da ein Risikofaktor darstellt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Retreat ist kein Wellnessurlaub, das unterschätzen viele. Denn die Beschäftigung mit sich selbst ist nicht gleichbedeutend mit Erholung. Auch wer sonst kurze Meditationseinheiten im Alltag praktiziert, kann nach einer intensiven Woche überwältigt sein. Wenn Menschen sich in der Beratungsstelle bei Ulrich Ott und Liane Hofmann melden, geht es zunächst darum, den Kontext zu bieten, der oft in der Praxis – allein zu Hause oder nach einem intensivem Retreat – fehlt. Und das Ganze erstmal zu normalisieren.</p>
<p>ZSP 17 Ott: Beruhigung </p>
<p>weil die Betroffenen, die Ratsuchenden denken, sie sind die Einzigen, denen das passiert ist. Und ihnen dann zu sagen, das haben wir schon öfter gehört, das ist gar nicht so ungewöhnlich, das beruhigt schon ein bisschen, dass sie das Gefühl haben, sie sprechen mit jemanden, der das schon oft gehört hat, der das einordnen kann, das eine große Beruhigung. Ja, und wenn man das dann erklärt und andere Modifikationen zum Beispiel vorschlägt, eine Reduktion der Praxis oder eine andere Praxis, dann können die Leute trotzdem das, was sie gewinnen durch die Meditation, weiter beibehalten. Das hat ja auch für sie oft einen Wert. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In anderen Fällen reicht das aber nicht aus. </p>
<p>ZSP 18 Hofmann: Depression</p>
<p>Oftmals stellt sich bei so einem Gespräch auch heraus, dass die Vorstellung irgendwie die falschen war, dass jemand eigentlich Meditation anfängt, um seine Depression oder seine Angstzustände besser in den Griff zu kriegen. Und es reicht aber einfach nicht aus. Also da wäre vielleicht dann besser bei einer Psychotherapie besser beraten. Und da raten wir dann auch zur Aufnahme von der Psychotherapie.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Manchmal wird hier aber der Mangel an anderer Stelle deutlich: Psychotherapieplätze sind in Deutschland rar und mit langen Wartezeiten verbunden. Manche Menschen versuchen sich dann zunächst selbst zu helfen, weil sie von guten Effekten der Meditation bei Depressionen und ähnlichem gehört und gelesen haben. Doch unbegleitet kann das das Gegenteil bewirken. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein einfacher Rat für Menschen, die mit Meditation anfangen, ist daher ähnlich, wie der, den man jemanden geben würde, der mit Fitnessübungen oder Fasten anfängt: nicht einfach loslegen, sondern sich zunächst darüber informieren. Nicht jede Praxis ist auch für jeden geeignet. Vorsicht walten lassen vor überzogenen Versprechungen der Werbung im Netz und von Influencern auf Social Media. Ulrich Ott sagt, dass zum Beispiel viele Krankenkassen gute Angebote hätten mit zertifizierten Kursen und geprüften Lehrpersonen. Gute Angebote erkennt man auch daran, dass nicht sofort das teure Retreat verkauft wird, sondern zum Beispiel auch Erfahrungen und Vorprägungen abgefragt werden und zunächst zu kürzeren Kursen geraten wird. Gerade eine intensive, mehrtägige Praxis, ohne dass man viel Vorerfahrung hat, kann ein Risikofaktor für Krisen sein. </p>
<p>MUSIK</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Liane Hofmann und Ulrich Ott versuchen ihr Wissen um meditationsinduzierte Krisen auch weiterzugeben und in die Breite der Psychotherapie zu bringen. Denn nicht jeder Mediziner oder Psychotherapeut weiß um die beschriebenen Nebenwirkungen von Meditation, wenn ein Patient oder eine Patientin Hilfe sucht. Durch Information, Prävention und Aufklärung lassen sich dann vor allem auch die positiven Effekte von Meditation besser genießen.</p>
<p>ZSP 19 von Brück: Gemeinschaft in Zen </p>
<p></p>
<p>wenn wir Zen praktizieren, dann ist das eine Woche im Schweigen. Da wird nicht miteinander geredet. Wir sitzen stundenlang, machen unsere Yoga-Praxis selbstverständlich, weil das auch sehr schön ist, sich dann ganz konzentriert zu bewegen. Das ist ja ein Genuss, das gehört unbedingt dazu. So, wir sitzen nebeneinander, 20, 25, 30 Leute und schweigen. Es entsteht nicht gleich nach einer Stunde, sondern aber eben nach ein, zwei, drei, vier Tagen eine Tiefe von Gemeinschaft und Gemeinschaftsgefühl, was jedes geschwätzige Zusammensein hinter sich lässt.  Und das schafft eine Sicherheit, eine Tiefe, ja, ich möchte sagen Verwurzelung, die ich gar nicht benennen muss, die aber mein Lebensgefühl so richtig gut zum Ausdruck bringt. Also gerade in dem Schweigen, in der scheinbaren Einsamkeit, entsteht eine Tiefe von Gemeinschaft, die wir im Alltag längst verloren haben. Und das kann natürlich Apps oder sowas überhaupt nicht ersetzen.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Indigene in Südamerika: &quot;Wir sind seit 500 Jahren im Widerstand&quot;</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/indigene-in-suedamerika-wir-sind-seit-500-jahren-im-widerstand/2107579</link>
      <pubDate>Wed, 18 Jun 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f1cc5751-a992-49e7-870e-edff02dfd5ef</guid>
      <description>Mit der Konquista Südamerikas begann auch die Geschichte des indigenen Widerstands. Doch die Ausgangspositionen und die Strategien konnten unterschiedlicher nicht sein. Zuerst gegen Besetzung, Sklaverei und Zwangsarbeit in den Minen. Heute gegen Landraub, Extraktivismus und manchmal ums pure Überleben. Autorin: Ulrike Prinz (BR 2025)</description>
      <enclosure length="22015872" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107579/c/feed/indigene-in-suedamerika-wir-sind-seit-500-jahren-im-widerstand.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:55</itunes:duration>
      <itunes:author>Prinz, Ulrike</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit der Konquista Südamerikas begann auch die Geschichte des indigenen Widerstands. Doch die Ausgangspositionen und die Strategien konnten unterschiedlicher nicht sein. Zuerst gegen Besetzung, Sklaverei und Zwangsarbeit in den Minen. Heute gegen Landraub, Extraktivismus und manchmal ums pure Überleben. Autorin: Ulrike Prinz (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c30f0442-905c-4574-98a8-83d21112fa08.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Konquista Südamerikas begann auch die Geschichte des indigenen Widerstands. Doch die Ausgangspositionen und die Strategien konnten unterschiedlicher nicht sein. Zuerst gegen Besetzung, Sklaverei und Zwangsarbeit in den Minen. Heute gegen Landraub, Extraktivismus und manchmal ums pure Überleben. Autorin: Ulrike Prinz (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Ulrike Prinz <br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Christian Baumann, Thomas Birnstiel, Silke v. Walkhoff,  Peter Veit<br/> Technik: Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/atahualpa-der-letzte-koenig-der-inka/bayern-2/10745973/">Atahualpa - Der letzte König der Inka</a></strong></p>
<p>Das Gold der Inka weckte die Gier der spanischen Konquistadoren. Der Inkakönig Atahualpa konnte sich zunächst nicht vorstellen, wozu die Eindringlinge in sein Reich fähig waren. Von Frank Halbach</p>

<p><strong>Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong><a title="Hier gehts zur ALLES GESCHICHTE" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-der-history-podcast/82362084/">ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-indigene-in-suedamerika-500-jahre-wiederstand-suedamerika-volk-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong>:</p>
<p>Die Jahre der Präsidentschaft des rechtsextremen Jaír Bolsonaro von 2019 bis 2023 waren für Brasiliens Indigene harte Zeiten: Er erkannte keinen Zentimeter der Territorien an, die ihnen rechtlich zustehen und der Umweltminister nutzte die Gunst der Stunde der Corona-Pandemie, um die Vorschriften zu lockern und den Regenwald weiter abzuholzen. Während der Corona-Pandemie wurden den Indigenen Hilfsmittel und Krankentransporte verweigert und die Behörde, die eigentlich zu ihrem Schutz eingerichtet worden war, besetzte Bolsonaro mit einem Evangelikalen Missionar. Der wollte die in „freiwilliger Isolation“ lebenden Völker während der Pandemie kontaktieren. Was aufgrund fehlender Antikörper ihren sicheren Tod bedeutet hätte. In letzter Minute schritt das Bundesgericht ein und schützte ihr Leben.</p>
<p><strong>MUSIK</strong> <strong>1</strong></p>
<p>&quot;Toyos&quot; </p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong>:</p>
<p>Dennoch betrachten die Indigenen das Mandat Bolsonaros nur als eine weitere Etappe in ihrem Widerstandskampf, den sie seit über 500 Jahren führen.</p>
<p><strong>MUSIK</strong> <strong>2</strong> </p>
<p>&quot;Who is Riley&quot; - Aporia (Original Motion Picture Soundtrack) - Komponist und Ausführender: H. Scott Salinas - Länge: 0&#39;43</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Im Jahr 1542 befand sich eine Brigantine auf dem Rio Marañón flussabwärts. Sie war bemannt mit 57 Soldaten, bewaffnet mit Armbrüsten und Schießpulver. Sie stand unter Befehl von Francisco Orellana, der einen befahrbaren Weg zur Amazonasmündung suchte. Doch dafür brauchte er Proviant. Um ihren Hunger zu stillen, überfielen seine Männer die am Ufer liegenden Dörfer. Und während sich die Indigenen „in Luft auflösten“, versorgten sich die sogenannten „Entdecker“ mit Maniokbrot und allen Nahrungsmitteln, derer sie habhaft werden konnten.</p>
<p><strong>MUSIK 3</strong></p>
<p>&quot;The Hunters&quot; - Album: The Last of Us Original Score - Komponist: Gustavo Santaolalla - Länge: 0&#39;30</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Doch je breiter der Fluss wurde, umso größer wurden die Siedlungen der Indigenen, und sie begannen sich zu wehren. Etwa zwischen den Zuflüssen des Río Madeira und des Rio Tapajóz waren die Angriffe so stark, dass der Chronist der Reise, der Dominikanerpriester Gaspard de Carvajal, sich das nur durch die Autorität von „Amazonen“ erklären konnte. Am 24. Juni 1542 notiert Carvajal in seinem Bordtagebuch:</p>
<p><strong>Musik 4</strong></p>
<p>&quot;Heaven #5 (Dost Thou Not Fear God)&quot; - Album: The Phoenician Scheme (Original Score) - Komponist: Alexandre Desplat</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Ich möchte, dass Sie wissen, warum sich diese Indianer so sehr verteidigten. Sie sind nämlich Untergebene und Tributpflichtige der Amazonen, und nachdem sie von unserer Ankunft erfahren hatten, baten sie diese um Unterstützung und es kamen 10 oder 12, die wir sahen, sie kämpften allen voran als Anführerinnen so tapfer, dass die Indianer es nicht wagten, sich zur Flucht zu wenden; und jeden, der davonlaufen wollte, töteten sie vor unseren Augen mit Keulen.“</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Die Frauen hätten so viel Ärger gemacht wie zehn Männer, behauptet Carvajal. Eine von ihnen hätte eine Handvoll Pfeile in eine der Brigantinen geschossen, dass sie wie ein Stachelschwein aussah. </p>
<p>Ob diese „Amazonen“, nach denen der größte Fluss der Erde benannt ist, tatsächlich existierten, weiß man nicht genau. Aber dass auch Frauen gegen die Kolonisatoren kämpften, war für die Historiker am spanischen Hof keine Neuheit.</p>
<p><strong>MUSIK 5</strong></p>
<p>&quot;Toyos&quot; </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN: </strong></p>
<p>Die Geschichte der Indigenen Südamerikas lässt sich als eine lange Abfolge unterschiedlicher Formen des Widerstands beschreiben. Denn die Reaktionen auf die „Eroberung“ waren ebenso vielfältig, wie die Kontaktsituationen selbst. </p>
<p>Während die spanischen Eroberer und Kolonisatoren mit roher Gewalt vorgingen, fiel die Antwort der Indigenen unterschiedlich aus. Wenn sie konnten, zogen sie sich in unzugängliche Gebiete zurück oder organisierten bewaffneten Widerstand. Manche verbündeten sich mit den Eindringlingen, um ihre traditionellen Erzfeinde loszuwerden. Und manche versuchten, Handel zu treiben.</p>
<p>Das Erstaunliche war, dass die Unterwerfung der großen amerikanischen Imperien der Maya in Mexiko und der Inka in Peru, vergleichsweise glatt über die Bühne gingen. Obwohl es auch dort Widerstand gegen die Eindringlinge gab.</p>
<p><strong>Musik 6</strong></p>
<p>&quot;Inca Gold&quot; aus: &quot;Ethnic&quot;</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Gut dokumentiert ist die Geschichte des Aufstandes von Túpac Amaru, des letzten Inka-Herrschers im Jahr 1572. Sie endet blutig und traumatisch für die Hinterbliebenen und schrieb sich tief ins kollektive Gedächtnis der Andenbevölkerung ein. </p>
<p>Vierzig Jahre zuvor (1532) war das riesige Inka-Reich durch Francisco Pizarro und seine kleine Streitmacht von etwa 170 Männern eingenommen worden. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erstreckte es sich mehr als 4.000 Kilometer entlang der Andenkette – vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien. In der Mitte thronte die heilige Stadt Cuzco. Bis zur Ankunft der Spanier war dies der „Nabel der Welt“. Hier herrschte der „Sapa Inka“, der göttliche Sohn der Sonne. Über 10 Millionen Menschen waren ihm untertan und leisteten den Arbeitsdienst „Mita“, zur Unterstützung des Imperiums. </p>
<p>Francisco Pizarro, der uneheliche Sohn eines Infanteristen aus dem dunklen Trujillo in der ärmlichen Extremadura, hatte sich bereits mit gewalttätigen Eroberungen einen Namen gemacht. Nun wollte er das Goldland der Inka unterwerfen. </p>
<p>Pizarro traf auf ein Land, das sich im Bürgerkrieg befand. Der herrschende Inca Huayna Capac war an Pocken gestorben. Und im Streit um die Thronnachfolge, war ein Krieg zwischen seinen Söhnen Atahualpa und Huáscar ausgebrochen, den Atahualpa gewann.</p>
<p>Pizarro wusste diese Situation für sich zu nutzen. Er verbündete sich mit den Adligen, die mit der Herrschaft Atahualpas unzufrieden waren und lockte ihn in einen Hinterhalt. </p>
<p>Um das Leben des Inkas zu schonen, forderte Pizarro Lösegeld. Ein ganzer Raum wurde bis zur Decke mit Gold gefüllt und zwei weitere mit Silber. Trotzdem ließ er den Inka-König mit einem Würgeholz erdrosseln. </p>
<p>Damit fiel das gesamte Inkareich unter spanische Herrschaft. </p>
<p>Nach der Hinrichtung Atahualpas setzte Pizarro den „Marionetten-Inka“ Manco Inca Yupanqui ein, um das Volk zu beruhigen. Auch er war ein Sohn von Huayna Cápac und damit ein legitimer Prinz des Inkareichs. Anfangs spielte Manco Inca das Spiel mit. Doch drei Jahre nach der Ermordung seines Bruders, 1536, erkannte er die Manipulation Pizarros. Mit Zehntausenden Kriegern rannte er gegen Cusco an. Fast ein ganzes Jahr belagerte er die Hauptstadt des Inka-Reiches. Doch er konnte die Spanier nicht vertreiben. </p>
<p>Also zog er sich in die unzugängliche Andenkordilleren von Vilcabamba zurück und errichtete dort sein eigenes Reich. Von hier aus dirigierte er Guerillaangriffe gegen die Spanier. </p>
<p>Mit Zehntausenden Kriegern rannte er gegen Cusco an. Fast ein ganzes Jahr belagerte er die Hauptstadt des Inka-Reiches. Doch er konnte die Spanier nicht vertreiben. </p>
<p>Also zog er sich in die unzugängliche Andenkordilleren von Vilcabamba zurück und errichtete dort sein eigenes Reich. Von hier aus dirigierte er Guerillaangriffe gegen die Spanier. </p>
<p><strong>Musik 7</strong></p>
<p>&quot;Toyos&quot;</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>36 Jahre hielt sich der Widerstand in Vilcabamba. Und als Manco Capac von schutzsuchenden Spaniern in seiner Festung ermordet wurde, folgte ihm der letzte Inkaherrscher Tupac Amaru. Er intensivierte die Angriffe auf die Kolonisatoren und machte sich den Ruf eines geschickten Guerilleros.</p>
<p><strong>MUSIK 8</strong></p>
<p>&quot;The Hunters&quot; - Album: The Last of Us Original Score - Komponist: Gustavo Santaolalla - Länge: 0&#39;29</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Zwei Jahre später, im April 1572, erklärte die spanische Krone ihm offiziell den Krieg. Sie schickte eine Strafexpedition unter Martín García de Loyola in das Widerstandsnest. Zunächst schien es, als könne Tupac Amaru mit seinen 500 Inkakriegern die Spanier schlagen. Der Chronist Fray Martín de Murua schreibt in seiner &quot;Historia General del Piru&quot; (1613):</p>
<p><strong>MUSIK 9</strong></p>
<p>&quot;Heaven #5 (Dost Thou Not Fear God)&quot; - Album: The Phoenician Scheme (Original Score) - Komponist: Alexandre Desplat - Länge: 0&#39;35</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Sie schlugen sich mit so großer Hartnäckigkeit und Martín García de Loyola, sah sich in höchster Todesgefahr, denn während er kämpfte, erschien ein Riese von einem Indianer, der ihn so umschlang, dass er sich nicht mehr rühren konnte, doch da kam ihm ein befreundeter Indianer zur Hilfe, Curillo, einer der Unseren, der ihm mit dem Säbel einen Stich in die Beine versetzte, so dass es ihn umwarf und einen weiteren in die Schulter, sodass der Riese tot niedersank und jener seinem Anführer Martín García de Loyola das Leben retten konnte.“</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Während die Spanier die Inkaresidenz in Vilcabamba verwüsteten, flüchtete Túpac Amaru ins amazonische Tiefland. Doch in Begleitung seiner hochschwangeren Frau kam er nicht schnell genug voran. Er wurde gefasst und in goldenen Ketten nach Cuzco geführt. </p>
<p>Obgleich García de Loyola versprochen hatte, sein Leben zu schonen, wenn er sich ergäbe, wurde der letzte Inkaherrscher Túpac Amaru 1572 auf dem Hauptplatz von Cuzco hingerichtet. </p>
<p>Fray Martín de Murúa schildert, wie Túpac Amaru das Schafott erstieg:</p>
<p><strong>MUSIK 10</strong></p>
<p>&quot;Procesion&quot; - Album: The Motorcycle Diaries - Komponist: Gustavo Santaolalla - Länge: 0&#39;51</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>“Da verstummten die Himmel und hallten wider mit ihren Schreien und ihrem Wehklagen; Während der auf dem Schafott stand, der Masse zu schweigen befahl; wozu der arme Túpac Amaru die Hände erhob und einmal klatschte, woraufhin alle Menschen verstummten und nicht eine einzige Stimme mehr zu hören war, was ein offensichtliches Indiz und Zeichen für den Gehorsam, die Furcht und den Respekt war, den die Indios vor ihren Herren und Herrschern hatten.“</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>In diese schaurige Stille hinein hielt Túpac eine Rede. Mehrere Geistliche flehten den Vizekönig an, Túpac zu verschonen und ihn in Spanien vor Gericht zu stellen … Doch Toledo blieb hart.</p>
<p><strong>MUSIK  11</strong></p>
<p>&quot;Los golpes&quot; Album: Pedro Páramo (Banda Sonora De La Serie De Netflix) - Komponist: Gustavo Santaolalla - Länge: 0&#39;30</p>
<p><strong>ZITATOR:</strong></p>
<p>„Er legte sein Haupt auf den Block. Der Scharfrichter griff ihm ins Haar und mit einem einzigen Schlag trennte er den Kopf vom Rumpf und hielt ihn in die Höhe. Da läuteten alle Glocken der Stadt und großer Kummer und Leid kamen über alle Anwesenden.“</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Es war das endgültige Ende des Inkareichs.</p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Doch wie konnte sich eine Hand voll Konquistadoren gegen zehntausende Indigene durchsetzen? </p>
<p>Der Widerstand der Inka gegen die spanische Eroberung von 1532 bis 1572 war zwar intensiv, aber so sehr Schießpulver, Eisen und Pferde den Spaniern auch halfen, so sehr Epidemien ihnen den Weg ebneten, so sehr Feindschaften zwischen Völkern wichtige Verbündete schufen, der Hauptverbündete der Kolonisatoren waren die indigenen Imperien selbst.</p>
<p>Die Inka, das am besten strukturierte Volk Amerikas, brach mit einem einzigen Schlag zusammen, als Pizarros Männer es enthaupteten.</p>
<p>Selbst kritische Stimmen, wie die des indigenen Chronisten Guamán Poma, waren davon überzeugt, dass die Macht den Aristokraten gebührt – ob Inkas oder Spanier. Er beklagte, dass in den Kolonien Menschen mit niedrigem Status an der Macht waren. Gegen den Imperator selbst hatte er nichts einzuwenden.</p>
<p>Ganz anders war das bei den unabhängigen indigenen Gruppen. Sie leisteten entschlosseneren Widerstand.</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Zum Beispiel die Chiriguanos: ein kriegerisches Volk, das in den östlichen Andenregionen des heutigen Bolivien, Argentinien und Paraguay lebte. </p>
<p>Im Handumdrehen hatten sie sich in ein wildes Reitervolk verwandelt, schmiedeten Eisenwaffen und überfielen spanische Siedlungen. Allerdings taten sie das auch mit ihren friedlichen Nachbarn, mit den Chanés, die sie zu verspeisen pflegten. </p>
<p>Das Fleisch der Spanier hingegen verschmähten sie. Es war ihrer Meinung nach „ungesund“. Später verkauften sie ihre Gefangenen als Sklaven an die Spanier und wurden so Teil des kolonialen Kreislaufs.</p>
<p>Erst im 19. Jahrhundert wurden sie von der bolivianischen Armee geschlagen. Sie verloren ihre politische Autonomie, die sie bis dahin eisern verteidigt hatten.</p>
<p><strong>Musik 12</strong></p>
<p>&quot;Inca Gold&quot; aus: &quot;Ethnic&quot; </p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Nachdem Franzisco Pizarro 1542 das Vizekönigreich „Piru“ installiert hatte, das fast ganz Südamerika und Teile Nordamerikas umfasste, wies die spanische Krone den Eroberern riesige Ländereien zu. Alle darauf lebenden Indigenen gehörten automatisch dazu. Peru wurde das wirtschaftliche Zentrum der spanischen Kolonien in Südamerika. Es beutete die Silberminen von Potosí im heutigen Bolivien aus. Die Indigenen wurden zu unbezahltem Dienst gezwungen und in den Minen zu Tode geschunden. </p>
<p>Immer wieder kam es zu lokalen Aufständen. Einer, der sich gegen das koloniale System auflehnte, war José Gabriel Condorcanqui. </p>
<p>Condorcanqui war ein wohlhabender Mestize mit inkaischem Blut. Seine Großmutter war Tupac Amarus Tochter gewesen. Und nach diesem letzten Inka-Herrscher, Tupac Amaru, sollte er sich nennen. Condorcanqui war in einem Franziskaner-Kolleg ausgebildet und versuchte zunächst mit juristischen Mitteln gegen die hohen Steuern und die Zwangsarbeit vorzugehen. Doch alle seine Eingaben in Cuzco und am Hof in Lima scheiterten. </p>
<p>Hinzu kam, dass in Tupacs Heimatbezirk ein ungeschlachter, arroganter und geiziger Mann die Steuern eintrieb: Antonio de Arriaga. Er mißhandelte die Indigenen und Tupac hatte ihn wegen Autoritätsmissbrauch und Veruntreuung von Steuergeldern verklagt – doch, wie immer – ohne Erfolg.</p>
<p>Am 16.November 1780 proklamierte Tupac Amaru II seinen berühmten „Freiheitserlass“, in dem er die Abschaffung der Sklaverei und der Zwangsarbeit forderte. Zwei Tage darauf ließ er den spanischen Steuereintreiber Antonio de Arriaga verhaften und öffentlich hinrichten. </p>
<p>Sofort hatte er eine große Gefolgschaft aus Indigenen, afrikanisch-stämmigen Sklaven und Mestizen hinter sich. Doch am 6. April 1781 setzten die spanischen Truppen Túpac und seine Verbündeten fest. Und als ob der Name mit dem Schicksal untrennbar verbunden war, sollte 200 Jahre später auch Túpac Amaru II., auf dem Platz der Tränen von Cuzco, öffentlich hingerichtet werden.</p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Doch die Ideen von Túpac Amaru II waren unsterblich. Sie gehörten weltweit zu den fortschrittlichsten. Er war der Erste, der die Abschaffung der Sklaverei forderte. Noch bevor sich die Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar und San Martín oder Abraham Lincoln dafür einsetzten. Bis sie tatsächlich abgeschafft wurde, sollten noch 157 Jahre vergehen.</p>
<p>Hatte Tupac Amaru I gegen die Kolonisatoren gekämpft, so wollte sein Wiedergänger die spanische Krone nicht stürzen. Er hatte nur versucht, die gröbsten Ungerechtigkeiten im Vizekönigtum zu beseitigen.</p>
<p><strong>Musik 13</strong></p>
<p>&quot;Altura novada y sol&quot; </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN:</strong></p>
<p>Als das spanische und portugiesische Kolonialreich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts durch unabhängige Nationalstaaten abgelöst wurde, veränderte sich für die Indigenen wenig. Obgleich viele die Idee der Unabhängigkeit unterstützt hatten und dafür sogar in den Krieg gezogen waren, sollte es ihnen in den neu geschaffenen Nationen der Mestizen um keinen Deut besser gehen. </p>
<p>Meist übernahmen die neuen Republiken die diskriminierenden Strukturen der Kolonialzeit. Sie ignorierten indigene Landrechte und ließen rassistische Gesetze und Zwangsarbeit größtenteils bestehen. Der Widerstand ging weiter.</p>
<p>Vor allem brachte die Kolonisierung Südamerikas das kapitalistische System mit sich. Die Wurzeln, die damals eingepflanzt wurden, sind nach Ailton Krenak noch heute für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich.</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Krenak gilt als Vordenker der modernen indigenen Widerstandsbewegung. Bekannt wurde er 1987 durch seinen Auftritt vor der verfassungsgebenden Versammlung Brasiliens. </p>
<p>In seinem blütenweißen Anzug mit Krawatte hielt der junge Krenak eine eindringliche Rede, in der er die Situation der Indigenen anklagte: Sie hatten keine Bürgerrechte, waren ständig Gewalt ausgesetzt. Sie wurden durch wirtschaftliche Großprojekte von ihren Territorien vertrieben und absichtlich mit Pocken oder Tuberkulose infiziert. </p>
<p>Sein Auftritt trug dazu bei, dass die indigenen Rechte vor knapp 40 Jahren in der brasilianischen Verfassung verankert wurden. </p>
<p>Heute kritisiert Krenak den Konsum der westlichen Welt, die den Wald zerstört. </p>
<p><strong>O-TON Ailton Krenak1: </strong></p>
<p><strong>OV ZITATOR </strong></p>
<p>Die Tentakel des Kolonialismus, die in Amazonien eingepflanzt wurden, müssen blockiert werden. Europa muss aufhören, Fleisch, Soja, Mineralien und Holz aus dem Amazonasgebiet zu konsumieren!</p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong>:</p>
<p>Die Kolonisatoren brachten das kapitalistische System mit, das heute den Regenwald zerstört.</p>
<p><strong>O-TON Ailton Krenak2: </strong></p>
<p><strong>OV ZITATOR </strong></p>
<p>Die Leute, die den Amazonas konsumieren, müssen aufhören die Welt zu verschlingen! Ändert Eure Gewohnheiten. Macht eine Diät für 10 Jahre. Und während dieser 10 Jahre erforschen und studieren wir das Amazonas-Ökosystem!</p>
<p><strong>ERZÄHLER</strong>:</p>
<p>In die gleiche Kerbe schlägt der Yanomami-Schamane Davi Kopenawa. Er wurde mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet und versucht seit über 20 Jahren die Weißen dazu zu bringen, den Regenwald zu schützen. </p>
<p>Die Weißen bezeichnet er als „Volk der Waren“. Er ist nach Barcelona gekommen, um vor dem Klimakollaps zu warnen und hält eine gewaltige Standpauke.</p>
<p><strong>O-Ton Davi Kopenawa </strong></p>
<p><strong>OV-ZITATOR</strong></p>
<p>„Eure Art zu denken ist wie die eurer Vorfahren! Ihr habt die Schrift erfunden, um intelligent zu werden und danach habt ihr die Gesetze erfunden…, diese ganze Politik. Dann habt ihr eure Augen auf die Waren gerichtet und euch mit euren Gesetzen unser Land angeeignet. Nicht um davon zu leben, sondern um es in eine Ware zu verwandeln. Eure Vorfahren haben sich in das Geld verliebt. Und dann habt ihr angefangen, alles zu zerstören…“</p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Eine Satellitenstudie von Greenpeace Brasilien zeigt: Allein im Jahr 2024 wurde eine Fläche von 584 Fußballfeldern in den Schutzgebieten der Kayapó, Mundurukú und Yanomami zerstört – um Gold zu fördern. Das dazu verwendete Quecksilber kontaminiert die Flüsse und den Wald, die Malariafälle explodieren – ebenso die Kindersterblichkeit. Außerdem haben sich gefährliche Drogenmafias ins Goldgeschäft gemischt. </p>
<p>ERZÄHLERIN:</p>
<p>Obwohl die indigenen Rechte in der Verfassung verankert sind, müssen sie auch heute noch schwer erkämpft werden. Mit der wechselnden politischen Situation verändern sich auch die Formen des Widerstandes. Ailton Krenak und Davi Kopenawa gehören zu den großen, international bekannten Figuren des indigenen Widerstands. Worte sind ihre Waffen.</p>
<p>Doch ist es die Basis der vielen unterschiedlichen Kulturen, die ihren Worten Nachdruck verleiht.</p>
<p><strong>MUSIK 14</strong></p>
<p>&quot;Toyos&quot; </p>
<p><strong>ERZÄHLER:</strong></p>
<p>Seit 2004 versammeln sich jährlich tausende brasilianischer Indigene in Brasilia. Sie verwandeln die zentrale Esplanade der Ministerien für mehrere Tage in ein Acampamento Terra Livre – ein „Camp für Land und Freiheit“. Sie tanzen, lachen, reden, protestieren und campen für ein paar Tage im Zentrum der Macht von Brasilia. Geschmückt mit üppigen Federdiademen und kunstvoll bemalt setzen sie sich medienwirksam in Szene. Das Camp dient ihnen aber auch zur Vernetzung. Und jedes Jahr übergeben sie ihre Forderungen an die Regierung.</p>
<p>Es ist die größte indigene Mobilisierung weltweit. 2024 waren etwa 200 verschiedene Ethnien mit über 9.000 Menschen dort, um gegen die indigenen-feindliche Politik und den Landraub zu demonstrieren. </p>
<p>Während der Regierung Bolsonaros traten vor allem die Frauen in den Kampf ein, wie immer, wenn es brenzlig wird. Eine der Aktivistinnen ist Watatakalu Yawalapiti. Mit ihrer Bemalung und dem Federschmuck will sie zeigen: Wir waren schon lange vor Euch hier! Es ist unser Land!</p>
<p><strong>O-Ton Watatakalu</strong></p>
<p><strong>OV ZITATORIN</strong></p>
<p>„Wir Frauen wollen für die Gebiete kämpfen. Wir kämpfen für die Gebiete, gemeinsam mit unseren Männern, nicht vor ihnen oder, um sie hinter uns zu lassen, denn wir kämpfen für das kollektive Wohl. (…) Wir wollen Verbesserungen für unser Volk erreichen. Wir wollen unsere Kultur und unseren Wald erhalten.“</p>
<p><strong>MUSIK</strong></p>
<p>Toyos </p>
<p><strong>ERZÄHLERIN</strong>:</p>
<p>Die Frauen haben der indigenen Bewegung neuen Schwung gegeben.</p>
<p><strong>MUSIK 15</strong></p>
<p>Indigener Widerstand hat viele Gesichter. Er ist vielschichtig, vielfältig und dynamisch. Gleichzeitig haben sich viele Indigene an westliche Gewohnheiten angepasst. Das Bild vom „authentischen Ureinwohner“ ist falsch und irreführend. Denn keine Kultur überlebt ohne Anpassung, auch wenn es indigene Gruppen in „freiwilliger Isolierung“ gibt.</p>
<p>„Wir sind nicht die Vergangenheit. Wir sind die Gegenwart.“ – so lautet eine ihrer Parolen. Der indigene Widerstand hat sich über die Jahrhunderte verändert, er passt sich den Situationen an und seine Kraft ist ungebrochen.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Bodenentsiegelung - Wenn Asphalt und Beton weichen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bodenentsiegelung-wenn-asphalt-und-beton-weichen/2093676</link>
      <pubDate>Wed, 18 Jun 2025 03:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">50f8ff95-717b-4d01-92b2-43b7a3b6d80b</guid>
      <description>Bodenentsiegelung macht Städte grüner und hilft, dass wertvolles Regenwasser versickern kann. Doch die Zauberlösung gegen Flächenfraß ist sie nicht. Denn ein von Beton und Zement befreiter Boden braucht Jahrhunderte, um all seine natürlichen Funktionen wieder zu erlangen. Von Brigitte Kramer (BR 2024) </description>
      <enclosure length="21965952" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093676/c/feed/bodenentsiegelung-wenn-asphalt-und-beton-weichen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:52</itunes:duration>
      <itunes:author>Brigitte Kramer</itunes:author>
      <itunes:summary>Bodenentsiegelung macht Städte grüner und hilft, dass wertvolles Regenwasser versickern kann. Doch die Zauberlösung gegen Flächenfraß ist sie nicht. Denn ein von Beton und Zement befreiter Boden braucht Jahrhunderte, um all seine natürlichen Funktionen wieder zu erlangen. Von Brigitte Kramer (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c7ed104d-7933-45cd-8001-4f4e728a4712.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bodenentsiegelung macht Städte grüner und hilft, dass wertvolles Regenwasser versickern kann. Doch die Zauberlösung gegen Flächenfraß ist sie nicht. Denn ein von Beton und Zement befreiter Boden braucht Jahrhunderte, um all seine natürlichen Funktionen wieder zu erlangen. Von Brigitte Kramer (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Werner Härtl, Gudrun Skupin<br/> Technik: Matthieu Belohradsky<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Nadine Pannicke-Prochnow, Geo-und Agrarwissenschaftlerin, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig<br/>Juliane Albrecht, Juristin, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Dresden<br/>Matthias Rühl, Ingenieur und Raumplaner, Sugenheim/Mittelfranken </p>
<p><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:<br/></strong></p>
<p><strong>Beton - Fasern, Poren, Bakterien<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/beton-fasern-poren-bakterien/bayern-2/88953796/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Die Geschichte der Stadt - Urbanes Leben als Motor der Gesellschaft</strong><br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-geschichte-der-stadt-urbanes-leben-als-motor-der-gesellschaft/bayern-2/78759908/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Sand - Überall vorhanden und doch zu knapp</strong><br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/sand-ueberall-vorhanden-und-doch-zu-knapp/bayern-2/88953816/">JETZT ENTDECKEN</a><br/><strong></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong></p>
<p>Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/><strong>Studie des Umweltbundesamtes „Bessere Nutzung von Entsiegelungspotenzialen zur Wiederherstellung von Bodenfunktionen und zur Klimaanpassung“: </strong><br/><a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/bessere-nutzung-von-entsiegelungspotenzialen-zur">ZUR HOMEPAGE</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-bodenentsiegelung-entsiegelung-klima-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>O-Ton 1 Matthias Rühl</p>
<p>Wir haben die Bewerbung von Ipsheim damit begründet, dass wir gesagt haben, Ipsheim ist ein Asphaltsee. Das war wirklich so, dass alle Flächen im Ort komplett asphaltiert waren, also versiegelt waren.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Raumplaner Matthias Rühl betreut seit mehr als 25 Jahren die Gemeinde Ipsheim in Mittelfranken, sowie rund zehn andere Orte in der Region. Er berät die Gemeinderäte in Sachen nachhaltige Städtebauförderung. Matthias Rühl setzt sich für mehr Grün in Städten und Dörfern ein. </p>
<p>O-Ton 2 Matthias Rühl</p>
<p>Bei jeder Maßnahme, die wir gemacht haben, war es eine Entsiegelung. Es ist viel Pflaster gekommen. Natürlich sind wir mitten in einem Ortskern bei den öffentlichen Flächen immer in der Notwendigkeit, dass es ja Verkehrsflächen sind. Man muss drauf gehen, man muss drauf fahren. Also Pflaster mit breiten Fugen oder eben ungebundene Bauweise. Das heißt, dass es auf Splitt verlegt ist und dass Regenwasser vor Ort versickert.</p>
<p>ATMO 1 Baustelle in der Stadt</p>
<p>SPRECHER drüber</p>
<p>Pflastersteine statt Asphalt, das ist eine Form der Teilentsiegelung: Dichte Flächen werden aufgerissen und durch Pflaster oder Rasengitter ersetzt. Der Grund ist weiterhin befestigt, aber er nimmt Regenwasser auf – eine wichtige Bodenfunktion. Und er bietet Gräsern und Blumen Raum für Wurzeln. Vollentsiegelung bedeutet, dass Asphalt und Beton komplett weichen und das Erdreich freigelegt wird. Darauf können dann Sträucher oder Bäume wachsen, es entstehen Grünanlagen oder Parks.</p>
<p>ATMO Stadtpark</p>
<p>+ Musik 2: Und was sagen die Freunde? -  38 Sek</p>
<p>SPRECHER drüber</p>
<p>Bodenentsiegelung wurde als eine effektive Maßnahme zur Klimaanpassung erkannt, vor allem in dicht bebauten Stadtteilen oder Ortskernen. Pflanzen binden Kohlendioxid und Staub, befeuchten die Luft, sorgen im Sommer für Kühlung. Derzeit herrschen in versiegelten Innenstädten bis zu zehn Grad höhere Temperaturen als im Umland. Und: Grün schlägt zwischen Wohnblocks Frischluftschneisen, steigert die Lebensqualität in Städten die Bewohner erleben, wie die Jahreszeiten wechseln. (Musik weg)</p>
<p>Trotzdem müssen Menschen wie Matthias Rühl noch Überzeugungsarbeit leisten:</p>
<p>O-Ton 3 Matthias Rühl</p>
<p>Jeder Baum macht Dreck, heißt es immer. Dann sage ich: Ein Auto macht eher Dreck. Also ein Baum lebt ja, das ist ein Lebewesen wie wir auch. Er ist nur nicht so schnell wie wir. Und natürlich verliert er Blätter. Wir verlieren auch Haare und alles Mögliche. Das verstehen manche Leute nicht. Die Jüngeren glaube ich schon eher. Es gibt halt ein paar ganz Alte, die das noch ganz anders sehen. Da hat man einen Baum eher mit der Motorsäge gepflegt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch auf privaten Grundstücken steigern freie Flächen den Wert. Das ist besonders bei Altstadtsanierungen wichtig. Matthias Rühl spricht von „Aufräumen“:</p>
<p>O-Ton 4 Matthias Rühl</p>
<p>Das spielt eine große Rolle, weil der Altstadtkern ohnehin sehr stark überbaut ist. Im Laufe der letzten Jahrhunderte, muss man schon sagen, sind halt viele Anbauten entstanden und Nebengebäude und Garagen und alles Mögliche. Und wenn man jetzt in diesen Ortskern wieder Leben reinbringen möchte, in leerstehende Gebäude zum Beispiel, den Bestand weiter zu nutzen, zu verändern, das muss natürlich modernisiert werden. Das sind teilweise Häuser, wo vielleicht seit 80 oder 100 Jahren nichts gemacht wurde. Aber die Freiflächen muss man genauso betrachten, weil sonst braucht man ja das Haus gar nicht sanieren. Es ist Lebensnotwendigkeit, denn wenn Sie irgendwo wohnen wollen, dann brauchen Sie auch Freiflächen. Wenn Sie diese grünen Freiflächen nicht haben, ist es unattraktiv.</p>
<p>ATMO Dorfstille</p>
<p>SPRECHER drüber</p>
<p>Auf dem Land, in Dörfern, wo die Jüngeren weggezogen sind, ist das Problem ähnlich: </p>
<p>O-Ton 5 Matthias Rühl</p>
<p>Wo früher Landwirtschaft war, da gab es Ställe, da gibt es Scheunen, da gibt es irgendwelche Maschinenhallen, die jetzt aber nicht mehr in Gebrauch sind. Und manches kann man eben nicht mehr umnutzen. Einen alten Schweinestall werde ich schwer zu einer Wohnnutzung umfunktionieren können. Da muss halt mal was abgebrochen werden. Und dann muss ich aber auch ein Konzept haben: Was mache ich mit dieser Fläche?</p>
<p>ATMO Baustelle </p>
<p> SPRECHER drüber </p>
<p>Neuer Wohnraum ist die erste Option. Deutschland braucht Wohnungen und eine Bebauung bringt dem Eigentümer oder der Eigentümerin Geld. Letztlich braucht es Überzeugung, um sich gegen ein Gebäude und für eine Wiese, einen Garten oder einen Park zu entscheiden. Man muss den Wert von Freiraum erkennen.  </p>
<p>MUSIK 3: Und was sagen die Freunde? – siehe vorne – 31 Sek</p>
<p>SPRECHER drüber </p>
<p>Theoretisch wird Entsiegelung in Deutschland gefördert, und zwar in mehreren Gesetzen: Im Paragrafen 179 des Baugesetzes steht ein „Rückbau- und Entsiegelungsgebot“: </p>
<p> Eine Gemeinde kann einen Eigentümer dazu verpflichten, den Abriss oder Teilabriss eines Gebäudes zu dulden, wenn dieses … </p>
<p>MUSIK 1 weg </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„… den Festsetzungen eines Bebauungsplans nicht entspricht und ihnen nicht angepasst werden kann oder Missstände oder Mängel aufweist, die auch durch eine Modernisierung oder Instandsetzung nicht behoben werden können“. </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Leere Garagen, Kasernen, Fabrikanlagen …. Ställe, Verkaufsräume, Lagerhallen – könnten also alle weg. Und im Bundesbodenschutzgesetz aus dem Jahr 1999 besagt der Paragraf fünf, dass …</p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Die Bundesregierung per Rechtsverordnung und mit Zustimmung des Bundesrates Grundstückseigentümer dazu verpflichten kann, bei dauerhaft nicht mehr genutzten Flächen, deren Versiegelung im Widerspruch zu planungsrechtlichen Festsetzungen steht, den Boden so weit wie möglich und zumutbar wiederherzustellen“. </p>
<p>MUSIK 4: Aufbruch – xxx – 59 Sek</p>
<p>SPRECHER drüber </p>
<p>Die beiden Paragrafen wurden allerdings nach Recherchen von Juliane Albrecht kaum angewandt. Albrecht ist Juristin und arbeitet am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden. Sie nennt sie „nicht vollzugstauglich“. Sie fordert, dass das Baugesetz und das Bodenschutzgesetz überarbeitet werden. Sprich: Sie müssen an die heutigen, drastischen Umwelt-Herausforderungen angepasst werden – und hier hat Entsiegelung eine große Bedeutung. </p>
<p>MUSIK  hoch </p>
<p>SPRECHER drüber </p>
<p>Auch auf öffentlichem Grund wird Entsiegelung gefördert, hier wird sie auch öfter umgesetzt. Die Kommunen bekommen Subventionen, wenn sie Grünflächen schaffen, das steht in den Städtebauförderungsrichtlinien. Und die „Baunutzungsverordnung“ setzt  Gemeinden Obergrenzen für Bebauung und Versiegelung . Dazu kommt die sogenannte „Eingriffsregelung“ im Naturschutzgesetz aus den 1970er Jahren: </p>
<p>O-TON 6 Juliane Albrecht</p>
<p>Das wichtigste Instrument in der Praxis ist eigentlich die Naturschutzrechtliche Eingriffsregelung. Diese ist im Bundesnaturschutzgesetz verankert und besagt letztlich, dass wenn man in Natur und Landschaft eingreift, zum Beispiel eine Straße neu baut oder eine andere bauliche Anlage errichtet und in den Naturhaushalt eingreift, dass man dann eine Kompensation erbringen muss. Und diese Kompensation, die kann eben durchaus auch in Form von Entsiegelungsmaßnahmen erbracht werden.</p>
<p>Musik 5: Detached –1:50 Min</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Juliane Albrecht hat im Jahr 2022 mit anderen Fachleuten im Auftrag des Bundesumweltamtes einen Forschungsbericht erstellt. Er heißt „Bessere Nutzung von Entsiegelungspotenzialen zur Wiederherstellung von Bodenfunktionen und zur Klimaanpassung“ und soll politische Entscheidungen erleichtern – für mehr Entsiegelung. In der Praxis wird zum Ausgleich von neu verbrauchtem, also verbautem Boden, auch tatsächlich immer wieder an anderer Stelle Boden entsiegelt. Das Problem: Es gibt zu wenig Grundstücke, die zur Entsiegelung taugen. Und: Die Ausgleichsvorschrift ist nicht zwingend. Derzeit muss man lediglich „verstärkt prüfen“, ob ausgleichende Entsiegelungen möglich sind. Außerdem ist Kompensieren ein Deal, bei dem die Natur draufzahlt. Denn Bodenversiegelung heißt, fruchtbare Erde luft- und wasserdicht abzudecken. Das führt zum Verlust aller physikalischen, chemischen und biologischen Bodenfunktionen und ist erstmal irreversibel. Boden ist ein komplexes Ökosystem, das aus Bakterien, Pilzen, Tieren, Wurzeln, Steinen, Erde und organischen Resten besteht. Er spielt eine zentrale Rolle im Naturhaushalt, vor allem für die Wasser- und Nährstoffkreisläufe. Der Mensch kann diesen Naturzustand nicht einfach wiederherstellen, er muss sich über Jahrhunderte wieder von selbst bilden. Ist es also sinnvoll, hier fruchtbare Erde unter Asphalt oder Zement zu begraben, für eine Wohnsiedlung, einen Straßenausbau oder einen Gewerbepark, und dort überbauten und verdichteten, also toten Boden, freizulegen? </p>
<p>ATMO Wiese, Vögel, Insekten</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Natürlicher Boden wächst in unseren Breiten einen Millimeter pro Jahr. Das heißt: ein Meter Boden entsteht in etwa tausend Jahren. </p>
<p>Der fruchtbare Mutterboden und der Unterboden eines Ackers sind also mehrere tausend Jahre alt.</p>
<p>ATMO Baustelle</p>
<p>SPRECHER drüber</p>
<p>Jeden Tag werden in Deutschland durchschnittlich 55 Hektar neu versiegelt. Es war aber mal schlimmer: Im Jahr 2000 waren es noch 129 Hektar pro Tag. Das zeigt, dass es ein Problembewusstsein gibt. ATMO 1 weg Bis 2030 sollen weniger als 30 Hektar am Tag neu in Anspruch genommen werden, und bis 2050 strebt die Bundesregierung in ihrer Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sogar eine „Netto Null“-Versiegelung an. Die zugrunde liegende Erkenntnis lautet: Boden ist ein endliches Gut. Das heißt: Auch bei kompletter Entsiegelung, Sanierung und Wiederherstellung einiger Funktionen wird aus Boden, der von Asphalt und Beton „befreit“ ist, kein gesunder, fruchtbarer Boden. </p>
<p>MUSIK 6: Fragile life – 1:17 Min</p>
<p>SPRECHER drüber</p>
<p>Der Naturzustand ist also kurz- und mittelfristig unerreichbar. Trotzdem ist Bodenentsiegelung sinnvoll und notwendig, denn eine der Bodenfunktionen, die physikalische, ist relativ schnell wieder hergestellt: Die Wasserbindung. Schwieriger wird es bei den chemischen Funktionen, der Speicherung von Nährstoffen zum Beispiel für gesundes Pflanzenwachstum. Die findet im Mutterboden statt, der nach der Entsiegelung schichtweise neu aufgetragen werden muss. </p>
<p>MUSIK 2 hoch </p>
<p>SPRECHER drüber</p>
<p>Bodenlebewesen schließlich, wie Regenwürmer, Tausendfüßler, Asseln oder Milben erfüllen enorm wichtige biologische Funktionen. Sie zersetzen Biomasse, also abgestorbenes organisches Material wie Laub oder tote Tiere. Dabei entstehen Nährstoffe für Pflanzen, die mit ihren mehr oder weniger tiefen Wurzeln den Boden durchlüften und auflockern. Viele Pflanzen dienen uns als Nahrung. Ohne lebendige Böden gäbe es also auch uns nicht. Sie sind wortwörtlich unsere Lebensgrundlage.  </p>
<p>Was muss sich ändern, damit mehr Boden freigelegt wird?</p>
<p>O-TON 7 Juliane Albrecht</p>
<p>Man braucht Entsiegelungskataster, dass man überhaupt erst einmal die Information auch hat, wo Flächen sind, die in Betracht kommen. Man braucht aber auch für die Behörden, von oben sage ich mal, eine Rückendeckung. Man braucht Vollzugshinweise. Ist natürlich, wenn man so diese Regelung anwendet und auch gar keine Rechtsprechung hat, keine Rechtssicherheit, dann fürchten Sie ja teilweise dann natürlich auch die Auseinandersetzung mit den Bürgern. Es kann zu Gerichtsverhandlungen kommen. Also da ist meines Erachtens wirklich so eine strategische Herangehensweise erforderlich.</p>
<p>SPRECHER  </p>
<p>Es fehlen eine Strategie und eine klare Rechtslage, das ist Juliane Albrechts Erkenntnis. Das Naturschutzgesetz aus den 1970er Jahren wird immer wieder überarbeitet, mit Handlungsempfehlungen und neuen Berechnungsschlüsseln zum Flächenausgleich. In Berlin beispielsweise soll der Abriss von mehrstöckigen Gebäuden als Ausgleichsmaßnahme besonders berücksichtigt werden, weil dabei große Lücken im Stadtbild entstehen, die die Luftzirkulation verbessern und also der Klimaanpassung dienen.    </p>
<p>MUSIK 7: Und was sagen die Freunde? – siehe vorn – 31 Sek </p>
<p>SPRECHER drüber </p>
<p>Im Koalitionspapier der Bundesregierung ist zumindest eine Handlungsabsicht verankert: Darin steht, dass das Bodenschutzrecht von 1999 angepasst werden soll, an die Artenvielfaltskrise und die Klimakrise. Und dass Entsiegelung einen neuen Stellenwert bekommen soll. Und im neuen Klimaanpassungsgesetz von November 2023 ist Entsiegelung Teil der Lösung: </p>
<p>ZITATORIN</p>
<p>„Träger öffentlicher Aufgaben sollen darauf hinwirken, dass versiegelte Böden, deren Versiegelung dauerhaft nicht mehr für deren Nutzung notwendig ist, in den natürlichen Bodenfunktionen, soweit dies erforderlich und zumutbar ist, wiederhergestellt und entsiegelt werden.“ Beides kann man als Ergebnis des Forschungsberichts zum Entsiegelungspotenzial deutscher Böden werten. </p>
<p>MUSIK 8: „Und was sagen die Freunde?“ – s.o. – 7 Sek</p>
<p>O-TON 8 Nadine Pannicke-Prochnow</p>
<p>Insgesamt habe ich den Eindruck, dass seit der Veröffentlichung der Studie das Thema Entsiegelung schon mehr ins gesellschaftliche und auch ins politische Bewusstsein gerückt ist. Wir brauchen hier auch ein Umdenken. Es ist tatsächlich auch zu beobachten, dass sich zunehmend mehr Kommunen mit dem Thema beschäftigen und geeignete Flächen und Maßnahmen identifizieren, vor allem auch im Hinblick auf eine wassersensible Stadtentwicklung und zur Umsetzung des Schwammstadtprinzips, was ja auch viel wieder in Richtung Klimaanpassung leisten und beitragen kann. </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Nadine Pannicke-Prochnow (sprich: Pánnicke-Prochnoff) hat das Expertenteam geleitet, das im Auftrag des Bundesumweltamtes 2022 die Studie erstellt hat. Die Geo- und Agrarwissenschaftlerin arbeitet heute am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Die Arbeit war für sie ernüchternd und lehrreich, auch, weil das Thema erstmals so umfassend behandelt wurde: </p>
<p>O-TON 9 Nadine Pannicke-Prochnow</p>
<p>Es war definitiv Neuland für mich. Ich habe festgestellt, dass die Flächen für Entsiegelungsmaßnahmen eben sehr knapp sind, also nur circa ein halbes bis ein Prozent der Flächen in unseren deutschen Städten können für Vollentsiegelungsmaßnahmen genutzt werden. Gerade weil diese Möglichkeiten eben wirklich sehr knapp sind, ist es umso wichtiger, diese wenigen Gelegenheiten dann eben auch zu nutzen. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch wie nutzt man die wenigen Flächen am besten? Zum Beispiel auch durch unspektakuläre Teilentsiegelung kleiner Flächen, auch auf dem eigenen Grundstück:</p>
<p>O-TON 10 Nadine Pannicke-Prochnow</p>
<p>Im Endeffekt sollten wir uns einfach bei jeder versiegelten Fläche fragen, ob die Versiegelung, so wie sie vorhanden ist, wirklich notwendig ist oder ob sie so umgestaltet werden kann, dass die Auswirkungen der Versiegelung reduziert werden. Wenn kleinere Teilflächen zum Beispiel in den Innenhöfen entsiegelt und bepflanzt werden oder der Belag ausgetauscht wird. Und teilweise sind eben Teilentsiegelungsmaßnahmen auch wirklich kostengünstiger, was das Ganze dann eben auch für private Flächen Eigentümerinnen und Eigentümer auch attraktiver macht. Also das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. </p>
<p>Musik 9: Indetectable - 1:28 Min</p>
<p>SPRECHER drüber </p>
<p>Boden im großen Stil freizulegen ist dagegen enorm aufwändig: Die Stadt Berlin empfiehlt beispielsweise Folgendes: Neue Erde muss entsprechend der natürlichen Bodenschichten aufgetragen werden. Das Bodenmaterial sollte nicht durcheinandergeraten und der Hauptbodenart vor Ort entsprechen. Das Ganze sollte bei trockener Witterung und in möglichst wenigen Schritten passieren, und vor allem nicht unter Einsatz schwerer Maschinen, die den Boden verdichten. Empfohlen werden Kettenfahrzeuge mit großer Lauffläche. Dann müssen Nährstoffe zugefügt und Pflanzen eingesetzt werden, die mit ihren Wurzeln den Boden festigen und durchlüften und organisches Material zum Humusaufbau liefern. Bei unterkellerten Gebäuden ist der Aufwand noch viel größer: Da überhaupt kein Boden mehr da ist, muss auf Kies und Stein meterhoch Erde aufgetragen werden, wenn dort wieder etwas leben und wachsen soll. Dazu kommt: Die Entsorgung der Baumaterialien – Beton, Ziegel, Mörtel, Fliesen, Glas, Holz, Metall, Gips und Dämmmaterialien – ist teurer, als ein Gebäude einfach stehen zu lassen. Und wer weiß schon, was unter der abgetragenen Fläche ist? Bauschutt, Unrat, Kies … im schlimmsten Fall: Altlasten.</p>
<p>O-TON 11 Nadine Pannicke-Prochnow</p>
<p>Gerade bei alten Gewerbe- und Industriestandorten haben wir teilweise Kontaminationen im Boden, die da teilweise noch schlummern. Also seien es eben Schwermetallrückstände oder Rückstände von Mineralölen, die irgendwo ausgelaufen sind und dort eben im Boden lagern. Dass das Ganze, dass diese Schadstoffe im Endeffekt ausgespült werden, im Grundwasser landen und sich dann dort eben auch großflächiger verteilen, das wollen wir natürlich verhindern. Also sprich, wenn wir die diese Sperrschicht für den Niederschlag entfernen, dann müssen wir eben auch mögliche Schadstoffe, die sich da im Boden befinden, mit entfernen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Sind die Flächen freigelegt, können sie mehrfach genutzt werden. Nadine Pannicke-Prochnow bietet kreative Lösungen an:</p>
<p>O-TON 12 Nadine Pannicke-Prochnow</p>
<p>Da gibt es zum Beispiel Möglichkeiten, dass man Sportflächen oder Freizeitflächen schafft, die dann aber im Fall von Starkregenereignissen auch als Flächen genutzt werden können, um eben diese Wassermassen erst einmal zwischenzuspeichern und aufzufangen. Oder inwiefern gibt es die Möglichkeit, dass wir diese Grünflächen in den Wohngebieten, die wir dort schaffen wollen, auch für eine regionale Produktion und Wertschöpfung nutzen können? Also sprich, inwiefern kann man hier die essbare Stadt zum Beispiel schaffen? Oder inwiefern können wir hier kleine Streuobstwiesen schaffen? Und für diese multifunktionalen Flächennutzungsansätze, denke ich, haben wir definitiv Luft nach oben.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Entsiegelung bringt Mehrwert. Aber sie ist keine Zauberlösung. Deswegen rät Nadine Pannicke-Prochnow zu einem ganz neuen Umgang mit dem „endlichen Gut“ Boden: </p>
<p>O-TON 13 Nadine Pannicke-Prochnow</p>
<p>Also langfristig ist es hier schlauer, eine Flächenkreislaufwirtschaft zu etablieren, also das heißt vorhandene Flächen und Gebäude so lange und so oft wieder zu nutzen, wie es geht. In vielen Fällen bedeutet das ein Umbauen oder Umgestalten von Gebäuden und Flächen, um sie den neuen Anforderungen anzupassen. Unterm Strich ist es also ökologisch und volkswirtschaftlich nachhaltiger, den vorhandenen Bestand an gebauter Umwelt so gut wie möglich weiter und wieder zu nutzen. Das spart nicht nur Ressourcen und Kosten für die Gesellschaft, sondern reduziert eben auch die Notwendigkeit für neue Flächeninanspruchnahmen und neue Versiegelungen.</p>
<p>Musik 10: Fragile life – siehe oben – 22 Sek</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Boden ist Lebensgrundlage. Er leistet zentrale Dienste im Naturhaushalt. Er ist ein komplexes Gefüge, das leicht zerstört werden kann. Und Boden ist erschöpflich und definitiv kein Konsumgut. </p>
<p>O-TON 14 Nadine Pannicke-Prochnow</p>
<p>Wir sollten besser mit dem auskommen und haushalten, was wir bereits haben, anstatt immer wieder neu zu beanspruchen, und auf der anderen Seite gleichzeitig gebrauchte Gebäude ungenutzt verfallen zu lassen und dann am Ende zu entsorgen.</p>
<p>MUSIK 11: Indetectable – siehe oben – 52 Sek</p>
<p>SPRECHER drüber </p>
<p>Die ideale Zukunftsstadt ist also einerseits grüner und offener, zugleich werden bestehende Gebäude intensiver genutzt, um den Verbrauch von fruchtbarem Boden im Umland zu vermeiden. Was fehlt, sind eine Strategie und eine klare Rechtslage, die den Weg dahin weisen und erleichtern. Und ein Umdenken, das die Erkenntnis bringt, dass Boden ein endliches Gut ist, dessen Naturzustand durch Verbauung verloren geht. Entsiegelung ist wichtig, aber sie löst nicht alle Probleme. Den Schaden, den Versiegelung anrichtet, kann sie nur zum Teil und unter großem Aufwand beheben.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Mord in der Villa - Ein mysteriöser Kriminalfall aus dem Jahr 1951</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mord-in-der-villa-ein-mysterioeser-kriminalfall-aus-dem-jahr-1951/2092569</link>
      <pubDate>Wed, 18 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">99e27abe-74e8-4695-b483-082570725c44</guid>
      <description>Am 13. Dezember 1951 wird in der Starnberger Villa Adlon die Mieterin Sonja Bletschacher aufgefunden, ermordet mit zahlreichen Messerstichen. Der authentische Fall ist nicht nur für Krimi-Fans spannend, sondern auch für Geschichtsinteressierte. Denn die Akten gewähren einen lebendigen Blick in die Vergangenheit. Von Thomas Grasberger (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22247040" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092569/c/feed/mord-in-der-villa-ein-mysterioeser-kriminalfall-aus-dem-jahr-1951.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:10</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Am 13. Dezember 1951 wird in der Starnberger Villa Adlon die Mieterin Sonja Bletschacher aufgefunden, ermordet mit zahlreichen Messerstichen. Der authentische Fall ist nicht nur für Krimi-Fans spannend, sondern auch für Geschichtsinteressierte. Denn die Akten gewähren einen lebendigen Blick in die Vergangenheit. Von Thomas Grasberger (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bec00a69-b52b-4451-90e2-b3b37b41deaa.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Am 13. Dezember 1951 wird in der Starnberger Villa Adlon die Mieterin Sonja Bletschacher aufgefunden, ermordet mit zahlreichen Messerstichen. Der authentische Fall ist nicht nur für Krimi-Fans spannend, sondern auch für Geschichtsinteressierte. Denn die Akten gewähren einen lebendigen Blick in die Vergangenheit. Von Thomas Grasberger (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Thomas Grasberger<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Stefan Wilkening<br/> Technik: Anton Wunder / Atrium Studios<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr. Ulrike Claudia Hofmann, Historikern und Archivarin im Staatsarchiv München, Autorin des Buches &quot;True Crime Starnberger See. Mord im Hause Adlon&quot;<br/> <br/><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Alles Geschichte - Der History-Podcast</strong></p>
<p><strong>VERBRECHEN FRÜHER - Kriminaltechnik</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p>Mit der Abschaffung der Folter im 18.Jahrhundert stand die Kriminalistik vor einem Problem: Das Geständnis als &quot;Krone der Beweise&quot;&quot; verlor sein Gewicht. Neue Beweisführungen mussten her. Berühmte Kriminalfälle aus der Geschichte zeigen, welche wissenschaftlichen Errungenschaften den Weg in die moderne Kriminaltechnik ebneten. (BR 2017)<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/verbrechen-frueher-kriminaltechnik/ard/96496180/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-nachkriegszeit-verbrechen-mord-moral-starnberg-mentalitaet-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Dopamin - Botenstoff mit Suchtgefahr</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/dopamin-botenstoff-mit-suchtgefahr/2106614</link>
      <pubDate>Wed, 18 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">765f7ba5-e824-4184-bae2-566e55a14b95</guid>
      <description>Der Botenstoff Dopamin überträgt Signale zwischen Nervenzellen im Gehirn. Er spielt eine zentrale Rolle für unsere Motivation, für das Gefühl der Belohnung und auch beim Lernen. Wie beeinflusst Dopamin unser Verhalten? Können wir ihn gezielt nutzen? Von Maike Brzoska</description>
      <enclosure length="19681152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106614/c/feed/dopamin-botenstoff-mit-suchtgefahr.mp3"/>
      <itunes:duration>00:20:30</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Botenstoff Dopamin überträgt Signale zwischen Nervenzellen im Gehirn. Er spielt eine zentrale Rolle für unsere Motivation, für das Gefühl der Belohnung und auch beim Lernen. Wie beeinflusst Dopamin unser Verhalten? Können wir ihn gezielt nutzen? Von Maike Brzoska</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c027d438-26a6-473d-84b4-23a1584f6883.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Botenstoff Dopamin überträgt Signale zwischen Nervenzellen im Gehirn. Er spielt eine zentrale Rolle für unsere Motivation, für das Gefühl der Belohnung und auch beim Lernen. Wie beeinflusst Dopamin unser Verhalten? Können wir ihn gezielt nutzen? Von Maike Brzoska</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprach: Katja Amberger<br/> Technik: Lorenz Kersten<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Professorin Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie<br/>Professor Falk Kiefer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim</p>
<p></p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen und IQ Wisschenschaft und Forschung könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Glückshormone - Komplexe Botenstoffe mit viel Wirkung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/glueckshormone-komplexe-botenstoffe-mit-viel-wirkung/bayern-2/93331086/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Sucht und Sehnsucht - Unstillbarer Hunger der Seele<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/sucht-und-sehnsucht-unstillbarer-hunger-der-seele/bayern-2/78759640/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Süchtig nach Glück - Wie kommt man raus aus der Glücksspiel-Sucht?<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/suechtig-nach-glueck-wie-kommt-man-raus-aus-der-gluecksspiel-sucht/bayern-2/94822422/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Hormongesteuert - Der Wechseljahre-Podcast mit Dr. Katrin Schaudig</strong><br/>Wir alle sind hormongesteuert. Hormone regulieren nicht nur die Sexualität, sondern auch Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Schlaf. Aktuell sind neun Millionen Frauen in Deutschland in den Wechseljahren. Und doch ist das Thema Menopause unsexy und schambehaftet. Wohl deshalb wurde bislang darüber am liebsten geschwiegen. Der Podcast bricht dieses Schweigen. <br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://1.ard.de/hormongesteuert"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><br/><br/><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Homepage des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein mit Informationen zur Früherkennung von Parkinson und der Möglichkeit zur Teilnahme an Studien der Parkinsonforschung:<strong> <a title="Hier geht es zur Website" href="https://www.uksh.de/neurologie-kiel/Behandlungsschwerpunkte/Bewegungsstörungen/Früherkennung+Parkinson.html">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-dopamin-neurotransmitter-sucht-depression-belohnungssystem-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p></p>
<p>Vermutlich kennen viele diese Situation: </p>
<p>01 ZUSP Atmo (Anschnallen, Autofahrt)</p>
<p>Autotür geht zu, Gurt klickt, Tasche auf den Sitz, Auto fährt los</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Man steigt ins Auto, legt die Tasche auf den Beifahrersitz, schnallt sich an, fährt los – und dann das:</p>
<p>02 ZUSP Atmo (Handy piepst)</p>
<p>Piep</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Handy.</p>
<p>Wdh. Atmo 02 </p>
<p>Piep</p>
<p>MUSIK 2 (Stereolab: Melodie Is A Wound 0‘31)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und sofort geht das Gedanken-Karussell los: Was könnte das sein? Eine SMS? Ein Like auf Facebook? Geldeingang auf dem Konto? Oder gar ein Notfall? Das Handy während der Fahrt aus der Tasche zu kramen, wäre viel zu gefährlich – das ist klar. Und doch ist da jetzt die ganze Zeit dieser Drang, nachzusehen. Könnte ja wichtig sein – was es meistens nicht ist. Trotzdem: Die Neugierde ist groß.</p>
<p>03 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Und die Neugierde wird besonders getrieben, wenn Sie mit Ihrem Handy in der Vergangenheit besonders erfreuliche, positiv überraschende, oder vielleicht auch besonders negative, bedrohliche Nachrichten bekommen haben. Und die wollen Sie natürlich nicht verpassen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt Professor Falk Kiefer. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Entscheidend für den Drang, aufs Handy zu schauen, ist das sogenannte Dopamin, ein Botenstoff unseres Gehirns, der in solchen Momenten vermehrt ausgeschüttet wird.</p>
<p>MUSIK 3 ( Sine: Geschichten 0‘46)</p>
<p>04 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Dopamin hat die Aufgabe, auf mögliche Belohnungen hinzuweisen, hat also so was wie eine belohnungsankündigende Wirkung. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zum Beispiel könnte das Handy-Piepsen eine SMS vom Partner oder der Partnerin ankündigen, über die man sich in der Regel freut. Oder eine Mail von der Chefin, über die man sich vielleicht nicht so freut, aber die man trotzdem nicht verpassen will. Das Dopamin markiert gewissermaßen Situationen oder Dinge als „wichtig“ – und das motiviert uns zu handeln. Zum Beispiel aufs Handy zu schauen, selbst wenn man sich eigentlich aufs Fahren konzentrieren will. Der Botenstoff signalisiert uns:</p>
<p>05 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Das war wichtig und das solltest du beim nächsten Mal nicht verpassen. Das ist die Funktion des Dopamins. Und wenn man das nächste Mal in so eine Situation hineinkommt, dann ist diese Situation durch dieses Dopamin markiert und dann läuft man nicht achtlos an ihr vorbei, sondern hat man im Unterbewussten sozusagen gespeichert, das war relevant und das solltest du wahrnehmen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das gilt keineswegs nur für Nachrichten auf dem Smartphone. </p>
<p>06 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Sexuelle Aktivität macht eine Dopamin-Ausschüttung, macht eine Aufmerksamkeits-Hinwendung zu der Person, mit der man das gemeinsam erlebt. Aber auch andere Belohnungsreize. Wenn ich von jemandem Geld bekomme, wenn ich von jemand positive Rückmeldung bekomme, wenn ich von jemandem auf Insta oder Facebook eine positive Rückmeldung bekomme, dann macht das alles so ein kleines Belohnungsgefühl und so einen kleinen Dopaminpeak …</p>
<p>MUSIK 4 ( Sine: Dreamland 0‘42)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Also eine vermehrten Dopamin-Ausschüttung – und die fühlt sich richtig gut an, sagt die Professorin Daniela Berg. Sie ist Direktorin der Klinik für Neurologie im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.</p>
<p>07 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Es wird damit ein Teil des Gehirns aktiviert, das den Betroffenen das Gefühl vermittelt, mir geht es richtig gut. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch alltägliche Dinge wie Essen oder Trinken sind mit einer Dopamin-Ausschüttung verknüpft, das war, evolutionär betrachtet, äußerst wichtig für unser Überleben.</p>
<p>08 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Wenn Sie ganz weit in die Evolution zurückgehen, sehen Sie, die wichtigsten Informationen sind: Wo kriege ich was zu essen? Wo sind meine Lebensgrundlagen gut? Und wo vermeide ich Negatives, also Gefahren oder Verletzung oder Schmerzen? Also wir müssen aus Gefahren klug werden, aber wir müssen auch aus Belohnung klug werden. Und das passiert im Hintergrund. Und wir richten uns aus in die Richtung, wo wir positive Erfahrungen gemacht haben.</p>
<p>MUSIK 5 ( Stereolab: Melodie Is A Wound 0‘22)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auf diese Weise lenkt das Dopamin ein Stück weit auch unsere Aufmerksamkeit. Denn im Prinzip strömen in jedem Moment unzählige Informationen und Reize aus der Umgebung auf uns ein. Irgendwie muss das Gehirn eine Auswahl treffen – was davon ist wichtig und was nicht? </p>
<p>09 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Allein unser visuelles System, unsere Augen, verarbeiten pro Sekunde ungefähr den Inhalt von einer halben DVD an Roh-Datenmaterial, und dazu kommen noch unsere taktilen Reize, das Hören und das Schmecken usw. Und aus dieser Datenmenge muss das Gehirn natürlich die relevantesten Informationen herausfiltern. Und das ist ein wichtiger Teil des Lernens von jedem Organismus, die wichtigen Informationen von den unwichtigen zu unterscheiden. Also wir entwickeln Antennen, im übertragenen Sinne, für die Dinge, die wichtig sind.</p>
<p>MUSIK 6 ( The Weather Station: Passage 0‘39)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und genau mit diesen Antennen laufen wir heute noch durch den Alltag, zum Beispiel durch die Fußgängerzone. </p>
<p>10 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Wo es Schuhgeschäfte gibt und Süßigkeiten-Geschäfte und Kneipen gibt, dann sind das unterschiedliche Hinweisreize, die ich mit unterschiedlichen Erfahrungen verbinde.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wobei jemandem, der in der Vergangenheit gelernt hat: Neue Schuhe machen mich glücklich, vermutlich zuerst das Schuhgeschäft auffällt. Stichwort selektive Wahrnehmung.</p>
<p>11 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Der erste Schritt ist die Wahrnehmung, aber vielleicht habe ich mit allen dreien ja schon positive Erfahrungen gemacht. Ich kaufe gerne Schuhe und ich trinke gerne und ich esse gern Süßes. Und dann geht es aber auch in diesem Dopamin-System darum: Wie stark ist diese Belohnungserwartung? </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Macht es mich glücklicher, neue Schuhe zu kaufen oder ein Bier trinken zu gehen?</p>
<p>12 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Also es geht nicht nur um Markierung „ja“ oder „nein“, sondern um ein bisschen Markierung, um ein bisschen mehr Markierung und um ganz starke Markierung. Also meine Motivation, in die Kneipe zu gehen ist vielleicht größer als die ins Schuhgeschäft zu gehen. </p>
<p>MUSIK 7 (The Weather Station: Passage 0‘37)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wir sind zwar keine Marionetten, die – am Dopamin-Faden hängend –automatisch in die Kneipe oder in das Schuhgeschäft gezogen werden. Aber die Motivation, der Drang kann schon sehr stark sein. Der Übergang in eine Sucht ist fließend, auch wenn bei einer Suchterkrankung immer auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Doch das Dopamin-System ist schon sehr wichtig bei der Entstehung von Suchterkrankungen. </p>
<p>13 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Wenn ich in eine Kneipe gehe und jedes Mal Alkohol trinke, dann wird diese Kneipe mit einem Daumen hoch mit einem Dopamin-Peak markiert. Und das führt dazu, dass diese Kneipe mit Belohnungs-Erwartungen aufgeladen wird und ich immer mehr Motivation habe, mich in diese Richtung zu bewegen. Und dadurch ist das ein ganz zentraler Mechanismus, der dazu führt, dass mit jedem Konsum die Motivation, in diese Situation hineinzugehen und wieder zu konsumieren, steigt. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wobei pharmakologische Substanzen wie Alkohol, Cannabis, Opiate oder Amphetamine im Vergleich etwa zum Schuhe kaufen noch eine Besonderheit haben: Sie stimulieren das Dopamin-System, auch wenn mir der Rausch gar nicht gefällt oder wenn mir davon speiübel wird. </p>
<p>14 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Das heißt, sie machen eine pharmakologisch erzwungene Markierung in dem Belohnungssystem, also erzwingen einen Daumenhoch. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Anders als etwa ein Nahrungsmittel, das bei mir Bauchschmerzen verursacht – das werde ich in Zukunft tunlichst meiden. Im Gegensatz dazu führen pharmakologisch wirksame Suchtmittel auf jeden Fall zu einer Dopamin-Markierung – egal, ob mir der Rausch nun guttut oder nicht.  </p>
<p>15 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Von daher ist es so, dass selbst Menschen, denen übel wird irgendwann von Alkohol oder die merken, die Opiate tun überhaupt nicht mehr gut, die haben trotzdem den Drang, das wieder einzunehmen, weil einfach die selektive Aufmerksamkeit und die Belohnungserwartung von dieser bewussten Einschätzung weitgehend unabhängig ist. </p>
<p>MUSIK 8 ( Yost x Chiras: Inside The Mind 0’46)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es zieht einen in die nächste Kneipe – und es ist äußerst schwierig, dem Drang zu widerstehen.  </p>
<p>16 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Das ist ein Teil dieses Drangs, der bei Drogenabhängigkeit eine große Rolle spielt. Sie gehen durch eine Welt, in der sie das Schuhgeschäft und die Süßigkeiten gar nicht mehr wahrnehmen, weil diese Belohnungserwartung auf die Kneipe und auf die Trinksituation so übermächtig geworden ist, dass auch das Wissen, hinterher ist mir wieder schlecht und am nächsten Tag geht es mir übel, gar keine Rolle mehr spielt in der Situation, sondern sie sind so fokussiert und diese Erwartung ist so groß, dass es extrem schwerfällt, dem zu widerstehen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Wissen um die Rolle von Dopamin bei Suchterkrankungen, macht man sich inzwischen auch bei der Therapie von Suchterkrankungen zunutze. Zum Beispiel arbeiten Forschende daran, mithilfe von Medikamenten die Dopamin-Ausschüttung, etwa nach Alkoholkonsum, ganz gezielt zu unterdrücken. Das ist sehr schwierig und erfordert viel Feintuning, um nicht das ganze Dopamin-System aus dem Takt zu bringen, aber es gibt erste Erfolge. </p>
<p>17 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Und tatsächlich zeigen auch Daten, dass das ein Mechanismus ist, der Trinkmengen-Reduktion und Abstinenz unterstützen kann. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine andere Möglichkeit ist, umzulernen.</p>
<p>18 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Wir haben einen Raum in unserer Klinik, der aussieht wie eine Kneipe. Und in denen präsentieren wir unseren Patientinnen und Patienten ihr Lieblingsgetränk und sie können sich das einschenken. Sie können sich das angucken, sie können daran riechen. Und das stimuliert natürlich unheimlich dieses Belohnungssystem. Und wenn Sie es dann aber nicht konsumieren, sondern abwarten, bis dieser Drang und dieses Belohnungsvorhersage-Gefühl wieder runtergeht, dann kann dieses System umlernen. Dann haben Sie nämlich den Hinweisreiz gesehen. Sie haben aber nicht konsumiert und vereinfacht gesagt, war das eine falsche Belohnungsvorhersage im Gehirn und die wird langsam sukzessive dann runter korrigiert und wird mit der Zeit immer geringer. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Man übt sich gewissermaßen in Abstinenz und mit der Zeit nimmt der Dopamin-vermittelte Drang, Alkohol zu trinken, ab. </p>
<p>MUSIK 9 (Sine: Dreamland 0‘41)</p>
<p>Das gilt auch für andere Situationen, wo es nicht um Sucht im engeren Sinne geht. Sondern um die kleinen Dopamin-Kicks im Alltag: schnelle Zigarette in der Mittagspause oder kurz mal checken, ob mein Beitrag auf Facebook oder Instagram geliked wurde. Solchen Dingen eine Weile zu entsagen, ist gerade ziemlich angesagt in den sozialen Medien – auch wenn das erst mal paradox klingt, wenn bei Instagram die Insta-Abstinenz gefeiert wird. Aber tatsächlich gibt es einen Hype um das sogenannte Dopamin-Detox.</p>
<p>19 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Dopamin-Detox bedeutet, dass man ganz bewusst auf Aktivitäten verzichtet, die eine starke Ausschüttung von Dopamin, also diesem Belohnungshormon, sozusagen, verursacht. Das heißt, das Ziel ist, dass man so eine Art Reset vom Gehirn macht, damit man wieder wesentliche Motivation für die alltäglichen Aufgaben bekommt und nicht ständig überstimuliert ist. Und das versucht man so, dass man bestimmte Dinge versucht zu meiden, zum Beispiel zu viel Social Media und Internetkonsum, Videospiele, aber auch ernährungsbedingt, zum Beispiel Junk-Food, zu viele Süßigkeiten, ständiger Konsum von Musik und Podcast, exzessives Handy nutzen. Also all diese Dinge, womit man einfach sich überall stimuliert und das Gehirn an schnelle Belohnungen gewöhnt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wobei der Begriff „Detox“, also Entgiftung, eigentlich unpassend ist. </p>
<p>20 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Der Begriff ist eher irreführend, denn man kann und will ja eigentlich auch gar nicht das Dopamin aus dem Körper spülen. Es ist ja kein Detox in dem Sinne. Aber was ganz wichtig für die Betroffenen ist: Man lernt, mit dieser eigenen Abhängigkeit umzugehen. Das heißt, diese Reizüberflutung, die zu meiden, diese bewusst zu reduzieren, um wieder wirklich auch eine tiefe Freude und eine tiefe Befriedigung an Dingen zu bekommen, die das Leben ausgeglichen und schön machen. Und das sind sehr, sehr positive Effekte und das erleben viele Menschen und deshalb ist das durchaus zu befürworten.</p>
<p>MUSIK 10 ( Yost x Chiras: These Lonely Winds 1’02)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Neurotransmitter Dopamin spielt aber längst nicht nur beim Belohnungslernen und der Entstehung von Suchterkrankungen eine wichtige Rolle. Vielmehr hat der Botenstoff sehr viele verschiedene Aufgaben, ähnlich wie auch andere Botenstoffe. </p>
<p>21 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Die Evolution hat eben nicht unendlich viele Neurotransmitter, Botenstoffe unserem Gehirn zur Verfügung gestellt. Also wir kennen Glutamat oder Serotonin oder Dopamin, aber letzten Endes sind es gar nicht mehr als zwei Handvoll wichtiger Neurotransmitter, die unser Verhalten, unsere Kognition und unsere Emotionen regulieren. Und wir wissen, haben sehr viele unterschiedliche Hunderttausende, Millionen von möglichen Kognitionen, Emotionen, Dingen, die im Gehirn passieren. Und dafür ist eben eine sehr feine Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Neurotransmittern, aber auch zwischen dem, was sie tun an unterschiedlichen Rezeptoren in unterschiedlichen Regionen, in unterschiedlichen Schaltkreisen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine sehr feine Abstimmung im Gehirn ist auch für unsere gesamte Motorik wichtig, und dabei übernimmt der Neurotransmitter Dopamin ebenfalls eine wichtige Rolle. </p>
<p>22 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Vor allem für die unwillkürliche Motorik, zum Beispiel schlucken. Und schlussendlich kommt es auch in unserem vegetativen Nervensystem vor. Das heißt, es reguliert zum Beispiel die Durchblutung von Organen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Insgesamt betrachtet übernimmt Dopamin also eine Fülle von Aufgaben und ist an vielen Funktionen beteiligt. Das ist auch der Grund, warum eine Fehlregulation des Dopamins sehr verschiedene Erkrankungen zur Folge haben kann. </p>
<p>23 ZUSP O-TON (Kiefer)</p>
<p>Dopamin spielt eine große Rolle bei Parkinson-Erkrankungen zum Beispiel. Und bei Psychosen spielt es eine große Rolle. Bei Hormonstörungen spielt es eine große Rolle. Und all diese Dinge sind ganz unterschiedliche Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Dopamin-Funktionen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch die Aufmerksamkeitsstörung ADHS, bipolare Störungen und chronische Erschöpfungszustände werden mit Fehlregulationen des Dopamin-Systems in Verbindung gebracht. Wobei manche Erkrankungen mit einem Dopamin-Überschuss einhergehen und andere mit einem Dopamin-Mangel, Parkinson beispielsweise. </p>
<p>24 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Das ist eine Erkrankung, die nennen wir neurodegenerativ, das heißt Neurone, Nervenzellen gehen zugrunde. Und das sind insbesondere diese Dopamin-produzierenden Zellen im Mittelhirn. Und daraus resultiert ein Dopamin-Mangel, das heißt die Regel-Kreisläufe, die Signalübertragung, die läuft nicht mehr richtig. Und deswegen kommt es zu diesen Parkinson-typischen Symptomen, die insbesondere die Bewegung, also die Motorik betreffen, die unwillkürliche Motorik. Und das ist dann eine Verlangsamung, eine Steifigkeit und auch dieses ganz typische Ruhezittern. Aber – und das ist ganz wichtig – es gibt auch nichtmotorische Symptome. Zum Beispiel gedrückte Stimmung bis hin zu Depression oder auch eine Verlangsamung des Denkens.</p>
<p>MUSIK 11 ( Andreas Franzmann: Complexity 0’54)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Parkinson zu erkranken. Wobei es eine genetische Veranlagung gibt – manche Menschen haben also ein größeres Risiko als andere. Aber auch Lebensstil oder Umweltgifte wie Pestizide spielen eine Rolle. Daniela Berg leitet eine Forschungsgruppe zur Früherkennung von Parkinson, behandelt also regelmäßig Betroffene. Die ersten Symptome ähneln sich oft, berichtet sie.   </p>
<p>25 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Wenn die Betroffenen gehen, dann bewegt sich der eine Arm normal mit, der andere aber nicht. Der hängt praktisch nur so runter oder bewegt sich zumindest weniger mit. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dass ein Arm nicht mitschwingt, bemerken die Betroffenen selbst oft gar nicht, es sind eher die Angehörigen, die sagen, du gehst irgendwie komisch. Da stimmt was nicht. Für die genaue Diagnose machen Ärztinnen und Ärzte dann weitere Untersuchungen. Zum Beispiel die sogenannte Spect-Untersuchung. </p>
<p>26 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Das steht für Single-Photon-Emission-Computertomographie. Und das funktioniert so, dass man radioaktiv markiertes Dopamin den Betroffenen spritzt. Und das bindet dann an sogenannte Rezeptoren, die auf den Ausläufern von den Dopamin-Zellen sind. Und wenn diese Dopamin-produzierenden Zellen zugrunde gehen, dann kann das radioaktiv markierte Dopamin nicht mehr an diese Rezeptoren binden und dann leuchten die Regionen weniger stark auf. Und das kann man tatsächlich messen. </p>
<p>MUSIK 12 ( Sine: Endstation 1‘53)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Diagnose ist für Betroffene oft lebensverändernd, denn die Krankheit ist chronisch, es gibt keine Aussicht auf Heilung. Man kann das Fortschreiten nur verlangsamen.</p>
<p>27 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Stoppen können wir die Erkrankung leider noch nicht. Was wir versuchen – das ist ein großer Forschungsschwerpunkt mehrerer Gruppen, arbeiten wir selber auch sehr intensiv dran –, die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen, um die Betroffenen so gut wie möglich über die Symptome, die auftreten, einstellen zu können. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das macht man mithilfe von Medikamenten, die das fehlende Dopamin ersetzen. Daneben können Patientinnen und Patienten aber auch selbst einiges tun, auch darüber spricht Daniela Berg mit ihnen.</p>
<p>28 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Alles, was sich positiv auf Nervenzellen, auf die Dopamin-produzierenden Zellen auswirken kann, und die Betroffenen darüber auch zu unterrichten, was da machbar ist. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dazu gehört vor allem: Bewegung.</p>
<p>29 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Was wir wissen ist, dass zum Beispiel körperliche Aktivität ausgesprochen gut fürs Gehirn ist. Wir wissen, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko für Parkinson um die Hälfte reduzieren kann.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch die Ernährung kann positiven Einfluss auf den weiteren Verlauf der Erkrankung nehmen. Das gilt nicht nur für Parkinson, sondern für viele Krankheiten. Ein Grund mehr, seine täglichen Gewohnheiten, seinen regelmäßigen Konsum hin und wieder zu überdenken. Und vielleicht kommt man dabei zu dem Ergebnis, dass es Zeit ist, dem Burger, dem Social-Media-Account oder dem Alkohol eine Weile zu entsagen – nicht, weil diese Dinge Parkinson auslösen würden, das wäre viel zu verkürzt gedacht. Aber sich im Alltag ständig den kleinen Dopamin-Kicks hinzugeben, kann einen davon abhalten, das zu tun, was wirklich sinnvoll ist.</p>
<p>30 ZUSP O-TON (Berg)</p>
<p>Diese Aktivierung des schnellen Belohnungssystems ist ja auch etwas, was unser Gehirn in einer ständigen Anspannung sozusagen hält, also dieses ganz normale, sinnvolle, gute Regulieren des Dopamin-Systems verhindert. Und damit auch verhindert, Dinge zu tun, die dem Gehirn guttun, zum Beispiel regelmäßige körperliche Aktivität oder eben auch, wenn jetzt das schnelle Belohnungssystem durch eine nicht gute Ernährungsgewohnheit beeinflusst wird – eben viel Junk-Food, viele Süßigkeiten –, dann ist es etwas, was auf einer ganz anderen Ebene, dem Gehirn nicht guttut.</p>
<p>MUSIK 13 ( Stereolab: Melodie Is A Wound 0‘26)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und auch das Handy vielleicht einfach mal ausmachen.</p>
<p>31 ZUSP Atmo (Handy aus)</p>
<p>Düdüd.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p></p>
<p>Und dann kann man auch in Ruhe Auto fahren.  </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Jahreszeiten außer Takt? Alles Natur!</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/jahreszeiten-ausser-takt-alles-natur-1/1979973</link>
      <pubDate>Tue, 17 Jun 2025 08:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">22289165-d1a5-48fb-87aa-605dbcf8aa73</guid>
      <description>Starke Regenfälle, milde Winter, heiße Sommer, lange Trockenphasen - das Klima ändert sich und das merkt man auch an der Verschiebung der Jahreszeiten. Iska Schreglmann spricht mit Ismeni Walter, Professorin für Umweltjournalismus an der Hochschule Ansbach über die weitreichenden Folgen für Tiere und Pflanzen. Von Iska Schregmann (BR 2023) </description>
      <enclosure length="22118400" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1979973/c/feed/jahreszeiten-ausser-takt-alles-natur-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Iska Schreglmann im Gespräch mit Ismeni Walter</itunes:author>
      <itunes:summary>Starke Regenfälle, milde Winter, heiße Sommer, lange Trockenphasen - das Klima ändert sich und das merkt man auch an der Verschiebung der Jahreszeiten. Iska Schreglmann spricht mit Ismeni Walter, Professorin für Umweltjournalismus an der Hochschule Ansbach über die weitreichenden Folgen für Tiere und Pflanzen. Von Iska Schregmann (BR 2023) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bd790fb6-fe78-4118-b7b0-32e8cb85f9fe.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Starke Regenfälle, milde Winter, heiße Sommer, lange Trockenphasen - das Klima ändert sich und das merkt man auch an der Verschiebung der Jahreszeiten. Iska Schreglmann spricht mit Ismeni Walter, Professorin für Umweltjournalismus an der Hochschule Ansbach über die weitreichenden Folgen für Tiere und Pflanzen. Von Iska Schregmann (BR 2023) </p><p><strong>Credits:<br/></strong>Autorin: Iska Schreglmann im Gespräch mit Ismeni Walter<br/>Technik: Peter Riegel<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>

<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-jahreszeiten-ausser-takt-alles-natur-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p>Prof. Dr. Ismeni Walter ist Biologin und Wissenschaftsjournalistin. Im Studiengang Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach ist sie verantwortlich für den Schwerpunkt „Umwelt“. Die Studierenden bekommen bei ihr Einblicke in wichtige Themen wie Biodiversität, Mensch und Umwelt, Klimawandel und Klimapolitik.</p>
<p>Hochschulpage Ismeni Walter:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.hs-ansbach.de/personen/walter-ismeni/">EXTERNER LINK | https://www.hs-ansbach.de/personen/walter-ismeni/</a></strong></p>
<p><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.hs-ansbach.de/personen/walter-ismeni/"></a></strong>Mehr Infos zum Bachelorstudiengang Ressortjournalismus:<br/><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.hs-ansbach.de/bachelor/ressortjournalismus/">EXTERNER LINK | https://www.hs-ansbach.de/bachelor/ressortjournalismus/</a></strong></p>
<p><strong><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://www.hs-ansbach.de/bachelor/ressortjournalismus/"></a></strong><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie ebenfalls interessieren:</strong></p>
<p><strong></strong>Klimawandel und Lebensraum - Strategie der Anpassung<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimawandel-und-lebensraum-strategie-der-anpassung/bayern-2/12427811/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimawandel-und-lebensraum-strategie-der-anpassung/bayern-2/12427811/"></a></strong>Wälder für eine wärmere Zukunft - Bäume im Klimatest<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/waelder-fuer-eine-waermere-zukunft-baeume-im-klimatest/bayern-2/10451299/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/waelder-fuer-eine-waermere-zukunft-baeume-im-klimatest/bayern-2/10451299/"></a></strong>Klimaforschung - Eine lange Geschichte!<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimaforschung-eine-lange-geschichte/bayern-2/90472466/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/klimaforschung-eine-lange-geschichte/bayern-2/90472466/"></a></strong>Kampf gegen Klimawandel - Warum tut sich der Mensch so schwer?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kampf-gegen-klimawandel-warum-tut-sich-der-mensch-so-schwer/bayern-2/78758512/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Machen Sie mit:<br/>Dawn Chorus - Stop and Listen<br/>von 1. bis 31. Mai<br/>Gemeinsam laden das Naturkundemuseum Bayern/BIOTOPIA Lab und der bayerische Naturschutzverband LBV zusammen mit zahlreichen weiteren Partnern dazu ein, den morgendlichen Vogelchor vor der eigenen Haustür zu erleben, aufzunehmen und zu teilen. So können Sie einen wichtigen Beitrag zur Biodiversitätsforschung leisten.<br/>Mehr Infos gibt es hier:<br/><a title="Mehr Infos gibt es hier." href="https://dawn-chorus.org/"><strong>EXTERNER LINK | https://dawn-chorus.org/</strong></a></p>
<p>Spanende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/><a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Kinder der Flucht – Frauen erzählen<br/>Podcastserie mit 4 Folgen | ARD Audiothek<br/>Was bedeutet es, die Heimat zu verlassen? Wie kann das Ankommen gelingen?<strong><br/></strong>Shahrzad Osterer präsentiert die bewegenden Geschichten von vier Frauen und Müttern, deren Leben von einer Flucht geprägt wurde.<br/><strong><a href="https://1.ard.de/kinder-der-flucht-frauen-erzaehlen-audiothek-podcast">JETZT IN DER ARD AUDIOTHEK HÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>WirTier - Ein Podcast über die Begegnung von Mensch und Tier</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/wirtier-ein-podcast-ueber-die-begegnung-von-mensch-und-tier/2106097</link>
      <pubDate>Tue, 17 Jun 2025 04:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">79ebda37-e3dd-44aa-822f-ac9342aa711c</guid>
      <description>Zu Gast bei Radiowissen: Jeden Dienstag neu. WirTier erzählt von Menschen, die ihr ganzes Leben verändert haben durch diesen einen Moment auf Augenhöhe mit einem Tier. Sie teilen mit uns ihre tiefgreifenden Erfahrungen über unser Zusammenleben auf diesem Planeten und ihr Wissen über Tiere. Sechs Folgen - ab dem 13. Mai.</description>
      <enclosure length="3012096" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106097/c/feed/wirtier-ein-podcast-ueber-die-begegnung-von-mensch-und-tier.mp3"/>
      <itunes:duration>00:03:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Victoria Marciniak, Julius Bretzel</itunes:author>
      <itunes:summary>Zu Gast bei Radiowissen: Jeden Dienstag neu. WirTier erzählt von Menschen, die ihr ganzes Leben verändert haben durch diesen einen Moment auf Augenhöhe mit einem Tier. Sie teilen mit uns ihre tiefgreifenden Erfahrungen über unser Zusammenleben auf diesem Planeten und ihr Wissen über Tiere. Sechs Folgen - ab dem 13. Mai.</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ebfbea6b-6fd2-4ad8-a817-f984ce29ad6d.jpeg?w=1800"/>
    </item>
    <item>
      <title>Verhandeln -  Rhetorik, Macht und Nervenkrieg</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/verhandeln-rhetorik-macht-und-nervenkrieg/2092069</link>
      <pubDate>Tue, 17 Jun 2025 03:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">c9b7294b-ebf2-412b-a262-4e692b6a4f49</guid>
      <description>Gut verhandelt? Die Frage entscheidet über den persönlichen Kontostand und über die Aussichten einer Nation. Denn verhandelt wird über alles und überall: in Juristerei, Wirtschaft, Politik, auf Flohmärkten und Jobbörsen. Wie gelingt die Verhandlung und wie ändert sich historisch ihr Handwerkszeug? Von Marie Schoeß (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21346560" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092069/c/feed/verhandeln-rhetorik-macht-und-nervenkrieg.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:14</itunes:duration>
      <itunes:author>Marie Schoeß</itunes:author>
      <itunes:summary>Gut verhandelt? Die Frage entscheidet über den persönlichen Kontostand und über die Aussichten einer Nation. Denn verhandelt wird über alles und überall: in Juristerei, Wirtschaft, Politik, auf Flohmärkten und Jobbörsen. Wie gelingt die Verhandlung und wie ändert sich historisch ihr Handwerkszeug? Von Marie Schoeß (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/6416136e-8b4e-45d2-84d2-57fbe241c516.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Gut verhandelt? Die Frage entscheidet über den persönlichen Kontostand und über die Aussichten einer Nation. Denn verhandelt wird über alles und überall: in Juristerei, Wirtschaft, Politik, auf Flohmärkten und Jobbörsen. Wie gelingt die Verhandlung und wie ändert sich historisch ihr Handwerkszeug? Von Marie Schoeß (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Marie Schoeß<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann<br/> Technik: Matthieu Belohradsky<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Roman Trötschel, Professor für Sozial- und Politische Psychologie an der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg<br/>Simon Wolf, nach Studium und Promotion in der Rhetorik arbeitet er als Rhetorik-Coach</p>

<strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>

<p><strong></strong></p>
<p>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast<br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 radioWissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnah nimmt Euch „Wie wir ticken“ mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>ZUM PODCAST</strong></a><strong></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-verhandeln-rhetorik-macht-diplomatie-kommunikation-konfliktloesung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Verhandeln ist mehr als Kopfarbeit: Treten zwei Menschen einander gegenüber – bereit zum Verhandeln –, beginnt ein diffiziles Spiel, das den ganzen Menschen beansprucht. Alles ist jetzt gefragt. Augen, Arme, Mundwinkel, Herz, Puls, Kopf und Zunge: Jeder Nerv, jede Zelle muss mitspielen, alles muss eingestimmt sein auf das, was jetzt folgt. Höchstspannung – sichtbar gerade in den Momenten des Scheiterns. Wenn die Spannung plötzlich abfällt. Im November 2017 zum Beispiel.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Erinnern Sie sich noch? Deutschland sucht gerade eine neue Regierung, die Sondierungsverhandlungen sind dieses Mal aber deutlich kniffliger als gewohnt. Union, Grüne und FDP wollen es miteinander versuchen und so – in dieser Kombination, auf Landesebene – haben die Beteiligten noch nie zusammengefunden. Ihre Programme liegen in zentralen Fragen auch weit auseinander. Für sie alle – schwarz, grün, gelb – steht also einiges auf dem Spiel. Lassen sich genügend der eigenen Ziele durchsetzen? Gelingt es – allen – das Gesicht zu wahren, weil alle Zugeständnisse in den Fragen machen, die für die jeweils anderen zentral sind? Können so auch lauter faule Kompromisse verhindert werden? All das ist offen, als die FDP plötzlich vor die Presse tritt. Christian Lindner hat seine Parteikolleginnen und Kollegen im Rücken, eine fast schon versteinerte Miene haben sie, als ihr Parteivorsitzender verkündet: Besser nicht regieren, als falsch regieren. </p>
<p>Musik: Prayer wheel (red.) 0‘20</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Mit diesem Statement gehen die Verhandlungen erfolglos zu Ende, und den anderen – Verhandlern auf Seiten der Union, der Grünen – stehen die Fragen ins Gesicht geschrieben: Was ist da schiefgelaufen? Was kann man daraus lernen?</p>
<p>01 ZUSPIELER ROMAN TRÖTSCHEL </p>
<p>Es geht in Verhandlungen sehr stark um Reputation, Aufbau von Vertrauen und den Aufbau von Beziehungen, weil ich langfristig davon Vorteile ziehen werde. Und wenn ich fragwürdig kurzfristige Erfolge erziele, indem ich die Gegenseite über den Tisch ziehe, Interessenskonflikte vortäusche oder was auch immer, hat das zwar kurzfristig Erfolg, aber langfristig wird mir das auf die Beine fallen. Es dauert 20 Jahre, mir eine Reputation aufzubauen, aber ich kann sie in fünf Minuten zerstören. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Roman Trötschel ist Experte in Sachen Verhandlungen, er lehrt als Professor für Sozial- und Politische Psychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Versucht zu verstehen, unter welchen Umständen Verhandlungen glücken und was sie scheitern lässt. Vertrauen, weiß er, ist ein zentraler Punkt für jede Verhandlung. </p>
<p>Musik:  Precision on demand 0‘36</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und der Herbst 2017 bildet da keine Ausnahme. Mehr als ein Mal dringen Informationen nach draußen. Irgendwer spielt sie an die Presse, offenbart sie der Öffentlichkeit – sicher auch, weil es in diesem Moment der eigenen Strategie dient. Vertrauen baut man so aber nicht auf. Auch das plötzliche Wechseln von Strategien und Positionen ist nicht gerade vertrauensbildend. Der Streit um den Familiennachzug ist ein Beispiel dafür. Ein Knackpunkt, die Verhandler beißen sich an dieser Frage fest – insofern wäre ein vertrauensvoller Umgang gerade jetzt wichtig. Das Gegenteil aber passiert: Jürgen Trittin, lange unter den diskretesten Verhandlern, kritisiert die FDP öffentlich dafür, plötzlich einen Schulterschluss mit der CSU zu suchen, heißt: Plötzlich auch darauf zu pochen, den Familiennachzug weiter auszusetzen, was für die Grünen bekanntermaßen ein rotes Tuch ist. Das Interview: zerstört Vertrauen. Der plötzlich gesuchte Schulterschluss, der dem Interview vorausging, ebenfalls. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Ende der Verhandlungen, der nicht abgesprochene Abbruch, war letztlich Ausdruck des Vertrauens-Problems innerhalb der Verhandlungen. Die Sondierungsverhandlungen sind aber nur ein Beispiel: Gescheiterte Verhandlungen gehören zum politischen Alltag. Und auch für Vertrauensverluste findet man etliche Beispiele. 2018 etwa, ein anderes Scheitern. Auch das vor aller Augen.</p>
<p>Musik: Facts&amp;data 0‘42</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Donald Trump verlässt den G7-Gipfel vor dem eigentlichen Ende. Erinnern Sie sich noch? An diesen Aufbruch, der nichts ist als: Symbolpolitik, ein Signal, wie groß der US-amerikanische Präsident die eigene Verhandlungsmacht einschätzt, wie gering die seiner Partner? Trump müsste hier nicht weg, der Anschluss-Termin mit dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Un ließe ihm Zeit, aber er verlässt die Verhandlungspartner frühzeitig, fliegt – und twittert: Er werde die US-Unterhändler anweisen, „die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen“. Gerade hatte man sich auf einen Kompromiss geeinigt – ein großer Wurf war der ohnehin nicht, die großen Streitfragen waren ausgeklammert worden – aber jetzt auch noch das: Das öffentliche, nicht abgesprochene Aufkündigen des Kompromisses.</p>
<p>02 – ZUSPIELER ROMAN TRÖTSCHEL </p>
<p>Es dauert 20 Jahre, mir eine Reputation aufzubauen. Aber ich kann sie in 5 Minuten zerstören. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Verhandeln kann Nervenkrieg sein, das beweisen diese Beispiele – aber sie suggerieren gleichzeitig etwas Falsches: Dass eine Verhandlung Wettbewerb ist. Weiter nichts. Die Wahrheit ist komplexer:</p>
<p>03 – ZUSPIELUNG ROMAN TRÖTSCHEL</p>
<p>Was Verhandlungen auszeichnet, ist, dass das immer Situationen sind, in denen Kooperation und Competition gemeinsam auftreten. Einerseits versuche ich ja als Verhandlungspartei die Interessen der eigenen Seite – also wenn ich eine Gruppe vertrete oder auch meine individuellen Interessen – durchzusetzen gegen den Widerstand der anderen Seite. Aber ich würde ja mit der anderen Seite nicht verhandeln, wenn ich das ganz allein könnte. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein klassischer Fehler in Verhandlungen: Sie als Fußballspiel zu verstehen, entweder man gewinnt oder man verliert. Dabei ist die vielleicht wichtigste Einsicht eines Verhandlers, dass die Gegenseite auch Entscheidungsmacht hat, dass die Abhängigkeit wechselseitig ist, dass beide Akteure Teil des Entscheidungsprozesses sind, im besten Fall sogar beide gewinnen. Wer daran zweifelt, kann die Verhandlung eigentlich gleich einstellen. </p>
<p>04 – ZUSPIELUNG ROMAN TRÖTSCHEL  </p>
<p>Grundsätzlich können soziale Konflikte auf verschiedene Art und Weise gelöst werden. Entweder durch Agieren und Reagieren – also, dass eine Partei Aktionen ergreift. In Tarifverhandlungen – eine Partei löst einen Streik aus, und die Gegenseite reagiert dann drauf, geht vor Gericht. Oder durch Interagieren. Und Interagieren ist dann Verhandeln. </p>
<p>Musik: Research activity 0‘40</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Noch ein Beispiel: Die „Letzte Generation“ will – genauso wie „Fridays for Future“ – einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen, will der Gesellschaft vor Augen führen, was der Klimawandel für die Jungen bedeutet. Aber während sich „Fridays for Future“ offen zeigt, ihre Positionen zum Gegenstand von Diskussionen und Verhandlungen zu machen, pocht die „Letzte Generation“ immer wieder darauf, dass vieles schlicht „nicht verhandelbar“ sei. Und setzt insofern auch auf eine andere Strategie: auf Aktion statt Interaktion. </p>
<p>05 – ZUSPIELUNG SIMON WOLF</p>
<p>Ja, also von der Definition, da kann man sagen, dass es bei der Verhandlung immer um den Abgleich von konfligierenden Interessen geht. Zwei Personen oder zwei Institutionen haben unterschiedliche Interessen. Das können auch mehr als zwei sein. Und sie haben trotzdem das gemeinsame Interesse, das auf dem Weg der Verhandlung zu klären und nicht auf anderem Wege. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dr. Simon Wolf arbeitet als Rhetorik-Coach, wobei er Theorie und Praxis der Verhandlung zusammenbringt. </p>
<p>Er ist damit Fachmann für eine Disziplin, an der niemand vorbeikommt: Verhandelt wird überall, in Küchen und Kirchen, in Parlamenten und auf dem Pausenhof. Zu verstehen, was eine Verhandlung ausmacht, wie sie sich gut gestalten lässt, ist also enorm wichtig – für das Leben jedes Einzelnen und die Entwicklung einer Gesellschaft. Und trotzdem gehen es viele falsch an. Simon Wolf kennt das aus der Praxis:</p>
<p>06 – ZUSPIELUNG SIMON WOLF</p>
<p>Häufig gibt es so die Idee von der einen richtigen Formulierung, und da muss man schon von der Gesprächsführung her und erst recht von der Verhandlungsführung her sagen: Das eine richtige goldene Wort gibt es nicht, sondern im Gegenteil es geht um Verhaltensweisen, und es geht um Mindset. Also von der einen goldenen Formulierung, von dem einen goldenen Wort muss man sich leider ein Stück weit lösen.</p>
<p>Musik: New beginning 0‘19</p>
<p> SPRECHERIN</p>
<p>Aufs Mindset, also auf die Haltung und Einstellung bei der Verhandlung, pocht auch Roman Trötschel. Es hält flexibel, sagt er. Und dass ein Mindset keine Wertvorstellung sei, nichts Starres, Unverhandelbares. Eher schon eine Brille.</p>
<p>07 – ZUSPIELUNG ROMAN TRÖTSCHEL</p>
<p>Und wie so eine Brille, die ich auf- und absetzen kann, wirken auch Mindsets, die sind nämlich sehr flexibel. Und ich brauche Flexibilität in Verhandlungen. Und jetzt gibt es kein universelles Mindset, das mir grundsätzlich hilft, in Verhandlungen voranzukommen. Vielleicht schon das grundsätzliche Verständnis, dass Verhandlungen eben immer Kooperation und Competition sind, also beides. Das muss Bestandteil des Mindsets sein. Aber zusätzlich kann ich mir in Abhängigkeit von meinen Fähigkeiten und Fertigkeiten bestimmte Grundprinzipien geben.   </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wer ein großes Harmoniebedürfnis in sich trägt, setzt besser erstmal die Brille „Hartnäckigkeit“ auf, damit er nicht zu schnell um des Friedens willen einknickt. Darf sie aber auch wieder absetzen, wenn die wichtigsten Elemente besprochen sind. Eine Varianz an Brillen – Grundprinzipien in der Verhandlung – helfen ohnehin am besten weiter. „Neugier“ ist eines davon. Und „Kreativität“.  </p>
<p>08 – ZUSPIELUNG SIMON WOLF</p>
<p>Für die Vorbereitung auf eine Verhandlungsstrategie ist es in der Praxis ganz wichtig zu sehen: Was sind meine Interessen? Nicht nur meine Positionen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bedeutet: Nicht nur zu wissen, was ich will, sondern warum ich das will. Das erhöht die Flexibilität und ist Moment für Kreativität. </p>
<p>Musik: Corporate questions more red 0‘42</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Konkretes Beispiel: Wenn ich ins Gespräch mit meinem Chef gehe und mehr Gehalt fordere, kann ich schnell scheitern. An Vergütungsgruppen zum Beispiel, die in einer Firma klar geregelt sind und an denen wirklich niemand vorbeikommt. Wenn ich aber weiß: Ich will mehr Gehalt, weil ich Geld für ein Lastenrad zurücklegen will, kann ich womöglich von der Firma ein Rad gestellt bekommen. Oder eine Karte für die Öffentlichen Verkehrsmittel, fürs Fitness-Studio, irgendwas, das mir anderweitig Geld spart. In ganz vielen Situationen lässt sich das Bedürfnis befriedigen, nur nicht immer auf dem einen naheliegenden Weg. Deshalb die Frage nach dem Warum.</p>
<p>09 – ZUSPIELUNG SIMON WOLF </p>
<p>Letzten Endes steigern wir dadurch unsere Verhandlungsmacht, weil wir mehr Möglichkeiten auf den Tisch bekommen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ist Kreativität gerade während der Verhandlung entscheidend – dann, wenn es wirklich ums Suchen und Finden eines Kompromisses geht –, braucht es die Neugier schon viel früher: </p>
<p>10 – ZUSPIELER ROMAN TRÖTSCHEL </p>
<p>Ich muss tatsächlich wie ein Detektiv vorgehen und verstehen: Was ist denn eigentlich mit der anderen Seite los in dieser Verhandlung? Was will die denn eigentlich? Die Gegenseite vertritt Positionen. Aber hinter den Positionen der Gegenseite steckt Psychologie – nämlich Motive, Wertvorstellungen, Denkmuster. Und das muss ich aufdecken und muss neugierig sein. Eigentlich bedeutet Neugier Informationssuche – und zwar so viel wie möglich. </p>
<p>Musik:  Creative workshop red 0‘42</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Hinter den Positionen steckt Psychologie“, sagt Roman Trötschel. Und in dieser Aussage steckt wiederum eine ziemlich wichtige Einsicht für die Kunst der Verhandlung: Eine Verhandlung ist mehr als ein Austausch von Argumenten, mehr als ein Spiel, das allein mit dem Verstand zu gewinnen ist. Eine Verhandlung hat rationale, aber auch emotionale, fast schon körperliche Anteile. Die Vorbereitung muss insofern auch den ganzen Menschen einbeziehen: die Argumente und Emotionen der anderen Seite. Und meine eigenen. </p>
<p>11 – ZUSPIELER SIMON WOLF</p>
<p>Schon Aristoteles sagt uns, ein emotional erregter Gesprächspartner kann sich nicht mehr so gut konzentrieren. Und das heißt, die emotionale Vorbereitung gehört immer auch zu Verhandlungs-Vorbereitung dazu. Damit geht typischerweise die Körpersprache Hand in Hand. Wenn ich emotional aufgeräumt und entspannt bin, dann kann ich meine Körpersprache auch besser einsetzen. Wenn ich sowieso schon auf 180 bin, dann machen die Mundwinkel und dann macht die Zornesfalte auf der Stirn, was sie will. Und dann wird ein Gesprächspartner ein viel leichteres Spiel haben, weil ich meine Körpersprache nicht so gut kontrolliere und dann meine Emotionalität ein Stück weit besser zu lesen und zu sehen ist. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Emotionalität des anderen einfach auszunutzen, wenn sie sich denn zeigt, ist trotzdem keine gute Idee. Stichwort: Aufrichtigkeit, Vertrauen. Beides ist immens wichtig – gerade, wenn Verhandlungen Zeit brauchen oder gar kein Ende kennen. Die G7: tagen nicht bloß ein Mal. FDP und Grüne haben sich bei den Jamaika-Verhandlungen 2017 nicht zum letzten Mal an den Verhandlungstisch gesetzt. Und die Verhandlung zu Hause, um die gerechte Aufteilung der Care-Arbeit zum Beispiel, ist auch erst abgeschlossen, wenn das Kind das Haus verlassen hat. Kurzfristige Verhandlungserfolge, die auf Kosten des Vertrauens gehen, helfen da kaum weiter. Weder am Küchentisch und noch bei Klimaverhandlungen.</p>
<p>Musik: Chemical transformation 0‘50</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und für letztere braucht es mehr als ein Bewusstsein, welches Mindset hilfreich ist. Roman Trötschel hat sich auf solche Verhandlungen spezialisiert. Transformationsverhandlungen nennt er sie. Im Grunde fallen darunter alle Verhandlungen, die einen gesellschaftlichen Wandel einleiten wollen und dabei nachhaltige Lösungen anstreben. Einfach ist das nie. Aus mehreren Gründen: Weil viele verschiedene Interessen aufeinanderstoßen. Weil der Verhandlungsgegenstand nie bloß die Gegenwart betrifft, sondern immer auch die Zukunft. Und weil jede Entscheidung Folgen für verschiedenste Bereiche hat: fürs Soziale, Wirtschaftliche, Ökologische. Die UN-Klimakonferenz in Paris ist ein gutes Beispiel dafür – gut nicht nur wegen der Vielzahl an Interessen, der Vielzahl an Fragen und Folgen, sondern vor allem, weil hier wirklich mal eine Verhandlung geglückt ist.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Kleiner Sprung zurück, ins Jahr: 2015. Am 30. November beginnen die Klima-Verhandlungen in Paris, bis zum 11. Dezember sind sie angesetzt, aber spontan werden sie um einen Tag verlängert, es ist eben enorm kompliziert. Am Ende steht ein Klimaabkommen, völkerrechtlich bindend für alle Staaten der Welt, das bis heute Wirkung hat. Hier wird das Ziel gesteckt, die globale Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten, möglichst bei 1,5 °C. Und diese Zahl, 1,5 °C, ist bis heute Richtwert, wenn die Frage aufkommt: Tun wir genug, tun wir zu wenig in Sachen Klimawandel?</p>
<p>12 – ZUSPIELUNG ROMAN TRÖTSCHEL</p>
<p>Das war ein großer, großer Durchbruch, weil diese Verhandlung Orientierung gibt. Es wird ein Bezugspunkt festgelegt, dem viele Parteien und viele Nationen zugestimmt haben, dem sich viele Verhandlungsparteien verpflichtet haben und damit auch die entsprechenden Staaten. Diese Verhandlung ist insofern gelungen, als dass – im Gegensatz zu vorherigen Verhandlungen – nicht beispielsweise die ökonomische Ergebnisdimension die Bezugsgröße ist, sondern tatsächlich die ökologische Ergebnisdimension. </p>
<p>Musik:  Feeling good 0‘37</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was ist da wirklich geglückt und warum? Die Verhandlung ist gelungen, das sagt Roman Trötschel, weil die ökologische und nicht die ökonomische Dimension die Bezugsgröße ist. Konkret heißt das doch: Diese Verhandlung hat einem ökologischen Ziel den Vorrang gegeben. Selbst wenn die wirtschaftlichen oder sozialen Konsequenzen dieser Vereinbarung problematisch sein sollten, das 1,5 Grad Ziel gilt – langfristig gesehen – als entscheidender. Die langfristige Perspektive hat damit Sorgen ums Hier und Jetzt geschlagen. Und das ist – aus psychologischer Sicht – alles andere als selbstverständlich. </p>
<p>13 – ZUSPIELUNG ROMAN TRÖTSCHEL</p>
<p>Beispielsweise gibt es so eine grundsätzliche Tendenz von Menschen, zukünftige Konsequenzen weniger stark zu gewichten als unmittelbare kurzfristige Konsequenzen. Auch haben Menschen Schwierigkeiten mit Belohnungsaufschub, dass sie erst in Zukunft für bestimmte Handlungen belohnt werden. Oder Menschen haben große Schwierigkeiten, mit Unsicherheit umzugehen, mit Risiko umzugehen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hier ist er wieder, der ganze Mensch, der eine Verhandlung ausmacht.</p>
<p> Musik:  Simple but complex behaviour (c) 0‘25</p>
<p>Und der bringt noch ein Problem für solche komplexen politischen Verhandlungen mit, die über unsere Zukunft entscheiden: Es fällt ihm nicht leicht, die verschiedenen Dimensionen gegeneinander abzuwägen. Wenn man an das Abkommen von Paris denkt, spielen ja ganz verschiedene Aspekte mit rein: politische, soziale, wirtschaftliche, ökologische. Wie gewichtet man die? Eine einfache Rechnung lässt sich da kaum anstellen – was in der Praxis regelmäßig dazu führt, dass kurzfristige Ziele gewinnen oder ökonomische Überlegungen ökologische ausstechen:</p>
<p>14 – ZUSPIELUNG ROMAN TRÖTSCHEL</p>
<p>Aber es gibt auch Erkenntnisse dazu, wie man dem begegnen kann. Beispielsweise, dass man Repräsentanten an den Verhandlungstisch holt, die tatsächlich ausschließlich die Aufgabe haben, Aspekte wie zum Beispiel ökologische Auswirkungen mit auf den Verhandlungstisch zu bringen. Dass Modellierer mit einbezogen werden oder die Erkenntnisse von Modellierern, die zeigen, was es für Szenarien für die Zukunft gibt. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Klingt kompliziert, aber ein Beispiel dafür haben wir alle miterlebt: die Corona-Krise.</p>
<p>Musik:  Political efforts red 0‘45</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Plötzlich stehen sich etliche Bedürfnisse gegenüber. Da sind die Kinder, die nicht mehr auf Spielplätze dürfen. Isoliert, allein mit überforderten Eltern – von heute auf morgen. Da sind die Risikogruppen, die um ihre besondere Verletzlichkeit besorgt sind, die hoffen, bitten, dass Schulen, Kitas, Kindergärten geschlossen bleiben, damit sich das Virus dort nicht zu schnell verbreitet. Da ist die Industrie, die über die enormen wirtschaftlichen Schäden spricht, wenn man das Land stillstellt. Und die Ärztinnen und Pfleger, die Sorge haben, wie sich die Lage entwickelt, wenn man das Land nicht stillstellt. Und zwischen ihnen allen: die Politiker, die in Verhandlungen entscheiden sollen, welche Bedenken schwerer wiegen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Drahtseilakt. Aber verhandelt wurde in der Corona-Krise, wie Roman Trötschel es vorgeschlagen hat: Die Stimmen, die keine Entscheidungsmacht hatten, hatten dennoch Gewicht. Die Politik hat sie mit an den Tisch geholt: die Forschung, die Wirtschaft, die Pädagogen. Sie waren nicht stimmberechtigt, die Entscheidungen trafen die Politiker, aber sie waren oft Teil der Verhandlungen, Stimmen, die dafür sorgen sollten, dass alle Dimensionen verstanden und mit einbezogen wurden. Wenngleich man ihnen nicht immer gefolgt ist.</p>
<p>Musik: Undercover investigations red 0‘19</p>
<p>Denn: Wie eine Verhandlung ausgeht, liegt immer auch daran, wie dringlich die Situation erscheint: Dass etwas wichtig ist, sagt Roman Trötschel, reicht in Verhandlungen nicht aus. </p>
<p>15 – ZUSPIELUNG Roman Trötschel </p>
<p>Es muss mit Bildern untermauerbar sein. Auch hier wieder das Beispiel mit der Corona-Pandemie – die Bilder aus Italien, die haben die Herausforderung, die Dringlichkeit greifbar gemacht. Dasselbe gilt für die Katastrophe im Ahrtal. Auch das hat die Dringlichkeit greifbar gemacht und Dringlichkeit wird auch dadurch unmittelbar erlebt, dass es näher an einen heranrückt. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damit könnte also die Vorbereitung jeder Verhandlung anfangen. Alle Augen auf die Gegenseite: Was würde sie überzeugen, dass das eigene Anliegen nicht bloß wichtig, sondern dringlich ist? Ist jetzt der richtige Moment, die Verhandlung zu beginnen? Oder warte ich auf den Augenblick, der die Dringlichkeit unmittelbar belegt? So also könnte die Verhandlungsvorbereitung beginnen – mit einem neugierigen Blick.</p>
<p>Musik:  Still waiting 0‘34 </p>
<p>SPRECHER:</p>

<p>Und dann treten sie alle auf, der Kreative, der Hartnäckige, der Sachliche, der Aufrichtige - alle flexibel einsetzbar, aber eben keine Schachfiguren, sondern Haltungen eines Menschen. Und sie treffen zusammen mit all den Haltungen der anderen Menschen, der Verhandlungspartner. Kein Wunder, dass sich der Ausgang einer Verhandlung nur selten voraussagen lässt.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Dinge, die nicht wiedergutzumachen sind - Trauma Schuld</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/dinge-die-nicht-wiedergutzumachen-sind-trauma-schuld-1/2092556</link>
      <pubDate>Tue, 17 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d77cedc1-15ea-48ab-9514-745473e2c973</guid>
      <description>36.000 Menschen werden jährlich im Verkehr verletzt und 2.800 Menschen getötet. Oft ist der Unfall auch für die Verursacher traumatisch. Sie verzweifeln, weil sie keinen Weg finden, mit der großen Schuld zu leben. Zwar gibt es keine Wiedergutmachung, doch es kann gelingen, weiterzuleben. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)</description>
      <enclosure length="23153664" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092556/c/feed/dinge-die-nicht-wiedergutzumachen-sind-trauma-schuld-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:07</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Lamsfuß</itunes:author>
      <itunes:summary>36.000 Menschen werden jährlich im Verkehr verletzt und 2.800 Menschen getötet. Oft ist der Unfall auch für die Verursacher traumatisch. Sie verzweifeln, weil sie keinen Weg finden, mit der großen Schuld zu leben. Zwar gibt es keine Wiedergutmachung, doch es kann gelingen, weiterzuleben. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/22f23e33-f230-4b44-afe2-1cd83fcfef51.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>36.000 Menschen werden jährlich im Verkehr verletzt und 2.800 Menschen getötet. Oft ist der Unfall auch für die Verursacher traumatisch. Sie verzweifeln, weil sie keinen Weg finden, mit der großen Schuld zu leben. Zwar gibt es keine Wiedergutmachung, doch es kann gelingen, weiterzuleben. Von Karin Lamsfuß (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß<br/> Regie: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Herbert Schäfer<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Silke von Beesten, Notfallpsychologin, Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland; <br/>Verena König, Traumatherapeutin; <br/>Dr. Christoph Quarch, Philosoph und Theologe; <br/>Melanie Regus, Unfallverursacherin<br/>Conny Vogt, ihr Mann kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben</p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>

<p><strong>Linktipps:</strong><br/><strong>Beratung für Unfallverursacher und Unfallopfer <a title="Hier gehts zur Website." href="https://vod-ev.org/">HIER</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-trauma-schuld-wiedergutmachung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>O-Ton 1 Melanie Regus: </p>
<p>Ich habe vor 20 Jahren einen Menschen überfahren.</p>
<p>O-Ton 2 Melanie Regus: </p>
<p>Es ist so, dass ich rechtlich gesehen eine Täterin bin und auch bleiben werde. Den Rest meines Lebens.</p>
<p>O-Ton 3 Melanie Regus:</p>
<p>Und man fragt sich dann manchmal auch so was wie: Was hab ich im Leben getan, dass ich das verdiene? Dass mir das geschieht? Hab ich etwas getan?</p>
<p>O-Ton 4 Melanie Regus: </p>
<p>Ich habe viele, viele Jahre keine Antwort darauf gehabt, weil faktisch ist es so, dass ich verantwortlich bin für den Tod dieses Menschen. Ich bin schuld daran, dass dieser Mensch nicht mehr in der Mitte seiner Lieben ist.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Es war einer der ersten schönen Frühlingstage. Melanie Regus war damals gerade 20. Sie fuhr mit ihrem Auto in vorgeschriebener Geschwindigkeit auf der Landstraße. </p>
<p>O-Ton 5 Melanie Regus: </p>
<p>Ich hatte das Fenster unten, ich kann mich sogar an den Wind in meinem Haar erinnern. Ich kann mich dann aber nur noch fragmentarisch an das erinnern, was passierte, dass ich nämlich in die Spurrinne gekommen bin neben der Fahrbahn, als Fahranfängerin gegengelenkt habe, auf die andere Fahrbahnseite geschleudert bin und auf der kam ein Radfahrer, den ich dann überfahren habe.</p>
<p>MUSIK Source Code </p>
<p>O-Ton 6 Melanie Regus: </p>
<p>Und es kam ein Polizist und hat mir die schöne Nachricht überbracht: „Wir fliegen ihn jetzt gleich weg ins Klinikum, er wird’s schaffen!“ Und ich kann mich dran erinnern, wie eine tonnenschwere Last von mir abgefallen ist. Dann kam der Polizist einige Zeit später wieder und hat mir relativ trocken und knapp und kurz mitgeteilt, dass er es nicht geschafft hat. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Melanie Regus ist erst seit Kurzem in der Lage, offen über das zu sprechen, was ihr damals passiert ist: Sie hat einen Menschen getötet. Unbeabsichtigt. Sie war nicht betrunken, nicht zu schnell. Hat nicht am Handy gespielt. Es ist einfach passiert. So wie es jedem Menschen passieren könnte, der sich hinters Steuer setzt. </p>
<p>MUSIK Broken dreamland </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Jeder Mensch kann sich jederzeit schuldig machen. Wir verletzen einander, körperlich sowie seelisch. Und wir können einander unbeabsichtigt schwer versehren oder sogar töten. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Und obwohl diese Wahrheit zum Menschsein dazugehört, ist sie in dem Moment, wo sie wahr wird, einfach nur ein Albtraum, so die Traumatherapeutin Verena König:</p>
<p>O-Ton 7 Verena König: </p>
<p>Ich glaube, verantwortlich zu sein für so einen großen Schaden, für so einen enormen Schmerz, ist etwas, was man zunächst einmal überhaupt nicht greifen kann und wo man wirklich Arbeit zu leisten hat, um das zu bewältigen. Und ich glaube auch, dass es viele Menschen gibt, die das nicht schaffen. Und die nicht darüber hinwegkommen und die ihr eigenes Lebensglück darüber verwirkt sehen und das so erleben.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Rund 36.000 Menschen werden jährlich im Verkehr verletzt und 2.800 getötet. Hinzu kommen Unfälle in Job und Freizeit durch menschliches Verschulden. Alle Aufmerksamkeit, alles Mitgefühl gilt den Opfern. Zu Recht. </p>
<p>MUSIK Wasteland </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Doch wer kümmert sich um die Täter? Also um die Menschen, in deren Leben auch nichts mehr ist wie zuvor?</p>
<p>O-Ton 8 Silke von Beesten: </p>
<p>Wir betrachten Unfallverursacher genauso als Unfallopfer, wie alle anderen Betroffenen auch. Auch dieser Mensch braucht Hilfe. Auch dieser Mensch braucht Unterstützung. Ein Verkehrsunfallverursacher hat diesen Verkehrsunfall auch nicht gewollt.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Silke von Beesten, Notfallpsychologin und Vorsitzende der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland. Der gemeinnützige Verein berät sowohl Unfallopfer, als auch Unfallverursacher. Nur von denen kamen gerade mal zwei in den ganzen letzten Jahren. Dabei, so sagt sie, sind die Gefühle, die solch ein Ereignis auslöst, so schwerwiegend, dass nur die wenigsten damit alleine klarkommen. </p>
<p>MUSIK Wasteland </p>
<p>O-Ton 9 Silke von Beesten: </p>
<p>Auf psychischer Ebene erleben alle zunächst einmal eine schwere Belastung, die hochemotional wirkt und die zunächst einmal einhergehen kann mit überflutenden Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und in der Folge sind dann die so genannten Risiko- und Schutzfaktoren maßgeblich dafür verantwortlich, ob eine Traumafolgestörung entsteht, und zwar sowohl bei Unfallverursacher als auch bei Unfallbetroffenen oder ob die Möglichkeit der Heilung entstehen kann. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Trauma Schuld. Menschen, die für das Schicksal eines anderen verantwortlich sind, müssen mit dieser Bürde in der Regel ganz alleine weiterleben. </p>
<p>Kaum jemand will etwas mit ihnen zu tun haben, Hilfsangebote gibt es so gut wie keine. Dabei haben auch sie eine zentnerschwere Last auf ihren Schultern zu tragen. </p>
<p>O-Ton 10 Verena König: </p>
<p>Ja, also ich glaube, dass Schuldgefühle, um die es da ja auf einer ganz tiefen Ebene geht, tatsächlich die Kraft und die Macht haben können, uns die eigene Existenzberechtigung zu nehmen. Also das Gefühl von eigener Existenzberechtigung. Es gibt anscheinend in unserem tiefen sozialen Sein eine ganz intensive Verbindung zum Leben. Und wenn das Leben eines anderen Menschen endet, dann bedeutet das, dass das etwas mit unserer eigenen Existenz macht. Das ist nicht möglich, das von der eigenen Existenz zu trennen, wenn man eine Verantwortung oder Schuld trägt.</p>
<p>MUSIK The start, the end and all the space between </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wo jemand einem anderen Menschen das Leben nimmt oder ihn gesundheitlich nachhaltig schädigt, versagen alle Konzepte von Entschuldigen, Verzeihen, Versöhnen und Wiedergutmachen. Also die Konzepte, die bei kleineren Verletzungen funktionieren, so der Philosoph und Theologe Dr. Christoph Quarch:</p>
<p>O-Ton 11 Christoph Quarch: </p>
<p>Hier müssen wir tatsächlich mit der Situation klarkommen, dass es Dinge gibt, die schlicht und ergreifend unverzeihlich sind. Man kann Schuld auf sich laden, bei der wir nicht erwarten können oder auch erwarten dürfen, dass die Betroffenen uns dafür verzeihen.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Melanie Regus stand ganz alleine da mit ihren überflutenden Gefühlen. So recht wollte keiner ihre Geschichte hören. Um Abstand zu gewinnen, zog sie in eine größere Stadt, studierte Psychologie und Religionswissenschaften – auch, weil sie Antworten suchte auf ihre drängendsten Fragen: </p>
<p>O-Ton 12 Melanie Regus: </p>
<p>Ist Gott ein liebender Gott, wenn es einen Gott gibt? Und wenn es ihn gibt: Wieso muss ich diese Bürde tragen? Wieso hat er mir das aufgeladen?</p>
<p>O-Ton 13 Verena König: </p>
<p>Eine ganz typische Reaktion von Menschen, denen so etwas passiert, ist, das sich zermartern und zermürben. Was hätte ich anders machen müssen, damit das nicht passiert? Weil die Psyche irgendwie versucht, einen Grund dafür zu finden, dass das passiert ist, was passiert ist.</p>
<p>O-Ton 14 Melanie Regus: </p>
<p>Ich hab immer wieder Wellen gehabt mit intensiven Gefühlen, die mich übermannt haben, was als erstes kam, war tatsächlich Wut! Eine Art Wut auf das Leben, auf das Schicksal, vielleicht auch auf den Radfahrer, dass er zu dem Moment da war oder Wut auf mich selbst, dass ich dort gefahren bin! </p>
<p>O-Ton 15 Silke von Beesten </p>
<p>Schuld ist ein ganz massives, intensives Gefühl. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Notfallpsychologin Silke von Beesten:</p>
<p>O-Ton 16 Silke von Beesten </p>
<p>Schuld an etwas zu haben, ist ein Gefühl, das sehr tiefgreifend ist. Mit einem Schuldgefühl gehen sofort auch weitere Gefühle einher wie Überforderung, Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und diese Gefühlslage ist dazu geeignet, ein potenziell traumatisierendes Unfallerleben ja sofort noch mal zu verstärken und auch noch mal zu vertiefen.</p>
<p>MUSIK Source Code </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wie lebt man damit, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben? Kann man das überhaupt seelisch überleben?</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Die Jahre zogen dahin, und Melanie Regus wollte einfach nicht so recht ins Leben kommen. Sie zweifelte sogar daran, ob sie mit dieser schweren Schuld überhaupt weiterleben durfte.</p>
<p>O-Ton 17 Melanie Regus: </p>
<p>Darf ich überhaupt noch leben? Habe ich eine Berechtigung zu leben? Und wenn ich lebe, wie tief darf ich leben? Darf ich lieben? darf ich geliebt werden? Darf ich tanzen? Darf ich all das erfahren, was schön ist in diesem Leben? Oder habe ich die Berechtigung dazu einfach verloren? </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Viele Jahre lang ging es ihr so schlecht, dass sie es nicht schaffte, nur einen winzigen Schritt auf die Familie des getöteten Radfahrers zuzumachen. Irgendwann kam der Strafprozess. </p>
<p>„Vorbestraft wegen fahrlässiger Tötung“ lautete das Urteil. Dort hätte sie der Familie unter die Augen treten können. Doch ihr fehlte die Kraft.</p>
<p>O-Ton 18 Melanie Regus: </p>
<p>Ich glaube, ich hätte das einfach psychisch nicht ausgehalten. Ich hatte vorher eine lange Zeit, in der es mir nicht gut ging. In der ich gebeutelt war von Depressionen, und zwar schwersten Depressionen, wo ich überhaupt nicht in der Lage war, mein eigenes Leben aufrecht zu erhalten. Wie hätte ich da jemandem gegenübertreten können, wenn ich gar nicht in der Lage war, mich selbst überhaupt zu halten? Auszuhalten? Mein Leben zu stabilisieren? </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>So kam es zu keiner Begegnung zwischen der Unfallverursacherin und den trauernden Hinterbliebenen. Ob die Familie das erhofft, erwartet hatte? Ob sie offene Fragen gehabt hätte? Das weiß Melanie Regus nicht. </p>
<p>MUSIK Like underwater </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Conny Vogt steht auf der anderen Seite. Der Tag, der ihr Leben veränderte, ist schon viele Jahre her. Damals  war sie 39 und Mutter von zwei kleinen Kindern. </p>
<p>O-Ton 19 Conny Vogt: </p>
<p>Ich mach die Tür auf, und der Polizist guckt mich an und sagt: „Können wir vielleicht erst mal reinkommen? Es tut mir leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Mann in einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt ist.“</p>
<p>O-Ton 20 Conny Vogt: </p>
<p>Also es war ja wirklich so: In dem Moment, wo dieser Polizist sagte „Ihr Mann hatte einen tödlichen Verkehrsunfall“ hat mir einer das Herz rausgerissen. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Conny Vogts Mann saß auf dem Motorrad, als ein unaufmerksamer Autofahrer auf ihn auffuhr. Ungebremst. Der Unfallfahrer war einen Moment lang unaufmerksam, weil er an seinem CD-Laufwerk rumfummelte. Und nahm Conny Vogt das Liebste, was sie hatte - neben ihren zwei Kindern. </p>
<p>O-Ton 21 Conny Vogt: </p>
<p>Wir hatten 23 Jahre lang eine wundervolle Beziehung, wir waren einfach wie seelenverwandt. Also es hat einfach supertoll gepasst. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Der Notfallseelsorger, der den Polizisten begleitete, kümmerte sich um den schreienden Sohn. Conny Vogt war in einer Schockstarre, erinnert sich an das meiste nicht mehr. Nur daran, wie der Polizist ihr die Adresse des Unfallverursachers auf den Küchentisch legte. „Um alles Weitere zu regeln“, so seine Worte.</p>
<p>O-Ton 22 Conny Vogt: </p>
<p>Und dann entstand tatsächlich als ich alleine war, in meinem Kopf eine Fantasie: Ich nehme mir eine Waffe, ich nehme diesen Zettel, dann klingele ich an der Tür, er macht die Tür auf, und ich halte diese Waffe an seinen Kopf und drück ab.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>„Ein Leben für ein Leben“ – diesen Gedanken hatte die Mutter von zwei kleinen Kindern in dem Moment. Der Unfallfahrer war ein Phantom. Ein „Mörder“. So nannte sie ihn in der ersten Zeit gedanklich.</p>
<p>O-Ton 23 Conny Vogt: </p>
<p>Ich wollte wissen: Wie sieht ein Mörder aus? Kann man das sehen? Kann man das in den Augen sehen? Ne spitze Nase? Sieht man ihm an, dass er ein Mörder ist? Was er faktisch nicht ist! Ich hab das später revidiert, dieses Urteil, aber zu dem Zeitpunkt war es für mich ein Mörder. </p>
<p>MUSIK So much love </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Zu einem Mord gehört Vorsatz, und der lag hier nicht vor. Es war einfach menschliches Versagen. Ein Unfall. Ein Unglück. Eins, so stellte sich später heraus, das auch den Unfallfahrer schwer belastete. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wenige Wochen später erhielt Conny Vogt über ihren Anwalt einen Brief des Unfallfahrers. Sein innigster Wunsch, so stand es geschrieben, sei es, sich bei ihr zu entschuldigen, wohl wissend, dass der Unfall unverzeihlich sei.</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Ihre ersten Rachefantasien waren zu dem Zeitpunkt schon verflogen. Sie wollte sich selbst weder in den Knast bringen, noch ihre zwei Kinder im Stich lassen. Ganz langsam ließ sie erste Gedanken an den Unfallfahrer zu, den sie schon längst nicht mehr „Mörder“ nannte:</p>
<p>O-Ton 24 Conny Vogt: </p>
<p>Ich hab mir halt überlegt: Wenn mir das passieren würde, wie wäre es dir dann anschließend ergangen? Und ich hatte die Information, dass er nicht alleine in dem Auto saß, sondern er hatte seine Frau dabei, die beinah selbst aufgrund eines Herzanfalls in diesem Unfall ums Leben gekommen wäre. Wie würde es dir damit ergehen? Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich hätte mein ganzes Leben lang da ganz schwer mit zu kämpfen gehabt.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Eine Sekunde der Ablenkung: Während der Fahrt das Radio aufdrehen, die Heizung hochstellen. All das hat fast jeder schon viele Male gemacht. Und immer ist es gut gegangen. Zum Glück. Doch wer kann sich davon freisprechen, durch eine Sekunde der Unachtsamkeit nicht selbst mal zum Täter, zur Täterin zu werden?</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Im Alltag verdrängen die meisten diese Tatsache, so der Philosoph und Theologe Christoph Quarch:</p>
<p>O-Ton 25 Christoph Quarch: </p>
<p>Ich glaube ja, es ist sinnvoll. Ganz einfach deswegen, weil wir sonst eben ja im Prinzip gelähmt wären. Und wenn wir die ganze Geschichte zu Ende denken, möglicherweise gar keinen Schritt mehr vor die Haustür machen, weil immer irgendwie die Gefahr besteht, dass wir in dem, was wir tun, andere Menschen in irgendeiner Weise gewollt oder ungewollt damit schaden. Und da, finde ich, ist zum Beispiel eine alte Weisheit aus den indischen Veden sehr hilfreich, die sagt: In dem Augenblick, wo du geboren wirst, kommt die Ordnung des Kosmos durcheinander. Das heißt, der Grundgedanke ist: Egal was wir tun, irgendwie machen wir uns immer schuldig, weil eben das große Gleichgewicht allein durch unser Erscheinen in der Welt gestört wird. </p>
<p>MUSIK Broken dreamland </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Es kam zu dem Treffen zwischen der verwitweten Conny Vogt und dem Unfallfahrer. Als sie ihm im Lokal gegenübersaß, musste sie feststellen: Das ist kein Monster, kein Mörder. Sondern einfach nur ein Mensch. Ein ganz normaler Herr um die 60. Es hätte ihr Vater sein können. Oder ihr Onkel. </p>
<p>O-Ton 26 Conny Vogt: </p>
<p>Ich stand einem älteren Mann gegenüber, der auf mich auch sehr gebrochen wirkte, dem das unendlich leidtat, und er sagte: „Egal, welche Strafe da auf mich zukommt, ich werde dem nicht widersprechen.“ Ich fand aber gut, dass er sagte, er würde sich nicht wehren und er würde sich dem jetzt ergeben. Ich glaube, wenn er gesagt hätte „Ich bin ja gar nicht schuld!“ oder „Ihr Mann hätte ja auch zur Seite fahren können“, dann hätte ich, glaube ich, auch noch mal anders reagiert, dann wäre vielleicht in mir auch noch mal Rache hochgekommen. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Trauma-Therapeutin Verena König sagt: Solch ein Zusammentreffen kann unter Umständen heilsam sein:</p>
<p>O-Ton 27 Verena König: </p>
<p>Diese Person ist eine zentrale Figur fortan in der Biographie dieser Menschen. Und wenn diese Person ein Fragezeichen bleibt, ein eine Silhouette, ein Phantom, dann ist das natürlich furchtbar schwer, damit umzugehen Und ich glaube, dieses Sichtbarwerden, dieses Sichzeigen, sich Stellen kann sehr viel Entlastung und vielleicht auch Heilung bringen, weil eben dieser große weiße Fleck auf der Landkarte endlich erkundet werden kann und sich ein Puzzleteil einfügt in ein Bild, das einfach unvollständig bleibt. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Silke von Beesten, Vorsitzende der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland gibt zu bedenken: Solch ein Zusammentreffen macht nur dann Sinn, wenn der Verursacher die volle Verantwortung übernimmt: </p>
<p>O-Ton 28 von Beesten </p>
<p>Das ist für die Unfallbetroffenen ganz, ganz wichtig zu erfahren, dass der Unfallverursacher das nicht gewollt hat. Es muss natürlich authentisch klingen. Ein dahingerotztes „habe ich nicht gewollt!“ - das wäre nicht authentisch. Das würde nicht funktionieren.</p>
<p>MUSIK So much love </p>
<p>O-Ton 29 Conny Vogt: </p>
<p>Ich hab gesagt: „Das ist in Ordnung, das ehrt Sie, aber das bringt meinen Mann nicht zurück. Egal, was du machst, was du nicht machst, es bringt ihn nicht zurück“ Und das Allergrausamste ist, dass am nächsten Morgen einfach so die Sonne wieder aufgegangen ist. Und das ist dann einfach der Moment, wo ich mich ergeben hab. Und gesagt hab: Es ist so!</p>
<p>MUSIK House of glass </p>
<p> Sprecherin: </p>
<p>Melanie Regus, die mit 20 einen Menschen mit dem Auto tödlich verletzt hatte, lebte die Jahre nach dem Unfall voller Zweifel, voller Schuldgefühle. Sie kam nicht so recht ins Leben – so beschreibt sie ihren Zustand damals. Der Radfahrer, für dessen Tod sie verantwortlich war, spielte in ihren Gedanken immer eine ganz große Rolle. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Es kam der Tag, an dem Melanie Regus beschloss, Kontakt zur Familie des Verstorbenen aufzunehmen. 20 Jahre nach dem Unfall. </p>
<p>O-Ton 31 Melanie Regus: </p>
<p>Ich wollte nicht einfach anrufen und einen Menschen überfallen. Das schien mir absolut pietätlos und unangebracht, also habe ich mich entschieden zu schreiben. Ich hab erst eine Nachricht geschrieben, in der ich mich vorgestellt habe und angekündigt, dass ich einen Anhang sende, in dem ich einen Brief geschrieben habe, so dass die Person auch die Wahl hat, ob sie diesen lesen möchte oder nicht.</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Die Antwort des Sohnes kam sofort.</p>
<p>O-Ton 32 Melanie Regus: </p>
<p>Und hab es gar nicht geschafft, sie ganz zu Ende zu lesen, da hab ich schon geweint. Ich hab mit allem gerechnet: dass wirklich noch mal Vorwürfe kommen, dass Wut kommt, dass totale Ablehnung kommt, aber was kam, war einfach Verständnis, Mitgefühl, Wohlwollen. Und das war so heilsam für mich.</p>
<p>Sprecherin:</p>
<p>Zu einem persönlichen Treffen kam es nie. Das Bedürfnis gab es seitens der Familie nicht. Es blieb beim Kontakt über E-Mail. Und trotzdem: Nicht verurteilt zu werden bedeutete ihr unendlich viel: </p>
<p>O-Ton 33 Melanie Regus: </p>
<p>Es ist was von mir abgefallen, was sehr, sehr alt ist, was ich so lange mit mir rumgetragen habe, von dem ich gar nicht mehr gewusst habe, wie schwer es ist zu tragen. Also, was mich total berührt hat, war, dass der Mensch geschrieben hat, dass er sich damals auch über mich Gedanken gemacht hat: Wie es ist für so eine junge Frau mit so einer Last jetzt leben zu müssen. Das hat mich total berührt. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Es brauchte viele Jahre und tiefe innere Prozesse, bis sie diesen entscheidenden Schritt gehen konnte. Der wichtigste: Von der passiven Haltung „Wieso ist mir das passiert?“ hin zu „Ja, ich bin verantwortlich für den Tod eines Menschen!“ </p>
<p>O-Ton 34 Melanie Regus: </p>
<p>Ich hab aufgehört die Sachen zu verdrängen, hab sie hergeholt und gesagt: Okay, ich halte diese Gefühle aus. Alle, die kommen wollen: Ich halte euch aus! Weil, ihr gehört zu mir! Ihr gehört zu dieser Erfahrung, die ich gemacht habe. Das Zweite ist: Ich beantworte meine Fragen. Ich weiß nicht, was Vergebung ist. Aber ich bin bereit mich auf den Weg zu machen. Das Dritte ist: aufzuräumen mit allen Sachen, die noch offen sind. D.h. der Kontakt mit der Person, für die ich verantwortlich bin, dass sie nicht mehr lebt und mit den lieben Menschen, denen ich diese Person weggenommen habe.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Verantwortung übernehmen – das ist für Traumatherapeutin Verena König beim ‚Trauma Schuld‘ der entscheidende Schritt.</p>
<p>O-Ton 35 Verena König: </p>
<p>Das ist ein Sehnen, glaube ich, von Menschen, die Schuld fühlen, dass jemand anderes sie daraus befreit. Und in der Verantwortung ist es so, dass ich nicht mehr darauf angewiesen bin, dass jemand anderes es mir nimmt, sondern dass ich in der Lage bin, mich vor den anderen zu stellen und in einer Aufrichtigkeit und einer gewissen Wahrhaftigkeit sagen kann „Ich bin verantwortlich, ich stehe dir gegenüber und du darfst mich sehen in dieser Verantwortlichkeit.“</p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Heute zeigt sich Melanie Regus öffentlich mit ihrer Geschichte. Und stellt sich als Gesprächspartnerin zur Verfügung für Menschen, denen Ähnliches passiert ist. </p>
<p>MUSIK The start, the end and all the space between </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Denn sie weiß, wie bitter es ist, wenn man wirklich niemanden hat, mit dem man reden kann.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Vielleicht ist das eine Form der Wiedergutmachung: Dort, wo es nichts zu verzeihen und zu vergeben gibt, taucht vielleicht irgendwann mal die Frage nach dem Sinn auf. Und damit auch der Wunsch, aus dem Furchtbaren in irgendeiner Form etwas Gutes, für andere Dienliches, zu machen. </p>
<p>Sprecherin: </p>
<p>Darin sieht jedenfalls Philosoph und Theologe Christoph Quarch einen Weg, das Trauma Schuld ins Leben zu integrieren: </p>
<p>O-Ton 36 Christoph Quarch </p>
<p>Ich kann das zwar nicht wieder gut machen, aber ich kann mit dem Leben, das mir noch verbleibt, etwas dazu beitragen, dass vielleicht anderswo in der Welt Unrecht ausgeglichen wird (…) Mit dieser Schuld muss ich jetzt leben. Aber ich begreife das jetzt als Chance, als Möglichkeit, etwas Sinnstiftendes, Vernünftiges mit meinem Leben zu machen.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Frauen in den Hindureligionen - Ein Dasein voller Widersprüche</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/frauen-in-den-hindureligionen-ein-dasein-voller-widersprueche/32769</link>
      <pubDate>Tue, 17 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">250617_0200_Radiowissen_Frauen-in-den-Hindureligionen---Ein-Dasein-.mp3</guid>
      <description>Die Frau im hinduistischen Glauben hat extreme Rollen - von der Matriarchin bis hin zur Tempeldienerin im Bordell. Frauen gelten als Göttinnen, ihr Alltag steht dazu aber im krassen Widerspruch. Von Margarete Blümel (BR 2016)</description>
      <enclosure length="21673691" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/32769/c/feed/frauen-in-den-hindureligionen-ein-dasein-voller-widersprueche.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Margarete Blümel</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Frau im hinduistischen Glauben hat extreme Rollen - von der Matriarchin bis hin zur Tempeldienerin im Bordell. Frauen gelten als Göttinnen, ihr Alltag steht dazu aber im krassen Widerspruch. Von Margarete Blümel (BR 2016)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7a9a7fed-2771-4cd7-8bdb-81470964ec55.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Frau im hinduistischen Glauben hat extreme Rollen - von der Matriarchin bis hin zur Tempeldienerin im Bordell. Frauen gelten als Göttinnen, ihr Alltag steht dazu aber im krassen Widerspruch. Von Margarete Blümel (BR 2016)</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Margarete Blümel<br/> Regie: Eva Demmelhuber<br/> Es sprachen: Beate Himmelstoß, Heinz Peter, Hemma Michel, Gudrun Skupin, Carsten Fabian<br/> Technik:Cordula Wanschura<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Urvashi Butalia, Historikerin und Frauenrechtlerin, Delhi;<br/>Prof. Dr. Birgit Heller, Indologin, Universität Wien;<br/>Sunita Jain, Anthropologin, Delhi;<br/>Mohini Giri, Aktivistin, Vrindavan/Delhi;<br/>Prof. Vinesh Srivastha, Anthropologe, Delhi.</p>
<p></p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Diwali - Das hinduistische Lichterfest<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/diwali-das-hinduistische-lichterfest/bayern-2/12881925/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Reinigen, Heilen, Segnen - Die Tradition des Räucherns wird neu entdeckt<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/reinigen-heilen-segnen-die-tradition-des-raeucherns-wird-neu-entdeckt/bayern-2/12199169/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „<strong>Ein Zimmer für uns allein</strong>“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/> Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-hinduismus-devadasis-matriarchat-goettinnen-urkraft-indien-frauen-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>

<p> </p>
<p></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Riesenschildkröten, die letzten ihrer Art? Alles Natur</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/riesenschildkroeten-die-letzten-ihrer-art-alles-natur/2015197</link>
      <pubDate>Mon, 16 Jun 2025 03:50:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">0a15175c-b05e-405b-afc7-ae3c40ab5295</guid>
      <description>Ist der Panzer wie eine Kuppel oder wie ein Sattel geformt? An Merkmalen wie diesen lässt sich auf Galápagos bestimmen, von welcher Insel eine Riesenschildkröte stammt. Denn auf flachen Lava-Inseln wächst kein Gras, dort müssen die Schildkröten ihren Hals hochstrecken können, um die Blätter der Kakteenbäume zu erreichen, die ihre einzige Nahrung sind. Autorin: Mechthild Müser (BR 2023)  </description>
      <enclosure length="28563840" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2015197/c/feed/riesenschildkroeten-die-letzten-ihrer-art-alles-natur.mp3"/>
      <itunes:duration>00:29:45</itunes:duration>
      <itunes:author>Mechthild Müser</itunes:author>
      <itunes:summary>Ist der Panzer wie eine Kuppel oder wie ein Sattel geformt? An Merkmalen wie diesen lässt sich auf Galápagos bestimmen, von welcher Insel eine Riesenschildkröte stammt. Denn auf flachen Lava-Inseln wächst kein Gras, dort müssen die Schildkröten ihren Hals hochstrecken können, um die Blätter der Kakteenbäume zu erreichen, die ihre einzige Nahrung sind. Autorin: Mechthild Müser (BR 2023)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/09a9b1dd-860b-475c-9257-cd712636b12f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ist der Panzer wie eine Kuppel oder wie ein Sattel geformt? An Merkmalen wie diesen lässt sich auf Galápagos bestimmen, von welcher Insel eine Riesenschildkröte stammt. Denn auf flachen Lava-Inseln wächst kein Gras, dort müssen die Schildkröten ihren Hals hochstrecken können, um die Blätter der Kakteenbäume zu erreichen, die ihre einzige Nahrung sind. Autorin: Mechthild Müser (BR 2023)  </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Mechthild Müser<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse, Thomas Birnstiel, Julia Fischewr<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-riesenschildkroeten-die-letzten-ihrer-art-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>María José Barragán, Wissenschaftliche Direktorin des Charles-Darwin-Research-Centers; <br/>Puerto Ayora, Galápagos; <br/>Klaus Peter Fielsch, im Vorstand der Charles-Darwin-Stiftung, Quito; <br/>Verónica Sánchez, Touristenführerin Galápagos; <br/>David Rodriguez, Aufzuchtstation San Cristobal, Galápagos </p>

<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Lebende Fossilien - Von der Evolution vergessen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/lebende-fossilien-von-der-evolution-vergessen/bayern-2/78757964/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Fossilien - Stumme Zeitzeugen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/fossilien-stumme-zeitzeugen/bayern-2/78749852/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Die Promis der Urzeit - Leben und Sterben der Dinosaurier<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-promis-der-urzeit-leben-und-sterben-der-dinosaurier/bayern-2/78749860/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Tiere der Tiefsee - Die unerforschten Geisterwesen<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tiere-der-tiefsee-die-unerforschten-geisterwesen/bayern-2/12063713/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong>Simon und Wolli wollen auffallen und provozieren. Sie sind Klimaaktivisten und gehören zur Gruppe &quot;Letzte Generation&quot;. Die Presse hat sie längst als &quot;Klimakleber&quot; und Störenfriede betitelt. Von Autofahrern werden sie  beschimpft, als Pisser und Arschlöcher. Heute sind sie auf dem Weg ins Stadion, um sich vor vielen Tausend Fußballfans an eines der Tore zu ketten und zu protestieren ... Autorin: Anna Dannecker<br/>Inside Klimaprotest - Welcher Protest wirkt? (1/3)<br/><strong><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/inside-klimaprotest-welcher-protest-wirkt-1-3/bayern-2/94600684/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p><strong>Literaturtipps:</strong></p>
<p><strong></strong>Charles Darwin, Reise eines Naturforschers um die Welt, Insel Taschenbuch.</p>
<p>Irenäus Eibl-Eibesfeld, Galápagos – Die Arche Noah im Pazifik, Piper Taschenbuch.</p>
<p>‚Der Held der alten Tage‘ in mare Heft No.86.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ernest Shackleton - Führungskunst in Extremsituationen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ernest-shackleton-fuehrungskunst-in-extremsituationen/2107520</link>
      <pubDate>Mon, 16 Jun 2025 03:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">ac1ad003-a391-4cf3-9fca-6571ba584a22</guid>
      <description>Sir Ernest Shackleton überlebt mit seiner Crew 635 Tage im antarktischen Eis - ohne Schiff, ohne Aussicht auf Rettung. Er bewahrt eine positive Haltung, hält die Moral hoch, inspiriert durch Vorbild und trifft kluge Entscheidungen. Eine Lektion in Krisenführung. Von Lavina Stauber (BR 2025)</description>
      <enclosure length="20716800" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2107520/c/feed/ernest-shackleton-fuehrungskunst-in-extremsituationen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:21:34</itunes:duration>
      <itunes:author>Lavina Stauber</itunes:author>
      <itunes:summary>Sir Ernest Shackleton überlebt mit seiner Crew 635 Tage im antarktischen Eis - ohne Schiff, ohne Aussicht auf Rettung. Er bewahrt eine positive Haltung, hält die Moral hoch, inspiriert durch Vorbild und trifft kluge Entscheidungen. Eine Lektion in Krisenführung. Von Lavina Stauber (BR 2025)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/acc91ccb-b367-49a5-ba3a-205809ab71a4.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sir Ernest Shackleton überlebt mit seiner Crew 635 Tage im antarktischen Eis - ohne Schiff, ohne Aussicht auf Rettung. Er bewahrt eine positive Haltung, hält die Moral hoch, inspiriert durch Vorbild und trifft kluge Entscheidungen. Eine Lektion in Krisenführung. Von Lavina Stauber (BR 2025)</p><p><strong>Credits</strong></p>
<p> Autorin dieser Folge: Lavina Stauber  <br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Rahel Comtesse, Friedrich Schloffer, Julia Fischer,<br/> Technik: Heiko Hinrichs<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:</strong></p>
<p><strong></strong><br/>• Anja Blacha, deutsche Ausdauer- und Extremsportlerin und erste Frau, die in einer Soloaktion ohne Unterstützung zum Südpol lief</p>
<p>• Stephanie Capparell, Wirtschaftsjournalistin und Co-Autorin des Führungskräfte-Ratgebers „Shackleton’s Way“</p>
<p>• Kristina Hillemann, Spezialist für Polarreisen und Gründerin sowie Podcasterin von Eisexpeditionen.de</p>
<p>• Prof. Dr. Martin Högl – Institutsleiter für Leadership and Organization der LMU München</p>
<p><br/></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Die Meldung zur Bergung der Endurance 100 Jahre später:</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/suche/%22Endurance%22-Wrack%2C%20Russisches%20Gas%2C%20Laufzeitverl%C3%A4ngerung%20f%C3%BCr%20Atomkraftwerke%2C%20Produktionscontainer%20f%C3%BCr%20Impfstoffe/">IQ - &quot;Endurance&quot;-Wrack, Russisches Gas, Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, Produktionscontainer für Impfstoffe</a> </strong></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskript-verhandeln-rhetorik-macht-diplomatie-kommunikation-konfliktloesung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</p>
<p> ZITATOR:</p>
<p>Den ganzen Tag über beobachteten wir, wie die Eisschollen bedrohlich näher rückten. [...] Die dickeren Schollen und Eisrücken schoben sich gegen das Schiff, die Endurance ächzte und zitterte unter der gewaltigen Belastung. Ihr Heck wurde gegen das Eis gepresst [...] und die Planken begannen sich zu lösen. Das Eis bewegte sich nicht nur nach vorne, sondern auch seitlich [...] schon bald begann das Schiff stark zu lecken. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es ist der 24. Oktober im Jahr 1915. Als Sir Ernest Shackleton diese Zeilen in seinem Tagebuch festhält, sitzt er zusammen mit seiner 27-köpfigen Mannschaft schon neun Monate im Packeis der Antarktis fest. Ihr Expeditionsschiff, die Endurance, war im vorangegangenen Januar im Eis festgefroren. Etliche Versuche, ihr einen Weg durch die Eisschollen zu schlagen, waren gescheitert. Zuvor, noch im Januar 1915, war der beste Plan für die Männer: in ihrem Schiff zu überwintern und darauf zu hoffen, dass das Eis im antarktischen Sommer ihren Weg wieder freigeben würde. </p>
<p>Atmo: Eis bersten</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Dann, am Sonntag, den 24. Oktober, kam das, was für die Endurance der Anfang vom Ende war. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ende Oktober, also mit Beginn des Sommers am südlichsten Ende der Erde, ändert sich die Situation und damit auch der Plan schlagartig. Der zu dem Zeitpunkt 41 Jahre alte Sir Ernest Shackleton hat als Expeditionsführer die Verantwortung für die „British Imperial Trans-Antarctic Expedition“, so der offizielle Titel. Er möchte als Erster den antarktischen Kontinent zu Fuß von Küste zu Küste durchqueren – und 27 Männer mit unterschiedlichsten Erfahrungen haben sich ihm angeschlossen.</p>
<p>Musik: Cold journey 0‘23</p>
<p>Drei Tage nach dem Leck im Oktober 1915 beschließt er, die Endurance aufzugeben. Die Mannschaft soll sich über die Eisschollen des zugefrorenen Weddelmeers im Südatlantik retten. Ab diesem Moment geht es nicht mehr um das Gelingen einer Transantarktis-Mission, sondern ums Überleben. </p>
<p>O-Ton -  Anja Blacha  </p>
<p>[00:02:42] Denn man ist in einer Umgebung, die unerbittlich ist und wo man schnell Erfrierungen erleiden kann, wo man natürlich auch eine Fehlernährung oder Mangelernährung früher noch mehr als heute haben kann, wo der Körper eigentlich konstant abbaut, weil er Tag für Tag für Tag gefordert ist und wenig Möglichkeit hat zur Regeneration und um wieder was aufzubauen, was er vielleicht über die letzten Tage und Wochen verloren hat </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der Antarktis zu überleben, bedeutet – heute wie zu Shackletons Zeit - nicht nur Resilienz gegen Naturgewalten zu beweisen. Es bedeutet auch, gegen die Isolation anzukommen. Das hat auch die deutsche Extremsportlerin Anja Blacha erlebt. Sie war mehrmals in der Antarktis auf Expedition und stellte 2020 einen Rekord auf: Sie hat als erste Frau allein und ohne Unterstützung den geografischen Südpol erreicht. </p>
<p>O-Ton -  Anja Blacha  </p>
<p>[00:01:30] Auf Polarexpedition zu sein, ist ein unglaublicher Test von Resilienz. Denn man ist in einer Umgebung, wo es eine unglaubliche Reizarmut gibt. Man hat fast nichts anderes um sich als das weiße Eis und den Schnee und manchmal sieht man nicht mal den Horizont oder die Sonne am Himmel, weil alles im Whiteout versinken kann. [00:02:07] ... [00:02:26] Diese Reizarmut und diese isolierte Abgeschiedenheit, die macht viel mit unserem Kopf, mit unserer mentalen Leistungsfähigkeit. [00:02:38]</p>
<p>Atmo: Windheulen</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In dem Moment, in dem die Mannschaft ihr Schiff dem Eis überlassen muss, ist die Expedition gescheitert. Ohne Aussicht auf Rettung strandet die Gruppe auf einer Eisscholle.</p>
<p>Musik:  Ice investigator 0‘14</p>
<p>Was Ernest Shackleton aber ab diesem Moment stets mit sich tragen wird, ist überraschenderweise: Hoffnung!</p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell </p>
<p>[00:09:05] Once he would have lost their hopefulness … [00:09:39]</p>
<p>OV</p>
<p>Wenn er die Hoffnung verloren hätte – und das bei so vielen verzweifelten Menschen – dann wäre Chaos ausgebrochen. Wir wissen [...] weil wir so viele andere Geschichten von Expeditionen kennen, die in Selbstmord, Mord und sogar Kannibalismus endeten, wenn etwas schiefgeht und du so weit weg von allem bist, was du als hilfreich erachten kannst, dann sinkt man wirklich schnell, tief und sehr weit nach unten. </p>
<p>Musik:  Melting beauty 0‘20</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und genau hier, am Tiefpunkt der Expedition, beginnt eine neue Geschichte: </p>
<p>Die Geschichte von Ernest Shackleton als großem Krisenmanager, die Geschichte einer waghalsigen Rettungsmission.</p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p>[00:00:41] I was impressed by the sheer enormity of ... [00:01:01]</p>
<p>OV</p>
<p>Ich war beeindruckt von der schieren Größe von Shackletons Leistung. Er brachte 27 Männer zurück in die Zivilisation, nachdem sie auf treibenden Eisschollen in der Nähe der Antarktis gestrandet waren [...]. Ich wollte unbedingt wissen, wie er das geschafft hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Stephanie Capparell schreibt als Journalistin unter anderem für das Wall Street Journal und beschäftigt sich mit Führungs- und Persönlichkeitsstrategien. Über Shackletons Führungsstrategie sei an dieser Stelle schon so viel vorweggenommen: Als Ernest Shackleton die Endurance verlässt, setzt er sich ein neues Ziel. Er will seine Männer lebend nach Hause bringen. </p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p>[00:26:15] Not only that they survived, but they survived with … [00:26:31]</p>
<p>OV</p>
<p>Und sie haben nicht nur überlebt — sie kamen mit erstaunlich wenigen Verletzungen davon. Aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man: Dahinter steckte eine durchdachte Strategie. ... [00:01:01] Da ich seit Jahrzehnten als Wirtschaftsjournalistin arbeite, bin ich ständig auf der Suche nach Vorbildern in Sachen Führung. Shackleton schien mir da das perfekte Beispiel zu sein. [00:01:22]</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Stephanie Capparell ist beeindruckt von dem unerschütterlichen Führungswillen dieses Mannes, der seine Crew lebend nach Hause bringt. Gemeinsam mit Margot Morrell veröffentlicht sie ein Managementhandbuch, das den Führungsstil Shackletons zum Thema hat.</p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p>[00:05:54] I would put at the top of what he did was to keep … [00:06:26]</p>
<p>OV</p>
<p>Das Wichtigste, was er getan hat, war, die Moral, den Kampfgeist, aufrechtzuerhalten und die Menschen hoffnungsvoll zu stimmen. [...]</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In ihrem Handbuch haben Stephanie Capparell und Margot Morrell vier Führungspraktiken aus Shackletons Handeln abgeleitet. Die erste ist:  &quot;keeping up the morale“. Das heißt: die Stimmung aufrechtzuerhalten und den Zusammenhalt zu stärken. </p>
<p>Musik:  Perpetual motion machine (d) 0‘33</p>
<p>Shackleton gelingt das demnach, indem er in der Ausnahmesituation an erster Stelle für Strukturen sorgt und Routinen etabliert, die das Gefühl von Normalität bewahren. In den eisigen Weiten der Antarktis schafft er nach Ansicht der beiden Autorinnen darüber hinaus immer wieder Momente der Gemeinschaft: Es wird gesungen, gefeiert, gelacht – so oft es die Lage erlaubt.</p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p> [00:13:43] It kept them feeling a sense of happiness … [00:14:20]</p>
<p>OV</p>
<p>Es ließ sie nicht nur glücklich fühlen, sondern auch hoffnungsvoll. Er sorgte stets dafür, dass die Stimmung lebendig blieb: durch Rätsel, Gedichte, gemeinsames Singen, Leute, die Musik machten. Darin war er wirklich gut.</p>
<p>O-Ton Anja Blacha</p>
<p>[00:26:20] In Extremsituationen intensivieren sich all unsere Eigenschaften. [...] Und dort, ohne Möglichkeit rauszukommen aus dieser Dynamik, damit klarzukommen und die Emotionen trotzdem wieder zu regulieren [...], dass aus dieser Stress - und Drucksituation nicht ein zersplittertes Team wird [...] sondern eines, was dadurch zusammenwächst, das ist die hohe Kunst und das ist das, was Shackleton zum Erfolg geführt hat. [00:27:31]</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ihm gelingt es so, seine Crew zusammenzuhalten. Stephanie Capparell und Margot Morrell machen das in ihrer Analyse auch daran fest, dass er es schafft, eine positive Einstellung zu bewahren - „Maintaining a positive attitude“ nennen sie das. Der zweite wichtige Aspekt in seiner Führung.</p>
<p>Musik:  Living crystalls 0‘31</p>
<p>Atmo: Schritte, Dinge werden im Schnee vergraben </p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Die Reise könnte lang werden, und es bestand die Möglichkeit, den Winter in improvisierten Unterkünften an einer unwirtlichen Küste am anderen Ende zu verbringen. Ein Mann braucht unter solchen Bedingungen etwas, das seine Gedanken beschäftigt — ein greifbares Andenken an sein Zuhause. So wurden Goldmünzen weggeworfen, aber Fotos behalten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ernest Shackleton ist sich der Kraft einer positiven Stimmung bewusst und er macht es sich zur Aufgabe, für diese unter seinen Mannschaftskameraden zu sorgen. Er weiß: Eine Crew, die den Lebenswillen verliert, ist verloren, sagt Stephanie Capparell. Außerdem habe er allen voran an das Wohlbefinden jedes Einzelnen gedacht. Während der monatelangen Odyssee stellt er sich nicht nur denselben Strapazen wie seine Männer –  Schlafmangel, Hunger, Kälte. Er stellt die Bedürfnisse des Teams sogar über seine eigenen. </p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p>[00:15:53] We know that there are many instances … [00:16:53]</p>
<p>OV</p>
<p>Wir wissen, dass es viele Situationen gab, in denen Shackleton die anderen schlafen ließ, während er selbst wach blieb, oder in denen er seinen Anteil am Essen abgab, wenn es ihm so schien, als würden die anderen nicht genug bekommen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das macht die dritte Führungspraktik des „Shackleton Ways“ aus:</p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p>OV</p>
<p>[00:04:51] He had to lead by example, he couldn&#39;t drive … [00:05:05]</p>
<p>Er musste mit gutem Beispiel vorangehen – er konnte die Menschen nicht einfach antreiben, das zu tun, was er tat. Es musste Führung durch Vorbild sein. [...] [00:07:25] – in so einer Situation muss man die Menschen inspirieren. Man kann nicht einfach diktieren, was passieren soll [00:07:39] </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Stephanie Capparell nennt das: Führung durch Vorbild, also „leading by example“ und das habe ihn glaubwürdig gemacht. Seine Crew vertraut ihm, weil sie sieht, dass er nicht über, sondern auf derselben Ebene wie sie steht und die Verantwortung und Führung mit ihnen teilt. </p>
<p>Atmo Möwen, Deck schrubben</p>
<p>Als Ernest Shackleton Jahre zuvor selbst auf den ersten Schiffen anheuerte, schrubbte auch er die Decks, polierte das Messing und lud die Fracht, bis zur Erschöpfung. </p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p> [00:10:33] Shackleton knew the kind of leadership he hated ... [00:11:20]</p>
<p>OV</p>
<p>Shackleton wusste genau, welche Art von Führung er hasste – nämlich diese starren, täglichen Routinen, die viele Anführer wohl aus ihren militärischen Erfahrungen übernommen hatten. Ein besonders absurdes Beispiel erlebte er unter Robert Scott: Scott ließ ihn das Deck schrubben, weil das eben zur Arbeit auf einem Schiff gehört – nur war das in der Antarktis unsinnig, denn dort schrubbte man im Grunde nur Eis. Shackleton hielt das für verrückt. Und je verzweifelter die Lage wurde, etwa als die Vorräte knapp wurden, desto mehr war Shackleton überzeugt, dass es Zeit war, mit dem hierarchischen, autoritären Führungsstil aufzuhören und die ganze Struktur zu ebnen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ernest Shackleton wusste also, aus eigener Erfahrung, was ein Führungsstil bei der Mannschaft auslösen konnte, wenn dieser eben nicht den Bedingungen angepasst wurde. Und die vierte Shackletonsche Führungspraktik, die Stephanie Capparell und Margot Morrell herausgearbeitet haben, setzt genau da an:</p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p> [00:06:45] Communicating effectively, not only did he make ... [00:07:25]</p>
<p>OV</p>
<p>Was die effektive Kommunikation betrifft, so sorgte er nicht nur dafür, dass jeder das Gefühl hatte, er hätte eine Lösung und würde sie sicher nach Hause bringen, sondern er stellte auch sicher, dass die Kommunikation immer zweiseitig war. Und das ist, glaube ich, das Erste, was in einer Krisensituation als Führungskraft auseinanderfällt: Man hört auf, auf die Menschen zu hören und beginnt, einfach zu handeln – und zwar schnell, nur um irgendwie aus der Situation herauszukommen. Shackleton jedoch hielt immer die Tür für Ratschläge offen.</p>
<p>Musik: Z8033060110 Slow degeneration 0‘36</p>
<p>Atmo: Gehen auf Schnee, Sturm</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Als Ernest Shackleton und seine Männer im Oktober 1915 das leckende Schiff verlassen, kommen sie erstmal nicht weit. Das Packeis erschwert ihr Vorankommen, sie müssen ein Lager aufschlagen. Kristina Hillemann ist Spezialistin für Polarreisen und Gründerin von Eisexpeditionen.de, ein auf Expeditionsreisen in polare Regionen spezialisiertes Unternehmen. Die Verhältnisse im Packeis veranschaulicht sie so:</p>
<p>O-Ton Kristina Hillemann  DJI_07_20250317_135858</p>
<p>[00:14:57] Man muss sich die Antarktis vorstellen, wie so ein ständiges Mosaik aus driftenden Schollen quasi. Die dann durch Wind und durch die Meeresströmung auch immer mal wieder unberechenbar verschoben und gegeneinander gedrückt werden. [00:15:10]</p>
<p>Atmo: Sturm/kehren</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nach etwa drei Monaten müssen Shackleton und seine Männer ihr erstes Lager verlassen und weiterziehen. Das Eis, das ihr Lager trägt, ist nicht mehr dick genug. Im Februar 1916 schlagen sie also ein zweites Lager auf, auf einer stabileren Scholle. </p>
<p>O-Ton Kristina Hillemann  DJI_07_20250317_142948</p>
<p>[00:28:05] Wenn Sie wissen, da sind mehrere tausend Meter unter ihnen nur eiskaltes Wasser, nichts, das ist ein irres Gefühl und heute können wir es natürlich messen, heute haben wir ganz andere Möglichkeiten zu gucken, wie dick ist das Eis, hält das [...] aber damals gab es das alles nicht, das heißt, sie konnten wirklich nur aus einem Gefühl und vielleicht ein bisschen Erfahrung mit dem Eis einschätzen und vermuten und über try and error testen, ob es funktioniert und hält. [00:28:36]</p>
<p>Atmo: Eis tauen</p>
<p>Musik: Z8033060122 New hope 0‘36</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch nach fünf weiteren Wochen im neuen Lager, trägt auch diese Scholle die Mannschaft nicht mehr und - bricht.</p>
<p>Atmo: brechendes Eis, Kanu paddeln</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Shackleton rettet sich und seine Crew im letzten Moment in offenen Holzbooten, die sie mit sich über das Eis gezogen hatten. Mehrere Tage paddeln sie durch das Schollenmeer und steuern eine kleine Insel im südlichen Ozean an, die noch zur antarktischen Region gehört: Elephant Island. Dass sie es bis hierhin geschafft haben, sagt viel über Shackletons Führungsstil aus, so Stephanie Capparell: </p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p>[00:07:47] You can&#39;t underestimate what he did in … [00:08:19]</p>
<p>OV</p>
<p>Man kann nicht unterschätzen, was er auch auf herkömmliche Weise getan hat. [...] Er wusste einfach auch, was er tat, und arbeitete hart daran, immer im Dienst zu sein, immer an Notfallpläne zu denken und wenn etwas nicht so lief, wie er dachte, sofort die Richtung zu ändern.</p>
<p>Musik:  Melting beauty 0‘38</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Von Elephant Island aus bricht Shackleton mit fünf Männern in einem Rettungsboot auf, um Hilfe zu holen. Sein Ziel: die rund 800 Meilen entfernte Insel Südgeorgien. Dort organisiert er ein Rettungsschiff, das am 30. August 1916 alle zurückgelassenen Männer wohlbehalten einsammelt.</p>
<p>Atmo Beifall</p>
<p>Alle Besatzungsmitglieder der Endurance überleben die 635 Tage im Eis. War es Shackletons außergewöhnliche Führung, die das möglich machte? Oder schlicht ein glücklicher Zufall?</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Frage stellt sich bis heute: Lag es an Ernest Shackleton – und wenn ja, was hat er richtig gemacht?</p>
<p>Stephanie Capparell ist nicht die Erste, die ihn bewundert. Schon 1959 veröffentlicht der amerikanische Journalist Alfred Lansing das wohl detaillierteste Buch über die gescheiterte Expedition. Er wertet Tagebücher und Interviews der Überlebenden aus und legt den Fokus auch auf die psychologischen Aspekte von Shackletons Führung. Alfred Lansing zählt zu den Ersten, der Shackletons Führungsqualitäten hervorhebt, er gibt einige Business-Handbücher über die Methoden des Polarforschers heraus. </p>
<p>Musik:  Cans and computers (c) 0‘28</p>
<p>Und begibt man sich erst online auf die Suche, werben unterschiedliche Coaching-Agenturen und Führungskräfteseminare damit, wie man anhand der Transantarktisreise wichtige Führungsskills lernen kann. Aber kann man für die moderne Arbeitswelt tatsächlich etwas aus einer gescheiterten Antarktis-Expedition aus dem Jahr 1915 lernen? Und ist Ernest Shackletons Führungsstil der einzig wahre, nur weil er in seiner Situation damit erfolgreich war?</p>
<p>O-Ton Prof. Dr. Martin Högl:</p>
<p>[00:15:55] Wer sich ernsthaft mit der Materie beschäftigt, weiß, dass es keinen idealen Führungsstil gibt, nicht ein Rezept, das wir, ob in der Uni oder sonst wo, den Leuten zeigen können und sie daran trainieren und schulen und sagen: Machs genau so. Führung ist ein hochkomplexer Prozess der Einflussnahme und der Zielerreichung. [00:16:35]</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt Professor Martin Högl. Der Wirtschaftswissenschaftler lehrt und forscht an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zum Thema: Führung. Ein universelles Führungsrezept gibt es seiner Ansicht nach nicht, stattdessen existiert eine Vielzahl von Führungstheorien, die jeweils andere Aspekte beleuchten und sich sogar ergänzen. Er schätzt, dass es mittlerweile mehr als 50 verschiedene Leadership-Theorien gibt..</p>
<p>O-Ton Prof. Dr. Martin Högl:</p>
<p>[00:23:57] Jemanden wie Shackleton, den kann ich aus verschiedensten Blickwinkeln anschauen, aus der Sichtweise eines Servant Leaders, der das Wohlergehen und das Wachstum und den Erfolg seiner Mitarbeiter an oberste Stelle steht. Wenn wir an der Uni im Unterricht über dieses Beispiel reden würden, dann könnten wir ihn genauso gut anschauen als transformational Leader, als jemand, der die Veränderung sucht und die auch gestaltet, den Zwang zur Veränderungen erkennt. [00:25:00]</p>
<p>Musik:  Blue ice 0‘28</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und gerade weil Führung ein vielschichtiges Konzept ist, eignen sich Beispiele, um Theorien greifbar zu machen. </p>
<p>Atmo Wind</p>
<p>Shackletons Expedition ist darüber hinaus auch noch besonders gut dokumentiert, zum Beispiel durch seine Tagebücher und Fotos. All das hilft, Modelle zu veranschaulichen und bietet Ausgangspunkte für Diskussionen.</p>
<p>O-Ton Prof. Dr. Martin Högl:</p>
<p>[00:14:02] So ein Narrativ ist eine gute Sache, aber sie birgt natürlich die Gefahr einer völlig verkürzten, im Kontext völlig verfehlten Sicht auf die Dinge. Und gerade da, glaube ich, liegt viel Verantwortung, natürlich beim Erzähler, aber auch beim Leser. Diese Abstraktion stückweise zu leisten, diese Reflektion zu leisten. [00:14:41]</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Führung kann nicht im Sinne eines „How-to“-Manuals verstanden werden, sondern ist ein wachstumsorientierter und persönlicher Prozess. Und gute Führung entsteht nicht durch das Anwenden von vermeintlichen Standardlösungen à la Shackleton, sondern durch ein tiefes Verständnis der eigenen Person und der spezifischen Zusammenhänge, in denen Führung stattfindet.</p>
<p>O-Ton Prof. Dr. Martin Högl:</p>
<p>[00:08:24] Die Kernfrage ist, was bedeutet Shackleton&#39;s Erfahrung für mich? [00:08:29][00:06:35] Die große Kunst liegt darin, nicht zu kopieren, was man dort sieht, sondern zu reflektieren, was das für einen selbst bedeutet. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Denn eines ist klar:</p>
<p>O-Ton Prof. Dr. Martin Högl:</p>
<p>Keiner von uns ist in Shackledons Zeit, keiner von uns in seiner Aufgabenstellung, keiner von uns ist mit seinem Team unterwegs. Und deswegen glaube ich, ist die große Kunst tatsächlich für sich zu reflektieren, was heißt seine Erfahrung für mich, meinen Alltag, meinen Kontext, meine Herausforderungen, mein Team. [00:07:08]</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wer von Ernest Shackleton wirklich lernen will, darf ihn also nicht unreflektiert zum Führungsidol machen. Entscheidend ist, die Geschichte einzuordnen – und dabei die eigene Perspektive nicht zu vergessen.</p>
<p>Musik:  Thin ice 0‘30</p>
<p>Denn auch Shackleton hatte seine Probleme: Er kämpfte immer wieder mit Schulden und war kein verlässlicher Familienvater. Doch als Krisenmanager dieser gescheiterten Antarktis-Expedition hat er viele richtige Entscheidungen getroffen. Ob man die nach ihm benannten Methoden im eigenen Berufsalltag tatsächlich anwenden kann und wann, muss jeder für sich selbst entscheiden. </p>
<p>O-Ton Stephanie Capparell</p>
<p> [00:29:07] You need goals. But he said, ultimately it … [00:29:33]</p>
<p>OV</p>
<p>Ziele sind wichtig, aber er sagte, am Ende geht es immer um die Menschen. [...] Shackleton sagte gern: &#39;Lieber ein lebendiger Esel als ein toter Löwe.&#39; Er fand, es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das es wert ist, sein Leben dafür zu opfern – schon gar nicht im Rahmen einer Expedition. Seine Männer kamen für ihn immer zuerst.</p>
<p>Musik:  Melting beauty 0‘42</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Endurance“ – der Name seines Schiffes – bedeutet Ausdauer. Ernest Shackleton hat es nach seinem Familienmotto benannt: „By endurance we conquer“. Also: durch Ausdauer zum Sieg. Und genau dieses Durchhaltevermögen hat ihn und seine Männer gerettet.</p>
<p>Ernest Shackleton war kein perfekter Mensch, kein fehlerfreier Anführer. Aber er zeigte, dass Führung für ihn mehr ist als Strategie. Sie ist Menschlichkeit. </p>

<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Das Interstitium - Unübersehbar groß im Körper</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/das-interstitium-unuebersehbar-gross-im-koerper/2093605</link>
      <pubDate>Mon, 16 Jun 2025 03:20:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">9bdbd4f2-980c-4f0f-b694-a39272c4eedf</guid>
      <description>2018 sorgte ein Team von US-amerikanischen Wissenschaftlern für viel Aufsehen. Die Forschenden hatten ein neues System im Körper entdeckt, manche sprachen sogar von einem neuen Organ: Es geht um das Gewebe, das die Organe umhüllt, wissenschaftlich: Interstitium. Wie ist es damals zu dieser Veröffentlichung gekommen? Und: ist das, was die Forschenden entdeckten, tatsächlich neu? Muss die Anatomie des menschlichen Körpers vielleicht sogar umgeschrieben werden? Von Daniela Remus (BR 2024) </description>
      <enclosure length="22502016" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093605/c/feed/das-interstitium-unuebersehbar-gross-im-koerper.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>2018 sorgte ein Team von US-amerikanischen Wissenschaftlern für viel Aufsehen. Die Forschenden hatten ein neues System im Körper entdeckt, manche sprachen sogar von einem neuen Organ: Es geht um das Gewebe, das die Organe umhüllt, wissenschaftlich: Interstitium. Wie ist es damals zu dieser Veröffentlichung gekommen? Und: ist das, was die Forschenden entdeckten, tatsächlich neu? Muss die Anatomie des menschlichen Körpers vielleicht sogar umgeschrieben werden? Von Daniela Remus (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/ae524a9b-9fea-4127-9194-c08270f8a396.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>2018 sorgte ein Team von US-amerikanischen Wissenschaftlern für viel Aufsehen. Die Forschenden hatten ein neues System im Körper entdeckt, manche sprachen sogar von einem neuen Organ: Es geht um das Gewebe, das die Organe umhüllt, wissenschaftlich: Interstitium. Wie ist es damals zu dieser Veröffentlichung gekommen? Und: ist das, was die Forschenden entdeckten, tatsächlich neu? Muss die Anatomie des menschlichen Körpers vielleicht sogar umgeschrieben werden? Von Daniela Remus (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Thomas Birnstiel, Florian Schwarz<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Yvonne Maier</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Erich Brenner, Anatom, Medizinische Universität Innsbruck<br/>Prof. Neil Theise, Pathologe, Grossmann School of Medicine, New York<br/>Prof. Michael Zeisberg, Nephrologe, Universitätsmedizin Göttingen</p>

<strong>Eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong>


<p>Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/radiowissen-manuskripte-das-interstitium-unuebersehbar-gross-im-koerper-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sensationelle Entdeckungen können sich über Jahre ankündigen, weil sie einfach in der Luft liegen. Andere beginnen mit einem Tag wie jedem anderen. Die Entdeckung, die der Pathologe Neil Theise (Aussprache: Thiehs – stimmloses th wie bei Thatcher, langes i, wie peace) gemacht hat, gehört zur zweiten Kategorie – zu den Überraschungen. </p>
<p>TAKE  1 (O-Ton Theise) L: 0, 10</p>
<p>The hospital I worked when we first…</p>
<p>OVERVOICE 1</p>
<p>In dem Krankenhaus, in dem ich damals gearbeitet habe, da war ich bei den Gastroenterologen…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erzählt Dr. Neil Theise. Er arbeitete damals am Mount Sinai Beth Israel Medical Centre in New York als ihm gemeinsam mit seinen Kollegen die sensationelle Entdeckung gelang.</p>
<p>TAKE  2 (O-Ton Theise) L: 0, 20</p>
<p>There I worked with…</p>
<p>OVERVOICE 2</p>
<p>Und habe mit David Carr Locke and Petros Benias zusammengearbeitet. Und die haben damals mit diesem speziellen Endoskop gearbeitet. Und damit haben sie z.B. Mägen, Darmabschnitte untersucht oder Gallenblasen. Und alles sah damit so aus, wie wir es aus den Büchern kannten. </p>
<p>Musik:  Time flies (reduced) 0‘21</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eines Tages aber war alles anders. Seine Kollegen kamen ziemlich aufgeregt in sein Büro. Sie legten ihm Fotos auf den Tisch, die sie mit einer kleinen Kamerasonde im Inneren eines Patienten gemacht hatten und fragten: Was ist das? Kennst du das, als Pathologe? </p>
<p>TAKE 3 (O-Ton Theise) L: 0, 25</p>
<p>They saw these wide spaces… </p>
<p>OVERVOICE 3</p>
<p>Da sah man so breite Zwischenräume, die durch dunkle Streifen voneineinander getrennt waren. Das haben sie mir gezeigt und gefragt, was ist das?</p>
<p>Musik: Z8030896104 Genetics 0‘37</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Bilder hatten David Carr Locke and Petros Benias mit einem konfokalen Endomikroskop gemacht. Das ist ein Endoskop an dessen Spitze eine kleine Kamerasonde angebracht ist, die das Körperinnere fotografieren kann. Es wird besonders häufig im Magen-Darm-Trakt eingesetzt. Aufnahmen gelingen dort dann sehr gut, wenn die Patienten vorher eine fluoreszierende Flüssigkeit in die Adern gespritzt bekommen. Die beiden Kollegen von Neil Theise nutzten dieses Endoskop routinemäßig für ihre gastroenterologischen Untersuchungen. Jetzt hatten sie offenbar ein Problem, weil sie nicht wussten, was sie fotografiert hatten, und auch Neil Theise war zunächst überrascht, was die Fotos zeigten. Denn dieses Gewebe sah sehr anders aus als das, was er bisher an Gewebestrukturen im Organismus kannte. Selbst nach sorgfältiger Betrachtung zeigte das Bild, auch für ihn, den erfahrenen Pathologen, eine Gewebestruktur, die er nicht kannte.</p>
<p>MUSIK:  Progressive movements (reduced) 0‘49</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Allerdings lag dieses Gewebe genau dort, wo sich üblicherweise das Interstitium befindet. Das aber konnte es nicht sein, dachte Neil Theise. Denn das netzartige Gewebe zwischen den Organen, das in der Medizin Interstitium genannt wird oder manchmal auch Stroma, hatte nichts mit dem zu tun, was er auf den Bildern seiner Kollegen sah. In allen bekannten Darstellungen war das Interstitium ein dichtes Stützgewebe, in dem Kollagenfasern in mehreren Lagen eng übereinander angeordnet waren. Was also konnte das sein, was auf dem Foto abgebildet war? Mit großen Zwischenräumen, eher luftig angeordnet? </p>
<p>ATMO (Computertippen/Seiten umblättern) darüber</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Neil Theise durchforstete alles, was er an Nachschlagewerken kannte, befragte Datenbanken und Kollegen in der Hoffnung, eine Erklärung für dieses merkwürdige Gewebe zu finden. </p>
<p>TAKE 4 (O-Ton Theise) L: 0, 20</p>
<p>So I went through a lot of histology books…</p>
<p>OVERVOICE 4</p>
<p>Und dann habe ich einfach alle Histologie Bücher durchgearbeitet, aber ich habe nichts gefunden, was zu dem passte, was wir gefunden haben. Und dann habe ich auch noch in alte Histologie Bücher reingesehen, weil ich dachte, okay, vielleicht ist das Wissen einfach nur vergessen worden?</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Trotzdem fand er zunächst keine Erklärung. Neil Theise und seine Kollegen berieten sich und vermuteten, es könne sich vielleicht doch um eine Erweiterung des Interstitiums handeln, die bisher einfach übersehen worden war? Auch weil bisher im Körperinneren noch keine so hochauflösenden Kameras zum Einsatz gekommen waren? </p>
<p>Musik:  Searching secrets (b) 0‘18</p>
<p>Waren sie einer ganz neuen Struktur des menschlichen Körpers auf der Spur? Waren es Bilder vom Interstitium oder etwas völlig Neues, Anderes? Die drei Forscher waren elektrisiert.</p>
<p>TAKE 5 (O-Ton Theise) L: 0, 30</p>
<p>There has been something called the interstitium for years…</p>
<p>OVERVOICE 5</p>
<p>Also es war schon lange klar, dass es das Interstitium gibt. Deshalb haben wir auch in unserem ersten Paper, das wir veröffentlicht haben, geschrieben, wir haben eine „neues” Interstitium gefunden, nicht, dass es das vorher nicht gegeben hätte. Aber wir hatten herausgefunden, dass es eben viel verbreiteter ist, als bis dahin angenommen und auch anders strukturiert ist, als es bis dahin verstanden gewesen ist.</p>
<p>Musik:  Delicate information (reduziert) 0‘38</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Entdeckung hat nach der Veröffentlichung im Jahr 2018 für ziemlich viel Wirbel gesorgt. In der Öffentlichkeit und auch in der wissenschaftlichen Community. Denn in der Tat waren die Einblicke, die die drei Mediziner durch die Bilder von der Struktur des Interstitiums bekamen, ungewöhnlich und neu. Aber bevor wir über diese Entdeckungsgeschichte weiter berichten, erstmal einen Schritt zurück: Was ist das eigentlich, das Interstitium?</p>
<p>TAKE 6 (O-Ton Brenner) L. 0, 30</p>
<p>Das, was dazwischen steht. Interstare heißt das auf Latein, und was damit gemeint ist, ist das, was zwischen den Zellen in einem Gewebe vorhanden ist. Dieses Interstitium besteht zum einen aus Fasern, da kennt man am besten die collagenen Fasern oder die elastischen Fasern und dann gibt es, wie man das früher bezeichnet hat, die sogenannte amorphe Grundsubstanz oder Kittsubstanz, die das ganze zusammenhält, verkleistert.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erklärt der Professor für Anatomie Erich Brenner von der Universität Innsbruck. Dass es ein solches Zwischenraum-Bindegewebe überhaupt gibt, ist nicht neu, es war bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. 1862 wurde es erstmalig in einem medizinischen Lehrbuch beschrieben und zwar von dem deutschen Pathologen Friedrich Daniel von Recklinghausen. Auch für den New Yorker Pathologen Neil Theise war das Interstitium deshalb nichts Unbekanntes. </p>
<p>TAKE 7 (O-Ton Theise) L: 0,15</p>
<p>What I learned at medical school…</p>
<p>OVERVOICE 7</p>
<p>Was ich an der Uni gelernt habe und was wir seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit über hundert Jahren wissen, ist, dass bisher zwei Arten von Interstitium beschrieben worden sind.</p>
<p>Musik:  Eco statistics red 0‘26</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das eine füllt die Zwischenräume zwischen einzelnen Zellen aus. Und zwar zwischen den Zelltypen, die weit auseinander liegen. Dazu gehören Hautzellen, Muskelzellen oder auch Fettzellen. Die liegen so weit auseinander, dass dazwischen Platz ist, für interzelluläres Gewebe, das man Interstitium nennt. </p>
<p>TAKE 8 (O-Ton Theise) L. 0, 10</p>
<p>The second interstitium is larger…</p>
<p>OVERVOICE 8</p>
<p>Das zweite Interstitium ist größer als das erste und ist sehr intensiv untersucht worden in den letzten Jahren. Und das ist wirklich sehr wichtig. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Denn dieses Interstitium ist eine Art Stützgewebe, das die verschiedenen Organe und Gefäße umhüllt und damit eine entscheidende Rolle spielt, bei der Versorgung der Zellen und Organe. </p>
<p>TAKE 9 (O-Ton Theise) L: 0, 30</p>
<p>Blood comes through and the nutrians brought in…</p>
<p>OVERVOICE 9</p>
<p>Das Blut fließt durch die kleinen Kanäle, Nährstoffe fließen dadurch, die Wände der Kapillargefäße sind so dünn, dass die da durchfließen können. Das ist wie ein Netzwerk: Nährstoffe kommen rein, durchs Gewebe, durch die Kapillare, aber auch Abbaustoffe aus dem Gewebe werden dadurch transportiert und abgebaut. </p>
<p>Musik:  Undercover investigations red. 0‘19</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Soweit so bekannt für Medizinerinnen und Mediziner. Neil Theise interessierte sich während seines Berufslebens nicht weiter für das Interstitium. Zumal er sich als Pathologe vor allem auf die Leber spezialisiert hat. Wenn bei einer Biopsie, Magenspiegelung oder Operation, Gewebe aus einem Organ entnommen wird, um zu erfahren, ob eine und welche Krankheit vorliegt, dann ist es die Aufgabe der Pathologen, dieses Gewebe in einem mikroskopischen Schnellverfahren zu untersuchen, um Krankheitsursachen zu identifizieren. Und das war und ist es, was Neil Theise als Arzt interessiert. Aber nachdem seine Kollegen diese merkwürdige Struktur entdeckt hatten, wollten die drei unbedingt herausfinden, ob sie eine unbekannte Seite des Interstitiums gefunden hatten.</p>
<p>ATMO (Geräusche aus OP) hinterlegen bis Overvoice</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um diese Hypothese zu überprüfen, setzten die drei Ärzte das Endoskop bei einer Operation ein, ein Schritt, der eigentlich nicht üblich ist: Bei einem Patienten, dem die Bauchspeicheldrüse entfernt werden musste, machten sie mit dem Endoskop Bilder von der Bauchspeicheldrüse und dem sie umgebenden Gewebe, das eigentlich zum Interstitium gehören müsste…</p>
<p>TAKE 10 (O-Ton Theise) L. 0, 50</p>
<p>Then we took out the endoscope and …</p>
<p>OVERVOICE 10</p>
<p>Dann hatten wir also die Aufnahmen gemacht und das Endoskop entfernt. Das OP-Team hat operiert, hat die Bauchspeicheldrüse und das sie umgebenden Gewebe herausgenommen. Und das haben wir dann bekommen. Damit sind wir dann runter in das Labor der Pathologie gegangen und haben das Gewebe wieder mit dem Endoskop untersucht. Und tatsächlich war es identisch mit dem Bild, was wir vorher bekommen hatten. Es hatte also noch immer dieselbe Struktur, wie im Körper…</p>
<p>MUSIK:  Curious question (reduced) 0‘28</p>
<p>OVERVOICE 10</p>
<p>…dann habe ich einen Teil davon genommen, um ihn so zu untersuchen. Ich habe das Gewebe kryokonserviert also schockgefrostet. Denn nur dann können wir damit diese dünnen histologischen Schnitte machen, die wir brauchen, um das Gewebe unter dem Mikroskop untersuchen zu können. Und ich sah dieselbe Struktur. Aber jetzt war sie umgekehrt: Die breiten Zwischenräume waren jetzt dunkel und die vorher dunklen Trennlinien waren jetzt hell. Wir hatten also dieselbe Struktur, aber mit entgegengesetzten Farben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Daraufhin überlegten die Wissenschaftler, ob die Ursache für das veränderte Aussehen des Gewebes, vielleicht schlicht darin begründet liegt, wie das Gewebe üblicherweise behandelt wird, um es untersuchen zu können.</p>
<p>Musik: Inbiased opinion (reduced) 1‘10</p>
<p>ATMO (Arbeitsgeräusche im Labor)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um das zu überprüfen, legte Neil Theise die Gewebeprobe in Formalin ein, so wie es in der Pathologie üblich ist. Formalin ist eine wässrige Lösung von Formaldehyd. Die nutzen Pathologen, um Gewebe so zu fixieren, dass es dauerhaft erhalten bleibt. Das Formalin entzieht dem Gewebe die Flüssigkeit und verhindert damit Verwesungsprozesse. In einem zweiten Schritt wird das Gewebe dann in Paraffin eingelegt. Durch diese Konservierung verliert es seine ursprüngliche Farbe und auch seine Beweglichkeit. Es wird starr. Und genau das ist auch das Ziel, denn dadurch kann es in hauchdünne Scheiben geschnitten, und unter dem Mikroskop untersucht werden. Einen Gewebeschnitt herstellen, so heißt das in der Medizin. Als Neil Theise nach dieser Prozedur den Gewebeschnitt der Bauchspeicheldrüse und des Umgebungsgewebes unter das Mikroskop legte, sah es völlig anders aus als vorher:</p>
<p>TAKE 11 (O-Ton Theise) L: 0, 30</p>
<p>And we could see…</p>
<p>OVERVOICE 11</p>
<p>Und da haben wir gesehen und verstanden, wenn man das Gewebe schockfrostet, dann behält es diese Struktur. Aber wenn wir es so behandeln, wie wir es immer tun, um es histologisch bearbeiten zu können, dann werden diese Strukturen zerstört. Und dann haben wir auch verstanden, dass das, was wir sonst immer als kleine Risse gesehen haben bei unseren histologischen Untersuchungen, das sind die Überbleibsel dieser Zwischenräume. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Denn auf den Gewebeschnitten, die der Pathologe jetzt hatte, sah das Interstitium so aus, wie er es aus Büchern und von anderen Gewebeschnitten kannte: flach und dicht. Ohne flüssigkeitsgefüllte Zwischenräume oder Kanäle. </p>
<p>MUSIK:  New evidence 0’14</p>
<p>TAKE 12 (O-Ton Theise) L: 0, 35</p>
<p>I got a mastectomie…</p>
<p>OVERVOICE 12</p>
<p>Dann musste ich das Gewebe einer Frau untersuchen, der wegen eines Tumors die Brust entfernt wurde. Und an dem Gewebe war auch Haut. Und da, zwischen den verschiedenen Hautschichten, da sah ich schon wieder diese kleinen Risse. Und dann bin ich zu David und Petros gegangen, hab ihnen das erzählt und gefragt, wie sieht es denn eigentlich aus, wenn ihr mit euerem Endoskop die Haut untersucht? Was sieht man da? Und die beiden haben gesagt: Wir untersuchen damit keine Haut! Das ist ja ein Endoskop, das ist für das Körperinnere…</p>
<p>MUSIK:  New evidence 0’38</p>
<p>TAKE 13 (O-Ton Theise)</p>
<p>And I said well… so we hooked me up with some fluorscene…</p>
<p>OVERVOICE 13</p>
<p>Und dann habe ich gesagt, okay, lasst uns das untersuchen. Spritzt mir diese fluoriszierende Flüssigkeit und macht mit euerem Endoskop Fotos von meiner Haut. Und das haben wir dann gemacht. Und wir haben tatsächlich exakt dieselbe Struktur gesehen wie bei dem Gewebe, das um die Bauchspeicheldrüse herum liegt. (Hier bitte akkustisch den „Heureka-Moment“ sichtbar machen) Und dann haben wir verstanden, alles Gewebe im Körper, in den Zwischenräumen, um die Organe drumherum, alles muss miteinander verbunden sein, zusammengehören, irgendwie eins sein, weil alles gleich aussieht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und nicht nur das Aussehen spricht für diese Hypothese. Die flüssigkeitsgefüllten Kanäle, die von elastischen Kollagenfasern gestützt werden, ziehen sich, so die Erkenntnis von Neil Theise und seinem Team, durch das gesamte Interstitium, also durch den ganzen Körper. </p>
<p>TAKE 14 (O-Ton Theise) L. 0, 30</p>
<p>And what we know…</p>
<p>OVERVOICE 14</p>
<p>Was wir jetzt wissen, und was auch kaum jemand in Frage stellt, ist, dass das Interstitium ein durchgängiges Gewebe ist, das es eine Art körperweites Netzwerk ist, dass Moleküle durchgehen, elektrische Signale durchgehen, Zellen durchgehen, gesunde Zellen aber auch Krebszellen aber auch Krankheitserreger wie Bakterien z.B. und es ist eben bisher nicht gut beschrieben worden, in seiner ganzen Komplexität.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und zwar unabhängig davon, wo genau es im Körper verortet ist. Auch das, so die Forschenden, spricht für ein zusammengehörendes System.</p>
<p>TAKE 15 (O-Ton Theise) L: 0, 25</p>
<p>And this has tremendous implications…</p>
<p>OVERVOICE 15</p>
<p>Das hat enorme Bedeutung für alles, z.B. für das Verständnis von Krankheiten. Die Flüssigkeiten, die sich im Interstitium befinden, machen rund 25% der gesamten Körperflüssigkeit aus und ungefähr die Hälfte aller Flüssigkeiten, die außerhalb der Zellen sind. Also das ist ein riesiger Raum, von dem wir den Aufbau und die Struktur bisher nie wirklich verstanden haben.</p>
<p>Musik: Undercover investigations red. 0‘19</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Über diese interstitielle Flüssigkeit, die in der Medizin auch Interzellularflüssigkeit genannt wird, können sich nach Einschätzung von Neil Theise Entzündungen im Körper ausbreiten. Und auch Krebszellen könnten das Interstitium als Transportweg nutzen. </p>
<p>TAKE 16 (O-Ton Theise) L: 0, 25</p>
<p>We have known that tumorcells…</p>
<p>OVERVOICE 16</p>
<p>Wir wissen, dass Tumorzellen durch den Blutkreislauf wandern, dass sie durch Nerven, durch Knochenmarkzellen durchgehen und auch einfach von Gewebe zu Gewebe. Aber um dorthin zu kommen, müssen sie erstmal durch das Interstitium durch, sie durchqueren es also offenbar. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Im März 2018 veröffentlichten die drei Forscher ihre Erkenntnis im Fachblatt Scientific Reports mit dem Titel: Structure and Distribution of an unrecognized Interstitium in Human Tissue, auf deutsch etwa: Struktur und Verteilung des bisher/verkannten Interstitiums in menschlichem Gewebe. </p>
<p>MUSIK: Hot news (red) 0‘31</p>
<p>Die Aufregung war ziemlich groß. Viele Medien, auch das Deutsche Ärzteblatt, berichteten geradezu überschwänglich von dieser Entdeckung:</p>
<p>SPRECHER (Versch.)</p>
<p>Neue anatomische Struktur im Körper entdeckt</p>
<p>Interstitium: Unser neues Organ?</p>
<p>Wir haben vielleicht ein Organ mehr als wir dachten</p>
<p>Neu entdecktes Organ?</p>
<p>MUSIK (Ende)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Interstitium ein neues, ein zusätzliches Organ? Neil Theise formuliert seine Entdeckung etwas bescheidener:</p>
<p>TAKE 17 (O-Ton Theise) L: 0, 35</p>
<p>The idea that this was an organ…</p>
<p>OVERVOICE 17</p>
<p>Die Idee, dass es sich dabei um ein eigenständiges Organ handeln könnte, kam eigentlich vor allem durch die Pressemeldung der Uni in die Welt. Aber ich finde, das ist durchaus eine plausible Hypothese, dass das Interstitium als Organ angesehen werden kann. Im Moment bin ich Teil einer Arbeitsgruppe, und wir suchen nach einer angemessenen modernen Bezeichnung für das, was das Interstitium kann. Und ich denke, es ist treffend zu sagen, es ist ein System, ein Netzwerk, so wie z.B. auch das kardiovaskuläre System ein System ist. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch die wissenschaftliche Community ist in ihrem Urteil deutlich zurückhaltender als die Medien. Das liege an der traditionellen Definition von Organen, erklärt Erich Brenner, Professor für Anatomie an der Universität in Innsbruck:</p>
<p>TAKE 18 (O-Ton Brenner) L: 0, 30</p>
<p>Ein Organ ist ein sehr genau umschriebenes, eingehülltes von der Umgebung abgegrenztes Objekt im Körper. Z.B. ein Knochen, ein Muskel, da gibt es Hüllen, die die einhüllen, …oder aber die Leber, die hat ganz feste Bindegewebskapsel, das Herz ist genau abgegrenzt durch den Herzbeutel…das würde das Konzept eines Organs genau auf den Kopf stellen, ja, das ist da – aber kein Organ.</p>
<p>Musik: A beginning 0‘21</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Manche Forschende sind weniger strikt in ihrem Urteil. Sie könnten sich durchaus vorstellen, die Organ-Definition in absehbarer Zeit so zu erweitern, dass auch systemische Prozesse im Körper mit dieser Definition besser beschrieben werden können. </p>
<p>TAKE 19 (O-Ton Zeisberg) L: 0, 30</p>
<p>Wenn man diese Definition weiterfasst, und man damit zufrieden ist, dass ein Organ ein in sich definierter Teil des Körpers ist, der eine definierte Aufgabe hat, dann wird es ja ein bisschen weiter. Und dann können wir natürlich auch das Gefäßsystem oder auch das Interstitium als ein Teil sehen, den wir sonst den einzelnen Organen zugeordnet hätten. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erklärt Prof. Michael Zeisberg, der die Klinik für Nephrologie und Rheumatologie an der Uniklinik in Göttingen leitet. Michael Zeisberg hat die Veröffentlichungen von Neil Theise rund um das Interstitium mit großem Interesse verfolgt und tut das auch heute noch. </p>
<p>TAKE 21 (O-Ton Zeisberg) L: 0, 10</p>
<p>Ich war damals, muss ich ihnen ehrlich sagen, 2018 aufgeregter als ich es jetzt bin…</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dass das Interstitium für die Versorgung der Organe und damit im Umkehrschluss auch für die Ausbreitung von Krankheiten eine weitaus bedeutsamere Rolle spielen könnte, als bisher angenommen, leuchtete dem Nephrologen unmittelbar ein. </p>
<p>TAKE 22 (O-Ton Zeisberg) L: 0, 20</p>
<p>Es hat sich ja praktisch das Potential ergeben okay, jetzt gibt es einen neuen Weg, Botenstoffe zu senden, es gibt aber auch einen neuen Weg, wie Krebszellen sich im Körper verteilen können, oder Infektionen sich verteilen können. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Aber die nachfolgenden Studien von Neil Theise konnten bisher nicht zeigen, dass das Interstitium tatsächlich das Zeug dazu hat, die Diagnostik und Therapie von Krankheiten zu revolutionieren:</p>
<p>TAKE 23 (O-Ton Zeisberg) L: 0,20</p>
<p>Da hat er einige Jahre gewartet, bis er nachgeliefert hatte und hat dann gesehen, dass in 50 Tagen Farbpartikel sich 10cm weiter bewegt haben. Also was immer da passiert, ist offensichtlich nicht so effizient wie ein Lymphgefäß oder ein Blutgefäß. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Für Michael Zeisberg und andere Forschende klingt es plausibel, dass das Interstitium das Potential dazu hat, Botenstoffe, Krebszellen und Infektionen auf neuen und bisher unbekannten Wegen durch den gesamten Körper zu schicken. Und damit eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krankheiten zu spielen. Aber wie genau das geschehen könnte, wie effizient dieser Prozess wäre und wie man ihn sich für Diagnostik oder Therapie zunutze machen könnte, das ist bisher trotz der Arbeiten von Neil Theise und seinen Kollegen noch nicht klar.</p>
<p>Musik: Working brain red 0‘39</p>
<p>Und es sieht auch nicht so aus, als würden diese Wissenschaftler mit Hochdruck daran arbeiten, ihre Hypothese von der zentralen Bedeutung des Interstitiums zu belegen. Wie so oft in der Medizin haben Zufall und technologische Weiterentwicklung zwar neues Wissen und Verständnis hervorgebracht, noch aber bedeutet das nicht, dass die Entstehung von chronischen Krankheiten wie Fibrose oder die Ausbreitung von Krebszellen dadurch verhindert werden könnte.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Söldner - Geschichte der Schattenarmeen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/soeldner-geschichte-der-schattenarmeen/2091789</link>
      <pubDate>Mon, 16 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">01483b25-cb89-4a2a-b5c8-7379747b3f12</guid>
      <description>Der Krieg ist ihr Handwerk. Doch sie kämpfen nicht als Soldaten für ihr Land, sondern gegen Sold, also gegen Bezahlung, für eine fremde Macht. Das Söldnertum besteht schon seit langem. Von Claudia Steiner (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22224384" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2091789/c/feed/soeldner-geschichte-der-schattenarmeen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:09</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Krieg ist ihr Handwerk. Doch sie kämpfen nicht als Soldaten für ihr Land, sondern gegen Sold, also gegen Bezahlung, für eine fremde Macht. Das Söldnertum besteht schon seit langem. Von Claudia Steiner (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c375c402-0d2b-4475-95af-df20b7be4fc2.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Krieg ist ihr Handwerk. Doch sie kämpfen nicht als Soldaten für ihr Land, sondern gegen Sold, also gegen Bezahlung, für eine fremde Macht. Das Söldnertum besteht schon seit langem. Von Claudia Steiner (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprach: Rahel Comtesse<br/> Technik: Stefan Oberle<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Martin Clauss, Technischen Universität Chemnitz. <br/>Dr. Lennart Gilhaus, Institut für Alte Geschichte der Universität Bonn. <br/>Dr. Johann Schmid (Aussprache wie Schmied), Oberst im Generalstab; Staatswissenschaftler am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) sowie Non-Resident Fellow am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. <br/> <br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:<br/></strong></p>
<p><strong>Kindersoldaten - Im Krieg statt in der Schule<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kindersoldaten-im-krieg-statt-in-der-schule/bayern-2/96794188/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong><br/><strong>Ein Thema, das gerade die Nachrichten beherrscht. Im Thema des Tages von BR24 erfahren Sie täglich, was dahintersteckt.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/br24-thema-des-tages/90776374/">JETZT ENTDECKEN</a></strong><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-soeldner-soldat-militaer-armee-bundeswehr-auslandseinsatz-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHERIN </p>
<p>Der Krieg ist ihr Handwerk. Doch Söldner kämpfen nicht als Soldaten für ihr Land, sondern gegen Sold, also gegen Bezahlung für eine ausländische Macht. So wie die berüchtigte Wagner-Gruppe, die zeitweise an der Seite der russischen Armee in der Ukraine kämpfte, aber auch im afrikanischen Mali im Auftrag der Regierung gegen Rebellen und Dschihadisten. Profi-Krieger werden rekrutiert, wenn zum Beispiel reguläre Armeen Verstärkung brauchen oder auch, weil sie spezielle Fähigkeiten haben, die nur für einen bestimmten Einsatz notwendig sind. </p>
<p>Musik hoch</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ihr rechtlicher Status ist im Zusatzprotokoll aus dem Jahr 1977 zu dem Genfer Abkommen von 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte geregelt. In Artikel 47 heißt es, dass Söldner keinen Anspruch auf den Status eines Kombattanten, also als Angehöriger der Kampftruppen, oder eines Kriegsgefangenen haben. Damit sind sie vom Schutz durch die Genfer Konvention ausgenommen. Im Fall einer Gefangennahme gelten für sie nur die grundlegendsten humanitären Grundsätze. Die Definition, wer als Söldner gilt, ist lang und kompliziert. So heißt es zum Beispiel, dass Söldner im Inland oder Ausland angeworben werden, um in einem bewaffneten Konflikt zu kämpfen und tatsächlich unmittelbar an Feindseligkeiten teilnehmen. Wichtig ist unter anderem auch, dass es Söldner um Streben nach persönlichem Gewinn geht. Sie sind zudem keine Staatsangehörige einer der am Konflikt beteiligten Parteien. </p>
<p>Musik: Coming closer red 1‘04</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Bundeswehr lehnt den Dienst von Söldnern bei Auslandseinsätzen ab. Es ist zudem strafbar, deutsche Staatsangehörige für Kämpfe im Ausland anzuwerben. Wer dennoch für einen ausländischen Auftraggeber in den Krieg oder einen bewaffneten Konflikt zieht, dem droht der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gab es immer wieder Berichte über Deutsche, die für Kiew im Einsatz sind. Doch wie kann das sein? Bei den meisten dürfte es sich juristisch betrachtet nicht um Söldner handeln, sondern um ausländische Freiwillige, denen es um Hilfestellung und nicht um das Streben nach persönlichem Gewinn geht. </p>
<p>ATMO Soldaten marschieren </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Trotz der ausführlichen Definition im Genfer Abkommen ist die Abgrenzung oft schwierig. Es gibt Söldner im klassischen Sinne, die mit der Waffe in der Hand ins Gefecht ziehen, aber auch private Militärunternehmen und -Dienstleister wie die US-amerikanische Privatarmee Blackwater, deren Kämpfer zum Beispiel in Syrien im Einsatz waren. Inzwischen tritt Blackwater unter dem Namen Academi auf. Johann Schmid (sprich: Schmied) ist Oberst im Generalstab und Staatswissenschaftler. Er forscht am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zum Themenkomplex Hybride Kriegführung, lehrt an der Universität Potsdam und ist Non-Resident Fellow am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.  </p>
<p> O-TON 1 </p>
<p>Das Profil reicht gewissermaßen vom Profikämpfer, auch ehemaligen Angehörigen auch westlicher Spezialkräfte beispielsweise, die nach ihrem aktiven Dienst in den Personenschutz eintreten oder sich in Ausbildung und Beratung fremder Streitkräfte betätigen, setzt sich fort über intelligente, regional ausgerichtete Rekrutierungsansätze, (…) oder über die Legionäre der französischen Fremdenlegion. (…) Und es endet in vielleicht einer Extrem-Version, der bewussten Rekrutierung in Gefängnissen auch unter Strafgefangenen durch die russische Wagner-Organisation, (…) wo also speziell für die Sturmangriffe auf Bachmut in Gefängnissen rekrutiert wurde. </p>
<p>MUSIK Artificial developments 0‘22</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In der Geschichte gibt es Beispiele für erfolgreiche Söldnerführer, die ein Vermögen anhäufen. Auch heute sind die Vermietung von Kämpfern und das Erbringen von Militärdienstleistungen weltweit ein Milliardengeschäft. Johann Schmid (sprich Schmied): </p>
<p>O-TON 2 </p>
<p>Mit 1,5 Millionen Beschäftigten bereits vor circa einem Jahrzehnt über 200 Milliarden US-Dollar Umsatz. In der Hochphase insbesondere, als die USA im Irak und in Afghanistan präsent waren, waren die Vereinigten Staaten auch der Hauptauftraggeber privater Militärunternehmen. </p>
<p>Musik: Ancient troy 0‘23 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dabei ist das Söldnertum kein neues Phänomen. Im Laufe der Zeit kämpften unter anderem Griechen für Ägypter und Perser, Germanen für den römischen Staatsmann Cäsar und Wikinger für die Herrscher von Byzanz. Söldner sind so alt wie die Kriege selbst, sagt Johann Schmid. </p>
<p>O-TON 3 </p>
<p>Söldner sind keine Erfindung des 20. oder 21. Jahrhunderts. Söldner sind bereits in der Antike zu beobachten, auch standen sie im Dienste Hannibals oder Karthagos während der Punischen Kriege. (…) Söldner prägten insbesondere vom ausgehenden Mittelalter, das heißt vom 14. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution das Militärwesen in Europa ganz nachhaltig.</p>
<p>Musik:  Archaic power 0‘46</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Detaillierte Quellen über den Einsatz der Schattenarmeen gibt es zum Beispiel aus der griechischen Zeit. So beschrieb der Athener Xenophon den „Zug der Zehntausend“, den Marsch eines griechischen Söldnerheeres durch das Perserreich, in seinem Werk „Anabasis“. 401 vor Christus ließen sich tausende griechische Krieger rekrutieren, um an der Seite des persischen Prinzen Kyros zu kämpfen. Dieser wollte seinen älteren Bruder Artaxerxes II. vom Thron stoßen – doch das misslang, erklärt Lennart Gilhaus vom Institut für Alte Geschichte der Universität Bonn: </p>
<p>O-TON 4 </p>
<p>Die Schlacht bei Kunaxa, das ist die berühmte Schlacht, bei der dann auch die griechischen Söldner eingesetzt wurden, wurde zwar gewonnen, aber Kyros als Thronanwärter starb. Und die Söldnertruppe war dann auf sich alleine gestellt und gegen alle Erwartungen gelang es dieser Truppe von eben über 10.000 Kriegern tatsächlich, ihren Weg durch Kleinasien, Armenien bis ans Schwarze Meer zu finden und dann eben auch wieder zurückzukehren in ihre griechischen Städte, und diesem Zug der 10.000 hat Xenophon eben auch ein literarisches Denkmal gesetzt.</p>
<p>Musik: Last old world (b) 0‘16</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Männer bekamen einen Grundsold. Doch in der Regel gab es Aussicht auf mehr: Beute. Lennart Gilhaus: </p>
<p>O-TON 5 </p>
<p>Aber das Hauptverdienst der Söldner und das war auch der hauptsächliche Anreiz, Söldner zu werden, war Aussicht auf Plünderung. Und das war auch manchmal ganz explizit vorgesehen, dass eben die Söldner aus den geplünderten Gütern bezahlt werden sollten oder eben den Söldnern direkt bestimmt Siedlungen, Dörfer zu Plünderungen überlassen wurden, damit sie sich eben versorgen konnten.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dabei wurde nicht nur Hab und Gut, Getreide und Vieh geraubt, sondern die Söldner verschleppten auch Menschen, so der Bonner Historiker Gilhaus.  </p>
<p>O-TON 6 </p>
<p>Sie nahmen natürlich Sklaven auch aus den Dörfern, die sie überfallen haben, gerade wenn das nicht-griechische Dörfer waren und entführten daraus auch mit Vorliebe eben jugendliche Männer und Frauen, die ihnen dann auch sexuell dienstbar sein sollten. </p>
<p>SPRECHERIN  </p>
<p>Einen guten Ruf hatten die Miet-Krieger nicht. Wenn Einsätze vorbei waren, Sold-Zahlungen ausblieben, fielen die streunenden Kämpfer oft über Dörfer her. Im Mittelalter zum Beispiel gibt es immer wieder Beschwerden von Nicht-Söldnern über die Truppen, sagt der Historiker Martin Clauss. Der Professor lehrt an der Technischen Universität Chemnitz: </p>
<p>O-TON 7 neu </p>
<p>Leute, die sich selber für ehrbare Ritter, ehrenvolle Kämpfer halten, die schauen dann auf diese Söldner herab, argumentieren, das sind Leute, die das eben nur des Geldes wegen machen. Auch die Ritter, die ehrbaren Ritter, werden bezahlt von ihren Herren, um in den Krieg zu ziehen. Also das Geld spielt überall eine Rolle. Aber bei den Söldnern wird halt immer gesagt, die machen es nur des Geldes wegen. (…) und damit geht dann oft auch so eine Abwertung einher. Nein, das sind eben so ehrlose Leute, sind ja auch Kriminelle. Dass man die schlecht kontrollieren kann, dass die sehr undiszipliniert sind. </p>
<p>Musik:  Grey day 0‘41</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein weiterer Grund für den zweifelhaften Ruf von gekauften Kämpfern kann auch in der Art des Einsatzes begründet sein, denn Söldner agieren oft in Grauzonen. Johann Schmid. </p>
<p>O-TON 8 </p>
<p>Also Söldner werden ja häufig gezielt als Stellvertreter oder als Proxies eingesetzt für Operationen in der Grauzone diverser Schnittstellen, also beispielsweise zwischen regulären und irregulären, offenen-verdeckten, legalen und illegalen oder auch kriminellen Bereichen, wo der Auftraggeber ganz bewusst nicht direkt in Erscheinung treten will, weil vielleicht die Legitimität der eigenen politischen Zielsetzung nicht immer gewährleistet ist. Und wenn dann noch Aufgaben hinzukommen, die vielleicht die Bewachung und Ausbeutung von Rohstoffquellen, denken wir an Gold- oder Diamantenminen, Öl- oder Gasvorkommen einhergehen, dann kann sich hier natürlich auch Gier breitmachen, was dann auch die Gewalteskalation weiter beschleunigen kann.</p>
<p>MUSIK:  Roundelay 0‘25 </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Es liegt in der Natur des Söldnertums, dass die Miet-Soldaten bei unterschiedlichen Herrschern in Dienst standen. So waren beispielsweise im 12. Jahrhundert die Brabanzonen aus Niederlothringen für den römisch-deutschen König, den englischen König, aber auch den französischen König tätig. Martin Clauss. </p>
<p>O-TON 9 </p>
<p>Im Hundertjährigen Krieg, da sind wir dann im 14. Jahrhundert, da gibt es eine Gruppe, die heißt die Grand Companie, also die große Kompanie. Das zeigt eben schon, das ist eine große Gruppe gewesen. Die haben ursprünglich mal für den französischen König gekämpft und (…) waren dann, wenn sie nicht beschäftigt waren, auch immer ein großes Problem. Das ist etwas, was wir bei Söldnern im Mittelalter immer wieder greifen. Wenn sie dann nicht im Krieg beschäftigt sind, dann stellen sie ein Problem dar, weil sie ja ihr Geschäft betreiben wollen. </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Auch der Engländer John Hawkwood schloss sich zeitweise der Großen Kompanie an, später agierte er eigenständig in Norditalien. Seine schlagkräftige Truppe brachte dem Engländer Ruhm ein. John Hawkwood, der in Italien den Namen Giovanni Acuto bekam, wurde ein reicher Mann. Martin Clauss: </p>
<p>O-TON 10 </p>
<p>Diese Leute, die Hawkwood bei sich hat: Das sind sehr erfahrene, sehr professionelle Truppen, weil die viel Krieg gesehen haben, weil die das sozusagen gut können. (…) Das hat auch was damit zu tun, dass er es sich leisten kann, auszusuchen. Also er nimmt einfach nicht jeden auf in seine Kompanie, sondern kann auch da selektieren. Das heißt, das ist ein hohes Potenzial an kämpferischer Qualität. (…) Und dann war er sicherlich auch einfach - ich würde fast sagen - politisch sehr geschickt mit den entsprechenden Städten zu verhandeln und das alles so zu seinen Gunsten auszunutzen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Nach seinem Tod im Jahr 1394 bekam John Hawkwood ein Grabmal im Dom von Florenz. Dass er im prächtigen Dom verewigt wurde, zeigt, wie bedeutend der Militärführer damals war. </p>
<p>MUSIK:  Secret proofs red. 0‘29 </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Nicht allen Söldnerführern gelang es, politisch so klug zu agieren wie John Hawkwood. Zu mächtige Söldnerführer, die sich gegen ihren Auftraggeber stellten, wurden verfolgt und ermordet. Beispiel: Albrecht von Wallenstein. Dessen Truppen kämpften im Dreißigjährigen Krieg für Kaiser Ferdinand II. gegen Dänemark und Schweden. Johann Schmid. </p>
<p>O-TON 11 </p>
<p>Wallenstein war ja der Kriegsunternehmer par excellence, der im Auftrag des Kaisers Heere aufstellte, organisierte, versorgte und auch geführt hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch Wallenstein soll – trotz anderer Interessen des Kaisers – Friedensgespräche mit den Schweden aufgenommen haben. Es wurde ihm der Vorwurf des Hochverrats gemacht. Der Feldherr floh, um seiner Verhaftung zu entgehen. Am 16. Februar 1634 drangen schließlich kaisertreue Offiziere in ein Haus in Eger, im heutigen Tschechien ein, und erstachen Wallenstein. </p>
<p>MUSIK:  Dark figures 1‘04 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch dem ehemaligen Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, wurde seine Macht offenbar zum Verhängnis. Beim Überfall Russlands auf die Ukraine kämpften Wagner-Söldner zunächst gemeinsam mit russischen Soldaten. Wagner-Chef Prigoschin fühlte sich aber bald mächtig genug, um öffentlich Kritik an der russischen Führung zu äußern. Im Juni 2023 marschierte ein Teil seiner Truppe dann in Richtung Moskau. Prigoschin nannte die Aktion den „Marsch der Gerechtigkeit“. Die Meuterei endete damit, dass Prigoschin und seine Männer nach Belarus abziehen durften. Doch durch den versuchten Putsch machte sich Prigoschin Russlands Präsident Wladimir Putin zum Feind. Zwei Monate später stürzte der Söldnerführer unter ungeklärten Umständen mit seinem Privatflugzeug ab. Viele Beobachter gehen davon aus, dass der Wagner-Chef beseitigt wurde. Johann Schmid: </p>
<p>O-TON 12 </p>
<p>Die Meuterei, der versuchte Marsch auf Moskau als Machtdemonstration hat vermutlich das Fass dann zum Überlaufen gebracht. </p>
<p>MUSIK:  Dark operation red 0‘26 </p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Wenn der Krieg die Geschäftsgrundlage ist, ist das Interesse an Frieden in der Regel nicht besonders groß. Das war immer wieder ein Problem beim Einsatz von Söldner-Truppen, sagt Martin Clauss. </p>
<p>O-TON 13 </p>
<p>Der Auftraggeber möchte ja in der Regel eine bestimmte Konstellation militärisch gelöst haben. Und wenn sie dann gelöst ist, dann soll eben auch die ganze Sache vorbei sein. Dann sollen die Söldner nach Hause gehen. Die Zahlungen sollen eingestellt werden. Und die Söldner auf der anderen Seite, gerade wenn zwei Söldnerheere gegeneinander agieren, haben dann ein Interesse daran, den Konflikt einfach immer, ich sag mal, auf kleiner Flamme am Laufen zu halten, damit eben immer das Geld weiter fließt. </p>
<p>MUSIK:  Dark operation red 0‘22</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Doch warum zogen junge Männer überhaupt für andere Herrscher in den Krieg? Eines der Hauptmotive waren gute Einkommensmöglichkeiten. Lennart Gilhaus: </p>
<p>O-TON 14 </p>
<p>Wenn man eben ein junger Mann ist, vielleicht der zweite oder dritte Sohn, der kein Auskommen auf dem väterlichen Hof irgendwo im Hinterland der Peloponnes hat, dann wird man für kurze Zeit Söldner und versuchte, sein Auskommen zu finden. Aber für die wenigsten Menschen ist das ein Lebensweg, den man über viele Jahre eigentlich gehen möchte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bei den Griechen gab es sogar professionelle Anwerber, meist ehemalige Soldaten, die mit ihrem Reichtum und ihren Erfolgen prahlten. Auch einige andere Völker ließen sich gerne anwerben – wie später etwa die Schweizer Reisläufer. Es handelte sich um junge Männer, die für die Feldzüge auf Reisen waren - daher der Name. Der Chemnitzer Historiker Martin Clauss. </p>
<p>O-TON 15 </p>
<p>Das waren Fußkämpfer, sehr, sehr professionelle, sehr erfolgreiche, sehr effiziente Fußkämpfer, die dann irgendwann aufgrund dieser Professionalität das zum Geschäft gemacht haben. Also weil die einfach auf den Schlachtfeldern Europas in einer bestimmten Zeit, 14., 15., Anfang des 16. Jahrhunderts so erfolgreich waren, dass sie sehr viel Angebote bekommen haben. Das war sozusagen eine Marke. (…) Und das hat dann quasi als Geschäftsmodell so gut funktioniert, dass die Schweizer damit europaweit ein Stück weit die Schlachtfelder beherrscht haben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Reisläufer führten unter anderem für Frankreich, Spanien, Österreich, Ungarn und die Niederlande Krieg. Einige Familien stellten ganze Armeen zusammen und sandten diese in den Krieg. Sie verdienten mit den exzellenten Söldnern ein Vermögen. </p>
<p>Musik:  March to war 2   0‘41</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erste Zweifel an diesem erfolgreichen Geschäftsmodells kamen im Jahr 1709 mit der Schlacht von Malplaquet auf. Englisch-holländische und kaiserliche Heere standen französischen Truppen gegenüber. Schweizer Söldner leisteten auf beiden Seiten Dienst und töteten sich gegenseitig. 8.000 Eidgenossen sollen bei der Schlacht ihr Leben gelassen haben. Dieser Bruderkrieg sorgte für heftige Diskussionen. Seit 1859 ist Schweizern der Dienst in fremden Armeen offiziell verboten. </p>
<p>Musik:  Vatikanhymne  0‘48</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine Ausnahme von dem Verbot ist die 1506 gegründete päpstliche Schweizergarde. Es gelten strenge Regeln für junge Männer, die Gardist werden wollen: Sie müssen unter anderem praktizierende Katholiken, Schweizer Bürger und beim Eintritt ledig sein. Zudem wird eine abgeschlossene Rekrutenschule der Schweizer Armee vorausgesetzt. Die Gardisten – bewaffnet mit Schwert und Hellebarde - erhalten kostenlose Unterkunft und Verpflegung im Vatikan, aber ein vergleichsweise geringes Gehalt – für die jungen Männer scheint meist der Ruhm der alt-ehrwürdigen Einheit eine Rolle zu spielen, um sich für mindestens 26 Monate zu verpflichten. </p>
<p>MUSIK  hoch</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Söldnertum war lange Zeit die dominierende Form der Rekrutierung von Streitkräften in Europa – dies änderte sich erst mit der Französischen Revolution. Bei der sogenannten Leveé en masse, der Massenaushebung, handelte es sich um eine Form der Wehrpflicht, erklärt Johann Schmid.  </p>
<p>O-TON 16 </p>
<p>Damit wurden Soldaten billig, Massen verfügbar und das führte dann umgehend auch zu einer Radikalisierung der Kriegführung. Das ermöglichte gewissermaßen erst eine Kriegführung im Stile Napoleons, bei der man auf die Schlachtentscheidung setzen konnte und Schlachten annehmen und schlagen konnte, ohne Rücksicht auf Verluste, weil die wehrpflichtigen Soldaten im Vergleich zu Söldnern billig waren und einfach ersetzt werden konnte.</p>
<p>Musik: East attack 0‘18</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Neben Geld können übrigens auch ideologische Gründe für Söldner eine Rolle spielen, wie das Beispiel der Terrororganisation Islamischer Staat, kurz IS, zeigt. Johann Schmid: </p>
<p>O-TON 17 </p>
<p>Das Phänomen, dass junge Männer, Frauen aus europäischen Ländern, auch aus Deutschland, auf eigene Faust in den Krieg ziehen, haben wir ja im größeren Maßstab 2014, 15 gesehen als Tausende junge Männer und Frauen aus Europa (…) dem sogenannten Islamischen Staat nach Syrien und in den Irak folgten, und sich als Kämpfer angeschlossen haben. Hier ist sicherlich nicht das monetäre Motiv im Vordergrund, sondern gewissermaßen die Möglichkeit, Macht, Ideologie oder einen spezifischen Lebensstil ausleben zu können oder auch mit Blick auf jenseitige Orientierungen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Angeworben wurden die Muslime oft über Propaganda-Videos in sozialen Netzwerken, in denen der Tod als Märtyrer idealisiert wurde. Viele, auch westliche IS-Terroristen starben in Gefechten. Andere kehrten oft radikalisiert wieder zurück. Der Staatswissenschaftler Johann Schmid. </p>
<p>O-TON 18 </p>
<p>Besonders problematisch in diesem Kontext ist, dass der Auftraggeber hier eine als Staat auftretende Terrororganisation ist, bei der Terror, Terrorismus, Folter und Mord zum Handwerkszeug gehören, mit der auch eine ideologische Radikalisierung islamistischer Prägung einhergeht und mit der letztendlich radikale totalitäre Zielsetzungen - Stichwort weltweites Kalifat - verfolgt werden. Und wo sich dann natürlich auch Betätigungsfelder nach Rückkehr aus dem Einsatz in Anführungszeichen nach Deutschland, nach Europa ergeben. Denken wir an die Terroranschläge in Paris auf das Bataclan, in Brüssel auf den Flughafen oder in Berlin auf den Weihnachtsmarkt. </p>
<p>MUSIK: Contant fear red 0‘27 </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Viele Länder setzen heutzutage auf reguläre Armeen. Dennoch haben Söldner – in Zeiten des Outsourcings und Sparens – weiter eine Zukunft, besonders, weil Kriege und Konflikte zunehmend in hybrider Form ausgetragen werden. Johann Schmid: </p>
<p>O-TON 19 </p>
<p>Das heißt, dass bewusst in Grauzonen diverser Schnittstellen operiert wird, also in den Schnittstellen beispielsweise zwischen Krieg und Frieden, zwischen Freund und Feind, zwischen innerer und äußerer Sicherheit, zivilen und militärischen, staatlichen und nichtstaatlichen Verantwortungsbereichen, dass dabei insbesondere auch unorthodoxe Mittel- und Methoden-Kombinationen zum Tragen kommen können. (…) </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das heißt: Söldner werden auch immer wieder für Operationen einsetzt, für die Staaten zum Beispiel aus rechtlichen Gründen keine regulären Soldaten einsetzen können oder möchten. </p>
<p>O-TON 20 </p>
<p>Und damit einher geht häufig das Streben der Hauptakteure dahinter nach Ambiguität, nach Verschleierung, nach plausibler Abstreitbarkeit einer eigenen Beteiligung und für derart unorthodoxes Operieren in der hybriden Grauzone von Schnittstellen,</p>
<p>Foreboding of war (alternativ) 0‘34</p>
<p>dafür sind Söldner-Formationen besonders geeignet, weil man sie passgenau aufstellen oder einkaufen kann, weil man sie als Stellvertreter einsetzen kann, um den Auftraggeber aus der Schusslinie zu nehmen und weil man sie eben auch für Aufgaben in der Grauzone einsetzen kann, für die reguläre Streitkräfte so hier nicht infrage kommen. </p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Klimawandel und Wildtierwanderungen - Wenn Tier neue Wege gehen müssen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/klimawandel-und-wildtierwanderungen-wenn-tier-neue-wege-gehen-muessen/2106550</link>
      <pubDate>Mon, 16 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">54975ac9-7095-46f3-b301-657213456ccb</guid>
      <description>Zugvögel, Meeressäuger oder Huftiere verändern wegen der Erderwärmung ihr Wanderverhalten. Sie nehmen Umwege, um an Wasser und Nahrung zu gelangen, suchen neue Verbreitungsgebiete, wo sie anderen Arten ins Gehege kommen. In den kälteren Lebensräumen wird es eng. Von Brigitte Kramer</description>
      <enclosure length="21778560" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106550/c/feed/klimawandel-und-wildtierwanderungen-wenn-tier-neue-wege-gehen-muessen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:41</itunes:duration>
      <itunes:author>Brigitte Kramer</itunes:author>
      <itunes:summary>Zugvögel, Meeressäuger oder Huftiere verändern wegen der Erderwärmung ihr Wanderverhalten. Sie nehmen Umwege, um an Wasser und Nahrung zu gelangen, suchen neue Verbreitungsgebiete, wo sie anderen Arten ins Gehege kommen. In den kälteren Lebensräumen wird es eng. Von Brigitte Kramer</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b7345518-8121-4938-8218-e513fa04adc8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zugvögel, Meeressäuger oder Huftiere verändern wegen der Erderwärmung ihr Wanderverhalten. Sie nehmen Umwege, um an Wasser und Nahrung zu gelangen, suchen neue Verbreitungsgebiete, wo sie anderen Arten ins Gehege kommen. In den kälteren Lebensräumen wird es eng. Von Brigitte Kramer</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Brigitte Kramer<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Carsten Fabian<br/> Technik:Susanne Harasim<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Lars Gorschlüter, NGO Save Wildlife; <br/>Mark Peter Simmonds, NGO Ocean Care (OVERVOICE); <br/>Ilse Storch, Universität Freiburg; <br/>Wibke Peters, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft; <br/>Marco Heurich, Nationalpark Bayerischer Wald</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen und IQ Wissenschaft und Forschung könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Biber, Wildtiere, heimische Natur - WirTier</strong><br/>Christian und Tina sind Wildlife-Fotografen. Mit viel Geduld und Verständnis haben sie das Vertrauen von Bibern gewonnen. Jetzt gehören sie zur tierischen Familie dazu, dürften als &quot;Biber ehrenhalber&quot; hautnah dabei sein und sogar die Biber-Babies sitten. Ob WirTier-Host Julius auch ein Schnappschuss gelingt? <a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:ca92d4b8bd723482/">HIER</a> geht es zur Folge.
<br/>
<strong>Wale - Faszinierende Wanderer der Ozeane<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wale-faszinierende-wanderer-der-ozeane/bayern-2/78758748/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<br/>
<strong>Bizarre Wanderer - Schleimpilz, Schwebfliege, Ameise<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/bizarre-wanderer-schleimpilz-schwebfliege-ameise-sommer-spezial-6/bayern-2/13675793/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Spannende Berichte über aktuelle Forschung und Kontroversen aus allen relevanten Bereichen wie Medizin, Klima, Astronomie, Technik und Gesellschaft gibt es bei IQ - Wissenschaft und Forschung:<br/> <a title="IQ - Wissenschaft und Forschung" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/iq-wissenschaft-und-forschung/5941402/"><strong>BAYERN 2 | IQ - WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG</strong></a></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Movebank, kostenlose Online-Datenbank für Tierverfolgungsdaten des Max-Planck-Institut für Tierverhalten <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.movebank.org/cms/movebank-main">HIER</a> geht es zur Website</p>
<p>Bonner Konvention, Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS) <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.cms.int/en">HIER</a> geht es zur Website </p>
<p>Atlas der Huftierwanderungen der CMS <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.cms.int/en/gium/migration-atlas">HIER</a> </p>
<p>Icarus, internationales Forschungsprojekt „Internet der Tiere“ des Max-Planck-Instituts. Tierbeobachtung in Echtzeit aus dem Weltall: <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.icarus.mpg.de/4296/projekte">HIER</a></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Alexander Pschera: &quot;Das Internet der Tiere&quot; - Der neue Dialog zwischen Mensch und Natur. Verlag Matthes &amp; Seitz, Berlin</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-zugvoegel-tierwanderung-klimawandel-erderwaermung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>

<p>Stare sammeln sich zur großen Reise. Einige verbringen den Winter in milden Gegenden Mitteleuropas, die meisten aber ziehen in den westlichen Mittelmeerraum, bisher zumindest. Mit dem Klimawandel ändert sich nun ihr Zugverhalten. Wichtige Schlüsselreize wie Licht oder Temperatur verschieben sich. Deshalb überwintern manche Zugvögel mittlerweile bei uns, wie Störche oder Kraniche, andere ziehen später im Jahr in die Ferne oder kommen später zurück, wie der Kuckuck. </p>
<p>ATMO 1 hoch, dann web</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Die Erderwärmung beeinflusst nicht nur Zugvögel. Auch viele andere wandernde Tierarten, in der Luft, an Land oder im Wasser kommen durcheinander. </p>
<p>ATMO 2 Große Huftierherde in Bewegung hoch</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Viele große und kleine Tiere bewegen sich regelmäßig in Raum und Zeit. Saisonal, wie das Rotwild, das im Frühjahr zum Äsen in höhere Berglagen zieht. Oder Buckelwale: Sie verbringen die warme Jahreszeit rund um die Polkappen. Andere legen während der Regenzeit viele hunderte Kilometer zurück, wie Elefanten oder Zebras, oder verändern ihren Standort im Tag- und Nachtrhythmus ...</p>
<p>ATMO 2 etwas stehen lassen, dann BLENDE ATMO 3 Schnüffelnder, raschelnder Vielfraß oder ein anderes marderartiges Tier (machen ziemlich viele Geräusche)</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>… Oder streifen permanent in ihrem Revier herum …</p>
<p>ATMO 3 hoch, etwas stehen lassen, dann BLENDE ATMO 4 Wolf läuft hechelnd durch die Landschaft </p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>… manche Raubtiere verlassen im jugendlichen Alter ihr Rudel, um sich ein neues Revier zu suchen. Abwanderung oder Dispersal (englisch ausgesprochen) nennt man das.</p>
<p>ATMO 4 Wolf läuft hechelnd hoch, dann weg</p>
<p>Musik Meandering 0´55´´unter:</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Aus der Ferne betrachtet gleicht der Planet Erde einem „pulsierenden Gesamtorganismus, dem die vielen sich stets in Bewegung befindenden Lebewesen Leben einhauchen“, wie das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie das nennt. </p>
<p>Tierwanderung ist begründet durch das Vorhandensein von Nahrung, Geschlechtspartnern oder Fressfeinden und durch so genannte abiotische Faktoren wie Licht, Wasser oder Temperatur. Kurz: Ein Zusammenspiel von vielen Elementen. Verändert sich der Lebensraum, vorübergehend oder dauerhaft, suchen Tiere alternative Habitate. Doch nicht alle Arten können ausweichen.</p>
<p>ATMO 5 Auerhuhn (balzend zum Beispiel)</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Auch das Auerhuhn ist Teil dieses Gesamtorganismus’. Seine Wanderung ist nicht so spektakulär wie die der Starschwärme, nicht so auffällig wie die der Zebraherden. </p>
<p>ATMO 5 Auerhuhn </p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Auf seinen kurzen Beinen streift der Hühnervogel durch lichte Nadelwälder mit wenig Unterholz. Dort findet er sein Futter, Heidelbeeren und Ameisen zum Beispiel, dort kann er brüten. Ilse Storch leitet den Lehrstuhl für Wildtierökologie und -management an der Universität Freiburg und forscht seit den 1980er Jahren zu den Auerhühnern in den bayerischen Voralpen:</p>
<p>01 Zsp. Wildtierwanderungen - Ilse Storch</p>
<p>Da war damals eigentlich im gesamten Bergwald das Auerhuhn verbreitet. Es kam also auch in Höhen von 700, 800 Metern vor, und mittlerweile finden Sie unter Höhen von 1.000 oder auch 1.200 Metern fast keine Auerhuhn-Nachweise mehr.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Auerhuhn zieht „seinem“ Wald nach, in kühlere Berglagen. Denn unten passt nichts mehr:</p>
<p>02 Zsp. Wildtierwanderungen Ilse Storch</p>
<p>Diese Wälder sind sehr viel dichter geworden. Das bezieht sich aber jetzt nicht nur auf die Bäume, sondern vor allem auch auf die Bodenvegetation. Wo früher so 10, 20, 30 Zentimeter hohe Heidelbeeren vorgeherrscht haben, finden wir jetzt Brombeerdickichte, Brennnesseln, also allgemein Hochstaudenfluren, die von den geringeren Winterstrengen, also den höheren Temperaturen, massive Vorteile haben und die in den tieferen Lagen so dicht geworden ist, dass Auerhühner, die weitgehend zu Fuß unterwegs sind, zumindest im Sommerhalbjahr da nicht mit klarkommen, vor allem mit der Jungenaufzucht nicht klarkommen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch der Umzug hilft dem Tier nur mittelfristig zu überleben:</p>
<p>03 Zsp. Wildtierwanderungen Ilse Storch</p>
<p>Das kann bis zur Waldgrenze ausweichen. Über die Waldgrenze hinaus gehen Auerhühner so gut wie nicht. Da haben wir dann die kleineren Verwandten, Birkhuhn und Alpenschneehuhn. Da sieht man das auch schon deutlich, dass die in den letzten paar Jahrzehnten im Schnitt 100 bis 150 Meter weiter oben am Berg beobachtet werden. Und da ist abzusehen, dass für die die Luft wirklich früher oder später durch den Klimawandel eng wird.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Vor allem die an die Kälte angepassten Tiere haben es schwer: Nach oben, in kältere Berglagen, oder nach Norden, hin zu den Polen, wird es eng. Forscher haben im Schweizerischen Nationalpark beobachtet … </p>
<p>ATMO 6 windiger Berggipfel hoch, dann weg</p>
<p>04 Zsp. Wildtierwanderungen Wibke Peters</p>
<p>… dass an heißen Tagen oder während heißer Sommer das Gamswild auch verstärkt den Wald als Lebensraum nutzt. Das macht insofern Sinn, dass die Gams eben schon in den hohen Lagen lebt und irgendwann geht es halt nicht mehr höher. Das heißt, um eben Schutz vor heißer Witterung zu finden, nutzt sie da die Überschirmung von bewaldeten Bereichen.</p>
<p>ATMO 6 windiger Berggipfel hoch, dann weg</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Das sagt Wibke Peters von der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Peters forscht unter anderem im Bayerischen Wald und hat auch Moschusochsen in der Arktis beobachtet.</p>
<p>M Land breezes  0´25´´unter:</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Moschusochsen sind stämmige Paarhufer, die mit den Ziegen verwandt sind. Dank üppigem Fettpolster und zotteligem Fell sind sie gut an die arktische Tundra angepasst. </p>
<p>ATMO 7 weg</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch es gibt immer weniger Moschusochsen. Wibke Peters hat folgende Erklärungen dafür gefunden:</p>
<p>05 Zsp. Wildtierwanderungen Wibke Peters</p>
<p>Das eine ist eben, dass sich die arktischen Lebensräume so verändern, dass sie Habitate für andere Arten bieten, in dem Falle zum Beispiel Elche, die weiter nach Norden kommen, weil dort die Strauchschicht mittlerweile schon wieder so etabliert ist, dass sie auch im Winter Nahrung finden und dass dadurch Moschusochsen und Elche, zum Teil auch Rentiere, stärker überlappen und sich dieses Gefüge von den Huftierarten verändert hat und es da auch zu Konkurrenzbeziehungen kommt.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Der Moschusochse hat sich nicht bewegt – andere Arten dringen in sein Verbreitungsgebiet ein:</p>
<p>06 Zsp. Wildtierwanderungen Wibke Peters</p>
<p>Dazu kommen dann noch Veränderungen hinsichtlich zum Beispiel von Parasiten. Bei den Moschusochsen ist zum Beispiel der Lungenwurm einer der Parasiten, der den Populationen zu schaffen macht und der auch aufgrund der besseren klimatischen Verhältnisse seinen Reproduktionskreislauf schneller durchführen kann.</p>
<p>ATMO 7 arktische Tundra hoch, dann weg</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Mit dem Klimawandel verändern sich die Lebensräume drastisch und erdgeschichtlich betrachtet plötzlich. Was gestern noch galt, führt heute ins Leere – die Futterrouten der Buckelwale zum Beispiel: </p>
<p>BLENDE ATMO 7/ ATMO 8 Buckelwale</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Buckelwale sind große Wanderer. Den Sommer verbringen sie in polaren Meeren, den Winter in tropischen und subtropischen Gewässern.</p>
<p>ATMO 8 Buckelwale hoch</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Mark Peter Simmonds (sprich Maark Pieter Simmonts) von der Meeresschutzorganisation Ocean Care erforscht Meeressäuger seit Jahrzehnten:</p>
<p>07 + 8 Zsp. Wildtierwanderungen Mark Simmonds </p>
<p>OV-männlich</p>
<p>Als ich vor einigen Jahrzehnten begann, mich mit diesem Thema zu befassen, war das alles noch sehr theoretisch. Wir rechneten damit, dass insbesondere bei den wandernden Walen, die Tausende von Kilometern zwischen ihren Futterplätzen und ihren Brutgebieten zurücklegen, wahrscheinlich eine gewisse Bewegung in diesen Populationen stattfinden würde, dass sie Probleme bei der Nahrungssuche bekommen würden …</p>
<p>… und die Wachstumsblüten, die riesigen Mengen an Plankton, die sie normalerweise für ihre jährliche Hauptnahrungszeit erwarten würden, sind vielleicht nicht da, oder sie haben sich verändert oder sind woanders. Das waren also eher theoretische Befürchtungen, aber jetzt sehen wir, dass es dafür klare Beweise gibt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erste Folgen des Futtermangels sind schon zu beobachten:</p>
<p>09 Zsp. Wildtierwanderungen Mark Simmonds </p>
<p>OV-männlich</p>
<p>Es ist natürlich schwierig, dies zu untersuchen, weil das in sehr großem Maßstab passiert, bei Tieren, die ziemlich schwer zu fassen sind. Aber wir sehen, dass die Tiere dünner werden. Und die andere Auswirkung ist, dass sich das Intervall zwischen der Geburt von Kälbern verändert.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Atlantische Nordkaper, ein stark bedrohter Vertreter der Glattwale, bekommt heute nicht mehr alle drei bis fünf Jahre Nachwuchs, sondern nur noch [] alle sechs bis zehn Jahre. Es drängt sich die Frage auf, ob Meeressäuger ihre Wanderrouten neu ausrichten können und falls ja, wie schnell.</p>
<p>10 Zsp. Wildtierwanderungen Mark Simmonds </p>
<p>OV-männlich</p>
<p>Das sind hochentwickelte Säugetiere, die voneinander lernen. Bei diesen langen Wanderungen begleiten die Jungtiere, wenn sie zum ersten Mal die Kalbungsgebiete in den warmen Gewässern verlassen, ihre Mütter und den Rest der Gruppe. Sie ziehen nach Norden oder Süden und lernen die Route. Ich bin sicher, es ist eine Mischung aus verschiedenen Signalen. Einiges davon wird wohl akustisch sein, denn sie „hören“ ihre Welt: Seeberge, Täler, solche Dinge.</p>
<p>Atmo Buckelwale weiter oder hier nochmal</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Hochentwickelt und sehr intelligent, das weiß man von Walen. Und trotzdem sind viele Meeressäuger sehr anfällig für Veränderungen, eben wegen ihres großräumigen, saisonalen Wanderverhaltens:</p>
<p>11 Zsp. Wildtierwanderungen Mark Simmonds</p>
<p>OV-männlich</p>
<p>Sie haben die meiste Zeit des Jahres ohne Futter verbracht. Sie haben ihre Brutzeit hinter sich, sie sind erschöpft. Ihre Batterie ist leer. Und sie kommen an ihrem Futterplatz an, an dem sie sich wieder aufladen müssen. Und sie erwarten, dass sie dort Nahrung finden. Und es ist nichts da. Wie viel Plastizität ist in ihrem Verhalten vorhanden, damit sie sich etwas weiterbewegen, um zu versuchen, etwas zu finden? Wir wissen es nicht.</p>
<p>Musik In the Water 1´30´´unter:</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Neuronale Plastizität, also die Anpassungsfähigkeit des Nervensystems an besondere, neue Umgebungs- und Lebensbedingungen, ist ein wichtiger Begriff im Zusammenhang von Klimawandel und Anpassung. Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnareale verändern zwecks Optimierung laufender Prozesse ihre Beschaffenheit und ihre Funktion. Erlebtes verankert sich im Gehirn und führt zu neuem Verhalten, im Fall der Buckelwale wäre das die Wahl einer neuen Route, die zu ausreichendem Futter führt. Bei den Tieren im Nordatlantik oder in anderen, großen Ozeanen, gehen Walexperten davon aus, dass sie sich in gewissem Maße anpassen werden. In kleinen Meeren wie dem Mittelmeer, ist das schwieriger. Finnwale beispielsweise können dort angesichts der Wassererwärmung nicht nach Norden weiterziehen, weil sie auf die europäische Landmasse treffen. Dazu kommt ein anderes Problem: Viele Meerestiere verlassen als Anpassungsmaßnahme ihre Schutzgebiete und geraten dabei in für sie gefährliche Gewässer: Fischerei, Schiffsverkehr, Unterwasserlärm bedrohen sie. Die Schutzgebiete müssten also dorthin verlagert werden, wo sich die Tiere aufhalten.</p>
<p>Musik Circular motion  1´25´´ unter:</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Um alte und neue Routen und Verbreitungsgebiete besser zu erfassen, gibt es internationale Forschungsprojekte. Eines heißt Icarus. Es wurde vom Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung initiiert und ist auch als das „Internet der Tiere“ bekannt: Die Forscher rüsten unterschiedliche Tierarten mit Minisendern aus, die ihre Messdaten an eine Empfangsstation im All schicken. Diese übermittelt die Daten in Echtzeit an eine Bodenstation, von dort gelangen sie an die jeweiligen Forscherteams. </p>
<p>Musik weiter</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Die „Bonner Konvention“, das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Erhaltung der wandernden, wild lebenden Tierarten, kurz CMS (englisch aussprechen), erarbeitet seit dem Jahr 2010 den „Atlas der Huftierwanderungen“. Wissenschaftler erfassen Daten über die Migrationskorridore einer Vielzahl von Arten: Gnus in der Serengeti, Saigas in der zentralasiatischen Steppe, Rothirsche im Bayerischen Wald. Der Atlas wird ständig aktualisiert und soll den Schutz der Routen und also der Tiere erleichtern.</p>
<p>ATMO 2 Große Huftierherde in Bewegung, etwas stehen lassen, dann weg</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wibke Peters von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft arbeitet mit am „Atlas der Huftierwanderungen“. Sie kennt sich nicht nur mit den arktischen Moschusochsen, sondern auch mit heimischen Rehen und Rotwild aus. Peters beobachtet und erfasst ihre saisonalen Bewegungen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet, im Nationalpark Bayerischer Wald und dem benachbarten Nationalpark Šumava.</p>
<p>ATMO 9 Waldmasse (Wipfel im Wind oder ähnlich) </p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Peters und ihre Mitarbeiter haben mehr als 70 Rothirsche mit Sendern ausgestattet, um zu erfahren, welche Tiere wann wohin wandern.</p>
<p>12 Zsp. Wildtierwanderungen Wibke Peters</p>
<p>Was wir festgestellt haben, ist, dass sie teilmigrierend sind. Das heißt, nicht alle Tiere der Populationen wandern. Wir hatten auch Altdaten zur Verfügung und konnten da feststellen, dass sich zwar der Anteil der Tiere, die wandern, saisonal nicht verändert hat, aber dass sich der Migrationszeitpunkt verschoben hat. Und zwar war er noch vor 15 Jahren früher, als er es jetzt ist, und wir können daraus schlussfolgern, dass dies auch mit den insgesamt milderen Wintern zusammenhängt. Das heißt, die Tiere kriegen im Grunde dieses Signal ‚Aha, ich sollte jetzt in meinen Wintereinstand zurückwandern‘, erst deutlich später mit.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Für Rehe und Rothirsche bedeutet der Klimawandel weniger Stress im Winter. Auch andere Tiere haben Vorteile. Der Goldschakal zum Beispiel ...</p>
<p>ATMO 8 Goldschakal (heulend zum Beispiel)</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>.. ein kleiner Verwandter des Wolfes. Er breitet sich in Europa immer mehr nach Westen und Norden aus. </p>
<p>ATMO 8 weg </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Warum? Marco Heurich vom Nationalpark Bayerischer Wald:</p>
<p>14 Zsp. Wildtierwanderungen Marco Heurich</p>
<p>Da weiß man noch nicht so genau, woran das liegt. Ob das an den besseren Lebensraumbedingungen in Ungarn, Kroatien, den Hauptverbreitungsgebieten aktuell, liegt und sich die Tiere ausbreiten. Wissen tut man, dass die Tiere im Mittelmeerbereich und in wärmeren Bereichen bislang gelebt haben und dass vielleicht auch die Klimaveränderungen dazu einen Beitrag leistet, dass die sich nun auch Richtung Mitteleuropa ausdehnen.</p>
<p>[SPRECHERIN</p>
<p>Goldschakale sind territoriale Tiere, die Nagetiere, Vögel oder Amphibien fressen. Sie profitieren hierzulande von der geringen Wolfsdichte.]</p>
<p>15 Zsp. Wildtierwanderungen Marco Heurich</p>
<p>Es ist eine mehr oder weniger natürliche Ausbreitung. Deswegen kann man den Goldschakal auch nicht als invasive Art betrachten, die jetzt vom Mensch quasi in das Gebiet gebracht wurde. Aber es ist natürlich eine Art, die von der Größe her so zwischen Fuchs und Wolf ist. Und letztendlich ist es auch wieder ein mittelgroßer Beutegreifer, der in die Landschaft kommt und das kann zu Konflikten dann letztendlich führen.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Breitet sich der Goldschakal weiter aus, wird vermutlich der Fuchs zurückgedrängt, weil die beiden dieselben Beutetiere und denselben Lebensraum bevorzugen. </p>
<p>[ATMO 8 Schakal, dann BLENDE ATMO 9 Wildkatze</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Noch eine Art, die profitiert, ist die Wildkatze. Sie verbreitet sich langsam aber stetig in den Alpen. Marco Heurich:                                                 </p>
<p>16 Zsp. Wildtierwanderungen Marco Heurich</p>
<p>Wir haben die Wildkatzen erst in den letzten Jahren im inneren Bayerischen Wald überhaupt nachweisen können und dies hängt damit zusammen, dass wir weniger Schneelage haben, die Winter weniger streng sind.</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Weil die Schneedecke nicht mehr so lange geschlossen auf der Landschaft liegt wie früher, finden die Wildkatzen mehr Mäuse.] Tiere gestalten ihren Lebensraum. Sie sind Teil der Nahrungskette, fressen und werden gefressen, haben Nachwuchs … und verändern damit ihre Umwelt. Ziehen sie weg, hat das oft drastische Folgen: </p>
<p>17 Zsp. Wildtierwanderungen Marco Heurich</p>
<p>Letztendlich ist dieses Wanderverhalten dann auch wichtig, beispielsweise weil Rotwild oder Rehwild auch Pflanzensamen verbreiten. Und da spielen die dann auch eine sehr wichtige Rolle. Das heißt, Pflanzen werden vom Tal in den Berg transportiert oder vom Berg in das Tal, oder auch beim Dispersal über lange Strecken. Das unterstützt auch die Pflanzen, sich an den Klimawandel anzupassen. </p>
<p>Musik Altitude 1´10´´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Langzeitstudien zeigen deutlich den Einfluss des Klimawandels auf Verbreitungsgebiete und Wanderverhalten der Arten. In den Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden werden seit den 1970er Jahren Daten erfasst: Damals mit Telemetrie, also mit Antennen und Sensoren, heute mit GPS-Halsband und Mobilfunkmodem, die exakte Standorte in Echtzeit vermittelt. Auch Fotofallen erfassen die Anwesenheit einer Art. Sie nehmen alles auf, was sich bewegt, und generieren eine Menge Daten. Dank künstlicher Intelligenz werden diese mit geringem Aufwand ausgewertet. Klimawandel und Wildtierwanderung. Ein Prozess, bei dem sich die Arbeit der Wissenschaftler oft auf Zuschauen und Daten erfassen begrenzt. Können daraus auch Schutzmaßnahmen folgen? Was können wir tun? Ilse Storch, Auerhuhn-Expertin an der Uni Freiburg ist pragmatisch:                                                                                                                    </p>
<p>18 Zsp. Wildtierwanderungen llse Storch</p>
<p>Man sollte, wo es um Schutzkonzepte fürs Auerhuhn geht, auf die Gebiete Priorität legen, die noch Auerhuhn geeignete Vegetationsstruktur haben werden. Und das sind die höheren Lagen in zentraleren Bereichen der Alpen in Österreich, in der Schweiz, in Südtirol, die sicherlich bessere Überlebenschancen für Auerhühner mittelfristig gesehen bieten, als das die bayerischen Alpen tun. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In den Bayerischen Alpen werden die Auerhühner wohl aussterben, weil sich die Landschaft verändert und ihnen keinen Lebensraum mehr bietet. Die Folgen des Klimawandels können auch im Meer nicht mehr abgewendet werden. Mark Peter Simmonds:</p>
<p>19 Zsp. Wildtierwanderungen Mark Simmonds </p>
<p>OV-männlich</p>
<p>Es ist sehr schwierig, den Klimawandel zu bekämpfen. Wir müssen ihn angehen, wir müssen ihn angehen! Aber das wird weder schnell gehen, noch wird es einfach werden. Also ich denke, es ist wichtig, für Wale, für Meeressäuger, dass wir den anderen Druck von ihnen nehmen, indem wir versuchen, Schiffskollisionen vermeiden, oder die negativen Folgen der Fischerei auf Wale zu bekämpfen. Im Mittelmeer gibt es gute Resultate bei der Umleitung der Schifffahrt, weg von ihren Lebensräumen. Das sind alles Maßnahmen, die wir dringend ergreifen müssen.</p>
<p>ATMO 10 Elefanten auf Wanderung, etwas stehen lassen</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Lars Gorschlüter greift direkt ein. Seine NGO Save Wildlife betreibt in Botswana seit dem Jahr 2010 mehr als 50 Artenschutzprojekte. Das Land hat eine der größten Elefantendichten Afrikas.</p>
<p>ATMO 10 Elefanten auf Wanderung kurz hoch, dann weg</p>
<p>20 Zsp. Wildtierwanderungen Lars Gorschlüter</p>
<p>In der Regenzeit, sobald der Regen gerade eingesetzt hat, ist es so, dass die Elefanten im Grunde alle verschwinden. Sie ziehen dann alle ähnlich wie die Zebras auch, in ein Gebiet rein, das ist dann im Chobe-Nationalpark, im nördlichen Bereich. Da sind plötzlich hunderte Tiere, die zusammen migrieren, dort. Nach ein, zwei Wochen kommen sie dann auch wieder.</p>
<p>SPRECHERIN drüber</p>
<p>Seit rund fünf Jahren sind die Folgen des Klimawandels dort deutlich zu spüren: Die Landschaft wird immer trockener, Fluss- und Regenwasser fehlen. Gorschlüters Mitarbeiter bohren Brunnen und legen Wasserlöcher entlang der Elefantenpfade an: </p>
<p>21 Zsp. Wildtierwanderungen Lars Gorschlüter</p>
<p>Solange die Elefanten Wasser auf ihren Routen finden, folgen sie denen weiter. Sie folgen dort wahrscheinlich auch Jahrhunderte alten Urinstinkten oder auch Wissen, was sie von Älteren übertragen bekommen haben. Natürlich müsste man im Bestfall die alten Wanderrouten wiederherstellen und das ist eigentlich die ganze Aufgabe, der wir uns stellen müssen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Siedlungen, Straßen, Zäune versperren den Elefanten oft den Weg. Die Folge: Die tonnenschweren Tiere dringen auf der Suche nach Futter oder Wasser in Siedlungen ein, fressen oder zertrampeln Ernten. Konflikte mit Elefanten auf Abwegen sind in Botswana an der Tagesordnung. Deshalb ist es wichtig, die Tiere auf ihren alten Wegen zu halten, mit angelegten Wasserlöchern zum Beispiel.</p>
<p>Musik Sad stories 4    1´15´´ unter:</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p></p>
<p>Wasserlöcher bohren ist eine direkte, kurzfristige Lösung, die sich relativ leicht umsetzen lässt und Elefanten auf ihren Migrationsrouten hilft. Anderswo, im Meer beispielsweise, müssen Tiere allein mit den Veränderungen zurechtkommen. Veränderungen, die nicht mehr zu stoppen sind und sich rasch vollziehen. Migration ist in Zeiten des Klimawandels eine Chance, denn sie ermöglicht das Ausweichen auf andere Lebensräume. Das eigene Verbreitungsgebiet oder alte Wanderrouten zu verlassen, kann aber auch fatal enden. Viele Arten sind einem enormen Anpassungsdruck ausgesetzt. Andere Arten dagegen gewinnen. und sie können ihr Verbreitungsgebiet ausweiten oder müssen gar nicht mehr wandern. Die Erde erwärmt sich, und eines steht fest: der „Gesamtorganismus Planet Erde“ ist in Aufruhr.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Blitze - Extrem und zunehmend gefährlich</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/blitze-extrem-und-zunehmend-gefaehrlich/1818984</link>
      <pubDate>Mon, 16 Jun 2025 01:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">589eb3ff-2d99-42dc-8b0d-969107ec5da5</guid>
      <description>Sie gehören zu den eindrucksvollsten und gefährlichsten Naturschauspielen - Blitze. Ihre Gesamtzahl nimmt durch die Klimaerwärmung weltweit zu. Warum ist das so und warum blitzt es in manchen Regionen weniger?  Von Roana Brogsitter (BR 2021)  </description>
      <enclosure length="21792768" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1818984/c/feed/blitze-extrem-und-zunehmend-gefaehrlich.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:42</itunes:duration>
      <itunes:author>Roana Brogsitter</itunes:author>
      <itunes:summary>Sie gehören zu den eindrucksvollsten und gefährlichsten Naturschauspielen - Blitze. Ihre Gesamtzahl nimmt durch die Klimaerwärmung weltweit zu. Warum ist das so und warum blitzt es in manchen Regionen weniger?  Von Roana Brogsitter (BR 2021)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/480266e1-2306-46bf-965c-974e7c175ffa.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie gehören zu den eindrucksvollsten und gefährlichsten Naturschauspielen - Blitze. Ihre Gesamtzahl nimmt durch die Klimaerwärmung weltweit zu. Warum ist das so und warum blitzt es in manchen Regionen weniger?  Von Roana Brogsitter (BR 2021)  </p><p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Roana Brogsitter<br/> Regie: Rainer Schaller<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Frank Manhold, Johannes Hitzelberger<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Matthias Eggert</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Richard Fellner (CEO nowcast GmbH München);<br/>Robert Holzworth (Professor; Washington Universität Seattle und Direktor World Wide Lightning Location Network);<br/>Colin Price (Professor; Universität Tel Aviv);<br/>Georg Pistotnik (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Abteilung für Klimaforschung)</p>
<p> Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskriptradiowissen-4436.html">HIER</a>.</p>
<p><strong>Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Tornado, Twister, Windhose - Die Macht der Wirbelwinde<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tornado-twister-windhose-die-macht-der-wirbelwinde/bayern-2/10653317/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Hurrikans - Zerstörerische Winde in Zeiten des Klimawandels</p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hurrikans-zerstoererische-winde-in-zeiten-des-klimawandels/bayern-2/78758874/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Hitze, Hagel, Hochwasser - Städte wappnen sich für Extremwetter<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/hitze-hagel-hochwasser-staedte-wappnen-sich-fuer-extremwetter/bayern-2/78759940/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Spiegel - Reflektor unserer Sehnsüchte und Irrtümer</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-spiegel-reflektor-unserer-sehnsuechte-und-irrtuemer/2092312</link>
      <pubDate>Fri, 13 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">49efa5d4-7524-4a21-94d4-0e8bdca668c3</guid>
      <description>Ein Blick in den Spiegel macht sichtbar, was sonst unsichtbar bliebe. Schon immer sahen die Menschen mehr in ihm als einen einfachen Alltagsgegenstand. Sagt er uns die Wahrheit oder täuscht er uns? Ein Alltagsgegenstand voller Facetten. Von Silke Wolfrum (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21702144" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092312/c/feed/der-spiegel-reflektor-unserer-sehnsuechte-und-irrtuemer.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:36</itunes:duration>
      <itunes:author>Silke Wolfrum</itunes:author>
      <itunes:summary>Ein Blick in den Spiegel macht sichtbar, was sonst unsichtbar bliebe. Schon immer sahen die Menschen mehr in ihm als einen einfachen Alltagsgegenstand. Sagt er uns die Wahrheit oder täuscht er uns? Ein Alltagsgegenstand voller Facetten. Von Silke Wolfrum (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d3754948-3dcd-4791-b919-0222cc3ab738.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Blick in den Spiegel macht sichtbar, was sonst unsichtbar bliebe. Schon immer sahen die Menschen mehr in ihm als einen einfachen Alltagsgegenstand. Sagt er uns die Wahrheit oder täuscht er uns? Ein Alltagsgegenstand voller Facetten. Von Silke Wolfrum (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Silke Wolfrum<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Burchard Dabinnus, Susanne Schroeder, Andreas Dirscherl<br/> Technik: Matthieu Bar<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Fabian Estermann, Autor des Buches „Der Spiegel als Instrument zum Nachweis von Selbstbewusstsein bei Tieren. Eine Kulturgeschichte der Spiegelherstellung und des Spiegelexperiments.<br/>Prof. Dr. Heidrun Alzheimer, Lehrstuhl für Europäische Ethnologie, Bamberg; Nina-Alisa Kollakowski, promoviert zur Selbstentwicklung im Kleinkindalter an der LMU München.</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong>

<p><strong>Was unser Selbstbild bestimmt - Erleben, bewerten, vergleichen<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-unser-selbstbild-bestimmt-erleben-bewerten-vergleichen/bayern-2/13185205/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Homo pictor - Der Mensch und die Bilder<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/homo-pictor-der-mensch-und-die-bilder/bayern-2/10596221/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-spiegel-selbsterkenntnis-wahrnehmung-mythos-taeuschung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHER:</p>
<p>Vor rund 9.000 Jahren verlassen Männer die Großsiedlung Catalhöyük im heutigen Zentralanatolien und machen sich auf den beschwerlichen Weg zu zwei Vulkanen, rund 190 Kilometer entfernt. Dort finden sie Obsidian, schwarzes vulkanisches Gesteinsglas, laden es auf und schaffen es den langen Weg zurück in ihre Siedlung. Aus dem kostbaren Gestein stellen sie Werkzeuge und Pfeilspitzen her, lebenswichtig für die Gemeinschaft. Doch auch für etwas anderes lohnt sich der große Aufwand: Spiegel.</p>
<p>O-TON 01 Fabian Estermann</p>
<p>Also bis heute ist die genaue Bedeutung und Funktion der Spiegel nicht ganz klar. Die Spiegel selbst wurden lediglich in Gräbern bei Ausgrabungen entdeckt, also das heißt nicht in den Überresten der Siedlungen selbst, im Haushalt, sondern wirklich nur als Grabbeilage. Und doch geht man davon aus, dass sie nicht nur für das Grab erschaffen worden sind, sondern tatsächlich auch schon eine Funktion zu Lebzeiten erfüllten. Durch Experimente konnte man immerhin ausschließen, dass sie sich nicht zu Lichtsignalgeber oder zum Feuermachen eigneten. Und da aber die damaligen Siedler und Siedlerinnen dort bereits über eine ausgeprägte Körperkultur verfügten, geht man davon aus, dass dann auch die Spiegel dazu dienten, dass sich die Leute selber betrachten konnten, beispielsweise beim Auftragen von Rouge, um sich so wahrzunehmen, wie es dann eben doch eine dritte Person tut.</p>
<p>MUSIK 3: Crystal Memories - 52 Sek</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Uralt scheint das Bedürfnis des Menschen, sich im Spiegel zu sehen und uralt scheint auch der Respekt vor diesem facettenreichen Gegenstand. Spiegel als Grabbeigabe sind keine Seltenheit, auch in etruskischen Gräbern aus dem vorchristlichen Jahrtausend fand man welche. Zeugen sie vom Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, in dem man erneut den Spiegel braucht, um sich schön zu machen. Oder werden dem Spiegel noch andere Fähigkeiten zugeschrieben, als bloß zu reflektieren? Übersinnliche Fähigkeiten oder magische? Wobei auch die reine Reflexion es in sich hat, denn sich selbst im Spiegel zu erkennen, ist eine Leistung, die nicht jeder Mensch vollbringen kann.</p>
<p>MUSIK 4:  Up the stairs/ Down the hall – 52 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Narziss war ein wunderschöner Jüngling, in den sich Männer wie Frauen verliebten, doch er erwiderte niemandes Liebe. Eines Tages kam er an eine Quelle, um dort zu trinken. Er erblickte sich und verliebte sich in sein Spiegelbild. Doch da seine Gefühle nicht erwidert wurden, er sich aber auch nicht von dem Bilde losreißen konnte, siechte er dahin und starb.</p>
<p>MUSIK kurz hoch</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Narzissten sind für uns heute selbstsüchtige Egoisten, die sich maßlos überschätzen. In den Erzählungen des antiken römischen Dichters Ovid besteht Narziss’ Tragik jedoch gar nicht in seiner Selbstverliebtheit, vielmehr ist Narziss nicht in der Lage sich selbst auf der spiegelnden Wasseroberfläche zu erkennen. </p>
<p>O-Ton 02 Fabian Estermann</p>
<p>Er merkt nicht, dass er es selbst ist, der dort in diesen Teich guckt, sondern erblickt für ihn eine andere Person, in die er sich dann verliebt und dann vor Ort sozusagen dann zugrunde geht, weil die Liebe naturgemäß nicht erwidert wird, der Gegenüber bleibt sozusagen stumm und lässt sich nicht auf ihn ein. Und da haben wir es mit einer frühzeitigen Thematisierung dessen zu tun, dass die Fähigkeit zur Selbsterkennung im Spiegel keine Selbstverständlichkeit ist, sondern immer auch ein Prozess, der auch fehl laufen kann.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Dr. Fabian Estermann hat sich für sein Buch „Der Spiegel als Instrument zum Nachweis von Selbstbewusstsein bei Tieren“ mit der Kulturgeschichte der Spiegelherstellung und dem so genannten Markierungstest befasst. Dieser Test wurde erstmals 1970 von dem amerikanischen Psychologen Gordon Gallup an Schimpansen durchgeführt und erbrachte für Gallup den Beweis: Schimpansen verfügen über ein Selbstkonzept, sie nehmen sich als Individuum wahr.</p>
<p>O-TON 03 Fabian Estermann</p>
<p>Im Kern besteht der darin, dass dem Tier unbemerkt eine Farbmarkierung in einem Bereich aufgetragen wird, meistens im Gesichtsbereich, die das Tier ohne Spiegel nicht sehen kann. Und anschließend wird dann dem Tier ein Spiegel vorgehalten. Und wenn das Tier die Farbmarkierung dann an sich berührt, nach Sichtung des eigenen Spiegelbildes, gilt der Spiegeltest als bestanden und wird als Indiz dafür genommen, dass das Tier in der Lage ist, sich selber im Spiegel zu erkennen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das gleiche Verfahren wurde wenig später auch von Beulah Amsterdam von der University of North Carolina an Kindern durchgeführt. Ähnlich wie bei den Affen, ist das Sich-Erkennen ein Prozess, der in verschiedene Reaktions-Phasen unterteilt werden kann, erläutert Nina-Alisa Kollakowski von der LMU München.</p>
<p>O-TON 04 Alisa Kollakowski</p>
<p>Was sich da gezeigt hat, ist, dass die Kinder, wenn sie noch jung sind, also wenn sie zwölf Monate alt sind, dann zeigen Sie eher so spielerisches Verhalten vor dem Spiegel. Also es fühlt sich für die Kinder an, als wäre da ein anderes Kind im Spiegel zu sehen. Und sie versuchen dann zum Beispiel auch mal das Kind zu küssen auf den Spiegel, so, was Kinder vielleicht manchmal so in der Interaktion machen oder fangen an zu lächeln und umso älter die Kinder dann werden, so ab 14 Monaten, sieht man das, fangen die Kindern an ein bisschen ängstlich zu sein und sich eher zurückzuziehen und sind so ein bisschen erschrocken vor dem, was sie im Spiegel sehen. Und dann so mit 20 Monaten ungefähr, also kurz vor dem zweiten Geburtstag, sieht man dann, dass die Kinder anfangen, ihr eigenes Gesicht anzufassen und eben diesen roten Punkt, den sie auf der Nase haben versuchen, wegzuwischen.</p>
<p>Musik 5: Bella - 51 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Was passiert in dem Moment, in dem Kinder erkennen, dass das Gegenüber eben kein anderer Mensch ist? Was ängstigt sie? Wieso weichen sie vor dem Spiegel zurück? Für den Psychologen Philippe Rochat und den Philosophen Dan Zahavi ist das eigene Erkennen im Spiegel eine „zutiefst entfemdende Selbsterfahrung“. In ihrem Aufsatz „Der unheimliche Spiegel“ berufen sie sich auf den französischen Philosophen Maurice Merleau-Ponty und stellen fest: Nur im Spiegel sieht sich der Mensch auf einmal so, wie auch andere ihn sehen. Ohne den Spiegel haben wir niemals unser Gesicht im Blick, niemals unseren Körper als Ganzes. Und so bringt der Spiegel uns gleichzeitig Selbsterkenntnis als auch Selbstentfremdung, denn unser Bild von uns verliert seine Subjektivität, wir blicken mit Hilfe des Spiegels scheinbar „objektiv“ auf uns selbst, als wären wir selbst ein anderer. Und das kann zunächst erschrecken.</p>
<p>Musik 6: 1.1_5-illusionofchoice.mp3 - 33 Sek</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Spiegel als Mittel der Erkenntnis – dieses Bild zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählungen vieler Jahrhunderte. Jemandem den Spiegel vorhalten, heißt nichts anderes, als ihn zu Selbsterkenntnis zu führen. Und auch im übertragenen Sinn, wird der Spiegel häufig als Garant für Wahrheit und Weisheit genannt, so Prof. Dr. Heidrun Alzheimer vom Lehrstuhl für Europäische Ethnologie in Bamberg:</p>
<p>O-TON 05 Heidrun Alzheimer</p>
<p>Beichtspiegel ist eine Metapher für die Wahrheit, die einem im Spiegel entgegengehalten wird. Man nutzt Beichtspiegel dazu, dass man mögliche Verfehlungen sich nochmal vergegenwärtigt, also Gläubige, die zur Beichte gehen wollen, betreiben mit dem Beichtspiegel eine Gewissenserforschung. Und genauso als Metapher finden wir den Spiegel auch wieder im Begriff des Fürsten-Spiegels. Das waren also eigene Werke, Bücher, in denen künftige Könige und Fürsten an ihre Tugenden und Pflichten gemahnt wurden. Und durch diese Lektüre sollten sie lernen, wie gute Regierung funktioniert.</p>
<p>Musik 7: Holidays at Ravenwood - 1:12 Min</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Sokrates soll seinen Schülern empfohlen haben, regelmäßig in den Spiegel zu blicken, um über Schönheit und Vergänglichkeit nachzudenken und den eigenen Charakter zu bilden. Auch im Märchen sagen Spiegel oft die Wahrheit, auch wenn man sie nicht hören will. </p>
<p>MUSIK kurz hoch</p>
<p>ZITATOR:</p>
<p>Frau Königin, ihr seid die Schönste hier. Aber Schneewittchen über den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen ist tausendmal schöner als Ihr!</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>In vielen Geschichten können Spiegel in die Zukunft blicken oder in die Vergangenheit, ganz generell können sie Dinge zeigen, die man ohne sie nicht sehen würde und Welten eröffnen, die man ohne sie nicht betreten könnte. So geht Alice durch einen Spiegel ins Wunderland und im Film von Jean Cocteau betritt Orpheus durch einen Spiegel das Totenreich. </p>
<p>MUSIK kurz hoch</p>
<p>Spiegel können aber auch ganz konkret und praktisch, als optisches Hilfsmittel, das Blickfeld weiten, wie im Mythos der Medusa, die Perseus letztlich dank eines Spiegels besiegt.</p>
<p>O-TON 06 Fabian Estermann</p>
<p>Wie wir wissen, bewirkt der Blick der Medusa, dass die Person, die sie anschaut, versteinert. Und um genau dieser Gefahr zu entgehen, bedient sich Perseus eben einer List, nimmt die Medusa über sein Schild wahr, das heißt, das Schild fungiert hier als Spiegelfläche, die es ihm ermöglicht, seine Umgebung zu mustern, die Medusa auszumachen und sie daraufhin dann zu enthaupten, ohne Gefahr zu laufen, dass er beim Anblick versteinern würde.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Spiegel ermöglicht uns, Dinge zu sehen, die wir ohne ihn, nicht sehen könnten. Als technisch ausgeklügeltes Hilfsmittel erweitert er unseren Blick sogar ins Unendliche. Den Anfang machte Newtons berühmtes Spiegelteleskop aus dem Jahr 1668. Heute steht das größte Teleskop der Welt mit einem Spiegeldurchmesser von 39 Metern in der chilenischen Atacamawüste. Mit Hilfe dieses „Extremely Large Telescope“ wollen europäische Forscher herausfinden, wie Planeten entstehen und ob es außerirdisches Leben gibt. Doch auch der einfache Spiegel dient Menschen schon lang dazu mehr zu sehen als mit dem bloßen Auge möglich:</p>
<p>O-TON 07 Heidrun Alzheimer</p>
<p>Wir kennen das Volkacher Stadtbuch aus dem Jahr 1504, und da sehen wir Marktstände, an denen Spiegel feilgeboten werden. Es waren runde Gebilde, die eingefasst waren von einem wulstartigen Polster. Mit diesem Polster waren sie zum einen bruchsicher eingepackt, und zum anderen aber lagen sie damit auch gut in der Hand. Und Wallfahrer haben zur Reichskleinodien-Schau solche Spiegel mitgenommen, weil,</p>
<p>das muss man sich so vorstellen, dass das ein riesiger Andrang von tausenden von Leuten vor den jeweiligen Kirchen war. Die Kurfürsten haben die Reichskleinodien gezeigt und um einen Blick darauf zu erhaschen, hat man Spiegel dabeigehabt und hat dann quasi den Segen, der von diesen Objekten ausging, in dem Spiegel aufgefangen.</p>
<p>MUSIK 8: Nostalgia – Impressionism - 43 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Zur Selbst-Betrachtung waren Spiegel im Christentum lange jedoch verpönt, denn Eitelkeit galt neben Geiz und Neid als eine der sieben Todsünden, lenkte sie doch die Aufmerksamkeit von Gott ab und verschwendete damit kostbare Lebenszeit. Memento Mori, bedenke dass du sterblich bist, war das Motto des Christentums und manche Darstellungen gerade des Barock zeigen eine schöne junge Frau sich im Spiegel betrachtend, um sie herum Symbole der Vergänglichkeit. Dennoch benutzten auch Christen Spiegel, um sich selbst zu sehen, sogar die besonders frommen.</p>
<p>O-TON 08 Heidrun Alzheimer</p>
<p>Wir kennen aus barocken Frauenklöstern sogenannte Nonnenspiegel. Das war ein Spiegel, auf die man ein Medaillon mit Heiligen aufgebracht hat und zusätzlich außenherum Verzierungen aus Leonischen Drahtwaren, das waren Gold- und Silberfäden. Damit wirken diese Spiegel auf den ersten Blick wie Heiligenbilder, die man sich legitimerweise als Nonne in seine Klosterzelle gehängt hat, für Andachtsübungen, aber in den Zwischenräumen zwischen dem Heiligenbild und diesen Ornamenten außenherum konnte man sich ja doch noch erkennen. Und so haben die Nonnen ihren Wunsch kaschiert, sich im Spiegel zu betrachten und konnten das Verbot, in den Spiegel zu schauen, durch den Vorwand der Heiligenverehrung geschickt und ungestraft umgehen.</p>
<p>MUSIK 9: Me so selfie – 30 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Mancher blickt auch heute nur verschämt und ungern in den Spiegel, viele jedoch mit der größten Selbstverständlichkeit: Sich selbst in Szene zu setzen, sein äußeres Erscheinungsbild zu optimieren scheint eine Grundvoraussetzung für Erfolg zu sein und ist gesellschaftlich völlig anerkannt. Wohl kaum eine Generation bespiegelt sich so viel wie die aktuelle – Stichwort Selfie. (Musik aus) </p>
<p>Die Umdeutung von christlichen Todsünden zu erfolgsversprechenden Charaktereigenschaften ist jedoch keineswegs ein Phänomen unserer Zeit, sie begann vielmehr schon in der Renaissance und war eine Voraussetzung für die Industrialisierung, wie Heidrun Alzheimer erläutert.</p>
<p>O-TON 09 Heidrun Alzheimer</p>
<p>Also die Selbstoptimierung und der gewisse Stolz auf das, was man geleistet hat, das hätte man früher als eine Untugend oder vielleicht sogar sündhaft bezeichnet. Und seit der Renaissance und vor allem dann in der Neuzeit ist es zu einer positiven Eigenschaft umgemünzt worden.</p>
<p>Geiz wird zum Beispiel als Sparsamkeit uminterpretiert, Habgier als die Triebfeder für das Anhäufen von Kapital. Und durch dieses Kapital ist dann später erst die Industrialisierung überhaupt möglich geworden. Und der Neid fördert den Konsum, ist also auch positiv umgemünzt worden. Gefährliche Leidenschaften wurden zu Tugenden umgemünzt, und seit der Neuzeit versucht man, diese unvermeidlichen Neigungen so zu kanalisieren, dass sie den Wohlstand und das Glück der Allgemeinheit stärken oder vergrößern. </p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>In der Aufklärung verliert der Spiegel dann auch all seine magischen Komponenten, wird aber zu einem hochgeschätzten und äußerst wichtigen Alltagsgegenstand. Letztlich geht es auch hier um Selbstoptimierung.</p>
<p>O-TON 10 Heidrun Alzheimer</p>
<p>Ein berühmtes Beispiel dafür ist Johann Krünitz’ ökonomisch technologische Enzyklopädie. Darin heißt es, ohne den Spiegel würden die Menschen doch nur sehr unvollständig und mit vielen Schwierigkeiten ihre Toilette machen können. Und weiter: Er ist hierbei ein zwar stummer, aber doch sehr sicherer Ratgeber. Er ist ein Wahrsager, der nicht Schmeichler der Matronen und Greise. Er gilt als Mittel, den Körper reinlich zu erblicken, die Haare zu machen und seinen Anzug gehörig zu ordnen, überhaupt alle Teile zu betrachten, wohin das Auge allein nicht reichen kann, um ihre Mängel zu entdecken. Er ist das notwendigste Möbel vom Palast bis zur Hütte geworden.</p>
<p>MUSIK 10: 1.1_5-illusionofchoice.mp3 – siehe vorn – 25 Sek</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Je bedeutender und wichtiger es wurde, sich zu spiegeln, desto besser wurden auch die Spiegel selbst. Zunächst betrachtete man sich in polierten Kupferplatten, später wurde Kupfer durch Bronze ersetzt. </p>
<p>Im ersten Jahrhundert nach Christi stellte man dann die ersten Glasspiegel her. Diese wurden von Hand geblasen, wie Fabian Estermann erklärt:</p>
<p>O-TON 11 Fabian Estermann</p>
<p>Bereits zu dieser Zeit gab es dann schon die Glasbläserei und in diesen Glasballon wurde dann flüssiges Blei gegeben, was sich dann auf der Innenseite der Glaskugel dann sozusagen absetzte und damit diese benötigte Spiegelschicht bildete. Der Glasballon wurde dann anschließend zerteilt und diese Kleinteile wurden dann gerahmt, sodass sie besser handhabbar waren. Der Rahmen bestand geradezu Anfangszeiten, auch meistens aus Blei. Bedingt durch das Herstellungsverfahren waren diese Spiegel allerdings vergleichsweise klein, also sie hatten einen Durchmesser vielleicht von vier Zentimetern, und immer konvex, das heißt nach außen hin gewölbt, womit auch das Spiegelbild selber verzerrt war und sicherlich eben auch ein kleiner Nachteil gegenüber den Metallspiegeln, die doch eine ebene Fläche aufwiesen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Deshalb existierten Metall- und Glasspiegel auch bis ins 17. Jahrhundert nebeneinander. Erst das so genannte Schmelz-Gussverfahren aus Frankreich erlaubte es dann richtig große Glasflächen herzustellen, die dann mit Zinn verspiegelt wurden. Diese großen Spiegelflächen machten sich die Mächtigen der Zeit schnell zu Nutze: </p>
<p>Musik 11: Entrée pour la Maison de France – 19 Sek</p>
<p>Prunkvolle Spiegelsäle wie in Versailles, auf Herrenchiemsee oder in der Würzburger Residenz sollten Besucher beeindrucken und Macht demonstrieren. Neben der Repräsentation dienten Spiegel jetzt aber auch der bloßen Unterhaltung.</p>
<p>O-TON 12 Heidrun Alzheimer</p>
<p>Beim Adel waren außerdem verspiegelte Irrgärten noch sehr beliebt, so zur Unterhaltung, wenn man eine Gesellschaft gegeben hat, und dafür wurden extra sogenannte Spiegellabyrinthe angelegt und in ihnen täuschen großflächige Spiegel unendliche Korridore vor. Oder sie stellen auch Barrieren dar. Also man ist dann auf ein Spiegelbild zugelaufen in der Meinung, da geht es jetzt gleich weiter, da kommt man rechts oder links um die Ecke, und in Wirklichkeit war es eine Barriere, und man musste wieder umkehren. Für die einfachen Leute hat es ähnliche Einrichtungen gegeben, nämlich sogenannte Zerr-Spiegel. Gegen Eintritt konnte man in kleine Lachkabinette gehen und darin hat man sich dann in seinem Spiegelbild grotesk verzerrt gesehen, also extrem dick oder spindeldürr oder ganz stark verbogen.</p>
<p>Musik 12: Bella –   30 Sek</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>So wie der Spiegel also einerseits als Garant der Wahrheit und weiser Ratgeber wahrgenommen wird, so kann er auch genau das Gegenteil verkörpern: Spiegel können die Wahrheit verzerren, Durchgänge vortäuschen, die es sie gar nicht gibt, Größe und Weite vorgeben, wo in Wirklichkeit Enge herrscht. Und genauso können sie auch statt Wahrheit Unglück bringen oder auch zutiefst verunsichern. </p>
<p>O-TON 13 Heidrun Alzheimer</p>
<p>Auch ner abergläubischen Vorstellungen entspricht, dass man keinesfalls in einen zerbrochenen Spiegel reinschauen soll, also in einen Spiegelscherbe. Angeblich soll das Unglück bringen, der Mensch zerbricht selber an einer Krankheit oder an einem Unfall. Und früher gab es auch die pädagogische Vorschrift, dass man kleine Kinder bis zu einem Jahr niemals in einen Spiegel schauen lassen sollte, weil sonst bekämen sie Albträume, oder sie würden besonders eitle Menschen werden. </p>
<p>MUSIK 13: Nr. 1: The brides (orig.) – 1:06 Min</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Ist es nicht auch merkwürdig, dass wir im Spiegel etwas sehen, das einerseits existiert, sich bewegt, da ist und andererseits nicht da ist, nicht zu greifen ist? Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb man dem Spiegelbild lange eine eigene Existenz zusprach, es als etwas Geisterhaftes, aber irgendwie doch Wirkliches ansah. Häufig wird das Spiegelbild auch als ‚Seele des Menschen‘ bezeichnet, ist also gerade nicht bloßer Schein, sondern etwas Höheres, vielleicht auch Reineres als der Mensch als Ganzes. Vampire haben dementsprechend kein Spiegelbild und verliert ein Mensch sein Spiegelbild wie z.B. in Erzählungen des Romantikers E.T.A. Hoffmann, dann hat er sich selbst verloren.</p>
<p>MUSIK 14: Bella – siehe vorn – 31 Sek</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Je länger man sich mit dem Spiegel befasst, desto facettenreicher und widersprüchlicher erscheint er.</p>
<p>Doch, ob Wahrsager, Wegbereiter, Lügner oder Unglücks-Bringer – letztlich ist das, was wir im Spiegel sehen, doch immer wieder nur ein Abbild unserer selbst, unserer eigenen Sehnsüchte, Vorstellungen und Irrtümer.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Kinder haben Rechte - Die Geschichte der Kinderrechte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/kinder-haben-rechte-die-geschichte-der-kinderrechte/1849187</link>
      <pubDate>Thu, 12 Jun 2025 08:30:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">43dbbea1-79a9-4b64-862d-31d9e968b2b6</guid>
      <description>Spielen statt arbeiten, lernen dürfen, vor Gewalt geschützt sein: Kinderrechte waren lange nicht selbstverständlich. Bis zur UN-Kinderrechtskonvention war es ein weiter Weg: Erst nach und nach wurde Kinderarbeit im 19. Jahrhundert eingeschränkt und das Recht auf Bildung verankert. Ein Streifzug durch die Geschichte. Von Elsbeth Bräuer (BR 2022)</description>
      <enclosure length="22304640" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1849187/c/feed/kinder-haben-rechte-die-geschichte-der-kinderrechte.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:14</itunes:duration>
      <itunes:author>Elsbeth Bräuer</itunes:author>
      <itunes:summary>Spielen statt arbeiten, lernen dürfen, vor Gewalt geschützt sein: Kinderrechte waren lange nicht selbstverständlich. Bis zur UN-Kinderrechtskonvention war es ein weiter Weg: Erst nach und nach wurde Kinderarbeit im 19. Jahrhundert eingeschränkt und das Recht auf Bildung verankert. Ein Streifzug durch die Geschichte. Von Elsbeth Bräuer (BR 2022)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/9b9ccaab-8b74-4957-8ba1-bc88e7e93309.jpeg?w=1800"/>
    </item>
    <item>
      <title>Bayerischer Ministerpräsident - Geschichte des schönsten Amts der Welt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/bayerischer-ministerpraesident-geschichte-des-schoensten-amts-der-welt/2106420</link>
      <pubDate>Thu, 12 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7e668028-2b7c-4e88-85ad-6ac2a46ca1dc</guid>
      <description>Mit der Bamberger Verfassung von 1919 wird auch das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten geschaffen. Seine historischen Wurzeln reichen aber viel weiter zurück. Erst nach 1945 bekommt das höchste Amt im Freistaat Bayern die Befugnisse, die es heute hat. Von Thomas Grasberger</description>
      <enclosure length="22506240" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106420/c/feed/bayerischer-ministerpraesident-geschichte-des-schoensten-amts-der-welt.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:26</itunes:duration>
      <itunes:author>Thomas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Mit der Bamberger Verfassung von 1919 wird auch das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten geschaffen. Seine historischen Wurzeln reichen aber viel weiter zurück. Erst nach 1945 bekommt das höchste Amt im Freistaat Bayern die Befugnisse, die es heute hat. Von Thomas Grasberger</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d308860c-ff30-4f3e-968b-b1d1bf58b577.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Bamberger Verfassung von 1919 wird auch das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten geschaffen. Seine historischen Wurzeln reichen aber viel weiter zurück. Erst nach 1945 bekommt das höchste Amt im Freistaat Bayern die Befugnisse, die es heute hat. Von Thomas Grasberger</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Thomas Grasberger<br/> Regie: Kirsten Böttcher<br/> Es sprachen: Julia Fischer, Thomas Birnstiel<br/> Technik: Joseph Angloher<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Rainald Becker, Professor für Europäische Regionalgeschichte an der Universität Augsburg<br/><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Bayerische Volkspartei, BVP - Die Extrawurst kommt auf  den Grill<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/bayerische-volkspartei-bvp-die-extrawurst-kommt-auf-den-grill/bayern-2/81307932/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a><strong><br/> </strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-bayern-freistaat-foederalismus-bundesrepublik-verfassung-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Sprecherin (Effekt)</p>
<p></p>
<p>Stellenausschreibung: Gesucht wird eine Person ¬(männlich – weiblich – divers) für das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten. Der Bewerber/ die Bewerberin muss das 40. Lebensjahr vollendet haben, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, im Freistaat Bayern wohnhaft und dort wahlberechtigt sein.</p>
<p>Sprecher (Effekt)</p>
<p>Umfassende Kenntnisse der bayerischen und bundesdeutschen Politik sowie der Verfassung und des Staatsrechts sind unerlässlich. Ein CSU-Parteibuch ist nicht zwingend erforderlich, erhöht aber – das zeigt ein Blick in die bayerische Nachkriegsgeschichte – die Chancen enorm.</p>
<p>Musik 2: Bayernhymne -</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>So oder so ähnlich könnte eine Stellenausschreibung für das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten aussehen. In der Tageszeitung wird man sie freilich nicht finden. Denn Ministerpräsidentenposten werden auch in Bayern nicht ausgeschrieben, sondern durch Wahlvorschläge und demokratische Wahlen vergeben. Schließlich handelt es sich ja um das höchste Amt im Freistaat. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Um dieses Amt auszufüllen, braucht es eine ganze Reihe von Qualifikationen. Führungskompetenz, Entscheidungsstärke, Kommunikations- und Teamfähigkeit. Auch Volksnähe und Leutseligkeit gehören dazu, wie das Beispiel des amtierenden Ministerpräsidenten Markus Söder zeigt.</p>
<p>Archiv Markus Söder </p>
<p>„Ich sage es mal ganz persönlich, jeder soll essen, was er will, aber ohne Fleisch und ohne Bratwurst ist doch ein Leben gar nicht sinnvoll, meine sehr verehrten Damen und Herren, oder?“</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Aber die Bratwurst allein ist natürlich nicht dafür verantwortlich, dass das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten manchmal als „das schönste der Welt“ bezeichnet wird.</p>
<p>Musik aus</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Dieses geflügelte Wort wird Franz Josef Strauß zugeschrieben. Als der 1980 Ambitionen auf das Bonner Bundeskanzleramt hatte, relativierte er seine Begehrlichkeiten mit dem Hinweis, dass er als bayerischer Ministerpräsident ja eigentlich schon das schönste Amt innehabe.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Ob das nur ein rhetorisches Hintertürchen war, für den Fall einer Niederlage bei der Kanzlerwahl, die dann ja auch prompt eintrat? Nun, sicherlich war das Zitat für eine breite bayerische Öffentlichkeit gedacht, sagt Rainald Becker, Professor für Europäische Regionalgeschichte an der Universität Augsburg. Aber es hatte auch einen „real-geschichtlichen Kern“. </p>
<p>ZSP 1 Becker schönste Amt 0,26</p>
<p>Es spielt eben doch auf die Bedeutung dieses Amtes auch in der Bonner Republik vor der Wiedervereinigung an. München als wichtiges Machtzentrum eben in dieser Bonner Republik und damit schon ein Amt, das Gestaltungsmacht geboten hat. Und ich glaube, das schwingt in dieser Formulierung mit. Also auch für jene Nachfolger von Strauß, die das dann auch immer wieder sich darauf bezogen haben.</p>
<p>Musik 3: Prosit con fuoco </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Historiker Rainald Becker ist Mitherausgeber eines 2024 erschienenen Bandes über „Die Bayerischen Ministerpräsidenten 1918 bis 2018“. Nimmt man den Ministerpräsidenten Markus Söder noch hinzu, haben in gut 100 Jahren 20 Männer das höchste Regierungs- und Staatsamt im Freistaat bekleidet. Geschaffen wurde es mit der Bamberger Verfassung vom 14. August 1919, also unmittelbar nach dem Ende der bayerischen Monarchie.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Seine historischen Wurzeln aber reichen viel weiter zurück, sagt Rainald Becker. Leitende Minister gab es schon in der Kurfürstenzeit des 17. und 18. Jahrhunderts. Und auch im Königreich des 19. Jahrhunderts stand zwar der Monarch als Souverän ganz oben. Aber er konnte nicht allein regieren, sondern musste sich auf seine führenden Minister verlassen.</p>
<p>ZSP 2 Becker Vorgeschichte 0,28</p>
<p>Je weiter die historische Entwicklung geht, desto bedeutender wird eben dieser Vorsitzende im Ministerrat, wie es heißt. Zugleich auch oft in Personalunion Minister des Königlichen Hauses und des Äußern. Also diese Funktion gewinnt an Bedeutung. Der König wird immer stärker zum Unterschreibe-König. Das Ministerium legt ihm eigentlich alles vor.</p>
<p>Musik 4: The Sisters Brothers </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Begriff „Ministerpräsident“ taucht schon in den Massenmedien des Königreichs auf. 1912 wird etwa der Zentrumspolitiker Georg von Hertling so bezeichnet. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Monarchien Europas ins Wanken geraten, kommt es auch in Bayern zu einer unblutigen Revolution.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der in Berlin geborene jüdische Pazifist, Sozialist und bayerische Föderalist Kurt Eisner setzt sich 1918 an die Spitze eines revolutionären Gesamtministeriums. Eisner übernimmt den Begriff des Ministerpräsidenten. Allerdings ist jetzt nicht mehr ein König der Souverän, sondern das Volk. </p>
<p>ZSP 3 Becker Eisner 0,25</p>
<p>Also was bei ihm wirklich neu ist, ist halt, dass sozusagen der Monarch fehlt. Also er steht an der Spitze des Freistaats, der Bayerischen Republik. Und damit würde ich schon sagen, ab 1918 ist schon ein neues Kapitel in der Bayerischen Verfassungsgeschichte aufgeschlagen, aber immer doch auch in einem historischen Kontext, den man eben nicht vergessen sollte.</p>
<p>Musik 5: Morddrohungen </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Bayerns erster Ministerpräsident Kurt Eisner wird im Februar 1919 von einem Rechtsextremisten hinterrücks ermordet. Es folgen bürgerkriegsartige Zustände und zwei Räterepubliken, die dann von rechten Freikorps und Reichswehrtruppen blutig niedergeschlagen werden. Danach wird Bayern Teil der neu geschaffenen Weimarer Republik.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>In der Bamberger Verfassung des Freistaates Bayern von 1919 ist nun auch offiziell von einem Ministerpräsidenten die Rede. Aber seinen Befugnissen sind enge Grenzen gesetzt, denn er ist stark eingebunden in ein Gesamtministerium, das sich auf die Landtagsmehrheit stützt.</p>
<p>ZSP 4 Becker Landtag 0,32</p>
<p>Man könnte fast die These wagen, der Landtag tritt in gewisser Hinsicht an die Stelle des Monarchen. Also der Landtag hat jetzt eine sehr, sehr starke Position. In ihm sammelt sich durch die Volkswahl begründet und legitimiert eigentlich die Souveränität. Und die Regierung ist vom Vertrauen des Landtags in hohem Maße abhängig. Und der Ministerpräsident hat in der Weimarer Republik die Rolle eines Moderators.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Er ist ein „primus inter pares“, ein Erster unter Gleichen. Als solcher gibt der Ministerpräsident zwar die politische Richtung vor, hat aber noch keine Richtlinienkompetenz. Diese relative Schwäche des Amtes hat auch mit dem Chaos von 1919 zu tun. Während die Reichsverfassung ausgehandelt wurde, war der Freistaat politisch gelähmt. Bayerische Reservat- und Sonderrechte wie eine eigene Post, Eisenbahn, Armee oder Finanzhoheit gingen in der zentralistischen Weimarer Verfassung verloren. Die Teilstaaten wurden zu „Kostgängern des Reiches“.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Was aber nicht unwidersprochen blieb. Das Verhältnis von Bayern zum Reich wurde ein politischer Dauerbrenner der Weimarer Republik. Weil in Preußen und Sachsen die Ministerpräsidenten mächtiger ausgestattet waren, wurden in München immer wieder Forderungen laut nach einer Stärkung der eigenen Position. Vor allem aus den Reihen der BVP, der Bayerischen Volkspartei. Sie forderte sogar ein bayerisches Staatsoberhaupt, also einen Staatspräsidenten neben dem Ministerpräsidenten.</p>
<p>Musik 6: The Sisters Brothers </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Teile der BVP waren damals stramm monarchistisch. Den Feind verortete man grundsätzlich „links“ – und „oben im roten Berlin“, bei der Reichsregierung. Deshalb schwang sich Bayern selbst zur „Ordnungszelle“ auf. Das ganze Reich sollte am bayerischen Wesen genesen, hieß es. Eine fatale Selbsteinschätzung in krisengeschüttelten Zeiten.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Denn Bayern wurde zum Hort der nationalen Rechten und völkischer Rechtsextremisten. Obwohl die konservativ-katholische BVP mit 30 bis 40 Prozent der Wählerstimmen die stärkste Partei stellte, fand sich in ihren Reihen zunächst kein Politiker, der Ministerpräsident werden wollte. Man schob lieber hohe bayerische Beamte wie Gustav Ritter von Kahr nach vorne.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Erst nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923, in dem Gustav von Kahr eine undurchsichtige Rolle spielt, grenzt sich die Bayerische Volkspartei nach Rechtsaußen hin ab. Weil man mit Beamtenministerpräsidenten schlechte Erfahrungen gemacht hat, erklärt sich nun auch der BVP-Fraktionsvorsitzende, der einflussreiche katholische Journalist Heinrich Held, bereit, das Amt zu übernehmen.  </p>
<p>ZSP 5 Becker Held 0,19</p>
<p>Der stärkste Exponent der Landtagspartei wird dann auch Ministerpräsident und geht ja dann doch eben auch Koalitionsregierungen ein. Und das ist dann eben diese zweite berühmte stabile Phase, die auch dem Ministerpräsidenten dann eine stärkere Rolle oder ein besseres Agieren erlaubt. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Die stabile Phase der Weimarer Demokratie endet 1930. Drei Jahre später übernimmt die NSDAP die Macht. Und in Bayern wird Ministerpräsident Heinrich Held am 9. März 1933 rüde aus dem Amt gedrängt. Die Nationalsozialisten ernennen den Münchner General Franz Xaver Ritter von Epp zum neuen Reichskommissar für Bayern.</p>
<p>Musik 7: Signatur Folge </p>
<p> Archiv Franz Ritter von Epp (O-Ton) </p>
<p>„Bayerische Landsleute! Deutsche Volksgenossen! Die Welle der deutschen Erhebung hat nun auch nach Bayern herein geschlagen! (Heil! Heil!)“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Reichskommissar von Epp ernennt am 12. April 1933 den vormaligen Lindauer Oberbürgermeister Ludwig Siebert zum Ministerpräsidenten – ohne jede demokratische Legitimation. Nach Sieberts Tod 1942 wird dann mit Paul Giesler ein fanatischer Nationalsozialist eingesetzt, der sich aber ganz auf seine Funktion als Gauleiter von München-Oberbayern konzentriert. Das Amt des Ministerpräsidenten, das formal dem Reichskommissar untersteht, bleibt in den 12 Jahren der NS-Diktatur also dem Namen nach bestehen. Inhaltlich aber wird es zu einer weitgehend leeren Hülle. </p>
<p>Musik aus</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Als das bezwungene Deutschland 1945 unter den Siegermächten aufgeteilt wird, kommt Bayern – mit Ausnahme der Pfalz und Lindau – zur US-Besatzungszone. Aus der NS-Reichsprovinz soll wieder ein Freistaat Bayern werden. Am 28. Mai 1945 ernennt die US-Militärregierung den ehemaligen BVP-Vorsitzenden Fritz Schäffer zum „Temporary Minister-Präsident for Bavaria“.</p>
<p>Archiv Rundfunkansprache des bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schaeffer </p>
<p>Der Nationalsozialismus war der Feind des Heimatgedankens. Wir bauen auf dem Heimatgedanken wieder auf und wollen eine bayerische Heimat, frei und echt und wahr. (0,15)</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Fritz Schäffer blieb nur vier Monate im Amt, weil er den US-Militärs zu nachsichtig im Umgang mit Nazi-Mitläufern erschien. Zu seinem Nachfolger wurde Wilhelm Hoegner ernannt, ein bayerischer Sozialdemokrat, der schon vor 1933 mutig gegen die Nationalsozialisten aufgetreten war.</p>
<p>ZSP 6 Becker Nachkrieg 0,42</p>
<p>Fritz Schäffer und Wilhelm Hoegner, beides Parlamentarier, Politiker, die aufgewachsen sind mit dem Entstehen der ersten bayerischen Demokratie in republikanischer Form; die auch wissenschaftlich, intellektuell, Hoegner etwa als Jurist, diese Dinge einordnen konnten und die damit auf ein Erbe zurückgreifen konnten, das dann schon nach 1945 sehr bedeutend wurde.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Wilhelm Hoegner – ein bekennender Föderalist und damit ein Außenseiter in seiner eher zentralistischen SPD – hat während der NS-Zeit im Schweizer Exil gelebt. Unmittelbar nach dem Krieg wird er zum „Vater der Bayerischen Verfassung“. Auch die Frage nach einem bayerischen Staatsoberhaupt steht damals wieder auf der Tagesordnung, sagt Rainald Becker.</p>
<p>ZSP 7 Becker Staatsoberhaupt 0,24</p>
<p>Man wusste auch nicht, was so werden würde. Es gab eben die Westzonen. Und es gab die sowjetische Zone. Würde also ein neuer deutscher Gesamtstaat überhaupt entstehen können? Und vor dem Hintergrund kann man sowohl Hoegners, aber auch Schäffers Ideen, auch die bayerische Souveränität zu bewahren, verstehen. Also das war ja für die Zeitgenossen alles nicht so absehbar, wie sich das für uns heute so präsentiert.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Bereits drei Jahre vor dem Grundgesetz tritt im Jahr 1946 Bayerns Verfassung in Kraft. Der Ministerpräsident ist darin viel stärker ausgestattet als zur Weimarer Zeit. Ganz entscheidend ist seine Richtlinienkompetenz. </p>
<p>ZSP 8 Becker Richtlinienkompetenz 0,35</p>
<p>Also der Ministerpräsident ist tatsächlich Leiter auch des Kabinetts. Die Minister sind ihm zugeordnet, führen ihre Portfolios, ihre Ministerien in Eigenverantwortung, unterstehen aber dann letztlich sehr stark der Kabinettsdisziplin, in der der Ministerpräsident die Richtlinienkompetenz ausübt. Also eine Aufwertung des Amtes, und damit eine Weiterentwicklung, eine Neufassung gegenüber der Weimarer Zeit, auch in Reaktion auf die NS-Zeit, auf die Erfahrung des Verschwindens dieses Amtes.</p>
<p>Musik 8: Hoamgeh </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Ministerpräsident nimmt auch repräsentative Aufgaben wahr und vertritt den Freistaat nach außen. Nicht zuletzt gegenüber dem Gesamtstaat, dem Bund. Die Frage, wie viel Bayern darf und wie viel Bund muss es sein, wird auch nach 1945 wieder zum politischen Zankapfel. </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Nicht nur innerhalb der CSU, wo sich in der Frühphase konservativ-katholische Traditionalisten und interkonfessionelle Modernisten aufs heftigste bekämpfen. Auch das Aufscheinen der separatistisch gestimmten Bayernpartei wirbelt das politische Leben im Freistaat einige Jahre lang kräftig durcheinander. Und dann ist da noch die große Schwesterpartei – die Christlich Demokratische Union CDU, mit der die CSU seit 1949 eine gemeinsame Bundestagsfraktion bildet.  </p>
<p>Musik aus</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Was Bayern stets entgegenkommt, ist die traditionell föderalistische Haltung der US-amerikanischen Besatzer. Die wollen West-Deutschland dezidiert als Bundesstaat sehen. Im Unterschied zu Bindestrich-Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen weist Bayern eine lange Tradition der Staatlichkeit auf und kann so ein historisches Gewicht in die Waagschale werfen.  </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Entsprechend selbstbewusst treten bayerische Spitzenpolitiker in der Bundesrepublik auf. Ministerpräsident Hans Ehard von der CSU zum Beispiel, der 1946 auf Hoegner folgt. Der Oberfranke verteidigt im November 1948 in einem Rundfunkgespräch die Rechte der Bundesländer bei den Beratungen zum Grundgesetz.</p>
<p>Archiv Hans Ehard </p>
<p>„Es gibt überhaupt nichts, kein Ding im Bund, an dem die Länder nicht ein ganz entscheidendes Interesse haben, weil sie eben Teile, weil sie Glieder des Bundes sind.“</p>
<p>Musik 9: Hoamgeh </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Mit Wilhelm Hoegner stand in den frühen Nachkriegsjahren gleich zweimal ein Sozialdemokrat an der Spitze des Freistaates. Hoegners Vierer-Koalition von 1954 bis 1957 ist bis heute ein politisches Schreckgespenst für die später so erfolgsverwöhnte CSU geblieben. Seit 1957 aber, als Hanns Seidel das Amt übernahm, stellte die CSU in Bayern ununterbrochen den Ministerpräsidenten.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Der war oft auch CSU-Parteivorsitzender – der Oberfranke Hans Ehard und der Unterfranke Hanns Seidel, später die Altbayern Franz-Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer. Heutzutage auch der Mittelfranke Markus Söder.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Kein Parteivorsitzender, aber ein erfolgreicher Ministerpräsident, war der in der Oberpfalz geborene Bäckersohn Alfons Goppel. In seiner Ära ging es seit 1962 steil bergauf mit dem agrarisch geprägten und wirtschaftlich noch relativ schwachen Bayern, das sich erst in den 1950er Jahren auf den Weg zum Industrieland gemacht hatte.</p>
<p>Musik 10: Bayern- Hymne </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Goppel wirkte manchmal wie ein König, wenn er etwa die englische Queen in der Residenzstadt München mit der Bayernhymne empfing. Er war der erste, der den Typus des Landesvaters repräsentierte und dabei gleichzeitig die Modernisierung Bayerns vorantrieb. 1966 etwa, beim Startschuss für den Bau der Münchner S-Bahn.</p>
<p>Archiv Alfons Goppel </p>
<p>Und wenn´s eben schon hieß, reißt´s die Strassn auf. Dann möcht ich sagen: Ja, reißt sie auf und baut hinein und baut sie wieder zu. Damit wir weiterkommen in eine friedvolle und in eine glückliche Zukunft, dass diese heimliche Hauptstadt uns nicht unheimlich wird. In diesem Sinne möchte ich diesen Pfahl nun hinunterschicken in die Erde. </p>
<p>Sprecher</p>
<p>Alfons Goppel regiert bis 1978. Seine 16 Jahre sind die bis heute längste Amtszeit eines bayerischen Ministerpräsidenten. Und das in einer besonders wichtigen Phase, sagt Rainald Becker.</p>
<p>ZSP 9 Becker Landesvater 0,27</p>
<p>Aus dem Armenhaus der Bundesrepublik wird Bayern zu einem wirtschaftlichen Front Runner - das Ganze moderiert er sozusagen hinter dem Landesvater-Image und kann damit ebenso etwas wie Beruhigung, Beheimatung geben. Die ganzen Umbruchprozesse, die ja auch krisenhafte Züge tragen, sie können sozusagen in dieser Hinsicht gedeckelt werden, und das erklärt sicherlich auch den sehr starken Erfolg dann der CSU.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Unter Alfons Goppel erreicht die Partei ihr historisch bestes Ergebnis: 62,1 Prozent der Wählerstimmen bei den Landtagswahlen 1974. Auch danach bleibt die CSU noch viele Jahre lang die alles bestimmende Partei im Freistaat. Und bringt nach der Ära Goppel wieder einen kernigen Landesvater hervor – einen Vollblut-Politiker, der wie kein Zweiter für Bayern steht: Franz Josef Strauß. </p>
<p>ZSP 10 Becker FJS 0,38</p>
<p>Er vertritt das barocke Bayern, er vertritt das gebildete Bayern, auch mit seinem humanistischen Bildungshintergrund. Seine kräftige Sprachlichkeit, die souveräne Art, sich zu bewegen in ganz unterschiedlichen Milieus – Bierzelt hier, Akademiker-Zirkel dort. Das andere ist sicherlich sein starkes bundespolitisches Profil. Von der Gründungszeit der Bundesrepublik an, hat er eine große politische Rolle und er vertritt auch diesen Anspruch der CSU auf Mitregierung und Gehört-Werden in Bonn, auf der Bundesebene. Und er hat ein großes internationales Profil.</p>
<p>Musik 11: Masskrug stemmen  32 Sek</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Weg nach Bonn ins Bundeskanzleramt erwies sich für Strauß zwar als zu weit. Dafür betrieb er als bayerischer Ministerpräsident mit großer Leidenschaft eine Neben-Außenpolitik, die ihn in die ganze Welt führte. In die USA, nach Israel, England oder Frankreich. 1975 auch in die Volksrepublik China, wo der CSU-Vorsitzende als erster deutscher Politiker von Staats- und Parteichef Mao Zedong empfangen wurde.   Musik aus</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Als die CSU-Ikone Strauß im Herbst 1988 ganz überraschend stirbt, verlässt ein streitbarer bayerischer Ministerpräsident die Bühne. Bald darauf ändert sich auch die politische Großwetterlage – der Kalte Krieg geht zu Ende, die beiden Teile Deutschlands werden vereinigt, neue Bundesländer kommen hinzu. Die politischen Gewichte in Deutschland verschieben sich.</p>
<p>Sprecherin</p>
<p>2002 scheitert nach Strauß der nächste Bayer beim Versuch, deutscher Bundeskanzler zu werden – Ministerpräsident Edmund Stoiber. Der erzielt immerhin im Jahr darauf bei den Landtagswahlen wieder ein historisches Ergebnis für die CSU ¬– mit 60,7 Prozent der Stimmen. Stoibers 14 Jahre währende Amtszeit ist die zweitlängste. Nach ihm kann die CSU nur noch einmal, in Horst Seehofers zweiter Amtszeit von 2013 bis 2018, eine absolute Mehrheit in Bayern holen. Immer öfter ist sie fortan auf Koalitionen angewiesen. Ein Prozess, der auch die Rolle des Ministerpräsidentenamtes verändert, sagt der Historiker Rainald Becker.</p>
<p>ZSP 11 Becker schwerer 0,22</p>
<p>Man darf auch die Globalisierung nicht unterschätzen. Das Europäische Zusammenwachsen, da versucht natürlich Bayern seinen Fuß drinnen zu haben und es wäre sicher auch eine sehr wichtige Aufgabe eines bayerischen Ministerpräsidenten, da Flagge zu zeigen. Aber es wird schwieriger. Es wird ja auch die wirtschaftliche Selbstbehauptung schwieriger, der ökonomische Hintergrund.</p>
<p>Musik 12: Masskrug stemmen </p>
<p>Sprecherin</p>
<p>Vielleicht war ja die Zeit, in der sich ein bayerischer Ministerpräsident felsenfest auf eine absolute Mehrheit stützen konnte, auch nur eine historische Ausnahme. Entscheidend aber dürfte bleiben, dass die Amtsträger auch künftig ein Gespür für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger haben – und nicht von oben herab entscheiden.</p>
<p>Archiv Horst Seehofer</p>
<p>„Es gibt bei uns keine Machtworte. Dialog und Entscheidung.“</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Der Satz stammt von Horst Seehofer, der zwischen 2008 und 2018 bayerischer Ministerpräsident war. Er war es auch, der auf die Frage, ob sein Amt das schönste der Welt sei, verschmitzt lächelnd antwortete.</p>
<p>Archiv Horst Seehofer </p>
<p>(1,59-2,05)</p>
<p></p>
<p>„Das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten wäre das schönste auf der Welt, wenn ich nicht für meine Ideen immer wieder eine Zustimmung bräuchte.“</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hunde und ihr Geruchssinn - Die Supernasen im Tierreich</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hunde-und-ihr-geruchssinn-die-supernasen-im-tierreich/1828341</link>
      <pubDate>Thu, 12 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">45afde23-d3f0-4858-a618-09334ce8ee8b</guid>
      <description>Die Hundenase ist ein echtes Hochleistungsorgan. Hunde verfolgen Wild, spüren Verschüttete auf, erschnüffeln Drogen oder Sprengstoff und können sogar Krankheiten am Geruch erkennen. Ihre Nasenlöcher nehmen unabhängig voneinander Gerüche wahr. Doch nicht nur das macht die Hundenase so besonders. (BR 2021) 
Autorin: Claudia Steiner </description>
      <enclosure length="21585024" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1828341/c/feed/hunde-und-ihr-geruchssinn-die-supernasen-im-tierreich.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:29</itunes:duration>
      <itunes:author>Claudia Steiner</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Hundenase ist ein echtes Hochleistungsorgan. Hunde verfolgen Wild, spüren Verschüttete auf, erschnüffeln Drogen oder Sprengstoff und können sogar Krankheiten am Geruch erkennen. Ihre Nasenlöcher nehmen unabhängig voneinander Gerüche wahr. Doch nicht nur das macht die Hundenase so besonders. (BR 2021) 
Autorin: Claudia Steiner </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/2559539e-d022-4e65-adfd-9c02a7700772.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Hundenase ist ein echtes Hochleistungsorgan. Hunde verfolgen Wild, spüren Verschüttete auf, erschnüffeln Drogen oder Sprengstoff und können sogar Krankheiten am Geruch erkennen. Ihre Nasenlöcher nehmen unabhängig voneinander Gerüche wahr. Doch nicht nur das macht die Hundenase so besonders. (BR 2021) 
Autorin: Claudia Steiner </p><p><strong>Credits<br/></strong>Autorin dieser Folge: Claudia Steiner<br/>Regie: Kirsten Böttcher<br/>Es sprachen: Werner Härtl<br/>Technik: Peter Preuß<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Christoph Lipp (Polizeihundestaffel München);<br/>Carola Fischer-Tenhagen (Dr.; Tiermedizinerin, Privatdozentin an der Freien Universität Berlin);<br/>Juliane Bräuer (Dr.; Biologin, Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena)</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen <br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-hunde-und-ihr-geruchssinn-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>Musik 1 „Curious Tension“ – Z8034434106 – 41 Sek + </p>
<p>ATMO 1 (Polizeihundestaffel, Take 5, 1.10 / Schnüffeln) </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hank schnüffelt was. </p>
<p>ATMO 1 (Schnüffeln) </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Wenn der belgische Schäferhund der Münchner Polizeihundestaffel eine Spur verfolgt, zieht er bis zu 300 Mal pro Minute durch die Nase Luft ein und stößt sie wieder aus. Hunde verfolgen Wild, spüren Verschüttete auf, erschnüffeln Drogen oder Sprengstoff. Weil sie so hoch empfindliche Nasen haben, werden sie gerne bei der Jagd, beim Retten von Verschütteten, beim Zoll oder eben auch von der Polizei eingesetzt. Hanks Herrchen, Christoph Lipp, ist Polizist und arbeitet bei der Hundestaffel der Münchner Polizei: </p>
<p>O-TON 1 (Lipp, 1, 1.27) </p>
<p>Ich glaube Rauschgifthunde, Sprengstoffhunde, auch Leichenhunde, Brandmittelspürhunde oder Alpin-Suchhunde hat bestimmt jeder schon mal gehört. Das ist auch bei uns so: Jeder Hund bei uns hat eine Spezialausbildung. Der Hank zum Beispiel ist ein Sprengstoffsuchhund. Dann haben wir natürlich Rauschgifthunde, Banknotenhunde und einen Leichensuchhund. Zusätzlich haben wir noch ein paar Spezialisten, das sind die Personensuchhunde, so landläufig auch ganz gern als Mantrailer bekannt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mantrailer suchen einen bestimmten Menschen. Sie kommen zum Einsatz, wenn etwa eine verwirrte Person aus einem Seniorenheim weggelaufen ist. Vor der Suche wird dem Hund eine Geruchsprobe des Gesuchten vorgehalten, zum Beispiel ein Kleidungsstück. Der Hund soll dann die spezifische Spur finden und ihr folgen. </p>
<p>ATMO (Bellen, Jaulen) </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hank ist ein ziemlich verschmuster Polizeihund. </p>
<p>Er will gestreichelt werden, schmiegt sich an, ist verspielt, aber sobald er mit Christoph Lipp trainiert, ist der Rüde wie ausgewechselt. Er ist aufmerksam, fokussiert und hochkonzentriert: </p>
<p>O-TON 2 (Lipp, 1, 9.31) </p>
<p>Er kann ganz stark unterscheiden zwischen: wir befinden uns jetzt in einem Ruhemodus und einem Spaßmodus und jetzt geht es ernsthaft zur Sache. Und dann werden sie den Hund auch nicht wiedererkennen. (…) Da ist dann Schluss mit: Ich freue mich jetzt mal so riesig. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auf dem Gelände der Polizeihundestaffel in München trainieren die Hundeführer regelmäßig mit ihren Hunden. Fuß, Platz, Bring, Steh, Aus, Hier – sind nur einige der Kommandos, die die Tiere befolgen können müssen. Sie lernen auch, wie man zum Beispiel Einbrecher verbellt. </p>
<p>ATMO 2 (Lipp, 4, 6.52) (Polizei kommen sie raus, sonst kommt der Diensthund, Hank bellt) </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Oder üben eben – wie im Fall von Hank – die Suche nach Sprengstoff: </p>
<p>O-TON 3 (Lipp, 3, 0.08) </p>
<p>Das ist ein militärischer Sprengstoff, PETN. Man sieht: Es schaut aus wie ein bisschen Knetmasse. Das ist sehr handhabungssicher, da müssen wir uns keine Gedanken machen, dass uns was passiert. (Redet mit dem Hund …) </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Zur Demonstration versteckt Christoph Lipp die Plastiktüte mit dem Sprengstoff in einer Garage. Er legt den Beutel in eine Metallschublade – Hank ist ein Stück weit entfernt und sieht nicht, wo sich der Sprengstoff befindet. Dann macht sich Hank auf die Suche. Er läuft durch den Raum und schnüffelt: </p>
<p>O-TON 4 (Lipp, 4, 17.15 ) </p>
<p>Haben Sie das Verhalten vom Hund gerade gemerkt, als er in diese Geruchswolke reingekommen ist. Der ganze Hund verändert sich, wird wesentlich aufgeregter und dann zum Schluss, wenn er es lokalisiert hat - ruhiger. …. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wie versteinert steht Hank vor der Schublade. Seine feuchte Nase ist ein paar Zentimeter von dem Sprengstoff entfernt. Seine Muskeln sind angespannt, er bewegt sich keinen Millimeter – bis er das Kommando von Christoph Lipp hört:</p>
<p>O-TON 5 (…weiter von O-Ton 4) </p>
<p>O.k. … Und er soll gar nicht versuchen, in diese Schublade reinzukommen oder sonst was. Er soll nur zeigen: Da ist es. (…) Wir nennen das Ganze „Einfrieren“, das hat man, glaube ich, ganz schön gesehen. Selbst die Rute ist komplett ruhig. Also der ganze Hund ist ruhig und zeigt nur noch mit der Nase.</p>
<p>Musik 2 „dogstep“ - Z9509547103 – 15 Sek. + Hunde-Atmo</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Was macht Hundenasen so außergewöhnlich? Hunde gehören mit ihrer feinen Nase zu den Makrosmatikern. Der Geruchssinn von Makrosmatikern ist sehr gut entwickelt und spielt eine große Rolle innerhalb der Sinne. Auch Mäuse und Ratten gehören zu den Tieren, die sich vor allem über ihren Geruchssinn orientieren, so Carola Fischer-Tenhagen. Die promovierte Tiermedizinerin ist Privatdozentin an der Freien Universität Berlin:</p>
<p>O-TON 6 (Tenhagen, 1, 8.40 / 8.20) </p>
<p>Es gibt ja dieses doch relativ bekannte Projekt, wo in Afrika Ratten eingesetzt werden. Das sind spezielle Ratten, also so Riesenratten, um Sprengstoff zu schnüffeln. Also die versuchen auch in Angola, die Minenfreiheit dort mit den Ratten zu erarbeiten. / Also tatsächlich sind Ratten sogar besser als Hunde, und Mäuse sind auch sehr, sehr gut. Und warum arbeiten wir nicht so viel mit Ratten? Wir arbeiten ja mit Ratten, auch als Riechtiere, aber ich glaube, dass uns der Hund einfach viel sympathischer ist zum Trainieren</p>
<p>ATMO (Schnüffeln) </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Anatomie der Hundenase ist besonders gut geeignet, um Gerüche aufzunehmen. Hunde saugen beim Schnüffeln die Luft mit hoher Frequenz in die Nasenlöcher ein. Ihre Nasenlöcher können unabhängig voneinander Gerüche wahrnehmen. Sie riechen also „stereo“. So können sie sich mit ihrer Nase räumlich orientieren und zum Beispiel erkennen, in welche Richtung ein Gesuchter gelaufen ist. </p>
<p>Um diese räumliche Orientierung zu bestätigen, haben Forscher in den USA bei einer Studie eine solche Such-Situation nachgestellt, sagt Juliane Bräuer. Die promovierte Biologin leitet die Hundestudien am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena: </p>
<p>O-TON 7 (Bräuer, 1, 7.29)  </p>
<p>Die Forscher wollten wissen, wie der Hund jetzt herausbekommt, ob der Mensch da von links nach rechts oder von rechts nach links gelaufen ist. (…) Die haben nämlich mit Teppichquardern gearbeitet und haben also immer Teile der Spur einfach weggenommen, und haben festgestellt: Der Hund braucht fünf Fußtapsen sozusagen, um zu wissen, in welche Richtung er gehen muss. Mit fünf schafft er das schon und dann macht er das offensichtlich über die Konzentration, weil die Konzentration ja sozusagen Richtung Mensch dann zunimmt. </p>
<p>Musik 3 – „Curious tension“ –   Z8034434106 - 51 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hunde haben verschachtelte Nasengänge mit einer sehr großen Riechschleimhaut. Bei einem mittelgroßen Hund ist die Schleimhaut etwa 100 Quadratzentimeter groß und damit zehnmal so groß wie bei einem erwachsenen Menschen. Auf dieser Schleimhaut befinden sich Riechzellen. Auch das Riechhirn ist bei Hunden recht groß. Zum Vergleich: Bei Hunden ist das Riechhirn im Verhältnis zum Gesamthirn 40-mal größer als bei Menschen. Entwicklungsgeschichtlich gesehen gehört das Riechhirn zu den ältesten Teilen des Gehirns. </p>
<p>Das Zusammenspiel zwischen ihrer hoch entwickelten Nase und dem Gehirn ermöglicht es Hunden, Gerüche sehr gut wahrzunehmen und im Fall von ausgebildeten Hunden, spezifische Gerüche anzuzeigen, sagt Carola Fischer-Tenhagen: </p>
<p>O-TON 8 (Tenhagen, 1, 3.16)  </p>
<p>Das heißt, wenn diese eingeatmete Luft jetzt (…) über diese Riechzellen gleitet, heften die Moleküle an bestimmte Rezeptoren. Das kann man sich so wie ein Schlüssel-Schloss-Prinzip vorstellen. Und dann, wenn eben diese Kombination von dem gewünschten Geruch da sind, dann kommt so eine Erregung in den Riechzellen, die gleichzeitig eine Verbindung zu dem Riechhirn haben, also eine sehr direkte Verbindung. Und dann kommt es eben zu der Wahrnehmung des Geruchs. Und wenn der Hund dann eben das auch gelernt hat, also das ist eine Konditionierung, (…) dann kann er eben ein bestimmtes Verhalten auf diesen Geruch zeigen, nämlich seinem Herrchen Bescheid sagen: ‚He du, ich hab‘ da was gerochen.‘ </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Geruchsmoleküle werden sowohl beim Einsaugen als auch beim Ausströmen der Luft über die Riechschleimhaut geleitet, sodass die Geruchsmoleküle gleich zwei Mal die Möglichkeit haben, an einen Rezeptor zu gelangen. </p>
<p>ATMO Bellen /Winseln + </p>
<p>Musik 4: „dogstep“ – Z9509547103 – 35 Sek</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Bei der Polizei werden gerne deutsche und belgische Schäferhunde, aber auch Riesenschnauzer eingesetzt, grundsätzlich haben aber auch andere Hunderassen sehr gute Nasen. Selbst Möpse mit ihren platten Nasen haben bei Tests sehr gut abgeschnitten. Polizeihunde müssen nicht nur verschiedenste Kommandos lernen, so dass sie beim Einsatz aufs Wort folgen, sie müssen auch trainieren, dass es eben auf einen spezifischen Geruch ankommt und diesen dann dem Hundeführer anzeigen. Die Ausbildung dauert ein bis zwei Jahre, sagt Hundeführer Christoph Lipp: </p>
<p>O-TON 9 (Lipp, 1, 11.27) </p>
<p>Alle unsere Hunde sind nach einem Belohnungsprinzip ausgebildet, im Endeffekt das Pawlow’sche-Prinzip. Erst mal Klicker beigebracht. Da muss man ausholen, der Klicker ist halt einfach ein Instrument, mit dem ich den Hund erst einmal beibringe. Immer wenn dieses Geräusch erfolgt, passiert was Gutes für dich. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der russische Wissenschaftler Iwan Petrowitsch Pawlow hatte Anfang des 20. Jahrhunderts Lernprozesse wie die Konditionierung erforscht. Er stellte fest, dass man Hunde dazu bringen kann, dass sie mit Speichelfluss reagieren, wenn man einen Glockenton erklingen lässt. Diese Reaktion ist ein erlernter Prozess, denn normalerweise reagieren Hunde nur beim Anblick von Futter mit Speichelfluss. Dieses Belohnungsprinzip nutzen auch die Hundeführer der Polizei: </p>
<p>O-TON 10 (Lipp, 1, 11.27 …weiter) </p>
<p>Pawlow hat das eben mit Futter gemacht. Wir haben das Ganze mit Futter und einem Spielzeug noch zusätzlich verknüpft. Das heißt, je nach Hund und je nach Situation möchte ich, dass der Hund sich richtig, richtig freut. Und er steht mehr aufs Spiel. Dann nehme ich das Spielzeug, ist er eher von der Sorte: Ich stehe aber mehr auf Futter. Dann kann ich natürlich so arbeiten, oder ich kann auch so arbeiten, indem ich sage, beim Spielen wird er zu aufgeregt. Dann kann ich das Ganze bisschen dosieren und sagen: Jetzt kriegst du nur ein Futterstückchen, da freust du dich zwar auch, aber das ist nicht das höchste der Belohnungen für dich. Also, da muss man so ein bisschen Fingerspitzengefühl walten lassen, wann man welche Belohnung wählt. </p>
<p>ATMO 3 (Lipp, 4, 7.42, Ja super machst du das ….)</p>
<p>+ ATMO Hund winselt</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Für die Polizeiarbeit sind Hunde so wertvoll, weil sie Gerüche differenzieren und einzelne Geruchselemente herausriechen können. Christoph Lipp vergleicht das mit Essensgeruch: </p>
<p>O-TON 11 (Lipp, 1, 16.22) </p>
<p>Wenn Sie nach Hause kommen, und der Mann hat einen Schweinebraten gekocht. Dann machen Sie die Tür auf und sagen: Oh, es riecht nach Schweinebraten. Sie haben so eine Gesamtduftwolke einfach vor sich. Und der Hund würde zur Tür hereinkommen. Und der riecht den Gesamtgeruch und kann zwischendrin noch raus riechen. Da ist Pfeffer, da ist vielleicht ein bisschen Knoblauch noch mit drin. Und das macht die Hundenase für uns eben auch in der Spezialsuche so wertvoll, weil sonst könnte ich ja rein theoretisch einfach nur einen Duftstoff nehmen, der stärker riecht wie das, was der Hund suchen soll, um es zu überdecken. Und das funktioniert halt einfach nicht. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das heißt, wer denkt, er könnte den Geruch von zum Beispiel Cannabis mit stark riechenden Gewürzen überdecken, scheitert bei einer Kontrolle an den empfindlichen Supernasen. </p>
<p>Musik 5: „Gangsta luv“ – Z9376301004 -12 Sek + Atmos Hund</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hunde können auf alle möglichen Gerüche trainiert werden, nicht nur auf Cannabis, Kokain oder Heroin, Sprengstoff oder Falschgeld, sondern auch auf bestimmte Krankheiten. Zumindest deutet einiges darauf hin, sagt die Tierärztin Fischer-Tenhagen: </p>
<p>O-TON 12 (Tenhagen, 1, 9.42) </p>
<p>Also es gibt Hinweise dafür, dass das funktioniert. Und da sind wir bei verschiedenen Krebserkrankungen. (…) Dann diverse Viruserkrankungen. Das ist ja jetzt mit Corona ganz aktuell gewesen, dass schnell Berichte kamen, dass Hunde Coronaviren erkennen können. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und der Bundeswehr haben herausgefunden, dass speziell ausgebildete Spürhunde aktive Corona-Speichelproben identifizieren können. Nach einem nur siebentägigen Training konnten die Spürhunde Corona anzeigen – was sie allerdings genau riechen, ist unklar. Es wird vermutet, dass die Hunde Veränderungen im Stoffwechsel riechen, die durch eine Infektion ausgelöst werden. Doch das sind nicht die einzigen Einsatzmöglichkeiten in der Medizin, weiß die Forscherin:  </p>
<p>O-TON 13 (Tenhagen; 1, 10.02) </p>
<p>Und dann gibt es auch gewisse Bakterien-Erkrankungen, die der Hund erschnüffeln kann. Dann gibt es ja Diabetes-Anzeige-Hunde, wobei bei diesen Diabetes-Anzeige-Hunden genauso wie diesen Epilepsie-Anzeige Hunden nicht 100-Prozent klar ist, ob es tatsächlich der Geruch ist (…) oder auch andere Veränderung, die (…)  Menschen kurz vor einem Anfall haben. Dass sie die spüren, was ja eigentlich egal ist. Hauptsache, der Hund zeigt es an.</p>
<p>Musik 6: „Surgery“ – C1576650112 – 39 Sek</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Forscher der Universität Neapel Federico II haben herausgefunden, dass Hunde sogar Gefühle riechen können. Dafür mussten sich Hundebesitzer verschiedene Videos anschauen, währenddessen wurden Geruchsproben genommen. </p>
<p>Wenn die Besitzer einen angsteinflößenden Film angesehen hatten, reagierten die Hunde auf die Geruchsprobe angespannt. Ihre Herzfrequenz erhöhte sich. Schauten sich die Besitzer dagegen einen schönen Film an, reagierten die Hunde auf die Geruchsprobe entspannt. </p>
<p>Musik aus. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Damit die Hundenase gut funktioniert, muss sie immer feucht sein. Bei hohen Temperaturen riechen Hunde schlechter, sagt die Berliner Tierärztin:</p>
<p>O-TON 14 (Tenhagen, 1, 14.55) </p>
<p>Diese Geruchsmoleküle müssen sich schon auch ausbreiten können, und dafür braucht es eben eine gewisse Luftfeuchtigkeit. Und das wissen wir auch. (…) Die Riechschleimhaut muss feucht sein, um diese Gerüche dann eben auch transportieren zu können.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und auch wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt, ist es für Hunde schwieriger, einer Spur zu folgen. Um überhaupt riechen zu können, müssen Hunde ihre Nase ‚aufmachen‘, also aktiv schnüffeln. </p>
<p>Bei normaler Atmung erreichen nur etwa zwei Prozent der in der Luft enthaltenen Duftstoffe die Riechzellen, unter anderem weil dann auch Luft durch das Maul strömt. Das heißt, es scheint, als könnten Hunde ihre Nase an- und abschalten. Juliane Bräuer: </p>
<p>O-TON 15 (Bräuer, 1, 11.35) </p>
<p>Einer Sache, der ich jetzt so ein bisschen auf der Spur bin, ist die Frage, wie gut Hunde eigentlich riechen, wenn sie nicht schnüffeln. Und es gibt da auch Anatomen, die sagen: Ein Hund kann überhaupt nichts riechen, wenn er zum Beispiel hechelt, weil wenn er hechelt, geht die Luft durch den Mund (…) und wird nicht durch die Nase gedrückt und die Nasenschleimhaut kann das schlecht aufnehmen und deshalb kann der relativ schlecht riechen. </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>In einer der Studien von Juliane Bräuer mussten Hunde ihren Besitzer suchen. Dabei fiel auf, dass einige Hunde erst einmal offenbar keine Spur aufgenommen haben. </p>
<p>(O-TON 16 (Bräuer, 1, 11.35 weiter… ) </p>
<p>Und tatsächlich in unserer Studie mit den Besitzern, da gab es Hunde, die sind sofort los und haben den Besitzer gesucht und dann gab es Hunde – eingeschlossen mein eigener - der 20 Meter vom Besitzer entfernt saß und einfach offensichtlich die Nase nicht aufgemacht hat, also eben nicht geschnüffelt hat und gar nicht mitgekriegt hat, dass der Besitzer ganz nah war.</p>
<p>ATMO Wald + ATMO Schnüffeln </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hunde setzen ihre Nase ein, wenn sie zum Beispiel bei einem Spaziergang im Wald eine Spur wittern – ganz normal. Aber die echte Riecharbeit ist für Hunde ein Knochenjob. Nach einem „Riech“-Einsatz, also zum Beispiel bei der Suche nach Verschütteten oder nach Sprengstoff, sind die Tiere richtig erschöpft, sagt Hunde-Expertin Carola Fischer-Tenhagen:</p>
<p>O-TON 17 (Tenhagen, 1, 23.28) </p>
<p>Ja, es ist sehr anstrengend. Ja, also das sieht man auch immer schön. Sie können gerne mit ihrem Hund drei Stunden spazieren gehen (… ) und er wird sich zehn Minuten hinlegen und dann wieder sagen: Okay, jetzt spielen wir wieder was. Aber wenn sie mit dem Hund 20 Minuten Nasenarbeit machen, dann ist er für den Tag auch zufrieden. (…) Es erfordert eine unglaubliche Konzentration.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch Polizeihund Hank ist nach Einsätzen erschöpft, erzählt Christoph Lipp: </p>
<p>O-TON 18 (Lipp, 4, 13.47) </p>
<p>Die Nasenatmung geht beim Hund, in der Spezialsuche und vor allem in der Feinsuche, steigt die an bis auf ungefähr 300 Mal ein- und ausatmen durch die Nase und Gerüche aufnehmen in der Minute. Und das ist halt schon immens. Da gibt es auch eine Studie von der Bundeswehr: So 20 bis 25 Minuten Spezialsuche sind vergleichbar, wie wenn ein Mensch einen Marathon laufen würde. Also die sind da tatsächlich dann auch erst mal richtig geschafft danach. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dass Hunde gut riechen können, ist unumstritten. Doch was im Hundekopf vorgeht, wenn sie eine Spur wittern, ist noch relativ unerforscht. Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass Hunde eine Vorstellung von dem Objekt oder der Person haben, deren Spur sie folgen. Diese Frage interessiert auch die Biologin Bräuer. Sie befasste sich in zwei Studien damit, ob Hunde bei der Aufnahme einer Geruchsspur eine sogenannte mentale Repräsentation des Zielobjekts besitzen, also ob sie wissen, was sie am Ende der Spur erwartet: </p>
<p>O-TON 20 (Bräuer, 1) </p>
<p>Und was wir gemacht haben in der ersten Studie, wir haben ein Spielzeug genommen, ein Spielzeug, das der Hund wirklich mochte, (…) und dann haben wir dieses Spielzeug, zum Beispiel einen Ball den Boden lang gerollert durch drei Räume durch und haben es dann hinter einer von vier Barrieren versteckt und dann haben wir den Hund das Spielzeug suchen lassen, und in dem entscheidenden Experiment oder in der entscheidenden Bedingung haben wir dieses Spielzeug ausgetauscht, und zwar mit einem anderen Spielzeug, das der Hund ebenso mochte. Und da haben wir geschaut, wie der Hund die Spur verfolgt und was er macht, wenn er sozusagen das Falsche findet, …und die Idee war: Würde der Hund überrascht sein, wenn das Spielzeug sozusagen ersetzt worden war oder eben nicht. Und wenn er überrascht ist, dann spricht es dafür, dass er eben genau dieses Spielzeug, also eben den Ball gesucht hat und auch erwartet hat, diesen Ball am Ende der Spur zu sehen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Es zeigte sich, dass Hunde zögerten, das am Ende der Spur versteckte Spielzeug zu bringen, wenn es nicht der Geruchsspur entsprach. Das deutet darauf hin, dass Hunde wissen, was sie riechen und überrascht reagieren, wenn sie zum Beispiel der Spur eines Balles folgen und am Ende aber nicht ihren Ball, sondern ihr Plüschtier finden. Viele Hunde suchten bei dem Versuch deshalb weiter nach dem „richtigen“ Objekt. Allerdings verschwand dieser „Überraschungseffekt“ in den nachfolgenden Durchgängen. Warum, ist unklar. </p>
<p>Ein Grund könnte sein, dass die Hunde, egal welches Spielzeug sie apportiert hatten, durch Spielen belohnt wurden, oder auch daran, dass es im Raum noch nach den Spielzeugen der voran gegangenen Testdurchgänge roch, so Bräuer. In einer zweiten Studie untersuchte die Forscherin, deren Fachgebiet die vergleichende Psychologie ist, eine ähnliche Situation: </p>
<p>O-TON 21 (Bräuer, 1, 4.04) </p>
<p>In dieser Studie haben die Hunde ihren Besitzer gesucht, und wir hatten in der kritischen Bedingung wieder den Besitzer ausgetauscht: Das heißt, sie haben jetzt vielleicht die Spur von Frauchen in der Nase gehabt, und am Ende der Spur war Herrchen. Und auch da haben wir gesehen, dass sie viel, viel aktiver waren in der Bedingung, wo der Besitzer oder die Besitzerin ersetzt worden war, obwohl klar ist, dass sie beide genauso doll mögen (…) wenn die ersetzt waren, haben sie den jeweils anderen gesucht und das spricht eben dafür, dass wirklich was in ihrem Kopf vorgeht, was darüber hinausgeht, dass sie einfach nur denken: ‚Gute Spur, gute Spur, muss ich hinterher“.</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>In vielen Bereichen sind Menschen Tieren in kognitiven Dingen weit überlegen. Doch in Bezug auf Gerüche ist es umgekehrt. Das macht die Forschung extrem schwierig, betont Juliane Bräuer: </p>
<p>O-TON 22 (Bräuer, 1, 27.42) </p>
<p>Wir testen ansonsten meistens Fähigkeiten, wo wir Menschen den Tieren eindeutig überlegen sind, und das ist dann auch relativ einfach, sich einen Test auszudenken, aber wenn der Hund mir jetzt überlegen ist, dann ist das was ganz Anderes. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Für Forscher gibt es deshalb noch viele offene Fragen. </p>
<p>O-Ton 23 (Bräuer, 1, 5.19) </p>
<p>Wir wissen relativ gut natürlich die Anatomie. Wir wissen auch relativ gut, was Hunde so riechen können, und auch, wie man sie dafür trainiert. Aber wir wissen ganz wenig darüber, (…) was sie denken, wenn sie riechen, und das ist auch das, was extrem schwer zu erforschen ist. Und das ist uns genau bei (…) den beiden Studien richtig aufgefallen. Man muss sich verstellen, wie das ist, wenn man so eine tolle Nase hat, also, wenn man einen Raum betritt und dann gibt es da eben verschiedene Gerüche, also richtig, richtig viele verschiedene Gerüche, und der Hund kann die ja potentiell wahrscheinlich alle wahrnehmen oder die meisten davon und dann wie wählt er aus, wie wählt er aus, was relevant ist und wie verarbeitet er das alles. Das sind so die Fragen, die mich interessieren, aber wir stehen da wirklich sehr am Anfang.</p>
<p>Musik 7 „Curious Tension“ – Z8034434106 – 30 Sek </p>
<p>+ ATMO (Schnüffeln + Knurren) </p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Die ältesten Freunde des Menschen leben in einer Geruchswelt, die uns nicht zugänglich ist. Noch wissen wir viel zu wenig über die Supernasen.  Klar ist jedoch: Selbst in hochtechnisierten Zeiten ist die leistungsfähige Nase von Hunden in vielen Bereichen unverzichtbar. </p>
<p>Musik und Atmo aus. </p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Anderes Alter, andere Zeit - Warum ändert sich unser Zeitgefühl?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/anderes-alter-andere-zeit-warum-aendert-sich-unser-zeitgefuehl/2092282</link>
      <pubDate>Thu, 12 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">08ed13ac-49d5-4ce6-b866-a634df110590</guid>
      <description>Die Sommer der Kindheit haben scheinbar ewig gedauert. Und auch die Jugend war eine Lebensphase, in der Zeit reichlich vorhanden war und nur sehr langsam verging. Aber je älter wir werden, desto mehr rasen die Jahre dahin. Woran liegt das? An Routinen und Automatismen, die sich im Laufe des Lebens etablieren? Von Daniela Remus (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21926784" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092282/c/feed/anderes-alter-andere-zeit-warum-aendert-sich-unser-zeitgefuehl.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:50</itunes:duration>
      <itunes:author>Daniela Remus</itunes:author>
      <itunes:summary>Die Sommer der Kindheit haben scheinbar ewig gedauert. Und auch die Jugend war eine Lebensphase, in der Zeit reichlich vorhanden war und nur sehr langsam verging. Aber je älter wir werden, desto mehr rasen die Jahre dahin. Woran liegt das? An Routinen und Automatismen, die sich im Laufe des Lebens etablieren? Von Daniela Remus (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/e9c9bee5-cc8a-40c9-b68d-5d30e45c238c.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Sommer der Kindheit haben scheinbar ewig gedauert. Und auch die Jugend war eine Lebensphase, in der Zeit reichlich vorhanden war und nur sehr langsam verging. Aber je älter wir werden, desto mehr rasen die Jahre dahin. Woran liegt das? An Routinen und Automatismen, die sich im Laufe des Lebens etablieren? Von Daniela Remus (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Daniela Remus<br/> Regie: Anja Scheifinger<br/> Es sprach: Caroline Ebner<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Jacob Bellmund, Max Planck Institut für Kognition und Neurowissenschaften<br/>Prof. Tatjana Tchumatchenko, Neurowissenschaftlerin, Universität Bonn<br/>Dr. Marc Wittmann, Zeitforscher, Universität Freiburg</p>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:<br/></strong></p>
<p><strong>Die Welt in unter 30 Minuten besser verstehen? Das geht nicht? Doch, das zeigt der tagesschau Podcast 11KM. <br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/11km">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-zeit-tempo-alter-gehirn-zeitverlauf-zeitgefuehl-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>ATMO (Freibad im Sommer draussen)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Pommes, ein mit Eis verschmiertes Handtuch, Süssigkeiten und der Geruch von Sonnencreme. </p>
<p>ATMO (Freibad im Sommer draussen)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wie habe ich die Sommer früher genossen. Mit Freundinnen und Freunden lagen wir stundenlang auf der Wiese des Freibads. Rannten gemeinsam zum Sprungbecken, übten elegante Köpfer und wasserspritzende Arschbomben. Und irgendjemand wurde jedes Mal mit großem Geschrei von den anderen ins Wasser geworfen…</p>
<p>ATMO (Freibad im Sommer draussen)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>In meiner Erinnerung dauerten diese Sommer eine gefühlte Ewigkeit. </p>
<p>Atmo Schlitten?</p>
<p>Aber auch die Winter währten grenzenlos lange. Im Rückblick kommt es mir so vor, als hätten wir monatelang Schneemänner gebaut und seien Schlitten gefahren. Aber je älter ich werde, desto kürzer werden nicht nur die Sommer und Winter, nein, ganze Jahre schnurren in meiner Erinnerung zusammen, wie ein Luftballon, dem Luft entweicht.</p>
<p>TAKE 1 (O-Ton Wittmann) L. 0, 15</p>
<p>Wenn wir rückblicken auf Zeitintervalle, dann ist der entscheidende Faktor für unser Gefühl für Dauer oder wie schnell ein Intervall vergangen ist, das Gedächtnis.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erklärt Dr. Marc Wittmann. Er ist einer der wenigen Forschenden in Deutschland, der sich mit der Wahrnehmung von Zeit beschäftigt. Und zwar am Institut für Grenzgebiete der Psychologie an der Universität Freiburg. Der Psychologe hat herausgefunden, dass vor allem das, was neu ist, vom Gedächtnis besonders intensiv gespeichert wird.</p>
<p>TAKE 2 (O-Ton Wittmann) L: 0, 35</p>
<p>Und das erklärt uns auch, warum wir in der Kindheit, im Jugendalter, aber auch im frühen Erwachsenenalter das Gefühl haben, die Zeit war viel länger, wenn wir jetzt zurückblicken, weil so viel Neuartiges passiert ist. Also der erste Kuss, das erste Bier mit den Spezln. Dann ziehen wir aus dem Elternhaus aus, machen eine Ausbildung, Studium etc. diese ganzen Dinge sind so neuartig und einzigartig erst einmal, dass die ganz besonders im Gedächtnis haften bleiben. Und wenn wir uns dann zurückerinnern, dann kommt uns das so lang vor! </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Erinnerung an meine scheinbar endlose Kinderzeit ist also erst einmal gar nichts Besonderes. Dass ich mich an vermeintlich grenzenlose Sommer erinnere, an nicht endenwollende Schuljahre liegt nicht daran, was genau ich als Kind und wie erlebt habe, sondern vielmehr daran, wie das menschliche Gehirn arbeitet, und damit auch meins, erklärt Prof. Tatjana Tchumatchenko, Neurowissenschaftlerin an der Universität Bonn:</p>
<p>TAKE 3 (O-Ton Tchumatchenko) L: 0,30</p>
<p>Das Gehirn kennt nur die Aktivität in den einzelnen Bereichen des Gehirns. Also im visuellen Cortex, im auditorischen Cortex, im Bereich, der für Gefühle zuständig ist… also alle Areale liegen dem Gehirn vor und anhand dieser Aktivität in diesen Arealen und der Frage wie komplex, wie aktiv das Gehirn insgesamt ist, anhand dieser Aufnahme schätzt das Gehirn, wie lange etwas gedauert hat.</p>
<p>Musik Flatliners Länge: 0´15´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und je mehr komplexe Sinneseindrücke das Gehirn verarbeiten muss, desto länger kommt uns die vergangene Zeit vor. Und zwar im Rückblick, wenn wir uns erinnern. </p>
<p>TAKE 4 (O-Ton Tchumatchenko) L. 0, 15</p>
<p>Je komplexer, desto länger wird es für uns erscheinen: Das heißt, wenn wir an die Schulzeit zurückdenken, der erste Schultag kommt unser immer länger vor als der letzte Schultag. Weil der erste Schultag viel mehr Eindrücke hervorgerufen hat, viel mehr Emotionen, viel mehr Sachen waren neu.</p>
<p>Musik Flatliners Länge: 0´52´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Wahrnehmung und Einordnung einer Zeitdauer ist immer eine Rekonstruktion. Das Gehirn stellt sie her, indem es – vereinfacht gesagt - auf seine Gedächtnisinhalte zurückgreift. Denn wir Menschen haben keinen Sinn für die Zeit, so wie wir Augen für das Sehen und Ohren für das Hören haben. Und Erlebnisse, die uns überrascht haben, die uns emotional besonders berührt oder erschreckt haben, werden besonders intensiv erinnert. Deutlich besser als banale Erlebnisse der Alltagsroutine. Diese Eigenschaft des Gehirns ist ein entscheidender Grund dafür, warum es den meisten von uns so vorkommt, als verginge die Zeit immer schneller, je älter wir werden, erklärt Zeitforscher Marc Wittmann:</p>
<p>TAKE 5 (O-Ton Wittmann) L: 0, 20</p>
<p>Wenn wir älter werden, dann kommen wir immer mehr in die Falle der Routine, dann sind wir vielleicht 30 Jahre am selben Arbeitsort, im selben Job, und dann werden nicht mehr so viele Dinge als besonders eingespeichert und deswegen kommen uns dann Zeitintervalle irgendwie relativ kürzer vor. </p>
<p>Musik Pulsating environments Musik Flatliners Länge: 0´37´´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Selbst Jahre, in denen wir, objektiv betrachtet, sehr viel in unserem Leben bewältigt haben, etwa mit frühem Aufstehen, Schulbrote schmieren, Kinder pünktlich zur Schule schicken, Wohnung aufräumen, im Job bestehen, aber auch darauf achten, dass der Kühlschrank gefüllt ist, die alten Eltern besucht, Freunde und Partner nicht vernachlässigt werden: Solche Jahre schnurren oft in der Erinnerung zu kurzen Intervallen zusammen. Weil es nicht ausschließlich die Vielzahl von Erlebnissen ist, die die Zeit im Rückblick dehnt, sondern ganz offenbar auch deren Qualität:</p>
<p>TAKE 6 (O-Ton Wittmann) L: 0, 30</p>
<p>Gerade das mittlere Erwachsenenalter ist eigentlich das, wo wir auch den meisten Zeitdruck spüren und die meisten Dinge tun, die Überladung durch einerseits Arbeit, weil wir irgendwo versuchen uns eine gute Position zu ergattern, gleichzeitig vielleicht Familie, Kinder und das muss man alles gleichzeitig unter einen Hut bringen. Da macht man eigentlich besonders viel, aber trotzdem haben wir das Gefühl im Vergleich zu vor 10, 20, Jahren, dass die Zeit trotzdem schneller geht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das liegt daran, dass das Neuartige, das Besondere, das Intensive an dem Erlebten fehlt. An die Geburt meiner Kinder kann ich mich beispielsweise noch sehr detailreich erinnern, aber die vielen durchwachten Nächte danach sind in der Rückschau nur noch eine Episode, eben weil sie in dieser Lebensphase zur Routine des Alltags fest dazugehörten</p>
<p>TAKE 7 (O-Ton Tchumatchenko) L 0, 35</p>
<p>Wir haben ja festgestellt, dass die komplexe Aktivität, die wir erlebt haben, zu einer komplexen neuronalen Aktivität führt. Und dass diese komplexe neuronale Aktivität zu dieser Fehleinschätzung führt, dass sie länger gebraucht hat in dem Ablauf. Das heißt, unsere Erinnerungen später sind mit einem Tack versehen, der heißt, das ist eine längere Phase gewesen, die wir hier abgespeichert haben. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wird diese Erinnerung aus dem Langzeitgedächtnis in den aktiven Teil des Gedächtnisses zurückgerufen, so Tatjana Tchumatchenko, dann liefert das Gedächtnis nicht nur die Komplexität und Qualität dieses Erlebnisses mit, sondern auch die damalige Zeitwahrnehmung. </p>
<p>Musik Summer lights Länge: 0´36´´</p>
<p>Dieser Prozess ist dafür verantwortlich, weshalb beispielsweise der erste Konzertbesuch oder der erste Schultag in der Erinnerung Stunden länger gedauert haben, als das erste Konzert, das ich mir auf dem Fernseher oder im Kino angeschaut habe. Denn die Komplexität dieser filmischen Sinneseindrücke ist extrem viel reduzierter als die eines „echten” Konzertbesuchs. Und diese verschiedenen Sinneseindrücke prägen die Zeitwahrnehmung, wie die Forschenden in einfachen Experimenten zeigen konnten:</p>
<p>TAKE 8 (O-Ton Tchumatchenko) L. 0,15</p>
<p>Was auch in Versuchen sehr schön zu sehen ist, ist, wenn wir die gleiche Aufgabe die Probanden durchführen lassen, beim ersten Mal werden sie abgelenkt durch andere Reize, wird diese Aufgabe ihnen länger erscheinen als bei Kontrollversuchen ohne Ablenkung.</p>
<p>Atmo Straßenverkehr</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>((Und das erklärt auch, warum beispielsweise Wege, die wir das erste Mal gehen, uns länger erscheinen als der Rückweg derselben Strecke. Weil wir dann alles genau anschauen: Die Bäume an der Straße und die Baustelle, spielende Kinder im Park oder die vielen LKW, die sich auf der rechten Spur stauen.)) Dieses Abspeichern der vielen, unterschiedlichen Sinneseindrücke ist auch der Grund dafür, warum wir eine Wochenend-Reise in eine uns vorher unbekannte Gegend oder Stadt im Gedächtnis als viel gedehnter speichern, als ein gemütliches Wochenende zuhause, an dem wir vor allem Kleinkram erledigen. In der Erinnerung ging das in Windeseile vorbei.</p>
<p>MUSIK Hidden Länge: 0´43´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Beim Rückblick in meine Kindheit erinnere ich mich auch noch an endlos erscheinende Tage, die sich aber von den ereignisreichen deutlich unterschieden haben. Beispielsweise fallen mir Sonntage ein, an denen rein gar nichts passiert ist, und die sich endlos hinzogen. An denen nichts los war, außer vielleicht ein Spaziergang mit meinen Eltern. Das komplette Gegenteil also von einer ereignisreichen Zeit. Wie passt das zu den bisher gehörten Erkenntnissen der Zeitforscher?</p>
<p>TAKE 9 (O-Ton Wittmann) L: 0,15</p>
<p>Das ist das Im-Moment-Erleben. Was Sie erinnern in Ihrer Kindheit, die langweiligen Momente, das ist die Erinnerung an die Langeweile. (…) eher so, oh da war mir langweilig …</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Sagt Marc Wittmann von der Universität Freiburg:</p>
<p>TAKE 10 (O-Ton Wittmann) L: 0, 15</p>
<p>Das ist eben ein bisschen was anderes: Wie kommen wir zu unserem Gefühl der Langeweile? Dass wir im Moment, nicht rückblickend, im Moment auf die Zeit achten und wenn ich auf die Zeit achte, dann wissen wir, vergeht sie viel langsamer. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und daran erinnern wir uns später. </p>
<p>Musik schnell-langsam oder Metronom im Wechsel</p>
<p>Zeit kann nicht nur in der Erinnerung, sondern auch im aktuellen Erleben extrem unterschiedlich wahrgenommen werden: Mal schnell und mal sehr langsam vergehend. </p>
<p>MUSIK Hidden Länge: 0´40´</p>
<p>Und so, wie wir sie im Moment erleben, so wird sie dann auch erinnert. Deshalb kommen uns langweilige Tage auch in der Erinnerung noch als zäh und langweilig vor, weil wir uns an das Gefühl der erlebten Langeweile erinnern. Und die kommt dadurch zustande, dass wir auf uns selbst zurückgeworfen werden. Jede und Jeder kennt diese simplen Beispiele: Stehe ich allein und dann noch bei eisiger Kälte oder heftigem Regen wartend an einer Bushaltestelle, dann sind selbst 5 Minuten ellenlang und quälend. Warte ich dagegen gemeinsam mit einer Freundin, rede mit ihr über das bevorstehende Wochenende, dann gehen diese 5 Minuten richtig schnell vorbei. </p>
<p>TAKE 11 (O-Ton Wittmann) L 0, 30</p>
<p>Worauf achte ich, wenn ich auf die Zeit achte? Das ist ja schon ein Rätsel als solches, selbst wenn ich die Uhr vergessen hab, und ich die Zeitangabe auf meinem Handy nicht beachte, trotzdem erlebe ich die Zeit. Wie komme ich zu meinem Gefühl der Zeit? Des Rätsels Lösung ist, wie die neuesten Metaanalysen von Studien zeigen, dass das etwas mit der Körperwahrnehmung zu tun hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bereits vor rund 15 Jahren hat der Freiburger Psychologe Marc Wittmann mit Untersuchungen zeigen können, dass vor allem ein bestimmtes Areal im Gehirn dafür verantwortlich ist, wie wir in einem konkreten Moment die Zeit wahrnehmen. Dieses Areal ist die sogenannte Insula. Auch Inselrinde oder insulärer Cortex genannt. Dabei handelt es sich um ein kleines Hirnareal, das auf beiden Seiten der Großhirnrinde situiert ist:</p>
<p>TAKE 12 (O-Ton Wittmann) L: 0, 30</p>
<p>Die ist das primäre Organ für unsere Körperwahrnehmung. So wie wir ein primäres Organ im Gehirn für das Sehen und Hören haben, gibt es auch einen fürs Körperfühlen. Ob mir kalt ist oder heiß, wenn ich Schmerzen hab, wenn ich Hunger hab, wenn ich Durst hab, dann ist die Insel sehr aktiv, durch die Signale, die aus den Körper dort zusammenlaufen. </p>
<p>Musik Stock up Länge: 0´54´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ob ich müde oder schlecht gelaunt bin, den Wadenmuskel gezerrt habe oder heiter und voller Vorfreude auf das Treffen mit Freunden bin, diese Informationen werden im Körper gesammelt und dann zum insulären Cortex geschickt. Und aus all diesen Gefühlen, Eindrücken und Informationen entsteht die Körperwahrnehmung und daraus wiederum das sogenannte Körperselbst. Wenn ich mich auf meinen Körper fokussiere, eben weil ich beispielsweise lange auf den Bus warten muss und die Kälte oder den Hunger spüre, oder weil ich starke Schmerzen habe, dann hat das auch Auswirkungen auf meine Wahrnehmung der Zeit. Diese Erkenntnis von Marc Wittmann ist in der Zwischenzeit von anderen Forschenden bestätigt worden. Die Zeit vergeht bei der Hinwendung auf das Körperselbst scheinbar deutlich langsamer, als wenn ich viel zu tun habe:</p>
<p>TAKE 13 (O-Ton Wittmann) L: 0, 15</p>
<p>Wenn ich nicht auf mich achte, weil ich abgelenkt bin, z.B. weil ich jetzt mein Handy zücke und mal schaue, was so die neuesten Nachrichten sind, dann bemerke ich mich nicht mehr… und die Zeit vergeht plötzlich ganz schnell.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Neben dem Zeitgefühl in der Erinnerung oder der Zeitwahrnehmung im konkreten Moment gibt es noch eine weitere Ebene des zeitlichen Erlebens, wie die Forschenden herausgefunden haben. Denn selbst wenn wir ohne Uhr oder anderen Zeitangaben unterwegs sind, können wir Zeiträume relativ gut einschätzen.</p>
<p>TAKE 14 (O-Ton Tchumatchenko) L: 0, 15</p>
<p>Wenn wir wissen, wir müssen um eine bestimmte Zeit dort sein, bedeutet das nicht für das Gehirn, dass es genau weiß, wie viele Minuten exakt es bis zu diesem Ereignis sind, sondern wir denken in Handlungsabfolgen.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Erklärt die Neurowissenschaftlerin Tatjana Tchumatchenko:</p>
<p>TAKE 15 (O-Ton Tchumatchenko) L: 0, 20</p>
<p>Wir wissen, aha, ich muss zur Arbeit erscheinen. Das heißt, ich muss zuallererst aus der Tür rausgehen, die U-Bahn besteigen, dann muss ich aus der U-Bahn rausgehen, das heißt, wenn wir ein bestimmtes Ereignis in einer bestimmten Zeit erreichen wollen, müssen wir es in eine Handlungsanweisung übersetzen. Und diese Handlungsanweisung ist das, was das Gehirn abspeichert. </p>
<p>Musik Stock up Länge: 0´31´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und deshalb kann das Gehirn aus Erfahrung mit einer gewissen Ungenauigkeit abschätzen, wieviel Zeit beim Zähneputzen, Anziehen oder beim Kaffeetrinken vergeht und wieviel Zeit uns dann noch bleibt, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Dieses Denken in Handlungsabfolgen hilft aber nicht nur dabei, sich in der Zeit – auch ohne Zeitmesser – zu orientieren, sondern auch dabei, Ereignisse zeitlich einzuordnen. Dazu hat Dr. Jacob Bellmund geforscht. Er arbeitet am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig:</p>
<p>TAKE 16 (O-Ton Bellmund) L: 0, 30</p>
<p>Wir haben keinen direkten Sinn für Zeit, aber für unser Gehirn ist Zeit oder Rhythmen natürlich sehr wichtig. Auf verschiedenen Ebenen. Wenn mir jemand einen Ball zuwirft, muss ich ganz präzise abschätzen können, wann der bei mir ankommt, wenn ich ihn fangen will, oder anderseits steuert unser Gehirn auch die Ausschüttung von Hormonen, in einem zirkadianen Rhythmus in unserem 24 Stunden Tag-Nacht-Rhythmus. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dieser zirkadiane Rhythmus wird umgangssprachlich auch als innere Uhr bezeichnet. Und sie ist existentiell für uns, weil sie lebenswichtige Vorgänge im menschlichen Körper steuert. Aber damit ist der Mensch keine Ausnahme, selbst kleinste Lebewesen wie Einzeller verfügen über einen inneren Biorhythmus, der ihren Tagesablauf regelt. Die innere Uhr des Menschen hat einen Rhythmus von ungefähr 24 Stunden, erklärt Zeitforscher Marc Wittmann:</p>
<p>TAKE 17 (O-Ton Wittmann) L: 0, 30</p>
<p>Die chronobiologische Uhr, die unseren Schlaf-Wach-rhythmus steuert, die uns über 24 Stunden quasi organisiert, physiologisch aber auch psychologisch, ist tatsächlich eine echte innere Uhr. Von der eigentlich all unser Befinden und unser Denken aber auch die ganz basalen Körperprozesse wie Verdauung, abhängen, oder Temperaturregelung, und das hält uns, in Synchronizität mit dem, was draußen passiert.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und selbst wenn Menschen ohne Tageslicht und andere äußere Einflüsse über einen längeren Zeitraum leben müssen, dann, so haben Experimente in den 1960er Jahren gezeigt, gibt die innere Uhr weiter den Takt an. Sie verrutscht dann zwar leicht, um bis zu eine Stunde, aber sobald die äußeren Einflüsse wie Tageslicht wieder da sind, gleicht sich die innere Uhr an den Tag-Nacht-Rhythmus der Umgebung wieder an. Ist diese innere Uhr vielleicht auch dafür verantwortlich, dass wir Erinnerungen zeitlich korrekt einordnen können? Ist sie eine Art biologisches Zeit-Korsett, in das alle anderen Zeitwahrnehmungen eingefügt werden? Nur teilweise, sagt der Psychologe Jacob Bellmund:</p>
<p>TAKE 18 (O-Ton Bellmund) L: 0, 20</p>
<p>Wir nutzen unser Wissen über den Kontext oder über verwandte Ereignisse, was wir getan haben oder etwas, was ähnlich damit zu tun hat. Und können darüber dann damit zu einem Schluss kommen, wann etwas passiert ist. Weil das aber so ein Rekonstruktionsprozess ist, ist das natürlich auch fehlerhaft, oder fehleranfällig. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Erinnerung an die Dauer von vergangenen Ereignissen ist also nicht ausschließlich eine Gedächtnisleistung. Um sie zeitlich richtig einzuordnen, bedarf es darüber hinaus einer sogenannten psychologischen Rekonstruktion, wie Jacob Bellmund diesen Prozess nennt. </p>
<p>M Far away Länge: 1´38´</p>
<p>Ein einfaches Beispiel: Ich frage mich, wann meine Mutter das letzte Mal angerufen hat. An welchem Wochentag und um wieviel Uhr war das? Die Antwort darauf erschließe ich mir, indem ich die Erinnerung an andere Ereignisse zuhilfe nehme. Montag kann es nicht gewesen sein, da saß ich den ganzen Tag im Zug, heute ist Mittwoch, also muss es gestern am Dienstag gewesen sein. Angerufen hat sie am Abend. Vorher habe ich die Tagesschau geguckt, bin aber schon ausnahmsweise gegen 22 Uhr ins Bett gegangen, weil ich so müde war. Also hat meine Mutter vermutlich gegen 21 Uhr angerufen, rekonstruiere ich. Und so machen wir es alle, um Ereignisse in den Tages- oder Jahresablauf einzuordnen, wenn wir die genaue Uhrzeit oder das konkrete Datum nicht kennen.</p>
<p>MUSIK nochmal hoch</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Manchen Menschen gelingt es besser, anderen schlechter, sich zeitlich zutreffend an Vergangenes zu erinnern. Auch das kann am Alter liegen, daran, dass sich Tages-, Wochen- oder Jahresabläufe ähneln, dass wir das Gefühl haben, die alte Tante doch erst neulich besucht zu haben. Beim Nachsehen im Kalender aber feststellen, dass seither schon wieder drei Jahre vergangen sind. Denn die psychologische Rekonstruktion von Ereignissen funktioniert nur, wenn das Gedächtnis auf allen Ebenen intakt ist, wenn die verschiedenen Areale des Gehirns miteinander verknüpft sind. </p>
<p>Bei dementiell Erkrankten geraten die Zeitwahrnehmung, das Zeitgefühl und auch die Zeitabläufe durcheinander. Mit schwerwiegenden Auswirkungen auf das tägliche Leben. </p>
<p>TAKE 20 (O-Ton Tchumatchenko) L: 0, 30</p>
<p>Wir können z.B. das, was wir aktuell erleben, nicht mehr so gut in das Langzeitgedächtnis überführen, und das, was im Langzeitgedächtnis bereits ist, wird dabei leichter wieder in das aktuelle Geschehen eingebaut. Und dadurch vermischt sich Vergangenheit und Gegenwart in einer Art und Weise, die nicht ganz korrekt ist. Die aktuellen Erlebnisse müssten stärker gewichtet werden, werden sie aber nicht, sondern überschrieben, von dem Recall, von dem Abrufen der Vergangenheit. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das führt dazu, dass sich die zeitlichen Ebenen vermischen. Ereignisse, die vor Jahrzehnten stattgefunden haben, scheinen für die Betroffenen erst kürzlich geschehen zu sein. Eine Erzählung beginnt in der Gegenwart, endet aber mit der Beschreibung einer längst vergangenen Situation. Diese extremen Krankheitsfälle machen deutlich, wie sehr uns unser Zeitgefühl prägt. Auch wenn uns das im Alltag in der Regel gar nicht bewusst ist: Ein unsichtbarer Zeitmesser läuft das ganze Leben über mit, sortiert, bewertet, ordnet und hilft bei der Orientierung. Wie sehr wir vom Zeitgefühl abhängen, wird im Extremfall einer Demenz sichtbar, wenn mit dem Zeitgefühl und dem Gedächtnis für die Betroffenen scheinbar das ganze Leben verloren geht.</p>
<p>TAKE 21 (O-Ton Wittmann) L: 0, 15</p>
<p>Die Zeit geht ja nach vorwärts, in Richtung Tod, in Alter und Tod. Es heißt, es hat durchaus eine positive Komponente, wenn ich das Gefühl habe, ich habe lange gelebt, ich habe positiv gelebt, emotional positiv gelebt, ich habe etwas erlebt. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit dem Gedächtnis gehen die Erinnerungen verloren und das Zeitgefühl. Das Leben schnurrt zu einer kurzen Abfolge von Kindheit und Alter zusammen. Und das erleben viele Betroffene als ausgesprochen deprimierend und verstörend.</p>
<p>MUSIK Flatliners Länge: 1´39´</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dass die Zeit für uns existentiell ist, haben bereits die griechischen Philosophen in der Antike formuliert. Und heftig darüber gestritten, ob die Zeit tatsächlich objektiv existiert oder ob sie subjektiv zu begreifen ist. Forscher und Neurowissenschaftlerinnen von heute betrachten das Zeitgefühl in jedem Fall als existentiell für das menschliche Leben. Ohne Zeitgefühl und die Wahrnehmung von zeitlichen Abläufen können wir weder denken noch planen oder uns selbst als Individuen in der Zeit wahrnehmen.</p>
<p>MUSIK kurz hoch</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Um mit dem fortschreitenden Alter nicht ständig das Gefühl zu haben, dass die Jahre nur so dahinrasen, und uns die Zeit und das ganze Leben abhandenkommen, haben die Forschenden ganz konkrete Tipps: Ich soll etwas Neues anfangen, mich in ungewohnte, neue Situationen begeben. Das kann eine Reise sein, am besten ohne vorher alles durchzuplanen, der Besuch einer ungewöhnlichen Veranstaltung. Aber auch eine Fremdsprache zu erlernen oder ein Instrument ist ein gutes Mittel, um das Zeitgefühl auszutricksen und zu verlangsamen. Oder eine langweilige Situation erzeugen: Zwischendurch einfach Mal nichts zu tun, ohne Handy, Buch, Musik oder Fernseher - einfach nur nichts tun. Und ganz bewusst erleben, wie langsam die Zeit vergeht, wie lang eine Minute sein kann. </p>
<p>Atmo Wasserpflatscher</p>
<p>Vielleicht fast so lang wie damals in der Kindheit, im Sommer, im Freibad, als die Zeit scheinbar ewig währte.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zikaden - Der Sound des Sommers</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zikaden-der-sound-des-sommers/31624</link>
      <pubDate>Wed, 11 Jun 2025 11:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d69e4132-f7cf-410e-831a-ca0ceb24b54c</guid>
      <description>Wie kann ein kleines Insekt so laute Geräusche erzeugen? Diese Frage stellt sich mancher Mittelmeer-Urlauber beim Gesang der Zikaden. Längst nicht alle Zikadenarten singen, manche sind lästige Pflanzenschädlinge. (BR 2017) 
Autorin: Christiane Seiler</description>
      <enclosure length="26409984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/31624/c/feed/zikaden-der-sound-des-sommers.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:08</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Seiler</itunes:author>
      <itunes:summary>Wie kann ein kleines Insekt so laute Geräusche erzeugen? Diese Frage stellt sich mancher Mittelmeer-Urlauber beim Gesang der Zikaden. Längst nicht alle Zikadenarten singen, manche sind lästige Pflanzenschädlinge. (BR 2017) 
Autorin: Christiane Seiler</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/32b05de7-2c04-40bf-97c4-6da2313e39e0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann ein kleines Insekt so laute Geräusche erzeugen? Diese Frage stellt sich mancher Mittelmeer-Urlauber beim Gesang der Zikaden. Längst nicht alle Zikadenarten singen, manche sind lästige Pflanzenschädlinge. (BR 2017) 
Autorin: Christiane Seiler</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor/in dieser Folge: Christiane Seiler<br/>Regie: Christiane Klenz<br/>Es sprachen: Irina Wanka, Christian Baumann, Julia Cortis<br/>Technik: Regina Staerke<br/>Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Radiowissen | Zikaden" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-zikaden-100.html">HIER</a></strong>.</p>
<p> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Libellen, die fliegenden Räuber - Alles Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/libellen-die-fliegenden-raeuber-alles-natur/bayern-2/94584654/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Käfer - Unverzichtbar für die Natur<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/kaefer-unverzichtbar-fuer-die-natur/bayern-2/78759540/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Glühwürmchen - Mit Licht auf Brautschau<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/gluehwuermchen-mit-licht-auf-brautschau/bayern-2/78750010/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p>Schmetterlinge - Die mit den Füßen schmecken<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/schmetterlinge-die-mit-den-fuessen-schmecken/bayern-2/10400891/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>

<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/> <br/> RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Amoklauf - Die Psychologie der blinden Gewalt</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/amoklauf-die-psychologie-der-blinden-gewalt-1/1832737</link>
      <pubDate>Wed, 11 Jun 2025 09:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">a73b793c-fc06-44c4-aa66-523b31c5478a</guid>
      <description>Amok, eine impulsiv auftretende, scheinbar blindwütige Affekthandlung? Kriminologen gehen vom Gegenteil aus: Die meisten Taten finden nicht spontan statt, sondern sind detailliert geplant. Und: So gut wie alle Täter leiden - zumindest aus ihrer Sicht - unter ausbleibender Anerkennung. Ihnen fehlen angemessene Strategien, um Kränkungserlebnisse einzuordnen und zu verarbeiten. Von Prisca Straub (BR 2017) </description>
      <enclosure length="21144192" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1832737/c/feed/amoklauf-die-psychologie-der-blinden-gewalt-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:01</itunes:duration>
      <itunes:author>Prisca Straub</itunes:author>
      <itunes:summary>Amok, eine impulsiv auftretende, scheinbar blindwütige Affekthandlung? Kriminologen gehen vom Gegenteil aus: Die meisten Taten finden nicht spontan statt, sondern sind detailliert geplant. Und: So gut wie alle Täter leiden - zumindest aus ihrer Sicht - unter ausbleibender Anerkennung. Ihnen fehlen angemessene Strategien, um Kränkungserlebnisse einzuordnen und zu verarbeiten. Von Prisca Straub (BR 2017) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/517d4cec-2033-4a4f-882a-6883c647716d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Amok, eine impulsiv auftretende, scheinbar blindwütige Affekthandlung? Kriminologen gehen vom Gegenteil aus: Die meisten Taten finden nicht spontan statt, sondern sind detailliert geplant. Und: So gut wie alle Täter leiden - zumindest aus ihrer Sicht - unter ausbleibender Anerkennung. Ihnen fehlen angemessene Strategien, um Kränkungserlebnisse einzuordnen und zu verarbeiten. Von Prisca Straub (BR 2017) </p>
<p>Autorin dieser Folge: Prisca Straub<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: Julia Cortis, Andreas<br/> Technik: Andreas Lucke<br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Mythos Mond - Wie beeinflusst uns der Erdtrabant?</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mythos-mond-wie-beeinflusst-uns-der-erdtrabant/2093374</link>
      <pubDate>Wed, 11 Jun 2025 06:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7bc321b7-57e3-4411-977c-abaad0bc7bb5</guid>
      <description>Er ist ein &quot;herausgerissenes Kind&quot; der Erde, ihr &quot;natürlicher Satellit&quot; und &quot;treuer Begleiter&quot; - und für die Menschheit von überragender Bedeutung: Ohne den Mond würde es uns vermutlich gar nicht geben. Doch wie genau wurde er zum Geburtshelfer für das Leben auf der Erde und wie hilft er bis heute, es zu bewahren? Von Martin Schramm (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21153024" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2093374/c/feed/mythos-mond-wie-beeinflusst-uns-der-erdtrabant.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:02</itunes:duration>
      <itunes:author>Martin Schramm</itunes:author>
      <itunes:summary>Er ist ein &quot;herausgerissenes Kind&quot; der Erde, ihr &quot;natürlicher Satellit&quot; und &quot;treuer Begleiter&quot; - und für die Menschheit von überragender Bedeutung: Ohne den Mond würde es uns vermutlich gar nicht geben. Doch wie genau wurde er zum Geburtshelfer für das Leben auf der Erde und wie hilft er bis heute, es zu bewahren? Von Martin Schramm (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/817a673f-7caf-4a47-b8c4-84380066a73d.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Er ist ein "herausgerissenes Kind" der Erde, ihr "natürlicher Satellit" und "treuer Begleiter" - und für die Menschheit von überragender Bedeutung: Ohne den Mond würde es uns vermutlich gar nicht geben. Doch wie genau wurde er zum Geburtshelfer für das Leben auf der Erde und wie hilft er bis heute, es zu bewahren? Von Martin Schramm (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Martin Schramm<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Andreas Neumann, Rahel Comtesse, Clemens Nicol<br/> Redaktion: Iska Schreglmann</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Harald Lesch, Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München.<br/>Dipl.-Geol. Ulrich Köhler, Planetengeologe am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.</p>
<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Wie entstehen Planeten? - Alles Natur</strong><br/>
Erde, Mars, Jupiter, Neptun... Wie entstehen Planeten? Weshalb sind sie so unter-schiedlich - manche groß, manche klein, manche aus Stein, andere aus Gas...? Und wie werden aus Staubkörnchen Giganten? (BR 2021) Von Aeneas Rooch<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wie-entstehen-planeten-alles-natur/bayern-2/12680997/">JETZT ENTDECKEN</a>
<br/>
<strong>Der Weltraum und wir - Vom Aufbruch der Menschen ins All</strong>

Weltraum-Reiseberichte gibt es seit Jahrtausenden. Was früher reine Fiktion war, ist mittlerweile oft real.  Wie hat sich das Verhältnis von uns Menschen zum Weltraum entwickelt und wie weit reicht unser Blick ins All mittlerweile? Von Christian Schiffer (BR 2022)<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-weltraum-und-wir-vom-aufbruch-der-menschen-ins-all/bayern-2/10551413/">JETZT ENTDECKEN</a>

<br/>
<strong>Schwerelosigkeit - Die Faszination des Schwebens</strong>

Astronauten im All sind schwerelos. Doch das dauerhafte Schweben verändert ihren Körper. Der Wissenschaft geben manche Veränderungen Rätsel auf. Wie lassen sich die Effekte vermeiden? (BR 2019) Von Aeneas Rooch
<a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/schwerelosigkeit-die-faszination-des-schwebens/bayern-2/94562570/">JETZT ENTDECKEN</a>



<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Der Anfang von allem - Gab es den Urknall doch nicht?</strong><br/>Das Universum ist mit dem Urknall vor knapp 14 Milliarden Jahren entstanden, so die gängige Theorie. Aber sie kann nicht alles erklären, etwa, warum sich das Weltall immer schneller ausdehnt. Deswegen suchen Kosmologen nach alternativen Erklärungen. In unserer heutigen Podcast Folge geht es um die Frage: hat es den Urknall, den Big Bang wirklich gegeben? IQ Wissenschaft und Forschung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/der-anfang-von-allem-gab-es-den-urknall-doch-nicht/bayern-2/13103597/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Von Ufos und Aliens - Unerklärliche Himmelsphänomene</strong><br/>Sind wir Menschen allein im Universum? Wahrscheinlich nicht, aber gesehen hat noch niemand außerirdisches Leben. Nicht nur Verschwörungsgläubige interessieren sich für Aliens, sondern auch seriöse Wissenschaftler. Und die sagen: Unsere  Suche nach Außerirdischen sollte noch professioneller werden! (BR 2021)  IQ Wissenschaft und Forschung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/von-ufos-und-aliens-unerklaerliche-himmelsphaenomene/bayern-2/12380183/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-mond-mondforschung-astrophysik-raumfahrt-planeten-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Weltraum - vor viereinhalb Milliarden Jahren. - Ein Protoplanet, Vorläufer der heutigen Erde, hat eine schicksalhafte Begegnung: </p>
<p>Er kollidiert mit einem anderen Himmelskörper. Ein gigantischer Knall, bzw. eine Art „Streifschuss“, der Masse aus dem Mantel der Erde reißt - und dafür sorgt, dass sie fortan einen „treuen Begleiter“ hat, einen „natürlichen Satelliten“: den Mond.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>So oder so ähnlich könnte sich das damals abgespielt haben. Und auch wenn manches Detail noch im Dunklen liegt, uns dieser treue Begleiter bis heute noch jede Menge Rätsel aufgibt - fest steht: Ohne den Mond würde es uns Menschen vermutlich gar nicht geben - zumindest hätte sich einiges auf der Erde ganz anders abgespielt.</p>
<p>MUSIK:  Howling moon 0‘15</p>
<p>GERÄUSCH: Erdbeben</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Der Geburtshelfer - oder: Das herausgerissene Kind der Erde</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Er ist ein Riese. Mit seinem Durchmesser von fast dreieinhalb Tausend Kilometern misst er mehr als ein Viertel des Erddurchmessers.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und dieses Verhältnis „Mond - Erde“ ist ein Superlativ in unserem Sonnensystem. Kein anderer Planet dort hat einen größeren Begleiter - im Verhältnis zu seiner eigenen Größe - sieht man mal von „Zwergplaneten“ wie Pluto und seinem Mond Charon ([ˈkaːrɔn] [ˈçaːrɔn] [çˈaːʁɔn]) ab.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Erde hat, wie der Astrophysiker Harald Lesch gerne sagt, also einen Mond, der ihm Dienstgrad-mäßig gar nicht zusteht. Doch wie kommt das?</p>
<p>MUSIK:  Apollo 0‘40</p>
<p>GERÄUSCH: Baustelle</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dieses Rätsel hat die Astronomen lange Zeit beschäftigt. Und ein wichtiges „Puzzleteil“, um es zu lösen, sind Gesteinsproben vom Mond.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Im Rahmen der Apollo-Missionen wurde dieses Gestein mit Hämmern, Bohrern, Schaufeln, Rechen und Zangen eingesammelt, in Tüten gesteckt und zur Erde gebracht. - Und die Analyse dieses Materials hatte es in sich:</p>
<p>01-O-TON Lesch Analyse</p>
<p>„Die Analyse des Mondgesteins, immerhin 400 Kilogramm, ergibt ganz eindeutig: Das Mondgestein ist so wie das Erdmantel-Gestein, nur ohne flüchtige Elemente. Das heißt, der Mond ist in seiner Zusammensetzung der Erde unheimlich ähnlich. Aber was fehlt, sind die Elemente, die bei einem starken Einschlag verschwinden, weil es heiß wird.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erklären lässt sich das eigentlich nur durch das bereits eingangs geschilderte „Kollisions-Szenario“: ein anderer Planet, der rund 20 % der Erdmasse hatte, muss mit der Urerde kollidiert sein:</p>
<p>02-O-TON Lesch Kollisionsszenario</p>
<p>„Und der musste deswegen so schwer sein, wenn man das betrachtet, der Mond ist ja ein Körper, der außerhalb der Erde ist und ein Einschlag, der zu schwach ist, da fällt das Material einfach wieder auf die Erde runter. Es muss also genügend Bewegungsenergie drin sein, dass das Zeug so weit raus geschleudert wird, dass es nicht wieder auf die Erde zurückfällt. Daher die große Masse. Dieser Einschlag durfte, aber nicht so gedacht, nicht so gewesen sein, also irgendwie zentral volles Rohr sozusagen, sondern der muss streifend gewesen sein. Und dann bildet sich in einem Abstand von 60.000 Kilometer, also zehn Erdradien, bildet sich ein Gesteins-Ring - und innerhalb von wenigen Monaten, es gibt verschiedene Computersimulationen. Die einen sagen innerhalb von wenigen Monaten, die anderen sagen innerhalb von wenigen Jahren, ist aber angesichts der Tiefe der Zeit, in die wir da hineinblicken, auch wurscht, bildet sich der Mond.“</p>
<p>MUSIK:  Earthquake 0‘42</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eben aus jenem Material, das durch den heftigen Streifschuss vor allem aus der Erdkruste gelöst, stark erhitzt und in eine Erdumlaufbahn geschleudert wurde - um sich dort zusammenzuballen und zu einem Begleiter der Erde zu formen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Mond ist also vermutlich so etwas wie ein „herausgerissenes Kind“ der Erde. - Kein Begleiter, den die Erde irgendwie aus dem Weltall „eingefangen“ hat, oder der sich wie ein „Wassertropfen“ von der Urerde abgespalten hat - oder was sonst noch an möglichen Theorien kursierte.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und dieses Kind entfaltet zu seiner Mutter eine wechselvolle Beziehung: Mond und Erde ziehen sich gegenseitig regelrecht an - ganz ohne Magie:</p>
<p>03-O-TON Lesch Gravitation</p>
<p>„D.h. das Erde-Mondsystem beeinflusst sich gegenseitig, und zwar exakt in der Art und Weise, dass die Erde den Mond so anzieht, wie der Mond die Erde anzieht. Actio gleich Reactio. Gute alte Newtonsche Physik. Wir brauchen hier keinen Einstein. Wir brauchen gar nix. Wir haben zwei Massen, die sich gegenseitig beeinflussen. Und der Mond heute im mittleren Abstand von 400.000 km beeinflusst über seine Masse die Massenbewegungen auf der Erde, in der Erde, und die Massebewegung der Erde selbst. Das mal grundsätzlich.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und dieser Gravitation, also Schwerkraftwirkung, verdanken wir dann Phänomene wie „Ebbe und Flut“ - </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>- und eine Art „Knetmaschineneffekt“:</p>
<p>04-O-TON Lesch Knetmaschine</p>
<p>4:30 „Es gibt also tatsächlich zwei Wasserhügel, und die drehen sich um die Erde und zwar deshalb, weil die Erde sich unter ihnen weg dreht. Und das gleiche, was fürs Wasser gilt, gilt auch fürs Gestein. Während man es beim Wasser schön sehen kann - man stellt sich einfach in die Nordsee. Wartet sechs Stunden, und wenn man eben noch im Trockenen stand, wird man dann je nach dem wie weit man ins Watt hinausgelaufen ist, wird einem das Wasser bis zum Hals stehen. Ich kann nur warnen davor. Das Wasser kommt extrem schnell. Und das gleiche gilt also auch fürs Gestein. Das Gestein wird im Mittel um 30 cm angehoben. Und zwar überall auf der Welt. Das ist praktisch so eine ganz große Knetmaschine, die dadurch entsteht, dass die Erde sich am Mond vorbei dreht - und der Mond sich aber gleichzeitig noch einmal im Monat exakt einmal um den Mond herumdreht.“ 5:25</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Diese Effekte haben sich im Laufe der Zeit allerdings stark verändert: Der Mond geht nämlich langsam aber sicher auf Distanz zu seiner Mutter, strebt jedes Jahr um ca. eine Daumenlänge, etwa 3,8 Zentimeter von ihr weg.</p>
<p>GERÄUSCH: Meer</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Was andererseits bedeutet: Gerade in seiner Frühzeit vor Milliarden von Jahren war der Mond der Erde erstaunlich nahe – und die Gezeitenkräfte unglaublich heftig. - Ulrich Köhler, Planetengeologe am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt:</p>
<p>05-O-TON Köhler   Leben</p>
<p>“Und da ist ein interessanter Aspekt zu betrachten: in der Zeit hat sich das Leben auf der Erde entwickelt, also vor etwa dreieinhalb Milliarden Jahre. Etwas mehr vermutlich. Und das heißt der Tidenhub war sehr viel stärker. Und wenn man eben davon ausgeht, dass das Meer auf der Erde sich die Mineralstoffe geholt hat durch eben die Gezeiten an der Küste, die immer wieder die Gesteine verwittert haben. Und das gelöste Material dann im Meerwasser - das Meersalz ist das einfachste Beispiel - dass das sehr gute Voraussetzungen geschaffen hat, dass das Leben im Ozean entstanden ist.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Die Erde wird durch den Mond regelrecht ausgebremst. Sprich: ohne Mond würde sich die Erde wesentlich schneller um die eigene Achse drehen - nicht in 24 Stunden wie heute - sondern eher in 9 bis 10 Stunden.</p>
<p>GERÄUSCH: Wind</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Mit drastischen Folgen auch für das Leben auf der Erde. - Harald Lesch:</p>
<p>06-O-TON Lesch  Flache Bewohner</p>
<p>„Was hat das zu bedeuten – nun, wenn die Erde sich wesentlich schneller drehen würde, dann hätten wir sehr viel schnellere Strömungen in der Hochatmosphäre. Sogenannte schnelle Jetstreams. Die wären nicht 300, 400 km schnell, die wären 800, 900 km schnell. Und diese schnellen Strömungen übersetzen sich auf die tiefere Atmosphäre. Wir hätten hier Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 km - auf dem Boden! Wenn es also Lebewesen gäbe - dann wären die in jeder Hinsicht sehr flach. Und da ist der Zusammenhang: Also ohne den Mond würde es sicherlich keine aufrecht gehenden Homo sapiens geben. Wahrscheinlich nur Scholle, Scholle flach. Es hätte sich sicher auch Leben entwickelt, weiß ich nicht, - aber es wäre ganz anders geworden. In diesem Sinne hat der Mond für uns eine überragende Bedeutung.“</p>
<p>MUSIK:  It will be fine (reduced) 0‘28</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Mond wurde aber nicht nur zum Geburtshelfer für das Leben auf der Erde - er hat auch geholfen, das Leben auf der Erde bis heute zu bewahren: </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Wie die Ausleger bei einem Segelschiff stabilisiert er mit seiner relativ großen Masse nämlich auch die Neigung der Erdachse - Ulrich Köhler:</p>
<p>07-O-TON Köhler  Der Stabilisator</p>
<p>„Er sorgt mit seiner Bahn um die Erde dafür, dass die Erdachse relativ stabil im Raum orientiert ist. D.h. die Energieeinstrahlung der Sonne folgt einem klaren Muster, seit vielen Milliarden Jahren und verändert sich kaum. Und dadurch haben wir relativ stabile Bedingungen, die das frühe Leben sicherlich geschätzt hat. Und das macht natürlich einen großen Unterschied aus, wann wir Eiszeiten haben, wann wir Warmzeiten haben, wie das, was es sich auf der Erde verteilt und all diese Dinge. Also der Mond – ein schöner kleine Stabilisator für das Leben auf der Erde. Und das ist eine ganz wichtige Funktion.“</p>
<p>MUSIK:  The great gig in the sky 0‘21</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Der Mann im Mond - oder: The Dark side of the Moon</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Erste, relativ genaue Mondkarten zeichnet u.a. der Italiener Giovanni Battista Riccioli - Mitte des 17. Jahrhunderts. Durch sein Teleskop erkennt er hellere und dunklere Bereiche, die er als “Terrae” und “Maria” bezeichnet, also als “Länder” und “Meere” - wohl in der Annahme, dass es tatsächlich Wasser und Ozeane auf dem Mond geben könnte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Heute sind wir schlauer: bei diesen angeblichen „Mond-Meeren“ handelt es sich um dunkle Tiefebenen, gerahmt von Gebirgszügen. Also um große, extrem flache Beckenstrukturen, mit weiten Ebenen aus erstarrter Lava. Staubtrocken. Von Wasser erstmal keine Spur.</p>
<p>MUSIK: Go through the cold (reduced) 0‘42</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Diese Tiefebenen formen auch das typische Mondgesicht - bzw. den „Mann im Mond“ - der in anderen Kulturen schon mal als „Krokodil im Mond“, als „Mondhase“ - oder auch als „Frau im Mond“ gesehen wird, die Brennholz auf dem Rücken trägt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch wie immer man diese Krater auch interpretiert. Eines ist seltsam: Warum schauen wir von der Erde aus eigentlich immer in das gleiche „Mondgesicht“? Warum verschwindet es nicht, oder zeigt sich mal von der Seite?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Antwort lautet: „gebundene Rotation“. Die Gezeitenkräfte haben den Mond in seiner Rotation völlig eingebremst. Der dreht sich dadurch exakt einmal um seine eigene Achse, wenn er sich exakt einmal um die Erde dreht. Deshalb sehen wir immer die gleiche Seite des Mondes, seine „Vorderseite“.</p>
<p>MUSIK: Nocturnal research red 0‘41</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was jede Menge Spekulationen über die von uns abgewandte und dadurch irgendwie auch geheimnisvolle Rückseite hervorrief. Die daher auch gerne mal als „The Dark Side of the Moon“ bezeichnet wurde - was natürlich Unsinn ist. Denn es mag dort vielleicht noch so manches verborgen sein - dunkel ist es dort aber nicht immer. Sprich: die „dunkle Seite“ des Mondes ist regelmäßig auch seine „helle Seite.“ Es gibt also auch auf dem Mond Tag und Nacht.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch die Menschheit musste ganz schön lange warten, bis das Geheimnis um die Rückseite gelüftet wurde.</p>
<p>08-O-TON Köhler  Abgewandte Seite</p>
<p>„Ja, da muss man sich bis in die 1960er-Jahre zurückversetzen und natürlich auch noch viel, viel früher. Das war schlichtweg ein Rätsel, wie die Mondrückseite aussehen würde, was würden wir dort erwarten? Und es war tatsächlich eine sowjetische Raumsonde, die Ende der 1950er-Jahre zum ersten Mal über die Mond Rückseite geflogen ist und Bilder zur Erde dann übertragen hat - und gezeigt hat, dass es dort etwas anders aussieht als auf der Mondvorderseite. Und seither wird es natürlich wissenschaftlich diskutiert, warum das so ist. Und eine richtige Antwort muss man ehrlicherweise sagen haben wir bis heute nicht.“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Kleine grüne Männchen waren auf den Bildern zwar nicht zu sehen, auch keine großen. Doch die Forscher staunten nicht schlecht über die Geografie der Rückseite: Im Gegensatz zur Vorderseite gibt es dort fast keine dunklen Tiefebenen, sondern vor allem kraterreiche “Hochländer.”</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Doch wie ist das zu erklären? - Entstanden sind diese Becken auf der Vorderseite vermutlich, als Meteoriten die noch dünne Kruste des Mondes durchschlagen haben, Magma an die Oberfläche drang und die Krater flutete.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Kruste auf der Rückseite ist allerdings deutlich dicker als die auf der Vorderseite: fast doppelt so dick. Und damit vermutlich zu dick, um dem Magma den Weg nach oben frei zu geben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Warum die Kruste auf der Rückseite so viel dicker ist - dieses Rätsel hat man bislang aber nicht wirklich gelöst.</p>
<p>MUSIK:  The universe  0‘28</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ansonsten steht der Mond im Vergleich zur Mutter Erde recht schutzlos da: Er hat kein Magnetfeld, das ihn vor geladenen Teilchen schützt, die von der Sonne kommen. Und: er hat keine Atmosphäre. Folglich gibt es auch keine Wolken, kein Wasser an der Oberfläche, kein Leben - und es fehlt ein Schutzschild gegen Beschüsse aller Art:</p>
<p>09-O-TON Köhler  Schutzschild</p>
<p>„Na ja, das ist ein interessanter Aspekt. Denn, wenn der Mond keine Atmosphäre hat, wird er praktisch von den kleinsten Mikrometer großen Staubteilchen, die noch so im Sonnensystem herumschwirren, praktisch unmittelbar getroffen. Und das sind hohe Geschwindigkeiten, mit denen diese kleinen Teilchen auf die Mondoberfläche prasseln. Die Verglühen bei uns allesamt in der Erdatmosphäre. Wenn es größere millimetergroße Teilchen sind, dann sehen wir das als  Sternschnuppen. Und ganz große Körper - kommt man vielleicht mal ein kleiner Meteorit auf der Erde an. Und so was. Aber beim Mond kommt das alles ungebremst und trifft auf die Gesteine der Mondoberfläche. Und pulverisiert die nach und nach, im Laufe der Jahrmillionen und in dem Fall sogar Jahrmilliarden.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Mondboden besteht dadurch aus einem ganz besonderen Staub, dem sogenannten „Regolith“, auf dem die Astronauten der Apollo-Missionen entsprechend scharfkantige Fußabdrücke hinterließen, wie in Zementpulver.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Tatsache, dass dem Mond die Atmosphäre fehlt, hat aber noch weitere Auswirkungen: Sie macht ihn zu einem Himmelskörper der brutalen Extreme:</p>
<p>10-O-TON Köhler  Extreme</p>
<p>„Dadurch, dass sie keine Atmosphäre hat, ist es in der Sonne richtig sauheiß, muss man so sagen. Das heißt, Astronauten brauchen entsprechende Kühlsysteme, und die Instrumente müssen vor zu hohen Temperaturen geschützt werden. Und sobald es allerdings Nacht wird und die Nacht dauert ja eben 14 Tage, da lässt die Temperatur sehr schnell nach. Und da geht es dann weit unter minus 100 Grad Celsius runter, weil eben auch wiederum die Wärme des Tages nicht durch eine Atmosphäre in die Nacht mitgenommen werden kann.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Eine riesige Herausforderung also für Habitate aller Art, die einmal auf dem Mond entstehen könnten: eine perfekte Isolierung wäre unerlässlich, um in der Eiseskälte nicht zu erfrieren. Vor allem weil die Nächte auf dem Mond eben endlose zwei Wochen dauern.</p>
<p>MUSIK: Futuristic workflow (red) 0‘32</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Für Aufregung sorgte schließlich die Entdeckung, dass dieser kalte, tote Brocken, der uns da begleitet, so staubtrocken wie immer angenommen, offenbar gar nicht ist. Eine Sonde lieferte tatsächlich Hinweise auf Wasser - u.a. in den Kratern am Südpol des Mondes, in die nie ein Lichtstrahl vordringt.</p>
<p>11-O-TON Köhler  Wasser</p>
<p>„Und dort vermutet man Eis, also Wassereis. Und das hat man eigentlich spektral, mit Raumsonden in der Umlaufbahn schon nachgewiesen. Und da möchte man hin, um dieses Wassereis nutzen zu können. Zum einen eben für eine länger besiedelte Station, die eben genutzt wird für Wissenschaft und für Materialforschung. Und all diese Dinge, die man eben jetzt 50 Jahre nach Apollo machen möchte. Und zum anderen, um Treibstoff zu gewinnen, weil Wasser Eis lässt sich spalten in Wasserstoff und Sauerstoff. Und dann haben sie einen veritablen Raketentreibstoff. Und mit dem könnten sie eine Rakete betanken, die vom Mond dann zum Mars fliegt, weil sie dann nur ein Sechstel der Anziehungskraft beim Start überwinden müssen, um diese Rakete auf Spur zu bringen.“</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und die Mengen, die dort vermutet werden, sind durchaus veritabel: ein paar Füllungen des Bodensees könnten es schon sein.</p>
<p>MUSIK: Mystic 1  0‘13</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Mond-Mythen - oder: Einfach nur ein schöner Brocken</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Mond hat für uns eine überragende Bedeutung. So viel steht fest, auch wenn wir ihm noch lange nicht alle Geheimnisse entlockt haben.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Und zu den zahlreichen ungelösten Fragen, die der Mond uns immer noch aufgibt, gesellen sich dann auch noch eine ganze Reihe „Legenden und Mythen“ um die angebliche „Macht des Mondes“.</p>
<p>MUSIK:  Well and warm 1‘10</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hartnäckige Annahmen, dass der Mond unser Leben beeinflusst - auch jenseits aller Schwerkraft-Effekte wie Ebbe und Flut, und der Tatsache, dass es je nach Neu- oder Vollmond nachts mal heller und mal dunkler ist.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ratgeber bieten Hinweise an, wann man sich am besten operieren lässt, die Haare schneidet, am leichtesten abnimmt, im Garten arbeitet oder Bäume fällt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Manche Zeitgenossen sind auch fest davon überzeugt, dass sowohl Geburtenraten als auch Verkehrsunfälle vom Mond beeinflusst werden.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In der Regel lassen sich derartige Zusammenhänge weder statistisch erhärten - noch ist klar, welche Kräfte dabei eigentlich am wirken sein sollen. Für Forschende ist dieser „Mondglaube“ daher nicht nur kaum nachvollziehbar - sie staunen auch, wie wenig derartige Ratschläge kritisch hinterfragt werden. - Der Astrophysiker Harald Lesch:</p>
<p>12-O-TON Lesch Aufklärung</p>
<p>„Alle diese Diskussion über kosmische Energien, ob das nun der Mond ist oder die Sterne oder was auch immer, haben nicht einen einzigen statistischen Test bis heute bestanden. Und wenn ich mir überlege, dass wir im Allgemeinen beim Kauf zum Beispiel eines Staubsaugers, eines Bügeleisens, eines Autos, Qualitätsüberprüfungen vornehmen - und danach fragen: Ja, haben wir denn - gibt es da TÜV-Untersuchungen? Hat die Stiftung Warentest dazu was zu sagen? Wir aber auf der anderen Seite bei solchen Weltbildern offenbar völlig undifferenziert uns einfach irgendwas erzählen lassen und sagen: Ja, Mensch, meine Oma, die hat ja damals auch schon immer gesagt, also der Mond, der Mond. Dann muss ich sagen, dann sind wir doch noch einen weiten Weg entfernt von dem, was Kant schreibt, was Aufklärung ist.“ 19:45</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch der zwar gesicherte, aber an sich schon eher kleine Schwerkrafteffekt ist eben nicht überall zu beobachten. Er führt nur deshalb zu Ebbe und Flut, weil die Ozeane riesig sind.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Bei  Seen ist bereits kein Effekt mehr zu erkennen. Geschweige denn bei uns Menschen selbst: die Gravitation und damit das Gewicht eines Menschen ändert sich durch den Mond zwischen Voll- und Neumond angeblich gerade mal um 0,000035 %.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit anderen Worten: Die Wirkung ist so gut wie nicht messbar:</p>
<p>13-O-TON Lesch  winzig</p>
<p>„Also man muss sich darüber im Klaren sein. Die Gravitationskraft ist ein Produkt. Und zwar von zwei Massen, die miteinander in Wechselwirkung treten. Also nehmen wir mal mich - 76 kg. Das ist wenig. Also ich bin jetzt nicht unter dem Einfluss des Mondes - ich bestehe ja wie jeder Mensch aus 70, 80 % Wasser. Das Wasser in mir wird durch die Schwerkraft des Mondes nicht besonders angezogen. Weil meine kleine Masse multipliziert mit der großen Masse des Mondes – meine kleine Masse ist das Problem - wenn ich so schwer wäre wie die Erde. Dann würde ich den Mond spüren. Aber solange ich nur so ein winziges Teilchen bin. Und das wird natürlich noch schlimmer, wenn man auf die molekulare Ebene runtergeht, dann bleibt gar nichts mehr übrig.“</p>
<p>MUSIK: Hopeful view 0‘49</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Unterm Strich fällt das Fazit eines Astrophysikers in Sachen Mondmystik daher erwartungsgemäß nüchtern aus:</p>
<p>14-O-TON Lesch - Schöner Brocken</p>
<p>„Das Ding ist 400.000 Kilometer von uns entfernt. Erstmal möchte ich mal wissen, ob irgendjemand sich vorstellen kann wie viel 400.000 Kilometer sind, es ist lange. Ich habe einen amerikanischen Apollo-Astronauten mal gefragt, hat gesagt: Es sind dreieinhalb Tage, du fliegst dreieinhalb Tage durch absolut nichts. Und bist froh wenn du dann mal wieder was siehst. Es ist wirklich lang. Es ist wirklich weit weg. Dieses Ding macht nichts anderes, als einfach nur schwer zu sein. Der Mond ist nicht geladen, also elektrisch irgendwie, der hat keinen Magnetfeld, nix. Da ist gor nix. Das ist einfach nur ein schöner Gesteinsbrocken. Gott sei Dank, dass wir ihn haben. Aber sonst ist da nichts dran.“</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Toxische Beziehungen - Wenn Liebe giftig wird</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/toxische-beziehungen-wenn-liebe-giftig-wird/2092068</link>
      <pubDate>Wed, 11 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">576444ad-9e6a-45bd-9043-64f4bd11c1b1</guid>
      <description>Eifersüchtiger Ehemann? Extrem anhängliche Freundin? Immer häufiger werden Beziehungen als toxisch bezeichnet. Alles nur Küchenpsychologie? Oder hilft es uns negative Beziehungen zu reflektieren und emotionalen Missbrauch öffentlich zu machen? Von Johanne Burkhardt (BR 2024)</description>
      <enclosure length="21609984" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092068/c/feed/toxische-beziehungen-wenn-liebe-giftig-wird.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:30</itunes:duration>
      <itunes:author>Johanne Burkhardt</itunes:author>
      <itunes:summary>Eifersüchtiger Ehemann? Extrem anhängliche Freundin? Immer häufiger werden Beziehungen als toxisch bezeichnet. Alles nur Küchenpsychologie? Oder hilft es uns negative Beziehungen zu reflektieren und emotionalen Missbrauch öffentlich zu machen? Von Johanne Burkhardt (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/3f96bf45-3572-4eb1-9103-e70e3d4408cc.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eifersüchtiger Ehemann? Extrem anhängliche Freundin? Immer häufiger werden Beziehungen als toxisch bezeichnet. Alles nur Küchenpsychologie? Oder hilft es uns negative Beziehungen zu reflektieren und emotionalen Missbrauch öffentlich zu machen? Von Johanne Burkhardt (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Johanne Burkhardt<br/> Regie: <br/> Es sprachen: <br/> Technik: <br/> Redaktion: Susanne Poelchau</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Thies Hansen, Soziologe, Autor und Paarbereater<br/>Umut Özdemir, Psychotherapeut, Nensy Le, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der LMU München <br/><br/>Quelle: Pussy Mind Soul von Sophia Thome: Toxische Beziehungen und Narzissmus - Meine Erfahrung<br/><a title="Hier geht es zu YouTube" href="https://www.youtube.com/watch?v=CIjXOpIhZXs">Youtube</a></p>
<p><strong><br/>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-beziehung-liebe-freundschaft-toxisch-emotion-missbrauch-gewalt-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Es ist eine der ältesten Geschichten der Welt. Zwei Menschen treffen sich, verlieben sich ineinander. Tauschen Zärtlichkeiten und Versprechungen aus. Im Bauch Schmetterlinge, auf der Nase die rosarote Brille. Alex kennt seinen Schwarm schon lange. Viele Jahre waren sie „einfach gute Freunde“. Bis an einem gemeinsamen Abend mehr daraus wird.</p>
<p>O-TON 01: (Alex)</p>
<p>Das ist entstanden, als wir uns irgendwie getroffen haben und dann sie zu mir gemeint hat, dass sie schon immer Augen hatte für mich. Und sich auch eine Zukunft mit mir vorstellen könnte. Und irgendwie war das bei mir auch schon immer so der Fall. Und dann ist da an einem Abend, was draus entstanden. Ein bisschen was getrunken gehabt und dann haben wir halt wild rumgeknutscht und uns irgendwie halbwegs Versprechungen gemacht. Ja, große Liebe.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Für Alex, der in Wahrheit anders heißt, beginnt diese Liebesgeschichte als er 26 ist. Er arbeitet damals als gelernter Koch in einem schwäbischen Restaurant. Den Namen seines Schwarms möchte er im Radio lieber auch nicht hören. Nennen wir sie also Clara. Auch sie arbeitet in dem Restaurant. Aus Freunden und Kollegen werden Liebende.</p>
<p>O-TON 02: (Alex)</p>
<p>Auf jeden Fall war dann erstmal ein sehr sehr großes Gefühl von Sicherheit da, was mir vermittelt wurde. Ich habe von ihr wirklich Bestätigung bekommen, auch viele Komplimente und alles Mögliche. Diese Kleinigkeiten, diese kleinen Aufmerksamkeiten.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Doch eine feste Beziehung möchte Clara erst einmal lieber nicht eingehen. Und auch das Gefühl der Sicherheit ist nur von kurzer Dauer. Nach zwei Wochen wendet sich das Blatt: Gegen Alex.</p>
<p>O-TON 03: (Alex)</p>
<p>Und dann ist plötzlich von heut auf morgen so eine richtige Abneigung gegenüber mir entstanden. Danach war es dann wirklich, also wie ausgewechselt. Sie hat mich gar nicht mehr beachtet. Mich konstant wirklich ignoriert auch. Wenn ich sie nur angesprochen hab, hat sie nur die Augen verdreht. Also ich war auf einmal abstoßend. Das hat sie mir wirklich gezeigt, dass ich abstoßend bin für sie.</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Hier könnte die Geschichte von Alex’ und Claras Beziehung zuende sein. Doch es ist, wenn man so will, gerade erst der Anfang. Denn das zwischen den Beiden wird noch zwei Jahre weiterlaufen. Es wird nicht nur eine unglückliche Beziehung, sondern eine toxische. Über toxische Beziehungen könnte Alex, wie er es selbst vor dem Interview mit Radio Wissen gesagt hat, ein ganzes Buch schreiben.</p>
<p>Toxisch… im Sinne von bösartig, schädlich, zermürbend, giftig. Das Adjektiv hat sich längst fest im Sprachgebrauch eingebürgert. Dabei stammt das Wort toxisch eigentlich vom altgriechischen τόξον (= toxon) und kann mit Bogen oder Pfeil übersetzt werden. Von Gift ist also erst einmal keine Spur. Doch die Berliner Soziologin und Influencerin Katharina Wohlrab stellt fest: </p>
<p>Zitat</p>
<p>„Hatte Eros, der Gott der Liebe in der griechischen Mythologie, nicht auch immer Pfeil und Bogen dabei? Vielleicht wurde damals schon, zumindest in den Mythen, die toxischen Aspekte der Liebe mitgedacht.“ </p>
<p>Doch werden mit toxisch längst nicht mehr nur Liebesbeziehungen beschrieben. Auch von toxischen Freunden und Familien hört man immer häufiger.</p>
<p>O-TON 04: (Hansen)</p>
<p>Also man kann da ja zunächst erst mal feststellen, dass sich im Diskurs da was verschiebt. Und auch da wäre: die Frage Was liegen da drunter für gesellschaftliche Umwälzungen?</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Soziologe und Paarberater Thies Hansen glaubt nicht, dass nur weil mehr über toxische Beziehungen gesprochen wird, es auch mehr toxische Beziehungen gibt. Im Gegenteil:</p>
<p>O-TON 05: (Hansen)</p>
<p>Also es könnte ja sein, dass die ganze Aufmerksamkeit für toxische Beziehungen oder was damit gemeint ist, Ausdruck davon ist, dass es im Großen und Ganzen weniger toxische Beziehungen heute gibt als früher, weil es überhaupt ein Bewusstsein dafür gibt. Und vielleicht auch, weil es wichtiger geworden ist, heutzutage eine nicht toxische Beziehung zu führen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Noch vor wenigen Generationen waren Partnerschaften vordergründig Zweckgemeinschaften. Nicht umsonst sprechen Soziologinnen und Soziologen von „Ein Acker heiratet den anderen“. Doch in den letzten Jahrzehnten habe die romantische Liebe massiv an Bedeutung gewonnen, so Hansen. Und auch wie diese genau aussehen soll, wird immer mehr reflektiert.</p>
<p>O-TON 06: (Hansen)</p>
<p>Also es verschiebt sich was, die Beziehungswerte verschieben sich. Dadurch rückt die Aufmerksamkeit mehr auf Phänomene, die bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch als völlig normal gegolten haben. Also beispielsweise in unserer Großelterngeneration, würde ich sagen, ist so was so was wie emotionaler Missbrauch, emotionale Abhängigkeit völlig alltäglich gewesen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Unsere Vorstellungen von dem, was in Beziehungen - ob romantisch, platonisch oder familiär - akzeptabel ist, verändert sich. Lange Zeit wurden vor allem psychische Formen der Gewalt übersehen. Das liegt auch daran, dass sie schwerer zu entlarven sind, als eine Ohrfeige, oder ein zu fest gepackter Arm. Doch das Bewusstsein wächst. Auch, weil unser Wissen über gelingende Beziehungen gewachsen ist, sagt der Soziologe Thies Hansen. Selbsthilfeliteratur und Beziehungsratgeber etwa gehören zu den meistgekauften Sachbüchern.</p>
<p>O-TON 07: (Hansen)</p>
<p>Also das, was vielleicht zuvor ein Expertinnenwissen war, beispielsweise Psychologinnen etc. vorbehalten, ist heute sehr, sehr viel mehr im Alltagsbewusstsein angekommen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Doch Laien sind eben keine Experten. Wir wissen zwar mehr über gelingende Beziehungen als noch vor einigen Jahrzehnten - was aber nicht bedeutet, dass wir so ganz genau wissen, was eine toxischen Beziehung wirklich ausmacht. Man kann auf jeden Fall festhalten: Eine allgemein gültige oder gar wissenschaftliche Definition des Begriffs gibt es nicht.</p>
<p>O-TON 08: (Özdemir)</p>
<p>Die Gesellschaft hat vermutlich einen Begriff gebraucht, um dysfunktionale Beziehungen zu beschreiben. Hierbei ergibt sich aber auch direkt ein Problem, dass wir keine allgemeingültige Definition von toxischer Beziehung haben. Also ich weiß gar nicht, ob eine andere Person genau das darunter versteht, was ich darunter verstehe. Dann kann es auch passieren, dass wir - wir würden es in der Psychotherapie Plausibilitätsfalle nennen, dass wir da hineintappen. Also dass ich diese fehlende Info, also die Definition, einfach auch fülle mit dem, was ich darunter verstehe und im schlimmsten Fall völlig aneinander vorbei rede.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Der Psychotherapeut und Dozent Umut Özdemir berät in seiner Berliner Praxis Menschen speziell zu Sexual- und Paarthemen. Auch solche, die - nach ihrer eigenen Aussage - in einer toxischen Beziehung stecken.</p>
<p>O-TON 09: (Özdemir) </p>
<p>Ich frage erst mal nach was oder anhand welcher Beispiele und Faktoren, die ihre Beziehung als toxisch kennzeichnen oder definieren. Damit ich quasi ein Bild davon habe, worum es tatsächlich geht. Es sind unterschiedliche Antworten. Manchmal ist es ein &quot;Ich werde im Streit angeschrien, von einer anderen Person“ bis hin zu tatsächlich körperlicher Gewalt, das kam auch schon vor.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Zieht man das Internet zu Rate, was eine toxische Beziehung ausmacht, scheint die Antwort eindeutig. Da werden z.B. Listen ausgespuckt, die Merkmale einer toxischen Beziehung aufzählen. Was dabei auffällt: Es werden vor allem psychische Komponenten genannt: Manipulation, extreme Liebesbekundungen - auch Love Bombing genannt. Stimmungsumschwünge, Herabsetzung, Kritik, Kontrolle.</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Nachdem Clara Alex für ein paar Tage die Kalte Schulter gezeigt hat, startet sie auf der Arbeit wieder einen Annäherungsversuch.</p>
<p>O-TON 10: (Alex) </p>
<p>Plötzlich von jetzt auf nachher stellt sie mir einen Kaffee hin. Weil sie ganz genau weiß, wie ich meinen Kaffee mache. Von jetzt auf nachher läuft sie vorbei, streichelt mir die Schulter. So kleine Aufmerksamkeiten kamen wirklich von jetzt auf nachher wieder. Also beim ersten Mal hab ich mich gefreut. Hab gedacht, okay, vielleicht ist es jetzt besser geworden.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Stattdessen ist es der Anfang eines Teufelskreises. Denn das Glück ist wieder nur von kurzer Dauer.</p>
<p>O-TON 11: (Alex)</p>
<p>Das Ganze lief eigentlich die ganze Zeit immer wieder im selben Kreislauf. Also es war wirklich totale Love Bombing Phase. Dann gab es immer irgendein Ereignis, wo ich als verrückt hingestellt wurde. Dann totale Kälte. Ablehnung. Abneigung. Dann Kontaktabbruch, beziehungsweise Abstand. Und dann wieder von vorne. Über fast zwei Jahre.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Alex wird zum Spielball für Claras Launen.</p>
<p>O-TON 12: (Alex)</p>
<p>Das hat mein Selbstwertgefühl also komplett bis in die Grundfeste erschüttert. Das hat dazu geführt, dass ich mich auf 60 Kilo runter gehungert habe. Ich habe gar nichts mehr gegessen und war dann wirklich spindeldürr. Was sie mir damals auch unterschwellig oft dann gesagt hat, dass ich zu dünn und zu schwach sei. Wenn ich irgendwas hochheben musste „Ja dafür hat er doch eh keine Kraft“. Da ist es mir direkt bis ins Knochenmark gefahren. Ich habe mich in der Zeit auch total abgeschottet. Ich bin gar nicht mehr rausgegangen.</p>
<p>Musik (kurz frei stehen lassen)</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Auch in sozialen Medien und Podcasts teilen immer mehr Menschen ihre persönlichen Erfahrungen mit toxischen Beziehungen.</p>
<p>ATMO „STORYTIME“</p>
<p>Also Leute ich war in einer toxischen Beziehung. Hab die Beziehung beendet - natürlich sehr traumarisierend, natürlich sehr scheiße, war danach am Boden zerstört, bin danach in Therapie gegangen, was ganz oft passiert, weil wenn ein Narzisst mit dir fertig ist, denkst du du bist die Verrückte dabei wurdest du verrückt gemacht.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Stichwort Narzist: Was viele dieser „Story-Times“, die man zum Beispiel auf You Tube oder auf TikTok findet, gemeinsam haben: Zu einer toxischen Beziehung gehört scheinbar meist ein narzisstisches Gegenüber. Mal als Ursache für den Beziehungsstatus „toxisch“, mal als Begleitsymptom. Auch in Ratgebern zu toxischen Beziehungen taucht oft bereits im Klappentext das Schlagwort Narzissmus auf. </p>
<p>Worin die Autorinnen und Autoren dieser Selbsthilfebücher zunächst recht haben: Mit einem Narzissten oder einer Narzisstin eine Beziehung führen ist tendenziell ziemlich schwierig. Sagt die Psychologin Nensy Le von der LMU München.</p>
<p>O-TON 13: (Le)</p>
<p>Also zum Beispiel ist es so, dass Paare mit mindestens einer narzisstischen oder einer stark narzisstischen Person häufiger streiten. Die Person ist oftmals weniger empathisch. Nach so einem Konflikt ist es zum Beispiel oft so, dass dann als Gegenreaktion Rache eine größere Rolle spielt. Die Personen sind auch tendenziell eher aggressiv oder verhalten sich eher aggressiv, sind weniger warm.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Doch ab hier wird es knifflig. Denn es gibt nicht „den Narzisten“ sondern  eine ganz große Bandbreite von durchaus gesundem, normalem Narzissmus bis hin zu stark ausgeprägtem, pathologisch relevanten Narzissmus.</p>
<p>O-TON 14: (Le)</p>
<p>Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass jeder und jede von uns auf dieser Welt, auf diesen Nazissmuswert irgendwo zu verorten ist.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und somit ist es ein Leichtes, das angeblich toxische Gegenüber als Narzisten oder Narzistin abzustempeln. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Doch vielleicht steckt hinter der vermeintlichen Erklärung „Er war Narzisst, deswegen war unsere Beziehung toxisch“ auch, dass man so die Schuld beim Gegenüber abladen kann, beobachtet der Soziologe und Paarberater Thies Hansen.</p>
<p>O-TON 16: (Hansen)</p>
<p>Vielleicht können wir, um uns dem Phänomen toxische Beziehung zu nähern, die Feststellung treffen: Toxisch sind immer die anderen. Ich bin in einer toxischen Beziehung, mein Partner ist schuld und Schuld ist ja auch immer das Gegenteil von Verantwortung. Und deshalb muss ich mich nicht mehr weiter damit auseinandersetzen. Und an der Stelle kann man vielleicht die Frage stellen, inwieweit diese Labels genutzt werden, um sich selbst mit seinen eigenen Beziehungen auseinander zu setzen und daran zu arbeiten, oder ob es mehr darum geht, da einfach ein Etikett drauf zu kleben und mit dem Finger auf andere zu zeigen, eine Schuldzuweisung zu machen und dadurch nicht selber die Verantwortung für das eigene Liebesleben zu übernehmen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>In einer Studie der US-amerikanischen Psychologin Dr. Diane Follingstad zu Gewalt in der Partnerschaft gaben alle Befragten an, dass sie selbst nur halb so oft psychische Gewalt in ihren Beziehungen ausgeübt hätten, wie ihre Partner. Natürlich kann die Stichprobe verzerrt gewesen sein, so dass eher Opfer von psychischer Gewalt teilgenommen haben. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass man sich selbst eben nur schlecht oder ungern an die Male erinnert, in denen man selbst zu weit gegangen ist. Da ist es leichter, die Schuld beim anderen zu suchen.</p>
<p>Die Psychologin Nensy Le hat sich intensiv mit verschiedenen Formen von Gewalt in Partnerschaften beschäftigt. Sie kommt zu dem Schluss:</p>
<p>O-TON 17: (Le)</p>
<p>Es gibt common „couple violence“. Also in dem Fall sind beide Partner oder Partnerinnen gewaltvoll oder aggressiv, ohne aber dass dann weitergehendes Motiv dahinter steht. Man will nicht bestimmen, sondern das ergibt sich aus der Situation heraus irgendwie, weil man zum Beispiel keine anderen guten Strategien hat. Und diese Beziehungsgewaltform ist tatsächlich die häufigste, die wir antreffen, wenn wir das mal rundum betrachten.</p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Das heißt keinesfalls, dass es nicht auch Beziehungen gibt, in denen Gewalt - ob psychisch oder physisch nur von einer Person ausgeht. Vor allem körperliche Gewalt geht in Beziehungen zwischen einem Mann und einer Frau in der großen Mehrheit der Fälle vom Mann aus. Bei psychischer Gewalt ist das anders: In den meisten Fällen geht sie von beiden Parteien gleichermaßen aus. Das Geschlecht spielt dabei keine besondere Rolle. Die Forschung zeigt auch: der Anteil an Beziehungen, in den toxisches Verhalten vorkommt ist groß.</p>
<p>O-TON 18: (Le)</p>
<p>Also es schwankt ja durchaus von Studie zu Studie, aber bis zu 80-  90 % sind da ja nicht ungewöhnlich. Was natürlich zeigt, dass psychische Gewalt und psychisch aggressives Verhalten auf jeden Fall ein ernstzunehmendes Thema ist, weil es sehr häufig auftritt. Es zeigt aber auch gleichzeitig, dass ein gewisses Maß an aggressivem Verhalten in gewisser Weise auch ein bisschen normal ist</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die meisten wissen wahrscheinlich ganz genau, was sie sagen müssten, um einen geliebten Menschen zu verletzen. Häufig tun wir es auch, ohne uns darüber wirklich im Klaren zu sein. Ein kleiner Griff zum Handy des anderen… nur mal kurz WhatsApp checken. Nanu, wem hat er denn da geschrieben? Ein klarer Eingriff in die Privatsphäre. Und ein Haken auf der Checkliste der toxischen Beziehung. </p>
<p>Doch ein Verhalten allein trifft keine Aussage darüber, ob die Beziehung toxisch ist, sagt der Paar- und Sexualberater Umut Özdemir.</p>
<p>O-TON 19: (Özdemir)</p>
<p>Oder auch bei so Sachen wie Love Bombing ist ja durchaus die Frage: Warum macht die das denn? Könnte da auch nicht dahinter stecken: Ich flirte, mache Komplimente, ich leg mich ins Zeug, weil ich die Person super interessant finde. Und dann stelle ich fest die Person findet mich gut. Ich find die Person auch gut, aber was, wenn ich verlassen werde und mein Herz gebrochen wird? Und dann erstarrt man vor Angst quasi und macht vielleicht nichts mehr. Das kann ja auch der Fall sein.</p>
<p>Musikakzent, kurz</p>
<p>SPERCHERIN:</p>
<p>Wo ist also der Kipppunkt? Im „toxischen“ Verhalten allein findet man ihn nicht. Er liegt vielmehr in dem, was daraus folgt. Im Schaden, den das Verhalten anrichtet. Daraus folgt ein kleinster gemeinsame Nenner: Eine toxische Beziehung ist eine Beziehung, die nicht gut tut. Das ist, natürlich von Mensch zu Mensch, ja gar von Beziehung zu Beziehung unterschiedlich. Doch zu erkennen, wann eine Beziehung nicht gut tut, ist nicht immer ganz leicht. Da kann die Einschätzung anderer kann hilfreich sein, sagt Umut Özdemir.</p>
<p>O-TON 20: (Özdemir)</p>
<p>Wenn zwei, drei Freund*innen unabhängig voneinander sagen: Boah, das klingt nicht gesund oder gut, was da läuft. Würde ich dem vertrauen. Gleichzeitig kann es aber auch sein, dass man durchaus so einen Eindruck hat und sich denkt: Oh, ich weiß nicht. Wenn man vorher eine andere Beziehung hat und die damit vergleicht oder sagt: Ich merke, dass ich öfter unglücklich bin, als ich glücklich bin. Dann sind das ganz gute Momente, dass man einen Schritt zurück macht und das man sagt: Wenn mir das ne Freundin erzählen würde oder ein Freund, was würde ich denen eigentlich raten? Das fällt uns ganz oft leichter, weil wir ganz oft gütiger sind zu anderen als zu uns selbst.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Zu erkennen, dass uns eine Beziehung nicht gut tut, ist das eine. Eine Konsequenz daraus zu ziehen das andere. Denn Betroffene erklären eine Beziehung vor allem dann als toxisch, wenn sie schon vorbei ist. Doch das impliziert, dass eine toxische Beziehung es nicht Wert ist, daran zu arbeiten. Ein Fehler, findet die Psychologin Nensy Le von der LMU München. Denn wo ein Gift ist, ist auch ein Gegengift.</p>
<p>O-TON 21: (Le)</p>
<p>Das sind ja oft Muster. Die Muster sind schwer zu durchbrechen, man kann sie aber durchbrechen.</p>
<p>O-TON 22: (Özdemir)</p>
<p>Das Erste, was man machen kann, das Gespräch zu suchen in einem ruhigen Moment. Und auch zu sagen: ich merke, das kostet mich viel Kraft. Ich merke, ich bin sehr oft unglücklich. Ich merke dass die Art, wie wir miteinander umgehen, die verletzt mich, die tut mir weh. Können wir daran was ändern? Und im allerbesten Falle sagt ja die andere Person, dass sie das auch so sieht und da sie etwas verändern möchte. Wenn die Person das gar nicht so sieht, würde mich das schon stutzig machen und ich würde berichten wollen, wie es mir da geht.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Sagt der Paartherapeut Umut Özdemir.</p>
<p>O-TON 23: (Özdemir)</p>
<p>Man kann eine Paartherapie aufsuchen, man kann aber auch gucken, ob man selber Regeln aufstellt für die Art und Weise, wie man streitet. Also, jetzt wieder so ein überzogenes Beispiel. Aber vielleicht ist ja auch eine Regel: wir beschimpfen nicht die andere Person oder aber auch, was durchaus viele Paare machen: Wir vereinbaren ein Stoppsignal oder ein Codewort, wo wir den Streit unterbrechen und 15 Minuten Pause in getrennten Räumen machen, weil wir vielleicht dann Gefahr laufen, in unserer Wut, in unserer Hitzigkeit wirklich fies zu werden.</p>
<p>Musik</p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Nur weil eine Beziehung toxisch ist, nicht gut tut, muss es also nicht gleich das Ende bedeuten. </p>
<p>Musik hoch </p>
<p>Doch manchmal kommt man dann eben doch zu dem Schluss: Egal was wir probieren, es funktioniert zwischen uns einfach nicht. Wir fallen immer wieder in dieselben alten Muster zurück. Alex hat das schon lange realisiert. Eigentlich.</p>
<p>O-TON 24: (Alex)</p>
<p>Ich hab&#39;s schon gecheckt, ich bin total emotional abhängig von ihr. Aber ich komme da irgendwie nicht raus. Dass irgendwas tief in mir drin sagt, dass es ohne sie gar nicht funktioniert. Dass ich nur von ihrem Zuspruch eigentlich leben kann.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Zwei Jahre leidet er unter dem ständigen Hin- und Her mit Clara. Mehrmals versucht er das Gespräch mit ihr. Doch alles wiederholt sich immer wieder aufs Neue. Bis seine Freunde es nicht länger mit ansehen können, wie Alex immer kleiner wird.</p>
<p>O-TON 25: (Alex)</p>
<p>Gott sei Dank kam einer von meinen Jungs zu mir und hat gesagt Ey! Morgen gehen wir ins Gym. Und Du kommst mit. Und ich soll nicht unterschätzen, was für ne mentale Kraft des auswirken kann. Also sportliche Betätigung. </p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Das Fitnessstudio holt Alex aus seiner Isolation. Er ist wieder mehr unter Freunden. Der Sport packt ihn. Er fühlt sich zum ersten Mal seit langem wieder mit sich und seinem Körper verbunden. Und er gewinnt ein Stück weit das Selbstvertrauen zurück, das er über die letzten Jahre verloren hat.</p>
<p>O-TON 26: (Alex)</p>
<p>Und war dann auch Manns genug zu sagen okay, das ist nichts mehr für mich. Ich habe das wirklich gemerkt. Es kann so nicht weitergehen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Alex hat sich schließlich nach zwei Jahren von Clara getrennt. Und mit der Zeit hat er auch das Gift in einer anderen Beziehung entdeckt. In der Beziehung, die er zu sich selbst hatte. Die tat ihm nämlich auch nicht immer gut.</p>
<p>O-TON 27: (Alex)</p>

<p>Jetzt, wo es mir besser geht, ich davon Abstand habe bin ich auch ein bisschen froh, dass es mir vielleicht irgendwie passiert ist, weil ich weiß dadurch um einiges besser, was ich will und was ich nicht will. Und ich bin um einiges verantwortungsbewusster auch mir selbst gegenüber geworden.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ovids Metamorphosen - Verwandlungsgeschichten als Dauerbrenner</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ovids-metamorphosen-verwandlungsgeschichten-als-dauerbrenner/2092232</link>
      <pubDate>Tue, 10 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">6c265724-390a-41e2-9a91-0261b2cbc6af</guid>
      <description>Lasziv, also frech, unanständig und verspielt nennt der römische Rhetoriker Quintilian die Metamorphosen des Ovid. Vielleicht sind dessen Verwandlungsgeschichten gerade deshalb ein literarischer Dauerbrenner. Seit 2000 Jahren regen die Metamorphosen Musiker, Maler, Bildhauer und Dichter immer wieder zu neuen Werken an. Von Simon Demmelhuber (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22078464" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2092232/c/feed/ovids-metamorphosen-verwandlungsgeschichten-als-dauerbrenner.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Simon Demmelhuber</itunes:author>
      <itunes:summary>Lasziv, also frech, unanständig und verspielt nennt der römische Rhetoriker Quintilian die Metamorphosen des Ovid. Vielleicht sind dessen Verwandlungsgeschichten gerade deshalb ein literarischer Dauerbrenner. Seit 2000 Jahren regen die Metamorphosen Musiker, Maler, Bildhauer und Dichter immer wieder zu neuen Werken an. Von Simon Demmelhuber (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/bb718a53-26f8-4bc0-a880-43b8dc48f6f8.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Lasziv, also frech, unanständig und verspielt nennt der römische Rhetoriker Quintilian die Metamorphosen des Ovid. Vielleicht sind dessen Verwandlungsgeschichten gerade deshalb ein literarischer Dauerbrenner. Seit 2000 Jahren regen die Metamorphosen Musiker, Maler, Bildhauer und Dichter immer wieder zu neuen Werken an. Von Simon Demmelhuber (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Simon Demmelhuber<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Thomas Loibl, Benedikt Schregle<br/> Technik: Daniele Röder<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Prof. Dr. Markus Janka, Professor für Klassische Philologie/Fachdidaktik der Alten Sprachen, Ludwig-Maximilians-Universität München<br/>Die Übersetzungen aus dem Lateinischen verfasste Markus Janka.</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong>

<p><strong>Homer - Der erste Dichter des Abendlandes<br/></strong>Wer Homer wirklich war, ist heute umstrittener denn je. Traditionell gilt er als der Verfasser der ersten literarischen Werke des Abendlands, der Ilias und der Odyssee. Und damit ist er der auch der Urvater beinahe aller nervenaufreibenden Geschichten. Von Thomas Morawetz (BR 2016) <br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/homer-der-erste-dichter-des-abendlandes/bayern-2/94242502/">JETZT ENDTECKEN</a></p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-ovid-metamorphosen-verwandlung-mythologie-literatur-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hereinspaziert, verehrte Damen und Herren! Treten Sie näher, treten Sie ein!</p>
<p>SRECHER</p>
<p>Willkommen in Ovids Varieté der Verwandlungen!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sehen Sie selbst, wie Götter, Heroen und Menschen vor Ihren Augen zu Tieren, Pflanzen, Sternen und Steinen mutieren.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Beklagen Sie Daphne, die zum Lorbeerbaum wird, um der Liebestollheit Apolls zu entkommen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Beweinen Sie Arachne, die gekränkter Götterstolz zum Leben als haarige Spinne verdammt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Lassen Sie sich rühren von Philemon und Baucis, denen gastfreie Güte die Gnade erwirkt, in Baumgestalt einander für immer zu lieben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Erschauern Sie mit Niobe, die der Schmerz über den Tod ihrer Kinder in einen weinenden Felsen versteinert.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Betrauern Sie Byblis, die von Amor gedrängt, den eigenen Bruder begehrt. Von ihm verschmäht, zergeht sie in Tränen ewigen Kummers.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sie alle und zahllose mehr wechseln Form und Gestalt durch göttliches Wirken. Die einen zur Strafe, die andern zum Lohn, die Dritten zur Rettung.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Nur eine Warnung vorweg: Hier geht es heftig zur Sache. Hier wird geliebt, gehasst, betrogen, gekämpft und gemordet. Hier toben Leidenschaften, hier waltet böses Geschick. Nichts bleibt, was es war, allein der Wandel besteht.</p>
<p>MUSIK 2  Tobi Morare: Ghetto Beat</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das Licht erlischt, der Vorhang steigt. Bevor das Spiel beginnt, ehren wir den Prinzipal des Etablissements mit einem herzlichen Applaus. Begrüßen Sie nun den unvergleichlichen, einzigartigen Erzdichter Publius Ovidius Naso!</p>
<p>ATMO APPLAUS</p>
<p>43 vor Christus geboren, aus besten Verhältnissen stammend, vom Vater für die Ämterlaufbahn, von seinem Wesen aber zum Dichter bestimmt, fehlt ihm, wie er selbst gesteht, alles für die politische Karriere:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Weder war mein Körper fähig, diese Arbeit zu ertragen, noch mein Verstand dafür angemessen, ständig war ich auf der Flucht vor Ehrgeiz und Stress.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit knapp 20 Jahren legt er die Amores vor, eine Sammlung frivol-ironischer Liebesgedichte. Dem Erstling folgen die Ars amatoria, ein poetisches Lehrbuch der Liebeskunst und ein Remedia amoris betiteltes Arsenal hilfreicher Heilmittel für unglücklich Liebende. Die gefeierten Bücher festigen seinen Ruf als Experte für literarische Liebes- und Leibesnöte. Dann, um 8 nach Christus, vollendet er sein unsterbliches Großwerk:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Publii Ovidii Nasonis Metamorphoseon Libri - Ovids Bücher der Verwandlungen</p>
<p>ATMO: APPLAUS </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Metamorphosen - das sind rund 250 raffiniert ineinander verwobene mythologische Geschichten, in denen Menschen, Nymphen, Satyrn und Helden von Göttern teils schützend, teils strafend in Tiere, Pflanzen und anderes verwandelt werden. Mit diesem Werk schafft Ovid eines der wirkungsmächtigsten Bücher der Welt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Seit 2000 Jahren regen Ovids Verwandlungsgeschichten Dichter, Komponisten, Maler und Bildhauer zu eigenen Werken und Deutungen an. Kein anderer antiker Autor hat ein auch nur annähernd fruchtbares Nachleben. Kein anderes Buch, die Bibel ausgenommen, hat seine Geschichten und Gestalten tiefer in die geistige DNA des Abendlandes eingeschrieben. Die in einen Lorbeerbusch verwandelte Daphne, der vom Himmel ins Meer gestürzte Ikarus,– Ovids verwandelte Körper sind in der europäischen Kunst allgegenwärtig.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Er ist der meistgelesene, meistimitierte römische Autor des Mittelalters. Schon die im 11. und 12. Jahrhundert verfassten Carmina Burana nutzen den Fundus der Verwandlungsgeschichten. Später lassen sich Dichter aller Epochen von ihnen inspirieren. Dass die frühesten Opern Titel wie La Dafne, oder L&#39;Orfeo tragen und Komponisten noch immer ovidische Stoffe vertonen, bezeugt eine musikalische Dauerpräsenz, die vom Frühbarock bis in die Gegenwart reicht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Am eifrigsten schöpfen Maler und Bildhauer aus den Metamorphosen. Bereits die Römer lassen Ovidmotive in Marmor meißeln, aus Bronze gießen und auf Wände malen. Seither ist die Kette künstlerischer Anleihen ungebrochen. Wie ertragreich das Werk war und ist, beleuchtet eine Inventur des Kunsthistorischen Museums Wien: 40 der rund 2000 Bilder des Gesamtbestands zeigen ovidische Verwandlungsszenen. Das reicht locker für Platz 2 nach der Bibel und macht Ovid zum wichtigsten Kunstflüsterer der westlichen Welt.</p>
<p>MUSIK 3  Ali N. Askin: Francis </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Erfolgsgeschichte hält nicht nur bis heute an, sie weitet ihren Wirkungskreis sogar kontinuierlich aus. Während die meisten antiken Texte allenfalls Fachwissenschaftler beschäftigen, inspirieren die Metamorphosen weiterhin Autoren, Theater- oder Ausstellungsmacher und neuerdings auch Video- und Performancekünstler. Darüber hinaus sorgen Comics, Zeichentrickfilme, Liebesratgeber und Videospiele für eine beispiellose Omnipräsenz in der Popkultur.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ovid und kein Ende! Ovid überall! Die Metamorphosen überspringen mühelos Generations- und Gattungsgrenzen. Aber wie lässt sich dieser crossmediale Dauer- und Breitenerfolg erklären? Warum gerade Ovid?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Weil ihm mit den Metamorphosen ein zeitloses Meisterwerk gelungen ist, sagt Markus Janka, Professor für Klassische Philologie und Fachdidaktik der Alten Sprachen an der LMU München.</p>
<p>01 O-TON JANKA</p>
<p>Ovid schafft ein Epos ganz eigener Art, das es so noch nie gegeben hat: eine unglaubliche Plastizität, Anschaulichkeit, Eindringlichkeit, das ist schon etwas ganz Großartiges!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Karriere der Metamorphosen beginnt als literarischer Befreiungsschlag. Bereits die Zeitgenossen des Dichters rühmen das Neuartige und Kunstvolle der Dichtung. Mehr als die eigenwillige Behandlung des mythologischen Stoffs oder die Archetypik der Gestalten wecken zunächst formale und stilistische Innovationen die Neugier der literarischen Öffentlichkeit.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dass er mit den Metamorphosen ganz bewusst Neuland betritt, stellt Ovid von Anfang an klar. Gleich die erste Zeile packt den Innovationshammer aus:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>īn nŏvă fērt ănĭmūs mūtātās dīcĕrĕ fōrmās / cōrpŏră</p>
<p>Neuem strebe ich zu, vom Wandel zu dichten der Formen in neue Körper.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was passiert da? Das ist doch nicht mehr der alte Ovid! Bislang hat er nur elegische Distichen, das für Liebeslyrik typische Versmaß verwendet. Jetzt schreibt er plötzlich Hexameter!</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In diesem Wechsel steckt ein ganzes Programm. Das Metrum, also die festgelegte Kombination langer und kurzer Silben, regelt nicht nur den rhythmischen Fluss. Für römische Ohren ist das Versmaß außerdem stark mit den literarischen Genres verknüpft, erklärt Markus Janka.</p>
<p>02 O-TON Janka</p>
<p>Das Versmaß konditioniert schon das, was man erwartet, und die kontinuierliche Abfolge von Hexametern in einer Langform ist das epische Versmaß schlechthin.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Wenn Ovid nun durchwegs Hexameter einsetzt, ist die Botschaft klar: Er schreibt ein Epos! Er wagt sich an die Meistergattung der Literatur seiner Zeit und tritt in einer Disziplin an, in der Homer und Vergil die Standards setzen. Und diese Standards will er nicht nur kopieren. Ovid braucht es größer. So groß, dass seine knappe Vorrede dafür den Beistand der Götter erfleht:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Helft mit Inspiration und führt die Erzählung vom ersten Ursprung des Kosmos fortlaufend herab bis zu meiner Zeit.</p>
<p>MUSIK 4  Flore Laurentienne: Point d’ancrage </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Damit ist der Plan raus: Ein Epos soll es sein, das Verwandlungen erzählt und dabei den Bogen spannt vom Anbeginn der Zeit bis in die Gegenwart. Da gibt es nur ein Problem: seinem Epos fehlt ein Held, den es besingen könnte.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Stimmt! Aber Ovid bügelt das Manko genial aus. Sein Held ist ein universales Prinzip: der stete Wandel aller Wesen und Dinge.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Damit beginnt zugleich die Verwandlung einer Gattung, die Vergil bislang mit seiner Aeneis als römischer Homer und größter Dichter des Imperiums dominiert.</p>
<p>03 O-TON Janka</p>
<p>Ohne Vergil ist Ovid nicht denkbar als Dichter. In fast jeder Zeile ein versteckter und öfter auch ein direkter Bezug auf dieses gigantische Vorbild, an dem er sich abarbeitet und der ihn inspiriert zu einer Art von Dichtung, die dann am Ende ganz anders ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was diese Dichtung derart neu und anders macht, dass sie nicht allein das Epos, sondern auch den Mythos verändert, zeigt die Geschichte von Pygmalion und Galatea.</p>
<p>MUSIK 5  Flore Laurentienne: La nuit bleue </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Pygmalion schnitzt eine Frauenfigur aus Elfenbein. Er verliebt sich in die Skulptur und nennt sie Galatea. Weil aber Galatea keine wirkliche Partnerin, sondern ein totes Bildwerk ist, bitter er Venus um eine Gattin, die der Statue gleicht. Die Göttin zeigt sich gnädig und verwandelt Galatea in eine lebendige Frau.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was Venus mit der Statue macht, macht Ovid mit dem Mythos: Er verwandelt mythologische Gestalten in Wesen, die von Gefühl und Leidenschaft gelenkt, ganz wie Menschen empfinden und handeln.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ovid reicht die alten Geschichten nicht einfach weiter. Er aktualisiert sie, spürt den Motiven, Auslösern und Folgen des Geschehens nach und gibt den erzählten Figuren eine Tiefe, die sie bislang nicht hatten.</p>
<p>04 O-TON JANKA</p>
<p>Er ist eben nicht jemand, der Mythos konserviert, sondern der vom Mythos geprägt immer die eigene Zeit bedenkt. Das mag jetzt als Anachronismus erscheinen, aber genau das ist es: dass Ovid der erste Dichter ist, der tatsächlich psychologisch nachfragt, was sich aus mythologischen Konstellationen ergibt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das ist der entscheidende Punkt. Genau darum ist Ovid noch immer aktuell. Genau deshalb funktionieren die Metamorphosen nicht nur als literarisches Kunstwerk, und genau darum spielt es für viele Ovidfans auch absolut keine Rolle, in welcher Sprache sie die Geschichten lesen oder welches Medium sie ihnen erzählt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ovid fasziniert uns noch immer, weil er das Verwandlungsmotiv nutzt, um menschliche Erfahrungen und Leidenschaften zu erkunden. Er lässt sein mythologisches Personal archetypische Gefühle und Situationen durchleben, die wir alle kennen und nachfühlen können. Und er stellt Fragen, die jeden Menschen angehen: Was machen Liebe und Hass mit uns? Was stellen Willkür, Kränkung und Missbrauch mit uns an? Wie verändern uns Schicksalsschläge und starke Emotionen? Und wie gehen wir damit um, dass nichts bleibt, wie es ist?</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Im Zentrum der mythologisch eingekleideten Menschenforschung steht dabei stets übergroß das Wesen und Wirken der Liebe, sagt Markus Janka.</p>
<p>O5 O-TON Janka</p>
<p>Immer und immer wieder Eros, immer und immer wieder Amor. Und zwar immer und immer wieder in den unterschiedlichsten Konstellationen, so dass auch schon der große Kommentator Franz Bömer gesagt hat, dass man die Metamorphosen als ein einziges Carmen amatorium, als ein episches Gedicht mit dem Thema Eros, mit dem Thema Amor bezeichnen kann.</p>
<p>MUSIK 6  Billie Eilish: Everything I Wanted </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die Liebe in allen Facetten! Das ist Ovid! Liebeslieder und Liebeslehren gründen seinen Ruhm, tenerorum lusor amorum, einen Spielmann und Gaukler zärtlicher Launen der Liebe, nennt er sich selbst. Die Metamorphosen bleiben dieser Berufung treu, das Love-Lab der Verwandlungen wimmelt nur so von Paaren, die das Verwirrspiel menschlicher und göttlicher Liebesverstricktheit spiegeln.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Philemon und Baucis, Orpheus und Eurydike, Ceyx und Alkyone, Pyramus und Thisbe – der Musterkatalog ist reich bestückt. Nahezu jede gelungene oder gescheiterte Paarung, derer die Liebe fähig ist, findet ihre Gestalt und Geschichte. Ehelust und Ehefrust, Begehren und Abscheu, Hetero- und Homosexualität, Inzest und Gewalt, Glückseligkeit und Schmerz, Geilheit und Missbrauch – was immer Venus, Eros und Amor im Guten oder Schlechten anrichten – Ovid hat alles auf dem Schirm.</p>
<p>MUSIK 7 Ensemble Modern: A Pig With Wings </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Die radikale Neufassung der mythologischen Tradition verändert auch die Träger des klassischen Epos. Allem Heldengetöse, allem, was allzu waffenstolz prahlt und scheppert, lässt Ovid genüsslich die Luft aus. Die beste Gelegenheit bietet dazu die sehr eigenwillige, bisweilen burleske Schilderung des trojanischen Kriegs.</p>
<p>06 O-TON JANKA</p>
<p>Da wird dann alles gespiegelt, was in der Ilias dargestellt ist, aber immer subjektiv verdreht. Was eben früher als Makel angehängt wurde, ist ein unglaublich modernes Element, das uns heute anspricht, nämlich die subjektive Brechung dieser Gegenstände, die nicht unvermittelte Darstellung von Kampf und Krieg und Heldentod.</p>
<p>MUSIK 8  John Debney: Dying Hero </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Besonders arg erwischt es Achill. den zornigen Erzheroen des homerischen Trojaspektakels. Bei Ovid ist er eine dumpfe Kampfmaschine, ein Aufschneider und blutrünstiger Wüterich. Einer, der nach getanem Gemetzel gern mit seinen Kriegstaten prahlt. &quot;Man kennt das&quot;, wirft Ovids Erzähler ein. &quot;Worüber wüsste ein Achill sonst zu sprechen, und was gäbe es sonst schon groß über Achill zu sagen?&quot;</p>
<p>MUSIK 9 Billie Eilish: No Time To Die </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Den finalen Schlag erhält der Superkrieger, nachdem er im Kampf gefallen ist und sein Leib verbrannt wird. Statt feierlicher Worte wirft ihm Ovid nur einen spöttischen Kommentar hinterher:</p>
<p>07 O-TON JANKA</p>
<p>Verheizt hatte ihn der Gott, der ihn vorher bewaffnete. Er war in Flammen aufgegangen durch genau den Gott, nämlich Vulkan, den Gott des Feuers und den Schmiedegott, der ihm zuvor die Waffen gegeben hatte.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber einfach nur verheizen reicht nicht, Ovids Heroenkehraus setzt noch eins drauf:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Schon ist er Asche. Was vom übergroßen Helden übrigbleibt, reicht kaum, um eine Urne zu füllen.</p>
<p>08 O-TON JANKA</p>
<p>Also das ist Ovid. Er kann das Große sehr klein machen, und das Kleine, Randständige kann er großartig entfalten, auch mit einem ganz tiefen psychologischen Einblick und Scharfblick.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Verblüffend modern ist nicht nur die subjektive Umgestaltung der Tradition, verblüffend modern ist auch Ovids souveränes Spiel mit den Instanzen und Mitteln des Erzählens.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Trick besteht zunächst darin, eine Vielzahl unterschiedlich langer Klein- und Kleinstgeschichten so kunstvoll miteinander zu verweben, dass sie wie aus einem Guss wirken.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zum Toolset des raffinierten Verknüpfungsmanagements gehört aber vor allem die Vielstimmigkeit der Metamorphosen. Statt eines Haupterzählers schaltet Ovid etwa 40 Binnen-, Neben- und Untererzähler ein, die sich unentwegt gegenseitig kommentieren, ergänzen und widersprechen. </p>
<p>09 O-TON JANKA</p>
<p>Das ist etwas ganz Wesentliches für Ovid: Dass es immer auch die Gegenstimme, immer auch die andere Stimme gibt. Das führt er weiter und modernisiert es, radikalisiert es. Dass wir also teilweise Untererzählungen bis zum vierten und fünften Grad haben, dass jeweils immer die eine Person die Geschichte der anderen erzählt.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Das postmodern anmutende Spiel verschachtelter Erzählebenen und subjektiver Sichtweisen setzt sich auf der Figurenebene fort. Die Akteure schwingen Reden, streiten und diskutieren; Götter kommentieren von oben herab, Filous und Philosophen räsonieren über den Lauf der Dinge. Niemand hat den ganzen Überblick, niemand das alleinige Wort, alle weben gemeinsam am epischen Teppich der Metamorphosen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Deshalb hält Ovid nicht nur Philologen bei Laune. Und deshalb haben wir Ovid nicht längst ausgemustert und können seine Geschichten selbst in der Übersetzung und episodisch genießen.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ovid klingt seltsam vertraut. Seine Art zu schreiben nimmt vieles vorweg, was unsere Erwartungen an ein reflektiertes, vielstimmiges, perspektivenreiches und psychologisch grundiertes Erzählen erfüllt. Das überbrückt den zeitlichen Graben und macht die Metamorphosen auch für moderne Lese- oder Mediengewohnheiten zugänglich. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das alleine erklärt aber noch immer nicht, warum sich gerade die visuellen Künste so anhaltend und intensiv durch die Metamorphosen anregen lassen. Und es erklärt schon gar nicht, weshalb Video- und Performancekünstler diese Tradition fortsetzen. Für Markus Janka hat neben der psychologischen Vertiefung noch eine weitere Besonderheit den Metamorphosen zu ihrer beispiellos langen Wirkungsgeschichte verholfen:</p>
<p>010 O-TON JANKA</p>
<p>Für den gewaltigen Erfolg, den das Epos bis heute hat, ist seine Bildkraft das Mitentscheidende. Das was ein neuer Forscher Kino im Kopf genannt hat. Es gibt wohl kaum einen Dichter in der Antike, der so plastisch seriell erzählen kann.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Was Ovid auszeichnet, ist eine stark visuelle, ausgesprochen szenische Erzählweise, die das Geschehen wie eine Textkamera abtastet und aus wechselnden Winkeln erfasst. Ein Musterbeispiel für diese Strategie, die wie eine erstaunliche Vorwegnahme filmischen Erzählens wirkt, ist die Geschichte von Daphne und Apoll.</p>
<p>MUSIK 10  Flore Laurentienne: Île-aux-Oies </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Kurzfassung geht so: Apoll kränkt Amor, der aus Rache zwei Pfeile abschießt. Ein goldener Pfeil trifft Apoll, der sich sofort unsterblich in die Nymphe Daphne verliebt. Ein zweiter, bleierner Pfeil trifft Daphne, löst aber keine Liebe, sondern unbezwingliche Abscheu vor Apoll aus. Es kommt, wie es kommen muss. Apoll jagt Daphne, die vor seiner Liebesbrunst flieht. Als sie erschöpft aufgibt, fleht sie ihren Vater, den Flussgott Peneios, an, sie vor der drohenden Vergewaltigung durch die Verwandlung ihres Körpers zu retten.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Kaum ist die Bitte beendet, lähmt lastende Taubheit die Glieder,</p>
<p>Zarte Brüste umgürtet ein feiner Streifen von Rinde,</p>
<p>Laubwerk sind ihre Haare und Äste die Arme geworden,</p>
<p>und ihr Fuß, so geschwind, bleibt in starrem Wurzelwerk stecken,</p>
<p>ihr Gesicht hat ein Wipfel ersetzt ...</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Den Moment der Verwandlung, das Erstarren im Lauf, das Verholzen der Glieder, das Austreiben der Blätter und Einwurzeln der Füße, Apolls hilfloses Entsetzen haben Maler und vor allem Bildhauer immer wieder auffallend ähnlich gestaltet. Kein Wunder, meint Markus Janka:</p>
<p>011 O-TON JANKA</p>
<p>Dieses visuelle Erzählen spricht Maler, Bildkünstler unmittelbar an. Der Weg zum Baum wird durch die verschiedenen Körperteile, als wenn eine Kamera das aufnimmt, verfolgt. Aber diese Form der poetischen Verdeutlichung dieser Klärung, diese Verklärung im Wortsinn, dass etwas ganz klar und deutlich vor Augen geführt wird, das ist eine Eigenheit seiner Erzählkraft.</p>
<p>MUSIK 11  Flore Laurentienne: La nuit bleue </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Letztlich ist gerade dieser eine Moment der Verwandlung das Gravitationszentrum des gesamten Werks. Am Ende, im letzten der 15 Bücher, legt Ovid dem Philosophen Pythagoras eine Rede in den Mund, die den gedanklichen Kern prägnant verdichtet:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Omnia mutantur nihil interit – Alles wird verwandelt, nichts vergeht!</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Gesetz des Wandels kennt keine Ausnahme. Es gilt universal, nichts und niemand entkommt. Nicht einmal Kaiser Augustus, der Stabilität, ewigen Frieden und ein Imperium sine fine, ein Reich ohne Ende und Grenzen verkündet.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>&quot;Von wegen&quot;, werfen die Metamorphosen unüberhörbar ein. Wo der Wandel regiert, ist Dauer ein leeres Versprechen. Was aber bleibt? Was hat Bestand, wenn sich fortwährend alles verändert und sogar Kaiser Augustus seine irdische Herrschaft einbüßt? Ovid bleibt die Antwort nicht schuldig.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Nun ist mein Werk vollendet, das kein Jupiterzorn und kein Feuer, keine Waffengewalt, kein Zahn der Zeit jemals auslöscht. Mein Name wird unaustilgbar, ich werde durch ewigen Nachruhm (..) leben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>VIVAM! Ich werde leben! Das ist der selbstbewusste, über alle Daseinsschrecken und Machtwillkür hinausweisende Trost der Metamorphosen. Es ist die Antwort des Künstlers auf die Frage, was bleibt. Und es ist zugleich die triumphalste, die wichtigste aller Metamorphosen: Ovid hat sich in seine Dichtung verwandelt und ist in dieser Gestalt unsterblich geworden.</p>
<p>ATMO Applaus</p>
<p>MUSIK  Tobi Morare: Ghetto Beat </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Hochverehrtes Publikum! Unser Stück ist zu Ende. Ovid aber lebt. Ovid fängt immer erst an. Daher gebührt ihm, bevor der Vorhang fällt, ein allerletztes Wort in eigener Sache. Es ist die Inschrift, die er sich als Grabspruch schrieb für ein Grab, das wir nicht kennen:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Hier liege ich, Naso, der Dichter, ein Spielmann der zärtlichen Liebe. Ich bin durch meine Kunst umgekommen. Falls aber du, der du vorbeigehst, jemals geliebt hast, sag einfach leichthin: Mögen Nasos Gebeine sanft ruhen.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Emotionale Erpressung - Worte als Waffe</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/emotionale-erpressung-worte-als-waffe/2106344</link>
      <pubDate>Tue, 10 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">8a5edf11-230a-4664-b3cc-8f7b20494a8f</guid>
      <description>Schuldgefühle erzeugen, Drohungen aussprechen, eisiges Schweigen: Das sind wirksame Mittel, den eigenen Willen durchzusetzen. Statt offen die eigenen Wünsche zu äußern, werden &apos;hintenrum‘ unangenehme Gefühle beim Gegenüber erzeugt. Von Karin Lamsfuß</description>
      <enclosure length="24260352" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106344/c/feed/emotionale-erpressung-worte-als-waffe.mp3"/>
      <itunes:duration>00:25:16</itunes:duration>
      <itunes:author>Karin Lamsfuß</itunes:author>
      <itunes:summary>Schuldgefühle erzeugen, Drohungen aussprechen, eisiges Schweigen: Das sind wirksame Mittel, den eigenen Willen durchzusetzen. Statt offen die eigenen Wünsche zu äußern, werden &apos;hintenrum‘ unangenehme Gefühle beim Gegenüber erzeugt. Von Karin Lamsfuß</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/a6715a0b-8ff5-4bc9-96ca-c690ba3ef114.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schuldgefühle erzeugen, Drohungen aussprechen, eisiges Schweigen: Das sind wirksame Mittel, den eigenen Willen durchzusetzen. Statt offen die eigenen Wünsche zu äußern, werden 'hintenrum‘ unangenehme Gefühle beim Gegenüber erzeugt. Von Karin Lamsfuß</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß<br/> Regie: Irene Schuck<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Werner Härtl<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview: <br/></strong>Anouk Algermissen, Psychologin und Paartherapeutin; <br/>Stephan Potting, Psychotherapeut; <br/>Dr. Herbert Mück, Facharzt für psychosomatische Medizin<br/>Anke, Jonas, Thomas, Clara haben emotionale Erpressung erlebt</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<br/>
<strong>Was schulden wir den Eltern? - Zwischen Pflichtgefühl und Abgrenzung<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/was-schulden-wir-den-eltern-zwischen-pflichtgefuehl-und-abgrenzung/bayern-2/12638065/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>11KM Stories</strong><br/>PFAS sind überall – in Pizzakartons, Regenjacken, Kosmetika. Sie gelten als Jahrhundert-Gift. Doch was bedeutet das für uns? In der ersten Staffel von 11KM Stories “Das Gift in Dir” gehen die Journalist:innen Johannes Edelhoff und Catharina Felke der unsichtbaren Gefahr auf den Grund. Sie erzählen von Gemeinden in Deutschland, deren Grundwasser so vergiftet ist, dass sie es nicht mehr nutzen dürfen. Und von einer mächtigen Chemie-Lobby, die alles daransetzt, ihr Geschäft weiterzuführen. Wie tief steckt das Gift bereits in uns? Johannes wagt den Selbstversuch – und lässt sein Blut testen. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/11km-stories/72451786/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Thomas W. Albrecht: Besser streiten. Klare und gewaltfreie Kommunikation für ein besseres Miteinander. Goldegg Verlag, 2023</p>
<p>Buch für Eltern:<br/>Ulrike Döpfner: Der Zauber guter Gespräche. Kommunikation mit Kindern, die Nähe schafft. Beltz, 2019</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-erpressung-emotion-schuld-psychologie-manipulation-100.htmll"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>01 Zsp. Erpressung Anke: </p>
<p>Und dann hat mein Vater gesagt „Wenn deine Mutter stirbt, dann wirst du sehen, was du davon hast, von diesem Urlaub!“</p>
<p>02 Zsp. Erpressung Stephan Potting: </p>
<p>Es ist ja ne doppelte Wirkung, die das hat: Einmal wird man wütend und andererseits hilflos. </p>
<p>03 Zsp. Erpressung Anke: </p>
<p>Natürlich regt sich sofort Widerstand und dann sag ich: „Ich lass mich doch von euch nicht erpressen!</p>
<p>04 Zsp. Erpressung Stephan Potting: </p>
<p>Das vergiftet die Beziehung. Weil es überhaupt nicht berücksichtigt, was der andere braucht. </p>
<p>05 Zsp. Erpressung Anke:</p>
<p>Die kriegen mich damit! Irgendwas in mir, das rebelliert dann immer. Dann sag ich: „Das können die doch nicht machen, das ist doch auch mein Leben!“ Und trotzdem: Wenn ich trotzdem in die Ferien fahren würde, könnte ich das nicht genießen!</p>
<p>Musik 2</p>
<p>&quot;Im Innern Berlins&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;40</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Emotionale Erpressung. Mal kommt sie offen daher, mal versteckt. Mal wirkt sie durch Worte, mal durch Handlungen. Manchmal ist sie auf den ersten Blick klar erkennbar, andere Male ist sie schwer zu entlarven. Gemeinsam haben alle Erpressungs-Versuche, dass Wünsche nicht offen und deutlich angesprochen werden - und vom Gegenüber entweder erfüllt oder abgelehnt werden können. Diese subtile Form der Manipulation umgeht den offenen Konflikt. Sie hat vielmehr mögliche Schwachstellen im Visier: übermäßiges Schuldgefühl, Verantwortungsbewusstsein. Vielleicht auch Ängste. </p>
<p>Musik 3</p>
<p>&quot;The Sad Panther&quot; - Album: Colleen et les Boîtes à Musique - Album: Colleen et les Boîtes à Musique - Komponist: Colleen - Länge: 0&#39;20</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Anke ist Einzelkind und kümmert sich um ihre beiden kranken Eltern. Auch wenn sie schon lange erwachsen ist: Macht haben die alten Eltern immer noch über sie. Und die nutzen sie geschickt aus. </p>
<p>06 Zsp. Erpressung Anke: </p>
<p>Da wollte ich in die Ferien fahren, meine Mutter war im Krankenhaus, ich hatte schon gedacht: Kannst du das überhaupt machen? Musst du es absagen? Andererseits ist sie auch schon sehr viele Jahre krank, und dann hat mein Vater gesagt „Wenn deine Mutter stirbt, dann wirst du sehen, was du davon hast, von diesem Urlaub!“ Da bin ich noch gefahren. Aber das so explizit zu hören: „Wenn du uns alleine lässt, bist du selber schuld, wenn uns was passiert!“ ist ja auch echt schon ne Aussage!</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Anke fuhr in Urlaub und fühlte sich schlecht. Betete immer: Hoffentlich geht alles gut! Richtig entspannen konnte sie nicht. Ihre größte Angst:</p>
<p>07 Zsp. Erpressung Anke:</p>
<p>Die sterben wirklich! Also einer von beiden! Wie werde ich denn dann diese Schuldgefühle und dieses schlechte Gewissen, wie werde ich das wieder los? </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Der Familientherapeut Stephan Potting sagt: Die eigenen Kinder emotional zu erpressen, das kommt leider gar nicht mal so selten vor. In vielen Familien herrscht darin eine regelrechte Tradition. In jedem Lebensalter. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Gefühle als Waffe. Das ist der Kern einer jeden emotionalen Erpressung. Bewusst oder unbewusst wird sie bereits in den ersten Lebensjahren eingesetzt:</p>
<p>Musik 4</p>
<p>&quot;Berlin 1945&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;15</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Wenn du so frech bist, dann ist die Mutti ganz traurig!</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wenn du dein Kinderzimmer nicht aufräumst, dann hat der Vati dich nicht mehr lieb!</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Wenn du nicht gehorchst, dann bin ich sehr enttäuscht von dir.</p>
<p>08 Zsp. Erpressung Stephan Potting:</p>
<p>Man macht den Kindern Schuldgefühle. Die Kinder haben einen Impuls, die leben diesen Impuls, der Impuls des Kindes passt der Mama nicht, die Mama reagiert darauf, das Kind hört nicht auf damit, die Mama reagiert noch mal drauf, und jetzt reagiert sie so darauf, dass sie so traurig ist darüber. Dann kippt das Kind um und läuft zu der Mama, nimmt die Mama in den Arm und sagt „Mama, du musst nicht traurig sein!“</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>In jungen Jahren ist emotionale Erpressung deshalb so wirkungsvoll, weil Kinder abhängig sind von der Zuwendung der Eltern. Sie lernen schon sehr früh: Schweigen, Liebesentzug, Schuldzuweisungen – all das sind die Zutaten einer wirkungsvollen Erpressung. Und da diese „Sanktionen“ so unangenehm sind, passen sich Kinder lieber an.</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Machen Kinder wie Anke schon sehr früh diese Erfahrungen, kann es sein, dass sich dieses Muster bis ins Erwachsenenalter durchzieht, so die Psychologin und Paartherapeutin Anouk Algermissen: </p>
<p>09 Zsp. Erpressung Anouk Algermissen:</p>
<p>Es kann passieren, dass wenn das Kind das immer und immer wieder erlebt, dass es dann vielleicht auch größer wird und in so eine People Pleaser-Richtung geht. Weil es gelernt hat: Ich muss das unterdrücken, z.B. Wut unterdrücken oder Frust unterdrücken, weil man mir gezeigt hat, dass sonst das negative Konsequenzen hat, dass ich anderen sonst zu sehr weh tue, dass ich Bindung verliere, dass ich Liebe verliere, wenn so was immer wieder eingesetzt wird, kann das auch schon Spuren hinterlassen. Definitiv!</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Heute, einige Jahre nach der ersten Auseinandersetzung um den Urlaub, sind Ankes Eltern gebrechlich und benötigen zunehmend Hilfe. Zeit für einen Pflegedienst, eine Putzkraft, sollte man denken. Weit gefehlt. </p>
<p>10 Zsp. Erpressung Anke: </p>
<p>Die sind da allein in ihrer Wohnung und sagen: „Nur du darfst hier reinkommen!“ Bedeutet: Es kommt kein Pflegedienst, es kommt kein Frisör, es kommt kein Reinemachdienst, es kommt einfach niemand. Also meine alten Eltern, die haben niemanden außer mir. Hinzu kommt: Sie wollen auch niemanden außer mir! „Du darfst kommen!“ Es ist aber auch umgedreht: „Du musst kommen!“ weil ohne mich können sie nicht. Sie können sich nicht mehr alleine versorgen. Und dann frag ich mich ja schon: Erpressen die mich damit? Lassen die extra niemand anders rein, damit sie mich so richtig unter Druck setzen können?</p>
<p>Musik 5</p>
<p>&quot;Im Innern Berlins&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;15</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Emotionale Erpressung funktioniert, weil sie unsere tiefsten Bedürfnisse und Ängste ausnutzt. Die Angst vor dem Verlust von Bindung, die Furcht vor Ablehnung oder Bestrafung, und das Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung.</p>
<p>Musik 6</p>
<p>&quot;Rania&quot; - Album: Überleben - Komponistin: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;30 </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Doch wie viel Erpressung steckt im ganz normalen Miteinander? Die Grenzen sind sicherlich fließend. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Nicht jede Erpressung geschieht aus schlechter Absicht, sagt der Familientherapeut Stephan Potting. Manchmal ist es einfach nur Hilflosigkeit. Und das Unvermögen, über das eigentliche – vielleicht schwierige - Thema zu sprechen. Wie etwa im Fall von Ankes Eltern die Gebrechlichkeit im Alter. </p>
<p>11 Zsp. Erpressung Stephan Potting:</p>
<p>Man kann sagen „Meine lieben Kinder, es ist tatsächlich jetzt so, dass ich fühle, dass ich nicht mehr alleine für mich sorgen kann, ich würde jetzt ganz gerne offen mit euch kommunizieren, (…) ich würde ungern in ein Altenheim gehen, aber auch diese Option besteht, und ich möchte gerne, dass wir uns an den Tisch setzen und offen diskutieren, da brauche ich eure Hilfe.“</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Das aber ist bei Anke und ihren Eltern nie passiert. Stattdessen wiederholen sie mantraartig: Du musst kommen. Und sonst niemand! Dass Anke schon seit Jahren deshalb auf Urlaube verzichtet, interessiert die Eltern offenbar wenig: </p>
<p>12 Zsp. Erpressung Anke: </p>
<p>Und seit Neustem, da hab ich das sogar mal thematisiert. Da hatte ich erwartet: „Oh, das tut uns aber leid.“ War aber nicht! Sondern: „Das können wir von dir ja wohl auch erwarten!“ Da hab ich mal doof geguckt!</p>
<p>13 Zsp. Erpressung Potting:</p>
<p>Das vergiftet die Beziehung. Weil es überhaupt nicht berücksichtigt, was der andere braucht. Und es bedarf dann ein offenes Gespräch zwischen den Eltern und den Kindern, das ist oft ganz schwer und kaum möglich. Weil die Kinder dann ihrerseits auf ganz irrationale Weise auch ein Schuldgefühl den Eltern gegenüber haben, die denken, die müssten den Eltern das zurückgeben, was sie selbst bekommen haben. Das ist aber eine Sackgasse.</p>
<p>Musik 7</p>
<p>&quot;Im Innern Berlins&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;25</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wie bewusst ist den Erpressern und den Erpressten, was sie tun? Nicht immer ist beiden Seiten klar, welches Spiel sie miteinander spielen. Ein Spiel, bei dem die einzelnen Rädchen perfekt ineinandergreifen und bei dem es am Ende meist darum geht, die Beziehung aufrecht zu erhalten. Sei es auch auf ungesunde Weise. </p>
<p>Musik 8</p>
<p>&quot;Rania&quot; - Album: Überleben - Komponistin: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;20 </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Für Paartherapeutin Anouk Algermissen ist die entscheidende Frage: Worum geht es bei der Erpressung? Um Macht und Manipulation? Oder ist es einfach nur schlechte, unbeholfene Kommunikation?</p>
<p>14 Zsp. Erpressung Algermissen: </p>
<p>Manipulation – da würde ich eine Intention hinter sehen. Eine Intention z.B. Macht erzeugen zu wollen, jemanden absichtlich verletzen zu wollen, </p>
<p>jemanden so weit unter Druck setzen zu wollen – durch Schweigen, durch Worte, durch was auch immer – dass die Person das macht, was man möchte. Das gleiche Verhalten kann aber mit einer anderen Intention - einer Hilflosigkeit, z.B. sich schützen zu wollen oder nicht zu wissen, was man tun soll – eine vollkommen andere sein. Ich glaube, der wichtige Punkt ist Einsicht. Und die Bereitschaft, etwas zu verändern. Jemand, der wirklich manipulieren möchte, der hat keine Einsicht, und dem ist das auch egal, dass sein Verhalten verletzend ist. </p>
<p>Musik 9</p>
<p>&quot;Im Innern Berlins&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;20</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Neben familiären Banden sind wahrscheinlich Liebesbeziehungen der Ort, an dem die meisten emotionalen Erpressungen passieren. Bewusst oder unbewusst. Nicht selten hat das bei den Erpressern eine lange Vorgeschichte.</p>
<p>15 Zsp. Erpressung Anouk Algermissen:  </p>
<p>Ich gehe davon aus, dass in den meisten Fällen bei den meisten Menschen eher die Verletzungen im Vorfeld dazu geführt haben, dass immer wieder der Gedanke hochkam ‚Ich bin nicht wichtig, ich werde nicht geliebt!‘ </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Anouk Algermissen, Psychologin und Paartherapeutin.</p>
<p>16 Zsp. Erpressung Anouk Algermissen: </p>
<p>Das heißt, es ist wichtig, dass ich mir die Frage stelle: Kann es sein, dass ich Leute emotional erpresse, auch wenn ich das nicht möchte? Und warum mache ich das? Warum gehe ich dahin und stelle so Forderungen auf oder mache diese Wenn-Dann-Sätze? Was passiert denn da in mir? Warum gerate ich in so eine Situation rein, dass ich meinen Partner, meine Partnerin, die ich eigentlich total liebe, so unter Druck setzen würde?</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Vielleicht ist es ein starkes Kontrollbedürfnis, vielleicht ist es Verlustangst. Oft liegen die Motive auch im Dunkeln. In jedem Fall ist es schwer, mit Erpressungen umzugehen. </p>
<p>Musik 10</p>
<p>&quot;The Sad Panther&quot; - Album: Colleen et les Boîtes à Musique - Album: Colleen et les Boîtes à Musique - Komponist: Colleen - Länge: 0&#39;20</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Thomas weiß, was es bedeutet, unter emotionaler Erpressung zu leiden. In seiner Ehe wurden unterschiedliche Positionen nicht offen diskutiert, sondern seine Ex-Frau gab grundsätzlich den Ton an:</p>
<p>17 Zsp. Erpressung Thomas: </p>
<p>Sie hat klipp und klar ihre Regeln festgelegt: Sie hatte mir damals gesagt: Wenn ich einmal aufs Motorrad steigen würde, dann hätte ich sofort meine Koffer vor der Türe stehen …</p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>… und sollte er wagen, allein in Urlaub zu fahren, ebenfalls. Oder sich allzu oft mit seinen Freunden zu treffen. Statt über mögliche dahinterliegende Ängste zu sprechen, drohte Thomas‘ Frau stets mit der Trennung.</p>
<p>18 Zsp. Erpressung Algermissen:</p>
<p>Ich würde klarer formulieren, worum es mir eigentlich geht. Mein Bedürfnis klar zu benennen und mich auch verletzlich zu machen und zu sagen „Ich wünsche mir, dass wir mehr Zeit miteinander verbringen, weil ich dich vermisse. Weil ich das auch gerne hätte, dass ich dich mehr sehe, mir geht’s nämlich gerade nicht gut und ich würde auch gerne mehr Zeit mit dir verbringen. Mir ist das wichtig!</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Mit Trennung zu drohen, ist ein scharfes Schwert. </p>
<p>Doch es reichen oft auch mildere Waffen. </p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Thomas‘ Frau drohte auch, sobald ihr etwas nicht passte, mit Liebes- und Sexentzug.</p>
<p>19 Zsp. Erpressung Thomas:</p>
<p>Natürlich mit dem gemeinsamen Sex: Der war nicht so häufig, und sie hatte eben gesagt, sie bräuchte das eben nicht so oft und wenn ich das öfter bräuchte, dann müsste ich mir das woanders holen, aber dann hätte ich auch sofort meine Koffer vor der Türe und die Scheidung.  </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Irgendwann hatte Thomas genug von dem Druck und den manipulativen Spielchen. Er ging. Und wundert sich heute, warum er das so lange mitgemacht hat. </p>
<p>Manchmal, so der Psychotherapeut Stephan Potting, sind Trennung oder zumindest Distanzierung die einzige Möglichkeit, die Erpressung zu beenden.  </p>
<p>20 Zsp. Erpressung Stephan Potting: </p>
<p>Für die emotionale Erpressung ist ja eine Bedingung notwendig: nämlich die, dass man sich subjektiv abhängig fühlt vom anderen. Dass man wirklich das Gefühl hat – das ja völlig irrational ist – dass man ohne den anderen nicht leben kann. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Wer bereit ist zu gehen, macht sich weniger erpressbar. Paartherapeutin Anouk Algermissen gibt jedoch zu bedenken: Hinter der Androhung einer Trennung kann auch große Verzweiflung stecken: </p>
<p>21 Zsp. Erpressung Algermissen: </p>
<p>Für viele Menschen ist Trennung oder Trennung anzudrohen das letzte große Mittel, um zu zeigen, dass etwas nicht stimmt. Und das möchte ich hiermit überhaupt nicht kleinreden, dass es okay ist, so was zu machen. Weil, es ist immer noch nicht okay. Es kann ein Schrei nach Liebe sein: Man versucht, die andere Person wachzurütteln. Siehst du denn nicht, was das mit mir macht?</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Was es noch komplizierter macht: Es ist wirklich schwer, eine echte, manipulative Erpressung zu enttarnen. </p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Familientherapeut Stephan Potting sagt: Es gibt Fälle, die wirken wie Erpressung, doch es sind keine. Etwa wenn die Frau dem alkoholkranken Partner die Pistole auf die Brust setzt und sagt: „Wenn du keinen Entzug machst, dann verlasse ich dich!“</p>
<p>22 Zsp. Erpressung Stephan Potting: </p>
<p>Man kann mit einem alkoholkranken Partner nicht auf Dauer zusammenleben, und wenn jemand das schafft, das so klar und eindeutig zu sagen, ist es für den Partner die beste Hilfestellung überhaupt, weil er nämlich dann merkt, wie ernst es ist. Das ist tatsächlich keine Erpressung, sondern eine Notwehr, sonst wird sie nämlich selber krank. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wer dem alkoholkranken Partner, der keine Hilfe in Anspruch nimmt, seine Trennungsabsichten mitteilt, erpresst nicht. Er zeigt die Konsequenzen auf – ohne Erwartung, ohne Ziel, ohne Manipulation.  </p>
<p>Musik 11</p>
<p>&quot;Im Innern Berlins&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;20</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wann ist es Notwehr, wann Manipulation? Entscheidend ist die Intention. </p>
<p>Wer offen kommuniziert und dem anderen seine freie Entscheidung zugesteht, spielt kein erpresserisches Spiel. Wer ein bestimmtes Ergebnis erzwingen will, der manipuliert.                      </p>
<p>Musik 12</p>
<p>&quot;Berlin 1945&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;20</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du mit mir in Urlaub fahren.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wenn wir nicht mindestens drei Mal die Woche Sex haben, muss ich mich wohl woanders umschauen …! - Oder die maximale Steigerung:</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Wenn du mich verlässt, dann bringe ich mich um!</p>
<p>23 Zsp. Erpressung Anouk Algermissen: </p>
<p>Was ich im besten Falle hören würde, ist eine sehr große Verzweiflung oder halt ein sehr hoher Egoismus. Dass es einem egal ist, dass man die andere Person damit unter Druck setzt. Dass man nicht darüber nachgedacht hat, was das mit jemandem macht, so eine Verantwortung übertragen zu bekommen. Weil man halt einfach durchziehen möchte, was einem wichtig ist.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Hysterische Szenen, Schmollen, Liebes- und Sexentzug, Heulkrämpfe – all das sind Verhaltensweisen, hinter denen sich Erpressungsversuche verbergen können. Allerdings gehören diese Dinge mehr oder weniger zum normalen Beziehungsalltag. Kaum ein Paar, das durchgängig fair und nach Bilderbuch miteinander streitet! </p>
<p> Musik 13</p>
<p>&quot;Berlin 1945&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;21</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Neben verbaler Erpressung gibt es auch Erpressung auf der Handlungsebene. Sehr beliebt: flüchten, sich entziehen und vielleicht in das eigene Zimmer verschwinden, die Tür abschließen und für lange Zeit nicht zu sprechen sein. So erging es auch Jonas.</p>
<p>24 Zsp. Erpressung Jonas: </p>
<p>Also die einfachste Art der Erpressung in der Partnerschaft, die ich erlebt habe, ist so dieses in Anführungszeichen „weibliche Rumzicken“, dieses typische. Dazu gehört zum Beispiel diese berühmte Stummschaltung. Ich hatte mal ne Freundin, die das sehr gut draufhatte, und das merkte man daran, dass sie plötzlich kein Wort mehr sagte. Auch auf Ansprache. Kein Wort. Und dann wusste ich schon: Ich hab wieder irgendwas Schlimmes gemacht. Dann überlegte ich ewig, Stunden, manchmal Tage: Was hab ich denn nun gemacht? Und irgendwie hab ich nur mal nen falschen Ton angeschlagen ihr gegenüber, weil ich mich über was anderes geärgert hab, oder so was, dann wurde ich halt einfach drei Tage lang nicht bespaßt! Es wurde nicht mehr gesprochen. </p>
<p>25 Zsp. Erpressung Anouk Algermissen:</p>
<p>Also das toxische Schweigen, Stonewalling, das sehe ich in der Praxis vermehrt bei Männern, das ist aber nicht geschlechtsspezifisch. Häufig möchten Menschen mit dem Schweigen versuchen, keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Also der Gedanke ist häufig: Dann habe ich sozusagen einen Deckel draufgelegt; doch das Gemeine ist: Meistens ist genau das Gegenteil der Fall. Und der Streit eskaliert in den Fällen häufig erst recht oder noch mehr, je stärker das Schweigen, die Distanz aufgebaut wird.</p>
<p>26 Zsp. Erpressung Jonas: </p>
<p>Und ganz berühmt ist dann ja auch der Spruch: „Schatz, ich weiß ja jetzt, ich hab was ganz Schlimmes gemacht, und es tut mir auch wahnsinnig leid, aber bitte, sag mir doch, was ist denn eigentlich!“ „Ja, wenn du das selber nicht weißt...!“ Was einem dann auch nicht viel weiterhilft, also diese Freundin konnte das wirklich tagelang ausdehnen, dass ich dann irgendwann überhaupt keinen Bock mehr hatte, überhaupt zu ihr hinzufahren, weil was soll ich zu meiner Freundin fahren, wenn die sowieso nicht mit mir redet?</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Für Anouk Algermissen zeigt sich auch hier: Vordergründig ist die Erpressung durch Schweigen einfacher. Man macht sich weniger angreifbar. Langfristig ist sie Gift für die Beziehung.</p>
<p>27 Zsp. Erpressung Anouk Algermissen:  </p>
<p>Gerade diese Erpressung als Schutzstrategie fällt einfacher, weil man wütend sein kann, weil man forsch sein kann, weil man trotzig sein kann – das sind Dinge, die viel einfacher sind als sich verletzlich zu machen als mal kurz innezuhalten und sich zu fragen: Was will ich denn eigentlich? Das braucht viel mehr Größe, das braucht viel mehr Stärke, die Bedürfnisse klar zu ordnen und zu kommunizieren, als einfach was rauszuhauen aus dem Affekt heraus. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Es braucht unglaublich viel Ehrlichkeit: sich selbst und anderen gegenüber, um nicht zu erpressen: Worum geht es mir wirklich? Was kränkt, was verletzt mich? Das offen und absichtslos zu formulieren, dafür braucht es Kraft und Stärke. Und die Bereitschaft, ein „Nein“ zu riskieren. Abgewiesen zu werden.</p>
<p>Musik 14</p>
<p>&quot;Rania&quot; - Album: Überleben - Komponistin: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;24 </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Wirklich kompliziert wird das Ganze, wenn die Erpressung weder mit Worten noch mit Taten passiert, sondern im Tarnanzug daherkommt. Etwa als Krankheit, die – wie bei Claras Vater - automatisch ein hohes Maß an Zuwendung und Rücksicht vom Rest der Familie verlangte:</p>
<p>28 Zsp. Erpressung Clara (0‘38“): </p>
<p>Mein Vater hat vor fünf Jahren sehr starke Schmerzen im linken Bein bekommen. Das ist mit allen medizinisch-technischen Möglichkeiten untersucht worden und feststellen konnte man nichts. Tatsache ist: Er hat sich total als Schmerzpatient eingerichtet, obwohl er keine erkennbaren Schmerzen mehr hat, das bedeutet, dass meine Mutter ihn von vorne bis hinten bedient, dass er sozusagen ständig einen besonderen sozialen Status in unserer Familie hat, er kriegt permanent Aufmerksamkeit und er genießt das auf ne gewisse Art und Weise, dass er von allen bedauert und bemuttert wird.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Das zeigt, wie fließend und schmal der Grat ist zwischen normalen Grundbedürfnissen – wie Liebe, Rücksicht und Aufmerksamkeit einerseits und Manipulation andererseits. </p>
<p>29 Zsp. Erpressung Clara: </p>
<p>Ich halte meinen Vater für einen Simulanten teilweise. Dieser Tage musste ich ihn zum Bahnhof bringen, und wir hatten etwas Eile auf den Zug zu gehen, und er schleicht wie eine Schildkröte, und da hab ich ihn etwas angeschrien und gesagt: „Du musst jetzt was schneller laufen! Denn sonst kriegen wir den Zug nicht mehr!“ Wie ein junger Mann lief er die Treppe mit seinem Köfferchen runter; ich dachte: Ich erkenne ihn nicht mehr. </p>
<p>Erzählerin:</p>
<p>Dr. Herbert Mück, Facharzt für psychotherapeutische Medizin, warnt vor solchen vorschnellen Urteilen. Er sagt: Man muss ganz genau hinschauen. Denn oft liegen die Dinge komplizierter: Es kommt nämlich häufig vor, dass durch eine körperliche Erkrankung tiefere seelische Grundbedürfnisse ans Licht kommen: wie in diesem Fall möglicherweise der Wunsch endlich mal Verantwortung abzugeben und bemuttert zu werden: </p>
<p>30 Zsp. Erpressung Herbert Mück: </p>
<p>Wenn der Betreffende den Eindruck gewinnt, dass das sozusagen sein einziger Schlüssel ist, wenn er merkt, dass er über seine Erkrankung am ehesten eine Erfüllung bekommt, dann wird es ihm schwerfallen, seine Krankheit wieder gehen zu lassen. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>In der Fachsprache nennt man das „sekundärer Krankheitsgewinn“. Also Zuwendung genießen, wenn es einem schlecht geht. Ein ganz normales Gefühl. Schwierig ist, wenn die Krankheit dann ausgenutzt wird, um das zu bekommen, wonach mal sich eigentlich sehnt. </p>
<p>31 Zsp. Erpressung Herbert Mück: </p>
<p>Wenn es den betreuenden Angehörigen möglich ist zu erkennen, dass es hier um andere Bedürfnisse noch geht als nur darum, dass diese genaue Krankheit geheilt wird, dann wäre es hilfreich, diese Bedürfnisse offen zu besprechen, dem Kranken vielleicht zu garantieren, dass man sich auch um ihn weiter kümmern wird, auch wenn diese Erkrankung geheilt ist und auch mit ihm besprechen, wie es ihm denn damit geht, eine solche Perspektive zu haben. </p>
<p>Musik 15</p>
<p>&quot;Im Innern Berlins&quot; - Album: Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt (Die Original Filmmusik) - Komponistin und Ausführende: Ulrike Haage - Länge: 0&#39;45</p>
<p>Erzählerin: </p>
<p>Sowohl für den Familientherapeuten Stephan Potting, als auch für die Paartherapeutin Anouk Algermissen gibt es nur einen Weg, um Erpressungsversuche zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren. Mit einer offenen Gesprächskultur und einer ehrlichen Streitkultur. Nur wer miteinander im Austausch bleibt, weiß, was dem Gegenüber wirklich wichtig ist. Was ihn verletzt, worunter er leidet und welche Wünsche er hat. Wer keine Angst hat vor lebendigen Auseinandersetzungen, kann die Erpressung als „Waffe“ links liegen lassen. Anouk Algermissen sagt: Das ist vielleicht kurzfristig anstrengender, aber langfristig ist es ein Garant für eine wirklich gute und tragfähige Beziehung. </p>
<p>32 Zsp. Erpressung Anouk Algermissen: </p>

<p>Wenn man eben diese ganzen Spielchen, diese oberflächlichen Druckgeschichten weglässt und sich auf einer Ebene trifft, wo man viel schneller in Austausch kommt, wo man viel schneller Probleme auch wegkriegt, als sie ständig im Kampf an der Oberfläche auszutragen. D.h. ich gewinne eigentlich lang- und mittelfristig Ruhe, Stabilität, Selbstvertrauen und nahe Bindungen.</p>
<br/>
<p> </p>

]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>So ein Depp! Schimpfen, Fluchen und Verwünschen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/so-ein-depp-schimpfen-fluchen-und-verwuenschen/2106311</link>
      <pubDate>Mon, 09 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">30953b67-6f53-412c-8328-96273bdb9a07</guid>
      <description>Schimpfen gehört zum Menschsein dazu und &quot;Servus, du Scheißkerl&quot; kann durchaus freundlich gemeint sein. Die Funktionen des Schimpfens sind vielfältig und die Kreativität des Schimpfens ist grenzenlos. Von Silke Wolfrum</description>
      <enclosure length="21761664" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106311/c/feed/so-ein-depp-schimpfen-fluchen-und-verwuenschen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:40</itunes:duration>
      <itunes:author>Silke Wolfrum</itunes:author>
      <itunes:summary>Schimpfen gehört zum Menschsein dazu und &quot;Servus, du Scheißkerl&quot; kann durchaus freundlich gemeint sein. Die Funktionen des Schimpfens sind vielfältig und die Kreativität des Schimpfens ist grenzenlos. Von Silke Wolfrum</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b66c197a-19d0-48b7-8a15-27e57b025c14.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schimpfen gehört zum Menschsein dazu und "Servus, du Scheißkerl" kann durchaus freundlich gemeint sein. Die Funktionen des Schimpfens sind vielfältig und die Kreativität des Schimpfens ist grenzenlos. Von Silke Wolfrum</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Silke Wolfrum<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Katja Amberger, Christian Baumann, Friedrich Schloffer, Rahel Comtesse<br/> Technik: Regine Elbers<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Dr. Oksana Havryliv, Sprachwissenschaftlerin, Institut für Germanistik, Wien; <br/>Dr. Rolf-Bernhard Essig, Kurator der Ausstellung PotzBlitz. Vom Fluch des Pharao bis zur Hate Speech</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Der soziale Umgangston - Verdammt rau inzwischen<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/der-soziale-umgangston-verdammt-rau-inzwischen/bayern-2/13365999/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Podcast-Tipp ESC Update</strong><br/><strong>Seit 1956 ist der Eurovision Song Contest aus dem Fernsehprogramm nicht mehr wegzudenken und für viele Fans eine absolute Herzensangelegenheit. Über 1.500 Acts standen schon auf der großen Bühne – und mindestens genauso viele Geschichten hat der Wettbewerb hervorgebracht. In ESC Update sind die Journalisten Thomas Mohr und Marcel Stober immer nah dran am Geschehen und besprechen mit Künstlern, Entscheidern und Experten das Gestern, Heute und Morgen der größten Musikshow des Planeten.  <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wiegewinntmandenesc">HIER</a> geht es zum Podcast</strong></p>

<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong></p>
<p> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p><strong>Das Museum für Kommunikation in Nürnberg zeit die Ausstellung<br/></strong></p>
<p><strong>Potz! Blitz! Vom Fluch des Pharao bis zur Hate Speech <br/></strong>22. Februar 2024 – 12. Januar 2025<br/>Wir alle tun es: Schimpfen und Fluchen. Kraftausdrücke gibt es seit es Sprache gibt und in allen Kulturen der Welt. Die Ausstellung „Potz! Blitz! Vom Fluch des Pharao bis zur Hate Speech“ geht diesem Sprachphänomen auf unterhaltsame Weise nach.  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.mfk-nuernberg.de/ausstellung-potz-blitz/">HIER</a> geht es zur Website.</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Oksana Havryliv - Nur ein Depp würde dieses Buch nicht kaufen.<br/>Wikrlich ALLES über das Schimpfen, Beschimpfen, Fluchen und Verwünschen. Unterhaltsame Zusammenfassung der jahrelangen Forschungsarbeiten der Sprachwissenschaftlerin.</p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-schimpfen-fluchen-sprache-kraftausdruck-emotion-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHER: (schmerzerfüllt) Ahhhhhh! Grrrrrrrrrr! Mmmmmm!</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>War das vielleicht der Anfang allen Schimpfens und Fluchens? Eine reflexartige verbale Explosion, um Dampf abzulassen, nachdem man sich mit dem Faustkeil auf den Finger geschlagen hat? Fakt ist: alle Menschen schimpfen und fluchen, in allen Kulturen und zu allen Zeiten. Manch einer hält das Schimpfen aufgrund seiner Einfachheit und Ausdrucksstärke sogar für die Urform des Sprechens überhaupt. Verdammt gute These, aber...</p>
<p>01 Zsp. Schimpfen, Fluchen Rolf-Bernhard Essig</p>
<p>Das Hauptproblem in der Fluch-Forschung ist, dass wir nicht wissen, wann das losging. Wir haben ja nur schriftliche Quellen und insofern tappen wir im Dunkeln. Wir können mit Anthropologen, mit Primaten-Forschern aber sagen, dass Aggressionsäußerungen spätestens bei den Primaten, aber auch bei anderen Tieren sehr, sehr deutlich sind und sich auch deutlich von anderen Äußerungen unterscheiden. Vielleicht liegt da so ein Anfang, aber wie gesagt, das können wir nicht genau sagen.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Dr. Rolf-Bernhard Essig hat nicht nur die Wander-Ausstellung „PotzBlitz. Vom Fluch des Pharao bis zur Hate Speech“ kuratiert, er ist auch der Schöpfer eines Fluch-Generators, der Wortschnipsel von Hans Sachs und Goethe kombiniert, um den Anwender niveauvoll fluchen zu lassen. </p>
<p>SPRECHER: </p>
<p>Quarkender todsündlicher Lausewenzel!</p>
<p>Musik:  Mystic tendency (a) 0‘37</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die ältesten handfesten schriftlichen Beweise dafür, dass die Menschen schon immer geflucht und geschimpft haben, sind sumerische vier - bis 6.000 Jahre alte Tontafeln. Da heißt es zum Beispiel:</p>
<p>02 Zsp. Schimpfen, Fluchen Rolf-Bernhard Essig </p>
<p>Wer diese Tafel bricht oder sie ins Wasser legt oder auf ihr herumschabt, bis man sie nicht mehr entziffern und verstehen kann, den mögen (...) die Götter des Himmels und der Erde und die Götter Assyriens mit einem Fluch strafen, der nicht mehr getilgt werden kann (...) seine Nachkommen sollen vom Land hinweggefegt und sein Fleisch den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden!“</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>So eine Verwünschung gehört neben dem Fluchen, das eher ein spontaner Ausruf ist …</p>
<p>SPRECHER: </p>
<p>Scheiße!</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>… und dem Beschimpfen, welches sich immer an ein Gegenüber richtet, ob anwesend oder nicht … </p>
<p>SPRECHER: </p>
<p>Trottel!</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>… zur Rubrik „aggressiver Sprechakt“. Ob auf die Worte Taten folgen, ist dabei völlig offen. In den griechischen Epen wie der Ilias oder der Odyssee kloppen die Helden tatsächlich erstmal verbal aufeinander ein, bevor sie dann zur Waffe greifen, doch man kann auch mit Wörtern statt mit Messern kämpfen. Und da war man noch nie zimperlich. Wer denkt, früher ging alles noch viel höflicher zu als heute, der kennt nur die entsprechenden Textstellen nicht. Zu den Hochzeiten der Schimpferei, so Rolf-Bernard Essig, zählt u.a. die Reformation im 16. Jahrhundert.</p>
<p>03 Zsp. Schimpfen, Fluchen Rolf-Bernhard Essig</p>
<p>Wenn ich einen Furz lasse, dann riecht man den noch in Rom! </p>
<p>Musik: Forgotten landscape B 0‘8</p>
<p>Luther sprach von sich und den Wittenbergern als „nos vermes in hoc culo mundi latitantes“, das ist auf Deutsch „wir im Arsch der Welt verborgene Würmer“.</p>
<p>Musik:  Forgotten landscape B 0‘8</p>
<p>Wer kennt sich denn in der Reformationszeit aus? Das sind ja nur ein paar wenige, wer aber da drin liest, der merkt, da sind Verwandten- und Krankheits-Flüche der ekelhaftesten Art ganz, ganz üblich, nur ist das heute nicht mehr bekannt. Die Drastik heute ist wirklich nicht stärker als damals, aber die Verbreitung macht es deutlicher und ich kann viel leichter viel mehr Menschen erreichen, das ist der wirklich qualitative Unterschied.</p>
<p> SPRECHERIN:</p>
<p>Neben der Reformationszeit schimpfte man auch im 18. Jahrhundert und auch späten 20. Jahrhundert recht kreativ und produktiv.</p>
<p>Musik:  Gute Nacht 0‘8</p>
<p>Gute Nacht, gute Nacht, scheiß ins Bett daß&#39; kracht; gute Nacht, schlaf fei&#39; g&#39;sund und reck&#39; den Arsch zum Mund</p>
<p>(Wolfgang Amadeus Mozart)</p>
<p>04 Zsp. Schimpfen, Fluchen Rolf-Bernhard Essig</p>
<p>Es gibt zwei Dinge, die diese Modezeiten besonders charakterisieren: Das ist einmal die politische, die auch eine sprachliche Auseinandersetzung war, eine religiöse natürlich. Das lässt überhaupt die Wellen hochschlagen. Und es waren alle drei genannten Zeiten sehr sprachfixiert, man hatte den Eindruck noch mit Sprache kann ich ganz, ganz viel erreichen, so eine Art Sprachmagie. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Sprechen ist, sprachwissenschaftlich ausgedrückt, immer ein Sprech-Akt, eine Handlung. Über Sprache kann ich bei anderen etwas auslösen, ein bestimmtes Verhalten, eine bestimmte Emotion. Worte haben also enorme Macht und glaubt man an Verwünschungen, dann kann ein Wort oder ein Satz das Leben der anderen sogar gravierend beeinträchtigen.</p>
<p>Musik: Z8019017131 Disturbing factors 0‘19</p>
<p>ZITATOR&amp;ZITATORIN: (im Idealfall verschiedene Stimmen)</p>
<p>Du sollst Krätze am Arsch und zu kurze Hände zum Kratzen bekommen!</p>
<p>Alle Zähne sollen dir ausfallen bis auf einen, damit du weißt, wie sich Zahnschmerzen anfühlen!)</p>
<p>Mögen dich die Deutschen besetzen und die Russen befreien!</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die ukrainische Sprachwissenschaftlerin Oksana Havryliv (Okk’sahna Haww’rihliff) forscht an der Universität Wien schon lange über den Gebrauch von Fluch- und Schimpfwörtern. Ihr letztes Buch trägt den schönen Titel: „Nur ein Depp würde dieses Buch nicht kaufen. Wirklich ALLES über das Schimpfen, Beschimpfen, Fluchen und Verwünschen. Was das Verwünschen angeht – also einen Sprechakt, der Unheil für andere herbeiwünscht -, hält sie die Deutschen für nicht besonders kreativ:</p>
<p>05 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Also das ist auch meine These, dass die Leute im slawischen Raum zumindest, weil da kenne ich mich aus, also abergläubiger sind oder zumindest es noch bis vor Jahrzehnten waren, also noch vor 20 Jahren. Als meine Kinder klein waren und beim Besuch im Dorf zum Beispiel, da wurde nicht gesagt „ach wie hübsche Kinder du hast“, sondern es wurde auf das Kind, also nicht direkt, aber so als ob man auf das Kind spucken würde, „tu tu tu, ist das Baby hässlich“, gesagt. Das war dieser Aberglaube, man darf nichts Gutes über ein Kind sagen, sondern es wird etwas Schlechtes gesagt um die - es war natürlich nicht allen bewusst-, aber um die bösen Dämonen zu verwirren, es soll dann in Ruhe gelassen werden, dann wird dem Kind nichts Schlimmes passieren.</p>
<p>Musik:  The lost cabaret 0‘25</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Toi Toi Toi! Das wünschen sich auch die Schauspieler am Theater vor der Aufführung. Ursprünglich spuckte man sich drei Mal über die Schulter, denn Spucke gilt als apotropäisch, also Unheil abwendend. </p>
<p>06 Zsp. Schimpfen, Fluchen Rolf-Bernhard Essig</p>
<p>Das war in bürgerlichen Kreisen nicht besonders gern gesehen, also hat man statt Ausspucken nur noch eine Art Lautmalerei daraus gemacht und daraus wurde dann die Wortfolge toi toi toi. Ganz bekannt ist dann auch den Arsch zeigen, also blankziehen, der Hintern gilt als apotropäisch und leck mich am Arsch, das ist dadurch auch viel besser zu verstehen. Also ich möchte alles, was mir jemand Böses möchte, dadurch, dass ich sage, leck mich am Arsch, indem ich da blankziehe, abwehren.</p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Ja leck mich doch am Aaaaaa....llerwertesten!</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Man kann also mit Wörtern Unheil stiften, sich aber genauso auch mit ihnen vor Unheil schützen. Aber was macht überhaupt ein Wort zum Schimpfwort? Oder besser zum Kraftausdruck?! Seine Stärke steckt nicht in der begrifflichen Bedeutung, also in dem, was das Wort konkret aussagt, sondern in ihrer negativen Aufladung, in dem, was mitschwingt. </p>
<p>07 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Dieser negative Bedeutungsaspekt kann dem Wort schon auf der Ebene der Sprache angehören, also das sind Schimpfwörter, die schon in Schimpfwörterbüchern fixiert sind, die wir gleich als Schimpfwörter identifizieren, wie Scheißkerl oder Idiot. Aber die Wörter können diese negativen Konnotationen auch im Kontext in einer konkreten Situation bekommen. Neutrale Wörter können diese bekommen und zu Schimpfwörtern werden, und das sehen wir auch gut an Ersatz-Schimpfwörtern, also wenn neutrale Wörter wie Scheibenkleister oder Scheibe als Schimpfwörter funktionieren.</p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Du Armleuchter!</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Jedes Wort kann also zum Schimpfwort werden. Und gerade weil der emotive Gehalt eines Schimpfwortes im Vordergrund steht, werden viele gebraucht ohne dass die Nutzer überhaupt wissen, was sie eigentlich bedeuten. Eine Abschlussarbeit des Lehrgangs „Jugendarbeit“ am Wiener Institut für Freizeitpädagogik ergab, dass 87 Prozent der befragten sechs- bis 12Jährigen den Schimpfwörtern, die sie gebrauchten, nicht die korrekte Bedeutung zuordnen konnten. Eine ‚Hure’ wurde z.B. mit „bekloppt’ gleichgesetzt und „Missgeburt“ mit „im Mist geboren“. Hier ist Nachhilfeunterricht also dringend nötig. </p>
<p>Musik:  Equilibrium (reduced 1) 0‘36</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Schimpfwörter können weh tun, aber meistens werden sie nicht eingesetzt, um andere zu beleidigen. Im Gegenteil! In den allermeisten Fällen dienen sie einfach nur dazu, sich abzureagieren und werden gar nicht in der Gegenwart des Angesprochenen geäußert. Das Schimpfen hinter dem Rücken des anderen hat eine wichtige Funktion. Neben dem ‚Dampf Ablassen‘, kann es auch Gemeinschaft schaffen. Schimpft man gemeinsam gegen den Chef, die Lehrer, die Politiker kann das ungemein zusammenschweißen. </p>
<p>SPRECHER: (idealerweise von mehreren Stimmen gesprochen)</p>
<p>So ein Dummschwätzer! Von nichts eine Ahnung haben, aber blöd daherreden! – Genau! Volldepp!</p>
<p>Musik:  Live better 0‘21</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Die zweithäufigste Funktion von Schimpfwörtern ist ihr scherzhafter Gebrauch. Wenn Freunde sich mit „Hallo du alter Sack“ begrüßen, kann das direkt liebevoll gemeint sein. Diese Art Anrede – v.a. unter Männern gebräuchlich - ist ein echter Freundschaftsbeweis, soll heißen: Wir kennen uns so gut, dass wir uns das leisten können. </p>
<p>SPRECHER: (begeistert)</p>
<p>Du Seppl, du Wurschthaut, du older Haderlump, dass ich dich hier seh!</p>
<p>08 Zsp. Schimpfen, Fluchen Rolf-Bernhard Essig</p>
<p>Es ist auch ein soziales Erkennungs- oder Bindemittel in der Bundeswehr beispielsweise. Männerkulturen wie das Militär oder das Gefängnis, da ist es wichtig sich innerhalb dieser Kreise als besonders männlich und stark und damit dann auch eben in einer starken Sprache zu zeigen.</p>
<p>Es kann dann auch die körperliche Leistung stärken, ganz viele Sportler, die verwenden Kraftausdrücke, und die wirken ja auch neurophysiologisch, wie man sagen kann. Und es macht einfach dann auch Spaß in der Unterhaltungsindustrie, bei Piratenfilm beispielsweise, da müssen solche Kraftausdrücke natürlich vorkommen. </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Räudige Seepocke! Du bist gleich Haifutter!</p>
<p>Musik:  New discovery 0‘23</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Kevin LaBar von der Duke University in Durham und Elizabeth Phelps von der Harvard University in Cambridge konnten nachweisen, dass man sich an Schimpfwörter besser als an andere Wörter erinnern kann. Sie lösen offensichtlich beim Gegenüber höhere Erregung aus. Außerdem erhöhen Schimpfwörter die Glaubwürdigkeit des Sprechers. Eric Rassin und Simone van der Heijden ließen 70 Freiwillige fiktive Aussagen von Menschen lesen, die einer vermeintlichen Straftat verdächtig waren. Im Anschluss sollten sie deren Glaubwürdigkeit einschätzen. Tatsächlich trauten die Probanden jenen Aussagen mehr, die Kraftausdrücke enthielten, wie: </p>
<p>SPRECHER: </p>
<p>Nein, verdammt noch mal. Wie ich schon zehnmal gesagt habe, habe ich damit nichts zu tun. Ich bin jetzt seit fast zwei Stunden hier in diesem Scheißraum. Was für eine verdammte Schweinerei!</p>
<p>Musik:Talent check (b) 0‘25</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Schimpfen kann außerdem auch Schmerzen lindern. Richard Stephens von der Keele University in Staffordshire ließ 67 Studenten ihre Hand in Eiswasser halten. Wer währenddessen vulgäre statt neutrale Wörter von sich schleuderte, hielt im Schnitt ganze 40 Sekunden länger durch. </p>
<p>SPRECHER (als wäre Hand in Eiswasser)</p>
<p>Alter, he, Scheiße ist das kalt, Fuck!!!!</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Oksana Havryliv von der Universität Wien hat in ihrem Buch über 20 Funktionen des Schimpfens und Fluchens zusammengestellt, darunter auch die, Widerstand zu leisten. In diesem Zusammenhang sieht sie die Reaktionen auf die tödlichen Schüsse eines IS-Sympathisanten in der Wiener Innenstadt im Jahr 2020.</p>
<p>09 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Spruch des Jahres 2020 „Schleich di, du Arschloch“, das war der Ausruf eines Unbekannten zum Terroristen, also bei dem Terroranschlag am 2. November 2020. Er hat diese Szene gefilmt und entsetzt eben diesen Ausdruck ausgeschrien und in den nächsten Tagen wurde der Ausdruck auch zum Meme, wurde geteilt auf sozialen Medien und hat diese Funktion des Widerstandes entwickelt.</p>
<p>Musik:  Secret proofs (red) 0‘23</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Wie wir schimpfen, hängt stark von dem Kulturkreis ab, aus dem wir kommen – auch wenn in einer mobilen Welt die Grenzen verschwimmen. In Deutschland, Frankreich und der Ukraine werden gern fäkal-anale Schimpfwörter gebraucht. Wie sagte Joschka Fischer 1984 zum Bundesvizepräsidenten?</p>
<p>ZITATOR: </p>
<p>Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Keine europäische Sprache kennt so viele fäkal-anale Schimpfwörter wie die Deutsche. Ganz schön Scheiße eigentlich.</p>
<p>10 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Das hängt auch mit Werten in der Gesellschaft zusammen, mit Tabus, weil beim Schimpfen geht es immer um einen Tabubruch. Leute im deutschsprachigen Raum gelten weltweit als besonders ordnungsliebend, Sauberkeitsliebend. Das Leben im deutschsprachigen Raum ist auch stark reglementiert. Deshalb besteht der Tabubruch beim Schimpfen dann zu diesen schmutzigen Wörtern zu greifen.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>In Russland, England oder Serbien bevorzugt man dagegen Schimpfwörter aus dem sexuellen Bereich.</p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Fuck!</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>In von der katholischen Kirche stark geprägten Ländern wie Italien, Spanien oder auch Österreich und Bayern hat man hingegen eine Vorliebe für Gotteslästerungen:</p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Himmiherrgottsakrament nochamal!</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Und in den USA wie im Nahen Osten beleidigt man gerne die Verwandtschaft.</p>
<p>SPRECHERIN: </p>
<p>Fffff.... deine Mutter!</p>
<p>Musik: Political efforts 0‘21</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Wer jetzt gerade zusammengezuckt ist, dem sei gesagt: Was uns Anal-Fäkal-Schimpfer als echt zu drastisch erscheint, fühlt sich für die Verwandtschafts-Beleidiger gar nicht so schlimm an. Mütter verwenden sogar selbst diesen Ausdruck, ohne sich der eigentlichen Bedeutung bewusst zu sein.</p>
<p>11 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Als Beispiel kann ich so Videos anführen wie der österreichische TikTok Satansbraten. Also er hat Migrationshintergrund, also serbische Wurzeln, und bei ihm gibt es eine Figur der Balkan-Mutter. Diese Balkan-Mutter schimpft mit dem Kind, also das Kind kommt mit einer schlechten Note nach Hause und diese Mutter schimpft hier (Satz auf serbisch) also wörtlich „ich ficke (evtl. nur f oder Ton oder Pause) deine Mutter“ ja und dabei denkt sie nicht, dass der Ausdruck sich wirklich auf sie bezieht. Also für sie ist das so viel wie verdammt noch mal, wieso hast du wieder schlechte Note gebracht?</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Deswegen kann man Schimpfwörter auch nicht einfach so 1 zu 1 übersetzen. Ohne das Wissen um die kulturellen Unterschiede kann es da leicht zu großen Missverständnissen kommen. Übrigens hat sich so mancher Engländer über Angela Merkels Gebrauch des Wortes „Shitstorm“ auch recht gewundert. Für Engländer ist ein „Scheiße-Sturm“ ein echt starkes Wort aus dem Munde einer Kanzlerin. </p>
<p>Musik:  Pulsating enviroments 0‘16</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Nicht nur kulturelle Unterschiede prägen unser Schimpf-Verhalten, auch das Alter macht etwas aus. Jugendliche sind wesentlich kreativer und produktiver, wenn sie schimpfen, Erwachsene eher konservativ. Das zeigen jedenfalls die Studien von Oksana Havryliv.</p>
<p>12 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Ich habe meine erste Umfrage in Wien zum Beispiel 2008 durchgeführt und die zweite fast nach zehn Jahre, also 2015, 2017 und da hat sich herausgestellt, dass die häufigsten Schimpfwörter, die drei häufigsten, dieselben waren. Das waren Trottel, Arschloch und Idiot, in derselben Reihenfolge. Bei den Kindern sehen wir dagegen starke Dynamik, also in der Jugendsprache. Da kann sich jedes Jahr etwas ändern, neue Schimpfwörter kommen dazu.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Was die Rolle des Geschlechts angeht, so wird oft davon ausgegangen, Männer würden häufiger schimpfen als Frauen, stärkere Wörter gebrauchen und über ein größeres Repertoire an Schimpfwörtern verfügen. Oksana Havryliv hat diese Annahmen wissenschaftlich untersucht und kommt zu dem Schluss: Der Bildungsgrad kann eine Rolle spielen, das Geschlecht eher nicht.</p>
<p>13 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Was die Wörter anbetrifft, also die Intensität, die Vulgarität der Wörter, auch die Häufigkeit des Gebrauchs von Schimpfwörtern, da gibt es keine Unterschiede. Also das Schimpf-Verhalten ist aus geschlechtlicher Hinsicht homogen. Es gibt aber Unterschiede in der Wahrnehmung von Schimpfwörtern. Für Frauen sind zum Beispiel Schimpfwörter, die sich auf ihr Äußeres richten, oder auch auf ihr Alter im bestimmten Alter natürlich, also diese Schimpfwörter sind dann sehr beleidigend, wie „Du ja alte, dicke Kuh“. Und für die Männer sind dann Schimpf-Wörter am schlimmsten, die ihre Charaktereigenschaften angreifen, ihre Leistungen „Du Loser, du Feigling, du Lügner“, das ist sehr beleidigend für Männer oder die auch die Mutter mit beleidigen, auch im deutschsprachigen Raum.</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Die Wirkung eines Schimpfworts kann also ganz unterschiedlich ausfallen und hängt immer vom Kontext ab. Von der Art der Betonung, der Mimik und Gestik, der Lautstärke, der Intention des Schimpfers oder der Schimpferin, aber auch von der persönlichen Situation der oder des Beschimpften. Und so können Schimpfwörter, die als eindeutig rassistisch gelten, manchmal auch ganz freundschaftlich gemeint sein.</p>
<p>14 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Das N-Wort zum Beispiel. Das gehört neben anderen wenigen Wörtern zu den Wörtern, die auch keine Kontexte abschwächen können. Aber es gibt eine Ausnahme: Wenn das zum Beispiel in der Eigengruppe gebraucht wird. Also wenn schwarze Rapperinnen und Rapper das scherzhaft gegenüber gebrauchen oder überhaupt in der eigenen Gruppe Schwarze das zueinander scherzhaft sagen und lachen, dann ist das okay, dann ist das in Ordnung, aber wenn das jemand von der Außengruppe sagt, dann ist das natürlich die stärkste Diskriminierung und rassistischer Ausdruck.</p>
<p>Musik:  Needle &amp; twine red  0‘32</p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Es gilt also nicht Schimpfwörter an sich zu verteufeln, sondern vielmehr uns für die Feinheiten der Sprache zu sensibilisieren und generell natürlich immer mit einzukalkulieren, wie unsere Wörter beim anderen ankommen. Selbst die Methoden der so genannten „gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg raten nicht, den Ärger „einfach“ runterzuschlucken. Es gibt vielmehr oft eine feinere Art ihn loszuwerden.</p>
<p>15 Zsp. Schimpfen, Fluchen Oksana Havryliv</p>
<p>Mein Vorschlag ist das situationsbezogen Schimpfen. Wenn zum Beispiel die Kollegin Ihnen einen Tätigkeitsbericht nicht abgegeben hat und Sie haben sie davor schon viele Male daran erinnert und hier mit ihr geredet, also konstruktiv reden und jetzt kochen die Emotionen und suchen den Ausweg und das könnte in einer Form wie „faules Aas, wo ist mein Tätigkeitsbericht?“ passieren oder Sie können „verdammt noch mal, wo ist der blöde Tätigkeitsbericht“ ausrufen, auf diese Art und Weise haben Sie ihre negativen Emotionen abreagiert, aber Sie haben die Person und ihr Image nicht angegriffen, weil Sie schimpfen über die Situation generell „verdammt noch mal“ und Sie richten negative Emotionen auf den fehlenden Bericht, also „der verdammte Bericht“. Der Person, die für diese Situation zuständig ist, ist aber sehr wohl bewusst: „Aha es ist ernst.“</p>
<p>Musik:  Undercover investigations 0‘31</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Fazit: Schimpfen ist wichtig und verdammt menschlich. Darum lässt es sich auch nicht verbieten. Ganz oft geschieht es reflexhaft. Der vordere Bereich des Stirnhirns, der für die Kontrolle des Fluchens zuständig ist, ist oft einfach zu langsam, um einen Fluch zurückzuhalten. Bei Menschen mit Tourette-Syndrom, also Menschen die zwanghaft schimpfen und fluchen müssen, scheint diese Region oft gar nicht zu funktionieren. Und auch die Geschichte zeigt: Schimpfen verbieten funktioniert nicht.</p>
<p>16 Zsp. Schimpfen, Fluchen Rolf-Bernhard Essig</p>
<p>In der Bibel geht das ja schon los, dass Gott das nicht möchte, übrigens flucht er aber selber. Es gab bei den Pilgervätern sogar die Todesstrafe für solche Leute, die Gotteslästerungen ausstießen. Es gab immer wieder auch Schwörbüchsen, Fluchkassen, in die jemand etwas hineintun sollte, der einen Kraftausdruck verwendet hat und so zieht sich das durch die Geschichte. Immer wieder versuchte man, gerade in religiösen Gesellschaften, das Fluchen und Schimpfen zu verbieten. Ja das kann man verbieten, aber man kann es nicht vermeiden.</p>
<p>SPRECHERIN:</p>
<p>Und warum auch? Natürlich gehört zum Schimpfen und Fluchen auch verbale Gewalt, ein Sprechakt, der gezielt verletzen und demütigen will und beim Empfänger schlimmste, oft lebenslange Effekte erzielen kann, wie Opfer von Mobbing eindrücklich berichten können. Doch gut dosiert und richtig eingesetzt fördern Schimpfwörter einen gesunden Umgang mit Emotionen und sind generell Teil einer funktionierenden Gesellschaft. Sie helfen uns, Stress abzubauen, Kraft zu schöpfen und sie können uns mehr verbinden, als dass sie uns trennen.</p>
<p>Musik: Easy Dramedy (Reduced 2) 0‘16</p>
<p>Darauf ein herzliches </p>
<p>SPRECHER:</p>
<p>Servus, alte Wurschthaut!</p>
<br/>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Kampf ums Meer - Tiefsee, Nordpol, Pazifik</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-kampf-ums-meer-tiefsee-nordpol-pazifik/2042351</link>
      <pubDate>Sun, 08 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">da542a9d-bb17-4aa2-a3db-9e2eef2a7db2</guid>
      <description>Der Wettstreit um die letzten weitgehend unberührten Regionen der Erde ist in vollem Gange: Es geht um Rohstoffe und Fischgründe auf der hohen und in der tiefen See. Schätze, die es sich - auch wegen des Klimawandels - zunehmend zu heben lohnt. Von Lukas Grasberger (BR 2023)  </description>
      <enclosure length="22849152" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2042351/c/feed/der-kampf-ums-meer-tiefsee-nordpol-pazifik.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:48</itunes:duration>
      <itunes:author>Lukas Grasberger</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Wettstreit um die letzten weitgehend unberührten Regionen der Erde ist in vollem Gange: Es geht um Rohstoffe und Fischgründe auf der hohen und in der tiefen See. Schätze, die es sich - auch wegen des Klimawandels - zunehmend zu heben lohnt. Von Lukas Grasberger (BR 2023)  </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/0597e207-8d31-4092-a765-9f48768cdfb3.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Wettstreit um die letzten weitgehend unberührten Regionen der Erde ist in vollem Gange: Es geht um Rohstoffe und Fischgründe auf der hohen und in der tiefen See. Schätze, die es sich - auch wegen des Klimawandels - zunehmend zu heben lohnt. Von Lukas Grasberger (BR 2023)  </p>
<p>Autor dieser Folge: Lukas Grasberger<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Andreas Neumann und DIana Gaul<br/> Technik: Daniela Röder<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong></p>
<p>Dr. Matthias Haeckel, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung GEOMAR, Kiel; </p>
<p>Dr. Michael Paul, Stiftung Wissenschaft und Politik SWP, Berlin;</p>
<p>Prof. Alice Vadrot, Professur für Internationale Beziehungen und Umwelt, Universität Wien; </p>
<p>Dr. Edyta Roszko<strong>, </strong>Forschungsprojekt TransOcean, Chr. Michelsen Institute, Bergen</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-meer-tiefsee-artenvielfalt-klimawandel-rohstoffe-mangan-100.html">HIER</a>.</p>
<p>Linktipps:</p>
<p>Gefährlicher Tiefseebergbau – Zerstörte Unterwasser-Landschaften | BR IQ - Wissenschaft und Forschung</p>
<p>In den Tiefen der Ozeane verbirgt sich ein wertvoller Schatz: Manganknollen. Und verschiedene Staaten und Firmen sind entschlossen, diesen Schatz zu bergen. Warum? In Manganknollen stecken wertvolle Metalle, die immer wichtiger wollen: Kobalt, Nickel und andere wertvolle Ressourcen, die für die Herstellung von Batterien, Elektrofahrzeugen, Windrädern und vielen anderen Technologien dringend benötigt werden.</p>
<p><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/gefaehrlicher-tiefseebergbau-zerstoerte-unterwasser-landschaften/bayern-2/94600410/">ZUM PODCAST</a></p>
<p>Tiefseebergbau hat ungewisse Folgen | WDR 5 Quarks</p>

<p>Der Boden der Tiefsee gehört immer noch zu den geheimnisvollsten Orten auf der Welt. Rohstoff-Konzerne haben großes Interesse daran, dieses Terrain zu erkunden. Die Folgen aber könnten irreparable Naturschäden sein.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/iq-wissenschaft-und-forschung/tiefseebergbau-eine-nachhaltige-alternative-zum-landbergbau/bayern-2/12038749/">ZUM PODCAST</a></p>
<p><strong></strong></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Thomas Mann und die Seinen - Im Hofstaat des Zauberers </title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/thomas-mann-und-die-seinen-im-hofstaat-des-zauberers/1865134</link>
      <pubDate>Fri, 06 Jun 2025 03:50:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">696d8d10-210e-411e-b108-06b5032c0a5a</guid>
      <description>Es war ein Privileg, dieser Familie zu entstammen. Die sechs Kinder des berühmten Schriftstellers Thomas Mann und seine Frau Katja waren sich ihrer herausgehobenen Stellung wohl bewusst. Für die vier Jüngeren - Golo und Monika, Elisabeth und Michael - wurde das schon früh zur Belastung, während die beiden Ältesten, Erika und Klaus, bereits als Jugendliche versuchten, daraus Kapital zu schlagen. Sie präsentierten sich der Öffentlichkeit als &quot;geniale Kinder eines genialen Vaters&quot;. Ihre Erfolge auf der Bühne und als Autoren täuschten allerdings nicht darüber hinweg, dass es letztendlich immer nur der Glanz des &quot;Großschriftstellers&quot; Thomas Mann blieb, in dem sie sich sonnen konnten. Die Eltern ihrerseits banden nach der Emigration aus Deutschland ihre Kinder nach Möglichkeit in den &quot;Hofstaat des Zauberers&quot; ein, um das Fortbestehen von Thomas Manns Karriere zu sichern. Von Carola Zinner (BR 2015) </description>
      <enclosure length="22022400" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1865134/c/feed/thomas-mann-und-die-seinen-im-hofstaat-des-zauberers.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Carola Zinner</itunes:author>
      <itunes:summary>Es war ein Privileg, dieser Familie zu entstammen. Die sechs Kinder des berühmten Schriftstellers Thomas Mann und seine Frau Katja waren sich ihrer herausgehobenen Stellung wohl bewusst. Für die vier Jüngeren - Golo und Monika, Elisabeth und Michael - wurde das schon früh zur Belastung, während die beiden Ältesten, Erika und Klaus, bereits als Jugendliche versuchten, daraus Kapital zu schlagen. Sie präsentierten sich der Öffentlichkeit als &quot;geniale Kinder eines genialen Vaters&quot;. Ihre Erfolge auf der Bühne und als Autoren täuschten allerdings nicht darüber hinweg, dass es letztendlich immer nur der Glanz des &quot;Großschriftstellers&quot; Thomas Mann blieb, in dem sie sich sonnen konnten. Die Eltern ihrerseits banden nach der Emigration aus Deutschland ihre Kinder nach Möglichkeit in den &quot;Hofstaat des Zauberers&quot; ein, um das Fortbestehen von Thomas Manns Karriere zu sichern. Von Carola Zinner (BR 2015) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/4726904f-af85-43e8-9557-1bee000935e0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es war ein Privileg, dieser Familie zu entstammen. Die sechs Kinder des berühmten Schriftstellers Thomas Mann und seine Frau Katja waren sich ihrer herausgehobenen Stellung wohl bewusst. Für die vier Jüngeren - Golo und Monika, Elisabeth und Michael - wurde das schon früh zur Belastung, während die beiden Ältesten, Erika und Klaus, bereits als Jugendliche versuchten, daraus Kapital zu schlagen. Sie präsentierten sich der Öffentlichkeit als "geniale Kinder eines genialen Vaters". Ihre Erfolge auf der Bühne und als Autoren täuschten allerdings nicht darüber hinweg, dass es letztendlich immer nur der Glanz des "Großschriftstellers" Thomas Mann blieb, in dem sie sich sonnen konnten. Die Eltern ihrerseits banden nach der Emigration aus Deutschland ihre Kinder nach Möglichkeit in den "Hofstaat des Zauberers" ein, um das Fortbestehen von Thomas Manns Karriere zu sichern. Von Carola Zinner (BR 2015) </p>
<p>Autorin dieser Folge: Carola Zinner<br/> Regie: Eva Demmelhuber<br/> Es sprachen: Axel Wostry, Wolfgang Pregler, Julia Cortis<br/> Technik: Christian Schimmöller<br/> Redaktion: Petra Hermann-Boeck<br/><br/>Das Manuskript zur Folge gibt es <strong><a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-im-hofstaat-des-zauberes-thomas-mann-100.html">HIER</a></strong>.<br/><br/>RadioWissen hat noch eine weitere hörenswerte Folgen zu Thomas Mann:<br/><br/>Thomas Mann - Leben und Werk<br/><strong><a title="Radiowissen | Thomas Mann" href="https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/thomas-mann-leben-und-werk-1/1353695">JETZT ANHÖREN</a><br/><br/></strong><br/>Auf BR Kultur finden Sie einen Überblick über die Kinder von Thomas Mann:<br/><br/>Die Kinder des Manns - Jede(r) Mann im Porträt<br/><strong><a title="BR Kultur | Die Kinder des Manns" href="https://www.br.de/themen/kultur/inhalt/literatur/die-kinder-der-manns100.html">ZUM BEITRAG</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Ab dem 20.Dezember 2024 wird im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums von <br/></strong><strong>&quot;Der Zauberberg&quot; das 10-teilige Hörspiel &quot;Der Zauberberg&quot; aus dem Jahr 2000 exklusiv in der ARD Audiothek angeboten. Zu finden <a title="Hier gehts zur Website." href=" https://1.ard.de/Zauberberg_radiowissen">HIER</a></strong></p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Operation Overlord - Die Landung der Alliierten</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/operation-overlord-die-landung-der-alliierten/2094154</link>
      <pubDate>Fri, 06 Jun 2025 03:45:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">7f329b0e-b523-4b5b-a03b-57b6c5153bdb</guid>
      <description>Der D-Day, der Decision Day wurde als Tag der Entscheidung von den Alliierten genauso wie von Nazi-Deutschland erwartet, über zwei Jahre hatten sich vor allem Briten und Amerikaner auf eine der größten Militäroperationen der Geschichte intensiv vorbereitet. Als die Alliierten dann am 6.Juni 1944 in der Normandie tatsächlich an Land gingen, geschah dies unter hohen Verlusten. Heute gilt die Invasion nicht mehr als die Entscheidungsschlacht, als die sie die Zeitgenossen sehen wollten, aber als Tag von hoher symbolischer Bedeutung, wenn es um die Nachkriegsordnung in West-Europa ging. Von Steffi Illinger (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22465920" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2094154/c/feed/operation-overlord-die-landung-der-alliierten.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:24</itunes:duration>
      <itunes:author>Steffi Illinger</itunes:author>
      <itunes:summary>Der D-Day, der Decision Day wurde als Tag der Entscheidung von den Alliierten genauso wie von Nazi-Deutschland erwartet, über zwei Jahre hatten sich vor allem Briten und Amerikaner auf eine der größten Militäroperationen der Geschichte intensiv vorbereitet. Als die Alliierten dann am 6.Juni 1944 in der Normandie tatsächlich an Land gingen, geschah dies unter hohen Verlusten. Heute gilt die Invasion nicht mehr als die Entscheidungsschlacht, als die sie die Zeitgenossen sehen wollten, aber als Tag von hoher symbolischer Bedeutung, wenn es um die Nachkriegsordnung in West-Europa ging. Von Steffi Illinger (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/7914b979-2870-48b1-937e-ef0efb7e9212.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der D-Day, der Decision Day wurde als Tag der Entscheidung von den Alliierten genauso wie von Nazi-Deutschland erwartet, über zwei Jahre hatten sich vor allem Briten und Amerikaner auf eine der größten Militäroperationen der Geschichte intensiv vorbereitet. Als die Alliierten dann am 6.Juni 1944 in der Normandie tatsächlich an Land gingen, geschah dies unter hohen Verlusten. Heute gilt die Invasion nicht mehr als die Entscheidungsschlacht, als die sie die Zeitgenossen sehen wollten, aber als Tag von hoher symbolischer Bedeutung, wenn es um die Nachkriegsordnung in West-Europa ging. Von Steffi Illinger (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Steffi Illinger<br/> Regie: Silke Wolfrum<br/> Es sprachen: Christoph Jablonka, Christian Baumann<br/> Technik: Marcus Huber<br/> Redaktion: Andrea Bräu</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/>Dr. Peter Lieb, Militärhistoriker, Potsdam <br/> <br/>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:</p>
<p><a title="ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN</strong></a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-overlord-d-day-alliierte-normandie-invasion-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p><strong>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:</strong></p>

<p>SPRECHER</p>
<p>Es ist eine der wichtigsten Wettervorhersagen der Geschichte: drei Wetterdienste arbeiten an den Prognosen, um eine ideale Wetterkonstellation über dem Nordatlantik und dem Ärmelkanal zu ermitteln: Sonnenaufgang bei Ebbe, der Himmel möglichst nicht wolkenverhangen und nicht zu viel auflandiger Wind. Denn Fallschirmspringer und Bombenflieger brauchen gute Sicht, die Böden müssen trocken sein, damit schweres Kriegsgerät nicht im Matsch versinkt, für die Landungstruppen soll die See ruhig sein und der Wasserstand niedrig, damit die vom Gegner errichteten Strandhindernisse zu sehen sind.</p>
<p>GERÄUSCH – WIND-WELLEN-WASSER, STÜRMISCH </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Doch Anfang Juni 1944 herrscht über dem Nordatlantik ein Tiefdruckgebiet, es ist ungewöhnlich kalt und stürmisch für die Jahreszeit. Ungünstig – denn die Strategen wünschen sich optimale meteorologische Bedingungen für eine der größten Militäraktionen der Menschheitsgeschichte: der Invasion und Befreiung Westeuropas von der Naziherrschaft. An der südenglischen Küste haben die Alliierten ein gigantisches Truppenaufgebot zusammengezogen – sie warteten auf den D-Day – den Decision-Day, den Tag der Entscheidung: </p>
<p>GERÄUSCH – WIND – WELLEN -WASSER-STÜRMISCH </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Der Militärhistoriker Dr. Peter Lieb beschäftigt sich mit der Invasion seit seiner Studienzeit, als er während eines Auslandsemesters den berüchtigten Omaha Beach mit seinen endlosen Reihen von Kriegsgräbern besucht hat.</p>
<p>O-Ton 1: Dr. Peter Lieb 0´45“</p>
<p>1/ [00:02:51] Der Name D-Day bedeutet Decision-Day, also Entscheidungstag. </p>
<p>Und in der Tat ist für die damaligen Beteiligten, sowohl auf alliierter als auch auf deutscher Seite - dieser Tag wird als der Entscheidungstag des Krieges gesehen, ist ein Tag für die Alliierten, der mit großen, sehr, sehr großen militärischen Risiken behaftet zu sein scheint. Und sie glauben, wenn sie jetzt die Landung nicht schaffen sollten, würde es Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis sie wieder erneut versuchen könnten, in Westeuropa zu landen…((Auf der anderen Seite haben die Deutschen, da insbesondere die nationalsozialistischen Machthaber und auch die NS Propaganda, haben diesen D-Day oder diese alliierte Landung in Westeuropa zu einer Entscheidungsschlacht des Krieges hochstilisiert.))</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Eigentlich haben die Deutschen bereits im Mai 44 mit einem Angriff auf die von ihnen besetzte nordfranzösische Küste gerechnet, und auch auf der anderen Seite des Ärmelkanals wurde von den Alliierten die Invasion für Mai angesetzt und wieder verschoben – man war mit den militärischen Vorbereitungen noch nicht weit genug. </p>
<p>Zudem widersprechen sich die Wetterprognosen der amerikanischen und britischen Dienste, die gewünschte Fünftage-Vorhersage grenzt im Hinblick auf die damaligen Möglichkeiten an Kaffeesatzleserei.</p>
<p>MUSIK The revolutionary army (LC 10347) 0’05</p>
<p>O-Ton 2: Dr. Peter Lieb</p>
<p>2 / [00:10:35] …das Wetter spielt in der Tat eine ganz wichtige Rolle an diesem D-Day. Und zwar, weil die Deutschen andere Informationen haben als die Alliierten. Die Alliierten wissen, das sich am 6. Juni so ein kleines Wetterloch auftut. Vorher und nachher ist eine Schlechtwetterfront vorhergesagt und für den 6. Juni gibt es ein kleines Fenster …. Die Deutschen hingegen, ihre Wettervorhersage sagt, 6.Juni schlechtes Wetter. Da werden die Alliierten nicht angreifen, da können sie ihre Luftwaffe nicht einsetzen. Da ist hoher Seegang, da können sie ihre Landungsboote nur mit Schwierigkeiten einsetzen.</p>
<p>Sprecher</p>
<p>Ein fataler Irrtum.</p>
<p>Die Planung und Durchführung der Operation Overlord, also der Landung, liegt bei General Dwight D. Eisenhower, dem Oberbefehlshaber über die alliierten Truppen, über Streitkräfte aus Großbritannien, Amerika, Kanada, und weiteren Staaten sowie von Exil-Armeen aus Frankreich und Polen.</p>
<p>MUSIK The revolutionary army  0’05</p>
<p>Nach einer zweiten durchwachten Nacht und Unmengen von Kaffee und Nikotin ringt sich General Eisenhower schließlich zu einer Entscheidung durch, er befiehlt die Invasion:</p>
<p>Archiv 1:</p>
<p>„Soldiers, Sailors, and Airmen of the Allied Expeditionary Force! You are about to embark upon the Great Crusade, toward which we have striven these many months. The eyes of the world are upon you. </p>
<p>…The tide has turned! The free men of the world are marching together to Victory!</p>
<p>I have full confidence in your courage, devotion to duty and skill in battle. We will accept nothing less than full Victory!“</p>
<p>OVERVOICE-SPRECHER:</p>
<p>Soldaten auf See wie in der Luft, ihr seid dabei, euch für einen großen Kreuzzug einzuschiffen. Die Augen der Welt sind auf euch gerichtet. …Das Blatt hat sich gewendet! Freie Männer von überall auf der Welt marschieren gemeinsam dem Sieg entgegen. Ich habe volles Vertrauen in Euren Mut, euer Pflichtgefühl und eure Kampfesfähigkeit. Wir akzeptieren nur einen vollständigen Sieg. </p>
<p>MUSIK From the Halls of Montezuma  0’20</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Im Morgengrauen des 6.Juni überquert eine gewaltige Armada den Ärmelkanal: 1213 Kriegsschiffe und 4124 Landungsboote stechen in See.</p>
<p>Der „längste“ Tag der Geschichte hat begonnen. </p>
<p>O-Ton 3: Dr. Peter Lieb</p>
<p>1/ [00:01:30] …Also der D-Day hat eine herausgehobene politische Bedeutung, …Was er weniger hat, ist, …dass lange Zeit behauptet wurde, der D-Day, wäre eine Entscheidungsschlacht des Zweiten Weltkrieges gewesen oder wäre ein Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges gewesen. Das kann man also nicht mehr sagen. Das zu diesem Zeitpunkt war eigentlich jetzt in der Rückschau gesehen, der Zweite Weltkrieg für das Deutsche Reich bereits verloren. Für die Zeitgenossen hat sich das durchaus anders dargestellt. Da war nicht so ganz klar, ob die Deutschen vielleicht noch Chancen haben, den Krieg zu gewinnen. Das haben die Deutschen geglaubt, das haben die Alliierten geglaubt. … (02:18)</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>…und im Vorfeld lange um die richtige Strategie bei der Befreiung Europas gerungen: Bereits Ende 1941 war die Entscheidung zwischen Briten und Amerikanern gefallen – Germany first!  Zuerst sollte das nationalsozialistische Deutschland besiegt werden, bevor sich die Amerikaner den weiteren weltweiten Kriegsschauplätzen zuwenden wollten. Fast zweieinhalb Jahre haben die Vorbereitungen für eine amphibische Landung ungeheuren Ausmaßes gedauert, also einer Landung der Marinetruppen an einer feindlich besetzten Küste, nur von der Seeseite aus und ohne schützende Häfen, von denen sich aus Truppenbewegungen und Kriegsmaterial organisieren lassen. </p>
<p>MUSIK Etoll Horrific (LC-30312) 0’08</p>
<p>Eine militärische Großoperation, bei der sich die westlichen Verbündeten immer wieder zusammenraufen müssen: auf zahlreichen Konferenzen ringen Briten und Amerikaner um die richtige Strategie: die Amerikaner möchten schnell in Westeuropa einmarschieren – doch eine erste Operation, um den Hafen von Dieppe zu besetzen, scheitert 1942 kläglich. Die Briten fühlen sich bestätigt:  </p>
<p>O-Ton 4: Dr. Peter Lieb</p>
<p>1 / 06:12 … die Briten sagen Nein, … Die deutsche Wehrmacht ist viel zu stark. Die Deutschen haben noch nach wie vor eine starke Luftwaffe und wir müssen erst mal Zeit gewinnen und versuchen, die Deutschen an der Peripherie zu treffen. Und das wäre das Mittelmeer. Da haben die Briten natürlich auch eigene politische und wirtschaftliche Interessen, Sicherung der Seewege nach Indien. …Und zunächst setzen sich auch die Briten durch, in dieser Diskussion, führen den Amerikanern vor Augen, dass eine Landung 1942 in Europa nicht möglich ist. Und so kommt es zur ersten großen amphibischen Landung des Krieges durch die Alliierten im November 1942 in Nordafrika, in Marokko und in Algerien. Als Folge davon mussten sich die Deutschen dann einige Monate später aus Nordafrika zurückziehen und die Alliierten landen in Süditalien im Juli 1943. …</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Auch auf der anderen Seite des Ärmelkanals wird der Angriff der Alliierten an der französischen Westküste erwartet: Hitler hat bereits im Herbst 1943 eine Weisung herausgegeben, dass sich von nun an alle Verteidigungsbemühungen verstärkt auf den Westen fokussieren sollen. </p>
<p>MUSIK Etoll Horrific (LC-30312) 0’10</p>
<p>ZITAT / Overvoice-Sprecher:</p>
<p>Die Gefahr im Osten ist geblieben, aber eine größere im Westen zeichnet sich ab: die angelsächsische Landung!</p>
<p>O-Ton 5: Dr. Peter Lieb</p>
<p>((Ein erster symbolischer Akt ist, dass der bekannteste deutsche Militär des Zweiten Weltkriegs, der Generalfeldmarschall Rommel, …dass dieser populärste deutsche General im Herbst 1943 in den Westen geschickt wird, um dort die Maßnahmen zu treffen für die Verteidigung. Und damit zeigt das NS-Regime der deutschen Bevölkerung und auch den eigenen Soldaten, schaut her, unser bester Mann ist jetzt im Westen und wird dafür sorgen, dass wir dort erfolgreich die Alliierten abwehren können.)) Jetzt gibt es allerdings ein Problem: Die Deutschen haben bereits seit Ende 1941 begonnen, Befestigungsanlagen entlang der Küste zu errichten, den sogenannten Atlantikwall. Aber dort ist in den ganzen Jahren nicht viel geschehen. Das sind nur vorbereitete Stellungen, aber nur vereinzelte Bunkeranlagen. Und als jetzt Rommel nach Frankreich kommt und oder in den Westen, auch in den Niederlanden und in Belgien, beginnt er massiv diesen Atlantikwall zu verstärken. </p>
<p>MUSIK Neutral undergroove 0’37</p>
<p>SPRECHER </p>
<p>Doch das beste Bunkersystem nützt nichts, wenn es an Nachschub fehlt. Die deutsche Armee ist durch den mehrjährigen Mehrfrontenkrieg aufgebraucht. Nun sollen mangelhaft ausgebildete Soldaten die Küste im Westen verteidigen, Jugendliche in Uniform und zwangsrekrutierte Osteuropäer aus den annektierten Gebieten. Auch fehlt es an Munition – und zahlreiche sich überlagernde Hierarchieebenen in Wehrmacht und Waffen-SS verhindern schnelle Einsätze. Und im entscheidenden Moment schätzen die Deutschen nicht nur die Wetterlage falsch ein:</p>
<p>Archiv 2</p>
<p>„03:24…Der Angriff gegen die Küsten Europas, seit langem der Gegenstand von gespanntesten Hoffnungen und Erwartungen der Völker hat Gestalt begonnen. Die Briten und Amerikaner haben es an Versuchen, auf anderem Wege zu diesem Ziel zu kommen, nicht fehlen lassen…12:27 bisher hat der Feind die Tiefe der Befestigungen an keiner Stelle zu durchstoßen vermocht…13:01…das, was der Gegner zum gegenwärtigen Zeitpunkt braucht, sind geschützte Landeplätze für weitere Anlandungen, deshalb zielt er ja auf die Flussmündungen…“</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>So ein militärpolitischer Kommentar vom 30.Mai 1944. Tatsächlich erwartet die deutsche Seite die Invasion viel weiter nördlich, an der engsten Stelle des Ärmelkanals, bei Calais oder der Flussmündung der Seine. </p>
<p>Selbst als das Inferno dann wirklich losbricht, glaubt die deutsche Wehrmacht anfangs noch an ein Täuschungsmanöver. </p>
<p>GERÄUSCH – FLIEGER / ALARM - LUFTKRIEG</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Dabei hatte Operation Overlord schon lange vor dem eigentlichen Tag der Invasion begonnen: </p>
<p>O-Ton 6: Dr. Peter Lieb</p>
<p>1/ 12:40 Die Voraussetzung für das Gelingen einer jeden amphibischen Landung ist die Luftherrschaft und die Alliierten…führen den Luftkrieg in zwei Dimensionen. Erstens den Luftkrieg über dem Deutschen Reich, wo es ihnen gelingt, zur Jahreswende 43/ 44 die Luftherrschaft zu gewinnen und die deutsche Jagdwaffe praktisch auszuschalten.</p>
<p>GERÄUSCH – FLIEGER / ALARM - LUFTKRIEG</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Aber auch Nordfrankreich überziehen die Alliierten mit einem massiven Bombardement – zerstören Seine-Brücken und Eisenbahnknotenpunkte, um die Nachschubwege für die deutsche Wehrmacht auszuschalten.</p>
<p>O-Ton 7: Dr. Peter Lieb</p>
<p>1/ 13:28... Und das Ganze führt zu großen Verlusten unter der französischen Zivilbevölkerung. Und es gibt große Diskussionen auf der alliierten Seite. Inwieweit ist das Ganze militärisch gerechtfertigt, diese Bombardierungen? Man will ja schließlich die Franzosen befreien und gleichzeitig bombardiert man sie. …Man muss sich immer vor Augen halten, dass Frankreich nach Deutschland dasjenige Land im Zweiten Weltkrieg ist,… wo das am meisten bombardiert worden ist. Es sterben 60.000 Franzosen …und die gerade im Frühjahr 1944, als dieser Luftkrieg über Frankreich intensiviert wird, …droht die Stimmung in der französischen Bevölkerung zu kippen, … (16:56 Und noch dazu kommt dann der General de Gaulle, der die französische Gegenregierung in London gebildet hat und die auch sagt Leute, hört auf zu bombardieren. Meine französischen Landsleute stellen sich sonst gegen euch. Und das Ganze wird dann auch im kurz vor dem D-Day ja auch diese Bombardierungen etwas zurückgefahren, so ab April, Mai aber im Zuge des D-Day selbst in den kommenden Wochen in der Normandie selbst erreichen die ja noch mal eine neue Intensität diese Bombardierungen.)</p>
<p>GERÄUSCH – FLIEGER / ALARM - LUFTKRIEG</p>
<p>MUSIK Inpending invasion A 1’05</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch der eigentliche D-Day beginnt nicht auf offener See oder an der Küste.  0 Uhr 18, nördlich von Caen: Bereits um kurz nach Mitternacht landen die ersten alliierte Fallschirmspringer im Hinterland, nahe der normannischen Dörfer und Städte. Ihre Mission: Wichtige strategische Punkte unter ihre Kontrolle bringen, Brücken besetzen, die Zugänge zu den Landungsstränden sichern. In mehreren Wellen regnen 18.000 Soldaten vom Himmel herab, doch vielfach misslingen Punkt-Landungen: über Quadratkilometer verstreut irren die Soldaten durchs Gelände. Auch Bombardements misslingen, die tiefliegende Wolkendecke verhindert die Sicht – teils kehren die Bomber voll beladen nach England zurück oder verfehlen ihr Ziel. Wieder trifft es die Zivilbevölkerung. Über den Rundfunk wendet sich General Eisenhower auch an die Franzosen:</p>
<p>Archiv 3</p>
<p>“People of Western Europe! The landing was made this morning on the coast of France by troops of the allied expeditionary force. This landing is part of the concerted united nations plan for the liberation of Europe,… To members of resistance movements, whether led by nationals or by outside leaders, I say: Follow the instructions you have received. To patriots who are not members of organized resistance groups, I say: Continue your passive resistance, but do not needlessly endanger your lives. Wait until I give you the signal to rise and strike the enemy.“</p>
<p>OVERVOICE-SPRECHER:</p>
<p>Die Landung durch die alliierten Expeditionsstreitkräfte an der französischen Küste ist erfolgt. Diese Landung ist Teil eines konzertierten Plans der Vereinten Nationen zur Befreiung Europas. Mitgliedern der Resistance, ob angeführt von Führern in und außerhalb Frankreichs, sage ich: Folgt den Instruktionen, die ihr erhaltet. Patrioten, die nicht Mitglieder organisierter Widerstandsgruppen sind, sage ich, setzen Sie Ihren passiven Widerstand fort, aber gefährden Sie nicht Ihr Leben. Warten Sie, bis ich Ihnen das Signal gebe, sich zu erheben und den Feind anzugreifen.</p>
<p>MUSIK Analog hypno session (LC 51263) 0’45</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ab dem Morgengrauen, um 5 Uhr 30, nehmen 28 Schlachtschiffe der Alliierten fünf normannische Strände unter Beschuss: Der am härtesten umkämpfte Landeabschnitt ist der Omaha Beach. Ein schmaler, langegezogener Strandstreifen, dahinter eine 30 Meter hohe Steilküste – und auf dieser sitzen etwa 500 Wehrmachtssoldaten, verschanzt in ihren Bunkeranlagen. Am Strand haben sie Hindernisse aufgebaut, die sogenannten Tschechenigel, Panzersperren aus vernieteten Stahlpfosten. Hier sollen die amerikanischen GIs an Land gehen – und von Anfang an ist klar: Viele werden diesen Moment nicht überleben. </p>
<p>O-Ton 8: Dr. Peter Lieb</p>
<p>2 / [00:05:52] …dass dann die Landungsklappen runter gehen von den Booten und dann schießt ein deutsches MG rein und praktisch die ganze Besatzung kann da sofort innerhalb von wenigen Sekunden getötet werden. …Dies, das passiert auch besonders am Omaha Beach, also an einem der fünf alliierten Landungsabschnitten …auch selbst an den anderen Landungsabschnitten, wo es vergleichsweise ruhig rund läuft für die Alliierten. Beispielsweise am Juno Beach, wo die Kanadier landen. Selbst dort, in der ersten Welle, haben die Verluste von über 50 %.</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Auch den alliierten Militärstrategen ist bewusst, dass sie die Soldaten der ersten Welle auf eine Höllenfahrt schicken: sie rechnen mit bis zu 10.000 Toten an diesem Tag. Der Militärhistoriker Dr. Peter Lieb:</p>
<p>O-Ton 9: Dr. Peter Lieb </p>
<p>2 /  [00:09:09]…. Aber, und das muss man auch sagen, das zeigt dann doch auch dabei die Alliierten sind Demokratien, wo das Menschenleben doch deutlich mehr zählt als in einer Diktatur. Die Soldaten sollten die bestmögliche Ausbildung kriegen…, für dieses schwierige Unternehmen. …monatelang üben die Alliierten immer wieder diese Landungsabläufe an der südenglischen Küste. Es ist alles ganz minutiös geplant, mit Artilleriebeschuss aus der Luft, von der See her und auch mit Luft Bombardements, …das es aber da zu hohen Verlustraten kommen würde, das war jedem militärischen Planer bewusst, aber anders wäre die Landung da gar nicht möglich gewesen in Westeuropa und damit die Befreiung. </p>
<p>Ev. GERÄUSCH –  von Militärflugzeugen und Bombardierungen  </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>In einem der Landungsboote, die auf den Omaha-Beach zusteuern, sitzt der Kriegsfotograf Robert Capa, um ihn herum sich übergebende Soldaten – sie sind seekrank von der stürmischen Überfahrt. Und haben vermutlich Todesangst. Seine insgesamt 11 erhalten Fotos von der Landung sind ikonisch, sie haben das Bild von der Invasion bis heute geprägt: </p>
<p>Ev. GERÄUSCH – FOTOKLICKEN, MEHRMALS, kombiniert mit Geräuschen von Militärflugzeugen und Bombardierungen  </p>
<p>Unscharf - ein Soldat, schwimmend in den Fluten des Atlantiks, die Augen weit aufgerissen</p>
<p>FOTOKLICKEN</p>
<p>Soldaten watend durchs knietiefe Wasser, vorbei an zerstörten Panzern… Auch der Fotograf Robert Capa watet mit. In seinen Erinnerungen schreibt er: </p>
<p>MUSIK Traumatic drone  1’13</p>
<p>ZITAT 1/ Overvoice-Sprecher: Robert Capa</p>
<p>Das Wasser war kalt und der Strand noch mehr als hundert Meter entfernt. Die Kugeln rissen Löcher in das Wasser um mich herum und ich machte mich auf den Weg zum nächsten Stahlhindernis. Zur gleichen Zeit traf dort ein Soldat ein, und für ein paar Minuten teilten wir uns die Deckung.</p>
<p>FOTOKLICKEN</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Blickrichtung Strand: aufsteigender Rauch von Gewehrsalven, zwischen umherirrenden Soldaten unscharf liegende Körper, tot, verwundet … </p>
<p>ZITAT 2/ Overvoice-Sprecher: Robert Capa</p>
<p>Erschöpft vom Wasser und von der Angst lagen wir flach auf einem kleinen Streifen nassen Sandes zwischen Meer und Stacheldraht. Solange wir flach dalagen, bot uns die Neigung des Strandes einen gewissen Schutz vor den Maschinengewehrkugeln, aber die Flut drängte uns gegen den Stacheldraht und die Gewehrsalven. </p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Als Robert Capa selbst an Land geht, zittern seine Hände so stark, dass er zunächst kaum den Film in seine Kamera einlegen kann.</p>
<p>ZITAT 3/ Overvoice-Sprecher: Robert Capa</p>
<p>Ich hielt einen Moment inne … und dann wurde mir schlecht. Die leere Kamera zitterte in meinen Händen. Es war eine neue Art von Angst, die meinen Körper von den Zehen bis zu den Haaren erschütterte und mein Gesicht verzerrte.</p>
<p>MUSIK Etoll Horrific  0’07</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Robert Capa überlebt das Gemetzel, weil er sich zu Sanitätern auf ein Boot flüchten kann. Doch die Amerikaner müssen befürchten, dass der Einsatz am Omaha-Beach für sie in einem Debakel endet, sie erwägen sogar einen Abbruch – erst um 15 Uhr 30 haben sie alle deutschen Widerstandsnester erobert. Die Gegenwehr ist gebrochen, Omaha-Beach und die vier weiteren Strände sind unter alliierter Kontrolle – für den Preis von geschätzt 4000 Toten und Verwundeten. </p>
<p>MUSIKAKZENT Metal whooshes 0’04</p>
<p>Am Ende dieses längsten Tages können Amerikaner, Briten, Kanadier rund 154.000 Soldaten an Land bringen, sie haben Brückenköpfe gebildet, bereits einen Tag später legen sie die sogenannten Mullberrys an, zwei künstlich auf hoher See errichtete Häfen, mittels denen der Nachschub gelingt. Doch die Landung ist erst ein Anfang: Es folgen langwieriger Kämpfe, die Wehrmacht leistet verbissen Widerstand. Besonders das unübersichtliche Gelände bereitet den Alliierten Schwierigkeiten – die Bocage, Weideland durchzogen von Hecken und typisch für die Normandie. Eine Zäsur setzt erst die Befreiung von Paris Ende August 1944.</p>
<p>MUSIK Feeling the Heat  0’45</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Heute ist die Invasion in der Normandie allgegenwärtig – auf zahlreichen Soldatenfriedhöfen hinter den Landungsstränden genauso wie in rund 30 Museen. Früher waren es vor allem die Veteranen, die zur Traumabewältigung hierher zurückkamen, heute ist der Gedenktourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Normandie. Zu den Gedenkfeierlichkeiten an runden Jahrestagen reisen führende Politiker aus aller Welt an, 2004 war mit Gerhard Schröder erstmals auch ein deutscher Kanzler dabei: </p>
<p>O-Ton 9: Dr. Peter Lieb</p>
<p>3 /  [00:08:08] …Der D-Day ist der Fixpunkt für das alliierte Gedenken,… besonders auch im Kalten Krieg, um einen Gegenpunkt zu setzen gegen die Sowjetunion, die den Großen Vaterländischen Krieg feiert, … und sich die Sowjetunion zum alleinigen Sieger sozusagen über Nazideutschland, über Hitlerdeutschland stilisiert. Und dem wollen die Alliierten etwas entgegensetzen. Zu Recht. Also …Nazideutschland ist nicht allein von der Sowjetunion besiegt worden, die von einer alliierten Koalition besiegt worden aus Sowjetunion, Amerikanern, Briten und vielen anderen Ländern. Und so zu sagen ist …das Gedenken an die Day auch ein Gegenpunkt zur der sowjetischen Gedenkkultur und hat auch wegen in der heutigen Zeit, Ukrainekrieg usw. natürlich wieder eine neue Dimension. </p>
<p>MUSIK Feeling the Heat  0’25</p>
<p>SPRECHER</p>
<p>Ein symbolisch aufgeladener Tag – damals wie heute.</p>
<p>Von den Zeitgenossen erwartet als Tag der Entscheidung – heute Gedenktag für das Ringen der freiheitlich-demokratischen Welt gegen eine mörderische Diktatur.</p>
<br/>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Ludwig I. von Bayern - Ein großer König mit großen Emotionen</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/ludwig-i-von-bayern-ein-grosser-koenig-mit-grossen-emotionen/2106203</link>
      <pubDate>Fri, 06 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">161cc0cf-f616-49e4-ad55-3c31c71f1149</guid>
      <description>Ludwigs Jugend war von dominanten Männern geprägt, die er lieber nicht verärgerte: Napoleon, Vater Max Joseph und dessen allmächtiger Minister Montgelas. Dazu hörte und sprach der Junge schlecht. Trotzdem wurde aus Ludwig kein Menschenfeind auf dem Thron, sondern ein kunstbegeisterter Schwärmer, der München zum Isar-Athen machte. Am liebsten wollte er beides - Fortschritt und Tradition versöhnen. Von Marita Kraus </description>
      <enclosure length="22321920" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106203/c/feed/ludwig-i-von-bayern-ein-grosser-koenig-mit-grossen-emotionen.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:15</itunes:duration>
      <itunes:author>Marita Krauss</itunes:author>
      <itunes:summary>Ludwigs Jugend war von dominanten Männern geprägt, die er lieber nicht verärgerte: Napoleon, Vater Max Joseph und dessen allmächtiger Minister Montgelas. Dazu hörte und sprach der Junge schlecht. Trotzdem wurde aus Ludwig kein Menschenfeind auf dem Thron, sondern ein kunstbegeisterter Schwärmer, der München zum Isar-Athen machte. Am liebsten wollte er beides - Fortschritt und Tradition versöhnen. Von Marita Kraus </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/80a6dfab-571e-4251-bbe1-1f04167741ee.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ludwigs Jugend war von dominanten Männern geprägt, die er lieber nicht verärgerte: Napoleon, Vater Max Joseph und dessen allmächtiger Minister Montgelas. Dazu hörte und sprach der Junge schlecht. Trotzdem wurde aus Ludwig kein Menschenfeind auf dem Thron, sondern ein kunstbegeisterter Schwärmer, der München zum Isar-Athen machte. Am liebsten wollte er beides - Fortschritt und Tradition versöhnen. Von Marita Kraus </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Marita Krauss<br/> Regie: Susi Weichselbaumer<br/> Es sprachen: Thomas Birnstiel, Berenike Beschle, Christian Baumann<br/> Technik: Tim Höfer<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Die deutsche Revolution von 1848 - Für Demokratie und Sozialstaat<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/die-deutsche-revolution-von-1848-fuer-demokratie-und-nationalstaat/bayern-2/12408381/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Die Bayerische Landesausstellung 2025 „Ludwig I. – Bayerns größter König?“ </strong><br/>findet in Regensburg vom 10. Mai bis zum 9. November 2025 statt. Anlass ist das 200-jährige Jubiläum der Thronbesteigung des Wittelsbachers. Gezeigt wird die Ausstellung im Sonderausstellungsbereich (Donausaal) des Hauses der Bayerischen Geschichte.</p>

<p>Die Landesausstellung erzählt von den Veränderungen im Königreich Bayern unter der Herrschaft von Ludwig I. in den Jahren von 1825 bis 1848. Und sie stellt einen König vor, der modern und rückwärtsgewandt, zielstrebig und widersprüchlich gleichermaßen war.</p>
<p>Beeindruckende Schaustücke, spektakuläre Medieninstallationen und interessante Aktivstationen machen den Ausstellungsrundgang zu einem Erlebnis.</p>
<p>Als Besucherin und Besucher erfahren Sie Einiges über das Leben in Bayern während der Regierungszeit Ludwigs I.: von neu belebten Bräuchen und Traditionen über Bauboom und Politik bis hin zur Industrialisierung. Ludwigs Regierungszeit endet nicht mit dessen Tod, sondern - sehr ungewöhnlich - mit seinem Rücktritt! War es wirklich nur wegen der schönen spanischen Tänzerin Lola Montez, die eigentlich aus Irland stammte?  <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.hdbg.de/ausstellungen/bla2025-koenigludwig.html">HIER</a> geht es zur Website</p>

<p><strong>Bayerisches Feuilleton</strong></p>
<p>Dieser König war ein Fall fürs Boulevardblatt. Ludwig I. von Bayern hasste Napoleon, war aber mit ihm verwandt. Er amchte aus München das Isar-Athen, schrieb Liebeslyrik und stürzte über Lola Montez. Ein Tausendsassa mit Sinn für &quot;das Schöne&quot; und &quot;die Schönen&quot;.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/episode/bayerisches-feuilleton/koenig-ohne-maerchen-ludwig-i-von-bayern/bayern-2/14571625/">JETZT ENTDECKEN</a></p>


<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:</p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a><strong><br/> </strong></p>
<p>Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks.<br/> <a title="Das Kalenderblatt Podcast" href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-kalenderblatt/5949906/"><strong>DAS KALENDERBLATT</strong></a><strong> <br/> <br/> </strong></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>Marita Krauss, Ludwig I. von Bayern, Träume und Macht, C.H.Beck-Verlag 2025, 639 Seiten,  ISBN 978-3-406-82912-3</p>

<p>Ludwig I. Bayerns größter König? Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2025, 256 S., Verlag Friedrich Pustet. ISBN 978-3-7917-3577-1</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.

<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-ludwig-bayern-napoleon-koenig-kurfuerst-revolution-lola-montez-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>ZITATOR</p>

<p>Kaiser Napoleon kam. Als meine Truppen aufgestellt waren, hielt er eine Anrede an sie. Ich übersetzte sie vom Pferde herab ohne zu stocken, gestehe, dass ich, Todfeind Napoleons, in diesen Augenblicken für ihn ergriffen war. Solchen Zauber übte er aus. In der Rede hieß es : ‘Je ferai la Baviere si grande que jamais elle n’aura plus besoins de mon sécours’ (Ich werde Bayern so groß machen dass es nie mehr auf meine Hilfe angewiesen ist). Enthusiastisch rief ich Vive L’Empereur.’ Wie er sein Wort gehalten, ist bekannt. Mein Vater äußerte gegen mich, daß er sein Königreich nicht größer gemacht, daran wäre ich mit meiner Gesinnung schuld.</p>
<p>ERZÄHLERIN    </p>
<p>Am Morgen des 19. April 1809, dem Tag der Schlacht bei Abensberg, erlebte der höchst kritische bayerische Kronprinz Ludwig eines jener Wunder aus denen sich die Legenden rund um Kaiser Napoleon I. speisten. Seit Ende 1805 war Bayern mit Napoleon verbündet, seit 1. Januar 1806 Königreich, und es wurde durch die Siege an der Seite Napoleons deutlich vergrößert. Doch Ludwig behielt lebenslang eine tiefe Abneigung gegen die Franzosen.</p>
<p>MUSIK Spirit of Valour Brennan Roberts/ Luc Johannson Archivmusik  1.31 min.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Gründe dafür reichten weit in seine Kindheit zurück. Ludwig kam 1786 in Straßburg auf die Welt, wo sein Vater als Offizier in französischen Diensten stand. Der französische König Ludwig XVI. war sein Taufpate, Königin Marie Antoinette eine Freundin seiner Mutter; König und Königin starben unter der Guillotine der Französischen Revolution. Ludwigs Familie musste mehrfach vor den französischen Revolutionstruppen fliehen, zunächst 1789 aus Straßburg, dann auch aus Mannheim. Bei der Beschießung Mannheims durch die Franzosen geriet der kleine Ludwig in Lebensgefahr. Etliche Fluchtstationen folgten. Die von Ludwig sehr geliebte Mutter starb 1896 an Tuberkulose, geschwächt durch fünf Geburten und die vielen Fluchten. Auch nachdem sein Vater Max Joseph 1799 den pfalz-bayerischen Kurfürsten Karl Theodor beerbt und als Kurfürst Max IV. Joseph in München eingezogen war, musste die Familie bald wieder fliehen, zunächst vor den Franzosen, dann vor den Österreichern. Erst durch das Bündnis mit Napoleon stabilisierte sich das Leben der Herrscherfamilie. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Napoleon lud 1806 den knapp 20jährigen Kronprinzen wie auch den badischen Erbprinzen nach Paris ein, um sie für Frankreich zu gewinnen; ihre Anwesenheit in Paris sollte aber auch sicherstellen, dass die Väter bei den anstehenden Verhandlungen zur Gründung des napoleonischen „Rheinbunds“ nicht ausscherten. Ludwig verbrachte mehrere Monate in Paris, bewunderte den Louvre, damals „Musée Napoléon“ genannt, besuchte die Theater, eine Schwimmschule in der Seine und die Vergnügungsstätten des Palais Royale. Er wurde Zeuge der großen Umbauten der französischen Hauptstadt und nahm an kaiserlichen Familienfrühstücken wie am napoleonischen Staatsrat teil.</p>
<p>MUSIK Stranger Stubenfliege Tony Delmonte/ Markus Strasser Archivmusik</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wie bist Du glücklich, daß du nicht in St. Cloud zu wohnen brauchst, sagte der Erbgroßherzog von Baden. Ich blieb nämlich meinem Wunsche gemäß zu Paris in den Tuilerien, als der Hof aufs Land zog, vorziehend, dreimal die Woche hinauszufahren. Sonntags zur Verwandtschaftstafel, von welcher bei günstiger Witterung öfters im dortigen Park in calèches, eigentlich offene Wägen, zum Speisen gefahren wurde, wobey auch ich in Napoleon seinem saß, der, im Vorbeigehen sei es gesagt, eine äußerst schöne Hand hatte, rund und sanft, der man nicht ansah, wie ungeheuer drückend sie auf Europa lag. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ludwigs Rückblick in seinen Erinnerungen von 1839 macht deutlich, dass ihm das Privileg bewusst war, den mächtigsten Mann Europas immer wieder aus unmittelbarer Nähe erlebt zu haben. Doch in eine gewisse Bewunderung für Napoleon mischte sich tiefe Abneigung, ja Hass auf diesen Mann, der alle Traditionen umstürzte. </p>
<p>MUSIK Bittersweet Bavaria Tony Delmonte/ Markus Strasser Archivmusik  1.18 min</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ludwig hielt Napoleon für eitel und launenhaft, maßlos in seinen Zielen, vom Krieg besessen. Um nicht wie seine Schwester Auguste von Napoleon zu einer unerwünschten Heirat genötigt zu werden, heiratete er 1810 kurzentschlossen Therese von Sachsen-Hildburghausen; die Festlichkeiten rund um die Hochzeit waren der Beginn des Münchner Oktoberfestes auf der nach der Braut benannten „Theresienwiese“. Bis zum erneuten Bündniswechsel Bayerns von 1813 blieb Ludwig von Napoleon abhängig; da war der Prinz bereits 27 Jahre alt. Es war eine Phase des großen europäischen Umbruchs:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Das Ende der alten Zeit und den Beginn der neuen sah ich, erlebte den Schluss des seit Jahrhunderten Bestandenen und die Umgestaltung fast von allem, möchte man sagen. Als Kind die Geschichte lernend, wähnte ich, jetzt ist mit den Veränderungen vorbei, nun ist alles nied- und nagelfest, aber wie sehr irrte ich, sollte in einem Menschenalter erleben, wozu früher es eines Jahrtaußends bedurfte. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Napoleon war jedoch nur einer der dominanten Männer, die über Ludwig bestimmten. Da war der Vater Max Joseph, den Ludwig fürchtete, der allgegenwärtige Hofmeister Joseph von Kirschbaum, der dem Jungen seit dessen sechstem Lebensjahr über zwölf Jahre nicht von der Seite wich, der allmächtige bayerische Minister Maximilian von Montgelas, dem der Vater vertraute, dessen Politik Ludwig jedoch ablehnte. Und dann eben noch Napoleon, den Ludwig nicht verärgern durfte. Vor diesen dominanten Männern zog er sich immer mehr in innere Welten zurück – dies habe seinen Charakter „gestählt“, schrieb er später.</p>
<p>MUSIK Weekend getaway  0.56 min</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Sehr positiv besetzt war dagegen die weibliche Welt, die Mutter, die Kinderfrau, die Schwestern. Seine Kinderfrau Luise Weyland, die ihn wie ein eigenes Kind umsorgte, schrieb, dass er mit „unbeschreiblicher Liebe und Innigkeit“ an seinen Schwestern und der Kinderfrau hing. Bereits früh zeigte sich hier Ludwigs große Liebesfähigkeit, sein Bedürfnis nach sozialer Nähe und Geborgenheit. Die Mutter und die Kinderfrau gaben ihm Sicherheit und Halt. Das war wichtig, startete er doch mit Handicaps ins Leben: Er kam mit einem Sprachfehler auf die Welt, der nie ganz verschwand. Als Dreijähriger wäre er fast an den Pocken gestorben, die hässliche Narben hinterließen. Und nach dem Tod der Mutter verschlechterte sich sein Gehör. Sein schlechtes Hören und sein damit verbundenes überlautes Sprechen bereiteten ihm lebenslang viele Peinlichkeiten. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Doch er zog sich nicht zurück, sondern behauptete sich trotz der Handicaps mutig und selbstbewusst in der Gesellschaft: Er entwickelte etliche Strategien, um im Tagesgeschäft nicht unsicher zu werden. Da er schlecht hörte, wurde er ein Augenmensch, da er schlecht sprach, ein Schreibender. Den Augenmenschen faszinierte seit seiner ersten Italienreise von 1805 die Kunst, sie „ergriff“ ihn, wie er das ausdrückte. Rückblickend schrieb er:</p>
<p>MUSIK Abschied vom Tage 0.37 min</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Ohne Kunstsinn und Kunstfreude war ich nach Venedig gekommen, aber Canovas Hebe im Palast Albrizzi ergriff mich wunderbar. Wie gewaltig zog sie mich an! Alle hatten aus dem Gemach sich entfernt, ich aber war wie fest gewurzelt geblieben. Nicht Sinnenreiz, nicht Sinnlichkeit, es war die Macht der Kunst. Ohne Freude an ihr hatte ich Italien betreten und leidenschaftlich für sie wurde ich.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>In Folge dieser Faszination entwickelte sich Ludwig bereits als Kronprinz zu einem wichtigen Sammler und Bauherrn, der München zu verändern begann. Als er 1825 König wurde, konnte er diese Umgestaltung der Haupt- und Residenzstadt fortsetzen. Auch in allen anderen bayerischen Landesteilen entstanden bedeutende Bauten und Denkmäler. Die von ihm errichteten Museen wie die Glyptothek, die Antikensammlung und die Pinakotheken, boten den angemessenen Rahmen für die gesammelten Schätze. Seine großen Bauten wirkten gleichzeitig als Konjunkturprogramm und gaben vielen Menschen Brot und Arbeit.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Auch sein zweites Handicap hatte Folgen: Wegen seines schlechten Hörens mussten ihm als König seine Mitarbeiter alles zunächst schriftlich vorzulegen, damit er nicht auf den mündlichen Vortrag angewiesen war. Diese Vorlagen kommentierte er dann teils sehr ausführlich. Es sind wohl weit über 100.000 solche „Signate“ überliefert. Er schrieb aber auch privat ungemein viel und hinterließ rund 65.000 Seiten Tagebücher und begleitende Notizen, rund 600 Seiten handschriftliche Erinnerungen, ein Traumtagebuch mit rund 400 Träumen, 4.600 Gedichte, drei Schauspiele sowie umfängliche Briefwechsel. Allein im Privatnachlass findet sich eine schwindelerregend umfängliche Dokumentenfülle. </p>
<p>MUSIK Abschied vom Tage  1.15 min</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Diese Quellen ermöglichen einen neuen Blick auf den König. Hinter der dominanten, dynamischen und disziplinierten Herrscherpersönlichkeit, dem Sparmeister und unerbittlichen Vertreter des monarchischen Prinzips wird so ein phantasiesprühender, hochgebildeter, begeisterungsfähiger und emotionaler Romantiker sichtbar, der schöne Frauen anbetete, für die Antike schwärmte und Gedichte veröffentlichte, ein liebevoller Vater und Großvater, ein Mann von schier unerschöpflicher Energie, sinnlich, mit Lust am Leben, an der Liebe, an Kreativität – und am Regieren. Johann Wolfgang von Goethe bezeichnete ihn nach einer Begegnung als „dieses merkwürdige, vielbewegliche Individuum auf dem Throne“, als einen Monarchen, „der neben der königlichen Majestät seine angeborene schöne Menschennatur gerettet hat.“ Mit seinem von großen Emotionen geleiteten Charakter entsprach Ludwig in vieler Hinsicht nicht den Vorstellungen, die sich Zeitgenossen, aber auch heutige Historikerinnen und Historiker von einem König machten. In einem Gedicht karikierte Ludwig solche Vorstellungen:</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Der Könige Los</p>
<p>MUSIK Stranger Stubenfliege Tony Delmonte/ Markus Strasser Archivmusik </p>
<p><br/></p>
<p>Von des Hofes Zwang umgeben,</p>
<p>Schon ein Todter in dem Leben,</p>
<p>Wie ein Götterbild von Stein</p>
<p>Thronen in des Schlosses Mauern</p>
<p>Soll der König, soll vertrauern,</p>
<p>Immer abgesondert seyn.</p>
<p><br/></p>
<p>Was dem Aermsten selbst gewähret,</p>
<p>Er auf seinem Thron entbehret:</p>
<p>Frohen Umgangs heitre Luft.</p>
<p>Wie an Fäden soll er wandeln,</p>
<p>Gleich wie auf der Bühne handeln,</p>
<p>Seiner Rolle sich bewußt.</p>
<p><br/></p>
<p>Abgewogen, abgemessen,</p>
<p>Sei ihm alles, soll vergessen,</p>
<p>Daß er Mensch ist, immer kühl, </p>
<p>Soll sein Herz nie höher schlagen.</p>
<p>Einsam freudlos soll er ragen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Trotz seiner Kritik an dieser Erwartungshaltung war Ludwig Herrscher durch und durch. Er regierte selbst und wollte sich nicht von Ministern gängeln lassen. Dass sein Vater dem Minister Maximilian von Montgelas so viel Macht gegeben hatte, empfand er als eine Verletzung der königlichen Würde und des monarchischen Prinzips. </p>
<p>MUSIK Public Affairs  0.41 min.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Es war ihm als erstes ein großes Anliegen, den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, der seit den napoleonischen Kriegen und den Gebietserweiterungen schwer belastet war; Bayern hatte mit den Reichsstädten, mit den ehemals kirchlichen und standesherrlichen Territorien auch deren Schulden übernehmen müssen. Mit großem Reformeifer widmete sich Ludwig zentralen Themen, die unter seinem Vorgänger liegen geblieben waren: So packte er Verwaltungsreformen an, beauftragte die Ausarbeitung eines neuen Strafgesetzbuchs, führte Kreisräte, sogenannte Landräte ein, um die politische Beteiligung und Selbstverwaltung der Bürger zu stärken; ein neues Konskriptionsgesetz sollte den Militärpflichtigen Erleichterung bringen und er wollte durch eine Aufhebung von Zollgrenzen Handel und Gewerbe fördern. Mit Disziplin, großem Fleiß, hoher Sachkunde und Entscheidungsfreude agierte Ludwig als regierender Monarch, der sich von seinen Ministern beraten ließ, aber jeden Anschein einer Ministerherrschaft unterband.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Er war ein König in einem konstitutionellen Staat. Bereits als Kronprinz hatte er sich sehr für eine freiheitliche Verfassung eingesetzt, die dann 1818 erlassen wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Fürsten seiner Zeit befürwortete er auch ein einiges „Teutschland“, also die nationale Idee, die für ihn problemlos neben einem bayerischen Staatspatriotismus bestehen konnte. </p>
<p>MUSIK Bittersweet Bavaria Tony Delmonte/ Markus Strasser Archivmusik 0.41 min</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Er gehörte zu den prominentesten europäischen „Philhellenen“, den Unterstützern des Freiheitskampfes der Griechen gegen das Osmanische Reich, ein Engagement, das letztlich 1832 zur Thronbesteigung seines Sohnes Otto in Griechenland führen sollte. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Den konservativen und restaurativen Kräften war Ludwigs Einsatz für liberale und nationale Ideen suspekt. Diese standen jedoch von Beginn an neben seinem Wunsch, die Kirche für die Verluste zu entschädigen, die sie durch die Säkularisation erlitten hatte; er wollte beides: Pressefreiheit einführen und Klöster wieder begründen, Fortschritt und Tradition versöhnen. Das erschien den progressiven wie den konservativen Kreisen als unlösbarer Widerspruch. Ludwig erfuhr Widerstand von allen Seiten. </p>
<p>ERZÄHLER </p>
<p>Der Landtag von 1831, aufgewühlt in Folge der Französischen Revolution von 1830, wurde zum Wendepunkt: </p>
<p>MUSIK Public Affairs  1.12 min</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Die Abgeordneten kritisierten Ludwigs große Architekturprojekte und wollten ihm das Geld für den Weiterbau verweigern. Im Jahr darauf forderte eine bürgerliche Oppositionsbewegung nationale Einheit und Volkssouveränität auf dem Hambacher Fest. Ludwig zog die Zügel an. Einige Akteure des Hambacher und des gleichzeitigen Gaibacher Fests ließ er unerbittlich verfolgen, waren doch während des &quot;Nationalfests&quot; in der Schlossruine des pfälzischen Hambach und auch im fränkischen Gaibach Reden gehalten worden, die genügend revolutionäres Potential enthielten, um den König aufzuschrecken. Seine Reaktion war eine große Enttäuschung für die Liberalen, die auf ihn so große Hoffnungen gesetzt hatten. Der Deutsche Bund beschloss zur Eindämmung der revolutionären Stimmung reaktionäre Maßnahmen, denen sich Bayern teilweise anschloss. Ludwig wollte nicht als derjenige angesehen werden, der in seinem Land keine Ordnung herstellen konnte. Einige Akteure des Hambacher und Gaibacher Fests ließ er unerbittlich verfolgen. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Nun war die Enttäuschung der Liberalen über diesen König groß, auf den sie so viele Hoffnungen gesetzt hatten. 1837 wurde Karl von Abel Minister, der einen streng katholischen Kurs fuhr und Ludwig rückte immer mehr in die konservative Ecke. Rückblickend schrieb er an Sylvester 1838 nach 13 Jahren Herrschaft in sein Tagebuch: </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Wäre ich auch bereits mit 18 Jahren an die Regierung gekommen, die Finanzen würde ich in gutem Stande gebracht haben, aber ein Glück, daß ich nicht früher, nach dem Wiener Congresse, auf den Thron gelangt bin, ich würde die Verfassung noch liberaler gemacht haben, war ich doch zu liberal in den ersten Jahren meiner Regierung. Für besser und verständiger als sie sind, hielt ich die Menschen.  </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Als König war Ludwig aber nicht nur mit den Partizipationswünschen des Bürgertums konfrontiert. Seine Regierungszeit fiel zusammen mit einem großen technischen und ökonomischen Innovationsschub. Der König war allem Neuen gegenüber aufgeschlossen und er nahm Anregungen und technische Entwicklungen interessiert auf. Er hatte 1814 frühindustrielle Fabriken in England besucht und fand sie für die Arbeiter nicht menschenwürdig, darum förderte er keine großen Fabriken. Doch er setzte sich für den Deutschen Zollverein und für die Verbesserung der Infrastruktur ein. Obwohl er anfangs den Kanalbau für zukunftsträchtiger hielt, wurde bald die Eisenbahn zum zentralen Projekt. </p>
<p>MUSKAKZENT</p>
<p>MUSIK Weekend getaway  1.30 min</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Ludwig war hochemotional: aufbrausend und heftig, spontan und unvorsichtig, enthusiastisch und begeisterungsfähig; er konnte leidenschaftlich lieben und inbrünstig hassen. Er stürzte sich mutig in Gefühle, die ihn in den Himmel hoben oder in die Hölle schickten. Seine Leidensbereitschaft war groß. Gegen die Usancen der höfischen Gesellschaft setzte er Gefühl und Leidenschaft. Er wollte das Leben spüren, vom Gefühl „erhoben sein“. Dazu brauchte er die Kunst, die Literatur, die Religion, die Natur und die Liebe. „Es ergriff mich“, schrieb er dann in seinem Tagebuch oder in seinen Memoiren. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>So „ergriff“ ihn vielfach die Leidenschaft für schöne Frauen. Seine Ehe mit Therese von Sachsen-Hildburghausen, die er ohne Leidenschaft begonnen hatte, wurde glücklich, die Liebe wuchs mit den Jahren ihrer Ehe, sie gebar neun Kinder. Im Februar 1841 notierte er im Tagebuch </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Selten wird ein fürstlicher Ehemann im 31. Jahre seiner Ehe so körperlich zärtlich gegen seine Frau seyn wie ich es bin, der ich mit der Seele an ihr hänge, sie liebe, sie schätze.</p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Das ruhige Eheleben allein genügte ihm aber nicht. Er brauchte das Gefühl der Verliebtheit. Wenn er doch einmal „gesündigt“ hatte, weil ihn die „Fleischeslust“ zu sehr plagte, bereute er meist schnell und stellte fest, welch bitteres Gefühl und welche Leere sich einstellte – ganz anders bei seiner Art der platonischen Seelenerotik, die seinen tief romantischen Gefühlen entsprang und die sein Leben begleitete. Im Laufe der Jahre gab es viele schöne Frauen, die Ludwig verehrte, begehrte, umschwärmte, andichtete. Ludwigs Tagebücher spiegeln den platonischen Liebesrausch, die Besuche, Gespräche, Küsse, Gedichte, Briefe. Vielfach band sich Ludwig selbst die Hände, indem er der Angebeteten eine Mitgift oder monatliche Zahlungen versprach, wenn sie tugendhaft blieb. Selbst seine Beziehung zu der blendend schönen italienischen Marchesa Marianna Florenzi ging nicht über Liebkosungen hinaus, auch war ihr Sohn Ludovico definitiv nicht Ludwigs Kind. Therese war letztlich diejenige, die durch ihre Konstanz, Präsenz und Toleranz alle seine Schwärmereien überdauerte. </p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Doch Ludwigs Besuche bei den schönen Schauspielerinnen, Sängerinnen oder anderen jungen Frauen blieben kein Geheimnis, auch da er seine Liebe in vielen Gedichten besang. Und niemand glaubte daran, dass diese Liebesbeziehungen platonisch waren, obwohl Ludwig es versicherte. </p>
<p>MUSIK Cello espagnol  0.53 min</p>
<p>ERZÄHLERIIN</p>
<p>Dies galt dann auch für die große Liebe des 60jährigen Ludwig zur angeblichen spanischen Tänzerin Lola Montez. Sie kam im Oktober 1846 nach München und in den 16 Monaten bis zu ihrer Vertreibung durch die Münchner Bürger im Februar 1848 wirbelte sie die Münchner Gesellschaft gründlich durcheinander. Über Ludwigs Absicht, ihr die bayerische Staatsbürgerschaft und einen Grafentitel zu verleihen, stürzten zwei Kabinette. Es opponierte vor allem eine katholische Front gegen „die Fremde“, angeführt von Minister Karl von Abel, unterstützt vom katholischen Adel und vom Bürgertum, das die Teuerungen in Folge letzten großen europäischen Hungerkrise von 1846/47 spürte und mit Missgunst auf die Gelder sah, die der verliebte König für seine Favoritin ausgab. </p>
<p>ERZÄHLER</p>
<p>Es ging aber keineswegs nur um Lola. Die Forderungen nach Reformen und mehr politischer Mitbestimmung wurden lauter. Als seit Februar 1848 die revolutionäre Stimmung aus Paris nach Deutschland übersprang, war Lola bereits nicht mehr in München. Ludwig genehmigte widerwillig und unter hohem Druck die revolutionären „Märzforderungen“, zu denen die Pressefreiheit, die Verantwortlichkeit der Minister gegenüber dem Parlament und die Einführung von Schwurgerichten gehörten, alles Forderungen, die bereits seit vielen Jahren diskutiert wurden. Damit hatte die Revolution in München zunächst gesiegt, der König wurde mit Jubel begrüßt. Doch zwei Wochen später entschloss er sich, die Krone niederzulegen: Unter den neuen Bedingungen wollte er, der 23 Jahre selbst alle Fäden in der Hand gehalten hatte, nicht mehr regieren. Die Lola-Affäre war nur ein Katalysator, nicht der Grund für diese Entscheidung. </p>
<p>MUSIK Bittersweet Bavaria Tony Delmonte/ Markus Strasser Archivmusik  1.48 min</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p>Nach seinem Rücktritt lebte Ludwig noch 20 Jahre als „König außer Dienst“. 1864 starb sein Sohn König Max II. und der Enkel Ludwig II. übernahm die Regierung in Bayern. Obwohl dem energiegeladenen Ludwig dieser Ruhestand oft schwerfiel, gelang es ihm doch, sich damit zu arrangieren. Er musste in diesen Jahren schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Diese reichten von der erzwungenen privaten Rückzahlung seines an Griechenland gegebenen Darlehens, dem Tod seiner Schwester Auguste 1851 und seiner Frau Therese 1854 bis zum Tod vier seiner Kinder. Eine letzte große Liebe zu legalisieren, gelang ihm nicht, die über 50 Jahre jüngere Carlotta von Breidbach-Bürresheim lehnte seinen Heiratsantrag 1862 endgültig ab. Ludwig fand jedoch auch durch seinen Glauben immer wieder Wege, nicht zu verbittern, Unabänderliches zu akzeptieren und sich seelisch wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Als ein Fundament dafür sah er sein „heiteres Gemüt“. Als ihn sein Sohn Otto fragte, wie er sich seine „Lebensfrische“ erhalte, sagte er: </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Sich nicht zu grämen über das, was ist, durchdrungen zu sein von des Irdischen Vergänglichkeit, sich nicht daran zu ketten, dem Willen Gottes sich ergeben. Mäßig sein in allem, die Beschäftigungen sich nicht schwer vorstellen.</p>
<p>ERZÄHLERIN</p>
<p></p>
<p>König Ludwig I., dieser in vieler Hinsicht größte bayerische König, starb am 29. Februar 1868 in Nizza.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Mamas Liebling - Wenn Eltern unterschiedlich lieben</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/mamas-liebling-wenn-eltern-unterschiedlich-lieben/2098020</link>
      <pubDate>Fri, 06 Jun 2025 02:00:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">f5f22099-1673-46e9-a515-e4cff77fd737</guid>
      <description>Kaum jemand spricht offen darüber. Doch in den meisten Familien ist es der Fall: Mama oder Papa bevorzugen eines ihrer Kinder.  Diese ungleiche Behandlung hinterlässt Spuren in der Psyche aller Geschwister. Von Veronika Wawatschek </description>
      <enclosure length="22305792" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098020/c/feed/mamas-liebling-wenn-eltern-unterschiedlich-lieben.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:14</itunes:duration>
      <itunes:author>Veronika Wawatschek</itunes:author>
      <itunes:summary>Kaum jemand spricht offen darüber. Doch in den meisten Familien ist es der Fall: Mama oder Papa bevorzugen eines ihrer Kinder.  Diese ungleiche Behandlung hinterlässt Spuren in der Psyche aller Geschwister. Von Veronika Wawatschek </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/c4ba6bb6-6dda-4679-8bfb-ef075e473d51.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kaum jemand spricht offen darüber. Doch in den meisten Familien ist es der Fall: Mama oder Papa bevorzugen eines ihrer Kinder.  Diese ungleiche Behandlung hinterlässt Spuren in der Psyche aller Geschwister. Von Veronika Wawatschek </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Veronika Wawatschek<br/> Regie: Sabine Kienhöfer<br/> Es sprachen: Hemma Michel, Johannes Hitzelberger<br/> Technik: Simon Lobenhofer<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Martina Stotz, Deutsches Kinder- und Jugendinstitut; <br/>Martin Diewald, Soziologieprofessor Bielefeld<br/> <br/><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong></p>
<p> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/wie-wir-ticken"><strong>ZUM PODCAST</strong></a></p>
<p><strong>Literatur:</strong><br/>Hartmut Kasten, Geschwister – Vorbilder, Vertraute, Rivalen. Ernst Reinhardt Verlag München, 2020, 7. Auflage<strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-eltern-familie-kinder-geschwister-bevorzugung-lieblingskind-100.htmll"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>1. ZSP UMFRAGE Teil 1: Haben Sie ein Lieblingskind? </p>
<p>Nein, ich hab beide gleich lieb. Klar, die Zeiten gibt es immer, wo der eine mehr nerviger ist als der andere. Aber vom Prinzip her hab ich sie beide auf ihre Art und Weise gleich lieb. // Ich gehöre zu einer Gruppe, ja wie soll ich sagen? Die von beiden Seiten gleich geliebt wurde. // Ne, kann ich nicht sagen: Lieblingskind? Nö, Lieblingskind gibt’s so nicht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Viele Eltern sind überzeugt, sie haben kein Lieblingskind. Dabei ist das Phänomen fast so alt wie die Menschheit:</p>
<p>Musik:  Mystic tendency (a) 1‘01</p>
<p>ZITATOR (Altes Testament)</p>
<p>Israel liebte Josef unter allen seinen Söhnen am meisten, weil er ihm noch in hohem Alter geboren worden war. Er ließ ihm einen Ärmelrock machen. Als seine Brüder sahen, daß ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder, haßten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Josef, der von seinen eifersüchtigen Brüdern verkauft wird. Abel, der von Gott bevorzugt wird – das Alte Testament ist voll von Geschichten elterlicher Bevorzugung – die teilweise drastisch enden:</p>
<p>ZITATOR (Altes Testament)</p>
<p>Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar; auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Ende ist hinlänglich bekannt: Kain erschlägt das vermeintliche Lieblingskind Gottes, seinen Bruder Abel, aus Eifersucht. </p>
<p>Musik:  Loving memory (reduced 2) 0‘41</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Lieblingskinder gibt es nicht nur in der Bibel, auch viele Volksmärchen erzählen davon: Da gibt es „La Belle“, also die „Schöne“ im französischen Volksmärchen „Die Schöne und das Biest“, die als die bescheidenste und freundlichste von drei Töchtern beschrieben wird und die sich vom Vater lediglich eine Rose wünscht, während die Schwestern Schmuck und teure Kleider bestellen. Und da ist das arme Aschenputtel, das zu Hause putzen und Linsen lesen muss, während seine Stiefschwestern in schönen Kleidern auf dem Ball tanzen. </p>
<p>ZITATOR (Aschenputtel)</p>
<p>Da mußte es von Morgen bis Abend schwere Arbeit tun, früh vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so daß es sitzen und sie wieder auslesen mußte. Abends, wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern mußte sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie es Aschenputtel.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was in der Fachsprache als „Favoritismus“ oder neutraler als „Parents differential treatment“ bezeichnet wird, bleibt für die Betroffenen nicht ohne Folgen: Neid, Missgunst, Eifersucht unter den vermeintlich benachteiligten Geschwistern und Scham auf Seiten der Lieblingskinder werden sowohl in der Bibel als auch in den Märchen ausführlich beschrieben. Da zwängen sich Aschenputtels Stiefschwestern unter Schmerzen in zu kleine Schuhe und die Schwestern der „Schönen“ reiben sich in der bekannteren und neueren Version von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont von 1756 mit Zwiebeln die Augen, um bei der Abreise der verhassten Lieblingstochter des Vaters ein paar künstliche Tränen zu verdrücken. </p>
<p>Musik:  Hot news 0‘31</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Keine Frage, elterliche Bevorzugung mag ein Thema sein, über das Mütter und Väter ungern sprechen. Für die Kinder aber kann es Folgen bis ins Erwachsenenalter haben. Und manchmal schaffen es solche Geschwisterrivalitäten und Gefühle von Zurückweisung sogar in die internationalen Schlagzeilen, wie dieser Nachrichtenausschnitt vom Januar 2023 zeigt:</p>
<p>2. ZSP AUSSCHNITT Nachrichten (ausfaden, darüber Sprecherin? Bei Unter anderem berichtet … wieder freistehend?) )</p>
<p>London. In zwei Fernsehinterviews hat Prinz Harry Vorwürfe gegen die britische Königsfamilie erhoben. Einen Tag vor der Veröffentlichung seines Buches, zu Deutsch „Reserve“ sagte Harry, Königsgemahlin, Camilla habe Details aus privaten Gesprächen an die Medien weitergegeben. Seine Stiefmutter habe das getan, um ihren Ruf in der Klatschpresse zu verbessern. (…) Mit den TV-Interviews warb Harry für seine Memoiren, die morgen erscheinen. Weil das Buch in Spanien versehentlich vorzeitig auf den Markt kam, sind bereits vorab Details bekannt geworden. Unter anderem berichtet Harry, dass ihn sein Bruder William bei einem Streit körperlich angegriffen hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was Prinz Harry in seiner Autobiografie „Reserve“ macht, ist keine Seltenheit. Da wird der großen Schwester noch im Rentenalter vorgehalten, dass sie von den Eltern bevorzugt wurde, weil sie immer neue Kleider bekam und man selbst die der Großen auftragen musste. Da wirft man – selbst längst erwachsen - dem kleinen Bruder vor, dass die Eltern ihm immer viel mehr durchgehen ließen und man selbst sich jede Freiheit mühsam erkämpfen musste. Und da wird es dem Ältesten als Bevorzugung angelastet, wenn er den Betrieb oder den Hof der Eltern übernommen hat und weiterführt. Dass emotionale oder tatsächliche körperliche Verletzungen unter Geschwistern – wie sie Harry seinem Bruder William öffentlich vorhält - auch nach Jahrzehnten noch herausgekramt werden, hält der Bielefelder Soziologieprofessor Martin Diewald nicht für ungewöhnlich.</p>
<p>3. ZSP Diewald</p>
<p>Da ist der zentrale Begriff wohl die Kränkung. Ich glaube, alle können wir uns an Kränkungen erinnern, die wir mal erfahren haben. Die Frage ist, ob das, was Dramatisches gewesen ist, aber es trifft doch unser Selbstbewusstsein. Es gehört zu unseren Grundbedürfnissen, dass, wer soziale Anerkennung erfahren und eine Kränkung bedeutet, dass wir genau diese Anerkennung nicht erfahren, sondern stattdessen eine Zurücksetzung auch im Vergleich zu anderen, wo wir sagen das ist ungerecht. Also die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit. Und das frisst sich schon in die Psyche tief ein. Und Menschen erinnern sich an Erlebnisse, die eigentlich banal sind, wo sie noch nicht mal wissen, ob sie tatsächlich zurückgesetzt wurden. Und das nagt an ihnen, sehr lange.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und das hat Diewald zufolge vor allem mit diesem einen Aspekt zu tun, der Geschwisterbeziehungen von anderen unterscheidet: Sie sind mitunter die längsten Beziehungen im Leben.</p>
<p>4. ZSP Diewald</p>
<p>Nicht unbedingt die engste Beziehung, aber die von der Dauer längste Beziehung und die durchaus bedeutsam ist. Und sie wird bedeutsam auch dadurch, dass in Geschwisterbeziehungen alles Mögliche passieren kann. Die Geschwister könnten sehr hilfreich sein, unterstützend wirken sie, können aber auch konkurrenzhaft und konflikthaft erlebt werden. Und in einem solchen schon von vornherein etwas aufgeladenen Beziehungskontext ist dann die Erfahrung von Herabsetzung oder Bevorzugung ganz essenziell und prägt uns unter Umständen unser ganzes Leben lang.</p>
<p>Musik:  Network access (red)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und zwar in unterschiedliche Richtungen: So kann elterliche Bevorzugung dazu führen, dass das Lieblingskind mitunter stärker gefördert wird und dadurch ein größeres Selbstbewusstsein entwickelt. Möglicherweise leidet aber auch das Lieblingskind zeitlebens unter der ungleich verteilten Liebe der Eltern und vielleicht geht gerade das Kind gestärkt und selbstbewusst aus einer Familie hervor, das schon früh gelernt hat, sich durchzusetzen, weil es um Aufmerksamkeit und Zuneigung kämpfen musste. Wird ein Kind allerdings zum Sündenbock degradiert, so hat das in der Regel sehr drastische Folgen, sagt die Pädagogin und Familienberaterin Martina Stotz:</p>
<p>5. ZSP Stotz</p>
<p>Dieses Kind fühlt sich ja sein Leben lang abgelehnt nicht angenommen und entwickelt darüber ganz starke Schamgefühle, Schuldgefühle. Und es wirkt eben sehr, sehr negativ. Langfristig leidet oft das Selbstwertgefühl, und darüber können dann eben Depressionen entstehen. Ganz, ganz große Selbstwertprobleme. Viele benachteiligte Kinder, die Sündenböcke sind oder waren, haben dann einfach auch später im frühen Erwachsenenalter oder ihr Leben lang Probleme, sich auch wirklich in der Gesellschaft zurecht zu finden.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Etwa, wenn einem Kind innerlich die Schuld am Scheitern einer Beziehung gegeben wird. Oder wenn ein Kind aus einer ungewollten Schwangerschaft hervorgeht. Eine solche Zurückweisung hinterlässt in der Regel langfristig Spuren in der Seele, sagt Martina Stotz:</p>
<p>6. ZSP Stotz</p>
<p>Das heißt diese bedingungslose Liebe, auch dieses Urvertrauen, diese sichere Bindung, die am Anfang gefehlt hat, kann sich wirklich auf das ganze Leben dann auswirken.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und sich in einem niedrigen Selbstwert, in einem Verharren in einer vermeintlichen Opferrolle, in Depressionen und sogar in gefährlichem Verhalten niederschlagen. </p>
<p>Musik:  Absorbed in thought 0‘35</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Woran aber liegt es, wenn Eltern eines ihrer Kinder bevorzugen und ein anderes zurückweisen oder benachteiligen? Liegt es an der Position in der Geschwisterreihe? Sind die Nesthäkchen in der Regel die kleinen Prinzen, denen die geballte elterliche Liebe zukommt? Das Sandwich-Kind muss zurückstecken und die Ältesten sind die, die sich durchsetzen, die Verantwortung übernehmen und übernehmen müssen?</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Vorstellung, dass die Geschwisterposition Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung hat, geht auf den österreichischen Psychotherapeuten Alfred Adler und seine Individualpsychologie der 1920er Jahre zurück. </p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Adler ging davon aus, dass der Charakter eines Menschen entscheidend geprägt wird durch die Position, die er in der Geschwisterreihe seiner Herkunftsfamilie besaß.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Schreibt der Professor für Entwicklungspsychologie Hartmut Kasten in seinem inzwischen in 7. Auflage erschienenen Werk „Geschwister – Vorbilder, Rivalen, Vertraute“ von 2020. Lange Zeit dominierte in der Forschung diese Idee, dass weniger das Verhalten der Eltern, als die Position innerhalb eines Familiengefüges entscheidend für Verhalten und Charakterzüge eines Kindes war. Daraus resultierende Bilder aber– etwa vom verhätschelten Einzelkind, von glücklichen Geschwisterscharen oder vom Erstgeborenen, der zeitlebens unter dem sogenannten Entthronungstrauma zu leiden hat und sich daher schwer tut in sozialen Beziehungen - sind durch gesellschaftliche Veränderungen längst überholt.</p>
<p>ZITATOR</p>
<p>Die Vorurteile bezogen auf Einzelkinder stammen aus einer Zeit, in der große, kinderreiche Familien die Regel waren und Ein-Kind-Familien die seltene Ausnahme waren. Heutzutage dagegen ist ohne Geschwister aufwachsen kein seltenes Ereignis mehr.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Etwa jedes vierte Kind in Deutschland ist heute Einzelkind – hat also die Chance auf die ungeteilte Liebe und Zuneigung der Eltern, kann also das absolute Lieblingskind sein. Die Forschung aber belegt keineswegs die Vorurteile vom verwöhnten Einzelkind. Im Gegenteil – so Hartmut Kasten – Kinder ohne Geschwister würden sich charakterlich nicht von Kindern mit Geschwistern unterscheiden, wenn sie einen ähnlichen sozio-ökonomischen Hintergrund hätten. Und auch andere Thesen rund um Geschwisterpositionen und Geburtsrang in der Familienkonstellation werden heute eher mit sozio-ökonomischen Gründen erklärt, als allein mit dem Platz innerhalb einer Geschwisterreihe. </p>
<p>Musik:  The flow of time 0‘19</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was also macht dann ein Lieblingskind zum Lieblingskind? Sind es Kinder, die den Eltern charakterlich ähnlicher sind, diejenigen, die die Erwartungen der Eltern erfüllen? Sind es die besonders angepassten Kinder oder die lauten, lustigen? So eindeutig lasse sich das nicht beantworten, sagt die Pädagogin Martina Stotz, die über Lieblingskinder promoviert hat.</p>
<p>7. ZSP Stotz</p>
<p>Das spannende ist, dass die Forschung ganz unterschiedliche Untersuchungen gemacht hat und je nachdem, wer in der Familie gefragt wird, gibt ne andere Antwort. Deswegen gibt’s keine klare Tendenz. Allerdings zeigen Umfragen von Müttern, dass circa 20 Prozent aller Mütter sich einem Kind näher fühlen. Also, dass es die sogenannten ‚seelenverwandten Kinder‘ gibt, die einem selbst vielleicht näher sind, ähnlicher sind. Und das andere Kind kommt einem vielleicht fremd vor und das kann dann dazu führen, dass einem diese Nähe zu einem Kind spürbarer ist.</p>
<p>8. ZSP Umfrage Teil 2: Welches Kind ist Ihnen näher?</p>
<p>Am nächsten ist mir grad meine kleine Tochter, weil die grad mal ein halbes Jahr alt ist und ich die jeden Tag sehe und mein Sohn, der schon acht Jahre älter ist und aufgrund anderen Wohnsitzes nicht täglich seh. Aber emotional sind mir beide eigentlich gleich nahe, also kann man auch nicht vergleichen aufgrund des Alters, aufgrund des Geschlechts auch. Ich merk halt klar und deutlich, dass die Beziehung von einem Vater zur Tochter noch eine ganz andere Qualität, tiefere Qualität hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein Lieblingskind zu haben – darüber sprechen die wenigsten Mütter und Väter offen. Wenn die Frage aber umformuliert wird, räumt ein Großteil der Eltern ein, dass ihnen eines ihrer Kinder näher ist. Das bestätigt etwa auch die US-amerikanische Langzeitstudie „Within-Family-Differences“. Die Forscher fragten unter anderem über 500 Mütter und Väter, welchem ihrer Kinder sie sich emotional am nächsten fühlen würden. Nach einem ersten Zögern nannten rund 75 Prozent der Mütter eines ihrer Kinder, und fast die Hälfte der Befragten sagte, sie seien auf eines der Kinder besonders stolz. Allerdings – sich einem Kind zeitweilig näher zu fühlen, hat nicht zwangsläufig zur Folge, dass dieses Kind bevorzugt wird. </p>
<p>Musik:  Wait and hope 0‘42</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mitunter nervt gerade das Kind am meisten, das Verhaltensweisen an den Tag legt, die man an sich selbst nicht mag: etwa, weil es trödelt und träumt, weil es ständig Aufgaben vergisst oder schlampig ist. Vielleicht hat das Kind aber einfach nie von den Eltern gelernt, sich rechtzeitig für die Schule fertig zu machen, vielleicht haben die Eltern dem Kind nie richtig beigebracht, wie es Ordnung halten kann, etwa dass es seine Schmutzwäsche zuverlässig in den Wäschekorb legt und die Schuhe in den Schuhschrank stellt, weil sie selbst nicht so ordentlich sind? In jedem Fall – so die Pädagogin Martina Stotz – geht es weniger um festgeschriebene Charakterzüge des Kindes, als darum, wie Eltern ihr Kind sehen und wie sie in der Folge mit ihrem Kind umgehen.</p>
<p>9. ZSP Stotz</p>
<p>Wenn ein Kind sich einfach ständig in seinem Verhalten sehr herausfordernd zeigt, ist es einfach für Mütter oder auch für Väter teilweise sehr triggernd. Und das führt dann dazu, dass dieses Kind benachteiligt wird, öfter bestraft wird, öfter belehrt wird, geschimpft wird. Es wird öfter gemeckert, und darüber kann dann so ein blöder Teufelskreis entstehenden. Das Kind zeigt dann meistens noch mehr dieses Verhalten, wenn es sich abgelehnt fühlt. Und dadurch kann dann dieser Teufelskreis entstehen, dass ein Kind zum benachteiligten Kind wird, weil es vielleicht ein wirklich sehr rebellisches Verhalten zeigt und eigentlich schreit es die ganze Zeit nur ganz laut nach Liebe und dass es angenommen wird, so wie es ist.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Viele Eltern kennen derartiges Verhalten ihrer Kinder aus der Zeit, als Geschwister zur Welt kamen. Eifersucht des älteren Kindes auf das Baby: da wird dann gekniffen, geschubst, geschlagen, getreten und gewürgt. Die Eltern schimpfen, das größere Kind hat sein Ziel „Aufmerksamkeit bekommen“ erreicht und macht weiter mit dem destruktiven Verhalten – und der von Martina Stotz beschriebene Teufelskreis nimmt seinen Lauf. In jedem Fall aber geht man heute in der Forschung davon aus: als Lieblingskind wird man nicht geboren, es hat nicht unbedingt mit bestimmten Charakterzügen zu tun oder der Position in der Geschwisterreihe, wenn Eltern ein Kind dem anderen vorziehen. Vielmehr ist es das Thema der Eltern, wenn sie ein Lieblingskind haben.</p>
<p>10. ZSP Stotz</p>
<p>Kinder sind ja oft nur die Symptomträger, sage ich immer. Und Kinder versuchen ja durch ihr Verhalten immer irgendetwas über sich zu erzählen und versuchen eigentlich nur zu zeigen, was sie brauchen. Und natürlich ist es aus kindlicher Sicht manchmal noch schwierig, genau zu sagen: Mama, ich brauche jetzt Nähe, und ich will, dass du mich in Arm nimmst. Kinder können das noch nicht, und deswegen zeigen sie eben durch ihr Verhalten eigentlich nur, was sie brauchen. Und alle Kinder einer Geschwisterreihe wollen einfach geliebt werden, so wie sie sind, angenommen werden und eben auch mit ihren Besonderheiten und Schwächen. Und es fällt in manchen Eltern sehr, sehr schwer, wenn sie eben vom Verhalten der Kinder getriggert werden.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dieses Verhalten eben nicht als absichtlichen Angriff auf die Eltern zu verstehen und das angepasstere Verhalten des Geschwisterkindes als ‚liebenswerter‘ zu werten, sondern beiden Kindern gleichermaßen und gerecht verteilt Liebe und Zuneigung zukommen zu lassen. </p>
<p>Musik:  Still waiting red. 0‘21</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Allerdings: Was ist gerecht? Was bedeutet Gleichbehandlung von Kindern? Wenn es um elterliche Bevorzugung gehe, stelle sich auch schnell die Frage nach der Gerechtigkeit, sagt der Bielefelder Soziologieprofessor Martin Diewald:</p>
<p>11. ZSP Diewald</p>
<p>Stellen Sie sich vor, ein Kind – und das ist ja in der Regel eher der Fall – hat etwas mehr Probleme, sich zurecht zu finden, hat weniger Kompetenzen, mehr Entwicklungsprobleme als das andere Geschwisterkind, dann kann Gleichbehandlung ja auch meinen, dass sie ungleich behandelt werden, das klingt paradox, aber es geht dann darum, dem – zumindest aus der Sicht der Eltern – etwas schlechter gestellten Geschwisterkind zu helfen, so dass es aufschließen kann zu dem etwas begünstigterem Geschwisterkind. Das heißt: Ungleichbehandlung soll Gleichheit herstellen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was paradox klingt, macht an einem Beispiel ausgeführt durchaus Sinn: Einen 16-Jährigen muss eine Mama in der Regel nicht mehr ins Bett bringen. Eine Zweijährige hingegen braucht weder Hilfe bei der Berufsorientierung, noch muss sie bei Liebeskummer getröstet werden. </p>
<p>12. ZSP UMFRAGE Kinder: Wann sind Eltern gerecht?</p>
<p>Meine Eltern sind schon gerecht, wir tun auch immer das gleiche kriegen, zum Beispiel Kinder-Joys, da kriegen wir auch immer gleich viel Meine Schwester darf manchmal länger aufbleiben und Fernsehen kucken, ja da bin ich schon neidisch. Weil sie ist älter. // Also meistens is sie schon gerecht, aber manchmal find ich’s bisschen unfair, aber das ist halt so, bei jedem. // Ich persönlich finde, dass sie uns gleich liebhaben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Was als gerechtes Verhalten von Eltern erlebt wird, kann altersabhängig unterschiedlich sein und ist doch kaum mit Statistiken und Zahlen zu messen. Denn – so der Soziologe Diewald: Es ist eben subjektiv.</p>
<p>13. ZSP Diewald</p>
<p>Man müsste eigentlich nach Gerechtigkeits- und Gleichheitsvorstellungen zusätzlich fragen, um zu sagen, ob die Kinder bevorzugt, tatsächlich bevorzugt oder benachteiligt wurden. Es geht darum, dass sie sich wertgeschätzt, respektiert und geliebt fühlen. Und das gelingt in der Tat, den meisten Eltern schon ganz gut. </p>
<p>Musik:  Thinking of better times 0‘29</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Frage ist eben weniger, wer nun Papas Liebling und Mamas Herzenskind ist, sondern: Bekommt jedes Kind das Maß an Liebe, Aufmerksamkeit und Zuneigung, das es braucht? Werden seine Bedürfnisse erfüllt? Und das wiederum ist sehr subjektiv und eher eine Frage der persönlichen Wahrnehmung, als einer objektivierbaren Zahl. </p>
<p>14. ZSP Diewald</p>
<p>Man kann sich auch bevorzugt fühlen, wenn man für seine individuellen Bedürfnisse das bekommt, was man sich erwünscht. Das ist eine subjektive Einschätzung.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das heißt aber im Umkehrschluss auch: Nicht alles, was als elterliche Zurückweisung, Benachteiligung oder Kränkung wahrgenommen wird, ist so gemeint. Sehr wahrscheinlich muss die jüngere Schwester die Klamotten nicht allein deshalb auftragen, weil die ältere das Lieblingskind ist, sondern einfach, weil der Geldbeutel der Eltern keine weitere Garnitur hergibt. Und möglicherweise ist die Erbfolge eher an gesellschaftliche Konventionen, als an einen Lieblingskind-Status geknüpft und ein Erbe anzutreten geht auch einher mit einer gewissen Verantwortung und Bürde, die Nachgeborene dann nicht tragen müssen. Dass zwei Menschen ein und dieselbe Beziehung unterschiedlich wahrnehmen und bewerten, ist Martin Diewald zufolge weder ungewöhnlich noch dramatisch – auch nicht unter Eltern und Kindern. </p>
<p>Musik: Z8019016104  Facts&amp;data (red) 0‘44</p>
<p>15. ZSP Diewald</p>
<p>Aber bei der Erfahrung von Kränkungen kann das sehr dramatisch sein und einen lebenslang verfolgen. Und unter Umständen hat es überhaupt keine Substanz, das finde ich schon dramatisch.</p>
<p>SPRECHERIN</p>

<p>Der Soziologe und die Pädagogin empfehlen deshalb: Reden! Reden mit den Eltern, reden mit den Geschwistern, um gefühlte Benachteiligung und wahrgenommene Kränkungen direkt zu klären und um sie dann nicht nach Jahrzehnten – so wie im Falle des britischen Königshauses – über die Öffentlichkeit auszutragen. </p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hitlers Nachfolger - Admiral Dönitz und der Mai 1945</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hitlers-nachfolger-admiral-doenitz-und-der-mai-1945/2106163</link>
      <pubDate>Thu, 05 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">fdcb3755-fbde-43bc-8af8-a6eecc0aefa9</guid>
      <description>Hitlers Selbstmord und die Kapitulation der Wehrmacht am 8.Mai 1945 bedeuteten nicht das Ende des Deutschen Reiches. In der Marineschule Mürwik bei Flensburg agierte noch fast drei Wochen eine Reichsregierung unter Großadmiral Dönitz, den Hitler zu seinem Nachfolger ernannt hatte: Ein bizarrer Spuk mit Kabinettssitzungen, Minister-Denkschriften - und einem Staatsbegräbnis. Auch als die britische Armee das Treiben mit Festnahmen beendete, blieb Dönitz überzeugt, rechtmäßig im Amt zu sein. Von Rainer Volk</description>
      <enclosure length="21949056" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106163/c/feed/hitlers-nachfolger-admiral-doenitz-und-der-mai-1945.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:51</itunes:duration>
      <itunes:author>Rainer Volk</itunes:author>
      <itunes:summary>Hitlers Selbstmord und die Kapitulation der Wehrmacht am 8.Mai 1945 bedeuteten nicht das Ende des Deutschen Reiches. In der Marineschule Mürwik bei Flensburg agierte noch fast drei Wochen eine Reichsregierung unter Großadmiral Dönitz, den Hitler zu seinem Nachfolger ernannt hatte: Ein bizarrer Spuk mit Kabinettssitzungen, Minister-Denkschriften - und einem Staatsbegräbnis. Auch als die britische Armee das Treiben mit Festnahmen beendete, blieb Dönitz überzeugt, rechtmäßig im Amt zu sein. Von Rainer Volk</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/b355017c-a867-4519-8278-52efa1ce92f7.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hitlers Selbstmord und die Kapitulation der Wehrmacht am 8.Mai 1945 bedeuteten nicht das Ende des Deutschen Reiches. In der Marineschule Mürwik bei Flensburg agierte noch fast drei Wochen eine Reichsregierung unter Großadmiral Dönitz, den Hitler zu seinem Nachfolger ernannt hatte: Ein bizarrer Spuk mit Kabinettssitzungen, Minister-Denkschriften - und einem Staatsbegräbnis. Auch als die britische Armee das Treiben mit Festnahmen beendete, blieb Dönitz überzeugt, rechtmäßig im Amt zu sein. Von Rainer Volk</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Rainer Volk<br/> Regie: Günter Maurer<br/>Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Todesmärsche bei Freising - Die qualvollen Trecks von KZ-Häftlingen<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/todesmaersche-bei-freising-die-qualvollen-trecks-von-kz-haeftlingen/bayern-2/14491217/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p>Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/alles-geschichte-history-von-radiowissen/82362084/"><strong>Alles Geschichte – Der History-Podcast</strong></a></p>
<p><strong>Linktipps:</strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-hitler-doenitz-kriegsende-admiral-marineschule-muerwik-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>O-Ton 05 OKW-Bericht:</p>

<p>Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, dass unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei bis zu seinem letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus kämpfend für Deutschland gefallen ist. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die letzte Episode in der Geschichte des selbst ernannten Dritten Reiches beginnt nicht mit Nachricht vom Tod Hitlers. Es gibt bereits zuvor – ohne Wissen des Diktators – Pläne, Ministerien und militärische Kommandostellen aus Berlin zu verlegen. Nach Hitlers Selbstmord am 30. April wollen seine Vasallen vor allem eines: ihre Haut retten. Die Deutschen traktieren sie unterdessen mit Pathos und Durchhalteparolen – auch Karl Dönitz selbst:</p>
<p>O-Ton 07 Karl Dönitz:</p>
<p>Ein Feigling und Verräter ist, wer sich gerade jetzt seiner Pflicht entzieht und damit deutschen Frauen und Kindern Tod und Versklavung bringt. Der dem Führer geleistete Treueeid gilt nun für jeden Einzelnen von Euch mir als dem vom Führer eingesetzten Nachfolger. Deutsche Soldaten – tut Eure Pflicht. Es gilt das Leben unseres Volkes. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Hitler hat den Großadmiral in einem „politischen Testament“ zu seinem Nachfolger als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannt. Die Deutschen kennen den 53jährigen aus der Nazi-Propaganda. Er war der Stratege des U-Boot-Krieges und oberster Kommandeur der Marine. Doch selbst er wird von der Ernennung überrascht, sagt der Flensburger Historiker Gerhard Paul, der die Endphase des NS-Regimes in einem Buch analysiert hat:</p>
<p>O-Ton 08 Gerhard Paul:</p>
<p>Eigentlich: Der starke Mann nach Hitler wäre Himmler gewesen. Himmler hatte sich aber durch die Sondierung eines „Westfriedens“ bei Hitler unmöglich gemacht. Und von daher war das klar – das läuft jetzt auf jemand aus der Wehrmacht hinaus, der als Hitler-Anhänger bekannt ist. Und ja – das war dann Dönitz.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Dönitz ist Karriere-Offizier, seit Kaisers Zeiten bei der Marine. Ihm fehlt jedwede politische Erfahrung. Es heißt, er sei ein nüchterner Denker, sein Humor begrenzt. – Der eben gehörte erste Auftritt bringt dem neuen Staatsoberhaupt bereits beißende Kritik ein, etwa in einer Sendung der BBC für deutsche Kriegsgefangene, die am 3. Mai 45 zu hören ist:</p>
<p>O-Ton 09 BBC-Kriegsgefangenensendung: </p>
<p>Herr Dönitz macht sich selbst zum Führer. Er beginnt seine bestimmt nur kurze Zeit damit, dass er erklärt, der Eid auf Hitler sei auf ihn übergegangen. Die Italien-Armee: Eine Million Mann hat kapituliert und verweigert Dönitz die Gefolgschaft. Was werden die anderen tun, deren Führer Dönitz zu sein glaubt? </p>
<p>O-Ton 10 Sender Böhmen – „Unvollendete“:</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Das klingt ganz anders als die deutschen Sender, die noch arbeitsfähig sind. Der Reichssender Böhmen etwa überträgt am 2. Mai eine markige Rede des Gauleiters – gefolgt von klassischer Musik, Schuberts „Unvollendete“. Welche Rolle Radio in diesen Tagen spielt, ist schwer zu sagen. Hunderttausende von Zivilisten, Militärs und Politikern sind auf der Flucht vor den Sowjets und haben kaum Möglichkeiten, sich zu informieren. – Dönitz selbst ist einige Tage zuvor von seinem Hauptquartier bei Berlin in einem Autokonvoi Richtung Nordwesten aufgebrochen. Zeitgleich haben die oberste Führung von SS und Wehrmacht sowie wichtige Minister dasselbe Ziel. Der Historiker Gerhard Paul:</p>
<p>O-Ton 11 Gerhard Paul:</p>
<p>Da kam dann nur Schleswig-Holstein in Frage, wahrscheinlich auch, weil es zwei Seehäfen gab, über die man schnell hätte das Land verlassen können, nämlich über Kiel und über Hamburg. Und dann rückten die Engländer weiter vor. Es gab die ersten Luftangriffe auf die Gegend. Und dann ist man weiter ausgewichen nach Flensburg.</p>
<p>O-Ton 12 Siegfried Unseld, Verleger:  </p>
<p>Als wir ankamen, waren wir noch die einzige mobile Funkstation; die anderen hatten den alliierten Bombenhagel nicht überstanden. </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Das ist Siegfried Unseld; bis zu seinem Tod im Jahr 2002 einer der wichtigsten Verleger der Bundesrepublik. Unseld ist 20 und Obergefreiter bei einem Funk-Trupp, als er Anfang Mai 1945 in Flensburg zum Zeitzeugen wird. Denn seine Abteilung hat einen LKW mit einem mobilen Radio-Übertragungsstudio: </p>
<p>Atmo 01: Signet Flensburg</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Erkennungssignal des Senders ist die Melodie des Volkslieds „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“, im Reich damals auch als Glockenspiel der Potsdamer Garnisonskirche berühmt. Über diesen Mai 1945 berichtet Unseld 50 Jahre später in einem Vortrag:</p>
<p>O-Ton 13 Siegfried Unseld:</p>
<p>Wir hatten Tag und Nacht im buchstäblichen Sinn alle Funkhände voll zu tun, um Meldungen, Botschaften an das deutsche Volk und Tagesbefehle an all die Orte zu senden, wo noch deutsche Truppen waren oder die Flotte operierte. Es waren erregende Tage, mit dem Gefühl zwischen den Zeiten oder in einer Niemandszeit zu leben. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Seine Zelte hat Unselds Trupp in der Marinekriegsschule Flensburg-Mürwik aufgeschlagen, einem prächtigen Backsteinbau im neogotischen Stil. Schon der kaiserlichen Marine hat Mürwik als Kaderschmiede gedient. Das „Rote Schloss am Meer“, wie manche das Hauptgebäude nennen, liegt keine 50 Meter von der Flensburger Förde entfernt auf einem Hügel. Auch die „Deutsche Marine“ von heute bildet hier ihre Offiziere und Unteroffiziere aus. Die studierte Historikerin und Fregattenkapitän Vera Lassoued gestaltet bei diesen Lehrgängen den Geschichts-Unterricht:</p>
<p>O-Ton 14 Vera Lassoued: </p>
<p>Es ist halt hier ein historischer Ort. Und das können wir auch gar nicht verändern, das wollen wir auch gar nicht verändern. Hier haben vier verschiedene Marinen gewirkt. Und wir als „Deutsche Marine“ sind hier als längstens schon ‚Hausherr‘. Und haben aber dieses Gebäude und alles übernommen. </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die sozusagen „heiße Phase“ der Dönitz-Regierung in Mürwik beginnt in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945, als der Großadmiral und sein Gefolge die Marineschule erreichen. Da niemand mehr einen Überblick hat über die militärische Lage, ist der Empfang improvisiert. Professor Gerhard Paul:</p>
<p>O-Ton 16 Gerhard Paul:</p>
<p>In der Marineschule, „Marinekriegsschule“ wie sie ja damals hieß, hat es keine Vorbereitungen gegeben. Der stand da plötzlich nachts vor der Tür und der Kommandeur hat ihm dann Räume zugewiesen. Auch seine Privaträume hat er nutzen dürfen. Und einen Tag später lag vor Mürwik ein ehemaliger – ich glaube es war ein Hapag-Lloyd-Dampfer, die „Patria“. Und auf der „Patria“ haben die dann Quartier bezogen – das war noch am einfachsten.</p>
<p>Atmo 02: Marineschule innen</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Bis heute lässt sich erahnen, wie es gewesen sein muss, als die Minister von Dönitz‘ Gnaden in Mürwik eintrafen. Denn jener Teil der Marinesportschule, in dem das Kabinett täglich um 10 Uhr morgens Sitzungen abhielt, ist ebenfalls erhalten. Die Flure und Räume sind typische Militär-Architektur der 1930er Jahre: dunkler Terrazzo-Fußboden, grün und weiß getünchte Wände. [OC: Alles sehr nüchtern. Fregattenkapitän Vera Lassoued:</p>
<p>O-Ton 18 Vera Lassoued:</p>
<p>(Atmo zum Blenden) Hier sind Büroräume jetzt untergebracht. Gerade unsere Sportausbildung hat hier einige Räume in Beschlag genommen. Aber ansonsten haben wir hier keine Erinnerungstafeln oder Fotogalerien von der Zeit von damals, weil das nicht Sinn der Sache war für uns. Sondern wir wollen das einfach nur als Infrastruktur nutzen. (Atmo zum blenden) ENDE OC]</p>
<p> </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Gut möglich, dass Umstände und Umgebung einige in der Runde zu sehr ernüchtern. Augenzeugenberichten zufolge lässt Ernährungsminister Herbert Backe zu Beginn jeder Sitzung eine Flasche Schnaps kreisen. Die Minister sind angesichts der düsteren Aussichten Anfang Mai 1945 nicht die einzigen, die Anstand und Benimm über Bord werfen. Eine der Wehrmachtshelferinnen in der Marineschule berichtet Jahrzehnte später über ihren Alltag in Mürwik:</p>
<p>Sprecherin (Zitat):</p>
<p>Eigentlich wussten wir gar nicht, was wir den ganzen Tag machen sollten. Schriftverkehr mit außen fand praktisch nicht statt. Vor höheren Offizieren, besonders den SS-Leuten, mussten wir uns in Acht nehmen. Einige waren ständig betrunken, randalierten in den Gängen und hatten es auf uns junge Röcke abgesehen. Einmal hat ein hoher SS-Offizier an die Tür zu unserem Büro uriniert. Es stank fürchterlich. Und wir mussten dann die Sauerei wegmachen. Widerlich! </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Für Dönitz ist in diesen Tagen nur ein Thema wichtig: Verhandlungen zu einer teilweisen Kapitulation der Wehrmacht zu organisieren. Die Entscheidung hierzu hat er am Tag vor seiner Fahrt nach Mürwik getroffen. Am 3. Mai schickt er deshalb Generaladmiral von Friedeburg als Unterhändler mit einer Delegation ins Feldlager des britischen Oberbefehlshabers Montgomery, auf einem Hügel unweit von Lüneburg. Dort versucht er diesen zu überzeugen, nur für Dänemark, die Niederlande und die Front in Nordwestdeutschland die Waffen strecken zu dürfen. Gerhard Paul sagt über dieses Kalkül: </p>
<p>O-Ton 19 Gerhard Paul:</p>
<p>Dönitz ist immer noch von der illusionären Vorstellung ausgegangen, dass die Wehrmacht gegebenenfalls mit den Westalliierten gegen die Sowjetunion marschieren würde. Dafür spricht auch, dass es ein Dossier gab, dass der britische Premier Churchill in Auftrag gegeben hatte, dass 47 britische und amerikanische Divisionen für den Fall, dass die Sowjetunion weiter nach Westen ziehen würde – dass man sich dem entgegenstellen würde. Und dafür brauchte man noch hunderttausend Wehrmachtsangehörige.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Es scheint zunächst, als könne die Rechnung aufgehen. Montgomery verspricht, deutsche Soldaten, die sich seinen Truppen ergeben, nicht den Sowjets auszuliefern und gewährt Friedeburg sicheres Geleit zurück nach Mürwik. Dort erteilt Dönitz seinen Verhandlern die nötige Vollmacht, die Kapitulation für den Westen zu unterzeichnen.</p>
<p>Atmo 03: Kapitulation</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Ein Zelt am Rand der Lüneburger Heide, 4. Mai – circa 18 Uhr. Montgomery hat Reporter und Fotografen herbeigerufen. Daher steht auf dem Tisch vor dem Feldmarschall ein Mikrofon und im Hintergrund filmt eine Kamera, als er, unterstützt von einem Dolmetscher, die Bedingungen der Kapitulation nach den britischen Vorstellungen erläutert. </p>
<p>Um die Briten – und möglichst auch die Amerikaner – milde zu stimmen, befiehlt Dönitz als nächsten Schritt das Ende des U-Boot-Krieges, der die Westalliierten in den Vorjahren enorme Verluste gekostet hat. </p>
<p>Doch alle Hoffnungen, Zeit schinden zu können und die Gegner zu spalten, zerschlagen sich bald. Der Oberkommandierende der US-Armee, General Eisenhower, besteht auf einer Kapitulation der Wehrmacht an allen Fronten. So kommt es zu jenen historischen Szenen in Reims, in Nordfrankreich, und in Berlin-Karlshorst, die den Zweiten Weltkrieg in Europa beenden. </p>
<p>O-Ton 21 Lüneburg: </p>
<p>An die Einwohner von Lüneburg. Die Nazi-Regierung und die Wehrmacht haben bedingungslos den alliierten Expeditionsstreitkräften kapituliert…</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>An jenem 8. Mai 1945 wird Millionen Deutschen klar: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Manchmal informieren darüber Lautsprecher-Durchsagen wie hier in Lüneburg, andere hören zuhause die Nachricht im Radio oder erfahren es mündlich von Bekannten oder Freunden. In Mürwik dauert es fast einen Tag, bis die Funker aus ihrem mobilen Ü-Wagen die Neuigkeit bestätigen. Am Abend des 9. Mai ertönt das Sender-Signet ein letztes Mal. </p>
<p>O-Ton 22 Flensburg:</p>
<p>(Signet/Glockenspiel) 20 Uhr und drei Minuten. Reichssender Flensburg und die angeschlossenen Sender. Wir bringen heute den letzten Wehrmachtsbericht dieses Krieges. Aus dem Hauptquartier des Großadmirals… </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Der Sprecher, ein Panzerspähfunker namens Klaus Kahlenberg, verliest nach den einleitenden Sätzen die jüngsten Meldungen von allen Fronten. Überall – so lobt der Bericht des Oberkommandos – sei die Wehrmacht tapfer. Erwähnt wird, wer Auszeichnungen für sein Verhalten erhalten hat. Zwei Minuten dauert dieser monotone Vortrag. Dann folgt die entscheidende Neuigkeit:</p>
<p>Neben dem Sprecher sitzt auch ein britischer Offizier. Als die Funker ihn fragen, ob nach der angekündigten Stille Musik gespielt werden dürfe, antwortet er lakonisch: „Ja, aber nicht Wagner.“ Weshalb die Funk-Soldaten Haydns Kaiser-Quartett, die musikalische Vorlage zur Nationalhymne, vom Plattenspieler im Ü-Wagen in den Äther senden. Eine Anekdote, die zeigt: Eigentlicher Herr des Geschehens ist in Mürwik bereits das britische Militär. Doch auch nach dem 8. Mai führt es Dönitz an einer sehr langen Leine – findet Gerhard Paul:</p>
<p>O-Ton 23 Gerhard Paul:</p>
<p>Dönitz war es gestattet, ein eigenes Wachbataillon zu führen, das auch unter Waffen stand als die Wehrmacht bereits entwaffnet war. Und das führt zu paradoxen Zuständen. Als am 16. Mai – also eine Woche nach der Gesamtkapitulation – es ein Staatsbegräbnis gegeben hatte für den ehemaligen Kommandeur der Marineschule. Ein Kapitän zur See Wolfgang Lüth. Dazu brauchte man Soldaten, nicht nur in Uniform, sondern auch in Waffen, die dann schießen durften. Und dafür hat er die Genehmigung des britischen Stadtkommandanten eingeholt und sie auch bekommen.</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Die Trauerrede bei diesem letzten Staatsbegräbnis des Dritten Reiches hält Dönitz selbst. In der Aula der Marineschule bezeichnet er den nachts von einer Wache versehentlich erschossenen Lüth als „leuchtendes Vorbild für künftige Generationen“. Für Fregattenkapitän Lassoued ist diese Begebenheit ein Argument mehr, die Figur Dönitz in ihrem Geschichts-Unterricht an der heutigen Marineschule kritisch zu betrachten:</p>
<p>O-Ton 24 Vera Lassoued:</p>
<p>Wir schauen uns Reden von Dönitz an und ich analysiere das mit meinen Schülern. Wenn man dann später immer gesagt hat: Ach, die Kriegsmarine, die war ja so sauber und unbelastet, dann ist das durch diese Reden von Dönitz alleine schon widerlegt. Natürlich war der überzeugter Nationalsozialist. [OC: Von daher: Wir behandeln ihn als historische Figur hier – und seine Zeit im Mai, in der er hier war, auch wenn das vielleicht eine spannende Episode ist, ist das nicht alles, worum es geht bei uns an der Marineschule, ja.</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Neben „spannend“ ist das Schattenregime von Dönitz vor allem tragisch. ENDE OC] In Mürwik werden noch mehrere Todesurteile gegen Deserteure vollstreckt. Und der wahre Charakter des Nationalsozialismus wird sichtbar. Denn am 3. Mai erreicht, gezogen von einem Schlepper, ein Flusslastkahn namens „Ruth“ die Flensburger Förde. In den Laderäumen vegetieren etwa 650 Häftlinge aus dem KZ Stutthof bei Danzig; weitere 350 sind bei der Überfahrt gestorben. Dönitz behauptet später, erst zu diesem Zeitpunkt habe er von den NS-Verbrechen erfahren. Absurd, wie fleißig er in Mürwik am Mythos einer „sauberen Wehrmacht“ bastelt, sagt Gerhard Paul:</p>
<p>O-Ton 25 Gerhard Paul:</p>
<p>Da sitzt eine Regierung, die sich mit Fragen beschäftigte: Bekommen wir noch neue Uniformen und neue Uniform-Stiefel. Also dieser Mythos der sauberen Wehrmacht hat auch eine ganz materielle, sinnliche Entsprechung, ne. Durch Flensburg zogen, aus Dänemark, aus Norwegen kommend, Soldaten der Wehrmacht, die keine Stiefel mehr hatten. Die Uniformen kaputt und unvollständig. Und hier sitzt eine Regierungsriege in feinstem Zwirn!</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Dieses Sitzen wird jedoch von Tag zu Tag gefährlicher. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel etwa, der in Karlshorst die Kapitulation gegenüber der Sowjetunion unterzeichnet hat, nehmen die Briten am 13. Mai auf dem Gelände der Marineschule fest. Den NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg spürt ein anderer Trupp im riesigen Lazarett von Mürwik auf – er hat einen Beinbruch vorgetäuscht und trägt Gips. – Für den „Reichssender Flensburg“ ist am 15. Mai Sendeschluss. Die Lokalzeitung „Flensburger Nachrichten“ meldet an diesem Tag:</p>
<p>Sprecher 2 (Zitat):</p>
<p>Aus dem Hauptquartier Eisenhowers wird gemeldet: Der Sender Flensburg ist von einer alliierten Kommission übernommen worden, um einer Wiederholung unautorisierter Rundfunksendungen vorzubeugen. Die alliierte Kommission wird in Zukunft stärkste Kontrolle über die Dönitz-Regierung ausüben. </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Ein paar Tage später ist [auch] das bizarre Treiben in Mürwik vorbei. Die Briten beugen sich dem politischen Druck aus Washington und Moskau. Am 17.Mai hat der britische Stadtkommandant von Flensburg erfahren, dass die USA Dönitz auf die Liste der Kriegsverbrecher gesetzt haben. Am Tag darauf erreicht eine sowjetische Delegation Flensburg. Sie wird auf dem zweiten Dampfer – der „Caribia“ – einquartiert, der vor der Marineschule vor Anker liegt. </p>
<p>O-Ton 27 Gerhard Paul:</p>
<p>Der Druck der Russen war sehr stark, die diese Regierung in Flensburg nie anerkannt haben, die den Sinn nicht gesehen haben. Auch die Amerikaner – Eisenhower hat das nicht gesehen, so eine – im Grunde von den Briten installierte Regierung, die man glaubte, bei den Verhandlungen über die Demobilisierung, über die Entwaffnung gebrauchen zu können. Aber diese Illusion war dann spätestens am 21./22. Mai dahin.</p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Am Morgen des 23. Mai werden Dönitz und weitere Militärs morgens auf die „Patria“ zitiert. Dort eröffnet ihnen ein britischer General, man erachte sie jetzt als Kriegsgefangene und werde sie nachmittags ausfliegen. Die bestehende Regierung sei aufgelöst. Kurz nach 10 Uhr besetzen zwei britische Infanterie-Bataillone das Gelände – auch den Raum, in dem – wie üblich – die Minister zusammenhocken:</p>
<p>Sprecher 2 (Zitat):</p>
<p>Kurz nach Beginn der Sitzung platzten mit gezogener MP und Handgranaten bis an die Zähne bewaffnete englische Soldaten in den Saal. Erste Maßnahme: ›Hände hoch!‹ Zweite Maßnahme: ›Hosen herunter!‹ </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Auch von dieser Szene im Korridor der Marinesportschule, die der Adjutant von Dönitz so geschildert hat, existiert ein Foto, das ein britischer Militär-Fotograf geistesgegenwärtig aufnimmt. </p>
<p>O-Ton 28 BBC Suizid Himmler:</p>
<p>Hello BBC – this is Chester Wilmot from Luneburg, where Himmler committed suicide last night… </p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Die andere Nachricht jenes Tages lautet: Heinrich Himmler hat Selbstmord begangen. Der BBC-Reporter lässt einen Feldwebel der britischen Armee berichten, der die Szene beobachtet hat:</p>
<p>Sprecher: </p>
<p>Eine misstrauische Militärstreife hat den ehemaligen „Reichsführer SS“ bei Flensburg aufgegriffen. Am 23. Mai enthüllt Himmler Offizieren, die ihn befragen, seine Identität  – und beißt bei einer Leibesvisitation im letzten Moment auf eine Kapsel mit Zyankali, die er im Mund versteckt hat. – Auch Dönitz und seine Minister werden an diesem sonnigen Frühlingstag aufs Peinlichste untersucht – was sie geradezu schockiert. Im Polizeipräsidium von Flensburg warten, neben Ärzten, einige Journalisten. Fotos, die in diesem Moment geschossen werden, zeigen Dönitz und den General Jodl in schweren Soldatenmänteln, Speer trägt einen hellen Trenchcoat. Die Inszenierung soll der Weltöffentlichkeit zeigen: Es ist Aus mit Großdeutschland. Eine Augenzeugin, die vom Postamt gegenüber die Vorführung der drei Männer beobachtet, fasst ihre Eindrücke später so zusammen:</p>
<p>Sprecherin (Zitat):</p>
<p>Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, war diese Winzigkeit: der kleine Hinterhof von nur ein paar Quadratmetern, in dem sich das Geschehen abspielte, und die Gestalten, die von unserem Fenster aus so winzig aussahen, ganz anders als man sie aus der Wochenschau kannte. Und vor allem: das unblutige, eigentlich ganz friedliche Geschehen. Dass dies wirklich das Ende des Dritten Reiches sein sollte und ich ein Zeuge davon war, hätte ich nie gedacht. </p>
<p>Sprecher:</p>
<p>Karl Dönitz findet sein Selbstbewusstsein relativ rasch zurück. Beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess agiert sein Verteidiger so geschickt, dass er nur zehn Jahre Haft erhält. Nach der Entlassung schreibt er Erinnerungen – und behauptet bis zu seinem Tod an Heiligabend 1980, rechtmäßig deutsches Staatsoberhaupt zu sein. Gerhard Paul sagt über diesen Fall von Unbelehrbarkeit:</p>
<p>O-Ton 29 Gerhard Paul:</p>
<p></p>
<p>Richtig ist, dass Dönitz sich Zeit seines Lebens als legitimer Nachfolger von Adolf Hitler gesehen hat, als Staatspräsident – von vielen ehemaligen Kameraden so genannt wurde. Es hat Probleme gegeben, dass Dönitz eingeladen wurde an verschiedene Schulen. Und da gab es unendliche Diskussionen in der Öffentlichkeit. Aber er ist mit diesem Titel „Staatspräsident“ beerdigt worden.</p>
<br/>
<p> </p>
<p> </p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Zoonosen - Bedrohung aus dem Tierreich</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/zoonosen-bedrohung-aus-dem-tierreich/2098034</link>
      <pubDate>Wed, 04 Jun 2025 03:45:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">b9e41d13-de87-49cd-8c3b-092c45439799</guid>
      <description>Tollwut, Ebola, Aids, die Pest und höchstwahrscheinlich auch Covid-19 - viele Erkrankungen, die weltweit vorkommen, haben eines gemeinsam: Ihre Erreger sprangen irgendwann vom Tier auf den Menschen über. Es sind Zoonosen. Wie können wir uns vor den tierischen Erregern schützen? Von Maike Brzoska (BR 2024)</description>
      <enclosure length="22977792" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2098034/c/feed/zoonosen-bedrohung-aus-dem-tierreich.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:56</itunes:duration>
      <itunes:author>Maike Brzoska</itunes:author>
      <itunes:summary>Tollwut, Ebola, Aids, die Pest und höchstwahrscheinlich auch Covid-19 - viele Erkrankungen, die weltweit vorkommen, haben eines gemeinsam: Ihre Erreger sprangen irgendwann vom Tier auf den Menschen über. Es sind Zoonosen. Wie können wir uns vor den tierischen Erregern schützen? Von Maike Brzoska (BR 2024)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/d3d0d660-0df7-4cd6-b61a-b3bb25bedcd1.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Tollwut, Ebola, Aids, die Pest und höchstwahrscheinlich auch Covid-19 - viele Erkrankungen, die weltweit vorkommen, haben eines gemeinsam: Ihre Erreger sprangen irgendwann vom Tier auf den Menschen über. Es sind Zoonosen. Wie können wir uns vor den tierischen Erregern schützen? Von Maike Brzoska (BR 2024)</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Maike Brzoska<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprach: Xenia Tiling<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>Thomas Müller, Fachtierarzt für Virologie am Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald; <br/>Hendrik Wilking, Epidemiologe am Robert-Koch-Institut in Berlin</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>

<p>Stechmücken - Das geheime Leben der sirrenden Sauger<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/stechmuecken-das-geheime-leben-der-sirrenden-sauger/bayern-2/13477039/">HIER</a></strong></p>
<p>Wildtiere erobern die Großstadt - Waschbär, Fuchs und Fledermaus<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/wildtiere-erobern-die-grossstadt-waschbaer-fuchs-und-fledermaus/bayern-2/78751702/">HIER</a></strong></p>
<p>AIDS - Das (fast) vergessene HI-Virus<strong> <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/aids-das-fast-vergessene-hi-virus/bayern-2/96511898/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Angefangen hathe Leonard Cohen als Schriftsteller, lange bevor er ein Weltstar der Popmusik wurde. Heute zählen „Hallelujah“, „Suzanne“ und „So long, Marianne“ zu den meistgehörten und meistgecoverten Songs weltweit. Im Podcast geht es um ihn als Mönch in L.A., als Dichter auf der griechischen Insel Hydra und als Singer-Songwriter auf der Bühne auf der ganzen Welt. <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://1.ard.de/So-Long-Cohen">HIER ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Linktipps:<br/></strong></p>
<p><strong>-</strong> Diverse Autor*innen: Virale Zoonosen in Deutschland aus der One Health Perspektive, 2023, Bundesgesundheitsblatt. Übersichtsartikel zu den sechs häufigsten viralen Zoonosen in Deutschland und wie man sie eindämmen kann<strong>, <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10233563/">abrufbar unter</a></strong></p>
<p><strong>-</strong> Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Trendbericht Zoonosen, Berichtsjahr 2022. Aktueller Überblick über Zoonosen, die durch Lebensmittel übertragen werden<strong>, <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Berichte/11_TrendberichtZoonosen/TrendberichtZoonosen_Berichtsjahr2022.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=5">abrufbar unter</a></strong></p>

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-zoonosen-tollwut-pocken-fuchsbandwurm-pandemie-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Füchse müssen furchterregend ausgesehen haben: Rot unterlaufende Augen, triefender Speichel ums Maul und Kampfeslust in den Augen. Der Biss eines kranken Tieres kam früher einem Todesurteil gleich. Das ist heute bei uns anders. Und trotzdem löst der Anblick eines vorbei streunenden Fuchses bei vielen Menschen immer noch denselben Reflex aus: Achtung, Tollwut! </p>
<p>Deshalb die gute Nachricht vorab:</p>
<p>01 O-TON (Müller)</p>
<p>Der letzte Fall von Tollwut war 2006.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Sagt der Fachtierarzt für Virologie Thomas Müller. Er forscht am Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald. Seit 2008 gilt Deutschland offiziell als Tollwut-frei. Die zwei Jahre dazwischen sind eine Art Puffer, um auf Nummer sicher zu gehen. </p>
<p>02 O-TON (Müller)</p>
<p>Sie müssen erst mal sozusagen noch zwei Jahre lang warten, dass die Tollwut in dem Gebiet nicht mehr vorkommen wird. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Tollwut ist eine Virus-Erkrankung, die vom Tier auf den Menschen übertragen wird. Also eine sogenannte Zoonose. Was man darunter versteht, erklärt der Epidemiologe Hendrik Wilking. Er forscht am Robert-Koch-Institut in Berlin.</p>
<p>03 O-TON (Wilking)</p>
<p>Zoonosen sind vom Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragbare Infektionskrankheiten. Die kommen weltweit vor und können ausgelöst werden durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze.</p>
<p>MUSIK 2 (Alan Jay Reed, Michi Koerner: Genetics 0’47)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Tollwut, Aids, die Pest, Tuberkulose, Ebola und höchstwahrscheinlich auch Covid-19, das die Corona-Pandemie auslöste – die Liste von Zoonosen ist lang. Forschende gehen davon aus, dass zwei Drittel unserer Infektionskrankheiten aus dem Tierreich stammen. Einige sind sehr jung, wie Covid-19, andere sind uralt. </p>
<p>04 O-TON (Müller)</p>
<p>Die Tollwut ist die älteste bekannte Zoonose der Menschheit. Sie ist schon vor über 5.000 Jahren das erste Mal erwähnt worden im Alten Babylon. Also insofern wissen wir schon recht gut Bescheid, dass die Tollwut ein ständiger Begleiter der menschlichen Entwicklung war. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch den Begriff gibt es in unserem Sprachraum schon sehr lange.</p>
<p>05 O-TON (Müller)</p>
<p>Also „Tollwut“ ist ein altdeutscher Begriff, der diese Krankheit gut, sag ich mal, schon mit einem Wort beschreibt. In anderen Sprachräumen wurde von ‚Hydrophobie‘ gesprochen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Hydrophobie, Wasser-Angst, weil die Betroffenen bei fortgeschrittener Krankheit eine starke Abneigung gegen Wasser entwickeln. Das gilt sowohl für Tiere als auch für den Menschen.</p>
<p>06 O-TON (Müller)</p>
<p>Das Virus befällt das zentrale Nervensystem des betroffenen Individuums, und das ist im Prinzip bei Mensch und Tier das Gleiche. Also bei Menschen würde man zunächst Kopfschmerz, Fieber, Angstzustände oder Kribbelgefühle oder ein verändertes Empfinden in der Nähe des Tierbisses merken, das sind die ersten Anzeichen von Tollwut. In den meisten menschlichen Fällen äußert sich die Krankheit dann auch durch eine Pupillenerweiterung, ungewöhnliche Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht, Temperatur-Veränderungen. Es gibt Anfälle, Halluzinationen sowie Hydrophobie, das heißt Krämpfe bei Berühren oder bloßen Erblicken von Wasser. Es geht dann weiter bis hin zur Lähmungserscheinung bis hin zum Koma. Und leider unbehandelt endet die Krankheit immer mit dem Tod des betroffenen Individuums.</p>
<p>MUSIK 3 ( Daniel Backes, Peter Moslener: Temperature Sensitive (reduced 2) 0‘36</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Anders als früher ist Tollwut aber heute kein Todesurteil mehr. Betroffene können sich mit einer Impfung gegen Tollwut schützen – auch nach dem Biss eines infizierten Tieres. Wobei es wichtig ist, dass möglichst schnell nach dem Vorfall geimpft wird.</p>
<p>Auch wenn Füchse noch immer Tollwut-Ängste auslösen, lange Zeit waren sie gar nicht Hauptüberträger der Krankheit, sondern Hunde. Wobei die nicht immer „tollwütig“ waren. </p>
<p>07 O-TON (Müller)</p>
<p>Es muss nicht immer die aggressive Form sozusagen der Tollwut sein, wo Menschen aktiv angegriffen werden, sondern in vielen Fällen sehen wir, dass die Tiere Lähmungserscheinungen haben, sich zusammenkauern, irgendwie krank aussehen, sie können sich kaum noch bewegen, und dann gehen die Menschen hin, wollen sie streicheln, wollen gucken, ob alles in Ordnung ist. In dem Moment schnappt der Hund zu. </p>
<p>MUSIK 4 ( Gustav Mahler: Symphony No. 5 (Blanchett, Wolf, Dresdner Philharmonie) 0‘20)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Deutschen Kaiserreich zum Beispiel gab es deshalb eine ganze Reihe von Maßnahmen, um die Krankheit einzudämmen. Hunde mussten angeleint werden, einen Maulkorb tragen – und, bei den ersten Anzeichen von Tollwut, getötet werden. </p>
<p>08 O-TON (Müller)</p>
<p>Und all diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Anzahl der Tollwut bei Menschen dann doch rasant runtergegangen ist.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Dennoch kam es immer wieder zu Tollwut-Erkrankungen bei Mensch und Tier. Das änderte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.</p>
<p>09 O-TON (Müller)</p>
<p>Weil man erst da in der Lage war, entsprechende Impfstoffe zu entwickeln und die Aussicht hatte, dass man mit einer vorbeugenden Impfung Hunde erfolgreich gegen Tollwut schützen kann, und damit auch den Menschen gegen Tollwut schützen kann.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Hunde-Tollwut konnte man durch die Impfung ausrotten, aber noch immer steckten sich Menschen an – und zwar jetzt beim Fuchs. </p>
<p>10 O-TON (Müller)</p>
<p>Jetzt hatte man ein Problem gelöst, die Hunde-vermittelte Tollwut, und schon hatten wir die nächste Problematik auf dem Tisch. Diesmal war nicht der Hund der Hauptüberträger der Tollwut, sondern der Rotfuchs. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Deshalb impfte man auch Füchse großflächig, wobei das sehr viel aufwendiger war als bei Hunden. Die Impfstoffe wurden in Futter-Ködern versteckt und überall dort, wo Füchse vorkamen, verteilt. Unter anderem per Flugzeug.</p>
<p>11 O-TON (Müller)</p>
<p>Da fliegen die Flugzeuge sozusagen in einem geringen Abstand über dem Erdboden und computergesteuert werden dann die Köder in bestimmten Abständen ausgelegt. Und über diese sozusagen Maßnahme haben wir es dann geschafft.</p>
<p>MUSIK 5 ( Benjamin Flint: Soul Healing (reduced) 1’07)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Ein riesiger Aufwand, der sich über viele Jahre hinzog, aber letztlich konnte das Tollwut-Virus in Europa ausgerottet werden. </p>
<p>Wobei – so ganz weg ist das Tollwut-Virus auch in Europa nicht. Denn eigentlich sind wir nur frei von terrestrischer Tollwut. Terrestrisch bedeutet so viel wie: am Boden lebend. </p>
<p>12 O-TON (Müller)</p>
<p>Wir sind in Europa frei von terrestrischer Tollwut, aber nicht frei von Fledermaus-Tollwut, weil sie die Fledermaus-Tollwut im Prinzip nicht bekämpfen können. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Weil man nicht alle Fledermäuse impfen könnte, auch weil sie in Europa unter strengem Schutz stehen. Aber dass Menschen sich bei Fledermäusen anstecken, kommt so gut wie nie vor. </p>
<p>Vermutlich stammt das Tollwut-Virus auch ursprünglich von Fledermäusen. Forschende können mithilfe von Gen-Analysen des Erbguts nachvollziehen, wie Zoonosen sich entwickelt haben und von welchem Tier sie stammen. </p>
<p>13 O-TON (Müller)</p>
<p>So kann man sich also gut vorstellen, dass vor mehreren Hunderttausend Jahren es mal zum erfolgreichen Überspringen dieser Viren, die einst bei Fledermäusen waren, dann auf den Fleischfresser – in diesem Fall waren es wildlebende Fleischfresser, also Füchse, Waschbären, Skunks usw. – dann erfolgreich übertragen worden sind und sich dort etabliert haben.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Im Laufe der Zeit hat sich das Tollwut-Virus also so verändert, dass es andere Tierarten – und letztlich auch den Menschen infizieren konnte. </p>
<p>14 O-TON (Wilking)</p>
<p>Das Virus braucht bestimmte genetische Eigenschaften, damit es beim Menschen andocken kann, obwohl es wahrscheinlich nie vorher einen Menschen überhaupt gesehen hat. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Dazu muss man wissen: Erreger wie Viren oder Bakterien verändern sich ständig. Anders ausgedrückt: Es kommt immer wieder zu zufälligen Mutationen im Erbgut. Das ist im Prinzip bei uns Menschen genauso – auch wir haben uns über die Jahrmillionen ja immer weiter verändert. Aber bei Viren und Bakterien geht das sehr viel schneller. Das Erbgut von RNA-Viren zum Beispiel – zu denen gehört die Influenza, also die echte Grippe – verändert sich eine Million Mal schneller als das menschliche Erbgut. Das ist quasi Evolution im Zeitraffer – und übrigens auch der Grund dafür, warum man sich jedes Jahr aufs Neue gegen Grippe impfen lassen muss. </p>
<p>Die enorme Wandlungsfähigkeit macht die Erreger ein Stück weit unberechenbar. </p>
<p>15 O-TON (Wilking)</p>
<p>Einige Viren können sich sehr schnell weiterentwickeln und so ihre Eigenschaften verändern. Also in dem Sinne, dass sie krankmachender werden können. Aber es geht auch umgekehrt, dass sie weniger krankmachend werden. Oder sie können dem Immunsystem des Menschen oder der Tiere sozusagen besser ausweichen oder dass sie durch eine Impfung induzierte Immunität ausweichen. Sie können halt so ihre Eigenschaft verändern. Aber es gibt auch sehr, sehr stabile Viren, die wahrscheinlich seit Hunderten von Jahren genau die gleichen Eigenschaften haben, und bei Bakterien ist es ähnlich. Es gibt einige Bakterien, die sind sehr stabil und dann gibt es Bakterien, die sehr volatil sind und sich sehr schnell auf die Umgebung, auf die Säugetiere oder den Menschen, die sie infizieren, anpassen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Auch wegen der ständigen Veränderungen gibt es mittlerweile eine große Anzahl von Zoonosen. Forschende unterscheiden sie nach ihrem Übertragungsweg. </p>
<p>MUSIK 6 ( Alan Jay Reed; Tony Delmonte: Locked 1’12)</p>
<p>16 O-TON (Wilking)</p>
<p>Es gibt so klassische Zoonosen, wo sich Menschen direkt durch den Kontakt zu Tieren anstecken, das können landwirtschaftliche Nutztiere sein, da gibt es zum Beispiel Q-Fieber, Milzbrand oder Brucellose. Das können Wildtiere sein, in Deutschland, insbesondere in Bayern, kommt leider seit einigen Jahren vermehrt das Borna-Virus vor, das greift das Nervengewebe an und das führt dann halt beim Menschen zu Gehirnentzündungen und leider in sehr häufigen Fällen dann auch nachfolgend zum Tod.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das Borna-Virus wird von Feldspitzmäusen übertragen. Eine meist tödliche Erkrankung, die allerdings extrem selten ist. Aktuell geht das Robert-Koch-Institut von zwei bis sechs Erkrankungen pro Jahr aus.</p>
<p>17 O-TON (Wilking)</p>
<p>Oder Hantavirus-Erkrankungen in vielen Gegenden Deutschland, die werden durch Kontakt zu Nagetieren übertragen. Oder sehr bekannt ist auch der Fuchsbandwurm. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Fuchsbandwurm ist ein Parasit, der vor allem bei Füchsen, aber auch bei Hunden oder Katzen vorkommt. Die Eier des Parasiten gelangen über den Kot des Fuchses in die Natur. Deshalb wird empfohlen, im Wald – insbesondere in Bodennähe – gesammelte Beeren oder Pilze abzukochen, das tötet die Eier ab. Aber auch hier kann man sagen: Die Krankheit ist sehr selten. Jedes Jahr stecken sich 40 bis 70 Menschen an.</p>
<p>Ein anderer Übertragungsweg für Zoonosen sind Lebensmittel. </p>
<p>18 O-TON (Wilking)</p>
<p>Hepatitis E wird durch ein Hepatitis-E-Virus verursacht und wird durch den Verzehr von Schweinefleisch übertragen. Und gerade, wenn man ne vorgeschädigte Leber hat und dann zusätzlich diese Virusinfektion kommt, kann man schwer erkranken. Aber es gibt auch andere Beispiele: Campylobacter-Infektionen führen zu Durchfällen und in seltenen Fällen auch zu Immunreaktionen. Und das wird durch Verzehr von ungenügend durchgegartem Geflügelfleisch übertragen. Aber es gibt auch die in der Bevölkerung sehr bekannten EHEC-Erkrankungen. EHEC ist eigentlich ein bakterieller Erreger bei Rindern und halt durch den Verzehr von unzureichend durchgegartem Rindfleisch kann es zu EHEC-Ausbrüchen kommen in der Bevölkerung, beziehungsweise das ist in den letzten Jahrzehnten mehrmals vorgekommen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Deshalb ist es wichtig, Fleisch immer ausreichend durchzugaren. Das tötet Bakterien und auch einen Großteil anderer Erreger wie Viren oder Parasiten ab. </p>
<p>Allerdings gibt es hierzulande einige rohe Fleisch-Speisen, die sehr beliebt sind. Carpaccio aus rohem Rinderfleisch zum Beispiel oder auch rohes Schweinefleisch, das je nach Region anders heißt: Hackepeter, Mett, Bratwurstgehäck oder auch einfach nur Gehäck. </p>
<p>19 O-TON (Wilking)</p>
<p>Also rohes Schweinefleisch, der Verzehr ist halt in Deutschland sehr beliebt und kommt halt im europäischen Ausland sonst so nicht vor, also ist schon eine sehr deutsche Besonderheit irgendwie. Und durch diesen Verzehr können auch bestimmte Infektionskrankheiten übertragen werden. Also Toxoplasma gondii als Parasit kommt in Deutschland sehr häufig vor und halt auch andere bakterielle Erkrankungen können halt so übertragen werden. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Daneben gibt es noch eine weitere Gruppe Zoonosen, die sogenannten Vektor-übertragenen Zoonosen. Das sind Infektionskrankheiten, die über Vektoren wie Mücken oder Zecken weitergegeben werden.</p>
<p>20 O-TON (Wilking)</p>
<p>Da kennen Sie die Lyme-Borreliose. Da gibt es leider viele Erkrankungsfälle pro Jahr in Deutschland, die Gehirnhautentzündung hervorrufen oder auch Gelenkentzündungen. Und dann gibt es, durch die Zecke als Vektor übertragen, die FSME.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Also die Frühsommer-Meningoenzephalitis, die ebenfalls eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute hervorrufen kann. </p>
<p>Forts. 20 O-TON</p>
<p>Da kann man sich gut gegen impfen. Aber seit einiger Zeit, wahrscheinlich auch durch den Klimawandel induziert, auch Mücken-übertragene Erkrankungen in Deutschland, also das West-Nil-Virus in Ostdeutschland. Und wir müssen auch uns darauf einstellen, dass es noch weitere Mücken-übertragene Erkrankungen in den nächsten Jahren in Deutschland geben kann.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Weil es wegen des Klimawandels wärmer wird und sich deshalb andere Mückenarten sich bei uns ansiedeln, rechnen Forschende damit, dass es künftig hierzulande Fälle von Malaria geben wird. Wobei man eigentlich sagen muss: Wieder geben wird.</p>
<p>21 O-TON (Wilking)</p>
<p>Malaria gab es früher ganz viel in Deutschland und die Malaria wurde ausgerottet durch Maßnahmen, also man hat halt Sümpfe trockengelegt, Brachland trockengelegt. Also die Malaria war in Mitteleuropa verbreitet, in England, bis hoch nach Skandinavien.</p>
<p>MUSIK 7 ( Daniel Backes, Peter Moslener: Temperature Sensitive (reduced 2) 0’42)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und dann gibt es noch eine weitere Gruppe Zoonosen – mit der wir alle in jüngster Zeit leidvolle Erfahrungen gemacht haben: die sogenannten Spillover-Zoonosen. </p>
<p>22 O-TON (Wilking)</p>
<p>Das sind halt Viruskrankheiten, wo es einmal am Anfang einen Übertrag vom Tierreich auf den Menschen gibt und nachfolgend halt Mensch-zu-Mensch-Übertragungen eines neuen Erregers. Die Influenza ist da zu nennen oder in anderen Weltteilen sehr gefürchtet zum Beispiel das Ebola-Fieber durch das Ebola Virus. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und natürlich die Lungenkrankheit Covid-19, besser bekannt als: Corona. Im Januar 2020 berichtete die Tagesschau: </p>
<p>23 TON (Tagesschau)</p>
<p>Hongkong verschärft Kontrollen bei der Einreise, die US-Botschaft in Peking warnt vor Kontakt mit Tieren und erkrankten Menschen. Anlass ist die mysteriöse Lungenkrankheit in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, ausgelöst möglicherweise durch ein neuartiges Corona-Virus, das glauben zumindest chinesische Wissenschaftler.</p>
<p>https://www.youtube.com/watch?v=hU7vVnxFoBk</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Kurze Zeit später dann der erste Fall in Deutschland. Die Pandemie nahm ihren Anfang. Es folgten: Maske tragen, Lockdowns, geschlossene Kitas und Schulen, unzählige Erkrankungen – und, nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, rund 15 Millionen Tote. Erst die Impfung brachte wirklich Abhilfe. 2023 dann erklärte die WHO den Corona-Notstand für beendet. </p>
<p>Gut drei Jahre hat Covid-19 die Welt in Atem gehalten – dabei sind Corona-Viren eigentlich alte Bekannte. </p>
<p>24 O-TON (Wilking)</p>
<p>Coronaviren, also diese Virusfamilie der Coronaviren, findet man weltweit verbreitet in der Tierwelt. Das ist jetzt erst mal nichts Ungewöhnliches. Und solche Spillover-Vorkommnisse von Corona-Viren sind halt in der Menschheitsgeschichte vielfach vorgekommen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zahlreiche Coronaviren kommen zum Beispiel in Fledermäusen vor. Verändern sich die Viren können sie auf andere Tiere oder auch den Menschen überspringen. Und wenn sie dann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden können, spricht man von einem Spillover-Event. Bereits 2003 gab es das mit Sars-Cov1.</p>
<p>25 O-TON (Wilking)</p>
<p>Sars-Cov-1 war 2003 auch ein Spillover-Event eines Coronavirus. Es gab auch dann Übertragungen des Virus in andere Teile, also nach Kanada, aber auch nach Europa. Aber der Unterschied zu Sars-Cov-2 war, dass Sars-Cov-1 nicht so übertragbar war und durch Anstrengungen der Gesundheitsbehörden weltweit und durch gute Kommunikation, aber auch durch schnelle Diagnostik, konnte Sars-Cov-1 wieder ausgerottet werden. Das ist halt bei Sars-Cov-2 nicht mehr gelungen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Statt lokalen Ausbrüchen kam es zu einer weltweiten Pandemie. Aber nach Sars-Cov-1 und Sars-Cov-2 fragt man sich unweigerlich: Wann kommt Sars-Cov-3? </p>
<p>26 O-TON (Wilking)</p>
<p>Ja, das weiß man nicht. Das ist reine Spekulation. Also Sars-Cov-3 kann natürlich vor der Haustür stehen, rein zeitlich gesehen. Aber vielleicht kommt Sars-Cov-3 nie vor. Man weiß es nicht. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Weil die Erreger eben unberechenbar sind. Das hat etwas Bedrohliches. Sind Zoonosen heute gefährlicher als früher? Hendrik Wilking meint: Nein. </p>
<p>27 O-TON (Wilking)</p>
<p>In der Geschichte der Menschheit hat es auch schon ganz fürchterliche Zoonosen gegeben. Also die klassische Pest ist zum Beispiel ja auch eine Zoonose, die von Ratten auf den Menschen übertragen wurde. Und die hat immerhin im 17. Jahrhundert fast die Hälfte der Bevölkerung dahingerafft. </p>
<p>MUSIK 8 ( Danny Elfman: Day One 0’53)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Zoonosen, auch Spillover-Zoonosen, gab und gibt es immer wieder. Was sich aber grundsätzlich verändert hat, sind unser Wissen und auch unser Gesundheitssystem. Anders als früher sind Übertragungswege heute gut erforscht. Auch stehen für viele Zoonosen Medikamente zur Verfügung. Einen großen Unterschied machen aber Impfungen. </p>
<p>Wobei man leider sagen muss: Das gilt vor allem für die wohlhabenden Länder. In ärmeren Regionen sterben immer noch sehr viele Menschen an Zoonosen, gegen die man eigentlich impfen oder Medikamente geben könnte. Ebola, Malaria oder Affenpocken zum Beispiel. In einigen Gegenden Afrikas und Asiens ist auch die Tollwut immer noch ein großes Problem. </p>
<p>28 O-TON (Müller)</p>
<p>Insbesondere Südostasien muss man hier nennen. Da sterben jährlich, nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation, immer noch so um die 60.000 Menschen an Tollwut. Das ist leider eine Tatsache. Die Hälfte davon sind Kinder unter 15 Jahren. Alle neun Minuten stirbt in diesen Ländern jemand an einer Tollwut-Infektion.</p>
<p>MUSIK 9 ( Thomas Lemmer; Adrian Marquez Salas: Infinity 0’42)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Das hat vor allem eine Ursache.</p>
<p>29 O-TON (Müller)</p>
<p>Es handelt sich ja teilweise um die ärmsten Länder der Welt, die einfach nicht die Ressourcen haben, großangelegte Tollwut-Impfaktionen durchzuführen, die haben andere Probleme, die noch dazu kommen, wo Tollwut wahrscheinlich auch nur ein Teil des gesamtgesundheitlichen Problems in diesen Ländern sind. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Forschende zählen die Tollwut deshalb zu den neglected tropical diseases, also zu den vernachlässigten tropischen Krankheiten. </p>
<p>30 O-TON (Müller)</p>
<p>Es ist bekannt, aber es wird leider – auch international – dieser Krankheit wenig Aufmerksamkeit geschenkt.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Bei uns kann man gerade vom Gegenteil sprechen: Seit der Corona-Pandemie gibt es eine erhöhte Aufmerksamkeit mit Blick auf Zoonosen, die in unseren Breiten auftreten. West-Nil-Fieber, Zika-Virus, Nipah-Virus, Vogelgrippe, Schweinepest. Wenn man die Nachrichten verfolgt, kann man den Eindruck bekommen, als stünde die nächste Pandemie schon vor der Tür. Darauf deutet aber aktuell nichts hin.</p>
<p>Aber die Sorgen sind groß. Das zeigt sich auch daran, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nach einigen Fällen von Affenpocken in Europa bereits öffentlich klarstellen musste: </p>
<p>31 TON (Lauterbach)</p>
<p>Was wir mit den Affenpocken gerade erleben, ist nicht der Beginn einer neuen Pandemie.</p>
<p>https://www.youtube.com/shorts/HPQnlaizoJY</p>
<p>MUSIK 10 ( Daniel Backes, Patrick Kuhn Botelho, Matthias Deger, Tony Delmonte: Discovery (main) 0’57)</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Mit den Affenpocken hatten sich einige Menschen auf Reisen infiziert.</p>
<p>Generell hält Hendrik Wilking vom Robert-Koch-Institut eine erhöhte Aufmerksamkeit aber für sinnvoll.</p>
<p>32 O-TON (Wilking) </p>
<p>Wir brauchen gute Surveillance- und Monitoring-Systeme, die solche Krankheiten und solche Ausbrüche detektieren, und auch diese Übertragung irgendwie schnell sichtbar machen. </p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Es darf eben nur keine Panik draus werden. Daneben müssen wir unsere Gesundheitssysteme entsprechend ausstatten.</p>
<p>33 O-TON (Wilking)</p>
<p>Unsere Gesundheitssysteme brauchen halt auch so Krisenmodi, um mal für eine Zeit lang größere Zahl bestimmter Krankheitsfälle behandeln zu können. Aber auch um zügig antivirale Medikamente zu entwickeln und herstellen zu können. Oder halt, was ja in der Pandemie hervorragend gelungen ist, schnell Impfstoffe zu entwickeln und produzieren zu können, damit die Bevölkerung geschützt werden kann. </p>
<p>MUSIK 11 Peter Lepahin: Repercussions (rediced) 0‘36</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Keine Frage, Zoonosen haben etwas Bedrohliches. Die Corona-Pandemie hat uns eindrücklich vor Augen geführt, welche Folgen es haben kann, wenn Infektionskrankheiten vom Tier auf den Menschen überspringen. Gleichzeitig sind Zoonosen aber etwas ganz Normales, einige haben die Menschheit über viele Hunderttausend Jahre begleitet. Aber anders als in früheren Zeiten können wir uns heute dafür wappnen. </p>


]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Warum Tiere kooperieren - Altruismus im Tierreich</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/warum-tiere-kooperieren-altruismus-im-tierreich/2091985</link>
      <pubDate>Wed, 04 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">312163f6-27a1-46d9-846a-34d611e2f7a1</guid>
      <description>Tiere helfen einander - das gilt für Schweine ebenso wie für Ameisen. Offenbar ist Egoismus kein Konzept, das zum Überleben taugt. Wie vielfältig die Formen von Altruismus und Kooperation sind, findet die Wissenschaft nach und nach heraus. Und stellt sich die Frage nach dem tieferen Sinn dieser Strategien. Von Christiane Seiler (BR 2024) </description>
      <enclosure length="23315712" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2091985/c/feed/warum-tiere-kooperieren-altruismus-im-tierreich.mp3"/>
      <itunes:duration>00:24:17</itunes:duration>
      <itunes:author>Christiane Seiler</itunes:author>
      <itunes:summary>Tiere helfen einander - das gilt für Schweine ebenso wie für Ameisen. Offenbar ist Egoismus kein Konzept, das zum Überleben taugt. Wie vielfältig die Formen von Altruismus und Kooperation sind, findet die Wissenschaft nach und nach heraus. Und stellt sich die Frage nach dem tieferen Sinn dieser Strategien. Von Christiane Seiler (BR 2024) </itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/64e22e53-613a-4f13-85c7-b680a6c669ea.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Tiere helfen einander - das gilt für Schweine ebenso wie für Ameisen. Offenbar ist Egoismus kein Konzept, das zum Überleben taugt. Wie vielfältig die Formen von Altruismus und Kooperation sind, findet die Wissenschaft nach und nach heraus. Und stellt sich die Frage nach dem tieferen Sinn dieser Strategien. Von Christiane Seiler (BR 2024) </p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Christiane Seiler<br/> Regie: Martin Trauner<br/> Es sprachen: <br/> Technik: <br/> Redaktion: Bernhard Kastner</p>
<p><strong>Im Interview:</strong><br/> Dr Liza Moscovice, Verhaltensbiologin, Forschungsinstitut für Nutztierbiologie; <br/>Dr. Christian Nawroth, Verhaltensbiologe, Forschungsinstitut für Nutztierbiologie; <br/>Shahin Tavangari, Reviertierpfleger Zoo-Aquarium Berlin, <br/>Hanspeter Dill, Ziegenhalter<br/> <br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:<br/>Das Schwein -Verkanntes Borstentier<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-schwein-verkanntes-borstentier/bayern-2/13193385/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Queere Tiere? - Alles Natur!<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/queere-tiere-alles-natur/bayern-2/94721070/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Tierische Freundschaften - Von Dohlenpaaren, Pferdecliquen und Eselkumpeln<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tierische-freundschaften-von-dohlenpaaren-pferdecliquen-und-eselkumpeln/bayern-2/79227694/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Tierische Paar(ungs)geschichten - Alles Natur!<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/tierische-paar-ungs-geschichten-alles-natur/bayern-2/94673336/">JETZT ENTDECKEN</a></strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><br/><strong>WirTier. Ein Podcast über die Begegnung von Mensch und Tier.</strong><br/>WirTier erzählt von Menschen, die ihr ganzes Leben verändert haben durch diesen einen Moment auf Augenhöhe mit einem Tier. Sie teilen mit uns ihre tiefgreifenden Erfahrungen und Erkenntnisse über unser Zusammenleben auf diesem Planeten und lassen uns teilhaben an ihrem Wissen über Tiere. Denn auch Forscherinnen und Forscher wissen zunehmend: Tiere haben Gefühle, Intelligenz und ein Sozialleben. Und auch Vici und Julius, die Hosts von WirTier, verändern sich durch diese Begegnungen – und stellen sich vielfältigen Herausforderungen auf der Weide, im Garten oder auch in freier Wildbahn. </p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | RadioWissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-tiere-selbstlosigkeit-altruismus-freundschaft-kooperation-egoismus-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Velo, Radl, Mountainbike - Ein Gefährt und seine Geschichte</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/velo-radl-mountainbike-ein-gefaehrt-und-seine-geschichte-1/1842543</link>
      <pubDate>Tue, 03 Jun 2025 02:50:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">363e67d5-2d40-442c-ad73-2d6e0fc9c13d</guid>
      <description>Der Klimawandel und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein machen das Fahrrad zu einem der großen Hoffnungsträger in der Verkehrspolitik. Radeln - die Anfänge dieser Fortbewegungsart reichen weit zurück - vielleicht sogar bis Leonardo da Vinci. Bis das Rad aber endgültig straßentauglich ist, vergehen noch Jahrhunderte. Von Herbert Becker (BR 2009)</description>
      <enclosure length="22422912" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/1842543/c/feed/velo-radl-mountainbike-ein-gefaehrt-und-seine-geschichte-1.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:21</itunes:duration>
      <itunes:author>Herbert Becker</itunes:author>
      <itunes:summary>Der Klimawandel und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein machen das Fahrrad zu einem der großen Hoffnungsträger in der Verkehrspolitik. Radeln - die Anfänge dieser Fortbewegungsart reichen weit zurück - vielleicht sogar bis Leonardo da Vinci. Bis das Rad aber endgültig straßentauglich ist, vergehen noch Jahrhunderte. Von Herbert Becker (BR 2009)</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/57cfe8bf-67ec-4ce2-a0ac-3ada8000eb3e.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der Klimawandel und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein machen das Fahrrad zu einem der großen Hoffnungsträger in der Verkehrspolitik. Radeln - die Anfänge dieser Fortbewegungsart reichen weit zurück - vielleicht sogar bis Leonardo da Vinci. Bis das Rad aber endgültig straßentauglich ist, vergehen noch Jahrhunderte. Von Herbert Becker (BR 2009)</p><p><strong>Credits</strong><br/>Autor dieser Folge: Herbert Becker<br/>Regie: Irene Schuck<br/>Es sprachen: Beate Himmelstoß, Andreas Neumann, Rainer Buck, Sabrina Litzinger<br/>Redaktion: Brigitte Reimer</p>
<p>Das Manuskript zur Folge gibt es <a title="HIER" href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-velo-radl-mountainbike-100.html">HIER</a>.</p>
<p><strong>Interviewpartner/innen:<br/></strong>Hep Monatzeder;<br/>Richard Deiss;<br/>Anna Pöcksteiner</p>
<p><strong>Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p>Verkehrspolitik der Zukunft - Effizienter und umweltschonender?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/verkehrspolitik-der-zukunft-effizienter-und-umweltschonender/bayern-2/10463629/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/verkehrspolitik-der-zukunft-effizienter-und-umweltschonender/bayern-2/10463629/"></a></strong>Mikroabenteuer - Kleine Abenteuer im Alltag<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mikroabenteuer-kleine-abenteuer-im-alltag/bayern-2/96122140/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/mikroabenteuer-kleine-abenteuer-im-alltag/bayern-2/96122140/"></a></strong>Moral im Straßenverkehr - Das Recht des Stärkeren?<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/moral-im-strassenverkehr-das-recht-des-staerkeren/bayern-2/81912908/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/moral-im-strassenverkehr-das-recht-des-staerkeren/bayern-2/81912908/"></a></strong>Das Automobil - Die ersten 50 Jahre<br/><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-automobil-die-ersten-50-jahre/bayern-2/96574348/">JETZT ANHÖREN</a></strong></p>
<p><strong><a title="Hier geht es zur Folge." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/das-automobil-die-ersten-50-jahre/bayern-2/96574348/"></a></strong></p>
<p><strong>Weitere Linktipps:</strong></p>
<p>BR24 | Wie können Lastenräder zur Mobilitätswende beitragen?<br/><a title="BR24 - Lastenräder" href="https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/wie-koennen-lastenraeder-zur-mobilitaetswende-beitragen,T1NYycT">JETZT LESEN</a></p>
<p>radioWelt | Dank Laufrad - Kinder radeln immer früher und besser<br/><a title="radioWelt - Dank Laufrad" href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowelt/laufrad-kinder-radeln-immer-frueher-und-besser-100.html">JETZT ANHÖREN</a></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.<br/><br/>RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/>ARD Audiothek | RadioWissen<br/></p>
<p><a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a></p>

<p><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Der Schweizer Scheich - J. L. Burckhardt und das antike Petra</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/der-schweizer-scheich-j-l-burckhardt-und-das-antike-petra/2106095</link>
      <pubDate>Tue, 03 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">1a2a2feb-2aa6-4405-9e74-9c2e6ebd4ef2</guid>
      <description>Eigentlich will der Schweizer Orientreisende J.L. Burckhardt den Weg nach Timbuktu erkunden und von dort aus Zentralafrika erforschen. Doch dabei entdeckt er die Felsenstadt Petra wieder und den großen Felsentempel von Abu Simbel. Von Johannes Marchl</description>
      <enclosure length="22078848" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106095/c/feed/der-schweizer-scheich-j-l-burckhardt-und-das-antike-petra.mp3"/>
      <itunes:duration>00:22:59</itunes:duration>
      <itunes:author>Johannes Marchl</itunes:author>
      <itunes:summary>Eigentlich will der Schweizer Orientreisende J.L. Burckhardt den Weg nach Timbuktu erkunden und von dort aus Zentralafrika erforschen. Doch dabei entdeckt er die Felsenstadt Petra wieder und den großen Felsentempel von Abu Simbel. Von Johannes Marchl</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/57d64376-4253-424c-a74d-2a7acc08b53f.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich will der Schweizer Orientreisende J.L. Burckhardt den Weg nach Timbuktu erkunden und von dort aus Zentralafrika erforschen. Doch dabei entdeckt er die Felsenstadt Petra wieder und den großen Felsentempel von Abu Simbel. Von Johannes Marchl</p><p><strong>Credits</strong><br/> Autor dieser Folge: Johannes Marchl<br/> Regie: Christiane Klenz<br/> Es sprachen: Xenia Tiling, Stefan Wilkening, Sebastian Fischer<br/> Technik: Susanne Harasim<br/> Redaktion: Thomas Morawetz</p>
<p><br/> <strong>Diese hörenswerten Folgen von Alles Geschichte könnten Sie auch interessieren:</strong></p>
<p><strong>Aus der Staffel Altes Arabien geht es <a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-der-history-podcast/altes-arabien-die-nabataeer-und-die-felsenstadt-petra/ard/13315013/">HIER</a> zu Folge Die Nabatäer und die Felsenstadt Petra</strong></p>
<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Klassik für Klugscheißer</strong><br/>Mit ihrem Musikwissen prahlen - das können Laury und Uli ganz hervorragend: Welche Drogen werden im Orchestergraben eingeschmissen? Was verbindet Pokémon und Tschaikowsky? Welche Strukturen verhindern Diversität in der Branche? Und warum hatte Wagner einen Fetisch für Samt-Unterhosen? Bei uns bekommt ihr längst vergessenen Gossip und überraschende Fakten zur Musik. Jeden zweiten Freitag in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt - oder gleich<strong> <a title="Hier gehts zur Website." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/klassik-fuer-klugscheisser/72079106/">HIER</a></strong></p>
<p><strong>Literatur:<br/></strong></p>
<p>Johann Ludwig Burckhardt, „Travels in Syria and the Holy Land“ – hier kommt Burckhardt im Original zu Wort.</p>
<p></p>
<p>Sabine Söll-Tauchert u.a., „Scheich Ibrahim – der Basler Kaufmannssohn Johann Ludwig Burckhardt (1784 – 1817) und seine Reisen durch den Orient“. Ein stimmungsvolles Heft über das Leben und die Reisen Burckhardts mit vielen Zitaten, Fotos, Karten und Abbildungen. Sehr gute Einführung. </p>
<p></p>
<p>Ausstellungs-Bildband „Petra. Wunder der Wüste. Auf den Spuren von J.L. Burckhardt“. Schöne, großformatige Fotos von des Fassaden Petras aber auch viele Landschaftsaufnahmen.</p>
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-petra-jordanien-aegypten-orient-burckhardt-abu-simbel-mekka-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>Sprecherin 1:</p>
<p>Man könnte so anfangen: Es war einmal... Ein Schweizer Orientreisender, der einfallsreich war wie ein Märchenerzähler und schlau wie ein Fuchs. Der die sagenumwobene Felsenstadt Petra für die Europäer wiederentdeckt hat und den grandiosen Pharaonen-Tempel von Abu Simbel.</p>
<p>Sprecher 3:</p>
<p>Man könnte aber auch so anfangen: Johann Ludwig Burckhardt war nicht weniger als einer der großen europäischen Forschungsreisenden. Ein Vermittler zwischen den Kulturen und Religionen. Ein Kenner der orientalischen Welt, ein Kenner des Islam, ein nimmermüder Entdecker verschollener Kulturschätze. </p>
<p>Sprecher 2:</p>
<p>Und warum nicht so?! Vor nichts und niemandem hatte dieser Abenteurer Angst, nicht einmal, wenn der Tod als Strafe der Entlarvung drohte. Um seine Gegner zu täuschen, verkleidet er sich als bärtiger Muslim und nennt sich Scheich Ibrahim. So gelangt er ins größte Heiligtum der muslimischen Welt: in die Kaaba in Mekka.</p>
<p>Sprecherin 1:</p>
<p>Ach was... Lasst ihn doch lieber selber reden:</p>
<p>MUSIK 2 ( Bill Lauranec – Katerina 0‘52)</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>Liebe Eltern, ich habe in Cambridge studiert, Arabisch gelernt und viel über die Sitten der Länder gelesen. Ich habe mir Rezepte für eine Hausapotheke angeeignet und Medizin studiert, außerdem einige astronomische Kenntnisse erworben, die mir auf meiner Reise von Nutzen sein werden. Ich halte eine strenge Diät, eine simple Gemüsekost, die mir erlaubt, mit verdünntem Blute einst die Hitze der Wüste leichter ertragen zu können. Ich weiß, liebe Eltern, euch schweben nun all die Gefahren der Wüste vor Augen, aber ich bitte Euch, dass ihr die augenblicklichen Empfindungen eures liebevollen Herzens unterdrückt, um mein Vorhaben billigen zu können.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Und das Vorhaben, von dem Johann Ludwig Burckhardt hier spricht…</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>…das er aber den Eltern nicht im Detail verrät….</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>… ist spektakulär: Er will für die britische African Association den Handelsweg von Kairo nach Timbuktu erforschen. Wir schreiben das Jahr 1812. Bis dato ist kein Europäer nachweislich nach Timbuktu gelangt, in die sagenumwobene Stadt im Herzen Afrikas. Obwohl es einige durchaus versucht haben. Zurückgekommen sind sie entweder gar nicht oder ohne Erfolg… </p>
<p>OT 1 Söll  </p>
<p>„Genau, die sind gescheitert. Die bezahlten auch mit ihrem Leben“</p>
<p>Sprecherin 1 </p>
<p>…stellt Sabine Söll-Tauchert, Kuratorin am Historischen Museum Basel lakonisch fest</p>
<p>OT 2 Söll</p>
<p>„Das waren wirklich widrige Bedingungen für den Europäer. Sich einerseits klimatisch anzupassen, aber auch eben die Sprache zu beherrschen. Also da brauchte es unglaublich viel, um durchzukommen. Und deswegen musste sich Johann Ludwig Burckhardt auch sehr intensiv auf diese Reise vorbereiten. Aber es war auch klar, dass das eine sehr, sehr gefährliche Aktion war.“</p>
<p>Sprecherin 1:</p>
<p>...verbunden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, nicht wieder zurückzukehren. Wir werden sehen, ob es Johann Ludwig Burckhardt trotzdem gelingt. Zumindest hatte er gleich zwei Asse im Ärmel: Erstens: Er lernt Arabisch…</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Und zweitens: er tauscht seine Identität: er verkleidet sich als islamischer Kaufmann, mit Turban und Rauschebart, sein Name: Ibrahim ibn Abdallah</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Aber von vorne … Wie bitte kommt ein Schweizer Kaufmannssohn aus Basel dazu, als Scheich Ibrahim für die britische African Association in den Orient zu reisen? </p>
<p>MUSIK 3 (Jean Xavier Lefèvre – 1.Satz aus: Duo für 2 Klarinetten F-Dur; Csaba Klenyán Klarinette 0‘46)</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Kurzer Steckbrief der ersten Lebensjahre des Johann Ludwig Burckhardt:</p>
<p>Geboren:</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>25. November 1784 als jüngster Spross einer angesehenen Kaufmanns- und Politikerfamilie</p>
<p>Sprecher 2:</p>
<p>Kindheit: </p>
<p>Sprecher 3: </p>
<p>behütet, unterrichtet von einem Hauslehrer. Aufgeklärte, humanistische Bildung in einem kunstsinnigen Umfeld</p>
<p>Sprecher 2:</p>
<p>Studium: </p>
<p>Sprecher 3:</p>
<p>Rechtswissenschaften in Leipzig und Göttingen, zwei Städte, die noch nicht von Napoleon besetzt waren. Burckhardt lehnt - wie sein Vater - Napoleon und die Französische Revolution ab.</p>
<p>Sprecher 2:</p>
<p>Beruf: </p>
<p>Sprecher 3:</p>
<p>Er will eigentlich Diplomat im Dienst eines deutschen oder österreichischen Fürsten werden, aber seine Hoffnungen zerschlagen sich.</p>
<p>OT 3 Söll</p>
<p>Und so versuchte er dann 1806 sein Glück in London. Er traf dort dank der Kontakte seines Vaters einflussreiche Persönlichkeiten. Doch ergab sich keine Möglichkeit, in eine diplomatische Karriere einzusteigen. Ja, es war wirklich eine harte Prüfung. Er musste über Tage hinweg darben, ernährte sich beispielsweise zwei Monate lang nur von Käse und Brot. Und schließlich dann der der Kontakt mit Sir Joseph Banks, dem Mitbegründer der African Association. Da erschloss sich ihm dann unerwartet ein ganz neues Wirkungsfeld.</p>
<p>Sprecherin 1:</p>
<p>Ein Wirkungsfeld, das die Länder umfassen soll, die wir heute als Türkei, Syrien, Libanon, Israel, Jordanien, Ägypten, Sudan und Saudi-Arabien kennen – viele dieser Gebiete gehören damals zum Osmanischen Reich. Sein Auftrag: Ziehe mit der Fessan-Handels-Karawane von Kairo aus ins Zentrum Afrikas, durch die Sahara, nach Timbuktu. Beschaffe uns Informationen über Handelswege, Absatzmärkte, Handelsgüter. </p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Es standen also handfeste ökonomische Interessen hinter dem Auftrag der African Association, ein Auftrag für den Burckhardt Feuer und Flamme ist. An die Eltern schreibt er:</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>„Ich habe einen neuen Plan im Werke, der nicht ganz unausführbar, mit Gefahr, aber auch mit großem Nutzen, sowohl für mich als für England, und ich darf sagen für die Menschheit, verbunden ist….</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Burckhardt will wagen, was andere nicht wagten – er will vordringen in…:</p>
<p>MUSIK 4 ( Ulrich Bassenge – Arabesk 0’50)</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>„… Länder die nur halb bekannt sind, die jahrhundertelang beinahe unbekannt waren, bloß weil niemand den Beruf fühlte, hineinzudringen, Von solchen Ländern wurde und wird viel gefabelt. Sagen von wilden kannibalischen Völkern sind platterdings Lügen, und unglücklicherweise sind gerade diese von Kindheit an gehörten Gerüchte von jenem Lande tief in unserer Einbildung verwurzelt.“</p>
<p>Sprecher 2:</p>
<p>Festzuhalten bleibt: Burckhardt sieht die Gefahr, die sein Vorhaben mit sich bringt. Und entsprechend will er sich vorbereiten.</p>
<p>OT 4 Söll   </p>
<p>Er geht dann von London aus nach Cambridge und besucht dort an der altehrwürdigen Universität Vorlesungen über Astronomie, über Chemie, Mineralogie und Botanik. Und eignet sich auch ein Grundwissen in Medizin an, was ihn natürlich auch später dann helfen sollte, wenn er mal erkrankte. Er hat sich auch körperlich fit gemacht, und als in England eine Hitzewelle mit Temperaturen über 35 Grad herrschte, breitete er sich mit langen Märschen an der prallen Sonne auf das Klima vor. </p>
<p>MUSIK 5 ( Youssef Dhafer – Interl‘oud 0’32)</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Aber eine andere Vorbereitung ist wohl noch wichtiger als Vorlesungen und körperliche Fitness: Burckhardt lernt Arabisch. Diese Sprache zu beherrschen - das weiß er - wird das Vehikel für alle seine Vorhaben sein. Über Malta reist er 1809 nach Aleppo, studiert dort intensiv Arabisch. Zweimal liest er den Koran, er lernt verschiedene Passagen auswendig, er beginnt arabische Sprichworte zu sammeln. Und er greift zu einer List:</p>
<p>OT 5 Söll</p>
<p>Er muss sich tarnen. Er nimmt eine neue Identität an, nimmt den Namen Scheich Ibrahim Ibn Abdallah und gab sich als indischer Muslim aus, der für eine britische Handelsgesellschaft unterwegs sei. Ja als Moslem, hoffte er, tiefer in die Gesellschaft eintauchen zu können. Und diese indische Identität sollte seine Unvollkommenheit in Sprache und Sitten entschuldigen. Na, da gibt&#39;s eine lustige Anekdote, auch wenn man ihm eine Probe der Hindu Sprache von ihm verlangte. Dann antwortete er im unverständlichsten Dialekt des Schweizer Deutsch. Und dieser Trick scheint auch funktioniert zu haben. </p>
<p>MUSIK 6 (Youssef Dhafer – Interl‘oud 0’26)</p>
<p>Sprecher 3:</p>
<p>Ob ihr mich, liebe Eltern wohl noch kennen würdet, wenn ihr mich jetzt sehen könntet; auf den Knien auf einem mit Teppich bedeckten Boden sitzend, in meiner weiten türkischen Kleidung, einem respektablen Barte, auf meinem Schoße arabische Manuskripte und Wörterbücher liegend. Zum Glück habe ich unter meinen Möbeln keinen Spiegel, sonst würde ich wohl zu Zeiten selbst über mich lachen.“</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Seine Tarnung als muslimischer Kaufmann mit passablem, aber klar erkennbaren Akzent in seinem Arabisch – ist sie mehr als nur Schutz vor Überfällen? Hat Scheich Ibrahim eine Forschungsmethode gefunden, um näher an die Bevölkerung heranzukommen und damit genauer und tiefer in seine ethnografischen Beobachtungen einzutauchen? Seine detaillierten Aufzeichnungen, die er nach London zurückschickt und die heute in Cambridge verwahrt werden, lassen das vermuten. </p>
<p>OT 6 Söll </p>
<p>Er begegnet den Menschen, die er trifft, auf Augenhöhe. Das ist eben auch wirklich das Besondere an seiner Herangehensweise, dass er eben nicht als der eingebildete Europäer in den Orient kommt, sondern er wirklich versucht, das Volk zu verstehen. Und da hat ihm natürlich auch die Sprache genützt, er muss hervorragend Arabisch gesprochen haben. Und er ist auch fasziniert.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Fasziniert auch von den Menschen, die ihm auf seinen Reisen begegnen, die er von Aleppo und Damaskus aus unternimmt. Schließlich fühlt sich Burckhardt so weit, Richtung Kairo weiterzureisen und sein eigentliches Anliegen voranzutreiben: den Handelsweg von Kairo nach Timbuktu zu kartografieren, als erster Europäer die Stadt im heutigen Mali zu betreten.</p>
<p>MUSIK 7 ( Breathing Soul (Filmmusik „Babel“) 1’30)</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Doch Burckhardt wäre nicht Burckhardt, wenn er einfach nur von Aleppo aus zu einem Mittelmeerhafen reiste und dann weiter per Schiff nach Kairo. Er will durchs Landesinnere, sein Ziel ist Petra, die Wüstenstadt. Er hat alles gelesen, was es an Quellen und Berichten gibt über Petra, diese sagenumwobene antike Königsstadt der Nabatäer.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Aber dort gewesen war seit den Kreuzrittern kein Europäer mehr. </p>
<p>OT 7 Bellwald </p>
<p>Wie wir aus den Schriften von Burckhardt wissen, hat er sich im Voraus mit Petra beschäftigt. Er hat gewusst, dass dieses Petra existiert und er wusste auch ungefähr, wo es lag.</p>
<p>Sprecherin 1  </p>
<p>Sagt der Schweizer Archäologe Ueli Bellwald, der über 30 Jahre lang in Petra geforscht und gegraben hat.</p>
<p><br/></p>
<p>OT 8 Bellwald </p>
<p>Wir dürfen nie vergessen, dass die Wiederentdeckung von Petra durch Burckhardt nur eine Wiederentdeckung für die westliche Welt. Für die arabisch-muslimische Welt, inklusive dem Osmanischen Reich, war das keine Wiederentdeckung, die wussten, wo das war.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Burckhart vermutet, dass Petra in der Umgebung des Wadi Musa zu finden ist, was erst einmal nur die Gegend rund um die Mosesquelle bezeichnet. Am Wadi Musa angekommen, trifft er als Scheich Ibrahim auf die dortige Bevölkerung. Allerdings gibt es ein Problem, wie Archäologe Bellwald erzählt. Denn die Ortsansässigen wissen nicht mehr, dass Petra von den Nabatäern gegründet und erbaut worden war</p>
<p>OT 9 Bellwald </p>
<p>Man hat Petra mit den ägyptischen Pharaonen in Beziehung gesetzt. Weil nur von der ägyptischen Kultur kannten sie derart riesenhafte Bauten wie die in Petra aus dem Stein gehauenen Fassaden oder noch stehenden Ruinen. Und in ihrer Meinung war Petra das Schatzversteck der ägyptischen Pharaonen. Und wenn ein Fremder dorthin kommt und Petra anschauen will, dann haben die natürlich sofort angenommen, der wisse mehr als sie und sei jetzt auf der Suche nach diesen pharaonischen Schätzen.</p>
<p>MUSIK 8 ( David Walters - Interlude) 0’31)</p>
<p>Sprecher 3:</p>
<p>Beste Eltern… alles in mir drängte danach Petra zu sehen. Doch wie sollte ich meinen Begleitern erklären, dass ich eine aus ihrer Sicht heidnische Stätte suchen wollte, ohne dass sie Verdacht schöpften? Ich erinnerte mich, dass oberhalb Petras das Grab des Aaron, des Bruders von Moses liegen sollte. Der gilt auch bei den Muselmännern als Prophet. </p>
<p>OT 10 Bellwald </p>
<p>Er hat dann gesagt, er möchte Aaron ein Opfer darbringen. und so hat er es geschafft nach Petra zu kommen und hat ja im Geheimen nur diese Aufzeichnungen gemacht. </p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Burckhardt fertigt heimlich einige Skizzen an, aber seine Führer werden misstrauisch. Und der Schweizer Scheich ist sich durchaus bewusst, was passieren würde, wenn man ihn enttarnte…</p>
<p>MUSIK 9 ( Amelia desert morning (aus dem Film: Babel) 1’13)</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>„Ich würde wenigstens an der Fortsetzung meiner Reise nach Ägypten verhindert worden sein, und aller Wahrscheinlichkeit nach würde man mich ausgezogen und meines wenigen Geldes beraubt haben, und meines Tagebuchs, was mir noch unendlich wichtiger war als das Geld.“</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Und was ihm geblüht hätte, mittel- und kleiderlos – man kann es sich ausmalen. Doch Burckhardt bleibt unentdeckt. Für dieses Mal ist er davongekommen, aber es war knapp…</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Burckhardt war übrigens nur einen Tag und eine Nacht in Petra. Was er sehr bedauert hat, aber es war einfach zu gefährlich, enttarnt zu werden. Doch er ahnt schon, was für Folgen seine Wiederentdeckung haben wird:</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>„Künftige Reisende mögen den Ort unter dem Schutz eines Trupps Bewaffneter besuchen. Die Einwohner selbst werden sich daran gewöhnen, fremde dort mit Wissbegier forschen zu sehen, und man wird sich dann überzeugen, dass die Alterthümer von Wady Musa einen Rang neben den interessantesten Überresten der alten Kunst behaupten.“</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Festgehalten hat Burckhardt all das in seinen Büchern, die zum großen Teil posthum erschienen sind. Petra zum Beispiel beschreibt er in „Reisen in Syrien und dem Heiligen Land“. Was Forscher und auch Laien vor allem aus Großbritannien und Frankreich auf den Plan ruft.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Man kann durchaus sagen, dass er den Grundstein für den Tourismus im heutigen Jordanien gelegt hat, 1991 ist ihm sogar ein Orden von der jordanischen Königin verliehen worden – posthum natürlich.</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Aber Petra war nur die erste bemerkenswerte Station seiner Reise. Burckhardt zieht weiter nach Kairo. Er will ja die große Fessan-Karawane nicht verpassen und mit ihr nach Timbuktu aufbrechen. Doch in Kairo erfährt er, dass die Karawane wegen einer Epidemie schon seit mehreren Jahren ausgeblieben ist. Was bleibt ihm anderes übrig als zu warten…</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Und die Zeit mit der Niederschrift seiner Berichte über Petra und die Reisen ins Heilige Land zu füllen und diese nach London zu schicken. Zusammen mit den Briefen an die Eltern sind diese akribischen Niederschriften die Quelle, aus der wir heute unsere Informationen schöpfen. Und als auch das getan ist, macht er sich auf, dem Nil nach Süden zu folgen. Er zieht weiter, als das die Forscher vor ihm getan haben, sagt Sabine Söll, Kuratorin am Historischen Museum Basel. Die berühmten Ruinen des Niltals… am 22. März 1813 betritt er das Gebiet von Abu Simbel</p>
<p>MUSIK 10 ( Darabukka solo 0’33)</p>
<p>OT 11 Söll </p>
<p>Er sieht plötzlich oberhalb des bekannten Hathor Tempel den Zugang zu einem weiteren, viel größeren Heiligtum.</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>„Als ich mich glücklicherweise weiterhin nach Süden umsah, fiel mir das, was noch von vier ungeheuren Colossalstatuen, die aus dem Felsen gehauen sind, sichtbar ist, in die Augen. Allein es ist sehr zu bedauern, dass sie jetzt fast ganz vom Sande begraben sind, welcher hier in Strömen herabgeweht wird.“</p>
<p>OT 12 Söll</p>
<p>Mit dieser Beschreibung der Anlage lieferte er der westlichen Welt wirklich den ersten Bericht über den großen Tempel von Abu Simbel. Es war ja eines der wichtigsten Bauwerke aus pharaonischer Zeit und wirklich die zweite große Entdeckung von Scheich Ibrahim. Und er war sich auch wirklich bewusst, dass er hier was sieht, was noch kein Europäer vor ihm gesehen hat.</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Aber sein eigentliches Ziel, mit der großen Fessan-Karawane nach Timbuktu zu reisen, kann er weiterhin nicht verwirklichen. Die will und will nicht kommen</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Deshalb entschließt er sich im Frühjahr 1814 zu einer Reise auf die arabische Halbinsel. Er will dort am Hadsch, der Pilgerfahrt nach Mekka teilnehmen. </p>
<p>MUSIK 11 ( Darabukka solo 0’28)</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Wieder ist die Reise gefährlich. Seine Karawane wird von Beduinen überfallen, kann sich nur mit Mühe verteidigen. Später wird er als Spion verdächtigt, zudem gerät er in Geldnot. Abgekämpft und mit zerschlissener Kleidung kommt er schließlich in Dschidda an. Hier wartet schon die nächste Prüfung auf ihn. Denn Ungläubigen war ja das Betreten der heiligen muslimischen Stätte strengstens verboten</p>
<p>OT 13 Söll</p>
<p>als der Osmanische Gouverneur Mohammed Al Pascha von seiner Anwesenheit erfuhr, der bestellte ihn zu sich. Und Scheich Ibrahim hielt sich dann einige Tage in Taif auf und hatte längere Gespräche mit dem Pascha, der sich von der Aufrichtigkeit seines islamischen Glaubens persönlich überzeugen wollte. Und er wurde auch von Rechtsgelehrten auch auf die Korankenntnisse hin geprüft und überzeugte sie dann und durfte die Reise nach Mekka dann fortsetzen.</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>„Der Pascha behandelt mich als einen Muselmann, und ich schmeichle mir selbst, dass die Dreistigkeit meines Betragens ihn überzeugt habe, dass ich ein echter Proselyt sei.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Ein Proselyt also - einer, der neu bekehrt und zum Muslimischen Glauben übergetreten ist. </p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>Burckhardt hält sich drei Monate in Mekka auf, studiert dort sowohl die Bräuche der Pilger als auch Händler und Waren auf den Märkten der Stadt. Und er vollzog – ein teilnehmender Beobachter – die Wallfahrtshandlungen. Nach der Umrundung der Kaaba, dem zentralen Heiligtum des Islams – ein quaderförmiges Gebäude im Innenhof der Al-Haram-Moschee – gelangt er sogar ins Innere. Und ist somit einer der ersten Europäer, der die Kaaba nicht nur von außen, sondern auch von Innen präzise beschreiben kann.</p>
<p>OT 14 Söll </p>
<p>Also er hat wirklich immer parallel überlegt, was ist, was ist interessant? Was ist neu? Was kann ich da Neues herausfinden? Hat also die Schritte gemessen, um auch die Größe ungefähr dieses Areals abmessen zu können? Und ja, die Kaaba wird ja nur dreimal im Jahr geöffnet, und er ist da mit einer riesigen Menge Menschen hineingedrängt in diese Kaaba, und im Innern ist es finster. Und man braucht, wie er sagte, dann noch einige Zeit, um etwas überhaupt sehen zu können. Aber er konnte nur 5 Minuten bleiben, weil es so heiß war, dass er fast ohnmächtig geworden wäre.</p>
<p>MUSIK 12 ( Ulrich Bassenge – Arabesk 0’40)</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Bleibt die Frage: Was hat Burckhardt wirklich gefühlt? Ist er als Forschender auf den Hadsch gegangen, hat Mekka erreicht, ist in die Kaaba vorgedrungen – </p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>…oder als Gläubiger? Ob er Mekka und danach Medina aus ethnologischer Entdeckerlust oder aus tiefem religiösem Empfinden besucht und beschrieben hat: wir wissen es nicht. Er hat seine Beweggründe geheim gehalten, sich nie dazu geäußert.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>1815 kehrt Scheich Ibrahim nach Kairo zurück. Er wartet weiter auf die Karawane, die nicht kommt. Zumindest nicht zu seinen Lebzeiten. Denn der Orientreisende, der so vielen Gefahren entronnen ist, vergiftet sich an einem Fisch. Am 15. Oktober 1817 stirbt Johann Ludwig Burckhardt, der Gelehrte, Hadschi und Scheich wird nach islamischem Ritus auf dem Bab el Nasr Friedhof in Kairo beigesetzt. Bei seiner Abreise aus Europa hatte er an die Eltern geschrieben:</p>
<p>MUSIK 13 (Youssef Dhafer – Interl‘oud 0’20)</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>Möge die Vorsehung mir einst das Glück gönnen, Euch zu umarmen. Gehabt Euch wohl und vergesst nicht einen euch aufs kindlichste liebenden Johann Ludwig.</p>
<p>Sprecherin 1</p>
<p>„Die Vorsehung“ hatte anderes mit ihm vor. Er war 32 Jahre jung, als er starb. Doch was er hinterließ, seine Aufzeichnungen, die er fortwährend nach London geschickt hatte, sind für die Forscher, die ihm nachfolgen, von unschätzbarem Wert.</p>
<p>OT 15 Bellwald </p>
<p>Sein Hauptinteresse galt ja aus heutiger Sicht ethnografischen Studien, es ging ihm darum nicht nur über Islam schreiben, sondern vorzudringen ins Innerste des Islam. All das war sein zentrales Anliegen</p>
<p>OT 16 Söll </p>
<p>Seine Reisebeschreibungen, die lesen sich wirklich wie ein Abenteuerroman, weil jeden Tag etwas Neues ist. Man kann ihn teilweise auf Schritt und Tritt folgen, weil er das genau beschreibt. Und es ist wirklich unglaublich beeindruckend, mit welcher Neugierde er jeden Tag neu beginnt, auch wenn ihm wirklich die Menschen, das merkt man ganz deutlich, immer wichtiger waren.</p>
<p>MUSIK 14 ( Andreas Suttner / Anselm Kreutzer: Rivalry Fight)</p>
<p>Sprecher 3</p>
<p>Johann Ludwig Burckhardt alias Scheich Ibrahim ibn Abdallah, Schweizer Orientreisender und Entdecker, einzigartiger Zeitzeuge arabischer Kulturen und Chronist derselben.</p>
<p>Sprecher 2</p>
<p>Man könnte auch sagen: Was für ein Leben, was für eine Räuberpistole! So nebenbei Petra und Abu Simbel wiederentdeckt und auf dem Hadsch auch noch in der Kaaba mal vorbeigeschaut… Dass das wahr ist, glaubt einem ja kein Mensch…</p>
<p>Sprecherin 1:</p>
<p></p>
<p>Man könnte aber auch sagen: Und wenn er nicht gestorben wäre, hätte er bestimmt auch noch Timbuktu für die Europäer entdeckt.</p>
<br/>
]]></content:encoded>
    </item>
    <item>
      <title>Hi, Hochwohlgeborener! Andere Zeiten, andere Anreden</title>
      <link>https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/hi-hochwohlgeborener-andere-zeiten-andere-anreden/2106068</link>
      <pubDate>Mon, 02 Jun 2025 02:15:00 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="false">d0de8612-0a29-4f8a-8054-84fc006e5540</guid>
      <description>Um eine Anrede kommt niemand, der spricht oder schreibt, herum. Aber die höflichen Worte zu Beginn jeder Nachricht sind aktuell im Wandel und alte Regeln über &quot;Liebe...&quot; oder &quot;Sehr geehrte...&quot; außer Kraft gesetzt. Nicht zum ersten Mal in der langen Geschichte der Anredeformen. Von Marie Schoeß</description>
      <enclosure length="22099200" type="audio/mpeg" url="https://media.neuland.br.de/file/2106068/c/feed/hi-hochwohlgeborener-andere-zeiten-andere-anreden.mp3"/>
      <itunes:duration>00:23:01</itunes:duration>
      <itunes:author>Marie Schoeß</itunes:author>
      <itunes:summary>Um eine Anrede kommt niemand, der spricht oder schreibt, herum. Aber die höflichen Worte zu Beginn jeder Nachricht sind aktuell im Wandel und alte Regeln über &quot;Liebe...&quot; oder &quot;Sehr geehrte...&quot; außer Kraft gesetzt. Nicht zum ersten Mal in der langen Geschichte der Anredeformen. Von Marie Schoeß</itunes:summary>
      <itunes:episodeType>full</itunes:episodeType>
      <itunes:image href="https://img.br.de/00e84802-a4c9-4431-9a33-856ce99be7f0.jpeg?w=1800"/>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Um eine Anrede kommt niemand, der spricht oder schreibt, herum. Aber die höflichen Worte zu Beginn jeder Nachricht sind aktuell im Wandel und alte Regeln über "Liebe..." oder "Sehr geehrte..." außer Kraft gesetzt. Nicht zum ersten Mal in der langen Geschichte der Anredeformen. Von Marie Schoeß</p>
<p><strong>Credits</strong><br/> Autorin dieser Folge: Marie Schoeß<br/> Regie: Frank Halbach<br/> Es sprachen: Berenike Beschle, Christian Baumann<br/> Technik: Monika Gsaenger<br/> Redaktion: Nicole Ruchlak</p>
<p><strong>Im Interview:<br/></strong>PD Dr. Klaas-Hinrich Ehlers, Institut für Germanistik an der Universität Rostock<br/>Laura Fischlhammer, Germanistik an der Universität Salzburg<br/>Prof. Dr. Bettina Kluge, Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation, Universität Hildesheim<br/>Prof. Dr. Horst Simon, Historische Sprachwissenschaft an der FU Berlin</p>

<strong>Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren:</strong>
<br/>
<strong>Protokoll und Etikette - Anleitungen zum guten Ton<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/episode/radiowissen/protokoll-und-etikette-anleitungen-zum-guten-auftritt/bayern-2/90426250/">JETZT ENTDECKEN</a></strong>

<p><strong>Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:</strong></p>
<p><strong>Kim &amp; Klaus</strong><br/>Jede Woche talken die Moderatorin Kim Fisher und der ehemalige regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit über alle Themen, die sie bewegen. Was ist passiert in ihrem turbulenten Promi-Leben? Wie läuft es wirklich hinter den Kulissen von Politik und Show-Welt so ab? Die beiden haben zu jedem Thema eine Meinung. Mal lustig, mal nachdenklich, aber immer erfrischend anders. Und manchmal öffnen sie einfach ihre Telefonbücher und rufen spontan die berühmtesten Promis Deutschlands an.<br/><a title="Hier geht es zum Podcast." href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/kim-und-klaus/13825843/">JETZT ENTDECKEN</a></p>
<p><strong><br/></strong></p>
<p>Ein Podcast-Tipp für alle, die gerne authentische Geschichten hören: „<strong>Ein Zimmer für uns allein</strong>“ – zwei Frauen, zwei Generationen und die Frage „Wie hast du das erlebt?“<br/> Hier trifft Paula Lochte immer zwei Frauen aus verschiedenen Generationen und sie sprechen offen und ehrlich über ein Thema, das sie verbindet. Was waren die Kämpfe damals, was sind sie heute? „Ein Zimmer für uns allein“ findet ihr in der ARD-Audiothek und überall, wo’s Podcasts gibt – oder gleich <a href="https://1.ard.de/EinZimmerfuerunsallein">HIER</a>.</p>
<p><strong>Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast</strong><br/> Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch &quot;Wie wir ticken&quot; mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört.<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/wie-wir-ticken-euer-psychologie-podcast/94700346/"><strong>Wie wir ticken – Euer Psychologie Podcast</strong></a><strong></strong></p>
<p>Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an <a href="mailto:radiowissen@br.de">radiowissen@br.de</a>.</p>
<p>Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:<br/> ARD Audiothek | Radiowissen<br/> <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/radiowissen/5945518/"><strong>JETZT ENTDECKEN</strong></a><strong></strong></p>
<p>Das vollständige Manuskript gibt es <a title="Hier geht es zum Manuskript." href="https://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/radiowissen/manuskript-radiowissen-anrede-grussformel-hoeflichkeit-sprachwandel-100.html"><strong>HIER</strong></a>.</p>
<p>Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:<br/></p>
<p>SPRECHERIN</p>

<p>Erinnern Sie sich noch, wie Sie Ihre Grundschullehrerin angesprochen haben? Wenn Sie als Sechsjährige, als Achtjähriger Hilfe brauchten, wie haben Sie dann auf sich aufmerksam gemacht? Haben Sie Du oder Sie gerufen, Frau Schmidt oder Annette? Wissen Sie es noch? Der Germanist Klaas-Hinrich Ehlers arbeitet als Privatdozent an der Universität Rostock, am Institut für Germanistik als seine Tochter eingeschult wurde, hat er sich sehr genau daran erinnert, wie es in seiner Schulzeit zuging,</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>01 ZUSPIELER KLAAS-HINRICH EHLERS </p>
<p>Meine Tochter ist in die Grundschule gegangen – ich selber bin ja in den 60er Jahren in der Grundschule gewesen – meine Tochter ging in die Grundschule, und ich merkte: Die duzt ihre Lehrerin und sie nennt sie sogar „Nana“, also mit Kosenamen. Das war für mich vollkommen undenkbar.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Für Klaas-Hinrich Ehlers ist klar: Etwas Grundlegendes hat sich verschoben. Die Regeln, mit denen er aufgewachsen ist, haben sich verkehrt. Er startet eine Untersuchung, interviewt Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer in Norddeutschland, und findet heraus: In der ersten, zweiten Klasse siezt heute eigentlich kein Schulkind mehr sein erwachsenes Gegenüber, und die Kinder wissen das zu begründen. Die Lehrenden seien ihnen schließlich vertraut – deshalb das „Du“. Überordnung, Unterordnung – hierarchische Fragen, die in Ehlers Schulzeit zentral waren, spielen für Kinder heute kaum noch eine Rolle, zumindest nicht in der Grundschule. Das geht aus den Interviews klar hervor. Sympathie, Nähe entscheidet heute über die Anrede in der Grundschule. Nur wenige Jahrzehnte früher: undenkbar. </p>
<p>02 ZUSPIELER KLAAS-HINRICH EHLERS </p>
<p>Da finden wir in den Benimmbüchern der 50er Jahre noch Anweisungen wie: Die Lehrer sind strikt und zu jeder Zeit immer mit „Herr Lehrer“ und „Sie“ anzusprechen – und so weiter, dieses ganze Zeug. Aufstehen, wenn der Lehrer reinkommt. Beiseite gehen, wenn er einem auf dem Fußweg entgegenkommt. Diese ganzen Dinge: Die Anrede ist immer vernetzt mit allen kommunikativen Verfahrensweisen.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Und sie ist Spiegel von gesellschaftlichem Wandel: Die Lehrerinnen und Lehrer interpretieren heute ihre Rolle anders – sonst könnten sich die Kinder das Duzen nie erlauben – und sie lassen sich nur deshalb anders ansprechen. Weil: sie selbst wollen sich von gleich zu gleich begegnen, Dinge aushandeln, statt sie durchzudrücken. Der Sprachwandel ist insofern Symbol eines grundlegenden Rollenwandels. Einer anderen Idee von Kindern, von Respekt, von Schule.</p>
<p>MUSIK CD703880 007 „Wheelbarrow walk“; ZEIT: 00:34</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Mikrokosmos Grundschule beweist etwas Grundlegendes: Wenn die Anrede-Formen in Bewegung geraten, dann ist die Gesellschaft in Bewegung. Jeder Bruch der Anrede-Normen verweist auf einen gesellschaftlichen Bruch. Als Klaas-Hinrich Ehlers seine Untersuchung an Grundschulen durchführt, ist der Wandel schon vollzogen, neue Regeln sind etabliert. Aber was erklärt den Wandel in der Grundschule?</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>03 ZUSPIELER HORST SIMON </p>
<p>Mitte, Ende der 60er Jahre, wo insgesamt das Leben informeller wird, wo Leute anfangen, nicht mehr mit Krawatte rumzurennen oder einen Hut aufzusetzen auf der Straße, da geht es auch los mit sprachlichen Dingen. Dass die Leute eben nicht mehr alle „Sie“ sagen, wenn sie sich nicht kennen, sondern dass es normaler wird, nicht nur im akademischen Bereich, sondern auch unter Nachbarn – wir wohnen in so einem Mietshaus, da sagt man halt „Du“ zueinander. Das sind alles Sachen, die haben so in den 60er Jahren begonnen und dann ging es langsam durch verschiedene gesellschaftliche Bereiche. </p>
<p>MUSIK privat Take 007 „All You Need Is Love“; Album: MSQ Performs The Beatles; Label: 2015 Roma Music Group; Interpret: Midnite String Quartett; Komponist: Lennon/McCartney; ZEIT: 00:44</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Der Linguist Prof. Horst Simon. Er unterrichtet Historische Sprachwissenschaft an der FU Berlin, Sprachwandel ist sein Fachgebiet. Er führt die Entwicklung, an deren Ende wir heute stehen, auf die 60er Jahre, die 68er-Bewegung zurück. Stichwort: Kampf um Bürgerrechte, Kapitalismuskritik, Infragestellung alter Hierarchien. Dieser gesellschaftliche Kampf ums Große Ganze findet seinen Niederschlag in kleinsten sprachlichen Wendungen: in Titeln, die plötzlich unter den Tisch fallen, in Grußformeln, Abschiedsformeln, die sich wandeln.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>04 ZUSPIELER KLAAS-HINRICH EHLERS </p>
<p>Wer beendet Briefe heute noch mit: Hochachtungsvoll, Ihr Ergebener sowieso? Das ist 50er Jahre.</p>
<p>SPRECHERIN </p>
<p>Auch Klaas-Hinrich Ehlers erinnert an die Studentenbewegung, ans Jahr 1968, um die heutige Grundschul-Gepflogenheiten zu erklären. Aber, sagt er, eigentlich müsse man noch weiter zurückgehen, um die Sprache der Grundschüler zu verstehen:</p>
<p>05 ZUSPIELER KLAAS-HINRICH EHLERS </p>
<p>Im 18. Jahrhundert beginnt – im Zusammenhang mit der Französischen Revolution – in ganz Europa eine allmähliche Umorientierung des Kommunikationsverhaltens – weg von der Markierung von Statusunterschieden, hin zur Markierung von Nähen und Fernen. Also, es wird gewechselt von der vertikalen Distanz – oben unten – zur horizontalen Distanz – nah und fern. Und das ist eine Entwicklung, die damals angefangen hat, auch durchgekämpft worden ist. Und in dieser Entwicklung stehen wir letztlich immer noch. </p>
<p>MUSIK privat Take 007 „All You Need Is Love“; Album: MSQ Performs The Beatles; Label: 2015 Roma Music Group; Interpret: Midnite String Quartett; Komponist: Lennon/McCartney; ZEIT: 00:30</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>Die Französische Revolution richtet sich gegen eine Gesellschaftsform, die ursprünglich aus dem Mittelalter stammt: Eine Ständegesellschaft. Oben und unten ist klar definiert. Ein Aufstieg nicht vorgesehen. Die Statusunterschiede drücken sich in allerlei Verhaltensformen aus. Die Körper erzählen in Verbeugungen von ihr, die Sprache in Pronomina:</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>06 ZUSPIELER KLAAS-HINRICH EHLERS </p>
<p>Im 18. Jahrhundert gab es noch wesentlich mehr Pronomina – nicht nur Du und Sie, es gab Du, Ihr, er/sie: Also, die Magd wurde dann angesprochen: Kann sie mal kommen? Also, im Singular. Dann das großgeschriebene Sie, das wir heute noch haben. Es gab eine größere Palette von Anredeformen und das heißt: Eine sehr viel größere Möglichkeit, Unterschiede, asymmetrische Unterschiede zu signalisieren. Also, von oben herab wird nicht nur geduzt, sondern auch geerzt zum Beispiel. </p>
<p>MUSIK C5080290 106 „An eye for optical theory“; ZEIT: 00:27</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Gehe Er mir aus den Augen“ – heute eine unmögliche Formulierung. Früher aber war das „Erzen“ einfach eine weitere Möglichkeit der Anrede, eine weitere Möglichkeit, sich vom Gegenüber abzugrenzen, schon sprachlich den eigenen höheren Stand zu zeigen.</p>
<p>MUSIK ENDE</p>
<p>06 ZUSPIELER KLAAS-HINRICH EHLERS (Fortsetzung)</p>
<p>Friedrich der Große erzt seine Soldaten. Und ihrzt vielleicht seinen Minister. Und er siezt vielleicht einen gleichrangigen Adligen. Und diese Asymmetrien sind abgebaut worden, die Pronomina sind verloren gegangen, wir haben jetzt nur noch zwei – und auch da geht es immer weiter, dass es in Richtung symmetrischer Anrede geht.</p>
<p>SPRECHERIN</p>
<p>„Symmetrische Anrede“: Das ließe sich auch als Kommunikation auf Augenhöhe beschreiben, eine Sprache, die nicht darauf aus ist, Stände-, Bildungsunterschiede herauszustellen, Hierarchien einzuziehen. Die Entwicklung hin zur symmetrischen Anrede zeigt sich heute in eigentlich allen Bereichen. In Schulen und Universitäten, Parteien und Sportvereinen, Betrieben und Unternehmen. Und es zeigt sich noch etwas: Die Anrede wandelt sich nicht bloß von Zeit zu Zeit, sie ist auch von Region zu Region verschieden. Horst Simon weiß das aus eigener Erfahrung: </p>
<p>07 ZUSPIELER HORST SIMON </p>
<p>Es ist ja ein Phänomen – das gibt es im Bairischen ganz stark, aber auch in anderen Gebieten –, dass man eine Person siezt, aber mehrere Siezpersonen mit „Ihr“ anspricht. Also, ich habe das selbst als Student erlebt, dass ich natürlich zu dem einzelnen Professor „Sie“ gesagt habe, aber wenn mehrere Professoren zusammenstanden, habe ich zu Ihnen insgesamt „Ihr“ gesagt. Das hat wunderbar funktioniert bis zu dem Moment, wo ich das zu zwei Professoren gesagt habe, die aus Norddeutschland kamen, und die das überhaupt nicht verstanden haben, sondern dann beleidigt waren, weil ich so komisch informell rede, so als würde ich sie duzen. Und da sieht man eben, dass es in verschiedenen Variet